Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache

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1
Universität Potsdam
Institut für Slavistik
SoSe 2006
V/S: Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache [I]:
totalitäre Ausdrucksmittel in Politik und Medien
aus der Sicht der Kritischen Diskursanalyse
Dozent: Prof. Dr. P. Kosta
Die Sprache der Medien:
eine exemplarische Analyse der Berichterstattung
zum Thema „Islam“ in Deutschland
Studentin: Marwa Al-Radwany
Eingereicht am 01.10.2007
2
Die Sprache der Medien:
eine exemplarische Analyse der Berichterstattung zum Thema „Islam“ in Deutschland
Inhaltsverzeichnis:
1. Vorwort…………………………………………………………………….…....S.3
2. Begriffsbestimmungen zu ‚Medien’………………………………………….....S.4
3. Medien in der Gesellschaft …………………………………………………......S.5
4. Konstruktivismus / Medien und Wirklichkeit………………………………......S.7
5. Sprache in, für und durch Medien……………………………………………....S.8
6. Einige Mechanismen der Berichterstattung (Auswahl) …………………….......S.9
6.1
Agenda setting ....……………………………………………………......S.9
6.2
Selektion………………………………………………………………..S.11
6.3
Pars pro toto…………………………………………………………....S.12
6.3.1 Exkurs: Entstehung von Vorurteilen…………………………..…S.14
6.4
Symbolik …………………………………………………………..…..S.14
6.5
Wortwahl und Wortfeld……………………………………………..…S.16
6.6
Sinn-Induktionsschnitt………………………………………………....S.17
6.7
Platzierung………………………………………………………….….S.19
6.8
Markierung…………………………………………………………......S.20
6.9
Negativismus……………………………………………………….…..S.22
7. Abschlussbemerkungen und Synthese…………………………………….…...S.23
8. Bibliographie………………………………………………………………......S.25
9. Anhang: Bild- und Textnachweis………………………………………….…..S.27
9.1
SPIEGEL special Nr.1/1998…………………………………………..S.27
9.2
Sozialmagazin 31.Jg., H.1, Januar 2006……………………………....S.28
9.3
SPIEGEL Nr. 13/2007, S. 22f. …………………………………….…..S.29
9.4
Zeit-Punkte Nr. 1/1993:7…………………………………………….....S.31
3
1. Vorwort
Nicht erst seit dem 11. September 2001, aber verstärkt seitdem und in Europa insbesondere
seit dem Mord am Filmemacher Theo van Gogh im November 2004 in den Niederlanden ist
eine tendenziöse, negative Berichterstattung zum Thema Islam zu beobachten. Dabei wird
eine zunehmende Essentialisierung aller Sachverhalte unter dem Aspekt ‚Islam’
vorgenommen und sämtliche Problemfelder wie Terrorismus, Frauenunterdrückung oder
Homophobie werden als dem Islam inhärent gehandelt. Menschen, die früher vielleicht als
Ausländer oder ihrer Nationalität nach tituliert wurden, werden generalisierend markiert,
indem immer häufiger von ‚den’ Muslimen gesprochen wird. Dadurch wird der Eindruck
erweckt, es handele sich um eine homogene, andersartige Gruppe, die sich selber über die
Religion definiert und einheitliche Interessen verfolgt.
Für die Zuspitzung auf den Islam gibt es einige Gründe: global stehen oft politische Interessen
dahinter: Der Krieg gegen den Terror, imperialistische Ansprüche (manche sehen das
Feindbild Islam ideologisch als Ablösung des ehemaligen Feindbilds Kommunismus), auf
lokaler Ebene die Ablenkung von eigenen Problemen und individuell eine erleichterte
Eigenidentität in Abgrenzung zur anderen, ‚fremden’ Identität.
Das meiste Wissen über den Islam haben wir v.a. aus der Auslandsberichterstattung, also aus
Sekundärquellen. Dieses Wissen ist jedoch kein Faktenwissen (also z.B. über die
geopolitische Lage, die Lebensumstände oder die politische Situation) sondern diffus
emotional
besetzt:
Schlagwörter
wie
‚Terrorismus’,
‚rückschrittlich’,
oder
‚Frauenunterdrückung’ beherrschen das Feld.
So überwiegt oftmals ein Halbwissen über bestimmte, mit dem Islam in Zusammenhang
stehende oder gebrachte Themen. Zusätzlich ist dieses Halbwissen geprägt von einer
negativen Voreinstellung. Die Medien – unsere Sekundärquellen – tragen zu diesem
essentialisierten Halbwissen durch einen häufig reißerischen und an Negativvorfällen
orientierten Duktus besonders bei. Doch auch jene Medien, die für sich beanspruchen, seriöse
Berichterstattung zu bieten, leisten durch die Fokussierung auf das Thema ihren Beitrag zur
Macht, mit der ein Diskurs die Agenda beherrscht, um mit Foucault zu sprechen.
Die Rolle der Medien bei der Vermittlung von Informationen soll in dieser Hausarbeit im
Rahmen der Vorlesung „Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache“ untersucht
werden. Dabei bietet sich die exemplarische Analyse anhand der Berichterstattung zum
Großthema „Islam“ besonders an, da es sich um ein Thema handelt, das seit einigen Jahren
auf der Agenda steht. Fernab reduktionistischer Schuldzuweisungen an „die bösen Medien“
4
sollen in einer wissenschaftlichen Analyse neutral zunächst die Rolle der Medien in der
Gesellschaft, ihre Funktionsweise als Informationsübermittler und schließlich bestimmte
Schlüsselmechanismen der Berichterstattung an exemplarischen Beispielen untersucht
werden. Eine tiefer gehende Analyse der Gründe für die Fokussierung auf das Thema ‚Islam’
wäre wichtig um die Diskursnormen zu verstehen, würde jedoch den Rahmen dieser Arbeit
sprengen und kann daher nur in Randbemerkungen behandelt werden.
2. Begriffsbestimmungen zu ‚Medien’
„Medien sind komplexe institutionalisierte Systeme um organisierte Kommunikationskanäle
von spezifischem Leistungsvermögen“1. Medien transportieren, organisieren und kreieren
Kommunikation. Grundsätzlich muss man zwischen zwei Arten von Medien unterscheiden:
Massenmedien und interpersonale Medien. Unter erstere fallen Presse, Hörfunk, Fernsehen
sowie Teile des world wide web. Sie fallen in den öffentlichen Bereich, werden von größeren
lokalen bis globalen Institutionen betrieben und verbreiten Informationen an ein großes
Publikum. Die Kommunikation geht hierbei fast ausschließlich in eine Richtung, d.h. von den
Medieninstitutionen an das Publikum. Der Zweck ist in den seltensten Fällen eine
rückgerichtete Kommunikation oder Antwort der Adressaten2. Interpersonale Medien sind in
der Regel darauf ausgelegt meistens zwei (oder mehrere Personen) kommunikativ
miteinander zu verbinden. Dies kann zeitgleich (Telefon) oder zeitversetzt (SMS, E-Mail)
geschehen. Interpersonale Medien decken den privaten Bereich der Kommunikation ab. Im
Fall von Telefon- und Videokonferenzen ist die mediale Kommunikation immer noch
interpersonal, wenn auch innerhalb einer kleineren bis quasi anonymen Gruppe (Chat).
Aufgrund des übergeordneten Themas der Machtausübung durch Sprache werde ich mich in
vorliegender Arbeit hauptsächlich auf die Sprache der Massenmedien konzentrieren, auch
wenn die Veränderung der Sprache durch neuere interpersonale Kommunikationsmittel wie
E-Mail oder SMS äußerst interessante und aufschlussreiche Erkenntnisse bietet3.
1
Saxer, Ullrich (1998): Mediengesellschaft: Verständnisse und Missverständnisse. S. 54, zit.in: Schmitz 2004,
S.12
2
Ausnahmen: Hotlines, Anruferaktionen in Radio und Fernsehen bei Gewinnspielen, Leserbriefe
3
Beispielsweise sind neuere Studien unter dem Aspekt der Soziolinguistik zur wechselseitigen Formierung der
Jugendsprache und der SMS-Kommunikation interessant. Gleichwohl wäre der Aspekt der Entgrenzung und
Entkörperlichung der Kommunikation durch oben genannte interpersonale Medien (und der Versuch diesen
Effekt durch Gebrauch von Emoticons teilweise wieder aufzuheben) eine Untersuchung wert.
5
3. Medien in der Gesellschaft
Im Zuge allgemeiner gesellschaftlicher Umwälzungen wie der Globalisierung, der
Entstrukturierung menschlicher Beziehungen, der Ausbreitung des Dienstleitungssektors und
der technischen Revolution haben sich auch unsere Arten der Kommunikation gewandelt: Die
Mehrheit der kommunikativen Akte verläuft über und durch Medien. Zudem weitet sich im
Zuge einer globalen Gesellschaft mit entgrenzten Kommunikationsmöglichkeiten der Blick
für Erfahrungen außerhalb unserer unmittelbaren Umwelt: Immer mehr Informationen und
Bewertungen über andere Länder und Gesellschaftsformen werden uns über technische
Medien vermittelt; unsere Wahrnehmung ist daher nicht mehr unmittelbar. Dazu kommt die
wachsende Schnelllebigkeit, die in einer auf Effizienz angelegten Wirtschafts- und
Gesellschaftsordnung unumstößlich ist: Die Halbwertszeit von Informationen, Trends,
Diskursen und Einstellungen ist rapide gesunken. Umberto Eco formulierte dies
treffenderweise: ‚Früher gab es immer ein Mehr an Informationen, das Kanäle brauchte um
sich zu verbreiten. [...] Heute werden mehr Kanäle geschaffen als es Informationen oder
sinnvolle Inhalte zu übertragen gibt’4. Die wachsende Quantität an Informationskanälen
einerseits und die zunehmende Schnelllebigkeit der Informationen andererseits gehen beinahe
unumstößlich zu Lasten der Qualität der verbreiteten Informationen. Wenn im Internet alle
fünf Minuten neue Kurzmeldungen erscheinen, dann kann man sich vorstellen, dass für die
einzelne Nachricht kein großes Aufgebot an redaktioneller Sorgfalt angewandt werden kann.
