SVA wird zur Gesundheitsversicherung

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SVA wird zur Gesundheitsversicherung - Paradigmenwechsel in der
Sozialversicherung
Utl.: Vorsorgen statt heilen - SVA und Ärztekammer einigen sich auf weitreichende Reform und
beschließen umfassendes Präventionsprogramm
Wien, 30.11.2011. Vorsorgen statt heilen - mit einem revolutionären Schwenk wird die
Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft (SVA) ins Jahr 2012 starten. Aus der Krankenkasse
wird eine Gesundheitsversicherung, die ihre Versicherten mit einem individuellen
Gesundheitsprogramm zu einem bewussteren Lebensstil motiviert.
In enger Zusammenarbeit mit der niedergelassenen Ärzteschaft startet mit 1. Jänner 2012 das SVA
Vorsorgeprogramm „Selbständig Gesund“. Prävention wird im österreichischen Gesundheitssystem
noch immer zu wenig gefördert, obwohl die Zahlen eine deutliche Sprache sprechen:
Trotz einer hohen Lebenserwartung von durchschnittlich 80,4 Jahren, verlieren die Österreicherinnen
und Österreicher mehr als 20 Jahre an Lebensqualität durch Krankheit. Im Schnitt verleben die
Menschen nur 59,4 beschwerdefreie, gesunde Jahre, um 1,3 Jahre weniger als im EU-Vergleich. Der
Fokus im österreichischen Gesundheitswesen liegt nach wie vor in der Heilung von kranken
Menschen.
Ein hervorragendes Gesundheitssystem wie das österreichische und trotzdem eine
unterdurchschnittliche Zahl an gesunden Lebensjahren ist ein deutliches Signal: wir müssen
umdenken. Die SVA setzt nun als erster Player im Gesundheitssystem einen großen Schritt in
Richtung Prävention.
Vorbeugen statt heilen
Gemeinsames Ziel der SVA und der Ärzteschaft ist es, mit dem SVA Vorsorgeprogramm „Selbständig
Gesund“ die Versicherten zu einem Umdenken zu animieren. Sie sollen verstärkt auf ihre eigene
Gesundheit achten und möglichst lange beschwerdefrei leben. Es gilt zu vermitteln, dass jede und
jeder Einzelne für das Wohlbefinden selbst mitverantwortlich ist. Dass manche Krankheiten nicht „aus
dem Nichts“ auftauchen sondern „hausgemacht“ die Folge einer bestimmten Lebensweise sind. Egal
ob der oder die Versicherte seine eigene Gesundheit verbessern möchte, oder aktiv darauf achtet die
bestehende Gesundheit zu erhalten - mit dem Vorsorgeprogramm stellen sich SVA und Ärzten als
kompetenter Partner an die Seite der Versicherten.
Vorsorgeprogramm „Selbständig Gesund“
Im Rahmen eines Gesundheitschecks wird gemeinsam mit dem Haus- und Vertrauensarzt ein
individuelles, auf jeden Einzelnen abgestimmtes Programm erarbeitet, das entweder „Gesundheit
beibehalten“ oder „Gesundheit verbessern“ lautet. Zu 5 Gesundheits-Parametern (Blutdruck, Gewicht,
Bewegung, Tabak- und Alkoholkonsum) vereinbart der Arzt gemeinsam mit dem Patienten
Gesundheitsziele, die auf den Erhalt oder eine Verbesserung der erhobenen Werte innerhalb eines
bestimmten Zeitraumes abzielen.
Nach Ablauf des vereinbarten Zeitraumes (mindestens sechs Monate) gibt es einen so genannten
„Recall-Termin“, bei dem überprüft wird, ob die vereinbarten Gesundheitsziele auch erreicht wurden.
Durch die eigene, aktive Teilnahme an dem Programm und die Erreichung der Gesundheitsziele, wird
als zusätzlicher Anreiz nach 6 Monaten der Selbstbehalt halbiert!
Gleichzeitig werden neue Gesundheitsziele vereinbart, die dann im Rahmen von zukünftigen RecallTerminen überprüft werden. Sind alle Gesundheitsziele umgesetzt, ist die nächste Untersuchung dann
– abhängig von Alter und anderen Faktoren – erst nach zwei bis drei Jahren fällig.
Statements
Dr. Christoph Leitl, SVA Obmann
Die langen Verhandlungen mit den Ärzten haben sich gelohnt. Anfang des kommenden Jahres wird ein
richtungweisendes Reformpaket in Kraft treten, von dem sowohl die Patienten als auch die Ärzte profitieren
werden. Der Grundgedanke des neuen Systems: Ärzte werden SVA-Versicherte künftig nicht nur im
Krankheitsfall betreuen, sondern sie auch dabei unterstützen, ihre Gesundheit bestmöglich zu erhalten.
