BADEN-WURTTEMBERG Baden-Württemberg (35 751 qkm, 9,6

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BADEN-WURTTEMBERG
Baden-Württemberg (35 751 qkm, 9,6 Millionen Einwohner) gehört zu den reizvollsten
Regionen der Bundesrepublik. Der Schwarzwald ist ein waldreiches Mittelgebirge und beliebtes
Erholungsgebiet der Deutschen. Der Bodensee, das ,,Schwäbische Meer", die grünen Flußtäler
von dem Rhein und der Donau, dem Neckar und dem Tauber, diejrauhe Schwäbische Alb und
das sanfte Markgräflerland sind vielbesuchte Ausflugs- und Urlaubsziele.
Die Erfindungsgabe und der Geschäftssinn der Einwohner von Baden-Württemberg sind
sprichwörtlich. Hier wurden Friedrich Schiller, Friedrich Hörderlin, Georg Wilhelm Friedrich
Hegel und Martin Heidegger geboren.
Die Region Mittlerer Neckar mit der Landeshauptstadt Stuttgart (584 000 Einwohner) ist
das wirtschaftliche Zentrum des Landes. In und um Stuttgart haben nicht nur Weltfirmen, wie
die Daimler-Benz AG, Bosch, IBM oder der Sportwagenherstellerporsche ihren Sitz. Hier
arbeiten auch viele kleine und mittlere Firmen u. a. als hochspezialisierte Zulieferer für die
genannten Großuntemehmen. Alte Handwerkstradition und modernes Unternehmertum sind die
Fundamente der Industrieland-schaft Baden-Württembergs. Das Land ist hochindustrialisiert und
gehört zu den wirtschaftlich stärksten Bundeslandern. Die langste Tradition haben in BadenWürttemberg die Feinmechanik - sie ist im Schwarzwald konzentriert, der Automobilbau und die
Uhrenherstellung. Die traditionellen Schwarzwälder Kuckucksuhren kann man nicht nur im
Uhrenmuseum Furt-wangen bewundem, sie werden als beliebtes Souvenier von
zahlreichen Touristen aus allen Herren Ländern nach Hause genommen. Die großen
Industriezentren sind Karlsruhe, Mann-heim, Heidelberg, Freiburg, Ulm. In Karlsruhe befindet
siefe das Kernforschungszentrum, in Heidelberg - das Deutsche Krebsforschungszentrum. Die
Heidelberger Universität wurde 1386 gegründet und ist die älteste Universität Deutschlands
überhaupt, während Karlsruhe die älteste deutsche Technische Hochschule hat.
FREISTAAT BAYERN
Bayern ist das größte Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Auf 70 554 Qudratkilometern
leben und arbeiten rund 11,9 Millionen Menschen. Hoher katholischer Bevöl-kerangsanteil.
Im Dezember 1946 nahm die bayerische Bevölkerung eine Verfassung an, wo es in Artikel 1
heißt: ,,Bayern ist ein Freistaat". Die Bezeichnung ,,Freistaat" wählte man, um das Fremd-wort
,,Republik" zu vermeiden.
Die Landesgrenzen sind 2 733 Kilometer lang, was einer Entfernung von München bis Moskau
(Luftlinie) entspricht. Bayern grenzt an die Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen, Thüringen und
Sachsen, sowie an die Tschechische Republik und Österreich. Die bayerische Landschaft ist sehr
mannigfaltig. Hier sind vier natürliche Großlandschaften vereint: die bayerischen Alpen mit Deutschlands
höchstem Berg, der Zugspitze (2963 m), die malerischen Seen im hügeligen Alpenvorland, das Ostbayerische Mittelgebirge, das Schwäbisch-Fränkische Schichts-stufenland. Bayern durchziehen viele Flüsse, die
längsten sind die Donau (387 km) und der Main (411 km). Die Barometer im Land stehen häufig auf
,,wechselhaft". Die Sonne lacht im bayerischen Süden mehr als im Norden. Die Bevölkerung Freistaat
stammt aus drei Stämmen: den Altbayern, den Fran-ken und den Schwaben. Sie unterscheiden sich
voneinander durch Sprache, Brauchtum, Mentalität und Lebensgefühl. Dazu sind nach 1945 über zwei
Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebene gekommen.
Die Hauptstadt von Bayern ist München (1,2 Mio Ein wohner). Es ist ein bedeutsames Zentrum
von Wissenschaft und Kultur. Nach dem zweiten Weltkrieg nannte man es sogar ,,Deutschlands
heimliche Hauptstadt". Andere Großstädte sind Augsburg, Nürnberg, Regensburg, Ingolstadt, Würzburg.
Wirtschaftlich ist Bayern das stärkste Bundesland. Einst zählte Bayern zu den typischen deutschen
Agrargebieten. Heute gibt es hier diverse Industrien, Landwirtschaft und Fremden verkehr. In den
Industriebetrieben von Bayern arbeiten etwa 1,338 Millionen Menschen (1993). Die Industrie ist stark
exportorientiert. Die größte Branche ist die elektrotechnische Industrie. Der Maschinenbau nimmt den
zweiten Rang ein. Es gibt hier Internationale Großunternehmen auf dem Gebiet der Elektronik, der
Nachrichtentechnik, der Chemie oder des Kraftfahrzeugbaus - Siemens AG, Quelle, Grundig - in
Nürnberg; BMW - in Regensburg; Audi - in Ingolstadt. Der fränkische Wein wird von den Kennern sehr
geschätzt. Hunderten von Brauereien wird das berühmte bayerische BierJ gebraut und in den
Maßkrügen zum Beispiel beim Münchener Oktoberfest ausgeschenkt.
BRANDENBURG
Das Land Brandenburg (29 066 qkm, 2,6 Mio Einwohner) umschließt die deutsche
Hauptstadt. Vor den Toren Berlins liegt die Landeshauptstadt Potsdam. Im Sommer 1945 war es
Tagungs-ort der Potsdamer Konferenz. Auf dieser Konferenz fassten die politischen Führer der
Sowjetunion, der USA und Großbritaniens weitreichende Beschlüsse über das besiegte
Deutschland. Als Tagungsort wurde diese Stadt von den Alliierten .mil Bedacht gewählt, denn
Potsdam war mit der preußisch-deutschen Geschichte aufs engste verbunden, seit König
Friedrich II. es zu seiner Residenz machte. Hier empfing der aufgeklärte Monarch berühmte
Gäste wie Johann Sebastian Bach, im herrlichen Park von Sanssouci führte er philosophische
Gespräche mit Freunden, unter ihnen auch Voltaire.
