Wirtschaftssoziologie

Werbung
Wirtschaftssoziologie
1. Einheit
Zitat: „Es gibt keinen Aspekt des sozialen Lebens, den wir verstehen, ohne dabei
wirtschaftliche Tatbestände zu beachten = Ökonomie“ (sinngemäß)
Aus der soziologischen Sicht sind wirtschaftliche Organisationen Phänomene.
Wirtschaftliche Institutionen (Firmen, Verbände, Märkte, Organisationen) sind ein Teil
des sozialen Lebens. Alle sozialen Phänomene kann man auch aus ökonomischer
Sicht betrachten. Zu sehen ist das zum Beispiel bei der Familien- und
Bildungsökonomie.
Die Soziologie ist eine empirische Wissenschaft von sozialen Phänomenen.
Was ist Wissenschaft?
Das Hauptkriterium ist die Art und Weise wie diese Phänomene erklärt werden.
Was ist eine empirische Wissenschaft?
Es handelt sich um eine nachvollziehbare Erklärung.
Außerdem ist es eine Erfahrenswissenschaft und somit zur Mathematik und zur
theoretischen Ökonomie abgegrenzt.
Es handelt sich um eine Menge systematisch miteinander verknüpfter und
methodisch nachvollziehbarer Aussagen über einen Ausschnitt der Welt (  es
handelt sich um keine einzelnen Aussagen, weil alles in einem bestimmten
Zusammenhang steht)
Jede wissenschaftliche Aussage ist provisorisch und somit widerlegbar.
Was ist Soziologie?
= eine Wissenschaft sozialer Phänomene. Problematisch ist, dass es keine
einheitliche Beschreibung dieser Phänomene gibt. Eine Möglichkeit wäre: Sie sind
die Zusammenhänge menschlicher Beziehungen. Sozusagen die
Zusammensetzungen menschlicher Handlungen mit Bezugnahme aufeinander, was
nicht unbedingt Kooperation bedeuten muss.
In einer Gesellschaft handeln verschiedene Akteure, deren Handlungen sich
aufeinander beziehen. Sie sind enger verknüpft.
Beispiele sind dafür: Freundschaften, soziale Mobilität, Firmen,
Versammlungsprozesse.
Doch es gibt auch größere Phänomene, die man als kollektives Handeln bezeichn en
kann, wie zum Beispiel Demonstrationen, Revolutionen und Streiks.
Geschichte der Soziologie
Soziologie gab es schon immer, weil man sich über das Miteinanderleben der
Menschen Gedanken machte. Jedoch war dies alles stark mit normativen Gedanken
verbunden. Diese sind allerdings nicht Gegenstande der Soziologie, weil diese
unparteiisch ist.
Ein Vorläufer der Soziologie was Thomas Hobbes. Er fragte sich, wie so etwas wie
eine soziale Ordnung möglich ist, wenn die Menschen derart nutzenorientiert
handeln. Seine Lösung wäre eine so genannte Überperson, der Staat. Es müsste
jeder einen Teil seiner Verantwortung abgeben.
2 Ursachen für die Entstehung der Soziologie
1. Die Entstehung der Soziologie war mit der Entstehung und dem Aufkommen
der kapitalistischen (modernen) Industriegesellschaft (1750 – 1850)
verbunden. Man spricht hier von der großen Transformation, welche auf den
ungarischen Wirtschaftshistoriker K. Polanyi zurückgeht. Die soziale Welt
wurde völlig umgekrempelt: die Positionen des sozialen Denkens, die
Dimensionen der sozialen Welt.
Beispiele dafür: Familienstruktur, Mobilität, Art und Weise Geld zu verdienen
(Landflucht)
Dies war aber mit großen Umstellungsschwierigkeiten verbunden, weil es sich
um universale Veränderungen aller Lebensbereiche handelt.
Das Soziale ist nicht reduzierbar auf die wissenschaftliche, technische
Revolution, sondern ist etwas Eigenständiges mit eigenen Folgen und eigener
Dynamik. Es hängt mit einer Eigendynamik sozialer Prozesse zusammen.
2. Die 2. Ursache für die Entstehung der Soziologie war die politische
Dimension. Diese ist nicht auf den Kapitalismus zurückführbar, sondern auf
die französische Revolution. Sie ging oft in eine konservative Richtung. Die
Idee, welche dahinter steckte, war, dass, wenn Menschen durchführen, was
sie wollen, dies zu ganz anderen Ergebnissen führt als ursprünglich
beabsichtigt. Mit der Revolution waren ungewollte Auswirkungen verbunden.
Die Hauptströmung bezog sich auf die große Transformation. 3 Leute, die zwar noch
nicht als Soziologen arbeiteten, aber als deren Vorgänger gelten, versuchten analog
zu den Naturwissenschaften Gesetze zu erschaffen:



Augustine Comte (Franzose)
Herbert Spencer (Engländer)
Karl Marx (Deutscher)
Sie waren Pioniere. Bei ihnen stand die Idee des Fortschritts im Vordergrund.
Augustine Comte:
Er unterscheidet 3 Phasen des Lebens = 3 - Stadien – Gesetz:



Religion
Metaphysik
Wissenschaft
= Die Richtung des Positivismus. Am Ende der Geschichte, in der Moderne, ist das
soziale Leben wissenschaftlich steuerbar, nicht mehr anarchisch, sondern rational
von aufgeklärten Leuten gesteuert.
Herbert Spencer:
Er wurde stark von Darwin beeinflusst. Spencer beschreibt den Übergang einer
kriegerischen in eine friedliche Gesellschaft. Durch den Handel erkannten die
Menschen, dass sie durch Frieden besser im Stande sind, ihre Bedürfnisse zu
befriedigen.  Friede stellt eine effizientere Form des Wirtschaftens dar als Krieg.
Beide wollten nicht glauben, dass große Menschen Einfluss auf die Welt haben. Sie
haben dies, wenn die Welt ohnehin schon in diese Richtung geht. Das heißt, sie
müssen die Gesetze beachten und akzeptieren.
