Energiemuster als Charakterstrategie verstehen und

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Energiemuster als Charakterstrategie verstehen und behandeln
Peter Itin
Charakter als tiefste Ursache von Symptomen
Ins Shiatsu kommen oftmals Menschen, die unter mehreren Symptomen gleichzeitig leiden,
beispielsweise Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schweissausbrüchen, Erschöpfungsgefühlen
und Einbrüchen ihres Selbstvertrauens. Sie ahnen vielleicht, dass diese irgendwie
zusammenhängen und empfinden sie als typische individuelle Reaktionen auf belastende
Lebenssituationen. Sie würden sich jedoch nicht als „psychisch krank“ oder „reif für eine
Psychotherapie“ einschätzen. Sie suchen im Shiatsu einen natürlichen, ganzheitlichen und sanften
Weg zur Befreiung von Symptomen und zur Verbesserung ihrer Lebensqualität und
Leistungsfähigkeit.
Es gilt, die Ursachen der Symptome zu ergründen. Wenn wir danach forschen, stellen wir fest,
dass die Phänomene an der Oberfläche häufig Reaktionen auf Stress, Lebenskrisen und Trauma
darstellen. Forschen wir noch etwas weiter, stossen wir in der nächst tieferen Schicht auf den
Charakter der Person, welcher für diese Reaktionsweisen verantwortlich ist.
In diesem Beitrag möchte ich zeigen, dass es sich lohnt, sich mit dem Themenkomplex
„Charakter“ intensiver zu beschäftigen. Wenn wir mit den tiefsten Angstthemen und den tiefsten
Bedürfnissen der Person in Kontakt sind, können wir die Transformation von innen her
unterstützen, die selbstgesteuert ist und sich nachhaltig auf Wohlbefinden und Gesundheit
auswirkt.
Das Wort Charakter bezog sich ursprünglich auf die Prägestempel der Münzen und Siegel.
Charakter ist somit die Ausprägung der Persönlichkeit. Charakter spiegelt sich in der Körperform
und Haltung, in den Augen und im Händedruck, in Mimik und Gestik, in der Ausstrahlung
(Aura), in der Bekleidung und im Wohnen, im Sprechen und im Handeln der erwachsenen Person
– und natürlich in ihrem Lebensgefühl, ihrer Gesundheit und ihren Symptomen.
Charakter ist ein stabiles Muster und eine Manifestation von Lebensenergie. Als
„Gewohnheitsenergie“ repräsentiert sie eine seit der frühen Kindheit weiterentwickelte Form und
Wirkkraft von Denk- und Verhaltensweisen. Charakter ist Spiegel eines frühkindliches Traumas,
das in der Zeit eingefroren ist.
Im therapeutischen und didaktischen Setting benutze ich bewusst den Begrifft
„Charakterstrategie“. Er ist dynamisch und lässt mehr Offenheit und Veränderbarkeit zu als der
statische und starre Begriff „Charakterstruktur“.
Für Shiatsu sind insbesondere die Typologien der Körperpsychotherapie hilfreich. Ich beziehe
mich auf Alexander Lowen, Pat Odgen, Marianne Bentzen, John Pierrakos und Barbara Brannan.
Ich werde im Folgenden die 6 postreichianischen Typen kurz vorstellen und anhand der ersten
Strategie zeigen, wie wir im Shiatsu damit arbeiten können.
Sechs Charaktertypen
Die Imprägnierung unseres Bewusstseins beginnt bereits vor der Geburt. Die Grundfragen des
Ungeborenen sind: Bin ich erwünscht? Bin ich sicher? Urvertrauen muss sich entwickeln können.
