Evolution des lentiviralen Nef-Proteins - OPARU

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Universität Ulm
Abteilung Virologie
Leiter: Prof. Dr. Thomas Mertens
Evolution des lentiviralen Nef-Proteins:
Vom Persistenz- zum Pathogenesefaktor
Dissertation zur Erlangung
des Doktorgrades der Humanbiologie (Dr. biol. hum.)
der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm
vorgelegt von
Michael Martin Schindler
aus Ulm a. d. Donau
2006
Amtierender Dekan: Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin
1. Berichterstatter: Prof. Dr. Frank Kirchhoff
2. Berichterstatter: Prof. Dr. Lisa Wiesmüller
Tag der Promotion: 19.05.2006
1. INHALTSVERZEICHNIS
1
1. Inhaltsverzeichnis
1
2. Abkürzungsverzeichnis
3
3. Einleitung
6
3.1 Humane Immundefizienzviren: Entdeckung und Epidemiologie
6
3.2 Der Ursprung von HIV: Immundefizienzviren natürlich infizierter Primaten
7
3.3 Morphologie und Genomaufbau der Immundefizienzviren
8
3.4 AIDS-Pathogenese
9
3.5 Nef – multifunktioneller Zellmanipulator und Pathogenesefaktor
10
3.6 Fragestellung
14
4. Material
15
4.1 Eukaryotische Zelllinien
15
4.2 Bakterien
15
4.3 Nukleinsäuren
15
4.4 Enzyme
17
4.5 Reagenzien und Laborhilfsmittel
18
4.6 Reagenzsysteme (Kits)
19
4.7 Medien
19
4.8. Lösungen und Puffer
20
4.9 Antikörper für die Durchflusszytometrie
20
5. Methoden
21
5.1 DNA-Methoden
21
5.2 Zellkultur
22
5.3 Bakterienkultur
22
5.4 Herstellung von rekombinanten HIV-1 nef-IRES-eGFP Viren
23
5.5 Amplifikation von nef-Allelen aus Plasma SIVsmm-infizierter Mangaben
23
5.6 Isolierung primärer Lymphozyten aus Buffy Coat
23
5.7 Herstellung von Virusstocks und Infektionen
24
5.8 Transfektion von Jurkat-Zellen mit DMRIE-Reagenz
25
1. INHALTSVERZEICHNIS
2
5.9 Jurkat-NFAT-Assay
25
5.10 FACS-Analysen
25
5.11 Bestimmung der viralen Replikation
26
5.12 Computerprogramme und Datenquellen
26
6. Ergebnisse
28
6.1 Modulation zellulärer Faktoren durch die Nef-Proteine der
Immundefizienziviren
28
6.2 Nef blockiert die Aktivierung infizierter Zellen durch
Herabregulierung von CD3
31
6.3 Die Nef-vermittelte Herabregulierung von TCR-CD3
schützt primäre Lymphozyten vor Apoptose
34
6.4 Die Nef-vermittelte TCR-CD3 Modulation ist ausreichend und notwendig zur
Blockierung der T-Zellaktivierung und Apoptose in primären Lymphozyten 40
6.5 Der Verlust der Nef-vermittelten CD3-Herabregulierung ist in vivo assoziiert
mit CD4+T-Zelldepletion in SIVsm-infizierten Rauchgrauen Mangaben
41
6.6 Die Herabregulierung von TCR-CD3 durch Nef attenuiert die
virale Replikation
43
7. Diskussion
45
8. Zusammenfassung
54
9. Literaturverzeichnis
56
2. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
2. Abkürzungsverzeichnis
A
As
Abb
AIDS
APC
APS
bp
ß-Gal
ß-ME
BSA
°C
CII-TA
CD
CMV
CTL
dATP
dCTP
dGTP
dTTP
DMEM
DMSO
DTT
DNA
dNTP
ds
E.coli
EDTA
eGFP
ELISA
env
EtOH
FACS
FKS
g
gag
GFP
Glu
Gp
h
HBS
HEPES
HIV
Ampere
Aminosäure
Abbildung
engl.: acquired immunodeficiency syndrome
engl.: antigen presenting cell
Ammoniumpersulfat
Basenpaar
ß-Galaktosidase
ß-Mercaptoethanol
Rinderserumalbumin
Grad Celsius
engl.: major histocompatibility complex class-II transactivator
engl.: cluster designation
engl.: Cytomegalovirus
engl.: cytotoxic T-Lymphocyte
Desoxyadenosintriphosphat
Desoxycytidintriphosphat
Desoxyguanosintriphosphat
Desoxythymdidintriphosphat
engl.: Dulbecco`s modified eagle medium
Dimethylsulfoxid
Dithiothreitol
Desoxyribonukleinsäure
Desoxynukleosidtriphosphate
doppelsträngig
Escherichia coli
Ethylendiamintetraacetat
engl.: enhanced green fluorescent protein
engl.: enzyme linked immunosorbent assay
engl.: envelope
Ethanol
engl.: fluorescence activated cell sorter
fötales Kälberserum
Gramm
engl.: group specific antigen
engl.: green fluorescent protein
Glutamin
Glykoprotein
engl.: hour
engl.: HEPES buffered saline
Hydroxyethylpiperazinethansulfonsäure
Humanes Immundefizienzvirus
3
2. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
HLA
HLG
HTML
HRP
ID
Ig
Ii
IL
IRES
IS
kB
kg
kD
l
LTR
m
µ
M
MA
MFI
MHC
min
n
N
nef
NFAT
NIG
ORF
PAA
PBL
PBMC
PBS
PCR
PE
PFA
PHA
PMA
PMSF
P
pol
PPT
PR
Rev
RNA
engl.: human leucozyte antigen
humanes lymphatisches Gewebe
engl.: hypertext markup language
engl.: horse raddish peroxidase
Identifikation
Immunglobulin
engl.: invariant chain (CD74)
Interleukin
engl.: internal ribosomal entry site
engl.: immunological synapse
Kilobasen
Kilogramm
Kilo-Dalton
Liter
engl.: long terminal repeat
milli (10-3)
mikro (10-6)
Molar (mol/l)
Matrix
mittlere Fluoreszenzintensität
engl.: major histocompatibility complex
Minute
nano (10-9)
Normal
engl.: negative factor
engl.: nuclear factor of activated T-cells
nef-IRES-eGFP
engl.: open reading frame
Polyacrylamid
engl.: primary blood lymphocyte
engl.: peripheral blood mononuclear cell
engl.: phosphate buffered saline
engl.: polymerase chain reaction
Phycoerythrin
Paraformaldehyd
Phytohämagglutinin
engl.: phorbol myristate acetate
Phenylmethylsulfonylfluorid
pico (10-12)
Polymerase
Polypurintrakt
Protease
engl.: regulator of expression of virion proteins
Ribonukleinsäure
4
2. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
5
rpm
RT
s
ss
sAIDS
SDS
SDS-PAGE
SIV
SOE-PCR
Stabw
SV40
tat
Tab.
TCR
TEMED
Tris
TM
U
vif
Vol
vpr
vpu
vpx
VSV
VSV-G
(v/v)
wt
(w/v)
www
engl:: rounds per minute
Reverse Transkriptase
engl.: second
engl.: single stranded
engl.: simian acquired immunodeficiency syndrome
Natriumdodecylsulfat
SDS-Polyacrylamid-Gelelektrophorese
engl.: simian immunodeficiency virus
engl.: splice overlap extension-PCR
Standardabweichnung
engl.: simian virus 40
engl.: transactivator of transcription
Tabelle
engl.: T-Cell Receptor
Tetramethylendiamin
Trishydroxymethylaminomethan
Transmembranprotein
Unit
engl.: viral infectivity factor
Volumen
engl.: viral protein rapid
engl.: viral protein out
engl.: viral protein x
engl.: vesicular stomatitis virus
engl.: vesicular stomatitis virus glycoprotein
Volumenanteil am Gesamtvolumen (engl.: volume per volume)
Wildtyp
Masse pro Volumen (engl.: weight per volume)
engl.: world wide web
A
C
D
E
F
G
H
Alanin
Cystein
Asparaginsäure
Glutaminsäure
Phenylalanin
Glycin
Histidin
Ala
Cys
Asp
Glu
Phe
Gly
His
I
K
L
M
N
P
Q
Ile
Lys
Leu
Met
Ans
Pro
Gln
Isoleucin
Lysin
Leucin
Methionin
Asparagin
Prolin
Glutamin
R
S
T
V
W
Y
Arg
Ser
Thr
Val
Trp
Tyr
Arginin
Serin
Threonin
Valin
Tryptophan
Tyrosin
3. EINLEITUNG
6
3. Einleitung
3.1 Humane Immundefizienzviren: Entdeckung und Epidemiologie
Im Jahr 1981 wurde erstmals über eine Krankheit in New York und Los Angeles
berichtet, bei der die Betroffenen an einer Vielzahl von opportunistischen Infektionen litten
und Symptome eines defekten Immunsystems zeigten. Diese Erkrankung wurde als AIDS
(engl.: Acquired Immunodeficiency Syndrome) bezeichnet (Gottlieb et al., 1981). Nach
intensiver Forschung konnte 1983 das die Immunschwäche auslösende Virus aus
Blutproben diverser AIDS-Patienten isoliert werden (Barré-Sinoussi et al., 1983). Erst
1986 wurde das Virus der Familie der Lentiviren zugeordnet und als „Humanes
Immundefizienzvirus Typ 1“ (HIV-1) bezeichnet (Coffin et al., 1986). Im gleichen Jahr
wurde aus Blutlymphozyten eines afrikanischen AIDS-Patienten ein mit HIV-1 verwandtes
Immundefizienzvirus isoliert und als „Humanes Immundefizienzvirus Typ 2“ (HIV-2)
bezeichnet (Clavel et al., 1986).
Aus dem jährlichen UNAIDS-Report wird ersichtlich (www.unaids.org), dass auch
im Jahr 2005 die Zahl der Neuansteckungen nicht rückläufig war. Insgesamt 4,9 Millionen
Neuinfektionen mit dem HI-Virus wurden dokumentiert. Dies bedeutet, dass weltweit ca.
40 Millionen Menschen Träger des HI-Virus sind, von denen rund 26 Millionen im
südlichen Teil Afrikas leben. Dort sind mehr als die Hälfte aller Frauen (57%) im Alter
zwischen 15 und 49 Jahren mit HIV infiziert. Allein 2005 sind 3,1 Millionen Menschen der
tödlichen Immunschwäche zum Opfer gefallen. Damit gehört AIDS zu einer der häufigsten
Todesursachen. Seit wenigen Jahren steht eine Kombinationstherapie zur Verfügung, die
unterschiedliche Schritte im Replikationszyklus des Virus hemmt. Hiermit konnte zwar die
Lebenserwartung der Patienten in Industrieländern erheblich gesteigert werden (Palella et
al., 1998), jedoch ist die Behandlung sehr kostenintensiv und die Nebenwirkungen sind
beträchtlich. Eine vollständige Heilung durch Eliminierung des Virus aus dem Organismus
scheint nicht möglich, da das Virus sein Genom in das der Zielzelle integriert und in
langlebigen CD4+ T-Zellpopulationen persistiert (Ho et al., 1998). Die dringend
notwendige Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes ist nach heutigem Erkenntnisstand
selbst auf lange Sicht schwierig zu realisieren (McMichael u. Hanke, 2003).
3. EINLEITUNG
7
3.2 Der Ursprung von HIV: Immundefizienzviren natürlich infizierter Primaten
Mittlerweile konnte man mit HIV verwandte Retroviren aus über 30 infizierten
Affenarten isolieren. Diese werden zusammenfassend als Affen-Immundefizienzviren
(SIV, engl.: Simian Immunodeficiency Virus) bezeichnet. Interessanter Weise zeigen die
natürlichen Wirte von SIV trotz hoher Viruslasten im peripheren Blut keine Symptome
einer Immundefizienz (Hahn et al., 2000; Santiago et al., 2002). Dies deutet darauf hin,
dass diese Viren sehr gut an ihre natürlichen Wirte adaptiert sind.
Mehrere unabhängige akzidentiale Übertragungen von Affen-Immundefizienzviren
aus ihren natürlichen Wirten auf den Menschen sind sehr wahrscheinlich für die AIDSPandemie verantwortlich. Das weltweit verbreitete HIV-1 M (engl.: HIV-1 major) Virus
wurde in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts von der Schimpansenart Pan
troglodytes troglodytes (Ptt) auf den Menschen übertragen. Des Weiteren gab es
mindestens zwei weitere unabhängige Übertragungen: HIV-1 O (engl.: HIV-1 outlier) und
HIV-1 N (engl.: HIV-1 non M, non O). Neuesten phylogenetischen Untersuchungen zu
Folge entstand SIVcpz, das Virus, welches ursprünglich von Schimpansen auf den
Menschen übertragen wurde, aus einer Rekombination zweier weiterer AffenImmundefizienzviren im Schimpansen. Diese jagen und verspeisen kleinere Primaten und
infizieren sich so in freier Wildbahn mit deren SIVs (Bailes et al., 2003).
Abb. 1: Phylogenie von
SIVcpz auf Basis eines
Homologievergleichs der
pol
und
env
DNS-
Sequenzen verschiedener
Lentiviren. SIVcpz zeigt
hohe
Homologie
SIVrcm
in
pol
zu
und
SIVgsn/mus/mon in env.
Stammbaum generiert mit
der Maximum likelihood
Methode (aus Sharp et
al., 2005)
3. EINLEITUNG
8
Wie phylogenetische Untersuchungen der Gene gag, pol und env gezeigt haben,
handelt es sich beim 5´ Teil des SIVcpz Virus um SIVrcm (engl.: SIV red capped
mangabey), das Virus aus Rotkopfmangaben (Cercocebus torquatus). Der 3´ Bereich des
SIVcpz Virus ist nahe verwandt zu SIVgsn (engl.: SIV greater spot-nosed monkey), dem
Virus der Großen Weißnasenmeerkatze (Cercopithecus nictitans) (Review: Sharp et al.,
2005; siehe Abbildung 1). Der natürliche Wirt von HIV-2 ist ebenfalls bekannt. Dabei
handelt es sich um SIVsm (engl.: SIV sooty mangabey) aus der Rauchgrauen Mangabe
(Cercocebus atys) (Hirsch et al., 1989; siehe Abbildung 1).
3.3 Morphologie und Genomaufbau der Immundefizienzviren
HIV- und SIV-Partikel haben einen Durchmesser von ca. 100nm und werden von
einer Phospholipiddoppelmembran umschlossen, die der zellulären Zytoplasmamembran
entstammt (Abb. 1). In diese ist das virale Transmembranprotein gp41 eingelagert. Daran
nicht kovalent gebunden ist das externe Hüllprotein gp120. Zur Innenseite hin ist die
Membran mit einer Schicht aus p17 Matrixprotein stabilisiert, welche über
Myristinsäurereste eng mit der Membran assoziiert sind. Das konische Kapsid im Zentrum
des Virions ist aus p24 Kapsidproteinen aufgebaut. Im Kapsid befindet sich das virale
Genom in Form zweier einzelsträngiger ca. 9,5kB großer plus Strang-RNA-Moleküle.
Diese sind mit den Nukleokapsidproteinen p7und p9 komplexiert. Das Nukleokapsid wird
weiterhin aus den viralen Enzymen Intergrase (IN), Reverse Transkriptase (RT) und
Protease (PR) gebildet (DeVita et al., 1997). Neben den Strukturproteinen werden auch
Nef, Vpr und Vif in das Viruspartikel inkorporiert (Cohen et al., 1990; Liu et al., 1995;
Welker et al., 1996).
Das Genom von HIV wird von langen Sequenzwiederholungen flankiert, den 5´
und 3´ LTRs (engl.: long terminal repeat). Die 5´ LTR dient als Promoter für die zelluläre
RNA-Polymerase II. Neben den Strukturgenen gag, env und pol kodiert das Genom von
HIV-1 noch für sechs weitere Gene. Hierbei handelt es sich um die regulatorischen Gene
tat und rev, sowie die akzessorischen Gene vif, vpr, vpu und nef. Im Unterschied zu HIV-1
kodiert das Genom von HIV-2 nicht für ein vpu Gen. Stattdessen existiert ein zusätzlicher
Leserahmen, welcher für vpx kodiert. Ein weiterer Unterschied zu HIV-1 ist, dass im
Genom von HIV-2 der 5´ Bereich des nef-Gens mit dem 3´ Ende von env überlappt (siehe
Abbildung 2).
3. EINLEITUNG
9
HIV-1
SIV
HIV-2
Abb. 2: Genomorganisation von HIV-1 und HIV-2. Im Gegensatz zu HIV-1 kodiert HIV-2 nicht für
ein funktionelles vpu Gen. Stattdessen findet sich im HIV-2 Genom ein weiterer ORF vpx. Der nef
Leserahmen ist grau unterlegt. Bei HIV-2 überlappt der 5´ Bereich des nef Leserahmen mit env.