Karl Marx:
Er sieht die Entwicklung, die Veränderungen primär als Veränderungen der
ökonomischen Strukturen = eine Veränderung aller Institutionen und sozialen
Bereiche. Er unterscheidet Über- und Unterbau der Gesellschaft.
Beim Unterbau handelt es sich um den dynamisch, kausal wirksamen Kern, der aus
2 Bereichen besteht:


Der Technologie
Den Besitzverhältnissen
Es ist der Kern des gesellschaftlichen Zusammenhalts.
Alles andere bildet den Überbau: Religion, Recht, Wissenschaft
Diese 3 Theorien sind Vorformen der Soziologie. Die eigentliche Soziologie beginnt
mit der Kritik dieser.
Die Klassische Soziologie
Diese geht auf 2 Autoren zurück:


Emile Durkheim
Max Weber
Beide haben sich auf unterschiedlichen Ebenen mit der großen Transformation
beschäftigt. Daraus resultierte, dass sie 2 unterschiedliche Richtungen der Soziologie
begründeten, welche erst heute langsam wieder zueinander finden.
Sie versuchen nicht nur die gesamte Gesellschaft zu definieren, sondern forschen
nach Details.
Emile Durkheim:
Er nimmt die Frage Hobbes auf: „Wie entsteht Gesellschaft? Was hält sie
zusammen?“
Er versucht eine Gegentheorie aufzustellen, welche widerlegt, dass Menschen nur
nutzenorientiert handeln. Er behauptet, menschliches Leben, die Gesellschaft sei
dem eigenen Nutzen übergeordnet. Schließlich kann man seinen Nutzen als Mensch
nur innerhalb bestimmte Gesellschaften verfolgen  nur dann, wenn vorgegeben ist,
was gut und schlecht ist, was wertvoll und erstrebenswert ist.
Soziale Gemeinsamkeiten sind auf das Prinzip der Arbeitsteilung zurückzuführen. Es
begründet Gemeinschaft, Wertvorstellungen und die Grenzen des Eigennutzen.
Der Mensch kann alleine nicht existieren, weshalb Menschen notwendigerweise
schon immer in sozialen Gesellschaften leben.
Emile Durkheim definiert soziale Phänomene als soziale Tatsachen.  die
Soziologie ist eine Wissenschaft der sozialen Tatsachen. Alles, was Leute glauben,
ist von den äußeren Tatsachen abhängig.
Jeder muss sich an vorgegebene Regeln, welche in formelle und informelle
unterschieden werden, halten. Jedoch sind die Regeln von Kultur zu Kultur
unterschiedlich.
Mit seinem Buch „Der Selbstmord“ verfasst Durkheim eine empirische Studie, in
welcher er erstmals Selbstmordstatistiken aller gesellschaftlichen Schichten
analysierte. Er fand heraus, dass in jedem Land, in jeder Kultur, in jeder
gesellschaftlichen Schicht gleich viele Menschen davon betroffen sind. Dies ist
natürlich kein Zufall.
Am meisten sind alleinstehende Akademiker gefährdet, was daraus resultiert, dass
sie weniger zur sozialen Gesellschaft gehören.
Durkheim befürchtet, dass die Menschheit durch zu starke Arbeitsteilung den
sozialen Zusammenhalt verliert, weil der Einzelne die Arbeitsteilung nicht mehr
überblicken kann.
Laut Durkheim gibt es 3 Gruppen der Arbeitsteilung:
1. Mechanische Solidarität: Solidarität an Ähnlichkeit = alle sind gleich (Glaube,
Tradition, Sitten,…)  segmentäre Gesellschaften
2. Organische Solidarität: Gesellschaft wird durch Arbeitsteilung
zusammengehalten, weil man aufeinander angewiesen ist.
3. Anarchistische (gesetzlose) Solidarität: Auseinanderfallen des
gesellschaftlichen Zusammenhalts
Max Weber:
Er hat die große Transformation unter dem Aspekt der Rationalisierung gesehen.
Rationalisierung = Beherrschung durch Berechnung. Dies ist zum Beispiel durch
Technologie, Bürokratie oder Wissenschaft möglich. Oft wird nach dem Muster des
Militärs vorgegangen = eine rational-kapitalistische Weltordnung. Rationale Dinge
nehmen die Überhand.
Bürokratie = Zerlegung von komplexen Zusammenhängen in Einzelteile, für die
verschiedene Leute zuständig sind. Man nennt dies auch eine rationale und
vorhersehbare Arbeitsteilung.
Alles wird klarer, berechenbarer und vorhersehbarer. Kapital hat es schon immer
gegeben, doch heute ist auch alles quantifizierbar und vorhersehbar (Beispiel:
Gewinn- und Verlustrechnung)
Warum entstand das in Europa?
Weber meint die Ursache dafür in der protestantischen Religion zu finden. Erstmals
war es möglich auch mit weltlichem Handeln in den Himmel zu kommen. Somit
wurde der Gelderwerb zum zentralen Verhalten.
Webers Grundaussage war, dass die Religion das homogenisierte Leben verhindert.
Dieser Weber’sche Protestantismus ist heute Inhalt reger Diskussionen.
Im Gegensatz zu Durkheim dreht sich nach Webers Ansichten nicht alles um soziale
Tatsachen, sondern vielmehr um soziale Handlungen. Weber war sehr stark von der
Ökonomie beeinflusst und führte somit alles auf die Handlungen von Akteuren
zurück.
Durkheim betont also das Erbliche, das Vorgegebene, während Weber den Prozess
des Machens, die Revolution hervorhebt.
Beide sind sie empirischer Wissenschaftler, die gegen die Idee des Fortschritts sind.
Talcott Parsons:
Talcott Parsons war eine amerikanischer Soziologe, der versuchte Durkheim und
Weber in einem Aspekt zusammenzufassen.
Jede Gesellschaft besteht aus einer sozialen Gesellschaft und im Kern finden sich
normative Vorstellungen über das, was gut oder schlecht ist, wie man leben soll.
