beitrag der silikontechnologie zu einer nachhaltigen

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BEITRAG DER SILIKONTECHNOLOGIE ZU EINER
NACHHALTIGEN ARCHITEKTUR
A.T. Wolf
Dow Corning Corporation
Dow Corning GmbH, Wiesbaden, Deutschland
BEITRAG DER SILIKONTECHNOLOGIE ZU EINER NACHHALTIGEN ARCHITEKTUR
A. T. Wolf
Dow Corning GmbH, Wiesbaden, Deutschland
[email protected]
KURZBESCHREIBUNG
Seit mehr als 40 Jahren werden Dicht- und Klebestoffe aus Silikon erfolgreich in Gebäudehüllen, Vorhangfassaden und
anderen der Witterung ausgesetzten Anwendungen eingesetzt, die Stürmen, Erdbeben, saurem Regen, extremer
Luftfeuchtigkeit und Frost widerstehen müssen. Die wirtschaftliche Bedeutung von Dicht- und Klebestoffen aus Silikon
beruht auf den besonderen Eigenschaften, die den Werkstoff zu einem vielseitig einsetzbaren Material in den
unterschiedlichsten Bereichen machen. Dicht- und Klebestoffen aus Silikon ermöglichen die Konstruktion neuartiger
Fassadensysteme mit optimierter Energieeffizienz, verbesserter Tageslichtnutzung und Klimaregelung sowie längerer
Nutzungsdauer.
1. EINFÜHRUNG
Die ersten Dicht- und Klebestoffe aus Silikon für den
Gebäudebau kamen in den frühen 1960er Jahren auf den
Markt, und viele der damals verarbeiteten Produkte sind
noch heute funktionsfähig (Abbildung 1) [1].
Die wirtschaftliche Bedeutung von Dicht- und
Klebestoffen aus Silikon beruht auf den besonderen
Eigenschaften, die den Werkstoff zu einem vielseitig
einsetzbaren Material in den unterschiedlichsten
Bereichen machen. Zu diesen Eigenschaften zählen u. a.
die
hervorragende
Beständigkeit
gegen
Witterungseinflüsse, extreme Temperaturen, Ozon und
Oxidation, die hohe Gasdurchlässigkeit, die guten
elektrischen Eigenschaften, die Reaktionsträgheit, die
Haftfähigkeit auf einer Vielzahl von Trägermaterialien
und die Vernetzbarkeit sowohl bei hohen als auch
normalen Temperaturen [2,3]. Aufgrund dieser
besonderen Materialmerkmale können Dicht- und
Klebestoffe aus Silikon die Effizienz und Langlebigkeit
von Geschäfts- und Wohngebäuden erhöhen.
2. BEDARF AN NACHHALTIGER
ARCHITEKTUR
AV14229
Abb. 1: Das 40 Jahre alte Gebäude der USStahlarbeitergewerkschaft in Pittsburgh, Pennsylvania (USA)
mit Silikonabdichtung.
Gebäude sind sehr ressourcenintensiv. Für sie werden
35–40 % der Primärenergie, 30–40 % aller verwendeten
Rohstoffe, 15–20 % des gesamten Wasserbedarfs und
10 % der von Menschen genutzten Fläche aufgewendet.
Weltweit beziffert sich die Menge der in der
Bauwirtschaft verarbeiteten Rohstoffe auf enorme
3 Mrd. Tonnen jährlich [4]. Gebäude sind zudem für
einen
Großteil
der
schädlichen
Emissionen
verantwortlich und belasten die Umwelt. 35–40 % aller
Treibhausgasemissionen, 30–35 % aller festen Abfälle
und etwa 20 % der Abwässer gehen auf Gebäude zurück
[5].
Bereits im Jahr 1993 hat die International Union of
Architects (UIA) auf ihrem Kongress in Chicago (USA)
in ihrer „Declaration of Interdependence for a
Sustainable Future“ die Eckpunkte einer nachhaltigen
Architektur umrissen [6]. Gemäß dieser Definition
zeichnet sich ein nachhaltiges Gebäudedesign durch
Ressourcen- und Energieeffizienz, natürliches Bauen
ohne
gesundheitsschädliche
Materialen,
eine
umweltverträgliche und zurückhaltende Baulandnutzung
und eine inspirierende, funktionale und den
Nachhaltigkeitsgedanken zum Ausdruck bringende
Ästhetik aus. Diese Definition basiert auf dem
allgemeinen Nachhaltigkeitskonzept, das sich aus der
Schnittmenge der wirtschaftlichen, sozialen und
ökologischen
Aspekte
einer
verantwortlichen
Entwicklung ergibt (Abbildung 2).
nachhaltig
sozial
erträglich
ökologisch
fair
machbar
wirtschaftlich
Abb. 2: Fundament einer verantwortlichen Entwicklung.