3.4 AIDS-Pathogenese
AIDS entsteht durch die massive Eliminierung von CD4+ T-Zellen. Dies führt zum
Verlust der Immunkompetenz des Infizierten, was letzten Endes eine tödliche Infektion mit
normalerweise nicht lebensbedrohlichen Pathogenen auslöst (Shaw et al., 1985; Ho et al.,
1995). Wie es zur Depletion der CD4+ T-Zellen kommt, wird seit langer Zeit kontrovers
diskutiert. Die initiale Theorie, dass infizierte T-Zellen direkt durch die Replikation des
Virus getötet werden und es dadurch sukzessive zur Eliminierung der CD4+ T-Zellen
kommt, wurde aufgrund der geringen Anzahl an infizierten T-Zellen im peripheren Blut
angezweifelt (Meyaard et al., 1992). Eine weitere Theorie machte sogenannte
„Bystander“-Apoptose, das bedeutet indirekte Induktion von Apoptose in nicht infizierten
Zellen, für den Verlust der CD4+ T-Zellen verantwortlich (Finkel et al., 1995). Neuere
Daten zeigen, dass während der akuten Phase der Infektion der Großteil der Schleimhaut
assoziierten Gedächtnis T-Zellen vor allem im gastrointestinalen Bereich direkt durch die
Virusinfektion getötet wird (Brenchley et al., 2004; Mehandru et al., 2004; Li et al., 2005;
Mattapillil et al., 2005). Außerdem ist der Verlauf der HIV-1-Infektion mit erhöhter TZellaktivierung und gesteigerter T-Zellproliferation assoziiert (Meyaard et al., 1992;
Muro-Cacho et al., 1995; Gougeon et al., 1996). In den natürlichen Wirten der
Immundefizienviren hingegen ist der Aktivierungszustand und die Proliferationsrate
infizierter T-Zellen trotz hoher Virusbeladung niedrig (Review: Hirsch, 2004; Silvestri,
2005; Hurtel et al., 2005). Interessanter Weise korreliert die T-Zellaktivierung mit der
3. EINLEITUNG
10
Progression zu AIDS (Giorgi et al., 1999; Sousa et al., 2002). Diese Beobachtungen sind
konkordant mit Daten, die belegen, dass während der Infektion des Menschen mit HIV-2
der Aktivierungszustand infizierter T-Zellen deutlich geringer ist als bei der Infektion mit
HIV-1 (Marlink et al., 1988; Michel et al., 2000). Im Gegensatz zu HIV-1 ist der
Infektionsverlauf bei HIV-2 weniger aggressiv und die Zeitspanne bis zur Entstehung von
AIDS wesentlich länger (Pepin et al., 1991). Allerdings sind die Grundlagen und
Mechanismen des Zusammenhangs zwischen T-Zellaktivierung und Krankheitsprogression
bis heute nicht verstanden.
3.5 Nef – multifunktioneller Zellmanipulator und Pathogenesefaktor
Nef ist in vielen Zellkultursystemen für die Replikation des Virus entbehrlich und
wird aus diesem Grund als akzessorisches Virusprotein bezeichnet. Jedoch gab es schon
früh Hinweise darauf, dass Nef in vivo eine wichtige Rolle für die Virusreplikation spielt.
So kodieren zu frühen Zeitpunkten des viralen Replikationszyklus ca. 70% der mRNA für
Nef. Des Weiteren ist in allen bisher bekannten Lentiviren ein funktioneller nefLeserahmen vorhanden. Der direkte Beweis für die Relevanz von Nef in vivo gelang 1991
durch Experimente im Rhesusaffen-Tiermodell. Wurden Rhesusaffen mit dem AffenImmundefizienzvirus SIVmac239 infiziert, so replizierte das Virus zu hohen Titern und die
Tiere progredierten zu sAIDS (engl.: simian AIDS). Im Gegensatz dazu war die
Virusbeladung in Rhesusaffen, die mit einem nef-defekten SIVmac239 infizert wurden,
100-1000 fach geringer und die Tiere progredierten meist nicht zu sAIDS oder zeigten
einen stark verlangsamten Krankheitsverlauf (Kestler et al., 1991). Im Folgenden zeigten
Untersuchungen von Virusisolaten sogenannter LTNP (engl.: long term non-progressor),
das sind HIV-Infizierte, die keine antivirale Therapie bekommen und seit mehr als zehn
Jahren geringe Viruslasten aufweisen sowie stabile CD4+T-Zellzahlen haben, die Relevanz
von Nef für die Progression zu AIDS beim Menschen. Einige dieser LTNPs waren
ausschließlich mit nef-defekten Viren infiziert (Deacon et al., 1995; Kirchhoff et al., 1995;
Mariani et al., 1996; Salvi et al., 1998). Diese Ergebnisse belegen, dass Nef ein wichtiger
Pathogenesefaktor ist, welcher entscheidend zur Entstehung von AIDS bei der HIV
Infektion beiträgt.
Zahlreiche in vitro Nef-Funktionen sind beschrieben worden, deren funktionelle
Relevanz für die Replikation und Pathogenität des Virus in vivo jedoch nur teilweise
geklärt sind. Bereits 1991 wurde berichtet, dass Nef den primären Rezeptor des Virus und
3. EINLEITUNG
11
T-Zellrezeptorbestandteil CD4 von der Oberfläche infizierter Zellen effizient entfernt
(Garcia et al., 1991). Die verminderte CD4-Oberflächenexpression wird nicht durch
Beeinflussung der CD4-Biosynthese auf transkriptioneller Ebene erreicht. Nef bindet CD4
und verknüpft dieses mit zellulären Adaptorproteinkomplexen. Daraufhin wird CD4 in
Lysosomen degradiert. Bei diesem Vorgang dient Nef lediglich als Bindeglied. Das
Virusprotein selbst besitzt keine intrinsische enzymatische oder katalytische Aktivität
(Aiken et al., 1994; Grzesiek et al., 1996; Greenberg et al., 1997; Mangasarian et al., 1997;
Bresnahan et al., 1998). Die Herabregulierung von CD4 auf der Oberfläche infizierter
Zellen soll in vivo die Freisetzung neu gebildeter Partikel von der Zellmembran erleichtern,
da diese nicht wieder an das CD4 der Virus produzierenden Zelle binden (Lama et al.,
1999). Zusätzlich sind diese Partikel infektiöser, da mehr funktionelles gp120 in die
Virusmembran inkorporiert wird (Arganaraz et al., 2003). Oftmals wurde der Schutz vor
Superinfektion durch verminderte Oberflächen CD4-Level postuliert (Benson et al., 1993),
was jedoch erst kürzlich von unserer Arbeitsgruppe experimentell gezeigt werden konnte
(Wildum et al., in Revision). Im SIV Rhesusmakaken-Modell ist die Modulation von CD4
wichtig für die virale Pathogenität und hohe Virsubeladungen im Wirt (Iafrate et al., 2000).
In humanem lymphatischem Gewebe (HLG) korreliert die Nef-vermittelte CD4
Herabregulierung mit Virusreplikation und CD4+ T-Zelldepletion (Glushakova et al.,
2001).
Eine weitere Funktion von Nef ist die Verminderung der Oberflächenexpression
von MHC Klasse I Molekülen (Schwartz et al., 1996). Dies soll die infizierte Zelle vor der
Lyse durch CD8+ zytotoxische T-Lymphozyten schützen (Collins et al., 1998), was
kontrovers diskutiert wurde, da für die Modulation von MHC-I hohe Nef-Expressionslevel
nötig sind. Die in vivo Relevanz dieser Nef-Funktion zeigte sich wiederum durch
Experimente im Tiermodell. Nach der Infektion von Rhesusmakaken mit SIVmac, das
durch eine Mutation in Nef selektiv in der Herabregulierung von MHC Klasse I defekt ist,
revertierte das Virus innerhalb von 4 Wochen nach Inokulation zum Wildtyp (Münch et
al., 2001). Außer der Modulation von MHC-I wurden noch weitere Nef-Funktionen
beschrieben, die es dem Virus erlauben, der Immunantwort des Wirtes zu entgehen. Nef
entfernt MHC Klasse-II Moleküle von der Oberfläche infizierter Zellen und erhöht die
Oberflächenexpression von CD74 (Ii; engl.: Invariant Chain), einem Molekül, welches in
der Prozessierung von MHC Klasse II eine entscheidende Rolle spielt (StumptnerCuvelette et al., 2001; Schindler et al., 2003). Durch die Reanalyse von nef-Allelen aus
3. EINLEITUNG
12
Tierexperimenten mit infizierten Rhesusmakaken konnten wir Hinweise auf die in vivo
Relevanz dieser Nef-Funktionen gewinnen. Im frühen Infektionsverlauf wurden NefFunktionen wie Modulation von MHC-I und -II sowie CD74 selektioniert, die die
Persistenz des Virus im Kontext eines funktionellen Immunsystems ermöglichen. Zu
späten Zeitpunkten der Infektion, nach dem Zusammenbruch des Immunsystems, wurden
vor allem Nef-Funktionen selektioniert, die es dem Virus erlauben, zu hohen Titern zu
replizieren (Schindler et al., 2004). Dies deckt sich mit Beobachtungen zu HIV-1-Nef bei
AIDS-Patienten (Carl et al., 2001). Aktuelle Publikationen berichten, dass Nef noch
weitere Moleküle moduliert, die für die Ausbildung einer funktionellen immunologischen
Synapse (IS) essentiell sind. Nef soll auf Antigen-präsentierenden Zellen (APC; engl.:
antigen presenting cell) die Expression der kostimulatorischen Moleküle CD80 und CD86
vermindern (Chaudhry et al., 2005).
Nef könnte nicht nur durch die Modulation von Schlüsselmolekülen Antigenpräsentierender Zellen die Bildung einer funktionellen immunologischen Synapse
inhibieren, sondern auch durch die Manipulation des T-Zellrezeptors infizierter Zellen.
Dadurch würde zum einen direkt der Aktivierungszustand der infizierten Zelle beeinflusst
und zusätzlich durch Blockierung der CD4+ T-Helferzellen die Immunantwort unterdrückt.
Dass der Aktivierungszustand der infizierten Zelle für die Replikation des Virus
entscheidend ist, ist seit langem bekannt. Nef-intakte Viren besitzen in unstimulierten
Blutlymphozyten gegenüber nef-defekten Viren einen deutlichen Replikationsvorteil, der
in den meisten immortalisierten Zelllinien und stimulierten Blutlymphozyten nicht messbar
ist (de Ronde et al.,1992; Miller et al., 1994; Spina et al., 1994; Glushakova et al., 1999).
HIV- und SIV- Nef könnten beide durch Herabregulierung der kostimulatorischen
Oberflächenmoleküle CD4 und CD28 mit der Signalübertragung interferieren (Swigut et
al., 2001). Während die Aktivierung der infizierten T-Zelle im immunologischen Kontext
verhindert werden könnte (Iafrate et al., 1997), hat HIV-1-Nef komplexe Mechanismen
entwickelt, die die Zielzelle in einen Aktivierungszustand versetzen, der die effiziente
Virusreplikation und Partikelproduktion erlaubt (Saksela et al., 1995; Fackler et al., 2000;
Wang et al., 2000; Simmons et al., 2001; Fortin et al., 2004; Fenard et al., 2005). Im
Gegensatz zu HIV-1-Nef verringert das SIVmac-Nef zusätzlich die TCR-CD3-Expression
(Iafrate et al., 1997; Schaefer et al., 2002) und entfernt CD28 wesentlich effizienter von
der Zelloberfläche transfizierter Zellen (Bell et al., 2002). Dadurch blockiert SIVmac-Nef
die T-Zellaktivierung transfizierter, immortalisierter T-Zellen (Iafrate et al., 1997).
3. EINLEITUNG
13
Untersuchungen an Rhesusmakaken mit SIVmac belegen einen Selektionsvorteil für Viren,
die CD3 effektiv von der Zelloberfläche entfernen. Jedoch reicht die Funktion alleine für
hohe Virustiter und die Progression zu sAIDS nicht aus (Münch et al., 2002).
Die Vielzahl an Funktionen, die für Nef beschrieben sind, resultieren in ihrer
Gesamtheit in zwei entscheidenden Vorteilen für das Virus. Durch die direkte Erhöhung
der viralen Replikation und Infektiösität kommt es zur effizienten Ausbreitung und hohen
Virustitern im Infizierten. Zusätzlich moduliert Nef multiple Rezeptoren auf T-Zellen und
APCs, die für ein funktionelles Immunsystem essentiell sind. Dies erlaubt es dem Virus,
der Immunantwort zu entgehen und effektiv im Wirt zu persistieren (siehe Abbildung 3).
erhöhte
Infektiosität
T-Helferzellen
APCs
CTL
regulierung
CTL
MHC-II Herabregulierung
TCR
CD74
MHC II
CD
28
Induktion von CD74
Nef
Nef
Nef
Endozytose
gesteigerte
Replikation
CD4
MHC I
MHC I Herabregulierung
regulierung
Endozytose
Inhibierung der
T-Zell-Aktivierung
Nef
Endozytose
LTR
Aktivität
Aktivierung von
Signalwegen
Abb. 3: Manipulation von APCs und T-Zellen durch Nef. Nef verhindert durch die Expression von
MHC-II und die Induktion von CD74 die Antigenpräsentation durch APCs (links). Infizierte T-Zellen
(rechts) werden durch die Herabregulierung von MHC-I vor der Lyse durch CTLs geschützt. Die TCRFunktion wird durch die konzertierte Modulation von CD3, CD28 (SIV, grau unterlegt) und CD4 gestört.
Die Aktivierung von Signalwegen erlaubt die effiziente Virusreplikation, was im Zusammenhang mit der
erhöhten Infektiosität produzierter Partikel zur Ausbreitung des Virus beiträgt (Abbildung nach
Kirchhoff)
3. EINLEITUNG
14
3.6 Fragestellung
Das HIV-Nef-Protein trägt entscheidend zur Progression von AIDS und zu hohen
Virustitern im Infizierten bei. Mittlerweile sind über 30 SIV (engl.: Simian
Immunodeficiency Virus) bekannt, die alle einen funktionellen nef-Leserahmen aufweisen.
Erstaunlicher Weise zeigen die natürlichen Wirte der Immundefizienzviren meist keine
Anzeichen einer Immundefizienz. Wirts– und Virus-faktoren sind für die Entstehung von
AIDS relevant. SIVsm, das Vorläufervirus von HIV-2, ist in seinem natürlichen Wirt
asymptomatisch, im Rhesusmakaken hoch pathogen und im Menschen attenuiert.
Allerdings ist HIV-2 im Menschen deutlich weniger pathogen als HIV-1, wobei während
des Verlaufs der Infektion die Progression zu AIDS durch starke T-Zellaktivierung und
Proliferation gekennzeichnet ist.
Zu Beginn dieser Doktorarbeit waren nur wenige HIV-1, HIV-2 und SIV nef-Allele
funktionell charakterisiert. Die vorhandenen Daten stammten aus Experimenten mit
immortalisierten Zelllinien, in denen Nef unter artifiziellen Bedingungen exprimiert wurde.
Auffällig war der Befund, dass HIV-2 und SIVmac Nefs im Gegensatz zu HIV-1 Nef den
T-Zellrezeptorbestandteil CD3 von der Zelloberfläche herabregulieren. Die biologische
Relevanz dieses Unterschieds war zum damaligen Zeitpunkt vollkommen unklar. Im
Rahmen dieser Doktorarbeit sollte eine große Anzahl von nef-Allelen aus HIV-1, HIV-2
und SIV im Kontext rekombinanter Viren in primären T-Zellen untersucht werden. Dabei
sollten die infizierten T-Zellen bezüglich der Rezeptormodulation durch Nef,
Virusreplikation, T-Zellaktivierung und Zelltod analysiert werden. Die daraus erhaltenen
Ergebnisse sollten (i) die bisherigen Daten im viralen Kontext in primären Zellen
verifizieren; (ii) klären, ob die vorhandenen Ergebnisse bezüglich der Modulation von
TCR-CD3 durch HIV-2/SIVmac- kontra HIV-1-Nef gruppen- oder allelspezifisch sind;
(iii) zeigen, ob es weitere Unterschiede in der Rezeptormodulation durch Nef-Proteine
verschiedener SIVs gibt und (iv) die biologische Relevanz der Modulation von CD3 für die
Virusreplikation sowie die Aktivierung und den Zelltod infizierter primärer Zellen
aufklären.
Aus diesen Zielen ergibt sich die zentrale Fragestellung dieser Doktorarbeit: Tragen
Unterschiede in der Funktion lentiviraler Nef-Proteine zum asymptomatischen Verlauf
natürlicher SIV Infektionen und der hohen Immunaktivierung assoziiert mit der
Progression zu AIDS bei der Infektion des Menschen mit HIV-1 bei?
4. MATERIAL
15
4. Material
4.1 Eukaryote Zelllinien
Jurkat:
humane T Zelllinie
Jurkat-NFAT:
humane T-Zelllinie, die stabil mit einem Plasmid transfiziert wurde,
das Luziferase unter der Kontrolle des NFAT-Promoters exprimiert
(Fortin et al., 2004)
293T:
humane Nierenepithelzellen, die mit Adenovirus Typ 5 transformiert
wurden und das SV40 (simian virus 40) large T-Antigen exprimieren
(DuBridge et al., 1987).