Dabei sind an dieser Stelle einige grundlegende Betrachtungen zum Wesen der
Massenmedien vonnöten. Es geht nämlich keinesfalls darum, ein ‚Medien-Bashing’ zu
betreiben und die Schuld an verkürzter und einseitiger Berichterstattung ‚den’ Medien
zuzuschreiben. Medien stehen sowohl innerhalb als auch außerhalb der produzierenden
Gesellschaft: Sie sind keine autonomen, selbstreferentiellen Gebilde, sondern werden von
Menschen produziert und rezipiert. Dadurch stehen sie in einem Wechselspiel von
Gesellschaft und Ökonomie, sie bedingen sich sozusagen selbst. Am Beispiel der
Schnelllebigkeit kann man das erläutern: So ermöglichen Medien durch schnelle Schnitte und
minütliche Neuinformation ein stets aktuelles Weltbild und tragen zur zunehmenden
Lebensgeschwindigkeit bei. Gleichzeitig wird diese schnelle Verfügbarkeit auch gefordert.
‚Man’ hat nicht mehr Zeit sich Unbekanntes in einer langwierigen und intensiven Lektüre
anzueignen; der schnelle Zugriff auf Informationen ist nötig, wenig Lektüre, mehr Bilder,
eine zunehmende Visualisierung. Dieses ‚man’ muss selbstverständlich spezifiziert werden.
4
Umberto Eco: „Pochi navigano su molti canali“ L’Espresso, 20.09.2001, S.9 (Übersetzung: Al-Radwany)
6
Es wäre naiv zu glauben, Otto Normalverbraucher hätte diesen Mentalitätswandel selbst ins
Leben gerufen: Massenmedien existieren selbstverständlich innerhalb des vorgegebenen
politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systems, von dem sie abhängig sind. In
einer industrialisierten Gesellschaft unterliegen sie den gleichen Regeln der Vermarktbarkeit,
Kontrollierbarkeit und Konsumierbarkeit5. Andererseits produzieren sie genauso bestimmte
‚Produkte’ in Form von Grundstimmungen, Einstellungen, politischen Akten, Bedürfnissen
und Weltsichten von Einzelnen, da sie von den ökonomisch und (dadurch auch) politisch
Herrschenden direkt oder indirekt produziert werden. Ein gutes Beispiel sind die
Eigentumsverhältnisse in der italienischen Medienlandschaft: So verfügt der ehemalige
Ministerpräsident Italiens, Silvio Berlusconi, über ein Quasi-Monopol der privaten TVSender mit den höchsten Einschaltquoten und einem beträchtlichen Einfluss auch auf die
Programme und Inhalte der (noch) staatlichen Sender. Und Presserzeugnisse wie z.B. die
Turiner Zeitung La Stampa gehören in den Besitz des Großindustriellen Agnelli des vor Ort
ansässigen Fiatbetriebs.
Medien nehmen also einen Status zwischen vermittelnder und interpretierender Funktion ein;
und sie fungieren als Sozialisationsinstanz.
Es ist also unumgänglich zu unterscheiden zwischen den Medien immanenten Bedingungen diese nennt man endogene Faktoren - und denen, die von den Produzenten selber oder durch
äußere Zwänge direkt und indirekt gestellt werden, den exogenen Faktoren. Zu den
medienimmanenten Bedingungen zählen z.B. Umfang, Zweck und Erscheinungsform der
Medien. Tageszeitungen etwa, die keine Themenreihen darstellen, müssen komplexere
Sachverhalte oder Hintergrundinformationen verkürzt wiedergeben, da für die neue
Information innerhalb jedes Themenbereichs nur wenig Platz bleibt, weil die Zeitung in ihrer
Gänze ja umfassend informieren möchte. Und die Darstellung täglich erscheinender
Sachverhalte kann, im Vergleich zu einer umfassenderen Reportage, nur mit weniger
Aufwand in der Hintergrundrecherche betrieben werden.
Anders sieht es aus, wenn exogene Faktoren und Machtverhältnisse die mediale Darstellung
beeinflussen: So ist eine zunehmende Tendenz zur Reduzierung der Zahl fest angestellter
Journalisten6, der Zeit für einzelne Recherchen und der Investition und Bereitstellung von
Strukturen für seriöse Recherchen, die in den letzten Jahren bei Tageszeitungen zu erleben ist,
5 Man kann davon sprechen dass Massenmedien industrielle Fabriken darstellen: Sie „produzieren Mythen
industriell, die schnell verbraucht werden und immer neue einfordern“ (Schmitz 2004, S.17).
6 So hat sich bspw. die Zahl der ‚freien Journalisten’, also ohne Festanstellung und Tarifvertrag, innerhalb der
letzten zehn Jahre mehr als verdoppelt. Vgl.: „Freie Journalisten: Wie ihr Alltag aussieht und wie sie die Branche
verändern“, Onlineauftritt des Deutschen Journalistenverbandes.
http://www.djv.de/Freie_Journalisten_Wie_ihr_Al.62.0.html (zuletzt geöffnet am 27.08.2007)
7
dem
zunehmenden
Druckerzeugnissen
Konkurrenzkampf
gegenüber
den
infolge
der
audiovisuellen
schwindenden
Medien
Bedeutung
zuzuschreiben.
von
Wirklich
unabhängige Berichterstattung kann sich kaum eine Redaktion leisten, lange und
kostenintensive Recherchereisen sind ‚nicht wirtschaftlich’ und werden unter dem KostenNutzen-Faktor der freien Marktwirtschaft abgewogen. Oder es werden aus bestimmten
politischen Erwägungen und Interessenlagen gezielt reißerische Titel und Aufmacher gesucht,
die ein bestimmtes Bild erzeugen sollen. In diesem Fall liegt die differenzierte Darstellung
eines Sachverhalts gar nicht im Interesse des produzierenden Mediums.
4. Konstruktivismus / Medien und Wirklichkeit
Sowenig wie man durch Sprache eine objektive Wirklichkeit abbilden kann sowenig
vermögen es die Medien. Bei Medien von Neutralität zu sprechen ist beinahe unmöglich.
Zunächst aus dem ganz einfachen Grund, dass jeder Redakteur durch Auswahl, Schnitt,
Mischung und Wahl der Verbreitung schon Eingriffe in das Material tätigt. Die Auswahl des
zu Zeigenden spiegelt auch unbewusste Stereotype des Journalisten wieder. Denn Sprache ist
per se ein subjektives Zeichensystem.
Darüber
hinaus
ist
jede
mediale
Darstellung
von
verschiedenen
Faktoren
der
außersprachlichen Wirklichkeit geprägt. Medien bilden nicht nur Wirklichkeit ab, sie
konstruieren auch Wirklichkeiten, produzieren Diskurse und schaffen Meinungen.
Was ist Wirklichkeit? Wirklichkeit ist das Ergebnis von Kommunikation. Nichts
Feststehendes oder Objektives, sondern sozial, kulturell und historisch bedingt.7
Dabei spielt es eine große Rolle, welche Themen gerade auf der Agenda stehen, wie die
Stimmung innerhalb der Rezipienten ist, welche Reaktionen bestimmte Formen der
Berichterstattung haben können. Hier wird sehr deutlich in welchem Wechselspiel sich
Medien an der Kante der Gesellschaft befinden. An einigen Beispielen soll erläutert werden,
dass Medien nicht nur objektiv Sachverhalte abbilden sondern nach bestimmten
Interessenlagen Sachverhalte und Stimmungen schaffen, bzw. in eine bestimmte Richtung
drehen können.
Dazu gibt es beispielsweise das Modell des isolierten Diskurses: Medien setzen ein neues
Thema auf die Agenda, liefern die passenden Schlagworte und Metaphoriken dazu, die in
7
vgl. Watzlawick, Paul (1976): Wie wirklich ist die Wirklichkeit?: Wahn, Täuschung, Verstehen. München:
Piper
8
wiederkehrender Permanenz verbreitet werden. Schließlich führen sie Umfragen durch, die
auf eben jene Schlagworte und Tendenzen zugeschnitten sind und lassen sich dadurch von
den Rezipienten in ihrem Diskurs bestätigen. Schließlich kommentieren sie diese. So wird ein
geschlossener isolierter Mediendiskurs geschaffen. Exemplarisch zeigt dies eine Umfrage, die
vom Allensbach-Institut im Jahr 20068 durchgeführt wurde. In der Umfrage wurden
Einstellungen zum Islam, zum so genannten ‚Kampf der Kulturen’ und zur Anwesenheit von
Muslimen in Deutschland abgefragt. Bei der Allensbach-Umfrage handelt es sich um eine
monatliche Studie im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Das Ergebnis
lautete ungefähr, dass der Kampf der Kulturen schon längst in den Köpfen der Bürger
stattfinde. Die Umfrage wurde am 17. Mai von zwei RedakteurInnen der FAZ kommentiert,
die vor einem nahenden Kulturkampf warnten.
