Urlaubsreise: "Yellowstone" und "Rund um den Grand

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Urlaubsreise: "Yellowstone" und "Rund um den Grand Canyon"
Bärbel und Toni Roch
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14.06.01 Fronleichnam Abflug - Denver Doubletree Hotel
15.06.01
PKW an
Jackson-Gr.Teton Signal Mountain
16.06.01
Yellowstone
Old Faithful Inn
17.06.01
Yellowstone
Canyon Lodge
18.06.01
Yellowstone
Canyon Lodge
19.06.01
Yellowst.-Jackson Motel 6
20.06.01
PKW ab
Idaho - Las Vegas Paris
21.06.01
Las Vegas
Paris
22.06.01
PKW an
L.V. - Williams
Auto
23.06.01
Gr.C.-Mon.Valley Goulding
24.06.01
M.V. - Page
Comfort Inn
25.06.01
Antel.C.-L.Powell Comfort Inn
26.06.01
zum Bryce Canyon Bryce View L.
27.06.01
Bryce Canyon
Parry L., Kanab
28.06.01
Zion - St.George Econo L.
29.06.01
Mono Lake - Lee Vining Motel
30.06.01
Yosemite
Yosemite Lodge
01.07.01
Yosemite
Yosemite Lodge
02.07.01
Yosemite-Cambria Creekside Inn
03.07.01
Cambria - SFO
Best Western
04.07.01 Indep. Day San Francisco
Best Western
05.07.01
San Francisco
Best Western
06.07.01
PKW ab
SFO - Abflug
07.07.01
Frankfurt
1. Tag - Do. 14.06.01 (Fronleichnam)
Wir fahren mit dem Zug zum Flughafen.
Die Reise geht zuerst mit LH 446 um 13:00 h (= 05:00 h in Denver) von
Frankfurt nach Denver/Colorado, USA.
Um 15:30 h Mountain Time (= 23:30 h Ffm.) ist dort die Ankunft.
Denver ist die unbestrittene Metropole der US-amerikanischen Rockies.
Denver hat den modernsten Airport der Welt mit einer Größe von 137 qkm
und ein sehr schönes Flughafengebäude. Von dort lassen wir uns vom
Service des Doubletree Hotels bei 20° C und Sonne abholen.
Wir relaxen etwas im Hotel und fallen nach einem kleinen Essen todmüde
um 20:00 h ins Bett.
2. Tag - Fr. 15.06.01
Der Airport-Service des Hotels bringt uns am Morgen wieder zum
Flughafen und wir fliegen mit UA 5691 um 08:20 h ab.
Wir fliegen Richtung Norden und sehen unter uns die schneebedeckten
Rockies.
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Der Verlauf des Snake River, des Schlangenflusses, ist aus 10
Kilometern Höhe gut zu sehen. Ich meine, noch nie hat ein Fluß einen
treffenderen Namen erhalten.
Ziel ist der 2.000 m hohe Talboden Jackson Hole Valley in Wyoming,
wo wir um 09:45 h ankommen.
Bei der Ankunft ist Toni's Koffer nicht da, aber die Übernahme des
PKW's von Avis (Full Size) dauert so lange, bis der nächste Flug aus
Denver eintrifft. Da ist der Koffer an Bord.
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In Jackson Hole Valley empfangen amerikanische Präsidenten, meist im
bunten Herbst, ihre Staatsgäste. Er ist das große, südliche
Eingangstor zu den beiden benachbarten Nationalparks Grand Teton und
Yellowstone. Jackson ist 20 km, Salt Lake City rund 500 km südlich.
Jackson ist ein recht nettes Städtchen im Westernlook. Relativ
preiswerte Unterkünfte sind hier zu finden, wobei die Verfügbarkeit
wegen doch oft hohen Besucherzahl eingeschränkt sein kann. Für das
Abendprogramm gibt es zahlreiche Bars und Restaurants, oft werden als
Spezialitäten Gerichte aus Bisonfleisch angeboten.
Der kleine Flughafen im Nordwesten von Wyoming befindet sich zum
Leidwesen der Umweltschützer direkt im
Grand Teton National Park.
Am Eingang kaufen wir den Golden Eagle Pass für $ 50,--, damit wir
freien Eintritt zu allen Nationalparks und Monuments der USA haben.
Eine Gruppe Motorradfahrer hat den Grand Teton National Park bereits
hinter sich. Wir können uns noch darauf freuen.
Der Park wurde 1929 gegründet, um die Teton Bergkette und die Seen
weiter unten zu schützen.
John Colter hat ihn 1807 entdeckt.
Heute kommen jedes Jahr ca. 3 Mio. Besucher in den Park. Wer
Gemütlichkeit und Ruhe sucht, ist hier genau richtig.
Bestimmendes Element dieses kleinen Hochgebirges ist die
"Gipfelzusammenballung" mit Grand-, Middle- und South-Tetons.
Der Grand Teton N.P. bietet heute mehr als 300 km Wanderwege (Hiking
Trails). Einige schwere Brocken sind darunter und die dünne Höhenluft
macht Aufstiege auch nicht gerade leichter. Informationen über
Schwierigkeitsgrade und Begehbarkeit gibt es bei der Parkverwaltung.
Der Hyw. 191, der Rockefeller Parkway, führt zwar ebenfalls über die
rund 50 km zum Jackson Lake, aber wir nehmen die näher an den Bergen
vorbei führende Teton Park Road, denn diese bietet immer wieder
spektakuläre Aussichten auf die "Skyline" des Parks.
Von der Moose Village Area führt eine schmale, 14 km lange
Seitenstraße zum benachbarten Teton Village, einem modernen alpinen
Erholungsort. Hier geht die Seilbahn, Jackson Hole Aerial Tram, hinauf
zum 3.184 m hohen Rendezvous Mountain. Direkt am Lift ist die "Best
Western Alpenhof Lodge", die von Schweizern geführt wird.
Ein Feldweg ist zwar nichts sensationelles, aber wir fahren einfach
mal 10 km hinein. Und es lohnt sich, denn wir sehen am Wegesrand
überraschend unseren ersten Jungelch, auf amerikanisch Moose genannt.
Elche sind Einzelgänger und meist in sumpfigen Gegenden zu finden. Nur
Mütter gehen mit ihren Kindern zusammen.
Nach ca. 15 km kommen wir zur Abzweigung, die zum Parkplatz Lupine
Meadows Parking Area führt. Hinter dem Cottonwood Creek führt ein
steiniger, ungeteerter Weg durch bunte Wiesen zu einem reizvollen
Wanderweg. Große Kondition erfordert auf dem selben Pfad die 6stündige Wanderroute zum Amphitheater Lake, nahe der Baumgrenze. Der
schweißtreibende Aufstieg wird mit einer spektakulären Aussicht
belohnt. Beides ließen wir mangels Kondition aus.
Zurück zur Hauptstraße und zu unseren Aktivitäten: Sieben km weiter
ist der South Jenny Lake Scenic Drive. Von dort führt eine schmale
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Strecke ins landschaftliche Herz der Tetons hinein - es gibt herrliche
Blicke auf die mittleren Gipfel.
Klein, aber sehr schön direkt unterhalb des Grand-Teton-Massivs
gelegen, ist der Jenny Lake.
Wir fahren an seinem Ufer entlang und kommen zu einem Bootsverleih.
Hier vertreten wir uns etwas die Füsse. Schilder warnen vor Bären und
wir sind bei unseren Wanderungen natürlich äußerst vorsichtig.
Der Grand Teton N.P. ist ein Land der Kontraste. Weite Landschaften
und lauschige Wälder, enge Täler und hohe Berge gehören zu dieser
spektakulären Kulisse. Hier gibt es Elche, Hirsche, Bisons, Bären,
Vögel und viele andere Tierarten.
Die 64 km lange Gebirgskette der Tetons erinnert sehr an Teile der
Alpen.
Auch ein Murmeltier läuft uns über den Weg, das sich aber nach kurzer
Zeit aus dem Staub macht.
Der (wenig anstrengende) Fußweg Cascade Canyon Trail geht zu den
Hidden Falls, einem der schönen Wasserfälle im Park.
Der anschließende kleine Bach verschwindet in Richtung Jenny Lake.
Zurück fahren wir mit dem Boot. Wir müssen aber etwas warten, weil
hier ein großer Andrang ist.
Bei der Überfahrt können wir uns auf das weiter Folgende einstimmen.
Es macht doch immer wieder Spaß, die fast unberührte Natur
Nordamerikas aufzusuchen. Die Flora und Fauna ist überwältigend.
Am Nordende des Sees zweigt ein Sträßchen zum winzigen String Lake ab.
Am Ende dieser Nebenstraße führt ein ebener Uferweg am lichten Wald
und an einem Flüßchen entlang zum glitzernden Leigh Lake, wo es sogar
kleine Sandstrände gibt.
Ein Baum hat sich in der Mitte des Baches an einem Stein festgekrallt.
Wie lange wird er sich wohl noch halten?
Wir haben Lust, uns einfach hinzusetzen und uns umzuschauen. So
beeindruckend und friedlich ist es hier. Der Park gefällt uns.
Die zackigen Spitzen der Tetons (französisch = Brüste) heben sich
majestätisch vom Himmel ab, sodaß sie schon oft als Filmkulisse
dienten. Der Grand Teton ist mit 4.197 m der höchste Berg, der Mt.
Owen mißt 3.940 m.
Überall haben wir tolle Aussichten auf die Berge.
In großartiger Natur paddelt eine Familie im seichten Wasser. Kanus
kann man überall mieten und damit die Seen abfahren.
Direkt hinter dem Jenny Lake ist die Jenny Lake Lodge mit 30
luxuriösen Cabins für $ 400,-- einschließlich Abendessen und
Frühstück. Von außen ist sie allerdings wenig ansprechend.
Wir fahren die Teton Park Road weiter nach Norden und übernachten in
der Signal Mountain Lodge am Jackson Lake in einem Country Room einfach, sauber und klasse.
Trotz schlechter Wettervorhersage haben wir einen Bombentag und wir
machen uns nach dem Einchecken nochmals auf den Weg in die Wildnis.
In der Abenddämmerung sehen wir auch noch eine Elchkuh mit zwei
Jungen. Nur die Elchkühe kümmern sich um die Jungen, die Bullen gehen
in das höhere Gebirge. Wir haben genügend Zeit, die Tiere zu
beobachten. Die beiden Jungen trauen sich nicht, der Mutter den
steilen Abhang hinunter zu folgen, den sie ausgesucht hat.
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Ihr bleibt nichts anderes übrig, als darauf zu verzichten, nach oben
zu kommen und den Rückweg anzutreten.
Einzelne Abschnitte zum Signal Mountain sind wegen der Enge der Straße
für Wohnwagen und Camper nicht zugelassen. Aber wir mit unserem PKW
können bis zur Spitze fahren.
Der Panoramablick von dort oben ist aber auch einfach grandios.
Der Ausflug hat sich also gelohnt und das Essen schmeckt im Trapper
Grill der Lodge dementsprechend.
3. Tag - Sa. 16.06.01
Wir frühstücken in der Signal Mountain Lodge vor toller Kulisse.
Der Bergkette vorgelagert sind etliche kleine und große Seen, wovon
Jackson Lake der bei weitem größte ist.
Er ist fast 27 km lang und 133 m tief und wurde durch die Anlage eines
Staudamms erweitert. Hier gibt es Pelikane, Reiher, Schwäne und
Weißkopfseeadler.
Wir machen einen kurzen Abstecher zur Flußschleife Oxbow Bend des
Snake Rivers, wo wir die Tetons in voller Schönheit sehen.
Am Willow Flats Overlook oder in den Wiesen, die sich gleich nördlich
der Brücke über den Christian Creek anschließen, stehen normalerweise
Elche. Aber wir haben leider Pech.
Etwas weiter ist die Jackson Lake Lodge. Von der Lounge im Obergeschoß
hat man einen schönen Blick auf den See und die Berge.
Es geht weiter nordwärts zum Colter Bay Village mit seinen 209 kleinen
Ferienhäusern, sogenannten Cabins. Ein preiswertes und gutes
Restaurant ist das Chuckwagon Restaurant und im Colter Bay Visitor
Center befindet sich ein ausgezeichnetes Museum für indianische Kunst
und Kunsthandwerk.
Vom nördlichen Ausgang des Grand Teton N.P. führt uns jetzt der John
D. Rockefeller Jr. Memorial Highway direkt im Herzen Nordamerikas in
den
Yellowstone National Park,
der früheren Heimat einiger Indianerstämme. Er wurde uns Deutschen
schon von Karl May in "Winnetou 3, Kap. 11-15, Unter Geiern, Das
Zauberwasser und Der Sohn des Bärenjägers" begeistert beschrieben.
Direkt hinter dem Eingang geht unsere Fahrt durch eines der
ausgedehntesten Waldbrandgebiete vom Sommer 1988, als die Flammen mehr
als 300.000 ha Wald vernichteten.
Im Yellowstone kam es 1988 nach Blitzeinschlägen bei einem der
berühmten Unwetter zu Waldbränden, die zunächst zur natürlichen
Regeneration des Baumbestandes nicht gelöscht wurden.
Für die Pflanzenwelt ist Feuer nämlich auch eine Bereicherung, da die
Wurzeln intakt bleiben.
Aufgrund der extremen Trockenheit in jenem Jahr gerieten die Brände
jedoch außer Kontrolle, sodaß in einer verheerenden Katastrophe fast
50 % der Fläche des Parks ein Raub der Flammen wurden.
Die Natur erholt sich Gottseidank davon. Überall zwischen den kahlen
Baumstämmen können wir reichlich neues Grün entdecken.
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In wenigen Jahrzehnten wird wohl nichts mehr an 1988 erinnern - es sei
denn, neue Brände brechen aus.
Mit der Schaffung des Yellowstone N.P. 1872 nahm die Geschichte der
Nationalparks weltweit ihren Anfang. Hier wurde eine Landschaft zum
ersten Mal nicht erschlossen. Der Park ist 90 x 100 km groß, also so
groß wie Korsika, und ist mit seinen 9.000 qkm der größte und zudem
der vielfältigste und wohl bekannteste Nationalpark der USA.
Eine indianische Sage beschreibt ihn als "Perle der Menschheit".
Der Park liegt in den mittleren Rocky Mountains im Nordwesten des
Bundesstaates Wyoming, dem Equality State (Gleichheitsstaat) auf 2.100
bis 2.500 m Höhe und ist sehr gewässerreich.
Ist der Yosemite N.P. schon recht weitläufig, so setzt der Yellowstone
mit seinen Ausmaßen ganz neue Maßstäbe. Unzählige Sehenswürdigkeiten
liegen an der 300 km langen Grand Loop Road, der Parkstraße, die auf
der Landkarte eine große Acht bildet und die mit den fünf
Parkzufahrtsstraßen verbunden ist. Jeder einzelne Kilometer birgt
Überraschungen, aber man muß genau aufpassen.
Im südlichen Teil des Parks liegt Grant Village. Hier gibt es moderne
Motelunterkünfte sowie ein Besucherzentrum mit einer Ausstellung über
die Brandkatastrophe von 1988. Hier essen wir etwas.
Eine kleine Ansammlung der heißen Quellen liegt direkt am Westufer des
Yellowstone Lake im West Thumb Geyser Basin. Die Bucht von West Thumb
(Westlicher Daumen) ist fast ein See für sich. Ein Plankenweg führt zu
den reizvoll gelegenen thermischen Sehenswürdigkeiten.
Die etwa 30 km lange Strecke zum Old Faithful ist ganz bezaubernd.
Sie führt über den 2.518 m hohen Craig Pass und der Continental
Divide, der kontinentalen Wasserscheide.
Unterwegs besichtigen wir die Keppler Cascades, das sind ganz nette
Wasserfälle.
In den letzten elf Jahren gab es hier die höchste Aktivität der
Geysire seit 1870, aber die Touristen mögen die Zuverlässigkeit.
Wir sind jetzt in der Old Faithful Area. Hier im langgezogenen Upper
Geyser Basin können beiderseits der Straße unzählige verschiedenartige
und sehr sehenswerte heiße Quellen und Geysire besichtigt werden.
Unter anderen ist auch der berühmteste von allen: der Old Faithful
Geyser, der alle 30 bis 120 Minuten einige Minuten lang eine hohe
Wasser- und Dampf-Fontäne ausstößt.
Er ist das Wahrzeichen des Parks und der berühmteste Geysir der Welt.
Old Faithful ist nach wie vor der bestbesuchte und am weitesten
"kommerzialisierte" Geysir, obwohl weder der schönste, wie einige
Leute sagen, noch der größte des Parks. Was ihn so bemerkenswert und
für Touristenbusse äußerst attraktiv macht, sind seine mit fast
Fahrplangenauigkeit ablaufenden Ausbrüche.
Ob Winter oder Sommer, Tag oder Nacht, unbemerkt oder von Hunderten
Besuchern beobachtet, ist Old Faithful über eine Million Male seit
seiner Entdeckung ausgebrochen.
Mitglieder der Washburn-Expedition waren die Ersten, die 1870 den
Geysir offiziell entdeckten. Nachdem sie ihn zwei Tage lang beobachtet
hatten, nannten sie ihn wegen seiner Verläßlichkeit "Old Faithful",
den "alten Getreuen".
Seit seiner Benennung hat sich ein allgemeines Mißverständnis
breitgemacht. Man kann nicht seine Uhr nach ihm stellen! Der Abstand
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zwischen seinen 60 m hohen Ausbrüchen beträgt zwischen 30 und 120
Minuten. Parkaufseher können die Zeit des nächsten Ausbruchs nur aufgrund der Aufzeichnung der Dauer seines letzten Ausbruchs voraussagen,
mit plus/minus 10 Minuten.
Ein Geysir explodiert plötzlich mit Getöse.
Das Wasser, das einen glänzenden Augenblick lang in der Luft hängt,
ist "alt" und mag zum letzten Mal das Sonnenlicht erblickt haben, als
der Gebirgler John Colter 1807 als erster seine Augen auf Yellowstone
warf.
Ein Regentropfen, der auf Yellowstone fällt, bewegt sich eineinhalb
bis drei Kilometer tief in das unterirdische Labyrinth weiter. Bis er
dann zur Erdoberfläche zurückkehrt, sind Hunderte, ja vielleicht sogar
Tausende Jahre vergangen.
Ein Geysir hat drei Hauptkomponenten: 1. Regen und Schnee versorgen
ihn mit genügend Wasservorrat. 2. Geschmolzenes Gestein, das in
Yellowstone der Erdoberfläche näher ist als in anderen Erdteilen,
erhitzt das Gestein, mit dem das sickernde Wasser in Kontakt kommt.
und 3. Das erhitzte Wasser steigt auf und gelangt schließlich in das
unterirdische Netzwerk von Rissen und Kanälen, dem "Pumpsystem" des
Geysirs, das normalerweise nicht mehr als 30 m unter der Erdoberfläche
liegt. Dieses miteinander verbundene System, das bei jedem Geysir
einmalig ist, bestimmt sein Aussehen und sein Verhalten.
Es gibt kleine, winzige (Sput) und große Geysire.
Es kann passieren, daß in einem Jahr ein Geysir aktiv ist, im nächsten
inaktiv. Im folgenden bricht ein neuer aus. Das kann damit
zusammenhängen, daß sie unterirdisch verbunden sind.
Wir übernachten in unmittelbarer Nähe des Old Faithful, im Old Faithful Inn, dem berühmten Hotel des Parks mit der bemerkenswerten HolzInnenarchitektur, in einem Back Side East Wing Room. Das Hotel wurde
1904 erbaut und hat rund 350 Zimmer. Es ist wegen seiner rustikalen
und gemütlichen Atmosphäre immer ausgebucht. Deshalb haben wir schon
Monate vorher reserviert.
Das Feuer von 1988 ging bis in unmittelbare Nähe des Hotels heran. Es
konnte buchstäblich in letzter Sekunde gerettet werden.
Es ist das erste Gebäude, das im Parchitecture, in der Park-Architektur, erbaut wurde und gilt als Vorbild für die Bauten in anderen
National Parks. Es paßt sich der Umgebung an.
Der überwiegende Anteil des Baumaterials stammt aus dem Park. Das
ungewöhnlich geformte knotige Holz stammt aus einem nahen Wald. Im
Laufe der Zeit wurde das Hotel mehrmals umgestaltet und erweitert,
aber seine Ursprünglichkeit blieb erhalten. Die Veränderungen sollten
nicht auffallen.
Das Haus sieht heute noch so aus wie in alten Zeiten.
Abends fahren wir nochmal zum Grant Village, um auf die Pirsch zu
gehen. Aber wir sehen leider nur einige Rehe.
Wir essen in der Snow Lodge gegenüber dem Inn, weil im Inn das Essen
sehr teuer ist und man sich lange anstellen muß. Die Snow Lodge macht
einen guten Eindruck und ist auch zum Übernachten eine Alternative zum
Old Faithful Inn.
Danach nehmen wir noch einen Drink auf der noch nicht veränderten
Dachterrasse des Hotels mit Blick auf den Old Faithful und dann geht's
zu Bette.
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4. Tag - So. 17.06.01
Bärbel kann heute morgen in diesem teuren Hotel nicht duschen, weil
das Wasser nicht abläuft. Außerdem können wir unsere Fenster nicht
öffnen.
Wir packen unsere Sachen und frühstücken in der Snow Lodge.
Im Upper Geyser Basin finden wir die meisten und attraktivsten Springquellen des Parks - etwa 70 Stück.
Die wenigsten der Old-Faithful-Begeisterten nehmen die rund 2- bis 3stündige Wanderung durch das dahinter liegende Geysirfeld auf sich.
Der Geyser Hill Nature Trail führt an den interessantesten vorbei, wie
z.B. dem Plume Geyser.
Gleich zu Beginn macht der Trail eine große Schleife. Hier zweigt
direkt am Firehole River ein Pfad ab, der zum Observation Point führt.