4.2 Bakterien
Escherichia coli XL2-Blue TM:
recA1 endA1 gyrA96 thi-1 hsdR17 supE44 relA1
lac[F’ proAB lacIqZΔM15 Tn10 (Tetr) Amy Camr]
(Bullock et al., 1987) (Stratagene; Heidelberg).
4.3 Nukleinsäuren
4.3.1 Oligonukleotide
Folgende Oligonukleotide wurden von Biomers Deutschland (Ulm) bezogen, wichtige
Schnittstellen sind kursiv gezeichnet:
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
pBRNL43-env
pBRNL43-HpaI
NL43nef4*-NIG
SIVcpz GAB2-NIG
SIVcpz TAN1-NIG
SIVcpzNoah-NIG
SIVmac239-NIG
HIV-2-BEN-NIG
HIV-2-310391-NIG
SIVsm-NIG
SIVrcm-NIG
SIVcne5-NIG
SIVsyk44-NIG
SIVsyk51-NIG
SIVblu-NIG
SIVgsn-NIG
SIVagmsab1-NIG
SIVagmtan1-NIG
SIVmus-NIG
SIVsunmbolok1-NIG
SIVmonVal-NIG
CTTATAGCAAAATCCTTTCCAAG
GCTGTTAACTTGCTCAATGCCACAGCC
GGATTTTGCTATAAGGTGGGTGGCTAGTGATCAA
GGATTTTGCTATAAGATGGGCAACAAATG
GGATTTTGCTATAAGATGGGAAACATATTTG
GGATTTTGCTATAAGATGGGTTCTGCATGG
GGATTTTGCTATAAGATGGGTGGAGCTATTTC
GGATTTTGCTATAAGATGGGTGCGAGTGGATC
GGATTTTGCTATAAGATGGGATCAGCTGG
GGATTTTGCTATAAGATGGGTGGCGTTACC
GGATTTTGCTATAAGATGGGTGGCAAGAG
GGATTTTGCTATAAGATGGGTGGAAAGAATTC
GGATTTTGCTATAAGATGGGCTCTGTGAAATC
GGATTTTGCTATAAGATGGGGTCACAGAGC
GGATTTTGCTATAAGATGGGTTCCACGAGC
GGATTTTGCTATAAGATGGGATCCAAGAAC
GGATTTTGCTATAAGATGGGTGGCAAGAGC
GGATTTTGCTATAAGATGGGTGGCAGCAATTC
GGATTTTGCTATAAGATGGGATCCAAGAGC
GGATTTTGCTATAAGATGGGCAACGCCTTTG
GGATTTTGCTATAAGATGGGCTCCAAAAG
4. MATERIAL
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
YBF30-NIG
HIV1O-NIG
NL43-MluI
NA7-MluI
SIV239-MluI
SIVsun-MluI
SIVrcm-MluI
SIVcne5-MluI
SIVcne40-MluI
SIVblue-MluI
SIVsyk44-MluI
SIVsyk51-MluI
SIVgsn-MluI
SIVmon-MluI
SIVmus-MluI
SIVsm-MluI
SIVcpzTan1-MluI
SIVcpzGab2-MluI
SIVcpzNoah-MluI
SIVagmtan1-MluI
SIVagmsab1-MluI
YBF30-MluI
HIV1O-MluI
HIV2 Ben-MluI
HIV2-310391-MluI
SM-Nef-F1
SM-Nef-R1
SIVsm-XbaI
Cne40del23-30-XbaI
16
GGATTTTGCTATAAGATGGGAAAGATTTGG
GGATTTTGCTATAAGATGGGAAACGTATTG
CTACGCGTCAGCAGTTCTTGAAGTAC
CTACGCGTTCAGCAGTCTTTGTAGTACTC
CTACGCGTCAGCGAGTTTCCTTCTTG
CTACGCGTCTAGTCAGCTTC
CTACGCGTTACTGGGTCTT
CTACGCGTCTACTTCCTCTTAGGGAAC
CTACGCGTCTACTTCCTCTTAG
CTACGCGTCTACTTAAGTGCTGAC
CTACGCGTGTCACCATGGTGTCTCCTAG
CTACGCGTGGTTTCTGCGGTGAGCTAG
CTACGCGTCATAGGAAGCGGTTTGCGG
CTACGCGTCTATAGGATGCGGTTTGCGG
CTACGCGTCTATAGGATGTGGTTTGTGGC
CTACGCGTCAGCTTGTTTCCTTCTTG
CTACGCGTTTATTTGAAGTACTCCGGATA
CTACGCGTTCAGTCTCTGTAATACTCAG
CTACGCGTTAGTCTCTGAAGTATTC
CTACGCGTCTACTTCCT CTTAACAAG ACC
CTACGCGTTCAGGCAGACACTGACGGCAC
CTACGCGTTCAGCAGTTCTTGTAAAAC
CTACGCGTTAGTCCTTCAGG
CTACGCGTTATTCACTATATGGTATC
CTACGCGTCTAATCTGTAGGTATTC
GACAGATAGAATATATTCATTTCC
TCTGCCAGCCTCTCCGCAGAG
CTTCTAGATGCAATATGGGTGGCG
CTTCTAGAATGGGTGGAAAGAATTCAAAGATACCATCACGTGGG
CAGGTGGGGAGCTTTGGCAGTGGCTCCAGGGACTTGTCAGAGC
4.3.2 Plasmide
Alle verwendeten Plasmide enthalten das Ampicillinresistenzgen zur Selektion in
Bakterienstämmen.
PCR2.1-TOPO-TA Vektor:
Vektor zum Klonieren von PCR-Fragmenten
pCG-IRES-GFP:
Expressionsvektor, in den verschiedene nef-Allele
über die singulären Schnittstellen XbaI und MluI
kloniert werden können. Die inserierten nef-Allele
stehen unter der Kontrolle des CMV-Promotors und
sind über eine IRES in Verbindung mit dem gfp-Gen
(Schindler et al., 2003).
pCG-NL43nef-IRES-GFP:
Modifzierter pCG-IRES-GFP Vektor, enthält das
NL43 nef-Allel
4. MATERIAL
pCG-NA7nef-IRES-GFP:
17
Modifzierter pCG-IRES-GFP Vektor, enthält das
NA7 nef-Allel
pCG-NL43nef*-IRES-GFP:
Modifzierter pCG-IRES-GFP Vektor, enthält das
NL43 nef-Allel, welches durch Einfügen von drei
Stopkodons inaktviert wurde.
pCG-239nef-IRES-GFP:
Modifzierter pCG-IRES-GFP Vektor, enthält das 239
nef-Allel
pBR-NL43nef-IRES-eGFP:
pBR322 Vektor, der das HIV-1 NL43 Provirus
enthält. Dieses wurde so verändert, dass nef und
eGFP mittels eines IRES-Elements von einer
bicistronischen mRNA exprimiert werden (Schindler
et al., 2003; Schindler et al., 2005).
pHIT60:
Expressionsvektor,
der
das
Hüllprotein
des
Vesikulären Stomatitis Virus (VSV-G) exprimiert
(Schindler et al., 2003).
4.3.3 Längenstandard
″1-kb-Leiter″ Invitrogen/Gibco (Karlsruhe)
4.3.4 Nukleotide für die Polymerase-Ketten-Reaktion
dNTPs für die Polymerase-Ketten-Reaktion wurden von Invitrogen (Karlsruhe) bezogen.
4.4 Enzyme
4.4.1 Restriktionsendonukleasen
Restriktionsendonukleasen wurden von New England Biolabs (Schwalbach, Traunstein)
bezogen und in den vom Hersteller empfohlenen Puffersystemen verwendet.
4.4.2 Sonstige Enzyme
Taq-DNA-Polymerase
Stratagene Europe AG (Heidelberg)
T4-DNA-Ligase
Invitrogen/Gibco (Karlsruhe)
RNAse A aus Rinderpankreas
Boehringer (Mannheim)
Reverse Transkriptase
Stratagene Europe AG (Heidelberg)
Trypsin aus Rinderpankreas
Stratagene Europe AG (Heidelberg)
4. MATERIAL
Alkalische Phosphatase aus Kälberdarm
18
Boehringer (Mannheim)
4.5 Reagenzien und Laborhilfsmittel
Agarose
Invitrogen/Gibco (Karlsruhe)
Ammoniumpersulfat (APS)
Sigma (München)
Ampicillin
Bayer (Leverkusen)
antiCD3-antiCD28 Kügelchen
Invitrogen/DynalBiotech (Karlsruhe)
Dimethylsulfoxid (DMSO)
Fluka (Neu-Ulm)
DMRIE-C
Invitrogen/Gibco (Karlsruhe)
Dithiothreitol (DTT)
Amersham Pharmacia (Freiburg)
Ethidiumbromid (EtBr)
Sigma (München)
Ethylen-Diamin-Tetraacetat (EDTA)
Sigma (München)
Ficoll
Amersham Pharmacia (Freiburg)
Fötales Kälberserum (FKS)
Invitrogen/Gibco (Karlsruhe)
Geneticin (G418)
Sigma (München)
Glycerin
Merck (Darmstadt)
Harnstoff
Merck (Darmstadt)
Hydroxyethyl-Piperazin-Ethansulfonsäure
Sigma (München)
Interleukin-2 (IL-2)
Strathmann (Dengelsberg)
Iononmycin
Sigma (München)
Isopropanol
Merck (Darmstadt)
L-Glutamin
Invitrogen/Gibco (Karlsruhe)
LiChrosolv-H2O
Merck (Darmstadt)
Natriumazid
Merck (Darmstadt)
Natriumdodecylsulfat (SDS)
Sigma (München)
N, N’-Methylen-Bisacrylamid
Sigma (München)
N, N, N’, N’,-Tetramethylendiamin (TEMED)
Sigma (München)
Nonidet P 40 (NP40)
Sigma (München)
Paraformaldehyd (PFA)
Sigma (München)
Penicillin G
Sigma (München)
Phosphat-Buffered-Saline (PBS)
Invitrogen/Gibco (Karlsruhe)
Phytohämaglutinin (PHA)
Remel (Lenexa,USA)
Phorbolmyristatsäure (PMA)
Sigma (München)
4. MATERIAL
19
Reaktionsgefäße
Eppendorf (Hamburg)
Triton X-100
Sigma (München)
Tween 20
Roth (Karlsruhe)
Whatman Papier
Whatman (Maidstone, Kent; England)
zVAD-FMK
Sigma (München)
4.6 Reagenzsysteme (Kits)
AnnexinV-PE Apoptosis Kit
BD Bioscience
Geneclean®II Kit
Dianova (Hamburg)
Luciferase Assay System
Promega (Madison, WI; USA)
QIAwell 8 Plasmid Kit
Qiagen (Hilden)
TA Cloning® Kit
Invitrogen/Gibco (Karlsruhe)
Takara DNA Ligationskit
Böhringer Ingelheim (Heidelberg)
Ultra Clean ™ 15
Mobio Inc. (Solana, CA; USA)
WizardTM Plus Midipreps
Promega (Madison, WI; USA)
4.7 Medien
4.7.1 Zellkulturmedien
Adhärente Zellen:
DMEM
(Dulbecco’s
modified
Eagle
Medium;
Invitrogen/Gibco) mit 350µg/ml L-Glutamin, 120µg/ml
Streptomycinsulfat, 120µg/ml Penicillin und 10% (v/v)
hitzeinaktiviertem FKS.
Suspensionszellen:
RPMI-1640 Medium (Invitrogen/Gibco) mit 350µg/ml LGlutamin, 120µg/ml Streptomycinsulfat, 120µg/ml Penicillin
und 10% (v/v) hitzeinaktiviertem FKS.
4.7.2 Bakterienkulturmedien
LB-Medium:
10g/l Bacto-Trypton, 5g/l Hefeextrakt, 8g/l NaCl, 1g/l Glukose;
Zugabe von 100mg/l Ampicillin vor Gebrauch. Der pH-Wert wurde
mit NaOH auf 7,2 eingestellt
LBAMPAgar:
15g/l Agar und 100mg/l Ampicillin in LB-Medium;
SOC-Medium:
20g/l Bacto-Trypton, 5g/l Hefeextrakt, 2,5mM NaCl, 10mM MgCl2,
10mM, MgSO4, 20mM Glukose.
4. MATERIAL
20
4.8 Lösungen und Puffer
4.8.1 Isolierung von Plasmid-DNA aus Bakterien
Resuspensionspuffer (P1), Lysispuffer (P2), Neutralisationspuffer (P3) (Qiagen, Hilden),
70% EtOH, 90% Isopropanol und LiChrosolv-H2O.
4.8.2 Calcium-Phosphat-Transfektion
2x HBS (10x Stock): 8,18% NaCl (w/v); 5,94% HEPES (w/v); 0,2% Na2HPO4 (w/v). Die
Lösung wurde sterilfiltriert und der pH-Wert mit 1M NaOH auf 7,12 eingestellt. 2M CaCl2
4.8.3 HIV p24 Kapsid-Antigen-ELISA
Lösung zur Lyse der Viruspartikel: 10ml Triton X-100 (Sigma, München), ad 100ml H2O
Waschpuffer:
25ml 20x Waschkonzentrat (KPL, Maryland), ad
500ml mQ-H2O;
Probenpuffer:
RPMI Medium plus 0,2% Tween 20
Substrat:
TMB Peroxidase Substrat System (KPL, Maryland);
Stoplösung:
4N H2SO4
4.8.4 Sonstige Lösungen und Puffer
FACS-Puffer:
1*PBS, 1%FKS, 0,1%Na-Azid
PBS:
137mM NaCl; 7,3mM Na2HPO4; 1,47mM K2HPO4; 1mM CaCl2;
2mM MgCl2
50x TAE-Puffer:
500mM Tris, 250mM Natriumacetat, 50mM Na2EDTA.
4.9 Antikörper für die Durchflusszytometrie
Anti-CD3-PE
(Becton-Dickinson)
Anti-CD4-PE
(Becton-Dickinson)
Anti-CD28-PE
(Becton-Dickinson)
Anti-CD25(IL2R)-PE
(Becton-Dickinson)
Anti-CD69
(Becton-Dickinson)
Anti-CD95
(Becton-Dickinson)
Anti-CD95L
(Bio Legend)
Anti-MHCI-PE
(Dako)
5. METHODEN
21
5. Methoden
5.1 DNA-Methoden
5.1.1 Standardmethoden
Folgende Methoden wurden nach Protokollen von Maniatis et al., 1989,
durchgeführt:
-
Plasmid-DNA-Isolierung nach alkalischer Lyse der Bakterien
-
Ethanol- und Isopropanolfällung der DNA
-
Konzentrationsbestimmung der Nukleinsäuren
-
Dephosphorylierung von DNA 5' Enden mit alkalischer Phosphatase
-
Spaltung von DNA mit Restriktionsendonukleasen
-
Ligation von DNA-Fragmenten mit T4-DNA-Ligase
-
Auftrennung von Nukleinsäuren durch Gelelektrophorese
5.1.2 Isolierung von Plasmid-DNA aus Bakterien
Plasmid-DNA für Klonierungen wurde durch alkalische Lyse von Bakterien und
anschließende Isolierung und Reinigung der DNA gewonnen (Maniatis et al., 1989). Für
Sequenzierreaktionen oder die Transfektion eukaryoter Zellen wurden die Präparationen
mit dem WizardTM Plus Midipreps Kit (Promega; Madsion, WI, USA) oder dem QIAwell
8 Minipräp Kit (Qiagen; Hilden) nach Angaben der Hersteller durchgeführt. Die DNAKonzentrationen wurden in einem Spektralphotometer (Eppendorf) bestimmt.
5.1.3 Isolierung von DNA aus Agarosegelen
Die DNA-Fragmente wurden in einem Agarosegel elektrophoretisch aufgetrennt,
unter Bestrahlung mit langwelligem UV-Licht (366nm) sichtbar gemacht und die DNABanden mit einem Skalpell ausgeschnitten. Anschließend wurde die DNA mit dem
Geneclean® II Kit (Dianova, Hamburg) entsprechend den Anweisungen des Herstellers
isoliert.
5.1.4 Ligation von DNA
Ligationen wurden mit dem Takara DNA-Ligationskit (Boehringer Ingelheim,
Heidelberg) durchgeführt. Plasmid-DNA und Insert-DNA wurden im Verhältnis von 1:3
nach den Protokollen der Hersteller eingesetzt.
5. METHODEN
22
5.1.5 DNA-Sequenzierung
Sequenzierreaktionen wurden kommerziell bei der Firma MWG-Biotech AG in
Auftrag gegeben. 2µg DNA wurden bei 58°C eingedampft und eingeschickt.
5.1.6 Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR)
Alle PCR-Reaktionen wurden nach dem Protokoll von Saiki et al. (1988), in einem
Thermocycler (PTC-100TM, MJ Reserach) durchgeführt.