Im Mutterleib kann das Leben durch körperliche Einwirkungen, Vergiftungserscheinungen,
negative Gedanken, Stress und Angstgefühle der Mutter und deren Umfeld (Familie, Freunde) als
bedroht erlebt werden. Ein Zwillingsfötus kann verloren werden. Wichtige Lebensbedingungen
vor und während der Geburt sind Konstanz, Rhythmus, Akzeptanz und liebevolles Mitschwingen
durch die Mutter. Wird die Welt in dieser ersten Lebensphase als lebensbedrohlich erlebt,
entstehen diffuse Existenzängste – Angst davor, vernichtet zu werden. Eine erste
Charakterstrategie entwickelt sich. Sie wird als „schizoid“ bezeichnet. Grundmuster sind
Misstrauen, Empfindlichkeit, Rückzug, Kontaktabbruch, Fluchtverhalten. Es finden sich beim
erwachsenen Menschen Tendenzen, mehr im Geist als im Körper zu leben und Gefühle zu
unterdrücken. Es werden intellektuelle, kreative und spirituelle Stärken entwickelt. Es bestehen
aber auch Tendenzen zu Realitätsferne und Isolierung (Unverbundenheit, Abkapselung).
Das Neugeborene benötigt eine energetische Versorgung mit Nahrung und liebevoller
Zuwendung. Körperliche Wärme, Geborgenheit, Kontinuität, Rhythmus und Struktur sind
wichtig. Das Bonding, die erste Beziehung mit der Mutter, spurt vor, ob zukünftige Beziehungen
als liebevoll, unterstützend und stabil erlebt werden können. Wer nie ausreichend gestillt und
bedingungslos geliebt wurde kann nicht genügend Stabilität entwickeln. Das Grundvertrauen ist
erschüttert und Existenzängste prägen das Lebensgefühl. Es entwickeln sich orale
Charaktertendenzen, welche auch als selbstbezogen-bedürftig bezeichnet werden. Man ist
abhängig von der Zuwendung und Kraft von aussen und bekommt nie genug. Es bestehen hohe
Erwartungen und Ansprüche an andere. Man ist nörglerisch, da nie zufrieden zu stellen. Man
erwartet Verständnis und Mitgefühl für sich, ohne dies anderen geben zu können. Die energetisch
schwache, kollabierte Strategie (Yin) äussert sich als Unselbständigkeit sowie Anhänglichkeit bis
hin zur Klebrigkeit. Die kompensierende Selbstbehauptungs-Strategie (Yang) hat eine grosse
Fähigkeit zur Selbständigkeit zur Folge. Man hat das Gefühl, man müsse alles selber machen,
niemand würde sich genügend kümmern. Einsamkeit, innere Leere, Hilflosigkeitsgefühle und
Unzufriedenheit sind die Folge.
In der nächsten Phase muss das ein- bis zweijährige Kleinkind einen autonomen Willen und seine
Identität entwickeln können. Es geht um die Frage „Wer bin ich?“ und das Recht auf Freiheit und
Individualität. Das Erproben von Nähe und Distanz innerhalb klarer Regeln in einem liebevoll
gehaltenen Rahmen ist von Bedeutung. Überbehütung, Überschwemmung mit Gefühlen,
manipulatives Verhalten und Nicht-Ernst-Nehmen durch die Eltern führen dazu, dass das Kind
kuschen muss, schwach und abhängig gehalten wird und zuwenig Raum erhält, um Erfahrungen
machen zu dürfen. Das Kleinkind reagiert mit Minderwertigkeitsgefühlen. Emotionen werden
versteckt und unterdrückt. Im Erwachsenenleben wird die Welt als manipulierend erlebt. Es
entwickelt sich eine „psychopathische“ Charakterstruktur. Das Yin-Reaktionsmuster ist
übertrieben bescheiden, konformistisch, hilfsbereit und charmant-einschmeichelnd, nett. Die
Yang-Reaktionsweise kompensiert Druck. Die erwachsene Person strebt nach Macht und
Ansehen, wirkt souverän, dominant und manipulativ, hart und charismatisch.