Er hat versucht die Soziologie in einem Guss zu erfassen, doch heute zerfällt sie in
verschiedene Bereiche, Schulen, die sich jeweils auf Teile Webers, Dürkheims oder
Parsons beziehen.
Materialien
Weber hat sein Material aus den Geschichtswissenschaften entnommen. Auf diese
Weise hat er zum Beispiel verschiedene Religionen miteinander verglichen. Er hat
auch schon mit Interviews gearbeitet.
Durkheim hat als erster mit Statistiken gearbeitet.
Beide haben sie bereits empirische Methoden verwendet, welche auch heute die
vorherrschenden Verfahren sind. Man spricht von der quantitativen Schule.
Die quantitative Schule ist das Auswerten von offiziellen Statistiken aber auch die
Durchführung von eigenen Befragungen.
Die Soziologie ist die Aufklärung über die Umstände des eigenen Lebens, alles dass
was umfassender und abstrakter ist, als das, was man sich auf Grund von eigenen
Erfahrungen erarbeiten kann.
Soziologen bauen als nicht auf Experimenten auf, sondern sie arbeiten deskriptiv.
Entstehung der empirischen Sozialforschung
Paul Felix Lazarsfeld versuchte auf der Basis empirischer Studien zu arbeiten. Er
sagt, es gäbe zu viele Phänomene, die sich unserem Alltagsleben entziehen.
Er zeigte, dass es bestimmte soziale Handlungsmuster gibt. Vermittlungsinstanzen
haben Einflüsse, wie zum Beispiel die Verbreitung der Massenmedien: Die
Beitragenden und die Konsumenten haben keine Ahnung von der Distribution. Man
benötigt die Sicht von außen.
Ein anderes Beispiel ist die Verbreitung von Medikamenten: Der Einzelne hat keine
Ahnung. Wieder benötigt man die Sicht von Außen.
Benachbarte Wissenschaften der Soziologie:
 Ethnologie: Analysen haben großen Einfluss auf Soziologie
 Sozialpsychologie: Experimente von Ausnahmesituationen bei
zwischenmenschlichen Beziehungen
 BWL: normative Wissenschaft, die sich für die Optimierung wirtschaftlicher
Prozesse interessiert.
 Strukturgeschichte: ist schwer abzugrenzen
Einheit 2
Unterschied zwischen Soziologie und Ökonomie
Gegenstand der Soziologie:
Es gibt 2 klassische Antworten/ 2 Schulen:
1. Soziale Tatsachen nach Dürkheim. Man muss sich an Situationen
anpassen. Sachverhalte zwingen uns etwas zu tun (z.B. Religion). Man
wird sozusagen geprägt.
2. Soziales Handeln nach Weber. Es geht um Sachverhalte, die wir schon
immer tun. Daraus resultiert wirtschaftliches Handeln, Veränderungen
des politischen Handelns und die Bürokratisierung.
Dabei handelt es sich um unterschiedliche Perspektiven. Der Unterschied ist nicht so
groß.
Für Dürkheim ist die Religion sehr wichtig, weil wir in sie hineingeboren werden.
Auch bei Weber spielt sie eine große Rolle, aber sie ist uns nicht vorgegeben,
sondern sie beeinflusst unser Handeln.
Man kann beide Thesen zum Beispiel bei der Bewertung von Firmen integrieren.
Ferdinand Tönnies
Er unterscheidet streng zwischen Gemeinschaft: der Akteur fühlt sich als Teil als
eines Ganzen, in welchem jeder seinen vorbestimmten Platz hat. Er ist ein dienendes
Mittel zum Zweck.
Und Gesellschaft: der Akteur bedient sich anderer Akteure. Sie sind ein Mittel zu
seinen eigenen individuellen Zwecken.
Weber nannte das „Vergemeinschaftung“ und „Vergesellschaftung“ in Wirtschaft und
Gesellschaft. Heute gibt es in Gesellschaften noch Inseln von Gemeinschaften.
Gegenstand der Soziologie sind Handlungszusammenhänge (soziale
Phänomene).Sie werden konkret realisiert und verfestigt, durch Regeln und
Vorschriften. Soziologie ist eine empirische Wissenschaft und bezieht sich auf reale
Vorgänge und reale Prozesse. Sie berücksichtigt subjektive und objektive Aspekte.
In einem Punkt ist Weber die Erweiterung von Durkheim: Dieser mein Soziologie ist
eine Zwangshandlung. Weber erweitert dies und meint man kann nur im Umfeld von
Zwangsanstalten handeln. Das heißt man muss sich zuerst anpassen, um etwas zu
verändern oder revolutionieren zu können.
Die Erklärung von Handlungsmotiven
Beispiel Arbeitsmarkt:
 Wie kommt man zu einem Job? Hier gibt es den formellen und den informellen
Weg.
 Man muss sich dem Betrieb/Unternehmen anpassen, sich als Mitglied
bewähren
Hier geht es um die Definition eines Wirklichkeitsabschnittes. Warum existieren
Phänomene, warum sind sie entstanden, verändern sich oder hören auf?
Was streben Menschen an, was tun sie tatsächlich, welche Wertvorstellungen haben
sie, was finden sie fair?
Die Beschreibung ist bereits eine Vorstufe des Erklärens.
Warum ist der Arbeitsmarkt so wie es ist, warum gibt es so viele Arbeitslose?
Dies alles geschieht in 2 Schritten:
1. Der Wirklichkeitsausschnitt muss definiert werden, was man auch
Explanandum nennt.
Beispiele für Explanandi: Die Entstehung des BWZ; Gewohnheiten von
Konsumenten
Um einen Wirklichkeitsausschnitt zu definieren, muss man den
Handlungszusammenhang, die Einstellung der relevanten Gruppen verstehen.
Dies geschieht durch quantitative Methoden.
2. Die Handlungen müssen erklärt werden.
Um dies zu tun, gibt es zwei verschiedene Arten
(1) Die Motive müssen aufgezeigt werden:
 Warum wähle ich diese Lehrveranstaltung und keine andere?
