1 Gliederung Einleitung: Da ist zuviel Stress drin! Chancen zur

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Für mehr Lernfreude und Gelassen-Sein in KiTas
Ein Plädoyer zum Stressabbau in der KiTa-Entwicklung
Dokumenttitel]
Elisabeth Hollmann  Institut für Integrale-LernKultur-Entwicklung  Hermann-Steinhäuser-Str. 43-47  D-63065 Offenbach
TelL 069-86005450 / Fax: 069-86005580 / Mail: [email protected]
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Gliederung
Einleitung: Da ist zuviel Stress drin! Chancen zur Wandlung
A
Lernfreude – Ziel der Integralen-LernKultur Entwicklung*
Konstruktive Impulse auf vier Ebenen fördern die Motivation
1. Die Haltung: der Lernkompetenz vertrauen
1.1 Wie Erzieher/innen mit den Kindern lernen
2.
Die Teamarbeit: Klugheit in der Gemeinschaft entdecken
3. Die Bildungs-Landschaft : Räume als Spiegel der Kultur nutzen
3.1 Warum? Vier Antworten auf aktuelle Ausgangslagen
3.2 Wer dennoch zeitweise in der Gruppe leben will – kein Problem!
4.
4.1
4.2
4.3
Die Strukturen: Freiräume für Sicherheit und Selbständigkeit gestalten
Über mehrere Jahre voraus – und im Jahresrhythmus planen
Beispiel eines stressfreien Ablaufs am Vormittag
Bei Bedarf Gruppentage im Wochengefüge einflechten
B
Mit Eltern gemeinsam über das Lernen lernen
C
Im Team Ballast abwerfen, damit es leichter wird
Zusammenfassung
Anlage: Auswahl von Literatur, Filmen, Webadressen - nach Kapiteln geordnet
Offenbach, den 01.01.11
Vervielfältigung und Veröffentlichung erwünscht.
* Die Integrale-LernKultur-Entwicklung, genannt ILKE, ist ein von mir erarbeiteter
Entwicklungsansatz, der beim Patentamt eingetragen und markenrechtlich geschützt ist.
Für zukünftige ILKE-Trainer/innen biete ich eine langfristige Weiterbildung.
Die Ausschreibung dazu ist auf meiner Web-Seite abrufbar: www.elisabeth-hollmann.de
Das Netzwerk von ILKE-Trainer/innen befindet sich im Aufbau.
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Einleitung: Da ist zuviel Stress drin! Chancen zur Wandlung
Als Fortbildnerin und Organisationsentwicklerin in der Elementarbildung sehe ich mich in
der Verbindung zwischen Theorie und Praxis. Erkenntnisse verschiedener
Wissenschaftsdisziplinen sind für mich wichtig, ebenso die Interaktion mit
Pädagog/innen und die Be(ob)achtung der Kinder vor Ort in Kindertagesstätten (in
Zukunft KiTas genannt – Krippe, Horte oder Grundschulen sind eingeschlossen). Ich
anerkenne Kinder und Erwachsene als Subjekte ihres Lernens und gestalte mit ihnen
institutionelle Bedingungen die ihr Potential, ihre Neugier und ihr lernendes Handeln
lockt. Menschen und die Kultur eines Hauses sehe ich in ihrem gegenseitigen
Wechselverhältnis und wünsche mir zwischen ihnen positive Ansteckungs-Muster.
Nun, es gibt viele KiTas in denen Erzieher/innen mit Kindern auf entspannte Weise
lernen. Probleme haben sie selbstverständlich auch, denn wo Kinder sind, entsteht
immer auch ein von Gefühlen aufgeladenes Umfeld, und da gehören Konflikte dazu.
Aber es ist spürbar, ob ein Team versucht Konflikte zu vermeiden oder ob es diese zum
Lernen nutzt. Wo letzteres gelingt, dort setzt sich Kreativität frei. Wir erkennen es an den
„sprechenden Wänden“, wenn Kinder und Pädagog/innen miteinander denken, Ideen
schmieden und gemeinsam ungewöhnliche Vorhaben mit Ausdauer und Vergnügen
umsetzen. Wo Pädagog/innen sowohl phantasievoll sind aber auch diszipliniert, wo
Kinder mit Spaß und Ernst bei ihren Sachen sind und wo sie interessante Dinge mit
Stolz ausstellen – da erleben Kinder und Erwachsene: Lernen passiert mit Freude!
Z. Zt. erlebe ich die glücklichen Orte der frühen Kindheit eher selten. Viel mehr nehme
ich in KiTa-Teams ein hohes Harmoniebedürfnis wahr, verbunden mit Gefühlen der
Überbelastung. Fleißig übernehmen Pädagog/innen eine Anforderung und „Bildungs“Aufgabe nach der anderen, mitunter wird die Liste der Fördermaßnahmen für Kinder
immer länger. Gleichzeitig bleiben aber Strukturen und Vorstellungen, wie der Alltag in
KiTas abzulaufen hat, traditionell in den Köpfen bestehen sowohl bei Eltern als auch bei
Pädagog/innen und oft genug ebenso bei Trägervertreter/innen und Berater/innen.
Wenn es um Einrichtungen der Kindheit geht, sollte im Prinzip einerseits alles so
bleiben, wie es einst war – und andererseits werden in das bekannte System neue und
angeblich besser bildende Trainings und Projekte zusätzlich eingepasst!
Viele Erzieher/innen sind inzwischen lustlos geworden oder leiden unter chronischen
Krankheiten. Warum?
Sie fühlen sich einem Daueransturm fordernder und verunsichernder Eltern ausgesetzt
im Sinne von „mein Kind lernt hier nicht genug!“
Gleichzeitig müssen die täglichen Öffnungszeiten ausgeweitet werden. In der Regel
öffnen heute KiTas von 07.00h – 17.00h, manche länger.
Immer mehr Essenskinder wollen in der KiTa versorgt sein, obwohl dafür oft noch nicht
die räumlichen Voraussetzungen geschaffen wurden.
Zu lange Zeit bleiben Stellen unbesetzt da es immer Mangel an Erzieher/innen gibt.
Die Kolleg/innen besuchen aufgrund stetig neuer Maßstäbe in der Bildungsarbeit oft
Fortbildungsseminare und fehlen dann in der Praxis,... .
Insgesamt scheint das Chaos in KiTas auszubrechen, weil die inneren Strukturen nicht
mehr zu den Qualitätsansprüchen passen und man gleichzeitig überlegt, wo Kinder
unter 3 Jahren ihren Platz in der KiTa finden... .
„Stress hoch 5“ – so denke ich oft, wenn ich Erzieher/innen in der Praxis zuhöre. Und ich
verstehe sie gut.
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In den frühkindlichen Bildungsinstitutionen scheinen sich Interessenkonflikte zwischen
Eltern und Pädagogen auszutoben, gar zu viele Miss-Verständnisse entstehen.
Die heutige Generation der Eltern sorgt sich sehr um die Zukunft ihrer Kinder. Es ist die
Angst vor der Angst, ihr Kind könne später arbeitslos sein. Es ist die Angst, bereits in der
Gegenwart nicht mehr genug Geld zur Verfügung zu haben für die alltägliche
Lebensgestaltung. Es ist die Angst, nicht genug Zeit für die eigenen Kinder zu haben.
Viele Eltern wissen heute, dass Kinder in frühen Jahren sehr lern-begabt sind und sie
glauben, wenn mein Kind früh viel lernt, schafft es das Abitur eher als andere. Der
Wettlauf um die weniger werdenden Arbeitsplätze will früh gewonnen werden.
Eltern wünschen sich heute „Chemie für Dreijährige“ – und gewiefte Produzenten von
Lernmaterialien nähren den Markt mit entsprechenden Produkten. Wenn aber Eltern
Angst vor der Zukunft haben, werden Erzieher/innen sie kaum davon überzeugen, dass
das Spielen in „Feld, Wald und Wiese“ hirnbiologisch und lerntheoretisch das Denken
bei Kindern auf vielerlei Weise anregt, dass ihr Spiel in der Natur (und das reflektierende
Sprechen darüber) chemische, physikalische und mathematische Erfahrungen
beinhaltet, incl. Sprach- und Bewegungsförderung.
Es braucht viel Reflexion und Selbstbewusstsein der Erzieher/innen in den
Kinderhäusern und Familienzentren, um dem Wunsch nach „Chemie für Dreijährige“
nicht nachzukommen und den Eltern der kleinen Kinder zu sagen: „Ja – so ist es, unsere
gemeinsame Zukunft ist ungewiss und für die Bewältigung der Ungewissheit stärken
sich bei uns die Kinder!“
Es braucht zudem einigen Durchblick durch die prinzipiell hilfreichen Bildungspläne der
Länder, um darin Widersprüchliches zu entdecken zwischen der Beschreibung der
Selbst-Lernkompetenz von Kindern und den Aufzählungen fächerorientierter
Bildungsbereiche. Oberflächliches Lesen der Bildungspläne nährt die gängige
Vorstellung, frühe Bildung sei ein anspruchsvolles Vor-Schulprogramm.
