Ausgleich der fehlenden Inkretinstimulation der Insulinsekretion

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Fazit:
Es läßt sich die Erwartung formulieren, daß in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle einer
unter totaler parenteraler Ernährung aufgetretenen Hyperglykämie mittels intravenös
zugeführten GLP-1 [7-36 Amid] eine zufriedenstellende Blutzuckersenkung bis in den
normoglykämischen Bereich erreichbar ist.
Dies konnte generell bei Patienten mit grundkrankheitsbedingter Affektion des Pankreas bis
auf eine Ausnahme (s.o.) ebenso beobachtet werden, wie bei Patienten ohne Beeinträchtigung
des Pankreas. Auch ob eine schon länger bestehende pathologische Störung des
Glukosestoffwechsels i.S. eines Diabetes mellitus oder einer pathologischen Glukosetoleranz
vorbestand oder nicht, hatte auf die Wirkung des GLP-1 [7-36 Amid] keinen Einfluß.
Der Einsatz des GLP-1 [7-36 Amid] bei Patienten, die auf eine totale parenterale Ernährung
angewiesen sind (v.a. im intensivmedizinischen Bereich) erscheint nach der Datenlage dieser
Studie eine sinnvolle therapeutische Option, die gegenüber der konventionellen Anwendung
von Insulinen einige Vorteile bietet.
Speziell bei intensivpflichtigen Patienten konnten van den Berghe et al. die Notwendigkeit
einer straffen Blutzuckereinstellung belegen (Van den Berghe 2001). Eine Einstellung auf
einen Zielkorridor von 80-110 mg/dl erscheint mit Insulinen ohne minutiöse Kontrollen bei
Werten nahe dem hypoglykämischen Bereich in der Praxis kaum durchführbar.
Bei Verwendung des GLP-1 [7-36 Amid] wären ständige Blutzuckerkontrollen und
korrigierende
Dosisanpassungen
des
Insulins,
wie
oft
in
intensivmedizinischen
Krankheitsverläufen zu beobachten, nicht mehr nötig.
Weitere Vorteile des GLP-1 [7-36 Amid] gegenüber der herkömmlichen Insulintherapie
wären die Möglichkeit der Applikation in einer Standarddosis und ein vermindertes Risiko
des Auftretens von Hypoglykämien.
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Auch wenn die Verabreichung pharmakokinetisch praktikabler Darreichungsformen des
GLP-1 [7-36 Amid] bis dato aufgrund der kurzen Halbwertszeit noch Probleme bereitet, so ist
die Applikation unter intensivmedizinischen Bedingungen als Dauerinfusion problemlos
durchführbar.
Zu welchem Anteil die unter totaler parenteraler Ernährung auftretenden Hyperglykämien
durch
den
Ausfall
der
physiologischerweise
vorhandenen
Inkretinstimulation
der
Insulinsekretion durch die Magen-Darm-Passage der Nahrungsbestandteile hervorgerufen
werden, und welche Rolle andere Mechanismen (s.o.) spielen, muß in weiteren Studien
eingehender untersucht werden.
Bezüglich der „Non-Responder“ sind ebenfalls weitere Untersuchungen nötig, um die
Ursachen der fehlenden Reaktion näher zu beleuchten. Denkbar wäre die Notwendigkeit der
Ausdifferenzierung einer den jeweiligen Patientenbedürfnissen optimalen Dosis. Dazu müßte
man Vorkrankungen, Dosishöhe und Applikationszeitraum miteinbeziehen. Um hinsichtlich
des Outcome vergleichende statistische Aussagen anstellen zu können, sollte eine
längerfristige Applikation über die in dieser Studie durchgeführten 4 Stunden verabreicht
werden.
Falls bei den „Non-Respondern“ eine erhöhte Dosisanpassung nicht zu dem erwünschten
Blutzuckerziel führen sollte, wäre eine exogene Applikation von Insulin aufgrund der NichtStimulierbarkeit der endokrinen Sekretion nicht zu vermeiden.
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