Projekt (designspezifische Qualität)
Prosperität/Profit
(wirtschaftliche
Qualität)
Personen
(soziale
Qualität)
Planet (ökologische Qualität)
Abb. 3: 4P-Tetraeder nach Prof. Kees Duijvestein
Diese Definition zugrunde legend kann man auch sagen,
dass jedes nachhaltige Design bzw. jede nachhaltige
Architektur die 4P-Anforderungen erfüllen muss: 4P
steht für (a) Projekt – die designspezifische Qualität, (b)
Prosperität oder Profit – die wirtschaftliche Qualität, (c)
Planet – die ökologische Qualität, und (d) Personen – die
soziale Qualität (die Qualitäten werden nach Prof. Kees
Duijvestein von der Technischen Universität in Delft
(Niederlande) auch als Tetraeder dargestellt [7], siehe
Abbildung 3).
Wie zuvor bereits erwähnt, versteht man unter
nachhaltiger Architektur weit mehr als energieeffizientes
Bauen. Dennoch ist die Energieeffizienz die wichtigste
Kenngröße, um den drei zentralen Herausforderungen im
Gebäudebau
wirksam
begegnen
zu
können:
Umweltzerstörung, Klimawandel und Energiesicherheit.
Die in bestehenden Gebäuden aufgewendete Energie
lässt sich einfach ermitteln. Messungen haben ergeben,
dass der Betrieb eines Gebäudes besonders
energieintensiv ist – mehr als 80 % des gesamten
gebäudespezifischen Energieverbrauchs resultieren aus
dem Betrieb eines Gebäudes [8].
Die Reduzierung der Betriebsenergie hat somit höchste
Priorität, denn „die nachhaltigste Energie ist eingesparte
Energie“. Die Energie an sich ist jedoch nicht von
zentralem Interesse, vielmehr zählt das Resultat, das
durch die Energie erzielt wird. Für Kunden ist nicht die
Energie an sich von zentraler Bedeutung, sondern die
Nutzung der Energie, beispielsweise um Komfort,
Beleuchtung,
Kraftumsetzung,
Beförderungsmöglichkeiten,
usw.
zu
erhalten.
Maximale
Energieeffizienz bei minimaler Umweltbelastung ist
somit die große Herausforderung im Gebäudebau, die
eine nachhaltige Architektur lösen muss. Vor diesem
Hintergrund hat die richtige Materialwahl einen enormen
Einfluss auf die für die Gebäudeunterhaltung
erforderliche Energie, wohingegen sich durch die Wahl
von Materialien der Energieverbrauch bei der Fertigung,
beim Bau und beim Abriss eines Gebäudes nur marginal
beeinflussen lässt.
Daher geht es bei der Konzipierung nachhaltiger
Gebäude
insbesondere
darum,
sowohl
den
betriebsbedingten Energieverbrauch als auch die
Lebenszykluskosten des Gebäudes zu senken. Um dies
zu erreichen, ist zuallererst die Leistungsfähigkeit der
Gebäudehülle zu verbessern, da die Lebenserwartung
einer Gebäudehülle zwischen 50 und 100 Jahren beträgt
[9]. Offensichtlich müssen wir uns dabei vor allem auf
Dinge wie die Luftdichtheit der Gebäudehülle, die
Qualität der Isolierung und insbesondere der Fenster und
die Vermeidung von Wärmebrücken konzentrieren. Der
zweitwichtigste Punkt sollte dann die Reduzierung des
Energieverbrauchs sein, beispielsweise durch den
Einsatz energieeffizienter Anlagen und Geräte und die
verstärkte
Nutzung
des
Tageslichts
zur
Innenraumbeleuchtung.
Sobald
diese
Aspekte
hinreichend berücksichtigt wurden, sollte der Fokus auf
die Erzeugung elektrischer Energie aus erneuerbaren
Energiequellen gerichtet werden, da derartige Anlagen
eine Lebensdauer von 10–25 Jahre haben [10]. Dieser
Ansatz ist auch aus einfachen wirtschaftlichen
Erwägungen heraus richtig, da eine mangelhaft
konstruierte Gebäudehülle und der Einsatz ineffizienter
Anlagen und Geräte im Gebäude eine unnötig große
Anlage zur Erzeugung erneuerbarer Energien notwendig
macht, was wiederum die Kosten nach oben treibt.
