INFORMATION zur Pressekonferenz mit Landesrat Rudi Anschober Ass. Prof. Dr. Herbert Formayer, BOKU Wien, Institut für Meteorologie Mag. Stefan Oitzl, Abt. Umweltschutz, Amt der Oö. Landesregierung 27. Juli 2015 zum Thema Studie „Klimaszenarien für das 21.Jahrhundert in OÖ“ belegt: Linz liegt bald in Südspanien! Wenn wir jetzt nichts tun, drohen uns gegen Ende des Jahrhunderts bis zu 100 Hitzetage jährlich LR Anschober, Prof. Dr. Herbert Formayer Seite 1 Neue Studie „Klimaszenarien für das 21.Jahrhundert in OÖ“ belegt: Linz liegt bald in Südspanien! Wenn wir jetzt nichts tun, drohen uns gegen Ende des Jahrhunderts bis zu 100 Hitzetage jährlich Welche konkreten Auswirkungen hat der globale Klimawandel auf Oberösterreich? Wie verändern sich Temperatur und Niederschlagsmenge in den nächsten Jahrzehnten? Um ein greifbares Bild zeichnen zu können, hat das Oö. Umweltressort von Landesrat Rudi Anschober bei der Universität für Bodenkultur die Berechnung der möglichen Auswirkungen des Klimawandels in OÖ beauftragt. Die nun vorliegende Studie zeigt, dass massive Klimaveränderungen, höhere Temperaturen und viel mehr Hitzetage nicht mehr zu stoppen sind. Sie zeigt aber auch, dass wir mit dem Klimaschutz der nächsten Jahre ganz wesentlich über das Ausmaß der Klimakrise und damit über die Lebensqualität der nächsten Generationen entscheiden. Alarmierend: Sogar in den kühlsten, positivsten Klimaszenarien – wenn wir wirklich konsequent Klimaschutz betreiben und die CO2-Emissionen dramatisch senken – wird es zu einem weiteren deutlichen Anstieg der Temperatur in Oberösterreich kommen. Werden jetzt keine Maßnahmen gegen den fortschreitenden Klimawandel gesetzt und wird weiterhin mit Öl, Kohle und Gas Energie erzeugt, treten die extremen Szenarien auf: Ende des 21. Jahrhunderts hätten wir dann völlig andere klimatologische Verhältnisse als heute. Mitteltemperaturen in OÖ könnten um 6,5 Grad Celsius, steigen, in Linz auf 16 Grad Celsius – wie heute etwa in Südspanien – mit enormen Auswirkungen auf Natur und Wirtschaft. Die Hitzetage mit über 30°Celsius könnten sich von aktuell 10 auf rund 100 Tage in Linz verzehnfachen – mit Belastungen für Mensch, Tier, Umwelt, Materialien. Trockenperioden könnten im Extremfall bis 25% zunehmen. LR Anschober: „An niemandem in Oberösterreich sind die vergangenen Wochen enormer Hitze spurlos vorbei gegangen. Glühend heiße Tage mit teils Pressekonferenz 27. Juli 2015 LR Anschober, Prof. Dr. Herbert Formayer Seite 2 kaum merklicher nächtlicher Abkühlung haben ihre Spuren hinterlassen. Gleichermaßen haben viele Menschen sich die Frage gestellt, ob das denn nun immer so weitergeht wie in den vergangenen 15 Jahren, in denen man eine Verschiebung der Jahreszeiten und eine Zunahme der Extremwettereignisse massiv – zumindest subjektiv – wahrzunehmen begann. Um dies zu beantworten, hat das Umweltressort die vorliegende Analyse möglicher Szenarien bis zum Ende dieses Jahrhunderts in Auftrag gegeben. Es wird weiter wärmer – das schlimmste zu verhindern ist noch möglich, aber nur wenn jetzt weltweit gehandelt wird. Die Weltklimakonferenz in Paris im Dezember ist die letzte Chance für den Durchbruch für weltweiten gemeinsamen Klimaschutz – sie entscheidet über zig Millionen Klimaflüchtlinge, die Lebensqualität in unserem Land – und über die Zukunftschancen unserer Welt. Ich bereitet eine Initiative für Paris gemeinsam mit anderen Regionen vor. Und kann beweisen: Klimaschutz kann auch in Industrieregionen wirtschaftlich erfolgreich umgesetzt werden. Die Welt muss handeln, denn beim Klimaschutz geht es um alles. Die neuen Klimaprognosen werden vom Umweltressort außerdem für ein Präzisieren der Klimaanpassungsstrategien verwendet.