03 Statik von Systemen starrer Körper

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Vorlesung Technische Mechanik 1 – Statik, Wintersemester 2007/2008
Technische Mechanik
1. Einleitung
2. Statik des starren Körpers
3. Statik von Systemen starrer Körper
3.1 Gleichgewichtsbedingungen, das Erstarrungsprinzip
3.2 Lager
3.2.1
Lagerung in der Ebene
3.2.2
Allgemeiner Fall
3.3 Beispiele
3.3.1
Dreigelenkbogen
3.3 2
Sägebock
© Prof. Dr.-Ing. J. Wallaschek, Universität Hannover
Vorlesung Technische Mechanik 1 – Statik, Wintersemester 2007/2008
Leonhard Euler
* 15. April 1707 in Basel
† 18. September 1783 in Sankt
Petersburg
„Befindet sich ein System von
Körpern im Gleichgewicht, dann
sind auch alle aus ihm
herausgeschnittenen Teile im
Gleichgewicht.
Die Wirkung der abgeschnittenen
Teile ist durch die Schnittkräfte
ersetzbar..“
(Foto: Wikipedia)
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Gleichgewichtsbedingung, Erstarrungsprinzip
Gleichgewichtsbedingung:
• Ein System starrer Körper ist dann im Gleichgewicht, wenn
jeder einzelne starre Körper im Gleichgewicht ist.
Erstarrungsprinzip:
• Ein System starrer Körper ist dann im Gleichgewicht, wenn
jedes Teilsystem sich im Gleichgewicht befindet.
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Beispiel: Fahrradbremse - Modellbildung
Systemgrenze:
Das System besteht aus zwei starren Körpern.
Vereinfachung:
Wir betrachten nur die Kräfte in der x-y-Ebene
und Momente um die z-Achse. Kräfte in zRichtung und Momente um die x- oder yAchse werden nicht berücksichtigt (Ebenes
Ersatzmodell)
Gegeben:
Betätigungskraft, Geometrie
Gesucht:
Felgen-Normalkraft, Reaktionskräfte in den
Lagern
(Grafik: www.fahrradwelt.de )
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Beispiel: Fahrradbremse
Das System besteht aus zwei starren Körpern.
Wir betrachten nur die Kräfte in der x-y-Ebene und Momente um die z-Achse.
Kräfte in z-Richtung und Momente um die x- oder y-Achse werden nicht
berücksichtigt (Ebenes Ersatzmodell).
• Teil II ist in Punkt A bzgl. Des
Fahrradrahmens drehbar gelagert
• I ist in A bzgl. II drehbar gelagert
Als äussere Kräfte wirken
• Betätigungskraft F1
• Felgen-Normalkraft F2
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Beispiel: Fahrradbremse
Das System ist im Gleichgewicht, wenn
sowohl Körper I als auch Körper II im
Gleichgewicht sind.
Körper I:
Richtung der Kräfte ergibt
sich aus Dreieckskonstruktion,
Größe (Betrag) aus:
F1 = B cos α
F2 = B sin α
Es folgt:
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tan α =
a
b
F1
cos α
F2 = F1 tan α
B=
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Beispiel: Fahrradbremse
n
Das System ist im Gleichgewicht, wenn
sowohl Körper I als auch Körper II im
Gleichgewicht sind.
∑F
i =1
n
∑F
i =1
Körper I:
ix
iy
= 0 : F2 − B sin α = 0
= 0 : F1 − B cos α = 0
n
∑M
i =1
n
∑F
i =1
ix
= 0 : F2 − B sin α = 0
(B)
iz
= 0 : − F1a + F2b = 0
Zur Bestimmung der beiden
unbekannten Kräfte ist es
ausreichend 2 Gleichungen
auszuwerten:
⎡ − sin α
⎢− cos α
⎣
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1⎤ ⎡ B ⎤ ⎡ 0 ⎤
=
0⎥⎦ ⎢⎣ F2 ⎥⎦ ⎢⎣− F1 ⎥⎦
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Beispiel: Fahrradbremse
Das System ist im Gleichgewicht, wenn sowohl Körper I als auch Körper II im
Gleichgewicht sind.