3. VORTEILE DER SILIKONTECHNOLOGIE BEI NACHHALTIGEM
GEBÄUDEDESIGN
Regierungen rund um den Globus beginnen damit,
Vorgaben für nachhaltiges Bauen zu entwickeln [11]. So
werden etwa Ziele für die Reduzierung des
Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen festgelegt.
Richtlinien zum Einsatz umweltfreundlicher Baustoffe,
die nicht die Luftqualität in Gebäuden negativ
beeinträchtigen, werden erarbeitet (siehe z. B. [12]).
Indem ein Architekt sich anstatt für eine konventionelle,
mechanisch
gehaltene
Glasfassade
für
eine
Structural Glazing-Technologie mit Silikonbefestigung
entscheidet, leistet er einen Beitrag zu einer nachhaltigen
Architektur, die die 4P-Anforderungen hinsichtlich der
ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und designspezifischen Qualität des Gebäudes erfüllt.
Silikonbasiertes Structural Glazing erlaubt gestalterische
Kreativität und Designfreiheit und sorgt zugleich für
geringere Lebenszykluskosten und eine verbesserte
Wärme- und Schalldämmung der Fassade. Das
elastische
Silikon
zwischen
Glas
und
Metallunterkonstruktion stellt eine thermische Barriere
dar, minimiert das Eindringen von Luft und entkoppelt
und dämpft Vibrationen, was zu einer größeren
Energieeffizienz und Schallisolierung führt. Silikone
widerstehen Umwelteinflüssen und besitzen generell
eine längere Haltbarkeit als auf Erdöl basierende Dichtund Klebestoffe. Dank der längeren Haltbarkeit von
Silikon reduzieren sich die Lebenszykluskosten von
Gebäuden.
Unsere Auswertungen thermischer Simulationen haben
wiederholt
ergeben,
dass
silikonbasiertes
Structural Glazing gegenüber mechanisch montierten
Glasfassaden
deutlich
bessere
Wärmeisolationseigenschaften
besitzt
[13,14]
(Abbildung 4).
Abb. 4: Konventionelle Fassade mit Druckplatte, Uf =
1,88 W/m2K (oben), und Structural Glazing-Fassade, Uf =
1,66 W/m2K (unten), (Quelle: www.gpd.fi, © Dow Corning).
Selbstverständlich trägt auch die Wärmeeffizienz
der Isolierglaseinheit (IG-Einheit) zur allgemeinen
Wärmeeffizienz der Fassade bei. Sowohl die auf
Silikonschaum
basierenden
„Warm Edge“Abstandshalter als auch der mit Edelgas gefüllte
Hohlraum der Isolierglaseinheit beeinflussen die
Eigenschaften der Fassade.
Durch den Austausch einer herkömmlichen,
mechanisch montierten Fassadenverglasung durch
Structural Glazing-Isolierglaseinheiten kann der U-
Wert der Fassade um bis zu 0,2 W/(m2K) optimiert
werden. Indem die Lufteindringrate gesenkt wird,
kann der Energiebedarf des Gebäudes noch weiter
reduziert werden [15]. Aufgrund der Beständigkeit
und Haftfähigkeit von Silikon sorgt das Material im
Structural Glazing-Einsatz gegenüber mechanisch
montierten Fassadenverglasungen mit Dichtprofilen
aus
organischen
Stoffen
für
geringere
Eindringraten.
Dicht-/Klebestoffe aus Silikon weisen außerdem
eine ausgezeichnete dauerhafte Haftfestigkeit an
Glas und eine Beständigkeit gegenüber Sonnenlicht
auf. Das macht sie zum Material der Wahl für
Structural Glazing
und
großflächige
Verglasungsanwendungen in Geschäftsgebäuden
sowie für anspruchsvolle Dachverglasungen [3].
Aktuelle Entwicklungen beweisen, dass mit Argon
gefüllte, mit Silikon und Polyisobutylen
doppelstufig abgedichtete IG-Einheiten hergestellt
werden können, die die strengen Anforderungen
nationaler und internationaler Industrienormen
hinsichtlich
des
Widerstandes
gegen
Wasserdampfeindringung und der Gasretention
zuverlässig erfüllen [16,17]. In Kombination mit
„Warm Edge“-Abstandshaltern wird durch die
Silikon-Sekundärabdichtung
eine
verbesserte
Haltbarkeit
und
Energieeffizienz
erzielt.
