die Änderungen sind fett und kursiv wiedergegeben

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ANHANG
GEÄNDERTEN ZUSAMMENFASSUNGEN DER ERZEUGNISMERKMALE
(die Änderungen sind fett und kursiv wiedergegeben)
3
1.
BEZEICHNUNG DER ARZNEIMITTEL:
Amaryl®
2.
QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
1 Tablette Amaryl® 1 mg enthält 1 mg Glimepirid
3.
ARZNEIFORM
Tabletten
4.
KLINISCHE ANGABEN
4.1
Anwendungsgebiete
Zur Behandlung des Typ-II-Diabetes mellitus, wenn durch Diät, körperliche Aktivität
und Gewichtsabnahme alleine kein ausreichender therapeutischer Erfolg erzielt werden
konnte.
4.2
Dosierung und Art der Anwendung
Die Basis jeder erfolgreichen Diabetes-Behandlung sind, neben regelmäßigen
Kontrollen der relevanten Blut- und Harnwerte, eine adäquate Diät sowie regelmäßige
körperliche Bewegung.
Negative Effekte, z.B. aufgrund nicht eingehaltener Diätvorschriften, können durch die
Gabe von oralen Antidiabetika oder Insulin nicht kompensiert werden.
Die individuell notwendige Dosierung wird aufgrund der Blut- und Harnzuckerwerte
festgelegt.
Üblicherweise beträgt die Initialdosis 1 mg Glimepirid pro Tag. Bei gutem Ansprechen
des Patienten kann in der Folge diese Dosis beibehalten werden.
Sollte eine Erhöhung der Tagesdosis jedoch notwendig sein, ist die Dosierung
entsprechend der metabolischen Situation schrittweise auf 2, 3 oder 4 mg
Glimepirid, jeweils im Intervall von 1-2 Wochen, zu steigern. Bei Dosen von
täglich mehr als 4 mg Glimepirid konnte nur noch in Einzelfällen eine
Wirkungsverbesserung beobachtet werden. Die tägliche Maximaldosis von 6 mg
Glimepirid sollte nicht überschritten werden.
Normalerweise ist die tägliche Einmalgabe von Glimepirid ausreichend. Die Einnahme
wird unmittelbar vor oder während des Frühstücks empfohlen bzw. unmittelbar vor oder
während der ersten Hauptmahlzeit, wenn kein Frühstück eingenommen wurde.
Wurde die Einnahme einer Tablette vergessen, darf die nächstfolgende Dosis auf keinen
Fall entsprechend erhöht werden.
Die Tabletten werden unzerkaut mit etwas Flüssigkeit eingenommen.
Zeigt ein Patient während der Therapie mit täglich einer Tablette Amaryl® 1 mg
hypoglykämische Reaktionen, kann bei diesen Patienten eine Stoffwechselregulation
mittels einer Diät alleine ausreichend sein.
Da eine Verbesserung der Stoffwechseleinstellung mit einer höheren Insulinsensitivität
verbunden ist, kann während der Behandlung mit Glimepirid eine Dosiskorrektur
notwendig sein.
4
Um Hypoglykämien zu vermeiden, muß daher rechtzeitig eine Dosisreduktion oder eine
Beendigung der Therapie mit Glimepirid erwogen werden.
Weiters könnte aufgrund einer Gewichtsänderung des Patienten oder Änderung des
Lebensstils bzw. anderer Faktoren, die das Risiko einer Hypo- oder Hyperglykämie
erhöhen, ebenfalls eine Dosisanpassung notwendig sein.
Wechsel von anderen oralen Antidiabetika auf Amaryl®
Ein Wechsel von anderen oralen Antidiabetika auf eine Therapie mit Amaryl® ist
prinzipiell möglich. Bei einem Wechsel auf Amaryl® muß aber die Stärke sowie die
Halbwertszeit der bisherigen Medikation beachtet werden In einigen Fällen,
insbesondere bei Antidiabetika mit einer langen Halbwertszeit (z. B.
Chlorpropamid), ist eine Wash-out-Phase von wenigen Tagen in Betracht zu
ziehen, um das Risiko einer hypoglykämischen Reaktion aufgrund eines additiven
Effekts zu vermindern.
Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 1 Tablette Amaryl® 1 mg pro Tag.
Ist aufgrund der Stoffwechselkontrolle eine Erhöhung der Glimepirid-Dosis notwendig,
erfolgt diese stufenweise in der bereits beschriebenen Art.
Wechsel von Insulin auf Amaryl®
Bei Typ-II-Diabetikern, die bisher mit Insulin behandelt wurden, kann in bestimmten
Fällen ein Wechsel auf Amaryl® angezeigt sein. Ein solcher Wechsel sollte jedoch
prinzipiell nur im Krankenhaus erfolgen.
4.3
Gegenanzeigen
Amaryl® sollte nicht angewendet werden bei:
Insulin-abhängigem Diabetes, diabetischem Koma, Ketoazidose, Überempfindlichkeit
gegenüber Glimepirid, anderen Sulfonylharnstoffen, Sulfonamiden oder anderen
Bestandteilen des Präparates.
Bei schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörungen sollte auf Insulin umgestellt
werden.
Schwangerschaft und Stillzeit.
4.4
Warnhinweise und spezielle Vorsichtsmaßnahmen bei der Anwendung
Amaryl® sollte unmittelbar vor oder während einer Mahlzeit eingenommen werden.
Werden während der Therapie mit Amaryl® Mahlzeiten in unregelmäßigen Abständen
eingenommen bzw. ausgelassen, kann es zu einer Hypoglykämie kommen.
Mögliche Symptome einer Hypoglykämie sind z.B. Kopfschmerzen, Heißhunger,
Übelkeit, Erbrechen, Mattigkeit, Schläfrigkeit, Schlafstörungen, Unruhe, Aggressivität,
Konzentrationsstörungen, Verminderung des Reaktionsvermögens, Depressionen,
Verwirrtheit,
Sprachund
Sehstörungen,
Aphasie,
Tremor,
Paresen,
Sensibilitätsstörungen, Schwindel, Hilflosigkeit, Verlust der Selbstkontrolle, Delirium,
zerebrale Konvulsionen, Somnolenz, Bewußtseinsverlust bis hin zum Koma,
oberflächliche Atmung, Bradykardie.
Zusätzlich können auch Anzeichen einer adrenergen Gegenregulation bestehen wie
Schwitzen, feuchtkalte Haut, Angst, Tachykardie, Hypertonie, Palpitationen, Angina
pectoris und Herzrhythmusstörungen.
Das klinische Bild einer schweren Hypoglykämie kann jenem eines Schlaganfalls
gleichen.
5
Durch die Verabreichung von Kohlenhydraten (Zucker) klingen diese Symptome fast
immer ab. Künstliche Süßstoffe zeigen keine Wirkung.
Von anderen Sulfonylharnstoffen ist bekannt, daß eine Hypoglykämie trotz zunächst
erfolgreicher Gegenmaßnahmen wieder auftreten kann.
Bei einer schweren Hypoglykämie oder bei nur zeitweilig normalen Zuckerwerten über
einen längeren Zeitraum ist eine sofortige ärztliche Behandlung, ggf. auch stationär,
erforderlich.
Folgende Faktoren können eine Hypoglykämie begünstigen:
-
mangelnde Bereitschaft oder (meist bei älteren Patienten) mangelnde Fähigkeit
zur Mitarbeit
-
schlechter Ernährungszustand, unregelmäßig eingenommene oder ausgelassene
Mahlzeiten bzw. Fastenperioden
-
Änderungen in der Diät
-
Unausgewogenheit
zwischen
Kohlenhydrataufnahme
-
Alkoholkonsum (insbesondere, wenn Mahlzeiten ausgelassen wurden)
-
Nierenfunktionsstörungen
-
Leberfunktionsstörungen
-
Überdosierung von Amaryl®
-
bestimmte nicht kompensierte Störungen des endokrinen Systems, die den
Kohlenhydratstoffwechsel bzw. den Gegenregulationsmechanismus einer
Hypoglykämie
beeinflussen
(z.B.
bei
bestimmten
Schilddrüsenfunktionsstörungen und bei Hypophysenvorderlappen- oder
Nebennierenrindeninsuffizienz)
-
gleichzeitige
Einnahme
Wechselwirkungen)
körperlicher
bestimmter
anderer
Bewegung
Medikamente
und
(siehe
Während der Therapie mit Amaryl® sind regelmäßige Kontrollen der Blut- und
Harnzuckerwerte erforderlich. Zusätzlich wird die Bestimmung von Haemoglobin A1
sowie, wenn möglich, von Fruktosamin empfohlen.
Weiters sollte während der Behandlung das Blutbild (vor allem die Leuko- und Thrombozytenzahl) sowie die Leberfunktion überprüft werden.
In Streßsituationen (z.B. nach Unfällen, akuten chirurgischen Eingriffen, fieberhaften
Infekten usw.) kann vorübergehend eine Umstellung auf Insulin notwendig sein.
Es liegen keine Erfahrungen über die Behandlung mit Amaryl® bei Patienten mit
schweren Leberfunktionsstörungen bzw. bei Dialysepatienten vor. Daher ist bei
Patienten mit schweren Nieren- und Leberfunktionsstörungen eine Umstellung auf
Insulin angezeigt.
4.5
Wechselwirkungen
Wechselwirkungen
mit
anderen
Arzneimitteln
una
andere
Wird Amaryl® gemeinsam mit bestimmten anderen Arzneimitteln eingenommen, kann
sowohl eine unerwünschte Verstärkung als auch eine Verminderung der
blutzuckersenkenden Wirkung von Glimepirid auftreten. Aus diesem Grund sollten
6
andere Medikamente nur auf ärztliche Verschreibung bzw. mit dem Einverständnis des
behandelnden Arztes eingenommen werden.
Aufgrund der Erfahrungen mit Amaryl® und anderen Sulfonylharnstoffen konnten
nachfolgende Wechselwirkungen beobachtet werden.
Hypoglykämische Reaktionen aufgrund einer Verstärkung der blutzuckersenkenden
Wirkung können unter der gleichzeitigen Gabe z. B. folgender Arzneimittel während
der Behandlung mit Amaryl® auftreten.
Phenylbutazon, Azapropazon und Oxyphenbutazon
Insulin und andere orale Antidiabetika
Metformin
Salicylate und p-amino-Salicylsäure
Anabolika und männliche Sexualhormone
Chloramphenicol
Antikoagulantien vom Cumarin-Typ
Fenfluramin
Fibrate
ACE-Hemmer
Fluoxetin
Allopurinol
Sympatholytika
Cyclophosphamid, Tro- und Ifosfamid
Sulfinpyrazon
bestimmte langwirkende Sulfonamide
Tetracycline
MAO-Hemmer
Chinolone
Probenecid
Miconazol
Pentoxifyllin (parenteral in hohen Dosen)
Tritoqualin
Bei der gleichzeitigen Einnahme von Amaryl® und Medikamenten mit nachfolgend
angeführten Wirkstoffen kann es zu einer Verminderung der blutzuckersenkenden
Wirkung von Glimepirid und in der Folge zu einer Verschlechterung der
Stoffwechsellage kommen
Östrogene und Gestagene
Saluretika, Thiazide
Schilddrüsenhormone, Glucokortikoide
Phenothiazin-Derivate, Chlorpromazin
7
Adrenalin und Sympathomimetika
Nikotinsäure (in hohen Dosen) und Nikotinsäure-Derivate
Laxantien (bei Langzeitanwendung)
Phenytoin, Diazoxid
Glucagon, Barbiturate und Rifampicin
Acetazolamid
H2-Antagonisten, Beta-Blocker, Clonidin und Reserpin können entweder zu einer
Verstärkung oder Verminderung der blutzuckersenkenden Wirkung führen.
Unter dem Einfluß von Sympatholytika wie Beta-Blocker, Clonidin, Guanethidin und
Reserpin können die Anzeichen einer adrenergen Hypoglykämie-Gegenreaktion
abgeschwächt sein oder völlig fehlen.
Akuter bzw. chronischer Alkoholkonsum kann die blutzuckersenkende Wirkung von
Glimepirid in unvorhersehbarer Weise verstärken oder vermindern.
Glimepirid kann die Wirkung von Cumarin-Derivaten verstärken oder vermindern.
4.6
Schwangerschaft und Stillzeit
Amaryl® ist während einer Schwangerschaft kontraindiziert. Bei schwangeren
Patientinnen muß auf Insulin umgestellt werden. Daher sollten Diabetikerinnen, die
eine Schwangerschaft planen, den behandelnden Arzt unbedingt darüber informieren.
Bei Untersuchungen zur Reproduktionstoxizität traten embryotoxische und teratogene
Wirkungen sowie toxische Entwicklungsstörungen auf. Diese Ergebnisse sind jedoch
wahrscheinlich Ausdruck der pharmakodynamischen Wirkung extrem hoher Dosen und
sind daher nicht Substanz-spezifisch.
Sulfonylharnstoff-Derivate treten in solchen Mengen in die Muttermilch über, daß
während der Behandlung mit Amaryl® nicht gestillt werden darf.
4.7
Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Bedienung von
Maschinen
Bis zum Erreichen der optimalen Blutzuckereinstellung, z.B. nach einem
Präparatewechsel, oder wenn die Tabletten nicht regelmäßig eingenommen werden,
kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigt sein. Dadurch kann die Fahrtüchtigkeit
bzw. die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen vermindert sein.
4.8
Nebenwirkungen
Aufgrund der Erfahrungen mit Amaryl® und anderen Sulfonylharnstoffen können
folgende Nebenwirkungen auftreten:
Hypoglykämie
Sehr selten wurden nach der Gabe von Amaryl® hypoglykämische Reaktionen
beobachtet, die meist unmittelbar nach der Einnahme auftraten. Eine Hypoglykämie
kann sehr schwer verlaufen und ist nicht in allen Fällen leicht zu beherrschen. Wie bei
jeder medikamentösen Diabetes-Therapie hängt die Häufigkeit des Auftretens einer
Hypoglykämie von individuellen Faktoren wie z. B. Diätgewohnheiten oder Dosierung
ab (siehe "Besondere Warnungen und besondere Vorsichtsmaßnahmen für den
Gebrauch").
Augen
8
Aufgrund der sich ändernden Glucosespiegel, insbesondere zu Therapiebeginn, können
vorübergehend Sehstörungen auftreten.
Magen-Darm-Trakt
Gastrointestinale Beschwerden wie Nausea, Erbrechen, Diarrhoe, Magendruck,
Völlegefühl sowie Bauchschmerzen treten nur sehr selten auf und bedingen selten einen
Abbruch der Therapie.
In Einzelfällen wurden während einer Behandlung mit Sulfonylharnstoffen eine
Erhöhung der Leberenzyme sowie eine Verschlechterung der Leberfunktion (mit
Cholestase und Ikterus) sowie Hepatitis beobachtet. Im allgemeinen verschwanden
diese Symptome nach Abbruch der Therapie, eine schwere Hepatitis kann jedoch zum
Leberversagen führen.
Allergische Reaktionen
Es können Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut wie Juckreiz, Rash und Urtikaria
auftreten. In Einzelfällen können sich solche Reaktionen zu schweren Zuständen mit
Dyspnoe, Hypertonie bis hin zum Schock entwickeln. Weiters können vereinzelt
Photosensibilität und allergische Vaskulitis auftreten.
Außerdem sind Kreuzreaktionen mit anderen Sulfonylharnstoffen oder Sulfonamiden
und deren Derivaten möglich.
Blutbild
Selten treten Blutbildveränderungen während einer Therapie mit Amaryl® auf, wie z.B.
mäßige
bis
schwere
Thrombozytopenie,
Erythrozytopenie,
Leukopenie,
Granulozytopenie, Agranulozytose, hämolytische Anämie sowie Panzytopenie.
Im allgemeinen sind diese Veränderungen nach Therapieabbruch reversibel.
Sonstige
Es kann eine Verminderung der Serum-Natriumkonzentration auftreten.
In placebokontrollierten klinischen Studien traten Infektionen der oberen
Atemwege in der Glimepirid-Gruppe häufiger auf (14,2 %) als in der PlaceboGruppe (7,8 %), die jedoch in keinem Fall vom Prüfarzt als therapiebedingt
eingestuft wurden.
Zwischen Glimepirid (4,6 %) und Glibenclamid (4,2 %) traten Infektionen der
oberen Atemwege ähnlich häufig auf.
4.9
Überdosierung
Nach Einnahme einer Überdosis kann innerhalb von 24 Stunden eine Hypoglykämie
auftreten, die 12 bis 72 Stunden anhalten und nach anfänglicher Besserung wieder
auftreten kann. Daher wird eine stationäre Überwachung des Patienten empfohlen.
Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und epigastrische Beschweren können auftreten.
Weiters wird eine Hypoglykämie meist von neurologischen Symptomen wie Unruhe,
Tremor, Sehstörungen, Koordinationsstörungen, Schläfrigkeit, Koma und Konvulsionen
begleitet.
In erster Linie sollte bei der Behandlung einer Überdosierung eine weitere Absorption
von Glimepirid im Organismus verhindert werden, und zwar durch induziertes
Erbrechen sowie durch Verabreichung von Aktivkohle (Adsorbens) und Natrimsulfat
(Laxativum) in Wasser oder Limonade.
9
Sollte eine große Menge Amaryl® eingenommen worden sein, ist vor der Gabe von
Aktivkohle und Natriumsulfat eine Magenspülung vorzunehmen.
Im Falle einer (schweren) Überdosierung kann eine intensivmedizinische Behandlung
angezeigt sein.
