Untersuchungen zur Diagnostik und Prävalenz von Infektionen

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Paradigmenwechsel in der Schweinepestbekämpfung bei Hausschweinen
K. R. Depner et al.
Deutsches Tierärzteblatt 4, 2005, 398-401
Die klassische Schweinepest (KSP) ist eine der wirtschaftlich folgenschwersten Tierseuche weltweit.
Die KSP wird in erster Linie bekämpft, weil sie den freien Handel mit Schweinen bzw. Schweinefleisch
behindert. Derzeit gültige Bekämpfungsmassnahmen in der EU:
- Keulen aller Schweine im Seuchenbetrieb
- Einrichtung von Sperrbezirken und Beobachtungsgebieten
- Transportverbote, Handelsrestriktionen
- Umfangreiche epidemiologische, klinische, serologische und virologische Untersuchungen.
Zusätzlich wird je nach Seuchenlage vom prophylaktischen Keulen aller Schweine im 500- bis 1000m-Umkreis eines Seuchenbestands Gebrauch gemacht. Die Notimpfung kann bei Vorliegen
bestimmter Voraussetzungen nach Genehmigung der EU-Kommission als spezielle
Bekämpfungsmassnahme eingesetzt werden.
Als sehr umstritten haben sich diese Bekämpfungsmassnahmen in schweinedichten Gegenden
erwiesen. Die Tötung vorwiegend gesunder Tiere wird aus ethischen und tierschützerischen Gründen
von der Bevölkerung immer weniger akzeptiert. Weiterhin schwindet beim Verbraucher das
Verständnis für die Nichtimpfpolitik, zumal die Impfung keine negativen Effekte für Tiere und
Menschen hat. Aus der früheren Anwendung der Impfung ergeben sich zudem keine Beweise für eine
Persistenz von KSP-Virus bei geimpften Schweinen.
Die aktuelle Bekämpfungsstrategie basiert im Wesentlichen auf folgenden Grundvoraussetzungen:
- Nur von seronegativen Schweinen geht keine KSP-Gefahr aus, denn nur antikörperfreie
Schweine erlauben eine effiziente Diagnostik, die sichere KSP-Freiheit garantiert.
- Von seropositiven Tieren kann eine Gefahr ausgehen, daher müssen diese eliminiert werden.
Seropositive Tiere stören das bisherige System der Dokumentation der Seuchenfreiheit in
virusfreien Populationen und müssen daher gekeult werden.
- Da mit konventionellen Impfstoffen gegen KSP geimpfte Schweine seropositiv sind, müssen
diese ebenfalls gekeult werden.
- Das schnelle Keulen möglichst vieler KSPV-infizierter und verdächtiger Schweinbetriebe,
sowie deren Kontaktbetriebe stoppt die Weiterverbreitung.
Als Folge dieser Annahmen wird für virusfreie Regionen die KSP-Antikörperfreiheit gefordert, um
damit den Status der KSP-Freiheit zu belegen. Die serologischen Nachweise sind somit entscheidend
dafür, ob ein Land als seuchenfrei eingestuft wird. Der direkte Erregernachweis spielt nur während der
Seuchenfeststellung und Tilgung eine primäre Rolle.
Die zurzeit praktizierte Strategie der KSP-Bekämpfung ist mittlerweile 20 Jahre alt. In dieser Zeit
haben sich vor allem 2 Punkte verändert:
- Akzeptanz in der Bevölkerung ist nicht mehr vorhanden
- Neue diagnostische Verfahren (RT-PCR, Marker-ELISA) und moderne Impfstoffe
(Markerimpfstoffe) wurden entwickelt.
Die Sensitivität der RT-PCR ist derjenigen der Virusisolierung gleichzusetzen. Sie ist KSP-spezifisch,
verwandte Pestiviren werden nicht detektiert. Aufgrund der hohen Sensitivität können die Proben
gepoolt werden und somit Kosten eingespart werden. Pipettierroboter und RNA-Extraktionsmaschinen
ermöglichen eine Massentieruntersuchung.