Gleichzeitig wird das Risiko der Kondensation von
Wasser am Rand der IG-Einheit reduziert.
4. FALLBEISPIELE
Seit mehr als 40 Jahren werden Dicht- und Klebestoffe
auf Silikonbasis erfolgreich bei Gebäudehüllen,
Vorhangfassaden und anderen der Witterung
ausgesetzten Anwendungen eingesetzt, die Stürmen,
Erdbeben, saurem Regen, extremer Luftfeuchtigkeit und
Frost widerstehen müssen. Im folgenden Abschnitt
werden einige Fallbeispiele vorgestellt, die die
erstklassige Witterungsbeständigkeit und Langlebigkeit
von Silikondichtstoffen und ihren Beitrag zu einer
nachhaltigen Architektur veranschaulichen.
4.1 Prinzessin-Elisabeth-Polarforschungsstation
Die Prinzessin-Elisabeth-Station in der Antarktis
(Abbildung 5) wird von der Internationalen Polarstiftung
(IPF) genutzt, um Klimaveränderungen und nachhaltige
Rohstoffe zu untersuchen. Die Station ist die weltweit
erste Polarforschungsstation, die keinerlei Emissionen
erzeugt und gänzlich auf der Grundlage erneuerbarer
Energien betrieben wird (Windturbinen und Solarzellen)
[18].
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Abb. 5: Prinzessin-Elisabeth-Polarforschungsstation. (Foto
mit freundlicher Genehmigung der Internationalen
Polarstiftung/R. Robert).
Bei Lufttemperaturen von -50 °C bis -5 °C, maximalen
Windgeschwindigkeiten von 125 km/h und Windböen
bis zu 250 km/h sah sich die IPF enormen
Herausforderungen bei der Wahl geeigneter Materialien
für die Konstruktion und insbesondere für die Fenster
gegenüber. Das Fenstersystem wurde als zweischaliges
System aus IG-Einheiten mit einem Zwischenraum von
400 mm zwischen den Einheiten konzipiert. Zum
Einsatz kam Dreifachisolierglas auf Basis von
Verbundgläsern mit Silikonrandabdichtung.
4.2 Pardatschgrat-Restaurant, Ischgl
(Österreich)
Das auf einer Höhe von 2.624 m eindrucksvoll gelegene
Pardatschgrat-Gebirgsrestaurant in der Nähe von Ischgl
in Österreich muss extremen Temperaturen und starken
Winden trotzen (Abbildung 6) [19].
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Abb. 6: Pardatschgrat-Restaurant, Ischgl (Österreich). (Foto
mit freundlicher Genehmigung von Steindl Glas, Itter
(Österreich)).
Das Restaurant verfügt über eine vierseitig (vollständig)
geklebte Fassadenverglasung. Einige Fassadenabschnitte
sind nach außen (negativ) geneigt. Die Fassade ist mit
Silikon-gedichteten,
Argon-gefüllten
Dreifach-IGEinheiten verkleidet, die einen Ug-Wert von
0,7 W/(m2K) aufweisen. Bei einem ähnlichen Projekt
wurde durch die Kombination von vierseitigem
Structural Glazing mit Silikon-gedichteten, Kryptongefüllten Dreifach-IG-Einheiten für die Vorhangfassade
ein Uf-Wert von 0,77 W/(m2K) erzielt [20,21].
Diese überragende Wärmedämmung ließ sich nur
erreichen, weil alle wesentlichen Wärmebrücken in der
Fassade mithilfe von Silikon beseitigt werden konnten,
welches zur Abdichtung und zum Verkleben der IGEinheiten eingesetzt wurde. Seit der Fertigstellung im
November 2004 hat das Gebäude den Praxistest
bestanden.
Der
Besitzer
profitiert
von
der
Energieeffizienz des Gebäudes und die Besucher
genießen den Komfort des Restaurants.
4.3 Prime Tower, Zürich
Der Prime Tower in Zürich ist ein weiteres Beispiel für
eine extrem energieeffiziente Structural GlazingFassade, die aus silikongedichteten IG-Einheiten besteht
(Abbildung 7) [22]. Die Bauherren des 126 m hohen
Multifunktionsgebäudes baten die Architekten und
Fassadenplaner, dieses Gebäude mit einer wegweisenden
Energieeffizienz zu realisieren, um dem Gebäude ein
Alleinstellungsmerkmal im Premium-Segment des
Mietmarktes der Stadt zu verleihen. An der gesamten
Fassade des Gebäudes kam auf einer Fläche von
silikonbasiertes
vierseitiges
20.000 m2
Structural Glazing mit silikongedichteten, mit Argon
Gas gefüllten, raumhohen Dreifach-IG-Einheiten zum
Einsatz.
