Erfahrungen mit der telemedizinischen Nachsorge

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Schlaganfall-Teleservice Saar
Erfahrungen mit der
telemedizinischen Nachsorge
Ein im Rahmen eines
Forschungsprojekts aufgebautes
Netzwerk zur telemedizinischen
Nachsorge von Schlaganfallpatienten im Saarland liefert
Ergebnisse darüber, welche
Möglichkeiten der Einsatz von
Telematik im häuslichen Umfeld
der Patienten bietet.
D
er Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in den westlichen Industriestaaten und zählt
zu den drei größten Volkskrankheiten
in Deutschland. Jährlich erleiden
200 000 Patienten erneut einen Schlaganfall. Durchschnittlich sind 500 000
Patienten in Deutschland betroffen.
Die Kosten für die Behandlung und
Rehabilitation belaufen sich auf rund
7,5 Milliarden Euro/Jahr.
Im Rahmen des Forschungsvorhabens „Schlaganfall-Teleservice Saar
(STS)“ der Fraunhofer-Forschungsinitiative „Persönlicher Gesundheitsservice (PGS)“ wurde exemplarisch ein
Pilotnetzwerk zur telemedizinischen
Nachsorge von Schlaganfallpatienten
im Saarland aufgebaut und im Feld erprobt. Mit diesem Versorgernetz wurde
beispielhaft für diese Patienten telematikbasierte, medizinische Nachsorge in
der häuslichen Umgebung getestet, um
Erfahrungen hinsichtlich Machbarkeit,
Akzeptanz, Arbeitsabläufen und Organisationsform zu sammeln sowie die
Nachsorge zu verbessern.
Für den Feldtest hatte ein Fraunhofer-Institutsverbund unter der Federführung des Fraunhofer-Instituts für
Biomedizinische Technik (IBMT) mit
der Entwicklung der PGS-HomecarePlattform die technischen Voraussetzungen geschaffen. Das Vorhaben wur-
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de von der Techniker Krankenkasse
begleitet, die die Pilotstudie mit der
Kassenärztlichen Vereinigung Saarland als Modellvorhaben nach SGB V
vereinbarte.
Die PGS-Homecare-Plattform
Die PGS-Homecare-Plattform ist ein
auf PC-Systemen basierendes telematisches Kommunikationssystem, die spezielle Endsysteme für Patienten und
Versorger vorsieht. Die PGS-Arztstation ist ein für die medizinische Versorgung ausgelegtes PC-System, das ein
Videokonferenzsystem und eine Datenbank für die elektronische Patientenaktenverwaltung enthält. Die PGSHaustelematikstation ist das tastaturlose Telematiksystem des Patienten,
das er über einen Touchscreen bedient.
Es enthält ebenfalls ein integriertes
Videokonferenzsystem und eine Datenbank für seine medizinischen Daten.An
die Haustelematikstation sind medizinische Geräte, wie Blutzuckermessgerät,
Blutgerinnungsmessgerät, Waage, Blutdruckuhren und ein Vitalparametermonitor mit EKG und Pulsoximeter, direkt
oder über Funkschnittstellen angeschlossen (Abbildung).
Für die Videokonferenzsysteme ist ein
ISDN-Anschluss bei
den Anwendern erforderlich. Über die Direktverbindung während eines Videotelefonates zwischen Arzt
und Patient können die
Vitaldaten des Patienten unmittelbar übertragen werden („Online“-Modus). In der Regel erhalten die versorgenden Ärzte medizini-
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sche Daten jedoch über einen Kommunikationsserver („Offline“-Modus),
weil der Patient meist selbstständig und
ohne Hilfe des Arztes Messungen
durchführt und niedergelassene Ärzte
nur während ihrer Sprechstunden erreichbar sind. Zur Versendung und zum
Empfang medizinischer Daten stellt
die Plattform daher einen E-Mail-Mechanismus bereit, bei dem Dokumente
mit medizinischen Daten über Postfächer auf dem Kommunikationsserver
ausgetauscht werden (siehe Grafik, Seite 30). Die Einwahl auf dem Kommunikationsserver und der Versand/Empfang von Dokumenten erfolgen dabei
automatisiert. Das Kommunikationsverfahren der Plattform lehnt sich an
das Kommunikationskonzept „PaDok“ des IBMT zu einer den Patienten
begleitenden Dokumentation an. PaDok wurde speziell für die Kommunikation in Ärztenetzen entwickelt (1).