Viele Erzieher/innen wollen trotz des erheblichen Erwartungsdrucks „das Beste“ machen
für und mit den Kindern, aber sie erhalten kaum Anerkennung dafür – dies zehrt an ihren
Kräften, schürt Unzufriedenheit und fördert Resignation im Pädagog/innen-Team. Da
heute in Teams auch Absolvent/innen der universitären Ausbildungsgänge arbeiten, was
mitunter zu Phantasien über die Akademisierung des Elementarbereichs führt, treibt dies
Praktiker/innen an, im Spagat diverser Anforderungs-Erwartungen alles zu geben durch
Abarbeiten überfüllter Tagesabläufe.
Es gibt aufgrund der genannten Belastungen in zu vielen Einrichtungen eine unheilvolle
dramatische Spiralentwicklung in den Stress hinein. Das müsste uns aufhorchen lassen,
denn noch nie hat ein Kind in einem Stress-Klima gut lernen können. Wenn sich aber
Elementarpädagog/innen an der Durchführung von frühen Bildungsmarathons
beteiligen, weil sie gerne alle Wünsche befriedigen wollen oder sie es aufgrund von
Anweisungen aus der Trägerschaft tun müssen, dann



wird es einem Kind erschwert zum konkreten Selbst-Denken zu kommen
kann kaum ein Kind die emotionale Aufmerksamkeit und Zuwendung der
Erzieher/in bekommen, die es zur Entfaltung seiner Persönlichkeit braucht,
kann es sein, dass sich Kinder durch die Reflexion des institutionellen Chaos
noch auffälliger verhalten, als sie sich sonst zeigen würden.
Eine längere Zeit dieses Stresses in KiTas wird also niemand gutheißen können!
Die Chance des Problems heißt: Sicherheit in der Ungewissheit zu erlangen.
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Immer wenn der Druck groß wird, steigen gleichzeitig Chancen und Potential zur
Wandlung in den Institutionen. Ein Prozess der Wandlung in KiTas wird Freiräume
eröffnen, wenn alle Beteiligten darin ihre gewohnte Denkart und ihr eingespieltes
Alltagshandeln unterbrechen, d.h. sich nicht persönlich immer mehr Anforderungen
zumuten sondern mit Blick auf ihr zu eng gewordenes System neue Prioritäten setzen
und die vorhandenen Ressourcen anders = kreativ nutzen. Wandel ist Entwicklung,
deshalb passt dieses Prinzip zu Kindern!
Wir Erwachsenen, Eltern und Pädagog/innen, befürchten oft bei Veränderungen, Kinder
würden verunsichert. Kinder sind aber Meister in der Bewältigung von „Fehlern“ und des
Veränderns, das sind nicht ihre Probleme. Kinder reagieren verunsichert auf abruptes,
spontanes „Hin und Her“ der Erwachsenen, zumal wenn es von ihren Angstgefühlen
begleitet wird.
„Sicherheit in der Ungewissheit“ zu erlangen, muss das Ziel von Eltern, Pädagog/innen
und Trägervertreter/innen werden um in der Gegenwart und Zukunft bestehen zu
können.
Für diese Zukunft wünsche ich mir eine gewandelte Art der Lernkultur in
Bildungseinrichtungen, die sich an den Stärken und differenzierten Interessen der Kinder
und Erwachsenen orientiert und ihnen spiegelt, dass sie ihre Zukunft meistern werden.
Einem zuversichtlichen Bild von Zukunft nähern sich Pädagog/innen am besten
gemeinsam mit Eltern in dem sie sich gemeinsam mit den Grundlagen des neuen
Wissens über das Lernen, d. h. mit den Erkenntnissen der Neurowissenschaften auf
lebendige Art und Weise befassen ( siehe S.16).
Die Prioritätensetzung bei der Elementarbildung liegt bei der Beachtung der
menschlichen Fähigkeit, dass wir immer lernen und Kinder besonders exzellent
auf informelle Weise lernen in einer Umgebung, in der es lustvoll zugeht.
In dieser Erkenntnis liegt die Chance einer entspannenden KiTa-Entwicklung:
Die Strukturen so zu wandeln, dass eine flexibilisierte Lernwelt entsteht, die über einen
indirekten Weg das Forschen der Kinder stimuliert.
Gelingt dies, könnten sich Pädagog/innen weitgehend von den Bemühungen des
direkten Lehrens befreien!
Mehr noch: schärft sich die Wahrnehmung von Eltern und Pädagogen, aber auch die
von Trägern und öffentlichen Meinungsbildnern dafür, dass z.B. langweilige oder
desolate Lernräume, dazu einengende oder unverbindliche Strukturen das
Lernvermögen der Kinder und der Pädagogen blockieren, würden wir endlich begreifen,
warum Kinder in Deutschland nicht ausreichende Lernleistungen aufweisen und wir
würden eine völlig andere Bildungsdiskussion führen.
A
Lernfreude – Ziel der Integralen-LernKultur-Entwicklung
Konstruktive Impulse auf vier Ebenen fördern die Motivation
Der von mir kreierte Ansatz der Integralen-LernKultur-Entwicklung (ILKE) basiert auf
dem Wissen der Neurobiologie und der systemisch-konstruktivistischen Lerntheorie.
Woraus abzuleiten ist, dass wir selbstverständlich immer lernen, und zwar das, wozu
uns unsere Sinne herausfordern. Der Mensch ist von Natur aus motiviert, er will denken
und lernen. Darf er das, wozu er in der Lage ist, dann hilft es ihm, wenn er im
Spiegelungsprozess seiner Umwelt Derartiges erlebt bzw. solche Impulse empfängt die
entsprechende Fähigkeiten in ihm wachrufen. Lernen gelingt, wenn es mit lustvollen
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Gefühlen in der Startphase verbunden war und sich die Motivation über Krisen und
Misserfolge hinweg erhält.
Kinder schauen sich alles ab, hören genau hin, schmecken, riechen, tasten und sind
insofern Spezialisten des Lernens, weil sie bereits von Anfang an alle ihre Sinne, ihren
gesamten Körper einsetzen, um sich ihre Welt anzueignen, sie zu erlernen. Ihre
angeborene ganzheitliche Aneignungs- oder Lernkompetenz entfaltet sich optimal bei
einem Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Kinder brauchen zum erfolgreichen Lernen




eine wertschätzende vertrauende Haltung
liebevolle verlässliche Beziehungen
ein interessantes zu-mutendes Umfeld
verbindliche, aber öffnende Strukturen (in der Familie wie in der KiTa), die ihnen
Sicherheit geben aber auch Impulse zu Selbständigkeit auslösen.
Kinder nehmen diese Bedingungen nicht als abstrakte Faktoren wahr, sondern als einen
„bunten Gefühls Mix“, der sie im Lernprozess beflügelt. Fragen wir nun im Sinne der
Sozialökologie danach welche Art Lebenswelt Kinder in einer modernen KiTa brauchen,
damit sie ihre Lernkompetenz ausbilden, ist meine Antwort: Kinder sollten in ihrer
Umgebung auf authentische Weise das Optimistische, Gelingende, das Neugier
weckende spüren. Der Ansatz der Intergralen-LernKultur-Entwicklung (ILKE) lernt von
den Kindern und leitet ab, dass diese auf den vier Ebenen Mensch – Beziehungen –
RaumBildung – Strukturen konstruktive Impulse ihres Könnens erleben müssen. Das
Prinzip ILKE vermittelt quasi zwischen Bedürfnissen der Kinder und der nonverbalen
„Sprache“ einer Institution. Es inspiriert sowohl mit Hilfe von Erfahrungsprozessen und
Reflexion das Denken der Pädagogen als auch die Institutionskultur mit dem Ziel, dass
sich spiegelbildlich vor Ort das Können der Kinder und der Pädagogen abbildet.
In der Praxis zeigte es sich immer wieder: infolge des Synergie-Effekts, der Verbindung
der vier Ebenen, entsteht eine Quintessenz, eine energiereiche neue Qualität mit einem
Super-Flow-Effekt für die Lernkompetenzen bei Kindern und Erwachsenen:
Eine positive Resonanzwirkung, die eine Stimmung für das Gelingen erzeugt!