“ Umwelt-Landesrat Anschober setzt daher auf eine Mehrfachstrategie: 1. Volle Kraft für den Klimaschutz: Oberösterreich beweist, dass Klimaschutz auch an einem Industriestandort wirtschaftlich sinnvoll umsetzbar ist. Durch das Schlüsselprojekt des Klimaschutzes – die Oö. Energiewende, die durch Anschober 2005 eingeläutet wurde – werden alleine in Oberösterreich heute pro Jahr 8 Mio. Tonnen CO2-Emission eingespart. Davon profitieren wir auch wirtschaftlich. 2. Energiewende: mit 40-60-80 auf dem Weg zu 100 Prozent: Bereits 40% des Gesamtenergieverbrauchs (inkl. Verkehr) stammen in OÖ aus erneuerbaren Quellen – 60% des Oö. Wärmeverbrauchs ist erneuerbar – mehr als 80% unseres Stroms stammt aus erneuerbaren Quellen; genauso gehen wir unseren Weg weiter, hin zu 100% Strom und Wärme aus erneuerbaren Quellen. 3. Große Anstrengungen für die Klimaanpassung: Bereits absehbare und nicht mehr zu verhindernde Veränderungen sollen durch Vorsorge abgefedert werPressekonferenz 27. Juli 2015 LR Anschober, Prof. Dr. Herbert Formayer Seite 3 den. Dazu zählen die Investitionen von rd. 777 Mio. € in den Hochwasserschutz, verbesserte Wasserversorgung uvam. Oberösterreich besitzt eine eigene Anpassungsstrategie, die schrittweise umgesetzt und nun auf Basis der neuen Klimaforschungsergebnisse präzisiert wird. Zur Anpassungsstrategie zählt unter anderem das Hochwasserschutzprogramm, die verbesserte Absicherung der Wasserversorgung, aber auch ein neuer Wohnbau, der auf hohe energetische Standards setzt, um Energie, Betriebskosten und CO2 einzusparen aber gleichzeitig auch besseren Hitzeschutz darstellen. Neue Studie: Klimaszenarien für das 21. Jahrhundert für Oberösterreich“ Die angenommenen Szenarien Aus einem Ensemble an Szenarien wurden zur Veranschaulichung jene mit dem größten, dem niedrigsten und dem mittleren Klimaänderungssignal ausgewählt. Bei den Szenarien mit dem niedrigsten Klimaänderungssignal wird davon ausgegangen, dass sehr bald weltweit emissionsreduzierende Maßnahmen umgesetzt werden und sich die Treibhausgaskonzentration bis zum Ende des Jahrhunderts stabilisiert. Das weltweite Zweigradziel wird jedoch auch bei diesem Emissionsszenario verfehlt. Bei den mittleren Szenarien geht man von einem weiteren starken Anstieg der Emissionen bis zur Mitte des Jahrhunderts aus und erst danach beginnen die Emissionen langsam zu sinken. Die Szenarien mit dem stärksten Klimaänderungssignal unterstellen, dass keine nennenswerten Klimaschutzmaßnahmen durch den Menschen unternommen werden und die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas eine wichtige Energiequelle bis weit in die zweite Hälfte des Jahrhunderts bleibt. Pressekonferenz 27. Juli 2015 LR Anschober, Prof. Dr. Herbert Formayer Seite 4 Auswirkungen des Klimawandels auf Oberösterreich 1. Die Mitteltemperatur steigt massiv an Die Jahresmitteltemperatur beträgt derzeit in den wärmsten Regionen Oberösterreichs knapp unter 10 °C. Mit der Seehöhe nimmt die Jahresmitteltemperatur in etwa um 5 °C pro 1000 Höhenmeter ab und beträgt am Feuerkogel auf 1680 m 3,3 °C und am Krippenstein in 2050 m 1,2 °C. Alle Szenarien zeigen für Oberösterreich eine kontinuierliche Erwärmung. Bis 2030 steigt die Jahresmitteltemperatur im mittleren Szenario um etwas mehr als 1 °C an. Bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts beträgt diese in den mittleren Szenarien etwas mehr als 2 °C