Weiters muß neben der symptomatischen Behandlung so rasch als möglich mit der
Verabreichung von Glucoselösung begonnen werden. Gegebenenfalls ist mit einer i.v.Bolus-Gabe von 50 ml 50 %iger Glucoselösung zu beginnen und anschließend mit der
Infusion von 10 %iger Glucoselösung unter ständiger Kontrolle des Blutzuckers
fortzusetzen.
Besonders bei der Behandlung einer Hypoglykämie aufgrund einer versehentlichen
Einnahme von Amaryl® bei Kleinkindern und Kindern muß die Dosierung der Glucose,
im Hinblick auf das Risiko der Entstehung einer bedrohlichen Hyperglykämie,
sorgfältig, unter engmaschiger Kontrolle der Blutzuckerspiegel durchgeführt werden.
5.
PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1
Pharmakodynamik
Glimepirid ist eine oral wirksame, blutzuckersenkende Substanz, die zur Gruppe der
Sulfonylharnstoffe gehört. Es wird bei nicht insulinpflichtigem Diabetes mellitus
eingesetzt.
Glimepirid wirkt hauptsächlich durch die Stimulation der Insulinfreisetzung aus den ßZellen des Pankreas. Wie bei anderen Sulfonylharnstoffen beruht dieser Effekt vor
allem auf einer Verbesserung der Ansprechbarkeit der ß-Zellen auf den physiologischen
Glucosestimulus. Zusätzlich scheint Glimepirid ausgeprägte extrapankreatische
Wirkungen zu haben, wie sie für andere Sulfonylharnstoffe auch angenommen werden.
Insulinfreisetzung
Sulfonylharnstoffe bewirken die Insulinfreisetzung durch Schließen der ATP-sensitiven
Kalium-Kanäle in der Membran der ß-Zellen.
Das Schließen dieser Kanäle führt zu einer Depolarisation der ß-Zelle und bewirkt durch Öffnen der Kalzium-Kanäle - einen verstärkten Einstrom von Kalzium in die
Zelle. Dies bedingt die Insulinfreisetzung durch Exozytose.
Glimepirid bindet mit einer hohen Exchange-Rate an ein bestimmtes ßZellmembranprotein, das mit den ATP-sensitiven Kaliumkanälen im Zusammenhang
steht, wodurch es sich aber von der Bindungsstelle herkömmlicher Sulfonylharnstoffe
stark unterscheidet.
Extrapankreatische Aktivität
Extrapankreatische Wirkungen sind z.B. eine Verbesserung der Insulin-Empfindlichkeit
des peripheren Gewebes sowie eine Verminderung der hepatischen Insulinaufnahme.
Die Aufnahme von Glucose aus dem Blut in die periphere Muskulatur und das
Fettgewebe erfolgt über spezielle Transportproteine in der Zellmembran. Der Transport
von Glucose in diese Gewebe bestimmt die Höhe des jeweiligen Glucoseverbrauchs.
Glimepirid erhöht sehr rasch die Zahl aktiver Glucose-Transportmoleküle in den
Plasma-Membranen der Muskel- und Fettzellen, wodurch es zu einer Stimulation der
Glucoseaufnahme kommt.
10
Weiters erhöht Glimepirid die Aktivität der Glykosyl-Phosphatidylinositol-spezifischen
Phospholipase C. Dies dürfte mit der substanzinduzierten Lipo- und Glykogenese in
den isolierten Fett- und Muskelzellen im Zusammenhang stehen.
Glimepirid hemmt die hepatische Glucoseproduktion durch eine Erhöhung der
intrazellulären Konzentration von Fructose-2,6-Biphosphat, das in der Folge die
Gluconeogenese hemmt.
Allgemeines
Bei gesunden Probanden betrug die niedrigst wirksame orale Dosis 0,6 mg. Die
Wirksamkeit von Glimepirid ist dosisabhängig und reproduzierbar.
Die physiologische Reaktion auf akute körperliche Betätigung (d.h. eine Reduktion der
Insulinsekretion) bleibt unter Glimepirid weiter erhalten.
Es gab keinen signifikanten Unterschied in der Wirksamkeit bei Einnahme des
Arzneimittels 30 Minuten vor oder unmittelbar vor einer Mahlzeit. Bei Diabetikern
kann eine gute Einstellung der Stoffwechsellage durch eine einmalige Gabe innerhalb
von 24 Stunden erzielt werden.
Obwohl der Hydroxy-Metabolit von Glimepirid bei gesunden Probanden einen
geringen, aber signifikanten Abfall der Serum-Glucose bewirkte, trägt dies nur im
geringen Maß zur Gesamtwirkung des Arzneimittels bei.
5.2
Pharmakokinetik
Die absolute Bioverfügbarkeit von Glimepirid ist vollständig. Die Nahrungsaufnahme
hat keinen relevanten Einfluß auf die Absorption; lediglich die Absorptionsrate ist
leicht verringert. Maximale Serumkonzentrationen (Cmax) werden etwa 2,5 Stunden
nach oraler Applikation erreicht (im Mittel 0,3 µg bei wiederholter Gabe von 4
mg/Tag). Weiters besteht ein linearer Zusammenhang zwischen der Dosis, der Cmax
und der AUC (Fläche unter der Zeit/Konzentrations-Kurve).
Glimepirid hat ein geringes Verteilungsvolumen (ungefähr 8,8 Liter), das in etwa jenem
von Albumin entspricht, sowie eine hohe Proteinbindung (> 99 %) und eine niedrige
Clearance (ungefähr 48 ml/min).
Die mittlere Serum-Halbwertszeit, die für die Serumkonzentrationen bei wiederholter
Gabe von Bedeutung ist, beträgt 5 bis 8 Stunden. Nach Einnahme höherer Dosen konnte
eine leichte Verlängerung der Halbwertszeit beobachtet werden.
Nach einer Einmaldosis von radioaktiv markiertem Glimepirid wurden 58 % der
Radioaktivität im Urin wieder gefunden und 35 % in den Faeces. Im Urin wurde keine
unveränderte Substanz gefunden. Zwei Metaboliten, die wahrscheinlich durch eine
hepatische Metabolisierung entstehen, ein Hydroxy- und ein Carboxy-Derivat, wurden
sowohl im Urin als auch in den Faeces gefunden. Nach oraler Einnahme von Glimepirid
betrug die terminale Halbwertszeit der genannten Metaboliten 3 bis 6 bzw. 5 bis 6
Stunden.
Beim Vergleich einer täglichen Einmalgabe und der Mehrfachdosierung pro Tag
zeigten sich keine signifikanten pharmakokinetischen Unterschiede und die
intraindividuelle Variabilität war sehr gering. Es kam zu keiner relevanten Kumulation.
Die pharmakokinetischen Daten waren bei Männern und Frauen ähnlich, ebenso bei
jüngeren und älteren Patienten (über 65 Jahre). Bei Patienten mit niedriger KreatininClearance konnte ein Trend zu einer Erhöhung der Glimepirid-Clearance festgestellt
werden sowie eine Verminderung der durchschnittlichen Serumkonzentrationen, die
11
wahrscheinlich auf einer rascheren Elimination aufgrund einer geringeren
Proteinbindung beruht. Die renale Elimination der beiden Metabolite war vermindert.
Insgesamt kann bei diesen Patienten kein erhöhtes Kumulationsrisiko angenommen
werden.
Im Tierversuch tritt Glimepirid in die Muttermilch über und ist plazentagängig. Im
geringen Maß kann Glimepirid die Blut-Hirn-Schranke passieren.
5.3
Präklinische Sicherheitsdaten
Bei Prüfungen zur subchronischen und chronischen Toxizität an Ratten, Mäusen
und Hunden wurde sowohl eine Abnahme der Serum-Glucose als auch eine
Degranulation der ß-Zellen des Pankreas beobachtet. Diese Veränderungen waren
im
allgemeinen
reversibel
und
wahrscheinlich
Ausdruck
der
pharmakodynamischen Wirkung.
In einer Untersuchung zur chronischen Toxizität an Hunden kam es bei zwei
Tieren aus der Gruppe mit der höchsten Dosis (320 mg/kg KG) zu
Linsentrübungen. Jedoch zeigte sich bei In vitro-Untersuchungen an Linsen von
Rindern bzw. bei Studien an Ratten kein kataraktogenes oder co-kataraktogenes
Potential.
Glimepirid zeigte keine mutagenen bzw. genotoxischen Effekte.
Durch Glimepirid kam es bei Untersuchungen an Ratten unter der höchsten Dosis
(345 mg/kg KG) zu einer leicht erhöhten Inzidenz von Unterus-Adenokarzinomen.
Die Sicherheitsfaktoren, basierend auf einem Vergleich der systemischen
Exposition (AUC-Werte) von weiblichen Ratten und Menschen sind jedoch hoch
genug (ungefähr 20x), um ein Risiko für Patientinnen innerhalb der empfohlenen
klinischen Dosen auszuschließen.
Bei Mäusen wurden vermehrt Hyperplasien bzw. Adenome der Langerhans’schen
Zellen beobachtet, die jedoch als eine Folge der chronischen Stimulation der ßZellen angesehen werden.
Die Gabe von Glimepirid an Ratten zeigte keine Veränderung der Fruchtbarkeit
bzw. des Schwangerschafts- und Geburtsverlaufs.
Mißbildungen (z. B. Augenmißbildungen, Fissuren und Knochenanomalien) traten
bei Ratten und Kaninchen auf. Weiterhin wurden nur bei Kaninchen vermehrt
Aborte und intrauteriner Fruchttod beobachtet.
6.
PHARMAZEUTISCHE DATEN
6.1
Sonstige Bestandteile
Lactose, Natriumstärkeglycolat, Magnesiumstearat, Zellulose und Polyvidon 25 000.
Weiters als Farbstoffe rotes Eisenoxyd (E 172) bei Amaryl® 1 mg.
6.2
Inkompatibilitäten
Keine bekannt.
12
6.3
Dauer der Haltbarkeit
Das Haltbarkeitsdatum ist auf der Verpackung mit dem Vermerk "Verwendbar bis"
angegeben. Die Haltbarkeit von Amaryl® beträgt 36 Monate.
6.4
Besondere Anforderungen an Lagerung/fürAufbewahrung
Nicht über Raumtemperatur (bis 25° C) lagern.
Für Kinder unerreichbar aufbewahren.
6.5
Art der Behältnisse und Packungsgrößen
30 und 120 Tabletten (in Blisterpackungen zu je 10 Tabletten).
Es handelt sich um Oblong-Tabletten mit Bruchrille. Die Amaryl® 1 mg-Tablette ist
8x4 mm. Amaryl® 1 mg ist rosa.
7.
ZULASSUNGSINHABER
...................
8.
ZULASSUNGSNUMMER
9.
ZULASSUNGDATUM/VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNG:
10.
STAND DER ÜBERARBEITUNG DER INFORMATION
13
1.
BEZEICHNUNG DER ARZNEIMITTEL:
Amaryl®
2.
QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
1 Tablette Amaryl® 2 mg enthält 2 mg Glimepirid
3.
ARZNEIFORM
Tabletten
4.
KLINISCHE ANGABEN
4.1
Anwendungsgebiete
Zur Behandlung des Typ-II-Diabetes mellitus, wenn durch Diät, körperliche Aktivität
und Gewichtsabnahme alleine kein ausreichender therapeutischer Erfolg erzielt werden
konnte.
4.2
Dosierung und Art der Anwendung
Die Basis jeder erfolgreichen Diabetes-Behandlung sind, neben regelmäßigen
Kontrollen der relevanten Blut- und Harnwerte, eine adäquate Diät sowie regelmäßige
körperliche Bewegung.
Negative Effekte, z.B. aufgrund nicht eingehaltener Diätvorschriften, können durch die
Gabe von oralen Antidiabetika oder Insulin nicht kompensiert werden.
Die individuell notwendige Dosierung wird aufgrund der Blut- und Harnzuckerwerte
festgelegt.
Üblicherweise beträgt die Initialdosis 1 mg Glimepirid pro Tag. Bei gutem Ansprechen
des Patienten kann in der Folge diese Dosis beibehalten werden.
Sollte eine Erhöhung der Tagesdosis jedoch notwendig sein, ist die Dosierung
entsprechend der metabolischen Situation schrittweise auf 2, 3 oder 4 mg
Glimepirid, jeweils im Intervall von 1-2 Wochen, zu steigern. Bei Dosen von
täglich mehr als 4 mg Glimepirid konnte nur noch in Einzelfällen eine
Wirkungsverbesserung beobachtet werden. Die tägliche Maximaldosis von 6 mg
Glimepirid sollte nicht überschritten werden.
Normalerweise ist die tägliche Einmalgabe von Glimepirid ausreichend. Die Einnahme
wird unmittelbar vor oder während des Frühstücks empfohlen bzw. unmittelbar vor oder
während der ersten Hauptmahlzeit, wenn kein Frühstück eingenommen wurde.
Wurde die Einnahme einer Tablette vergessen, darf die nächstfolgende Dosis auf keinen
Fall entsprechend erhöht werden.
Die Tabletten werden unzerkaut mit etwas Flüssigkeit eingenommen.
Zeigt ein Patient während der Therapie mit täglich einer Tablette Amaryl® 1 mg
hypoglykämische Reaktionen, kann bei diesen Patienten eine Stoffwechselregulation
mittels einer Diät alleine ausreichend sein.
Da eine Verbesserung der Stoffwechseleinstellung mit einer höheren Insulinsensitivität
verbunden ist, kann während der Behandlung mit Glimepirid eine Dosiskorrektur
notwendig sein.
14
Um Hypoglykämien zu vermeiden, muß daher rechtzeitig eine Dosisreduktion oder eine
Beendigung der Therapie mit Glimepirid erwogen werden.
Weiters könnte aufgrund einer Gewichtsänderung des Patienten oder Änderung des
Lebensstils bzw. anderer Faktoren, die das Risiko einer Hypo- oder Hyperglykämie
erhöhen, ebenfalls eine Dosisanpassung notwendig sein.
Wechsel von anderen oralen Antidiabetika auf Amaryl®
Ein Wechsel von anderen oralen Antidiabetika auf eine Therapie mit Amaryl® ist
prinzipiell möglich. Bei einem Wechsel auf Amaryl® muß aber die Stärke sowie die
Halbwertszeit der bisherigen Medikation beachtet werden In einigen Fällen,
insbesondere bei Antidiabetika mit einer langen Halbwertszeit (z. B.
Chlorpropamid), ist eine Wash-out-Phase von wenigen Tagen in Betracht zu
ziehen, um das Risiko einer hypoglykämischen Reaktion aufgrund eines additiven
Effekts zu vermindern.
Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 1 Tablette Amaryl® 1 mg pro Tag.
Ist aufgrund der Stoffwechselkontrolle eine Erhöhung der Glimepirid-Dosis notwendig,
erfolgt diese stufenweise in der bereits beschriebenen Art.
Wechsel von Insulin auf Amaryl®
Bei Typ-II-Diabetikern, die bisher mit Insulin behandelt wurden, kann in bestimmten
Fällen ein Wechsel auf Amaryl® angezeigt sein. Ein solcher Wechsel sollte jedoch
prinzipiell nur im Krankenhaus erfolgen.
4.3
Gegenanzeigen
Amaryl® sollte nicht angewendet werden bei:
Insulin-abhängigem Diabetes, diabetischem Koma, Ketoazidose, Überempfindlichkeit
gegenüber Glimepirid, anderen Sulfonylharnstoffen, Sulfonamiden oder anderen
Bestandteilen des Präparates.
Bei schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörungen sollte auf Insulin umgestellt
werden.
Schwangerschaft und Stillzeit.
4.4
Warnhinweise und spezielle Vorsichtsmaßnahmen bei der Anwendung
Amaryl® sollte unmittelbar vor oder während einer Mahlzeit eingenommen werden.
Werden während der Therapie mit Amaryl® Mahlzeiten in unregelmäßigen Abständen
eingenommen bzw. ausgelassen, kann es zu einer Hypoglykämie kommen.
Mögliche Symptome einer Hypoglykämie sind z.B. Kopfschmerzen, Heißhunger,
Übelkeit, Erbrechen, Mattigkeit, Schläfrigkeit, Schlafstörungen, Unruhe, Aggressivität,
Konzentrationsstörungen, Verminderung des Reaktionsvermögens, Depressionen,
Verwirrtheit,
Sprachund
Sehstörungen,
Aphasie,
Tremor,
Paresen,
Sensibilitätsstörungen, Schwindel, Hilflosigkeit, Verlust der Selbstkontrolle, Delirium,
zerebrale Konvulsionen, Somnolenz, Bewußtseinsverlust bis hin zum Koma,
oberflächliche Atmung, Bradykardie.
Zusätzlich können auch Anzeichen einer adrenergen Gegenregulation bestehen wie
Schwitzen, feuchtkalte Haut, Angst, Tachykardie, Hypertonie, Palpitationen, Angina
pectoris und Herzrhythmusstörungen.
Das klinische Bild einer schweren Hypoglykämie kann jenem eines Schlaganfalls
gleichen.
15
Durch die Verabreichung von Kohlenhydraten (Zucker) klingen diese Symptome fast
immer ab. Künstliche Süßstoffe zeigen keine Wirkung.
Von anderen Sulfonylharnstoffen ist bekannt, daß eine Hypoglykämie trotz zunächst
erfolgreicher Gegenmaßnahmen wieder auftreten kann.
Bei einer schweren Hypoglykämie oder bei nur zeitweilig normalen Zuckerwerten über
einen längeren Zeitraum ist eine sofortige ärztliche Behandlung, ggf. auch stationär,
erforderlich.