Der Ansatz der Integralen-LernKultur-Entwicklung (ILKE) beschreibt einen vierfach
verknüpften Weg der Organisationsentwicklung in lernenden Institutionen, in dessen
Verlauf sich eine stärkenorientierte Haltung, Teamfähigkeit, eine wunder-bare
Bildungslandschaft und sowohl Sicherheit gebende wie Freiheit unterstützende
Strukturen herausbilden. Die förderlichen Qualifizierungsprozesse auf den Ebenen der
Persönlichkeits- und Teamentwicklung, aber auch in Bezug auf eine sinn(es)volle
Raumgestaltung und eine effiziente, ressourcenorientierte Ablauforganisation führen zu
einer Art Ansteckungskultur, in der das Gelingende zur Spiegelung kommt.
Beginnen wir im Folgenden mit der Beschreibung auf der ersten Ebene, wissend dass
sich in der Praxis das Wirken auf den vier Ebenen nicht nacheinander sondern nur
vernetzt miteinander vermitteln und wahrnehmen lässt:
1. Die Haltung: der Lernkompetenz vertrauen
Kinder brauchen von Eltern und Pädagog/innen die Haltung des Ver- und Zu-trauens,
damit sie sich ins Leben bewegen können. Aber auch Erwachsene lernen leichter, wenn
Vorgesetzte oder Lernbegleiter diese Haltung ausstrahlen. Pädagog/innen wissen
längst, wie wichtig es ist, die Kompetenzen der Kinder zu sehen, doch ihre alten
Lernmuster verführen sie immer wieder, nach den Fehlern und den Schwächen zu
schauen. Es ist wichtig an diesen bekannten aber störenden Lernmustern zu arbeiten
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und sich selbst und andere daraufhin anzuschauen was alles gelingt im Leben und in
der Arbeit. Wer stärkenorientiert denkt, erhält mehr Energie zurück und hat auch in
einem anstrengenden Beruf mehr Kraft. Er ist präsenter und kann sich über kleine
Erfolge freuen. Das ist bedeutsam für die Gestaltung einer konstruktiven Ausstrahlung,
dass wir Pädagog/innen persönlich spüren: Kinder tragen das Leben und die Zukunft in
sich und das trägt zu unserer Lebensenergie bei.
Ich wünsche uns einen stärkenorientierten Blick auf Kinder, auf Pädagog/innen und uns
selbst, der entlastend wirkt und uns erlaubt, Freude bei der Arbeit zu empfinden.
Folgende Fragen helfen, sich mit der Haltung und dem Wissen über das lernende Kind
auseinander zu setzen, bzw. einen stärkenorientierten Arbeitsstil zu entwickeln:
o Warum wurde ich Pädagogin / Pädagoge und was sagen mir meine Motive über
meine Werte, jetzt und im Hinblick auf die Zukunft der nächsten Generation?
o Was sind die Erkenntnisse der Hirnforschung / Lerntheorie über das Lernen?
Was haben sie zu tun mit Aussagen früherer Pädagogen, z.B. von Pestalozzi,
Fröbel, Montessori,...?
o Wie mache ich Pause an meinem Arbeitsplatz und wie sieht dabei mein Umfeld
aus? Was kann ich tun, damit es mir beim Pause machen richtig gut geht?
o Was kann ich tun, damit ich regelmäßig Feedback und Anerkennung erhalte?
Fazit: Stärken-orientiert über Menschen zu denken, hilft, sie klug werden zu lassen!
1.1 Wie pädagogische Fachkräfte mit den Kindern lernen
Wenn Pädagog/innen ernst nehmen, was sie in der Zeit mit Kindern tun, können sie
leicht die Kritik auflösen, sie würden sich nicht genügend mit Kindern befassen.
Zunächst finde ich wichtig, dass Erzieher/innen mit sogenannter „frei schwebender
Aufmerksamkeit“ arbeiten. Das bedeutet, dass sie sich mit Demut zurückhalten,
wissend, jedes Kind kommt und will etwas ausprobieren auf dem Hintergrund seines
eigenen Wollens. Voraussetzung ist, dass der Raum ansprechend, anregungsreich und
klar geordnet ist. Das ist ein hoher Anspruch, der konzeptionell verankernd sein sollte,
der kaum so nebenher, sondern in der Verfügungszeit umgesetzt werden muss.
Das Weitere ist schnell gesagt:
 selbst etwas tun, was einem Spaß macht
 Kinder be(ob)achten und ihnen mit Freude und Interesse zuschauen
 hier und dort mitspielen, in Beziehung gehen und im Gespräch sein
 Kindern Impulsfragen stellen, mit ihnen weiterfragen, mit ihnen über ihr Tun
nachdenken
 Kindern Impulse zur Selbsthilfe und zum Weiterlernen geben
 mit Kindern Lern-Geschichten dokumentieren, Kinder dabei einbeziehen, die
Geschichten ausstellen
 konsequent dafür sorgen, dass man selbst und die Kinder die wenigen
Regeln einhalten
Fühlen sich Pädagog/innen in ihrer fachlichen Rolle sicher, ist ein wichtiges Ziel erreicht.
Doch wie gesagt, es braucht noch drei weitere einflussreiche Faktoren für eine
entspannte Lernkultur. Hier folgt die zweite Ebene:
2. Die Teamarbeit: Klugheit in der Gemeinschaft entdecken
Neue Gedanken und Ideen entstehen meist, wenn wir offen sind für Gespräche mit
anders denkenden Menschen, dann erweitert sich unser Horizont. Dialoge zwischen
zwei Personen oder anregende Diskussionen in der Gruppe sind ein Geschenk.
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Es ist schön, einer Geige zuzuhören, aber großartiger klingt ein Orchester, indem sich
viele Instrumente, unterschiedliche Melodien und Rhythmen zu harmonierenden
Klängen verbinden. Für Kinder ist es wunderbar, wenn sie erleben, ihre Eltern verstehen
sich mit den Pädagog/innen und die Pädagog/innen „spielen“ miteinander. Gemeinsam
wirken sie wie ein engagiertes, sicherndes Netz im Hintergrund, das den Kindern
Orientierung bietet und sie dabei unterstützt, ihre Welt zu erkunden.
Ein „Orchester-Gefühl“ entsteht unter Pädagog/innen in einem Team erst, wenn sie
spüren, dass sie in ihrer individuellen Eigenart gesehen und gebraucht werden. Manche
Erzieher/innen verstecken sich in ihren Kindergruppen, weil sie ihre Kompetenzen und
ihre Bedeutung im Großteam gar nicht kennen. Daher ist es für ein Miteinander hilfreich,
herauszubekommen, wer in einem Team was besonders gut kann, wo die
unterschiedlichen Begabungen und Stärken liegen und wer am besten seine Fähigkeiten
in welchem Bildungsbereich einbringen kann. Solche Team-Klärungsprozesse stärken
nicht nur den / die einzelne sondern das gesamte Team.
Mitunter fürchten sich harmoniebedürftige Pädagog/innen vor solchen
Klärungsprozessen, obwohl sie ersehnt werden. Wenn sie aber lernen, sich zu zeigen
mit ihren Kompetenzen, dann können sie das Zusammenspiel miteinander einüben und
erfahren, dass nach einiger Zeit zehn oder 15 Stimmen im Zusammenklang schöner
klingen als eine Solostimme.
Voraussetzungen für gelingende soziale Beziehungen unter Kindern in einer KiTa sind
Pädagog/innen, die ein konstruktives und verlässliches Beziehungsverhalten
untereinander pflegen, gut kooperieren, flexibel und verlässlich miteinander umgehen,
also das vorleben, was sie sich von Kindern wünschen.
Hier einige unterstützende Fragen mit dem Ziel, im Team Entlastung zu erzeugen:
o Wer kann was besonders gut und wie bringen wir unsere Begabungen für
Kinder ein?
o Wie können wir Eltern und ihre Situation besser kennen lernen? Wie
können wir ihre Fähigkeiten in unsere Alltagssituation integrieren?
o Was würde uns noch helfen, damit wir uns - wie in einem Dorf untereinander respektieren können?
o Wen kennen wir in Stadt und Gemeinde, die/der uns unterstützen könnte?
Fazit: Kreativität wächst in einem Team, das von seiner Vielfalt lebt!
Nach Beantwortung der Fragen wird deutlich: es ist effizienter und gleichsam Beziehung
fördernd, in der KiTa das Denken und Arbeiten in (Klein)-Gruppenstrukturen zu
erweitern, also die Fähigkeiten aller Frauen und Männer im Gesamtteam für die Kinder
zu nutzen. Vernetzt mit dieser Erkenntnis ist die Idee, dann auch das Raum-Volumen
eines Hauses den unterschiedlichen Interessen der Kinder zur Verfügung zu stellen.
So wenden wir uns jetzt der 3. Ebene, den Räumen, zu:
3.