Lange Zeit war das dünn besiedelte Brandenburg wirtschaftlich rückständig. Im 17. und
18. Jahrhundert kamen ins Land viele Fremde aus Holland, Böhmen und Frankreich und trugen
mit ihren Kenntnissen erheblich zur Entwicklung des Landes bei. Heute erinnert uns daran z. B.
das ,,Holländische Viertel" und die ,,Französische Kirche" in Potsdam.
Brandenburg ist das flächengrößte Land in den neuen Bundesländern. Zu seinen
wichtigsten Wirtschaftszweigen zählen Land- und Forstwirtschaft. 35 Prozent des Landes sind
von Wald (vorwiegend Kiefern) bedeckt. Angebaut werden Roggen und Weizen, Ölfrüchte,
Kartoffel und Zuckerrüben.
Industrielle
Regionen
sind
Eisenhüttenstadt
(Stahlproduktion)
und
Cottbus
(Braunkohleförderung). Frankfurt an der Oder weist Elektrotechnik und Gerätebau auf. Südlich
von Berlin, in Ludwigsfelde betreibt die Firma Mercedes-Benz ein, LKW-Montagewerk, die
geplanten Investitionen belaufen sich auf eine Milliarde DM.
Die schöne Natur um Berlin hat Theodor Fontane in seinen ,,Wanderungen durch die
Mark Brandenburg" besonders eindrucksvoll beschrieben. Immer mehr Touristen besuchen heute
die herbe, aber durchaus reizvolle Wald- und Seelandschaft Brandenburgs. Bootsfahrten im
Spreewald sind eine Touristenattraktion. Brandenburg erlebt derzeit einen wirtschaftlichen und
so-zialen Umbruch. Fur die Zukunft ist der Zusammenschluss von Brandenburg und Berlin zu
einem Bundesland mit Potsdam als Hauptstadt geplant. Mit der Vorbereitung des Zusammenschlusses befasst sich eine gemeinsame Regierungskomission der beiden Länder.
FREIEHANSESTADT BREMEN
Bremen ist ein Zwei-Städte-Staat. D. h. - zwei Städte, ein Staat: Bremen und
Bremerhaven liegen voneinander 65 km entfernt und bilden zusammen das Bundesland Bremen,
das das kleinste Bundesland Deutschlands ist. Es hat 684 000 Einwohner, und sein Territorium
beträgt 404 Quadratkilometer. Die freie Hansestadt Bremen ist neben Bayern das älteste
Staatswesen auf deutschem Boden und nach San Marino die Zweitälteste noch bestehende
Stadtrepublik der Welt. Bremen wurde 787 als Bischofssitz gegründet und dank
Marktprivilegien blühte rasch auf, im 11. Jahrhundert gait er in der Welt als ,,Rom des Nordens".
1358 wurde die Stadt Mitglied im Städtebund der Hanse, der bis ins" 16. Jahrhundert den Handel
in Nord- und Osteuropa beherrschte. Die Bereitschaft zum Risiko im Handel zu Hause wie in der
Welt hat der Stadt Wohlstand gebracht. Im Jahr 1827 gründete Bürgermeister Schmidt an der
Mündung der Weser in die Nordsee einen neuen Hafen, weil der Fluss zu versanden drohte, und
nannte ihn Bremerhaven. Später wurden Bremen und Bremerhaven zu einer Stadt. In
Bremerhaven werden die Güter größtenteils per Container umgeschlagen. Beim Import von Tee
und Kaffee, Tabak und Baumwolle besitzt Bremen eine monopolartige Stellung in Deutschland.
Bremens Industrie beschränkt sich nicht auf Schifffahrt und Schiffsbau. Auch
Fahrzeugbau, Elektrotechnik, Nahrungs- und Genussmittelindustrie sind hier zu Hause. In der
Stadt ist auch Flugzeug- und Raumfahrtindustrie entwickelt. Bremerhaven ist auch das Zentrum
der deutschen Polarforschung.
Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt Bremen gehören der gotische St.-Petri-Dom und
das prachtvolle Renaissance -Rathaus mil seinem gastlichen Weinkeller, davor steht die
Rolandsäule von 1404, Symbol der Stadtfreiheit. In der Nähe ist auch das Denkmal der
Stadtmusikanten, Tierfiguren nach dem Märchen der Brüder Grimm, es ist ein Wahrzeichen für
Bremen.
Jedes Jahr am zweiten Freitag im Februar findet in Bremen die traditionelle
"Schaffermahalzeit" der Schiffer und Reeder statt und in den Bremer Rathaussaal werden
bedeutende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Deutschland geladen.
HESSEN
Das Land Hessen in der heutigen Form besteht erst seit 1945. Zuvor war das Land über
die Jahrhunderte bin fast immer in kleine Fürstentümer zersplittert. Jetzt ist die Fläche von
Hessen 21114 qkm und es hat 5,9 Mio Einwohner. Die Landeshauptstadt Wiesbaden ist nicht nur
ein Verwaltungszentrum, sondern auch ein elegantes Heilbad. Eine sehr wichtige Rolle spielt im
Leben des Landes Frankfurt. Hier kreuzen sich zahlreiche Verkehrswege. Der 17
Quadratkilometer große Frankfurter Rhein-Main-Flughafen mit seinen 25 Mio Passagieren im
Jahr gehört zu den 20 größten Flughäfen Europas, Frankfurt am Main ist Sitz der meisten
deutschen GroBbanken und vieler ausländischer Filial-banken. Es gibt hier viel Industrie und die
Luft ist ziemlich schlecht. Die Stadt ist sehr modern, sie hat viele Wolkenkratzer, und deshalb
nennt man Frankfurt auch "Main-Manhatten". Frankfurt ist die Geburtsstadt von Johann
Wolfgang Goethe (1749-1832). Das ist auch eine Stadt der Kunst, des Theaters und der Verlage.