Betrachtete man jedoch die gestellten Fragen dezidiert, so fiel zunächst auf, dass sämtliche
Fragen negativ gehalten waren; es fiel den Befragten also leicht sie zu bejahen. Die Zeitung,
die die Umfrage kommentierte, gab die Studie selber in Auftrag. Somit ergab sich ein
geschlossener diskursiver Kreis. Sulaiman Wilms von der Islamischen Zeitung kommentierte
dieses Vorgehen dementsprechend: „Massenmedien erschaffen in Deutschland ihre eigenen
Diskurse, die dazu gehörenden Wirklichkeiten und geben sich dann als Spiegel der Realität
aus“9.
5. Sprache in, für und durch Medien
Will man nun ‚die’ Sprache der Medien untersuchen, so muss zunächst konstatiert werden,
dass es nicht die Sprache der Massenmedien gibt, wenn man Sprache als ein Subsystem oder
eine Varietät versteht. Es gibt jedoch bestimmte konstitutive Arten von Medien, mit Sprache
umzugehen oder sie zu modifizieren.
Dabei muss das Massenmedium selber nicht immer aktiv die Sprache formen, sondern wird in
ihrem sprachlichen Gestus von öffentlichen Organen unterstützt. Denn politische Institutionen
und Interessenvertreter z.B. formen mediale Realitäten oft selber unbewusst mit, da sie, wenn
sie sich an die Öffentlichkeit wenden, schon von vornherein ihre Sprache auf den Medienusus
einstellen und im Hinblick auf eine Präsenz in Massenmedien kommunizieren. Die Sprache
8
Noelle,Elisabeth /Petersen, Thomas: „Eine fremde, bedrohliche Welt“ In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr.
114, 17.Mai 2006, S.5
9
Sulaiman Wilms: „Neue Islam-Umfrage der FAZ erweckt unangenehmes Szenario - Was ist Realität und was
ist „frommer Wunsch“?“ in: Islamische Zeitung vom 08.06.’06, S.4
9
der Politik hat sich in den letzten Jahren merklich gewandelt und einige weiter unten
behandelte Aspekte wie die Symbolik, sensationalistische Sprache und Negativismen finden
sich hier wieder. Komplexe Inhalte werden vereinfacht, um sie in das Medienkonzept von
schnellem Konsum und guter Vermarktbarkeit zu packen. Kaum ein Politiker kommt heute
noch ohne seinen Imageberater aus; die politischen Botschaften müssen kurz, griffig,
einprägsam und vor allem TV-kompatibel sein.
So hat beispielsweise die Tatsache, dass die im deutschen Bundestag gehaltenen Reden seit
einiger Zeit rund um die Uhr auf dem Fernsehsender Phönix öffentlich zu beobachten sind,
die Sprache im Parlament beziehungsweise die Auftritte der Politiker dementsprechend
beeinflusst.
Es wird also nicht nur in eine Richtung Sprache erzeugt, die dann übernommen wird, sondern
MedienmacherInnen übernehmen auch die (vermeintliche) Sprache ihres Zielpublikums (dies
gilt im besonderen Maße für Jugendsendungen in Radio und Fernsehen oder
Jugendzeitschriften) um Empathie zu erzeugen, und distribuieren und verstärken damit diese
Sprache wiederum unter dem Zielpublikum.
Sprache verändert sich am schnellsten und nachhaltigsten in Medien. Einerseits besitzen sie
einen herausragenden kulturellen Stellenwert. Andererseits stehen Massenmedien an erster
Stelle bei der Verbreitung und Beherrschung von gesellschaftlichen Diskursen – andere
öffentliche Organe wie Kirchen, Parteien und Behörden müssen sich ihrer bedienen um in der
Öffentlichkeit gehört zu werden. „Sprache ist auch ein Medium von Herrschaft und sozialer
Macht. Sie dient der Legitimation von Beziehungen organisierter Gewalt.“10 Für die Sprache
von Massenmedien gilt das natürlich besonders, da diese in der heutigen Zeit allgegenwärtig
sind.
Bei der Analyse bestimmter Medienausschnitte orientiere ich mich methodisch an der von
Siegfried Jäger am Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) entwickelten
Diskursanalyse.
Dabei
konzentriere
ich
mich
auf
die
Untersuchung
bestimmter
Diskursfragmente wie z.B. Kollektivsymbole, die Art und Weise der Darstellung sowie
Metaphern, da laut Jäger allein diese schon erheblichen Rückschluss auf Bedeutungsgefüge
und Normen im gesamtgesellschaftlichen Diskurs bieten11.
10
11
Habermas 1970: 287, zit. in Schmitz 2004: 20
Jäger 2000:19
10
6. Einige Mechanismen der Berichterstattung (Auswahl)
6.1 Agenda setting
Mit agenda setting bezeichnet man die Auslese der Medienbetriebe, wer wann welche
politischen Themen auf die Tagesordnung setzt. Unter dem Aspekt ‚Was will und wird
gelesen, was kommt gut an?’ werden Akzente in der Berichterstattung und Unterhaltung
gesetzt. Einige Nachrichtenfaktoren, die zur Auswahl des zu Berichtenden beitragen, sind
unter anderem Überraschung, kulturelle Nähe, Elite-Bezug und Negativismus12.
Agenda setting wird durch die Medien bzw. Medienmacher selber betrieben, aber auch durch
politische Eliten: Medien fungieren dann hier als Vehikel des agenda settings.
Wenn ein Thema zum Titelthema auserkoren wird und von Medienvertretern mit Einfluss
verbreitet wird, nimmt eine Kette ihren Lauf. Sämtliche Nebenaspekte werden im Detail
ausgebreitet und Vorfälle mit Ähnlichkeitscharakter werden als Beweis der Wichtigkeit des
Themas präsentiert. Das gewählte Thema dominiert dann für einige Tage, manchmal sogar
Wochen sämtliche Medien, bis es sich irgendwann von selbst erschöpft hat oder ein anderes
Thema auf die Agenda gesetzt wird. Das Beispiel Vogelgrippe zeigt dies anschaulich:
Wochenlang berichteten sämtliche Zeitungen auf mehreren Seiten über die drohende Gefahr
der Seuche, jedem neu infizierten Tier wurden dezidiert Artikel gewidmet. Schließlich, nach
ca. drei Wochen, war der ganze Spuk beendet und man las seitdem kaum noch etwas über die
Seuche. Heute gibt es zwar immer wieder neue Infektionsfälle, diesen gereicht jedoch gerade
noch eine Kurzmeldung im Mittelteil der Zeitung. Die scheinbare Bedrohung scheint
verschwunden zu sein. Ähnlich verhielt es sich mit der BSE-Krise: Aktuell gibt es die gleiche
Anzahl monatlicher Neuinfektionen von Rindern wie zu Beginn der Krise. Dennoch findet
das Thema nicht mehr die große Agenda von damals.
Wenn ein Vorfall entsprechend die Agenda beherrscht, werden ähnliche Vorfälle gesucht, die
das Bild bestätigen. So wurde beispielsweise nach dem Vorfall an der Rütli-Schule13 wenige
Tage später von einer anderen Schule in Kreuzberg berichtet, an der ein Schüler seine
Lehrerin geschlagen hatte. Eine Sozialarbeiterin, die von der tageszeitung interviewt wurde,
berichtete, dass an eben dieser Schule einen Tag zuvor ein Schüler ins Krankenhaus
eingeliefert werden musste, da er von einem Lehrer geschlagen wurde – dieser Fall erschien
12
Schulz 1990: 30 nach Schiffer 2005a: 20
13 Eine Hauptschule in Berlin-Neukölln, an der sich die LehrerInnen aus Überforderung durch die
Respektlosigkeit und Gewalt an der Schule in einem Brief an die Öffentlichkeit wandten.
11
nirgends groß aufbereitet, denn er hätte nicht in das Bild der ‚Terrorschüler’ (BILD) gepasst.
Die Suche nach beweisenden Beispielen für die Medienrealität ging im Fall der so genannten
‚Terror-Schule’ so weit, dass Reporter von ZDF, BILD und BZ Schülern Geld anboten, damit
diese vor den Kameras Steine auf sie warfen14.
So wird eine eigene Medienrealität erzeugt, und Tatsachen die nicht ins Bild passen, werden
entweder verschwiegen oder es wird versucht sie umzudefinieren.
Durch das agenda setting, die ausführliche und permanente Thematisierung eines bestimmten
Sachverhalts und die Belegung anhand spektakulärer Einzelfälle werden so Realitäten
verzerrt. Die verzerrte Wahrnehmung haftet aber so permanent im Unterbewusstsein der
Öffentlichkeit, dass sie entgegen anders lautender Fakten bestehen bleibt. So existiert
beispielsweise die allgemein verbreitete Annahme, die Gewalt an Schulen nehme zu. Eine im
Jahr 2005 erschienene Studie des Bundesverbandes der Unfallkassen belegt jedoch entgegen
aller Annahmen, dass die Gewalt an Schulen in den letzten Jahren abgenommen habe15.
6.2 Selektion
Das Problem verzerrter Medienberichterstattung ist in den wenigsten Fällen, dass
Unwahrheiten verbreitet werden, sondern die Selektion in der Berichterstattung bzw. die
fehlende Kontextualisierung. Die Selektion entsteht durch das – semiotische - Zeigen auf
bestimmte Sachverhalte und das synchron geschehende Ausblenden anderer, sowie die
Reduktion der Präsenz des Umfelds. Dazu möchte ich ein simples aber exemplarisches
Beispiel einer möglichen und leider auch häufigen Art von Berichterstattung anführen. Über
eine Veranstaltung fiel in einem Bericht der Satz: „Im Publikum waren fünf
Kopftuchträgerinnen anwesend.“ Alleine gelesen lenkt dieser Satz den Fokus komplett auf die
Kopftuchträgerinnen. Von der Vielzahl anderer Aspekte, z.B. dass insgesamt noch ca. 40
andere TeilnehmerInnen ohne Kopftuch anwesend waren, dass das Publikum insgesamt sehr
breit gefächert war (Männer, Frauen, Deutsche und solche mit Migrationshintergrund,
Atheisten, Muslime und Juden etc.), um was für eine Art von Veranstaltung es sich überhaupt
14 Ph. Lichterbeck/J. Huber/A. Kögel: „70 Euro für Steinwurf. Stifteten TV-Teams Rütli-Schüler zu Krawall
an?“ in: Tagesspiegel, 06.04.2006, S.13
Die von den Schülern aufgestellten Vorwürfe wurden mir auf persönliche Nachfrage von dem Leiter des
Jugendclubs gegenüber der Rütli-Schule und einigen SchülerInnen bestätigt.
