weiterlesen - kirabo doors of hope children`s centre

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anena-mary-übersetzung
Lieber Tony, ihr müsst entscheiden, ob Mary im Interview mit "Du" angeredet werden soll,
oder mit "Sie". Ich habe die Anrede jetzt mit "Du" übersetzt. Kann ich aber leicht ändern!
Alter: 20, Schülerin
Unser erstes #YouthTalks-Gespräch führten wir mit Anthony Ssembatya, einem
begeisternden Ugander, der, neben seinen Erfahrungen als Überlebender eines Krieges, ein
internationaler Student und ein Aktivist für gesellschaftlichen Wandel mittels Bildung für
Mädchen ist. Er erzählte uns über Anena Mary, das Mädchen, das er adoptierte, als sie 8 Jahre
alt war, zu einer Zeit als er selber noch ein Kind war. Jetzt haben wir mit Anena Mary
gesprochen, um ihre Sicht der Geschichte zu erfahren. Sie sagt uns hier, wie sie schreckliche
Erinnerungen in Mut umwandelte, wie Bildung ihr Leben verwandelt hat, und wie sie hofft,
dass ihr Beispiel andere Mädchen dazu inspirieren wird, ihr Leben ebenfalls zu verwandeln.
Anthony war so glücklich, uns von den Fortschritten zu berichten, die du gemacht hast,
seitdem du in die Schule gehst. Du bist jetzt 20 Jahre alt und studierst noch.
Anthony & Mary
Anthony und Mary in ihrer Schule in Uganda
Einige Leute denken, dass es komisch ist, in meinem Alter immer noch zur Schule zu gehen.
Ich denke jedoch, dass die Welt sich ändert und dass sich althergebrachte Vorstellungen
ändern. Ich tue das Richtige, wenn ich studiere. Ich lerne Mathematik, Wirtschaft, Geografie
und Informatik. Ich möchte in der Buchhaltung arbeiten oder im Management. Ich belaste
mich nicht mit der Sorge, ob ich heiraten werde.
Ist dies nicht ungewöhnlich für ein 20-jähriges Mädchen in Uganda?
Die Möglichkeiten für Mädchen hierzulande sind eingeschränkt. Unsere Talente werden nicht
früh genug entfaltet, und Mädchen wissen nicht was sie wollen; sie sind unentwickelt, weil
dies in unserem Land keine hohe Priorität hat. In der entwickelten Welt sind Mädchen besser
gebildet, haben mehr Erfahrungen, sie sind frühzeitig mit der Vorstellung konfrontiert, ein
selbstbestimmtes Leben zu führen und ihre eigene Zukunft zu sichern. Hier, als 20-Jährige,
sind wir von unseren Eltern abhängig, wir haben keine eigene Wohnung, wir haben keine
Freiheit.
Kannst du für uns noch einmal beschreiben, was sich für dich geändert hat, seitdem du zur
Schule gehst?
Ich war 8 Jahre alt, als meine Mutter Anthony kennenlernte. Es war Krieg in meinem Land Soldaten entführten Jungen und Mädchen, um aus ihnen Ehefrauen oder Soldaten zu machen.
Wir mussten uns in der Nacht im Gebüsch verstecken, um nicht gefangen zu werden. Wenn
wir in unserem Haus geschlafen hätten, wären sie hereingekommen um uns entweder zu töten
oder zu verschleppen. Häuser waren unsicher; es waren sehr schwierige Umstände. Als
Anthony mein Pflegevater wurde, konnte ich in ein Lager kommen in dem es sicher war. Ich
erhielt Zugang zu Bildung, und dies änderte mein Leben. Ich wurde aus einer ungebildeten
Person zu einer gebildeten.
War dies ein schwieriger Übergang?
Oh ja. Meine Leistungen waren nicht gut genug, so dass sie mich am Anfang nicht in die
Schule ließen. Ich konnte kein Englisch, ich konnte nichts, ich war unwissend. Ich musste sie
bitten, mich hineinzulassen. Schließlich vertrauten sie mir, ich wurde aufgenommen, und ich
kämpfte sehr darum, den Anschluss zu finden. Mit der Zeit kam ich zurecht, und sie
erkannten, dass ich Fähigkeiten hatte, mit denen ich etwas leisten konnte. Jetzt bin ich im
letzten Jahr des Gymnasiums und ich schaffte es, nächstes Jahr in die Hochschule zu
kommen!
Mary und Mitglieder ihrer Familie
Mary (Zweite von links) und Mitglieder ihrer Familie
Das ist so aufregend! Du hast so hart gearbeitet. Kannst du uns erzählen, wie die Tage in der
Schule sind?