im Vergleich zu heute und bis zum Ende rund 3,5 °C. Im Raum Linz steigt damit die Jahresmitteltemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts auf über 13 °C und ist dann in etwa so warm wie derzeit der Raum Mailand. In den extrem warmen Szenarien wird diese Erwärmung bereits Mitte des Jahrhunderts erreicht und am Ende des Jahrhunderts mehr als 6 °C, im Sommer sogar bis zu 9 °C. Abbildung 1: Entwicklung der Jahresmittel-, Winter- und Sommertemperatur in Oberösterreich im Verlauf des 21. Jahrhunderts in Lagen unter 500 m Seehöhe. (c) BOKU Wien Bandbreite der möglichen Entwicklung Bis 2030 beträgt die Zunahme der Jahresmitteltemperatur beim kühlsten Szenario etwa 0,5 °C, im mittleren Szenario etwa 1,1 °C und im wärmsten Szenario rund 2,4 °C. Bis 2050 steigt die Jahresmitteltempe- Pressekonferenz 27. Juli 2015 LR Anschober, Prof. Dr. Herbert Formayer Seite 5 ratur im kühlsten Szenario um 1,2 °C, im mittleren Szenario um 2,2 °C und im wärmsten Szenario sogar um 3,8 °C und ist damit wärmer als das mittlere Szenario am Ende des Jahrhunderts. Am Ende des Jahrhunderts sind die Unterschiede zwischen den Szenarien am höchsten. Im kühlsten Szenario kommt es zu einer Erwärmung von 1,7 °C, beim mittleren Szenario um 3,5 °C und beim Extremszenario sogar um 6,5 °C. Für den Raum Linz würde dies Jahresmitteltemperaturen über 16 °C bedeuten. Derartige Werte kommen derzeit in Europa nur in Sizilien und im Süden Spaniens und Portugal vor. (c) Land OÖ/ Daten BOKU Wien Wirkung des mittleren Temperaturanstieges Der Anstieg der mittleren Temperatur hat vielfältige natürliche Auswirkungen und beeinflusst daher viele Wirtschaftssektoren. Hier einige Wirkfaktoren: Heiz- und Kühlbedarf (Energieversorgung, Bau) Länge der Vegetationsperiode (Land- und Forstwirtschaft, Ökosysteme) Pressekonferenz 27. Juli 2015 LR Anschober, Prof. Dr. Herbert Formayer Seite 6 Schneefallgrenze und Schneeschmelze (Tourismus, Land- und Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft) Wassertemperatur (Lebewesen in Seen und Flüssen, Tourismus, Kühllast für Industrie und kalorische Kraftwerke) Ansiedlung von neuen Pflanzen und Tieren (Gesundheitssystem, Land- und Forstwirtschaft, Ökosysteme) Niederschlagsintensität bei Gewitter - Kleinräumige Schäden durch Gewitterböen, Überflutungen und Vermurungen. (Infrastruktur, Forstwirtschaft) 2. Hitzetage (Tagesmaximum mind. 30 °C) werden sich bis zu verzehnfachen In den oberösterreichischen Tieflagen (unter 500 m) werden derzeit im Mittel nur um die 5 Hitzetage, in den wärmsten Regionen knapp mehr als 10 Hitzetage erreicht. In den Gebirgsregionen nimmt die Häufigkeit mit der Seehöhe rasch ab. Bis 2030 werden in den Tieflagen großflächig mehr als 10 Hitzetage erreicht und in den wärmsten Regionen kommen bereits 18 Hitzetage vor. In allen Höhenstufen steigt die Anzahl der Hitzetage an. Um 2050 muss man im oberösterreichischen Zentralraum und entlang des Inns mit mehr als 20 Hitzetagen rechnen. Damit werden in etwa so viele Hitzetage im Mittel auftreten wie im Hitzesommer 2003 (Linz 23 Hitzetage). Selbst in den kühlen Regionen wie dem Hausruck oder dem Mühlviertel werden Werte erreicht wie wir sie derzeit nur von den wärmsten Regionen des Zentralraums kennen. Am Ende des 21. Jahrhundert werden in den wärmsten Regionen Oberösterreichs bis zu 50 Hitzetage im Mittel erreicht. Mehr als 30 Hitzetage werden in allen Tieflagen Oberösterreichs überschritten. Selbst in Höhenlagen um 1000 m muss man dann mit etwa 10 Hitzetagen pro Jahr rechnen. Pressekonferenz 27. Juli 2015 LR