 Was sind die Motive, die politischen Ziele Politiker?
 Was sind die Motive der Arbeitnehmer/geber in bestimmten
Branchen?
 Was sind die Zielvorstellungen von Gewerkschaften und
Kammern?
Es gibt bestimmte Traditionen, Professionen, welche das Motiv von
Handlungen erklären.
Laut Weber gibt es 4 verschiedene Motive und nicht nur ein
Handlungsmotiv. Diese betreffen nicht nur einzelne Personen,
sondern auch deren externen Korrelate ( = soziale Institutionen). Man
handelt in Subkulturen, in welchen es verschiedene Wertvorstellungen
gibt.
Die 4 Arten:




Zweckrationales Handeln: Dabei handelt es sich um
nutzenorientiertes, optimierendes Handeln. Was Nutzen ist, ist
nicht von vorneherein klar. In unserer Gesellschaft ist man meist
an materiellen Auszahlungen interessiert, es gibt aber auch noch
Prestige, religiöses Ansehen,…
Die Nutzenfunktion wir kulturell bestimmt. Künstler haben eine
andere Nutzenfunktion als Manager.
Wertrationales Handeln: Man handelt auf Grund von innerer
Überzeugung, man kämpft für seine Weltanschauung, für seine
moralischen Vorstellungen, die nicht nur einen Zweck erzeugen.
Zum Beispiel: Wehrdienstverweigerung
Emotionales Handeln: Man handelt auf Grund von Gefühlen,
Emotionen, Reizwörtern. Emotionen sind nicht private Dinge.
Georg Simmel spricht von einer inneren Soziologie.
Gefühlszustände wie Scham oder Angst sind Reaktionen auf
bestimmte soziale Konstellationen.
Traditionales Handeln:
 Aus Ehrfurcht vor dem immer schon Bestehenden (Tradition)
 Aus Routine handelt man so, wie man immer schon handelt.
Man denkt nicht mehr näher darüber nach. Diese Form ist in
der Soziologie weniger wichtig, weil es sich meist um
Zwischenhandlungen handelt.
(2) Ein soziales Phänomen ist ein Mechanismus.
Angenommen es gibt eine Reihe von Interessengruppen, von
Bereichen. Es wird ein Kompromiss geschlossen, den niemand wirklich
wollte. Es hat sich eine Eigendynamik entwickelt. Der Einzelne hat nur
geringen Einfluss auf das Ergebnis.
Ein Beispiel dafür ist der 1. Weltkrieg, den niemand wirklich wollte.
Um diese Kompromisse zu verstehen, muss man das Ganze mit einer
Außensicht betrachten, und nicht nur mit der Innensicht der Menschen.
In diesem Fall spricht Weber von der Heteronomie der Zwecke und
meint damit die Abhängigkeit von fremden Einflüssen.
Thomas Schelling’s Modell: Wenn es in einer Gemeinde 100
Einwohner gibt, wovon 50 Schwarze und 50 Weiße sind und jeder den
Wunsch äußert, dass zumindest einer seiner Nachbarn die gleiche
Hautfarbe wie er hat, dann kommt es im Endeffekt zu einer totalen
Segregation
= vollkommene Trennung
In der Soziologie gibt es weiters das Phänomen des self-fulfilling.
Das sind Mechanismen, die bestimmte Resultate hervorführen.
Behauptet man zum Beispiel die Bawag wäre pleite, lösen alle ihre
Konten auf, woraufhin sie wirklich bankrott geht, obwohl alles nur ein
Gerücht war.
Gegenstand der Ökonomie
In der Ökonomie geht es nicht mehr um die Erklärung empirischen Geschehens,
sondern um den Nachweis einer spezifischen Logik, die allen Phänomenen inhärent
ist.
Der Ausgangspunkt dieser Logik sind rationale und nutzenorientierte Individuen.
Ökonomen haben nur ein Motive: sie streben nach der Maximierung von Vorteilen.
Sie haben somit stabile Präferenzen und sie stehen in marktförmigen
Austauschbeziehungen zueinander. Immer werden „verpreiste“ Dinge ausgetauscht.
Anstelle einer diffusen Vielfalt an Handlungszusammenhängen sind
Tauschhandlungen konstitutiv  die Logik der Akteure ist vorgegeben: der Akteur
wählt aus der Menge ihm zur Verfügung stehenden Alternativen die von ihm
bevorzugte aus. Das nennt man rationales Handeln.
Durch die Erhöhung von Preisen sinkt die Nachfrage. Wettbewerbsmärkte sind
besser als Monopole auf Grund der Konkurrenz. Die einzelnen Firmen maximieren
ihren Vorteil, was den Kunden zu Gute kommt.
Gary Becker
Seine Idee war es, ökonomische Perspektiven auf soziale Fragen anzuwenden. Er
weist unter anderem auf Nutzen Kinder für ihre Eltern hin. Eine andere seiner
Behauptungen ist, dass man nur dann heiratet, wenn dies den Nutzen des
Alleinseins übersteigt.
Principal – Agent – Problem
 Principal = Auftraggeber; der Direktor einer Firma; die Aktionäre
 Agent = Durchführungsorgan; die Manager
Die Aktionäre wollen mehr Gewinn und die Manager mehr Geld. Hier gibt es eine
informationsmäßige Asymmetrie: der Manager weiß viel besser über die
Betriebsprozesse Bescheid.
Diese Asymmetrie verlangt nach einer Informationskontrolle. Aber wie kann der
Arbeitsgeber zum Beispiel sicher gehen, dass der Arbeitnehmer bei der Bewerbung
nicht schummelt?
Wie kann der Arbeitgeber diese Asymmetrie in den Griff bekommen?
Es gibt 4 Möglichkeiten:
1) Die Strategie des Principals: Direkte Verhaltenskontrollen sind jedoch
aufwendig und mit hohen Kosten verbunden. Außerdem können diese den
Nebeneffekt haben, dass das Vertrauen zerstört wird. Schließlich muss
auch immer ein gewisses Vertrauensverhältnis bestehen bleiben.