Die medizinischen Daten, insbesondere die Dokumentations- und Verordnungsdaten der Ärzte, werden redundant auf Versorger- und Patientenseite
gespeichert, wo jeweils ein elektronisches Krankenblatt des Patienten geführt wird. Einträge in die lokale Akte
werden über das Patientensystem an
die Mitversorger weitergeleitet und in
die dortigen Akten eingestellt. Der Zugang zu den Patientendaten ist an die
Behandlung des Patienten geknüpft
und erfordert eine vorherige Anmeldung des Arztes auf den Haustelematikstationen. Dies schließt eine Berechtigungsprüfung durch den Netzadministrationsdienst in der Funktion eines
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„Trust“-Zentrums auf dem Kommunikationsserver ein. Sämtliche Dokumente werden mittels Public-Key-Verfahren verschlüsselt und elektronisch
unterschrieben.
Ergebnisse der Studie
Im Folgenden werden wesentliche Ergebnisse der Studie dargestellt.
) Nutzung der Teledienste
Videovisiten (Videoanrufe der Teleärzte und der Klinik): Die von den Ärzten geführte Dokumentation zum Betreuungsverlauf weist 157 mit den Patienten zustande gekommene (und dokumentierte) Videovisiten auf. Dies
entspricht durchschnittlich etwa neun
Televisiten je Patient über den 6-monatigen Betreuungszeitraum. Davon entfallen auf die Klinik 17 und auf die beiden Teleärzte 140 Televisiten. Die mittlere Dauer der Gespräche lag bei rund
sechs Minuten. Vier Televisiten des Telearztes wurden wegen technischer
Probleme mit dem Videokonferenzsystem über das Telefon geführt. Der Telearzt vermerkte in 70 Fällen und die Klinik in vier Fällen, dass Patienten nicht
zu erreichen waren. Dies ist bei noch
mobilen Patienten das Hauptproblem
von Videovisiten.
Videokonsultationen (Videoanrufe
der Patienten): Die Patienten machten
wenig von der Möglichkeit Gebrauch,
Telearzt oder Klinik per Videoanruf zu
konsultieren. Als Gründe hierfür gaben sie an, dass kaum ein gesundheitlicher Anlass hierfür vorlag, dass sie lieber den eigenen Hausarzt bei akuten
Rahmenbedingungen und Auswertung der Pilotstudie
Ziel der Pilotstudie „Schlaganfall-Teleservice Saar“ war es, die Machbarkeit der telematikgestützten häuslichen Schlaganfallnachsorge sowie die Bewertung von technischen Aspekten der für diese Nachsorgeform
entwickelten PGS-Homecare-Plattform einschließlich der Benutzerakzeptanz zu untersuchen. Dabei war
auch die Organisationsform für eine vom niedergelassenen Arzt und einer Akutklinik gemeinsam erbrachte und vom Niedergelassenen koordinierte telematische Versorgung zu überprüfen. Die Teledienste wurden zusätzlich zur bestehenden Versorgung eingesetzt.
In die Untersuchung wurden 18 Patienten einbezogen, die jeweils sechs Monate lang von einem niedergelassenen Neurologen oder Internisten und der Stroke-Unit einer Klinik betreut wurden. Das heterogene
Probanden-Klientel umfasste Patienten beiderlei Geschlechts im Alter von 45 bis 77 Jahre nach erlittenem
Hirninfarkt oder Hirnblutung. Bei allen Patienten lag eine Indikation zur Fernüberwachung eines Vitalwertes oder In-vitro-Parameters infolge eines Risikofaktors vor. Insbesondere wurde bei 13 der 18 Patienten
infolge einer Antikoagulationstherapie eine Blutgerinnungskontrolle durch Selbstmessung durchgeführt.