Anschober, Prof. Dr. Herbert Formayer Seite 7 (c) Land OÖ/ Daten BOKU Wien In den extrem warmen Szenarien werden derartige Werte aber bereits um 2050 erreicht und bis zum Ende des Jahrhunderts muss man in den Tieflagen mit einer Zunahme von mehr als 75 Hitzetagen rechnen. In Einzeljahren werden im Raum Linz sogar mehr als 100 Hitzetage auftreten können. Pressekonferenz 27. Juli 2015 LR Anschober, Prof. Dr. Herbert Formayer Seite 8 Abbildung 2 Veränderung der mittleren Anzahl an Hitzetagen für die Extremszenarien und das mittlere Szenario. (c) BOKU Wien Neben der Anzahl der Hitzetage wird aber auch der absolute Wert der Temperatur ansteigen. Werte über 40 °C werden immer häufiger auftreten und in der zweiten Jahrhunderthälfte können sogar Werte um die 45 °C vorkommen. Wirkung der Zunahme von Hitzetagen Hitzebelastung der Menschen (Stadt- und Raumplanung, Gesundheitssystem, Bau, …) Hitzebelastung von Tieren (Landwirtschaft, Ökosysteme) Pressekonferenz 27. Juli 2015 LR Anschober, Prof. Dr. Herbert Formayer Seite 9 Hitzebelastung von Pflanzen (Land- und Forstwirtschaft, Ökosysteme) Hitzebelastung von Materialien (Infrastruktur) Überlastung von Kühlsystemen (Gebäude, Kühlketten in der Logistik, Transport von Menschen und Gütern) 3. Trockenperioden (mind. 5 zusammenhängende Tagen ohne Niederschlag) Bei diesem Indikator wird nur das Sommerhalbjahr (April bis September) für die Berechnung herangezogen, da vor allem sommerliche Trockenperioden problematisch sein können. Im oberösterreichischen Zentralraum und Mühlviertel werden großflächig 60 bis 70 Trockenperiodentage pro Sommerhalbjahr erreicht. Im Hausruck liegen die Werte zwischen 50 und 60 Tagen und in den Bergen des Salzkammerguts werden lediglich Werte um 40 erreicht. Bei der Anzahl der sommerlichen Trockenperiodentage gibt es in den mittleren Szenarien bis 2030 eine schwache Abnahme von weniger als einem Tag. Bis 2050 zeigt sich eine Zunahme von mehr als vier Tagen und diese Zunahme bleibt bis zum Ende des Jahrhunderts in etwa konstant. Die feuchtesten Szenarien für das Sommerhalbjahr zeigen für das gesamte 21. Jahrhundert eine leichte Abnahme der Trockenperiodentage von rund vier Tagen. Die trockensten Szenarien zeigen hingegen eine deutliche Zunahme, die im Laufe des Jahrhunderts zunimmt. Bis zur Mitte des Jahrhunderts nehmen die Trockenperiodentage um acht zu und bis zum Ende des Jahrhunderts sogar um 17 Tage (25 % Zunahme!). Die Wirkung der Trockenperioden wird durch eine Wechselwirkung mit der Hitzebelastung erhöht. Es zeigt sich, dass alle Modelle, die im Sommerhalbjahr eine Niederschlagsabnahme und damit verbunden eine Zunahme der Trockenperiodentage haben, überdurchschnittlich warm sind. Dies hängt einerseits damit zusammen, dass im Sommer- Pressekonferenz 27. Juli 2015 LR Anschober, Prof. Dr. Herbert Formayer Seite 10 halbjahr niederschlagsfreie Tage meist auch Schönwettertage sind. Trockenperioden können aber auch die Hitzebelastung verstärken, wenn die Wiesen und Wälder zu wenig Wasser zum Verdunsten haben. Dann fehlt diese Verdunstungskühlung und höhere Maximumtemperaturen werden erreicht. Abbildung 3: Entwicklung der Anzahl der Tage in Trockenperioden von mindestens 5 Tagen Länge für die Extremszenarien und das mittlere Szenario. (C) BOKU Wien Wirkung der Zunahme von Trockenperiodentage Trockenstress von Pflanzen (Land- u. Forstwirtschaft, Ökosysteme) Niederwasserstände im Sommer (Wasserwirtschaft, Wasserkraftproduktion, Kühllast für Industrie und kalorische Kraftwerke) Pressekonferenz 27. Juli 2015 LR