Im Alter von zwei bis vier Jahren kann sich die masochistische Strategie ausbilden, wenn die
übermächtige Mutter viel nörgelt, demütigt, Widerstand unterdrückt, Liebe an Bedingungen
knüpft und beim Kind Schuld- und Schamgefühle auslöst. Das Kind erhält das Gefühl, ein
schlechter Mensch zu sein. Ein typischer Glaubenssatz ist: „Was immer ich tue - ich mache alles
falsch.“ Es entwickeln sich die leidende und jammernde Opfer-Mentalität (Yin) oder die
provokative Neinsager-Strategie (Yang). Es wird viel Wut angestaut und innerlich kontrolliert
und gehalten. Die Menschen haben Autoritätsprobleme, eine innere Trotz- und
Verweigerungshaltung. Sie haben keine Zukunftsorientierung. sie reagieren mit
Selbsterniedrigung und destruktiven Verhaltensweisen, die meist wieder ihnen selbst schaden.
Mit dem Einsetzen der Geschlechtsidentität ab drei Jahren geht es um das Hineinwachsen in die
Gesellschaft. Wenn die Eltern stark fordernd sind, stellt sich die Frage: „Bin ich gut genug?“ Die
phallische Strategie (Yang) reagiert auf die hohen Erwartungen mit Leistung. Der Charakter ist
aktionistisch, ehrgeizig, perfektionistisch, kämpferisch, wettbewerbsorientiert,
problemlösungsorientiert und durchsetzungsfähig. Anerkennung und Belohnung sind wichtig.
Weiche Gefühle werden unterdrückt. Nichtstun und Passivität werden gefürchtet.
Die hysterische Strategie (Yin) basiert auf der Erfahrung, dass sich Eltern zurückziehen. Sie
hören nicht zu, nehmen das Kind zuwenig ernst, geben Geschwistern den Vorrang oder fühlen
sich von erwachende Sexualität Kinds bedroht. Das Kind ist enttäuscht und in der Würde verletzt.
Es hat Angst, den Kontakt zu den Eltern zu verlieren. Es erheischt sich Aufmerksamkeit durch
explosive Gefühlsausbrüche. Die Strategie ist exaltiert, schauspielerisch, sexualisiert, anhänglich,
sehnsüchtig, verführerisch.
Die postreichianischen Charakterstrategien haben direkte Bezüge zum fernöstlichen Wissen. Sie
können wie folgt den drei Meridianfamilien bzw. Meridianschichten zugeordnet werden:
 Erste Meridianfamilie: Die prä- und perinatalen Bedürfnisse (schizoide und orale
Charakterstrategie) sind mit Metallelement (Einkörperung und Atem) und mit dem
Erdelement (Nahrung und Mitgefühl) verbunden.
 Zweite Meridianfamilie: Die Entfaltung des autonomen Ichs und Willens (psychopathische
und masochistische Strategien) ist mit den Elementen Feuer (Identität) und Wasser (Wille)
verbunden.
 Dritte Meridianfamilie: Die Sozialisierung (phallische und hysterische Strategien) ist mit den
Elementen Ergänzendes Feuer (Schutz) und Holz (Lebensweg) verbunden.
Die beschriebenen Charakterprozesse sind Typisierungen, die in einer reinen Ausprägung selten
vorkommen. Meist erkennen wir Elemente jeder Strategie mehr oder weniger ausgeprägt auch in
uns selbst.
Charakterbezogenes Shiatsu
Charakterstrategien manifestieren sich körperlich und energetisch. Am Beispiel der schizoiden
Charakterstrategie möchte ich aufzeigen, wie wir charakterbezogen arbeiten können und mit
unserem Shiatsu die tiefsten seelischen Wunden und Bedürfnisse unserer Klientinnen erreichen.