Die Bildungs-Landschaft: Räume als Spiegel der Kultur nutzen
Einen Gruppenraum für 25 Kinder einzurichten, ist nicht einfach. Leichter ist es, ein
Haus vom Keller bis zum Dach mit Platz für alle Beteiligten zu gestalten. Ich kenne
KiTas, in denen täglich 120 Kinder und ca. 14 Pädagog/innen gemeinsam unter einem
Dach entspannt miteinander leben und lernen. Da ist jeder Raum anders interessant
eingerichtet und stellt eine anregungsreiche Bildungswelt dar. Die Kinder essen in einem
gepflegten Kinderrestaurant und die Kleinen gehen in ihren traumhaften Schlafraum. Ist
diese KiTa-Welt begeisternd und wertorientiert gestaltet, arbeiten darin die Kinder wie
die Erwachsenen, mit hoher Konzentration.
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Sie lernen auf direktem und indirektem Weg, durch Zuschauen oder durch Anleitung, sie
sind motiviert, aufgrund der inspirativen Stimmung, die im Haus herrscht. Vorausgesetzt
die Räume setzen immer mal wieder neue Impulse oder die Pädagog/innen gehen auf
die Suche nach etwas Neuen, weil ein Kind etwas Besonderes für das Weiterdenken an
seiner Frage braucht.
Durch bewusste RaumBildung entscheiden wir uns für die konstruktive
Spiegelungswirkung, d.h. für vorteilhafte Wirkungen einer indirekten aber intentionalen
Didaktik, daher spreche ich auch von einer „Ästhetik der RaumBildung“ (s. S. 10).
Mehrere Ziele sind mit einer „Ästhetik der RaumBildung“ verbunden, hier einige:









Wertorientierung, wie z.B. Achtsamkeit zu vermitteln
die Gehirnaktivitäten durch Überraschungen fürs Auge zu wecken
unterschiedliche Interessen der Kinder anzusprechen
Rückzugsmöglichkeiten zu bieten
Gruppierungen unterschiedlicher Art Raum zu geben
Kinder zu Gesprächen über das Gesehene zu animieren
Besondere Begabungen zu fördern
Impulse zum Spiel, zur Arbeit – und damit zum Lernen zu inszenieren
den Raum als Kultur- und Struktur gebendes Merkmal zu nutzen
Fragen zur Anregung, wenn es das Ziel ist, die gesamte Raumkapazität eines Hauses
für Kinder zu nutzen, bzw. auch neue Lernorte außerhalb einer KiTa zu öffnen:
o
o
o
o
Inwieweit kann ich mir vorstellen, dass wir die gesamte KiTa als
Bildungsreich nutzen für das Spielen und Lernen der Kinder?
Gehe ich selbst gerne in Museen und fühle ich mich in der Lage, sie mit in
das bildungsreiche Leben der KiTa einzubeziehen?
Gehe ich gerne in Restaurants und andere Institutionen, die sich um das
Wohlergehen anderer Menschen kümmern? Was kann ich von ihnen
lernen für die KiTa?
Was bietet mir die Natur, und all die anderen Dinge, die selbstverständlich
im Umfeld von Familien vorhanden sind – mit dem wir spielen bzw. von
dem wir lernen können?
Fazit: Anregungsreiche Räume bilden eine LernKultur aufgrund ihrer Spiegelungskraft!
3.1 Warum macht es Sinn eine Bildungslandschaft in der KiTa zu gestalten?
Vier Antworten auf aktuelle Ausgangslagen
Veränderte Familiensituationen erfordern eine längere Verweildauer in KiTas
Frauen aus allen Bildungsmilieus tragen heute zum Familienunterhalt bei und wollen
arbeiten. Eltern benötigen längere Öffnungszeiten in der KiTa und sie benötigen Plätze
für ihre Kleinkinder. Aufgrund dieser Situation verweilen heute Kinder mehr und mehr ab
dem 2. Lebensjahr in der Institution. Das bedeutet, sie verweilen eine längere
Lebenszeit in der KiTa, sowohl an Jahren und auch täglich an Stunden.
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Undenkbar, dass sie dann über vier Jahre täglich mit mehr als 20 Kindern und ihren
zwei Erzieher/innen in nur einem einzigen Gruppenraum leben. Zumal in nur einem
Raum wenige Bildungsbereiche zur Verfügung stehen also alles viel zu klein und zu
„niedlich“ ist. Ein normal entwickeltes Kind hat außerdem einen Gruppenraum in ca.
einem Jahr ausgekundschaftet. Alles Weitere müsste dann durch die Animation der
Erzieherin erfolgen. So bietet es sich an, die gesamte Raumkapazität einer Kita zu
nutzen und sie in eine anregungsreiche Bildungslandschaft zu verwandeln.
Veränderte Kindheit und die Zukunft der Kinder „ruft“ nach mehr Frei-Raum
Kindheit ist heute im Zuhause der Familien oft eine beobachtete und verplante Kindheit.
Spielen ohne Aufsicht ist für kleine Kinder heute kaum mehr möglich, ebenso wenig das
Spielen mit Nachbarskindern im „Viertel“ oder in der Natur.
Kinder – so beobachten wir – kommen häufig dreijährig recht unselbständig in die KiTa,
weil bislang alles für sie gemacht wurde, weil sie mit vielerlei bildungstechnischen
Angeboten überversorgt, gleichzeitig oft emotional unterversorgt sind.
Von daher ist es für sie wichtig, in der KiTa unter kleineren und größeren Kindern
aufzuwachsen und Kind sein zu dürfen. Dass sie Natur erleben oder überhaupt zum
Spielen kommen. Dass sie lernen, sich in die Gruppe der Kinder einzuordnen, aber auch
Alltagsaufgaben zu bewältigen. Dass sie sich darin üben, ihre Bedürfnisse kennen
zu lernen und für sich Entscheidungen zu treffen. Dies alles ist faktisch nur möglich,
wenn sie Zeit genug zum Spielen und Lernen haben und wenn sie – für eine Zeit am
Tag Wahlfreiheit haben, wo, und mit wem sie was gemeinsam oder alleine tun können.
Im Spiel - mit anderen zusammen - auf lustvolle Weise das Lernen bzw. das NachDenken und Kombinieren zu lernen ist wichtiger als sich Wissen anzueignen. Wissen
eignet sich jeder Mensch aus eigenem Willen an, wenn er auf etwas neugierig ist oder
etwas bewältigen will. Daher brauchen kleine Kinder in der Institution KiTa neben
verlässlichen Gruppenbeziehungen auch die Freiheit, in einer anregungsreichen
Bildungswelt – in den Räumen und im Garten - sich bewegen zu können.
Denn auch im späteren Leben kommt es darauf an, wach und beweglich zu sein,
kreativ denken zu können, um in sich wandelnden Situationen immer neue
Lösungen (er)-finden zu können.
Neurowissenschaftler und Lerntheoretiker empfehlen gute Beziehungen und eine
anregungsreiche Umgebung zur Lernförderung
Wenn sich im Kind Motivation ereignet, dann ist es höchst lernfähig, weil es in diesem
Augenblick „aufgeweckt“ ist, etwas machen, be-greifen und verstehen zu wollen.
Intrinsische Motivation entsteht, wenn die Sinne eines Kindes im Gehirn Begeisterung
auslösen. Besonders die Augen sind für die Reizübermittlung zur Lernfreude
ausschlaggebend. Aber: und das ist die didaktische Kunst – die Räume dürfen nicht
überfüllt wirken, sondern müssen überschaubar sein. Die Dinge oder die Szenarien
lösen Staunen aus, wenn sie leicht zugänglich sind und einladend wirken, damit der
kleine Mensch auch eigenaktiv tätig werden kann.
Vielfältige Erfahrungsmöglichkeiten sollen Kinder locken, wissend, dass jedes Kind zu
seiner Zeit interessiert ist, zuzugreifen und etwas auszuprobieren. So ist es von großer
Bedeutung, Kindern großzügige Bau-Landschaften anzubieten und nicht Bauecken,
dazu ausgiebige Rollenspielbereiche und nicht nur Puppenküchen, ebenso
Forscherstationen oder Ateliers mit diversen handwerklichen Herausforderungen.
Gleichzeitig sollten sich Kinder zwischen ihren Konzentrations-Zeiten körperlich
bewegen oder ausruhen können, das Außengelände ist also ein gleichberechtigter
Lernort, gut wenn er Kindern zu jeder Zeit zur Verfügung steht.
Mitunter haben Kinder bereits den Stress ihrer Eltern internalisiert und kommen
gestresst in die KiTa. Also brauchen sie Bewegung, Rituale, Gespräche, Märchen,
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musische Ausdrucksformen wie Tanzen, Singen, Malen, Plastizieren, aber auch Yoga
und andere Entspannungsformen, ... dies nicht erst dann, wenn es die/der Erzieher/in
erlaubt, sondern dann, wenn Kinder sie brauchen. Und wo kann man das machen?