15 Bundesverband der Unfallkassen (Hrsg.): Gewalt an Schulen. München 2005:18: "Die oftmals
dramatisierenden Medienberichte über spektakuläre Einzelfälle von schwerer Gewalt an deutschen Schulen
vermitteln den Eindruck, als seien dort Aggression und Kriminalität an der Tagesordnung und würde neben einer
stetig wachsenden Zahl von Gewaltfällen eine zunehmende Brutalisierung der tätlichen Auseinandersetzungen
zu beobachten sein. Das von den Massenmedien gezeichnete Bild der Gewalt-Realität an Schulen in Deutschland
ist in der Regel systematisch verzerrt (Lamnek, 2000), da aus Platz-, Verständnis- und Zeitgründen
Einzelaspekte entfallen und damit die Berichterstattung selektiv wird. Darüber hinaus führt in der Regel der
Konkurrenzdruck zu sensationsorientierten Darstellungen (Fuchs et. al., 2001)."
12
handelte usw. wurde nur dieser eine herausgestellt. Andere Zuschauer mit anderen
Merkmalen werden so in den Hintergrund gedrängt. Dadurch drängt sich – durch bestimmte
Vorstellungsbilder von Frauen mit Kopftuch, die ebenfalls medial vorgeprägt sind – dem
Rezipienten ein bestimmter Eindruck auf.16 Dieses simple Beispiel soll zeigen, wie
Berichterstattung die Wirklichkeit verzerren kann ohne Unwahres zu berichten. Sowohl die
selektive Nennung oder das Hinweisen auf bestimmte Aspekte als auch das Nicht-Erwähnen
anderer Aspekte fördert die verzerrte Wahrnehmung von Wirklichkeit.
6.3 Pars pro toto
Ein ähnliches Prinzip liegt dem Mechanismus des pars pro toto17 zugrunde. Grundsätzlich
geht der Rezipient – ob Fernsehzuschauer oder Zeitungsleser – davon aus, dass die
dargebotene Darstellung, die ja per se selektiv ist und nicht das Gesamte abbildet, einen Teil
der Realität aufzeigt; dass also das spezifische Nachrichtensubjekt pars pro toto die
Gesamtsituation abbildet. Diese Vorstellung ist naiv, denn sie fördert Vorstellungen und
Stereotype der Gesamtdarstellung. So wird z.B. eine Reportage, die die Situation einer Frau in
einem ostanatolischen Dorf zeigt, metonymisch für die generelle Situation von Frauen in der
Türkei gesehen, obwohl der Lebensstil junger Frauen in Istanbul dem vollkommen
widerspricht.
Diese metonymische Rezeption erfolgt automatisch auf Seiten der Zuschauer. Sie kann jedoch
auch gezielt durch die Berichterstatter gefördert werden, indem z.B. nur ein Teil des Ganzen
präsentiert wird.
An einem exemplarischen Beispiel soll das verdeutlich werden. Nehmen wir z.B. den Satz,
der immer wieder in der Berichterstattung zum Nahostkonflikt auftaucht:
„In Hebron leben 450 Israelis unter 120 000 Palästinensern“.
Dieser Satz ist zunächst einmal faktisch wahr; dennoch vermittelt er metonymisch ein sehr
verzerrtes Bild von einer ganz anderen Realität, denn im Gesamten sieht die Situation vor Ort
so aus, dass Hebron im Westjordanland liegt, also eine palästinensische Stadt ist, in der
israelische Siedler leben. Diese 450 Siedler werden von 1200 Soldaten geschützt. Die
palästinensischen
Bewohner
werden
zudem
durch
Ausgangssperren
und
scharfe
Grenzkontrollen davon abgehalten, allzu frei in die Nähe der israelischen Bewohner zu
kommen. Das Bild der vermeintlichen Bedrohung jüdischer Bewohner durch die
16
Im Übrigen möchte ich erwähnen, dass diese Frauen Studentinnen der Maschinenbautechnik der technischen
Universität waren.
17
Pars pro toto: lat. für “ein Teil (steht) für das Ganze”
13
Massenrhetorik wird durch diese fehlenden Zusatzinformationen korrigiert. Ohne diese
entsteht jedoch ein ganz anderes Bild von der Gesamtsituation.
In der Berichterstattung über ‚den’ Islam oder die Lebensumstände von Muslimen wird in der
Tendenz durch das selektive Nennen einzelner Teilaspekte oder singulärer Taten wie z.B.
terroristischer Akte ein ganz bestimmtes Bild ‚der’ islamischen Welt oder ‚muslimischer
Mentalitäten’ erzeugt, da die einzelnen Parts medial stellvertretend für die Gesamtsituation
muslimischen Lebens präsentiert werden. Durch das (bewusste?) Verschweigen der
zahlenmäßigen Relationen und der Vernachlässigung der Berichterstattung über muslimisches
Alltagsleben18 bekommt man als Zuschauer den Eindruck, jene immer wieder gezeigten
Teilaspekte spiegelten die Gesamtsituation wieder. Dass durch Teilausschnitte muslimischen
Lebens unmöglich die Lebensrealität von 1,2 Milliarden Menschen aus 57 Ländern mit
muslimischen Hintergrund von Tunesien bis Indonesien umfassend dargestellt werden kann,
dürfte logischerweise einleuchten. Dennoch etablieren sich in der medialen Öffentlichkeit
immer häufiger selbst ernannte IslamexpertInnen, die ‚das’ muslimische Wesen anhand der
Kenntnis einzelner kultureller Praktiken, die zudem häufig mehr noch der Tradition als der
Religion zuzurechnen sind, oder gar einzelner Koranzitate erklären möchten.
Um diese verquere Technik einmal aufzuzeigen, genügt es, ein paar simple Gegenproben mit
der „christlichen Kultur“ durchzuführen: Nehmen wir also einmal pars pro toto ein paar
bestimmte Teilaspekte der (christlichen) Geschichte Europas: Der europäische Kolonialismus,
die Kreuzzüge, der Völkermord an den Indianern, die Inquisition, das Massaker von
Srebrenica, zwei Weltkriege, der Holocaust sowie die beiden Bibelzitate:
„Die Frau soll sich dem Mann unterordnen“ (Epheser 5,22) und
„Der Mann verfügt über den Leib der Frau“ (Korinther 7,4).
Dabei handelt es sich ebenfalls um ganz bewusst selektiv gewählte Einzelaspekte, die nicht
das ganze Wesen Europas darstellen, die aber bei einem Europa-unkundigen Gegenüber einen
verqueren Gesamteindruck erzeugen könnten.
Genauso gut könnte man einem unwissenden Gegenüber anhand der aktuellen öffentlichen
Aufmerksamkeit um vernachlässigte Kinder und Babyleichen in Tiefkühltruhen und
Blumentöpfen weismachen, deutsche Mütter seien allesamt Kindermörderinnen. Was hier wie
ein absurder Versuch anmutet, grausame Einzelfälle zu verallgemeinern, funktioniert jedoch
auf der Gegenseite hervorragend: Der durchschnittliche Rezipient ist anhand der Debatte um
18
Dieser Sachverhalt wurde in einer aufwändigen Studie von Kai Hafez und Carola Richter nachgewiesen. Im
Zeitraum vom 1. Juli 2005 bis 31. Dezember 2006 wurden sämtliche Magazinsendungen, Talkshows,
Reportagen und Dokumentationen auf ARD und ZDF hinsichtlich des thematischen Zusammenhangs, in denen
der Islam in Erscheinung trat, untersucht. Von 133 Beiträgen befassten sich lediglich 11 mit dem Alltagsleben
/sozialen Themen der Muslime. Vgl.: Hafez / Richter 2007
14
Ehrenmorde an muslimischen Frauen, die nicht keusch gelebt haben, überzeugt, muslimische
Frauen seien per se unterdrückt und mordgefährdet. Bei aller Grausamkeit der Taten müssen
wir jedoch sachlich konstatieren, dass es sich hierbei ebenfalls um traurige Einzelfälle
handelt, die keineswegs die Normalität darstellen.
6.3.1 Exkurs: Entstehung von Vorurteilen
Zu den Mechanismen der Selektion und des pars pro toto muss man wissen, dass Menschen
von Grund auf ihre Umwelt selektiv wahrnehmen und bereits ab dem Alter von anderthalb
Jahren Stereotype bilden. Dies liegt ganz natürlichen kognitiven Wahrnehmungsprozessen
zugrunde. Wir müssen uns unsere Welt in Kategorien aufteilen bzw. Voraus-Urteile bilden
um uns überhaupt zurechtzufinden. Es würde das Gehirn und die kognitiven Kapazitäten
überfordern, jede einzelne Begegnung mit Personen und Sachverhalten neu zu beurteilen.