Nur zwei Patienten lebten alleine in ihrem Haushalt. Alle Patienten waren soweit rehabilitiert, dass eine
weitgehend eigenständige Lebensführung möglich war.
Die telematische Betreuung bestand in einer regelmäßigen Selbstmessung von Risikoparametern durch
den Patienten, einer Messwertkontrolle durch den „Telearzt“ sowie in Videovisiten des Telearztes. Damit
sollte eine engmaschigere Betreuung sichergestellt werden, als dies im Rahmen der Regelversorgung möglich ist. Zusätzlich hatte der Patient stets die Möglichkeit, per Videosystem seinen Telearzt, die angebundene Klinik, eine Selbsthilfeberatungsstelle und andere Betroffene zu erreichen.
Zur Auswertung der Studie wurden Fragebögen für die Patienten und Ärzte entwickelt, mit denen technische Aspekte des Telematiksystems beurteilt und eine Einschätzung des Nutzens und der Potenziale der telematischen Nachsorgeform abgefragt wurden. Um Verständnisprobleme auszuschließen, gab es zusätzlich Interviews. Darüber hinaus ergänzten Informationen aus Telefonrechnungen und Verbindungszählungen die Evaluationsdaten, ebenso wie die automatisiert generierten Statistikdaten der Patientensysteme
zur Auswertung des Nutzungs- und zur Kontrolle des Systemverhaltens. In einem Feldtesttagebuch wurden
technische und organisatorische Probleme festgehalten. Ferner untermauerten Erfahrungsberichte der medizinischen Anwender und Einzelfallanalysen die Aussagen der Fragebögen.
Problemen aufsuchen und dass insbesondere die Klinikärzte nur schwer sofort erreichbar sind.
Telemonitoring: Alle Patienten waren problemlos in der Lage, die Messungen selbstständig durchzuführen
und die Datenübertragung in die Haustelematikstation zu bewerkstelligen.
Lediglich zwei Patienten benötigten
die Hilfe eines Angehörigen zur
Durchführung einer INR-Messung. In
mehr als 800 Fällen und insbesondere
beim Blutdruck, INR
und der Blutzuckermessung wurden individuelle Alarmschwellen überschritten und
der Telearzt vom System verständigt. Dies
belegt die Relevanz der
Messung, zeigt aber
auch den Aufwand, der
Abbildung: Die PGPHomecare-Plattform im
Einsatz – links im Haushalt
eines Patienten, rechts am
Arbeitsplatz des betreuenden Arztes
für eine Alarmüberwachung mit entsprechenden Reaktionen des Telearztes erforderlich ist. Die hohe Zahl der
Messungen kann als Beleg der Compliance gewertet werden, die unter dem
Bewusstsein der Fernkontrolle durch
den Arzt zu steigen scheint.
Selbsthilfevideosprechstunde:
Die
angebotene professionelle Videoberatung zur Selbsthilfe in Alltags- und
Lebensfragen und der Austausch per
Videotelefonat mit einem Betroffen
wurde nur wenig in Anspruch genommen. Zusätzlich zu den Erstkontakten,
die zur Einweisung der Patienten bei
der Installation der Systeme hergestellt
wurden, sind nur fünf weitere Kontakte
belegt. 13 Patienten gaben an, diesen
Service nicht genutzt zu haben, weil
kein Bedürfnis bestand oder Fragen
mit dem Partner abgeklärt wurden. Eine allein lebende Person gab Scheu als
Grund für das Nichtnutzen des Angebotes an. Zwei Personen führten auch
die ihrer Meinung nach zu großen Entfernungen für Treffen mit der Selbsthilfegruppe in Saarbrücken als Mitgründe
an. Dennoch hielten alle Patienten in
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den Interviews die Beratung der
Selbsthilfegruppe per Videotelefon für
eine „sinnvolle Einrichtung“, die insbesondere allein stehenden und ernster
erkrankten, nichtmobilen Patienten
helfen könne.
) Organisationsform und Probleme
eines telematischen Nachsorgeansatzes: Die Organisationsform dieses Pilotversuchs spiegelt die Strukturen des
Gesundheitssystems wider. Mit dem
Zusammenwirken von niedergelassenem Telearzt und Akutklinik ging es
auch um die Verzahnung der ambulanten mit der stationären Versorgung.
