berichtsvorlage-initialförderung-2007-teil-2

Werbung
Nr. 11
Thema:
Die Entwicklung von Methoden zur Mitwirkung von
Kindern und Jugendlichen.
Träger:
Stadt Aachen Jugendamt
52058 Aachen
Projekt:
Partizipation in Aachen - für und mit Jugendlichen
Laufzeit:
01.06.2007 – 31.05.2008
Gesamtkosten:
5.740,- €
Förderung 2007:
4.000,- €
Kurzbeschreibung:
Das Jugendamt plante, mit Jugendlichen ein kommunales Partizipationskonzept zu entwickeln.
Den Anlass hierzu gab eine Tagung zum Thema „Gewalt“, mit Fachkräften aus Jugendhilfe,
Schulen, mit Politiker/innen und Jugendlichen aus Aachen. Die Jugendlichen äußerten den
Wunsch, in Entscheidungsprozesse stärker eingebunden zu werden. Es gab in Aachen bereits
viele positive Ansätze zur Beteiligung in unterschiedlichen Bereichen. Die
Beteiligungsmöglichkeiten wurden jedoch in den Feldern um Jugendhilfe und Schule nicht optimal
genutzt. Hier galt es, Jugendhilfe und Schule zusammenzuführen, mit dem Ziel, dass sich junge
Menschen aktiv in die Gestaltung des demokratischen Gemeinwesens einbringen könnten. Ihre
Interessen, Wünsche und Bedürfnisse sollten systematisch in die sie betreffenden
kommunalpolitischen Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Das Recht auf Beteiligung
sollte in der Stadt strukturell verankert und ein kommunales Beteiligungskonzept hierzu entwickelt
werden.
Dieses Partizipationskonzept sollte nicht nur „für“, sondern mit Jugendlichen entwickelt werden.
Sie sollten als Experten in eigener Sache auftreten. Partizipation sollte nicht nur zum „Ding“ der
Multiplikatoren werden, sondern eine Sache der Jugendlichen selbst sein. Die Zugänglichkeit zu
dieser Beteiligung war zu sichern und den Mädchen und Jungen sollte in ihrem Lebensumfeld
frühzeitig und unmittelbar die Chance eröffnet werden, Spielregeln der Demokratie zu erfahren
und Veränderungsmöglichkeiten zu nutzen. Kinder- und Jugendbeteiligung sollte
37
Alltagsdemokratie werden. Der Entwicklungsprozess sollte den Grundgedanken von Beteiligung
berücksichtigen und ergebnisoffen angelegt sein.
Abschlussbericht des Projekts
„Partizipation in Aachen - für und mit Jugendlichen"
Die Projektergebnisse wurden in einer ausführlichen Projektdokumentation zusammengefasst
und im Jahr 2008 mit einer entsprechenden Vorlage dem Kinder- und Jugendausschuss der
Stadt Aachen vorgestellt und zur Kenntnis gegeben. Diese ausführliche Vorlage liegt dem
Landesjugendamt vor. Für eine Veröffentlichung im Rahmen dieser Berichtsvorlage ist die
Projekt-dokumentation zu umfangreich. Aus diesem Grund wird hier der Abschlussbericht der
Projekt-leiterin des Projekts sowie drei Schaubilder aus der Vorlage für den KJA der Stadt
Aachen ver-öffentlicht.
Eine umfassende Darstellung des Projektverlaufes und der Projektergebnisse sind der Anlage zu
entnehmen (KJA-Vorlage vom 19.06.08).
Der KJA hat die Projektergebnisse positiv aufgenommen, im zweiten Schritt sollen die
Arbeitsgemeinschaften zu diesem Thema angehört werden.
Die Stadt Aachen überprüft zurzeit wie das Partizipationskonzept in größere Zusammenhänge
eingebettet werden könnten. Im Rahmen der Euroregionale hat die Stadt Aachen die Route
Charlemagne beantragt. An unterschiedlichen, historischen Orten unserer Stadt soll Europa
"erlebbar" werden. Vorgesehen ist ein so genanntes Grashaus aus dem Mittelalter, in dem
beispielsweise der Stadtrat tagte, so das Thema "Jugend und Demokratie" sichtbar werden.
Diese Abstimungs-prozesse laufen noch.
Zu einem Projektbericht gehört auch eine kritische Reflexion: Was war zielführend? Was ist auch
an andere Kommunen zu empfehlen?
Tatsächlich war der partizipative Ansatz sehr erfolgreich. Hervorzuheben ist die mit Jugendlichen
besetzte Lenkungsgruppe. Nicht selten wurden die Diskussionen von ihnen dominiert und
entscheidend mitgeprägt. Der Wunsch nach einem Jugendparlament wurde hier offensiv
vorgetragen. Die Zukunftswerkstatt, die fachlich auf sehr hohem Niveau von der Firma Partitour
geleitet wurde, zeigt sehr schön, was Kinder und Jugendlich bewegt, wie sie sich eine
kinderfreundliche Stadt vorstellen und in welcher Form sie hier mitwirken möchten und könnten.
Eine große Unterstützung haben wir durch die Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung
erfahren. Das Konzept ist inhaltlich sehr stark durch die Ergebnisse beeinflusst. Das Thema
Partizipation ist inhaltlich schwer zu fassen, da es sehr viele unterschiedliche Aspekte beinhaltet.
38
Die Bertelsmann Stiftung lieferte die Struktur Partizipationskonzeptes und hatte zudem die
Funktion die Aachener Befragungsergebnisse extern zu validieren.
Wenn man sich die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt anschaut, dann finden sich in den
Forderungen der Kinder durchaus die Eckpunkte des Konzeptes und den Empfehlungen der
Bertelsmann Stiftung wieder: Die Bertelsmann Stiftung formuliert, dass alle Beteiligten sich
qualifizieren müssen, die Kinder drücken es einfacher aus, indem sie sagen, sie müssten vorher
Bescheid wissen, damit sie wissen wovon sie reden. Die Einbindung der Fachhochschule
Aachen, nicht nur als Auftragnehmer für die Befragung, war eine Bereicherung. Einige Studenten
engagierten sich in der Lenkungsgruppe und brachten den Gedanken der Partizipation mit ihrer
Praktikumsstellen. Eine Studentin motivierte über 30 Hauptschüler an der Zukunftswerkstatt an
einem Samstag teilzunehmen. Das zeigt die nächste Erkenntnis: besonders benachteiligte Kinder
und Jugendliche brauchen eine kontinuierliche Ansprache, um sich an Demokratieprozessen zu
beteiligen.
Nicht ohne Stolz kann betont werden, dass es uns gelungen ist sowohl in der Lenkungsgruppe
und in der Zukunftswerkstatt besonders viele Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund
anzusprechen.
Die Kooperation mit Schule schon zum Zeitpunkt der Konzeptentwicklung hat neue Wege
aufgezeigt: Lehrer/innen sind - mehr als vorher von der Jugendhilfe erwartet - an einer Integration
von Beteiligungsthemen im Unterricht zum Beispiel im Rahmen von Projektgruppenarbeit
interessiert. Nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit der Vorsitzenden des KJA's zeigte seine
Wirkung. So wurden die Ergebnisse direkt in die Fraktionen getragen und Diskussionsprozesse
angestoßen. Die Jugendlichen haben es als Aufwertung empfunden, dass sie in der
Projektgruppe mit Lokalpolitikern arbeiten konnten.
Zum Zeitpunkt der Antragsteilung waren wir zunächst davon ausgegangen, dass sich die
Zielgruppe auf die Jugendlichen ab 14 Jahre beziehen sollte. Die konkrete Arbeit mit den
Grundschulen und den Kindergärten lehrte uns was anderes: wir müssen hier ansetzen
Beteiligung als pädagogisches Handeln konkret im Lebensalltag umzusetzen. Erstaunt waren wir
von der Qualität und der Fähigkeit der Kleinen sich zu den Themen der Beteiligung zu äußern.
Das Projekt hat für wertvolle Anstöße für mehr Partizipation in Aachen gegeben. Auch aus
diesem Grund hat die Stadt Aachen ihren Eigenanteil an diesem Projekt erheblich erhöht. Die
Stadt Aachen bedankt sich ausdrücklich für die Initialförderung.
39
Um die Gesamtstrategie sicherzustellen, wurde von der Projektgruppe folgendes
Beteiligungsmodell vorgeschlagen (Schaubilder 1 bis 3):
Organisationsmodell der Jugendräte im Überblick (Schaubild 2):
40
Beteiligungsnetzwerke in der Stadt (Schaubild 3):
41
Nr. 13
Thema:
Die Einbeziehung junger Behinderter in die Angebote
der Jugendhilfe.
Träger:
Zentrum für Körperbehinderte e.V.
41066 Mönchengladbach
Projekt:
Psychomotorische Förderung für Grundschulkinder mit
und ohne Behinderung
Laufzeit:
01.08.2007 – 31.12.2007
Gesamtkosten:
4.755,95 €
Förderung 2007:
3.329,- €
Kurzbeschreibung:
Ziel des Projekts war die Förderung und Begleitung benachteiligter Kinder (1. bis 4.
Grundschuljahr) Kinder mit und ohne Behinderung und Kinder mit besonderen
Lernschwierigkeiten. Durch die Förderung der motorischen, sozialen und sprachlichen
Entwicklung der Kinder, sollte eine verbesserte, gesellschaftliche Integration sowie eine
Verbesserung der Bildungschancen erreicht werden.
Das Projekt sollte unter Einbeziehung der Lehrerinnen und Lehrern und der Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern der Offenen Ganztagsschule der Gemeinschaftsgrundschule Neuwerk stattfinden.
Erzieherinnen/Erziehern, Lehrerinnen/Lehrern und Eltern sollten gemeinsam die
Fördermöglichkeiten und konkrete Bewältigungsstrategien für die positive Entwicklung der Kinder
erarbeiten und so die Lernfähigkeiten der Kinder verbessern.
So sollten die Verbesserung der Lern-, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit, die
Bewältigung ihrer Ängste vor den eigenen Schwächen und Konflikten und die Förderung des
42
Selbstbewusstseins zur Persönlichkeitsstärkung im sozialen und motorischen sowie sprachlichen
Bereich erreicht werden.
Abschlussbericht des Projekts
„Psychomotorische Förderung für Grundschulkinder mit und ohne Behinderung"
43
44
45
Gruppe II Einschätzung der Kinder
Name
Einschätzung
Berkay
Ist insgesamt sehr angespannt, ist nicht immer in der Gruppe
integriert, reagiert teilweise bockig.
Resümee: Berkay kann seine Stimmungsschwankungen besser
kontrollieren.
Leon
Ist gleich bleibend in Gruppe integriert, nimmt Kontakt auf, wird
von den anderen Kinder geschätzt.
Resümee: Leon hat gut gelernt sich auch mal zurück zu nehmen.
Nico
Muss ständig um seinen Platz in der Gruppe kämpfen, wird oft ausgegrenzt, wird provoziert soweit, dass er nicht an Gruppe teilnimmt.
Resümee: Nicos Verhalten hat sich nicht wesentlich verändert.
Simon
"gut erzogen", kann sich gut integrieren, ausgleichenden Einfluss auf
die Gruppe.
Resümee: Simon zeigt eine größere Hilfsbereitschaft.
46
Moritz
"gut erzogen", kann sich gut integrieren, fungiert teilweise als Regulativ.
Resümee: Moritz hat einen positiven Einfluss auf die Gruppe.
Fabian
Stimmungsschwankendes Verhalten, wechselnd integriert, hat eher
Position des Außenseiters. Äußert recht deutlich seine Zuneigung bzw.
Abneigung für/gegen Klassenkameraden. Vergreift sich gegenüber den
Erwachsenen teilweise im Ton (Distanzlos).
Resümee: Fabian zeigt ein zunehmend besseres Selbstwertgefühl.
Daniela
Selbstbewusst, manchmal dominant, gut integriert, fungiert teilweise als
Regulativ.
Resümee: Daniela hat gelernt ihre Bedürfnisse auch mal der Gruppe
unterzuordnen.
Marei
Ruhig, abwartend, integriert, orientiert sich oft an Daniela, die für sie mit
regelt.
Resümee: Marei zeigt mittlerweile ein sichereres Auftreten und ist in der
Lage, einige ihrer Bedürfnisse offen zu äußern.