Folgende Faktoren können eine Hypoglykämie begünstigen:
-
mangelnde Bereitschaft oder (meist bei älteren Patienten) mangelnde Fähigkeit
zur Mitarbeit
-
schlechter Ernährungszustand, unregelmäßig eingenommene oder ausgelassene
Mahlzeiten bzw. Fastenperioden
-
Änderungen in der Diät
-
Unausgewogenheit
zwischen
Kohlenhydrataufnahme
-
Alkoholkonsum (insbesondere, wenn Mahlzeiten ausgelassen wurden)
-
Nierenfunktionsstörungen
-
Leberfunktionsstörungen
-
Überdosierung von Amaryl®
-
bestimmte nicht kompensierte Störungen des endokrinen Systems, die den
Kohlenhydratstoffwechsel bzw. den Gegenregulationsmechanismus einer
Hypoglykämie
beeinflussen
(z.B.
bei
bestimmten
Schilddrüsenfunktionsstörungen und bei Hypophysenvorderlappen- oder
Nebennierenrindeninsuffizienz)
-
gleichzeitige
Einnahme
Wechselwirkungen)
körperlicher
bestimmter
anderer
Bewegung
Medikamente
und
(siehe
Während der Therapie mit Amaryl® sind regelmäßige Kontrollen der Blut- und
Harnzuckerwerte erforderlich. Zusätzlich wird die Bestimmung von Haemoglobin A1
sowie, wenn möglich, von Fruktosamin empfohlen.
Weiters sollte während der Behandlung das Blutbild (vor allem die Leuko- und Thrombozytenzahl) sowie die Leberfunktion überprüft werden.
In Streßsituationen (z.B. nach Unfällen, akuten chirurgischen Eingriffen, fieberhaften
Infekten usw.) kann vorübergehend eine Umstellung auf Insulin notwendig sein.
Es liegen keine Erfahrungen über die Behandlung mit Amaryl® bei Patienten mit
schweren Leberfunktionsstörungen bzw. bei Dialysepatienten vor. Daher ist bei
Patienten mit schweren Nieren- und Leberfunktionsstörungen eine Umstellung auf
Insulin angezeigt.
4.5
Wechselwirkungen
Wechselwirkungen
mit
anderen
Arzneimitteln
una
andere
Wird Amaryl® gemeinsam mit bestimmten anderen Arzneimitteln eingenommen, kann
sowohl eine unerwünschte Verstärkung als auch eine Verminderung der
blutzuckersenkenden Wirkung von Glimepirid auftreten. Aus diesem Grund sollten
16
andere Medikamente nur auf ärztliche Verschreibung bzw. mit dem Einverständnis des
behandelnden Arztes eingenommen werden.
Aufgrund der Erfahrungen mit Amaryl® und anderen Sulfonylharnstoffen konnten
nachfolgende Wechselwirkungen beobachtet werden.
Hypoglykämische Reaktionen aufgrund einer Verstärkung der blutzuckersenkenden
Wirkung können unter der gleichzeitigen Gabe z. B. folgender Arzneimittel während
der Behandlung mit Amaryl® auftreten.
Phenylbutazon, Azapropazon und Oxyphenbutazon
Insulin und andere orale Antidiabetika
Metformin
Salicylate und p-amino-Salicylsäure
Anabolika und männliche Sexualhormone
Chloramphenicol
Antikoagulantien vom Cumarin-Typ
Fenfluramin
Fibrate
ACE-Hemmer
Fluoxetin
Allopurinol
Sympatholytika
Cyclophosphamid, Tro- und Ifosfamid
Sulfinpyrazon
bestimmte langwirkende Sulfonamide
Tetracycline
MAO-Hemmer
Chinolone
Probenecid
Miconazol
Pentoxifyllin (parenteral in hohen Dosen)
Tritoqualin
Bei der gleichzeitigen Einnahme von Amaryl® und Medikamenten mit nachfolgend
angeführten Wirkstoffen kann es zu einer Verminderung der blutzuckersenkenden
Wirkung von Glimepirid und in der Folge zu einer Verschlechterung der
Stoffwechsellage kommen
Östrogene und Gestagene
Saluretika, Thiazide
Schilddrüsenhormone, Glucokortikoide
Phenothiazin-Derivate, Chlorpromazin
17
Adrenalin und Sympathomimetika
Nikotinsäure (in hohen Dosen) und Nikotinsäure-Derivate
Laxantien (bei Langzeitanwendung)
Phenytoin, Diazoxid
Glucagon, Barbiturate und Rifampicin
Acetazolamid
H2-Antagonisten, Beta-Blocker, Clonidin und Reserpin können entweder zu einer
Verstärkung oder Verminderung der blutzuckersenkenden Wirkung führen.
Unter dem Einfluß von Sympatholytika wie Beta-Blocker, Clonidin, Guanethidin und
Reserpin können die Anzeichen einer adrenergen Hypoglykämie-Gegenreaktion
abgeschwächt sein oder völlig fehlen.
Akuter bzw. chronischer Alkoholkonsum kann die blutzuckersenkende Wirkung von
Glimepirid in unvorhersehbarer Weise verstärken oder vermindern.
Glimepirid kann die Wirkung von Cumarin-Derivaten verstärken oder vermindern.
4.6
Schwangerschaft und Stillzeit
Amaryl® ist während einer Schwangerschaft kontraindiziert. Bei schwangeren
Patientinnen muß auf Insulin umgestellt werden. Daher sollten Diabetikerinnen, die
eine Schwangerschaft planen, den behandelnden Arzt unbedingt darüber informieren.
Bei Untersuchungen zur Reproduktionstoxizität traten embryotoxische und teratogene
Wirkungen sowie toxische Entwicklungsstörungen auf. Diese Ergebnisse sind jedoch
wahrscheinlich Ausdruck der pharmakodynamischen Wirkung extrem hoher Dosen und
sind daher nicht Substanz-spezifisch.
Sulfonylharnstoff-Derivate treten in solchen Mengen in die Muttermilch über, daß
während der Behandlung mit Amaryl® nicht gestillt werden darf.
4.7
Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Bedienung von
Maschinen
Bis zum Erreichen der optimalen Blutzuckereinstellung, z.B. nach einem
Präparatewechsel, oder wenn die Tabletten nicht regelmäßig eingenommen werden,
kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigt sein. Dadurch kann die Fahrtüchtigkeit
bzw. die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen vermindert sein.
4.8
Nebenwirkungen
Aufgrund der Erfahrungen mit Amaryl® und anderen Sulfonylharnstoffen können
folgende Nebenwirkungen auftreten:
Hypoglykämie
Sehr selten wurden nach der Gabe von Amaryl® hypoglykämische Reaktionen
beobachtet, die meist unmittelbar nach der Einnahme auftraten. Eine Hypoglykämie
kann sehr schwer verlaufen und ist nicht in allen Fällen leicht zu beherrschen. Wie bei
jeder medikamentösen Diabetes-Therapie hängt die Häufigkeit des Auftretens einer
Hypoglykämie von individuellen Faktoren wie z. B. Diätgewohnheiten oder Dosierung
ab (siehe "Besondere Warnungen und besondere Vorsichtsmaßnahmen für den
Gebrauch").
Augen
18
Aufgrund der sich ändernden Glucosespiegel, insbesondere zu Therapiebeginn, können
vorübergehend Sehstörungen auftreten.
Magen-Darm-Trakt
Gastrointestinale Beschwerden wie Nausea, Erbrechen, Diarrhoe, Magendruck,
Völlegefühl sowie Bauchschmerzen treten nur sehr selten auf und bedingen selten einen
Abbruch der Therapie.
In Einzelfällen wurden während einer Behandlung mit Sulfonylharnstoffen eine
Erhöhung der Leberenzyme sowie eine Verschlechterung der Leberfunktion (mit
Cholestase und Ikterus) sowie Hepatitis beobachtet. Im allgemeinen verschwanden
diese Symptome nach Abbruch der Therapie, eine schwere Hepatitis kann jedoch zum
Leberversagen führen.
Allergische Reaktionen
Es können Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut wie Juckreiz, Rash und Urtikaria
auftreten. In Einzelfällen können sich solche Reaktionen zu schweren Zuständen mit
Dyspnoe, Hypertonie bis hin zum Schock entwickeln. Weiters können vereinzelt
Photosensibilität und allergische Vaskulitis auftreten.
Außerdem sind Kreuzreaktionen mit anderen Sulfonylharnstoffen oder Sulfonamiden
und deren Derivaten möglich.
Blutbild
Selten treten Blutbildveränderungen während einer Therapie mit Amaryl® auf, wie z.B.
mäßige
bis
schwere
Thrombozytopenie,
Erythrozytopenie,
Leukopenie,
Granulozytopenie, Agranulozytose, hämolytische Anämie sowie Panzytopenie.
Im allgemeinen sind diese Veränderungen nach Therapieabbruch reversibel.
Sonstige
Es kann eine Verminderung der Serum-Natriumkonzentration auftreten.
In placebokontrollierten klinischen Studien traten Infektionen der oberen
Atemwege in der Glimepirid-Gruppe häufiger auf (14,2 %) als in der PlaceboGruppe (7,8 %), die jedoch in keinem Fall vom Prüfarzt als therapiebedingt
eingestuft wurden.
Zwischen Glimepirid (4,6 %) und Glibenclamid (4,2 %) traten Infektionen der
oberen Atemwege ähnlich häufig auf.
4.9
Überdosierung
Nach Einnahme einer Überdosis kann innerhalb von 24 Stunden eine Hypoglykämie
auftreten, die 12 bis 72 Stunden anhalten und nach anfänglicher Besserung wieder
auftreten kann. Daher wird eine stationäre Überwachung des Patienten empfohlen.
Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und epigastrische Beschweren können auftreten.
Weiters wird eine Hypoglykämie meist von neurologischen Symptomen wie Unruhe,
Tremor, Sehstörungen, Koordinationsstörungen, Schläfrigkeit, Koma und Konvulsionen
begleitet.
In erster Linie sollte bei der Behandlung einer Überdosierung eine weitere Absorption
von Glimepirid im Organismus verhindert werden, und zwar durch induziertes
Erbrechen sowie durch Verabreichung von Aktivkohle (Adsorbens) und Natrimsulfat
(Laxativum) in Wasser oder Limonade.
19
Sollte eine große Menge Amaryl® eingenommen worden sein, ist vor der Gabe von
Aktivkohle und Natriumsulfat eine Magenspülung vorzunehmen.
Im Falle einer (schweren) Überdosierung kann eine intensivmedizinische Behandlung
angezeigt sein.
Weiters muß neben der symptomatischen Behandlung so rasch als möglich mit der
Verabreichung von Glucoselösung begonnen werden. Gegebenenfalls ist mit einer i.v.Bolus-Gabe von 50 ml 50 %iger Glucoselösung zu beginnen und anschließend mit der
Infusion von 10 %iger Glucoselösung unter ständiger Kontrolle des Blutzuckers
fortzusetzen.
Besonders bei der Behandlung einer Hypoglykämie aufgrund einer versehentlichen
Einnahme von Amaryl® bei Kleinkindern und Kindern muß die Dosierung der Glucose,
im Hinblick auf das Risiko der Entstehung einer bedrohlichen Hyperglykämie,
sorgfältig, unter engmaschiger Kontrolle der Blutzuckerspiegel durchgeführt werden.
5.
PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1
Pharmakodynamik
Glimepirid ist eine oral wirksame, blutzuckersenkende Substanz, die zur Gruppe der
Sulfonylharnstoffe gehört. Es wird bei nicht insulinpflichtigem Diabetes mellitus
eingesetzt.
Glimepirid wirkt hauptsächlich durch die Stimulation der Insulinfreisetzung aus den ßZellen des Pankreas. Wie bei anderen Sulfonylharnstoffen beruht dieser Effekt vor
allem auf einer Verbesserung der Ansprechbarkeit der ß-Zellen auf den physiologischen
Glucosestimulus. Zusätzlich scheint Glimepirid ausgeprägte extrapankreatische
Wirkungen zu haben, wie sie für andere Sulfonylharnstoffe auch angenommen werden.
Insulinfreisetzung
Sulfonylharnstoffe bewirken die Insulinfreisetzung durch Schließen der ATP-sensitiven
Kalium-Kanäle in der Membran der ß-Zellen.
Das Schließen dieser Kanäle führt zu einer Depolarisation der ß-Zelle und bewirkt durch Öffnen der Kalzium-Kanäle - einen verstärkten Einstrom von Kalzium in die
Zelle. Dies bedingt die Insulinfreisetzung durch Exozytose.
Glimepirid bindet mit einer hohen Exchange-Rate an ein bestimmtes ßZellmembranprotein, das mit den ATP-sensitiven Kaliumkanälen im Zusammenhang
steht, wodurch es sich aber von der Bindungsstelle herkömmlicher Sulfonylharnstoffe
stark unterscheidet.
Extrapankreatische Aktivität
Extrapankreatische Wirkungen sind z.B. eine Verbesserung der Insulin-Empfindlichkeit
des peripheren Gewebes sowie eine Verminderung der hepatischen Insulinaufnahme.
Die Aufnahme von Glucose aus dem Blut in die periphere Muskulatur und das
Fettgewebe erfolgt über spezielle Transportproteine in der Zellmembran. Der Transport
von Glucose in diese Gewebe bestimmt die Höhe des jeweiligen Glucoseverbrauchs.
Glimepirid erhöht sehr rasch die Zahl aktiver Glucose-Transportmoleküle in den
Plasma-Membranen der Muskel- und Fettzellen, wodurch es zu einer Stimulation der
Glucoseaufnahme kommt.
20
Weiters erhöht Glimepirid die Aktivität der Glykosyl-Phosphatidylinositol-spezifischen
Phospholipase C. Dies dürfte mit der substanzinduzierten Lipo- und Glykogenese in
den isolierten Fett- und Muskelzellen im Zusammenhang stehen.
Glimepirid hemmt die hepatische Glucoseproduktion durch eine Erhöhung der
intrazellulären Konzentration von Fructose-2,6-Biphosphat, das in der Folge die
Gluconeogenese hemmt.
Allgemeines
Bei gesunden Probanden betrug die niedrigst wirksame orale Dosis 0,6 mg. Die
Wirksamkeit von Glimepirid ist dosisabhängig und reproduzierbar.
Die physiologische Reaktion auf akute körperliche Betätigung (d.h. eine Reduktion der
Insulinsekretion) bleibt unter Glimepirid weiter erhalten.
Es gab keinen signifikanten Unterschied in der Wirksamkeit bei Einnahme des
Arzneimittels 30 Minuten vor oder unmittelbar vor einer Mahlzeit. Bei Diabetikern
kann eine gute Einstellung der Stoffwechsellage durch eine einmalige Gabe innerhalb
von 24 Stunden erzielt werden.
Obwohl der Hydroxy-Metabolit von Glimepirid bei gesunden Probanden einen
geringen, aber signifikanten Abfall der Serum-Glucose bewirkte, trägt dies nur im
geringen Maß zur Gesamtwirkung des Arzneimittels bei.
5.2
Pharmakokinetik
Die absolute Bioverfügbarkeit von Glimepirid ist vollständig. Die Nahrungsaufnahme
hat keinen relevanten Einfluß auf die Absorption; lediglich die Absorptionsrate ist
leicht verringert. Maximale Serumkonzentrationen (Cmax) werden etwa 2,5 Stunden
nach oraler Applikation erreicht (im Mittel 0,3 µg bei wiederholter Gabe von 4
mg/Tag). Weiters besteht ein linearer Zusammenhang zwischen der Dosis, der Cmax
und der AUC (Fläche unter der Zeit/Konzentrations-Kurve).
Glimepirid hat ein geringes Verteilungsvolumen (ungefähr 8,8 Liter), das in etwa jenem
von Albumin entspricht, sowie eine hohe Proteinbindung (> 99 %) und eine niedrige
Clearance (ungefähr 48 ml/min).
Die mittlere Serum-Halbwertszeit, die für die Serumkonzentrationen bei wiederholter
Gabe von Bedeutung ist, beträgt 5 bis 8 Stunden. Nach Einnahme höherer Dosen konnte
eine leichte Verlängerung der Halbwertszeit beobachtet werden.
Nach einer Einmaldosis von radioaktiv markiertem Glimepirid wurden 58 % der
Radioaktivität im Urin wieder gefunden und 35 % in den Faeces. Im Urin wurde keine
unveränderte Substanz gefunden. Zwei Metaboliten, die wahrscheinlich durch eine
hepatische Metabolisierung entstehen, ein Hydroxy- und ein Carboxy-Derivat, wurden
sowohl im Urin als auch in den Faeces gefunden. Nach oraler Einnahme von Glimepirid
betrug die terminale Halbwertszeit der genannten Metaboliten 3 bis 6 bzw. 5 bis 6
Stunden.
Beim Vergleich einer täglichen Einmalgabe und der Mehrfachdosierung pro Tag
zeigten sich keine signifikanten pharmakokinetischen Unterschiede und die
intraindividuelle Variabilität war sehr gering. Es kam zu keiner relevanten Kumulation.
Die pharmakokinetischen Daten waren bei Männern und Frauen ähnlich, ebenso bei
jüngeren und älteren Patienten (über 65 Jahre). Bei Patienten mit niedriger KreatininClearance konnte ein Trend zu einer Erhöhung der Glimepirid-Clearance festgestellt
werden sowie eine Verminderung der durchschnittlichen Serumkonzentrationen, die
21
wahrscheinlich auf einer rascheren Elimination aufgrund einer geringeren
Proteinbindung beruht. Die renale Elimination der beiden Metabolite war vermindert.