Wir aber gehen über den Firehole River zum Geyser Hill.
Besonders sehenswert ist auch der Liberty Pool.
Wir können die auffällig braune Färbung durch Bakterien gut sehen.
Teilweise kommen diese sogar ohne Licht und Luft aus.
Auf dem Rundweg gibt es jede Menge kleine und heiße Quellen und
Geysire sowie nach Schwefel stinkende Löcher.
Bemerkenswert sind ebenfalls der gerade gesehene Grand Geyser und der
Sawmill Geyser.
Die Scalloped Spring blubbert so vor sich hin.
Der Castle Geyser, der wirklich wie eine Burg aussieht, gehört zu den
ältesten Geysiren des Parks. Um eine solche Höhe zu erreichen,
vergehen Jahrtausende. Etwa alle neun Stunden bricht er aus und ist
dann etwa eine Stunde aktiv. Unglaublich beeindruckend.
Weiter geht's zum Beauty Pool, einer schönen Quelle, die uns etwas
verweilen läßt.
Jetzt folgt der Giant Geyser mit seinem 2,50 m hohen Kegel, der z.Zt.
nicht aktiv ist.
Der Giant Geyser ist im Frühjahr 2003 mehrfach ausgebrochen. Der Boden
hebt sich an und reißt auf und es entweichen giftige Gase.
Experten deuten die über 90 Meter hohe Wasserfontäne des größten
Geysirs der Erde als Anzeichen für ein Aktivwerden eines gigantischer
Supervulkans von 80 km Länge und 50 km Breite.
Nach neuesten Berechnungen müßte er eigentlich bald wieder ausbrechen.
Die tickende Zeitbombe lauert in acht Kilometer Tiefe unter dem
trügerischen Idyll des Yellowstone Nationalparks.
Dieser Ausbruch wäre so gigantisch, daß er u.U. die menschliche
Zivilisation durch Ascheausstoß und Klimaabkühlung auslöschen könnte.
Vor allem wegen der giftigen Gase und einem tödlichen Regen aus Glut,
Asche und Gesteinsbrocken würde in Amerika vermutlich niemand die
Katastrophe überleben. Forscher befürchten, die globale Auswirkung der
Eruption eines Supervulkans wird Milliarden von Menschen das Leben
kosten.
Auf der Erde gibt es nur wenige Supervulkane. Im Unterschied zu Feuer
speienden Bergen bilden sie kesselförmige Täler in der Landschaft aus.
Der letzte Ausbruch eines Supervulkans ereignete sich vor etwa 74.000
Jahren auf Toba bei Sumatra/Indonesien. Genforscher nehmen an, dass
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damals nur wenige tausend Menschen auf dem Blauen Planeten das Inferno
überlebten.
Er wird ausbrechen, daran besteht kein Zweifel. Zum Zeitpunkt des Tag
X steht lediglich fest: Der Super-Gau ist bereits überfällig.
Über Hunderttausende von Jahren köchelt ein Supervulkan eine Mischung
aus Magma, geschmolzener Erdkruste und Gasen in einer unterirdischen
Kammer. Dort baut sich zunehmender Druck auf, der sich irgendwann
entlädt.
Vulkanologen konnten berechnen, dass die nächste Explosion des
unterirdischen "Dampfkochtopfes" bevorsteht. Mit kaum vorstellbarer
Wucht wird er aus dem Erdinneren mindestens 10.000 Mal mehr Material
in den Himmel spucken als 1984 der Mount St. Helens. Vor etwa 600.000
Jahren wurde die Yellowstone-Senke durch eine Eruption des
Magmareservoirs geschaffen. Davor brach der Supervulkan nachweislich
drei Mal aus, immer in einem Abstand von etwa 600.000 Jahren. Doch
niemand kann vorhersagen, wann genau der gigantische Hexenkessel
erneut in die Luft geht und den Planeten bis ins Mark erschüttern
wird. Es kann heute, morgen, in hundert oder zehntausend Jahren
geschehen. Das es bald geschieht, ist aber eher unwahrscheinlich.
Wie verheerend dieses Ereignis werden kann, sehen wir an den 5.000
heißen Quellen und 200 Geysiren des Parks. Die Erde ist nach wie vor
"lebendig".
Auf den Geysirfeldern macht sich immer eine ganz besondere Art von
Weltuntergangsstimmung breit, die bei dunklem und trübem Wetter noch
verstärkt wird, aber heute nicht. Schwefelige Nebelschwaden lassen uns
aber nie vergessen, wo wir uns gerade befinden. Eindringlich wird auch
immer wieder davor gewarnt, die beschilderten Wege zu verlassen.
Wir kommen dann zum Grotto Geyser und wir lassen uns vom Wasserdampf
einhüllen.
Wir bleiben etwas beim Daisy Geyser, der in vorhersehbaren Abständen
ausbricht. Da wir uns die Zeit gut einteilen können, sind wir im
richtigen Augenblick hier. Mit einer gewaltigen Fontäne macht er sich
bemerkbar.
Dahinter steht ein schwarzer, verkohlter Wald - die Überreste von
1988.
Ein populärer Geysir ist der Riverside Geyser am gegenüber liegenden
Ufer des Firehole River wegen seiner Beständigkeit und seiner
idyllischen Lage.
Auch sein Ausbruch ist einigermaßen vorhersagbar, sodaß wir darauf
warten können.
Wir sehen, hier ist eine kurzlebige Landschaft, die sich aufgrund
natürlicher Vorgänge ständig verändert. Manchmal plötzlich, aber meist
langsam und unmerklich, gestalten Naturkräfte das Aussehen von
Yellowstone. Wasser ist in seinen vielseitigen Formen und kunstvolle
Weise ein Werkzeug dieser ständigen Veränderung, aber auch Feuer.
Am Wendepunkt des Rundgangs erwartet uns eine besonders schöne Quelle.
Wir kommen zum farbenprächtigen Morning Glory Pool, dem Highlight des
Spaziergangs.
Parkwächter müssen die Quellen immer wieder von hinein geworfenen
Steinen und Abfällen reinigen. Wenn diese auf die Sohlen der heißen
Quellen absinken, verstopfen sie die Öffnungen. Einige größere Geysire
und Quellen wurden dadurch schon total zerstört.
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Auf dem Rückweg sehen wir uns noch die kreisrunde und glasklare Round
Spring an.
Und etwas später sehen wir die Orange Spring, die ihr Wasser in den
Firehole River abläßt.
An der Straße steht wie auf Bestellung ein Indianer-Büffel, ein Bison.
Bei den Indianern hatte er früher eine ans religiöse grenzende
Verehrung erfahren. Wahrscheinlich zu allererst aus Dankbarkeit, denn
der Büffel lieferte alles notwendige zum Leben.
Er trägt noch das zottelige Winterfell und läßt sich durch uns nicht
stören.
Die hier ansässigen Präriebisons tragen am Kinn einen lang herab
fallenden Bart und auf dem Kopf ein üppige Mähne.
Beim Waldbison sind Kinn- und Kopfbehaarung eher kümmerlich. Dafür
treten die Hörner viel deutlicher in Erscheinung.
Das löwenartige Gebrüll läßt uns an Afrika denken.
Wir halten kurz am Black Sand Basin.
Hier stehen hunderte von abgestorbenen Bäumen rund um den
smaragdgrünen Emerald Pool, normalerweise eine gespenstische
Landschaft. Leider fehlen heute die Farben, denn wir haben einen
bedeckten Himmel.
Das Biscuit Basin lassen wir aus. Hier ist der Sapphire Pool, der erst
1955 aktiv wurde und nichts besonderes darstellt.
Die Straße folgt dem Firehole River bis zum Midway Geyser Basin.
Nächster Halt ist die "Grand Prismatic Spring", die einen Durchmesser
von 110 m aufweist, und deren herrlich leuchtende Färbung von
verschiedenen Algenarten herrührt.
Die größte heiße Quelle von Yellowstone sieht man sich allerdings am
besten von der Luft aus an. Wir hatten am Boden wegen Dampf und Wind
leider keine gute Sicht.
Ein Plankenweg von ca. 20 Minuten führt am Riesenkrater des Excelsior
Geyser vorbei, der pro Minute etwa 15.000 Liter siedendes Wasser
produziert.
Über den Sinterblock des Excelsior Geysers rauscht ein siedender
Wasserfall von 90 Grad in den Firehole River hinunter.
Die nächste Sehenswürdigkeit ist am Firehole Lake Drive. Dort befindet
sich der farbige White Dom Geyser.
Und hier ist auch der Great Fountain Geyser. Er hat etwa jede Stunde
eine sehr große, dynamische Interaktion von Wasser, Hitze, Druck und
Dampf.
Im Lower Geyser Basin ist der Fountain Paint Pot, ein brodelnder, rotrosafarbener Schlammteich und wie Name schon sagt eine sehr
farbenfrohe Ansammlung von heißen Pools.
Von dort spazieren wir zum Fountain Geyser. Hier ist eine relativ
flache Gegend mit einer Fülle von Geysiren, die alle sprühen.
Überall auf dem Gelände kommt heißes Wasser aus der Erde. Dadurch ist
auch ein kleiner See entstanden.
Auf den größeren Grasflächen der Fountain Flats sind gelegentlich
Kanadakraniche oder Bisons zu sehen. Wir sehen aber nur einige Rehe.
Über eine schmale, teilweise unbefestigte Straße, den Fountain Flat
Drive, gelangt man zum Goose Lake, an dessen Ufer auf einem der kahlen
Bäume manchmal ein Weißkopfseeadler sitzt und auf seine schwimmende
Beute lauert. Der Weg dorthin ist aber z.Zt. gesperrt.
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Früher stand hier das schönste Hotel des Parks, das Fountain Hotel. Es
wurde 1891 eröffnet und hatte als einziges eine Sauna. In der Erde
liegen noch die Überreste einer alten Leitung, die damals Wasser aus
einer nahen heißen Quelle zum Hotel führte.
Aber der einst so prächtige Bau ist verschwunden.
Wölfe sind in verschiedenen Gegenden des Parks mit viel Glück zu
sehen. Wir haben heute unseren Glückstag.
Vor der Kreuzung Madison sehen wir zwei Grauwölfe, wovon einer
filmreif ist. 1995, nach 100 Jahren der Angst, wurden 14 Wölfe im
Yellowstone Park angesiedelt und es hat sich gezeigt, daß auch diese
Tiere am Gleichgewicht der Arten teilhaben können. Nur ein starker
Wolf schlägt einen kranken Hirsch, und ein starker Hirsch entkommt.
Obwohl auch heute noch viel Skepsis gegenüber diesen Tieren besteht,
haben sich die Ranger durchgesetzt.
Für uns Touristen ist das natürlich eine Sensation, einmal frei
lebende Wölfe beobachten zu können. Gut, daß bisher noch nichts
passiert ist, sonst wäre Umdenken angebracht.
Südlich der Madison-Junction führt eine Einbahnstraße durch den steilwandigen Firehole Canyon mit den Firehole Falls.
Und Richtung Westen geht's nach West Yellowstone mit seinen
Übernachtungsmöglichkeiten, z.B. Best Western.
Später sehen wir die Kaskaden, wo die weißen Schaumkronen in hübschem
Kontrast zu den schwarzen Lavafelsen stehen.
Die Straße zwischen Madison und Norris ist wegen Bauarbeiten nur von
9:00 bis 21:00 Uhr geöffnet.
An der Straße Richtung Norris sind auch die Gibbon-Wasserfälle, die 26
m hoch sind.
Weiter östlich sieht man noch Reste der Brandkatastrophe von 1988.
Unterwegs gibt es den Monument Geyser. Ein Fußweg von zwei Stunden hin
und zurück führt dort hin. Aber wir tun es nicht.
Etwas südlich von diesem Startpunkt ist die Beryl Spring (Beryllium
Quelle), die bei richtiger Sonnen-Beleuchtung wunderschön, oder bei
schlechtem Wetter potthäßlich ist. Weil der Himmel heute bedeckt ist,
fällt die Besichtigung aus.
Auf der Gibbon Meadow genannten großen Wiese, östlich der MadisonJunction, können wir Bisons mit Jungen beobachten, die im Frühjahr zur
Welt kamen. Die Kälber bleiben ein Jahr lang nahe bei den Müttern. Im
Schutz der Herde droht ihnen keine Gefahr.
Wir gehen über eine Wiese nahe an ein Kalb heran und beobachten auch
die großen Tiere, die dösend im Gras liegen.
Das scheinbar friedliche Muttertier kann aber auch aggressiv werden.
Viele halten die Bisons für sanfte Tiere, weil sie auf der Wiese einen
friedlichen Eindruck hinterlassen.
Aber urplötzlich schießen sie aus dem Stand los mit einer
unglaublichen Geschwindigkeit, daß man nicht mehr fliehen kann. Man
sollte ihnen also nicht zu nahe treten.
Gerade im August und September kämpfen die Bullen untereinander, um
ihre Rangfolge festzulegen. Nur die Stärksten dürfen sich im Herbst
paaren und für Nachwuchs sorgen. Sie strotzen vor Kraft und müssen den
Bewerbungsmarathon über Wochen durchhalten.
Wir ziehen uns nach den Fotos und Filmaufnahmen schnell zurück, denn
hier ist kein Streichelzoo und wir sind auf uns allein gestellt.
12
Der Bison ist hier für mehr Todesfälle verantwortlich wie der Grizzly.
Bisons halten sich im Winter in der Nähe der Thermalgebiete auf und
gehen erst Ende Mai, wenn die Kälber geboren werden, wieder in die
restlichen Gebiete.
Weiter in Richtung Canyon Village gibt es eine reizvolle
Einbahnstraße, den Virginia Cascade Drive. Hier sind schroffe Abhänge
und einige Wasserfälle.
Steamboat (Dampfschiff), der höchste Geysir der Welt, explodiert zu
einer Höhe, die die von Old Faithful 2- bis 3 mal übertrifft. Auf die
Wasserphase, die 3 bis 20 Minuten anhält, folgt die Dampfphase, die 12
bis 24 Stunden andauert. Steamboat bricht in Abständen von 4 Tagen bis
50 Jahren aus und ist unberechenbar. Das ist uns zu lang.
Dagegen sprüht der originelle Echinus Geyser etwa ein mal pro Stunde.
Er füllt sich langsam mit heißem Wasser, um am Ende seinen Inhalt in
wenigen Minuten wieder auszublasen.
Hier ist auch die farbenprächtige Emerald Spring.
Für beide haben wir aber keine Zeit und lassen sie aus.
An der Straße können wir noch zwei ausgewachsene Wapiti-Hirsche
begutachten, die auch nichts dagegen haben. Die Amerikaner nennen sie
Elk.
Wir können nahe an sie herangehen und sie lassen sich bei ihrer
Mahlzeit nicht stören.
Wapiti heißt "Weißer Hirsch" und man erkennt ihn am weißen Hinterteil.
Sie sind größer als unsere heimischen Hirsche.
Im Spätsommer, im August bis September, kann man sie besonders leicht
beobachten. Es beginnt ihre Paarungszeit und dann greifen die Männchen
auch Autos an und werden zum Verkehrsrowdy.
Der Yellowstone ist eben wie gemacht für Tierbeobachtungen.
Wir übernachten in der Canyon Village Area.
Die Canyon Lodge & Cabins, wo wir zwei Nächte bleiben, hat mehrere
moderne Gästehäuser. Wir haben einen High Range Room, der auch in
Ordnung ist.
Unser Haus ist etwas abseits vom großen Trubel.
Dieses Zentrum moderner Unterkunftsstätten, Läden und einem großen
Campingplatz liegt in der Nähe vom Grand Canyon of the Yellowstone.
Das Essen im Schnellrestaurant mit Souvenirladen ist nicht gut, haben
wir gehört, und wir essen in der Cafeteria.
5. Tag - Mo. 18.06.01
Morgens sind wir früh raus und vor der Tür erwartet uns ein großer
Bison, der sich zum wiederkäuen ins Gras gelegt hat.
Wir sehen einige dieser Tiere in den frühen Morgenstunden. Bisons und
Hirsche sind zum Alltag geworden.
In der Nacht war es sehr kalt und die Scheiben sind zugefroren.
Wir fahren nach dem Frühstück nach Norris Junction zurück und dann in
nördliche Richtung.
Das Norris Geyser Basin ist sehr interessant. Durch das hydrothermal
sehr aktive Basin führen verschiedene Pfade. Gut ist Loop A.
13
In einem kleinen Museum können wir uns über die vier Arten thermaler
Aktivität (Geysire, Schlammtöpfe, Fumarolen und heiße Quellen)
informieren.
Der Roaring Mountain hat dampfende Fumarolen, die aber eher schnarchen
als brüllen. Am frühen Morgen halten viele Besucher an, wegen des
bizarren und fotogenen Anblicks der zahlreichen Rauchfahnen im
Gegenlicht.
Zwischendurch sehen wir immer wieder Zeugen der Brandkatastrophe von
1988, und auch satte Wiesen. Denn nach dem Brand kommt wieder das
Leben zurück.
An feuchten Stellen wie Willow Park, weiden oft Elche, und auf den
Swan Lake Flats Wapiti-Hirsche.
Vor allem Hirsche sind hier immer öfter zu sehen und hier brüten auch
die großen Trompeterschwäne. Leider ist hier kein Zoo und es ist kein
Wild auszumachen.
Wir kommen jetzt am Beaver Lake vorbei. Er zeigte einst eine
Meisterleistung der Biber: Quer über den 300 m breiten See bauten sie
einen gewaltigen Damm. Heute ist der See versiegt und die Biber sind
weg.
Das Obsidian Cliff besteht aus mächtigen schwarzen vulkanischen
Glasbrocken (Obsidian), das den Indianern für ihre Pfeilspitzen
diente. Die Steine sind von der Straße aus zu sehen, sehen aber
nichtssagend aus.
Drei km nördlich dieses Felsmassivs entspringen Quellen (Apollinaris
Spring) mit kohlesäurehaltigem Trinkwasser.
Am Indian Creek Campground halten sich oft Grizzlies auf, denn
menschliche Nahrung ist für sie eine Versuchung.
Am Sheepeater Cliff (der Schafesserwand) entstanden Basaltsäulen, als
feinkörnige schwarze Lava langsam und gleichmäßig abkühlte. Die Lava
zog sich zusammen und zerbrach in 5-, 6- oder 7-seitige, vertikale
Felssäulen.
Das selbe geschah bei den Calcite Springs, die wir aber nicht
besuchen.
Viele Murmeltiere tummeln sich zwischen den Felsen. Sie liegen meist
unbeweglich da.
Nach einiger Zeit zerbrachen auch die Säulen in einzelne Felsbrocken
und geben jetzt für die Murmeltiere ein gutes Versteck ab.
Wir treffen hier ein Ehepaar aus Bad Honnef, das schon seit einiger
Zeit, von Norden kommend, unterwegs ist.
Zwischen Gardners Hole und Mammoth halten sich beiderseits der Straße
oft Gabelböcke auf.
Dickhornschafe sind manchmal an den Berghängen östlich der Straße zu
beobachten. Aber, wie so oft, beide Tierarten lassen sich nicht
blicken.
Kurz vor dem Glen Creek ist eine sechs km lange, nicht geteerte und
steile Schotterstraße, die Bunsen Peak Road. Am Osprey Falls Overlook
gibt es einen schwindelerregenden Blick in die Tiefe des Canyons. Aber
diese Seitenstraße ist leider geschlossen.
Auf dem Weg Richtung Norden kommen wir an einem Geröllfeld großen
Ausmaßes vorbei.
Ebenfalls heiße Quellen, aber anders in ihrer Struktur, sind die
Sinterterrassen von Mammoth Hot Springs, normalerweise eine der
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schönsten Attraktionen des Parks. Sie sind am Fuße eine Bergmassivs.
Über zehn Ebenen fließt das heiße Wasser den Kalkstein hinab und
hinterläßt dabei farbenprächtige Abstufungen (vor allem morgens und
abends).
Alle Plätze sind von den Parkstraßen aus gut erschlossen und auf
Holzbohlenwegen ohne große Schwierigkeiten begehbar. Allerdings geht
es manchmal steil auf oder ab.
Die muschelartigen, übereinander gereihten Becken der Minerva Terrace
und anderer Terrassen wie der Cleopatra Terrace sind bei unserem
Besuch fast nur noch weiß. Leider fehlt den Quellen seit einiger Zeit
das Wasser, sodaß die Farbenpracht verloren gegangen ist.
Die Felssimse sind übrigens durch Travertin-Ablagerungen entstanden.
Hier gibt es nur heiße Quellen und keine Geysire. Das Wasser ist dafür
nicht heiß genug, es hat "nur" eine Temperatur von 72 Grad Celsius.
Wir kommen an der Orange Mound Spring vorbei, die wie ein Tafelberg
aussieht.
Man sieht das herunter laufende Quellwasser kaum.
Die Angel Terrace bietet aufgrund ihrer Größe noch etwas besonderes
dar.
Schätzungsweise werden hier täglich etwa 2 Millionen Liter Wasser und
2 Tonnen Kalkstein ausgestoßen.
Der Liberty Cap, der aussieht wie eine Freiheitsmütze der Revolution,
ist ein allein stehender Fels.
Die Palette Spring sehen wir uns nur von unten an.
Trotz allem ist Mammoth Hot Springs für uns heute eher eine
Enttäuschung, obwohl die Terrassen mal etwas anderes als die Geysire
und heißen Quellen bisher sind.
Die meisten Quellen sind eingetrocknet. Nur noch wenige Teile lassen
die frühere Pracht erahnen. Wirklich schade, denn früher war das
wirklich wunderschön.
Im Mammoth Hot Springs Hotel & Cabins gibt es Zimmer mit Bad sowie
Standard Cabins, wir fahren aber nur durch die gleichnamige Ortschaft.
Acht km nördlich den Gardner River Canyon abwärts und wir wären am
Nordeingang des Parks mit großem Besucherzentrum und Servicestationen.