AV14231
Abb. 7: Prime Tower, Zürich. (Quelle: www.prime-tower.ch/,
Foto mit freundlicher Genehmigung der Prime-Tower
Holding, Credit Suisse).
4.4 Berlaymont-Gebäude, Brüssel
Das Berlaymont-Gebäude in Brüssel, das den Sitz der
Europäischen Kommission beherbergt, wurde in den
1960er Jahren gebaut. Mitte der 1990er Jahre wurde eine
Modernisierung des Berlaymont-Gebäudes immer
dringlicher. Eine nicht mehr zeitgemäße Infrastruktur,
eine mangelhafte Gebäudeabdichtung und -dämmung,
fehlendes Tageslicht im Gebäudeinneren und eine hohe
gesundheitliche Gefährdung durch Asbest führten ab
1999 zu umfassenden Renovierungsarbeiten. Die
Europäische Kommission spezifizierte hierzu eine Reihe
ambitionierter Vorgaben für eine nachhaltige
Entwicklung: Erstens sollte von der ursprünglichen
Gebäudekonstruktion so viel wie möglich erhalten
bleiben. Zweitens sollte das Gebäude richtungsweisend
im Hinblick auf Energieeffizienz, Haltbarkeit der
verwendeten Baustoffe, Instandhaltungsfreundlichkeit
und optimalen Tageslichteinfall in das Gebäude werden
(Abbildung 8).
wirkt die Fassade hingegen wie ein wärmender
Wintermantel.
Mit den verstellbaren Glasjalousien lässt sich der
Energiefluss in das Gebäude und aus dem Gebäude
heraus steuern. Darüber hinaus führt die aktive Fassade
zu einer Reduzierung des Geräuschpegels im Gebäude
(Abbildung 10).
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Abb. 8: Berlaymont-Gebäude, Brüssel (nach der
Modernisierung).
Die doppelschalige Fassade besteht innen aus
etagenhohen
IG-Einheiten
mit
SilikonSekundärdichtung. Hingegen besteht der äußere Bereich
der Fassade aus 21.000 m2 verstellbaren Glasjalousien,
die mithilfe eines für Structural Glazing zugelassenen
Silikondichtstoffes mit der Metalltragekonstruktion
verbunden sind. Ein mit Wettersensoren verbundener
Computer steuert die beweglichen Lamellen der
Jalousien. Die „lebende“ Fassade verändert die Position
der Lamellen je nach Sonneneinstrahlung, Temperatur
und Windgeschwindigkeit.
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Abb. 10: Verstellbare Glasjalousien, Berlaymont-Gebäude,
Brüssel (Detailfoto).
Die Silikonverklebungen der Glasjalousien wurden
umfassenden Tests unterzogen, da sie im Fall von
Glasbruch ein Herabfallen des Glases verhindern müssen
und somit lebensrettend sein können.
AV13746
Im Jahr 2005 wurde eine Zertifizierung des Gebäudes
durchgeführt, die auf der neuen EU-Richtlinie
„Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden“ basierte. Diese
Zertifizierung zeigte, dass der Energieverbrauch des
Berlaymont-Gebäudes nur ca. 50 % des Verbrauchs
vergleichbarer Gebäuden beträgt [24].
Abb. 9: „Lebende“ Fassade des Berlaymont-Gebäudes,
Brüssel (Übersichtsfoto).
4.5 Firmengebäude der BP Exploration Alaska,
Inc., Anchorage, Alaska
Die Fassade sorgt dadurch für einen gleichmäßigen
Einfall von Tageslicht in das Gebäude. Zudem werden in
den Sommermonaten ein zu starker Einfall von
Sonnenstrahlung und ein damit verbundenes Aufheizen
des Gebäudeinneren verhindert; in den Wintermonaten
Die silikonbasierte Structural Glazing-Fassade des 1983
fertiggestellten Firmengebäudes der BP Exploration
Alaska, Inc. in Anchorage, Alaska, hat bisher den
extremen klimatischen Bedingungen getrotzt und selbst
mehrere Erdbeben mit einer Stärke bis zu 5,8 auf der
Richter-Skala überstanden (Abbildung 11). Abbildung
12 zeigt die Durchschnitts- und Extremtemperaturen, die
Niederschlagsmengen und die seismischen Aktivitäten
am Standort des Gebäudes [25,26].