Jedes Jahr im September oder im Oktober findet in Frankfurt am Main die größte Buchmesse
statt. Fast 5 000 Verlage aus etwa 80 Ländem zeigen hier ihre Romane, Kinder- und Ju
gendbücher, Lehrböcher, technische Bücher, Zeitschriften und wissenschafdiche Literatur. 280
000 Bücher stehen auf den Regalen in deft Messehallen, und davon sind über 801300 neu. Neben
den Neuerscheinungen werden auch jedes Jahr wieder alte Bestseller gezeigt, Bücher, die unsere
Eltern und Großeltern schon gelesen haben. Das Museumsufer am Main wird ständig erweitert.
Die Region ist nach dem Ruhrgebiet und neben Berlin das größte Wirtschaftszentrum
Deutschlands. Hier sind u. a. Firmen wie Hoechst und Opel oder Degussa ansässig. In der Stadt
Kassel in Nordhessen sind Maschinen-, Lokomotiv-, Waggon-, und Automobilbau entwickelt.
Kunstkennern ist Kassel wegen ihrer reichen Sammlungen der niederländischen Malerei und der
Gegenwartskunst bekannt. Landschaftlich reizvoll liegen die Universitätsstädte Marburg und
Gießen, sowie die Stadt Wetzlar, bekannt durch optische Industrie. Die Bergstraße und der
Rheingau gehören zu den besten deutschen Obst- und Weinbaugebieten. In Osthessen blickt die
Bischofs- und Barockstadt Fulda auf eine bedeutende Geschichte zurück.
MECKLENBURG-VORPOMMERN
Kein anderes Land ist so stark agrarisch geprägt und so dünn besiedelt wie MecklenburgVorpommern (23 835 qkm, 2,0 Mio Einwohner). Die alten Handelsstädte wie Strahlsund und Wiesmar
sowie Rostock und die Universitätsstadt Greifswald (gegründet 1456) bewahren mit ihrer markanten
Backsteinar chitektur die alten Traditionen. Diese Ostseestädte sind seit Jahrhunderten durch ihren
Handel mit den skandinavischen Ländern verbunden. Die Hansestadt Rostock ist die größte Stadt des
Landes (250 000 Einwohner); Landeshauptstadt wurde nach der Wiedervereinigung 1990 jedoch
Schwerin (130 000 Ein wohner). In dieser Stadt gibt es viele Zeugnisse der großen Architekturgeschichte,
die heute restauriert werden, z. B. das Schweriner Schloss mit seinen 300 Türmen und Türmchen.
Man nennt Mecklenburg-Vorpommern auch ,,das Land der tausend Seen", weil es mit Hunderten
von Seen bedeckt ist. Sein größtes Reichtum ist auch die unzerstörte Natur und das Wasser. Der größte
mecklenburgische See ist die Müritz (117 qkm), an seinem Ostufer erstreckt sich ein weites
Naturschutzgebiet. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es rund 260 Natur- und Landschaftsgebiete. Felder,
Wälder und Viehkoppeln lösen einander ab. 1992 kamen etwa 10 Millionen Touristen nach MecklenburgVorpommern, um die wunderschönen Landschaften zu bewundern. Wanderungen, auch mit dem Rad,
stehen noch im Kurs. Als Naturwunder gelten die Kreidefelsen auf Deutschlands größter Insel Rügen
(926 qkm). Diese Felsen und die Landschaft am Meer hat Caspar David Friedrich gern gemalt. Der
Fremdenverkehr als Industrie hat Zukunft in Mecklenburg-Vorpommern. Das grüne Binnenland
mit seinen einsamen Dörfern und blauen Seen kann ebenso wie die Küste und die Inseln MecklenburgVorpommerns ein ideales Ziel für Er-holungssuchende werden. Dabei muss man daran denken, dass der
Tourismus nicht zur Belastung für Landschaft, Natur und Umwelt wird.
Sonst ist das Land noch wenig industrialisiert. Wichtigste Wirtschaftszweige sind Landwirtschaft,
Ackerbau und Viehzucht. Die Küsten- und Binnenfischerei, die traditionelle Werftindustrie an der Küste
müssen auch entwickelt werden.
In Mecklenburg-Vorpommern spricht man Plattdeutsch, dieses Dialekt ist sehr eigenartig und die
Berliner oder Münchener verstehen die Mecklenburger nicht. Fritz Reuter beschrieb seinerzeit Land und
Leute sehr realistisch und erhob dabei Plattdeutsch zur Literatursprache. Der andere niederdeutsche
Dichter Uwe Johnson (1934-1984) setzte in seinen Romanen seiner Heimat und ihrer Menschen ein
literarisches Denkmal. Ein mecklenburgisches Märchen kann man das Leben Heinrich Schliemanns
(1822-1890) nennen. Der Pfarrersohn aus Mecklenburg war als Kaufmann so erfolgreich, dass er seinen
Jugendtraum verwirklichen konnte und grub auf eigene Rechnung die Stadt Troja in Kleinasien, die durch
Homer bekannt geworden war.
NIEDERSACHSEN
Das zweitgrößte Flächenland (47 349 Quadratkilometer) der Bundesrepublik heißt
Niedersachsen. Es ist in drei Großräume gegliedert: den Harz, das Weserbergland und die
Norddeutsche Tiefebene mit der Lüneburger Heide als Mittelpunkt. In Niedersachsen kreuzen
sich die großen Nord-, Süd- und West-, Ost-trassen der Auto- und Eisenbahn, hier verbindet der
Mittel-landkanal den Rhein, die Elbe und die Oder und damit die Binnenwasserstraßen Westund Osteuropas.
