Applikation von Medikamenten

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Applikation von Medikamenten
Grundsätze:
- Orale Medikation (Tabletten, Kapseln, Dragees, Tropfen) ist den anderen
Verabreichungsformen immer vorzuziehen
- 5-R-Regel:
1.
1.
2.
3.
4.
5.
Richtiger Patient
Richtiges Medikament (inkl. Überprüfung auf Haltbarkeit mit Sichtkontrolle)
Richtige Dosis
Richtige Applikationsform
Richtiger Zeitpunkt
- Arztanordnung und Angaben des Herstellers beachten
Indikation zur Verabreichung über PEG
-
Dysphagie (Schluckstörung)
Bewusstlosigkeit
Schwäche
psychischen Störungen (z.B. anorexia nervosa)
Bei der Applikation von Medikamenten über die Sonde muss stets beachtet werden:
- Darf dieses Medikament zerteilt werden?
- Darf dieses Medikament gemörsert / zermahlen werden?
- Darf die Kapsel eröffnet werden, um den Inhalt direkt über die Sonde zu verabreichen?
- Was haben Medikamentenüberzüge für einen Sinn?
- Welche Medikamente dürfen nur einzeln und welche vermischt verabreicht werden?
- Was für Wechselwirkungen haben Medikamente mit der Sondenkost und mit anderen
Medikamenten?
- Wie verändert sich beim Zermahlen / Mörsern die Pharmakokinetik bzw. die Wirkung des
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Arzneimittels?
Cave: Produktinformation des Herstellers beachten !
Unsachgemäße Verabreichung bringt viele Risiken mit sich und kann zu gravierenden
Komplikationen führen, wie z.B.:
-
Zerstörung von Wirkstoffen
Wirkungsverlust
Abgeschwächte Wirkung
Verstärkte Wirkung -> Intoxikationsgefahr!!!
Verstopfung der Sondenleitung -> Nährboden für Keime -> Infektionsgefahr!!!
Vorbereitung zur Medikamentenapplikation
-
Information über das zu verabreichende Medikament
20 ml Spritze, ggf. Adapter
Stethoskop und NaCl 0,9%
Keramikmörser und Arzneimittel
Durchführung der Medikamentenapplikation
-
Hände waschen und desinfizieren
Auf die richtige Positionierung des Patienten achten (30° Oberkörperhochlagerung)
Medikament vorbereiten (aufquellen lassen, in Wasser auflösen, mörsern, etc.)
Sonde mit min. 5 ml über das T-Stück oder direkt über den Sondenanschluss vorspülen
- Aufziehen des in Wasser verdünnten Medikamentes. Spritze luftleer machen um
unnötiges Völlegefühl zu vermeiden
- Langsame Applikation des Medikamentes über die PEG, dabei auf Verträglichkeit
achten. Klagt der Patient während der Applikation über Schmerzen (bei somnolenten Patienten
auf Mimik und Gestik achten !), Gabe sofort unterbrechen und Arzt informieren.
- Bei der Verabreichung von mehreren Medikamenten sollte die Sonde nach jeder
Medikamentenapplikation mit mindestens 5 ml Wasser oder NaCl 0,9% durchgespült werden,
um Verstopfungen des Leitungssystems beziehungsweise der Magensonde zu vermeiden .
-
Nach Gabe des letzten Medikaments die PEG mit 10 – 20 ml NaCl 0,9% durchspülen
Gründliche Reinigung des benutzten Mörsers
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Cave: Die PEG – Leitung muss vor Medikamentengabe frei von Sondenkost sein um eine
Ausflockung und somit eine Verstopfung zu vermeiden.
Besonderheiten bei Medikamenten
-
Medikamente müssen je nach Präparat zerkleinert, aufgelöst, oder verdünnt werden.
Medikamente nie mit Sondenkost vermischen, es könnten folgende Probleme auftreten:
1. Bioverfügbarkeit kann verändert werden.
2. Verstopfungsgefahr der Sonde durch Proteingerinnung oder Viskositätsveränderung der
Sondenkost.
3. Mikrobielle Kontamination.
- Feste Arzneimittelformen erst unmittelbar vor der Gabe zerkleinern (Herstellerhinweise
diesbezüglich beachten!).
- Zwischen Medikament und der Nahrung können Wechselwirkungen auftreten.
- Verminderte Resorption des Wirkstoffes, deshalb bestimmte Medikamente nur nüchtern
geben, z.B. L-Thyrpoin, Phenytoin, Pludoxacillin.
- Stoffwechselentgleisungen, z.B. bei Medikamenten mit definierter Abhängigkeit zur
enteralen Ernährung, wie z.B. orale Antibiotika.
- Interaktionen: z.B. Chinolene Antazida, Eisen- und Zinkpräparate.
- Verminderte Wirkung, z.B. Sucralfat sollte mindestens 1 Stunde Zeitabstand vor/nach
Nahrungsgabe appliziert werden.
Besondere Arzneiformen:
- Weichgelatinekapseln entweder anstechen und den Inhalt mit einer Spritze portionieren
oder die ganze Kapsel in warmem Wasser lösen, bei Bedarf die Reste der Kapselhülle
entfernen und die Lösung über Sonde geben.
- Bei magensaftresistenten Arzneiformen dient der Überzug entweder dem Schutz des
Patienten vor lokalen Nebenwirkungen oder der Wirkstoff darf nicht mit Magensaft in Kontakt
kommen, weil er in saurem Milieu inaktiviert wird; für solche Präparate gelten spezielle
Applikationshinweise (siehe Herstellerangaben).
- Retardformen sind nur selten für Sondengabe geeignet, da es nach Zerkleinerung häufig
zu überhöhter Initialdosis, später zu subtherapeutischen Spiegeln kommt. Da unterschiedliche
Retardierungsprinzipien existieren, muss jedes Retardpräparat gesondert beurteilt werden. Als
Alternative können häufig unretardierte Arzneiformen des gleichen Wirkstoffs in geringerer
Dosis und kürzeren Zeitabständen verabreicht werden. Werden Retardpräparate über die
Sonde verabreicht, soll zügig gearbeitet und anschließend besonders sorgfältig gespült werden,
da viele Hilfsstoffe von Retardarzneimitteln stark quellen.
- Bei Buccaltabletten und Sublingualtabletten reicht die enterale Resorption nicht aus,
Gefahr der Unterdosierung. Diese daher nicht mörsern und nicht über Sonde geben. Sie bietet
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aber eine gute Alternative zur Sondenapplikation, wenn die Mundschleimhaut intakt und der
Patient wach/kooperativ ist.
Schutzmaßnahmen:
Einige Arzneistoffe besitzen mutagene, cancerogene, teratogene Eigenschaften. Dazu zählen
unter anderem Zytostatika, Virostastika, Immunsuppressiva und Hormone. Für die Person, die
das Präparat bearbeitet, besteht die Möglichkeit einer Kontamination mit Stäuben der
Wirkstoffe!
Bei den übrigen Wirkstoffen sollen bevorzugt flüssige Darreichungsformen zum Einsatz
kommen. Falls keine flüssige Arzneiform zur Verfügung steht, müssen beim Zerkleinern
Handschuhe und Mundschutz getragen werden.
Schwangere und stillende Frauen sollten diese Arzneiformen nicht handhaben. Keine
Zerkleinerung in der Nähe von Lebensmitteln und/oder Körperpflegeprodukten.
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