Gruppe I Einschätzung der Kinder
Name
Einschätzung
Vincent
Braucht klare Ansagen, reagiert positiv auf Punkte-System, kann sich
besser regulieren, ist insgesamt mit der Gruppengröße überfordert.
Fühlt sich nicht gut integriert und wird von den anderen Kindern nicht
gut angenommen.
Resümee: Vincent konnte nicht von dem Angebot profitieren.
Can-Noah
Relativ ausgeglichen, gut integriert, nimmt Kontakt auf.
Resümee: Can-Noah kann Regeln besser akzeptieren.
Franziska
Wollte zwischendurch nicht mehr mit machen, hatte wenig Kontakt.
Ist jetzt gut integriert, übernimmt gerne auch mal die Führung und ist
enttäuscht, wenn es nicht so läuft, wie sie es sich vorgestellt hat.
Resümee: Franziska hat gelernt nicht nur eigene Bedürfnisse in den
Vorgrund zu stellen.
Jasmina
Recht wechselhaftes Verhalten, nimmt sich manchmal zurück, hat
ein großes Mitteilungsbedürfnis.
Resümee: Jasmina hat gelernt sich besser zu organisieren und nicht
jedem Impuls nachzugehen.
Justin
Ist mittlerweile gut integriert, nimmt Kontakt auf, wird angesprochen,
zieht sich nur noch selten zurück.
Resümee: Justin hat gelernt aktiv an Gruppenangeboten teil zunehmen.
Lina
Ist ruhig, ist integriert, nimmt Kontakt auf, wird angesprochen.
Resümee: Lina kann sich aktiver einbringen.
Rosinda
Spielt gerne mit, übernimmt gerne mal die Führungsrolle, manchmal
wild, draufgängerisch.
Resümee: Rosinda hat gelernt ihr Verhalten der Situation angemessener
zu steuern.
47
Annika
Spielt für sich, nimmt keinen Kontakt zu den Kindern auf, wird von den
anderen Kindern nicht mit einbezogen (inwieweit nehmen die anderen
Kinder sie wahr?), kommt mit ihren Beschwerden zu den Erwachsenen.
Resümee: Annika Verhalten hat bislang keine Veränderung gezeigt.
Marvin
Wechselhaftes Verhalten, braucht klare Struktur (Punktesystem), recht
gut integriert, kann schlecht verlieren, niedrige Frustrationstoleranz.
Resümee: Marvin zeigt eine gute Verbesserung im Bereich der Frustrationstoleranz.
Sascha
Kann gut mit Regeln umgehen, braucht sie auch. Ist teilweise recht
draufgängerisch (Dosierung), ist integriert, tut manchmal recht cool,
lässt nichts an sich heran.
Resümee: Sascha hat gelernt sich besser an Regeln zu halten.
Anregungen für die Jugendhilfe im Rheinland
Die Integration von Kindern mit und ohne Behinderung sollte weiter gefördert werden. Viele
Kinder sind heute auch dadurch behindert, dass sie starke Verhaltensauffälligkeiten haben, die
sie beeinträchtigen und dazu führen, dass sie große Schwierigkeiten in der Schule haben.
Lehrerinnen können in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Kinder- und Jugendhilfe lernen mit
"schwierigen" Schülerinnen umzugehen.
Die Zusammenarbeit von Erzieherinnen bzw. Sozialpädgoginnen und Sozialpädgogen mit
besonders qualifizierten Pädagog/innen und/oder Therapeut/innen, z.B.
Entspannungspädagoginnen, Gestaltungstherapeutinnen, Ergotherapeut/innen hilft den Kindern,
individuell auf sie bzw. auf eine Problemgruppe ausgerichtete Angebote erhalten zu können.
Die Einbeziehung der Eltern in Kinder- und Jugendprojekte ist sehr wichtig, um den Eltern
Kompetenzen im Umgang mit ihren, z.T. "schwierigen" Kindern zu vermitteln. Die Eltern sollen
lernen, Hilfe einzufordern. Sie sollen v.a. niedrigschwellige Anlaufsteilen kennen lernen an die sie
sich mit erzieherischen Problemen wenden können. Dies hilft der Verwahrlosung und
Vernachlässigung von Kindern vorzubeugen.
Die Kinder sollen durch Projekte frühzeitig ihre Stärken und Schwächen kennen zu lernen. Sie
sollen auch in komplexen, schwierigen Situationen nicht an sich selbst zweifeln, sondern Hilfe
einfordern. Dies hilft, späterem Drogenkonsum und Gewalttaten vorzubeugen.
48
Nr. 15
Thema:
Gewalt- und Suchtprävention
Träger:
Evangelische Kirchengemeinde KOT Zille
52511 Geilenkirchen
Projekt:
Back to nature
(Soziales Training für delinquente Jugendliche)
Laufzeit:
01.07.2007 – 31.07.2007
Gesamtkosten:
2.850,- €
Förderung 2007:
2.550,- €
Kurzbeschreibung:
Ziele dieses elementaren „(Über-) Lebens- Training“ in der Natur waren die Erlangung sozialer
Integration (durch Sensibilisierung der Sinne und des Erlebens in der Gruppe), Stärkung des
Selbstbewusstseins und Selbstwertgefühls, Erhöhung sozialer Handlungskompetenzen (durch
das Gruppengefüge und die Übernahme von Verantwortung) sowie das Erlernen von Verhaltensund Problemlösungsstrategien.
Die Zielgruppe des Projekts waren Mädchen und Jungen, die in der Gesellschaft durch ihr
mangelndes Sozialverhalten auffielen und gerichtlich bereits in Erscheinung getreten waren.
Delinquente Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren, die von der Jugendgerichtshilfe
empfohlen wurden, bzw. Klienten, die in der Einrichtung des Trägers aufgrund ihres defizitären
Verhaltens auffällig geworden sind.
Das Thema „Gewaltprävention“ sollte durch elementare Erlebnisse innerhalb der Gruppe aktiv
erarbeitet werden und den Jugendlichen die Möglichkeiten einer veränderten
Selbstwahrnehmung, einer positiven Entwicklung der Persönlichkeit und die Integration in das
gesellschaftliche System mit all seinen Regeln ermöglichen. Die Jugendlichen sollten lernen,
Konflikte konstruktiver zu gestalten und Grenzen sowohl die eigenen als auch die der anderen zu
wahren.
49
Abschlussbericht des Projekts
„Back to nature"
Evangelische Kirchengemeinde
Offene Jugendeinrichtung „Zille“
Geilenkirchen
Einleitung
Wie schon im Konzept erwähnt, ist die Idee zum Konzept durch jahrelange Erfahrung mit
delinquentem Klientel gereift: Die Jugendlichen sollen in der Natur zurück zu ihren Sinnen finden,
den eigenen Wert als wichtiges Gruppenmitglied erkennen und Grenzen erfahren. Ein Projekt,
welches gerade dieses Klientel berührt, bzw. "wach macht", welches ihnen hilft, sich selbst neu
zu entdecken und ihre Fähigkeiten zu erkennen, um später in ihrem Alltag neue Wege
beschreiten zu können und sich selbst "wahr zu nehmen". Dieses Projekt war ein voller Erfolg
und ich danke dem Landschaftsverband für die Ermöglichung. Dies ermutigt uns, das Projekt
auch in den nächsten Jahren an zu bieten und es somit weiter zu entwickeln.
1. Die Projektleiter
Die professionelle Leitung des elementaren ,,(Über-) Lebens-Training" in der Natur wurde von
Robby 't Lam übernommen, welcher aufgrund seiner Ausbildung und langjährigen
Berufserfahrung bestens dafür geeignet war:
Er war Hauptfeldwebel und Ausbilder in verschiedenen Bereichen bei der niederländischen
Marine-Infanterie und kennt sich mit den Überlebensstrategien und mit dem Umgang in der Natur
aus. Dies bewies er vor Ort vor allem durch seine gezielte Vorgehensweise und einer Ruhe,
welches gerade für das Klientel von großer Bedeutung war. Die psychosoziale Betreuung der
Gruppe wurde von mir selbst (Erzieherin und Dipl. SA/ SP). Durch meine alltägliche Arbeit
(Leitung der KOT "Zille" in Geilenkirchen) mit dem Klientel, der Beratungsarbeit, den
Gruppenangeboten und sozialen Trainings entspreche ich ebenfalls den qualitativen Ansprüchen.
Zudem absolviere ich seit März 2006 die Langzeitfortbildung zur "Anti- Gewalt- und
50
Deeskalationstrainerin" beim Landschaftsverband Rheinland. Deeskalationsmaßnahmen und vor
allem alltägliche psychosoziale Betreuung wurden vom Klientel benötigt und gefordert. Somit gab
es nach der Konzeption eine klare Aufgabendefinition der Betreuer, welche in der Praxis optimal
umgesetzt wurde.
2. Zielgruppe
Zielgruppe für dieses Projekt waren Jungen und Mädchen, die in der Gesellschaft durch ihr
mangelndes Sozialverhalten auffallen und gerichtlich bereits in Erscheinung getreten sind. In
diesem Jahr handelte es sich nicht um Jugendliche, die von der Jugendgerichtshilfe empfohlen
wurden, da eine entsprechende Kooperation aufgrund bereits laufender Verträge mit anderen
Institutionen sich schwierig gestaltet. Bei der Auswahl der Zielgruppe hat somit das Jugendamt
nicht mit entschieden.
Dies ist sicher im nächsten Jahr noch zu verbessern durch Kooperationsarbeit. Trotzdem wählten
wir Jugendliche, die in der Einrichtung "Zille" aufgrund ihres defizitären Verhaltens auffällig
geworden sind. Die Einrichtung selbst hatte somit die volle Verantwortung. Es handelte sich um
Jugendliche verschiedener Herkunft.
Jugendbeschreibung der Teilnehmer (ohne Nachnahmen):
Maurice (* Januar 1993): Er fällt im offenen Betrieb durch seine niedrige Frustrationstoleranz auf.
Zudem fühlt er sich oft durch seine dunkle Hautfarbe diskriminiert. Sein Vater ist afrikanischer
Herkunft. Es besteht Grund zur Annahme, dass er Cannabis konsumiert. Während des Projektes
wurde Maurice zusehends ruhiger und auch zufriedener. Ihm war es sehr wichtig, es zu schaffen,
im Wald zu schlafen. Er sonderte sich nachts von der Gruppe ab und schlief in der Waldhütte der
Betreuer, weil er nicht so lange wach bleiben wollte. Gerade am letzten Tag lachte er sehr viel,
was bei ihm selten zu beobachten ist. Auf seine Arbeit gelang es ihm, sich sehr zu konzentrieren.
Gerade mit Charles versteht er sich nicht sehr gut. Am ersten Tag wäre es beinahe eskaliert.
Doch nach und nach lernte er, ihm aus dem Weg zu gehen und sich nicht mehr provozieren zu
lassen. Während der Gruppenaktionen gelang es ihm sogar, diplomatisch mit Charles um zu
gehen!
Domenique (*Dezember 1990): Er hat durch seine auffällige Art und Weise (ADHS) bereits
mehrere Schulen besucht. Z.Z. besucht er die Sonderschule für Schwererziehbare. Durch seine
Suchttendenzen und seine Transsexualität gibt es familiäre und soziale Schwierigkeiten. Hinzu
kommt, dass er kaum mit Autorität zu Recht kommt. Er selbst ist afrikanischer Herkunft. Die
Maßnahme war für ihn ein harter Belastungstest. Zunächst wollte er gar nicht in der Natur
übernachten und zog sich spät nachts stets wieder in die Grillhütte zurück. Da diese jedoch wenig
Luxus bietet, war dies auch ein "Naturerleben". Gerade Dominique neigt dazu, Regeln zu testen
und zu überschreiten. Doch gerade die letzten 2 Tage hatte er keine Chance mehr dazu. Denn
51
nicht nur die Betreuer sanktionierten ein solches Verhalten, auch die Gruppe entsolidarisierte sich
davon. Somit gelang es ihm auch, sich für seine Verhältnisse, anzupassen.
