1 Stickstoff

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14.05.2016
Chemie SP – Stickstoff auf unserem Planeten
1 Stickstoff
1.1
Allgemein
Der Gesamtstickstoffgehalt der Erde beläuft sich auf 1015 Tonnen und findet sich zu 99% in der
Atmosphäre (78% der Luft). Weniger als 1% kommt, vor allem als Salpeter bzw. Chilesalpeter,
gebunden in der Lithosphäre vor, der Rest verteilt sich auf Hydrosphäre und Biosphäre. Stickstoff
ist Bestandteil der Aminosäuren, der DNS sowie Vitaminen und daher unverzichtbar für alle
Lebewesen!
1.2
Grobbeschreibung des Stickstoffkreislaufs
Alle Organismen, gleichgültig, ob dies Pflanze, Tier oder Mensch ist, enthalten Stickstoff in Form
von Eiweißverbindungen. Diese sind aus verschiedenen Aminosäuren aufgebaut, die der
menschliche und tierische Körper entweder selbst synthetisieren kann oder aber mit der Nahrung
aufnehmen muss. Die Pflanzen dagegen sind autark: Sie stellen die von ihnen benötigten
Aminosäuren alle selbst her.
Wie geschieht dies?
Für die Synthese der Aminosäuren muss die Pflanze Stickstoff über die Wurzeln aus dem Boden
aufnehmen. Voraussetzung dafür ist, dass Stickstoff in Form von Nitrat- oder Ammonium-Ionen
vorliegt. Dies gewährleistet eine breite Palette unterschiedlichster Helfer:
Auf die Fixierung des atmosphärischen Stickstoffs spezialisierte Bakterien können die Wurzeln der
keimenden Leguminosenpflanzen, z.B. Lupinen, infizieren und sich dort einnisten. Die Pflanze
umgibt diese Stellen mit einem kugelförmigen "Knöllchen", in dem die Bakterien die Produktion von
Ammoniak aus Stickstoff in Gang setzen. Als "Entgelt" für die "Beherbergung" nimmt die Pflanze
das synthetisierte Ammoniak auf und setzt es sofort mit organischen Säuren zu Aminosäuren um,
da freies Ammoniak für sie selbst giftig ist.
Die in abgestorbenen Pflanzen und den Exkrementen von Tieren und Menschen enthaltenen
Stickstoffverbindungen werden wiederum von Bakterien zu Ammoniak beziehungsweise
Ammonium-Ionen abgebaut und anschließend von anderen Bakterienstämmen zu Nitritbeziehungsweise Nitrat-Ionen oxidiert. Allerdings steht nicht die gesamte so erzeugte Nitratmenge
den Pflanzen als Nährstoff zur Verfügung: eine bestimmte Bakterienart, sogenannte
denitrifizierende Bakterien, bedienen sich des Nitrats als Sauerstoffquelle. Dabei entstehen
Stickstoff und Distickstoffoxid, N2O, die als Gase in die Atmosphäre entweichen.
Es gibt aber noch eine dritte natürliche Quelle für die Nitratbildung: die gewaltige Energie, die der
Blitz bei Gewittern enthält, vermag die stabilen Stickstoffmoleküle der Luft zu spalten, so daß mit
dem Sauerstoff aus der Luft Stickstoffoxide, NOx, gebildet werden. Ein Prozeß, der im
Verbrennungsmotor beim PKW ganz entsprechend abläuft und dafür verantwortlich ist, daß der
Autoverkehr immer noch die bedeutendste Quelle für die Stickstoffoxid-Emissionen ist. Im Regen
gelangt dann eine sehr verdünnte Salpetersäure auf den Boden, Nitrate also auch aus dieser
Quelle.
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Pascal Waldburger
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14.05.2016
An diese seit Jahrmillionen gegebenen natürlichen Bedingungen hat sich das Leben auf unserem
Planeten angepaßt. Aufbau und Abbau der Stickstoffverbindungen sind in einen Kreislauf
eingebunden, der im wesentlichen geschlossen ist
2 Stickstoff-Fixierung im Detail
2.1
Biologisch
Von allen Lebewesen der Erde sind ausschließlich Prokaryonten zur Stickstofffixierung befähigt.
