Hausarbeiten – Orientierungspapier

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Hausarbeiten – Orientierungspapier
3 gute Gründe, eine Hausarbeit zu schreiben
1.
Sie haben eine Frage und bearbeiten diese Frage in der Hausarbeit.
2.
Sie möchten etwas erklären, was Sie womöglich selber gerade verstanden haben.
3.
Sie haben etwas verstanden und möchten Ideen entwickeln, wie man dies in der
Schule umsetzen kann.
Diese drei Gründe habe ich vorangestellt, weil je nach Grund andere Bemerkungen dazu zu
machen sind.
Zu 1. Dies ist sicherlich die typische wissenschaftliche Hausarbeit und möglicherweise
gerade für Anfänger die am schwierigsten zu greifende.
- Die Fragen sind in den meisten Fällen relativ klein zu halten. (Wissenschaftliche
Erkenntnis ist kleinteilig.)
- Sie schreiben, wie Sie sich der Frage nähern und entwickeln eine Methode zu einer
Antwort zu kommen.
- Sie rezipieren die Literatur (dazu grundsätzliche Bemerkungen, s. unten). Dabei
geht es nicht um eine Aneinanderreihung von Meinungen und auch nicht von
Ergebnissen, sondern auch hierbei geht es darum zu verstehen, wie jemand zu
einem bestimmten Ergebnis kommt, insbesondere wenn es eine empirische Arbeit
ist, aber auch welche Gründe für die jeweiligen Ergebnisse sprechen.
Zu 2. Mein Tipp ist, sich den interessierten Laien vorzustellen, dem Sie etwas erklären. Es
soll ein Laie sein, weil es nicht darum geht, mir irgendwelche Fachbegriffe zu servieren,
interessiert, weil das für jeden Erklärenden der Idealfall ist. (Mit uninteressierten Schülern
müssen Sie sich noch früh genug rumschlagen.)
- Auch hier gilt, das Thema nicht zu groß zu wählen.
- Sie erklären auch die Fachbegriffe, wenn Sie sie benutzen.
- Die Erfahrung, die dieser Textsorte zugrunde liegt, ist durchaus, dass man
manchmal beim Erklären merkt, dass man es doch nicht ganz verstanden hat.
Zu 3: Da meine Kurse grundsätzlich fachwissenschaftlich sind, können Sie bei mir keine rein
didaktische Arbeit schreiben. Dennoch können Sie etwas Fachwissenschaftliches erklären
(wie bei 2.) und sich anschließend – bis zu einem Drittel – mit der Umsetzung beschäftigen.
Dabei sind Ihnen alle Schulstufen offen, das heißt Sie können auch gerne Übungszettel für die
Grundschule entwerfen, Spiele und alles Mögliche.
Zur Verdeutlichung nenne ich mal jeweils ein mögliches Thema:
1. Ist [] ein Phonem des Deutschen?
Hierin steckt die Beschäftigung mit dem Phonembegriff drin, was sind überhaupt
Phoneme, wie werden sie bestimmt? In jedem Fall müsste auch eine Beschreibung in
die Arbeit, wo dieser Laut vorkommt und ob er vorkommt. Und schließlich muss
abgewogen werden, ob – wenn man ihn denn aufnimmt oder nicht aufnimmt –
möglicherweise die jeweiligen Gründe nicht auch andere Laute oder Phoneme
betreffen müsste.
2. Erklären Sie, was eine Silbe ist.
3. Die Schreibung der Doppelkonsonanten
Sie haben zum Beispiel gelernt, dass das Silbengelenk die Grundlage für die
Schreibung von Doppelkonsonanten ist. Höchstwahrscheinlich haben Sie dieses
während ihres Studiums gelernt oder zumindest in seiner Konsequenz begriffen. In der
Hausarbeit erklären Sie zunächst diesen Sachverhalt. Die Schreibung von
Doppelkonsonanten ist Thema der 2. Klasse. Wie können Sie das hier umsetzen?
Zum Umgang mit Literatur:
1. Sie sollen natürlich bei den Hausarbeiten Literatur rezipieren und verarbeiten.
2. Literatur zu den meisten meiner Themen (also auch Seminare) finden Sie schnell in der
Bibliographie zur deutschen Grammatik am Institut für deutsche Sprache (www.idsmannheim.de) unter http://hypermedia.ids-mannheim.de/pls/public/bib.ansicht
Hier gibt es insbesondere ein relativ detailliertes Stichwortverzeichnis.
3. Bei manchen Themen wird es so sein, dass Sie die Literatur kaum schaffen können. Sie
sollen nicht in Literatur ertrinken. Gerade für die wissenschaftlichen Hausarbeiten ist es daher
angemessen und legitim, selektiv zu lesen.