Bianca (*Juli 1993): Durch ihren Bruder, der länger in einer JVA war, hat sie ein sozial nicht
förderliches Umfeld. Somit ist ihr Sprachgebrauch von der Gesellschaft nicht an zu erkennen und
weist sie Suchttendenzen auf. Ihre Eltern sind geschieden. Durch Diebstahl ist sie bereits
aufgefallen. Auch in der Einrichtung gilt es, sehr behutsam mit Wertgegenständen um zu gehen.
Gerade während der Bauphase versuchte sie stets wieder ihre Kameraden alleine bauen zu
lassen und zu pausieren. Somit gab es mit ihr viele Gespräche über Kameradschaft und Loyalität.
An den letzten beiden Tagen, war sie ein fester Teil der Gruppe und es gab keine
Schwierigkeiten mehr bei aufgetragenen Arbeiten.
Daniela (* Juli 1992): Durch einen sehr gewalttätigen Bruder und problematische familiäre
Verhältnisse, fällt sie in der Einrichtung oftmals durch Drohungen auf. Ihre Gewaltbereitschaft
zeigt sich ebenso in der Schule. Konflikte löst sie mit Gewalt oder mit Beleidigungen und
Geschrei. Ihr Vater ist Marokkaner und scheint sehr autoritär zu sein. Während des Projektes
wurde sie zeitweise sehr aggressiv, da sie keine Zigaretten rauchen durfte. Zwar rauchten die
meisten heimlich, doch bereits nach einem Tag gingen ihnen die Zigaretten aus. Dies brachte sie
und auch Domenique an ihre Grenzen. Ich nutzte es, um ihr ihre Suchttendenzen deutlich zu
machen. Sie integrierte sich in die Gruppe und kam gut mit den anderen Teilnehmern aus.
Marcel (*September 1991): Er ist strafrechtlich bereits häufiger wegen Körperverletzung in
Erscheinung getreten und hat hochgradig ADHS. Bei Konflikten wird er sehr unruhig und weist
kaum Möglichkeiten zu Lösungen auf. Dies führt dazu, dass er schnell zuschlägt. Alkoholkonsum
gehört für ihn zu Feiern dazu, wobei ich hier keine klare Suchttendenz erkenne. Während der
Fahrt übernahm er nach und nach eine führende Rolle. Er ging auf Konflikte ein, sprach mit den
Betreuern und schaffte es leicht, auf Zigaretten zu verzichten. Gerade durch die Verstärkung der
Betreuer wuchs er über sich hinaus und übernahm für sich und seine Kameraden Verantwortung.
So handelte er beispielsweise sofort, als einem Gruppenmitglied die Ration gestohlen wurde und
teilte seine mit der Person. Zudem fühlte er sich persönlich für den jüngeren Moritz zuständig und
passte vor allem nachts auf ihn auf und verteidigte ihn, wenn ein Gruppenmitglied schlecht über
ihn sprach.
Charles (*Mai 1991): Er ist strafrechtlich bereits in Erscheinung getreten. Seinen CannabisKonsum hat er jedoch mittlerweile im Griff. Selbst gibt er an, dass es nicht immer einfach ist.
52
Somit gibt es klare Suchttendenzen. Er verfügt über eine hohe Kommunikationskompetenz.
Trotzdem zeigte er im offenen Betrieb auch Gewaltbereitschaft. Sein Vater ist amerikanischer
Herkunft und lebt in Amerika. Zu Hause ist er aufgrund von Konflikten mit dem Vater
permanentem Druck ausgesetzt. Während der Fahrt war Marcel sein engster Partner.
Sie ergänzten sich gut und motivierten sich gegenseitig, wenn ihnen beim Bauen die Lust
verging. Gemeinsam überwanden sie ihre Angst und schliefen konsequent draußen in ihrer
eigenen Hütte. Er gab nach der Fahrt an, sehr stolz gewesen zu sein auf sein Handeln. Doch
leider hätten seine Eltern dazu nichts gesagt. Die Passivität der Eltern sehe ich als eines seiner
Hauptprobleme was seine Suchttendenzen angeht.
Moritz (* Juni 1993): Er ist ein Sohn des Försters vom Jugendwaldheim und hat sich aus reinem
Naturinteresse angemeldet. Weder Sucht- noch Gewalttendenzen sind bei ihm zu beobachten.
Dies hatte wiederum einen positiven Einfluss auf die Gesamtgruppe. Nach anfänglichem Zögern
ging er unvoreingenommen auf die Gruppe zu und schaffte es, vor allem durch Marcels Hilfe, von
dieser akzeptiert zu werden. Dadurch hatte er mit seiner ruhigen Art Einfluss auf die
Gesamtstimmung.
Fazit: Vor allem am ersten Tag gab es häufiger Streit zwischen den Individuen. An allen Tagen
war somit psychosoziale Betreuung notwendig. Häufig drohten Konflikte zu eskalieren und es
wurden neue Konfliktlösungsstrategien erprobt. Am dritten Tag erkannte man deutlich, dass die
Gruppe zusammenwuchs. Sie entsolidarisierten sich zusehends mit Einzelnen, die sich nicht an
Regeln hielten. Über ihre Empfindungen nach der Arbeit, nach den Spielen und auch während
der Nacht redeten sie immer offener. Gerade durch die positive Verstärkung, d.h. das Lob der
Betreuer und das Ergebnis ihrer eigener Arbeit, wuchs ihr Selbstbewusstsein. Dies äußerten 5
von 7 Jugendlichen bei der anschließenden Reflexion: "Wir haben ganz schön was geschafft...",
war z.B. eine Aussage. Die Regel, dass die Jugendlichen nicht mal Zigaretten rauchen dürfen,
wurde allerdings etwas entschärft. Denn die Nerven der Jugendlichen waren gerade dadurch bis
zum Zerreißen gespannt. Somit gingen wir ihnen nicht dauernd nach, wenn sie sich zurückzogen.
3. Rahmenbedingungen
Im Konzept habe ich beschlossen, dass maximal 8 Personen teilnehmen dürfen. Beim Projekt
haben 7 Personen teilgenommen. Durch die Strapazen, die selbst die Betreuer wahrnehmen und
somit einer hohen Belastungsgrenze ausgesetzt sind, halte ich eine Teilnehmerzahl von maximal
8 Personen für gut kalkuliert. Die Dauer des Projektes war ebenfalls gut kalkuliert, wobei durch
den ständigen Regen auch 3 Tage und 2 Nächte, statt 4 Tage, denkbar wären. Statt einem
Waldgebiet in Belgien o.ä. haben wir das Waldgebiet des Jugendwaldheimes Hürtgenwald
53
gewählt. Dies erwies sich als eine sehr gute Wahl, da die Förster vor Ort sehr offen für unser
Projekt waren und wir somit die Möglichkeit hatten, die sanitären Anlagen zu nutzen. Die
Kleidung der Marine-Infanterie war bestens geeignet, da wir so auf jedes Wetter vorbeireitet
waren.
4. Finanzierung
Die meisten Familien haben finanzielle Schwierigkeiten, so dass es einigen nicht möglich war, die
Kosten für die Fahrt zu übernehmen.
5. Inhalte und Methoden
Grundlage für das Angebot war ein systemischer und konfrontativer Ansatz (in Anlehnung an das
therapeutische Basisverhalten aus der Systemischen Therapie): Systemische Zusammenhänge
und interpersonelle Beziehungen werden als Grundlage für das auffällige Verhalten von
Jugendlichen gesehen. In unserem Projekt haben wir das gewohnte Umfeld und die gewohnten
Regeln verändert, bzw. neue Regeln geschaffen. Somit haben wir Einfluss auf das gewohnte
System der Jugendlichen und den einhergehenden interpersonellen Konflikten genommen. Die
Teilnehmer hatten die Möglichkeit, sich selbst neu wahrzunehmen durch ganzheitliche
Erfahrungen (mit allen Sinnen). Alte Verhaltensmuster zeigten sich im Zusammenwirken der
"neuen" Gruppe und konnten so bewusst gemacht und durch neue Erfahrungen bereits am
zweiten Tag sichtbar durchbrochen werden. Gewohntes Verhalten wurde reflektiert, und neue
Methoden wurden in der Gruppe praktisch erprobt. Die Natur als neues Umfeld sah ich dabei als
sehr hilfreich an. Ich arbeitete dabei praxisorientiert und konfrontativ. Dies hat sich auch hier als
sinnvoll erwiesen, da diese Form direkt und spürbar greift. Unbedingte positive Wertschätzung,
sowie emotionale Wärme bildeten ebenfalls das pädagogische Basisverhalten. Aus diesem
Basisverhalten erwuchs ein gesundes Vertrauen der Jugendlichen, die auch von privaten
Erlebnissen offen sprachen. Im Blick waren in erster Linie die Fähigkeiten des Klienten. Probleme
ergaben sich für die Jugendlichen durch das nahe miteinander, der Arbeit (das Bauen) und durch
ihre mangelnde Belastbarkeit und Konfliktlösungsmöglichkeiten. Kontext und Fähigkeiten wurden
nach und nach angepasst. Sie lernten miteinander um zu gehen und sich den Strapazen zu
stellen.
Die Inhalte und Methoden:
Gespräch zu Beginn der Maßnahme: Weshalb seid ihr dabei? Welche Erwartungen und Ziele
bringt ihr selbst mit? (Positive Zielformulierung) An dieser Stelle sollte sich die Gruppe in
Paaren zusammen finden und sich gegenseitig befragen. Da es für die Einzelnen zu
54
schwierig war, selbständig in Kleingruppen zu arbeiten, lösten wir diese Aufgabe direkt in der
Großrunde.
-
Tag 1 des Überlebenstrainings: Ort aufsuchen und mit dem Bauen der r"', Unterkunft
beginnen. Nach dieser Strapaze hielten wir es nicht mehr für angebracht, eine Nachtwanderung zu machen.
-
Tag 2 des Trainings: Unterkunft weiterbauen und Nahrungszubereitung. Danach waren
die Jugendlichen am Ende ihrer Kraft und ihrer Motivation.
-
Tag 3 des Trainings: Wir bauten keine Schlafsäcke mehr, da dies die Jugendlichen
überfordert hätte. Statt dessen boten wir Spiele zur Sinneswahrnehmung an, gingen mit
den Jugendlichen klettern und abends konnten sie in der Hütte grillen. Dies bauten wir
ein, um die Motivation wieder herzustellen. Es ist gelungen.
-
Tag 4 des Trainings: Abbau
-
Es gab keine Nachtwachen, weil die Jugendlichen sehr mit den Eindrücken beschäftigt
waren. Sie wählten ihre eigene Verantwortung während des Tages für einander. Somit
ließen wir diesen Punkt aus. Ein weiterer Grund war die Erschöpfung, welche man den
Jugendlichen abends anmerkte. Hier ist ein wesentlicher Unterschied zu gewöhnlichen
Ferienfahrten zu erkennen. Es galt also, eine Überforderung zu vermeiden und ihnen die
Nachtruhe zu gewähren.
- Täglicher Erfahrungsaustausch an jedem Abend
-
Gesprächsrunden an jedem Abend. Themen: Zusammenhang Körpersprache und
Konflikte, neue Wahrnehmungen, Reflektion des eigenen Verhaltens und der eigenen
Wahrnehmung, neue Verhaltensmöglichkeiten erkennen, Erfahrungen mit Regeln und
Disziplin (denn hier geht es nicht ohne)
-
Spiele und Übungen zur Thematisierung von Gewalt und zum Erlernen konstruktiver
Möglichkeiten mit Aggressionen. Manche Übungen fordern zu Körperkontakt auf.
-
Durch die Tagesaufgaben: Sensibilisierung der Selbstwahrnehmung. = Persönliche
Wahrnehmung der eigenen Grenzen und der Grenzen anderer, Verantwortung erkennen und Teamgeist entwickeln.
-
Entwicklung von kreativen Konfliktlösungen während des Tages mit Hilfe professioneller
pädagogischer Begleitung
-
Gruppensanktionen waren nicht nötig, die Jugendlichen bildeten schnell ein eingespieltes
Team.
-
Endreflexion
-
Nachtreffen 2 Wochen später: Die Jugendlichen selbst kamen zum Jugendzentrum, so
dass ich persönlich mit den Einzelnen über ihre Erfahrungen sprechen konnte.
-
Wegen der enormen Ergebnisse ist ein weiteres Wochenende im September geplant.