5.2 Zellkultur
5.2.1 Kultur adhärenter Zellen
Die adhärenten Zellen wurden in 25cm2 Zellkulturflaschen in DMEM bei 37°C und
5% CO2 kultiviert. Die Zellen wurden zweimal wöchentlich 1:10 bis 1:20 gesplittet.
5.2.2 Kultur von Suspensionszellen
Die Suspensionszellen wurden in 25cm2 Zellkulturflaschen in RPMI-1640 bei 37°C
und 5% CO2 kultiviert. Die Zellen wurden zweimal wöchentlich 1:10 bis 1:20 gesplittet.
5.3 Bakterienkultur
Alle verwendeten Plasmide enthalten ein Ampicillin-Resistenzgen. Transformierte
Bakterien wurden daher durch Zusatz von Ampicillin (100µg/ml) zum Kulturmedium
selektioniert. Verwendet wurde der Escherichia coli-Stamm Escherichia coli XL2TM-Blue.
Die Kulturen wurden für mindestens 12h bei 37 °C in LBamp-Flüssigmedium geschüttelt
oder auf LBamp-Agar Platten inkubiert. Bakterienstocks wurden durch Vermischen von
500µl Bakterienkultur mit 500µl Glycerin erstellt und bei -80 °C eingefroren.
5.3.1 Transformation von Escherichia coli XL2TM-Blue
Nach dem Auftauen der kompetenten Zellen auf Eis wurde ß-Mercaptoethanol (2µl
auf 100µl Bakterien) zugegeben und gemischt. Es folgte eine Inkubation von 10min auf
Eis und die Zugabe von 3µl des Ligationsansatzes zu jeweils 10µl der kompetenten Zellen.
Im Anschluß wurden die Bakterien für 30min auf Eis, für 30s bei 42°C im Wasserbad und
für weitere 2min 30sek auf Eis gestellt. Nach Zugabe von 200µl SOC-Medium und einer
Inkubation von 30min bei 37°C wurde die Bakteriensuspension auf LBamp-Agarplatten
ausplattiert und bei 37°C über Nacht inkubiert.
5. METHODEN
23
5.4 Herstellung von rekombinanten HIV-1 NL4-3 nef-IRES-eGFP Viren
Die Viren (6.1. Tabelle 1) wurden mittels splice overlap extension (SOE)-PCR
hergestellt. Als Template dienten PCR-Fragmente oder molekulare Klone von Proviren in
unterschiedlichen Vektoren. Diese wurden in einer Standard-PCR-Reaktion mit den
spezifischen 5´Primern für das jeweilige nef-Allel mit Überlappung zu env (NIG-Primer,
siehe 4.3.1.) und im 3´Bereich mit nef-spezifischen Primern, die eine interne MluI
Schnittstelle enthalten (MluI-Primer, siehe 4.3.1.), amplifiziert. In einem zweiten PCRAnsatz wurde der NL4-3 env Bereich mit den Primern pBR-NL43-HpaI und pBR-NL43env
amplifiziert.
Die
Produkte
aus
diesen
PCR-Reaktionen
wurden
über
Agarosegelelektrophorese aufgereinigt, die DNA aus dem Gel isoliert und die jeweils
zueinander gehörenden PCR-Produkte als Template in einer zweiten PCR mit den
zugehörigen Primern pBR-NL43-HpaI und den 3´MluI-Primern eingesetzt. Dieses
Amplikon wurde wiederum aufgereinigt und über Standardmethode laut Hersteller in den
pCR2.1-TOPO-TA Vektor kloniert. Nach der Sequenzierung aller Produkte, um
unerwünschte Mutationen auszuschließen, erfolgte dann die Umklonierung der Varianten
über HpaI und MluI in den proviralen Vektor pBR-NL4-3 nef-IRES-eGFP.
5.5 Amplifikation von nef-Allelen aus Plasma SIVsmm-infizierter Mangaben
Blutproben wurden von 19 natürlich und drei experimentell mit SIVsmm infizierten
Mangaben gewonnen, die im Yerkes National Primate Research Center der Elmory
Universität (USA, Atlanta, Georgia) gehalten wurden. Um virale RNA aus Plasma zu
isolieren, wurde das QIAamp Viral RNA Kit der Firma Qiagen benutzt und nef über RTPCR mit den Primern SM-Nef-F1 und SM-Nef-R1 amplifiziert. Zur weiteren funktionellen
Analyse wurden alle SMM-nef Allele über PCR mit Primern, die 5´XbaI und 3´MluI
Schnittstellen einfügen, amplifiziert und als Pool in den Expressionsvektor pCG-nef-IRESGFP kloniert. Um die Identität der Proben zu bestätigen, wurden pro Pool zwei
Einzelklone kontrollsequenziert.
5.6 Isolierung primärer Lymphozyten aus Buffy Coat
Zur Isolierung primärer Blutlymphozyten (PBL „primary blood lymphocyte“ oder
PBMC „peripheral blood mononuclear cells“) wurde Buffy Coat (Lymphozytenkonzentrat
aus 500ml Vollblut) von der Blutspendenzentrale Ulm bezogen und 1:3 in PBS verdünnt.
Dann wurde das verdünnte Buffy Coat über Ficoll (Biochrome) geschichtet und über
5. METHODEN
24
Dichtegradientenzentrifugation für 30min bei 2500rpm aufgetrennt. Die angereicherten
Lymphozyten wurden aus der Interphase abgenommen und zweimal in PBS gewaschen.
Dann wurden die aufgereinigten PBMCs in RPMI1640 mit 10%FCS und 1% Pen/Strep in
einer Konzentration von 2*10^6 Zellen/ml aufgenommen. Zur Stimulation der
Lymphozyten erfolgte die Zugabe von 10ng/ml IL-2 und 2µg/ml PHA.
5.7 Herstellung von Virusstocks und Infektionen
5.7.1 Kalzium-Phosphat-Transfektion von 293T-Zellen
Die Transfektion der 293T-Zellen wurde nach der Kalzium-Phosphat-PräzipitatMethode durchgeführt. Am Tag vor der Transfektion wurden 0,2 x 106 Zellen in 6-WellPlatten ausgesät und über Nacht bei 37°C und 5%igem CO2-Gehalt inkubiert. Die Zellen
waren zum Zeitpunkt der Transfektion zu 50-75% konfluent. Für die DNA-Arbeitslösung
wurden 5µg DNA mit 13µl 2M CaCl2 gemischt und mit H2O auf 100µl aufgefüllt. Diese
Lösung wurde tropfenweise zu 100µl 2 x HBS zugegeben. Nach 5min Inkubation bei
Raumtemperatur bildete sich ein milchiges Präzipitat. Der Transfektionscocktail wurde auf
das Medium der Zellkulturen getropft, und die Zellen über Nacht bei 37°C inkubiert. Am
nächsten Tag wurde das Medium (DMEM: 10% FKS, Glutamin, SP) erneuert. Die
Virusstocks wurden am dritten Tag abgenommen und 5min bei 1500rpm abzentrifugiert.
5.7.2 HIV p24 Kapsid Antigen-ELISA
Die Konzentration viralen Antigens in Virusüberständen wurde mittels HIV p24
Kapsid Antigen-ELISA (AIDS Repository; Frederick, MD; USA) bestimmt. Das durch
Lyse mit Triton X-100 freigesetzte HIV-Kapsidprotein p24 bindet an einen monoklonalen
Maus-Antikörper. Ungebundenes Material wurde durch Waschen entfernt. Die
Quantifizierung des Kapsidproteins erfolgt durch die sogenannte „sandwich“-ELISA
Methode. Zuerst wurde ein polyklonaler Antikörper aus Kaninchen zugegeben, der an das
Kapsid-Protein p24 bindet. Der gebundene Antikörper wurde mit Anti-KaninchenAntikörper aus Ziegen, der mit einer Peroxidase gekoppelt ist, inkubiert. Durch Zugabe des
Substrates (TMB) kommt es zu einer Farbänderung der Lösung. Die Reaktion wurde durch
4N Schwefelsäure gestoppt. Die Quantifizierung des gefärbten Produktes erfolgte bei den
Wellenlängen 450nm und 650nm. Die gemessene Farbkonzentration ist proportional zu der
Menge an Kapsidprotein und wird in ng/ml p24 angegeben.
5. METHODEN
25
5.7.3 Infektion primärer Lymphozyten und Jurkat-Zellen
Zur Infektion wurden 1 Million prästimulierter PBMCs oder Jurkat-Zellen in 50ng
p24 Virusstock aufgenommen und für 4-6h bei 37°C inkubiert. Dann erfolgte die Zugabe
von 3ml RPMI 1640 mit 10% FKS und 1% Pen/Strep. PBMCs wurden zusätzlich mit
10ng/ml IL-2 stimuliert. Die FACS Analyse erfolgte 3 Tage nach Infektion.
5.8 Transfektion von Jurkat-Zellen mit DMRIE-Reagenz
4,5µg DNA wurden mit 500µl OMEM in Eppendorfgefäßen gemischt und zu 4µl
DMRIE+500µl OMEM in einem 6-Well hinzugetropft. Nach 30min Inkubation wurden
106 Zellen/Well in 200µl OMEM hinzugegeben, gemischt und für 6h bei 37°C inkubiert.
Nach
der
Inkubation
erfolgte
die
Stimulation
der
Zellen
mit
2ml
RPMI
Kultivierungsmedium + 1µg/ml PHA. Nach weiteren 18-24h konnten die Zellen für die
FACS-Analyse gefärbt werden.
5.9 Jurkat NFAT-Assay
50000 Jurkat NFAT Zellen wurden mit 1,5ng p24 Virusstock in 96-V-Well Platten
infiziert und bei 37°C und 5% CO2 für 2 Tage inkubiert. Dann erfolgte die Stimulation mit
1µg/ml PHA oder anti-CD3/CD28 Kügelchen im Verhältnis Zellen/Kügelchen 1:1. 16h
nach Stimulus wurde die Luziferaseaktivität im Gesamtzelllysat mit dem LuziferaseAssay-System von Promega bestimmt. Dazu wurden die Zellen für 5min bei 1500rpm
abzentrifugiert und das Medium abgezogen. Das Zellpellet wurde dann in 30µl Lysepuffer
aufgenommen und in eine weißwandige 96-Well-Platte überführt. Nach der Zugabe von
50µl Luziferase-Buffer erfolgte die Detektion der Luziferaseaktivität in relativen
Lichteinheiten pro 0,1ms im Berthold Luminometer.
5.10 FACS-Analysen
5.10.1 Modulation von Oberfächenmarkern auf T-Zellen
Zur FACS-Färbung wurden Zellen einer Transfektion oder Infektion in die
entsprechende Zahl an Färbungen aufgeteilt und einmal mit 800µl FACS Puffer
gewaschen. Nach der Zentrifugation für 5min bei 1400rpm wurden die Zellen in 100µl
FACS-Puffer
+
1-10µl
PE
konjugiertem
Antikörper
(nach
Herstellerangaben)
aufgenommen und für 45min bei 4°C gefärbt. Nach einem Waschschritt mit 800µl FACSPuffer wurden die Zellen in 200-300µl FACS-Puffer (nach Zellzahl) aufgenommen und im
5. METHODEN
26
FACS (FACSCalibur, Becton-Dickinson) vermessen. Infizierte Zellen wurden vor der
Analyse in 200µl FACS-Puffer mit 2% PFA 30min bei 4°C fixiert.
5.10.2 T-Zellaktivierung und Apoptose primärer Blutzellen
PBMCs wurden infiziert wie in 5.7.1. beschrieben und 2 Tage nach Infektion einem
zweiten Stimulus (PHA 1µg/ml) ausgesetzt. Dann erfolgte aus Aliquots der infizierten
Kulturen die Messung von CD69 (1 Tag nach dem zweiten Stimulus), CD25 (4 Tage nach
dem zweiten Stimulus) und ein bis vier Tage nach dem zweiten Stimulus die Messung der
Apoptoserate über die Bindung von AnnexinV an apoptotische Zellen. Dazu wurden
Aliquots der infizierten Zellen in 800µl PBS gewaschen und anschließend in 100µl
AnnexinV Bindepuffer (Apoptosis Detection Kit, BD Bioscience) plus 5µl AnnexinV-PE
aufgenommen. Nach 15min Inkubation bei Raumtemperatur im Dunkeln erfolgte die
Fixation in 200µl AnnexinV Bindepuffer plus 3% PFA.
5.11 Bestimmung der viralen Replikation
In 48-Well-Platten wurden 50000 mit 1µg/ml PHA und 10ng/ml IL-2 prästimulierte
PBMCs mit 0,2ng Virusstock in Doppelansätzen infiziert. Nach 24h wurden die Zellen
gewaschen und in 500µl RPMI1640 Medium mit 10% FKS, 1% Pen/Strep, 1% LGlutamin und 10ng/ml IL-2 aufgenommen. Ein, vier und sieben Tage nach Infektion
wurden Überstände der infizierten Zellkulturen abgenommen und bei -20°C eingefroren.
Des Weiteren wurden Aliquots der infizierten Kulturen im FACS auf eGFP Expression
vermessen, um die Anzahl infizierter Zellen zu bestimmen. Die Menge p24
Viruskapsidprotein in den Zellkulturüberstanden wurde mittels p24 ELISA bestimmt.
5.12 Computerprogramme und Datenquellen
5.12.1 Computerprogramme zur Sequenzanalyse
Für die Auswertung von Aminosäure und DNA-Sequenzen wurden folgende
Programme
aus
dem
Internet
benutzt:
Sequence
Reverse
Complementor
(http://bioinformatics.org/sms/rev_comp.html/), Sequenz-Alignment Programm MultAlin
V5.4.1
(http://prodes.toulouse.inra.fr/multalin/)
und
das
DNA/Aminosäuresequenz
Programm Expasy-Tool (http://www.expasy.org/tools/dna.html). Außerdem wurden die
Programme Bioedit V5.0.9 von Tom Hall, Department of Microbiology, North Carolina
5. METHODEN
27
State University, Raleigh, NC, USA, und Gene Construction Kit V2.0 von Bob Gross und
Anders Putte zur Sequenzanalyse verwendet.
5.12.2 Computerprogramme zur FACS-Auswertung
Für die FACS-Auswertung wurde das Programm CellQuest-Pro von Becton
Dickinson benutzt, sowie Microsoft Excel Office XP zur Tabellenkalkulation.
5.12.3 Statistische Auswertungen und Korrelationsanalysen
Für alle statistischen Analysen wurde das PRISM Programm Version 4.0 (Abacus
Concepts, Berkeley, CA, USA) benutzt. P-Werte wurden mit dem beidseitigen Students-TTest und Mann-Whitney–Test berechnet. Teilweise wurde für Korrelationsanalysen
Microsoft Excel Office XP Version benutzt.
6. ERGEBNISSE
28
6. Ergebnisse
6.1 Modulation zellulärer Faktoren durch die Nef-Proteine der Immundefizienzviren
Zur funktionellen Analyse von nef-Allelen aus natürlich mit Immundefizienzviren
infizierten Primaten erhielten wir von unseren Kollaborationspartnern genomische DNA,
PCR Produkte oder nef-codierende Sequenzen in verschiedenen Vektoren. Diese wurden
mittels PCR amplifiziert, sequenziert und nach Bestätigung der Sequenz in den proviralen
Vektor pBR-NL4-3 nef-IRES-eGFP kloniert (pBR-NL4-3 NIG). Die Übersicht von allen
untersuchten nef-Allelen ist in Tabelle 1 dargestellt.
Die erhaltenen rekombinanten Viren unterscheiden sich lediglich in der nefSequenz und exprimieren alle viralen Proteine im natürlichen Kontext unter Kontrolle des
LTR-Promoters und der ursprünglichen Spleißstellen. Anschließend erfolgte die Analyse
der nef-Allele auf deren Aktivität in der Herabregulierung diverser Faktoren von der
Oberfläche infizierter Jurkat-T-Zellen. Zu diesem Zweck wurden mit VSV-G
6. ERGEBNISSE
29
pseudotypisierte Viren hergestellt. Diese tragen das Hüllprotein des Vesikulären Stomatitis
Virus (VSV) auf ihrer Oberfläche, was den CD4-unabhängigen Eintritt des Partikels in die
Zielzelle erlaubt. Da nef-intakte Viren ca. 10mal infektiöser als nef-defekte Viren sind,
können Zielzellen unter Umgehung der Nef-vermittelten Erhöhung der Partikelinfektiosität
infiziert werden (Review: Lama, 2003). Außerdem können primäre Zellen und Zelllinien
mit hoher Effizienz transduziert werden, was die Analyse einer großer Anzahl infizierten
Kulturen im FACS erleichtert (Abbildung 4).
Gruppe 1
Gruppe 2
uninfiziert
Abb. 4: Herabregulierung zellulärer Oberflächenmarker durch Nef-Proteine verschiedener
Lentiviren. Jurkat T-Zellen wurden mit rekombinanten HIV-1 NL4-3 Viren infiziert, die entweder nur
eGFP (nef-) oder eGFP mit diversen lentiviralen Nefs von einer bicistronischen mRNA exprimieren. Der
eGFP Bereich und die jeweilige rote Fluoreszenzaktivität, mit der in Tabelle 1 und in Abbildung 5 die
Werte für die X-fache Rezeptormodulation berechnet wurden, sind angegeben. Gruppe 1 Nef-Proteine
sind im Gegensatz zu Gruppe 2 Nefs inaktiv in der Herabregulierung von CD3.
