1 Gefährdung durch Mikroorganismen bei Reinigungsarbeiten. Bei

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Gefährdung durch Mikroorganismen bei Reinigungsarbeiten.
Bei Reinigungs-, Wartungs- und Reparaturarbeiten (auch im Freien) können
Beschäftigte mit gesundheitsschädlichen Mikroorganismen in Kontakt kommen.
Dieser Überblick möchte deshalb über mögliche Gefährdungen für den Menschen
informieren und gleichzeitig entsprechende Schutzmaßnahmen und
Verhaltensregeln empfehlen.
Taubenkot
Verwilderte Tauben leben, unter anderem, in leer stehenden Gebäuden,
Industrieanlagen, auf Dachböden, Mauervorsprüngen, Fensternischen und Brücken.
Die von ihnen verursachten Verunreinigungen bestehen aus dem ausgeschiedenen
Kot, Nestresten, Federn und verendeten Tieren. Im Taubenkot sind viele
Mikroorganismen, darunter auch krankheitserregende Organismen (Bakterien, Hefen
und Pilze) enthalten. Durch Aufwirbelung des Kotes beim Reinigen, aber auch durch
das Aufflattern der Tiere, können diese Erreger in die Luft gelangen und über die
Atemluft, die Haut und die Schleimhäute in den menschlichen Körper aufgenommen
werden bzw. mit ihm in Berührung kommen. Neben möglichen Lungen- und
Darmerkrankungen, kann dies zu allergischen und toxischen Reaktionen durch
Schimmelpilze, Endotoxine (Bestandteile der Zellwand von Bakterien, die bei deren
Zerfall frei werden) und Parasiten (Stiche durch die Taubenzecke und rote Milbe)
führen. Außerdem besitzt Taubenkot eine ätzende Wirkung und in sehr trockenem,
aufgewirbelten Zustand eine erhöhte Brand- und Explosionsgefahr.
Bei Reinigungsarbeiten sollte deshalb für eine ausreichende Belüftung gesorgt und
eine Staubaufwirbelung unbedingt vermieden (Kot ggf. leicht anfeuchten) werden.
Der Arbeitsbereich darf nur mit Schutzkleidung (Gummistiefel, Einwegschutzanzug,
Schutzhandschuhe (Nitril), Atemschutz (FFP-2 Maske) in Verbindung mit dicht
sitzendem Augenschutz (ggf. Vollmaske, P2) betreten werden. Entsprechende
Arbeitsmittel (z.B. Industriestaubsauger Kategorie B) sind zur Verfügung zu stellen.
Selbstverständlich sollte im Arbeitsbereich nicht geraucht, gegessen und getrunken
werden. Vor Arbeitspausen ist die Schutzkleidung abzulegen und Gesicht und Hände
sind entsprechend zu reinigen/desinfizieren. Nach Arbeitsende werden der
Taubenkot und die kontaminierte Schutzkleidung fachgerecht (Betriebsanweisung)
entsorgt, die Arbeitshilfsmittel gründlich gesäubert und die verschmutzte Kleidung
wird bei mindestens 60 °C gereinigt. Bei Auftreten grippeähnlicher Symptome,
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Unwohlsein, Durchfall, Schwindel oder Erbrechen nach dem Umgang mit Taubenkot,
ist der/die behandelnde Arzt/Ärztin auf den vorangegangenen Kontakt mit Kot
hinzuweisen.
Hantavirus
Hantaviren haben eine weltweite Verbreitung. In der BRD liegt u. a. ein Schwerpunkt
in Baden-Württemberg. Betroffen sind Waldregionen, in denen die Rötelmaus
verbreitet ist. Sie ist das hauptsächliche Reservoirtier der Hantaviren in Deutschland.
Hantavirus-Infektionen sind zwar ganzjährig möglich, treten aber vermehrt in den
Frühjahrs- und Sommermonaten auf. Die Viren werden von infizierten Mäusen, die
selbst nicht erkranken, massenhaft über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden. Ein
erhöhtes Infektionsrisiko besteht dort, wo Rötelmäuse vermehrt vorkommen und
insbesondere bei Tätigkeiten, bei denen infektiöser Staub aufgewirbelt wird. Der
Mensch infiziert sich in der Regel durch die Inhalation erregerhaltigen Staubes,
selten auch durch Nagetierbisse oder die Berührung der verletzten Haut mit
kontaminierten Materialien (z.B. Staub, Böden). Für eine mögliche Infektion ist also
kein direkter Kontakt mit der Rötelmaus notwendig. Eine Ansteckung von Mensch zu
Mensch findet bei den in Europa vorherrschenden Virustypen nicht statt, auch eine
Übertragung durch Haustiere oder Vektoren (z.B. Mücken, Zecken) ist nicht
wahrscheinlich. Die Inkubationszeit (Zeit zwischen der Infektion mit einem
Krankheitserreger und dem Auftreten der ersten Symptome) beträgt laut RobertKoch-Institut in der Regel 2 bis 4 Wochen (Zeitspanne 5 bis 60 Tage). Die
Erkrankung, welche häufig auch in milder Form bzw. unbemerkt verläuft, beginnt
meist mit abrupt einsetzendem hohem Fieber, das über drei bis vier Tage anhält.