55
Für die Teilnehmer, die bereits mitgefahren sind, wird die Fahrt deutlich günstiger sein.
Dies wird mit ihrer Leistung begründet, welche sie bei der ersten Fahrt gezeigt haben.
6. Ziele
-
Erlangen sozialer Integration
Durch Sensibilisierung der Sinne und das Erleben der Gruppe. Während dieser Fahrt ist
es den Jugendlichen gelungen, sich einzufügen und füreinander Verantwortung zu
übernehmen. Es gab ein positives "Gruppengefühl". Langfristig ist zu hoffen, dass sie
dieses Gefühl in den Alltag integrieren und es an anderer Stelle reproduzieren können.
-
Erhöhung des Selbstbewusstseins und des Selbstwertgefühles
Durch das selbstständige "Erschaffen". Die Jugendlichen gaben bis auf einer Ausnahme an, stolz auf ihr Erschaffenes und ihr Durchhalten zu sein. Ich verstärkte dieses
Gefühl während der Fahrt und auch beim Nachgespräch. Auch hier besteht berechtigte
Hoffnung auf Langfristigkeit.
-
Erhöhung sozialer Handlungskompetenz
Durch das Gruppengefüge und der einhergehenden Verantwortung und das Erfahren
eigener Handlungsfähigkeit. Die Kleingruppen waren verantwortlich für das Erbauen
ihres Nachtquartiers. Somit achteten sie auf ihre Arbeit und auch auf die Leistung der
anderen. Nachts mussten sie einander wärmen, da sie sonst gefroren hätten. Auch
dies gelang, trotz anfänglicher Berührungsängste. Etc.
-
Erlernen von Verhaltens- und Problemlösungsstrategien
Durch professionelle pädagogische Begleitung. Die Jugendlichen lernten und übten
verschiedene Konfliktlösungsstrategien. Diese können sie sicher auch in ihren Alltag
integrieren.
Somit sind die Ziele kurzfristig erreicht worden und haben diese gute Chancen auf Langfristigkeit.
Dies würde für die Jugendlichen bedeuten, dass ein wichtiger Beitrag zur Integration geleistet
wurde. In diesem Projekt bin ich das Thema "Gewaltprävention" durch Verantwortungspflicht
innerhalb einer Gruppe und elementarem Erleben von Bedürfnissen auch der eigenen Person
aktiv angegangen und die Betreuer haben somit Jugendlichen die Möglichkeit der veränderten
Selbstwahrnehmung und somit der positiven Persönlichkeitsentwicklung und Integration in unser
gesellschaftliches System mit seinen Regeln aufgezeigt. Verhaltensauffälligkeiten, wie z.B. das
impulsive Ausagieren von Spannungen, wurden sichtbar gemildert.
Mit dem Blick auf ihre Ressourcen zeigten wir durch dieses Projekt Wege auf, um ihr
Selbstbewusstsein zu erweitern, Konflikte konstruktiver zu gestalten, die eigenen und die
Grenzen anderer zu wahren. Probleme im Verhalten wurden oft beim Individuum aufgedeckt, und
kreative Lösungsstrategien wurden in der Natur erfahren. Diese Strategien sollen sie später in
56
ihren Alltag integrieren. Auch die Förster des Jugendwaldheimes sind von der Erreichung unserer
Ziele überzeugt. Sie hatten stets ein professionelles Auge auf unser Tun und haben das Projekt
mit uns reflektiert.
Aufgrund dieser Ergebnisse wollen wir weiter an dieser Form der konfrontativen Jugendarbeit
weiterarbeiten und wünschen uns weiterhin die Unterstützung vom Landschaftsverband, ohne
die das Projekt in der Form nicht hätte statt finden können.
Nr. 20
Thema:
Erziehungshilfe
Träger:
Ev. Familienbildungsstätte
50678 Köln
Projekt:
Soziales Frühwarnsystem - 1. Lebensjahr Eltern-Kind
im Brennpunkt
Laufzeit:
01.02.2007 – 31.12.2007
Gesamtkosten:
5.711,- €
Förderung 2007:
3.997,- €
Kurzbeschreibung:
Mit dem Projekt sollte ein zielgruppenorientiertes, frühzeitiges und niederschwelliges Angebot für
Frauen mit ihrem neu geborenen Kind aufgebaut werden. Neben Informationen über die
Entwicklung ihres Säuglings/Kindes sollte den Frauen weitere Hilfe angeboten werden. Sowohl
der Austausch mit den anderen Müttern, als auch die fachliche Unterstützung durch die
Fachfrauen sollten helfen, dass sich die Mütter in ihrer neuen Rolle zu recht finden und einer
Überforderung entgegen wirken.
In Zusammenarbeit mit dem Jugendamt der Stadt Köln sollte ein „Einladungsschreiben“ für
Familien mit Neugeborenen erarbeitet werden. Die Mütter sollten zu einem ersten Kennenlern Treffen in die Räume des Trägers eingeladen werden, wo sie, neben einem
Begrüßungspäckchen mit Spiel- und Infomaterialien, über die Angebote des Trägers informiert
57
werden sollten. Zusätzlich sollte eine regelmäßige Hebammensprechstunde und ein Kurs zur
Geburtsvorbereitung für Schwangere angeboten werden.
Das Jugendamt und ein Arbeitskreis sollten das Projekt im ersten Jahr begleiten und die
Ergebnisse in einem Jahresbericht festhalten. Bewährt sich das Projekt, sollte es an anderen
Orten angeboten werden. Die Arbeit des Trägers fand hohes Interesse des Deutschen
Jugendinstituts (DJI). Dort sollte ein Leitfaden (wissenschaftliche Recherche) entwickelt werden,
in den auch dieses Projekt exemplarisch mit einfließen sollte.
Abschlussbericht des Projekts
„Soziales Frühwarnsystem - 1. Lebensjahr Eltern-Kind im Brennpunkt"
Stärkung der Prävention im Jugendhilfebereich
Durchführung des Projektes 1. Lebensjahr
Mit diesem Projekt wurde ein zielgruppenorientiertes und niederschwelliges Angebot für Frauen
mit ihrem neu geborenen Kind aufgebaut. Die Frauen wurden innerhalb der ersten 6 Wochen
nach der Geburt mit einem Einladungsschreiben des Jugendamtes (Elternbriefe) erreicht. Die
Mutter-Kind- Treffen fanden jeweils mittwochs um 10:00 n in den Räumen der
Familienbildungsstätte (Christliche Sozialhilfe, CSH) in Köln Mülheim, Knauffstraße statt. Im
Rahmen des Kurses wurden die Entwicklung, die Erziehung und die Gesundheit des Säuglings
thematisiert. Sowohl der Austausch zwischen den Müttern, als auch die fachliche Unterstützung
durch die Kursleiterinnen Frau Gödel (Hebamme) und Frau Inam (türk. Pädagogin) haben
geholfen, sich in die Rolle als Mutter zu finden und die Erzieh-ungsverantwortung anzunehmen.
Damit wurde auch einer Überforderung der Mütter entgegen gewirkt.
Erfahrung und Erkenntnisse
Es zeigte sich schon nach den ersten Wochen, dass dieses freiwillige Angebot von den Frauen
gut angenommen wurde. Sie wurden neben dem Einladungsbrief (Jugendamt) durch Mund-zuMund Werbung, einer Zeitungsnotiz und vielen Handzetteln erreicht und informiert. Als sehr
hilfreich erwies sich in diesem Projekt die Sprachkompetenz von Frau Inam, die sowohl Englisch
und Türkisch spricht, aber auch fließend die Deutsche Sprache beherrscht. So konnten auch
Frauen aus afrikanischen Ländern und aus dem arabischen Raum angesprochen werden. Die
Begrüßungspäckchen wurden zu Beginn des Kurses überreicht und stets mit großer Freude
angenommen. Hinzu kamen während des Kurses diverse Spenden von Babykosmetikfirmen (z.B.
Fa. Penaten).
Die Verbindung innerhalb des Hauses der CSH, in dem zeitgleich das Mütterkaffee stattfand, war
passgenau. Viele Frauen, die "nur mal im Mütterkaffee vorbei schauen wollten", wurden
58
unmittelbar auf das zeitgleich stattfindende Projekt 1. Lebensjahr hingewiesen – und nahmen das
Angebot auch gerne an.
So wuchs die Gruppenstärke kontinuierlich, was aber auch verbunden war mit etwas Unruhe in
der Anfangsphase. Nach einigen Wochen war die Gruppenstärke stabil und es entwickelte sich
eine hohe Hilfsbereitschaft unter den Frauen, die so im Projektantrag nicht vorausgesetzt werden
konnte. Sie erwies sich als äußerst hilfreich im Aufbau dieser Arbeit.
So gab es z. B. eine Frau, die mit Drillingen nicht in der Lage war, allein die Wohnung im 4.
Stockwerk (ohne Aufzug) zu verlassen. Hier wurde ein solidarischer Hol- bzw. Bringdienst unter
den Frauen organisiert, daher konnte diese Mutter mit ihren Kindern dann regelmäßig den Kurs
besuchen.
Neben dieser inneren Dynamik spielte die gute Ausstattung des Projektes auch eine große Rolle.
Die Frauen erhielten durch den praktischen Umgang mit einfachen Hilfsmittel wie Stillkissen,
Decken und Matten viele Anregungen für die Sicherheit der Kinder in ihrem häuslichen Alltag.
Diese angeschafften Materialien (ohne die Begrüßungspäckchen) stehen in den Folgejahren für
die weitere Kursarbeit zur Verfügung.
Anregungen, die sich aus der Maßnahme ergeben
In diesem Projekt wurden viele positive Erfahrungen gemacht, die in Köln Mülheim, aber auch an
anderen Orten der Familienbildungsarbeit zukunftsweisend sein könnten. Hierzu zählt die im
ersten Abschnitt beschriebene Teilnehmergewinnung, aber auch die Ankopplung dieses
Angebotes an ein "offenes Mütterkaffe" als Einstiegsangebot. Außerdem zeigte sich in diesem
Projekt deutlich, wie erfolgreich der Freiwillige Ansatz – Auch im schwierigen sozialen Umfeld
sein kann.
Dieser freiwillige Ansatz einerseits und der Wunsch der Frauen nach sozialen Kontakten
andererseits unterstützt die Gruppenbildung nachhaltig. Es zeigte sich, dass die Frauen über
einen längeren Zeitraum regelmäßig zu den Treffen kommen. "Vor Ort" sind Pädiater rar,
Familienhebammen schwer zu finden und Angebote im prophylaktischen Bereich kaum bekannt
sind, gewinnt dieses Projekt u. E. an Bedeutung für die Zukunft.
Die grundlegenden Erfahrungen, die in diesem Projekt gewonnen wurden, konnten bereits in der
Planung des Jugendamtes der Stadt Köln im Rahmen des Frühwarnsystems
"Willkommensbesuche" einfließen und berücksichtigt werden. Die Ev. Familienbildungsstätte ist
zukünftig einer der Träger, die diese "Willkommensbesuche" in Zusammenarbeit mit dem
Jugendamt ab Juni 2008 durchführen werden.
Das Projekt. 1. Lebensjahr in der CSH wird im Jahr 2008 von der Ev. Familienbildungsstätte in
der beschriebenen Struktur weiter geführt. Die Anmeldezahlen bestätigen diese Planung. Die
59
Finanzierung dieses Projektes wird zukünftig vom Jugendamt der Stadt Köln übernommen.
Gebühreneinnahmen sind in diesem Arbeitsfeld nicht zu erzielen.
Nr. 25
Thema:
Zusammenleben junger Menschen aus
unterschiedlichen Kulturen
Träger:
SJD - Die Falken - Ortsverband Merkstein
52531 Übach-Palenberg
Projekt:
Aktionswoche: Kreativ für unsere Zukunft - gemeinsam
statt gegeneinander
Laufzeit:
01.03.2008 – 30.04.2008
Gesamtkosten:
4.450,- €
Förderung 2007:
3.115,- €
Kurzbeschreibung:
Mit dem Projekt wollte der Träger, in Kooperation mit dem städtischen Jugendamt, das
Zusammenlebens junger Menschen aus unterschiedlichen Kulturen fördern.