Diese Bakterien (z.B. Azotobacter) und Blaualgen kommen freilebend oder symbiontisch (z.B.
Rhizobium) mit Pflanzen vor. Alle anderen Lebewesen sind N-heterotroph und müssen Stickstoff
über die Nahrung aufnehmen. Die Fixierung von Luftstickstoff ist aufgrund der stabilen
Dreifachbindung von N2 ein extrem energieaufwendiger, endergonischer Prozess (946kJ/mol), den
die Mikroorganismen mit einem speziellen Nitrogenase-Enzymkomplex katalysieren. Es handelt
sich um eine Reduktion von N2(0) zu Ammoniak (III):
Teilgleichung Reduktion:
N2 + 6e- + 6H+ ------> 2NH3
Der Ammoniak wird entweder in eigene Aminosäuren eingebaut oder an die Pflanzenzellen
abgegeben.
2.2
Technisch
In der Technik wird Luftstickstoff nach dem Haber-Bosch-Verfahren fixiert. Der hohe
Energieaufwand ist hier aus der Synthesetemperatur von 500°C, dem Druck von 450 bar und dem
Katalysatoreinsatz ersichtlich. Der Reduktionsvorgang ist im Prinzip derselbe:
N2 + 3H2 ------> 2NH3
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Pascal Waldburger
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2.3
Atmosphärisch
Bei Blitzschlag oder Verbrennungen entstehen aus Luftstickstoff und Luftsauerstoff Stickoxide,
welche mit Wasser und Sauerstoff zu Salpetersäure weiterreagieren, die als "saurer Regen" in den
Boden kommt.
N2 + O2 ------> 2 NO
4 NO + 3O2 + 2H2O ------> 4 HNO3
2.4
Nitrifikation
Die Nitrifikation ist ein Teilprozess des Stickstoff-Kreislaufs in Ökosystemen. Das durch
Destruenten aus abgestorbener Biomasse frei gesetzte Ammonium wird durch nitrifizierende
Bakterien in zwei Schritten zu Nitrat oxidiert. Dazu ist Sauerstoff (O2) aus der Umgebung
erforderlich.

Im ersten Schritt nehmen Nitritbakterien wie Nitrosomonas aus der Umgebung AmmoniumIonen auf und oxidieren diese zu Nitrit-Ionen, die nach außen abgegeben werden.
NH4+ + 3/2 O2 => NO2- + 2H+ + H2O + Energie
Nitrosomanas:
2NH4+ + 3O2 + 2H2O------> 2NO2- + 4H3O+
Nitrobacter:
2NO2- + O2 ------> 2NO3 -

Im zweiten Schritt nehmen Nitratbakterien wie Nitrobacter, welche mit den Nitritbakterien
vergesellschaftet auftreten, die Nitrit-Ionen auf und oxidieren diese zu Nitrat-Ionen. Nach
Ausscheidung der Nitrat-Ionen stehen diese den Pflanzen als stickstoffhaltiger Mineralstoff
wieder zur Verfügung.
NO2- + 1/2 O2 => NO3- + Energie

Diese beiden Schritte ergeben in Summe:
NH4+ + 2 O2 = NO3- + 2H+ + H2O + Energie
Die nitrifizierenden Bakterien gewinnen durch die Oxidation der Stickstoff-Verbindungen
Stoffwechselenergie, die sie zur Synthese von ATP nutzen, das wiederum zum Aufbau von
Biomasse aus Kohlenstoffdioxid eingestzt wird. Damit gehört die Nitrifikation durch autotrophe
Bakterien zur Chemosynthese.
Bei der Nitrifikation fällt ein Sauerstoffverbrauch von 4,33 g O2 pro g NO3-N an. Es wächst
Nitrifikatenbiomasse im Ausmaß von 0,24 g CSB/g NO3-N zu (Zellertrag, engl. Yield). Ein Gramm
CSB (Chemischer Sauerstoffbedarf) entspricht 1,42 g org. Trockensubstanz.