Der Telearzt als Betreuer des Patienten
beruht auf dem klassischen Hausarztmodell. Im Feldtest konnten die niedergelassenen Ärzte die Rolle des Telearztes zusätzlich zum Praxisbetrieb
ausfüllen. Allerdings ist eine zeitnahe
Reaktion auf Monitoringalarme schwierig und erst vor oder nach der Sprechstunde möglich. Die Abstimmung der
Übernahme dieser Aufgaben durch die
Klinik ganz oder nur am Wochenende
oder im Urlaub ist organisatorisch unverhältnismäßig aufwendig. Einiges
spricht für eine Aufgabenverteilung,
bei der die telematische Betreuung
weitgehend in der Hand des Telearztes
bleibt.
Da weder der diensthabende Arzt in
der Klinik noch der Telearzt ständig erreichbar waren, mussten Videoanrufe
eines Patienten auf Telefone im Stationszimmer oder in der Anmeldung umgeleitet werden. Umgekehrt bezeichnen die Teleärzte die nicht gewährleistete Erreichbarkeit des Patienten bei
Videovisiten als ein Kernproblem.
Es erwies sich als unerlässlich, die
telemedizinische Betreuung zwischen
dem Telearzt und dem Hausarzt des Patienten abzustimmen. Dabei bleibt die
Frage unklar, bei wem die Behandlungsverantwortung liegt. Idealerweise
sollte hier der Hausarzt des Patienten
auch die telematische Betreuung im
Sinne eines zusätzlichen diagnostischen und therapeutischen Hilfsmittels
ausüben.
) Patientenakzeptanz und Bewertung
des Nutzens für die eigene Gesundheit:
Alle Patienten, viele von ihnen ohne
Computerkenntnisse, stuften den Um-
30
Grafik: Schema der PGS-Homecare-Plattform
Telemedizinischer Dienst
Patient (zu Hause)
(Klinik, Ärztezentrum)
Audio/Video
Monitoring
Video
Arztstation
Haustelematikstation
Video
Kommunikationsserver
Krankenblatt
Datenbank
• Dokumentenaustausch über
Postfach
• Netzadministration
• Authentifizierung
Daten• Schlüsselmanagement bank
• Archivierung
• Statistische Dokumentation
Medizin.
Medizin.
Gerät
Gerät Medizin.
Gerät
Patientendaten
Hausarzt/Facharzt
®
Audio/Video
Monitoring
gang mit der Haustelematikstation als
leicht erlernbar ein. Der Umgang mit
dem Telearzt über das Medium Videokommunikation war unproblematisch.
Der Versorgungsansatz wurde allgemein positiv bewertet, wenngleich einige in ihrer Betreuung keinen gesundheitlichen Nutzen aufgrund ihrer stabilen gesundheitlichen Situation sahen.
Diese wie auch die übrigen Patienten
meinten, dass sie sich durch die Fernbetreuung und die Patientenstation sicherer fühlten. Etwa die Hälfte glaubte,
dass sie dadurch ein besseres Bild von
der eigenen Krankheit bekommen hat
und dass die Fernbetreuung dazu
beiträgt, an Medikamenteneinnahmen
und regelmäßige Kontrollen von Blutdruck und Gewicht zu denken. Besonders geschätzt wurde auch von allen antikoagulierten Patienten die INR-Messung mit Selbstkorrektur der Medikamentendosis. Allein lebende Patienten
nennen auch soziale Aspekte, wie die
Kommunikation nach außen.
Die Hälfte der Patienten wären nach
eigenen Angaben bereit, für diese
Dienstleistung und das erforderliche
Telematiksystem Geld zu zahlen, einige
allerdings unter dem Vorbehalt, dass
ihre gesundheitliche Situation deutlich
schlechter sein müsse als zurzeit.