Insgesamt kann bei diesen Patienten kein erhöhtes Kumulationsrisiko angenommen
werden.
Im Tierversuch tritt Glimepirid in die Muttermilch über und ist plazentagängig. Im
geringen Maß kann Glimepirid die Blut-Hirn-Schranke passieren.
5.3
Präklinische Sicherheitsdaten
Bei Prüfungen zur subchronischen und chronischen Toxizität an Ratten, Mäusen
und Hunden wurde sowohl eine Abnahme der Serum-Glucose als auch eine
Degranulation der ß-Zellen des Pankreas beobachtet. Diese Veränderungen waren
im
allgemeinen
reversibel
und
wahrscheinlich
Ausdruck
der
pharmakodynamischen Wirkung.
In einer Untersuchung zur chronischen Toxizität an Hunden kam es bei zwei
Tieren aus der Gruppe mit der höchsten Dosis (320 mg/kg KG) zu
Linsentrübungen. Jedoch zeigte sich bei In vitro-Untersuchungen an Linsen von
Rindern bzw. bei Studien an Ratten kein kataraktogenes oder co-kataraktogenes
Potential.
Glimepirid zeigte keine mutagenen bzw. genotoxischen Effekte.
Durch Glimepirid kam es bei Untersuchungen an Ratten unter der höchsten Dosis
(345 mg/kg KG) zu einer leicht erhöhten Inzidenz von Unterus-Adenokarzinomen.
Die Sicherheitsfaktoren, basierend auf einem Vergleich der systemischen
Exposition (AUC-Werte) von weiblichen Ratten und Menschen sind jedoch hoch
genug (ungefähr 20x), um ein Risiko für Patientinnen innerhalb der empfohlenen
klinischen Dosen auszuschließen.
Bei Mäusen wurden vermehrt Hyperplasien bzw. Adenome der Langerhans’schen
Zellen beobachtet, die jedoch als eine Folge der chronischen Stimulation der ßZellen angesehen werden.
Die Gabe von Glimepirid an Ratten zeigte keine Veränderung der Fruchtbarkeit
bzw. des Schwangerschafts- und Geburtsverlaufs.
Mißbildungen (z. B. Augenmißbildungen, Fissuren und Knochenanomalien) traten
bei Ratten und Kaninchen auf. Weiterhin wurden nur bei Kaninchen vermehrt
Aborte und intrauteriner Fruchttod beobachtet.
6.
PHARMAZEUTISCHE DATEN
6.1
Sonstige Bestandteile
Lactose, Natriumstärkeglycolat, Magnesiumstearat, Zellulose und Polyvidon 25 000.
Weiters als Farbstoffe gelbes Eisenoxyd (E 172) und Indigocarmin-Aluminium-Lack (E
132) bei Amaryl® 2 mg.
6.2
Inkompatibilitäten
Keine bekannt.
6.3
Dauer der Haltbarkeit
Das Haltbarkeitsdatum ist auf der Verpackung mit dem Vermerk "Verwendbar bis"
angegeben. Die Haltbarkeit von Amaryl® beträgt 36 Monate.
22
6.4
Besondere Anforderungen an Lagerung/fürAufbewahrung
Nicht über Raumtemperatur (bis 25° C) lagern.
Für Kinder unerreichbar aufbewahren.
6.5
Art der Behältnisse und Packungsgrößen
30 und 120 Tabletten (in Blisterpackungen zu je 10 Tabletten).
Es handelt sich um Oblong-Tabletten mit Bruchrille. Die Amaryl® 2 mg-Tablette ist
10x5 mm. Amaryl® 2 mg ist grün.
7.
ZULASSUNGSINHABER
.................
8.
ZULASSUNGSNUMMER
9.
ZULASSUNGDATUM/VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNG:
10.
STAND DER ÜBERARBEITUNG DER INFORMATION
23
1.
BEZEICHNUNG DER ARZNEIMITTEL:
Amaryl®
2.
QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
1 Tablette Amaryl® 3 mg enthält 3 mg Glimepirid
3.
ARZNEIFORM
Tabletten
4.
KLINISCHE ANGABEN
4.1
Anwendungsgebiete
Zur Behandlung des Typ-II-Diabetes mellitus, wenn durch Diät, körperliche Aktivität
und Gewichtsabnahme alleine kein ausreichender therapeutischer Erfolg erzielt werden
konnte.
4.2
Dosierung und Art der Anwendung
Die Basis jeder erfolgreichen Diabetes-Behandlung sind, neben regelmäßigen
Kontrollen der relevanten Blut- und Harnwerte, eine adäquate Diät sowie regelmäßige
körperliche Bewegung.
Negative Effekte, z.B. aufgrund nicht eingehaltener Diätvorschriften, können durch die
Gabe von oralen Antidiabetika oder Insulin nicht kompensiert werden.
Die individuell notwendige Dosierung wird aufgrund der Blut- und Harnzuckerwerte
festgelegt.
Üblicherweise beträgt die Initialdosis 1 mg Glimepirid pro Tag. Bei gutem Ansprechen
des Patienten kann in der Folge diese Dosis beibehalten werden.
Sollte eine Erhöhung der Tagesdosis jedoch notwendig sein, ist die Dosierung
entsprechend der metabolischen Situation schrittweise auf 2, 3 oder 4 mg
Glimepirid, jeweils im Intervall von 1-2 Wochen, zu steigern. Bei Dosen von
täglich mehr als 4 mg Glimepirid konnte nur noch in Einzelfällen eine
Wirkungsverbesserung beobachtet werden. Die tägliche Maximaldosis von 6 mg
Glimepirid sollte nicht überschritten werden.
Normalerweise ist die tägliche Einmalgabe von Glimepirid ausreichend. Die Einnahme
wird unmittelbar vor oder während des Frühstücks empfohlen bzw. unmittelbar vor oder
während der ersten Hauptmahlzeit, wenn kein Frühstück eingenommen wurde.
Wurde die Einnahme einer Tablette vergessen, darf die nächstfolgende Dosis auf keinen
Fall entsprechend erhöht werden.
Die Tabletten werden unzerkaut mit etwas Flüssigkeit eingenommen.
Zeigt ein Patient während der Therapie mit täglich einer Tablette Amaryl® 1 mg
hypoglykämische Reaktionen, kann bei diesen Patienten eine Stoffwechselregulation
mittels einer Diät alleine ausreichend sein.
Da eine Verbesserung der Stoffwechseleinstellung mit einer höheren Insulinsensitivität
verbunden ist, kann während der Behandlung mit Glimepirid eine Dosiskorrektur
notwendig sein.
24
Um Hypoglykämien zu vermeiden, muß daher rechtzeitig eine Dosisreduktion oder eine
Beendigung der Therapie mit Glimepirid erwogen werden.
Weiters könnte aufgrund einer Gewichtsänderung des Patienten oder Änderung des
Lebensstils bzw. anderer Faktoren, die das Risiko einer Hypo- oder Hyperglykämie
erhöhen, ebenfalls eine Dosisanpassung notwendig sein.
Wechsel von anderen oralen Antidiabetika auf Amaryl®
Ein Wechsel von anderen oralen Antidiabetika auf eine Therapie mit Amaryl® ist
prinzipiell möglich. Bei einem Wechsel auf Amaryl® muß aber die Stärke sowie die
Halbwertszeit der bisherigen Medikation beachtet werden In einigen Fällen,
insbesondere bei Antidiabetika mit einer langen Halbwertszeit (z. B.
Chlorpropamid), ist eine Wash-out-Phase von wenigen Tagen in Betracht zu
ziehen, um das Risiko einer hypoglykämischen Reaktion aufgrund eines additiven
Effekts zu vermindern.
Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 1 Tablette Amaryl® 1 mg pro Tag.
Ist aufgrund der Stoffwechselkontrolle eine Erhöhung der Glimepirid-Dosis notwendig,
erfolgt diese stufenweise in der bereits beschriebenen Art.
Wechsel von Insulin auf Amaryl®
Bei Typ-II-Diabetikern, die bisher mit Insulin behandelt wurden, kann in bestimmten
Fällen ein Wechsel auf Amaryl® angezeigt sein. Ein solcher Wechsel sollte jedoch
prinzipiell nur im Krankenhaus erfolgen.
4.3
Gegenanzeigen
Amaryl® sollte nicht angewendet werden bei:
Insulin-abhängigem Diabetes, diabetischem Koma, Ketoazidose, Überempfindlichkeit
gegenüber Glimepirid, anderen Sulfonylharnstoffen, Sulfonamiden oder anderen
Bestandteilen des Präparates.
Bei schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörungen sollte auf Insulin umgestellt
werden.
Schwangerschaft und Stillzeit.
4.4
Warnhinweise und spezielle Vorsichtsmaßnahmen bei der Anwendung
Amaryl® sollte unmittelbar vor oder während einer Mahlzeit eingenommen werden.
Werden während der Therapie mit Amaryl® Mahlzeiten in unregelmäßigen Abständen
eingenommen bzw. ausgelassen, kann es zu einer Hypoglykämie kommen.
Mögliche Symptome einer Hypoglykämie sind z.B. Kopfschmerzen, Heißhunger,
Übelkeit, Erbrechen, Mattigkeit, Schläfrigkeit, Schlafstörungen, Unruhe, Aggressivität,
Konzentrationsstörungen, Verminderung des Reaktionsvermögens, Depressionen,
Verwirrtheit,
Sprachund
Sehstörungen,
Aphasie,
Tremor,
Paresen,
Sensibilitätsstörungen, Schwindel, Hilflosigkeit, Verlust der Selbstkontrolle, Delirium,
zerebrale Konvulsionen, Somnolenz, Bewußtseinsverlust bis hin zum Koma,
oberflächliche Atmung, Bradykardie.
Zusätzlich können auch Anzeichen einer adrenergen Gegenregulation bestehen wie
Schwitzen, feuchtkalte Haut, Angst, Tachykardie, Hypertonie, Palpitationen, Angina
pectoris und Herzrhythmusstörungen.
Das klinische Bild einer schweren Hypoglykämie kann jenem eines Schlaganfalls
gleichen.
25
Durch die Verabreichung von Kohlenhydraten (Zucker) klingen diese Symptome fast
immer ab. Künstliche Süßstoffe zeigen keine Wirkung.
Von anderen Sulfonylharnstoffen ist bekannt, daß eine Hypoglykämie trotz zunächst
erfolgreicher Gegenmaßnahmen wieder auftreten kann.
Bei einer schweren Hypoglykämie oder bei nur zeitweilig normalen Zuckerwerten über
einen längeren Zeitraum ist eine sofortige ärztliche Behandlung, ggf. auch stationär,
erforderlich.
Folgende Faktoren können eine Hypoglykämie begünstigen:
-
mangelnde Bereitschaft oder (meist bei älteren Patienten) mangelnde Fähigkeit
zur Mitarbeit
-
schlechter Ernährungszustand, unregelmäßig eingenommene oder ausgelassene
Mahlzeiten bzw. Fastenperioden
-
Änderungen in der Diät
-
Unausgewogenheit
zwischen
Kohlenhydrataufnahme
-
Alkoholkonsum (insbesondere, wenn Mahlzeiten ausgelassen wurden)
-
Nierenfunktionsstörungen
-
Leberfunktionsstörungen
-
Überdosierung von Amaryl®
-
bestimmte nicht kompensierte Störungen des endokrinen Systems, die den
Kohlenhydratstoffwechsel bzw. den Gegenregulationsmechanismus einer
Hypoglykämie
beeinflussen
(z.B.
bei
bestimmten
Schilddrüsenfunktionsstörungen und bei Hypophysenvorderlappen- oder
Nebennierenrindeninsuffizienz)
-
gleichzeitige
Einnahme
Wechselwirkungen)
körperlicher
bestimmter
anderer
Bewegung
Medikamente
und
(siehe
Während der Therapie mit Amaryl® sind regelmäßige Kontrollen der Blut- und
Harnzuckerwerte erforderlich. Zusätzlich wird die Bestimmung von Haemoglobin A1
sowie, wenn möglich, von Fruktosamin empfohlen.
Weiters sollte während der Behandlung das Blutbild (vor allem die Leuko- und Thrombozytenzahl) sowie die Leberfunktion überprüft werden.
In Streßsituationen (z.B. nach Unfällen, akuten chirurgischen Eingriffen, fieberhaften
Infekten usw.) kann vorübergehend eine Umstellung auf Insulin notwendig sein.
Es liegen keine Erfahrungen über die Behandlung mit Amaryl® bei Patienten mit
schweren Leberfunktionsstörungen bzw. bei Dialysepatienten vor. Daher ist bei
Patienten mit schweren Nieren- und Leberfunktionsstörungen eine Umstellung auf
Insulin angezeigt.
4.5
Wechselwirkungen
Wechselwirkungen
mit
anderen
Arzneimitteln
una
andere
Wird Amaryl® gemeinsam mit bestimmten anderen Arzneimitteln eingenommen, kann
sowohl eine unerwünschte Verstärkung als auch eine Verminderung der
blutzuckersenkenden Wirkung von Glimepirid auftreten. Aus diesem Grund sollten
26
andere Medikamente nur auf ärztliche Verschreibung bzw. mit dem Einverständnis des
behandelnden Arztes eingenommen werden.
Aufgrund der Erfahrungen mit Amaryl® und anderen Sulfonylharnstoffen konnten
nachfolgende Wechselwirkungen beobachtet werden.
Hypoglykämische Reaktionen aufgrund einer Verstärkung der blutzuckersenkenden
Wirkung können unter der gleichzeitigen Gabe z. B. folgender Arzneimittel während
der Behandlung mit Amaryl® auftreten.
Phenylbutazon, Azapropazon und Oxyphenbutazon
Insulin und andere orale Antidiabetika
Metformin
Salicylate und p-amino-Salicylsäure
Anabolika und männliche Sexualhormone
Chloramphenicol
Antikoagulantien vom Cumarin-Typ
Fenfluramin
Fibrate
ACE-Hemmer
Fluoxetin
Allopurinol
Sympatholytika
Cyclophosphamid, Tro- und Ifosfamid
Sulfinpyrazon
bestimmte langwirkende Sulfonamide
Tetracycline
MAO-Hemmer
Chinolone
Probenecid
Miconazol
Pentoxifyllin (parenteral in hohen Dosen)
Tritoqualin
Bei der gleichzeitigen Einnahme von Amaryl® und Medikamenten mit nachfolgend
angeführten Wirkstoffen kann es zu einer Verminderung der blutzuckersenkenden
Wirkung von Glimepirid und in der Folge zu einer Verschlechterung der
Stoffwechsellage kommen
Östrogene und Gestagene
Saluretika, Thiazide
Schilddrüsenhormone, Glucokortikoide
Phenothiazin-Derivate, Chlorpromazin
27
Adrenalin und Sympathomimetika
Nikotinsäure (in hohen Dosen) und Nikotinsäure-Derivate
Laxantien (bei Langzeitanwendung)
Phenytoin, Diazoxid
Glucagon, Barbiturate und Rifampicin
Acetazolamid
H2-Antagonisten, Beta-Blocker, Clonidin und Reserpin können entweder zu einer
Verstärkung oder Verminderung der blutzuckersenkenden Wirkung führen.
Unter dem Einfluß von Sympatholytika wie Beta-Blocker, Clonidin, Guanethidin und
Reserpin können die Anzeichen einer adrenergen Hypoglykämie-Gegenreaktion
abgeschwächt sein oder völlig fehlen.
Akuter bzw. chronischer Alkoholkonsum kann die blutzuckersenkende Wirkung von
Glimepirid in unvorhersehbarer Weise verstärken oder vermindern.
Glimepirid kann die Wirkung von Cumarin-Derivaten verstärken oder vermindern.
4.6
Schwangerschaft und Stillzeit
Amaryl® ist während einer Schwangerschaft kontraindiziert. Bei schwangeren
Patientinnen muß auf Insulin umgestellt werden. Daher sollten Diabetikerinnen, die
eine Schwangerschaft planen, den behandelnden Arzt unbedingt darüber informieren.
Bei Untersuchungen zur Reproduktionstoxizität traten embryotoxische und teratogene
Wirkungen sowie toxische Entwicklungsstörungen auf. Diese Ergebnisse sind jedoch
wahrscheinlich Ausdruck der pharmakodynamischen Wirkung extrem hoher Dosen und
sind daher nicht Substanz-spezifisch.
Sulfonylharnstoff-Derivate treten in solchen Mengen in die Muttermilch über, daß
während der Behandlung mit Amaryl® nicht gestillt werden darf.
4.7
Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Bedienung von
Maschinen
Bis zum Erreichen der optimalen Blutzuckereinstellung, z.B. nach einem
Präparatewechsel, oder wenn die Tabletten nicht regelmäßig eingenommen werden,
kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigt sein. Dadurch kann die Fahrtüchtigkeit
bzw. die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen vermindert sein.
4.8
Nebenwirkungen
Aufgrund der Erfahrungen mit Amaryl® und anderen Sulfonylharnstoffen können
folgende Nebenwirkungen auftreten:
Hypoglykämie
Sehr selten wurden nach der Gabe von Amaryl® hypoglykämische Reaktionen
beobachtet, die meist unmittelbar nach der Einnahme auftraten. Eine Hypoglykämie
kann sehr schwer verlaufen und ist nicht in allen Fällen leicht zu beherrschen. Wie bei
jeder medikamentösen Diabetes-Therapie hängt die Häufigkeit des Auftretens einer
Hypoglykämie von individuellen Faktoren wie z. B. Diätgewohnheiten oder Dosierung
ab (siehe "Besondere Warnungen und besondere Vorsichtsmaßnahmen für den
Gebrauch").