Die Nitrifikation ist mit einer Produktion von Säure verbunden (2H+). Somit tritt eine Absenkung des
pH-Wertes auf, der z. B. die Pufferkapazität des Wassers belastet oder den Boden versäuern kann.
In Kläranlagen kann dadurch die vollständige Umwandlung des fischtoxischen
Ammoniums/Ammoniak verhindert werden (Autoinhibition).
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Pascal Waldburger
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2.5
Ammonifikation
Die Ammonifikation ist ein Teilprozess des Stickstoffkreislaufs in Ökosystemen. Dieser Prozess
wird auch als Mineralisation des Stickstoffs bezeichnet. Die Destruenten (Bakterien und Pilze) sind
in der Lage, Ammonium-Ionen aus organischen Stickstoffverbindungen abzuspalten. Durch die
Desaminierung kann Ammonium aus den Aminosäuren, die in den Proteinen enthalten sind,
abgespalten werden. Außerdem kann Ammonium durch die Hydrolyse von Harnstoff gewonnen
werden.
Bei dieser Reaktion wird Harnstoff (CO(NH2)2) durch das Enzym Urease zu Ammoniak (NH3) und
Kohlenstoffdioxid (CO2) umgesetzt:
H2N-CO-NH2 + H2O --> 2 NH3 + CO2
Das nun von den Pflanzen aufgenommene Nitrat(+V) wird durch assimilatorische Nitratreduktion in
organische Verbindungen, wie Proteine(-III) umgesetzt und damit vorübergehend dem biologischen
Pool entzogen:
Nitrat NO3- ------> Aminogruppe --NH2
Über Primär- und Sekundärkonsumenten werden diese als Exkremente, Harnstoff, Kadaver oder
Humus wieder freigesetzt und von Destruenten (Zersetzer wie Pilze, Bakterien u.a.) durch
Hydrolyse in Ammoniumverbindungen umgewandelt, welche dann erneut zur Aufnahme zur
Verfügung stehen:
(NH2)2CO + H2O ------> 2NH3 + CO2
Damit ist der biologische Stickstoffkreislauf geschlossen.
3 Stickstoff als Düngemittel
Nitrate: Nitrate sind Salze der Salpetersäure, sie werden als Düngemittel und für die Herstellung
von Sprengstoffen benötigt
3.1
Wie wird dem Boden Stickstoff zugeführt?
- Pflanzen und Tiere, die verrotten (Kompost, etc.),
- Stickoxide, die sich bei Blitzschlag bilden und mit dem Regenwasser in die Erde kommen ("saurer
Regen"),
- Abgase von Industrie und Verkehr (Stickoxide), die mit Regenwasser in die Erde kommen,
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Pascal Waldburger
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- Ausscheidungen von Tieren und Menschen (Harnstoff),
- Handelsdünger ("Kunstdünger") der aus dem Stickstoff der Luft hergestellt wird (Nitrate,
Ammoniumsalze, Harnstoff),
- durch Pflanzen, die gemeinsam mit Bakterien (Knöllchenbakterien) Stickstoffverbindungen aus
Luft-Sauerstoff herstellen (Erbsen, Bohnen, etc.),
- durch "Gründüngung": Pflanzen, die Stickstoffverbindungen herstellen werden angebaut und in
die Erde eingearbeitet.
Bei Blitzschlag und bei
Verbrennungen
entstehen aus Stickstoff
und Sauerstoff (Luft)
Stickoxide.
Mit den Pflanzen verliert der
Boden Stickstoffverbindungen
und andere wichtige Stoffe.
Daher müssen diese Stoffe
dem Boden wieder zugeführt
werden.
Stickoxide reagieren mit
Sauerstoff und Wasser,
dabei entsteht
Salpetersäure, die in
den Boden kommt.
Knöllchenbakterien leben in
Wurzelverdickungen von Erbsen,
Bohnen, Senfsaat, etc.
Sie machen Stickstoffverbindungen
aus dem Luft-Stickstoff. Dieser kann
dann von den Pflanzen
aufgenommen werden.
Wodurch verliert der Boden Stickstoffverbindungen?
- durch die Ernte von Pflanzen
- durch Auswaschung ins Grundwasser
- durch denitrifizierende Bakterien (machen aus Nitraten N2O bzw. N2).