Was man im Kindesalter ein paar Mal entsprechend erlebt hat, oder was vom erzieherischen
Umfeld in bestimmter Weise kommentiert wurde, manifestiert sich in einem Vorurteil über
die gesamte Gruppe oder Kategorie ähnlicher Personen und Sachverhalte. Diese Vorurteile
sind nicht per se negativ. Problematisch wird es erst, wenn von Einzelpersonen oder
Institutionen, die Macht ausüben, ein bestimmtes Stereotyp gezielt konstruiert und genährt
wird. Dabei fallen viele Journalisten bei ihrer Recherche selber in ihrer persönlichen
Kognition ebenso wie die Rezipienten auf diese Voraus-Kategorien herein. Denn wir nehmen
von Natur aus automatisch leichter schon Bekanntes bzw. Erwartetes wahr und klammern
unbewusst widersprechendes, das nicht in das stereotype Bild passt, aus. Unsere bisherigen
Erfahrungen mit Dingen, auch oder besonders, wenn diese nur auf Erzählungen und
Sekundärerfahrungen basieren, fungieren sozusagen als Wahrnehmungsfilter. Diese
unterbewussten Kategorien sind relativ starr. Das heißt, selbst wenn wir Sachverhalten oder
Personen begegnen, die unserem Stereotyp nicht entsprechen, ändert dies in den wenigsten
Fällen (es sei denn, es ist ein richtiggehendes Aha-Erlebnis) unsere Wahrnehmung. Die
erlernte Kategorie, die bestätigt werden will, funktioniert interessanterweise besonders bei
emotional negativ besetzten Stereotypen. Das heißt, dass eine Begegnung mit einer Person
oder einem Sachverhalt, die unser negatives Stereotyp bestätigt, vom Gehirn wichtiger
bewertet wird als fünf Gegenbeispiele. Werden z.B. Personen nach ihren Begegnungen mit
Juden befragt, fallen ihnen viel eher diejenigen ein, die ihre Vorausurteile bestätigt haben als
diejenigen, die ihrer Stereotypisierung nicht entsprachen – auch wenn es de facto welche gibt.
6.4 Symbolik
15
In Massenmedien, die zunehmend visuell agieren, ist die Anwendung von bildlichen
Symbolen besonders bevorzugt. In der Berichterstattung über den Islam hat sich dabei eine
regelrechte Darstellungstradition entwickelt. Das Kopftuch, Moscheen oder betende Muslime
werden dabei permanent als Symbole für den Islamismus, also für eine Ideologie des
politischen Islams genutzt. Diese Symbole sind mittlerweile so stark negativ besetzt, dass wir
kaum noch neutral auf sie blicken können. Durch ihren ständigen Gebrauch in einem Kontext
von Gewalt- und Kriegsberichterstattung19 sind sie dadurch ihrer ursprünglichen, neutralen
oder anders besetzten Bedeutung beraubt worden bzw. wurde eine Symbolik in sie gelegt, die
es vorher nicht gab. Eine besondere Stellung hat dabei in den letzten Jahren die
kopftuchtragende Frau angenommen. Sie ist zum allgemeinen Symbol für Unterdrückung und
Andersartigkeit geworden. Die Erklärung dafür könnte sein, dass Kopftücher leicht
wahrnehmbar sind und man in bilddominanten Medien Motive zur Visualisierung benötigt.
Seit Jahren wird das Kopftuch auch als Symbol des religiösen Extremismus gehandelt. Das
würde auch die zum Teil sehr emotional und aufgeregt geführte Debatte um das Tragen von
Kopftüchern im öffentlichen Dienst erklären – das Auge kann eine Frau mit Kopftuch gar
nicht mehr neutral betrachten, da durch die jahrelange Konnotation des Kopftuchs mit
religiösem Extremismus in der Berichterstattung die Wahrnehmung dementsprechend darauf
eingestellt ist.
Hierzu möchte ich zwei bildgebende Beispiele anführen. Das erste Beispiel ist die Titelseite
des Magazinheftes SPIEGEL spezial.20 Die Fotomontage auf dem Titelbild zeigt eine
verschleierte Frau, deren Augenbraue in Form eines Schwertes gezeichnet ist. Die Symbolik
ist eindeutig. Der Islam wird hier als geheimnisvoll und faszinierend und doch gewalttätig
und bedrohlich präsentiert. Der zugehörige Titel lautet: „Rätsel Islam“. Auf das Andersartige,
Fremde, Rätselhafte wird also wörtlich noch einmal aufmerksam gemacht.
Das zweite Beispiel entstammt einem eigentlich seriösen wissenschaftlichen Magazin, dem
Sozialmagazin – der „Zeitschrift für Soziale Arbeit“21. Das Titelbild ziert das Foto einer
jungen Frau mit Kopftuch, den Blick traurig nach unten geneigt. Der Titel dazu fragt unter der
Prämisse ‚Interkulturelle Kompetenz’: „Islam und Integration. Wie geht das?!“
Die Satzzeichen am Ende des Titels machen jedem Leser klar, dass eine Antwort gar nicht
mehr (wissenschaftlich) erforscht werden muss: Islam und Integration – in diesem Fall
bildhaft allein durch das Tragen den Kopftuchs symbolisiert – das geht nicht zusammen, denn
19
ebd.: Laut Studie stand der größte Teil der Beiträge (40%) in Zusammenhang mit den Themen Terrorismus/
Extremismus/ internationale Konflikte.
20
siehe Anhang S.27
21
siehe Anhang S.28
16
der Islam erlaubt per se keine Integration. Das Kopftuch wirkt demzufolge durch diese
Montage integrationsfeindlich.
6.5 Wortwahl und Wortfeld
Wenn in der Berichterstattung über ein Thema die Wortwahl aus speziellen Bereichen stammt
oder immer wieder Ausdrücke aus einschlägigen Wortfeldern bemüht werden, muss man sich
fragen, ob damit ein bestimmtes Konzept verfolgt wird. In der Berichterstattung über den
Islam finden wir ein immer wieder bemühtes Wortbild, nämlich dasjenige der Moschee oder
Koranschule als „Brutstätte der Gewalt“22, da an diesen Orten angeblich politische Hetze
gegen Andersgläubige betrieben wird. Wo etwas ausgebrütet wird, sind normalerweise jedoch
Tiere und nicht Menschen anzutreffen. Auch Ausdrücke wie z.B. „ausschwärmen“ sind
anzutreffen, etwa wenn beschrieben wird, wie Unterstützer islamistischer Gruppen um
Neumitglieder werben.
Das folgende Beispiel ist einem Artikel aus der Zeit entnommen, der die Debatte um die
Verfolgung der Bangladesher Schriftstellerin Taslima Nasrin analysiert23:
„Das Ergebnis war, daß die von Saudi-Arabien finanzierten und politisch wie religiös
indoktrinierenden Koranschulen landesweit wie Pilze aus dem Boden schossen. Sie
produzieren jene fanatisierten Männerhorden, die gegen die Demokratie und die
Gleichberechtigung der Frauen zu Felde ziehen.“ [Hervorhebungen: Al-Radwany].
Allein in diesem kurzem Abschnitt sind zwei Beispiele für eine Wortwahl aus einem Bereich
des Nicht-Menschlichen zu finden. Die gewählten Bezeichnungen erwecken beim Leser
zudem den Eindruck der Unkontrollierbarkeit („wie Pilze aus dem Boden“) und Bedrohung (
„fanatisierte [...]Horden“).
Eine Diffamierung und Entmenschlichung von Personen hat in der Regel zur Folge, dass
menschliche Phänomene dingliche Objekte werden, die man einer ‚Behandlung’ unterziehen
kann.
Aus anderen rassistischen Ausgrenzungsdiskursen, z.B. aus der historischen Erfahrung des
antisemitischen Diskurses des 19. Jahrhunderts wissen wir, welchen Effekt es haben kann,
wenn man Menschen oder Personengruppen nur lange genug als Parasiten oder
22
z.B. ARD/NDR: „Brutstätten der Gewalt - Hass und Hetze an deutschen Koran-Schulen“, Sendung vom
02.10.2003 21:45 Uhr
23
Venzky, Gabriele: „Spiel mit dem Tod“. In: Die Zeit, 06.10.1995: S. 8
17
unmenschliche Geschöpfe bezeichnet: Deren Abwehr gilt im öffentlichen Bewusstsein
schließlich als legitim. Die dabei stattfindende Entmenschlichung macht diese Abwehr
subjektiv moralisch leichter zu rechtfertigen.
Ein sehr offensichtliches Beispiel für die Gleichsetzung mit Parasiten ist der
nationalsozialistische Propagandafilm „Der ewige Jude“. Dort sieht man in aufeinander
abfolgenden Bildern Ratten, die in großer Zahl vorbeihuschen und danach Juden, die (aus
Angst vor Belästigungen) schnellen Schrittes mit gesenktem Kopf zur Synagoge eilen. Der
Sprecher stellt in dieser sehr simplen und perfiden Sinn-Induktion sprachlich noch einen
Vergleich zwischen diesen ‚Gruppen’ auf.24
In ihrer Wortfelduntersuchung im Rahmen eines Media-Watch-Projektes fördert Schiffer25
zutage, dass in der Berichterstattung über ‚den’ Islam bestimmte Bezeichnungen oder
Redewendungen gehäuft auftreten, die sich bestimmten, wiederkehrenden Wortfeldern
zuordnen lassen. Dabei sind interessanterweise Wortfelder um Konzeptmetaphern wie
‚Mittelalter/Rückschritt’, ‚Jagd’, aber auch besonders viele Zahlwörter zu finden, die immer
wieder auf die „Masse“ und einen (Zu)strom von Menschen hinweisen sollen26.
Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich auf diese Wortfelduntersuchung lediglich verweisen, da
deren Umfang und Detailreichtum eine weitere Arbeit dieser Größe füllen könnte.