Von hier fahren wir aber ostwärts.
Wir sehen unterwegs die Undine Falls, die über drei Etappen
herabfallen. Und immer wieder sehen wir Reste der Waldbrände.
Die Straße verläuft hoch über dem Yellowstone River, der übrigens
Richtung Norden fließt.
Kurz vor der Roosevelt Lodge geht eine kurze Straße ab. Wir sehen dort
einen Braunbären gegenüber in einem Tal.
Die etwa 200 Braun- und etwa 600 Schwarzbären des Parks werden nur
sehr selten gesichtet, können aber überall angetroffen werden.
Braunbären bevorzugen weite Grasflächen in höheren Lagen (wie etwa dem
Hayden Valley). Schwarzbären hingegen sind Waldbewohner. Beide Arten
sind Allesfresser.
Wir haben Glück, einen Braunbären in geringer Entfernung beobachten zu
können, und der sich ohne Scheu bewegt.
Leider frisst er meist nur im Schatten einige Gräser.
Zum Schluß hat er genug und legt sich zum Dösen auf einen
Felsvorsprung vor seiner Höhle.
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Neben dem Glacier N.P. in Nord-Montana hat der Yellowstone N.P.
mittlerweile die größte Population von Grizzlies in Amerika. Seit 1975
dürfen sie nicht mehr gejagt werden.
Nach dem Winterschlaf, ab April, sind die Grizzlies hungrig und werden
oft, sogar an den Hauptstrassen, beobachtet. Dann haben sie Junge und
machen Jagd nach kleinen Wapiti-Kälbern.
Ende Juni sind diese aber zu schnell und stark geworden, sodass jetzt
die Forellen an die Reihe kommen, die zu ihren Laichplätzen unterwegs
sind. Dann scheinen sie sich in Nichts aufzulösen und verschwinden
einfach in die Wildnis. Bis Ende der 80er Jahre war es ein Rätsel,
wohin sie mitten im Sommer gehen. Sie ziehen sich oberhalb der
Baumgrenze zurück, denn hier gibt es Nachtfalter zwischen den
Felsbrocken. Diese folgen der Blüte der alpinen Sommerblumen. Für die
Grizzlies sind die mit Nektar und Fett beladenen Falter wie Bonbons.
Aber auch die Samen der weißstämmigen Kiefer in 2.500 m Höhe haben es
den Bären angetan. Sie sind äußerst nahrhaft und gerade das Richtige
vor dem kalten Winter. Dann wird Winterschlaf gehalten und nichts mehr
gefressen.
Die beste Tageszeit für Tierbeobachtungen ist die Morgendämmerung und
die Zeit um oder nach dem Sonnenuntergang. Aber heute haben wir auch
tagsüber Glück.
Weiter auf dieser Straße gelangen wir zum Petrified Tree, dem
senkrechten, versteinerten Stamm einer Sequoienart (Redwoods), der
aber eher lächerlich wirkt.
Die versteinerten Bäume sind die Reste eines Waldes, der vor rund 35
Mio. Jahren in Yellowstone wuchs. Mehr als 10.000 Jahre fiel
regelmäßig vulkanische Asche auf diese Wälder. Kieselsäure in der
Asche gelangte ins Grundwasser und wurde von den Bäumen über die
Wurzeln aufgenommen. Kieselsäure, die durch die fein verästelten
Transportleitungen der Bäume floß, verwandelte die Bäume buchstäblich
von innen nach außen in Stein. Dieser Vorgang wiederholte sich
mehrfach über die Jahrtausende, denn über dem alten, versteinerten
Wald schlug ein neuer Wald Wurzeln. Im Park findet man 27 Generationen
verkieselter Bäume.
Wir kommen zur Roosevelt Lodge Area und hätten im Freien Steaks essen
können (man nennt das "Old West Cookouts"). Wir essen aber vor der
Lodge etwas und trinken einen Kaffee.
Hier sind rustikale Unterkünfte und es herrscht richtige
Westernatmosphäre. Von der Roosevelt Lodge aus werden 30-minütige
Postkutschenfahrten angeboten oder man kann selbst unter Führung
ausreiten. Die zahmen Pferde wären auch für uns Laien kein Problem aber wir verzichten.
Hinter der Roosevelt Lodge geht eine Straße durch das Lamar Valley in
Richtung Nordost-Eingang, dem grandiosen, aber wenig benutzten
Eingangstor zum Park. Sind die Straßen im Park schon allgemein nicht
die Krönung amerikanischen Straßenbaus, so verlangt diese Fahrt schon
eine Menge Geduld und gute Stoßdämpfer. Dafür wird die Landschaft mit
jedem Kilometer wilder und romantischer, um die Straße zum Schluß nur
noch recht beengt zwischen über 3.000 m hohen, schneebedeckten Bergen
hindurch zu lassen. Höchster Paß ist der Bear Tooth Pass in 3.334 m
Höhe in Richtung Billings.
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Der Beartooth Scenic Highway, die US 212, führt vom nordöstlichen
Eingang des Yellowstone National Park nach Red Lodge. Die Indianer
nannten den Original Bear Tooth Pass "Trail über den Adlern". Diese
64-Meilen Straße fängt bei 1.723 m an und steigt über eine Berg- und
Talbahnen-Serie auf das Beartooth-Plateau.
Auf dem Top des Plateaus an einer Erhebung von fast 11.000 Fuß, wo
eine ungehinderte Aussicht von mehr als 75 Meilen möglich ist, geht
die Fahrt an Schneefeldern, kleinen Seen und Feldern von Blumen
vorbei. Schließlich geht es in einen dichten Kieferwald, an
Wasserfällen und gelegentliche zerklüftete Spitzen vorbei.
Viele landschaftliche Ausblicke sind errichtet worden. Sogar im Sommer
können kühle Temperaturen an höheren Erhebungen erwartet werden, eine
Jacke wird empfohlen. 3 Stunden Dauer sind minimal. Die zweispurige
Landstraße ist üblicherweise offen Mai bis September.
Viele sagen, es ist eine der atemberaubendsten Gebirgsstrecken in den
USA. Die Fahrt Richtung Yellowstone ist spektakulärer als umgekehrt.
Wohl deshalb, weil der Yellowstone NP als Highlight noch vor einem
liegt.
Die Grasflächen des Lamar-Tals werden gerne von Gabelböcken
aufgesucht. Wölfe kann man hier am besten beobachten, und auch
Braunbären werden oft gesehen. Im Lamar Valley (Specimen Ridge) gibt
es die größte Ansammlung versteinerter, aufrechter Bäume der Erde
(siehe kurz vorher).
Wir fahren aber südwärts, denn wir haben andere Pläne.
Kurz hinter der Tower-Roosevelt-Area ist eine weitere Attraktion: der
42 m hohe Tower Fall. Man kann ihn durch einen steilen 800 m langen
Pfad erreichen, aber wir haben kein Interesse daran.
Ein Abstecher auf den 3.122 m hohen Mount Washburn wird mit einer
prächtigen Rundsicht auf weite Teile des Parks belohnt, fällt aber
mangels Zeit aus.
Wir besichtigen jetzt eine der schönsten Schluchten in Nordamerika:
The Grand Canyon of the Yellowstone.
Auf dem Weg dorthin kommen wir am Glacial Boulder vorbei. Dieser
Felsbrocken ist ein Überbleibsel aus der Steinzeit.
Zuerst wollen wir uns den Canyon vom North Rim und vom Inspiration
Point aus ansehen.
Am Inspiration Point wird man wirklich inspiriert, und wir wissen
jetzt, warum der Park Yellowstone, gelber Stein, heißt.
Die Sicht auf die Lower Falls, die 2,4 km entfernt sind, ist
phantastisch.
Der Canyon ist bis zu 365 m tief, 1.200 m breit und 32 km lang.
Anders als der Grand Canyon in Arizona, der vor allem durch die Einschneidetätigkeit des Colorado entstanden ist, ist der Grand Canyon of
the Yellowstone ein Produkt mehrerer Naturgewalten:
Vulkanausbrüche, Gletschereis und Überschwemmungen, hydrothermale
Zersetzung des Gesteins und Abtragungen durch Wind, Regen und den
Yellow-stone River. Beiderseits des Grand Canyon of the Yellowstone
sind zahlreiche Aussichtspunkte angelegt, von denen aus wir in die
Tiefe des Canyons mit seinen von heißen Schwefelquellen gelb gefärbten
Wänden (Yellowstone) und auf die beiden großen Wasserfälle Upper und
Lower Falls blicken können.
17
Bei den Upper Falls (33 m) und den Lower Falls (94 m) stürzt der
Yellowstone River in die Tiefe und bahnt sich den Weg dann durch den
Grand Canyon of the Yellowstone. Obwohl die Einblicke in das Tal von
den verschiedensten Stellen aus möglich sind, bestimmen immer wieder
die phantastischen Lower Falls das farbenprächtige Bild.
Von hier aus verläuft ein Wanderweg (North Rim Trail), der einfach zu
bewältigen ist, parallel zum Canyon bis zu den Upper Falls und bis zur
Chittenden Bridge. Mit mehreren Reiseteilnehmern kann man auch das
vier km lange Einbahnstraßen-Problem am North Rim lösen und eine
Abholung organisieren. Oder man stellt ein Auto am Endpunkt ab. Aber
wir sind alleine.
Weiter geht's zum Grandview Point. Genau gegenüber ist Artist Point am
Südrand.
Nächster Halt ist Lookout Point. Hier gehen wir den Red Rock Trail
hinunter zum Red Rock und wir sind den Lower Falls von ihrer
Vorderseite am nächsten.
Die Lower Falls sind 94 m hoch und damit doppelt so hoch wie die
Niagara Fälle.
Wir fahren weiter zum nächsten Parkplatz, wo wir die kleineren Upper
Falls von der Seite aus sehen können.
Noch dichter an die Lower Falls heran gelangen wir auf einem steilen
Weg, dem 600 m langen Brink of Lower Falls Trail. Unten stehen wir
direkt an der Wasserfall-Abbruchkante.
Hier, unmittelbar neben den tosenden Wassergewalten, haben wir einen
einmaligen Blick in den Canyon hinein. Der Aufstieg danach ist zwar
äußerst mühsam, aber es hat sich gelohnt.
Auf der Rückfahrt zum Canyon Village, wo wir übernachten, sehen wir
wieder einen Bison an der Straße.
Bisons und Hirsche sind uns jetzt zur Gewohnheit geworden.
6. Tag - Di. 19.06.01
Wir fahren heute noch einmal zum North Rim, um uns die Upper Falls von
der Nähe aus anzusehen. Dazu müssen wir den Brink of the Upper Falls
Trail, einen Wanderweg, hinunter gehen und wir stehen auch hier an der
Abbruchkante der 33 m hohen Wasserfälle.
Dann sehen wir uns das Panorama vom Südrand aus an.
Wir fahren auf dem drei km langen South Rim Drive zu verschiedenen
Aussichtspunkten.
Erster Halt ist der Upper Falls View Point, von wo wir die Wasserfälle
sehr schön von vorne sehen können.
Am nächsten Parkplatz geht der Uncle Tom's Trail ab, ein sehr
anstrengender Pfad, für uns etwas zu anstrengend.
Krönender Abschluss des Grand Canyon of the Yellowstone ist der Artist
Point, das Mekka für Foto-Fans. Wir können noch einmal die Lower
Falls, eingerahmt in die gelben Steine, in der Ferne bewundern.
Dann verlassen wir schweren Herzens diese Schlucht und fahren südwärts
über die ausgedehnte Hochebene Hayden Valley. Im Hayden Valley halten
sich das ganze Jahr hindurch stets einige Bisons auf. Auch heute ist
das der Fall.
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Auf den Wiesen am anderen Ufer sind oft Grizzlies zu sehen, nur heute
nicht.
Wir fahren weiter in Richtung Süden und sehen uns zuerst die Sulphur
Caldron, den Kochkessel, an.
Im Mud Caldron blubbert es ständig.
Der Mud Vulcano und der übelriechende Black Dragon's Caldron am
Wendepunkt eines etwa ein km langen Rundweges spucken ständig
fußballgroße schwarze Schlammklumpen aus.
Hier ist nicht Türkis, Grün oder Blau die beherrschende Farbe, sondern
schmutzig Braun. Ein schöner Kontrast zu den anderen thermalen
Gebieten im Park.
Dragon's Mouth, das Maul des Drachen, gibt bei seinem Gequirle eine
große Rauchfahne frei.
Man sagt, hier ist der Eingang zur Hölle.
Bei Le Hardy Rapids sieht man im Juni normalerweise Purpurforellen
springen, wenn sie zu ihren Laichplätzen ziehen.
Eine sehr nette Gegend ist das hier, aber es sind keine da. Trotzdem
machen wir einen kleinen Spaziergang.
Wir kommen zum größten Bergsee Nordamerikas, dem Yellowstone Lake.
Er ist ein Naturwunder der besonderen Art. Die Temperatur ist das
ganze über bei plus 5 Grad Celsius. Dieser bezaubernde See ist um zwei
Drittel größer wie der Bodensee. Er gleicht vom Anblick her einem
kleinen Binnenmeer und gehört ganz zum Park.
Am Seeufer gibt es zahlreiche heiße Quellen.
Ein Sonnenuntergang am See muß ein Erlebnis sein. Aber dafür sind wir
zu früh dran.
Fishing Bridge war einstmals ein bevorzugter Angelplatz. Heute ist es
ein beliebter Touristenort und sehr geschäftstüchtig.
Weißpelikane können von der Fishing Bridge an Fluß abwärts sowie östlich davon am Ufer des Yellowstone Lake beobachtet werden und im
Pelican Creek am Pelican Valley halten sich häufig Elche auf, bei uns
aber beides Fehlanzeige.
Von Lake Butte aus haben wir eine schöne Aussicht auf den Yellowstone
Lake. Wir machen ein kleines Picknick und genießen die Ruhe.
Von hier aus führt die 14 zum Osteingang und weiter nach Cody.
Kurz vor Cody liegt der kleine Ort Wapiti. Die Einwohner haben
wunderbare Apfelplantagen, die den Grizzlies der Umgebung ebenfalls
gefallen. Sie sind bereits eine Plage geworden.
Wir kommen am Lake Yellowstone Hotel & Cabins vorbei. Die Cabins sehen
etwas heruntergekommen aus, sind innen aber recht komfortabel
eingerichtet. Den allerschönsten Blick auf den See und die Kette der
Dreitausender (z.B. Eagle Peak mit 3.462 m) gibt es von der Terrasse
des 1890 erbauten Hotels aus, das auf einer Anhöhe über dem Yellowstone Lake erbaut wurde.
Hierfür haben wir leider ebenso wenig Zeit wie für eine Bootsfahrt von
Bridge Bay aus oder eine Fahrradtour und den Besuch der südlich davon
gelegenen Steinbrücke Natural Bridge.
Während Bisons gern bei Bridge Bay grasen, bevorzugen Elche die Teiche
an der Gull Point Road.
Entlang dem Nordwestufer des Yellowstone Lake sieht man ebenfalls
häufig Elche.
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Auf der Weiterfahrt sehen wir noch einen Angler im Yellowstone River,
der sich anscheinend nichts aus Moskitos macht.
Dann verlassen wir den Yellowstone N.P. durch den Südeingang.
Er hat uns viel Freude gegeben und wir fühlen so etwas wie Wehmut.
Wir fahren wieder durch den Grand Teton N.P.
Diesmal aber über den Hwy. 191, den Rockefeller Parkway. Der Highway
ist aber nur eine Schnellstraße und es ist außer der schönen
Bergkulisse nichts zu sehen.
Am südlichen Ende des Parks liegt das National Elk Refuge: Im Winter
(bis April) versammeln sich hier rund 8.000 Wapiti-Hirsche.
Winnetou ist lt. Karl May am Zusammenfluß von Snake und Gros Ventre
River begraben. 10 km weiter liegt Jackson/Wyoming.
Auf dem Weg dorthin ist an der Straße der "Steak Pub" mit
überdimensionalen Portionen, aber wir fahren weiter.
Etliche Bars offerieren in Jackson "original" Westernatmosphäre, jede
Menge Läden laden zum Kaufen ein. Es ist eine sehr schön
zurechtgemachte Westernstadt mit Brettergehsteigen. Wir besuchen
abends die "Million Dollar Cowboy Bar", eine rustikale Cowboy-Kneipe,
wo man auf Westernsätteln an der Bar sitzt. Ein weiterer Tip ist die
"Silver Dollar Bar" - die weltberühmte "Tränke" für Cowboys.
Eine besondere Attraktion ist der Zentralplatz der Stadt (Jackson Town
Square), der von Bögen von Hirschgeweihen eingerahmt ist. Wir stellten
uns aber mehr darunter vor.
Hier findet um 18:30 Uhr auch der allabendliche Überfall auf die
Postkutsche und eine Straßenschießerei statt. Wir kommen aber zu spät
in Jackson an.
Am Südrand ist das Motel 6, wo wir übernachten.
7. Tag - Mi. 20.06.01
Ohne weitere Besichtigung von Jackson geht es nach Idaho Falls/Idaho,
dem Gem State, unserer letzten Station dieses ersten Urlaubsteils.
Der Beiname "The Gem State" kommt von den reichen Bodenschätzen des
Staates und bedeutet "Der Edelstein Staat".
Dort sehen wir uns in der Ortsmitte die Wasserfälle des Snake River
an, die sehr sehenswert sind.
In der alten Goldgräberstadt Idaho City in der Nähe vom Garden Valley
bzw. der Hauptstadt Boise beginnt jedes Jahr am 1. September die
Jagdsaison auf Schwarzbären, Elche und andere Tiere. Etwa 2.000 Bären
werden in Idaho jährlich geschossen, aber Population bleibt stabil.
Den PKW, der uns nicht im Stich gelassen hat, geben wir am Airport um
ca. 13:30 h ohne Probleme ab.
Abflug von Idaho Falls ist um 15:08 h, Ankunft in Salt Lake City, der
Hauptstadt des Mormonenstaates Utah, ist um 15:55 h, Abflug um 17:50
Uhr.
Beim An- und Abflug können wir die kreisrunden Felder, Glücksräder
genannt, bewundern. Sie entstehen durch kreisrund rotierende
Berieselungsrohre.
Und auch den Großen Salzsee können wir sehr schön von oben sehen.
Es ist ein abflußloser See mit drei Zuflüssen. Das Wasser verdampft.
Sein Salzgehalt ist etwa sieben mal höher als der des Meeres.
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Dieses war der erste Teil unserer Reise und wir sind auf den Südwesten
der USA gespannt.
Rund um den Grand Canyon
Vom ersten Teil unserer Reise, dem Yellowstone N.P., kommend, treffen
wir frühabends, um 18:10 h (= 19:10 h Yellowstone/Wyoming und Salt
Lake City/Utah), in Las Vegas/Nevada ein.
Der offizielle Gründungstag von Las Vegas ist übrigens der 15. Mai
1905. Beim 100-jährigen, 2005, gibt's das größte Feuerwerk der
Stadtgeschichte.
Es ist 42° C heiß, und das sollte sich auch in der Nacht kaum ändern.
Denn abends bleibt es wegen der aufgeheizten Asphalt- und Betonflächen
innerhalb von Las Vegas erheblich wärmer als außerhalb.
Im Sommer wird es in Las Vegas häufig extrem heiß. Nahezu
unerträgliche Hitze über 40°C ist zwischen Juni und Mitte September
keine Seltenheit. Wegen der geringen Luftfeuchte lassen sich
Temperaturen bis 30°C aber noch einigermaßen aushalten. Frühjahr
(April/Mai) und Herbst (Mitte September bis Mitte November) sind
klimatisch am angenehmsten. In den kühleren Monaten Oktober-April
herrscht am meisten Betrieb. Als absolute Hochsaison gelten die
Weihnachtstage/Neujahr und die Osterzeit.
Mit dem Zubringerbus fahren wir in die Stadt und zu unserem Hotel.
Wir übernachten die nächsten zwei Nächte im Paris Las Vegas und haben
ein Zimmer im 26. Stock mit Blick auf den beleuchteten Eiffelturm und
das Bellagio mit den Wasserspielen. Das Hotel hat Klasse, das Zimmer
ist klasse.
Das Paris ist jetzt mit 5.800 Zimmern das größte Hotel in L.V.
Das Hotel ist unterirdisch mit dem Bally's verbunden und ist in einer
Hotel-Gruppe mit dem Caesar's Palace, Flamingo Las Vegas, Flamingo
Laughlin und Las Vegas Hilton. Abends ist hier ein Feuerwerk.
In Las Vegas (Die Wiesen) hat sich die Einwohnerzahl in den letzten
beiden Jahren mehr als verdoppelt und die Stadt hat heute 1,5 Mio
Einwohner. Bei Toni's erstem Besuch hier, 1980, hatte L.V. noch
130.000 Einwohner.
225 Hotels mit über 87.000 Zimmern und 126.000 Betten - das ist heute
die Nummer Eins in den USA und der Welt. Die zehn größten Hotels der
Welt stehen hier in Las Vegas, und 18 der zwanzig größten der USA. In
diesem Jahr erwartet man 40 Millionen Besucher.
Toni leistet sich im Paris für $ 6,-- den Luxus des Schuheputzens.
Carl versteht sein Handwerk. Zuerst werden die Schuhe eingecremt und
dann mit dem Fön getrocknet.
Mit der Bürste werden die Schuhe poliert.
Ein flinker Lappen, richtig angewandt, bringt den Glanz.
Die Schuhe glänzen danach wie neu und wir können uns ins Nachtleben
stürzen.
Vorher sehen wir uns aber noch etwas in unserem Hotel um.
Im Paris ist ein sehr gutes Ambiente. Vor den Bistros und Cafes stehen
"Franzosen" mit Baskenmützen und spielen Akkordeon.
Die Champs-Élysées ist wunderschön ins Casino integriert.