Fast zwei Drittel der Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt. Berühmt sind
Schinken aus dem Olderburger Land und Honig aus der Lüneburger Heide. Lange Tradition hat
die Aus-beutung der Bodenschätze: bedeutend war der Erzbergbau in Harz - schon im Mittelalter
wurde die Stadt Goslar durch Sil-bergewinnung reich, und 1775 wurde in Clausthal eine Schule
fur Berg- und Hüttenleute eingerichtet. Daraus entwickelte sich eine weltbekannte
Bergakademie. Die Kaliindustrie ist ein wichtiger Wirtschaftszweig Niedersachsens. Wichtig ist
auch die heimische Förderung von Erdöl und Erdgas: sie deckt etwa fünf Prozent des deutschen
Bedarfs. In Salzgitter wird das drittgrößte Eisenerzvorkommen Europas ausgebeutet. In
Braunschweig wird per Funksignal die exakte mitteleuropäische Zeit (MEZ) festgelegt. Die
Stadt Emden hat den drittgrößten deutschen Nordseehafen. Bedeutende Firmen produzieren hier
Schiffe und PKWs. In Wolfsburg werden die Autos Marke Volkswagen hergestellt. Die
Volkswagen AG gehört zu den größten Unternehmen des Landes. Ihre Autos sind in ganz
Europa bekannt und beliebt.
Von den 7,3 Millionen der Einwohner des Landes Nieder sachsen lebt eine halbe Million
in der Landeshauptstadt Han nover. Es ist eine international bekannte Messestadt: ihre Industriemesse und neuerdings die ,,GeBIT", eine Großschau der Kommunikationstechnik, zeigen
jährlich die Welt von morgen.
Die Universitätsstadt Göttingen hat in der Geschichte der Naturwissenschaften eine
bedeutende Rolle gespielt. Im 19. Jahrhundert lebte und wirkte hier der Mathematiker und
Astronom Karl Friedrich Gaus (1777-1855), ein Jahrhundertgenie. Im 20. Jahrhundert
unterrichteten oder studierten in Göttingen die Nobelpreisträger Max Born und Werner Heisenberg.
NORDRHEIN-WESTFALEN
Nordrhein-Westfalen liegt im Westen der Bundesrepublik und hat gemeinsame Grenzen mit Belgien,
und der Niederlande und mit den Bundesländern Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz. Das Land wurde
1946 aus Gebieten gebildet, die seit Beginn des 19. Jahrhunderts zu Preußen gehörten. Es ist mit 34 000
Quadratkilometern so groß wie Belgien und Luxemburg zusammen. Fast ein Drittel der Bevölkerung (17 Mio
Einwohner) lebt hier, es ist also das bevölkerungsstärkste Land der Bundes republik. Rund die Hälfte der
Menschen sind in Großstädten mit mehr als 500 000 Einwohnern zu Hause. Die Kernzone der rheinischwestfalischen Industrielandschaft ist das Ruhrgebiet, eines der reichsten Steinkohlenreviere der Welt. Zwischen
Köln und Aachen ist das größte Braunkohlenvorkommen der Bundes republik. Mit seinen rund 7,5 Einwohnern
ist es auch das größte Industriegebiet Europas. Daneben gibt es noch Texil- und Auto-mobilindustrie,
Maschinenbau, Zement- und Glaswerke, Kunst-faserindustrie, elektronische und chemische Betriebe sowie
Großbrauereien. 31 Großkraftwerke Nordrhein-Westfalens machen das Land zum Energiezentrum
Deutschlands. In Nordrhein-Westfalen, in Köln werden Fordwagen hergestellt. Nordöstlich vom Ruhrgebiet
erstreckt sich bis zum Teuto-burger Wald die Münsterländer Bucht mit der Universitätsstadt Münster als
Mittelpunkt. Hier dominiert die Landwirtschaft-Ackerbau und Viehzucht; das Münsterland ist berühmt durch
Pferdezucht und Reitsport.
Sehr entwickelt ist auch das Verkehrsnetz, das die zahlreichen Großstädte miteinander verbindet: Köln,
Essen, Dortmund, Düs-seldorf, Duisburg, Bochum, Wuppertal, Bielefeld, Solingen. Düs-seldorf, die Hauptstadt
des Landes Nordrhein-Westfalen (576 000 Einwohner), hat eine 700 jährige Geschichte hinter sich. Es ist einer
der wichtigsten Finanzplätze Deutschlands und auch als Kunststadt bekannt. Hier befinden sich die Deutsche
Oper am Rhein (Düsseldorf-Duisburg), das renommierte Schauspielhaus und bedeutende Gemäldesammlungen
(Kunstsammlung Nord-rhein-Westfalen, Kunstmuseum Düsseldorf)- Köln, die größte Stadt (über eine Mio
Einwohner) ist seit romischer Zeit bekannt. Mann nennt es Rom des Nordens, weil es die Römer waren, die das
erste Kapitel der Kölner Geschichte schrieben: Julius Cäsar hatte die Grenzen seines Romischen Reiches weit
nach Germania ausgedehnt und das Jahr 50 nach Christus gilt als Geburtsjahr Kölns. Heute ist es durch den
gotischen Dom und seine romantischen Kirchen berühmt und auch wegen seiner Museen. Der Kölner Dom ist
das Wahrzeichen der Stadt. Das ist das größte gotische Bauwerk in Deutschland, es wurde über 600 Jahre
gebaut. Köln ist Sitz eines Erzbischofs. Die Bevölkerung ist überwiegend katholisch. Man sagt, Köln haben die
drei ,,K" berühmt gemacht: Kirchen, Kneipen, Karneval. Am Rosenmontag findet hier der größte Karneval
Europas statt. 7 000 Menschen ziehen in bunten Kleidungen durch die Stadt (davon sind 3000 Musiker), und an
den Straßen stehen 700000 Zuschauer. In Köln wurde Eau de Cologne erfunden. Münster in Westfalen hat eine
bedeutende Universität. Südlich von Köln liegt Bonn. Bis 1946 war es eine mittelgroße Universitätsstadt. Nach
dem zweiten Weltkrieg, im Jahre 1946 wurde sie die Hauptstadt der Bundesrepublik. Nach der
Wiedervereinigung Deutschlands ist die Hauptstadt Deutschlands wieder Berlin, aber der Sitz der Regierung ist
immer wieder in Bonn. Trotzdem spielt die Stadt auch heute eine wichtige Rolle im Leben der Bundesrepublik
Deutschland weiter.