Wenn man die auf sprachwissenschaftlichen Untersuchungen basierende theoretische
Argumentation von Schiffer weiterführt, würde die Islam-Berichterstattung damit ebenfalls
einen Rechtfertigungsdiskurs oder Vorbereitungsdiskurs27 darstellen, da sie die (Terror)Abwehr der muslimischen ‚Masse’ rechtfertigt und vorbereitet.
6.6 Sinn-Induktionsschnitt
Der Sinn-Induktions-Schnitt entstammt eigentlich der Filmästhetik und ist ein beliebter
Mechanismus aus Film und Fernsehen, vor allem des Krimis. Das Verfahren lebt davon, dass
zwei nacheinander oder – in der Presse - nebeneinander präsentierte Bilder beim Zuschauer
einen Sinnzusammenhang induzieren. Durch Schnitt und Montage wird ein Zusammenhang
zwischen zwei getrennten Sachverhalten erzeugt. Dabei bestimmt das zuerst wahrgenommene
Bild das nächste und bildet dessen Wahrnehmungshintergrund.
24
s.a. Hornshøj-Møller 1995
Schiffer 2005a
26
Den Gebrauch von Lexemen der Masse und Zahlwörter werden Medien- und Politikwissenschaftler noch gut
aus dem Diskurs über „Die Asylantenflut“ Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts kennen.
27
z.B. für Gesetzesinitiativen wie die Online-Durchsuchung oder für internationale politische (Kriegs-)
Handlungen
25
18
Wenn Dinge zusammen bzw. nacheinander präsentiert werden, werden sie - ohne die explizite
Benennung eines Zusammenhangs – auch als zusammenhängend gesehen, bzw. als
füreinander relevant gehalten.
Wenn in einem Krimi beispielsweise der Kommissar sinniert, wer der Mörder sein könnte und
es nach dieser Sequenz einen Schnitt gibt, wonach die Kamera auf eine Person gerichtet wird,
denkt
jeder
Zuschauer
automatisch,
die
gezeigte
Person
sei
die
Verdächtigte.
Interessanterweise ist es in Krimis dann meistens nicht diese Person – dennoch funktioniert
diese Induktion, von deren Spannungserzeugung der Krimi auch lebt.
Der Sinn-Induktionsschnitt funktioniert bei der Bild-Bild-Relation, der Bild-Text-Relation
wie auch der Text-Text-Relation.
Der klassischste Bereich des Sinn-Induktions-Schnittes ist derjenige der Bild-Bild-Relation.
In
seiner
filmischen
Reportage
„Das
Schlachtfeld
der
Zukunft“
wendet
der
Nahostberichterstatter Peter Scholl-Latour diese Technik an, wenn er über Explosionen in
einem Lager russischer Soldaten berichtet28. Die Kamera filmt einige Sequenzen über das
Ausmaß der zerstörten Häuser. Dann schwenkt die Kamera auf eine Moschee und der
Sprecher erzählt etwas über deren Geschichte und Architektonik. Es handelt sich also um
zwei getrennte Sequenzen, die durch den Berichterstatter nicht sinnhaft-argumentativ
verbunden werden, jedoch allein durch die Bildabfolge vom Zuschauer in einen
Sinnzusammenhang gestellt werden.
Die Bild-Text-Relation vollzieht sich häufig bei Bildunterschriften oder Fotos und Artikeln.
Wie wir unter dem Aspekt ‚Selektion’ gelernt haben, bilden Vor-Erfahrungen einen
Wahrnehmungsfilter. Dieser gilt aber nicht nur für langjährig erworbene Stereotype sondern
auch für unmittelbar zuvor erlebte Sinneseindrücke. Bei der Bild-Text-Induktion bedeutet das
also, dass natürlicherweise das visuell zuerst erfasste Bild unsere darauf folgende Lektüre
bzw. die auditive Wahrnehmung in einem Fernsehbericht vorprägt.
So zeigt beispielsweise der SPIEGEL in seiner Ausgabe 13/200729 in einem Artikel im
Innenteil des Magazins ein großes Foto auf einer Doppelseite, das türkische Gemüsehändler
auf einer Einkaufspassage mit Passanten orientalischen Aussehens zeigt. Ein unaufgeregtes
Abbild des Alltags in Berlin-Kreuzberg. Die fett gedruckte Artikelüberschrift, die direkt unter
dem Bild positioniert ist, fragt jedoch: „Haben wir schon die Scharia?“ Der Bild-Text-Bezug
induziert automatisch einen Zusammenhang der muslimischen Alltagsbevölkerung mit einem
speziellen islamischen Rechtssystem, namentlich durch das ihnen verbindliche Element – den
28
29
zit. nach: Schiffer 2005c: 27
siehe Anhang S.29
19
(vermeintlichen) Glauben. Die bloße Anwesenheit türkischer Gemüsehändler oder von Frauen
mit Kopftuch stellt damit in den Augen des Lesers bereits eine Bedrohung dar und gilt als
Vorbote islamistischer Rechtssprechung.
Ein weiteres Beispiel für die Bild-Text-Induktion ist dem Magazin Zeit-Punkte30 entnommen.
Es zeigt betende Muslime beim Freitagsgebet in vornüber gebeugter Haltung31. Während auf
dem Bild selber nichts weiter außer den Betenden auf ihren Fußmatten zu sehen ist, was einen
Verweis auf politische Kontexte erlauben würde, setzt die Bildunterschrift einen Kontext von
fragwürdigem Zusammenhang: „Bald schleichend, bald forsch stößt der Fundamentalismus
vor: Freitagsgebet in Kairo.“ Der alltägliche religiöse Akt wird so durch die Bildunterschrift
mit Bedeutung aufgeladen, allerdings mit einer gezielt induzierten Bedeutung, die ihre
Richtigkeit in der bloßen Abbildung nicht nachweisen lässt.
Es ist nachvollziehbar, dass in den auf diese Weise medial geschulten Augen der
durchschnittliche
Bundesbürger
mittlerweile
betende
Muslime
als
Repräsentanten
fundamentalistischer Extremistengruppen ansieht.
Der letzte Bereich der Sinn-Induktion ist jener der Text-Text-Relation. Hierbei werden durch
verschiedene Artikel oder auch Textteile, die ursprünglich in kaum einem Sachverhalt
miteinander stehen, beim Leser implizit Sinnzusammenhänge induziert.
So erfolgt die rein textuelle Sinn-Induktion bei einem Artikel in der Frau im Leben aus dem
Jahr 1993, der die Praxis weiblicher Beschneidungen in Ägypten thematisiert. Darin heißt es:
"Um in Ägypten eine Kampagne gegen die Beschneidung zu starten, müßten zuerst die
religiösen Führer von deren Sinnlosigkeit überzeugt werden. Der Islam ist Staatsreligion. Zu
ihm bekennen sich 93 % der Bevölkerung."32
Durch die Aneinanderreihung zweier Aussagen, die nicht in direktem Zusammenhang stehen,
nämlich einer Aussage über potentiell erfolgreiche Vorgehensweisen im Kampf gegen
Genitalverstümmelung, der eine Faktenaufzählung folgt (Angaben über die Staatsreligion und
deren Anhänger), wird der Eindruck erzeugt, die – islamischen – Religionsführer wären qua
ihrer Religion direkte Verfechter und damit primäre Akteure der weiblichen Beschneidung.
Betrachtet man jedoch das Vorkommen dieser Praxis, so stellt man fest, dass die
Beschneidung zwar auch in afrikanischen Ländern mit Staatsreligion Islam, viel häufiger
jedoch auch in nicht-islamischen Ländern Afrikas vorgenommen wird, da es sich um eine
30
siehe Anhang S.31
Die Tatsache, dass Aufnahmen von betenden Muslimen fast immer von hinten gemacht werden, in einer
Position in der man nur die Gesäße der Betenden sieht, ist an sich schon eine fragwürdige, wenn nicht gar
taktlose Form von bildlicher Darstellung der Verrichtung religiöser Akte.
32
aus: Frau im Leben (1993) 7, S. 8., zit. nach: Schiffer 2005c: 27
31
20
archaische Tradition in ländlichen Gebieten Afrikas handelt, die wenig mit der Verbreitung
des Islam zu tun hat und auch keine derartige Anweisung im Koran findet.
6.7 Platzierung
Medien können auch ohne explizite sprachliche Mittel allein durch die Wahl der Platzierung
die Dominanz und Wahrnehmung eines Sachverhalts bestimmen. Bei Zeitungen gilt das
beispielsweise für die Wahl der Seite, ob Titelblatt oder hinterer Zeitungsteil, ob rechts oder
links33 sowie weiterhin durch Größe und Aufmachung des Artikels, ob mit oder ohne
Bebilderung. Im Fernsehen oder Radio wird durch die Wahl der Ausstrahlungszeit und durch
die Länge des Beitrags platziert.
Die mediale Berichterstattung über die zahlreichen Moscheedurchsuchungen in Deutschland
seit den Anschlägen in New York34 steht dafür exemplarisch. So wurden in den letzten Jahren
immer wieder auf großen bebilderten Titelseiten von Razzien in Moscheen berichtet, wobei
das jeweils angeführte Verdachtsmoment ausführlich besprochen wurde. Am spektakulärsten
blieb vielleicht eine Aktion vom Juli 2004 im medialen Gedächtnis hängen, als in einem
Großeinsatz der Polizei eine marokkanische Moschee in Frankfurt am Main mit 200
Polizeibeamten gestürmt wurde. Den Hinweis gab ein neunjähriges Mädchen, das behauptete,
im Koranunterricht würden Gewaltvideos vorgeführt. Bis heute wurde – in diesem Fall, aber
auch bei den anderen Razzien nichts gefunden, was den Verdacht erhärten bzw. eine
strafrechtliche Verfolgung rechtfertigen würde. Über die Tatsache, dass die Durchsuchungen
nichts ergeben hatten, wurde jedoch – je nach Seriosität des Mediums – entweder gar nicht
berichtet oder es fand sich eine kurze Notiz im hinteren Teil der Zeitung, unbebildert auf der
linken Seite. Man muss kein Kognitionspsychologe sein, um zu wissen, dass der Verdacht im
Bewusstsein des Lesers hängen bleibt, auch wenn dieser unberechtigt war, da die Auflösung
des Verdachts meist unbeachtet bleibt.
