Der Kern des Lebens

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Arbeitsblatt 1 zur Sendung „Wunderwelt Zelle“
Sendereihe: Der Kern des Lebens
Stammnummer: 4683927
00:07
Sprecherin 1
Jedes Mal wieder ein Wunder:
00:11
Ein Mensch entsteht.
0:17
Diese eindrucksvollen Aufnahmen, die in Filmen und Bildbänden um die
Welt gingen, verdanken wir einem schwedischen Fotografen.
0:27
Lennart Nilsson verfolgt seit über 60 Jahren ein Ziel: mit SpezialMikroskopen und maßgeschneiderten Optiken möchte er das
geheimnisvolle Universum des menschlichen Körpers erkunden und in
Bildern festhalten.
0:48
Jetzt hat er sich ein neues Ziel gesetzt. Er will in die allerkleinsten
Bausteine unseres Körpers vordringen und nie gesehene Fotos aus dem
Inneren menschlicher Zellen schießen.
1:04
O-Ton Nilsson
Voice over
Sprecher 2
Lebende Zellen - einige teilen sich gerade, andere sterben – da muss
man einfach genauer hinschauen.
1:15
Titel: Der Kern des Lebens
Wunderwelt Zelle
1:38
Lennart Nilsson lebt in Stockholm. Sein Entdeckungsdrang fließt nicht
nur in seine Arbeit – auch seine Familienangehörigen werden damit von
klein auf konfrontiert.
[1:48 O-Ton (off) Beginn]
1:52
Voice over
Sprecher 2
Nimm ihn mal ganz vorsichtig in die Hand… - Ja, so ist‘s gut. Genauso
hast Du auch mal ausgesehen, als Du noch im Bauch Deiner Mama
warst – da warst Du noch ganz klein, vielleicht 10 Wochen.
2:01
Und dann bist Du gewachsen und gewachsen, und als Du dann ungefähr
so groß warst, bist Du aus dem Bauch herausgekommen
2:19
Voice over On
Sprecher 2
Ich hab immer versucht, Geschichten zu erzählen, über das was
passiert, und immer in Bildern.
2:32
Sprecher 2
2:39
Sprecher 2
Zum Beispiel über die Eizelle – die größte Zelle in unserem Körper.
2:49
Sprecher 2
Und noch ein wenig später beginnt sie, sich ganz langsam gegen den
Uhrzeigersinn zu drehen… quasi der erste Tanz des Lebens.
Und das alles ausgelöst von ein paar winzig kleinen Spermien.
3:13
Sprecherin 1
Lennart Nilsson hat festgehalten, wie sich das Leben Schritt für Schritt
entwickelt.
3:24
Zunächst erinnert der Embryo nur wenig an einen Menschen.
©
Sie nistet sich ein, liegt ganz ruhig da, und dann plötzlich fängt sie an,
sich zu bewegen.
Planet Schule 2010
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3:30
Dann erscheinen mehr und mehr unserer charakteristischen Züge. Die
Arme beginnen zu wachsen, dann die Beine. Hände und Füße entstehen.
3:43
Der Embryo wird zum Fötus, beginnt zu greifen und zu treten – als
würde er schon für das Leben draußen üben.
3:54
Dann ist es irgendwann Zeit, hinaus ins richtige Leben zu treten
4:15
Nilssons Enkelin Rebecka ist sechs Jahre alt.
4:22
Voice over
Sprecher 2
Wir kommen wunderbar miteinander aus, wir machen viel Unsinn
miteinander. Sie bekommt schon eine Menge mit, und ich kann ihr sogar
schon kleine Rätsel stellen.
4:43
Sprecherin 1
Dass das ganze Leben irgendwann hier, im Wasser entstanden sein soll,
das kann Rebecka allerdings doch nicht so ganz glauben.
4:56
Lennart Nilssons gilt seit über fünf Jahrzehnten als Pionier auf dem
Gebiet der Mikrofotografie. Seit jeher nutzt er dafür spezielle
Mikroskope, häufig Prototypen, die die Hersteller von ihm testen lassen.