Die Zielgruppe waren sozial benachteiligte Jugendliche (türkischer und deutscher Herkunft) aus
dem Stadtteil Merkstein im Alter von 10 – 15 Jahren. Eine Woche lang sollten ca. 40 Mädchen
und Jungen im Alter von 10 bis 15 Jahren verschiedene Angebote im städtischen Jugendtreff
(Rap, Tanz, Film, Fotogeschichte, Theater) wahrnehmen können. In einzelnen Workshops sollten
sich die Jugendlichen mit ihren Zukunftsvorstellungen auseinandersetzen und diese in Form
60
von Tanz, Film, Musik darstellen.
Die Workshopergebnisse sollten in einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert werden, an der
Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens (Bürgermeister, Vertreter des Jugendausschusses)
teilnehmen sollten. Die Workshops sollten von jungen Erwachsenen geleitet werden, die über
entsprechende Erfahrungen in der Jugendarbeit verfügten und zum Teil selbst einen Migrantenhintergrund haben.
Abschlussbericht des Projekts
„Aktionswoche: Kreativ für unsere Zukunft
- gemeinsam statt gegeneinander"
1. Durchführung
Die Aktionswoche „Kreativ für unsere Zukunft – gemeinsam statt gegeneinander“ wurde in den
Osterferien 2008 (17.-21.4.2008) im städtischen Jugendtreff Streiffelder Hof in HerzogenrathMerkstein durchgeführt. Zielgruppe waren 10 – 15 jährige junge Menschen aus dem Stadtteil.
Wir warben im Vorfeld in den Klassen 5 – 7 der städtischen Gesamtschule, des Gymnasiums,
der Haupt- und der Realschule, im Jugendtreff Streiffelder Hof, in unseren Falkengruppen und
in der Lokalzeitung. Da wir das Angebot niedrig schwellig halten wollten und vorzugsweise
benachteiligte Kinder ansprechen wollten, verzichteten wir auf ein Anmeldeverfahren und eine
Teilnahmegebühr. So wussten wir am 17.4., als es losgehen sollte, überhaupt nicht, wie viele
Teilnehmer/innen kommen würden.
Es kamen 48 Kinder im Alter von 8 bis 13 Jahren – also deutlich jüngere Interessenten, als wir
eigentlich erwartet hatten. Wir beschlossen, die Kinder alle teilnehmen zu lassen und das
Programm entsprechend anzupassen. Das erwies sich als richtige Entscheidung, denn die Kinder
hatten viel Spaß und das Workshopangebot ließ sich gut auch für die anwesende Altergruppe
durchführen.
Weil wir annahmen, dass die Kinder mit den angebotenen Workshoptiteln (Tanz, Theater,
Modellbau, Film, Fotogeschichte) nicht viel anfangen konnten, legten wir besonderen Wert auf die
Einstiegsphase: Zunächst machten wir ein paar Kennenlernspiele, damit die Kinder sich
untereinander und vor allem die Workshopleiter/innen schon einmal kennen lernen konnten und
die Hemmungen verloren, auf sie zuzugehen.
Danach stellten wir die Workshops auf der Bühne vor, das heißt, wir zeigten den Kindern, was für
Ergebnisse bei den fünf angebotenen Workshops möglich waren. Wir zeigten einen Film, eine
Fotogeschichte und ein Modell, die bei ähnlichen Workshops, die wir in der Vergangenheit für
61
Jugendliche veranstaltet hatten, herausgekommen waren. Die Tanzgruppe der Falken führte
einen Streetdance auf und die Workshopleiter hatten selbst ein kleines Theaterstück eingeübt,
um den Workshop Theater vorzustellen.
Die Kinder waren von der Vorführung ganz begeistert. Es war für jeden etwas dabei, es gab viele
Kinder, die sich nicht entscheiden konnten, weil ihnen mehrere Workshopangebote gut gefielen –
da halfen wir ein bisschen, so dass alle Workshops annähernd gleich viele Teilnehmer/innen
hatten. Nach einer Pause mit belegten Brötchen, Obst und Getränken ging es dann in die Workshops und die Planung der Arbeit konnte beginnen.
An den folgenden Tagen begannen wir stets um 14.00 Uhr mit einem Eingangsplenum, danach
gingen die Kinder in ihre Workshops. Diese dauerten, unterbrochen von einer etwa halbstündigen
Pause mit Getränken, Brötchen und Obst, bis zum Abschlussplenum um 17.00 Uhr.
Die Workshops wurden von 5 jungen Menschen mit unterschiedlichem Migrationshintergrund
geleitet, die sowohl Erfahrung als Gruppenleiter/innen als auch gute Kenntnisse in der jeweiligen
Workshopmethode hatten. Es gelang ihnen gut, die sehr unterschiedlichen Kinder (es waren alle
Schulformen vom Gymnasium bis zur Förderschule und alle Sozialschichten vertreten, auch
„schwierige“ Kinder und Kinder aus dem Kinderheim nahmen teil, mehr als die Hälfte der Kinder
hatte einen Migrationshintergrund) zur Mitarbeit zu begeistern. Eine besondere Herausforderung
war, einige Kinder, die am ersten Tag eher zufällig erschienen waren und die sich für Theater
entschieden hatten, zur regelmäßigen Teilnahme und vor allem zum Auftritt am Donnerstagabend
zu bewegen, weil einige Familien an diesem Abend zum Verwandtenbesuch über Ostern
wegfahren wollten. Dennoch sind alle Kinder zur Präsentationsveranstaltung am
Donnerstagabend erschienen.
Die Veranstaltung war sehr gut besucht, sehr viele Eltern – auch viele mit Migrationshintergrund –
waren gekommen, ebenso Vertreter von Presse und Lokalpolitik. Die Workshopergebnisse
konnten sich wirklich sehen lassen, die Kinder erhielten sehr viel Anerkennung und Applaus. Die
Kinder waren sehr stolz und die Besucher lobten die gelungene Veranstaltung. Eltern und Kinder
äußerten einstimmig, dass ihnen das Angebot der Kreativwoche sehr gut gefallen hatte und dass
sie sich für die Zukunft ähnliche Angebote wünschten.
Den Abschluss der Kreativwoche bildete ein Ausflug zum Aquazoo in Düsseldorf. Zunächst
hatten wir geplant, einen Ausflug als Auftakt der Kreativwoche anzubieten. Da der Jugendtreff
aber am Karfreitag geschlossen war, es an diesem Tag sonst für die Kinder im Stadtteil keine
Angebote gab, entschlossen wir uns, diesen Feiertag für den Ausflug zu nutzen. Es nahmen „nur“
37 Kinder teil, die übrigen unternahmen an diesem Tag etwas mit ihren Familien. Schon die Fahrt
mit den öffentlichen Verkehrsmitteln war für die Kinder ein Erlebnis - die meisten waren noch nie
62
mit dem Zug oder der Straßenbahn gefahren. Auch die Tiere im Aquazoo waren für die Kinder
sehr interessant. Leider war der Aquazoo an diesem verregneten Feiertag völlig überfüllt, so dass
sich der Aufenthalt dort etwas schwierig gestaltete.
2. Erfahrungen und Erkenntnisse
Das Angebot Kreativwoche hat sich als sehr attraktiv für Kinder erwiesen. Deshalb haben wir uns
entschlossen, auch künftig in den Herbst- und in den Osterferien ähnliche Kreativwochen
anzubieten. Es ging gleich weiter in den Herbstferien 2008 – diesmal mit einem
Partizipationsangebot: „Ideen für den August-Schmidt-Platz“.
Der August-Schmidt-Platz ist der zentrale Platz im Herzogenrather Stadtteil Merkstein, er soll
unter Beteiligung der Bürger umgestaltet werden. Das Einbeziehen der Kinder übernahmen wir
Falken mit der Kreativwoche, die wir diesmal gemeinsam mit dem Jugendtreff Streiffelder Hof und
der städtischen Streetworkerin veranstalteten.
In den Workshops Rap, Film, Gestaltung und Tanz hatten die Kinder eine Menge Ideen, die sie
dann auf einem Fest auf dem August – Schmidt – Platz der Öffentlichkeit und später auch im
Jugendhilfeausschuss den Lokalpolitikern vorstellten. Die Ausschussmitglieder versprachen, sich
für die Verwirklichung der Ideen einzusetzen.
Aus den Erfahrungen der Aktionswoche „Kreativ für unsere Zukunft“ haben wir folgende
Erkenntnisse für weitere Kreativwochenangebote gewonnen:
-
Das Angebot „Kreativwoche in den Ferien“ spricht eher die Altergruppe der 8 – 13
Jährigen an und es kann auch sehr gut auf diese Kinder zugeschnitten werden.
-
Die Unverbindlichkeit des Anmeldeverfahrens hatte überwiegend Vorteile. Viele Eltern
hätten sicher einen Anmeldezettel nicht ausgefüllt und auch keinen Teilnahmebeitrag
bezahlt, weil sie sich auch nicht vorstellen konnten, was die Kinder erwarteten. Sie
erlaubten den Kindern aber die Teilnahme und äußerten sich hinterher sehr positiv
überrascht. – Die Einstellung „Was nichts kostet ist auch nichts Wert“ konnten wir nicht
feststellen. Allerdings stellen wir immer wieder fest, dass es viele Familien gibt, die
wirklich sehr wenig Geld haben und die auf kostenlose Angebote für ihre Kinder
angewiesen sind.
-
Wir hatten viel Aufwand in die Werbung gesteckt – und wir hatten ja auch viele
Teilnehmer/innen. Letztlich stellte sich heraus, dass die meisten durch Mundpropaganda
gekommen waren. Hier erwies sich der Einsatz von Workshopleiter/innen mit
Migrationshintergrund, die im Stadtteil bekannt waren, als absoluter Vorteil – sie wurden
im Vorfeld von den Eltern und Kindern häufig angesprochen und zu dem Angebot befragt.
-
Die Ablaufplanung der Workshopwoche - drei Stunden Workshop mit einer
Unterbrechung durch eine halbstündige Pause – erwies sich als sehr passend für die
63
Altersgruppe. Die Kinder konnten sich über diesen Zeitraum konzentrieren und es war
genug Zeit zum Erstellen vorzeigbarer Ergebnisse.
-
Die Verbindlichkeit der Workshops war ein großer Vorteil. Die Kinder fühlten sich wichtig,
weil sie in ihrem Workshop gebraucht wurden, und auch die, die ursprünglich irgendwann
in der Kreativwoche etwas anderes vorhatten, versäumten die Workshopzeit nicht, weil sie
sich für das Ergebnis verantwortlich fühlten. Diese Ernsthaftigkeit war vor allem durch die
Präsentationsveranstaltung gegeben, in der die Ergebnisse öffentlich aufgeführt wurden.
-
Die hohe Aufmerksamkeit der Präsentationsveranstaltung durch Presse und Lokalpolitik
war für die Kinder sehr wichtig. Sie erlebten, dass sie wahr- und ernst genommen wurden,
und dass wichtige Erwachsene sich dafür interessierten, was sie in den Ferien getan,
erdacht und erarbeitet hatten. Das kann eine Motivation für künftiges Engagement
begründen.
-
Dass wir die Präsentationsveranstaltung direkt im Anschluss an den letzten Workshoptag
geplant hatten, erwies sich als sehr problematisch, weil so zu wenig Zeit für Vorbereitung
der Veranstaltung und Bühnenaufbau blieb. Auch dauerte das Filmschneiden länger als
geplant. In Zukunft werden wir die Ergebnisse immer mindestens einen Tag nach
Abschluss der Workshops präsentieren.
-
Der Ausflug zum Aquazoo war ein sehr guter Abschluss der Projektwoche. Allerdings war
er natürlich auch sehr kostenintensiv, so dass wir so ein Angebot ohne eine besondere
Förderung nicht mehr machen können.
3. Anregungen für die Jugendhilfe im Reinland
Wir denken, dass das Angebot in an die örtlichen Gegebenheiten angepasster Form sicher auch
in anderen Jugendhilfeeinrichtungen im Rheinland sinnvoll und erfolgreich wäre, wenn man die
die unter „Erfahrungen und Erkenntnisse“ erwähnten Punkte beachtet.
Wir haben die Kreativwoche in einer Broschüre dokumentiert, die so hoffen wir, andere Träger
dazu motiviert, ähnliche Angebote zu machen.