4 Stickstoff in der Nahrungskette
4.1
Nitrat und Nitrit in Lebensmitteln
Manche Pflanzen speichern bevorzugt Nitrate (Rettich, Salat, Spinat, etc.).
Fleischprodukte (Schinken, Würste) werden mit Nitraten bzw. Nitriten versetzt, um das Wachstum
von gefährlichen Mikroorganismen zu verhindern (z. B. Botulinus-Bakterien).
Kalium- und Natriumnitrit (E 249, E 250), sowie Kalium- und Natriumnitrat (E 251, E 252) werden
zum "Pökeln" von Fleisch verwendet und wirken nicht nur konservierend, sondern sorgen auch für
die rote Farbe von Schinken und Würsten. Trotz aller Nebenwirkungen (gefährlich für Säuglinge,
krebserregend im Tierversuch, etc.) werden durch Pökelsalz viele schwere
Lebensmittelvergiftungen vermieden.
5 Zusatzinfos zu Stickstoff
5.1
Anthropogene Umweltschädigung
Trotz dieser vermeintlich geringen Mengen führt insbesondere die industrielle Stickstoffumsetzung
zu massiven Umweltproblemen. Die Tabelle soll hierüber einen Überblick geben:
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reaktive Stickstoffverbindung
Entstehung/Herkunft
Auswirkung
Stickstoffmonoxid,
Stickstoffdioxid (nitrose Gase)
NO Abgase/Verbrennungen
NO2
saurer Regen, Waldsterben,
Ozonbildung, Ozonloch
Nitrate
NO3- Überdüngung
Auswaschung
Eutrophierung, Lebensmittelund Grundwasserbelastung
Ammoniak/Ammoniumsalze
NH3 Ausgasung/Auswaschung
NH4+ von Gülle/ Mist
Eutrophierung, saurer Regen
Distickstoffmonoxid (Lachgas)
N2O Überdüngung, Ausgasung
Treibhauseffekt, Ozonabbau
EXKURS: Bisher wurde Kohlenstoffdioxid CO2 hauptsächlich für den Treibhauseffekt verantwortlich
gemacht. Lachgas N2O ist aber inzwischen immerhin zu 5% mitbeteiligt. Aufgrund der im Moment
jährliche Lachgaszunahme von 3,8 Mio. t wird dieser Anteil noch steigen. Zudem absorbiert ein
N2O-Molekül 200x soviel Infrarotstrahlung wie ein CO2-Molekül und hat eine Verweildauer von 100
Jahren in der Atmosphäre.
5.2
Stickstoffnachweis in der Luft
Zeit:
5 min
Material:
Lithium, Wasser, Universalindikatorpapier, Bunsenbrenner
Durchf.:
Ein Stück Lithium auf Magnesiarinne in der Bunsenbrennerflamme entzünden,
wegnehmen und an der Luft verbrennen lassen. Nach dem Erkalten einen
Wassertropfen darauf geben und mit angefeuchtetem Indikatorpapier die
einsetzende Ammoniakentwicklung nachweisen.
Beob.:
Blaufärbung des Indikatorpapiers
Deutung:
Bei der Verbrennung des metallischen Lithiums an der Luft (enthält 78% N2), ist
eine stickstoffhaltige Verbindung (Lithiumnitrid) entstanden, welche mit Wasser
basisch reagiert.
Reaktionsgl.:
N2 + 6Li ------> 2Li3N
Li3N + 3H2O ------> 3LiOH + NH3
5.3
Sprengstoff : Ammoniumnitrat
Zeit:
10 min
Material:
Ammoniumnitrat, Reagenzglas, Bunsenbrenner
Durchf.:
Ein Reagenzglas auf Rotglut erhitzen, dann einige Körner Ammoniumnitrat hinein
geben.
Beob.:
Es kommt zu einer explosionsartigen Feuererscheinung.
Deutung:
Ammoniumnitrat zersetzt sich bei entsprechender Energiezufuhr explosionsartig.
(Wird als Sicherheitssprengstoff eingesetzt)
Reaktionsgl.:
2NH4NO3 ------> N2 + O2 + 4H2O
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