5:11
Er hat ein ganzes Arsenal von Spezialoptiken selbst entwickelt.
Oft handelt es sich dabei um medizinische Instrumente, zum Beispiel
Endoskope, die normalerweise für Operationen eingesetzt werden.
5:24
Sie ermöglichen völlig neue Blickwinkel auf alltägliche Dinge und
Situationen ….
5:32
… und ungewöhnliche Blicke auf den menschlichen Körper.
5:42
Es sind aber vor allem Nilssons faszinierende Einblicke in den
menschlichen Körper, die verdeutlichen, wie perfekt das Zusammenspiel
seiner Teile funktioniert.
5:54
Für alles das, was der Körper braucht und was ihm wiederfährt, haben
sich hochspezialisierte Zellen entwickelt.
6:03
Voice over Nilsson
Sprecher 2
Wir haben Hirnzellen, Herzzellen, Lungenzellen – sehr viele verschiedene
Zellen für ganz spezifische Aufgaben.
6:13
Sprecherin 1
Die Zellen des Verdauungssystems produzieren Enzyme, die unsere
Mahlzeiten in Nährstoffe und Abfall aufspalten.
6:21
Abwehrzellen unseres Immunsystems verschlingen gefährliche Mikroben.
6:28
Hochspezialisierte Sinneszellen ordnen für uns den ständigen
Informationsstrom, dem wir ausgesetzt sind.
6:38
Zum Beispiel die Information, die in Form von Lichtwellen in unser Auge
dringt. Die Linse erzeugt ein umgekehrtes Bild, das auf eine Schicht
hochentwickelter Lichtrezeptor-Zellen projiziert wird.
6:53
Im Innern der Netzhaut verwandeln mikroskopische Generatoren die
Lichtreize in elektrische Impulse, die in langen Nervenfasern zum Gehirn
geleitet werden
©
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7:06
Sternförmige Zellen in unserer Nasenschleimhaut erzeugen
Geruchseindrücke.
7:16
Ob das Zwitschern der Vögel, Lärm oder Gespräche – eine wahre Flut
von Schallwellen dringt ständig in unsere Ohren.
7:27
Dort treffen sie auf spezielle Rezeptorzellen mit winzigen Haarbüscheln,
die im Rhythmus der Schallwellen schwingen.
7:39
Die dadurch entstehenden elektrischen Impulse werden auch hier von
Nervenfasern weitergeleitet….
7:46
…. zum Gehirn, das aus den Informationen sämtlicher Sinneszellen unser
Bild von der Welt erzeugt.
7:54
Diese Aufnahmen zeigen das Innere des Gehirns – eine geheimnisvolle
Welt voller Windungen und Höhlen. Milliarden von Nervenzellen bilden
die Schaltzentrale unseres Körpers und formen uns zu der Person, die
wir sind.
8:09
Charakter und Persönlichkeit, all unsere besonderen Fähigkeiten
entstehen hier – in einem Netzwerk gestreckter Nervenzellen, das die
Wissenschaft noch längst nicht vollständig versteht.
8:28
Mit 86 Jahren hat sich Lennart Nilsson nun noch einmal ein neues Ziel
gesetzt. Er möchte noch viel tiefer in die Mikrowelt unseres Körpers
eintauchen – bis in seine kleinsten Bausteine, die einzelnen Zellen. Wie
funktioniert das Zusammenspiel in diesem Wunderwerk des Lebens? Und
wodurch gerät es aus dem Tritt?
8:51
Nilsson will dieses Projekt gemeinsam mit Wissenschaftlern des
renommierten Karolingska Instituts in Stockholm durchführen.
9:00
Die Forscher erhoffen sich von Nilssons Bildern neue Einsichten und ein
besseres Verständnis – von Vorgängen, von denen sie zwar wissen, dass
es sie geben muss, die sie aber nie wirklich gesehen haben.
[9:13-Ton Hans Wigzell]
9:14
O-Ton Hans Wigzell
Voice over
Sprecher 3
Lennart hat immer an der vordersten Front der Technik gestanden, und
manchmal war er sogar ein Stück weiter.