Infizierte Zellen koexprimieren Nef und eGFP von einer bicistronischen mRNA in
einem konstanten stöchiometrischen Verhältnis. Diese Zellen können dann mit
verschiedenen Antikörpern gegen Oberflächenrezeptoren markiert werden, was die
Korrelation der Nef-Expression mit der Rezeptormodulation erlaubt. Eine Auswahl
primärer Daten repräsentativer nef-Allele ist in Abbildung 4 dargestellt. Zur Kalkulation
der X-fachen Rezeptormodulation wurde die rote mittlere Fluoreszenzintensität (MFI)
eines definierten Bereichs der eGFP Expression des nef-defekten Kontrollkonstrukts, durch
die MFI des jeweiligen nef-Allels geteilt. Die quantitative Auswertung der Modulation von
6. ERGEBNISSE
30
CD4, CD3, CD28 und MHC-I durch alle 30 im Rahmen dieser Doktorarbeit untersuchten
nef-Allele findet sich in Tabelle 1 und Abbildung 5. Bereits die Infektion von Jurkat TZellen mit einem nef-defekten Virus resultierte in der Herabregulierung von CD4,
wohingegen kein Einfluss auf die Oberflächenexpression von CD3, CD28 und MHC-I
nachweisbar war (siehe Abbildung 4). Diese Modulation von CD4 ist auf die Expression
zweier weiterer Virusproteine – Env und Vpu - zurückzuführen, die ebenfalls CD4 von der
Gruppe 1 Gruppe 2
Gruppe 1 Gruppe 2
Andere SIVs
Andere SIVs
Andere SIVs
Andere SIVs
Herabregulierung (X-fach)
Oberfläche infizierter Zellen entfernen (Review: Lama, 2003).
Gruppe 1 Gruppe 2
Gruppe 1 Gruppe 2
Abb. 5: Quantitative Auswertung der Modulation von CD4, MHC-I, TCR-CD3 und CD28 durch
HIV und SIV nef-Allele. Jedes der Symbole steht für die X-fache Herabregulierung des angegebenen
Oberflächenmoleküls durch eines der 30 analysierten nef-Allele. HIV-1 und HIV-2 Nefs sind durch
offene Symbole dargestellt.
Während alle untersuchten nef-Allele CD4 und MHC-I von der Oberfläche
infizierter Zellen herunterregulierten, zeigten sich grundlegende Unterschiede bei der
Modulation von CD3. Die nef-Allele aus HIV-1, SIVcpz, SIVgsn/mus/mon waren
komplett inaktiv in der Modulation von CD3. Im Gegensatz hierzu entfernten Nef-Proteine
aus
HIV-2,
SIVsmm,
SIVmac
und
aus
allen
weiteren
untersuchten
Affen-
Immundefizienzviren CD3 effektiv von der Zelloberfläche (Abbildung 5). Aufgrund der
unterschiedlichen Aktivität in der Modulation von CD3 wurde die Gesamtheit der nefAllele in zwei Gruppen unterteilt: Gruppe 1 Nefs, die CD3 nicht und Gruppe 2 Nefs, die
6. ERGEBNISSE
31
CD3 effektiv von der Oberfläche infizierter Zellen herabregulieren. Beide Gruppen können
weiter unterteilt werden in humane AIDS-Viren und deren unmittelbare Vorläufer in
Primaten (HIV-1/CPZ und HIV-2/SMM/MAC) sowie die verbleibenden AffenImmundefizienzviren (GSN/MUS/MON und alle anderen SIVs). Die quantitative Analyse
zeigte (Tabelle 1 und Abbildung 5), dass es keine signifikanten Unterschiede zwischen
beiden Gruppen in der Modulation von CD4 und MHC-I gab. Alle Gruppe 1 Nefs (n=12)
waren inaktiv in der Modulation von CD3, während Gruppe 2 Nefs (n=18) CD3 5,7 bis 18fach von der Oberfläche infizierter Zellen herabregulierten. Außerdem gab es auch
Unterschiede in der Modulation des kostimulatorischen T-Zellrezeptors CD28. Gruppe 1
Nefs regulierten CD28 maximal 7-fach von der Oberfläche infizierter Jurkat T-Zellen
herab, wohingegen einige Gruppe 2 Nefs hochaktiv in diesem Assay waren und CD28 bis
zu 30-fach herunterregulierten. Dieser Unterschied ist statistisch signifikant (p=0,004).
6.2 Nef blockiert die Aktivierung infizierter Zellen durch Herabregulierung von CD3
Die meisten lentiviralen Nef-Proteine mit Ausnahme von HIV-1 Nef und dessen
Vorläufer in Primaten waren aktiv in der Herabregulierung von CD3. Da der CD3
Komplex eine Schlüsselrolle bei der Aktivierung von T-Zellen spielt, konnte spekuliert
werden, dass Nefs aus den beiden definierten Gruppen die Aktivierung von T-Zellen via
CD3 stark unterschiedlich beeinflussen. Zur Überprüfung dieser Hypothese wurden Jurkat
T-Zellen, die stabil mit dem Luziferase-Gen unter Kontrolle eines NFAT (engl.: nuclear
factor of activated t-cells) Promoters transfiziert sind (Fortin et al, 2004), mit den VSV-G
pseudotypisierten NL4-3 NIG Viren infiziert.
Abb. 6: Gruppe 2 Nefs blockieren die
NFAT (X-fache Induktion)
Aktivierung von Jurkat T-Zellen nach
Stimulation mit PHA. Jurkat-NFAT Zellen
Gruppe 1
wurden mit VSV-G pseudotypisierten HIV-1
NIG Viren infiziert und die Reportergenaktivität im Gesamtzelllysat nach Stimulation
mit
Gruppe 2
1µg/ml
PHA
gemessen.
Die
durchgezogene Linie zeigt die Aktivität der
Andere SIVs
nicht infizierten Kontrolle. Die gepunktete
Linie die der nef-defekten Kontrollen. Im
(X-fache
Herabregulierung)
rechten Teil der Abbildung ist die NFATAktivität in Abhängigkeit der TCR-CD3Modulation dargestellt.
Gruppe 1 Gruppe 2
6. ERGEBNISSE
32
Bei Aktivierung der Jurkat-NFAT Zellen wird die Genexpression über den NFATPromoter induziert. Die exprimierte Luziferase kann dann im Zelllysat quantifiziert werden
und ist ein Maß für den Aktivierungszustand der Zellen.
Mit nef-defekten HIV-1 NL4-3 NIG Viren infizierte T-Zellen zeigten 4,6-fach
höhere NFAT-Aktivität nach der Stimulation mit PHA als nicht infizierte Zellen, was auf
die transkriptionelle Aktivierung durch den HIV-1 Transaktivator Tat zurückzuführen ist.
Noch höher war die NFAT-Reportergenaktivität in Zellen, die HIV-1/SIVcpz (7,7+/-1,2
n=9) und GSN/MUS/MON (5,8+/-0,7 n=3; Mittelwerte +/- Standardabweichung) Nefs
exprimierten (Abbildung 6). Im Gegensatz hierzu war die Reportergenaktivität in Zellen,
die nef-Allele der Gruppe 2 exprimierten, geringer als in uninfizierten Zellen. Dies zeigt,
dass HIV-2/SIVsmm/SIVmac (0,7 +/- 0,1, n=8) und Nefs aus anderen AffenImmundefizienzviren (0,6 +/- 0,1, n=10) die T-Zellaktivierung aktiv blockieren. Die
Blockierung der T-Zellaktivierung durch Nef korrelierte mit der Fähigkeit zur
Herabregulierung von TCR-CD3 (Abbildung 6).
Um die Aktivierung von T-Zellen unter Bedingungen zu untersuchen, die der
Situation in vivo besser entsprechen als die mitogene Stimulation mit PHA, wurden JurkatNFAT Zellen mit den verschieden HIV-1 NIG Viren infiziert und die Stimulation durch
anti-CD3/CD28 gekoppelte Kügelchen wiederholt. Diese stimulieren T-Zellen indem sie
die Signalkaskade sowohl über den TCR-CD3, als auch das kostimulatorische CD28
auslösen.
NFAT (X-fache Induktion)
Anti-CD3/CD28 Kügelchen
Abb. 7: Gruppe 2 Nefs blockieren die
Aktivierung von Jurkat T-Zellen nach
Stimulation
Gruppe 1
mit
anti-CD3/CD28
Kügelchen. Jurkat-NFAT Zellen wurden mit
VSV-G pseudotypisierten HIV-1 NIG Viren
Gruppe 2
infiziert und die Reportergenaktivität im
Gesamtzelllysat nach Stimulation mit antiCD3/CD28
Andere SIVs
Zellen/Kugeln
Gruppe 1 Gruppe 2
Kügelchen
von
1:1
im
Verhältnis
gemessen.
Die
durchgezogene Linie zeigt die Aktivität der
(X-fache
Herabregulierung)
nicht infizierten Kontrolle. Die gepunktete
Linie die der nef-defekten Kontrollen. Im
rechten Teil der Abbildung ist die NFAT
Aktivität in Abhängigkeit der TCR-CD3
Modulation dargestellt.
6. ERGEBNISSE
33
Dies imitiert die Stimulation von T-Zellen durch APCs. Wie in Abbildung 7 dargestellt
führte die Infektion von Jurkat-NFAT Zellen mit Viren, die nef-Allele der Gruppe 1
exprimieren, wiederum zu einer starken Erhöhung der NFAT-Aktivität, während Gruppe 2
Nefs die Aktivierung von T-Zellen durch anti-CD3/CD28 Kügelchen inhibierten.
Die Ergebnisse dder NFAT-Aktivierung durch PHA zeigten eine signifikante
Korrelation mit der Aktivierung durch anti-CD3/CD28 Kügelchen (Abbildung 8A). Da bei
der
Messung
der
NFAT-Aktivierung
die
Luziferase-Reportergenaktivität
im
Gesamtzelllysat gemessen wurde und bei der Infektion mit pseudotypisierten Viren in
diesem Assay lediglich ca. 30% der Zellen infiziert werden, sollten die Ergebnisse durch
Messung eines unabhängigen Parameters bestätigt werden. Zu diesem Zweck wurde die
Induktion des frühen T-Zellaktivierungsmarkers CD69 auf der Zelloberfläche infizierter
Zellen im FACS gemessen. Da infizierte Zellen eGFP exprimieren, konnte selektiv die
Messung der CD69 Expression der infizierten Population aus Aliquots derselben
Infektionen erfolgen, mit denen auch die NFAT-Aktivität gemessen wurde.
B
NFAT (X-fache Induktion)
A
CD69 (X-fache Induktion)
Abb. 8 (A) Korrelation der NFAT Aktivierung induziert durch PHA-Stimulation und antiCD3/CD28 Kügelchen. (B) Korrelation der NFAT-Aktivierung mit der Induktion von CD69.
(A) Jurkat-NFAT Zellen wurden mit VSV-G pseudotypisierten HIV-1 NIG Viren infiziert und die
Reportergenaktivität im Gesamtzelllysat nach Stimulation mit anti-CD3/CD28 Kügelchen, sowie nach
der Stimulation mit PHA gemessen. (B) Messung der Induktion des frühen T-Zellaktivierungsmarkers
CD69 auf der Oberfläche infizierter Jurkat-NFAT Zellen. Korrelation mit der NFAT-Aktivität nach
Stimulation mit PHA.
6. ERGEBNISSE
34
Die Oberflächenexpression des frühen T-Zellaktivierungsmarkers CD69 wurde in
Jurkat NFAT-Zellen durch die Expression von Gruppe 2 Nefs blockiert und korrelierte
signifikant mit der Induktion des NFAT-Promoters (Abbildung 8B). Um die selektive
Blockierung der T-Zellaktivierung infizierter Zellen durch die Nef vermittelte
Herabregulierung des TCR-CD3 zu bestätigen, wurden infizierte Jurkat-NFAT Zellen mit
PMA/Ionomycin
stimuliert
und
die
NFAT-Aktivität
im
Zelllysat
gemessen.
PMA/Ionomycin triggert durch Calziuminflux unabhängig vom T-Zellrezeptor die TZellaktivierung. Hierbei waren keine Unterschiede in der NFAT-Aktivität zwischen
Zellen, die Gruppe 1 oder Gruppe 2 Nefs exprimierten, messbar.
6.3
Die
Nef-vermittelte
Herabregulierung
von
TCR-CD3
schützt
primäre
Lymphozyten vor Apoptose
Während der akuten Phase der HIV-1 Infektion werden hauptsächlich bereits
aktivierte CD4+ Gedächtnis T-Zellen infiziert, die vom Phänotyp her ruhenden T-Zellen
entsprechen (Li et al., 2005; Mattapallil et al., 2005). Im Folgenden werden diese Zellen
durch die aktive Infektion und Replikation des Virus aus dem Organismus eliminiert (siehe
3.4). Da die Depletion der CD4+ T-Zellen und die Progression zu AIDS mit erhöhten TZellaktivierungs- und Proliferationsraten assoziiert ist, konnte die Hypothese formuliert
werden, dass infizierte Zellen durch permanente Hyperaktivierung apoptotisch werden.
PHA
Stimulation
Infektion mit HIV-1
IRES eGFP Nef
Varianten
2 Tage
3 Tage
Frisch isolierte
PBMCs
Zweiter Stimulus
Aktivierte
PBMCs
1 Tag
HIV-1 infizierte,
phänotypisch
ruhende T-Zelle
1-3 Tage
Frühe TZellaktivierung?
Späte TZellaktivierung,
Apoptose?
Abb. 9: Versuchsaufbau zur Simulation der Infektion ruhender Gedächtnis T-Zellen mit HIV-1.
Frisch isolierte PBMCs wurden infiziert, stimuliert und nach 2 Tagen einem zweiten Stimulus ausgesetzt.
Dann erfolgte die Charakterisierung der infizierten Zellen im Durchflusszytometer.
Um diese Situation in vitro zu simulieren, wurden PBMCs (engl.: primary blood
mononuclear cells) mit PHA stimuliert und nach der Infektion mit den HIV-1 NL4-3 NIG
Varianten weiter kultiviert, bis diese phänotypisch in einem ruhenden Zustand waren.
6. ERGEBNISSE
35
Nach einem zweiten Stimulus, der die Aktivierung infizierter Zellen im immunologischen
Kontext simulieren soll, wurden die infizierten primären T-Zellen auf Aktivierungsmarker,
TCR-Modulation und Apoptose untersucht. Der experimentelle Ansatz ist in Abbildung 9
dargestellt. In infizierten PBMCs wurde durch die Infektion mit HIV-1 NL4-3 eGFP Viren,
die nef-Allele der Gruppe 1 exprimierten, keine Herabregulierung des TCR-CD3
gemessen. Gruppe 2 Nefs modulierten CD3 effizient von der Oberfläche infizierter
primärer Blutlymphozyten herab. Des Weiteren wurde die Herabregulierung des
kostimulatorischen CD28 und die Induktion des frühen T-Zellaktivierungsmarkers CD69
gemessen.
A
Gruppe 1
Gruppe 2
unstim. nicht inf.
unstim. nicht inf.
4 TnS
3 TnS
2 TnS
B
Infizierte GFP+ Zellpopulation
Abb. 10: Manipulation primärer Blutlymphozyten durch die Infektion mit HIV-1 IRES eGFP nef
Varianten. (A) Durchflusszytometrische Analyse von PBMCs auf CD3, CD28, CD69 sowie IL-2R nach
der Infektion mit HIV-1 IRES eGFP nef Viren. Über die Ordinate ist die rote MFI aufgetragen. Zahlen
geben die MFI der jeweiligen Region an. (B) Apoptose zu verschiedenen Zeitpunkten in PBMCs infiziert
mit HIV-1 IRES eGFP nef Viren (TnS; Tage nach Stimulus). Über die Ordinate ist die Zellzahl
aufgetragen. Zahlen geben % Zellen im definierten Bereich an.
6. ERGEBNISSE
36
Ein bis drei Tage nach dem zweiten Stimulus erfolgte aus Aliquots der infizierten
Kulturen die FACS Analyse auf Apoptose mit AnnexinV und am dritten Tag die Messung
der Induktion des späten T-Zellaktivierungsmarkers IL-2R (CD25). Eine Auswahl primärer
FACS Daten repräsentativer nef-Allele ist in Abbildung 10 gezeigt.