Immer dort, wo ein ansprechender Raum die Kinder dazu einlädt.
Die Rahmenbedingungen in KiTas wandeln sich – Ein Wir-Gefühl im Haus fördert die
Organisations-Flexibilität
Eine Überwindung des Gruppendenkens in den KiTas wird heute von vielen Trägern
erwünscht, meist weniger aus fachlich-pädagogischen als aus organisatorischen
Gründen. Inzwischen gibt es eine eingeschränkte Doppelbesetzung in allen Gruppen,
dazu wurden aber die Aufgaben einer Erzieherin erweitert (Durchführung von
Familienbildung, Beobachtung der Kinder, Dokumentation ihrer Lernprozesse,
Gestaltung einer inspirativen Lernumgebung).
Da sich KiTas heute aufgrund vielfältiger familiärer Veränderungen ständig wandeln
müssen (z.B. Aufnahme von Kindern U3, längere und flexible Öffnungszeiten, steigende
Anzahl von Mittagessensversorgungen,....), muss ein KiTa-Team flexibel reagieren
können. In einem Team, das sich gemeinsam für eine gelingende Betreuung und die
Bildung aller Kinder engagiert – und indem nicht nur zwei Pädagog/innen auf „ihre
Gruppe“ fixiert sind – lassen sich derartige Wandlungsprozesse einfacher und qualitativ
besser gestalten.
3.2 Wer dennoch zeitweise in der Gruppe leben und arbeiten will – kein Problem!
Über Raumbildung in KiTas gibt es inzwischen viele Fachbücher und dadurch eine
Menge Anregungen für jeden Bildungsbereich, sei es das Atelier, die Holzwerkstatt, der
Spiele-Raum, der Bauraum, das Rollenspielzimmer, die Bibliothek mit der Wortwerkstatt
oder der Experimentierraum,... . Eine ergänzende praktische Hilfe für alle Kinder ist,
dass gruppenübergreifend im gesamten Haus eine transparente und werte-bewusste
Ordnung herrscht - so können alle Kinder und Pädagog/innen überall im Haus die Dinge
finden. Wenige Regeln sind visuell dargestellt, an die sich alle halten.
Nun legen aber manche Pädagog/innen dennoch Wert auf ihre Gruppe, sie wollen sich
mit den Kindern ihrer Gruppe täglich für eine Zeit in ihrem Gruppen-Heimat-Raum
treffen. Das ist leicht zu regeln, in dem man in jedem Funktionsraum einen Platz schafft,
wo sich die Gruppe zum Kreis trifft und wo eine kleine Auswahl verschiedener SpielUtensilien lagern die den Bildungsschwerpunkt des Raums ergänzen.
Ein Funktionsraum, der auch als Gruppenraum gilt, könnte folgende Ausstattung haben:
 Schreibtisch / Bürocontainer für die Gruppenerzieherin
 Korb mit Boden-Kissen zum Sitzen
 einen runden, einfarbigen Teppich
 eine kleine Ausstattung zum Malen, Schneiden, Basteln
 ca. 6 Bilder-Bücher
 ca. 6 Spiele für unterschiedliche Entwicklungsstufen (öfter tauschen!)
 ca. 2 Kästen mit Legematerialien (öfter tauschen)
 die Eigentumsfächer der Kinder
 eine Planungswand (evtl. flexibel)
Treffen sich täglich Kinder in ihren s. g. „Heimat“-Gruppen und möchte man aber
gleichzeitig die gesamte KiTa mit ihren wunderbaren Bildungsräumen nutzen für eine
freie Spiel- und Lernzeit ist es unerlässlich, gruppenübergreifend und verbindlich neue
Zeitorganisationen im Tagesablauf zu gestalten.
Deshalb wenden wir uns jetzt der vierten Ebene zu, der strukturellen Ablaufplanung:
Elisabeth Hollmann  Institut für Integrale-LernKultur-Entwicklung  Hermann-Steinhäuser-Str. 43-47  D-63065 Offenbach
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4.
Die Strukturen : Freiräume für Sicherheit und Selbständigkeit gestalten
Die Integrale-LernKultur-Entwicklung, so leuchtet es inzwischen ein, geht von der
Prämisse aus: Freiheit und Verantwortung sind keine Widersprüche. Ebenso ergänzen
sich Sicherheit / Verbindlichkeit und Forscherdrang / Abenteuerlust im Reich der Kinder.
Ein Strukturwandel, der beides in KiTas erlaubt und ermöglicht gelingt über einen
öffnenden Weg. Eine s. g. Offene KiTa (oder besser: eine „vernetzt“ organisierte KiTa)
ist m. E. die passende Form, damit sich sowohl soziale Kompetenzen und
Beziehungsfähigkeit als auch Lernlust und Entdeckerfreude herausbilden können.
Unter einer Offenen KiTa verstehen wir eine Strukturform, in der Kinder durchaus
verbindlich in Gruppen organisiert sein können, aber zudem Zeit genug ist, um im
gesamten Haus parallel bedürfnisorientiert zu spielen und zu lernen. In der vernetzt,
bzw. offen organisierten KiTa gibt es viele Chancen, unterschiedliche Beziehungen
eingehen zu können: Freundschaften zu schließen oder Projektgruppen zu gründen,
einem Chor beizutreten oder einer Englisch-Gruppe, mit Gleichgesinnten Theater zu
spielen oder den Tischdienst zu übernehmen. In allen Gruppierungen gibt es
Verhaltensweisen mit positiven Auswirkungen auf das spätere Leben zu lernen.
Eine offen organisierte KiTa bietet sowohl feste Gruppen als auch freiwillig gewählte
Gruppierungen, dazu die gesamte Kinderschar. Diese verschiedenen sozialen
Beziehungen sind von großem Wert für die Entwicklung jeden Kindes und eine echte
Ergänzung zu familiären Bindungen. So lernt das Kind frühzeitig, dass es
unterschiedliche Sprachen und Gebräuche gibt, dazu verlässliche Beziehungen
zwischen Erzieher/innen und Kindern, ebenso unter den Erzieher/innen und zu den
Eltern. So wird auch eine offen organisierte KiTa ein Modell für Orientierung und
Verbindlichkeit, wenn sich täglich Zeitrhythmen wiederholen und übergreifend gültige
Regeln für alle Kinder gelten.
Fragen, die helfen, mit der vorhandenen Zeit sinnvoller umzugehen:
o Wie können wir Kindern mehr Zeit zum freien Spielen einräumen?
o Wie können wir uns Zeit und Ruhe gönnen, um ganz präsent mit Kindern
in Beziehung zu sein?
o Wie organisieren andere Berufsgruppen den funktionierenden Ablauf an
Orten, wo viele Menschen sind? Was können wir von ihnen lernen?
o Wie verbindlich gehen wir im Team mit der Zeit um und wie effizient
nutzen wir unsere Verfügungszeit?
Fazit: einfache und klare Struktur-Bildungen helfen uns, Zeit sinnvoll zu gestalten.
4.1 Über mehrere Jahre voraus - und im Jahresrhythmus planen
Macht man sich klar, dass jedes Kind mitunter vier, meist drei Jahre Zeit hat, um alles zu
lernen, was es braucht um die nächste Lebensphase in der Schule bewältigen zu
können, kommt Gelassenheit ins Denken. Alle Altersgruppen lernen während mehrerer
Jahre voneinander, sie profitieren von ihrem unterschiedlichen Sein, einfach nebenher.
Bedeutsam ist die zugewandte Gestaltung der verbindlichen Eingewöhnungszeit in einer
KiTa und die der liebevollen Vorbereitung und Verabschiedung in die Schule. Beide
Situationen des Übergangs sind für das Kind und die Eltern verunsichernd. Daher ist es
grade in diesen Phasen wichtig alles zu tun, um den Stress gering zu halten und sich
aufmerksam diesen Zeiten des Übergangs zu widmen. Damit ist bereits klar, worin für
Kinder – und damit auch für Pädagogen – die bedeutsamen Lernaufgaben liegen, am
Anfang, in der Mitte und am Ende, also bei den „Minis“, den „Midis“ (den „Mittleren) und
den „Maxis“.