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Die Pfeiler des Eiffelturms gehen durch das Casino hindurch.
Mehrere kostenlose Straßen-Shows bei Nacht und Feuerwerke überall
können wir verfolgen. Und natürlich Las Vegas im Lichtermeer. Tagsüber
ist die Stadt meist grau, aber nachts entfaltet sie Glitzer und Glanz.
Im Harley Davidson Cafe essen wir hervorragend zu abend.
Wir besichtigen noch das New Aladdin, direkt neben dem Paris. Es ist
mit der orientalischen Atmosphäre, die aber auf uns nicht übergreift,
ein Palast aus 1.001 Nacht. Es sind kaum Menschen in dem großen
Komplex, trotz der Desert Passage mit den 130 handverlesenen Boutiquen
im Stile eines Basars und dem 10.000 qm großen Casino.
In zwei Jahren Bauzeit wurde es auf dem Platz des alten "Aladdin"
errichtet und hat mit 2.600 Zimmern gigantische Ausmaße. 3.500
Angestellte mit einem Durchschnittseinkommen von 1.800 Dollar im Monat
kümmern sich um das Wohl der Besucher. Am 18. August 2000 wurde es
eröffnet.
Ab April 2004 steht in Las Vegas ein Hofbräuhaus. Alles ist 1 : 1
nachgebaut worden.
Schon mancher hat die Entfernungen in Las Vegas unterschätzt und
musste sich mit Blasen an den Füßen durch den Tag quälen. Das hat ab
Januar 2005 ein Ende, denn dann gibt es die Las Vegas Monorail. Sie
verkehrt täglich von 7 bis 2 Uhr auf der Route Sahara - Hilton Convention Center - Harah's/Imperial Palace - Flamingo - Bally's/Paris
- MGM Grand und zurück. Dabei gleitet sie mit 50mph über dem
Straßenverkehr dahin und braucht 14 Minuten für 4 Meilen. 9 fahrerlose
Züge zu je 4 Wagen fahren im 2-Minuten-Takt und können pro Stunde
4.000 Passagiere befördern.
Der Fahrpreis beträgt $ 3,-- für eine einfache Fahrt, Tageskarte $
10,--, Zehnerkarte $ 20,--, 3-Tageskarte $ 25,--.
Ende April 2005 wird das "Wynn" eröffnet, mit 2,5 Milliarden Dollar
und 2.800 Zimmern dann das teuerste Hotel in L.V.
Wenn man im Casino gewonnen hat und nicht weiß, wohin mit dem Geld,
geht man in den "London Club", dem einzigen 5-Sterne-Restaurant in Las
Vegas. Dort gibt's dann ein Schwalbennest-Süppchen (das nach gar
nichts schmeckt) für $ 125,-- oder ein kleiner Nachtisch für $ 500,--.
Ein Lagerraum von der Größe eines Fußballfeldes ist nötig, um die
Vorräte der 25 Restaurants des Aladdin unterzubringen. Das Buffet
wurde als bestes in Las Vegas gewählt. Uns fehlt aber das Kleingeld.
Den Abend lassen wir in einem Bistro ausklingen.
Das Paris übertrifft im Charme sogar das Mirage, denken wir.
Auch jetzt in der Nacht ist es noch sehr heiß.
8. Tag - Do. 21.06.01
Das Frühstück im Paris ist hervorragend und wir schlendern danach
durch die Gassen von Paris.
Las Vegas ist ein El Dorado für Erwachsene, mit nachgemachten Wundern
aus allen Ländern und Zeiten. Und meist alles entlang einer Straße des Las Vegas Boulevard, genannt der "Strip", die Prunk- und
Protzstrasse von L.V.
Caesar's Palace steht heute zuerst auf unserem Programm.
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Vor dem Eingang erwartet uns ein Brunnen mit einem römischen
Streitwagen.
Im Innern gibt es viele Brunnen mit Motiven aus römischer Zeit.
Die gemalten Wolken an der Decke vermitteln den Eindruck, als wäre man
im Freien. Hier ist selbst der Himmel nur eine optische Täuschung.
Im "Spago" speisen die Reichen und Schönen gut und teuer, aber es ist
ziemlich leer in diesem Gourmet-Restaurant.
Spitze ist die Shopping-Meile! Alles ist sehr ansprechend und es gibt
hier schöne Boutiquen.
Pünktlich zur vollen Stunde erwacht der römische Kaiser aus seinem
Schlaf. Der Marmor entpuppt sich als Latex. Das ist typisch Las Vegas:
nichts ist das, was es zu sein scheint. Aber klasse gemacht.
Am "Strip" sind die Illusionisten Siegfried und Roy verewigt.
Dann sehen wir uns im Mirage (3.049 Zimmer) um. In der Eingangshalle
sehen wir einen weißen Tiger, der die Rente bereits durch hat.
Leider können wir nicht zur Siegfried & Roy - Show gehen, denn sie
haben jetzt Mittwoch und Donnerstag frei.
Wir gehen auch ins Treasure Island (2.900 Zimmer).
Vor dem Treasure Island warten bereits viele Schaulustige, um eine
wahrhaftige Piratenschlacht erleben zu können.
Ein britisches Kriegsschiff läuft in die künstliche Bucht vor dem
Hotel ein.
Das Schiff mit den finsteren Piraten setzt sich zur Wehr und ein
furioses Gefecht setzt ein.
Kanonenfeuer, brechende Masten und Wellen sind inklusive.
Der Höhepunkt der Schlacht ist der Brand im Piratennest.
Unter ohrenbetäubendem Gefechtslärm versenken sich die Angestellten
des Hotels mehrmals täglich.
Aber es gibt auch beschauliche Plätze in Las Vegas. The Venetian kommt
an die Reihe. Vorher, bis 1996, war hier das "Sands".
Es ist mit weit über 3.000 Zimmern das größte Hotel der Welt gewesen
und wird in Kürze die Zimmerkapazität mit einem weiteren Komplex noch
verdoppeln.
Wir gehen am Turm des Markusdoms, dem Campanile, vorbei und über die
Rialto-Brücke in den Dogen-Palast.
Im Hotel gibt es 17.000 Mitarbeiter, die alles selbst reparieren. Es
gibt eigene Wäschereien, Schreinereien und andere handwerkliche
Betriebe.
Das haben andere große Hotels allerdings auch.
Aber hier ist das "Sands Expo & Convention Center", die größte private
Messehalle der USA. Sie macht das 2,5 Milliarden Dollar teure
"Venetian" erst rentabel. Bis zu 50.000 Besucher kommen hier unter,
und das sehr oft. Und viele übernachten hier im Hotel.
Das Venetian wirkt venezianischer als mancher Palazzo in Venedig. Nur
die schreienden Händler fehlen und die künstlichen Kanäle stinken
nicht. Aber wir sind begeistert.
Und das, obwohl die Zimmerpreise erst bei € 150,-- beginnen, denn es
will vor allem die betuchteren Gäste anziehen. Hier gibt es nur
Luxussuiten mit vergoldeten Wasserhähnen. Das Venetian ist das erste
Hotel in Las Vegas mit einer Minibar im Zimmer. Am Wochenende sind
alle Suiten regelmäßig ausgebucht.
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Die Präsidenten-Suite kostet € 10.000,-- pro Nacht. Die Kunden, die
auch mal 1 Million Euro verspielen, werden abgeschirmt. Ein Butler ist
der einzige, der zu ihnen kommt. Diskretion ist alles.
Und 6.000 Menschen können gleichzeitig duschen oder die
Toilettenspülung betätigen.
Das Hotel beinhaltet 16 Nobelrestaurants, wo man mit Turnschuhen nicht
hinein kommt. Man will auch kulinarisch etwas bieten und unter $ 50,-gibt es nichts zu essen. 12 der Speiselokale sind verpachtet. Die
Starköche arbeiten auf eigene Rechnung und damit auf eigenes Risiko.
450 Köche und Küchenhilfen sorgen in acht Küchen für das leibliche
Wohl der Gäste. Alles wird frisch zubereitet. Die Kellner und
Kellnerinnen sind nicht zu zählen.
Der Marmor überall wurde aus Italien importiert. Er stammt aus dem
Steinbruch, der einst die venezianische Dogen belieferte.
Die Gondolieri sind tatsächlich ausgebildete Opernsänger. Sie fahren
auf einer 400 m langen Nachbildung des Canal Grande unter künstlichem
Himmel durch die Shopping-Meilen des Hotels im ersten Stock. Und der
Hammer ist: Die Gondel hat Sicherheitsgurte, die die "Verliebten"
anlegen müssen.
Wir legen eine Rast am nachgebauten Markusplatz ein und erfreuen uns
an dem Mimen, der die Leute erschreckt. Hier ist rund um die Uhr
Karneval. Das Venetian beschäftigt Künstler, die den Gästen ständig
etwas bieten, vom Opernsänger bis zum Akrobaten.
Das Echo hier ist extrem. Wenn man in die Hände klatscht, hallt es von
allen vier Wänden. Daher sind die Opernaufführungen sehr beliebt.
Sogar der Uhrenturm mit dem Markuslöwen wurde nachgebaut.
Und alles unter einem handgemalten, strahlend blauen Himmel.
300 Video-Recorder zeichnen hier und im Casino alles auf.
Trickbetrüger haben keine Chance.
Show-Star ist "Melinda - The First Lady of Magic", die einst bei
Siegfried & Roy das Handwerk erlernte und jetzt ihre eigene Show hat.
Die kunstvollen Gemälde an den Decken und Wänden, besonders in der
Eingangshalle, wurden in monatelanger Vorarbeit entworfen. Die Kopien
sind greller als die Originale und wirken intensiver, manchmal aber
auch kitschig. Die Deckengemälde sind trotzdem ein Traum.
Abends findet auf dem Dach des derzeit größten Hotels der Welt ein
Feuerwerk statt.
Von der Straße aus können wir die Achterbahn des Sahara sehen, die
senkrecht einen Turm hinauf fährt. Na, wer's mag.
Wir gehen weiter zum Stratosphere Tower, einem 350 m hohen
Aussichtsturm, dem höchsten westlich des Mississippi. Der Bau des
Tower war ca. $ 550 Mio. teuer.
Von unten sehen wir bereits die um das Restaurant in 300 m Höhe
rasende Achterbahn "High Roller".
Oben angekommen, können wir sie aus nächster Nähe betrachten.
Nirgends sonst ist aus dieser Höhe ein schnellerer Rundblick über eine
Stadt gewährleistet.
Wir aber genießen Las Vegas lieber von der sicheren Aussichtsplattform
aus.
In 300 m Höhe gibt es aber auch für lächerliche $ 5,-- den "Big Shot":
Dort kann man sich mit Druckluft an einem Mast mit irrer
Geschwindigkeit in 3 Sekunden 50 m nach oben katapultieren lassen -
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ein Wahnsinns-Gefühl, das Toni bereits vor einigen Jahren genießen
konnte.
Daher mußten wir uns das eben so wenig antun wie die Achterbahn.
Von der Aussichtsplattform des Turms genießen wir noch einen schönen
Sonnenuntergang.
Eine absolute Neuigkeit ist ein Flug mit dem Zeppelin vom North L.V.
Airport aus. Um 18:00 Uhr startet ein Luftschiff zum 50-minütigen Flug
über das Spielerparadies - zum Preis von € 250,-- pro Person, aber das
ist uns zu teuer.
Wir fahren mit dem Bus zurück und verzocken jeder noch einige Dollars
(etwa $ 50,--) im Paris, weil es uns dort (neben dem Mirage) am besten
gefällt.
Abends machen wir noch einen Bummel über den "Strip", essen bei
McDonald's und gehen in verschiedene, klimatisierte Casinos.
Die meisten der etwa 100 Casinos wirken gleich. Es geht nur um
Glücksspiel an den Slot-Machines, mit viel Lichterglanz - eine
scheinbar heile Welt. Gigantische Säle mit "Einarmigen Banditen"
füllen die Eingangshallen und Keller der großen und kleinen Hotels.
Man hört den ganzen Tag Dudeln und Klingeln, und ab und zu auch
Freudenschreie und Geldklimpern. Viele Glücksritter versuchen hier ihr
Glück und eine Kleiderordnung gibt es nicht.
Las Vegas ist der Traum aller Spieler. Manche meinen, die Stadt wurde
extra für sie gebaut. Hier trifft man auf Spieler, die um gigantisch
hohe Einsätze spielen. Sie können aber auch Verluste in MillionenDollar-Höhe verkraften. Diese Spieler werden "Whales - Wale", "Premium
Players" oder "High Rollers" genannt. Das sind zwar nur 5 % der
Spieler hier, aber sie geben 40 % der Einnahmen an die Casinos. Diese
Zocker setzen z.B. beim Baccara $ 250.000,-- auf ein Blatt oder $
100.000,-- auf eine Zahl beim Roulette und gewinnen oder verlieren
auch mal $ 20 Millionen beim Black Jack. Und alles sehr diskret, ein
Hauptgrund für die Anwesenheit der Spieler. Einige verdienen damit
ihren Lebensunterhalt, einige sind reich und es geht ihnen nur um den
Nervenkitzel. Die wenigsten leben hier, die meisten kommen nur an
Wochenenden hier hin. Viele kommen extra aus Asien nach Las Vegas.
Diejenigen, die z.B. beim Seven-Eleven tausende von Dollars
verspielen, übernachten in den schönsten Suiten, können bei Shows in
der ersten Reihe sitzen und haben immer eine Limousine zur Verfügung,
ohne etwas zu bezahlen. Die Kosten übernimmt das Casino, wo sie
spielen. Die Zeit, die sie spielen, wird mit Gratisleistungen
vergütet. Je länger sie spielen, desto weniger kostet sie der
Aufenthalt, bis auf das Spielen selbst, egal, ob man verliert oder
gewinnt. Das Spielen wird also auf die Hotelrechnung angerechnet. Sie
zahlen also, indem sie spielen. Sie werden sogar persönlich betreut.
Etwa 10 % gehen dem Hotel damit verloren, hat man ausgerechnet.
Die Croupiers müssen ein Jahr lang das Spielen lernen. Erst dann
werden sie ans Publikum gelassen. Im letzten Jahr haben die Hotels in
Las Vegas vier Milliarden Dollar Gewinn gemacht.
Man kann auch behaupten, dass Las Vegas von Verlierern aufgebaut wurde
und wird.
Die charmanten Kellnerinnen sind meist freizügig gekleidet und machen
auch den Reiz der Casinos aus. Sie hoffen damit auf gute Trinkgelder.
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Alkohol beflügelt die Spielleidenschaft und so sind die Drinks für
Spieler frei. Fast 50 verschiedene Alkoholika werden über die
"Pistoles" an der Bar ausgeschenkt. Aber man darf das Trinkgeld nicht
vergessen (0,25 – 1 $).
Übernachtet wird wieder im Paris Las Vegas.
9. Tag - Fr. 22.06.01
Ein sehr gutes Frühstück nehmen wir wieder in einem Bistro im Paris
ein, obwohl auch im Bett serviert wird.
Neben dem Paris in den Polo Towers ist das Internet-Cafe, wo Toni mal
kurz seine Aktien checkt. Internationale Presse gibt es bei Borders
Books (Ecke Sahara + Decatur Ave.).
Wir kommen am New York New York und am MGM Grand vorbei, ohne diese
jedoch zu besuchen.
Es wird jetzt das Excalibur unter die Lupe genommen.
In der Traumfabrik Las Vegas wird nicht lange über Märchen geredet.
Hier werden Märchen gemacht.
Das Märchenschloß Excalibur mit seinen zwei Türmen und mit 4.032
Zimmern ist im Neuschwanstein-Look errichtet. Es gibt natürlich auch
Ritterspiele, Drachen, Burgfräuleins und Hofnarren. Es ist das
Märchenschloss des mystischen Mittelalters, der Sagen um König Artus,
Sir Galahad und den Zauberer Merlin.
Der Zentralbereich des Mittelklassehotels umfaßt drei Stockwerke mit
Shopping und Gastronomie.
Die gastronomische Versorgung ist phantastisch, für jeden Geschmack
und Geldbeutel ist etwas dabei. Sie beginnt bei Fast Food, wie dem
hauseigenen McDonalds, Wetzel's Pretzel oder Crispy Cream Donuts und
endet bei gehobener Gastronomie wie dem Camelot Steakhouse, Sir
Galahad Prime Rib und der Regale Italian Eatery.
Bekannt sind in Las Vegas die All You Can Eat Buffets. Das Round Table
Buffet im Excalibur ist eines der besten. Die Preise liegen bei 5,99 $
für das Frühstück, 6,99 $ für den Lunch und 8,99 $ für das Dinner.
Das Zimmer kostet bei DERTOUR ab 82 Euro, jeweils für eine Person,
Übernachtung von Sonntag bis Donnerstag. Für Übernachtungen von
Freitag bis Sonntag gehen die Preise dann bis 200 Euro, je nach
Saison.
Über das Las Vegas Reservation System unter www.lvrs.com gibt es
Preise ab 49 $, aber nur in USA buchbar.
Weitere Infos gibt es unter anderem unter: www.lasvegas24hours.com
Mit der Magnetschwebebahn fahren wir danach ins Pyramidenhotel Luxor,
der dritthöchsten Pyramide der Welt.
Das Luxor ist 107 m hoch und somit nur 40 m kleiner als die große
Pyramide von Gizeh. Luxor ist ein alt-ägyptischer Ort und heißt
übersetzt "Paläste".
In der Hoteleingangshalle ist eine Art Disney-Version vom Leben der
Pharaonen installiert.
Das Hotel hat 36 Stockwerke mit 2.526 Zimmern. Das größte Problem hier
ist, daß die Pyramide innerhalb von zwei Tagen verstaubt und dreckig
ist, d.h. die Fensterputzer haben richtig Streß.
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Die Zimmer sind gut und funktionell ausgestattet, alle Scheiben stark
getönt und die Architektur dank der Pyramiden-Struktur ein echter
Hingucker. Inzwischen gibt es seitlich angebaute Tower, deren
Ausstattung etwas moderner sein soll.
Skandalös kann es bei der Abreise werden. Ein Besucher erlebte dies:
für wenige Minuten Pay-TV (Fluch der Karibik I) verlangt man 12 Dollar
und für Anrufe in die Heimat schlappe 188 Dollar. Nach einigem Hin und
Her werden aus Kulanz zwei Posten gestrichen, bei denen man angerufen
hat, aber niemanden erreichte (Freizeichen ohne Gesprächsannahme,
Gesprächsdauer 0 Sek., als Rechnungsposition berechnet werden hierfür
aber jeweils $ 22). Dennoch ein echter Hammer!! Ende des Zitats.
Hier treten die "Blue Man Group" auf. Das sind drei Männer mit blauen
Gesichtern, die das Publikum mit unglaublicher Musik, Aktion und
Zirkus unterhalten. Angeblich ist das die tollste Show in LV.
In dem großen Casino des Luxor wird noch 1 Dollar gezockt, weil Bärbel
eine rauchen will, und Toni macht mit $ 75,-- sogar einen schönen
Gewinn.
Zur Übernahme des PKW fahren wir zum Flughafen. Das dauert von 14:30 h
- 16:30 h. Nach langem Hin und Her bekommen wir einen Buick Century.
Dann kehren wir Las Vegas den Rücken und wir fahren Richtung Lake
Mead.
Etwa 40 km südlich von Las Vegas ist der 226 m hohe Hoover Dam, der
das Wasser des Colorado River zum Lake Mead staut.
Er war damals der größte Staudamm der Welt. Der Staudamm versorgt drei
Bundesstaaten und Mexico mit Strom aus Wasserkraft, unter anderem 17
Millionen Haushalte in Los Angeles, Las Vegas und Phoenix. Er
reguliert aber auch den Wasserstand des Colorado.
Eine große Hochwasserkatastrophe im Jahre 1905 führte letztlich dazu,
dass Las Vegas heute zur Metropole des Glücksspiels geworden ist.
Der Colorado River überschwemmte während des Hochwassers große Teile
des Westens der USA.
Um die Wüste fruchtbar zu machen wurde beschlossen, den 1.400 Meilen
langen Colorado zu stauen. Zunächst musste die Finanzierung des
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Projekts gesichert werden, welches durch den Verkauf der erzielten
Elektrizität geschafft wurde. Die Arbeiter strömten aufgrund der
Wirtschaftskrise massenhaft in das kleine Städtchen Las Vegas, um an
dem gigantischen Projekt mitzuarbeiten. Innerhalb von nur vier Jahren
war der prächtige Damm fertig gestellt - über drei Millionen
Kubikmeter Beton erzeugen einen 185 Kilometer langen und 150 Meter
tiefen See, den "Lake Mead".
Leider kommen wir erst in der Abenddämmerung an.
Die US 93 führt direkt über diesen riesigen, 379 m langen und unten
182 m dicken Staudamm, der im Jahr 1935 vollendet wurde.
Unmittelbar nach dem Damm beginnt der "Grand Canyon State" Arizona.
Und wir sind im Wilden Westen Amerika's.
Einsam, unzugänglich und voller Abenteuer, das ist der Wilde Westen.
Auf der Leinwand und im Fernsehen ist diese Region geprägt von
Revolverhelden in einsamen Grenzdörfern, heulenden Kojoten, kreisenden
Geiern und beißenden Klapperschlangen, die in der sengenden Hitze der
Prärie ums Überleben kämpfen. Doch was ist Mythos und was
Wirklichkeit? Wir wollen diese alten Klischees beäugen. In den
Westernklassikern sind die phantastischen Landschaften des Südwestens
ein Höhepunkt: Vom Yosemite-Tal über die Schluchten des Colorado bis
zum Monument Valley ist alles Filmkulisse und Naturdenkmal, Traum und
Wirklichkeit gleichermaßen.