Ich wache jeden Tag um 4:40 Uhr auf und gegen 5 Uhr bin ich im Schulzimmer. Um 7 Uhr
gehe ich zum Frühstücken. Der Unterricht beginnt um 8 Uhr. Um 10:30 ist eine Pause, dann
noch mehr Unterricht, dann Mittagessen, dann Unterricht bis 16:40 Uhr. Ich dusche, räume
mein Zimmer auf mache danach Hausaufgaben, und dann gehe ich zurück zur Schule von 19
Uhr bis 22 Uhr, jeden Tag außer am Sonntag. Am Samstag gehe ich joggen und putze das
Klassenzimmer und die Schlafräume.
Meine Schule ist eine der besten Schulen des Landes. Wir müssen sehr hart arbeiten oder wir
werden ausgeschlossen.
Sind andere Mädchen wie du in der Schule?
Die meisten Mädchen in meiner Schule sind gut situiert. Sie wissen, dass ich nicht
wohlhabend bin. Unser Essen und die Sprache sind verschieden, deshalb ist es offensichtlich.
Ich bin freundlich, und deshalb gehen die Leute gut mit mir um.
Es ist selten, als Mädchen wie ich in einer guten und seriösen Schule wie meiner zu sein. Ich
empfinde mich als gesegnet. Die meisten Mädchen, die ich in meinem Dorf zurückgelassen
habe, haben keine Chancen. Die meisten von ihnen schieden aus der Schule aus, wurden
zwangsverheiratet, haben Kinder.
Du sagtest, dass du dich nicht vom Thema Heiraten und Kinder kriegen beunruhigen lässt,
aber gibt es da nicht Druck, wenn du gegen die Tradition deiner Gemeinde verstößt?
Viele Leute denken, dass Mädchen Hausarbeit machen müssen. Viele Leute sind hyperkonservativ und nicht bereit, sich zu ändern. Bei uns geht es um Bildung für Jungen, die von
zu Hause weggehen, aber Mädchen sollen keine Bildung erhalten und sollen nicht von zu
Hause weggehen. Dies sind alte Überzeugungen, und viele Leute wollen sich nicht an den
Wandel anpassen.
Unterstützt dich deine Familie dabei, ein Mädchen zu sein, das einen neuen Weg bahnt, wie
man ein Mädchen in deiner Gemeinde sein kann?
Meine Mutter ist sehr stolz, und sie ist Anthony sehr dankbar. Wir sind fünf Kinder, ich bin
die Älteste, und meine Familie setzt ihr ganzes Vertrauen in mich. Ich fühle mich dafür
verantwortlich, Leistung zu bringen so gut ich kann und das Beste aus der Bildung zu
machen, die ich erhalte, um unsere Situation zu verbessern. Alle sehen auf mich; ich muss es
machen. Das ist schwer, aber es macht mir Mut.
Hast du einen Rat, den du anderen Mädchen anvertrauen möchtest?
Manchmal habe ich immer noch Erinnerungen daran, wie ich renne, auf der Suche nach
einem Platz zum Schlafen, und mir Sorgen mache, ob ich die Nacht hindurch am Leben
bleiben werde. Diese Zeit in meinem Leben war wirklich beängstigend. Ich konnte nicht rufen
oder schreien, denn dann hätten mich die Soldaten gefunden. Ich habe Erfahrungen
durchgemacht, die mich mutiger und weiser gemacht haben. Wann immer ich es nötig habe,
meinen Mut heraufzubeschwören, dann stelle ich mir vor, im Busch zu übernachten, mit
Schlangen und Insekten, und ich werde stärker. Nord-Uganda leidet immer noch aufgrund der
Erinnerungen an den Krieg, und ich bin mir sicher, dass viele Mädchen ähnlich wie ich
empfinden.
Wenn du daran gewöhnt bist, zu denken und zu glauben, dass du als Mädchen nicht zur
Schule gehen kannst, dann glaubst du nicht daran.
Ich glaube, Mädchen sollten an sich selbst glauben, und sie sollten wissen, was sie wollen,
und sie sollten dran bleiben, egal was die Leute denken. Konzentriere dich, sein entschlossen,
denke nach bevor du handelst, gib nicht auf.
Ich bin ein einfaches Mädchen. Ich mag Dinge, die keinen geistigen Stress verursachen, aber
wenn ich etwas zu tun habe, tue ich mein Bestes. Ich gebe nie auf. Ich habe dies in mir, und
ich bin sicher, dass viele andere Mädchen es auch haben. Mein Motto ist: wenn es eine
bessere Chance gibt, nutze sie.
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