Begleitend dazu, treten unspezifische, grippeähnliche Symptome wie Kopf-, Bauchund Gliederschmerzen auf. Die wichtigste Komplikation stellt eine dialysepflichtige
Niereninsuffizienz dar, die allerdings in der Regel reversibel ist. Schwere, mit
weiteren Organbeteiligungen einhergehende und auch tödliche Verläufe sind bei
dem in Deutschland vorherrschenden Virustyp aber eher selten. Eine überstandene
Infektion führt wahrscheinlich zu einer lebenslangen, Virustyp-spezifischen
Immunität.
Da es derzeit noch keinen Impfstoff und keine spezifische antivirale Therapie gibt, ist
die Expositionsprophylaxe die wichtigste Maßnahme zur Verhütung von HantavirusInfektionen.
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Tätigkeiten mit einem besonderen Infektionsrisiko im häuslichen und beruflichen
Umfeld sind u. a. das Reinigen von Dachböden, Scheunen, Schuppen, Ställen,
Garagen und Kellern, in denen sich Nager aufhalten bzw. aufgehalten haben,
weiterhin Garten-, Wald- oder Holzarbeiten, aber auch andere Aktivitäten im Freien
(z.B. Zelten, Joggen, Jagd).
Im Umfeld menschlicher Wohnbereiche sollten deshalb Mäuse und Ratten bekämpft
und die allgemeinen Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Das Info-Blatt des
RKI (Robert-Koch-Institut) gibt dazu nützliche Hinweise:
Lebensmittel und Tierfutter sollten für Nager unzugänglich aufbewahrt, Abfälle in
verschließbaren Mülleimer entsorgt und Essensreste und tierische Abfälle nicht auf
den Hauskompost gegeben werden. Außerdem müssen mögliche Eintrittspforten für
Nager ins Haus abgedichtet und Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten (z.B. Sperrmüll,
Altreifen und Abfallhaufen) beseitigt werden.
Vor Beginn der Reinigung von Räumen sollten diese, wenn möglich, durch das
Öffnen von Türen und Fenstern gut gelüftet werden. Es empfiehlt sich auch hier,
mögliche Staubentwicklungen in kontaminierten Bereichen durch Befeuchten zu
vermeiden. Zum Schutz vor Hantavirus-Infektionen müssen Mäusekadaver und
Exkremente sicher beseitigt und vor der Entsorgung mit Desinfektionsmittel benetzt
und kontaminierte Flächen sorgfältig mit Haushaltsreiniger gesäubert werden. Bei all
diesen Tätigkeiten empfiehlt sich das Tragen von Gummihandschuhen und eines
eng anliegenden Mundnasenschutzes (FFP3-Maske). Abschließend müssen Hände
und eventuell auch das Gesicht gründlich mit Wasser und Seife gewaschen werden.
Informationsquellen:
www.rki.de
www.charite.de/virologie/hantapraev.pdf
Zecken
Im Frühjahr, Sommer und Herbst ist Hochsaison für Zecken (gemeiner Holzbock).
Sie sind in Wald und Flur in nahezu allen Teilen Deutschlands, außer in Höhen von
mehr als 1500 Meter (über dem Meeresspiegel), zu finden. Sie sitzen meist auf der
bodennahen Vegetation (Gräser, krautige Pflanzen, niedriges Gebüsch), auf Totholz
(umherliegende Äste, Baumstämme, Baumstümpfe) oder in und auf Laubstreu und
können von einem vorbeilaufenden Menschen abgestreift werden. Zeckenstiche
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bleiben teils unbemerkt. Sie können jedoch gefährliche Erkrankungen übertragen,
z. B. Borreliose und FSME.
Die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) steht für eine besondere Form der
Hirnhautentzündung und ist eine Viruserkrankung. Da sich die Viren in den
Speicheldrüsen der infizierten Zecken befinden, gelangt virushaltiger Speichel
praktisch sofort nach dem Stich in den menschlichen Körper. In Süddeutschland und
Österreich kommen FSME übertragende Zecken (i. d. R. etwa 1%-3%) nahezu
flächendeckend vor (weitere Risikogebiete in Deutschland, siehe aktuelle Karte des
RKI). Nach erfolgter Infektion treten bei etwa 30% der Betroffenen ca. 7 bis 14 Tage
nach dem Stich grippeähnliche Symptome auf. Häufig ist aber nach Abklingen der
Beschwerden die Erkrankung wieder beendet. Lediglich bei einem Drittel der
ursprünglich Erkrankten, kommt es nach einer weiteren fieber- und beschwerdefreien
Zeitspanne von 7 bis 20 Tagen, zu einer zweiten Erkrankungsphase mit einer
ernstzunehmenden, stark fiebrigen Hirnhautentzündung. Etwa 1% dieser Fälle
verlaufen tödlich. Nach einer überstandenen FSME besteht eine lebenslange
Immunität. Eine direkte medikamentöse Therapie, mit der das FSME-Virus bei einer
Infektion bekämpft werden kann, gibt es noch nicht. Einen zuverlässigen Schutz
gegen die Erkrankung bietet nur eine FSME-Schutzimpfung, welche insbesondere all
jenen Personen zu empfehlen ist, die sich beruflich oder privat häufig in der freien
Natur aufhalten.