5. ZUSAMMENFASSUNG
Silikone ermöglichen die Konstruktion neuartiger
Fassadensysteme mit optimierter Energieeffizienz,
verbesserter Tageslichtnutzung und Klimaregelung
sowie längerer Nutzungsdauer. Aufgrund ihrer
überragenden Dauerhaftigkeit kann der Einsatz von
Silikontechnologie die Langlebigkeit eines Gebäudes
deutlich
erhöhen.
Anwendungsbereiche
sind
Structural Glazing,
Isolierverglasungen,
witterungsbeständige
Abdichtungen,
tragende
Fensterverklebungen
und
-installationen
sowie
wasserabweisenden Imprägnierungen. Auf die beiden
letztgenannten Anwendungen wurde in diesem
Dokument nicht eingegangen.
AV09366
Abb. 11: Firmengebäude der BP Exploration Alaska, Inc.,
Anchorage, Alaska (USA)
Die Verwendung von silikonbasierten Materialien bietet
zahlreiche Vorteile – von der Luft- und Wasserundurchlässigkeit sowie der Wärme- und Schalldämmung,
über den verbesserten Tageslichteinfall, die bessere
Ästhetik bis hin zur größeren gestalterischen Freiheit bei
allen Arten von Gebäudekonstruktionen.
6. REFERENZEN
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History of Sealants“, Handbook of Sealant
Technology, Taylor and Francis (CRC), Boca Raton,
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[2] De Buyl, F. (2001), „Silicone Sealants and
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Adhesion and Adhesives, 21 (5), S. 411-422.
Abb. 12: Umweltbedingungen in Anchorage, Alaska von
1983 bis 2007 (grün: Durchschnitts- und Extremtemperaturen;
violett: Niederschlagsmengen; gelb: seismische Aktivität).
Wie aus dem Diagramm hervorgeht, war das
Gebäude in dem angegebenen Zeitraum häufig
starken
seismischen
Aktivitäten,
extremen
Temperaturschwankungen von -37 °C bis +29 °C
und
einer
durchschnittlichen
Jahresniederschlagsmenge von 414 mm ausgesetzt.
Die zweiseitige Structural Glazing-Fassade hat
diese klimatischen Belastungen und häufigen
Erdbeben bisher ohne Schäden überstanden [27].
[3] Wolf, A. T. (2000), „Durability of Silicone
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http://jen.sagepub.com/cgi/rapidpdf/17442591093496
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Topeka, Kansas, USA.
HAFTUNGSBESCHRÄNKUNG – BITTE SORGFÄLTIG LESEN
Die in dieser Broschüre enthaltenen Angaben werden aufgrund der bei Dow Corning durchgeführten
Forschung nach bestem Wissen gemacht. Da Dow Corning keinen Einfluss auf die Verwendungsart der
Produkte und auf die Bedingungen hat, unter denen sie eingesetzt werden, ist trotz dieser
Produktinformationen vor dem Einsatz der Produkte unbedingt die Durchführung von Tests erforderlich,
um sicherzustellen, dass unsere Produkte im Hinblick auf Leistung, Wirkung und Sicherheit für die
spezifische Verwendung durch den Kunden geeignet sind. Vorschläge zur Produktverwendung sind nicht
als Anstiftung zu Patentrechtsverletzungen zu verstehen.
Dow Corning gewährleistet nur, dass unsere Produkte der zur Zeit der Lieferung aktuellen
Produktbeschreibung entsprechen.
Gewährleistungsansprüche des Kunden und die entsprechenden Gewährleistungspflichten von Dow
Corning beschränken sich auf die Lieferung von Ersatz oder die Rückerstattung des Kaufpreises für ein
Produkt, das der Gewährleistung nicht entspricht.
JEDE WEITERE AUSDRÜCKLICHE ODER IMPLIZIERTE GEWÄHRLEISTUNG DURCH
DOW CORNING, EINSCHLIESSLICH DER VERKÄUFLICHKEIT UND
VERWENDUNGSEIGNUNG, IST AUSGESCHLOSSEN.
DOW CORNING ÜBERNIMMT KEINE HAFTUNG FÜR ZUFALLS- ODER FOLGESCHÄDEN.
Images: Page 1 - AV00000, Page 4 - AV13169, AV00000, Page 5 – AV00000, AV13745, AV13746,
Page 6 - AV13743, AV09366.
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