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Folgende Übersicht zeigt, welche besonderen Aufgaben wann in welcher Altersspanne
interessant sein könnten:
2 – 3 Jährige:
 Beziehungen zu
Erzieher/innen und zu
Kindern aufbauen
 Den Gruppenraum
kennenlernen
 Das gesamte Haus mit
seinen Bildungsbereichen
nach und nach
auskundschaften, auch
das Außengelände
 Rhythmische Sprach- und
Tanzspiele
4 – 5 Jährige:
5 – 6 Jährige:
 Angeleitete Rhythmik
Musik- und Tanzstunden
 Einführung in verschiedene
Techniken im Atelier
 Exkursionen nach draußen
 Vertiefungen in allen
Bildungsbereichen
(übrigens: mathematische
Erfahrungen finden überall im
Leben und zu jeder Zeit statt)
 Patenschaft für ein neues
Kind übernehmen
 Spezialaufgaben
übernehmen wie
- Restaurantdienst
- Mithilfe in der
Rezeption
- Einkaufen
- andere Hausdienste
und Pflege des
Außengeländes
 sog. „Wundertüten“
Aktionen für Große
 die Schule kennen lernen
Zu Beginn eines jeden KiTa-Jahres empfehle ich zu überlegen, welche wenigen Feste
im größeren Umfang gefeiert werden und welche Öffentlichkeitsaktionen damit auf
effiziente Weise gleich mit verbunden sein könnten.
Zu bedenken wäre, ob ein Kind nur einmal in seiner Kita-Zeit eine Laterne bastelt und
nicht dreimal.
Und ob es Sinn macht, kurz vor Schuleintritt noch mal mit den Großen eine
Übernachtungsfahrt zu unternehmen, wenn man sich eigentlich voreinander trennen
muss? Es gibt so manche Überlegung für sinnvolle Zeitplanungen, um Kraft und Energie
sparen zu können.
Viel zu wenig wird noch sinnvoll einbezogen, dass jedes KiTa-Jahr aus einer Sommerund einer Winterzeit besteht. Im Sommer könnte mehr draußen mit Holz an der
Werkbank oder im Garten gearbeitet werden außerdem lädt der Sommer zu
Erfahrungen mit Wasser ein, bzw. zu anderen großflächigen Aktionen, vorausgesetzt
man hat dazu einen schattigen Platz. Im Winter ist der Bewegungsraum mit angeleiteten
Übungen wieder mehr gefragt. Man muss nicht zu jeder Zeit immer alles machen. Das
Ausschöpfen der saisonalen Vorzüge bereichert das Bildungsgeschehen sehr.
4.2 Beispiel eines stressfreien Ablaufs am Vormittag
Es gibt mehrere Möglichkeiten, einen Tagesablauf zu planen. Hier stelle ich einen
möglichen vor, der sowohl eine Gruppen- als auch eine freie Zeit miteinander verbindet.
Bei allen Zeitplanungen im KiTa-Alltag sollten zwei Ziele im Vordergrund stehen:
 Verlässlichkeit und Präsenz
 Zeit für freies Spielen und Erkunden
Start in den Tag:
Personaltechnisch gesehen ist es notwendig, morgens bis ca. 08.15h, wenn noch nicht
alle Kinder da sind, nur mit etwa 2 Erzieher/innen zu beginnen. Das Ankommen kann
monatlich in einem anderen Bildungsbereich stattfinden, damit die Kinder kennen lernen,
wo es was Interessantes gibt. Wer sich erst einmal austoben muss, darf das auch
draußen, in Sichtweite zur/m Erzieher/in.
Frühstücks-Restaurant:
Schön, wenn man morgens nach Bedarf schon frühstücken gehen kann. Es ist aber
nicht notwendig, über den gesamten Vormittag hin zu frühstücken, denn sonst hat man
ja mittags keinen Hunger. Vielleicht ist das Restaurant zum Frühstücken bis 10.30h
geöffnet? Möglicherweise machen hier morgens Eltern Dienst? Eine Gruppe von Eltern
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oder Großeltern könnte für diese Aufgabe nach einer fachlichen Einführung
verantwortlich sein.
Ruhiger Anfang in den Gruppen, z. B. in der Zeit von 08.15 – 09.45h:
beginnen die anderen Erzieher/innen ihren Dienst, gehen sie, in der Regel zu zweit, in
ihre Gruppen. Die Kinder ordnen sich zu ihnen. Es wäre sinnvoll, wenn in der
morgendlichen Frühzeit alle Sprachkurse stattfinden (falls es einen solchen Auftrag gibt).
In der Gruppenzeit ist es möglich Geburtstage zu feiern oder täglich einen Morgenkreis
durchzuführen. Will ein Kind frühstücken, jemanden anderes besuchen oder in den
Garten, sollte es in dieser Zeit sein Vorhaben der Erzieherin mitteilen. Ziel ist der
konzentrierte gruppenbezogene Start in den Tag – und möglicherweise haben die
Kinder im Morgenkreis entschieden wo sie später – zumindest für die erste Zeit –
hingehen werden. Aber wer bleiben will, kann auch in seinem Gruppen-Nest bleiben.
Freie Spiel- und Lernzeit im gesamten Haus zwischen 09.45h – 11.15h / 30h:
In dieser Zeit teilen sich alle Erzieher/innen auf und konzentrieren sich mit großer
Aufmerksamkeit auf das Spielen und Lernen der Kinder in verschiedenen
Bildungsbereichen. (Ausnahmen gelten für die Kinder unter 3 Jahren oder für die
Krippengruppen – diese Kinder bleiben in aller Regel in ihrer Gruppe.) Es empfiehlt sich,
dass immer eine Fachkraft im Außengelände arbeitet, eine andere in der Eingangshalle
(um Kinder von A nach B begleiten zu können, die noch unsicher auf ihrem Weg sind).
Ziel ist, dass Kinder mit dem vorhandenen Material und den präsentierten
Spielangeboten ihre eigenen Erfahrungen machen, und zwar in überschaubaren
Gruppengrößen. Am Ende der Zeit räumen alle Kinder überall auf.
Findet in dieser Zeit ein angeleitetes Angebot von z.B. zwei Erzieher/innen statt –
beispielsweise ein Vorschul-Angebot – kann ein Bildungsraum geschlossen sein, weil es
ja dafür an anderer Stelle ein „Sonderprogramm“ gibt.
Ebenso ist denkbar, dass man im Raum eine Hochebene vorübergehend schließt weil
man alleine im Raum seine Augen nicht überall haben kann.
Mag sein, dass sich in der freien Spiel- und Lernzeit auch einmal Kinder entziehen, sie
ihre Ruhe haben wollen. Das ist ihr gutes Recht. Nur sollten sie nicht beziehungslos im
Haus herum fallen was sie auch nicht tun werden, wenn die Räume hoch-interessant
sind und alle Pädagog/innen achtsam auf Kinder eingehen.
Auswertung der freien Spiel- und Lernzeit von 11.30h – 12.00h
Es macht Sinn, sich mit den Kindern zusammenzusetzen, um den Vormittag
auszuwerten, sich gegenseitig zu erzählen, wer wo was erfahren hat. Solche Treffen
machen Spaß bei gutem Wetter draußen unter einem Baum abzuhalten.
4.3 Bei Bedarf Gruppentage im Wochengefüge einflechten
Mitunter wünschen sich Pädagog/innen, die Wert legen auf wiederholende
Gruppentreffen, einen gesamten Tag für das Zusammensein in der Gruppe nutzen.
Wenn sich ein Team auf das Einrichten eines solchen Tags einigt, empfiehlt es sich,
dass alle Gruppen ihn gemeinsam auf den gleichen Tag legen. Denn nur dann ist
gewährleistet, dass an den anderen Tagen während der freien Spiel- und Lernzeit
möglichst viele Pädagog/innen in den Räumen zur Begleitung der Kinder bereit stehen.
Auch ist es klug, den Gruppentag entweder montags oder freitags einzurichten, denn
nur so ist es möglich, dass sich die Kinder möglichst mehrere Tage hintereinander an
die freie Spiel- und Lernzeit gewöhnen.
Ich kenne viele KiTas, die freitags ihren Exkursions- oder Waldtag haben. Es ist dann
ganz klar, dass man freitags, wenn es das Wetter irgendwie zulässt, das Haus verlässt.
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B
Mit Eltern gemeinsam über das Lernen lernen
Wie in der Einleitung beschrieben, wissen junge Eltern-Paare aus eigener Erfahrung,
wie hart der Konkurrenzkampf heute in Firmen ist. Daher sorgen sie sich häufig – gegen
jede Vernunft – bereits wenn ihr Kind noch sehr klein ist über dessen späteren
beruflichen Erfolg. Verständlich, denn das Kind wird geliebt und soll es später gut haben.
Auch wenn gute Erzieher-Ratgeber davor warnen, wie sehr dem kleinen Kind elterlich
ausgeübter Lernstress schadet, schwingt Versagensangst durch Herz und Hirn, gehen
die elterlichen Emotionen mit einem durch und dann kreist der Gedanke, „müssten wir
oder andere nicht mehr lernen mit unserem Kind?“ unentwegt im Kopf herum. Da helfen
in der Regel auch keine Belehrungen, ebenso wenig Vorträge. Moralisierende Vorträge
manifestieren sogar tradierte Vorstellungen des Lernens, weil ja dann, wie gewohnt,
jemand der es angeblich besser weiß, anderen etwas beibringen will.