Mittels Boshin erkennen wir körperliche und energetische Muster, die sich häufig den
Charakterstrategien zuordnen lassen. Personen mit schizoiden Charktertendenzen haben
gesamthaft ein eher niedriges Energieniveau. Sie wirken schmal und haben äusserlich wenig
Tonus (möglicherweise Hautprobleme). Ihr Brustkorb ist zusammengezogen, innerlich
verkrampft, eng und gehalten. Die Atmung ist flach (ggf. Asthma). Die Energie zieht nach
oben/hinten und wird im Kopf gehalten. Typische Verspannungszonen sind Kopfhaut, Stirne,
Schädelrand und Schultern, aber auch Beckenboden, Knie- und Fussgelenke. Die dortigen
Kontraktionen und Verhärtungen von Muskeln, Sehnen und Gewebe wirken als energetische
Gürtel. Sie schnüren die jeweilige Körperzone ein, führen zu Stagnationen und Blockaden und
verhindern, dass sich Energie absenken kann. Sie verursachen Schlafstörungen,
Kopfschmerzen/Migräne und rasches Ermüden. Die Person ist zu wenig geerdet, Füsse und
Hände sind kalt, kraftlos und schlecht durchblutet. Die Beine sind energetisch mit dem Rumpf
ungenügend verbunden, das Gehen wirkt staksig und ungelenk.
Die Wahrnehmungen des Boshin geben Hinweise auf erste Arbeitsziele der Behandlung. Beim
schizoiden Muster sind dies insbesondere:
 Erden (Füsse)
 Zentrieren (Hara)
 Weiten (Brustraum)
 Lösen (Muskelverspannungen Kopf – Nacken - Becken)
 Verbinden (Kopf – Rumpf – Extremitäten).
Der Fokus der Therapeutin, also die Ausrichtung ihres Bewusstseins, hat eine energetische
Wirkung. Die Klientin kann spüren, ob sich die Therapeutin während der Behandlung mit dem
Thema Erden oder mit dem Thema Öffnen verbindet. Wenn die Therapeutin bei sich selbst
diejenige Körperzone entspannt, die sie gleichzeitig bei der Klientin behandelt, wird die Wirkung
verstärkt, was naturwissenschaftlich mit Resonanzphänomenen und Spiegelneuronen erklärbar
ist. Das Prinzip des „Modelling“ (Modell sein) bewirkt gleichzeitig eine Selbstbehandlung – auch
die Therapeutin wird sich nach der Behandlung wohler fühlen.
Eine Klientin, welche eine existenzielle Urangst mit sich trägt, hat ein Urbedürfnis danach,
körperlichen Kontakt als sicher erleben zu dürfen. Ein physisches, kraftvolles Arbeiten wird von
Menschen mit schizoiden Prägungen in der Regel geschätzt, da es sie erdet. Es lässt sie ihre
Körperlichkeit spüren, die vom Alltagsbewusstsein ausgeblendet wird. Es kann aber durchaus das
Gegenteil erlebt werden, dass eine tiefe Angst vor Berührung besteht, dass Berührung als zu nahe
und zu viel empfunden wird. Ein sorgfältiger, die Grenzen respektierender Zugang ist bei dieser
Strategie besonders angezeigt. Es ist wichtig nachzufragen, ob Stärke und Tiefe des Drucks
angenehm sind, und ob es Körperareale gibt, die nicht berührt werden sollen. Wir spüren in der
Regel gut, wie die Klientin auf den Druck reagiert: Kann sie sich entspannen, oder verzieht sie
ihr Gesicht und möchte am liebsten „nichts wie weg“ – ihrem Charaktermuster folgend? Es ist
wichtig, dass sich ein tiefes Vertrauen zur Therapeutin entwickeln kann und Shiatsu als ein
sicherer Ort empfunden wird.