6.8 Markierung
Unter einer Markierung versteht man das Miterwähnen eines bestimmten Merkmals in Bezug
auf einen Sachverhalt ohne eine erkennbare Relevanz des Merkmals für den Sachverhalt. Das
Markieren kann hierbei semantisch erfolgen, beispielsweise durch Hinzufügen eines
33
Nach Erkenntnissen der Anzeigenermittlung schauen Leser intuitiv zuerst auf die rechte Seite einer
Doppelseite. Daher sind Anzeigenschaltungen rechts auch teurer als links.
34
Laut einem Bericht des Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime aus dem Jahr 2004 wurden seit dem
11.09.2001 in Deutschland 70 Razzien in Moscheen und über 1.400 Büro- und Hausdurchsuchungen
durchgeführt. Die Zahlen dürften sich in den letzten drei Jahren noch erheblich erhöht haben.
Siehe auch: Daniel Bax: „’Die Hemmschwelle vor den muslimischen Gotteshäusern sinkt’, sagt Nadeem Elyas“
in: tageszeitung 30.07.2004, S. 12
21
Attributs. So hat beispielsweise die ständige Erwähnung des Attributs ‚muslimisch’ bzw.
‚islamisch’ in Kontexten, die in keinem religiösen Zusammenhang stehen bzw. deren
Verständnis ein Nennen des Attributs nicht erfordert, den Effekt einer Markierung.
Markierungen können in Bildern als auch in Texten genutzt werden. Die Bilder wurden
bereits unter dem Kapitel Sinn-Induktionsschnitt behandelt. Zu der textlichen Markierung
führt Sabine Schiffer in ihrer Medienanalyse35 folgendes Beispiel aus der Zeit36 von 1992 auf.
Es handelt sich um einen Bericht über das Leben in Bangladesh und im spezifischen um ein
Kreditverfahren speziell für Frauen, da diese sich als die zuverlässigeren Geschäftspartner
erwiesen hätten. So heißt es:
„...in einem Land, in dem sich Frauen und Mädchen für gewöhnlich ganz in die Abhängigkeit
von Männern zu begeben haben. Die Rede ist vom islamischen Bangladesch“.
Hier fällt auf, dass die Markierung ‚islamisch’ nicht unbedingt notwendig für das Verständnis
oder die Definition des Sachverhalts ist. Tatsache ist, dass in allen Ländern mit schwieriger
ökonomischer Lage Frauen in der Regel in der (ökonomischen und sozial erzeugten)
Abhängigkeit von Männern stehen, sei es im christlichen Lateinamerika, im südlichen Afrika
oder eben in islamischen Ländern. Schiffer führt nun eine Gegenprobe ohne Markierung
sowie mit anderen Markierungen durch diverse Attribute durch, bei der man feststellt, dass
der Bericht jeweils einen ganz anderen Eindruck hinterlässt.
Als Beispiele von Gegenproben kann man z.B. setzen:
„...in einem Land, in dem sich Frauen und Mädchen für gewöhnlich ganz in die Abhängigkeit
von Männern zu begeben haben. Die Rede ist vom demokratischen Bangladesch“
oder
„...in einem Land, in dem sich Frauen und Mädchen für gewöhnlich ganz in die Abhängigkeit
von Männern zu begeben haben. Die Rede ist vom asiatischen Bangladesch“
oder
„...in einem Land, in dem sich Frauen und Mädchen für gewöhnlich ganz in die Abhängigkeit
von Männern zu begeben haben. Die Rede ist von dem von einer Frau regierten
Bangladesch“.
Jedes dieser Beispiele gibt mit dem zugefügten Attribut immer noch eine richtige Definition
des Staates Bangladesh wieder. Dennoch erzeugt die Markierung jeweils einen anderen Fokus
der Aufmerksamkeit.
35
36
Schiffer 2005a: 76f.
Venzky, Gabriele: „Die Rebellin von Dhaka“ in: Die Zeit, 28.08.1992:75
22
Ähnliche Vorgänge finden wir häufig in der Berichterstattung zu Straftaten. Oftmals wird in
einer Notiz über strafrechtlich verfolgte Vorgänge die Herkunft oder gar religiöse
Zugehörigkeit des/r Täter(s) erwähnt. Dies mag (in Grenzen) sinnvoll sein wenn nach dem
Täter noch gesucht wird und sich Hinweise aus der Bevölkerung erhofft werden. Jedoch wird
diese Praxis sehr häufig auch angewandt, wenn der Täter bereits gefasst wurde. Dies verstößt
gegen den Pressekodex des deutschen Presserats, der besagt:
„Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner
Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe
diskriminiert werden.
In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder
Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für
das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründeter Sachbezug steht. Besonders
ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren
könnte.“37
Die Realität der deutschen Medienpraxis sieht anders aus. Erinnert sei an den Fall Anfang Juli
2007, als in den Zeitungen von einem 7jährigen Jungen türkischer Herkunft berichtet wurde,
der ein gleichaltriges Mädchen in der Schule sexuell belästigt hatte. Gerade angesichts der
Minderjährigkeit des Täters sowie der Sensibilität des Themas, das öffentlicher Sensationslust
und variablen Interpretationsmöglichkeiten unterliegt, ist die Veröffentlichung der Herkunft
des Täters mehr als fragwürdig. „Ein begründeter Sachbezug“ dürfte in diesem Fall nicht
gegeben sein.
6.9 Negativismus
Das Auswahlprinzip ‚Negativismus’ als Medienmechanismus lässt sich passend mit der
Redewendung „Only bad news is good news“ umschreiben. In der Tat liegt in aller Regel bei
audiovisuellen wie bei Printmedien der Fokus auf Normabweichungen, Gewalt und Defiziten.
Dies gilt besonders für die Auslandsberichterstattung. Berichte über einen vergleichsweise
unspektakulären Alltag finden sich selten.
Beim Thema ‚Muslime’ oder ‚Islam’ führte dieser Fokus zu einem Bild, das sich die
Allgemeinheit macht: Von ‚dem’ Islam als ursächlichen Faktor für Krieg, Gewalt und
Fanatismus, von ‚den’ Muslimen als Menschen mit grundsätzlich anderen, fremden
Wertevorstellungen und Lebensgewohnheiten. An dieser Stelle sei noch einmal ausdrücklich
37
Deutscher Presserat: Pressekodex. Novellierte Fassung vom 20. November 2006, Ziffer 12, S.24.
www.presserat.de/fileadmin/download/Synopse.pdf (Letzter Zugriff am 19.09.2007)
23
auf die Studie von Hafez/Richter 2007 verwiesen, bei der über einen Zeitraum von 18
Monaten sämtliche Fernsehsendungen der beiden öffentlich-rechtlichen Sender ARD und
ZDF hinsichtlich ihrer Islam-Berichterstattung beobachtet wurden. In 81% der Fälle wurde
der Islam in Zusammenhang mit negativ konnotierten Themen repräsentiert. Der größte Teil
der Beiträge (40%) stand in Zusammenhang mit den Themen Terrorismus/ Extremismus/
internationale Konflikte.
Das aktuell kursierende Islambild ist allein angesichts dieser Ergebnisse nicht verwunderlich.
Wenn kaum Berichte über alltägliches (friedliches) Leben von Muslimen in anderen Ländern
und nur selten Positives oder verbindende, übergreifende Initiativen gezeigt werden, lässt sich
schwerlich ein differenziertes Gesamtbild erzeugen. Die negativen Berichte, das Gesehene
und Gelesene über Gewalt und Konflikte wird pars pro toto als stellvertretend für die gesamte
Religion beziehungsweise die Eigenheit der Muslime gesehen.
Selbst die wenigen Dokumentationssendungen, die den Alltag von MuslimInnen darstellen,
tragen nicht zu einer Modifizierung des starren Bildes bei, denn sie fokussieren – durch den
vergleichenden Blick (Lebensart hier und dort) - ebenfalls auf das Trennende, das
Unterschiedliche und die Differenz. Allein der Titel „Muslime in Deutschland“38 stellt eine
bestimmte Personengruppe von Bürgern, die teilweise seit 40 Jahren in diesem Land leben
und, was die ökonomische, soziale und auch kulturelle Stellung betrifft, viel gemein haben
mit ‚deutschen’ Durchschnittsbürgern, in den Fokus der Betrachtung und unterstellt damit
eine Fremdheit und Andersartigkeit. Muslime werden so immer weniger als gleichberechtigte
Bürger in einem Land betrachtet, die unterschiedliche Identifikationsembleme haben können,
sondern als Fremdkörper im Staat.39
7. Abschlussbemerkungen und Synthese
Diese Arbeit wurde im Rahmen eines sprachwissenschaftlichen Seminarkurses geschrieben,
der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Wirkungsmacht und Mechanismen von Sprache in
unterschiedlichen gesellschaftlichen Konstellationen zu untersuchen. Mechanismen des
Gebrauchs von Sprache in Medien bieten dafür ein äußerst ergiebiges Untersuchungsfeld, das
für das Verständnis von Machtverhältnissen einer Gesellschaft sehr nutzvoll sein kann.