Daher bin ich überzeugt, dass die Haltung: „lasst uns gemeinsam schauen, was
Hirnforscher heute über Lernen sagen und lasst uns gemeinsam erfahren, wie wir das
informelle und eigenaktive Lernen der Kinder in der KiTa unterstützten die bessere
Lösung ist. Eltern brauchen Erfahrungen darüber, wie Kinder in der KiTa lernen, sie
wollen wissen, wofür sich ihr Kind interessiert und sie wollen sich auch darüber freuen
können, wenn ihr Kind etwas Besonderes leistet.
Ich empfehle, in KiTas sich eine langfristig wirkende und unterhaltsame
(entspannte) Elternbildungs-Strategie auszudenken, nach dem Motto „Wir gönnen
uns Lernfreude!“. Ich denke dabei an ein flankierendes multidimensionales
erfahrungsreiches Bildungsangebot für Eltern, das sich über ca. 2 Jahre hinzieht,
und systematisch aufgebaut ist.
Im Rahmen eines langfristigen Programms macht es Sinn, z. B. Filme gemeinsam
anzuschauen, erfahrungsorientierte Elternabende zu verschiedenen Themen
durchzuführen, Literaturempfehlungen zu geben, Ausstellungen zu produzieren und
Exkursionen anzubieten, alles in einem bunten Mix. Jeden Monat kann etwas anderes
zum Thema passieren. Die Bildungs-Abende sollten locker aber zu-mutend durchgeführt
werden, das Ambiente darf Entspannung fördernd gestaltet sein, wichtig ist das
Interaktionsgeschehen in der Elternschaft, das gemeinsame miteinander Denken.
Wenn Filme eingesetzt werden – es ist immer gut, wenn man sehen und hören kann –
hat das Team diese Filme sicher vorher selbst angeschaut und beim Sehen den
transportierten Inhalt wiederholend gelernt.
Alle weiteren Methoden kann man sich ausdenken oder sich inspirieren lassen durch
Artikel, siehe Medienliste.
In Krippen wäre es gut, eine Elternbildungs-Strategie evtl. mit einer Hebamme
gemeinsam zu planen um bereits werdende Eltern erreichen zu können. In KiTas macht
es Sinn, auch schon zukünftige Eltern frühzeitig zu bestimmten Abenden einzuladen.
Falls Eltern die deutsche Sprache nicht verstehen, brauchen sie Übersetzungshilfe
durch andere Eltern ihres Heimatlandes, die bereits in dieser KiTa ein
erfahrungsorientiertes Verständnis des Lernens sich erarbeiten konnten. Ich empfehle
mit sprachgewandten Eltern anderer Herkunftsländer eine Art Übersetzer-Pool zu
gründen, auch wenn deren Kind bereits die Schule besucht und die KiTa verlassen hat.
Hier folgen nun ein paar Ideen zur Anregung für ein Elternbildungs-Programm aber
jedes Team sollte es sich selbst aufbauen.
Brainstormining für eine multidimensionale Bildungsstrategie in einer KiTa
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o ca. 3 x im Jahr einen Filmabend zum Thema „Lernen“ durchführen
o einen erfahrungsorientierten Elternabend über „Lernen im Stuhlkreis“ anbieten
o einen erfahrungsorientierten Elternabend mit Forscherfragen in allen
Bildungsräumen durchführen
o monatlich mit Hilfe einer Liste interessante Utensilien für einen jeweiligen
Bildungsraum einsammeln
o Im Flur eine „Weltwissen-Vitrine“ aufstellen, in der interessante Dinge liegen, die
man sich nach Hause ausleihen kann
o mittags spontan zu einer Ausstellung in einem Bildungsbereich einladen
o Samstags mit Vätern und Kindern in den Wald gehen (evtl. den Vätern einen
Auszug kopieren aus: Schäfer u. a.: Natur als Werkstatt, siehe Anhang)
o Originelle Fragen der Kinder an die Fenster malen, damit man sie bereits von
draußen sieht
o mit Kindern und Eltern in ein Museum fahren
o einfach zu lesende Artikel austeilen, z.B. von Reinhard Kahl (siehe www.archivder-zukunft.de und Literaturliste)
o Eltern über interessante Webseiten informieren
o In der Elternecke eine kleine Bibliothek zum Ausleihen aufbauen
Nach und nach werden sich Eltern entspannen, weil sie sich einen konstruktiven
Lernbegriff selbst aneignen konnten und sie nun darauf vertrauen, dass ihr Kind
selbstverständlich gerne und gut in der KITa lernt.
Durch Erfahrung und
Reflexion prägt sich neues
Lernen bald ein – Ohh!
Haiku, E. Hollmann
C Im Team Ballast abwerfen damit es leichter wird
Es ist nicht leicht, sich im Team von eingeübten Gewohnheiten zu verabschieden,denn
unser Gehirn hat sie gelernt. Gelingt es uns aber, die eingespurten Muster loszuwerden,
setzt das entspannende Ausatmen ein.
Der ILKE-Ansatz legt Wert auf lernbiografische Reflexionen. Mitunter ist es erst möglich,
in ein gewandeltes Lernverständnis zu gelangen, wenn wir uns von erlebten Dramen
rund um das persönliche Lernen verabschieden, bzw. erkennen, dass in solchen alten
Geschichten die Funken für unsere gegenwärtige Motivation herausleuchten. Es gilt, alte
Grauschleier wegzupusten, damit wir uns für eine lernfreudige Zukunft öffnen können.
Gut, wenn wir uns von perfektionistischen Idealen verabschieden. Dürfen wir fehlerfreundlich sein kommen unsere kreativen und disziplinierten Fähigkeiten in den Blick.
Begraben müssen wir unbedingt die Ansicht, dass Kinder durch angeleitete Angebote
viel lernen. Wenn wir diese Ansicht los sind, können wir uns für die Kunst öffnen,
animierende Szenarien zu gestalten, in denen Kinder nach dem Warum fragen.
Animierende Szenarien können nur die Sinne der Kinder locken in einer die
Wertschätzung spiegelnden RaumBildung. Dazu ist es oft notwendig, alle Räume zu
klären, vom Keller bis zum Dach. Bis nur noch die brauchbaren Dinge aufbewahrt
werden und die funktionstüchtigen, ist es oft ein anstrengender Weg, bei dem viele
Dinge im Container landen.
Gar nicht förderlich ist der Gedanke, erst müssten Kinder in sicheren Beziehungen leben
und dann könnten sie die Welt erobern. Es gibt kein Nacheinander, sondern eine
Gleichzeitigkeit. Kinder versuchen bereits in den ersten Tagen ihres Lebens alles
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Lebendige, auch die Dinge, zu erforschen und zu entschlüsseln – und dies immer in der
Interaktion und der Ver-Sicherung zu Bezugspersonen. Wenn wir das verstehen, fällt es
uns leichter das immense Bewegungsbedürfnis von Kindern zu achten und es wird
einsichtiger, dass sie überall im Haus Verlässlichkeit spüren müssen.
Über Bord werfen könnten wir auch die Vorstellung, „offene“ KiTas seien permanent
chaotisch. Zwar gibt es das durchaus, aber es ist nicht die Regel. Das Aufrechterhalten
des Vor-Urteils befreit uns offensichtlich von der Verantwortung, mit Kolleg/innen
verbindlich umzugehen und solche Strukturen gemeinsam zu entwickeln und
einzuhalten, die für eine geordnete Freiheit förderlich sind.
Als Ballast dürfen wir auch die weit verbreitete Meinung abwerfen, dass man sich erst
dann wandeln dürfe, wenn es dazu einen Impuls oder eine Anordnung vom Träger gibt.
Träger haben heute oft den Schreibtisch voller Akten, um die notwenigen Gelder
beschaffen zu können. Sie sind froh, wenn die Kitas oder Schulen mit eigenen Ideen
vorangehen und die Leitungskräfte im Wandlungsprozess stabil bleiben.
Dann möchte ich Pädagog/innen beim Ausmisten eines Haupt-Gedankens unterstützen
nämlich der Vorstellung Führungskräfte würden sich nicht genug kümmern... . Sie
kümmern sich, soviel sie können. Aber auch sie wollen nicht nur Kummer und sich
kümmern, sondern sich von der Idee der Lernlust anstecken lassen. In diesem Sinne....