Übernachten wollen wir unterwegs zum Grand Canyon. Bis dahin sind es
4-5 Stunden Fahrt. Hinter Kingman fahren wir noch einige Kilometer auf
der alten Route 66, bis wir bei Williams diese historische Straße
wieder verlassen. Dort wollen wir uns ein Motel suchen.
Wir kommen spät an und wegen eines Motorradfahrer-Treffens müssen wir
aber im Auto übernachten.
Unzählige Motorrad-Fahrer haben Williams in Beschlag genommen.
Sie haben hier in jedem Jahr ein Biker-Treffen.
10. Tag - Sa. 23.06.01
Heute fahren wir sehr früh los.
Wir kommen durch die wunderschöne Landschaft der Pinienwälder des
Kaibab National Forest, in denen der Sage nach die Götter der Hopi
Indianer leben.
Die Fahrt geht zum
Grand Canyon National Park.
Er ist seit 1919 Nationalpark, und ab 2002 soll er autofrei sein.
Wir nähern uns dem Grand Canyon vom Süden her über ein sanft
ansteigendes Plateau, das nicht ahnen läßt, was uns erwartet.
Den Grand Canyon zu beschreiben hieße Eulen nach Athen tragen.
Wir alle kennen dieses Naturweltwunder, und doch muß man ihn einmal
"live" erlebt haben, um seine Einzigartigkeit zu begreifen.
Bei einem Aufenthalt im Südwesten der USA ist darum ein Besuch des
Grand Canyon ein Muß.
Die ersten Europäer, die den Grand Canyon sahen, waren Goldsucher.
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1540 zog ein spanisches Heer bis an den Rand der Schlucht. Sie waren
über diesen Anblick so erschrocken, daß sie auf die Knie fielen und
beteten. Sie fanden keinen Weg nach unten und zogen wieder ab.
Erst nach dem amerikanisch-mexikanischen Krieg 1846 wurde das Gebiet
erforscht.
1858 versuchte man den Colorado vom Meer aus zu befahren. Aber sie
kamen nicht weit.
Die von seinem ersten Bezwinger John Wesley Powell im Jahre 1869
"Große Schlucht" (Grand Canyon) getaufte Region umfaßt den Lauf des
Colorado-Flusses und die umliegenden Hochgebiete, von der südlichen
Grenze der Glen Canyon (Lake Powell) National Recreation Area bis zu
der östlichen Grenze der Lake Mead National Recreation Area. Nach der
dreimonatigen Erforschung war er ein anderer Mensch und widmete sein
Leben der Natur. Er gründete die berühmte National Geografic Society.
Der Grand Canyon ist laut Statistik nach dem Eiffelturm die am
zweithäufigsten besuchte "Sehenswürdigkeit" der Welt. Jedes Jahr
kommen 5 Millionen Besucher. Um die Jahrhundertwende waren es noch
900.
Erste Anlaufstation ist der "Mather Point". Der Anblick in den frühen
Morgenstunden ist atemberaubend.
Der Colorado (spanisch = rote Farbe) hat in etwa 6 Millionen Jahren
ununterbrochener Mahlarbeit den Grand Canyon auf 450 km Länge
gegraben.
Danach frühstücken wir erst einmal in der Bright Angel Lodge, und
machen dort unsere Morgenwäsche. Hier fahren auch die Busse ab.
Das Grand Canyon Village ist die infrastrukturelle Drehscheibe am
South Rim. Die Hotels im Park sind vielfach 6 bis 12 Monate im voraus
ausgebucht.
Vier Hotels stehen dicht am "Abgrund": die Bright Angel Lodge, das El
Tovar Hotel, die Kachina und die Thunderbird Lodge. Die Maswik Lodge
befindet sich etwas "parkeinwärts" am Westende des Village, die
Yavapai Lodge etwas östlich bei der Market Plaza.
Die Zimmertarife bewegen sich zwischen ca. $ 60 im Winter im
einfachsten Raum der Bright Angel Lodge bis über $ 300 im El Tovar im
Sommer. Ausweichmöglichkeiten gibt es in den Inns und Lodges in
Tusayan vor dem südlichen Parkeingang. Sie haben zwar nicht den
nostalgischen Charme der alten Hotels im Park, bieten aber dafür den
üblichen US-Komfort der mittleren bis guten Mittelklasse.
Noch relativ günstig sind die Moqui Lodge (dennoch ab ca. $ 100), und
das Rodeway Inn.
Wer einen stilvollen Abend in klassischer Manier verbringen will, kann
dies in der Piano Bar des El Tovar Hotels tun, auch das Bright Angel
Restaurant und die Moqui Lounge bieten gelegentlich Life-Music. In der
Mawik Lodge gibt es eine Sports Bar mit Monitoren über dem Tresen für
non-stop-Sportübertragungen.
Das gediegenste Restaurant im Park befindet sich im altehrwürdigen El
Tovar Hotel. Die Karte ist stark vom Südwesten inspiriert. Ohne
Reservierung läuft dort nichts. In der Bright Angel Lodge wartet das
Arizona Steakhouse mit lockerer Südwest-Atmosphäre; keine
Reservierung, daher zeitig eintreffen.
Teurer, aber auch besser sind u.a. Best Western Squire Inn, Quality
Inn und Holiday Inn Express.
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Auch die Mulis sind bereits aufgestanden.
Sie machen sich bereit für den steilen Weg zur Phantom Ranch.
Wir unternehmen am Südrand einige Spaziergänge und fahren auf dem West
Rim Drive mit dem Shuttle-Bus zu einigen Aussichtspunkten, wobei wir
unsere Fußwanderungen mit Etappen im Pendelbus kombinieren.
Es ist überwältigend!
Die 1.500 m tiefe, 15 km breite und 450 km lange Schlucht fasziniert
uns immer wieder. Die enorme Weite und die tiefen zusätzlichen
Seitenschluchten sind wirklich beeindruckend, dazu kommt ein
wunderschönes Farbenspiel.
Der Weg folgt dem Canyonrand ungefähr 13 km und endet an einem
Souvenirladen, dem "Hermit's Rest". Die Strecke bietet einzigartige
Ein- und Ausblicke über den Colorado River und das Labyrinth seiner
Seitencanyons.
Der Südrand, wo wir sind, liegt 2.130 m, der Nordrand 2.480 m über dem
Meeresspiegel.
An den feuchten, im Winter schneebedeckten Rändern wachsen Nadelbäume,
und in der trockenen heißen Tiefe des Canyons (bis 1.800 m), wo
Temperaturen von 40° C keine Seltenheit sind, gedeihen Kakteen.
In den Wäldern leben Maultierhirsche, Pumas, Wildkatzen und Kojoten,
im Canyon selbst dagegen Wildschafe, Schlangen und Eidechsen.
Vom Yavapai Point haben wir den klassischen Blick mitten ins Herz des
Grand Canyon.
Je tiefer der Colorado grub, desto ältere Gesteinsschichten wurden
freigelegt, in der "Inner Gorge" bis zu 2 Milliarden Jahren. Da war
das Leben noch nicht einmal in seiner primitivsten Form akut.
Die ersten Menschen, die Anasazi-Indianer, kamen vor 3.500 Jahren
hierher. Die Nachfolger, die Hopi-Indianer, leben heute noch hier.
Am Hopi Point ist der richtige Ort, um Sonnenauf- und -untergänge zu
erleben. Aber wir sind ja tagsüber hier.
Dann geht's wieder zurück und wir fahren mit dem eigenen PKW über den
East Rim Drive weiter. Hier ist es ruhiger und der Ausblick genau so
schön.
Yaki Point ist geschlossen (schade).
Am East Rim haben wir vom Grand View Point eine schöne Aussicht.
Wir wollten auch hier etwas am Rand entlang spazieren, aber ein
aufziehendes Gewitter macht dies zunichte.
Dementsprechend fallen auch die weiteren Aussichtspunkte wegen
Dauerregens leider aus.
Sogar im hellen Teil zucken die Blitze.
Es kommt ein großer Regen runter und Blitze sind überall.
Über die US 64 geht's weiter.
Vor Cameron, auf Navajo-Land, sehen wir Schluchten, die spektakulär
sind.
Wir machen einen kleinen Abstecher, um in den Canyon hinein zu sehen.
In Cameron trinken wir etwas in der "Trading Post" und wir entscheiden
uns, direkt zum Monument Valley zu fahren. Wir hätten aber besser hier
bei den Navajos erst etwas essen und dann weiter fahren sollen. Auch
die Zimmer waren ordentlich und sauber. Trotz der vielen Touristen.
Auf der Weiterfahrt sehen wir zwei "Elefantenfüsse" aus Stein, die
frei in der Landschaft stehen.
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Wir fahren tiefer ins Indianerland hinein, um an unser nächstes Ziel
zu kommen, das wir allerdings im Dunkeln erreichen, sodaß wir dort
nichts von der Umgebung sehen können.
Die Goulding Trading Post Lodge (Tel.: 435/7273231) ist kein Haus im
Stile von Inns und Lodges, sondern ein normales Motel ohne Restaurant
und Lobby. Hier ist der Hund begraben - und wir haben nichts zu essen,
da die Uhr im Frühjahr im Navajo-Land nicht eine Stunde zurückgedreht
wird. Damit ist 21:30 Uhr wieder 22:30 Uhr und das Restaurant hat
schon geschlossen.
So begnügen wir uns mit Chips, die wir noch an einer Tankstelle kaufen
können.
11. Tag - So. 24.06.01
Wir haben morgens beim Zurückziehen der Vorhänge zu unserer
Überraschung einen traumhaften Blick auf die Tafelberge des Monument
Valley.
Die Herberge des legendären Händlers Harry Goulding liegt wunderschön
mit Blick auf das Tal. Er hat diesen bezaubernden Teil des Westens
bekannt gemacht.
Mit 24 Schwarz-Weiß-Fotos ging Goulding zu dem Regisseur John Ford.
Der war hellauf begeistert. Goulding konnte die Filmleute Hollywoods
davon überzeugen, hier ihre Western zu drehen.
Von diesem Zeitpunkt filmte Ford mit John Wayne hier. Der erste Film
war "Stagecoach".
Die Indianer haben seitdem eine lohnende Einnahmequelle.
Zu den bekanntesten Punkten gehört der John Ford's Point.
Auf diesem Felsvorsprung stand einst John Wayne mit seinem Pferd und
ließ den Blick andächtig in die Weite des imposantes Tales schweifen.
Wenn man sich einen Augenblick ruhig verhält, kann man den Geist der
Legende spüren, hört man sein Ross schnaufen und riecht den ledernen
Geruch von Zaumzeug und Sattel.
Ein Ort, in völliger Abgeschiedenheit jedweder Zivilisation. Ein
Lieblingsort für jeden, der sich an Western begeistern kann.
Es gibt hier in der Nähe einen kleinen Flugplatz, von wo aus man
Rundflüge machen kann.
Wir besichtigen auch das kleine Goulding's Museum, wo wir allerhand
aus der Zeit des frühen Westernfilms sehen können.
Viele Fotos, sowie Film- und Einrichtungsgegenstände sind hier zu
bewundern.
Aber dann fahren wir in den
Monument Valley Navajo Tribal Park.
Sechs km von der Hauptstraße entfernt liegt dieses unter der
Verwaltung des Navajo-Stammes stehende Reservat. Es ist wirklich
monumental und bereits der Weg dorthin ist faszinierend.
Im Besucherzentrum erhalten wir Kartenmaterial und fahren auf einer
fürchterlich ausgefahrenen und unasphaltierten, sandigen Straße in das
Tal hinunter. Wir scheuen diese 23 km lange Rundstrecke über eine
Dauer von 2-3 Stunden trotzdem nicht.
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Die Navajos sind heute mit über 200.000 Menschen der größte Stamm der
"Native Americans". Sie leben im größten Indianerreservat der USA und
einzigartige Naturlandschaften mit vielen Nationalparks (Grand Canyon,
Monument Valley) prägen ihre Landschaft. Vor dem Eintreffen der Weißen
waren die Navajos eines der größten Völker im Südwesten der USA. Sie
lebten als Halbnomaden.
Ziel der weißen Eroberer war es zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die
indianische Identität zu brechen. Indianische Sprachen wurden in den
USA nie offiziell anerkannt. In vielen traditionellen
Navajo-Familien überlebte die Sprache trotzdem. Im Zweiten Weltkrieg
machte sich die US-Regierung diesen Umstand zunutze. Geheime
Nachrichten wurden in Dineh durch Navajo-Soldaten übermittelt. Der
Code konnte bis Kriegsende nicht geknackt werden.
Schaf- und Rinderzucht ist heute der Broterwerb der traditionell
lebenden Navajos. Lebensmittelpunkt dieser Menschen ist ein Lehmhaus
mit einem kunstvollen Holzdach. Frauen haben das Sagen. Seit
Jahrhunderten bestimmt das Matriarchat die Lebensweise der Navajos.
Dank Tourismus sind bis heute Kriegsbemalung und Federschmuck bei den
Indianern zu sehen. Mit der eigenen Identität hat das zwar wenig zu
tun, aber es bringt Geld.
Die armen Navajos verkaufen hier ihre kunsthandwerklichen Schöpfungen,
aber mit geringem Erfolg.
Indianer bieten Touren zu Pferde und mit dem PKW an, auf Routen, die
abseits allgemein zugänglicher Pfade zu versteckten Höhlen mit
frühhistorischen Felszeichnungen führen.
Hier ist die klassische Indianerlandschaft und wir haben den Eindruck,
als würden gleich John Wayne oder die "Glorreichen Sieben" angeritten
kommen.
Die Landschaft sieht aus wie eine utopische Theaterkulisse: Nadeln und
Türme, sowie Tafelberge und Riesenhüte.
Die Indianer sehen in den Steinstümpfen versteinerte Götzen, Altäre
oder Schwurfinger, die sich zum Himmel strecken.
In Wirklichkeit sind es Formen der Erosion.
Das Panorama, welches sich hier darbietet, ist wunderschön. In dem
flachen Tal stehen einzelne, z.T. 300 m hohe, rote Sandsteinfelsen.
Dieses grandiose Stück Natur dient als Filmkulisse für Western --- und
für Werbeplakate. Wir sehen die uns bekannten Szenerien hautnah.
Einen unvergessenen Ausblick über das Tal hat man von Hunt's Mesa aus,
aber das ist zu weit für uns.
Wir kommen am Thron der Götter vorbei und fahren wieder zum Ausgang
zurück.
Auf dem Weg nach Page kommen wir am Navajo National Monument mit den
Felsklippenwohnungen (Cliff Dwellings) vorbei. Um diese zu besichtigen, gibt es einen sehr anstrengenden Fußmarsch mit 213 m
Höhenunterschied und mehreren 100 Treppenstufen, vergleichbar mit
einem 70-stöckigen Gebäude, und das auf 2.100 m Höhe.
Dort gibt es auch den 1-stündigen Sandal Trail, der am Visitor Center
beginnt. Am Ende des Pfads hätten wir von der Aussichtsstelle einen
herrlichen Blick auf Betatakin Cliff Dwelling unten im Canyon gehabt.
Betatakin wurde erst 1909 von einem Archäologen entdeckt.
Aber wir fahren weiter.
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Wir machen uns auf den Weg nach Page am Lake Powell und sehen sogar
noch einen schönen Sonnenuntergang.
Übernachtet wird im Comfort Inn.
12. Tag - Mo. 25.06.01
Die Schornsteine der Navajo Generating Station sind der Wegweiser zu
einem Ausflug der Sonderklasse:
zum Antelope Canyon, einer ausgewaschenen Schlucht.
Man nennt ihn auch einen Corkscrew-Slot Canyon.
Die 1 1/2-Stunden-Exkursion veranstaltet Roger Ekis' Photographic
Tours, Tel. (520) 645-8579 oder (801) 675-9109 für $ 35,--.
Wir fahren aber auf eigene Faust dorthin.
Wegen des Lichteinfalls fahren wir um die Mittagszeit ab und bezahlen
nur $ 12,50 Eintritt + $ 5,-- für's gefahren werden ab Eingang.
Nach einer Wüstenfahrt durch tiefen Sand liegen 110 m Canyon vom
Unglaublichsten vor uns: der obere Teil des Canyons - der Upper
Canyon.
Ein Besucher fragte einmal: "Wo sind die Scheinwerfer? Wo ist der
Regisseur? Wer hat die 40 m hohen Wellen, die aus dem Dunkel leuchten
und sich brechen, mitten in der Bewegung erstarren lassen? Welcher
Künstler hat Schleifen und Schlieren von polierter Glätte modelliert?
Welcher Laser zeichnet Kreise in den rosa Puder am Boden? Wer läßt
Sandvorhänge wie Regenschauer nieder gehen? Wer schiebt immer neue
Farbfilter vor die unsichtbaren Lichtquellen, mal in fahlem Orange,
mal in kräftigem Pink, dann glutrot und eisblau?"
Hier haben Wind und Wasser im Laufe vieler Jahrtausende den Fels
gesprengt. Senkrechte Schlote sind entstanden, deren Wände
eigentümlich glatt sind.
Wasser, Sand und Wind wirkten wie ein Sandstrahlgebläse und erzeugten
eine Landschaft, die eine besondere Atmosphäre ausstrahlt.
Manchmal glauben wir, wir sind auf einem anderen Planeten.
Auch Spinnen, Eidechsen, Käfer und kleine Vögel sind hier zuhause.
Den Navajos ist der Canyon heilig, in dem ihre Großväter Antilopen
jagten. Noch verstecken sie ihn mit leidlichem Erfolg vor dem Gros der
jährlich zwei Millionen Besucher von Page. Aber wie lange noch? Denn
die Dollars können sie gut gebrauchen.
Wir können eine Stunde staunen und müssen dann dieses imposante Wunder
wieder verlassen.
Der Ausgang des mittleren, etwa 150 m langen Abschnitts befindet sich
direkt unterhalb der zweiten der unmittelbar aufeinanderfolgenden
Brücken des Hyw. 98 von Page nach Kaibito/Kayenta. Dieser Teil ist
nicht zugänglich.
Der untere Teil des Canyons (Lower Canyon) beginnt etwa 500 m nördlich
der vorher erwähnten Brücke. Wenige Meter dem trockenen Bett des
Antelope Creek in Richtung Lake Powell folgend, wird ein schmaler
Schlitz, der Eingang, sichtbar. Dann folgen glatte und steile
Sandstufen von 5 bis 10 m Höhe.
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Im Frühjahr 1995 haben die Navajo dort fünf versetzt angeordnete, und
nur mit Vorsicht zu begehende Leitern hingestellt, für deren Benutzung
sie einige Dollars verlangen.
Wir besichtigen anschließend den
Glen Canyon und den Lake Powell.
1963 wurde der Colorado im weitverzweigten Schluchtensystem des
schönen Glen Canyon zu einem bizarren Stausee von 288 km Länge und mit
3.040 km (!) Uferlänge aufgestaut - dem Lake Powell.
Für das Auffüllen der 90 Täler benötigte man 5 Jahre. Die
Trockenperioden der vergangenen Jahre haben den Wasserspiegel
allerdings um 22 m gesenkt. Angesichts der Wassermassen vergessen wir,
daß wir hier in der Wüste sind. Trotzdem gibt es sogar einen Golfplatz
hier.
Rein wirtschaftlich hat sich der Staudamm für die Menschen hier
gelohnt, denn jedes Jahr tummeln sich 3,5 Millionen Wasserurlauber
hier an der Grenze von Utah und Arizona.
Die beliebten, unendlich vielen Hausboote der Wah Weap Marina sind
immer ausgebucht.
Der Glen Canyon Dam ist 500 m lang und 210 m tief.
Hier gibt es auch eine Ablegestation für River-Rafting.
Auch die Brücke für die US 89 wurde neu konstruiert.
Im Besucherzentrum informieren wir uns über den Bau des Staudamms und
der Brücke, worüber jetzt die US 89 geht.
Toni will ein sogenanntes Powerboot mieten. Ein 150-PS-Power-Motorboot
ist, so hörte er, ein unglaubliches Erlebnis. Aber es ist nicht billig
bei 330 $ Miete am Tag, incl. Skipper, Sprit extra. Wir lassen das.
Abends essen wir mexikanisch und sehen den Kids beim Bowling zu.
Wir bleiben noch eine Nacht im Comfort Inn in Page.
13. Tag - Di. 26.06.01
Heute geht's wieder in Richtung Norden und wir können schon von weitem
sehen, was uns erwartet.
Und dann geht es auch schon los.
Bei Kanab haben wir Weltuntergangsgewitter mit Hagel, das spektakulär
wie für uns gemacht ist.
Tausende kleiner Rinnsale werden zu reißenden Flüssen. Das Wasser
schleppt rote und gelbe Erde, Schlamm und Geröll mit. So, stellen wir
uns vor, entstand der Grand Canyon (und andere Schluchten).
Der Colorado grub sich so immer mehr in den Canyon hinein.
Grand Canyon West liegt rund 200 Kilometer östlich von Las Vegas und
ist bislang vor allem bekannt, weil nur hier die Landung mit dem
Hubschrauber auf den Grund des Canyons möglich ist.
Vom Westrand hat man einen besonders spektakulären Blick hinunter in
den Canyon, zudem ist dies die einzige Stelle an der Schlucht der
Superlative, von der aus man per Helikopter hinab zum Colorado River
fliegen kann. Unten angelangt, kann man zu unvergesslichen Raftingund Bootstouren starten.
In Utah stellen wir die Uhr wieder 1 Stunde vor.
34
Zuerst fahren wir als Bryce-Canyon-Vorgeschmack durch den kleinen Red
Canyon.
Kurz dahinter ist die Einfahrt zum Tropic Valley, einem großen, weiten
Tal, das wir uns ansehen.
Südlich von Cannonville ist der
Kodachrome Basin State Park
mit den farbigen Chimney Rocks.
Die Gesteinsformationen muten wie aus einem Sience-Fiction-Film an.
Das ist ein echter Tip, vor allem, wenn noch etwas Zeit übrig ist.