) Arztakzeptanz und Bewertung des
gesundheitlichen Nutzens für den Patienten: Bei fünf stärker vom Schlagan-
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Datenbank
Video
DatenArzt- bank
station
fall beeinträchtigten Patienten sahen
die betreuenden Teleärzte einen direkten medizinischen Nutzen durch die
Telebetreuung. In allen anderen Fällen
hätten die Patienten nicht von der Telebetreuung profitieren können. Generell erwarteten aber alle beteiligten
Ärzte durch telematische Nachsorgeprogramme eine Gesundheitsverbesserung für bestimmte Schlaganfallkollektive. Die Klinikärzte beurteilten die
Einbindung der telemedizinischen
Nachsorge in ihre Arbeitsabläufe als
eher schlecht.
) Technologiebewertung: Die PGSPatientenstation hat sich als angemessene und individuell anpassbare Lösung erwiesen. Dennoch ist der erforderliche, in der Regel nicht vorhandene
ISDN-Anschluss ein hoher Aufwand
bei der Erstinstallation. Das stationäre
System schränkt die Verwendung auf
das häusliche Umfeld ein. Dies führt
bei mobilen Patienten zu Problemen
hinsichtlich der Erreichbarkeit. Die an
eine E-Mail-Software angelehnte PGSArztstation stuften die Anwender zwar
in der Funktionalität als ausreichend,
aber hinsichtlich der Benutzeroberfläche als kompliziert ein.Auch bemängelten sie die doppelte Datenhaltung
auf Praxiscomputersystem und Arztstation als zu aufwendig.
Darüber hinaus führt das auf einen
E-Mail-Mechanismus beruhende Kom-
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munikationskonzept in Verbindung mit
dem Aufbau von Wählverbindungen
zum zeitversetzten Empfang von Messwerten. Dies schränkt den Verwendungszweck des Systems ein, wenn eine
unmittelbare Intervention bei Monitoringalarmen gefordert wird. Aufgrund
des ungesicherten Protokolls muss ein
Empfangsbestätigungsmechanismus in
der Anwendung implementiert werden,
um Risiken für den Patienten durch
fehlgeschlagene Übertragungen zu minimieren. Der implementierte Mechanismus zum gemeinsamen Führen einer
Patientenakte durch Abgleich lokaler
Akten über das Patientensystem schafft
ausreichende Transparenz. Jedoch sollte dazu künftig statt des Patientensystems besser der Kommunikationsserver
für eine behandlungsfallbezogene Netzakte genutzt werden, wie es das PaDokKonzept vorgibt, da serverseitig mehr
Aufwand für die Datensicherung möglich ist.
Das dem Telematiksystem zugrunde
liegende Plattformkonzept hat sich,
insbesondere durch die individuelle
Ausstattungsmöglichkeit der Patientenstation unter einer einheitlichen, im
Netz verfügbaren Patientenakte, bewährt.
) Kostenabschätzung: Zu den relativ
hohen Investitionskosten einer Haustelematikstation mit bis zu 3 500 Euro
kommen als laufende technische Betriebskosten insbesondere die Telekommunikationskosten hinzu. Dabei
sind die Verbindungskosten für Video-
Literaturverzeichnis
1. Bresser B, Paul V: PaDok: Eine Lösung für Ärztenetze und Krankenhäuser der Grund- und
Regelversorgung. In: Eissing U (Hrsg.): Mednet Arbeitsbuch für die integrierte Gesundheitsversorgung, Vol. 2000/1, 113–135, Bremen: Edition Temmen, 2000.
2. Kiefer S, Gersonde K: Homecare-Netzwerke
am Beispiel Schlaganfall-Patientennachsorge. In Klusen N, Meusch A (Hrsg.): Gesundheitstelematik – Beiträge zum Gesundheitsmanagement, Vol. 2, 131–138, BadenBaden: Nomos Verlag, 2002.
telefonie und Datenübertragung pro
Patient vergleichsweise gering. Sie betrugen in der Studie lediglich ein Viertel der monatlichen Grundgebühren
des ISDN-Anschlusses. Auf Versorgerseite entstanden Kommunikationskosten in Höhe von etwa 0,60 Euro je Patient und Monat.