Sowohl in infizierten PBMCs als auch in Jurkat Zellen (siehe 6.1) waren Gruppe 1
Nefs inaktiv in der Herabregulierung von CD3 und signifikant schwächer aktiv in der
Modulation von CD28. Die quantitative Analyse der X-fachen Herabregulierung von CD3
und CD28 zeigte eine hohe Korrelation der Ergebnisse aus Jurkat T-Zellen und primären
Blutlymphozyten (Abbildung 11). Dies zeigt, dass die Modulation beider TCRBestandteile durch Nef in den unterschiedlichen Zelltypen über gleiche Mechanismen
erfolgt und bestätigt Jurkat T-Zellen als geeignetes Modellsystem für die Infektion
CD3 – PBMC (X-fach )
CD28 – PBMC (X-fach )
primärer T-Zellen mit HIV-1.
CD3 – Jurkat (X-fach )
Abb. 11: Korrelation zwischen
der Herabregulierung von CD3
und
CD28
durch
Nef
in
infizierten Jurkat Zellen und
PBMCs.
CD28 – Jurkat (X-fach )
Des Weiteren bestätigte die quantitative Auswertung der Induktion des frühen TZellaktivierungsmarkers CD69 und der Induktion des späten Aktivierungsmarkers IL2-R
(CD25)
auch
in
primären
Blutlymphozyten
den
Zusammenhang
zwischen
Herabregulierung des TCR-CD3 durch Nef und der Blockierung der T-Zellaktivierung
(Abbildung 12). In Zellen, die Gruppe 1 Nefs exprimierten, war die Induktion des frühen
T-Zellaktivierungsmarkers CD69 etwa 4-fach und die Induktion des späten TZellaktivierungsmarkers IL2-R ca. doppelt so hoch wie in Zellen, die Gruppe 2 Nefs
exprimierten (Abbildung 12). Dieser Unterschied war in beiden Fällen statistisch hoch
signifikant (p<0,0001).
6. ERGEBNISSE
37
Späte Aktivierung
Andere SIV
Gruppe 2
Gruppe 1
Gruppe 2
Andere SIV
Gruppe 1
IL2-R (X-fache Induktion)
CD69 (X-fache Induktion)
Frühe Aktivierung
(X-fache
Herabregulierung)
Gruppe 1 Gruppe 2
(X-fache
Herabregulierung)
Gruppe 1 Gruppe 2
Abb. 12: Beeinflussung der frühen und späten T-Zellaktivierung durch Nef-vermittelte CD3
Herabregulierung in infizierten PBMCs. PBMCs wurden behandelt wie in Abbildung 9 beschrieben
und ein Tag nach dem zweiten Stimulus via FACS die Expression des frühen Aktivierungsmarkers CD69
(linkes Panel) und vier Tage nach Stimulierung die Induktion des späten Aktivierungsmarker IL2-R
gemessen (rechtes Panel). Gezeigt sind Ergebnisse aus einem repräsentativen Experiment.
Außerdem korrelierte die Expression beider T-Zellaktivierungsmarker signifikant
(Abbildung 13). Interessanter Weise war die Induktion der T-Zell Aktivierungsmarker in
PBMCs, die Gruppe 2 Nefs exprimierten, sogar etwas geringer, als in nicht infizierten
Zellen (Abbildungen 10 und 12). Dies deutet in Übereinstimmung mit den Ergebnissen der
Jurkat-NFAT-Zellen (6.2 Abbildung 6) darauf hin, dass Gruppe 2 Nefs die T-
IL2-R (X-fache Induktion)
Zellaktivierung aktiv blockieren.
Abb. 13: Korrelation zwischen
der Induktion des frühen T-ZellAktivierungsmarkers CD69 und
der
Induktion
des
späten
Aktivierungsmarkers IL2-R in
infizierten PBMCs durch Nef.
CD69 (X-fache Induktion)
6. ERGEBNISSE
38
Über einen Zeitraum von 2 bis 4 Tagen nach dem zweiten Stimulus (siehe
Abbildung 9) wurden aus den verschiedenen Infektionen Aliquots der infizierten PBMCs
mit AnnexinV-PE gefärbt und im FACS vermessen (Abbildung 10B). Da AnnexinV
spezifisch an apoptotische Zellen bindet, konnte so die Apoptoserate in den infizierten
Kulturen bestimmt werden. Erstaunlicher Weise war nach vier Tagen die Apoptoserate in
infizierten PBMCs, deren Viren nef-Allele der Gruppe 2 (14,2 +/- 0,9) exprimierten
geringer, als in Kulturen deren Viren Gruppe 1 (28,0 +/- 1,7%) Nefs exprimierten
(p<0,0001; Werte entsprechen Prozent apoptotische Zellen +/- Standardfehler). Wiederum
war diese Inhibierung der Apoptose in PBMCs, die Gruppe 2 Nefs exprimierten, abhängig
von der Herabregulierung des TCR-CD3 (Abbildung 14A) und korrelierte signifikant mit
der Aktivierung infizierter Zellen (Abbildung 14B).
A
B
Apoptose
AnnexinV+ Zellen (%)
AnnexinV+ Zellen (%)
Gruppe 1
Andere SIV
Gruppe 2
IL2-R (X-fache
Induktion)
(X-fache
Herabregulierung)
Gruppe 1 Gruppe 2
Abb. 14: (A) Prozent AnnexinV positive PBMCs in Abhängigkeit der Modulation des TCR-CD3
durch Nef. (B) Korrelation zwischen Apoptoserate (AnnexinV+ Zellen) und T-Zellaktivierung
(IL2-R Induktion). (A) Prozent AnnexinV positive Zellen in PBMCs infiziert mit HIV-1 IRES eGFP
Viren, die verschiedene nef-Allele exprimieren. Gruppe 2 Nefs regulieren CD3 von der Oberfläche
infizierter Zellen herab. Gruppe 1 Nefs modulieren CD3 nicht (linkes Panel). AnnexinV positive Zellen
in Abhängigkeit der Herabregulierung von CD3 (rechtes Panel). (B) Korrelation zwischen der Anzahl
AnnexinV
positiver
Zellen
Zellaktivierungsmarkers IL2-R.
in
infizierten
Kulturen
und
der
Induktion
des
späten
T-
6. ERGEBNISSE
39
Da infizierte Zellen eGFP exprimieren, konnte aus einer infizierten PBMC-Kultur
spezifisch die Apoptose in HIV-1 infizierten Zellen und nicht infizierten „Bystander“Zellen gemessen werden. Hierbei zeigte sich, dass die Apoptoserate in nicht infizierten
„Bystander“-Zellen gegenüber der uninfizierten Kontrollkultur nicht erhöht war.
Außerdem wurde via FACS die Expression von CD95 und CD95L auf infizierten
Lymphozyten evaluiert. Während keine Unterschiede in der CD95L Expression festgestellt
werden konnten, wurde die CD95 Oberflächenexpression in Nef-exprimierenden
Lymphozyten leicht vermindert. Dieser Unterschied war jedoch statistisch nicht
signifikant. Außerdem war nach Apoptoseinduktion mit CD95 spezifischen Antikörpern
kein Unterschied in der Apoptoserate infizierter PBMC Kulturen messbar, die entweder
Gruppe 1 oder Gruppe 2 Nefs exprimierten (Abbildung 15). Interessanter Weise konnte
durch Zugabe des Caspaseinhibitors zVAD-FMK zu PHA behandelten, Gruppe 1 Nefinfizierten PBMC Kulturen, die Apoptoserate deutlich gesenkt werden. Dies deutet auf
Caspasen als Mediatoren des PHA-vermittelten, durch Aktivierung induzierten Zelltods
hin (Abbildung 15).
Abb.
15:
Effekte
des
AnnexinV+ Zellen (%)
Caspaseinhibitors zVAD-FMK
auf
Apoptose
in
infizierten
PBMCs nach Induktion mit
CD95 oder PHA. PBMCs, die
Gruppe 1 oder Gruppe 2 Nefs
exprimieren, unterscheiden sich
nicht in der Apoptoserate nach
Induktion mit CD95. Gruppe 2
Gruppe 2
Gruppe 1
Gruppe 2
Gruppe 1
Gruppe 2
Gruppe 1
Gruppe 2
Gruppe 1
Nicht infiziert
Nefs
blockieren
den
PHA
induzierten Zelltod. Der Caspaseinhibitor zVAD-FMK blockiert
sowohl CD95 als auch PHA
vermittelte Apoptose. Angegeben
sind Mittelwerte von jeweils drei
Infektion +/- Stabw.
6. ERGEBNISSE
40
6.4 Die Nef-vermittelte TCR-CD3 Modulation ist ausreichend und notwendig zur
Blockierung der T-Zellaktivierung und Apoptose in primären Lymphozyten
Die bisherigen Daten deuteten aufgrund der Korrelation zwischen Blockierung der
T-Zellaktivierung und Apoptose in Jurkat T-Zellen und PBMCs mit der Herabregulierung
des TCR-CD3 durch Nef auf einen direkten funktionellen Zusammenhang hin (vgl.
Abbildungen 7, 12 und 14). Da Gruppe 2 Nefs auch signifikant schwächer aktiv in der
Modulation von CD28 als Gruppe 1 Nefs waren, konnte nicht ausgeschlossen werden, dass
beide Nef-Funktionen zur Blockierung der T-Zellaktivierung benötigt werden (Abbildung
5).
AnnexinV+ Zellen (%)
IL2R Expression (MFI)
CD69 Expression (MFI)
CD69 Expression (%)
NFAT (X-fache
Induktion)
nicht infiziert
Abb. 16: Die Nef-vermittelte TCR-CD3 Herabregulierung ist essentiell und ausreichend zur
Blockierung der T-Zellaktivierung und Apoptose. (A) Selektivität in der Modulation des TCR-CD3
von mactNef und debΔ23-30Nef in infizierten Jurkat-Zellen. mactNef ist aktiv und debΔ23-30Nef
inaktiv in der Blockierung der T-Zellaktivierung in infizierten Jurkat-Zellen (B und C) und infizierten
primären Blutlymphozyten (D und E). Die auf CD3 selektiv aktive Mutante SIVmactNef inhibiert PHAvermittelte Apoptose in PBMCs im Gegensatz zum debΔ23-30 Nef, welches inaktiv in der
Herabregulierung von CD3 ist (F). B und C zeigen Mittelwerte von drei Experimenten +/- Stabw.
6. ERGEBNISSE
41
Aus diesem Grund wurde eine große Anzahl von Nef-Mutanten auf deren
funktionelle Aktivität in der Modulation von CD4, CD3, CD28 und MHC-I charakterisiert.
Zwei Mutanten mit selektiv aktivem und selektiv defektem Phänotyp bezüglich der
Modulation von CD3 wurden ausgewählt, in das pBR-NL4-3 NIG Virus kloniert und auf
T-Zellaktivierung und Apoptose in primären Lymphozyten untersucht (Abbildung 16).
SIVmactNef, die auf TCR-CD3 selektiv aktive Mutante des SIVmac239 Nef, hat eine
153bp große Deletion im zentralen Bereich des Allels. Die Herabregulierung des TCRCD3 durch mactNef war ausreichend zur Blockierung der T-Zellaktivierung in infizierten
Jurkat-Zellen und PBMCs und zur Inhibition der PHA-vermittelten Apoptose in PBMCs
(Abbildung 16). Im Gegensatz hierzu war die Deletionsmutante SIVdebΔ23-30Nef inaktiv
in der Blockierung der T-Zellaktivierung und Apoptose, sowie selektiv defekt in der
Herabregulierung des TCR-CD3 (Abbildung 16). Diese Ergebnisse zeigen, dass die Nefvermittelte Herabregulierung des TCR-CD3 ausreichend und essentiell zur Blockierung
der T-Zellaktivierung und aktivierungs-induziertem Zelltod ist.
6.5 Der Verlust der Nef-vermittelten CD3-Herabregulierung ist in vivo assoziiert mit
CD4+ T-Zelldepletion in SIVsm-infizierten Rauchgrauen Mangaben
Die bisherigen Daten dieser Doktorarbeit zeigen, dass in vitro die Infektion
humaner PBMCs mit HI-Viren, die defekt in der Modulation von CD3 sind, zur
Hyperaktivierung und Apoptose infizierter Zellen führt. Dies ist konsistent mit der
Beobachtung, dass Progression zu AIDS mit erhöhter Immunaktivierung assoziiert ist,
(Giorgi et al., 1999; Michel et al, 2000; Sousa et al., 2002) und die Nef Proteine der
Lentiviren, die in ihren natürlichen Wirten einen asymptomatischen Infektionsverlauf
zeigen, CD3 effektiv von der Oberfläche infizierter Zellen entfernen (siehe Tabelle 1;
Münch et al., 2005). Obwohl der Großteil der SIVsm-infizierten Rauchgrauen Mangaben
keine Immundefizienz oder CD4+T-Zelldepletion zeigen, tritt in ca. 10-15% der Tiere ein
Verlust der CD4+ T-Zellen auf, der mit erhöhter Immunaktivierung assoziiert ist (Ling et
al., 2005; Sumpter et al., 2006). Um zu untersuchen, ob in vivo die erhöhte TZellaktivierung und CD4+ T-Zelldepletion mit dem Verlust der Modulation von CD3
6. ERGEBNISSE
42
durch Nef assoziiert ist, erhielten wir PCR-Produkte von nef Allelen aus SIVsm-infizierten
Rauchgrauen Mangaben, die sich in ihren CD4+ T-Zellzahlen unterscheiden. 22 SIVsm
nefs wurden direkt aus Plasma amplifiziert und als Pool in den bicistronischen
Expressionsvektor pCG-IRES-GFP kloniert. Kontrollsequenzierungen zweier Allele pro
Pool bestätigten die Spezifität der amplifizierten Proben. Dann wurde die Aktivität der
SIVsm nef-Pools in der Herabregulierung von CD4, CD3, CD28 und MHC-I von der
X-fache Herabregulierung
Oberfläche transfizierter Jurkat T-Zellen gemessen (Abbildung 17).
Abb. 17: Primäre SIVsm nef-Allele aus infizierten Tieren mit niedrigen CD4+T-Zellzahlen sind
schwach aktiv in der Herabregulierung von TCR-CD3. Herabregulierung von CD4, CD3, CD28 und
MHC-I von der Oberfläche transfizierter Jurkat T-Zellen. (A) Einteilung der primären SIVsm nef-Allele
in Proben aus Tieren mit normalen (>450/µl; n=11) und niedrigen (<450/µl; n=11) CD4+ T-Zellzahlen
und (B) in Allele aus Tieren mit sehr hohen (>800/µl; n=7) und sehr niedrigen (<300/µl; n=4) CD4+ TZellzahlen. Rot markiert sind drei nef-Allele, die defekt in der Modulation von CD3 sind.
SIVsm nef-Pools aus Tieren mit niedrigen CD4+T-Zellzahlen waren signifikant schwächer
aktiv in der Modulation von CD3 (p=0,0013) und in geringerem Maße MHC-I (p=0,0151;
Abbildung 17A). Diese Unterschiede wurden noch deutlicher, wenn nur Tiere mit hoher
(>800/µl) oder sehr niedriger (<300/µl) CD4+ T-Zellzahl in die Analyse einbezogen
wurden (Abbildung 17B). Interessanter Weise zeigten drei nef-Pools aus Tieren mit extrem
niedrigen CD4+T-Zellzahlen (<10/µl; in Abbildung 17 rot dargestellt) auch die geringste
Aktivität in der Herabregulierung von TCR-CD3. Diese Ergebnisse verdeutlichen die
6. ERGEBNISSE
43
Relevanz der Nef-vermittelten Herabregulierung von CD3 für das Aufrechterhalten stabiler
CD4+T-Zellzahlen in SIVsm-infizierten Mangaben in vivo.
6.6 Die Herabregulierung von TCR-CD3 durch Nef attenuiert die virale Replikation
Um die Auswirkung der Herabregulierung von TCR-CD3 durch Nef und der damit
assoziierten Blockierung der T-Zellaktivierung auf die Replikation von HIV-1 in
infizierten primären Lymphozyten zu messen, wurden PBMCs mit einer niedrigen Dosis
VSV-G pseudotypisierter HIV-1 NIG Viren infiziert. Dies erlaubt die Infektion von
Zielzellen unter Umgehung der Nef-vermittelten Erhöhung der Partikelinfektiosität
(Review: Lama, 2003). Da alle HIV-1 NIG Konstrukte funktionelles HIV Env
exprimieren, konnte nach der initialen Infektion normale Virusreplikation erfolgen. Über
einen Zeitraum von 7 Tagen nach Infektion wurde mittels ELISA die Menge an p24 Gag
Protein im Überstand infizierter PBMC Kulturen gemessen (Abbildung 18).
A
B
Gruppe 2
nicht
infiziert
Tage nach Infektion
GFP+ Zellen (%)
p24 Produktion (ng/ml)
Gruppe 1
Tage nach Infektion
Abb. 18: Stimulierung der viralen Replikation durch Gruppe 1 Nef-Proteine. (A) p24 Produktion in
PBMCs infiziert mit HIV-1 NIG Viren, die Gruppe 1 (n=12) oder Gruppe 2 (n=18) Nefs exprimieren. (B)
Quantifizierung der Anzahl HIV-1 NIG-infizierter (GFP+) Zellen in den PBMC Kulturen mittels FACS
Analyse. Ergebnisse in Panel A und B zeigen Mittelwerte eines ausgewählten Experiments mit drei
unabhängigen Infektionen +/- Standardfehler (Gruppe 1 n=12; Gruppe 2 n=19).