Er möchte immer der erste sein, der etwas sieht, dadurch hat er immer
wieder völlig neue Wege beschritten. Was seine Foto-Technik und auch
die Interpretation der Bilder angeht, ist er allen Wissenschaftlern hier am
Karolingska Institut weit voraus.
9:43
Sprecherin 1
Das Universum innerhalb einer menschlichen Zelle ist extrem klein –
selbst für einen erfahrenen Mikrofotografen wie Lennart Nilsson. Neben
seinem eigenen Elektronenmikroskop will er daher nun auch die
allerneuesten Geräte am Karolingska Institut nutzen.
9:58
Im Team machen sich Forscher und Fotograf daran, die aufgenommenen
Bilder zu interpretieren.
10:05
O-Ton Nilsson
Voice over
Sprecher 2
Dieses Mikroskop ist eines der größten der Welt – es schafft eine
millionenfache Vergrößerung, und das auch noch sehr sehr scharf.
©
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10:18
Sprecherin 1
Wie alle Elektronenmikroskope liefert es zunächst mal nur ein
schwarzweißes Bild. Nachträglich am Computer eingefärbt, lassen sich
die unterschiedlichen Strukturen besser unterscheiden.
10:29
Zu Nilssons Experten-Netzwerk gehört auch Bob Weinberg vom
Massachussets Institute of Technology in Boston, einer der führenden
Zellforscher der Welt.
[10:34 O-Ton Beginn]
10:39
Voice over Bob
Weinberg
Sprecher 3
Der menschliche Körper ist schon eine Gesellschaft für sich, aber wenn
man noch genauer hinschaut, stellt man fest: es gibt etwa 30 Billionen
Zellen in unserem Körper, und in jeder von ihnen spielt sich ein
komplexes Leben wie in einer Gesellschaft ab.
11:02
Sprecherin 1
Dies ist ein Querschnitt durch eine der Billionen Zellen, die unseren
Körper bilden. Es gibt zwar über einhundert verschiedene Zell-Typen –
aber alle sind grundsätzlich gleich aufgebaut. Um den hier gelb
eingefärbten Zellkern gruppieren sich verschiedene kleine Zell-Organe
oder „Organellen“ – rot und blau. Sie sind eingebettet in ein dichtes
Netzwerk von Kommunikations- und Transportsystemen.
11:43
Die Zelle hat erstaunliche Ähnlichkeiten mit einer Stadt – die gleiche
Infrastruktur, die gleichen Bedürfnisse und Funktionen – nur alles sehr,
sehr viel kleiner.
12:01
Voice over Weinberg
Sprecher 3
Die Zelle hat Fabriken für alle möglichen Produkte
12:06
Sprecherin 1
…eine richtige Mikro-Industrie, in der winzige Roboter alle möglichen
Dinge produzieren.
12:12
Voice over
Sprecher 3
In der Zelle gibt es Müllcontainer, wo sie all ihren Abfall los wird.
12:18
Sprecherin 1
Wie auf dem Rcyclinghof, wird dabei alles Brauchbare wiederverwertet.
12:23
Voice over
Sprecher 3
Die Zelle exportiert kontinuierlich Proteine in andere Teile des Körpers.
Sie importiert Stoffe, die von woanders kommen. Sie steht ständig aktiv
im Kontakt mit vielen anderen Zellen. Jede einzelne Zelle selbst
eigentlich ein kleiner lebender Organismus.
12:42
Sprecherin 1
Und so stellen sich Wissenschaftler heute das Leben in einer Zelle vor –
rekonstruiert im Computer.
12:47
Alle Produkte, die irgendwo hin gebracht werden müssen, werden in
kugelförmige Container verstaut.
Millionen schneller Lieferanten, die Motor-Proteine, liefern sie auf
weitverzweigten Transportwegen dorthin, wo sie gebraucht werden.
13:08
Insgesamt tummeln sich ein einer einzigen Zelle über 100 Millionen
Moleküle – mehr als London, New York und Tokio zusammen Einwohner
haben.