Einen Abstecher lohnt der in der Nähe gelegene Grosvenor Arch, aber
wegen Matsch ist es für uns nicht möglich, dorthin zu fahren.
Bei einem kleinen Spaziergang sehen wir schöne Gesteinsformationen,
die unsere Fantasie anregen.
Aber auch eine Ameisenkolonie.
Leider regnet es kurz darauf und wir müssen weiter fahren.
Aber wir sehen dadurch die seltene Erscheinung eines doppelten
Regenbogens.
Wir wollten heute eigentlich im Best Western Ruby's Inn gleich am
Bryce-Canyon-Parkeingang, Tel. 435/8345341, übernachten.
Weil der Inn aber ausgebucht ist, checken wir in der Bryce View Lodge
gegenüber ein, die genau so gut ist.
Wir machen uns noch auf den Weg zum
Bryce Canyon National Park.
Der Highway 63 führt zum Besucherzentrum, in dem geologische und
archäologische Ausstellungen sind und im Sommer täglich Vorträge
stattfinden.
Der Canyon ist erst ab Ende Mai offen, da vorher Schneegefahr besteht.
Wir fahren zum Sunset Point mit seiner grandiosen Aussicht in den
Bryce Canyon.
Der etwa 15.000 ha große Park berauscht mit tausenden von
Kalksteintürmen und -spitzen in Farbvariationen von Rot und Pink über
Gold zu Lavendel. Der wandernde Lichteinfall verändert diese
Farbenpracht ständig. So kommen bei Sonnenauf- und -untergang die
erstaunlichsten Schattierungen zum Vorschein. Am frühen Morgen
leuchten die tagsüber rotbraunen Klippen (Pink Cliffs) in einem
schillernden Goldton, und die untergehende Abendsonne akzentuiert die
Pinktöne, für die der Park so berühmt ist.
Die Felstürme erglühen normalerweise mit schwindendem Licht in einem
gloriosen Farbspektakel. Wer diesen Anblick bei Abendlicht nicht mit
eigenen Augen erlebt hat, kann sich kaum eine Vorstellung dieser
unbeschreiblichen Naturschönheit machen. Die untergehende Sonne
erfüllt die bizarren spiralförmigen Felsentürme, Riesenschachfiguren
und sonstigen Gebilde des Bryce Canyons mit farbigem Leben.
Abends essen wir gut in Ruby's Inn.
14. Tag - Mi. 27.06.01
35
Durch den Park führt eine 30 km lange, gut ausgebaute Straße,
vornehmlich entlang des Canyonrandes. Von den zahlreichen Rast- und
Parkplätzen bieten sich Super-Ausblicke.
Der Bryce Canyon befindet sich am Rande des Paunsaugunt-Plateaus. Der
Name stammt von den amerikanischen Ureinwohnern: "Paunsaugunt"
bedeutet "Heimat des Bibers" und erinnert an die artenreiche Tierwelt
des Parks.
Für die Indianer hatten die Säulen religiöse Bedeutung und galten als
verzaubert.
Durch Wind und Wasser wurden die unterschiedlich festen Erd- und
Kalkschichten abgetragen und diese Gebilde entstanden.
Die Farben entstehen durch verschiedene Mineralien.
Die ersten Rancher verfluchten ihn als schlimmsten Ort, eine Kuh zu
verlieren.
Gleich nach der Einfahrt in den Park, aber noch vor der
Eingangsstation, zweigt eine Stichstraße von 2 km zum Aussichtspunkt
Fairyland Point ab. Hier haben wir einen guten Einblick in den Park.
Farbstrotzende Spitztürme und Monolithen sind zum Greifen nahe.
Wir gehen ein kurzes Stück den anstrengenden Fairyland Trail entlang.
Mehrere Wanderpfade, manche nur ein bis zwei km lang, führen ganz
dicht an die bezaubernden Felsgebilde heran. Man kann die Farben und
Figuren unterhalb des Rim richtig erleben.
Der Bryce Canyon kann aber auch auf dem Pferderücken erforscht werden.
Wir fahren nochmal zum Sunset Point.
Einer der beliebtesten, aber anstrengenden Wanderwege, Navajo Loop,
beginnt am Sunset Point und führt etwa 3 km recht steil weiter in den
Canyon hinein. Wir sind aber heute nicht in Form.
Auch einige Streifenhörnchen lassen sich blicken.
Bryce Point lassen wir links liegen.
Der Under-The-Rim-Trail ist mit 42 km erheblich zu lang und führt vom
Bryce Point bis Rainbow Point am Ende des Tals an der Hauptstraße des
Parks entlang.
Wir schaun uns noch den Inspiration Point an. Das ist 1. Sahne und
Bärbel "Trenker" geht sogar bis oben hin.
Man sieht hier sehr deutlich, daß Bryce Canyon keine Schlucht, sondern
ein Amphitheater ist. Die gegenüberliegende Wand fehlt nämlich.
Es geht weiter zur Natural Bridge (eigentlich ein Arch), einem
Steinbogen von 26 m Länge und 38 m Höhe.
Agua Canyon bietet einen der schönsten Ausblicke.
Siedler und die ersten Parkbesucher fanden fantasiereiche Namen für
viele der Felsformationen - darunter auch Thor's Hammer.
Die besten Weitsichten sind in der südlichsten Region am Ende der
Straße, der Rainbow Point und der Yovimpa Point. An klaren Tagen kann
man bis zu 320 km weit sehen.
Ein angenehmer, 1-stündiger Spaziergang auf dem Bristlecone Loop Trail
führt zu schönen Ausblicken. Er beginnt am Rainbow Point.
Wir fahren noch zum Farview Point mit dem Steinbogen.
Auf der Rücktour vergnügen wir uns mit einem Raben, der keine Angst
vor uns Touristen hat.
Bryce Canyon wurde 1924 zum Nationalpark erklärt und befindet sich
teilweise 2.700 m über dem Meeresspiegel.
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Über den Red Canyon mit seinen roten Felsformationen als Nachgeschmack
zum Bryce Canyon geht's in Richtung Zion National Park.
Übernachtet wird in Kanab in der sehr schönen Parry Lodge, in der auch
Filmleute absteigen.
Abends gehen wir noch zu einem Drink gegenüber in einen Western
Saloon, der bereits von John Wayne besucht wurde.
15. Tag - Do. 28.06.01
Wir fahren mangels Zeit nicht zum Cedar Breaks National Monument in
der Nähe von Cedar City. Hier sind schöne Steinformationen, ähnlich
wie im Bryce Canyon N.P., und es herrscht einsame Schönheit.
Sondern es geht zum
Zion National Park.
Dieser Park ist nicht nur der westlichste, sondern auch der älteste
des Staates Utah. Die Mormonen glaubten bei ihrer Ankunft, sie seien
hier im Paradies, in der himmlischen Stadt Gottes, in Zion.
Der Name des Staates kommt allerdings von den indianischen
Ureinwohnern, den Uteh.
Die hohen Plateaus und engen Canyons zeugen von verschiedenen
geologischen Zeiten. Auf Dürre-Perioden folgten Überschwemmungen, die
das ganze Gebiet für lange Zeit unter Wasser setzten.
Die Gesteinsschichten der Steilhänge im Zion erzählen die Geschichte,
die sich innerhalb von 200 Mio. Jahren abspielte. In diesen Millionen
von Jahren bewegten sich Ozeane in ständigem Wechsel über das Land und
zogen sich wieder zurück. So wurden letztendlich fast 2.000 m hohe
Schichten von Sedimenten auf den höchsten Sanddünen abgelagert, die
heute teilweise wie "Blätterteig" aussehen.
Durch Hebung der Gegend zerbrach die Landmasse in riesige Schollen.
Dadurch entstanden diese Canyons.
In den Felsen befinden sich aufschlußreiche Versteinerungen von
Muscheln, Fischen, Bäumen und den Knochen riesiger Reptilien und
Dinosaurier.
Viele der ungewöhnlichen Formationen wurden vom Virgin River
ausgewaschen und auch heute arbeitet der Fluß noch an seinen Meisterwerken weiter.
Der Zion-Mt.Carmel-Highway bringt uns zur Osteinfahrt. Sobald der
Straßenbelag die markante rote Farbe hat, sind wir im Park.
Wir halten kurz nach der Einfahrt an der Checkerboard Mesa, der
Schachbrett-Tafel.
Die fast horizontalen Linien sind als Ablagerungsflächen entstanden,
als vor Jahrmillionen die Sandkörner in riesigen Dünen hin und her
geblasen wurden. Das Land versank im Meer und durch Kalziumkarbonat
entstand Sandstein.
Dann hob sich das Land wieder und die senkrechten Furchen entwickelten
sich, als Regenwasser und geschmolzener Schnee nach unten liefen.
Die Straße geht in Spitzkehren abwärts und kurvenreich geht die Fahrt
am Trockenbett eines Baches entlang.
37
Vom Canyon Overlook aus können wir den nahen Canyon in seiner vollen
Wucht erleben.
Im 1.600 m langen Zion Tunnel wurden "Fenster" in den Fels geschlagen,
die eine fantastische Aussicht auf Formationen wie z.B. den Bast
Temple oder den Great Arch freigeben.
Etwas weiter, in der Nähe des Südeingangs zum Park, befinden sich im
Besucherzentrum faszinierende Ausstellungen.
Von hier aus beginnen auch viele Führungen.
Denn erst einige hundert Meter weg von der Straße, mitten in der
umwerfenden Naturlandschaft dieses Gebietes, erschließt sich Zions
ganze Schönheit.
Der Anblick der etwa 2.000 m hohen farbigen Felsen und Canyons ist
"most beautiful". Das wechselnde Farbenspiel von Grau über Gelb,
Orange, Rot und Braun bis hin zum dunklen Violett ist unvergleichlich.
Die intensivsten Farben ergeben sich am späten Nachmittag.
Wir lassen den Wagen stehen und fahren mit dem Shuttle-Bus den Zion
Canyon Scenic Drive entlang, denn PKW's sind im Park nicht mehr
zugelassen.
Auf der etwa 20 km langen Rundfahrt, die allerdings eine Sackgasse
ist, kommen wir an einer sich konstant verändernden Landschaft mit
bunten, aus der Talebene steil aufragenden Klippen vorbei.
Besonders beeindruckende Formationen sind die Twin Brothers, Mountain
of the Sun und The Great White Throne.
Wir halten am Court of the Patriarchs. Ein 5-Minuten-Pfad führt hinauf
zu einem Blick auf die Three Patriarchs Abraham, Isaac und Jacob.
Wir verlassen den Bus erneut an der Zion Lodge und gehen noch etwas zu
Fuß.
Ein beliebter und geteerter Spazierweg führt nach der Fußgängerbrücke
über den Virgin River zu einigen natürlichen Becken im Fels, Emerald
Pools genannt, die von kleinen Wasserfällen gespeist werden.
Bärbel kühlt dort ihre Füße in dem kalten Wasser.
Wegen der farbenkräftigen Landschaft nennt man den 1919 zum National
Park ernannten Zion auch "Land of the Rainbow Canyons".
Als einer der meistbesuchten Parks ist Zion das ganze Jahr über
geöffnet.
In der Hochsaison im Sommer gibt es viele Sonderveranstaltungen.
Tramfahrten und Reittouren durch den Zion Canyon sind jedenfalls sehr
beliebt.
Wir wollen uns den Weeping Rock, den "Weinenden Fels", ansehen.
Der Weeping Rock Trail ist einer von drei leichten Wanderwegen und
beginnt am Cable Mountain.
Der Weg führt durch eine wunderschöne Pflanzenwelt. Am Weeping Rock
endet der Pfad hinter einem Wasservorhang, der von der Decke einer
Felsnische herabfällt.
Der Regen, der auf dem Hochplateau niedergeht und durch den Sandstein
sickert, bis er auf Tonschiefer trifft und bei Weeping Rock an die
Außenfläche geleitet wird, braucht Jahre bis hier hin.
Kurz nach Weeping Rock bietet sich eine herrliche Aussicht auf The
Great White Throne, einem Monolith, der 420 m über dem Talboden
aufragt.
Er hat eine Farbenpalette von dunklem Rot am Boden bis zu Grau an der
Spitze.
38
Die Panoramastraße endet am Temple of Sinawava, genannt nach dem
freundlichen Wolf-Gott der Paiute-Indianer.
Hier verengt sich der Canyon und es gibt einen einfachen Weg von 3,6
km Länge, den Riverside Walk. Er führt durch hängende Gärten aus
Frauenhaarfarn und Goldakelei zu schattigen Pappel- und Eschenwäldern.
Der Weg endet, wo die North Folk aus einer engen Talschlucht
hervorstürzt und zu einem kleinen Bach wird. In dem flachen Wasser tut
uns eine Abkühlung sehr gut.
Und genau hier beginnt der herrliche 2-stündige Gateway-To-TheNarrows-Trail, der Pfad, der seinen Weg durch das steinige Flußbett
fortsetzt. Man sollte Sandalen und kurze Hosen anziehen, die naß
werden können. Die Canyonwände verengen sich zu einem kleinen Schlitz.
Ein toller Spaziergang, aber Vorsicht bei Regen!
Es ist uns aber zu heiß für einen solchen Trip und gehen nicht weiter,
sondern gehen am Bach entlang zur Zion Lodge.
Nach einem kleinen Imbiss in der Zion Lodge fahren wir zum Eingang
zurück und steigen in unser Auto um.
Auf der Interstate 15 geht's zunächst nordwärts.
Einer der sehenswürdigsten Teile des Parks wird wenig besucht.
Die Hurricane Cliffs an der Westgrenze des Parks schirmen die Türme
des Kolob gegen die I-15 ab.
Wir fahren auf der Kolob Canyon Road in den Taylor Creek Canyon
hinein.
Hier läßt die schroffe Stirn des Tucupit Point schon ahnen, was kommen
wird.
Wir folgen dem Lauf der schönen South Fork vom Taylor Creek.
Auf dem Wege zum Lee Pass folgt eine schöne Aussicht der anderen.
Am Ende der Straße, am Kolob Canyon Viewpoint, geniessen wir die
großartige Aussicht auf die Finger Canyons. Senkrechte Wände blaßroten
Sandsteins ragen 600 m hoch in den blauen Himmel und schmale Canyons
graben sich tief in die Timber Top Mountains hinein.
Übernachtet wird in St. George (Econo Lodge) und gegessen werden Ribs
bei "Chilli".
16. Tag - Fr. 29.06.01
Nach einer kurzen Besichtigung von St. George fahren wir über die
Interstate 15 erst Richtung Norden und dann nach Westen, hinein nach
Nevada. Es ist wieder 1 Std. weniger, also 12:00 Uhr = 11:00 Uhr.
Im Death Valley ist es uns mit über 60 Grad Celsius zu heiß und wir
haben unsere Tour kurzerhand geändert.
Für uns es geht über den Hwy. 93 über Panaca nach Rachel.
In Panaca ist Cathedral Gorge, ein ausgewaschener Canyon, den wir aber
auslassen.
In Rachel, an der US 375, ist die "UFO-Basis" Area 51 der US Air
Force, ein militärisches Testgelände. Die Straße wird auch
"Extraterrestrial Highway" genannt, die "Landstraße der
Außerirdischen".
Einige Sience-Fiction-Träumer haben sich hier mitten in der Wüste
niedergelassen, um auch damit ihr Geschäft zu machen.
39
Nirgends sonst auf der Welt wurden angeblich so viele Ufos gesehen wie
hier in diesem 100-Seelen-Dorf. Und so wurde es zu einem Mekka für
Ufo-Jünger. In Roswell, New Mexico ist ein weiteres Zentrum für Ufo's.
An Halloween ist hier sozusagen die Hölle los. Das muß einmalig sein,
zumal Ufoskeptiker dann bestimmt einen schweren Stand haben. Aber
normalerweise kommen von 200 angemeldeten Gästen nur gerade mal 20.
Im Umkreis von 70 km gibt es nur eine Kneipe, das "Little Aleinn". Wir
trinken einen Kaffee in dieser Art Museum für Aliens. Die Besitzerin
Pat Travis brutzelt hier Alien-Burger, was uns aber nicht mehr
überrascht.
Die Erdlinge warten dort auf die Außerirdischen, die sie dann
willkommen heißen wollen. Darauf zu warten, ist uns aber zu lang.
Wir machen uns wieder auf den Weg.
Heute haben wir eine sehr lange Fahrt durch langweilige, eintönige
Landschaft im Süden Nevadas vor uns.
Und es geht dann immer weiter Richtung Westen, nach Kalifornien.
Der 3.größte Staat der USA hat die gleiche Zeit wie Utah.
Wir kommen jetzt zum Mono Lake, einem Gebirgssee, der stark verflacht
ist, aber der Los Angeles seit 1941 mit Wasser versorgt.
Aus dem flachen, extrem salzhaltigen Wasser am Südufer, an der
California 120, ragen bizarre Gebilde aus Tuffstein (Tufa) empor.
Mono, das heißt in den Worten der Indianer einfach "schön". Der See
und das Ufer waren für sie einmal heiliges Land. Mit ihren Geistern
und Ahnen haben sie sich hier getroffen.
Auch heute könnten wir sie abends noch vor uns sehen, wenn nur die
stechenden Plagegeister nicht wären. Hier am Ufer sind extrem viele
Mücken und Bremsen. Am See-Ufer haben sie einen breiten Streifen für
sich reserviert. Der Boden ist schwarz von Mücken und es summt und
krabbelt fürchterlich.
Aber die Tuffstein-Säulen sind interessant und wir verharren
todesmutig in gehöriger Entfernung.
Dann gehen wir eiligen Schrittes, und gleichzeitig brummende Lebewesen
tötend, zu unserem Auto zurück.
Übernachtet wird im Lee Vining Motel am Eingangstor zum Yosemite N.P.
Das Hotel ist gut, aber hell und laut.
Gegessen wird nebenan in einem Restaurant typisch amerikanisch.
17. Tag - Sa. 30.06.01
Über den 3.000 m hohen Tioga-Pass kommen wir zu einem weiteren
Höhepunkt der Reise, in den
Yosemite National Park.
Die Tioga Road, eine der schönsten Paßstraßen der Welt, führt durch
szenenreiches hochalpines Gelände und wir kommen vorbei an den Almen
von Tuolumne Meadows.
Wir blicken auf die Schneegipfel der Sierra Nevada, d.h. "Verschneites
Gebirge".
Hier ist eine wild zerklüftete Landschaft, der einige kleine Seen
vorgelagert sind, z.B. der herrliche Tenaya Lake.
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Einer der ersten Felsen, den wir im Tal sehen, ist die Rückseite des
El Capitan mit 914 m Höhe - eine schroffe, steile Felswand.
Am Morgen und Abend verwandelt die Sonne den blanken Felsen in Gold.
Wir sehen Freikletterer auf ihrem Weg nach ganz oben.
Im März 2007 kommt der Film "Am Limit" in die Kinos, der von einem
Rekordversuch der Huber-Brüder berichtet, die die Wand in knapp 3
Stunden bewältigen.
Der Yosemite N.P. wurde dank John Muir 1890 gegründet.
Der Naturforscher und Entdecker schottischer Herkunft besuchte in seinem
Leben fast alle Erdteile, um die Wälder der Welt zu studieren. Doch
seine Liebe gehörte der Natur der Sierra Nevada. Er war Vorreiter
einer neuen Art der Naturliebe.
Vermutlich entstand dieses Tal vor Millionen von Jahren, als Gletscher
die Granitblöcke so hinauf geschoben haben, daß das Yosemite Valley
erschaffen wurde.
Östlich davon sind die Three Brothers.
Gegenüber rechts im Taleingang ist der Bridalveil Fall.
Am Ostrand des Tales befindet sich das Wahrzeichen des Parks - der
1.420 m hohe Half Dome.
Auf der Westseite ist der 488 m hohe Ribbon Fall. Er wirkt äußerst
imposant.
Der Park beinhaltet zwei Flüsse, über 400 Seen, fünf große Wasserfälle
und drei Wälder mit den größten Bäumen der Erde. Er erstreckt sich
über 3.000 qkm und ist damit so groß wie Luxemburg.
Da der Park nur ca. 300 km von San Francisco entfernt liegt, ist hier
im Sommer leider ein Rummelplatz.
Daher haben wir für heute und morgen bereits einen Standard Room in
der Yosemite Lodge (Tel: (559) 252-4848) reserviert.
Die Lodge ist eingerahmt von vielen Ponderosa Pines.
Wir relaxen und gehen noch etwas spazieren, denn auch wir suchen hier
die Begegnung mit der Natur und Erholung.
Wir essen im Mountain Broiler Room zu Abend. Er hat zwar eine magere
Beleuchtung und ist nur bis 20:00 Uhr geöffnet, aber die Küche ist
ordentlich.
Die offenen Trams verkehren übrigens auch nachts, wenn Mondschein das
Tal in gespenstisches Licht taucht.
18. Tag - So. 01.07.01
Gefrühstückt wird ebenfalls im Mountain Broiler Room.
Heute bleibt das Auto stehen und wir benutzen bei Bedarf den Shuttle
Bus.
Der Park ist Fußgänger freundlich angelegt. Nicht umsonst sind drei
Viertel der Besucher Kalifornier mit ihren Kindern.
Vom Happy Isles Nature Center am Ende des Tals zum Vernal Fall
benötigt man hin und zurück 3 Stunden.
Am Merced River entlang, mit Treibholz aus dem letzten Winter, machen
wir uns auf den Weg zur Vernal Fall Bridge.
Dann ist es uns zu steil.
41
Den Vernal Fall mit seinem breiten Band können wir von hier aus sehr
schön sehen. Der Merced River stürzt über eine schnurgerade Kante wie
eine weiße Wand 100 m in die Tiefe.
Dann schlängelt er sich durch Felsbrocken ins Tal hinab.
Ab hier geht es mehrere Serpentinen bergauf, bis man am Vernal Fall
steht.