38
Ein häufig und gern gewählter Titel für Dokumentationen. Bsp.: „Muslime in Deutschland. Sein eigener Herr
– Eine türkische Karriere in Bayern“. Phönix, 29.06.05, 09 Uhr
39
Dies lässt sich besonders gut an der aktuellen Debatte um innenpolitische Rechtsmittel ablesen, die jedoch das
vorliegende Thema sprengen würde.
24
Medien spiegeln gesellschaftliche Verhältnisse wieder, sie konstruieren und reproduzieren
diese jedoch auch. Nicht ohne Grund spricht man im Volksmund von der Presse als der
„Vierten Macht“40.
Die Berichterstattung über ‚den’ Islam scheint nicht nur mir ein interessantes
Untersuchungsobjekt zu sein: Die Fülle der Veröffentlichungen gerade im laufenden und
letzten Jahrzehnt zeigt ein Bestreben, über ein immer offensichtlicher werdendes Phänomen
mehr zu erfahren. Selbstverständlich haben wir es hier nicht nur mit einem
sprachwissenschaftlichen Thema zu tun. Bestimmte Auswahl- und Präsentationsmechanismen
der Medien werden weder allein beim Thema ‚Islam’ angewandt, noch ist die Debatte über
den Islam im luftleeren Raum oder als Zufallsobjekt einiger Journalisten entstanden.
Zweifelsohne spielen hier globale Prozesse wie innen- und außenpolitische Interessen eine
Rolle. Sollte die vorliegende Arbeit ihren Zweck erfüllt haben, so müsste der Leser anhand
der vorgelegten Analysebeispiele und dem Blick auf die vorgestellten Untersuchungen
ebenfalls zu dem Eindruck gekommen sein, dass wir es nicht nur mit einem Phänomen,
sondern einer Problematik zu tun haben. Die zunehmend – ich erlaube mir hier den starken
Ausdruck – feindselige Berichterstattung über ‚den’ Islam ist nicht nur ein Imageproblem für
Muslime, wie immer diese auch definiert werden41, sondern gestaltet und beeinflusst die
Meinungen und Zustimmung zu politischen Handlungen im Inneren und Äußeren, wenn man
den Blick von der Sprachanalyse einmal ausweitet auf globale politische Vorgänge. Somit
kann sie eine Gefahr für das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher
Herkunft und Religion darstellen.42 Im Sinne einer interventiven Forschung sehe ich mich
dazu aufgefordert, die vorliegende Arbeit nicht nur als Blick auf einen Status quo zu beenden,
sondern Fragen und Vorschläge zu formulieren, wie mit erwähnter Problematik umzugehen
ist.
Dazu muss man von zwei Perspektiven ausgehen. Aus Perspektive der Produzenten kann man
natürlich an die Macher der Berichterstattung appellieren, sich der Verantwortung und
Auswirkungen einseitiger Berichterstattung bewusst zu sein. Das im Jahr 2005 gegründete
Institut für Medienverantwortung in Erlangen kann einen Anfang darstellen für junge
40
nach Legislative, Exekutive und Judikative.
Mittlerweile gilt die Bezeichnung ‚Muslime’ für alle Menschen, die einem Land entstammen mit Islam als
Staatsreligion; sie bezieht sich also nicht nur auf Gläubige. Dies hat weitläufige Auswirkungen für Menschen,
die sowohl von polizeilicher Gefahrenabwehr wie auch politischen Maßnahmen betroffen sind. Siehe auch:
Spielhaus, Riehm: „Religion und Identität: Vom deutschen Versuch, „Ausländer“ zu „Muslimen“ zu machen.“
In: Zeitschrift Internationale Politik, März 2006
42
Einige Theoretiker sprechen von einem „neuen alten“ Feindbild Islam, das, je nach ideologischer
Überzeugung, das Feindbild Kommunismus nach Zusammenbruch der GUS-Staaten abgelöst habe oder von
diesem in einer viel längeren Phase, die bis aufs Mittelalter und den entstehenden Orientalismus zurückzuführen
ist, für 50 Jahre lediglich alterniert worden sei.
41
25
Medienproduzenten, sich selbstkritisch und reflexiv mit Inhalten auseinanderzusetzen und der
moralischen Verantwortung nachzukommen, sich nicht zu Handlangern der Maximalisten
machen zu lassen. In einzelnen Fällen sind sich Journalisten ihrer oft unbewussten
Vorauswahl von Themen nicht bewusst, da bestimmte Bilder und Vorurteile über die
islamische Welt jahrhundertealt sind. Dennoch ist es vollkommen unzulänglich, der Frage
nach dem Umgang mit einseitiger oder gar feindseliger Medienberichterstattung mit einem
Appell an Verantwortlichkeit und der Schulung von Selbstkritik zu begegnen. Not tut
vielmehr eine umfassende Demokratisierung der Medienproduktion. Schließlich stehen hinter
einer bestimmten Berichterstattung in einem komplexen System der Erzeugung größere
ökonomische und politische Interessen, die ungeachtet der Bemühungen einzelner
akademischer Kreise weiterhin stellvertretend durch Medien vertreten werden, solange
öffentliche Medien privatwirtschaftlich und Profit orientiert organisiert sind. Dieser
Problematik kann nur in einem grundsätzlich anderen gesellschaftlichen Konzept begegnet
werden, das politisch durchgesetzt werden muss.
Auf Seiten der Medienrezipienten gestaltet sich die Antwort grundsätzlich ähnlich, da
Rezipienten und Konsumenten zwar den Einfluss über die Nachfrage haben, dennoch das
Angebot nicht grundsätzlich ändern können.
Trotzdem halte ich den Appell, Medienkompetenz zu erwerben, für äußerst wichtig, denn in
einer zunehmend globalisierten und entgrenzten Welt wird der Informationsfluss stetig weiter
wachsen. Mit dieser Fülle müssen wir sinnvoll und kompetent umzugehen wissen. Dem
Erlernen dieser Kompetenzen wird bislang in der schulischen Pädagogik noch viel zu wenig
Aufmerksamkeit geschenkt und sollte in die Reihe der Kernkompetenzen aufgenommen
werden.
8. Bibliographie:
Achbar, Mark (Hrsg.) (1996): Noam Chomsky – Wege zur intellektuellen Selbstverteidigung.
Medien, Demokratie und die Fabrikation von Konsens. München: Marino Verlag
Burger, Harald (1990): Sprache der Massenmedien. Berlin, New York: De Gruyter
Cichowicz, Andreas: „Probleme der Wahrnehmung: Der Islam in der deutschen
Fernsehberichterstattung.“ In: Hippler, Jochen / Lueg, Andrea (Hrsg.)(2002):
Feindbild Islam oder Dialog der Kulturen. Hamburg: Konkret Literatur Verlag. S.3548.
26
Gräfe, Stefanie: „Im Westen nichts Neues. Der Islam als Antithese zum ‚freien Westen’“. In:
Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi): Forum
Wissenschaft http://www.bdwi.de/forum/fw1-02-30.htm (geöffnet am 12.03.2005)
Hafez, Kai: „Antisemitismus, Philosemitismus und Islamfeindlichkeit: ein Vergleich
ethnisch-religiöser Medienbilder“. In: Butterwegge, Christoph (Hrsg.) (1999): Medien
und multikulturelle Gesellschaft. Opladen: Leske & Budrich, S.122-135
Hafez, Kai: „Öffentlichkeitsbilder des Islam. Kultur- und rassismustheoretische Grundlagen
ihrer politikwissenschaftlichen Erforschung.“ In: Disselnkötter, Andreas (Hrsg.)
(1997): Evidenzen im Fluss – Demokratieverluste in Deutschland. Duisburg: DISS,
S.188-203
Hafez, Kai / Richter, Carola: „Das Islambild von ARD und ZDF“. In: Bundeszentrale für
politische Bildung (Hrsg.) (26-27/2007): Aus Politik und Zeitgeschichte. (Beilage zur
Wochenzeitung
Das
Parlament).
Frankfurter
Societäts-Druckerei
GmbH:
Frankfurt/Main, S. 40-46
Hornshøj-Møller, Stig (1995): "Der ewige Jude". Quellenkritische Analyse eines
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Jäger, Siegfried (1993): Text- und Diskursanalyse. Eine Anleitung zur Analyse politischer
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Lueg, Andrea: „Der Islam in den Medien“. In: Hippler / Lueg 2002: S. 16-34.
Pinn, Irmgard: „Muslimische Migranten und Migrantinnen in deutschen Medien“. In:
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Schiffer, Dr. Sabine (2005a): Die Darstellung des Islams in der Presse. Sprache, Bilder,
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Schiffer, Sabine (2005b): „Der Islam der Medien – ein Beitrag der Medienpädagogik zur
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Schiffer, Sabine (2005c): „Der Islam in deutschen Medien“ In: Bundeszentrale für politische
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(20/2005):
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(Beilage
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Schmitz, Ulrich (2004): Sprache in modernen Medien. Einführung in Tatsachen und
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Spielhaus, Riehm: „Religion und Identität: Vom deutschen Versuch, „Ausländer“ zu
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Weber, Stefan (2002): „Was heißt „Medien konstruieren Wirklichkeit“?“ In: Medienimpulse.
Beiträge zur Medienpädagogik. Heft Nr. 14. S. 11-16.
9. Anhang: Bild- und Textnachweis
9.1 SPIEGEL special Nr.1/1998: Titelseite
28
9.2 Sozialmagazin 31.Jg., H.1, Januar 2006: Titelseite
29
9.3
SPIEGEL Nr. 13/2007: 22
30
SPIEGEL Nr. 13/2007: 23 (Fortsetzung Doppelseite)
31
9.4 Zeit-Punkte Nr. 1/1993:7
32
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