©
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13:20
Autobahnen führen in alle Richtungen.
13:25
Ständig herrscht auf ihnen dichter Verkehr – Rush Hour rund um die
Uhr.
13:32
Große ballonförmige Kraftwerke laufen Tag und Nacht unter Höchstlast.
13:41
Ständig werden Straßen neu angelegt, wenn neue Regionen ans
Verkehrsnetz angeschlossen werden sollen.
14:02
In der Mitte liegt diese gigantische Halle – der Kern. Das Rathaus der
Zelle, in der alle Instruktionen für ihren ordnungsgemäßen Betrieb
verwahrt werden.
14:15
Der Kern steht mit dem Rest der Zelle über Tore, die Kernporen, in
ständigem Austausch.
Hier werden kontinuierlich Bauanleitungen und andere Anweisungen
ausgegeben.
14:33
Drinnen lagern gigantische Informationsmengen – aufgewickelt zu
langen Strängen. Eifrige Bibliothekare sind ständig damit beschäftigt, sie
abzulesen und Kopien der Pläne nach draußen zu schicken.
14:49
Dieses geschäftige Treiben findet auf einer Fläche von wenigen
Hundertstel Millimetern statt. Billionen solcher Mikro-Metropolen bilden
zusammen den menschlichen Körper.
15:04
So stellen sich Forscher die Welt der Zelle in der Computeranimation vor.
Aber wie nah kommt das Bild der Wirklichkeit?
15:15
Lennart Nilsson will mit dem Elektronenmikroskop reale Fotos des
Alltagslebens in der Zelle zu schießen. Wird man all die einzelnen
Zellorgane bei ihrer Arbeit direkt beobachten können?
15:40
Schon die ersten Schnappschüsse faszinieren die Wissenschaftler.
15:46
Voice over Weinberg
Sprecher 3
Unglaublich – ich hätte nie gedacht, dass man das alles so scharf sehen
kann. Hier sieht man die Zelloberfläche, und das hier, das dürfte das
rauhe Endoplasmatische Retikulum sein, hier die Ribosomen..
16:01
Voice over Nilsson
Sprecher 2
Ich bin jetzt bei 250 000 facher Vergrößerung.
16:07
Sprecherin 1
16:10
Noch aussagekräftiger werden die Bilder, nachdem sie eingefärbt sind.
16:27
Dieses Transportsystem füllt die ganze Zelle aus; es umgibt den
Zellkern, der vollgepackt ist mit genetischer Information – der hier gelb
gefärbten DNA.
16:39
O-Ton Nilsson
Voice over
Das Rathaus der Zelle – der Kern.
©
Das Endoplasmatische Retikulum oder ER stellt das weitverzweigte
Transportsystem der Zelle dar. An seinen Wänden hängen die Fabriken
der Zelle, die Ribosomen – hier blau.
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Sendereihe: Der Kern des Lebens
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Sprecher 2
16:45
Sprecherin 1
Er ist das größte Organ der Zelle, und jede Zelle hat einen. In Innern des
Zellkerns liegt jeweils eine exakte Kopie von dem, was uns zum
Menschen macht – unserem Erbgut.
Endlose Regale voller Information, geschrieben in einer biologischen
Sprache.
17:12
Jede einzelne Zelle des Körpers verfügt über einen kompletten Satz
unseres Erbguts. Die Informationsmenge entspricht einer Bibliothek mit
etwa zweitausend Büchern und insgesamt einer Million Seiten, die
jeweils eine Anweisung enthalten.
17:26
Von diesen etwa eine Million Anweisungen oder Genen werden nur etwa
25000 tatsächlich genutzt. Das reicht völlig, um alle Merkmale des
Körpers zu bestimmen und seine Funktionen zu steuern. Die Farbe
unserer Augen oder Haare, der Aufbau unseres Gehirns oder die
Funktion unserer Nieren – einfach alles!
18:05
Rebecka ist skeptisch – so viele Bücher soll sie in sich haben? Aber sie
kann sich trösten: auch die Großen haben Probleme, sich das
vorzustellen.