Von dort hat man einen schönen Blick auf den 181 m hohen, wilden
Nevada Fall, der nochmals drei Stunden entfernt ist.
Ein blauer Vogel erregt unsere Aufmerksamkeit. Er ist dauernd in
Bewegung, als ob er etwas verpassen würde.
Dafür sind die Eichhörnchen desto zutraulicher.
Wir machen uns nach einer Pause wieder auf den beschwerlichen Abstieg.
Am Fuße des Half Dome ist der liebliche Mirror Lake.
Er ist etwa 2,5 km vom Hotel entfernt und der beliebteste
Kurzwanderweg des Parks.
Der Mount Watkins und der Half Dome spiegeln sich normalerweise in
seinem Wasser.
Das wollen wir uns ansehen und machen uns auf.
Im Sommer ist der letzte See im Yosemite Tal leider ausgetrocknet und
auch jetzt ist leider nur wenig Wasser darin.
Toni besichtigt am Nachmittag das Ahwahnee Hotel.
Das legendäre Ahwahnee Hotel (indianisch = Ort des aufgerissenen
Mundes) liegt in der Mitte des Parks und wurde 1927 eröffnet.
Hier residieren Filmstars, Präsidenten und die Queen und speisen in
dem weltberühmten Hotel-Restaurant Ahwahnee Dining Room. Es wird wegen
seiner atemberaubenden Architektur als das schönste Gourmet-Restaurant
Amerikas beschrieben.
Es wirkt wie eine Burg, ist aber ausgeschmückt mit Glasfenstern, die
indianische Motive zeigen. Abends gibt es Tee mit Pianomusik.
Im Garten mit einem kleinen Swimming-Pool ist Bequemlichkeit in
Trapperatmosphäre angesagt.
Von der Yosemite Lodge aus machen wir dann noch einen Spaziergang zu
den Yosemite-Wasserfällen. Upper und Lower Fall zusammen gelten mit
740 m als höchster Wasserfall Nordamerikas.
Wir klettern etwas auf den Steinen unterhalb des Lower Fall herum, um
noch näher an die schäumenden Wasserfälle heran zu kommen.
Aber die Steine sind glitschig und Hals- und Beinbruch brauchen wir
nicht unbedingt.
Zahlreiche Ausflügler pilgern heute zu den Yosemite Falls. Aber wenn sie
den lichten Wald am unteren Wasserfall erklommen haben, kehren viele von
ihnen, so wie wir, um. Ein Glück für echte Wanderer, die auf dem Rest der
900 Höhenmeter zur Kante des oberen Falles unter sich bleiben.
Übernachtet wird wiederum in der Yosemite Lodge. Wir ziehen allerdings
in ein größeres Zimmer um.
19. Tag - Mo. 02.07.01
Nach dem Frühstück im Mountain Broiler Room (die Bedienung machen
heute Behinderte, und das sehr gut) checken wir aus und machen uns
bereit für die Weiterfahrt.
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Am El Capitan können wir wieder Freikletterer beobachten, denn auch
dafür ist Yosemite berühmt. Alle Schwierigkeitsgrade kann man
überwinden. Für El Capitan benötigt man mehrere Tage und man
übernachtet in der Wand.
Proviant muß mitgenommen werden, ebenso der Abfall.
Unterwegs sehen wir auch den 189 m hohen Bridalveil Fall, den
Brautschleier-Wasserfall. Das ist der einzige Wasserfall des Parks,
der auch im Sommer aktiv ist. Die anderen vertrocknen. Eine Wanderung
dorthin dauert etwa 1 Std. hin und eine zurück.
Der Wasserfall stürzt aus so großer Höhe, daß sich die Fluten auf dem
Weg in die Tiefe in feinen Dunst verwandeln.
Pohono bedeutet "Geist des pustenden Windes". Die ursprünglich hier
lebenden Ahwahneechee-Indianer bezeichneten damit den 189 Meter hohen
Bridalveil Fall, der wie ein luftiger weißer Schleier aus der Senke
zwischen den felsigen Leaning Towers und den markanten Cathedral
Spires ins Tal schwebt.
Dann verlassen wir den Boden des Yosemite Tals und begeben uns in
höhere Regionen.
Eine wunderschöne Wiese lädt zum Filmen ein, aber der Aufenthalt an
der frischen Luft wird durch sehr viele Bremsen und Moskitos stark
verkürzt.
Am Osteingang des Wawona Tunnels gehen wir zum Tunnel View Overlook
und sehen nochmal den Vernal Fall, den wir gestern von der Vernal Fall
Bridge aus gesehen haben.
Die unendliche Weite des Yosemite National Parks kann noch mal auf uns
wirken.
Denn wir haben die "meistfotografierte Ansicht der Welt" vor uns:
einen Ansichtskarten-Höhepunkt beim Blick auf den Nevada und Vernal
Fall und das Yosemite Tal mit dem Half Dome.
Der Besuch des 2.200 m hoch gelegenen Glacier Point mit seiner
überwältigenden Aussicht ist allemal lohnenswert.
Wir haben die Berge Half Dome, El Capitan und andere Gebirgsriesen,
sowie die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada vor uns. Die
Felswand fällt 1.000 m steil ab.
Einfach Wahnsinn hoch drei.
Trotz des Rummels auf der Plattform lohnt sich der Weg. Der graue Half
Dome mit seiner markanten Nordwestwand scheint hier so nah, dass man
ihm fast mit der Hand über seinen wohlgeformten halbrunden Schädel
streichen möchte. Direkt vor einem schießen Nevada und Vernal Fall
senkrecht in die Tiefe. Von gegenüber grüßen die Yosemite Falls und,
nur etwas weiter links, der "El Capitan". Mit etwas Glück und einem
guten Fernglas lassen sich die Seilschaften vom Glacier Point
beobachten.
Vom Glacier Point aus gibt es einen tollen Sonnenuntergang. Er gehört
zum Erlesensten, was Yosemite zu bieten hat. Der Half Dome erglüht
dann rot, aber wir sind ja tagsüber hier.
Ein schöner Trail führt zum Sentinel Dome, einem Felsmassiv etwa 300 m
über dem Glacier Point, hin und zurück ca. vier km. Ein schöner Platz.
Wen es nach noch mehr Aussichten gelüstet, startet von hier zu einer
weiteren spektakulären Wanderung: dem Pohono Trail. Er führt hoch oben
an der Südkante des Talabbruchs entlang, bis er nach 22 Kilometern am
Wawona Tunnel wieder die Straße erreicht.
43
Aber durch die vielen Mücken und Bremsen vergeht uns die Lust darauf.
"Wie ist dieses Naturwunder entstanden?", fragt man sich
unwillkürlich. Die Frage ließ auch John Muir nicht los. Nur wenn man
geduldig beobachte und auf den Steinen liege wie ein Gletscher, könne
man herausfinden, wie der Fels abgetragen wurde, meinte er.
Geologen sind dem Geheimnis des Yosemite heute auf die Spur gekommen.
49 Millionen Jahre lang hat der Merced Creek einen tiefen Canyon in
die Hügellandschaft des Yosemite gegraben. Die Eiszeit vor einer Million Jahren füllte das Tal dann bis zur Oberkante des El Capitan mit
Eis. Die höchste Erhebung, der 2.694 Meter hohe Half Dome, lugte 275
Meter aus dem Eismeer hervor. Ganz allmählich schliff der Gletscher
das U-förmige Tal mit den steil aufragenden Wänden aus dem Granit. Die
Verbindungen der damaligen Zuflüsse des Merced River aus den kleinen
Seitentälern wurden dabei unterbrochen. Als gewaltige Wasserfälle
stürzen sie heute in die Tiefe.
Im Wawona Hotel im Süden gibt es mittags Lunch-Buffet. Wir kommen zu
spät.
Im Süden des Yosemite N.P. besuchen wir die Mammutbäume, die Redwoods,
in der Mariposa Grove of Giant Sequoias.
Vor dem Museum stehen ein Dutzend dieser Kirchturm hohen Sequoias vor
einer Wiese.
Leider werden keine Riesen-Tannenzapfen angeboten.
Etwas weiter liegt der "Fallen Monarch", ein vor 100 Jahren
umgefallener Redwood-Baum, dessen Wurzeln in der Luft stehen.
Mitten im Wald liegen gefällte Bäume, die nicht abtransportiert werden
dürfen.
Die Reise geht auf der US 41 über Oakhurst (billige Motels) und Fresno
durch eintönige Einöde und Weideland nach Cambria an der Pazifikküste
und wir stoßen auf die Küstenstraße Highway 1.
Wir fahren vom Highway 1 kurz weg und machen einen Abstecher zum
Moonstone Beach. Der lohnt sich nämlich für einen Sonnenuntergang.
Im Bereich Cambria/San Simeon warten zahlreiche Lodges und Motels auf
Gäste, darunter hübsche, noch relativ preiswerte Häuser wie das
Creekside Inn in Cambria, aber auch Häuser der Ketten Motel 6, Best
Western und Quality Inn. Alle liegen unübersehbar an der Hauptstraße
Nr. 1.
In Cambria wird im besagten Creekside Inn übernachtet.
Wir überlegen kurz, ob wir morgen einen Abstecher nach Süden einlegen
sollen, denn je weiter man nach Süden kommt, desto flacher wird die
Küste und desto mehr State Beaches gibt es.
Aber wir entschließen uns, den nördlichen Weg zu suchen.
20. Tag - Di. 03.07.01
Wir frühstücken in der Cambria Pines Lodge, einem angegliederten Hotel
inmitten eines liebevoll gestalteten Gartens. Die noble Herberge liegt
auf einer Anhöhe.
Driving on the Highway - Abteilung unvergeßlich.
Wir vergessen alle Küstenstraßen dieser Welt, so schön sie auch sein
mögen. Die Strecke auf dem California-Highway No. 1 zwischen Cambria
und Carmel schlägt sie ausnahmslos alle.
44
Bei Cambria müssen wir tanken, sonst hätten wir den Alptraum eines
jeden Autofahrers erlebt: mit leerem Tank auf der schönsten Straße der
Welt stehen zu bleiben.
Wir hätten bei San Simeon nach rechts in Richtung Hearst Castle
abbiegen können. Dazu haben wir aber keine Lust und das war gut so,
denn diese 2-3 Stunden Fahrt und Führung hätten uns später gefehlt.
Wie spleenig und verschwenderisch ein Mensch sein kann, wollen aber
immerhin mindestens eine Million Besucher pro Jahr wissen.
"Ich möchte nur einen etwas komfortablen Bungalow", hatte Zeitungszar
William Randolph Hearst die Architektin Julia Morgan gebeten. Das war
1917. Als Hearst 1951 starb und sein "Zauberberg" La Cuesta Encantada
samt dem riesigen Privatzoo (mit Känguruhs, Lamas und Löwen!) dem
Staate Kalifornien übertragen wurde, war das bescheidene Heim noch immer nicht fertig...
Diese Sehenswürdigkeit ist meistens total überlaufen, so daß man in
der Hochsaison angeblich mehrere Tage im voraus reservieren muß, um an
einer Führung teilzunehmen. Jetzt in der Nebensaison ist es anders.
Ein Kurzbesuch des Hearst Castle ist nicht möglich, denn man kommt auf
sich gestellt nur bis zum grandiosen Informationszentrum, das in
respektvoller Entfernung angelegt wurde. Das Ticket für jeweils eine
der vier verschiedenen, etwa 2-stündigen Führungen durch Teilbereiche
des Palastes kostet $ 14,--/Person und schließt den Transport per
Shuttle-Bus ein, mit dem wir in die Berge gefahren und nach ca. 90
Minuten wieder am Parkplatz abgeliefert worden wären.
Wer mehr sehen möchte, kann dies nur über die Buchung einer weiteren
Tour. Entstehungsgeschichte und der phänomenale Prunk im Inneren
machen Hearst Castle zwar überaus interessant, für uns Europäer, die
wir den Originalen relativ nahe sind, stellt sich aber die Frage, ob
eine partielle Besichtigung des Schlosses das hohe Eintrittsgeld und
die Wartezeiten überhaupt wert sind.
Auf die für Erstbesucher empfohlene Tour Nr. 1 müßten wir 45 Minuten
warten.
Tour Nr. 2, die sofort beginnt und ebenso interessante Einblicke in
dieses ehemalige Wohnhaus eines sehr reichen Zeitungsverlegers bietet,
ist genauso gut.
Aber wir entschließen uns zum eindrucksvollsten Abschnitt des
California Highway Number 1: nämlich entlang der sogenannten Big Sur
Coast zu fahren, mit der Steilküste im Westen und den 1.500 m hohen
Santa Lucia Mountains im Osten.
Ca. 10 km nördlich von San Simeon, kurz vor dem Leuchtturm, ist ein
Parkplatz auf der Seite am Meer.
Dort können wir uns die erste Impression von dem holen, was uns
erwartet: wir halten an und gehen den Fussweg Richtung Meer.
Wir finden eine Kolonie von Seehunden am schwarzen Strand "Pietro's
Blanca", die "vor sich hin dösen".
Einige bedecken sich mit Sand, um Schutz vor der Sonne zu haben.
Andere gehen zur Abkühlung ins Wasser.
Jeder kennt diese Straße, auch wenn er sie noch nicht gefahren ist.
Die Küstenlandschaft bietet alles, was man von einer Küstenlandschaft
erwartet: herrliche, einsame, palmengesäumte Strände, wunderschöne
Dünenlandschaften, Wellen, die gegen hohe Granitfelsen branden, dichte
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Wälder mit gigantischen Redwoodbäumen, und dazu noch einige schöne
Städte wie Monterey oder Carmel.
Gottseidank ist es heute nicht neblig, so daß wir diese Küstenstraße
genießen können.
Diese Route ist wirklich traumhaft, auch wenn wir natürlich durch die
vielen Kurven, Steigungen und Aussichtspunkte nicht besonders schnell
vorankommen.
Und bis San Francisco sind es immerhin 400 km.
Hinter jeder Kurve ist ein neues Naturwunder - und es gibt viele
Kurven hier.
Endlos windet sich der Pacific Coast Highway, wie er auch genannt
wird, an steil aufragenden Felswänden entlang, dessen Wellen sich in
weißer Gischt an den Klippen brechen.
Ein überwältigendes Szenario, das man als PKW-Fahrer erst richtig
genießen kann, wenn man öfter anhält und den Blick in aller Ruhe
schweifen läßt.
Denn wer mit offenen Augen träumt, lebt gefährlich. Die Straße der
tausend Kurven hat ihre Tücken. Und sei es nur Rollsplitt von
bröckelnden Felsen, der immer wieder auf die Fahrbahn rieselt.
Lucia - an dem kleinen Restaurant mit angebautem Kiosk fährt man glatt
vorbei, wenn man nicht aufpaßt. Nur Insider wissen, was die versteckt
darunter an einem Felsvorsprung liegende Lucia Lodge zu bieten hat:
den grandiosesten Ausblick auf die wilde Schönheit der Pazifikküste.
Die Gebäude sind 150 Jahre alt und dementsprechend teuer. Wir trinken
nur etwas und fahren dann weiter.
Ein Eichhörnchen ist schwindelfrei und setzt sich an den Rand eines
zig-Meter tiefen Abgrunds.
Die Big Sur Coast erhielt den Namen von den spanischen Eroberern, die
die Küstenberge nicht überwinden konnten und sie weit im Norden
umgehen mußten. Daher "Großer Süden".
Auf der Terrasse des legendären Nepenthe Restaurant hat man von oben
einen tollen Blick auf die Küste.
Wir fahren über die imposante Bixby Bridge mit der atemberaubenden
Konstruktion.
Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, Big Sur zu mögen. Es ist u.a.
auch ein Platz für Aussteiger und Träumer, aber auch Henry Miller und
die Rockefellers zogen sich gerne in dessen Abgeschiedenheit zurück.
"Dies ist das Gesicht der Erde, wie es sich der Schöpfer vorstellte",
schrieb Henry Miller. Er meinte Big Sur.
Die Rockefellers kauften in dessen Umgebung alles Land, dessen sie
habhaft werden konnten, um es zu schützen.
Die Menschen hier wollen sicherstellen, daß dieses Paradies nicht
zerstört wird. Hier gibt es friedlich weidende Kühe unweit vom wilden
Ozean, tausende Jahre alte Bäume im Pfeiffer Big Sur State Park,
exklusive Hotels wie der auf einer Klippe gebaute Post Ranch Inn (400
bis 2.000 Dollar pro Nacht, ständig ausgebucht), aber auch schlichte
Campingplätze.
Der State Park liegt am Big Sur River. Trails führen zum pittoresken
Big Sur Canyon mit Wasserfällen (ca. 1 km) und kleinen natürlichen
Badepools.
46
Wir fahren nicht zur Pfeiffer Beach, einem kleinen, aber malerischen
Strand. Man sagt, es sei die schönste Sandbucht zwischen Carmel und
San Diego.
Er ist bei Anwohnern bekannt, von Touristen wird er aber nicht immer
gefunden. Es führt die Sycamore Canyon Rd., von der CAL 1 weg,
dorthin, die ca. 4 km lang und vom Highway aus schwer zu sehen ist.
Sie liegt westlich zwischen dem Postamt von Big Sur und dem Pfeiffer
Big Sur State Park. Der Weg ist zwar befestigt, aber schmal, und nicht
für grössere Wohnmobile geeignet. Ein Parkplatz ($ 5,--) befindet sich
am Ende der Strasse. Von dort sind es 200 m bis zum malerischen, von
Felsen eingerahmten Strand. Leider beträgt selbst im Hochsommer die
Wassertemperatur nie über 16°C.
Abends ist es hier ideal, um einen Sonnenuntergang zu beobachten.
Nördlich von Big Sur, kurz vor Carmel, liegt die reizvolle Öko-Oase
und das Naturschutzgebiet Point Lobos State Reserve.
Point Lobos ist eine felsige Halbinsel mit einer zerklüfteten Küste,
vorgelagerten Inselchen, Buchten und kleinen sandigen Einsprengseln.
Sie wird durchzogen von Nature Trails; ein Uferpfad umrundet die
Halbinsel meist hoch über dem Ozean.
Von ihm sichtet man garantiert Seehunde und Seelöwen, oft auch Otter,
die sich gelegentlich rar machen, sowie viele Vogelarten.
Es ist ein sehr schöner Park, den wir zu Fuß durchstreifen. Hier sind
wieder gelbe Strände.
Wir machen einen Spaziergang auf dem kombinierten Sand Hill/Sea Lion
Point Trail.
Normalerweise wimmelt es nur so von lärmenden Seelöwen, Robben und
Seeottern. Aber wir haben Pech.
Zahlreiche Seelöwen bevölkern normalerweise auch die Sea Lion Rocks
vor der Küste. Gleich nebenan läuft der Cypress Grove Trail. Besonders
zur Vogelbeobachtung (Kormorane) eignet sich der zum Pelican Point
führende Bird Island Trail mit Startpunkt ganz am Ende der
Stichstraße.
Auch zu empfehlen ist der Aufstieg zum Cannery Point auf der Nordseite
der Halbinsel. Die Whalers Cove unterhalb dieses Aussichtspunktes ist
ein bevorzugtes Tauchrevier.
Der Monastery Beach an der Grenze des Point Lobos State Reserve endet
am Strand von Süd-Carmel.
Wir fahren durch Carmel.
Zog es Henry Miller nach Big Sur, so war Robert Louis Stevenson
hundertprozentig davon überzeugt, in der Umgebung von Carmel, nur
einen kräftigen Katzensprung nördlich von Big Sur, "das schönste
Aufeinandertreffen von Land und See auf dieser Erde" erlebt zu haben.
Carmel ist der mit Abstand hübscheste (und teuerste) Ort der ganzen
Westküste. Er gilt als Künstlerkolonie und besaß mit dem dort
residierenden Filmschauspieler Clint Eastwood für einige Jahre einen
äußerst publicitywirksamen Bürgermeister.
Seither kümmern sich noch mehr teure Galerien, fashionable Shops und
Restaurants um die zahlreiche Kundschaft. Das kommerziell bestimmte
Leben und Treiben spielt sich hauptsächlich in der Ocean Ave. und
Umgebung ab, strahlt aber mit zunehmender touristischer Popularität
Carmels immer weiter darüber hinaus.
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Gut bestückt ist Carmel mit besseren Restaurants, von denen viele über
schöne Terrassen verfügen.
Der überwiegende Teil des Ortes besteht nichts desto weniger aus
beneidenswert gelegenen und gestalteten Privathäusern inmitten einer
von Kiefern und Zypressen bewachsenen, leicht hügeligen Landschaft.
In Carmel soll der Strand am weißesten sein.
Die weißen Strände entlang der Scenic Road gehören zu den schönsten
der USA. Am Südende dieser Straße stößt man auf die Carmel River State
Beach mit Vogelschutzgebiet und Süßwasserlagune, die nur durch einen
Dünenstreifen vom Ozean getrennt ist. Mit ein wenig Glück sieht man
dort possierliche Seeotter unweit des Strandes in den Wellen spielen.
Vor Jahren schienen sie fast ausgerottet, heute sind sie wieder
zahlreich vorhanden.
An der Rio Road, steht eine der attraktivsten der 21 spanischen
Missionsstationen in Kalifornien. Die Carmel Mission del Rio Carmelo
wurde 1770 erbaut. In ihr liegt der Gründervater der Missionen, der
Franziskanermönch Junipero Serra, begraben.
In dem zauberhaften Städtchen ist nichts so wie in Amerika üblich:
keine Neonreklame, kein Supermarkt, kein McDonalds.
Statt dessen erscheint die ganze Ortschaft wie ein riesiger, bewohnter
Park. Überall sind Alleen, dichter Pflanzenwuchs und kleine Häuschen,
die sich darin verstecken.
Aber auch Kalifornien de Luxe, vor allem entlang der Beach Avenue, mit
den Galerien, Boutiquen und Gasthöfen im Tudor-Stil.