Körper II:
Da die Kräfte F1, F2 und B am Körper I
im Gleichgewicht stehen, ist ihre
Resultierende gleich Null. Daraus folgt
für Körper II, dass nur noch die beiden
Kräfte Ax und Ay wirken. Diese müssen
Null sein, damit Körper II im Gleichgewicht ist.
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Technische Mechanik
1. Einleitung
2. Statik des starren Körpers
3. Statik von Systemen starrer Körper
3.1 Gleichgewichtsbedingungen, das Erstarrungsprinzip
3.2 Lager
3.2.1
Lagerung in der Ebene
3.2.2
Allgemeiner Fall
3.3 Beispiele
3.3.1
Dreigelenkbogen
3.3 2
Sägebock
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Lager
• Ein starrer Körper hat in der
Ebene drei unabhängige
Bewegungsmoglichkeiten:
zwei Translationen in der Ebene
und eine Drehung um eine zur
Ebene senkrechte Achse
• Lager schränken die Bewegungsmöglichkeit ein.
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Lager
• Ein starrer Körper hat im Raum sechs unabhängige
Bewegungsmoglichkeiten: drei Translationen und drei Drehungen
• Lager schränken die Bewegungsmöglichkeit ein.
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Lager in der Ebene
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Lager im Raum (1)
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Lager im Raum (2)
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Beispiel: Gelenkarmroboter
KUKA KR 1000 titan
Traglast
Max. Reichweite
Anzahl der Achsen
Wiederholgenauigkeit
Gewicht
(Foto: KUKA )
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1000 kg
3202 mm
6
<±0,2 mm
4700 kg
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Beispiel: Scara-Roboter
KUKA KR 5 Scara R550
Traglast
z-Hub
Max. Reichweite
5 kg
200 mm / 320 mm
550 mm
Anzahl der Achsen
4
Wiederholgenauigkeit <±0,02 mm
Gewicht
20 kg
Geschwindigkeit
max. 7,1 m/s
(Foto: KUKA )
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Beispiel: Fahrradbremse
Shimano Deore XT, BR-M760
(Foto: www.cycle-basar.de )
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Beispiel: Kardangelenk
(Foto: www.wobestellen.de )
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Beispiel: Gleitlager
(Foto: www.bf-vln.de)
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Beispiel: Wälzlager
(Foto: www.bf-vln.de)
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Beispiel: Fahrwerk
(Fotos: www.kfz-tech.de)
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Technische Mechanik
1. Einleitung
2. Statik des starren Körpers
3. Statik von Systemen starrer Körper
3.1 Gleichgewichtsbedingungen, das Erstarrungsprinzip
3.2 Lager
3.2.1
Lagerung in der Ebene
3.2.2
Allgemeiner Fall
3.3 Beispiele
3.3.1
Dreigelenkbogen
3.3 2
Sägebock
© Prof. Dr.-Ing. J. Wallaschek, Universität Hannover
Vorlesung Technische Mechanik 1 – Statik, Wintersemester 2007/2008
Beispiel: Dreigelenkbogen (1)
II
I
F1
G
P1
A
r r
Gegeben: Geometrie, äußere Kräfte F1 , F2
r r
Gesucht: Lagerkräfte A, B
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F2
P2
B
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Beispiel: Dreigelenkbogen (2)