6. ERGEBNISSE
44
Am Tag 7 nach Infektion war die p24 Produktion in PBMC Kulturen, die mit
Gruppe 1 Nef exprimierenden Viren infiziert waren, um ca. das 4-fache gegenüber
Infektionen mit Gruppe 2 HIV-1 NIG Viren erhöht (Abbildung 18A). Dieser Unterschied
begründete sich nicht nur in einer erhöhten Anzahl infizierter Zellen (Abbildung 18B),
sondern auch in einer realen Erhöhung der Partikelproduktion pro infizierter Zelle. Dies
verdeutlicht Abbildung 19. Hier wurde die Partikelproduktion auf die Anzahl infizierter
(GFP positiver) Zellen normalisiert. Dabei zeigte sich, dass PBMCs infiziert mit Gruppe 1
NIG-Viren ca. 2,5-fach mehr p24 produzierten als Zellen, die mit Gruppe 2 Nefexprimierenden Viren infiziert waren. Dieser Unterschied in der Partikelproduktion
zwischen beiden Gruppen war statistisch hochsignifikant (p=0,0015) und zeigt, dass die
Nef-vermittelte Herabregulierung von TCR-CD3 und Blockierung der T-Zellaktivierung
Normalisierte p24 Produktion
(ng / % GFP+ Zellen)
mit geringerer Virusreplikation assoziiert ist.
Abb. 19: p24 Produktion pro
Prozent infizierte Zellen. Für Tag
7 nach Infektion wurden die Werte
für
ng
p24
Produktion
aus
Abbildung 15 auf Prozent GFP
positive
Zellen
normalisiert.
Angegeben sind Mittelwerte +/-
Gruppe 2
Gruppe 1
Standardfehler (Gruppe 1 n=12;
Gruppe 2 n=18)
7. DISKUSSION
45
7. Diskussion
Das Nef-Protein der Immundefizienzviren trägt bei der HIV-1 Infektion des
Menschen entscheidend zur Entstehung von AIDS bei und wird daher als wichtiger
Pathogenesefaktor betrachtet (Deacon et al., 1995; Kirchhoff et al., 1995). Auch im
Tiermodell, bei der experimentellen Infektion von Rhesusmakaken mit dem AffenImmundefizienzvirus SIVmac239 stellte sich heraus, dass Nef für die effiziente
Replikation des Virus essentiell ist und bei der Progression zu AIDS eine wichtige Rolle
spielt (Kestler et al., 1991). Mittlerweile wurden in über 30 Primatenarten Lentiviren
gefunden, die vom Aufbau und der Genomorganisation HIV-1 und HIV-2 entsprechen
(Hahn et al., 2000; Sharp et al., 2005). Demzufolge werden diese Viren auch als AffenImmundefizienzviren (SIV) bezeichnet. Alle bisher identifizierten SIV kodieren für einen
offenen nef-Leserahmen. Erstaunlicher Weise progredieren aber die meisten natürlichen
Wirte der Affen-Immundefizienzviren nicht zu AIDS (Reviews: Hirsch, 2004; Hurtrel et
al., 2005; Silvestri, 2005). Ziel dieser Doktorarbeit war es, eine große Anzahl von nefAllelen aus HIV-1, HIV-2 und Immundefizienzviren natürlich infizierter Primaten
funktionell zu charakterisieren. Die Ergebnisse sollten zeigen, ob Unterschiede in der
Funktion
von
Nef
zum
asymptomatischen
Infektionsverlauf
der
Affen-
Immundefizienzviren in ihren natürlichen Wirten beitragen.
Zur funktionellen Analyse wurden nef-Allele von verschiedenen Gruppen der
Lentiviren in das HIV-1 NL4-3 nef-IRES-eGFP (HIV-1 NIG) Virus kloniert (Tabelle 1).
Dieses Virusisolat ist gut charakterisiert und wird weltweit als Standard zur Infektion von
Zelllinien und Primärzellen mit HIV-1 genutzt. Über ein einkloniertes IRES-Element wird
eGFP zusammen mit Nef von einer bicistronischen mRNA koexprimiert. Dadurch erlaubt
dieses System die einfache Identifikation infizierter Zellen über Expression von GFP und
ermöglicht die Korrelation der Nef-Expression mit der Modulation zellulärer Faktoren oder
apoptotischer Marker (Schindler et al., 2003; Schindler et al., 2005). Die Viren sind mit
Ausnahme der unterschiedlichen nef-Allele isogen und exprimieren alle viralen Proteine
im physiologischen Kontext unter Kontrolle des LTR-Promoters und der natürlichen
Spleißstellen. Damit hat dieses System einen Vorteil gegenüber den bisher gebräuchlichen
Expressionsplasmiden, die Nef unter artifiziellen Bedingungen überexprimieren. Zur
Standardisierung der Infektion und um die Analyse infizierter Zellen im FACS zu
erleichtern, wurden Viruspartikel mit dem Hüllprotein des Vesikulären Stomatitisvirus
7. DISKUSSION
46
pseudotypisiert. Dies erlaubt die Infektion von Zielzellen unter Umgehung des Nefvermittelten Einflusses auf die Infektiosität, jedoch ohne Auswirkung auf die Modulation
zellulärer Faktoren durch Nef. Da die Viren funktionelles HIV-1 Hüllprotein exprimieren,
kann nach der Primärinfektion die normale Virusreplikation erfolgen.
Alle 30 Nefs modulieren effizient CD4 und MHC-I von der Oberfläche infizierter
Jurkat T-Zellen herab. Dies zeigt, dass die HIV-1 NIG-Varianten funktionelles Nef
exprimieren und die Herabregulierung des primären Virusrezeptors CD4 und MHC-I
konservierte Funktionen der untersuchten lentiviralen Nef Proteine sind. HIV-1, SIVcpz,
sowie Nefs aus SIVgsn/mus/mon sind im Gegensatz zu HIV-2 und allen anderen SIV nefAllelen inaktiv in der Herabregulierung von TCR-CD3 (Tabelle 1 und Abbildung 4).
Ausgehend von diesem Befund können zwei Gruppen von nef-Allelen definiert werden.
Gruppe 1 nef-Allele modulieren CD3 nicht. Dazu gehören Nefs aus HIV-1 M, N und O,
sowie alle SIVcpz und SIVgsn/mus/mon Nefs. Gruppe 2, zu der nef-Allele aus HIV-2 und
allen anderen untersuchten Lentiviren gehören, entfernen TCR-CD3 effizient von der
Oberfläche infizierter Zellen. Die weitere funktionelle Analyse der Herabregulierung von
CD28 durch Nef zeigt ein differenzierteres Bild. Hierbei findet sich kein „alles oder
nichts“-Phänotyp wie bei der Modulation von TCR-CD3. Vielmehr sind Gruppe 1 Nefs
eher schwach aktiv in der Herabregulierung von CD28, während Gruppe 2 Nefs auch
diesen T-Zellrezeptor-Bestandteil hoch effizient von der Oberfläche infizierter Zellen
herabregulieren (Tabelle 1 und Abbildung 4). Die quantitative Analyse bestätigt, dass auch
dieser Unterschied in der Modulation von CD28 hochsignifikant ist.
Elisabeth Bailes von der Universität Nottingham (England) stellte uns
phylogenetische Analysen der beiden untersuchten Gruppen lentiviraler Nef-Proteine zur
Verfügung (Abbildung 20). Auf Basis des erstellten Stammbaums zeigte sich, dass NefProteine die CD3 nicht herabregulieren (Gruppe 1), oder dieses aktiv von der
Zelloberfläche entfernen (Gruppe 2) auch phylogenetische Gruppen bilden (Abbildung 20).
Zur Gruppe 1 gehören HIV-1 und SIVcpz. Da HIV-1 aus der akzidentialen Transmission
von SIVcpz in die menschliche Population entstand, sind diese Viren phylogenetisch eng
verwandt und teilen auch funktionelle Aspekte (Hahn et al., 2000; Kirchhoff et al., 2004).
7. DISKUSSION
47
Abb. 20: Stammbaum der analysierten
Nef-Proteine. Evolution von Nef auf Basis
eines
Homologievergleichs
der
Amino-
säuresequenz. Die Skala steht für jeweils 0,2
Austausche pro Aminosäure. Zahlen über den
Ästen zeigen die prozentuale statistische
Signifikanz der Verzweigung an. Nur Werte
über 95% sind angegeben. Gruppe 1 Nefs
sind rot dargestellt, Gruppe 2 Nefs schwarz.
Nur Viren der Gruppe 1 tragen einen vpuORF in ihrem Genom.
Am nächsten verwandt zu SIVcpz-Nef ist das Nef-Protein aus SIVrcm, welches zur
Gruppe 2 gehört und aktiv in der Herabregulierung von CD3 ist. Der scheinbare
Widerspruch erklärt sich im Ursprung von SIVcpz. Dieses entstand aus der Rekombination
zweier Affen-Immundefizienziviren im Schimpansen (Bailes et al., 2003). Dabei handelt
es sich um Vorläufer von SIVrcm und SIVgsn. Das nach der Rekombination entstandene
Virus resultierte im 5´ Bereich einschließlich der Gene gag und pol aus dem
Vorläufervirus von SIVrcm und im 3´ Bereich des env Gens aus dem Virus, welches später
zu SIVgsn führte (Bailes et al., 2003). Dies bedeutet, dass Nef im rekombinanten Virus aus
SIVrcm stammt und somit zunächst zur Herabregulierung von TCR-CD3 fähig war. Da
jedoch das mit SIVrcm Nef eng verwandte SIVcpz diese Funktion verloren hat, müssen
Eigenschaften des rekombinierten Virus die Modulation von TCR-CD3 evolutiv
überflüssig gemacht haben. Nef aus dem zweiten Virus des rekombinanten Ursprungs von
SIVcpz ist SIVgsn (Abbildung 20). Dieses Nef ist inaktiv in der Modulation von CD3 und
formt eine eigenständige phylogenetische Gruppe mit SIVmon und SIVmus, deren nefAllele ebenfalls inaktiv in der Modulation von CD3 sind. Erstaunlicher Weise kodiert das
7. DISKUSSION
48
Genom aller Gruppe 1 Viren für ein vpu-Gen, während Gruppe 2 Viren keinen vpuLeserahmen in ihrem Genom haben. Dies könnte bedeuten, dass ein funktionelles Vpu die
Modulation von TCR-CD3 durch Nef evolutiv obsolet gemacht hat. In der Evolution der
Lentiviren ist die Modulation von TCR-CD3 durch Nef bisher zweimal unabhängig
voneinander verloren gegangen. Die Viren der Klade SIVgsn/mus/mon kodieren für ein
Vpu-Protein und besitzen nef-Allele, die inaktiv in der Modulation von CD3 sind. Ein
zweites Mal muss CD3 Herabregulierung durch Nef im rekombinanten SIVcpz Virus
verloren gegangen sein, das Vorläufervirus von HIV-1. HIV-2 entstammt der akzidentialen
Übertragung eines Affen-Immundefizienzvirus der Rauchgrauen Mangaben (SIVsmm) auf
den Menschen (Hirsch et al., 1989). Auch SIVmac239, das Virus welches im Tiermodell
bei der Infektion von Rhesusmakaken gut charakterisiert ist, stammt ursprünglich von
SIVsmm ab (Daniel et al., 1985). Zusammenfassend zeigen die phylogenetischen Daten in
Abbildung 20, dass während der Evolution der Lentiviren die Herabregulierung von CD3
durch Nef zweimal unabhängig voneinander verloren ging und in diesen Viren ein vpuLeserahmen entstand.
Mehrere Studien haben einen positiven Einfluss von HIV-1 Nef auf die Aktivierung
infizierter T-Zellen postuliert (Fortin et al., 2004; Fenard et al., 2005; Review: Das und
Jameel, 2005). Im Rahmen dieser Doktorarbeit konnten die Daten für HIV-1 M Nef
bestätigt werden. Außerdem führen auch nef-Allele aus HIV-1 N und O sowie aus SIVcpz
und SIVgsn/mus/mon zur Hyperaktivierung infizierter Zellen nach T-Zellrezeptor
abhängiger Stimulation (Abbildung 6 und 7). Da die nef-Allele der Gruppe 2 TCR-CD3
effektiv von der Oberfläche infizierter Zellen entfernen, wurde überprüft, ob die
Expression von Gruppe 2 Nefs die Aktivierung über den T-Zellrezeptor blockiert. In
Jurkat-T-Zellen wird sowohl die NFAT-Promoteraktivität als auch die Expression des
frühen T-Zellaktivierungsmarkers CD69 durch die Nef-vermittelte Modulation des TCRCD3 inhibiert (Abbildung 8B). Die hohe Korrelation der CD3 Herabregulierung mit der
Blockierung der T-Zellaktivierung deutet darauf hin, dass beiden Vorgängen derselbe
Mechanismus zugrunde liegt (Abbildung 8B). Nicht nur nach Stimulation mit einer
mitogenen Substanz wie PHA kann die Blockierung der T-Zellaktivierung durch Nefvermittelte CD3 Herabregulierung nachgewiesen werden. Die Stimulation von Jurkat-TZellen mit anti-CD3/CD28 Kügelchen imitiert die Aktivierung von T-Zellen im
physiologischen Kontext mit Antigen präsentierenden Zellen (APC) (Trickett und Kwan,
2003). Analog zur Stimulation mit PHA blockiert Nef durch Herabregulierung von TCR-
7. DISKUSSION
49
CD3 die Aktivierung infizierter Zellen durch Koinkubation mit anti-CD3/CD28 Kügelchen
(Abbildung 7 und Abblidung 8A). Dies bedeutet, dass sich nef-Allele der Gruppe 1, die TZellen in einen hyperaktivierten Zustand versetzen, grundlegend von Gruppe 2 Nefs,
welche die Aktivierung infizierter Zellen blockieren, unterscheiden.
In vivo erfolgt die Aktivierung CD4+ T-Zellen durch die Interaktion des TCR-CD3
mit Peptid beladenem MHC-II einer APC und der Interaktion des kostimulatorischen
CD28 mit B7.1 oder B7.2. Wie in Abbildung 10A ersichtlich, regulieren Gruppe 2 Nefs
auch CD3 von der Oberfläche infizierter PBMCs herab. Dies erfolgt mit erstaunlicher
Effizienz und bei niedrigeren Nef-Expressionsleveln als in infizierten Jurkat Zellen
(Vergleich Abbildung 4 mit Abbildung 10A). Die Herabregulierung von TCR-CD3 durch
Nef hat auch in primären Blutlymphozyten die Blockierung der frühen und späten TZellaktivierung zur Folge (Abbildungen 10A, 12 und 16). Somit kann aufgrund der hier
präsentierten Daten postuliert werden, dass die Aktivierung infizierter Zellen in vivo durch
die Herabregulierung von CD3 durch Gruppe 2 Nefs effizient inhibiert wird, während
Gruppe 1 Nefs zur Hyperaktivierung infizierter Zellen führen.
In HIV-1 Infizierten befindet sich das Immunsystem während der chronischen
Phase der Infektion in erhöhtem Aktivierungszustand (Meyaard et al., 1992; Muro-Cacho
et al., 1995; Gougeon et al., 1996). Dieser lässt sich aus der Hyperaktivierung infizierter
Zellen per se ableiten. Mehrere Publikationen sowie die Daten dieser Doktorarbeit
bestätigen die Hyperaktivierung durch die Infektion mit HIV-1 (Fortin et al., 2004; Fenard
et al., 2005). Zwar ist die Anzahl an infizierten Zellen im peripheren Blut gering, jedoch ist
in vivo der Großteil der Lymphozyten im lymphatischen Gewebe infiziert (Review:
Brenchley et al., 2006). Dies versetzt das Immunsystem in einen permanent aktivierten
Zustand. Erhöhte T-Zellaktivierung korreliert mit der Induktion von Apoptose in
infizierten primären Blutlymphozyten (Abbildungen 10B, 14 und 16). Wird dieses
Szenario in die in vivo Situation transponiert, kann ein neues Modell zur Depletion CD4+
T-Zellen während der chronischen Phase der Infektion des Menschen mit HIV-1 postuliert
werden. So kommt es während der akuten Phase der Infektion durch die Hyperaktivierung
oder andere Virus-vermittelte Mechanismen zur massiven Eliminierung der infizierten
CD4+ Gedächtnis T-Zellen. Dies schädigt das Immunsystem dauerhaft durch den Verlust
eines Großteils seiner immunkompetenten Zellen. Im Verlauf der chronischen Infektion
entsteht eine Art Gleichgewicht zwischen T-Zelltod durch die Virusinfektion und
Neuproduktion von CD4+ T-Zellen, deren Verlust das Immunsystem auszugleichen
7. DISKUSSION
50
versucht. Demnach wäre die Progression zu AIDS im Lauf der chronischen Phase der
Infektion durch ein langsames, aber stetiges Verschieben dieses Gleichgewichts
gekennzeichnet, da das Immunsystem den Verlust an T-Zellen dauerhaft nicht mehr
auszugleichen vermag. Dieses Modell für die AIDS-Pathogenese steht nicht im Gegensatz
zum bisherigen kontrovers diskutierten Modell der „Bystander“-Apoptose (Finkel et al.,
1995) sondern ergänzt dieses entscheidend. Bisher ging man davon aus, dass die
kontinuierliche Depletion CD4+ T-Zellen nicht direkt durch die Virusinfektion erfolgt,
sondern dass vor allem nicht infizierte Zellen in direkter Nachbarschaft zu infizierten
Zellen,
sogenannte
„Bystander“-Zellen,
durch
Sekretion
von
Cytokinen
und
Virusproteinen eliminiert werden (Alimonti et al., 2003). Jedoch konnte man sich das
Ausmaß der CD4+ T-Zelldepletion durch „Bystander“-Apoptose alleine nicht ausreichend
erklären. Somit könnte ein weiterer Faktor der zur Depletion CD4+ T-Zellen führt, die
erhöhten Level der Immunaktivierung und der damit verbundene Zelltod in HIV-1
Infizierten sein. Diese Theorie ist auch konkordant mit Untersuchungen, die zeigen, dass
das Ausmaß der Immunaktivierung bei der Infektion des Menschen mit HIV mit der
Progression zu AIDS korreliert (Giorgi et al., 1999; Michel et al, 2000; Sousa et al., 2002).
