Thorax- und Cardiac-CT

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39. DGMP Tagung Oldenburg 2008
Thorax- und Cardiac-CT: Bestimmung der geschlechtsspezifischen effektiven Dosis des Patienten auf Grundlage
der Wichtungsfaktoren der ICRP 103 (2007)
von Boetticher, Heiner1; Jörn Lachmund2; Hui Khee Looe3; Wolfgang Hoffmann4;
Björn Poppe3
1 Institut
für Radiologie und Seminar für Strahlenschutz, Klinikum Links der Weser, Bremen
MLO, ATLAS Elektronik GmbH, Bremen
3 Arbeitsgruppe Med. Strahlenphysik, Universität und Pius Hospital Oldenburg
4 Institut für Community Medicine, Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald
2 Abteilung
- Entstanden im Rahmen des Forschungs- und Lehrverbundes SUM -
Effektive Dosis
Das in den Strahlenschutzbestimmungen festgelegte Berechnungsverfahren für die effektive Dosis E beruht
international auf den Angaben der Publikation 60 (1990) [1] der Internationalen Strahlenschutzkommission
ICRP. Durch die Neufestsetzung der Organ-Wichtungsfaktoren in der Publikation 103 (2007) [2] der ICRP wird
dieses Verfahren modifiziert. Besondere Bedeutung kommt hierbei dem Wichtungsfaktor für die Brust zu,
dessen Betrag in ICRP 103 erheblich erhöht wurde (von 0,05 auf 0,12). Nach [1; 2] ist E definiert als:
E =  T w T * HT
(1)
Dabei ist HT die Organ-Äquivalentdosis im Gewebe oder Organ T und wT der Wichtungsfaktor für das Organ
oder Gewebe T. Die Bestimmung von E für die Referenzperson basiert auf der Verwendung von anthropomorphen Modellen. In ICRP 60 wurde kein spezielles Phantom spezifiziert. In ICRP 103 werden männliche und
weibliche Computerphantome (Erwachsene) für die Berechnung der Werte von HT herangezogen:
E = ΣT wT [0.5 (HT,male + HT,female)]
(ICRP 103; eqn. B.3.9)
(2)
Dabei sind die Gewebe-Wichtungsfaktoren wT für alle Organe und Gewebe geschlechts- und altersgemittelt einschließlich des Wichtungsfaktors für die männliche und weibliche Brust. Nur die "geschlechtsneutralen"
Äquivalentdosen HT in Gl. (1) werden nach Gl. 2 durch Mittelung der "männlichen" und "weiblichen" Äquivalentdosen erhalten (Abb. 1).
Geschlechtsspezifische
effektive Dosis
Externe Exposition
männl. Phantom
absorbierte Dosen
DT,male
weibl. Phantom
absorbierte Dosen
DT,female
Strahlungs-Wichtungsfaktor wR = 1
Äquivalentdosen
HT,male
Äquivalentdosen
HT,female
geschlechtsgemittelte
Äquivalentdosen
HT
wT
Effektive Dosis
E
Abb. 1:
Geschlechts-Mittelung bei der Berechnung der effektiven Dosis in der Röntgendiagnostik (nach ICRP 103, Fig. B.3)
Demgegenüber wird in der Literatur
häufig die Verwendung eines männlichen oder weiblichen Phantoms zur
Bestimmung einer "geschlechtsspezifischen eff. Dosis" Emale und Efemale für
Patienten in der Radiologie vorgeschlagen. In Abweichung von ICRP 60
und ICRP 103 hat dies zur Definition
von geschlechtsspezifischen Wichtungsfaktoren geführt [3-5].
Bei der Ableitung von geschlechtsspezifischen effektiven Dosen auf Basis
der ICRP 103 muss der Mittelwert der
geschlechtsspezifischen Wichtungsfaktoren wbreast,female und wbreast,male den
Wert 0,12 ergeben mit der Bedingung
E = 0,5 (Emale + Efemale). Somit ist eine
Aufteilung des Faktors wbreast auf den
Wert 0,00 für das männliche und 0,24
für das weibliche Unterkollektiv
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39. DGMP Tagung Oldenburg 2008
sinnvoll und durch das Konzept von ICRP 60 und ICRP 103 gerechtfertigt, das auf geschlechtsgemittelten
Wichtungsfaktoren beruht [3-5].
In ICRP 103 ist eine weitere Gleichung für die Bestimmung von E angegeben, die für die Definition einer geschlechtsspezifischen Dosis ebenfalls von Bedeutung ist:
E = wbreast Hbreast,female + Σ(T≠breast) wT [0.5 (HT,male + HT,female)] (ICRP 103, eqn. B.3.8)
(3)
Aus Gl. (2) und (3) erhält man:
Hbreast = 0.5 (Hbreast,male + Hbreast,female) = Hbreast,female
(4)
Somit stellt Gl. (3) eine andere Form dar, Hbreast zu berechnen (mathematisch für Hbreast,male = Hbreast,female); es folgt
aber nicht, dass Hbreast,male = 0 oder wbreast ein geschlechtsspezifischer Wichtungsfaktor ist. Durch Gl. (3) wird
lediglich betont, dass der Wichtungsfaktor für die Brust im Wesentlichen von der Inzidenz und Mortalität für den
weiblichen Brustkrebs abgeleitet wurde.