Andererseits werden heute keine zu engen Beziehungen mehr aufgebaut =
Fluktuation
2) Ergebnisabhängige Belohnung: zum Beispiel Akkordlohn. Das Problem ist,
dass man die Akkordlöhne manipulieren kann. Diese Methode ist nur dann
möglich, wenn man wirklich jedem Arbeitnehmer seine Arbeitsproduktivität
zuordnen kann. Sie geht immer stärker zurück, will in Europa die
unqualifizierten Jobs zurückgehen.
3) Kautionsregelungen: Wenn Arbeitnehmern zum Beispiel die Weiterbildung
gezahlt wird, müssen sie sich für eine gewisse Zeit verpflichten. Ansonsten
müssen sie die Kosten selber tragen.
4) Verbesserung der Informationssysteme: Management muss sich über die
inneren Prozesse informieren. Relevante Vergleichszahlen sind von Nöten.
Wo kann man diese Vergleich heranziehen, wo nicht?
Man kann das Principal – Agent – Problem nie zu 100% lösen
In der Ökonomie geht man von einem Gütermarkt aus. Aus der soziologischen Sicht
besteht immer die Kritik, dass das Engagement der Menschen unterschätzt wird.
Diese Theorie geht von Gegensätzen aus. Es gibt Fragen nach der Wichtigkeit der
einzelnen Lebensbereiche. Die Menschen sehen in der Arbeit viel mehr als nur ein
Mittel zum Zweck. Daher kann man auch von anderen Werten ausgehen.
In der experimentellen Ökonomie wird nach der Fairness gefragt.
Die Anwendung des ökonomischen Ansatzes
Sie bringt mehrere Probleme mit sich. Menschen sind keine modellhaften Wesen, sie
haben unterschiedliche Wertvorstellungen. Die Theorie wird leer, wenn man
behauptet, alle streben nach dem Nutzen. Aber natürlich verfolgen sie auch einen
Zweck.
Beispiel: Teilnahme an einer Demonstration.
Nach der Theorie hat jeder eine bestimmte Nutzenfunktion in Bezug auf die
Teilnahme.
A: Was habe ich davon, wenn ich daran teilnehme? Was kann ich erreichen?
B: Wie schauen mich dann meine Nachbarn an?
C: Was passiert, wenn mich die Polizei erwischt? Folgt daraus ein Schaden im
Beruf?
Im Endeffekt kommt es auf die Summe der Bewertungsdimensionen mal der
Wahrscheinlichkeit an.
Modell des Prisoner’s Dilemma
Zwei Gefangene haben zusammen ein Verbrechen begangen und werden von der
Polizei getrennt vernommen.
In der Regel werden beide kooperieren, weil sich beide einen größeren Nutzen
daraus versprechen. Dieses Modell setzt natürlich voraus, dass es zwischen den
beiden keine Vertrauensbasis gibt.
Der wesentlichste Unterschied zwischen der soziologischen und der ökonomischen
Perspektive ist, dass sie eine Vielzahl von unterschiedlichen Motiven verfolgen.
Einheit 3
Wirtschaftsethnologie und Wirtschaftsgeschichte
Funktionale Differenzierung
Im Laufe der Geschichte hat sich eine Differenzierung der einzelnen Lebensbereiche
entwickelt (Religion, Wirtschaft, etc.). Man kann aber nicht sagen, dass die Bereiche
vollständig getrennt wären.
Marcel Mauss – Archaische Ökonomie
Marcel Mauss spricht in der Wirtschaftsethnologie von der Archaischen Ökonomie.
Archaisch bedeutet altertümlich, aus der Urgeschichte der Menschheit stammend.
Damit meint Mauss, dass die Versorgung mit Gütern, die man selbst nicht herstellen
kann, nicht durch Tauschprinzipien wie heute von Statten geht, sondern durch
Geschenke und Gaben. Das nennt man auch den Gabentausch.
Scheinbar ist dieser Vorgang freiwillig, jedoch ist man in Wirklichkeit dazu
gezwungen, weil die Rollen des Schenkers und des Beschenkten ganz genau fest
gelegt sind.
Die Anlässe sind oft Feste, Begräbnisse und Initiationsriten. Man tauscht
Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände, Werkzeuge, Schmuck- und
Luxusgegenstände.
Die Übermittlung der Geschenke ist mit mystischen Vorstellungen verbunden, denn
in den Geschenken ist oft ein Teil der Person enthalten. Somit fordert der Schenker
ein Gegengeschenk. Daraus resultiert auch, dass man das Geschenk nicht ablehnen
darf, was ja auch heute noch gilt. Etwas zu schenken ist mit Macht verbunden.
Man kann Gastfreundschaft nicht nicht annehmen und Geschenke zurückweisen.
Es gibt 3 Verpflichtungen, auf welchen die Archaische Ökonomie beruht:
1) Geschenke zu machen
2) Geschenke anzunehmen
3) Geschenke zu erwidern
Der Ring der Kula
Der Ring der Kula ist ein Begriff aus Indonesien. Es handelt sich dort um einen
verzögerten Tausch. Die einzelnen Völker unternehmen Reisen, um einander zu
beschenken. Dadurch, dass jedes Geschenk erwidert werden muss, entwickelt sich
ein reisendes Tauschsystem. Ohne den Ring der Kula wären die Völker nicht
lebensfähig. Gleichzeitig ist es auch ein religiöses Ritual.
Heute werden solche soziologischen Situationen in der experimentellen Ökonomie
simuliert und man wird erkennen, dass diese Methode des fairen Tausches auch bei
uns verbreitet ist.
Diese mystischen Denkweisen sind allerdings im abnehmen, aber sie werden nie
ganz verschwinden.
Es ist umstritten, ob man hier von einer Evolution sprechen kann. Wenn man davon
ausgeht, dass es so etwas wie einen reinen Markt gibt, in dem alles auf Rationalität
und Nutzenorientierung ausgerichtet ist, dann schon.
