Partizipation in der beratenden Policy Analyse

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FU Berlin
Proseminar Policy Analyse
Dozentin: Dr. Corinna Fischer
Referenten: Ronaldo Campos, Sibyl Steuwer
Sitzung am 11.02.04
Partizipation in der beratenden Policy Analyse
Ursprüngliche Idee von Partizipation in der Policy Analyse:
Verwirklichung und Förderung von Demokratie (Laswell)
Später: Experten beraten politische Entscheidungsträger  Vorwurf der
Technokratie
Aufgabe der beratenden Policy Analyse:
 Instrument um bürokratischen Staat zu leiten und zu verwalten
(Fischer): die Policy Analyse soll dazu beitragen, konkrete
Probleme zu lösen
These Fischer: Einige (moderne) Probleme erfordern den Einbezug von
mehr Partizipation
Welcher Art sind diese Probleme?
Schwierige (wicked) Probleme, z.B. : Unterbringung von Obdachlosen
Probleme mit nur unvollständigen Lösungen. Es gibt keine Kriterien,
anhand derer Lösungen beurteilt werden können: „Die Wahl einer
Definition eines solchen Problems bestimmt in der Regel dessen
`Lösung´“
 Diese Probleme sehen sich zwei Arten von Subjektivitätsproblemen
(es gibt keine objektive Gegebenheit) konfrontiert: Diskrepanz
zwischen normativen Kriterien (Ziele, Standards, Regeln) und der
empirischen Situation
Gibt es Beispiele für solche schwierigen Probleme?
 NIMBY – Phänomen als schwieriges Problem: Infragestellen der
Experten als letzte Instanzen
Wieso benötigen diese Probleme mehr Partizipation:
 am Scheitern von technokratischen Problemlösungsversuchen
(Beispiel der Risikoabschätzung) wird klar: mehr Partizipation
könnte Abhilfe schaffen
 Partizipatorische Alternative: Kulturelle Rationalität ist nur eine
andere Art von Wissen und muss in den Entscheidungsprozess
eingebaut werden
Resultat:Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Problemlösungen häufig in
allseitigem Einverständnis getroffen werden
Wozu ist Partizipation in der beratenden Policy Analyse gedacht?
Was sind die Zwecke von Partizipation?
 Normative Ideale und instrumentelle Zwecke
FU Berlin
Sitzung am 11.02.04
Proseminar Policy Analyse
Dozentin: Dr. Corinna Fischer
Referenten: Ronaldo Campos, Sibyl Steuwer
 Fokus auf instrumentelle Zwecke (Lösung konkreter Probleme), da
die relevant sind für aktuelle Policy Analyse
Fischer:
 Entdecken der kulturellen Rationalität als Wissen
 Akzeptanz von Entscheidungen indem Prozesse mit durchlaufen
werden
 Systematisierung von lokalem Wissen
 Öffentliche Lernprozesse (und demokratische Teilhabe)
 Detektor von Alternativen und von verborgenem Wissen
Walters, Aydelotte & Miller:

Detektor
von
Problemen,
Ansätzen,
Alternativen,
Beurteilungskriterien
 Erziehung/ Lernprozesse
 Methode um Meinungen zu erheben
 Überzeugung (Problem: Manipulation)
 Legitimation (Erfüllen von öffentlichen Normen und rechtlichen
Erfordernissen)
Wann soll Partizipation stattfinden? Immer?
Walters, Aydelotte & Miller:
 In den verschiedene Stadien der Politikentwicklung kann
Partizipation jeweils anderen Zwecken dienen (z.B. Agenda Setting:
Sensibilisieren von Problemen durch Partizipation)
 Auch die Beschaffenheit des Problems ist entscheidend für die Art
der Partizipation (ein gut strukturiertes Problem lässt wenig Spielraum
für Alternativen, ein schlecht strukturiertes Problem hingegen ist sehr
konfliktsensibel)
FU Berlin
Proseminar Policy Analyse
Dozentin: Dr. Corinna Fischer
Referenten: Ronaldo Campos, Sibyl Steuwer
Die Zweck – Problem – Matrix
Zweck
Gut
strukturiertes
Problem
„Discovery“
Meinungserhebung
Überzeugung
Legitimation
Wahlen
Referenden
Formelle Hearings
Medien
Task force
Sitzung am 11.02.04
Mäßig
strukturiertes
Problem
Schlecht
strukturier-tes
Problem
Interessengruppenforum
„task force“
Kommissionen
Planungszelle
Nachbarschaftstreffen
Internet Chat
Opinion poll
Planungszellen
Hearing
„town meeting“
“advocacy media”
Wahlen
Referenden
Formelle Hearings
Medien
Task force
Opinion poll
Planungszellen
Hearing
„town meeting“
“advocacy media”
Wahlen
Referenden
Formelle Hearings
Medien
Task force
Quelle: nach Walters, Aydelotte & Miller
Was bedeutet Partizipation im konkreten Fall? Welche Formen gibt
es?
These:
 Erst am konkreten Fallbeispiel wird deutlich, dass unterschiedliche
Formen von Partizipation unterschiedliche Zwecke verfolgen und je
nach Beispiel besser anzuwenden sind oder nicht.
Literatur
Fischer, Frank (1993) „Bürger, Experten und Politik nach dem Nimby –
Prinzip: Plädoyer für die Partizipatorische Policy Analyse“, in Adrienne
Héritier (ed) Policy Analyse. Kritik und Neuorientierung. Politische
Vierteljahresschrift 34. Sonderheft 24, 541:Opladen.
Walters, L.C., Aydelotte, J. & Miller, J. (2000) Putting More Public in
Policy Analysis, in Public Administration Review 4/2000, Vol 60, 349359.
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