Augen
28
Aufgrund der sich ändernden Glucosespiegel, insbesondere zu Therapiebeginn, können
vorübergehend Sehstörungen auftreten.
Magen-Darm-Trakt
Gastrointestinale Beschwerden wie Nausea, Erbrechen, Diarrhoe, Magendruck,
Völlegefühl sowie Bauchschmerzen treten nur sehr selten auf und bedingen selten einen
Abbruch der Therapie.
In Einzelfällen wurden während einer Behandlung mit Sulfonylharnstoffen eine
Erhöhung der Leberenzyme sowie eine Verschlechterung der Leberfunktion (mit
Cholestase und Ikterus) sowie Hepatitis beobachtet. Im allgemeinen verschwanden
diese Symptome nach Abbruch der Therapie, eine schwere Hepatitis kann jedoch zum
Leberversagen führen.
Allergische Reaktionen
Es können Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut wie Juckreiz, Rash und Urtikaria
auftreten. In Einzelfällen können sich solche Reaktionen zu schweren Zuständen mit
Dyspnoe, Hypertonie bis hin zum Schock entwickeln. Weiters können vereinzelt
Photosensibilität und allergische Vaskulitis auftreten.
Außerdem sind Kreuzreaktionen mit anderen Sulfonylharnstoffen oder Sulfonamiden
und deren Derivaten möglich.
Blutbild
Selten treten Blutbildveränderungen während einer Therapie mit Amaryl® auf, wie z.B.
mäßige
bis
schwere
Thrombozytopenie,
Erythrozytopenie,
Leukopenie,
Granulozytopenie, Agranulozytose, hämolytische Anämie sowie Panzytopenie.
Im allgemeinen sind diese Veränderungen nach Therapieabbruch reversibel.
Sonstige
Es kann eine Verminderung der Serum-Natriumkonzentration auftreten.
In placebokontrollierten klinischen Studien traten Infektionen der oberen
Atemwege in der Glimepirid-Gruppe häufiger auf (14,2 %) als in der PlaceboGruppe (7,8 %), die jedoch in keinem Fall vom Prüfarzt als therapiebedingt
eingestuft wurden.
Zwischen Glimepirid (4,6 %) und Glibenclamid (4,2 %) traten Infektionen der
oberen Atemwege ähnlich häufig auf.
4.9
Überdosierung
Nach Einnahme einer Überdosis kann innerhalb von 24 Stunden eine Hypoglykämie
auftreten, die 12 bis 72 Stunden anhalten und nach anfänglicher Besserung wieder
auftreten kann. Daher wird eine stationäre Überwachung des Patienten empfohlen.
Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und epigastrische Beschweren können auftreten.
Weiters wird eine Hypoglykämie meist von neurologischen Symptomen wie Unruhe,
Tremor, Sehstörungen, Koordinationsstörungen, Schläfrigkeit, Koma und Konvulsionen
begleitet.
In erster Linie sollte bei der Behandlung einer Überdosierung eine weitere Absorption
von Glimepirid im Organismus verhindert werden, und zwar durch induziertes
Erbrechen sowie durch Verabreichung von Aktivkohle (Adsorbens) und Natrimsulfat
(Laxativum) in Wasser oder Limonade.
29
Sollte eine große Menge Amaryl® eingenommen worden sein, ist vor der Gabe von
Aktivkohle und Natriumsulfat eine Magenspülung vorzunehmen.
Im Falle einer (schweren) Überdosierung kann eine intensivmedizinische Behandlung
angezeigt sein.
Weiters muß neben der symptomatischen Behandlung so rasch als möglich mit der
Verabreichung von Glucoselösung begonnen werden. Gegebenenfalls ist mit einer i.v.Bolus-Gabe von 50 ml 50 %iger Glucoselösung zu beginnen und anschließend mit der
Infusion von 10 %iger Glucoselösung unter ständiger Kontrolle des Blutzuckers
fortzusetzen.
Besonders bei der Behandlung einer Hypoglykämie aufgrund einer versehentlichen
Einnahme von Amaryl® bei Kleinkindern und Kindern muß die Dosierung der Glucose,
im Hinblick auf das Risiko der Entstehung einer bedrohlichen Hyperglykämie,
sorgfältig, unter engmaschiger Kontrolle der Blutzuckerspiegel durchgeführt werden.
5.
PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1
Pharmakodynamik
Glimepirid ist eine oral wirksame, blutzuckersenkende Substanz, die zur Gruppe der
Sulfonylharnstoffe gehört. Es wird bei nicht insulinpflichtigem Diabetes mellitus
eingesetzt.
Glimepirid wirkt hauptsächlich durch die Stimulation der Insulinfreisetzung aus den ßZellen des Pankreas. Wie bei anderen Sulfonylharnstoffen beruht dieser Effekt vor
allem auf einer Verbesserung der Ansprechbarkeit der ß-Zellen auf den physiologischen
Glucosestimulus. Zusätzlich scheint Glimepirid ausgeprägte extrapankreatische
Wirkungen zu haben, wie sie für andere Sulfonylharnstoffe auch angenommen werden.
Insulinfreisetzung
Sulfonylharnstoffe bewirken die Insulinfreisetzung durch Schließen der ATP-sensitiven
Kalium-Kanäle in der Membran der ß-Zellen.
Das Schließen dieser Kanäle führt zu einer Depolarisation der ß-Zelle und bewirkt durch Öffnen der Kalzium-Kanäle - einen verstärkten Einstrom von Kalzium in die
Zelle. Dies bedingt die Insulinfreisetzung durch Exozytose.
Glimepirid bindet mit einer hohen Exchange-Rate an ein bestimmtes ßZellmembranprotein, das mit den ATP-sensitiven Kaliumkanälen im Zusammenhang
steht, wodurch es sich aber von der Bindungsstelle herkömmlicher Sulfonylharnstoffe
stark unterscheidet.
Extrapankreatische Aktivität
Extrapankreatische Wirkungen sind z.B. eine Verbesserung der Insulin-Empfindlichkeit
des peripheren Gewebes sowie eine Verminderung der hepatischen Insulinaufnahme.
Die Aufnahme von Glucose aus dem Blut in die periphere Muskulatur und das
Fettgewebe erfolgt über spezielle Transportproteine in der Zellmembran. Der Transport
von Glucose in diese Gewebe bestimmt die Höhe des jeweiligen Glucoseverbrauchs.
Glimepirid erhöht sehr rasch die Zahl aktiver Glucose-Transportmoleküle in den
Plasma-Membranen der Muskel- und Fettzellen, wodurch es zu einer Stimulation der
Glucoseaufnahme kommt.
30
Weiters erhöht Glimepirid die Aktivität der Glykosyl-Phosphatidylinositol-spezifischen
Phospholipase C. Dies dürfte mit der substanzinduzierten Lipo- und Glykogenese in
den isolierten Fett- und Muskelzellen im Zusammenhang stehen.
Glimepirid hemmt die hepatische Glucoseproduktion durch eine Erhöhung der
intrazellulären Konzentration von Fructose-2,6-Biphosphat, das in der Folge die
Gluconeogenese hemmt.
Allgemeines
Bei gesunden Probanden betrug die niedrigst wirksame orale Dosis 0,6 mg. Die
Wirksamkeit von Glimepirid ist dosisabhängig und reproduzierbar.
Die physiologische Reaktion auf akute körperliche Betätigung (d.h. eine Reduktion der
Insulinsekretion) bleibt unter Glimepirid weiter erhalten.
Es gab keinen signifikanten Unterschied in der Wirksamkeit bei Einnahme des
Arzneimittels 30 Minuten vor oder unmittelbar vor einer Mahlzeit. Bei Diabetikern
kann eine gute Einstellung der Stoffwechsellage durch eine einmalige Gabe innerhalb
von 24 Stunden erzielt werden.
Obwohl der Hydroxy-Metabolit von Glimepirid bei gesunden Probanden einen
geringen, aber signifikanten Abfall der Serum-Glucose bewirkte, trägt dies nur im
geringen Maß zur Gesamtwirkung des Arzneimittels bei.
5.2
Pharmakokinetik
Die absolute Bioverfügbarkeit von Glimepirid ist vollständig. Die Nahrungsaufnahme
hat keinen relevanten Einfluß auf die Absorption; lediglich die Absorptionsrate ist
leicht verringert. Maximale Serumkonzentrationen (Cmax) werden etwa 2,5 Stunden
nach oraler Applikation erreicht (im Mittel 0,3 µg bei wiederholter Gabe von 4
mg/Tag). Weiters besteht ein linearer Zusammenhang zwischen der Dosis, der Cmax
und der AUC (Fläche unter der Zeit/Konzentrations-Kurve).
Glimepirid hat ein geringes Verteilungsvolumen (ungefähr 8,8 Liter), das in etwa jenem
von Albumin entspricht, sowie eine hohe Proteinbindung (> 99 %) und eine niedrige
Clearance (ungefähr 48 ml/min).
Die mittlere Serum-Halbwertszeit, die für die Serumkonzentrationen bei wiederholter
Gabe von Bedeutung ist, beträgt 5 bis 8 Stunden. Nach Einnahme höherer Dosen konnte
eine leichte Verlängerung der Halbwertszeit beobachtet werden.
Nach einer Einmaldosis von radioaktiv markiertem Glimepirid wurden 58 % der
Radioaktivität im Urin wieder gefunden und 35 % in den Faeces. Im Urin wurde keine
unveränderte Substanz gefunden. Zwei Metaboliten, die wahrscheinlich durch eine
hepatische Metabolisierung entstehen, ein Hydroxy- und ein Carboxy-Derivat, wurden
sowohl im Urin als auch in den Faeces gefunden. Nach oraler Einnahme von Glimepirid
betrug die terminale Halbwertszeit der genannten Metaboliten 3 bis 6 bzw. 5 bis 6
Stunden.
Beim Vergleich einer täglichen Einmalgabe und der Mehrfachdosierung pro Tag
zeigten sich keine signifikanten pharmakokinetischen Unterschiede und die
intraindividuelle Variabilität war sehr gering. Es kam zu keiner relevanten Kumulation.
Die pharmakokinetischen Daten waren bei Männern und Frauen ähnlich, ebenso bei
jüngeren und älteren Patienten (über 65 Jahre). Bei Patienten mit niedriger KreatininClearance konnte ein Trend zu einer Erhöhung der Glimepirid-Clearance festgestellt
werden sowie eine Verminderung der durchschnittlichen Serumkonzentrationen, die
31
wahrscheinlich auf einer rascheren Elimination aufgrund einer geringeren
Proteinbindung beruht. Die renale Elimination der beiden Metabolite war vermindert.
Insgesamt kann bei diesen Patienten kein erhöhtes Kumulationsrisiko angenommen
werden.
Im Tierversuch tritt Glimepirid in die Muttermilch über und ist plazentagängig. Im
geringen Maß kann Glimepirid die Blut-Hirn-Schranke passieren.
5.3
Präklinische Sicherheitsdaten
Bei Prüfungen zur subchronischen und chronischen Toxizität an Ratten, Mäusen
und Hunden wurde sowohl eine Abnahme der Serum-Glucose als auch eine
Degranulation der ß-Zellen des Pankreas beobachtet. Diese Veränderungen waren
im
allgemeinen
reversibel
und
wahrscheinlich
Ausdruck
der
pharmakodynamischen Wirkung.
In einer Untersuchung zur chronischen Toxizität an Hunden kam es bei zwei
Tieren aus der Gruppe mit der höchsten Dosis (320 mg/kg KG) zu
Linsentrübungen. Jedoch zeigte sich bei In vitro-Untersuchungen an Linsen von
Rindern bzw. bei Studien an Ratten kein kataraktogenes oder co-kataraktogenes
Potential.
Glimepirid zeigte keine mutagenen bzw. genotoxischen Effekte.
Durch Glimepirid kam es bei Untersuchungen an Ratten unter der höchsten Dosis
(345 mg/kg KG) zu einer leicht erhöhten Inzidenz von Unterus-Adenokarzinomen.
Die Sicherheitsfaktoren, basierend auf einem Vergleich der systemischen
Exposition (AUC-Werte) von weiblichen Ratten und Menschen sind jedoch hoch
genug (ungefähr 20x), um ein Risiko für Patientinnen innerhalb der empfohlenen
klinischen Dosen auszuschließen.
Bei Mäusen wurden vermehrt Hyperplasien bzw. Adenome der Langerhans’schen
Zellen beobachtet, die jedoch als eine Folge der chronischen Stimulation der ßZellen angesehen werden.
Die Gabe von Glimepirid an Ratten zeigte keine Veränderung der Fruchtbarkeit
bzw. des Schwangerschafts- und Geburtsverlaufs.
Mißbildungen (z. B. Augenmißbildungen, Fissuren und Knochenanomalien) traten
bei Ratten und Kaninchen auf. Weiterhin wurden nur bei Kaninchen vermehrt
Aborte und intrauteriner Fruchttod beobachtet.
6.
PHARMAZEUTISCHE DATEN
6.1
Sonstige Bestandteile
Lactose, Natriumstärkeglycolat, Magnesiumstearat, Zellulose und Polyvidon 25 000.
Weiters als Farbstoffe gelbes Eisenoxyd (E 172) bei Amaryl® 3 mg.
6.2
Inkompatibilitäten
Keine bekannt.
6.3
Dauer der Haltbarkeit
Das Haltbarkeitsdatum ist auf der Verpackung mit dem Vermerk "Verwendbar bis"
angegeben. Die Haltbarkeit von Amaryl® beträgt 36 Monate.
32
6.4
Besondere Anforderungen an Lagerung/fürAufbewahrung
Nicht über Raumtemperatur (bis 25° C) lagern.
Für Kinder unerreichbar aufbewahren.
6.5
Art der Behältnisse und Packungsgrößen
30 und 120 Tabletten (in Blisterpackungen zu je 10 Tabletten).
Es handelt sich um Oblong-Tabletten mit Bruchrille. Die Amaryl® 3 mg-Tablette ist
10x5 mm. Amaryl® 3 mg ist hellgelb.
7.
ZULASSUNGSINHABER
........................
8.
ZULASSUNGSNUMMER
9.
ZULASSUNGDATUM/VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNG:
10.
STAND DER ÜBERARBEITUNG DER INFORMATION
33
1.
BEZEICHNUNG DER ARZNEIMITTEL:
Amaryl®
2.
QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
1 Tablette Amaryl® 4 mg enthält 4 mg Glimepirid
3.
ARZNEIFORM
Tabletten
4.
KLINISCHE ANGABEN
4.1
Anwendungsgebiete
Zur Behandlung des Typ-II-Diabetes mellitus, wenn durch Diät, körperliche Aktivität
und Gewichtsabnahme alleine kein ausreichender therapeutischer Erfolg erzielt werden
konnte.
4.2
Dosierung und Art der Anwendung
Die Basis jeder erfolgreichen Diabetes-Behandlung sind, neben regelmäßigen
Kontrollen der relevanten Blut- und Harnwerte, eine adäquate Diät sowie regelmäßige
körperliche Bewegung.
Negative Effekte, z.B. aufgrund nicht eingehaltener Diätvorschriften, können durch die
Gabe von oralen Antidiabetika oder Insulin nicht kompensiert werden.
Die individuell notwendige Dosierung wird aufgrund der Blut- und Harnzuckerwerte
festgelegt.
Üblicherweise beträgt die Initialdosis 1 mg Glimepirid pro Tag. Bei gutem Ansprechen
des Patienten kann in der Folge diese Dosis beibehalten werden.
Sollte eine Erhöhung der Tagesdosis jedoch notwendig sein, ist die Dosierung
entsprechend der metabolischen Situation schrittweise auf 2, 3 oder 4 mg
Glimepirid, jeweils im Intervall von 1-2 Wochen, zu steigern. Bei Dosen von
täglich mehr als 4 mg Glimepirid konnte nur noch in Einzelfällen eine
Wirkungsverbesserung beobachtet werden. Die tägliche Maximaldosis von 6 mg
Glimepirid sollte nicht überschritten werden.
Normalerweise ist die tägliche Einmalgabe von Glimepirid ausreichend. Die Einnahme
wird unmittelbar vor oder während des Frühstücks empfohlen bzw. unmittelbar vor oder
während der ersten Hauptmahlzeit, wenn kein Frühstück eingenommen wurde.
Wurde die Einnahme einer Tablette vergessen, darf die nächstfolgende Dosis auf keinen
Fall entsprechend erhöht werden.
Die Tabletten werden unzerkaut mit etwas Flüssigkeit eingenommen.
Zeigt ein Patient während der Therapie mit täglich einer Tablette Amaryl® 1 mg
hypoglykämische Reaktionen, kann bei diesen Patienten eine Stoffwechselregulation
mittels einer Diät alleine ausreichend sein.
Da eine Verbesserung der Stoffwechseleinstellung mit einer höheren Insulinsensitivität
verbunden ist, kann während der Behandlung mit Glimepirid eine Dosiskorrektur
notwendig sein.
34
Um Hypoglykämien zu vermeiden, muß daher rechtzeitig eine Dosisreduktion oder eine
Beendigung der Therapie mit Glimepirid erwogen werden.
Weiters könnte aufgrund einer Gewichtsänderung des Patienten oder Änderung des
Lebensstils bzw. anderer Faktoren, die das Risiko einer Hypo- oder Hyperglykämie
erhöhen, ebenfalls eine Dosisanpassung notwendig sein.
Wechsel von anderen oralen Antidiabetika auf Amaryl®
Ein Wechsel von anderen oralen Antidiabetika auf eine Therapie mit Amaryl® ist
prinzipiell möglich. Bei einem Wechsel auf Amaryl® muß aber die Stärke sowie die
Halbwertszeit der bisherigen Medikation beachtet werden In einigen Fällen,
insbesondere bei Antidiabetika mit einer langen Halbwertszeit (z. B.