Wirtschaftsgeschichte verbunden mit sozialen Ideen
Antikes Griechenland
Hier gab es keine geschlossene politische Anordnung, sondern eine Anordnung von
Stadtstaaten. Die einzelnen Städte sollten von einander unabhängig sein. Die
Grundlage dafür bildete die autarke Hauswirtschaft: Alles was gebraucht wurde,
wurde in oder rund um den Städten selbst erzeugt. Ein autarker Mensch = ein
selbstständiger Mensch. Das Umland steht unter der Herrschaft der Städte.
Falls es so etwas wie Märkte gab, dann jene, die die Stadt mit dem Umland
verbanden. Überseehandel war hauptsächlich für Luxusgüter für die Oberschicht
gedacht.
Römisches Reich
Es war schon ein moderner Staat in unserem Sinn. Zum ersten Mal entstand ein
einheitlicher wirtschaftlicher Raum des ganzen Mittelmeerraums.
Dass der Wirtschaftsraum überhaupt möglich war beruhte auf 2 Punkte:
 Auf der Ausbeutung der Provinzen
 Auf dem Sklavensystem
Als Sklaven wurden nicht nur besiegte Soldaten bezeichnet, sondern auch ganze
Gebiete und Völker, die erobert wurden.
Im Zentrum Italiens war zur Römerzeit alles von Großgrundbesitzern und von
Sklavenwirtschaft beherrscht. Die Großgrundbesitze (=Latifundien) wurden von
Managern im heutigen Sinn verwaltet.
Letztlich stagnierte die Wirtschaft, weil es zu wenig Konsumenten gab, die die
Wirtschaft hätten ankurbeln können. Der internationale Handel bzw. der Handel
zwischen den Regionen war der Oberschicht vorbehalten.
Mit der Zeit gab es keine Völker mehr zu erobern und folglich auch keine Kriege und
keinen Nachschub an Sklaven. Dies war ein Grund warum das Römische Reich
unterging. Als Reaktion wurde ein Teil der Sklaven freigelassen, um ihnen die
Möglichkeit zu geben, eine Familie zu gründen.
Die Verkehrswege wurden immer unsicherer, was den Austauschhandel erschwerte.
Max Weber meint, dass das Reich auf Grund des Arbeitskräftemangels scheiterte.
Deshalb konnte nicht mehr für den Wohlstand des Volkes gesorgt werden.
Es gab eine enge Verbindung zwischen Wirtschaft, Politik und Militär- heute würde
man sagen Imperialismus und Wirtschaft.
Mittelalter
Es gibt 2 Wirtschaftsordnungen, die weitestgehend politisch bestimmt waren.
 Die ländliche Wirtschafsauffassung
 Das Wirtschaftsleben in den Städten
Die ländliche Wirtschaftsauffassung:
Es gibt große Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern, vor allem zwischen Ost
und West.
In Westeuropa gab es Freibauern, die relativ unabhängig ihr Land bebauen konnten.
Nur einen geringen Prozentsatz mussten sie abgeben.
In Osteuropa kam es im 15. Jahrhundert zu einem völligen Niedergang der Bauern.
Sie wurden sozusagen versklavt, was offiziell erst im 19. Jahrhundert wieder beendet
wurde.
In beiden Teilen waren die relevanten Subjekte die Aristokraten der Kirche. Das
Leben ist streng traditionell geregelt und es gibt eine Arbeitsteilung zwischen den
Geschlechtern.
Der Grundherr hatte eine Schutzmacht: es gab keine stabilen staatlichen Einheiten.
So kam es zu vielen Kämpfen und Überfällen.
Der Grundherr ist so etwas wie der Ministerpräsident und der Wirtschaftsminister
gleichzeitig: er kontrolliert den Austausch. Das alles wird von der Kirche kontrolliert
und eingeschränkt durch den Mangel an Verkehrswegen.
Immer wieder kam es zu Hungeraufständen.
Im 19. Jahrhundert kam es zum letzten Aufstand: es wurde verboten in den Wäldern
Bruchholz zu sammeln.
Es war eine Zwangswirtschaft mit ganz kleinen Spielräumen für die Tauschwirtschaft.
Ein Ökonomisches System hat sich nur für die Luxusgüter für die Oberschicht
entwickeln können.
Am schlimmsten war es für die Bauern in Russland, am besten im Westen in der
Nähe von Städten.
Das Wirtschaftsleben in den Städten:
Die Bürger haben sich gegen die Obrigkeit und die Aristokratie verbrüdert. Der erste
Staat, der sich in Richtung Demokratie und Kapitalismus entwickelte, war Venedig.
Mittelalterliche Städte hatten eine eigene Verwaltung, eine eigene, kleine Armee und
wurden von den Zünften beherrscht. Die Zünfte bildeten die Oberschicht, dann gab
es eine Mittelschicht, und die Unterschicht, welches durch das Proletariat gebildet
wurde.
Alle diese Schichten waren relativ frei.
Es entstand eine gewisse Konkurrenz zwischen den Städten und dem Umland.
Trotzdem gab es einen regen Warenaustausch, weil sich die Städte nicht selbst
versorgen konnten.
Diese Märkte sorgten in der Folge für die ersten industriellen Revolutionen.
Nach Polanyi entwickelten sich 3 Wirtschaftssysteme:
 Der Handel zwischen Stadt und Land
 Der Binnenhandel innerhalb eines Staates, welcher unter Kontrolle der
Staatsmacht stattfand. Sowohl der regionale Handel als auch der
Binnenhandel unterlagen traditionellen Einschränkungen bezüglich Ort und
Zeit. Alles war genau geregelt. Der Handel sollte möglichst konkurrenzfrei
sein.
 Der Fernhandel: Er entwickelte sich auf Grund der Kolonialisierung und der
damit verbundenen Bedeutung der Küstenstädte. Er hat die Traditionen
aufgeweicht.
Während des Mittelalters gab es einen Konkurrenzkampf zwischen 3 Gruppen:
Könige, Papst und lokale Aristokraten
Der erste wirklich zentralisierte Staat und Vorbild für alle anderen war Frankreich, in
dem die Großgrundbesitzer zwar reich waren aber keine politische Bedeutung mehr
hatten.