Die ärztliche Leistung setzt sich aus
dem Aufwand der täglichen Datensichtung je Patient und der Dokumentation
des Betreuungsverlaufs sowie der Zeit
für die Videotelefonate (und Fehlversuche) zusammen. Da die Telefonate unter zehn Minuten Dauer lagen, kann der
Aufwand pro Televisite einschließlich
Dokumentation mit etwa zwölf Minuten abgeschätzt werden. Bei den fünf
Patienten, die nach Ansicht des Telearztes von der Studie besonders profitierten, wurden in sechs Monaten durchschnittlich 16 Videovisiten geführt. Die
tägliche Datensichtung kann mit einer
Minute/Patient angesetzt werden.
Zu berücksichtigen ist auch der zeitliche Aufwand des Technikbetreibers
zur Installation und Einweisung in das
System sowie für den technischen Service.Auch muss für eine zeitnahe Reaktion der Klinik in der Rolle des 24 Stunden bereiten telemedizinischen Zentrums Personal vorgehalten werden.
Fazit
Der Schlaganfall-Teleservice Saar belegt die Machbarkeit und Akzeptanz
eines telemedizinischen Nachsorgeansatzes für Schlaganfallpatienten und
bestätigt die Vorteile eines Plattformkonzepts als telematische Systemlösung für eine individuell zugeschnittene und integrierte telemedizinische
Versorgung. Der medizinische Nutzen
ist erkennbar bei stärker beeinträchtigten und multimorbiden Patienten mit
häufigen gesundheitlichen Krisen. Hier
deuten sich durch die engmaschige Betreuung ein rechtzeitiges Erkennen
von Gesundheitsverschlechterungen,
eine verbesserte therapeutische Einstellung von Risikoparametern und eine Compliance-Verbesserung an. Weniger kranke Schlaganfallpatienten mit
stabilen Vitalparametern profitieren
hingegen kaum von dieser Nachsorgeform. Dennoch vermittelt das System
in Verbindung mit der Fernbetreuung
ein subjektives Sicherheitsgefühl. Speziell mobilitätseingeschränkte Patienten ersparen sich sonst mühsame Wege
zum Arzt.
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Zur Maximierung des medizinischen
Nutzens und zur Verbesserung der therapeutischen Möglichkeiten müssen
Modelle angestrebt werden, bei denen
der Telearzt gleichzeitig auch der behandelnde Arzt des Patienten ist und er
somit Telematik als ergänzendes Hilfsmittel seines ärztlichen Wirkens nutzt.
Weitere medizinische Studien sind
erforderlich, um geeignete Patientenkollektive auszumachen und um den
Nutzen messbar zu machen. Für die
Betreuung von schwerer Kranken, wie
Dementen und Pflegebedürftigen, für
die sich ein hoher potenzieller Nutzen
abzeichnet, müssen gegebenenfalls Angehörige und Pflegedienste in das Versorgungskonzept eingebunden werden.
Der technische Installationsaufwand kann durch die Nutzung von
Mobilfunklösungen deutlich reduziert
werden. Dennoch sollte verstärkt auf
verfügbare IT-Technologie gesetzt werden, mit deren Umgang Arzt und Patient vertraut sind. Auch sind Systemstabilität und Robustheit von komplexen
Telematiksystemen weiter zu verbessern, um künftig lebenswichtige Funktionen des Patienten zeitnah zu überwachen und Therapiesysteme, wie etwa
Beatmungsgeräte, risikolos fernsteuern
zu können. Der gegenwärtig erreichte
Stand ist jedoch ausreichend für die
hier angebotene Telematikdienstleistung. Die telematischen Versorgungsmodelle müssen organisatorisch einfach bleiben, damit sie in der Alltagsroutine der Versorger effizient nutzbar
sind. Auch müssen zur Steigerung der
Effizienz von Telematikansätzen zusätzlich zur Überwachungsfunktionalität verstärkt therapeutische Möglichkeiten umgesetzt werden. Die Teletherapie von Sprach- und Gedächtnisstörungen von Aphasikern wäre hierfür
ein Beispiel. Diese ist auch Gegenstand
der kürzlich gestarteten Studie „TELEMOM“ in Berlin auf Basis der PGSStephan Kiefer,
Homecare-Plattform.