In unserem direkten Umfeld hat das Beispiel schon seine Wirkung erzielt. Wir selbst setzen das
Angebot mit anderen Themenschwerpunkten fort, der Jugendtreff „Streiffelder Hof“ hat Elemente
der Kreativwoche für seine Arbeit übernommen und auch andere Träger orientieren sich nach
Aussagen der städtischen Jugendpflegerin an unseren Angeboten und Aktionsformen.
64
Nr. 26
Thema:
Integration
Träger:
Kath. Jugendwerke Bergisch-Land e.V.
42651 Solingen
Projekt:
Ferienmobil
Laufzeit:
01.06.2007– 31.07.2007
Gesamtkosten:
2.550,- €
Förderung 2007:
1.785,- €
Kurzbeschreibung:
Mit dem Projekt „Ferienmobil“ sollte Kindern im Alter von 6 bis 10 Jahren, insbesondere Kinder
mit Behinderung, die Teilnahme an Ferienaktionen in den Sommerferien ermöglichen.
Gerade in den Sommerferien herrscht eine große Betreuungslücke für Kinder, da viele Eltern aus
wirtschaftlichen und beruflichen Gründen nicht die Zeit aufbringen können, ihre Kinder die
gesamte Ferienzeit zu betreuen.
Die Stadtteilstruktur Solingens sowie die räumlichen Entfernungen stellte für viele Eltern bisher
einen logistischen Hinderungsgrund dar, entsprechende Angebote wahrzunehmen. Für Kinder
65
mit Behinderung war es nahezu unmöglich, an Maßnahmen teilzunehmen. Dieses Problem sollte
durch das „Ferienmobil“ gelöst werden.
Das Projekt sollte in den ersten fünf Ferienwochen durchgeführt werden.
Abschlussbericht des Projekts
„Ferienmobil"
Im Vorfeld:
Zu Beginn des Jahres konnte mit dem Solinger Transportunternehmen "clever-gefahren" ein
Kooperationspartner für das geplante Projekt "Ferien mobil" gefunden werden, essen
Komplettangebot die Grundlage für den Projektantrag beim Landschaftsverband Rheinland war.
Aufgrund der zunächst ausbleibenden Förderungszusage des L VR und der damit verbundenen
unsicheren Finanzierung war die Durchführung des "Ferienmobils" nicht gesichert und das o.g,
Transportunternehmen zog das Komplettangebot zurück.
Mit Datum 14.06.07 erhielten wir die Förderzusage des LVR knapp eine Woche vor Beginn der
Sommerferien. Um das "Ferienmobil" in Eigenregie durchführen zu können, wurde zusätzliches
Personal im Ferien(s)passbüro eingestellt, um einerseits die anfallende Organisation zu
bearbeiten und andererseits Personalkapazitäten für den Transport der Kinder zu schaffen.
Durchführung:
Von den in den entsprechenden Aktionen maximal 40 bereitstehenden Plätzen wurden lediglich
20 Plätze gebucht. Der potentielle Bedarf des "Ferienmobils" wurde damit bereits gesenkt. In der
66
ersten Ferienwoche wurde das "Ferienmobil" gar nicht in Anspruch genommen. Trotz intensiver
Bemühungen (Zusammenarbeit mit der KoKoBe Solingen, dem Verein "gemeinsam leben lernen"
und dem Behindertenbeirat der Stadt Solingen) befanden sich keine Kinder mit Behinderung bei
den potentiellen Nutzern, obwohl der Anteil solcher Kinder am Programm insgesamt gesteigert
werden konnte. Allerdings wurde uns von den entsprechenden Fachverbänden versichert, dass
es eine gewisse Zeit dauert, bis man bei den Klienten "anerkannt" ist. Somit waren zwar die
Anmeldezahlen in diesem Bereich zunächst unbefriedigend, jedoch war die Aktion für einen
Beginn sehr wichtig.
Die Möglichkeit, die Mobilität der Kinder zu erhöhen, wurde in Elterngesprächen insgesamt positiv
bewertet, jedoch nur vereinzelt genutzt. Dies führen wir darauf zurück, dass die Anmeldung
bereits am 13.05.07 erfolgte. An diesem Tag war die Durchführung des "Ferienmobils" noch nicht
gesichert. Das Ziel des "Ferienmobils", die in Solingen vorherrschenden Stadtteilstrukturen und
räumlichen Entfernungen durch mehr Mobilität zu minimieren, konnte damit nicht erreicht werden.
Die Standzeiten des "Ferienmobils" konnten jedoch in anderer Weise positiv für die Kinder
genutzt werden. Auf Grund des schlechten Wetters in diesem Sommer mussten geplante
Veranstaltungen räumlich verlegt werden. Hier kam das "Ferienmobil" zum Einsatz und sicherte
den Transport der Kinder und des Materials. Bei den Inliner-Aktionen in Essen und Köln
ermöglichte das "Ferienmobil" eine gemeinsame Anreise, die andernfalls in zwei privaten PKW
erfolgt wäre.
67
Nr. 27
Thema:
Gewaltprävention
Träger:
AWO Kreisverband Jugendsozialarbeit
53879 Euskirchen
Projekt:
Gewaltprävention an der Schule An der Erftaue
Laufzeit:
01.08.2007 – 31.07.2008
Gesamtkosten:
5.200,- €
Förderung 2007:
3.640,- €
Kurzbeschreibung:
Zielgruppe des Projekts gegen Gewalt waren Schülerinnen und Schüler der Förderschule an der
Erftaue. Gemeinsam mit Fachleuten sollten geeignete Konfliktlösungen erarbeitet und
klassenübergreifend vielfältige Angebote, Aktivitäten und Aktionen zum Thema
„Gewaltvermeidung“ durchgeführt werden.
Mit einer 12köpfigen Kindergruppe sollte wöchentlich eine zweistündige Sozialtrainingsgruppe
durchgeführt werden, in der Deeskalationstechniken, Streitschlichtungsmöglichkeiten und
konstruktive, gewaltfreie Konfliktlösungsmöglichkeiten eingeübt werden sollten.
68
Die Eltern der Kinder sollten ebenfalls einbezogen werden. Dazu war ein Elterninformationsabend
zu den verschiedenen Projekten geplant und parallel zu den Kinderkursen spezielle, auf die
Eltern ausgerichtete Praxiseinheiten und Gesprächsgruppen. So sollten die Eltern stärker an die
Schule angebunden und für das Problemfeld „Gewalt“ sensibilisiert werden.
Die verschiedenen, im Laufe des Schuljahres, stattfindenden Gruppen sollten sich sowohl aus
Schülerinnen und Schülern des einfachen Schulbetriebs als auch aus ganztagsschulbetreuten
Kindergruppen zusammensetzen, wobei auf die spezifischen Bedarfe von Mädchen und Jungen
hinsichtlich der lern- und Förderziele geachtet werden sollte.
Abschlussbericht des Projekts
„Gewaltprävention an der Schule An der Erftaue"
Beschreibung der Durchführung:
Im Schuljahr 2007/2008, von August 2007 bis zum Juni 2008 fanden fortlaufend Gruppen zur
Gewaltvermeidung und zum Sozialtraining statt, insgesamt wurden vier Veranstaltungsblöcke,
jeweils zwei pro Schulhalbjahr angeboten.
Klassenübergreifend setzten sich jeweils ca 12 Schüler/innen mittels vielfältiger Angebote für
ungefähr zwei Monate für zwei Stunden pro Woche mit dem Thema Gewaltvermeidung
auseinander. Mit überwiegend spiel- und sportpädagogischen Angeboten lernten die
Schüler/innen gewaltfreie Konfliktlösungsmöglichkeiten und Deeskalationstechniken kennen. Die
Eltern konnten sich über die Kurse und deren Inhalte auf einem Elternabend informieren und
auch eigene Praxiserfahrungen machen und darüber in Gesprächen in die Thematik einsteigen.
Jede Trainingseinheit hatte einen thematischen Schwerpunkt, wie z.B. Fremd- und
Eigenwahrnehmung, Vertrauen, Kooperation, Konfliktverhalten, Selbstbehauptung etc. Als roter
Faden zog sich das Erstellen und Verinnerlichen eines Regelwerkes zum fairen und gewaltfreien
Umgang miteinander durch die gesamten Trainingseinheiten.
Erfahrungen und Erkenntnisse:
Die Trainingseinheiten haben den Schüler/innen insgesamt sehr viel Spaß gemacht.
Zwischendurch stattfindende Frustrationssituationen und Versuche Konflikte gewalttätig zu lösen,
gaben immer wieder Anlässe zur Reflexion über die gemachten Erfahrungen. Zum Teil war es bei
einigen Gruppen nötig vor den geplanten Inhalten zunächst mal erst Basisfähigkeiten einzuüben,
wie anderen zuhören zu können, sich auf eine Sache zu konzentrieren und eigene
Spontanbedürfnisse zurückzuhalten. Leider war es im Schulbetrieb manchmal schwer die
69
geeigneten räumlichen und zeitlichen Rahmenbedingungen zu organisieren, da es an der Schule
nicht immer zur gewünschten Zeit die passenden Räumlichkeiten gibt und stellenweise auf Klassenräume
zurückgegriffen werden musste.
Erfreulicherweise wurde im Verlauf der einzelnen Trainingseinheiten immer wieder berichtet, dass
sich in Unterrichts- und Pausensituationen positive Veränderungen im Verhalten der
Schülerinnen und Schülern bemerkbar machten, dass verschiedene Anregungen aus den
Trainingseinheiten bei Alltagskonfliktsituationen von den Schüler/innen umgesetzt werden
konnten.
Anregungen, die sich aus der Maßnahmen von Projekten für die Jugendhilfe im Rheinland
ergeben:
Die durchgeführten Trainingseinheiten führten trotz ihrer zeitlich befristeten Dauer zu positiven
Veränderungen im Schulalltag. Um die erzielten Erfolge zu manifestieren ist eine konstante
Beschäftigung mit der Thematik wichtig. Es wäre wünschenswert, kontinuierlich in
Zusammenarbeit mit dem Lehrkollegium eine Verbesserung des Sozialverhaltens einzuüben und
gemeinsam einen einheitlichen Verhaltenskodex fiir den Schulalltag aufzustellen und
einzufordern. Daher wäre es von großer Wichtigkeit, verlässliche Finanzmittel für solche
Maßnahmen der Gewaltprävention in der Zukunft bereitzustellen.
70
Nr. 28
Thema:
Zusammenleben junger Menschen aus
unterschiedlichen Kulturen
Träger:
Förderverein Lokalradio Bonn und Rhein-Sieg e.V.
53115 Bonn
Projekt:
Interkulturelles, integratives und intergeneratives
LoCom-Projekt - Wie gehen wir miteinander um?
Laufzeit:
01.08.2007 – 31.03.2008
Gesamtkosten:
7.500,- €
Förderung 2007:
4.000,- €
Kurzbeschreibung:
Mit dem Projekt sollten Jugendliche unterschiedlicher kultureller Zugehörigkeit, in Dialog-Workshops befähigt werden, mit älteren Menschen Wege eine bessere Kommunikation zu führen und
Verhaltensweisen für ein friedliches Zusammenleben zu entwickeln. Durch die Vermittlung von
Medienkompetenz sollten ebenfalls Sprach-, Artikulationsfähigkeit und sozialen Kompetenzen
71
gestärkt werden. Das Projekt sollte in Kooperation mit der Synagogengemeinde Bonn
durchgeführt werden.
Die Zielgruppe waren Mädchen und Jungen im Alter von 12 bis 22 Jahren unterschiedlicher
kultureller (deutscher, russischer, jüdischer, türkischer, arabischer) Herkunft sowie 3 bis 4
Erwachsene (50 Plus).
Die im Projektverlauf entwickelten Ergebnisse sollten die Jugendlichen „mit nach Hause
nehmen“, um daraus im privaten und schulischen Umfeld mit anderen Jugendlichen
weiterarbeiten zu können. Die Projekt-Produkte sollten auch für die interkulturelle, integrative und
intergenerative Arbeit von Multiplikatoren in der Jugendarbeit nutzbar sein. Die Hörfunkfeature
sollten nach Fertigstellung als Radiosendung im LoCom LORA-Bürgerfunk bei Radio
Bonn/Rhein-Sieg ausgestrahlt werden. Die Internetzeitung und das virtuelle Diskussionsforum
sollten über die Dauer der Projektlaufzeit hinaus weitergeführt werden.