Der Staat wurde immer wichtiger und hatte alleine die Steuerhoheit. Er war davon
abhängig Steuern einzuheben. Es kam zu einer Zentralisierung der politischen
Ordnung in Europa.
Im 16. und 17. Jahrhundert wurde der Merkantilismus wirksam.
Weitere Schritte waren:
 Die Zentralisierung der Verwaltung
 Die Vereinheitlichung des Steuersystems
 Zunehmende Eingriffe in wirtschaftliche Prozesse
Weiters kam es zu einer Zentralisierung der Rechtspflege und somit zur
Legalisierung von Verträgen.
Im 16. Jahrhundert fand ein Wandel von der Tausch- zur Geldwirtschaft statt.
Der Handel entfernte sich aus den Städten und weitete sich auf das gesamte Land
aus.
Alle Entscheidungen der Wirtschaft und Politik fielen auf den königlichen Höfen und
es entwickelte sich langsam eine Wissensgesellschaft.
Letztlich gab es eine Befreiung von den herkömmlichen Traditionen. Es kam zu
einem rationalen und kalkulierbaren Umgang mit Wirtschaftsfaktoren, die von
wissenschaftlichen und technologischen Erfindungen gestützt wurden.
Die Wirtschaft entwickelte eine gewisse Eigendynamik und eine zunehmende
Unabhängigkeit von politischen Einflüssen.
Die Lehre aus der Wirtschaftsgeschichte ist, dass man die wirtschaftlichen
Zusammenhänge nicht verstehen kann, wenn man die Rahmenbedingungen nicht
verstanden hat und berücksichtigt.
Einheit 4
Kapitalismus und soziale Schichtung
Max Weber
Laut Weber ist der Kapitalismus ein sozialer Missbrauch. Er meint, er sei ein
Bestreben der Wirtschaftssubjekte, um Erträge zu bringen.
Das menschliche Leben ist darauf ausgerichtet Bedürfnisse zu decken. Die
Akkumulierung erfolgt im rationalen Betriebskapitalismus.
Die Einheiten, in denen Erträge gewonnen werden, sind rational organisierte
Vereinigungen, welche mit Gewinn- und Verlustrechnung und auch der doppelten
Buchhaltung arbeiten.
Gewinnmaximierung erfolgt durch strategisches Verhalten ohne traditionelle
Schranken. Das Verhalten andere wird analysiert. Weiters wird alles genau kalkuliert.
Weber: „ Kapitalismus ist ein friedlicher Kampf. Menschen gegen Menschen“
Bedingungen für rationales Verhalten:
 Gewinn- und Verlustrechnung; doppelte Buchhaltung
 Geldwirtschaft
 Sicherung der Rahmenbedingungen für den Markttausch
 Vertragsrecht: Möglichkeit bei Gericht auf Vertragsbruch zu klagen
 Ausnutzung und Entwicklung der Wissenschaft für die Produktion.
Voraussetzung der Massenproduktion, technologische Revolution.
 Formale Gleichheit der wirtschaftlichen Subjekte. Zentrum = Arbeitsvertrag
Der rationale Kapitalismus konzentriert sich um den Arbeitsvertrag, den Anbieter des
Arbeitsplatzes und den Anbieter der Arbeitskraft.
Das Gewinnstreben ist ein Selbstzweck.
Wieso konnte das passieren? Alles steht im Gegensatz zu Altem, zur Kirche. Die
protestantische Religion hat einen Bruch herbeigeführt. Der Beruf steht jetzt im
Zentrum eines gottgefälligen Lebens.
Der Kapitalismus kritisiert den Marxismus, der einen politischen und intellektuellen
Einfluss hatte. Heute gibt es 2 große Deutungen des Kapitalismus, eine von Weber
bezogen auf den Arbeitsmarkt und eine bezogen auf Ausbeutung.
Karl Marx
Er hatte mehrere Ideen, wir beschränken uns auf 2:
1) evolutionäre Gesetze der Gesellschaft, von denen sich die einzelnen
gesellschaftlichen Formationen ablösen. Hier lässt er sich von Darwin
beeinflussen
2) Die Evolution durchläuft den Klassenkampf. Dadurch kommt es zu immer neu
entwickelten Gesellschaftsformen, die in Gruppen von Unterdrückten und
Unterdrückern zerfallen.
Marx sagt die Evolution bezieht sich auf die Produktionsweise einer Gesellschaft.
Damit ist gemeint, dass der Feudalismus durch den Kapitalismus abgelöst wurde.
Die Produktionsweise besteht aus 2 Elementen: den Produktionsmitteln und den
Eigentumsverhältnissen.
Es kommt zu zwei Gruppen bezüglich der Eigentumsverhältnisse:
 Die Eigentümer der Produktionsmittel (Bourgeoisie)
 Die Arbeiter und Angestellte (Proletariat)
Das Proletariat arbeitet für die Bourgeoisie und wird laut Marx von ihr ausgebeutet,
was in der Folge zu Konflikten und zum Klassenkamp führt.
Ausbeutung = Arbeiter trägt bei weitem mehr zur Wertschöpfung bei als er durch
Lohn zurückbekommt. Der Arbeiter bekommt nur so viel, wie er braucht.
Der Unterschied zwischen Weber und Marx
Weber spricht von der formalen Gleichheit von Arbeitgebern und –nehmern durch
Arbeitsverträge. Aber das ist eine rein rechtliche Ansicht. Rechtlich und formal sind
die vielleicht gleich, aber inhaltlich nicht.
Marx meint unter diesen Bedingungen kommt es zur Entstehung von homogenen
Klassen, was bedeutet, dass Klassen in ähnliche Situationen sein werden.
Produktionsweise (Organisationsmittel, Eigentumsverhältnisse)  Klassen 
soziale Ungleichheiten  kollektives Handeln  Politik
Durch soziale Ungleichheiten entsteht eine Kollektivverlagerung, eine kollektive
Einstellung = Identität, und kollektives Handeln. Das nennt man auch kausale Kette.