Anschober, Prof. Dr. Herbert Formayer Seite 11 Rückgang von Quellschüttungen (Trinkwasserversorgung) Wald- und Flurbrandgefahr (Land- und Forstwirtschaft, Infrastruktur) Maßnahmen in OÖ: Klimawandelanpassung Die im Juli 2013 beschlossene Oö. Klimawandel-Anpassungsstrategie ist die Basis für weiterführende Aktivitäten auf Landesebene. Wichtige Aktivitäten seither waren: Im Oö. Forschungsprogramm zur Klimawandel-Anpassung erfolgt 2014 zum dritten Mal eine Beteiligung im Programm StartClim. Konkret wird das Projekt SNORRE der ZAMG unterstützt: Das Ziel von SNORRE ist die Entwicklung eines Konzepts für die Erstellung und Betreuung einer Datenplattform zu regionalen Extremwetterereignissen, mit deutlicher Öffentlichkeitswirksamkeit, die von institutionellen Akteur/innen (z.B. Einsatzorganisationen, Straßenmeistereien, Versicherungen, regionalen Behörden, etc.) und in weiterer Folge auch von der Öffentlichkeit mit Informationen gespeist werden soll. Eine Analyse bzw. die Verknüpfung sämtlicher eingepflegter Daten soll einen Mehrwert für alle, die bei der Bewältigung von extremen Wetterereignissen gefordert sind, darstellen. Die Datenplattform kann so bei der Optimierung von Rettungseinsätzen, der Bewusstseinsschaffung, der Vorbereitung auf und beim Schutz vor Extremereignissen helfen. Die der Datenplattform zugeordneten Funktionen, die weit über die ursächliche Funktion des Datenaustausches hinausgehen, sollen den aktiv informations-bereitstellenden Stakeholdern einen derartigen Gewinn bringen, der sie motiviert ihre Daten der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Für den Fachbereich Wasserwirtschaft wurde das Thema KlimawandelAnpassung systematisch untersucht und kürzlich als Ergebnis eine Studie abgeschlossen. Aufbauend auf die Studie „Darstellung der Ergebnisse Pressekonferenz 27. Juli 2015 LR Anschober, Prof. Dr. Herbert Formayer Seite 12 der klimarelevanten Studien in regionalisierter Form für die Wasserwirtschaft in Oberösterreich“ wurden für elf Regionen in Oberösterreich die Problemfelder analysiert und Maßnahmen vorgeschlagen, welche nun in die weitere strategische Arbeit in der Landesverwaltung berücksichtigt werden sollen. Oberösterreich Bemühungen zu länderübergreifenden Aktivitäten fruchteten im Jahr 2014 erstmals, z.B. mit dem Projekt Clairisa. CLAIRISA (Climate-Air-Information-System for Upper Austria) Die von der BOKU Wien erstellten Klimaszenarien für Oberösterreich sind auch Teil des Oö. Klimaatlas „CLAIRISA“ https://doris.ooe.gv.at/themen/umwelt/clairisa.aspx : Die Klimatographie (Bezugsperiode 1981 bis 2010) von Oberösterreich wird derzeit in einem mehrjährigen Projekt namens CLAIRISA überarbeitet und aktualisiert. Die Erstellung eines Klima-Luft-Informationssystems wurde in der Oö. Klimawandel-Anpassungsstrategie verankert – damit wird sichergestellt, dass wichtige Basisdaten über das aktuelle Klima sowie den Klimawandel zur Planung von Klimawandel-Anpassung zur Verfügung stehen. Digitale Klimakarten liefern eine detaillierte Information über die räumliche Verteilung eines Klimaelements und erlauben vielfältige weiterführende Anwendungen. Grundlage der farbigen Klimakarten bilden die meteorologischen Daten aus der Zeitperiode 1981-2010 aus einem flächendeckenden Netz von mehr als 200 Wetterstationen. Im mehrjährigen Gesamtkonzept sind alle klassischen Klimaparameter wie Lufttemperatur, Niederschlag, Sonnenscheindauer, Schnee usw. vorgesehen. Als erster Schritt, stehen die Basiskarten von Lufttemperatur, Niederschlag und Strahlung zur Verfügung. Es sind