F1
Gy
Gx
P1
F2
Gx
Gy
P2
Ax
Ay
© Prof. Dr.-Ing. J. Wallaschek, Universität Hannover
By
Bx
Vorlesung Technische Mechanik 1 – Statik, Wintersemester 2007/2008
Beispiel: Dreigelenkbogen (3)
F1
Gy
Gx
P1
F2
Gx
g1y
P2
Gy
p2y
p1y
Ax
Ay
By
p1x
p2x
g1x
© Prof. Dr.-Ing. J. Wallaschek, Universität Hannover
g2x
Bx
g2y
Vorlesung Technische Mechanik 1 – Statik, Wintersemester 2007/2008
Beispiel: Dreigelenkbogen (4)
F1
Gy
r
Stelle F1 durch Komponenten dar:
r
r
r
F1 = F1, x ex + F1, y e y
Gx
P1
g1y
p1y
Ax
Ay
Gleichgewichtsbedingungen für Körper I:
p1x
g1x
r
ey
r
ex
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Beispiel: Dreigelenkbogen (5)
F2
Gx
P2
Gy
p2y
Gleichgewichtsbedingungen für Körper II:
By
Bx
p2x
g2x
© Prof. Dr.-Ing. J. Wallaschek, Universität Hannover
r
ey
r
ex
g2y
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Beispiel Dreigelenkbogen (6)
Gleichgewichtsbedingungen ergeben lineares Gleichungssystem
r r
AR=F
Vektor der (gegebenen) äußeren Kräfte
Vektor der (gesuchten) Reaktionskräfte
Systemmatrix
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Beispiel: Sägebock (1)
Gegeben:
Geometrie, äussere Kraft G
Gesucht:
Alle Reaktionskräfte
Vorgehen:
• Freischneiden der Körper,
• Eintragen aller Schnittkräfte,
• Aufstellen der Gleichgewichtsbedingungen
• Auflösen der Gleichungen
nach den gesuchten Kräften
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Beispiel: Sägebock (2)
G
N1
α
N2
N1
N2
D
D
C
C
S
S
B
© Prof. Dr.-Ing. J. Wallaschek, Universität Hannover
A
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Beispiel: Sägebock (3)
Gleichgewichtsbedingungen für
das Gesamtsystem:
∑M
∑F
(E)
i
iy
= 0 : Bl sin α − Al sin α = 0
= 0:
A+ B −G = 0
E
A= B
A= B=
G
2
A
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B
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Beispiel: Sägebock (4)
G
N1
α
N2
Gleichgewichtsbedingungen für
den Zylinder:
∑F
= 0 : N1 cos α − N 2 cos α = 0
∑F
= 0 : N1 sin α + N 2 sin α − G = 0
ix
iy
N1 = N 2
N1 = N 2 =
G
2 sin α
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Beispiel: Sägebock (5)
N1
D
H
C
S
Gleichgewichtsbedingungen für
den rechten Holm:
∑M
(H )
i
= 0 : N1a − Sb cos α + Bl sin α = 0
∑F
= 0:
− S + C − N1 cos α = 0
∑F
= 0:
B + D − N1 sin α = 0
ix
iy
© Prof. Dr.-Ing. J. Wallaschek, Universität Hannover
B
l
⎡ a
⎤
+ tan α ⎥
S = G⎢
⎣ 2b sin α 2b
⎦
l
1 ⎤
⎡ a
+
tan α +
C = G⎢
2 tan α ⎥⎦
⎣ 2b sin α 2b
D=0
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Zusammenfassung
• Ein System starrer Körpr ist im Gleichgewicht, wenn jeder Körper im
Gleichgewicht ist.
• Ein System starrer Körper ist im Gleichgewicht, wenn jedes Teilsystem
im Gleichgewicht ist.
• Lager schränken die Bewegungsmöglichkeiten ein.
• Die Wertigkeit eines Lagers ist durch die Anzahl der von ihm
übertragenen Reaktionskräfte, bzw. –momente bestimmt. Sie gibt
gleichzeitig an, wie viele Freiheitsgrade der Bewegung eingeschränkt
werden.
© Prof. Dr.-Ing. J. Wallaschek, Universität Hannover
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