Im Shiatsu möchten wir erreichen, dass der Organismus der Klientin die Entspannung von sich
aus will und aktiv zulässt. Ich verstehe deshalb jede einzelne Berührung als ein Angebot, als eine
Einladung zur Öffnung. Rotationen des Hüftgelenks haben nicht nur den funktionalen Aspekt, die
Durchlässigkeit des Energieflusses zwischen Rumpf und Beinen zu fördern. Sie können
gleichzeitig die Körper-Selbstwahrnehmung der Klientin verstärken und ihre Aufmerksamkeit
schulen („ah, hier blockiere ich“). Die Impulse und das Halt-Geben der Therapeutin können stark
sein, um Klarheit, Grenzen, Stabilität und Vertrauen zu transportieren. Sie können aber auch
zurückhaltend-subtil sein, so dass der Organismus der Klientin aufgefordert ist, sich aktiv in eine
Drehbewegung hinein zu entspannen.
In der chinesischen Lehre der Wandlungsphasen beginnt der Lebenszyklus mit dem
Metallelement (Lunge/Dickdarm). Auf der spirituellen Ebene ist Po zuständig für die
Einkörperung der Seele. Dissoziation, nicht wirklich im Körper sein und nicht geerdet sein sind
zentrale Themen der schizoiden Charakterstruktur.
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In der Arbeit mit den Meridianen Lunge und Dickdarm können wir uns auf Themen wie
Öffnen/Schliessen, Kontakt/Grenzen, Aufnehmen/Loslassen, Spannung/Entspannung,
Ausdehnung/Kontraktion, Rhythmus und Pulsation ausrichten können.
Die tiefsten Bedürfnisse nach Erdung, Zentrierung und Loslassen von rasenden Gedanken
nähren wir durch die Behandlung von Magen/Milz.
Die Themen Stress/Existenzangst/Schutz rufen nach einer Behandlung der Meridiane von
Wasser und Feuer rufen.
Der Herzkreislaufmeridian zum Beispiel ist auf der körperlichen Ebene für den Blutkreislauf
zuständig, auf der seelischen für den Schutz des Herzens. Bei der Arbeit am Brustkorb kann ich
möglicherweise spüren, wie sich der Organismus belebt, während ich mit dem physischen
Bedürfnis nach einer stärkeren Blutzirkulation Kontakt aufnehme. Es kann jedoch auch im
Gegenteil eintreten, dass sich der Brustkorb noch mehr verdichtet. Die Spannung löst sich jedoch,
sobald ich mich auf die seelische Ebene ausrichte und dem Herzkreislaufmeridian signalisiere,
dass heute alles sicher ist. Shiatsu ist ein permanentes, lautloses Gespräch mit dem Organismus
der Klientin, ein Geben von Impulsen und ein Reagieren auf Reaktionen. Es geht es darum, dass
ich für alle Aspekte des Lebens offen bin.
Bei Menschen mit schizoiden Strategien begegnen mir während des Arbeitens tief liegende
Gefühle von Existenzangst und Selbstunsicherheit sowie emotionale Bedürfnissen nach Schutz,
Geborgenheit, Zuversicht und bedingungslosem angenommen werden. Ich behandle quasi in der
Zeit zurück und stosse auf den Ursprung der seelischen Verletzungen, welche die
Charakterstrategie begründen. Durch kohärentes Mitschwingen mit den tiefsten Lebensthemen
können sich traumatisch gefrorene Energiemuster sanft lösen.
Das bewusste Gestalten des therapeutischen Felds wird unabdingbar, damit wir im Shiatsu zu
diesen tiefen Schichten Zugang erhalten und ihnen ein Containment für heilsame Transformation
bereitstellen können. Eine gut etablierte innere Ausrichtung ist die Voraussetzung hierfür. Sie
verhindert, dass ich mich in den Fängen der Charakterstruktur der Klientin verstricke. In meinem
Kurs erfuhren die Teilnehmenden, wie ein nach oben ziehendes Energiefeld der Klientin sich auf
die Therapeutin auswirken kann, und wie die Art der Wirkung auch von ihrer eigenen
Prädisposition und Charaktertendenz abhängt. Eine erste Therapeutin liess sich vom Sog nach
Oben mitziehen und reagierte selbst mit Anzeichen von Dissoziation (Schwindel im Kopf). Eine
zweite gab rasch entmutigt den Kontakt zur Klientin auf, weil sie das Gefühl erhielt, sie würde
sie nicht mehr erreichen, es sei niemand mehr im Körper präsent (nobody home). Und eine Dritte
erhielt das anstrengende Gefühl, die Klientin mit aller Kraft auf der Erde festhalten zu müssen.