Es ist auch berühmt geworden durch seinen Ex-Bürgermeister Clint
Eastwood, der übrigens 13 Kilometer östlich in Carmel Valley wohnt.
Die Halbinsel Monterey ist eine der reizvollsten und meistbesuchtesten
Gebiete in ganz Kalifornien.
Dort führt der gebührenpflichtige "17-Mile-Drive" zu den schönsten
Aussichtspunkten der schroffen "Küste des großen Geldes". Der
Schlenker serviert ein Stück Kalifornien vom Feinsten.
Durch das Carmel Hill Gate, auch Highway 1 Gate genannt, fahren wir
nach Monterey, nachdem wir die $ 8,-- bezahlt haben.
Auf der Halbinsel liegt Spanish Bay mit dem weißen Strand.
Hier kann Picknick gemacht werden.
Wir machen einen kleinen Spaziergang am Bird Rock, aber es sind keine
Vögel zu sehen.
Es gibt viele Felsen hier, die Seehunde und Möven beherbergen.
Der berühmteste und meistfotografierteste Baum Kaliforniens ist die
250 Jahre alte "Lone Cypress", die einsame Zypresse.
In der Nähe des Felsens kam James Dean mit seinem Porsche ums Leben.
In Pebble Beach wohnen versteckt die Superreichen. Hier läßt sich
abends ein großartiger Sonnenuntergang beobachten.
Wir verlassen den "17-Mile-Drive" diesmal durch das Carmel Gate.
Nach diesem Erlebnis sind Steigerungen kaum denkbar.
Es ist schon spät und darum lassen wir Monterey City, Santa Cruz und
Ano Nuevo aus und fahren über den Freeway 101 nach Norden.
Aber wir versuchen es einmal, eine Steigerung zum bisher erlebten zu
bekommen.
Wir erreichen spätabends unser letztes Ziel:
San Francisco.
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Die Skyline von San Francisco wirft einen fast aus dem Fenster, wenn
man sie zum ersten Mal zu Gesicht bekommt.
Wir sollten übrigens San Francisco nie "Frisco" nennen, die Leute
hassen diese Abkürzung.
Wir übernachten die nächsten 3 Nächte im Best Western Americania Hotel
in der 7th Street. Das Hotel ist in der Nähe von SoMa (South of Market
Street).
Wir kommen spät an, sind müde und gehen auch kurz danach zu Bette, um
für die nächsten Tage in San Francisco ausgeruht zu sein.
21. Tag - Mi. 04.07.01 (Unabhängigkeitstag/Independence Day)
Wir wollen es bequem haben, frühstücken im Hotel und fahren dann mit
dem Hotel-Shuttle-Bus zum Union Square.
Heute sind trotz Feiertag viele Geschäfte geöffnet und wir lassen den
PKW am Hotel stehen.
Toni erhandelt sich in einem Fotogeschäft ein gutes Objektiv und
Zubehör für die Kamera. Bärbel erhält daraufhin vom Besitzer einen
Kalender geschenkt.
Wir fahren am Union Square mit den Außen-Aufzügen des St. FrancisHotels nach oben, um San Francisco auf uns wirken zu lassen.
Die Zimmer hier kosten ab $ 195 aufwärts.
San Francisco ist eine einzige Faszination und fast unvergleichlich.
Sie gilt als eine der schönsten Städte der Welt.
Am Endpunkt der Cable Car Linie ist immer was los und selbst mit
Plastikeimern kann ein Künstler Musik machen, nämlich Jingo von
Santana. Er ist wahrscheinlich aus den 60ern übriggeblieben - The Beat
goes on.
Natürlich fahren wir mit dem berühmtesten Wahrzeichen San Franciscos der umweltfreundlichen Cable Car.
An der letzten Haltestelle der Cable Cars kaufen wir an einem Kiosk
jeder ein One-Day-Ticket (einen Muni-Passport) für $ 6,--, um
unbekümmert und billig mit Bus, Straßenbahn, U-Bahn und Cable Car
fahren zu können.
Das gilt für San Francisco und die Außenbezirke bis nach Oakland oder
zur Universitätsstadt Berkeley.
An der Endstation, dem Turning Point, werden sie per Hand
herumgedreht.
Wir steigen ein und dann geht's los.
Stahltrossen unter den Schienen ziehen die Wagen durch die Straßen und
die steilen Hügel hinauf. Sie haben also keinen eigenen Antrieb.
Der Gripman, der Griffmann und Fahrer, hat vor sich einen kleinen
Hebel. Wenn er ihn an sich zieht und gleichzeitig ein Pedal tritt,
klemmt sich unter der Straße der Mechanismus ans Seil und es geht los.
An jeder Kreuzung und zwischendurch wird gebimmelt. Das ist ganz
wichtig.
Der große Hebel vor ihm ist die Bremse. Also kleinen Hebel nach vorne,
das ist Ausklinken aus dem Seil, dann großen Hebel nach hinten ziehen
und es wird gehalten.
49
Es gibt auch noch einen dritten Hebel, die sogenannte Notbremse. Aber
davon reden wir lieber nicht.
Die ersten wurden am 1. August 1873 in Betrieb genommen, um 1900 waren
es 600 auf 176 km Streckennetz. Erst dadurch wurden viele Hügel
besiedelt, weil die Pferdewagen die steilen Hügel nicht hinauf kamen.
Heute sind weniger als 40 Cable Cars auf den drei Hauptrouten von 16
km unterwegs.
Zu Fisherman's Wharf im Allgemeinen und Pier 39 im Besonderen fahren
wir mit der Cable-Car-Linie "Powell & Hyde".
Fisherman's Wharf war früher ein Fischereihafen.
Pier 39 dort ist ganz aus Holz gebaut und beinhaltet heute unzählige
nostalgische Geschäfte, Restaurants und Boutiquen. Ein Teil ist für
die Robben und Möven reserviert.
In "The Cannery" (früher eine Sardinenfabrik) und "Ghirardelli Square"
(früher eine Schokoladenfabrik) gibt es Geschäfte und Galerien. Sie
befinden sich in der Nähe einer Cable-Car-Drehscheibe.
Heute ist Unabhängigkeitstag und am Pier das "Fourth of July
Waterfront Festival". Es ist jede Menge los.
Sänger, Gaukler, Artisten und Zauberer können wir unter freiem Himmel
bewundern - und alles ohne Eintritt.
Das lebendige Erscheinungsbild der Stadt beruht auf der Vielfalt der
dort lebenden Volksgruppen. Alle leben harmonisch miteinander. Hier
will sich jeder, ob alt oder jung, selbst verwirklichen. Und das wird
akzeptiert.
Man sieht Häuser im viktorianischen Stil, dann eine russische Kirche,
im Chinesenviertel pagodenähnliche Bauten und dann hypermoderne Betonund Glaspaläste.
San Francisco ist ein Mythos und der Anziehungspunkt von Abenteurern,
Glücksrittern und Freiheitssuchenden.
Auf dem Telegraph Hill ist der 64 m hohe Coit Tower. Wir sehen ihn oft
aus der Ferne, auch hier vom Hafen aus.
Man hat von dort oben eine tolle Aussicht über die Stadt.
Wir bummeln am Embarcadero, der Uferstraße, entlang.
Im Hafen liegt ein Kreuzfahrtschiff und im Hintergrund sehen wir die
doppelstöckige Oakland Bay Bridge.
Wir lassen die Hochhäuser San Francisco's mit der Trans-AmericaPyramid auf uns wirken.
Zwischen den Hochhäusern ist das "Embarcadero-Center".
Gegenüber, an Pier 1, es gibt auch den Pier 1/2, ist das Ferry
Building, eines der Wahrzeichen der Stadt. Es hat das Erdbeben vom 18.
April 1906 überstanden, bei dem 700 Menschen starben.
Wir machen vom Pier 43 1/2 aus (der heißt wirklich so) mit dem Schiff
eine Sight-Seeing-Tour (Bay Cruise), obwohl der Himmel bewölkt ist.
Pelikane zeigen ihre Flugkünste und fliegen knapp über das Wasser.
Dazu saust ein Schnellboot über's Meer.
Auch Segelboote und Surfer sind bei starkem Wind unterwegs.
Alle paar Minuten bietet sich ein neues Bild. Die 75-minütige Fahrt
führt zur Golden Gate Bridge und unter dieser hindurch.
San Francisco wurde fast nicht entdeckt. Jahrhunderte lang segelten
die europäischen Entdecker in schöner Regelmäßigkeit an der Bucht
vorbei, weil immer dann Nebel die Einfahrt verdeckte. Erst 1769 stieß
50
eine spanische Militärexpedition auf den gewaltigen Meerbusen, der 4 x
so groß ist wie der Bodensee.
Die Stadt am "Goldenen Tor" mit den 42 Hügeln liegt auf einer
Halbinsel, die vom Pazifik im Westen, vom Golden Gate im Norden und
von der San Francisco Bay im Osten umgeben ist. Sie ist 5.000 km von
New York entfernt.
Es gibt Brücken auf Pfeilern, andere verteilen die Kräfte auf ein
Verstrebungsnetzwerk, wieder andere werden an Seilkonstruktionen
aufgehängt. Die wohl berühmteste Brücke der Welt ist die Golden Gate
Bridge in San Francisco.
Nach einer langen Geduldsprobe sehen wir die 2.800 m lange Golden Gate
in ihre vollen Schönheit.
Die Hängebrücke, Architekt war Joseph Strauss, hat zwischen ihren 227
m hohen Säulen eine Spannweite von 1.280 m. Sie ist ein Wahrzeichen
von San Francisco und Sinnbild des amerikanischen Traums, immer nur Go
West, Go West.
Aber von hier sprangen auch fast 900 Selbstmörder 67 m in den Tod, mit
Blick auf die Traumstadt.
1933 wurde mit dem Bau begonnen und sie wurde 1937 dem Verkehr
übergeben. Damals war es die längste Hängebrücke der Welt, heute ist
es die berühmteste.
Dafür, daß sie noch in 50 Jahren funktioniert, sorgen 850 Mechaniker,
Maler und Kassierer. Täglich fahren 100.000 Autos über diese Brücke.
Aber dann verschwindet sie auch schon wieder, typisch für sie, im
Nebel und fotografieren ist zwecklos.
Das Schiff fährt an der ehemaligen Zuchthausinsel Alcatraz vorbei, das
früher am best bewachteste Gefängnis der USA. In den 60er Jahren wurde
Alcatraz geschlossen.
Und im Hintergrund liegt San Francisco im Dunst.
Es geht weiter zur Oakland-Bay-Bridge, der doppelstöckigen
Superbrücke, die San Francisco mit Oakland verbindet. Sie wurde 1936
eröffnet und ist eine der längsten Stahlbrücken der Welt.
Dann schippern wir an den schönen viktorianischen Häusern und
Sausalito entlang und passieren wieder dicht die Wolkenkratzer, bevor
wir zum Pier 43 1/2 zurückkommen. Leider versinkt alles im Nebel.
Wieder an Land, gehen wir in Richtung Downtown.
North Beach (Little Italy) ist eines der aufregendsten Viertel der
Stadt, mit Gelaterias, altmodischen Bäckereien und erstklassigen
Restaurants sowie bekannten Cafes wie Vesuvio, Triest und Tosca auf
der Vallejo St., Columbus Ave. und Broadway Ave. Hier gibt es Jazzund Rock-Clubs und hier ist das Nachtleben.
Wir bummeln verschiedene Straßen entlang.
Im Süden von North Beach schließt sich China Town an.
China Town ist mit 80.000 Einwohnern die größte außerasiatische
Chinesenstadt der Welt, und wir fühlen uns wie in Peking oder
Shanghai. Es ist eine Stadt für sich.
Hier in China Town erwarten uns exotische Farben, Klänge und Düfte aus
Asien. Dazu zierliche Türmchen, Wandmalereien, Straßenlaternen und
Telefonzellen im China-Look.
Aber in den Nebenstraßen der Grant Avenue geht es weit weniger
malerisch zu. Es ist triest und dreckig.
51
Die Leute fühlen sich zuhause hier, denn es gibt chinesisches
Fernsehen und chinesische Presse.
Obwohl viele hier geboren wurden, sprechen viele kein englisch. Darum
gibt es chinesische Straßenschilder.
Im Restaurant Hang Atium, dem ältesten Restaurant von China Town,
werden Dim Sum, d.h. herrliches Essen, am besten zubereitet.
Wir kommen zum Financial District. Hier gibt's Banken, Banken und
nochmals Banken. Die bekanntesten Hochhäuser sind die Trans America
Pyramid und die Bank of America.
Im Finanzdistrikt mit den Wolkenkratzern ist u.a. die 260 m hohe,
erdbebensichere, 1972 erbaute Transamerica Pyramid zu bewundern, ein
imposantes neuzeitliches Bauwerk, das auch als Orientierungshilfe
dient. 1.250 Menschen arbeiten in dem Gebäude. Die besten Architekten
wurden hier nach dem großen Erdbeben aktiv.
Die größte Privatbank der Welt ist ebenfalls hier angesiedelt: die
Bank of America, mit 227 m Höhe.
Man sieht auch hier, daß Kalifornien das Zukunftsland der USA ist und
San Francisco mit Silicon Valley mithalten kann. Der Stolz Amerika's
ist im Finanzdistrikt an jedem Haus ablesbar. Etwa 100.000 Angestellte
gibt es hier.
In San Francisco gibt es alle Musikrichtungen. Dafür ist die Stadt
auch bekannt.
Wir gehen zurück zur North Beach. Dort essen wir im Sodini's
Trattoria, also "beim Italiener", zu Abend. Normalerweise hätten wir
ca. eine Stunde warten müssen, aber wir schmuggeln uns als "Dave,
Party for two" hinein, denn dieser steht auf der Warteliste und ist
nicht da. Und es hat sich gelohnt, das Essen ist sehr gut.
Der Abschluß wird in unserer Hotel-Bar verbracht.
22. Tag - Do. 05.07.01
Wir frühstücken wieder im Hotel.
Heute werden die Aussenbezirke von SFO-Downtown mit unserem Wagen
inspiziert. Und wir denken immer daran, die Reifen Richtung
Bürgersteig einzuschlagen, sonst gibt's ein Protokoll.
Wir fahren zum Alamo Square.
Dieser Platz liegt südlich der Pacific Heights, an der Steiner Street.
Hier befinden sich die als "Postcard Row" berühmten sechs
viktorianischen Häuser, genannt "The Painted Ladies", nach dem
pastellartigen Anstrich.
Mit der Skyline von Downtown San Francisco im Hintergrund sind diese
Häuser wirklich malerisch anzusehen.
Sie sind ein Beispiel dafür, wie man früher gelebt hat, in britischer
Verbundenheit mit der Ostküste.
Die kurvenreichste Straße der Welt, die berühmte Einbahnstraße Lombard
Street am Russian Hill, fahren wir mehrmals hinunter.
Sie ist ja bekannt durch die "Straßen von San Francisco" und ist mit
roten Ziegelsteinen gepflastert.
Wir beginnen bei der Hyde St. und fahren in einem Block in neun
Haarnadelkurven den Hügel zur Columbus Avenue hinunter.
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Hier verstehen wir, warum Taxis alle vier Wochen neue Bremsen
brauchen.
Von hier unten sehen wir sehr schön, wie die Straße im Blumenmeer
versinkt.
Die Temperaturen liegen übrigens meist um die 20 Grad. Mark Twain
witzelte einmal: "Der kälteste Winter, den ich je erlebt habe, war ein
Sommer in San Francisco".
Eine der steilsten Straßen ist die Filbert Street. Hier werden nicht
nur Fußbremsen, sondern vor allem die Handbremsen beansprucht.
Die Cabel Car ist allgegenwärtig.
Sie rattert an uns vorbei und fährt bimmelnd eine steile Straße
hinunter. Sie hat ja gute Bremsen, wie wir wissen.
Eine andere kommt uns entgegen, stoppt mitten auf der Kreuzung, läßt
Leute zusteigen und klinkt sich wieder ein. Weiter geht's.
Die Cable Cars sind halb aus Holz und halb aus Metall. Innen sind sie
eng, primitiv, unbequem und sie haben harte Bänke. Viele Leute müssen
stehen oder hängen draußen an den Seiten. Die Fahrt ist langsam, es
rumpelt, quietscht und ruckelt nur.
Aber die Menschen lieben das. Zumal die Fahrer cool sind und immer
einen Scherz auf den Lippen haben.
Es macht einfach Spaß, mit der Cable Car die Hügel rauf und runter zu
fahren.
Übrigens: um die Kabelbahn aus San Francisco abzuschaffen, muß erst
die Bevölkerung befragt werden. Erst wenn eine Mehrheit dafür ist, ist
das möglich. So steht es in der Stadtverfassung von San Francisco.
Über den Scenic Drive (oder von der Baker Beach aus) kommen wir zum
Fort Point, stehen unter der Brücke und haben einen guten Blick auf
die enorme Konstruktion der Golden Gate Bridge.
Die Brücke ist einfach ein fantastischer Anblick und nicht mit Worten
zu beschreiben. Leider ist sie meist im Nebel.
Fort Point ist eine der schönsten militärischen Bauten der USA.
Wegen häufigen Nebels kündigt ein Signal die Einfahrt zur Bucht an.
Endlich - wir fahren über die Golden Gate Bridge, der Brücke über das
Goldene Tor, leider liegt sie im Nebel.
Den Namen erhielt das Goldene Tor 1846, als die Goldgräber hier durch
mußten, um in den Yukon zu gelangen.
Wir merken, wie die Brücke unter der Last der Autos vibriert.
Hinter dem View Point nehmen wir die erste Ausfahrt und fahren das
Sträßchen links unter der Autobahn hindurch den Hang hinauf zum Marin
Head State Park und seinen hochgelegenen Aussichtspunkten.
Von den Headlands aus haben wir einen schönen Blick auf die
Stahlkonstruktion am Nordende der Brücke, auf Sausalito und auf die
dahinter liegende Richardson Bay.
Ein sehr starker Wind macht uns dabei zu schaffen.
Wir kommen zum malerischen Sausalito. Das ist ein viel besuchter Ort
auf einer Halbinsel, auf der viele Künstler wohnen.
Hier gibt es wunderschöne Boutiquen, Geschäfte und Restaurants.
Wir essen etwas (Spitze: "Horizon") und machen einen Spaziergang.
Auf der anderen Seite sehen wir San Francisco.
Wir hätten ein wunderbares Panorama auf die pazifische Küste mit San
Francisco gehabt, wenn es nicht neblig gewesen wäre.
53
Es ist so schön, daß wir zu spät zum Auto und zur Parkuhr zurück
kommen und ein Protokoll haben. Aber die Auto-Nummer ist falsch
notiert worden!! Da hat die Polizei von Sausalito leider Pech gehabt.
Ganz unten am Hafen von Sausalito sieht man abends übrigens einen
unglaublichen Sonnenuntergang.
Wir fahren zum Nordende des Ortes, zum Waldo Point.
Hier gibt es viele Hausboote. Gute und schöne sind zu besichtigen,
aber auch vergammelte.
Über hölzerne Stege kommt man zu den Booten, die teilweise sehr schön
hergerichtet und gemütlich wohnlich sind.
Vor der Veranda haben die meisten noch ein kleines Boot im Wasser, um
schnell jemanden besuchen zu können.
Die Balkone und Verandas sind mit Blumen geschmückt, damit es sich gut
aushalten läßt.
Es geht überhaupt sehr bunt zu. Die Boote haben alle andere Farben wie
das Nachbarboot.
Teilweise kann man auch in die einzelnen Zimmer hineinsehen.
Wir fahren jetzt links ab durchs Tamalpais Valley und folgen den
Highway-1-Wegweisern Richtung Stinson Beach.
Nur 20 km nördlich von SFO liegt Muir Beach, und doch war er früher
meist verlassen und einsam.
Wir halten an diesem winzigen Strand und fühlen uns sofort wohl.
Die Schönheit und die Abgeschiedenheit machen uns den Strand wirklich
sympathisch. Publikum war allerdings bereits hier, und der Geheimtip
war keiner mehr.
Gegen abend fahren wir über Richmond in die Traumstadt zurück.
Es geht über die schöne Richmond-St.-Rafael-Bridge und die OaklandBay-Bridge.
Zum Ausklang geht's noch zum Esprit Outlet (499 Illinois St.). Hier
gibt es Kleidung bis zu 40 % billiger, aber es war trotzdem zu teuer,
oder Schrott.
Daher sparen wir uns auch an der Market St. das House of Blue Jeans,
das es hier in SFO sogar 3 mal gibt (979, 1029 und 1059 Market St.).
Abends essen wir bei einem guten Italiener am Union Square und
schließen den Besichtigungsteil ab.
23. Tag - Fr. 06.07.01
Wir frühstücken wieder im Hotel und checken dann aus. Unser Gepäck
können wir bis zu unserer Abreise deponieren.
Am Morgen machen wir noch einen Bummel rund um den Union Square. Hier
sind elegante Boutiquen, aber auch normale Kaufhäuser.
Macy's und Tiffani's werden noch besucht und dann sind die über drei
Wochen USA bereits vorüber.
Leider heißt es jetzt wieder Abschied nehmen. Goodbye America!
Wir fahren mittags zum San Francisco International Airport, 24 km
südlich.
Die Abgabe des PKW um 14:00 h verläuft problemlos.
Der Abflug von San Francisco ist um 16:55 h (= 01:55 h Ffm. am 7.7.)
und wir haben einen guten Flug.
Nur eine Baseball-Mannschaft sorgt für die Lautstärke beim Dösen.
54
24. Tag - Sa. 07.07.01
Ankunft in Ffm. ist pünktlich um 12:30 h (= 03:30 h SFO). Mit dem Zug
geht es um 15:00 Uhr nach Koblenz, wo uns die Eltern Venfertloh
abholen.
Gesund kommen wir wieder zuhause an.
Erkenntnis: In Amerika gibt es keine Eierbecher !!
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