Anwendungen
Zur exemplarischen Darstellung der unterschiedlichen Modellansätze führten wir Dosisbestimmungen bei einer
standardmäßigen Thoraxuntersuchung und einer Koronarangiographie an einem Mehrschicht-Spiral-CT durch
(Fa. Toshiba, Aquilion 64). Die Ermittlung der Organdosen erfolgte mit TLDs und einem "weiblichen"
Alderson-Phantom. Die Messungen wurden nach einem standardisierten Verfahren durchgeführt und ausgewertet [5]. Bei der Ermittlung von geschlechtsspezifischen effektiven Dosen wurde bei Zugrundlegung des Modells
der ICRP 60 (wT = 0,05 für die Brust) der Frau ein Faktor von 0,10 und dem Mann der Faktor 0,00 zugeordnet,
bei Zugrundelegung des Modells der ICRP 103 (wT = 0,12 für die Brust) entsprechend der Frau der Faktor 0,24
und dem Mann der Faktor 0,00 [3-5]. Für das Kollektiv der Frauen wurde der Dosiswert für die weibliche Brust
eingesetzt. Der Wichtungsfaktor für das Organ “Gebärmutter” wurde analog dem Wichtungsfaktor für die Brust
behandelt. Beim Organ “Keimdrüsen” wurde der Wichtungsfaktor nach ICRP 60 bzw. ICRP 103 beibehalten,
aber die geschlechtsspezifische Dosis eingesetzt.
Ergebnisse
Der im Modell der ICRP 103 angehobene Wichtungsfaktor für die Brust führt zu einer deutlichen Erhöhung der
effektiven Dosis beim Thorax-CT (21 %) und Cardio-CT (31%). Bei Bestimmung einer geschlechtsspezifischen
effektiven Dosis erhält die Frau auf Grundlage von ICRP 60 eine um den Faktor 1,7 höhere Dosis als der Mann,
auf Grundlage von ICRP 103 beträgt die Erhöhung das 3,3-fache (Tab. 1) [6]. Die Neufestlegung der Berechnungsgrundlagen führt zu einer höheren Dosis und einem deutlich erhöhten gender effect bei Röntgenuntersuchungen, bei denen die Brust betroffen ist. Dies sollte bei der Indikationsstellung berücksichtigt werden.
Thorax-CT
Effektive Dosis E
Efemale
Emale
Coronar-CT
Effektive Dosis E
Efemale
Emale
ICRP 60
100 %
113,4 %
86,6 %
ICRP 60
100 %
125,6 %
74,2 %
ICRP 103
121 %
151,7 %
90,3 %
ICRP 103
131 %
183 %
56,1 %
Tab. 1: Effektive Dosen und geschlechtsspezifische
effektiven Dosen E pro Serie für Thorax-CT und
Coronar-CT auf Grundlage der Modelle von ICRP
60 und ICRP 103. Die Werte sind normiert auf die
jeweiligen effektiven Dosen gemäß ICRP 60.
Literatur
[1]
[2]
[3]
[4]
[5]
ICRP 103. Annals of the ICRP. ICRP Publication 103. 2007 Recommendations of the International
Commission on Radiological Protection. Oxford, New York, Frankfurt: Pergamon Press; 2008.
ICRP 60. Annals of the ICRP. ICRP Publication 60. 1990 Recommendations of the International Commission on Radiological Protection. Oxford, New York, Frankfurt: Pergamon Press; 1991.
Xu XG, Reece WD. Sex-specific tissue weighting factors for effective dose equivalent calculations.
Health Phys 1996; 70(1): 81-86.
Perisinakis K, Theocharopoulos N, Karkavitsas N, Damilakis J. Patient effective radiation dose and
associated risk from transmission scans using 153Gd line sources in cardiac spect studies. Health Phys
2002; 83(1): 66-74.
von Boetticher H, Lachmund J, Hoffmann W. Geschlechtsspezifische Bestimmung der effektiven Dosis
am Beispiel von CT-Thoraxuntersuchungen. Z Med Phys 2003; 13: 123-126
2
39. DGMP Tagung Oldenburg 2008
[6]
von Boetticher H, Lachmund J, Looe HK, Hoffmann W, Poppe B. Recommendations of the ICRP
change basis for estimation of the effective dose: What is the impact on radiation dose assessment of
patient and personnel? Fortschr. Röntgenstr. 2008; 180: 391-395
3
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