Abschlussbericht des Projekts
„Interkulturelles, integratives und intergeneratives LoCom-Projekt –
Wie gehen wir miteinander um?"
Präsentation der Ergebnisse des intergenerativen Jugendprojekts
"Wie gehen wir miteinander um? Zusammenleben, aber wie?"
Am Samstag, den 03. Mai 2008 präsentierte das Forum junge Menschen des Europäischen
Bildungsinstituts LoCom im LoCom-Haus die Ergebnisse des interkulturellen, integrativen und
intergenerativen LoCom-JugendProjekts "Wie gehen wir miteinander um? Zusammenleben, aber
wie?" - gefördert vom Landschaftsverband Rheinland Jugendliche aus dem Projekt, einige mit ihren Eltern, eine Vertreterin des Bonner Jugendamts,
die Projekt-Mitarbeiter/innen und ein interessiertes Fachpublikum waren der Einladung gefolgt
und sahen und hörten, was die Kinder, Jugendlichen und Senioren diskutiert und produziert
hatten: Eine Internetzeitung, Hörfunkproduktionen und ein Video rund um das Thema "Wir gehen
72
wir miteinander um?"
Das Publikum spendete viel und großen Applaus und war beeindruckt, wie intensiv und ernsthaft
sich die Jugendlichen mit dem Thema des Projekts auseinandergesetzt und wie
medienkompetent sie dies umgesetzt haben.
"Die kulturelle und Generationenvielfalt des Projekts drückt sich
auch in Zahlen aus" so der Leiter des Projekts Ulrich M. Golinske
"im Projekt mitgemacht haben 36 Kinder, Jugendliche,
Erwachsene und Seniorinnen & Senioren, davon waren 9 Kinder
im Alter von 5 – 10 Jahren, 16 Jugendliche im Alter von 11-20
Jahren,
7 Erwachsene im Alter von 21 - 49 Jahren und 4 Seniorinnen &
Senioren im Alter von 50 - 78 Jahren.
Sie kamen aus 8 verschiedenen Herkunftsländern:
Deutschland, Marokko, Libanon, Moldawien, Russland, Weißrussland, Kasachstan und aus
Portugal mit unterschied-licher Religionszugehörigkeit: muslimisch, jüdisch, katholisch,
evangelisch und russisch-orthodox."
Wie gehen wir miteinander um? Zusammenleben, aber wie?
Das ist nicht nur eine Frage, wie Menschen unterschiedlicher Kulturen in Deutschland
miteinander umgehen und zusammenleben. Das ist gleichzeitig auch eine Frage, wie die
Generationen miteinander umgehen und zusammenleben: z.B. Erwachsene mit Kindern &
Jugendlichen, Kinder & Jugendliche mit älteren Menschen - gerade jetzt in einer Zeit des
demographischen Wandels"
betonte der Projektleiter Ulrich M. Golinske "deshalb haben wir von Locom nicht nur einen
interkulturellen, sondern auch einen inter generativen Ansatz f・ dieses Jugendprojekt gewählt.
Und wie sinnvoll dies war, haben uns die Diskussionen der Jugendlichen untereinander und mit
den Erwachsenen und Senioren zum Thema "Wie gehen wir miteinander um" ernüchternd
deutlich gezeigt. Die Vorbildfunktion von Erwachsenen und Älteren, von Eltern und Großeltern in
Sachen Toleranz, friedliche Konfliktlösungen, ist gerade für den interkulturellen Dialog, für ein
friedliches Miteinander der Kulturen von zentraler Bedeutung. "
In Kooperation mit der Synagogengemeinde Bonn hatten die ,
Projektteilnehmer/innen in der Zeit von August 2007 bis März
2008 in Dialog-Workshops, auch mit älteren Menschen, durch
die gemeinsame Erarbeitung von 6 Hörfunkproduktionen für
das Radio (ausgestrahlt im LoComLORA-Bürgerfunk bei Radio
73
Bonn/Rhein-Sieg), die Produktion eines Video-Clips und einer Internet-Zeitung in Wort, Bild und
Ton neue Wege für eine bessere Kommunikation miteinander und Verhaltensweisen für ein
friedliches Zusammenleben entwickelt. Durch das LoComProjekt konnten ihre Sprach-, artikulationsfähigkeiten und ihre sozialen Kompetenzen, z.B. Toleranz, Teamfähigkeit,
Kommunikationsfähigkeit, gestärkt werden.
Die Projekt-Produkte, die die Kinder und Jugendlichen als
Projektergebnisse "mit nach Hause" nehmen konnten und mit
denen sie mit anderen Jugendlichen im privat-organisierten
Bereich, in der (Ganztags-) Schule oder in der außerschulischen
Jugendarbeit „weiterarbeiten" können (Vorbild- und
Multiplikatoreffekt) sind darüber hinaus modellhaft einsetzbar
auch für Projekte von Multiplikatoren in der intergenerativen
Jugendarbeit, nicht nur in Bonn, sondern in ganz NRW.
Die Internet-Zeitung in Text, Bild, Ton, wird auch ・er die Projektdauer hinaus als virtuelles
Diskussionsforum weitergeführt (Impuls-/Langzeitwirkung).
Das interkulturelle und intergenerative LoComJugendProjekt "Wie gehen wir miteinander
um? Zusammenleben, aber wie?"
Ziele und Ergebnisse:
In den letzten Jahren ist die Zahl russischsprachiger Zuwanderer jüdischer Herkunft nach
Deutschland und ins Rheinland stark gestiegen. Bei der Integration und der Kommunikation mit
Einheimischen gibt es aufgrund von Sprachdefiziten und der Unterschiedlichkeit der Kulturen zum
Teil erhebliche Probleme. Dies gilt auch f・ Jugendliche und hier insbesondere auch im
Verhältnis zu jugendlichen Zuwanderern aus anderen Kulturen, z.B. aus dem arabischen Raum.
Immer häufiger werden Konflikte, die durch die Unterschiedlichkeiten der Kulturen und Religionen
bedingt sind, vor allem von männlichen Jugendlichen mit Gewalt ausgetragen.
Mit dem Interkulturellen, integrativen und intergenerativen LoCom-JugendProjekt "Wie gehen
wir miteinander um? Zusammenleben, aber
wie?" hat in Kooperation mit der Synagogengemeinde Bonn dazu beigetragen, dass Kinder
und Jugendliche unterschiedlicher kultureller
Zugehörigkeit in Dialog-Workshops, auch mit älteren Menschen, durch die gemeinsame
Erarbeitung von Hörfunkfeatures für das Radio, die Produktion eines Video-Clips und den Aufbau
einer Internet-Zeitung in Wort, Bild und Ton befähigt wurden, neue Wege für eine bessere
74
Kommunikation miteinander und Verhaltensweisen für ein friedliches Zusammenleben zu
entwickeln.
Durch Vermittlung von Medienkompetenz hat das LoComProjekt ihre Sprach-,
Artikulationsfähigkeiten und ihre sozialen Kompetenzen, z.B. Toleranz, Teamfähigkeit,
Kommunikationsfähigkeit, Geschlechterrollenverständnis gestärkt.
Am Ende dieses Projekts - des pädagogischen Dialog- und Lernprozesses – stehen gemeinsam
entwickelte Projekt-Produkte, die die Kinder und Jugendlichen als Projekt-Ergebnisse "mit nach
Hause" nehmen und mit denen sie mit - anderen Jugendlichen
im privat-organisierten Bereich, in der (Ganztags-) Schule
oder in der außerschulischen Jugendarbeit "weiterarbeiten"
können (Vorbild- und Multiplikatoreffekt) und die darüber
hinaus modellhaft einsetzbar sind für interkulturelle, integrative
und intergenerative Projekte von Multiplikatoren in der
Jugendarbeit, nicht nur in Bonn, sondern in ganz NRW:
Es wurden sechs Hörfunkproduktionen (Studiogespräche, Feature, Hörspiel) gemeinsam
produziert, auf CD gebrannt - mit von den Jugendlichen gestaltetem Cover. Die
Hörfunkproduktionen wurden nach Fertigstellung als Radiosendung im LoCom* LORABürgerfunk bei Radio Bonn/Rhein-Sieg ausgestrahlt, erreichten damit eine breite Öffentlichkeit
und motivieren dadurch zusätzlich auch viele andere Jugendliche (Multiplikatoreffekt).
Es wurde ein Video-Clip produziert über die Arbeit im Projekt:
Im Mittelpunkt die agierenden Jugendlichen mit Marionetten
der LoCom-MarionettenspieISchule: "Aladin's making off':
Wie gehen wir miteinander um?
Die Medienprodukte - eine Übersicht:
http://www.locomnet. de/echoneUO12005/iuna+aIU780/index.
html
Die Kinder und Jugendlichen haben eine Internet-Zeitung in
Text, Bild, Ton geschaffen, die auch über die Projektdauer
hinaus als virtuelles Diskussionsforum weitergeführt wird
(Impuls-/Langzeitwirkung).
Siehe hierzu:
http://www.locomnet.de/echoneUO12005/iuna+alU705/index.
75
htmI
Mit dem achtmonatigen Projekt haben sich einmal mehr die langjährigen Erfahrungen des
Projektträgers bei der Durchführung von Radio- und Internetprojekten bestätigt: Der aktive und
kreative Umgang mit Medien, vor allem Radio, Internet, Fotografie und digitale Bildgestaltung hat
eine hohe Attraktivität bei Kindern und Jugendlichen und "verbindet" Kulturen und Generationen
fast problemlos: Das gemeinsame Gestalten überbrückt Kommunikationsbarrieren, baut
Vorurteile ab, eröffnet neue Sichtweisen, fördert den friedlichen Umgang untereinander, schafft
kooperative Verhaltensweisen und schafft – wenn der Erfolg des gemeinsamen Schaffens
erreicht wird (z.B. eine Hörfunksendung) - über alle kulturellen Barrieren hinweg ein neues
Gemeinschaftsgefühl. Der intergenerative Ansatz dabei hat sich besonders bewährt. Das
Miteinander mit älteren Generationen eröffnet für Kinder und Jugendliche neue und andere
Sichtweisen, fördert die Artikulations-, Argumentations- und Sprachkompetenz und trägt zur
Entwicklung kooperativer und friedlicher Verhaltensstile bei.
Insbesondere das "Radio-selber-Machen" begeistert Kinder und Jugendliche (übrigens
Erwachsene und Senioren auch!): Ideen entwickeln, Texte fürs Radio schreiben, vor dem
Mikrofon sprechen, Musik und Geräusche auswählen, die eigene Stimme hören und einen
Beitrag gestalten lernen zu können und dann relativ schnell "Erfolgserlebnisse" zu erzielen,
zeichnet die hohe Attraktivität des Mediums "Radio" aus. Ähhnliches gilt auch für das Internet,
das ja heute schon von Kindern ab dem Grundschuleintrittsalter genutzt wird. In diesem Projekt
erfuhren die Kinder und Jugendlichen vor allem, wie man das Internet nicht nur "konsumiert",
sondern wie man mit ihm selbst gestalten kann.
Fazit:
Die Teilnehmer/innen haben alle hoch motiviert und sehr engagiert mitgemacht bei diesem
Projekt und waren einfach begeistert. Beleg dafür ist - und das ist die beste Botschaft – fast alle
wollen machen weiter! Der Projektträger dankt allen Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und
Seniorinnen und Senioren für ihr engagiertes und kreatives Mitmachen:
Alexsey Alice Alina Anastasia Anastasia Anissa Claus Cheyenne Christian Ellen Georg Hiba Iise
Jan Karen Karin Kathy Kat ja Ksenia Laura Lubow Luisa Lydia Maria Maxi Michael Mohamed
Nadine Natascha Nicola Olga Roman Sandra Theresa Vladislav und Younes.
Eine kleine Statistik zum Projekt:
Im Projekt mitgemacht haben 36 Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Seniorinnen & Senioren,
davon waren 9 Kinder im Alter von 5 - 10 Jahren, 16 Jugendliche im Alter von 11-20 Jahren,
7 Erwachsene im Alter von 21 - 49 Jahren und 4 Seniorinnen & Senioren im Alter von 50 - 78
Jahren.