4. Kommen Sie möglichst schnell weg von der reinen Einführungsliteratur. Die ist sehr
begrenzt. Versuchen Sie lieber, echte Forschungsliteratur zu lesen. Die Eisenberg-Grammatik
ist hier ein guter Anfang. Im Zweifel ist es mir lieber, wenn Sie einen echten Aufsatz
rezipieren und sich entsprechend die Zeit nehmen, ihn zu verstehen, als wenn Sie Massen von
Literatur aufhäufen und dann frustriert aufgeben.
Zur Entwicklung von Fragestellungen/ Themen
1. Manchmal ergeben die sich von selbst. Dann nehmen Sie das an. Hausarbeiten werden
meistens besser, wenn es ein Thema ist, das einen interessiert. Je mehr Interesse desto
besser.
2. Sie können von mir auch Fragestellungen bekommen.
3. Der Standardfall ist aber, dass Sie ein bestimmter Bereich interessiert und wir
entwickeln gemeinsam eine Fragestellung.
Was Sie nicht machen sollen:
1. PLAGIATE
Plagiate sind Betrug. Entsprechend werden sie als Betrugsversuch geahndet. Im selben
Semester ist eine Wiederholungsmöglichkeit nicht möglich. Sie können sich außerdem
vorstellen, wie viel Lust ich dann überhaupt noch habe, Arbeiten von Ihnen zu lesen.
Die Namen werden auf einer Liste bei der Institutsdirektorin gesammelt.
Sie müssen in jeder Hausarbeit mit ihrer eigenhändigen Unterschrift bestätigen, dass Sie die
Hausarbeit selbstständig und nur mit den angegebenen Hilfsmitteln verfasst haben.
2. Empfindlich bin ich, wenn eine Arbeit von unbewiesenen Behauptungen strotzt. Eine
beliebte Behauptung ist zum Beispiel ‚Deutsch ist eine schwere Sprache’ oder ‚Die deutsche
Orthografie ist völlig unlogisch’. Man kann aber aus solchen Behauptungen selbst
wunderbare Fragestellungen machen: Ist das Deutsche eine schwere Sprache? (Deswegen
auch der Hinweis, dass Fragestellungen vielleicht eher klein erscheinen sollen – wenn die
Fragen zu groß werden, sind solche Behauptungen unter Umständen gar nicht zu verhindern.)
Schriftliche Hausarbeiten und ihre Begründung:
Sie werden am Ende des Studiums nicht alle Themen der Germanistik behandelt haben, Sie
werden noch nicht einmal die deutsche Grammatik insgesamt explizit kennen. Sie werden
kein wandelndes sprachwissenschaftliches Lexikon sein. Aber Sie sollten in der Lage sein,
Fragen selbstständig zu bearbeiten und mit der Forschungsliteratur umzugehen.
Formalia
1. Länge: Es gibt bestimmte Längenangaben in den einzelnen Modulen und auch für die
Bachelorarbeit. Grundsätzlich gilt: Eine Arbeit wird nicht besser, weil sie länger ist.
Ich möchte nicht ausschließen, dass es gute Gründe gibt, wenn die eine oder andere
Arbeit mal länger wird, aber es muss dann eben auch diese guten Gründe geben. Also
wenn Sie mehr schreiben, geben Sie mir einen Grund, dass ich auch Lust habe weiter
zu lesen!
2. Zitieren: In der Sprachwissenschaft hat sich die so genannte amerikanische Zitierweise
durchgesetzt, das heißt den Namen, Jahr und Seitenzahl dann in Klammern, zum
Beispiel: Eisenberg (2006: 275). Im Literaturverzeichnis erscheinen dann die Stellen
vollständig. Fußnoten sind dann frei für andere Dinge, auch schön, oder?
3. Objektsprache muss im Text grundsätzlich ausgezeichnet werden, üblich ist kursiv,
zum Beispiel: „Das Substantiv Tisch flektiert wie die meisten anderen Maskulina.“
Kriterien für die Bewertung, je nach Typ der Arbeit
Typ 1:
1.
2.
3.
4.
5.
Typ 2:
1.
2.
3.
4.
5.
Gibt es eine Fragestellung?
Wird diese Fragestellung angemessen behandelt?
Wird schlüssig argumentiert?
Wie souverän wird mit der Literatur umgegangen?
Werden Methoden deutlich?
Wird der Gegenstand angemessen eingeführt?
Werden Fachtermini benutzt und eingeführt?
Sind die Erklärungen in sich schlüssig?
wie oben
wie oben
Typ 3:
wie 2.
Zusatz: Didaktische Umsetzung
1. Ist die didaktische Umsetzung der Sache angemessen?
2. Ist die didaktische Umsetzung der angegebenen Altersstufe angemessen bzw.
werden hier Probleme thematisiert?
3. (Wie kreativ ist die didaktische Umsetzung?)
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