Interessanter Weise progredieren dem aktuellen Wissensstand nach die natürlich
infizierten Wirte der Immundefizienzviren nicht zu AIDS (Hahn et al., 2000; Santiago et
al., 2002). Für den asymptomatischen Verlauf der natürlichen Infektion mit Lentiviren sind
sowohl Wirts- als auch Virusfaktoren entscheidend. Am Beispiel der Infektion des
Menschen mit HIV-2 ist dies leicht ersichtlich. So entwickeln Rauchgraue Mangaben, die
natürlichen Wirte von HIV-2, keine Immundefizienz (Silvestri et al., 2005), während die
experimentelle Infektion von Rhesusmakaken mit dem mit HIV-2 eng verwandten
SIVmac239 zum Tiermodell für die Untersuchung der AIDS-Pathogenese geworden ist
(Kestler et al., 1991). Im Menschen ist die Infektion mit HIV-2 gegenüber HIV-1 attenuiert
und die Dauer bis zur Progression von AIDS ist wesentlich länger (Marlink et al., 1988;
Pepin et al., 1991; Michel et al., 2000). Somit unterscheidet sich der Infektionsverlauf
desselben Virus in drei unterschiedlichen Wirten grundlegend. Allerdings sind auch
Virusfaktoren wichtig, da HIV-1 im gleichen Wirt - dem Menschen - wesentlich
pathogener als HIV-2 ist. Während der AIDS-Pathogenese korreliert die Immunaktivierung
mit dem Krankheitsverlauf (Giorgi et al., 1999; Michel et al, 2000; Sousa et al., 2002).
Auch
das
Ausmaß
der
Immunaktivierung
in
den
natürlichen
Wirten
der
Immundefizienzviren ist trotz hoher Virustiter niedrig und der Infektionsverlauf ist
7. DISKUSSION
51
asymptomatisch. Die Daten dieser Doktorarbeit zeigen, dass Nef durch die Modulation von
CD3 die Aktivierung und Apoptose infizierter Zellen drastisch hemmt. Außerdem sind
primäre Nefs aus SIVsm-infizierten Mangaben mit niedrigen CD4+ T-Zellzahlen defekt
oder attenuiert in der Herabregulierung von TCR-CD3 (Abbildung 17). Demzufolge kann
postuliert werden, dass Nef in den natürlichen Wirten der Immundefizienzviren durch die
Modulation von CD3 zur Entstehung eines asymptomatischen Infektionsverlaufes beiträgt.
Während die Virusproduktion durch die Herabregulierung von CD3 und damit assoziierte
Blockierung der T-Zellaktivierung durch Nefs der Gruppe 2 in infizierten Zellen attenuiert
ist (Abbildungen 18 und 19), ist die Überlebensrate dieser Zellen deutlich erhöht
(Abbildung 14A und B). Dies erklärt das Erreichen hoher Virustiter in asymptomatischen
SIV-Infektionen ohne erhöhte T-Zellaktivierung und Apoptose. Somit wäre Nef im
Kontext eines intakten Immunsystems in den natürlichen Wirten der Immundefizienzviren
vielmehr ein Persistenz– als ein Pathogenesefaktor. Die Herabregulierung von CD3
verhindert die Hyperaktivierung infizierter Zellen. Dies erlaubt die Produktion von
Viruspartikeln auf einem niedrigen Level, ohne dass die infizerten Zellen absterben. Die
konservierte
Nef-Funktion
CD4-Herabregulierung
ermöglicht
die
produktive
Virusreplikation und MHC-I Modulation schützt die infizierte T-Zelle vor der Elimination
durch cytotoxische T-Lymphozyten des Wirts (Reviews: Wei et al., 2003; Das und Jameel,
2005).
Im Verlauf der Evolution der Lentiviren haben die Viren einen vpu-Leserahmen
entwickelt, deren Nef-Proteine CD3 nicht von der Oberfläche infizierter Zellen
herabregulieren. So tragen nur Viren, die nef-Allele der Gruppe 1 exprimieren, ein
funktionelles vpu-Gen. Eine wichtige Funktion von Vpu ist die Erhöhung der
Partikelfreisetzung aus infizierten Zellen (Review: Binette und Cohen, 2004).
Möglicherweise lag auf dieser Funktion ein starker Selektionsdruck, da nach dem Verlust
der Herabregulierung von CD3 durch Nef infizierte Zellen stark aktiviert wurden, mehr
Virus produzierten, aber durch den erhöhten Aktivierungszustand die Überlebenszeit der
infizierten Zellen verringert war.
Wie lässt sich allerdings die These, dass nach dem Verlust der Nef-vermittelten
Herabregulierung von CD3 die Infektion mit Lentiviren pathogen wurde, mit der
asymptomatischen Infektion von Schimpansen mit SIVcpz und anderen Affenspezies mit
SIVgsn/mus/mon vereinbaren? Diese Viren tragen nef-Allele, die CD3 nicht von der
Oberfläche infizierter Zellen herabregulieren. Ein entscheidender Hinweis liefert die
7. DISKUSSION
52
Beobachtung der Prävalenz dieser Viren in ihren Wirtsspezies. Während nur ca. 3-5% der
natürlichen Wirte von SIVgsn und SIVmus infiziert sind, tragen 50-90% der natürlichen
Wirte von SIVsmm und SIVagm das Virus in sich (Bibollet-Ruche et al., 2004; Aghokeng
et al., 2005). Auch die Prävalenz von SIVcpz ist weitaus geringer als von SIVsmm oder
SIVagm (Santiago et al., 2002; Santiago et al., 2003; Nerrienet et al., 2005). Dies könnte
bedeuten, dass die Fähigkeit dieser Viren, in ihren Wirtsspezies zu persistieren, weitaus
geringer ist, oder die Übertragung weit weniger effektiv ist. Auch könnte es schwierig sein,
infizierte symptomatische Träger dieser Viren zu finden, da die Tiere der Infektion schnell
zum Opfer fallen könnten, was ebenfalls die niedrige Prävalenz der SIVs, die nef-Allele
der Gruppe 1 tragen, in ihren natürlichen Wirten erklären würde. Ein weiteres interessantes
Detail ist die Tatsache, dass HIV-1 Nefs sowohl in der Modulation von CD3 inaktiv sind,
als auch das kostimulatorische CD28 in weitaus geringerem Maße herabregulieren als SIV
Nefs der Gruppe 1 (Tabelle 1 und Kirchhoff et al., 2004). Zur initialen T-Zellaktivierung
ist die Stimulation über CD3 ausreichend, wobei für das Aufrechterhalten des
Aktivierungszustands das kostimulatorische Signal über CD28 getriggert werden muss
(Riley et al., 2005). Dies könnte bedeuten, dass nach dem Speziestransfer von SIVcpz auf
den Menschen die Fähigkeit zur Blockierung der T-Zellaktivierung durch Nef noch weiter
reduziert war, was HIV-1 zu größerer Pathogenität im Menschen prädisponiert hat.
Allerdings muss die Relevanz dieses Unterschieds noch in weiteren Experimenten geklärt
werden.
Ein weiterer Kontrapunkt zur Relevanz der Nef-vermittelten CD3-Modulation für
die AIDS-Pathogenese scheint das Rhesusmakaken Tiermodell. Zur Infektion von
Rhesusmakaken wird der molekulare Klon SIVmac239 benutzt. SIVmac239 Nef ist aktiv
in der Herabregulierung von CD3. Da Rhesusmakaken nach der Inokulation mit
SIVmac239 im Zeitraum von ca. einem Jahr zu AIDS progredieren (Kestler et al., 1991),
scheint die Blockierung der T-Zellaktivierung durch Nef nicht ausreichend für die
Entwicklung eines asymptomatischen Phänotyps. Allerdings sind Rhesusmakaken
außergewöhnlich suszeptibel für die Entwicklung von AIDS und die natürlichen Wirte von
SIVmac239, die Rauchgrauen Mangaben, entwickeln keine Immundefizienz bei hoher
Prävalenz und hohen Virustitern (Silvestri et al., 2005). Dies zeigt sich auch bei der
experimentellen Infektion von Rauchgrauen Mangaben mit SIVmac239, in deren Verlauf
es nicht zur Entwicklung einer Immundefizienz in infizierten Tieren kommt (Kaur et al.,
1998; Silvestri et al., 2005). Neben Wirtsfaktoren, die klar mit entscheidend für die
7. DISKUSSION
53
Entwicklung von AIDS bei der Infektion mit Immundefizienzviren sind, zeigt sich jedoch
auch im Rhesusaffenmodell, dass die Nef-vermittelte Erhöhung der T-Zellaktivierung klar
die Pathogenität des Virus steigert (Du et al., 1995). Eine weitere Arbeit zeigt, dass
Rhesusaffen, die mit Viren infiziert sind, die selektiv aktiv in der Herabregulierung von
CD3 sind, niedrigere Virustiter entwickeln als mit nef-defekten Viren infizierte Tiere
(Münch et al., 2002). Diese Daten belegen, dass auch im Rhesusmakaken Tiermodell die
Herabregulierung von CD3 die Pathogenität des Virus abschwächt.
Zusammenfassend zeigen die hier präsentierten Daten, dass Nef in infizierten
primären Zellen durch die Herabregulierung von CD3 die T-Zellaktivierung und den
Zelltod blockiert und die virale Replikation attenuiert. Unabhängig hiervon sind andere
Nef-Funktionen wie Herabregulierung von CD4 und MHC-I zwischen nef-Allelen
verschiedenster Immundefizienzviren konserviert. Entscheidend für die in vivo Relevanz
der Modulation von TCR-CD3 durch Nef ist die Assoziation dieser Funktion mit stabilen
CD4+T-Zellzahlen in SIVsmm-infizierten Mangaben. Diese Daten beschreiben zum ersten
Mal
einen
Mechansimus,
wie
es
zur
niedrigen
Immunaktivierung
und
dem
asymptomatischen Infektionsverlauf der natürlichen Wirte der Immundefizienzviren
kommt. Außerdem ergeben sich wichtige Implikationen für die Pathogenität der Lentiviren
im Menschen und das Risiko einer weiteren Pandemie bei der Transmission anderer AffenImmundefizienzviren auf den Menschen. Das zu SIVsmm eng verwandte HIV-2 ist im
Menschen weit weniger pathogen als HIV-1 (Marlink et al., 1988; Pepin et al., 1991;
Michel et al., 2000) und enthält generell Nef, das CD3 moduliert (Münch et al., 2005).
Ausgehend von den Daten dieser Doktorarbeit und der Tatsache, dass die
Immunaktivierung in Infizierten direkt mit der Progression zu AIDS korreliert (Giorgi et
al., 1999; Michel et al, 2000; Sousa et al., 2002), kann gefolgert werden, dass Viren deren
Nef-Proteine CD3 nicht herabregulieren im Menschen hoch pathogen sind. Außerdem
könnte es ein neuer Therapieansatz sein, die hohe Immunaktivierung während der
Infektion mit HIV-1 zu unterdrücken, um den tödlichen Verlauf der HIV-1 Infektion in
eine chronische Viruserkrankung zu konvertieren.
8.ZUSAMMENFASSUNG
54
8. Zusammenfassung
Das Nef-Protein der Immundefizienzviren ermöglicht die effektive Persistenz von
HIV-1 im Menschen und trägt wesentlich zur Entwicklung von AIDS bei. Somit ist Nef
ein wichtiger Pathogenesefaktor. Mittlerweile wurden in über 30 Primatenarten Lentiviren
gefunden, die mit HIV-1 verwandt sind und ebenfalls einen nef-Leserahmen in ihrem
Genom tragen. Obwohl diese als Immundefizienzviren bezeichnet werden, verursachen die
Affen-Lentiviren in ihren natürlichen Wirten anscheinend kein AIDS. In der vorliegenden
Promotionsarbeit sollten nef-Allele verschiedener Gruppen der Immundefizienzviren
funktionell charakterisiert werden, um zu klären, ob Unterschiede in der Funktion von Nef
zum asymptomatischen Infektionsverlauf in den natürlichen Affenwirten der Immundefizienzviren beitragen.
Hierzu wurden 30 nef-Allele verschiedener Lentiviren in einen proviralen, auf HIV1 basierenden Vektor kloniert, der Nef und eGFP von einer bicistronischen mRNA
exprimiert. FACS Analysen infizierter T-Zellen zeigten, dass alle Nef-Proteine effizient
MHC-I und CD4 herabregulieren. Allerdings zeigten sich grundsätzliche Unterschiede in
der Modulation des CD3 Moleküls, einem essentiellen Bestandteil des T-ZellrezeptorKomplexes (TCR): nef-Allele von HIV-1 und dessen evolutiven Vorläufern waren nicht in
der Lage, TCR-CD3 von der Oberfläche infizierter Zellen zu entfernen (Gruppe 1),
während die nef-Allele aller übriger Lentiviren diesen Rezeptor mit hoher Effizienz
herabregulierten (Gruppe 2). Des Weiteren zeigte sich, dass Gruppe 2 Nefs auch
signifikant aktiver in der Modulation des bei der T-Zellaktivierung kostimulatorischen
CD28-Moleküls waren. Die Expression von Gruppe 2 Nefs in Jurkat-T-Zellen und
primären Blutlymphozyten führte nach Stimulation zur Blockierung der T-Zellaktivierung
und hemmte den aktivierungs-induzierten Zelltod. Experimente mit Nef-Mutanten, die
selektiv aktiv oder defekt in der Modulation von TCR-CD3 sind, bestätigten, dass die Nefvermittelte CD3 Modulation für die Blockierung der T-Zellaktivierung und Apoptose
essentiell ist. Um die mögliche Bedeutung der CD3-Herabregulierung in vivo
abzuschätzen, wurden nef-Allele aus SIV-infizierten Mangaben untersucht, die
unterschiedliche CD4+ T-Zellzahlen aufwiesen. Hierbei zeigte sich, dass nef-Allele aus
Tieren mit niedrigen CD4+ T-Zellzahlen TCR-CD3 nur schwach herabregulieren konnten.
Dies bedeutet, dass Nef-vermittelte TCR-CD3 Herabregulierung in vivo für infizierte
Zellen von Vorteil ist, da diese vor Hyperaktivierung und Apoptose geschützt werden.
8.ZUSAMMENFASSUNG
55
Zusammengefasst zeigen die Ergebnisse dieser Promotionsarbeit, dass alle nefAllele CD4 und MHC-I von der Zelloberfläche herabregulieren und es dadurch den
Immundefizienzviren ermöglichen, der Immunantwort im jeweiligen Wirt zu entgehen und
effektiv zu persistieren. Zusätzlich verhindern oder reduzieren die Nef-Proteine der
meisten Lentiviren die Schädigung des Immunsystems dadurch, dass sie TCR-CD3
herabregulieren und so die T-Zellaktivierung und Apoptose hemmen. Diese Nef-Funktion
ging während der Evolution zu HIV-1 verloren. Dies ist wahrscheinlich ein wesentlicher
Grund für die Hyperaktivierung des Immunsystems bei HIV-1 Infizierten, die direkt mit
der Progression zu AIDS korreliert. Somit wird HIV-1 Nef zu Recht als Pathogenesefaktor
angesehen, während es in natürlich infizierten Primaten zusätzlich eine Schutzfunktion
ausübt und die Replikation des Virus im Kontext eines intakten Immunsystems ermöglicht.
Die Daten dieser Doktorarbeit könnten somit erstmals erklären, warum natürlich mit
Immundefizienzviren infizierte Primaten trotz hoher Virusbeladung keine Immunschwäche
entwickeln, die Infektion des Menschen mit HIV-1 jedoch zur weltweiten AIDS-Pandemie
geführt hat.
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