Zusammenfassung
Stress in KiTas und Schulen, der durch falsche und / oder überfordernde Ansprüche der
Fachkräfte untereinander ebenso genährt wird wie durch wiederholende Kritik und
Abwertung aus Elternschaft, Trägerinstitution, Wissenschaft und Politik, führt zur DeMotivation bis hin zu Burn-out- Erkrankungen bei Pädagog/innen. Leidet ein KiTa-Team
(oder auch ein Schul-Kollegium) über längere Zeit unter Blockaden in der internen
Entwicklung, entsteht eine resignierende Stimmung in der Institutionskultur mit
entsprechend unklaren dunklen Botschaften und Resonanzen. Kinder werden auf diese
Weise seelisch belastet, müssen einfallsreich Wege finden, um in der Unklarheit
gesehen zu werden, jedenfalls sind sie dann nicht offen genug, „die Welt“ zu erkunden...
In dramatischen Situationen hilft Pädagog/innen ein aufmerksamer Rundum-Blick in ihre
umgebende Kultur, wobei es gilt, persönliche Anteile zu reflektieren, ebenso die
Beziehungen im Team, innerhalb des Trägerbereichs und nach außen. Die
RaumBildungen und zeit-organisatorischen Gestaltungen bilden den strukturellen Anteil
der Kultur. Besonders die aufmerksame Beachtung der RaumBildung wird zeigen,
inwieweit die zielorientierten Werte des Teams für Kinder eindeutig wahrnehmbar sind.
Der ILKE-Ansatz überwindet die Vorstellung, es käme allein auf die Kompetenz des
einen guten Pädagogen an, damit sich Kinder gesund und lernfreudig entwickeln. Denn
jede/r gute Pädagoge kann nur so kompetent sein, wie es ihr / ihm in einem System
erlaubt ist, seine Fähigkeiten zur Entfaltung zu bringen. Der ganzheitliche ILKE-Ansatz
zielt darauf ab über konstruktive und Entspannung fördernde Resonanzprozesse im
System einer Bildungseinrichtung alle Beteiligten – Kinder, Eltern und Pädagoginnen
zum Zusammenspiel zu ermutigen, damit sich in der Inspiration des Miteinanders die
vorhandene Lernmotivation der Kinder und der Pädagog/innen entfaltet.
Ich danke allen Pädagog/innen in KiTas, mit denen ich bis jetzt arbeiten durfte und
die mich immer motivierten, mit ihnen gemeinsam weiterzulernen!
Elisabeth Hollmann, 01.01.2011
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Anlage: Auswahl von Literatur, Filmen, Webadressen – nach
Kapiteln geordnet
Einleitung und Kapitel A:
Netz-tipps:
www.elisabeth-hollmann.de
www.gerald-huether.de
www.sinn-stiftung.de
www.uni-magdeburg.de/bio/hirnforschung.htm
www.verhaltensbiologie.com
Literatur:
Altner, N.: Achtsam mit Kindern leben: Wie wir uns Freude am Lernen erhalten. Ein
Entdeckungsbuch, München 2009
Ansari, Salman Dr.: Was heißt Frühförderung und naturwissenschaftliche Bildung im
Kindergarten? In: „Betrifft Kinder“, Heft 05 / 10, S. 6 – 15
Brandes, H.: Selbstbildung in Kindergruppen – Die Konstruktion sozialer Beziehungen, München
2008
Diskowski, D.: Der Elementar – wie auch der Primarbereich haben erheblichen
Entwicklungsbedarf; in: TPS, Heft 3 / 2010, S. 26 / 27
Greine, R.: Stress war gestern! Mehr Gelassenheit im KiTa-Alltag, Düsseldorf 2008
Hollmann, E.: Die Möglichkeiten der Welt müssen im Kleinen vorhanden sein; in: „klein&groß“,
Heft 11 / 06, S. 18 - 21
Hollmann, E.: „Alles was stark macht“ die KiTa als Resilienz förderndes Umfeld,
unveröffentlichtes Manuskript 2008
Horx, M.: Das Buch des Wandels – Wie Menschen Zukunft gestalten, München 2009
Hüther, G. Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. habil: Was kleine Kinder wirklich brauchen..., in: „Betrifft
Kinder“, Heft 05 / 10, S. 16 – 17
Hüther; G.: Wie aus Stress Gefühle werden – Betrachtungen eines Hirnforschers, Göttingen 2003
Kahl, R.: Schule träumen! Was wollen wir von der Bildung? in: „Betrifft Kinder“, Heft 11/12 09, S.
12 - 14
Liegle, L. Prof. Dr.: Wir brauchen eine Didaktik der indirekten Erziehung; in: „Betrifft Kinder, Heft
09 / 09, S. 6 – 13
Lüpke, G. v.: Altes Wissen für eine neue Zeit; Gespräche mit Heilern und Schamanen des 21.
Jahrhunderts, München 2008
Schäfer, G. E.: Anfängergeist – über Bildung und Beteiligung im frühen Kindesalter, in: Betrifft
Kinder, Heft 10 / 2008, S. 7 - 17
Schäfer, G. E. u.a.: Natur als Werkstatt, Weimer / Berlin 2009
Sievers, S. K. / Loh, N.W.: Das Wunder der Wandlung, Stellshagen 2009
1. Kapitel
siehe Literatur zur Einleitung.
Zum Thema „Wertschätzung verzichte ich auf viele Literaturangaben weil ich mich nicht unter
dem Überangebot spiritueller und psychologischer Veröffentlichungen im Themenbereich
„Gefühle“ und „Selbstführung“ entscheiden kann.
Leicht zu lesen und gut empfinde ich
- das Themenheft von „klein & groß“, Heft 10 / 04
- Furmann, Ben: es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben, Basel 1999
2. Kapitel
Weiß, K.: Es könnte so schön sein – der Wunsch nach Harmonie und der konstruktive Umgang
mit Konflikten; in: TPS, Heft 4 / 2010, S. 4 – 8
Weiß, K.: Teamentwicklung in der offenen Arbeit; in: Siegel B. (Hrsg): Offene Arbeit in
Kindertagestätten, Berlin 2008
3. Kapitel
Beek, Angelika v.d.: Bildungsräume für Kinder von drei bis Sechs, Weimar / Berlin 2010
Bendt, U. / Erler, C.: Spiel-buden-zauber – Sinnvolle Raumgestaltung in Kita und Krippe,
Mühlheim 2010
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20
Jacobs, D.: Kreative Dokumentation – Dokumentationsmethoden für Kindertageseinrichtungen,
Berlin 2006
Eine ausführliche Liste zur RaumBildung kann bei mir angefordert werden.
4. Kapitel
Ott, B. u.a.: Die systemische Kita, Weimar / Berlin 2007
Kapitel B
Filme:
 Akademie für Kinder: „Wie kommt der Ton aus dem Gong?“ (DVD 20 Min.), zu bestellen
über www.akademie-fuer-kinder.de
 Ansari, S. Dr.: Entdeckergeist – Forscherdialoge mit Dr. Salman Ansari, zu bestellen
unter www.agentur-digipaed.de/film
 Elschenbroich / Schweitzer: Filme zu bestellen bei www,donata.elschenbroich.de
o Die Dinge daheim. Ein Bildungshaus im Taubertal
o In den Dingen. Eltern und Kinder öffnen die Wunderkammern des Alltags
o Early Excellence im Wohnzimmer
(Filme wurden vorgestellt in: Betrifft Kinder, Heft 04/10)
 Spitzer, M: Lernen – Die Entdeckung des Selbstverständlichen. Ein Vortrag, bestellen
unter www.archiv-der-zukunft-de
 Spitzer, M: Erfolgreich lernen in Kindergarten und Schule. Vertrieb: Jokers edition
 Kahl, Reinhard: „Kinder“ – Dokumentarfilm (DVD 100 Min.) 2007, bestellen unter:
www.archiv-der-zukunft.de (dort gibt es weitere interessante Filme)
Artikel:
 Eilers-Sieling, M.: Interaktive Elternarbeit statt Elternrevolte – Ein Erfahrungsbericht über
den Prozess der Gruppenöffnung; in: TPS, Heft 04 / 10, S, 16 - 18
 Kempkens , M.: Werdende Eltern frühzeitig erreichen – Frühkindliche Förderung von
Geburt an, in: klein & groß, Heft 07-08/10, S. 30 – 33
 Omert, K.: Heute spielen, singen und tanzen die Eltern – ein Elternabend zum Thema
„Stuhlkreisspiele“, in klein & groß, Heft 05 / 10, S. 14 - 17
Kapitel C
Kühn, T. / Petcov, R.: Ich habe den Mut, nicht perfekt zu sein! Stärkung des Selbstwertgefühls
und Erziehung zu Verantwortungsbewusstsein und Selbstdisziplin; in: „klein & groß“, Heft 12 / 09
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