Das Gesundheitswesen braucht ein radikales Umdenken und wir wollen den Impuls dazu geben. Damit sich
unsere Selbständigen auf den Erfolg ihrer Betriebe konzentrieren können, sorgen wir für die
Gewährleistung von Krankheitsversorgung für den Fall des Falles. Um die beschwerdefreien, gesunden
Jahre zu verlängern, müssen wir uns gemeinsam in der Gesundheitsvorsorge engagieren. Dazu haben wir
mit der Ärztekammer ein neues Programm entwickelt: Ihr Arzt steht Ihnen in Zukunft auch als
Gesundheitscoach zur Seite – und hilft Ihnen so, Krankheiten rechtzeitig zu verhindern.
Dr. Walter Dorner, Präsident der Österreichischen Ärztekammer
Dass es zwischen Ärztekammer und Sozialversicherung der Gewerblichen Wirtschaft (SVA) in den
vergangenen Jahren tief greifende Meinungsverschiedenheiten gab, ist kein Geheimnis. Umso mehr erfüllt
es mich mit Stolz und Freude, dass unser oft heftiges Ringen nun zu einer richtungweisenden Lösung
geführt hat. Es war ein großes Verdienst von SVA-Obmann Leitl, ein Verhandlungsteam einzusetzen, das
an konstruktiven Gesprächen zum Wohle der Versicherten genauso interessiert ist wie die Vertreter der
Ärzteschaft. Ich freue mich, dass die SVA die Wichtigkeit von Vorsorgemaßnahmen erkannt hat. Die
Neuausrichtung von einer Kranken- hin zu einer Gesundheitskasse, die den Arzt auch in seiner Rolle als
Vertrauensperson und Gesundheitscoach anerkennt und fördert, ist bahnbrechend. Ich hoffe, dass dieses
Beispiel Schule machen wird.
Mag. Peter McDonald, Stv. SVA-Obmann
Das Programm soll die Eigenverantwortung fördern, sich selbst für ein möglichst langes gesundes,
beschwerdefreies Leben einzusetzen. Als SVA haben wir den Vorteil, ein bundesweit agierender Träger zu
sein mit einer Versichertengemeinschaft, die ungefähr 7% der österreichischen Bevölkerung entspricht. Wir
wollen im Kleinen vorzeigen, was mit Engagement und Innovationskraft in bestehenden Strukturen möglich
ist und mit unserem Vorsorgeprogramm Neuland in der österreichischen Sozialversicherung betreten.
Dr. Günther Wawrowsky, Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte und ÖÄK-Vizepräsident
Als Arzt weiß ich, dass gute Ratschläge allein den Patienten nicht immer zum Umdenken bewegen.
Deshalb halte ich das neue System der SVA für einen Meilenstein: Arzt und Patient vereinbaren
gemeinsam Gesundheitsziele, die regelmäßig überprüft werden. Ich bin sicher, dass positive Motivation ein
großer Anreiz ist, gesünder zu leben und damit vielen Zivilisationskrankheiten vorzubeugen. Erstmals hat
hier eine Krankenkasse den Vorsorgegedanken konkret in ihrem Leistungskatalog umgesetzt. Auch das
neue Gruppenpraxen-Modell wird den Patienten Vorteile bringen: Eine Unternehmerin, die weiß, dass die
Ordination ums Eck auch nach Geschäftsschluss besetzt ist, wird einen längst fälligen Arztbesuch nicht
aufschieben.
Und schließlich nimmt die SVA auch ihre Verantwortung gegenüber den jüngsten Mitversicherten wahr:
Ambulante kinder- und jugendpsychiatrische Betreuung psychisch belasteter Kinder beim niedergelassenen
Arzt ist nun keine Geldfrage mehr. Dieses Paket zeigt, dass es nur die richtigen Leute am
Verhandlungstisch braucht, um zu Lösungen zu kommen, die den Menschen wirklich etwas bringen.
Rückfragehinweis:
Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft
Maria-Anna Helmy, MAS
Tel: (01) 546 54-3452 oder 0676 8798 3452
E-Mail: maria-anna.helmy@svagw.at
Österreichische Ärztekammer
Mag. Andrea Riedel
Tel: (01) 5131833-45
E-Mail: a.riedel@aerztekammer.at
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