Die Borreliose ist eine durch Bakterien verursachte Erkrankung. Die Bakterien
halten sich v. a. im Darm der befallenen Zecke auf und werden meist erst 12 bis 24
Stunden nach dem Stich übertragen. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung durch
übliche Kontakte findet nicht statt. Wird die Zecke frühzeitig, z. B. am Arbeitsende
entdeckt und entfernt, kann in den meisten Fällen eine Infektion verhindert werden.
Auch führt nicht jede Infektion mit Borrelien zwangsläufig zu einer Borreliose.
Schätzungen gehen von 50 000 bis 100 000 Infektionen pro Jahr in Deutschland aus.
Es können verschiedene Krankheitsstadien erreicht werden, die zum Teil ineinander
übergehen und auch parallel auftreten. Am Anfang finden sich oft grippeähnliche
Symptome. Innerhalb von Wochen und Monaten nach dem Zeckenstich können
Herz, Gelenke, Haut und Nervensystem befallen werden. Typischerweise tritt Tage
bis Wochen nach dem Zeckenstich eine relativ scharf begrenzte, runde Hautrötung,
die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans) auf, die praktisch beweisend für
eine Erkrankung ist. Leider schließt das Fehlen dieser Wanderröte eine Borreliose
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aber nicht aus! Die häufig direkt oder kurzfristig nach einem Zeckenstich auftretende
kleine, meist juckende Hautrötung (vergleichbar wie nach einem Mückenstich) hat in
der Regel nichts mit einer Wanderröte zu tun. Zur Behandlung einer Borreliose wird
vom Arzt ein geeignetes Antibiotikum verordnet, um mögliche chronische
Borrelioseschäden zu verhindern. Eine wirksame Schutzimpfung gegen diese
Erkrankung gibt es derzeit noch nicht. Die FSME-Impfung bietet keinen Schutz vor
der Borreliose. Außerdem schützt eine durchgemachte Borreliose nicht vor einer
Neuinfektion oder Neuerkrankung.
Da es keinen hundertprozentig sicheren Schutz vor einem Zeckenstich gibt, kommt
auch hier der Expositionsprophylaxe eine entscheidende Bedeutung zu. Durch eine
Reihe einfacher Verhaltensregeln, kann man das Risiko von einer Zecke gestochen
zu werden, jedoch deutlich vermindern. Vorbeugende Maßnahmen vor einem
Aufenthalt im Freien sind zum Beispiel:
Ein Zecken abwehrendes Mittel (Repellent) auf die Haut und wenn möglich auch auf
die Kleidung auftragen (Beipackzettel u. Gebrauchsanleitung beachten).
Geschlossene Schuhe, helle, langärmelige Oberbekleidung und lange Hosen, mit
über die Hosenbeine gezogenen Strumpfenden, tragen.
Mitnahme eines geeigneten Werkzeuges zur Entfernung saugender Zecken (gut
schließende Pinzette, Zeckenzange, Zeckenkarte…) sowie Pflaster und
Desinfektionsmittel.
Unterwegs im Freien sollten vorhandene Wege benutzt und ein Kontakt mit der
Vegetation am Wegrand vermieden werden. Kleidung und sichtbare Hautbereiche
sind regelmäßig und gründlich auf Zecken abzusuchen. Dies gilt auch sofort nach
Ankunft zu Hause. Frei umherlaufende oder bereits festgesaugte Zecken müssen
unverzüglich entfernt werden, dies ist letztlich wichtiger als die Art und Weise wie
man sie entfernt. Nach Entfernen der Zecke wird die Wunde desinfiziert und mit
einem Pflaster versorgt. Sinnvoll ist es auch, sich das Ereignis (Datum!) zu notieren.
Bei einer größer werdenden Hautrötung oder ringförmigen Verfärbung von mehr als
ca. 2 cm Durchmesser oder grippeähnlichen Symptomen in den ersten 4 Wochen
nach einem Zeckenstich, bei einem unklaren Impfstatus und überhaupt bei
Unsicherheit bzw. auftauchenden Fragen, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
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Zusammenfassend gilt, dass durch umsichtige Verhaltensweisen und die
entsprechenden Schutzmaßnahmen eine Gefährdung des Menschen durch die
angeführten Mikroorganismen wesentlich reduziert werden kann.
Für weitere Fragen steht Ihnen der Arbeitsmedizinische Dienst und die Abteilung
Sicherheitswesen zur Verfügung.
Informationsquellen:
www.rki.de
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