aber nicht immer nur die Klimadaten, die wertvolle Informationen über unser Klima liefern. Das Eis des Dachsteingletschers stellt ebenso ein wichtiges und vor allem spektakuläres Klimaarchiv dar. Pressekonferenz 27. Juli 2015 LR Anschober, Prof. Dr. Herbert Formayer Seite 13 Daher sind umfangreiche Informationen über den Dachsteingletscher in CLAIRISA unverzichtbar. Um Klima- und Luft-Immissionsschutz einer ganzheitlichen Betrachtungsweise unterziehen zu können, runden Luftgüteinformationen sowie jährlich emittierte Schadstoffmengen das derzeitige Klima-Luft-Informationssystem ab. OÖ Klimaschutzoffensive bringt auch neue Jobs! LR Anschober: "Es wird wohl niemand mehr bestreiten, dass das Wetter extremer wird und die Klimaveränderung eine wesentliche Ursache dafür ist. Die Studie für Oberösterreich zeigt dies nun ganz konkret auf. Wir brauchen daher einen Neubeginn der Klimaschutzpolitik - international und auch in Österreich. Klug verwirklicht, bringt eine echte Klimaschutzoffensive keine Wirtschaftsgefährdung, sondern neue Jobs - etwa durch den Pressekonferenz 27. Juli 2015 LR Anschober, Prof. Dr. Herbert Formayer Seite 14 Umbau der Energieerzeugung. Wir brauchen eine engagierte Klimaanpassung (durch Hochwasserschutz, Hitzeschutz und vieles andere mehr) UND eine engagierte Klimaschutzoffensive. Oberösterreich hat im Juli 2013 seine Anpassungsstrategie beschlossen und zeigt in wesentlichen Bereichen, wie Klimaschutz erfolgreich verwirklicht werden kann." Die oö. Klimabilanz 2014 zeigt trotz Ausbaus der industriellen Produktion im Industriebundesland Nummer 1 eine erfreuliche Abnahme der Emissionen seit 2005. Das belegt: Ambitionierter Klimaschutz ist auch in erfolgreichen Industrieregionen möglich, die oö. Energiewende wirkt sich bereits sehr positiv aus. Die vielen kleinen Klimaschutzmaßnahmen der tausenden Engagierten im Klimabündnis wirken. Hauptverantwortlich für die Emissionsabnahme sind die Sektoren Raumwärme (minus ein Drittel) und Energieversorgung (minus ein Viertel). Aber auch die Emissionen aus dem Verkehr und die spezifischen Emissionen pro industrieller Produktionseinheit sinken. OÖ Positivbeispiel 1: Ausbau der Erneuerbaren Energien: 40-60-80 – unser Weg zu 100 Prozent Der 2013 erzeugte erneuerbare Strom entspricht ca. 81% des elektrischen Endenergieverbrauchs. Mit 11.714 GWh Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen gab es damit ein Plus gegenüber 2005 von 11,7%. Wenn wir die erneuerbare Energien in OÖ nicht hätten und stattdessen fossile Energieträger verbrauchen würden, würde das zusätzlich ca. 8 Mio. Tonnen CO2 bedeuten. Neben den durch die Nutzung der erneuerbaren Energie eingesparten Kosten von ca. 1 Milliarde Euro werden in OÖ durch die Energiewende zusätzlich rd. 100 Mio. Euro pro Jahr eingespart. Oö. Positivbeispiel 2: Die Emissionsstatistik aus dem Bereich der Gebäude. Während die Emissionen aus diesem Bereich (Raumwärme) von 1990 bis 2003 deutlich gestiegen sind, erleben wir seither eine massive Verringerung - in Summe von 1990 bis heute von 100 Prozent auf nur Pressekonferenz 27. Juli 2015 LR Anschober, Prof. Dr. Herbert Formayer Seite 15 mehr 71 Prozent. Dies wurde durch verbesserte Energiekennzahlen und einen enormen Umstieg auf erneuerbare Energieträger bei der Wärmeerzeugung erreicht. Und damit wurden in unserem Bundesland viele neue Jobs geschaffen. Anschober: "Kluger Klimaschutz sichert also den Lebensbereich der nächsten Generationen und schafft bereits heute Jobs." OÖ Positivbeispiel 3: Industrie – voestalpine als umweltfreundlichster