RHEINLAND-PFALZ
Mit 3,7 Millionen Einwohnern und der Fläche von 19 846 Quadratkilometern ist das Bundesland
Rheinland-Pfalz eines der kleinsten Ländern der Bundesrepublik. Es ist aber das größte deutsche
Weinbaugebiet: hier werden über zwei Drittel des deut-schen Weins erzeugt. Zwei von drei Flaschen des
in Deutschland gewonnenen Weines stammen aus Rheinland-Pfalz. Beherr-schender Fluss des Landes ist
der Rhein. Den Rhein entlang leben vier Fünftel der rheinland-pfälzischen Burger. Die Landeshauptstadt
von Rheinland-Pfalz heißt Mainz. In Mainz wurde Johannes Gutenberg geboren, der den Buchdruck aus
Metall erfand und die erste Bibel druckte.
Die Menschen von Rheinland-Pfalz unterscheiden sich viel-fach in Mentalität und Dialekt. Die
Pfälzer und Rheinländer sind lebenslustig, und die Menschen in der Eifel, im Hunsrück oder Westerwald
eher bedächtig. Im Wappen des Landes Rheinland-Pfalz erinnem das Mainzer Rad, das Trierer Kreuz und
der Pfälzer Löwe an die drei alten Kurfürstentümer - das ist bezeichnend fur die Vielfalt der Menschen
und Regionen in einem Land, wo die Dialektgrenzen manchmal mitten durch ein Dorf verlaufen: das
Land Rheinland-Pfalz wurde 1946 aus bayri-schen, hessischen und preußischen Gebieten gebildet, die
zuvor niemals zusammengehört hatten. Nach seiner Gründung zählte man das Land zu den ärmsten
Gebieten der Bundesrepublik Deutschland. Heute ist Rheinland-Pfalz das Land mit der höchsten
Exportrate und Sitz des größten Chemiewerkes in Europa - der BASF in Ludwigshafen, sowie der
größten europäischen Rundfunkanstalt, des Zweiten Deut-schen Fernsehens (ZDF) in Mainz.
Jährlich suchen sieben Millionen Gäste in Rheinland-Pfalz Erholung und Heilung in Kurorten mit
Mineralquellen. Die Reben in der Pfalz, an dem Rhein, der Mosel und der Aare erbringen zwei Drittel der
deutschen Weinernte. Bunt ist auch das Bild des Brauchtums. In jedem Herbst verwandelt sich das Land
in einen ,,fröhlichen Weinberg", so Carl Zuckmayer. Die unzähligen Weinfeste an dem Rhein, der Mosel
und der Aare, in der Pfalz und in Rheinhessen ziehen viele Touristen an. Weithin bekannt sind der
Wurstmarkt in Bad Dürkheim und das Backfischfest in Worms. In Neustadt an der Weinstraße wird jeden
Oktober die deutsche Weinkönigin gekürt. Traditionen werden auch im Musikleben gepflegt. Es gibt über
1000 Musik Vereinigungen. Zum kulturellen Leben gehören auch viele Theater, Museen und
Kunsthallen. Das Rheintal mit fast 30 Ritterburgen und Schlössern, die alten Dome, mittelalterliche
Stadtkerne und romantische Flusslandschaften machen Rhein land-Pfalz zu einem attraktiven Ziel fur
Besucher. In Rhein hessen gibt es unzählige Weinstuben, während die vulkanischen Kraterseen (die
Maare) den besondern Reiz der rauhen Eifel ausmachen.
SAARLAND
Die Saar, ein Nebenfluß der Mosel, hat dem Land den Namen gegeben und der Saarkanal
zwischen Dillingen und Konz/Mosel macht sie zur Großschifffahrtsstraße, Saarland ist der
kleinste deutsche Flächenstaat. Seine Fläche beträgt etwa 2 600 qkm und es hat 1,1 Mio
Einwohner. Saarland grenzt im Südwesten an Frankreich und Luxemburg. 1920 wurde das
Gebiet vom deutschen Reich abgetrennt und unter die Verwaltung des Völkerbundes gestellt.
1935 entschied sich die Bevölkerung mit großer Mehrheit fur die politische Wiedervereinigung
mit Deutschland. Ähnliches geschah nach dem Zweiten Weltkrieg: erneut wurde das Saargebiet
abgetrennt, aber seit 1957 gehört es wieder zur Bundesrepublik Deutschland.
Die Landeshauptstadt Saarbrücken (192 000 Einwohner) ist Messe- und Kongressstadt.
Sie zeigt die gelungene Verbindung von französischer und deutscher Lebensart. Die Saarländer
wissen zu genießen, was Küche und Keller herbergen. In dieser Stadt sind die Fach- und
Hochschulen konzentriert: u. a. Kunsthochschule und Musikhochschule, Universität,
Fachhochschulen, die auch von vielen Studenten aus dem benachbarten Frankreich besucht
werden.
Der Name einer der größten Städte des Landes Saarlouis erinnert daran, dass hier vor
rund 300 Jahren der französische König Ludwig XIV. eine Festung zum Schutz seiner
Eroberungen im Westen Deutschlands gründete. Heute ist Saarlouis von der Industrie geprägt hier sind Automobil- und Stahlbau, Nahrungsmittel- und Elektroindustrie entwickelt. Saarland
ist an Steinkohle und an Stahlwerken reich. Traditionelle Branchen mit überregionaler
Bedeutung sind auch die Glas- und die Keramikindustrien.
Die Produktion eines Untemehmens wie Villerou & Boch ist durch hohe Qualität und
Reichtum an Formen und Farben bekannt. Hier gibt es eine Harmonie zwischen deutscher
Gründlichkeit und französischem Charme.
FREISTAAT SACHSEN
Unter den neuen Bundesländern nimmt Sachsen (18 338 qkm, 4,7 Mio Einwohner) eine
Sonderstellung ein: erstens ist es am dichtesten besiedelt, zweitens - am stärksten industrialisiert, und
drittens war Sachsen Vorreiter bei der friedlichen Revolution, die 1990 Deutschlands Vereinigung
brachte. Die Hauptstadt von Sachsen ist Dresden (501 000 Ein wohner). Im Volksmund wird es
,,Elbflorenz" genannt. Dres den ist eine Kulturmetropole Deutschlands.