Marx glaubte es würde zur Homogenisierung der Klassen kommen, daher hat er die
einzelnen Unterklassen unberücksichtigt gelassen. Er dachte sie würden sich in die
zwei Klassen einordnen.
Weber allerdings sagte, dass es diese 2 Klassen zwar gibt, sie aber nicht die
einzigen 2 sind. Klassen bedeutet ein Leben lang in der gleichen Situation. Die
einzelnen Klassen bedeuten, dass sich jede Klasse ihrer Situation bewusst und
definiert ist.
Marx hat die Situation überschätzt: Es gab die Etablierung des Sozialstaates, welche
2 Gründe hatte:
1) Politischer Grund: In England und Deutschland wurde erkannt, dass es für die
staatliche Politik unzumutbar ist, wenn die Bevölkerung dem Staat feindlich
gegenüber steht. Das führt zur Einführung staatlicher Garantien,
Pensionsversicherungen, Arbeitslosenversicherungen,
Arbeitsrechtsbestimmungen, Arbeitszeitbestimmungen, Mindestlohn,
Kollektivverträge. Klassen haben sich zwar gebildet, aber nicht in der
revolutionären Form wie Marx dachte.
2) Die Entwicklung der Massenproduktion: Kapitalisten hatten Interesse an
Lohnsteigerungen damit die Kaufkraft steigt und die massenhaft erzeugten
Produkte einen Absatzmarkt finden.
Marxismus war eine Gesamtheit von sozialer Bewegung und Theorie. Ohne den
Marxismus hätte es diese Veränderung nie gegeben, weil in den Klassen eine
kollektive Bewegung gab = Sozialismus.
Es entstanden neue Gruppen von Arbeitnehmern, die Marx nicht vorhergesehen
hatte. Zum Beispiel die Angestellten: Diese wurden stärker in das Management
integriert und besser bezahlt. 1912 trat zum 1. Mal das Problem im marxistischer
Literatur auf: Das Management.
Die Klassentheorie von Max Weber
Weber hatte ein anderes Ziel vor den Augen: Er versuchte die Verteilung des
Vermögens zu beschreiben und die gesellschaftliche Revolution zu erklären.
Er entwickelte 3 Begriffe:
1) Klassenlage: Sie definiert alle Phänomene, die vom Handeln des Einzelnen
ausgehen. Das ist der Zugang zu Gütern, zu Lebenschancen, zu
Lebensschicksalen, auf Grund der Verfügung über Besitz, Leistung, Qualifikation.
2) Klasse: in der gleichen Klassenlage befindliche Gruppe von Menschen
a) Besitzklasse: positiv privilegierte: Rentner, Großgrundbesitzer
Negativ privilegierte: Arbeitslose, Obdachlose
b) Erwerbsklasse: positiv privilegierte: Unternehmer, Beamte, Selbstständige,
Facharbeiter, Rechtsanwälte, Ärzte
Negative privilegierte: verschiedene Arbeitergruppe
3) Soziale Klassen: kann Erwerbs- oder Besitzklasse sein, es handelt sich um eine
Gruppe von Menschen zwischen denen ein Wechsel
(Interaktionen) leicht stattfinden kann, d.h. Kollektivität ist
vorhanden. Beispiele für solche Klassen sind Beamte,
Selbständige, privilegierte Arbeiter usw.
Weber entwickelt seine Theorie auf Grund einer deskriptiven analytischen
Betrachtungsweise. Er forscht, welche Kriterien es in einer Gesellschaft gibt und
versucht dann Gruppen von Leuten herauszuheben.
Marx entwickelt seine Theorie aus der Theorie der Ausbeutung. Er dachte,
Sozialismus entwickle sich von selber.
Die Klassentheorie nach G. Lenski
Sie entwickelt sich von der eindimensionalen Theorie des Kapitalismus zu
mehrdimensionalen Schichten. Lenski unterscheidet 4 Klassensysteme, die auf
objektiven Fakten beruhen. Man kann in 4 Systemen oben oder unten sein  somit
bilden sich verschiedene Schichtungsmodelle.
Der Unterschied zu Weber und zu Marx ist, dass in diesen Mehrdimensionalen
objektiven Schichten die einzelnen individuellen Gruppen nichts miteinander zu tun
haben.
Es werden 2 Richtungen beschrieben, die die moderne Schichtungsordnung
eingeschlagen hat:
1) Stefan Hradil und Ulrich Beck haben den Zerfall der Klassen beschrieben =
Schichtungsforschung
a) Milieukategorie von Stefan Hradil beruht auf unterschiedlichen Einstellungen.
Sie definiert das aufstiegsorientierte Milieu (untere Mittelschicht) und das
hedonistische Milieu (jüngere Mittelschicht)
b) Individualisierung nach Ulrich Beck: Es geht um den Aspekt der
Individualisierung. Klassenunterschiede verschwinden, aber die sozialen
bleiben bestehen. Traditionelle Institutionen zerfallen, jeder wird als allein
lebende Einzelperson sein eigener Manager. Es entstehen
Risikogesellschaften, was bedeutet das jeder sein eigenes Risiko auf sich
nehmen muss.
2) Neo – Marxismus
Pierre Bourdieu sagt es gibt 3 Arten von Kapital:
a) Ökonomisches Kapital (der Markt)
b) Kulturelles Kapital = der Zugang zu kulturellen Gütern ist stark sozial
geschichtet
c) Soziales Kapital = der Zugang zu sozialen Netzwerken, durch Beziehungen zu
Machthabern erreicht man Ziele leichter.
Manchmal kann man soziales und kulturelles Kapital auch in ökonomisches
umtauschen. Innerhalb der Schichten gibt es soziale Felder, die geschichtet sind.
Habitus: Nach der Position, die ich im sozialen Raum einnehme, handle ich. Es
kommt darauf an, in welche Gruppe man hineingeboren wurde. Er kann das ganze
Leben prägen, man kann aber auch herausspringen.
Herunterladen