Die gute innere Ausrichtung und Selbstwahrnehmung der Therapeutin während des Arbeitens
erleichtert den klaren therapeutischen Zugang und ist Selbstschutz und Burnout-Prophylaxe
zugleich.
neue Türen öffnen
Shiatsu kann dem Organismus der Klientin bisher unbekannte Türen zeigen und verschlossene
öffnen. Die neuen Wege müssen jedoch von der Klientin selbst begangen werden.
Veränderungen müssen von ihr gewollt, Ziele müssen von ihr selbst formuliert werden. Neue
Verhaltensweisen müssen von ihr kultiviert werden, damit sie neue Muster entwickelt und ihr
Gehirn neue Neuronennetzwerke aufbaut. Unsere Aufgabe besteht darin, einen Rahmen und
Unterstützung zu geben, dass Ziele angemessen sind (kleine Schritte), und dass Erfolge
beobachtet und wertgeschätzt werden. Übungen, welche die Klientin zu Hause machen kann,
sowie therapeutische Gesprächsführungstechniken wie Focusing ergänzen somit die Behandlung
und tragen dazu bei, dass die Klientin ihre Lebensqualität nachhaltig und selbstgesteuert
verbessern kann. Gespräch und Übungen können in der schizoiden Strategie den Fokus haben,
Grenzen bewusst zu machen und auszudehnen, oder Gefühle und den Kontakt zur Erde mehr ins
Bewusstsein zu bringen. Shiatsu, Gespräch und Übungen sind für mich gleichwertige, aber nicht
gleichgewichtige Teile. Ihr Anteil kann immer wieder schwanken, abhängig von KlientIn und
Situation. Es erfordert Subtilität und auch ein explizites Übereinkommen mit der Klientin, das
angemessene Setting zu finden. Wichtig ist mir, die Klientin dahin zu führen, dass sie erkennt
und eigenverantwortlich entscheidet, was sie benötigt, um in ihrem Leben immer mehr
Wohlbefinden, Lebensfreude und innere Freiheit erleben zu können.
Quellen
Alexander Lowen, Körperausdruck und Persönlichkeit, Erstveröffentlichung 1958, Kösel
Pat Odgen, Die Typen: in Körperzentrierte Psychotherapie; Die Hakomi-Methode 1985,
Synthesis
John Pierrakos, Core Energetik - Zentrum Deiner Lebenskraft, 1987, Synthesis
Stanley Kelemann, Verkörperte Gefühle, 1985, Kösel
Barbara Ann Brannan, Licht-Heilung, 1994, Arkana
Marianne Bentzen, Formen des Erlebens: Neurowissenschaft, Entwicklungspsychologie und
somatische Charakterbildung, in: Marlock/Weiss, Handbuch der Körperpsychotherapie, 2006
Schattauer
Mike Mandel, Die Meridianserie – eine kleine Familiengeschichte, 2006/2007 in: Shiatsu Journal
46 – 48.
Peter Itin, Shiatsu als Therapie 2007, BoD sowie Kursmanuskripte „Charakter und Shiatsu“.
Peter Itin (1949)
Shiatsu-Therapeut, -Lehrer und -Fortbildner.
Autor von „Shiatsu als Therapie“, BoD 2007.
Fortbildungszertifikat in Core Process Psychotherapy (Maura Sills).
Trauma-Therapeut in Somatic Experience (Peter Levine).
Taijiquan-Lehrer Chen Stil (Chen Xiao Wang).
Mitglied einer Achtsamkeits- und Meditations-Sangha (Thich Nhat Hanh).
info@peteritin.ch
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