Michael Schäfer, Fatima Schera,
Harald Niederländer, Kerstin Rohm
Anschrift für die Verfasser: Stephan Kiefer,
Fraunhofer-Institut für Biomedizinische
Technik, Ensheimer Straße 48, 66386 St.
Ingbert, E-Mail: stephan.kiefer@ibmt.
fraunhofer.de
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Medizinische Fortbildung im Internet
I Ärzte können zunehmend auf Fort- und die Charts auch ausdrucken. Zubildungsangebote über das Internet sätzlich werden auch internationale
zurückgreifen und dabei auch Fortbil- Kongress-Berichterstattungen angebodungspunkte online erwerben. Ein Bei- ten.
spiel hierfür ist das passwortgeschützte
Die Vorteile für die Ärzte: Sie erhalInternet-Portal medica-web.tv (www. ten aktuelle und didaktisch hochwertig
medical-web.tv) von EuMeCom, Ham- aufbereitete Informationen aus erster
burg (www.eumecom.de). Das Unter- Hand. Sie können das Angebot indivinehmen gehört zur GlaxoSmithKline- duell sowie zeitlich und räumlich flexiGruppe und beschäftigt sich mit medi- bel nutzen und Fortbildungspunkte bezinischer Fortbildung. Das Portal ver- quem online erwerben. Der Zeit- und
knüpft die klassische ärztliche Fortbil- Reiseaufwand sinkt. Technische Vodung mit den neuen techraussetzung für den einnischen Möglichkeiten des
wandfreien Empfang von
Internets. Ärzte können
medical-web.tv ist ein
sich von ihrem ArbeitsDoppel-ISDN- oder ein
platz oder von zu Hause
DSL-Anschluss.
einloggen und fortbilden.
Ihren Lernerfolg könIm Mittelpunkt stehen
nen Ärzte mithilfe eines
dabei die indikationsspeziMultiple-Choice-Fragefischen Fortbildungsmobogens, der circa sieben
dule. Durch FilmsequenFragen enthält, überprüzen, Computeranimatiofen. Der Fragebogen wird
nen, Grafiken und Charts
ausschließlich online anwerden die Inhalte angeboten und ausgewerschaulich und verständlich
tet. Für jeden ausgefülldargestellt. Abgerundet
ten und zu mehr als 70
wird das inhaltliche Kon- Online-Fortbildung – beProzent korrekt beantzept durch die übersichtli- quem und flexibel nutzbar
worteten Fragebogen erche Oberflächengestalhalten die Teilnehmer
tung der Fortbildungsmodule: In einem Fortbildungspunkte, zurzeit zwei PunkFenster läuft ein Film, in dem die medi- te je Fortbildungsmodul.
zinischen Zusammenhänge mit FilWird der Test nicht bestanden, erhält
meinspielungen erklärt werden. In ei- der Teilnehmer Informationen darünem zweiten Fenster werden parallel ber, welche Fragen falsch beantwortet
dazu die entsprechenden Charts einge- wurden. Das Modul kann wiederholt
blendet. Der Benutzer kann sich den gestartet und der Fragebogen erneut
EB
Film im „Full Screen Modus“ ansehen ausgefüllt werden.
Cataract-Disease-Manager mit digitaler Signatur
I Die Curiavant Internet GmbH, Nürnberg, integriert die elektronische Signatur in den
Cataract-Disease-Manager der e-EyeCare GmbH, Erlangen (siehe PC 1/02). Diese OnlineApplikation ermöglicht einen standortunabhängigen Zugriff auf Diagnose- und Befunddaten des grauen Stars. Die elektronische Signatur dient als Zugangsberechtigung
zu vertraulichen Patientendaten. Mit dem einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherungssystem werden sämtliche Behandlungsschritte des grauen Stars und die Daten aller beteiligten Parteien digital gespeichert und abgerufen. Damit ist ein erster Schritt
zur elektronischen Patientenakte realisiert. Der Cataract-Disease-Manager ist als Internet-Anwendung unabhängig von Betriebssystemen, Browsern und lokalen Einzelkonfigurationen, die bei Ärzten oder in Krankenhäusern verwendet werden.
EB
Deutsches Ärzteblatt/PraxisComputer 6/2002
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