,,Die Perle des Barock" wurde 1945 im Inferno der Luft-angriffe fast vollständig zerstört, aber
nach dem Kriege wieder restauriert. Und jetzt können Touristen aus aller Welt den berührnten Zwinger
besuchen und auch die Werke der weltbekannten alten und modernen Maler in der Dresdener
Gemäldegalerie bewundern, oder im ,,Grünen Gewölbe" und in der Gemäldegalerie Alte Meister"
reichhaltige Sammlungen von Pretiosen gemessen. Dresden ist noch immer ein erstrangiges
Musikzentrum mil seiner wiederaufgebauten Oper, die von Gottfried Semper 1870-1878 im italienischen
Renaissance-Stiel errichtet wurde, mit der Staatskapelle und mil dem Kreuzchor.
Rund ein Fünftel der Sachsen lebt in Leipzig (530 000 Menschen). Johann Wolfgang von Goethe
(1749-1832) schrieb über Leipzig; ,,Mein Leipzig lob' ich mir. Es ist ein klein Paris und bildet seine
Leute." Johann Sebastian Bach (1685-1750) leitete hier den berühmten Thomanerchor, der universale
Gelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz entdeckte hier das binäre Zahlensystem und - unabhängig
von Newton - die Infinitesimalrechnung. In Sachsen wurden auch die Kompo-nisten Robert Schumann
(1810-1856) und Richard Wagner (1813-1883) geboren. Einst der bedeutendste deutsche Handels-platz
ist es jetzt auch als Messestadt bekannt. Jedes Jahr finden hier im Frühling und im Herbst internationale
Messen statt. Diese Stadt kann man mit Recht Tor nach Osteuropa nennen. Leipzig wird auch Stadt des
Buches genannt, weil es hier sehr viele Verlage gibt und viele Bücher gedruckt werden. ,,Klein Paris" war
auch einer der Brennpunkte des Widerstandes gegen das SED-Regime; 1989 demonstrierten die Leipziger
jeden Monntag mit dem Ruf: ,,Wir sind ein Volk!" Die Porzellanmanufaktur aus Meißen existiert seit
1710 und ist in der ganzen Welt bekannt. Weltweit bekannt sind auch handgefertigte Schnitzereien aus
dem Erzgebirge.
In Chemnitz mit Technischer Hochschule und Forschungs-instituten ist
Maschinenbau und Mikroelektronik gut entwickelt. Zwickau ist Automobilstadt, doch statt des
unvergessenen Kleinwagens ,,Trabant" (,,Trabi") wird hier der Volkswagen "Polo" hergestellt.
Die Kunst- und Geschäftssinn der Sachsen ist auch in den Jahrzehnten der sozialistischen
Planwirtschaft in der DDR nicht verschwunden. Sächsischer Unternehmergeist behauptet sich jetzt von
neuem. Von alien neuen Bundesländern werden diesem Land die besten wirtschaftlichen Prognosen
gestellt.
SACHSEN-ANHALT
Sachsen-Anhalt ist das klassische Mitteldeutschland an der Elbe und der Saale: das Land
zwischen dem Harz mil dem höchsten Gipfel Brocken (1142 Meter hoch), dem Blockberg in
Goethes ,,Faust", dem mystischen Hexentanzplatz der Wal-purgisnacht, und dem Fläming. Mit
2,9 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von rund 20 000 qkm ist dieses Bundesland größer
als Schleswig-Holstein oder Thüringen (beide rund 22,6 Millionen Einwohner). Sachsen-Anhalt
hat die kürzeste Tradition unter den Ländern auf dem Gebiet der friiheren DDK: Es bestand
sieben Jahre, von 1945 bis 1952. Dann wurden die Länder in der DDK durch Bezirke ersetzt.
Davor gab es eine preußische Provinz Sachsen, aber das Territorium mit Namen Anhalt wird
schon im 13. Jahrhundert erwähnt. Vor mehr als tausend Jahren, um 800 herum, gehört das Land
zum Staat Kaiser Karls des Großen. Er lässt Magdeburg gründen. 919 wird der Sachsenherzog
Heinrich I. erster deutscher König. Der Papst krönt seinen Sohn, Otto I., 962 zum ersten Kaiser
des Heiligen Römischen Reiches (später: deutscher Nation). Die deutschen Kaiser machten das
Gebiet um den Harz zu einem Kernland, zur Mitte des deutschen Reiches, nicht zuletzt, weil in
den Bergen große Silbervorkommen gefun-den wurden. Sachsen-Anhalt ist nur dünn besiedelt.
Das gilt besonders fur den Norden des Bundeslandes. Er ist agrarisch geprägt. Fast jeder vierte
der drei Millionen Einwohner lebt in den Groß-städten Halle (335 000 Einwohner), Magdeburg
(290 000) und Dessau (104 000). Die Mitte - das will das Land auch heute wieder sein, Verkehrsknotenpunkt zwischen Berlin, Hamburg, Dresden und Hannover. Vier Autobahnen, fünf
Fernbahnstrecken und der Mittelland-Elbe-Havel-Kanal kreuzen Sachsen-Anhalt. Seine
Hauptstadt, Magdeburg, liegt wiederum genau in der Mitte. Magdeburg wurde Landeshauptstadt
1990. Es ist ein Zentrum des Schwermaschinenbaus und Sitz einer Technischen Universität und
einer Medizinischen Akademie. In Halle wurde der Komponist Georg Friedrich Handel (16851759) geboren. Im Osten erstreckt sich der Kreis Anhalt-Wittenberg, mit der Luther-Stadt
Wittenberg, der Hauptstadt der Reformation, wo der Theolögieprofessor und Augustinermönch
Martin Luther 1517 seine 95 Thesen an der Tür der Schlosskirche geschlagen hat. Im Süden liegt
Merseburg, die JSLtadt der tausend Jahre alten Zaubersprüche. Und im Norden ist Preußens
Kernland, die Altmarkt, mit Städtchen wie Jerichof und Tangermünde. In der Altmark ist
Bismarck geboren (in Schönhausen), dort gibt es noch Storchennesten, Backsteingotik, stille
Dörfer und Seen. Sachsen-Anhalt ist das ökologisch schmutzigste Land Deutschlands, mit
kaputten Flüssen und Mondlandschaften aus dem Braunkohlenbau. Die Saale ist biologisch tot,
die Mulde war sett mehr als hundert Jahren Abwasserkloake fur die Chemiewerke in Bitterfeld.