18:28
Das Leben in einer Stadt funktioniert nur mit einer ausgeklügelten
Infrastruktur. Und das gleiche gilt für die Zelle.
Was in der Stadt die Straßen sind, ist in der Zelle das „Cytoskelett“- ein
geheimnisvolles Netzwerk, das je nach Bedarf überall neue Wege, Tunnel
oder Brücken anlegt.
18:50
Entlang dieses zellulären Straßennetzes trägt ein kontinuierlicher Strom
von Transportarbeitern Container mit Fracht jeglicher Art dorthin, wo sie
gebraucht werden. Diese „Motor-Proteine“ bewegen sich ganz ähnlich
wie wir es tun. Sie haben trotz ihrer winzigen Größe tatsächlich so etwas
wie Beine und Füße.
19:20
All die Prozesse in der Zelle benötigen Energie. Die Grundlagen dafür
müssen wir ständig zu uns nehmen – in Form von Nahrung.
Vor allem die Kohlenhydrate sind es, die den Betrieb am Laufen halten.
19:38
Im Magen beginnt der lange Prozess, der aus Nahrung Energie macht.
19:47
Die Hauptverdauungsarbeit allerdings beginnt erst im Dünndarm, dessen
Wand mit vielen feinen Zotten bedeckt ist.
19:57
Hier vollenden die Enzyme ihr Werk, zerlegen die Nahrungspartikel
endgültig in brauchbare Nährstoffe und Abfall.
20:09
Die Nährstoffe werden über die Darmzotten aufgenommen und über den
Blutkreislauf bis in die letzten Winkel des Körpers verteilt – jede unsere
30 Billionen Zellen erhält ihre Ration.
20:25
Mikroskopisch kleine Zuckermoleküle werden von der Zellmembran ins
Zellinnere durchgelassen.
20:38
Hier finden sie schnell den Weg zu einer der wohl wichtigsten
Einrichtungen der Zelle – den Mitochondrien. Sie sind die Kraftwerke der
Zelle – man könnte sie aber auch als mobile Großküche der Zelle
bezeichnen.
©
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21:00
Die letzten Überbleibsel unserer Nahrung treiben hier in eine Art Turbine
an, die letztlich für die Zelle verwertbare Energie erzeugt.
21:14
Innerhalb des Mitochondriums werden ständig kleine Energiepakete
hergestellt – kleine Fertigmahlzeiten oder, wenn man so will, AkkuPacks, die ständig in regelrechten Wolken in die Zelle abgegeben
werden. Dort stehen sie bis in den letzten Winkel zur Energieversorgung
zur Verfügung.
21:35
Jeder Einwohner der Zelle, der Energie braucht, kann sich dieser kleinen
Energiepakete – chemisch gesehen handelt es sich um das Molekül ATP bedienen.
22:12
Heute wissen wir, dass wir die Mitochondrien einem genialen Zufall der
Evolution verdanken.
22:21
Vor vielen Milliarden Jahren muss es irgendwo hier passiert sein – in den
ausgedehnten Meeren der Urzeit. Die Evolution hatte die Zelle bereits zu
hoher Perfektion entwickelt. Dann stieß einem Vorfahren unserer Zellen
etwas Entscheidendes zu.
22:41
Ein Bakterium drang durch seine Membran ein – eine für beide Seiten
fruchtbare Symbiose begann. Das Bakterium verlieh der Zelle eine
Fähigkeit, die sie 15 mal effizienter als ihre Konkurrenten machte: die
Produktion von Energie mit Hilfe von Sauerstoff.
23:02
Die Bakterien wurden fester Bestandteilteil der Zelle – als Mitochondrien
sorgen sie seither für die Energieversorgung.
23:13
Die Tatsache, dass sie über eigenes Erbmaterial verfügen, zeugt bis
heute von ihrer Herkunft
23:28
Die Wissenschaftler vom Karolingska Institut wissen, wie die
Mitochondrien entstanden sind und wie sie im Prinzip funktionieren –
Lennart Nilssons Bilder verdeutlichen nun höchst plastisch ihren genauen
Aufbau.