Stahlkonzern. Die voestalpine setzt die beste verfügbare HochofenTechnologie zur Stahlerzeugung ein, sodass der erforderliche KohlenstoffInput (und damit einhergehend die resultierende CO2-Emission) nahe am theoretischen Minimum liegt. Erfolgsprojekt für den Klimaschutz in OÖ: die Klimabündnis-Partner. Gemeinden, Bildungseinrichtungen und Betriebe können wichtige Maßnahmen setzen, gleichzeitig auch eine Vorbildfunktion in der Gesellschaft einnehmen, z.B. zu klimafreundlichem Verhalten motivieren, selbst Ökostrom zu beziehen, die Energieeffizienz steigern, den Energieverbrauch senken, Transportwege über die Straße zu reduzieren etc. Mit viel Engagement und tollen Einzelprojekten sind in Oberösterreich aktuell schon 287 Gemeinden, 175 Bildungseinrichtungen und 521 Betriebe im Klimabündnis aktiv. Aber es bleibt noch vieles zu tun: Forderungen Forderung 1: Ausbau des Öffentlichen Verkehrs LR Anschober: „Wir brauchen eine Verkehrswende – jetzt! Statt Millionen Euro in den Straßenbau zu investieren, braucht es eine nachhaltige, klimafreundliche und schlussendlich pendler/innenfreundliche Investition in den Ausbau der Öffis!“ Pressekonferenz 27. Juli 2015 LR Anschober, Prof. Dr. Herbert Formayer Seite 16 Lt. einer Studie des VCÖ bräuchte es, um die Klima- und Verkehrsziele Österreichs zu erreichen, bis zum Jahr 2030 einen jährlichen Rückgang des PKW-Verkehrs um 2,1% und eine Zunahme des Öffentlichen Verkehrs um 2,2%. Forderung 2: Energieeffizienz weiter vorantreiben Beispiel Abwärmenutzung: Oberösterreich besitzt ein Abwärmepotential von 1.000 Megawatt. Diese verpuffen derzeit sinnlos oder heizen unsere Flüsse auf. Das ist etwa die doppelte Leistung der Linzer Fernwärme bzw. jene eines Reaktorblocks in Temelin. Im Rahmen der oö. Energiewende soll dieses Potenzial genutzt werden, denn diesen Schatz gilt es dringend zu heben. Es ist schlichtweg unverständlich, wenn eine derartige Wärmemenge verpufft und andernorts Wärme erzeugt werden muss. Aus diesem Grund muss man versuchen, Erzeuger und Abnehmer bestmöglich aufeinander abzustimmen und Anreize zur Abwärmenutzung verstärken. Beispiel thermische Sanierung Fast 200.000 Wohnungen und Häuser sind in Oberösterreich thermisch sanierungsbedürftig. Sie wurden zumeist in den 50er, 60er und 70er Jahren errichtet – häufig sehr schlecht isoliert. Hier wird im wahrsten Sinn "das Geld beim Fenster hinausgeheizt“. Die thermische Sanierung dieser Gebäude ist somit das größte, rasch umsetzbare Sparprogramm, das • eine durchschnittliche Energiekosteneinsparung beim Einfamilienhaus von 2.000,-- Euro/Jahr bringt; • die kurzfristigste zu verwirklichenden Klimaschutzmaßnahme ist; • am raschesten regionale Jobs vor Ort schafft: für Installateur/innen, Maurer/innen, Dachdecker/innen, Dämmstofferzeuger/innen,... Pressekonferenz 27. Juli 2015 Fensterproduzent/innen, LR Anschober, Prof. Dr. Herbert Formayer Seite 17 Enorme Einsparung und Entlastung für Klima und Geldbörse Im Durchschnitt konnten durch diese Sanierungen seit Beginn der oberösterreichischen Förderoffensive pro Sanierung: • Ø 240 auf 65 kWh/m2,a • Ø bis zu 2.000 Euro / Jahr Energiekosteneinsparung • Ø 10.000 kg CO2 eingespart werden. In Summe konnte daher für Oberösterreich in dieser kurzen Zeit eine jährliche Entlastung von 20 Millionen Euro/Jahr und 100.000 Tonnen CO2/Jahr erreicht werden. Auf eine durchschnittliche Wirkungszeit von 30 Jahren gerechnet ist dies ein Gesamteffekt von 600 Millionen Euro Kostenersparnis sowie 3 Millionen Tonnen CO2 Reduktion. Pressekonferenz 27. Juli 2015