Chlorpropamid), ist eine Wash-out-Phase von wenigen Tagen in Betracht zu
ziehen, um das Risiko einer hypoglykämischen Reaktion aufgrund eines additiven
Effekts zu vermindern.
Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 1 Tablette Amaryl® 1 mg pro Tag.
Ist aufgrund der Stoffwechselkontrolle eine Erhöhung der Glimepirid-Dosis notwendig,
erfolgt diese stufenweise in der bereits beschriebenen Art.
Wechsel von Insulin auf Amaryl®
Bei Typ-II-Diabetikern, die bisher mit Insulin behandelt wurden, kann in bestimmten
Fällen ein Wechsel auf Amaryl® angezeigt sein. Ein solcher Wechsel sollte jedoch
prinzipiell nur im Krankenhaus erfolgen.
4.3
Gegenanzeigen
Amaryl® sollte nicht angewendet werden bei:
Insulin-abhängigem Diabetes, diabetischem Koma, Ketoazidose, Überempfindlichkeit
gegenüber Glimepirid, anderen Sulfonylharnstoffen, Sulfonamiden oder anderen
Bestandteilen des Präparates.
Bei schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörungen sollte auf Insulin umgestellt
werden.
Schwangerschaft und Stillzeit.
4.4
Warnhinweise und spezielle Vorsichtsmaßnahmen bei der Anwendung
Amaryl® sollte unmittelbar vor oder während einer Mahlzeit eingenommen werden.
Werden während der Therapie mit Amaryl® Mahlzeiten in unregelmäßigen Abständen
eingenommen bzw. ausgelassen, kann es zu einer Hypoglykämie kommen.
Mögliche Symptome einer Hypoglykämie sind z.B. Kopfschmerzen, Heißhunger,
Übelkeit, Erbrechen, Mattigkeit, Schläfrigkeit, Schlafstörungen, Unruhe, Aggressivität,
Konzentrationsstörungen, Verminderung des Reaktionsvermögens, Depressionen,
Verwirrtheit,
Sprachund
Sehstörungen,
Aphasie,
Tremor,
Paresen,
Sensibilitätsstörungen, Schwindel, Hilflosigkeit, Verlust der Selbstkontrolle, Delirium,
zerebrale Konvulsionen, Somnolenz, Bewußtseinsverlust bis hin zum Koma,
oberflächliche Atmung, Bradykardie.
Zusätzlich können auch Anzeichen einer adrenergen Gegenregulation bestehen wie
Schwitzen, feuchtkalte Haut, Angst, Tachykardie, Hypertonie, Palpitationen, Angina
pectoris und Herzrhythmusstörungen.
Das klinische Bild einer schweren Hypoglykämie kann jenem eines Schlaganfalls
gleichen.
35
Durch die Verabreichung von Kohlenhydraten (Zucker) klingen diese Symptome fast
immer ab. Künstliche Süßstoffe zeigen keine Wirkung.
Von anderen Sulfonylharnstoffen ist bekannt, daß eine Hypoglykämie trotz zunächst
erfolgreicher Gegenmaßnahmen wieder auftreten kann.
Bei einer schweren Hypoglykämie oder bei nur zeitweilig normalen Zuckerwerten über
einen längeren Zeitraum ist eine sofortige ärztliche Behandlung, ggf. auch stationär,
erforderlich.
Folgende Faktoren können eine Hypoglykämie begünstigen:
-
mangelnde Bereitschaft oder (meist bei älteren Patienten) mangelnde Fähigkeit
zur Mitarbeit
-
schlechter Ernährungszustand, unregelmäßig eingenommene oder ausgelassene
Mahlzeiten bzw. Fastenperioden
-
Änderungen in der Diät
-
Unausgewogenheit
zwischen
Kohlenhydrataufnahme
-
Alkoholkonsum (insbesondere, wenn Mahlzeiten ausgelassen wurden)
-
Nierenfunktionsstörungen
-
Leberfunktionsstörungen
-
Überdosierung von Amaryl®
-
bestimmte nicht kompensierte Störungen des endokrinen Systems, die den
Kohlenhydratstoffwechsel bzw. den Gegenregulationsmechanismus einer
Hypoglykämie
beeinflussen
(z.B.
bei
bestimmten
Schilddrüsenfunktionsstörungen und bei Hypophysenvorderlappen- oder
Nebennierenrindeninsuffizienz)
-
gleichzeitige
Einnahme
Wechselwirkungen)
körperlicher
bestimmter
anderer
Bewegung
Medikamente
und
(siehe
Während der Therapie mit Amaryl® sind regelmäßige Kontrollen der Blut- und
Harnzuckerwerte erforderlich. Zusätzlich wird die Bestimmung von Haemoglobin A1
sowie, wenn möglich, von Fruktosamin empfohlen.
Weiters sollte während der Behandlung das Blutbild (vor allem die Leuko- und Thrombozytenzahl) sowie die Leberfunktion überprüft werden.
In Streßsituationen (z.B. nach Unfällen, akuten chirurgischen Eingriffen, fieberhaften
Infekten usw.) kann vorübergehend eine Umstellung auf Insulin notwendig sein.
Es liegen keine Erfahrungen über die Behandlung mit Amaryl® bei Patienten mit
schweren Leberfunktionsstörungen bzw. bei Dialysepatienten vor. Daher ist bei
Patienten mit schweren Nieren- und Leberfunktionsstörungen eine Umstellung auf
Insulin angezeigt.
4.5
Wechselwirkungen
Wechselwirkungen
mit
anderen
Arzneimitteln
una
andere
Wird Amaryl® gemeinsam mit bestimmten anderen Arzneimitteln eingenommen, kann
sowohl eine unerwünschte Verstärkung als auch eine Verminderung der
blutzuckersenkenden Wirkung von Glimepirid auftreten. Aus diesem Grund sollten
36
andere Medikamente nur auf ärztliche Verschreibung bzw. mit dem Einverständnis des
behandelnden Arztes eingenommen werden.
Aufgrund der Erfahrungen mit Amaryl® und anderen Sulfonylharnstoffen konnten
nachfolgende Wechselwirkungen beobachtet werden.
Hypoglykämische Reaktionen aufgrund einer Verstärkung der blutzuckersenkenden
Wirkung können unter der gleichzeitigen Gabe z. B. folgender Arzneimittel während
der Behandlung mit Amaryl® auftreten.
Phenylbutazon, Azapropazon und Oxyphenbutazon
Insulin und andere orale Antidiabetika
Metformin
Salicylate und p-amino-Salicylsäure
Anabolika und männliche Sexualhormone
Chloramphenicol
Antikoagulantien vom Cumarin-Typ
Fenfluramin
Fibrate
ACE-Hemmer
Fluoxetin
Allopurinol
Sympatholytika
Cyclophosphamid, Tro- und Ifosfamid
Sulfinpyrazon
bestimmte langwirkende Sulfonamide
Tetracycline
MAO-Hemmer
Chinolone
Probenecid
Miconazol
Pentoxifyllin (parenteral in hohen Dosen)
Tritoqualin
Bei der gleichzeitigen Einnahme von Amaryl® und Medikamenten mit nachfolgend
angeführten Wirkstoffen kann es zu einer Verminderung der blutzuckersenkenden
Wirkung von Glimepirid und in der Folge zu einer Verschlechterung der
Stoffwechsellage kommen
Östrogene und Gestagene
Saluretika, Thiazide
Schilddrüsenhormone, Glucokortikoide
Phenothiazin-Derivate, Chlorpromazin
37
Adrenalin und Sympathomimetika
Nikotinsäure (in hohen Dosen) und Nikotinsäure-Derivate
Laxantien (bei Langzeitanwendung)
Phenytoin, Diazoxid
Glucagon, Barbiturate und Rifampicin
Acetazolamid
H2-Antagonisten, Beta-Blocker, Clonidin und Reserpin können entweder zu einer
Verstärkung oder Verminderung der blutzuckersenkenden Wirkung führen.
Unter dem Einfluß von Sympatholytika wie Beta-Blocker, Clonidin, Guanethidin und
Reserpin können die Anzeichen einer adrenergen Hypoglykämie-Gegenreaktion
abgeschwächt sein oder völlig fehlen.
Akuter bzw. chronischer Alkoholkonsum kann die blutzuckersenkende Wirkung von
Glimepirid in unvorhersehbarer Weise verstärken oder vermindern.
Glimepirid kann die Wirkung von Cumarin-Derivaten verstärken oder vermindern.
4.6
Schwangerschaft und Stillzeit
Amaryl® ist während einer Schwangerschaft kontraindiziert. Bei schwangeren
Patientinnen muß auf Insulin umgestellt werden. Daher sollten Diabetikerinnen, die
eine Schwangerschaft planen, den behandelnden Arzt unbedingt darüber informieren.
Bei Untersuchungen zur Reproduktionstoxizität traten embryotoxische und teratogene
Wirkungen sowie toxische Entwicklungsstörungen auf. Diese Ergebnisse sind jedoch
wahrscheinlich Ausdruck der pharmakodynamischen Wirkung extrem hoher Dosen und
sind daher nicht Substanz-spezifisch.
Sulfonylharnstoff-Derivate treten in solchen Mengen in die Muttermilch über, daß
während der Behandlung mit Amaryl® nicht gestillt werden darf.
4.7
Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Bedienung von
Maschinen
Bis zum Erreichen der optimalen Blutzuckereinstellung, z.B. nach einem
Präparatewechsel, oder wenn die Tabletten nicht regelmäßig eingenommen werden,
kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigt sein. Dadurch kann die Fahrtüchtigkeit
bzw. die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen vermindert sein.
4.8
Nebenwirkungen
Aufgrund der Erfahrungen mit Amaryl® und anderen Sulfonylharnstoffen können
folgende Nebenwirkungen auftreten:
Hypoglykämie
Sehr selten wurden nach der Gabe von Amaryl® hypoglykämische Reaktionen
beobachtet, die meist unmittelbar nach der Einnahme auftraten. Eine Hypoglykämie
kann sehr schwer verlaufen und ist nicht in allen Fällen leicht zu beherrschen. Wie bei
jeder medikamentösen Diabetes-Therapie hängt die Häufigkeit des Auftretens einer
Hypoglykämie von individuellen Faktoren wie z. B. Diätgewohnheiten oder Dosierung
ab (siehe "Besondere Warnungen und besondere Vorsichtsmaßnahmen für den
Gebrauch").
Augen
38
Aufgrund der sich ändernden Glucosespiegel, insbesondere zu Therapiebeginn, können
vorübergehend Sehstörungen auftreten.
Magen-Darm-Trakt
Gastrointestinale Beschwerden wie Nausea, Erbrechen, Diarrhoe, Magendruck,
Völlegefühl sowie Bauchschmerzen treten nur sehr selten auf und bedingen selten einen
Abbruch der Therapie.
In Einzelfällen wurden während einer Behandlung mit Sulfonylharnstoffen eine
Erhöhung der Leberenzyme sowie eine Verschlechterung der Leberfunktion (mit
Cholestase und Ikterus) sowie Hepatitis beobachtet. Im allgemeinen verschwanden
diese Symptome nach Abbruch der Therapie, eine schwere Hepatitis kann jedoch zum
Leberversagen führen.
Allergische Reaktionen
Es können Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut wie Juckreiz, Rash und Urtikaria
auftreten. In Einzelfällen können sich solche Reaktionen zu schweren Zuständen mit
Dyspnoe, Hypertonie bis hin zum Schock entwickeln. Weiters können vereinzelt
Photosensibilität und allergische Vaskulitis auftreten.
Außerdem sind Kreuzreaktionen mit anderen Sulfonylharnstoffen oder Sulfonamiden
und deren Derivaten möglich.
Blutbild
Selten treten Blutbildveränderungen während einer Therapie mit Amaryl® auf, wie z.B.
mäßige
bis
schwere
Thrombozytopenie,
Erythrozytopenie,
Leukopenie,
Granulozytopenie, Agranulozytose, hämolytische Anämie sowie Panzytopenie.
Im allgemeinen sind diese Veränderungen nach Therapieabbruch reversibel.
Sonstige
Es kann eine Verminderung der Serum-Natriumkonzentration auftreten.
In placebokontrollierten klinischen Studien traten Infektionen der oberen
Atemwege in der Glimepirid-Gruppe häufiger auf (14,2 %) als in der PlaceboGruppe (7,8 %), die jedoch in keinem Fall vom Prüfarzt als therapiebedingt
eingestuft wurden.
Zwischen Glimepirid (4,6 %) und Glibenclamid (4,2 %) traten Infektionen der
oberen Atemwege ähnlich häufig auf.
4.9
Überdosierung
Nach Einnahme einer Überdosis kann innerhalb von 24 Stunden eine Hypoglykämie
auftreten, die 12 bis 72 Stunden anhalten und nach anfänglicher Besserung wieder
auftreten kann. Daher wird eine stationäre Überwachung des Patienten empfohlen.
Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und epigastrische Beschweren können auftreten.
Weiters wird eine Hypoglykämie meist von neurologischen Symptomen wie Unruhe,
Tremor, Sehstörungen, Koordinationsstörungen, Schläfrigkeit, Koma und Konvulsionen
begleitet.
In erster Linie sollte bei der Behandlung einer Überdosierung eine weitere Absorption
von Glimepirid im Organismus verhindert werden, und zwar durch induziertes
Erbrechen sowie durch Verabreichung von Aktivkohle (Adsorbens) und Natrimsulfat
(Laxativum) in Wasser oder Limonade.
39
Sollte eine große Menge Amaryl® eingenommen worden sein, ist vor der Gabe von
Aktivkohle und Natriumsulfat eine Magenspülung vorzunehmen.
Im Falle einer (schweren) Überdosierung kann eine intensivmedizinische Behandlung
angezeigt sein.
Weiters muß neben der symptomatischen Behandlung so rasch als möglich mit der
Verabreichung von Glucoselösung begonnen werden. Gegebenenfalls ist mit einer i.v.Bolus-Gabe von 50 ml 50 %iger Glucoselösung zu beginnen und anschließend mit der
Infusion von 10 %iger Glucoselösung unter ständiger Kontrolle des Blutzuckers
fortzusetzen.
Besonders bei der Behandlung einer Hypoglykämie aufgrund einer versehentlichen
Einnahme von Amaryl® bei Kleinkindern und Kindern muß die Dosierung der Glucose,
im Hinblick auf das Risiko der Entstehung einer bedrohlichen Hyperglykämie,
sorgfältig, unter engmaschiger Kontrolle der Blutzuckerspiegel durchgeführt werden.
5.
PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1
Pharmakodynamik
Glimepirid ist eine oral wirksame, blutzuckersenkende Substanz, die zur Gruppe der
Sulfonylharnstoffe gehört. Es wird bei nicht insulinpflichtigem Diabetes mellitus
eingesetzt.
Glimepirid wirkt hauptsächlich durch die Stimulation der Insulinfreisetzung aus den ßZellen des Pankreas. Wie bei anderen Sulfonylharnstoffen beruht dieser Effekt vor
allem auf einer Verbesserung der Ansprechbarkeit der ß-Zellen auf den physiologischen
Glucosestimulus. Zusätzlich scheint Glimepirid ausgeprägte extrapankreatische
Wirkungen zu haben, wie sie für andere Sulfonylharnstoffe auch angenommen werden.
Insulinfreisetzung
Sulfonylharnstoffe bewirken die Insulinfreisetzung durch Schließen der ATP-sensitiven
Kalium-Kanäle in der Membran der ß-Zellen.
Das Schließen dieser Kanäle führt zu einer Depolarisation der ß-Zelle und bewirkt durch Öffnen der Kalzium-Kanäle - einen verstärkten Einstrom von Kalzium in die
Zelle. Dies bedingt die Insulinfreisetzung durch Exozytose.
Glimepirid bindet mit einer hohen Exchange-Rate an ein bestimmtes ßZellmembranprotein, das mit den ATP-sensitiven Kaliumkanälen im Zusammenhang
steht, wodurch es sich aber von der Bindungsstelle herkömmlicher Sulfonylharnstoffe
stark unterscheidet.
Extrapankreatische Aktivität
Extrapankreatische Wirkungen sind z.B. eine Verbesserung der Insulin-Empfindlichkeit
des peripheren Gewebes sowie eine Verminderung der hepatischen Insulinaufnahme.
Die Aufnahme von Glucose aus dem Blut in die periphere Muskulatur und das
Fettgewebe erfolgt über spezielle Transportproteine in der Zellmembran. Der Transport
von Glucose in diese Gewebe bestimmt die Höhe des jeweiligen Glucoseverbrauchs.
Glimepirid erhöht sehr rasch die Zahl aktiver Glucose-Transportmoleküle in den
Plasma-Membranen der Muskel- und Fettzellen, wodurch es zu einer Stimulation der
Glucoseaufnahme kommt.
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Weiters erhöht Glimepirid die Aktivität der Glykosyl-Phosphatidylinositol-spezifischen
Phospholipase C. Dies dürfte mit der substanzinduzierten Lipo- und Glykogenese in
den isolierten Fett- und Muskelzellen im Zusammenhang stehen.
Glimepirid hemmt die hepatische Glucoseproduktion durch eine Erhöhung der
intrazellulären Konzentration von Fructose-2,6-Biphosphat, das in der Folge die
Gluconeogenese hemmt.
Allgemeines
Bei gesunden Probanden betrug die niedrigst wirksame orale Dosis 0,6 mg. Die
Wirksamkeit von Glimepirid ist dosisabhängig und reproduzierbar.