76
Die Projektteilnehmer/innen kamen aus 8 verschiedenen Herkunftsländern: 10 aus Deutschland,
4 aus Marokko, 2 aus Libanon, 2 aus Moldawien, 10 aus Russland, 2 aus Weißrussland, 4 aus
Kasachstan und 2 aus Portugal. Nach ihrer Religionszugehörigkeit befragt waren 4 muslimisch, 7
jüdisch, 19 christlich und 6 ohne Religionszugehörigkeit. Ulrich M. Golinske, Projektleiter
Nr. 30
Thema:
Entwicklung von Hilfen für Kinder psychisch kranker
Eltern
Träger:
Hubert-Vootz-Haus e.V. Verein zur Förderung der
Kinder- und Jugendarbeit
41748 Viersen
Projekt:
Förderung für Kinder psychisch kranker Eltern
Laufzeit:
01.08.2007 – 30.06.2008
Gesamtkosten:
5.600,- €
Förderung 2007:
3.920,- €
Kurzbeschreibung:
Bei der Zielgruppe handelt es sich um Kinder psychisch erkrankter Eltern. Die Kinder litten unter
der Erkrankung der Eltern, da sie weder verstanden noch verarbeiten konnten, warum Vater oder
77
Mutter sich „so komisch – anders“ verhielten. Es handelte sich um Kinder im Grundschulalter, in
begründeten Ausnahmefällen auch um Geschwisterkinder sowie um Kinder der OT des Träger
und der St. Notburga Grundschule in Viersen. Die Mädchen und Jungen wiesen fehlende oder
mangelnde Persönlichkeitsstruktur, Traumatisierung, begleitet von Unsicherheit, Ängsten sowie
Ambivalenzen der Eltern – des Elternteils – auf. Andauernde Trennungskonflikte, Promiskuität,
Phobien, Depressionen, Zwangsstörungen, Drogenmissbrauch waren oft Bestandteil des
kindlichen Alltags, mit der Folge, dass diese Kinder häufig Folgeerscheinungen der Elterlichen
Erkrankung zeigten. Ziel des Projekts war:
-
Entwicklung einer gesunden Identität und
-
Bewältigung und Stabilisierung des Lebensalltags
-
Ermöglichen von „Kindsein“ im strukturierten Rahmen
-
Überwindung von sozialer Isolation
-
Stärkung der gesunden Kräfte innerhalb der Familie
-
Kind- und altersgerechte Aufklärung über psychische Krankheiten
-
Erziehungsgrundsätze wie Akzeptanz, Konsequenz, Verlässlichkeit, Vertrauen
und Liebe entwickeln
Abschlussbericht des Projekts
„Förderung für Kinder psychisch kranker Eltern"
Bericht zum Projekt ,.Förderung von Kindern psychisch kranker Eltern"
Kooperationsarbeit zw. Hubert-Vootz-Haus e. V. und St. Notburga Schule in Viersen
Nach einer langen, intensiven Planungsphase incl. vieler Vorgespräche zwischen Schule und uns
als Jugendhilfeträger begannen wir mit der Gruppenarbeit nach den Sommerferien an der o.g.
Schule. Unsere dort beschäftigte Kollegin hatte keine Mühe viele ("geeignete") Kinder für die
Gruppenarbeit zu gewinnen.
Die entsprechenden Elternkontakte, bzw. Gespräche verliefen allesamt problemlos. Es entstand
der Eindruck, dass die Eltern dem Gruppenangebot offen und positiv gegenüberstanden weil, sie
die Kinder "gut versorgt" wussten.
Einfühlsam und Beratend wurde den Erziehungsberechtigten sehr wohl der Hintergrund der gepl.
Gruppenarbeit nahe gebracht. Von Fall zu Fall konnten den Eltern weiterführende Hilfsangebote
und I oder Adressen vermittelt werden.
Die teilnehmenden Kinder besuchten im Zeitraum des Projektes die Klassen 1 - 3, Kinder aus der
vierten Klasse waren bedauerlicherweise nicht dauerhaft in den Gruppenprozess zu integrieren.
Aufgrund ihrer körperlichen Überlegenheit oder ihrer starken Auffälligkeit drohten sie fortwährend
78
die Gruppe negativ zu dominieren. Hier wären zur Gruppenbetreuung 2 ausgebildete Kräfte
erforderlich gewesen.
Die Gruppenarbeit fand 2mal nachmittags pro Woche in den Räumen, bzw. auf dem
Außengelände der St. Notburga - Grundschule statt. Die Schule konnte einen eigenen
Gruppenraum für die alleinige Nutzung zur Verfügung stellen.
Die Kinder genossen es sichtlich einer "eigenen" Gruppe - später sogar mit eigenem Namen: "Die
flinken Stars" - anzugehören. Die Namensfindung war schnell abgeschlossen da sich bereits bei
den ersten Gruppenstunden herausstellte wie enorm groß der "flinke" Bewegungsdrang der
Kinder war.
Einen Gruppennachmittag pro Woche verbrachten die Kinder mit Kreativarbeiten, den zweiten
Nachmittag nutzten sie zu Bewegungs- u. Sportspielen. Nahezu alle angebotenen Sport- und
Bewegungsspiele sowie die Bastelangebote wurden gerne und engagiert angenommen.
Die gesamte Zeit (2 Zeitstunden) nutzten die Kinder gerne die Möglichkeit sich zu öffnen, zu
sprechen, zu erzählen. Bedauerlicherweise reichte hierzu nie die Gruppenzeit aus. Die Kinder
haben einen hohen Mitteilungsbedarf - wenn Sie Vertrauen gefunden haben.
Bis zum Ende des Projektes stand in jeder Gruppenstunde das Thema Sozialverhalten an erster
Stelle. Es war im Projektzeitraum nur unbefriedigend zu erreichen, die Kinder zur
Konfliktvermeidung bzw. gewaltlosen Konfliktlösung zu bewegen. Es wäre mehr Zeit erforderlich
gewesen um den Kindern auch eine Ruhezeit in der Gruppe zu ermöglichen. Sich beruhigen,
ausruhen und träumen wäre sehr wünschenswert gewesen.
Die Schule hätte sicherlich den dafür notwendigen Raum gestellt - jedoch gaben sich weder die
Kinder noch die Eltern die notwendige Zeit. Mit nur einer geschulten, erfahrenen Betreuungskraft
ist allerdings die Zeitspanne von dann 3 Stunden nicht mehr zu bewältigen.
Die ruhigen Gruppenstunden (siehe oben) mussten sorgfältig und intensiv vorbereitet werden um
den gewünschten Erfolg zu erzielen (Mit „Multi-Jobbing-Kräften" ist dies nicht zu schaffen). Oft
brachten die Kinder Konflikte aus dem Unterrichtsvormittag mit in die Gruppe. Privates" spielte
bei den Konflikten eine stark untergeordnete Rolle.
Die Kinder hatten bei nahezu jeder Gruppenstunde Mühe sich in Ruhe auf das Thema, das
Setting, die Gruppe einzulassen. Es kostete oft 30 Min. und mehr um die Kinder für die
Gruppenstunde "zu erreichen". Vom Anfang bis zum Ende des Projektes haben 10, manchmal 12
Kinder beständig und regelmäßig teilgenommen. Es brauchte keinerlei zusätzliche Motivation die
Kinder zur Gruppenstunde zu bewegen.
79
Die Projektzeit war für die Betreuungskräfte gut zu bewältigen da es regelmäßige Gespräche zu
allen Themen die Gruppe betreffend, gab. Aus Zeitmangel gab es nur 2 große „runde Tische" mit
allen beteiligten aus der Schule, der Gruppe und dem Hubert-Vootz-Haus. Die schnelle
Kommunikation via Telefon und E-Mail wurde oft bevorzugt. Ausgenommen hiervon waren die
Beratungsgespräche die zeitnah zwischen der Gruppenbetreuung und unserer Fachkraft
stattfanden.
Freude hat uns die Rückmeldung aus der Schule gemacht. Die jeweiligen Klassenlehrerinnen
sowie die Betreuungskräfte aus OGS und „Schule von 8 bis1" berichteten wiederholt von den
begeisterten Erzählungen der Kinder aus der Gruppe sowie die vormittägliche Vorfreude auf den
Gruppennachmittag.
Erfahrungen und Erkenntnisse
Aus der Konzeption unseres Antrages habe ich der Einfachheit halber die nachfolgenden
Textblöcke übernommen und entsprechend kommentiert.
Ziele:
- Entwicklung einer gesunden Identität
Zeitraum ist zu kurz um das Ziel voll zu erreichen.
- Bewältigung und Stabilisierung des Lebensalltags
Das Thema konnte im Rahmen der Gruppenarbeit nur verbal angegangen werden.
- Ermöglichen von "Kindsein" im strukturierten Rahmen
Das Ziel wurde erreicht.
- Überwindung von sozialer Isolation
In der Gruppe hat das gut funktioniert.
- Stärkung der gesunden Kräfte innerhalb der Familie
Die Gruppenarbeit hat den Kindern gut getan und diese Stärkung wird bestimmt in
die Familie getragen.
- Kind- und altersgerechte Aufklärung über psychische Krankheiten
Dies war nur sehr bedingt möglich.
- Erziehungsgrundsätze wie Akzeptanz, Konsequenz, Verlässlichkeit, Vertrauen,
Liebe vermitteln.
Dies wurde selbstverständlich umgesetzt.
Arbeitsweisen / Methoden zur Hilfe
- Schaffen von Vertrauen und Sicherheit
- Ermutigen der Kinder, eigene Gefühle zu erleben und auszudrücken
80
- Selbstvertrauen aufbauen und stärken
- Erleben von Unbeschwertheit / Freizeitgestaltung
- Entlastung von der "Elternfunktion" (Familienstütze)
- Entlastung von Schuld- und Schamgefühlen
- Stress- und Wutabbau
Mögliche Umsetzung / Vorgehensweise
- Die Kinder ernst- und annehmen
Selbstverständlich
- In der Gruppe erkennen können, das 'Kind' mit Problemen und Kummer nicht
allein ist
- Mut machen Kummer mitzuteilen - mit anderen teilen
Dies Beides nur wurde bedingt erreicht - nur wenn 2, max. 3 Kinder mit der
Gruppenleitung sprachen.
- Raum und Zeit geben sich aussprechen zu können - Entspannungsübungen Elemente von Snoelzen - Traumreisen
Dies ist bedauerlicherweise nicht zustande gekommen, da die notwendige Zeit
fehlte.
- Körperwahrnehmung mit praktischen Übungen trainieren / kämpfen - Grenzen
setzen und akzeptieren - mit Sportangeboten - auch kooperative Erlebnissportspiele –
Batakas
- Raum geben für spezifische Kindesinteressen - gemeinsam Spaß haben - Kindsein
dürfen
- Die Ansprechpartner / Vertrauenspersonen / Gruppenstunden sollen verlässlich
/ regelmäßig "da" sein
Diese 3 Punkte wurden umgesetzt und erreicht.
- Kindgerechte Aufklärung und Beratung über krankheitsbedingte Einschränkungen
und Verhaltensweisen der Eltern / Elternteile
Dazu fehlte Ruhe und Zeit.
- Bekannt machen von weiteren mögl. Hilfepartnern u. Kontaktsteilen in der Region
Viersen
Wurde in Einzelgesprächen angeboten.
- Fördern der individuellen Fähigkeiten und Stärken der Kinder ( sportlichkreativ –
musisch etc. )
Dies wurde erfolgreich umgesetzt.
- Lernen Konflikte konstruktiv auszutragen
81
Dieses bedarf eines stärkeren Einsatzes.
Anregungen
Mit den klassischen Methoden der Jugendhilfearbeit ( OT -Arbeit, bzw. Jugendverbandsarbeit)
sind die notwendigen Ziele eines solchen Projektes leider nicht in vollem Umfang zu erreichen.
Hierzu bedarf es eines großen Mehraufwandes an Zeit, Geld und Personal. Ausgewiesene
Fachleute für den Themenbereich sind für "kleines Geld" nur schwer zu bekommen.
Wünschenswert wären evtl. Handreichungen zur Programmgestaltung bzw. Praxistipps.
82
83
84
Herunterladen