Im Westen türmen sich die Salzberge, und die Luft in Bitterfeld oder Halle ist sehr schmutzig.
Braunkohle, Kupfer, Salz, Kalk und Gips - das sind Bodenschätze, die das Land Sachsen-Anhalt
besitzt. Die Chemie- und Braunkohlezent-ren Halle, Bitterfeld, Leuna, Wolfen und Merseburg
brauchen umfangreiche Investitionen zur Sanierung der Umweltschäden und zum Ausbau einer
neuen Infrastruktur-Folge der verfehlten Industriepolitik der früheren DDR.
SCHLESWIG-HOLSTEIN
Schleswig-Holstein (15 700 Quadratkilometer) ist das einzige Bundesland, das an zwei
Meeren liegt: Nord- und Ostsee. Es grenzt im Norden an Dänemark. Schleswig-Holstein war ein
Jahrtausend lang Streitobjekt zwischen Deutschland und Däne mark. Nach zwei deutschdänischen Kriegen kam es 1864 endgültig zu Deutschland und wurde 1866 preußische Provinz.
Im Westen besteht das Land aus fruchtbarem Marschland, in der Mitte aus der sandigen Geest
und im Osten aus einer Hügel- und Seelandschaft. Im Westen liegen die Nordfriesischen Inseln
Sylt, Amrum und Föhr. Zu Schleswig-Holstein gehört auch die Buntsteinsandinsel Helgoland,
die steil aus der Nordsee aufragt. Hier verfasste Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1841 das
Deutschlandlied. An der Ostküste gibt es viele Naturhäfen, wo sich die Landeshauptstadt Kiel
(224 000 Einwohner) und die alte Hansestadt Lübeck (213 000) befinden. Von den Ostseehäfen
füihren Führverbindungen nach Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland. LübeckTravemünde zählt zu den wichtigsten deutschen Fährhäfen. Lübeck wird auch ,,Tor zum
Norden" genannt. Die kürzeste Verkehrsverbindung zwischen der Bundes-republik und
Skandinavien ist die sogenannte Vogelfluglinie über die Insel Fehmarn. Der Nord-Ostseekanal auch als ,,Kiel-Kanal" bekannt - verbindet die Unterelbe mit der Kieler Förde. Mit seinen 2,6
Mio Einwohnern ist Schleswig-Holstein nur dünn besiedelt. Es ist noch landwirtschaftlich
geprägt, besonders durch Rinderhaltung und Schweinemast. Stolz auf ihre Tradition ist auch die
Küstenfischerei an Nord- und Ostsee. In den Ostsee häfen ist die Werftindustrie entwickelt.
Besondere Bedeutung haben fur Schleswig-Holstein die Landgewinnung und der Küstenschutz
an der Ostsee. Die Bäder an der Ost- und Nordsee sowie die Holsteinische Schweiz mit ihren
Seen sind auf Fremdenverkehr orientiert. Der Nationalpark Wattenmeer an der Nordsee lockt
Naturfreunde. Besuchenswert sind auch die Stadt Möln oder die Domstadt Schleswig mit dem
spätgotischen Bordesholmer Altar, einem Meisterwerk der Holzschnitzerei, der von 1514 bis
1521 von Hans Brüggemann geschaffen wurde. Die Stadt Lübeck ist als deutsches
Weltkulturdenkmal in die Weltkulturliste der UNESCO eingetragen. In die Weltliteratur gingen
die Romane von Thomas Mann, der aus Lübeck stammt. Im Mai 1993 wurde in Lübeck im Haus
der Großeltern von Thomas und Heinrich Mann das ,,Buddenbrook-Haus" als Gedenkstätte
eröffnet. Bei der traditionellen ,,Kieler Woche" treffen sich alljährlich im Juli Segelsportler aus
aller Welt.
FREISTAAT THÜRINGEN
Wegen seiner Lage und seines Waidreichtums wird Thüringen (16250 qkm, 2,7 Mio
Einwohner) auch ,,Deutschlands grünes Herz" genannt. Die Landeshauptstadt Erfurt (209 000
Einwohner) - es nennt man oft ,,Gartenstadt" - wurde schon im 8. Jahrhundert gegründet und ist
heute mit seinen ungewöhnlich vielen Patrizierhäusern, Kirchen und Klöstern in der Altstadt
arphitektonisches Freilichtmuseum.
Das Land ist jung und alt zugleich. Sehrjung ist das Bundes-land; Thüringen - vor der
Wiedervereinigung 1990 - existierte in den heutigen Grenzen nur fur kurze Zeit, nach dem
zweiten Weltkrieg., als die Länder erst geschaffen und 1952 in der früheren DDR durch Bezirke
ersetzt wurden. Sehr alt ist das Reich der ,,toringi". Eine lateinische Schrift aus dem 4.
Jahrhundert nach Christus erwähnt den germanischen Stamm. Bonifatius, ,,der Apostel der
Deutschen", übernimmt im achten Jahrhundert die Missionsarbeit. 742 meldet er dem Papstdie
Gründung des Bistums Erfurt. Schon 755 legen die Mainzer ihre Hand auf den neuen
Besitzstand. Erfurt wird zu einem Teil des Erzbistums am Rhein- and Weibt es bis 1802.
Thüringen und Thiüringer erlebten in ihrer Geschichte eine BJnteaeit und schwarze Tage. Gegen
Ende des 17. Jahrhunderts war es in viele Erbfurstentümer geteilt, aus Thüringen wird ein
Rickenteppich. Erst naeh dem Ersten Weltkrieg wird aus acht Fürstentümern ein Land. Jeder
Landes-herr wollte natürlich seine Oper, sein Theater, sein Orchester-und eines besser als das
andere. Der bedeutendste Mäzen des Landes Herzog Karl August von Sadisen-Weimar holte in
seine Residenzstadt Wieland, Herder, Schiller (1759-1805) und vorallem Goethe (1749-1832).