23:41
An den vielfach gewunden Membranen in Ihrem Innern finden die
chemischen Reaktionen zur Energiegewinnung statt – eine höchst
effiziente Raumausnutzung.
24:02
Jede Stadt muss irgendwie ihren Müll entsorgen. Wir mussten erst
lernen, davon möglichst viel wiederzuverwerten, um die Ressourcen zu
schonen.
In der Zelle wurde dieses Problem schon vor Jahrmilliarden gelöst.
24:24
Hier wird nichts verschwendet. Angenommen, einer der unermüdlichen
Lastenträger der Zelle, ein Motor-Protein, funktioniert nicht mehr richtig.
So etwas kann sich die Zelle nicht erlauben.
24:42
Das defekte Protein wird sofort aussortiert und zur Recyclingstation der
Zelle transportiert – einem kleinen Organell, das die Wissenschaftler
„Proteasom“ nennen.
25:02
Dort wird das Protein in seine kleinsten Bestandteile zerlegt, die
Aminosäuren.
©
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25:14
In der Zwischenzeit wird im Zellkern die Bauanleitung für ein neues
Motor-Protein abgelesen und als Blaupause zu den Zellfabriken, den
Ribosomen, geschickt.
25:29
Die Überbleibsel des alten Motor-Proteins und die Blaupausen zur
Herstellung eines neuen setzen die Fabriken in Gang
25:42
Aus den Aminosäuren fertigen die Ribosomen gemäß der Bauanleitung
aus dem Zellkern ein neues Motor-Protein -
25:53
…und bald meldet sich ein neuer Transportarbeiter zum Dienst.
26:09
Die Recyclingstation der Zelle, das Proteasom, ist so klein, dass Lennart
Nilsson es mit seinen Elektronenmikroskopen nicht aufspüren kann. Er
sucht Hilfe im Max-Planck-Institut Martinsried.
[26:21: „Good morning, Prof Baumeister!“]
26:24
Wolfgang Baumeister ist der einzige Wissenschaftler, dem es bisher
gelungen ist, dieses winzige Wunderwerk der Zelle zu fotografieren und
dadurch aufzuklären, wie es genau seine schwierige Aufgabe erfüllt.
26:38
O-Ton Baumeister
„Unter Tausenden verschiedenen Protein-Molekülen, die alle
nebeneinander existieren, sind es immer einzelne, die ganz spezifisch
herausgegriffen werden müssen und die irreversibel aus dem Verkehr
gezogen werden müssen. Es geht hier darum, dass man einen an sich
sehr gefährlichen Prozess für die Zelle, nämlich die Zerstörung eines
Protein in einer Kammer irgendwo so abgrenzt, dass nur unter ganz
spezifischen Bedingungen ein Protein in die Kammer hinein gelangen
kann, wo es dann abgebaut wird“
27:27
Auch hier sind es wieder gerade die Bilder, die der Wissenschaft die
entscheidenden Kenntnisse über die Funktion eines Zellbestandteils
liefern. Für zwei Spezialisten der Elektronenmikroskopie liefern die
Details der Entdeckung und wie sie möglich wurde, stundenlangen
Gesprächsstoff.
27:50
Die Stadt und die Zelle – tatsächlich spielt sich ähnliches wie da draußen
billionenfach en miniature in unserem Körper ab. Lennart Nilssons Fotos
helfen, die Zusammenhänge zu verstehen..
[28:01 O-Ton Beginn Nilsson]
28:06
Voice Over Nilsson
Sprecher 2
Es gibt Kommunikationskanäle und Autobahnen in unserer Zelle, wenn
auch nur wenige millionstel Millimeter groß.
28:18
Die Zelle ähnelt wirklich in Vielem einer Stadt, mit ganz
bemerkenswerten Eigenschaften.
28:27
Sprecherin 1
Die Zelle – ein perfektes Produkt von Jahrmilliarden Evolution. Je mehr
wir über sie lernen, desto mehr gibt es zu staunen.
28:37
Abspann
©
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