Die physiologische Reaktion auf akute körperliche Betätigung (d.h. eine Reduktion der
Insulinsekretion) bleibt unter Glimepirid weiter erhalten.
Es gab keinen signifikanten Unterschied in der Wirksamkeit bei Einnahme des
Arzneimittels 30 Minuten vor oder unmittelbar vor einer Mahlzeit. Bei Diabetikern
kann eine gute Einstellung der Stoffwechsellage durch eine einmalige Gabe innerhalb
von 24 Stunden erzielt werden.
Obwohl der Hydroxy-Metabolit von Glimepirid bei gesunden Probanden einen
geringen, aber signifikanten Abfall der Serum-Glucose bewirkte, trägt dies nur im
geringen Maß zur Gesamtwirkung des Arzneimittels bei.
5.2
Pharmakokinetik
Die absolute Bioverfügbarkeit von Glimepirid ist vollständig. Die Nahrungsaufnahme
hat keinen relevanten Einfluß auf die Absorption; lediglich die Absorptionsrate ist
leicht verringert. Maximale Serumkonzentrationen (Cmax) werden etwa 2,5 Stunden
nach oraler Applikation erreicht (im Mittel 0,3 µg bei wiederholter Gabe von 4
mg/Tag). Weiters besteht ein linearer Zusammenhang zwischen der Dosis, der Cmax
und der AUC (Fläche unter der Zeit/Konzentrations-Kurve).
Glimepirid hat ein geringes Verteilungsvolumen (ungefähr 8,8 Liter), das in etwa jenem
von Albumin entspricht, sowie eine hohe Proteinbindung (> 99 %) und eine niedrige
Clearance (ungefähr 48 ml/min).
Die mittlere Serum-Halbwertszeit, die für die Serumkonzentrationen bei wiederholter
Gabe von Bedeutung ist, beträgt 5 bis 8 Stunden. Nach Einnahme höherer Dosen konnte
eine leichte Verlängerung der Halbwertszeit beobachtet werden.
Nach einer Einmaldosis von radioaktiv markiertem Glimepirid wurden 58 % der
Radioaktivität im Urin wieder gefunden und 35 % in den Faeces. Im Urin wurde keine
unveränderte Substanz gefunden. Zwei Metaboliten, die wahrscheinlich durch eine
hepatische Metabolisierung entstehen, ein Hydroxy- und ein Carboxy-Derivat, wurden
sowohl im Urin als auch in den Faeces gefunden. Nach oraler Einnahme von Glimepirid
betrug die terminale Halbwertszeit der genannten Metaboliten 3 bis 6 bzw. 5 bis 6
Stunden.
Beim Vergleich einer täglichen Einmalgabe und der Mehrfachdosierung pro Tag
zeigten sich keine signifikanten pharmakokinetischen Unterschiede und die
intraindividuelle Variabilität war sehr gering. Es kam zu keiner relevanten Kumulation.
Die pharmakokinetischen Daten waren bei Männern und Frauen ähnlich, ebenso bei
jüngeren und älteren Patienten (über 65 Jahre). Bei Patienten mit niedriger KreatininClearance konnte ein Trend zu einer Erhöhung der Glimepirid-Clearance festgestellt
werden sowie eine Verminderung der durchschnittlichen Serumkonzentrationen, die
41
wahrscheinlich auf einer rascheren Elimination aufgrund einer geringeren
Proteinbindung beruht. Die renale Elimination der beiden Metabolite war vermindert.
Insgesamt kann bei diesen Patienten kein erhöhtes Kumulationsrisiko angenommen
werden.
Im Tierversuch tritt Glimepirid in die Muttermilch über und ist plazentagängig. Im
geringen Maß kann Glimepirid die Blut-Hirn-Schranke passieren.
5.3
Präklinische Sicherheitsdaten
Bei Prüfungen zur subchronischen und chronischen Toxizität an Ratten, Mäusen
und Hunden wurde sowohl eine Abnahme der Serum-Glucose als auch eine
Degranulation der ß-Zellen des Pankreas beobachtet. Diese Veränderungen waren
im
allgemeinen
reversibel
und
wahrscheinlich
Ausdruck
der
pharmakodynamischen Wirkung.
In einer Untersuchung zur chronischen Toxizität an Hunden kam es bei zwei
Tieren aus der Gruppe mit der höchsten Dosis (320 mg/kg KG) zu
Linsentrübungen. Jedoch zeigte sich bei In vitro-Untersuchungen an Linsen von
Rindern bzw. bei Studien an Ratten kein kataraktogenes oder co-kataraktogenes
Potential.
Glimepirid zeigte keine mutagenen bzw. genotoxischen Effekte.
Durch Glimepirid kam es bei Untersuchungen an Ratten unter der höchsten Dosis
(345 mg/kg KG) zu einer leicht erhöhten Inzidenz von Unterus-Adenokarzinomen.
Die Sicherheitsfaktoren, basierend auf einem Vergleich der systemischen
Exposition (AUC-Werte) von weiblichen Ratten und Menschen sind jedoch hoch
genug (ungefähr 20x), um ein Risiko für Patientinnen innerhalb der empfohlenen
klinischen Dosen auszuschließen.
Bei Mäusen wurden vermehrt Hyperplasien bzw. Adenome der Langerhans’schen
Zellen beobachtet, die jedoch als eine Folge der chronischen Stimulation der ßZellen angesehen werden.
Die Gabe von Glimepirid an Ratten zeigte keine Veränderung der Fruchtbarkeit
bzw. des Schwangerschafts- und Geburtsverlaufs.
Mißbildungen (z. B. Augenmißbildungen, Fissuren und Knochenanomalien) traten
bei Ratten und Kaninchen auf. Weiterhin wurden nur bei Kaninchen vermehrt
Aborte und intrauteriner Fruchttod beobachtet.
6.
PHARMAZEUTISCHE DATEN
6.1
Sonstige Bestandteile
Lactose, Natriumstärkeglycolat, Magnesiumstearat, Zellulose und Polyvidon 25 000.
Weiters als Farbstoffe Indigocarmin-Aluminium-Lack (E 132) bei Amaryl® 4 mg.
6.2
Inkompatibilitäten
Keine bekannt.
6.3
Dauer der Haltbarkeit
Das Haltbarkeitsdatum ist auf der Verpackung mit dem Vermerk "Verwendbar bis"
angegeben. Die Haltbarkeit von Amaryl® beträgt 36 Monate.
42
6.4
Besondere Anforderungen an Lagerung/fürAufbewahrung
Nicht über Raumtemperatur (bis 25° C) lagern.
Für Kinder unerreichbar aufbewahren.
6.5
Art der Behältnisse und Packungsgrößen
30 und 120 Tabletten (in Blisterpackungen zu je 10 Tabletten).
Es handelt sich um Oblong-Tabletten mit Bruchrille. Die Amaryl® 4 mg-Tablette ist
10x5 mm. Amaryl® 4 mg ist hellblau.
7.
ZULASSUNGSINHABER
...............................
8.
ZULASSUNGSNUMMER
9.
ZULASSUNGDATUM/VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNG:
10.
STAND DER ÜBERARBEITUNG DER INFORMATION
43
1.
BEZEICHNUNG DER ARZNEIMITTEL:
Amaryl®
2.
QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
1 Tablette Amaryl® 6 mg enthält 6 mg Glimepirid
3.
ARZNEIFORM
Tabletten
4.
KLINISCHE ANGABEN
4.1
Anwendungsgebiete
Zur Behandlung des Typ-II-Diabetes mellitus, wenn durch Diät, körperliche Aktivität
und Gewichtsabnahme alleine kein ausreichender therapeutischer Erfolg erzielt werden
konnte.
4.2
Dosierung und Art der Anwendung
Die Basis jeder erfolgreichen Diabetes-Behandlung sind, neben regelmäßigen
Kontrollen der relevanten Blut- und Harnwerte, eine adäquate Diät sowie regelmäßige
körperliche Bewegung.
Negative Effekte, z.B. aufgrund nicht eingehaltener Diätvorschriften, können durch die
Gabe von oralen Antidiabetika oder Insulin nicht kompensiert werden.
Die individuell notwendige Dosierung wird aufgrund der Blut- und Harnzuckerwerte
festgelegt.
Üblicherweise beträgt die Initialdosis 1 mg Glimepirid pro Tag. Bei gutem Ansprechen
des Patienten kann in der Folge diese Dosis beibehalten werden.
Sollte eine Erhöhung der Tagesdosis jedoch notwendig sein, ist die Dosierung
entsprechend der metabolischen Situation schrittweise auf 2, 3 oder 4 mg
Glimepirid, jeweils im Intervall von 1-2 Wochen, zu steigern. Bei Dosen von
täglich mehr als 4 mg Glimepirid konnte nur noch in Einzelfällen eine
Wirkungsverbesserung beobachtet werden. Die tägliche Maximaldosis von 6 mg
Glimepirid sollte nicht überschritten werden.
Normalerweise ist die tägliche Einmalgabe von Glimepirid ausreichend. Die Einnahme
wird unmittelbar vor oder während des Frühstücks empfohlen bzw. unmittelbar vor oder
während der ersten Hauptmahlzeit, wenn kein Frühstück eingenommen wurde.
Wurde die Einnahme einer Tablette vergessen, darf die nächstfolgende Dosis auf keinen
Fall entsprechend erhöht werden.
Die Tabletten werden unzerkaut mit etwas Flüssigkeit eingenommen.
Zeigt ein Patient während der Therapie mit täglich einer Tablette Amaryl® 1 mg
hypoglykämische Reaktionen, kann bei diesen Patienten eine Stoffwechselregulation
mittels einer Diät alleine ausreichend sein.
Da eine Verbesserung der Stoffwechseleinstellung mit einer höheren Insulinsensitivität
verbunden ist, kann während der Behandlung mit Glimepirid eine Dosiskorrektur
notwendig sein.
44
Um Hypoglykämien zu vermeiden, muß daher rechtzeitig eine Dosisreduktion oder eine
Beendigung der Therapie mit Glimepirid erwogen werden.
Weiters könnte aufgrund einer Gewichtsänderung des Patienten oder Änderung des
Lebensstils bzw. anderer Faktoren, die das Risiko einer Hypo- oder Hyperglykämie
erhöhen, ebenfalls eine Dosisanpassung notwendig sein.
Wechsel von anderen oralen Antidiabetika auf Amaryl®
Ein Wechsel von anderen oralen Antidiabetika auf eine Therapie mit Amaryl® ist
prinzipiell möglich. Bei einem Wechsel auf Amaryl® muß aber die Stärke sowie die
Halbwertszeit der bisherigen Medikation beachtet werden In einigen Fällen,
insbesondere bei Antidiabetika mit einer langen Halbwertszeit (z. B.
Chlorpropamid), ist eine Wash-out-Phase von wenigen Tagen in Betracht zu
ziehen, um das Risiko einer hypoglykämischen Reaktion aufgrund eines additiven
Effekts zu vermindern.
Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 1 Tablette Amaryl® 1 mg pro Tag.
Ist aufgrund der Stoffwechselkontrolle eine Erhöhung der Glimepirid-Dosis notwendig,
erfolgt diese stufenweise in der bereits beschriebenen Art.
Wechsel von Insulin auf Amaryl®
Bei Typ-II-Diabetikern, die bisher mit Insulin behandelt wurden, kann in bestimmten
Fällen ein Wechsel auf Amaryl® angezeigt sein. Ein solcher Wechsel sollte jedoch
prinzipiell nur im Krankenhaus erfolgen.
4.3
Gegenanzeigen
Amaryl® sollte nicht angewendet werden bei:
Insulin-abhängigem Diabetes, diabetischem Koma, Ketoazidose, Überempfindlichkeit
gegenüber Glimepirid, anderen Sulfonylharnstoffen, Sulfonamiden oder anderen
Bestandteilen des Präparates.
Bei schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörungen sollte auf Insulin umgestellt
werden.
Schwangerschaft und Stillzeit.
4.4
Warnhinweise und spezielle Vorsichtsmaßnahmen bei der Anwendung
Amaryl® sollte unmittelbar vor oder während einer Mahlzeit eingenommen werden.
Werden während der Therapie mit Amaryl® Mahlzeiten in unregelmäßigen Abständen
eingenommen bzw. ausgelassen, kann es zu einer Hypoglykämie kommen.
Mögliche Symptome einer Hypoglykämie sind z.B. Kopfschmerzen, Heißhunger,
Übelkeit, Erbrechen, Mattigkeit, Schläfrigkeit, Schlafstörungen, Unruhe, Aggressivität,
Konzentrationsstörungen, Verminderung des Reaktionsvermögens, Depressionen,
Verwirrtheit,
Sprachund
Sehstörungen,
Aphasie,
Tremor,
Paresen,
Sensibilitätsstörungen, Schwindel, Hilflosigkeit, Verlust der Selbstkontrolle, Delirium,
zerebrale Konvulsionen, Somnolenz, Bewußtseinsverlust bis hin zum Koma,
oberflächliche Atmung, Bradykardie.
Zusätzlich können auch Anzeichen einer adrenergen Gegenregulation bestehen wie
Schwitzen, feuchtkalte Haut, Angst, Tachykardie, Hypertonie, Palpitationen, Angina
pectoris und Herzrhythmusstörungen.
Das klinische Bild einer schweren Hypoglykämie kann jenem eines Schlaganfalls
gleichen.
45
Durch die Verabreichung von Kohlenhydraten (Zucker) klingen diese Symptome fast
immer ab. Künstliche Süßstoffe zeigen keine Wirkung.
Von anderen Sulfonylharnstoffen ist bekannt, daß eine Hypoglykämie trotz zunächst
erfolgreicher Gegenmaßnahmen wieder auftreten kann.
Bei einer schweren Hypoglykämie oder bei nur zeitweilig normalen Zuckerwerten über
einen längeren Zeitraum ist eine sofortige ärztliche Behandlung, ggf. auch stationär,
erforderlich.
Folgende Faktoren können eine Hypoglykämie begünstigen:
-
mangelnde Bereitschaft oder (meist bei älteren Patienten) mangelnde Fähigkeit
zur Mitarbeit
-
schlechter Ernährungszustand, unregelmäßig eingenommene oder ausgelassene
Mahlzeiten bzw. Fastenperioden
-
Änderungen in der Diät
-
Unausgewogenheit
zwischen
Kohlenhydrataufnahme
-
Alkoholkonsum (insbesondere, wenn Mahlzeiten ausgelassen wurden)
-
Nierenfunktionsstörungen
-
Leberfunktionsstörungen
-
Überdosierung von Amaryl®
-
bestimmte nicht kompensierte Störungen des endokrinen Systems, die den
Kohlenhydratstoffwechsel bzw. den Gegenregulationsmechanismus einer
Hypoglykämie
beeinflussen
(z.B.
bei
bestimmten
Schilddrüsenfunktionsstörungen und bei Hypophysenvorderlappen- oder
Nebennierenrindeninsuffizienz)
-
gleichzeitige
Einnahme
Wechselwirkungen)
körperlicher
bestimmter
anderer
Bewegung
Medikamente
und
(siehe
Während der Therapie mit Amaryl® sind regelmäßige Kontrollen der Blut- und
Harnzuckerwerte erforderlich. Zusätzlich wird die Bestimmung von Haemoglobin A1
sowie, wenn möglich, von Fruktosamin empfohlen.
Weiters sollte während der Behandlung das Blutbild (vor allem die Leuko- und Thrombozytenzahl) sowie die Leberfunktion überprüft werden.
In Streßsituationen (z.B. nach Unfällen, akuten chirurgischen Eingriffen, fieberhaften
Infekten usw.) kann vorübergehend eine Umstellung auf Insulin notwendig sein.
Es liegen keine Erfahrungen über die Behandlung mit Amaryl® bei Patienten mit
schweren Leberfunktionsstörungen bzw. bei Dialysepatienten vor. Daher ist bei
Patienten mit schweren Nieren- und Leberfunktionsstörungen eine Umstellung auf
Insulin angezeigt.
4.5
Wechselwirkungen
Wechselwirkungen
mit
anderen
Arzneimitteln
una
andere
Wird Amaryl® gemeinsam mit bestimmten anderen Arzneimitteln eingenommen, kann
sowohl eine unerwünschte Verstärkung als auch eine Verminderung der
blutzuckersenkenden Wirkung von Glimepirid auftreten. Aus diesem Grund sollten
46
andere Medikamente nur auf ärztliche Verschreibung bzw. mit dem Einverständnis des
behandelnden Arztes eingenommen werden.
Aufgrund der Erfahrungen mit Amaryl® und anderen Sulfonylharnstoffen konnten
nachfolgende Wechselwirkungen beobachtet werden.
Hypoglykämische Reaktionen aufgrund einer Verstärkung der blutzuckersenkenden
Wirkung können unter der gleichzeitigen Gabe z. B. folgender Arzneimittel während
der Behandlung mit Amaryl® auftreten.