Johann Wolfgang von Goethe lebte in Weimar den größten Teil seines langen Lebens. In
WejttjarJ] entstanden einige der berühmtesten Werke dieses Dichters, so z.B. die endgültige
Fassung der Faust-Dichtung. Es gibt hierl jetzt Goethe-Wanderwege und Goethe'-Straßen en
masse. Auf dem Kickelhahn im Thüringer Wald steht die Jagdhütte, an deren Tür der große
Deutsche am 6. September 1790 seine Unsterblichen Verse geschrieben hat: ,,Über allen Gipfeln
ist Ruh' in allen Wipfeln spürest Du / kaum einen Hauch..." In Rudolstadt wird die Wohnung
gezeigt, wo Goethe und Schiller zum ersten Mal zusammentrafen. Friedrich Schiller lebte in
Weimar von 1787 bis 1789 und von 1799 bis 1805. Hier sehrieb er u. a. seinen ,,Wilhelm Tell".
Johann Sebastian Bach wurde 1685 in Eisenach geboren, Luther war Student der Erfurter
Universität und Mönch des Augustinerklosters, Heinrich Heine machte 1824 seine berühmte
Wanderung durch den Harz und Thüringen, Friedrich Nietzsche wuchs in Naumburg auf. In der
zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts konzertierte und komponierte Franz Liszt \ (1811-1886)
in der Stadt. Als es Mode wurde, Universitäten zu gründen, zogen bedeutende Wissenschaftler
nach Thüringen. In Jena lehrten die Philosophen Fichte, Schelling und Hegel.
Den wirtschaftlichen Aufschwung im 19. Jahrhundert verdankt Thüringen seinen
Maschinenbauernund Werkzeugmachern: von Zeiss optische Geräte und Messinstrumerite,
Industriegläser von Schott in Jena, Spielwaren aus Sonneberg, Jagdwaffen aus Suhl, Glaswaren
aus flmenau. Heute arbeitet rand ein Fünftel der Erwerbstätigen in Thüringen in der
Elektrotechnik, ein weiteresl Fünftel iffl Fahrzeugbau. Opel ist unter anderem in Eisenach,
Krupp - in Arnstadt und Erfurt präsent. Große Tradition hat das Fachwerk. In der Landwirtschaft
werden Gerste, Weizen, Kartoffeln, Zuckerrüben und Obst angebaut.
MÜNCHEN
München ist Haupstadt des Landes Bayern. Das 1158 gegründete München entwickelte sich sehr schnell
durch seinen Salzhandel. Die Stadt zählt heute über 1,2 Millionen Einwohner. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde
München zur drittgrößten Stadt (nach Berlin und Hamburg) und einer der am schnellsten wachsenden Städte
Deutschlands. Seinen Aufstieg verdankt München der sich schnell entwickelnden Wirtschaft, seinem kulturellen
Leben, seiner Gastronomic und der schönen Umgebung. Die Stadt München ist Sitz der Bayerischen Staatsregierung
und vieler deutschen Behörden.
München ist eines der bedeutendsten deutschen Kunst-und Kulturzentren. In der Stadt gibt es sehr viele
Museen, z.B. Alte und Neue Pinakothek. Die alte Pinakothek ist eine der größten Gemäldesammlungen der Welt mit
den Werken der europäischen Meister vom Mittelalter bis zum 18. Jahr-hundert. Die Neue Pinakothek besitzt eine
reiche Gemälde — und Skulpturensammlung aus dem 19. Jahrhundert. Das sind die Werke der deutschen Meister.
Das Deutsche Museum zeigt in seinen Ausstellungsräumen viele historische Geräte und Maschinen. Mit Hilfe
verschiedener Modelle werden komplizierte naturwissenschaftliche und technische Vorgänge gezeigt. Besonders
interessant sind die Abteilungen «Bergwerk», «Schiffahrt» und «Flugwesen» sowie das Planetarium.
In der Stadt gibt es einige Gemäldegalerien, Bayerisches Nationalmuseum, Deutsches Jagdmuseum,
Theatermuseum und viele andere Museen. München verfügt über viele Bi-bliotheken. Die Bayerische
Staatsbibliothek zählt etwa 4,5 Millionen Bander. Hier ist auch die größte wissenschaftliche Bibliothek der BRD.
In München gibt es viele staatliche und städtische Theater, zum Beispiel National-, Residenz-,
Gärtnerplatz-Theater, Kammerspiele, Theater der Jugend sowie private Theater. Seit 1901 finden in der Stadt jedes
Jahr Opernfestspiele statt.
In der Stadt sind zwei Universitäten und viele Hochschu-le'ri, Akademie der Bildenden Künste, Hochschule
fur Fern-sehen und Film, Fachhochschulen, Forschungsinstitute, Aka-demien der Wissenschaften und der Schönen
Künste u.a. München ist — nicht nur ein Kulturzentrum mit verschiede-nen Baudenkmälern, Theatern und
Kunstsammlungen, sondern auch eine bedeutende Industriestadt. Als Wirtschafts-zentrum steht München nur hinter
Hamburg und Berlin. Besonders stark sind hier die Elektrotechnik, Druckindustrie, Bekleidungs-, Nahrungs—und
Genußmittelindustrie entwikkelt. Zu den wichtigsten Industriezweigen Münchens gehö-ren auch der Fahrzeug —
und Maschinenbau. Überall bekannt sind die schnellen BMW-Wagen der Bayerischen Motorenwerke. Optik,
Feinmechanik und Pharmazeutik be-stimmen auch die Industrie Münchens.
In der Stadt gibt es viele alte Baudenkmäler, z.B. die in den 15. und 16. Jahrhunderten gebauten Kirchen
und Gebäude. Im zweiten Weltkrieg wurde fast die Hälfte der Stadt zer-stört, aber jetzt schon wiederaufgebaut. Das
bekannteste Wahrzeichen von München sind die beiden Kuppeltürme der Frauenkirche. Der Dom wurde im 15.
Jahrhundert erbaut und Unserer Lieben Frau geweiht. Der Dom ist genauso lang wie seine Türme hoch sind: 100
Meter. Seit 1810 wird in München alljährlich das Oktoberfest als großer Feiertag der Stadt gefeiert. Das Oktoberfest
ist auch mit der Eröffnung der Messe verbunden. Viele deutsche und ausländische Touristen kom-men nach
München, um das Oktoberfest mitzuerleben.
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