Als erweiterte Bekämpfungsstrategie wird folgendes Vorgehen vorgeschlagen:
- Definition der Seuchenfreiheit ist anhand der Erregerfreiheit möglich
- Überwachung und Zertifizierung der Erregerfreiheit mittels RT-PCR
- Gezielter Einsatz von Impfung und Erregernachweis, um die unnötige Tötung gesunder,
virusfreier Tiere zu verhindern.
Ersteller : Riccarda Ursprung
Datum : 30.05.2005
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Abhängig von der Seuchensituation und von der Art des Betriebes ist die Frage zu beantworten, wie
oft und wie intensiv ein Bestand bzw. eine Schweinepopulation innerhalb einer definierten Region
mittels RT-PCR untersucht werden muss. Das Vorgehen richtet sich nach dem Risiko einer Region
bzw. einer Herde, sich mit KSP-Virus zu infizieren. Für eine schweinedichte Gegend wird bei einem
Ausbruch folgendes Vorgehen vorgeschlagen:
- Keulen aller Schweine im betroffenen Betrieb
- Im 1000-m-Radius Impfung mit attenuiertem Impfstoff (Keulung in der gleichen Zone entfällt)
- Im 3000-m-Radius Impfung mit Markerimpfstoff (evt. auch bis 10000m)
- Testen auf Seuchenfreiheit mittels RT-PCR im 1000- und 3000-m-Radius.
Folgende Fragen stellen sich jedoch noch im neuen Bekämpfungskonzept: Da die RT-PCR sehr
sensitiv ist können Kontaminationen zu falsch positiven Ergebnissen führen. Es müssen deshalb noch
Modalitäten zur Abklärung unklarer bzw. zweifelhafter PCR-Befunde erarbeitet werden. Weiter ist zu
klären wie gross die erwähnten Proben-Pools sein dürfen. Bisherige Arbeiten zeigten, dass eine PoolGrösse bis 10 Proben bezüglich diagnostischen Risikos vertretbar ist. Inwieweit die Markerimpfung in
die Bekämpfungsstrategie einbezogen wird lässt sich ebenfalls noch diskutieren. Ist es denkbar, dass
auf Betrieben mit hohem KSP-Risiko zusätzlich zu den RT-PCR Überwachungen eine Impfung
durchgeführt wird? Zudem sollten epidemiologische Modellrechnungen an verschiedene
Ausbruchsszenarios durchgeführt werden.
In der Schweiz trat der letzte KSP-Fall bei Hausschweinen1993 auf. Die Bekämpfung erfolgt ebenfalls
nach den Massnahmen des internationalen Tierseuchenamtes (OIE). Bei Wildschweinen konnte der
letzte Fall 1999 im Tessin verzeichnet werden.
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Bisherige Grundvoraussetzung für die aktuelle Bekämpfungsstrategie von KSP ist,
dass nur von seronegativen Tieren keine KSP-Gefahr ausgeht, denn nur antikörperfreie
Schweine erlauben eine effiziente Diagnostik, die sichere KSP-Freiheit garantiert.
Daraus ergab sich folgendes Vorgehen: Keulen aller Schweine im Seuchenbetrieb, evt.
prophylaktisches Keulen aller Schweine im Umkreis von 500-1000 m, Einrichtung von
Sperrbezirken und Beobachtungsgebieten, Transportverbote, Handelsrestriktionen,
umfangreiche Abklärungen.
Die Abnahme der Akzeptanz der Keulung vorwiegend gesunder Tiere in der
Bevölkerung und die Entwicklung neuer diagnostischer Verfahren (RT-PCR, MarkerELISA) führten zur Ausarbeitung einer neuen erweiterten Bekämpfungsstrategie.
Definition der Seuchenfreiheit ist anhand der Erregerfreiheit möglich.
Folgendes Vorgehen wird vorgeschlagen: Keulen aller Schweine im betroffenen
Betrieb. Im 1000-m-Radius Impfung mit attenuierten Impfstoffen, somit entfällt die
Keulung in der gleichen Zone. Impfung mit Markerimpfstoffen im 3000-m-Radius,
Testen auf Seuchenfreiheit mittels RT-PCR im 1000- und 3000-m-Radius.
Ersteller : Riccarda Ursprung
Datum : 30.05.2005
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