Phenylbutazon, Azapropazon und Oxyphenbutazon
Insulin und andere orale Antidiabetika
Metformin
Salicylate und p-amino-Salicylsäure
Anabolika und männliche Sexualhormone
Chloramphenicol
Antikoagulantien vom Cumarin-Typ
Fenfluramin
Fibrate
ACE-Hemmer
Fluoxetin
Allopurinol
Sympatholytika
Cyclophosphamid, Tro- und Ifosfamid
Sulfinpyrazon
bestimmte langwirkende Sulfonamide
Tetracycline
MAO-Hemmer
Chinolone
Probenecid
Miconazol
Pentoxifyllin (parenteral in hohen Dosen)
Tritoqualin
Bei der gleichzeitigen Einnahme von Amaryl® und Medikamenten mit nachfolgend
angeführten Wirkstoffen kann es zu einer Verminderung der blutzuckersenkenden
Wirkung von Glimepirid und in der Folge zu einer Verschlechterung der
Stoffwechsellage kommen
Östrogene und Gestagene
Saluretika, Thiazide
Schilddrüsenhormone, Glucokortikoide
Phenothiazin-Derivate, Chlorpromazin
47
Adrenalin und Sympathomimetika
Nikotinsäure (in hohen Dosen) und Nikotinsäure-Derivate
Laxantien (bei Langzeitanwendung)
Phenytoin, Diazoxid
Glucagon, Barbiturate und Rifampicin
Acetazolamid
H2-Antagonisten, Beta-Blocker, Clonidin und Reserpin können entweder zu einer
Verstärkung oder Verminderung der blutzuckersenkenden Wirkung führen.
Unter dem Einfluß von Sympatholytika wie Beta-Blocker, Clonidin, Guanethidin und
Reserpin können die Anzeichen einer adrenergen Hypoglykämie-Gegenreaktion
abgeschwächt sein oder völlig fehlen.
Akuter bzw. chronischer Alkoholkonsum kann die blutzuckersenkende Wirkung von
Glimepirid in unvorhersehbarer Weise verstärken oder vermindern.
Glimepirid kann die Wirkung von Cumarin-Derivaten verstärken oder vermindern.
4.6
Schwangerschaft und Stillzeit
Amaryl® ist während einer Schwangerschaft kontraindiziert. Bei schwangeren
Patientinnen muß auf Insulin umgestellt werden. Daher sollten Diabetikerinnen, die
eine Schwangerschaft planen, den behandelnden Arzt unbedingt darüber informieren.
Bei Untersuchungen zur Reproduktionstoxizität traten embryotoxische und teratogene
Wirkungen sowie toxische Entwicklungsstörungen auf. Diese Ergebnisse sind jedoch
wahrscheinlich Ausdruck der pharmakodynamischen Wirkung extrem hoher Dosen und
sind daher nicht Substanz-spezifisch.
Sulfonylharnstoff-Derivate treten in solchen Mengen in die Muttermilch über, daß
während der Behandlung mit Amaryl® nicht gestillt werden darf.
4.7
Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Bedienung von
Maschinen
Bis zum Erreichen der optimalen Blutzuckereinstellung, z.B. nach einem
Präparatewechsel, oder wenn die Tabletten nicht regelmäßig eingenommen werden,
kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigt sein. Dadurch kann die Fahrtüchtigkeit
bzw. die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen vermindert sein.
4.8
Nebenwirkungen
Aufgrund der Erfahrungen mit Amaryl® und anderen Sulfonylharnstoffen können
folgende Nebenwirkungen auftreten:
Hypoglykämie
Sehr selten wurden nach der Gabe von Amaryl® hypoglykämische Reaktionen
beobachtet, die meist unmittelbar nach der Einnahme auftraten. Eine Hypoglykämie
kann sehr schwer verlaufen und ist nicht in allen Fällen leicht zu beherrschen. Wie bei
jeder medikamentösen Diabetes-Therapie hängt die Häufigkeit des Auftretens einer
Hypoglykämie von individuellen Faktoren wie z. B. Diätgewohnheiten oder Dosierung
ab (siehe "Besondere Warnungen und besondere Vorsichtsmaßnahmen für den
Gebrauch").
Augen
48
Aufgrund der sich ändernden Glucosespiegel, insbesondere zu Therapiebeginn, können
vorübergehend Sehstörungen auftreten.
Magen-Darm-Trakt
Gastrointestinale Beschwerden wie Nausea, Erbrechen, Diarrhoe, Magendruck,
Völlegefühl sowie Bauchschmerzen treten nur sehr selten auf und bedingen selten einen
Abbruch der Therapie.
In Einzelfällen wurden während einer Behandlung mit Sulfonylharnstoffen eine
Erhöhung der Leberenzyme sowie eine Verschlechterung der Leberfunktion (mit
Cholestase und Ikterus) sowie Hepatitis beobachtet. Im allgemeinen verschwanden
diese Symptome nach Abbruch der Therapie, eine schwere Hepatitis kann jedoch zum
Leberversagen führen.
Allergische Reaktionen
Es können Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut wie Juckreiz, Rash und Urtikaria
auftreten. In Einzelfällen können sich solche Reaktionen zu schweren Zuständen mit
Dyspnoe, Hypertonie bis hin zum Schock entwickeln. Weiters können vereinzelt
Photosensibilität und allergische Vaskulitis auftreten.
Außerdem sind Kreuzreaktionen mit anderen Sulfonylharnstoffen oder Sulfonamiden
und deren Derivaten möglich.
Blutbild
Selten treten Blutbildveränderungen während einer Therapie mit Amaryl® auf, wie z.B.
mäßige
bis
schwere
Thrombozytopenie,
Erythrozytopenie,
Leukopenie,
Granulozytopenie, Agranulozytose, hämolytische Anämie sowie Panzytopenie.
Im allgemeinen sind diese Veränderungen nach Therapieabbruch reversibel.
Sonstige
Es kann eine Verminderung der Serum-Natriumkonzentration auftreten.
In placebokontrollierten klinischen Studien traten Infektionen der oberen
Atemwege in der Glimepirid-Gruppe häufiger auf (14,2 %) als in der PlaceboGruppe (7,8 %), die jedoch in keinem Fall vom Prüfarzt als therapiebedingt
eingestuft wurden.
Zwischen Glimepirid (4,6 %) und Glibenclamid (4,2 %) traten Infektionen der
oberen Atemwege ähnlich häufig auf.
4.9
Überdosierung
Nach Einnahme einer Überdosis kann innerhalb von 24 Stunden eine Hypoglykämie
auftreten, die 12 bis 72 Stunden anhalten und nach anfänglicher Besserung wieder
auftreten kann. Daher wird eine stationäre Überwachung des Patienten empfohlen.
Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und epigastrische Beschweren können auftreten.
Weiters wird eine Hypoglykämie meist von neurologischen Symptomen wie Unruhe,
Tremor, Sehstörungen, Koordinationsstörungen, Schläfrigkeit, Koma und Konvulsionen
begleitet.
In erster Linie sollte bei der Behandlung einer Überdosierung eine weitere Absorption
von Glimepirid im Organismus verhindert werden, und zwar durch induziertes
Erbrechen sowie durch Verabreichung von Aktivkohle (Adsorbens) und Natrimsulfat
(Laxativum) in Wasser oder Limonade.
49
Sollte eine große Menge Amaryl® eingenommen worden sein, ist vor der Gabe von
Aktivkohle und Natriumsulfat eine Magenspülung vorzunehmen.
Im Falle einer (schweren) Überdosierung kann eine intensivmedizinische Behandlung
angezeigt sein.
Weiters muß neben der symptomatischen Behandlung so rasch als möglich mit der
Verabreichung von Glucoselösung begonnen werden. Gegebenenfalls ist mit einer i.v.Bolus-Gabe von 50 ml 50 %iger Glucoselösung zu beginnen und anschließend mit der
Infusion von 10 %iger Glucoselösung unter ständiger Kontrolle des Blutzuckers
fortzusetzen.
Besonders bei der Behandlung einer Hypoglykämie aufgrund einer versehentlichen
Einnahme von Amaryl® bei Kleinkindern und Kindern muß die Dosierung der Glucose,
im Hinblick auf das Risiko der Entstehung einer bedrohlichen Hyperglykämie,
sorgfältig, unter engmaschiger Kontrolle der Blutzuckerspiegel durchgeführt werden.
5.
PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1
Pharmakodynamik
Glimepirid ist eine oral wirksame, blutzuckersenkende Substanz, die zur Gruppe der
Sulfonylharnstoffe gehört. Es wird bei nicht insulinpflichtigem Diabetes mellitus
eingesetzt.
Glimepirid wirkt hauptsächlich durch die Stimulation der Insulinfreisetzung aus den ßZellen des Pankreas. Wie bei anderen Sulfonylharnstoffen beruht dieser Effekt vor
allem auf einer Verbesserung der Ansprechbarkeit der ß-Zellen auf den physiologischen
Glucosestimulus. Zusätzlich scheint Glimepirid ausgeprägte extrapankreatische
Wirkungen zu haben, wie sie für andere Sulfonylharnstoffe auch angenommen werden.
Insulinfreisetzung
Sulfonylharnstoffe bewirken die Insulinfreisetzung durch Schließen der ATP-sensitiven
Kalium-Kanäle in der Membran der ß-Zellen.
Das Schließen dieser Kanäle führt zu einer Depolarisation der ß-Zelle und bewirkt durch Öffnen der Kalzium-Kanäle - einen verstärkten Einstrom von Kalzium in die
Zelle. Dies bedingt die Insulinfreisetzung durch Exozytose.
Glimepirid bindet mit einer hohen Exchange-Rate an ein bestimmtes ßZellmembranprotein, das mit den ATP-sensitiven Kaliumkanälen im Zusammenhang
steht, wodurch es sich aber von der Bindungsstelle herkömmlicher Sulfonylharnstoffe
stark unterscheidet.
Extrapankreatische Aktivität
Extrapankreatische Wirkungen sind z.B. eine Verbesserung der Insulin-Empfindlichkeit
des peripheren Gewebes sowie eine Verminderung der hepatischen Insulinaufnahme.
Die Aufnahme von Glucose aus dem Blut in die periphere Muskulatur und das
Fettgewebe erfolgt über spezielle Transportproteine in der Zellmembran. Der Transport
von Glucose in diese Gewebe bestimmt die Höhe des jeweiligen Glucoseverbrauchs.
Glimepirid erhöht sehr rasch die Zahl aktiver Glucose-Transportmoleküle in den
Plasma-Membranen der Muskel- und Fettzellen, wodurch es zu einer Stimulation der
Glucoseaufnahme kommt.
50
Weiters erhöht Glimepirid die Aktivität der Glykosyl-Phosphatidylinositol-spezifischen
Phospholipase C. Dies dürfte mit der substanzinduzierten Lipo- und Glykogenese in
den isolierten Fett- und Muskelzellen im Zusammenhang stehen.
Glimepirid hemmt die hepatische Glucoseproduktion durch eine Erhöhung der
intrazellulären Konzentration von Fructose-2,6-Biphosphat, das in der Folge die
Gluconeogenese hemmt.
Allgemeines
Bei gesunden Probanden betrug die niedrigst wirksame orale Dosis 0,6 mg. Die
Wirksamkeit von Glimepirid ist dosisabhängig und reproduzierbar.
Die physiologische Reaktion auf akute körperliche Betätigung (d.h. eine Reduktion der
Insulinsekretion) bleibt unter Glimepirid weiter erhalten.
Es gab keinen signifikanten Unterschied in der Wirksamkeit bei Einnahme des
Arzneimittels 30 Minuten vor oder unmittelbar vor einer Mahlzeit. Bei Diabetikern
kann eine gute Einstellung der Stoffwechsellage durch eine einmalige Gabe innerhalb
von 24 Stunden erzielt werden.
Obwohl der Hydroxy-Metabolit von Glimepirid bei gesunden Probanden einen
geringen, aber signifikanten Abfall der Serum-Glucose bewirkte, trägt dies nur im
geringen Maß zur Gesamtwirkung des Arzneimittels bei.
5.2
Pharmakokinetik
Die absolute Bioverfügbarkeit von Glimepirid ist vollständig. Die Nahrungsaufnahme
hat keinen relevanten Einfluß auf die Absorption; lediglich die Absorptionsrate ist
leicht verringert. Maximale Serumkonzentrationen (Cmax) werden etwa 2,5 Stunden
nach oraler Applikation erreicht (im Mittel 0,3 µg bei wiederholter Gabe von 4
mg/Tag). Weiters besteht ein linearer Zusammenhang zwischen der Dosis, der Cmax
und der AUC (Fläche unter der Zeit/Konzentrations-Kurve).
Glimepirid hat ein geringes Verteilungsvolumen (ungefähr 8,8 Liter), das in etwa jenem
von Albumin entspricht, sowie eine hohe Proteinbindung (> 99 %) und eine niedrige
Clearance (ungefähr 48 ml/min).
Die mittlere Serum-Halbwertszeit, die für die Serumkonzentrationen bei wiederholter
Gabe von Bedeutung ist, beträgt 5 bis 8 Stunden. Nach Einnahme höherer Dosen konnte
eine leichte Verlängerung der Halbwertszeit beobachtet werden.
Nach einer Einmaldosis von radioaktiv markiertem Glimepirid wurden 58 % der
Radioaktivität im Urin wieder gefunden und 35 % in den Faeces. Im Urin wurde keine
unveränderte Substanz gefunden. Zwei Metaboliten, die wahrscheinlich durch eine
hepatische Metabolisierung entstehen, ein Hydroxy- und ein Carboxy-Derivat, wurden
sowohl im Urin als auch in den Faeces gefunden. Nach oraler Einnahme von Glimepirid
betrug die terminale Halbwertszeit der genannten Metaboliten 3 bis 6 bzw. 5 bis 6
Stunden.
Beim Vergleich einer täglichen Einmalgabe und der Mehrfachdosierung pro Tag
zeigten sich keine signifikanten pharmakokinetischen Unterschiede und die
intraindividuelle Variabilität war sehr gering. Es kam zu keiner relevanten Kumulation.
Die pharmakokinetischen Daten waren bei Männern und Frauen ähnlich, ebenso bei
jüngeren und älteren Patienten (über 65 Jahre). Bei Patienten mit niedriger KreatininClearance konnte ein Trend zu einer Erhöhung der Glimepirid-Clearance festgestellt
werden sowie eine Verminderung der durchschnittlichen Serumkonzentrationen, die
51
wahrscheinlich auf einer rascheren Elimination aufgrund einer geringeren
Proteinbindung beruht. Die renale Elimination der beiden Metabolite war vermindert.
Insgesamt kann bei diesen Patienten kein erhöhtes Kumulationsrisiko angenommen
werden.
Im Tierversuch tritt Glimepirid in die Muttermilch über und ist plazentagängig. Im
geringen Maß kann Glimepirid die Blut-Hirn-Schranke passieren.
5.3
Präklinische Sicherheitsdaten
Bei Prüfungen zur subchronischen und chronischen Toxizität an Ratten, Mäusen
und Hunden wurde sowohl eine Abnahme der Serum-Glucose als auch eine
Degranulation der ß-Zellen des Pankreas beobachtet. Diese Veränderungen waren
im
allgemeinen
reversibel
und
wahrscheinlich
Ausdruck
der
pharmakodynamischen Wirkung.
In einer Untersuchung zur chronischen Toxizität an Hunden kam es bei zwei
Tieren aus der Gruppe mit der höchsten Dosis (320 mg/kg KG) zu
Linsentrübungen. Jedoch zeigte sich bei In vitro-Untersuchungen an Linsen von
Rindern bzw. bei Studien an Ratten kein kataraktogenes oder co-kataraktogenes
Potential.
Glimepirid zeigte keine mutagenen bzw. genotoxischen Effekte.
Durch Glimepirid kam es bei Untersuchungen an Ratten unter der höchsten Dosis
(345 mg/kg KG) zu einer leicht erhöhten Inzidenz von Unterus-Adenokarzinomen.
Die Sicherheitsfaktoren, basierend auf einem Vergleich der systemischen
Exposition (AUC-Werte) von weiblichen Ratten und Menschen sind jedoch hoch
genug (ungefähr 20x), um ein Risiko für Patientinnen innerhalb der empfohlenen
klinischen Dosen auszuschließen.
Bei Mäusen wurden vermehrt Hyperplasien bzw. Adenome der Langerhans’schen
Zellen beobachtet, die jedoch als eine Folge der chronischen Stimulation der ßZellen angesehen werden.
Die Gabe von Glimepirid an Ratten zeigte keine Veränderung der Fruchtbarkeit
bzw. des Schwangerschafts- und Geburtsverlaufs.
Mißbildungen (z. B. Augenmißbildungen, Fissuren und Knochenanomalien) traten
bei Ratten und Kaninchen auf. Weiterhin wurden nur bei Kaninchen vermehrt
Aborte und intrauteriner Fruchttod beobachtet.
6.
PHARMAZEUTISCHE DATEN
6.1
Sonstige Bestandteile
Lactose, Natriumstärkeglycolat, Magnesiumstearat, Zellulose und Polyvidon 25 000.
Weiters als Farbstoffe Gelb-Orange FCF-Aluminium-Lack (E 110) bei Amaryl® 6 mg.
6.2
Inkompatibilitäten
Keine bekannt.
6.3
Dauer der Haltbarkeit
Das Haltbarkeitsdatum ist auf der Verpackung mit dem Vermerk "Verwendbar bis"
angegeben. Die Haltbarkeit von Amaryl® beträgt 36 Monate.
52
6.4
Besondere Anforderungen an Lagerung/fürAufbewahrung
Nicht über Raumtemperatur (bis 25° C) lagern.
Für Kinder unerreichbar aufbewahren.
6.5
Art der Behältnisse und Packungsgrößen
30 und 120 Tabletten (in Blisterpackungen zu je 10 Tabletten).
Es handelt sich um Oblong-Tabletten mit Bruchrille. Die Amaryl® 6 mg-Tablette ist
10x5 mm. Amaryl® 6 mg ist orange.
7.
ZULASSUNGSINHABER
........................
8.
ZULASSUNGSNUMMER
9.
ZULASSUNGDATUM/VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNG:
10.
STAND DER ÜBERARBEITUNG DER INFORMATION
53
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