mail-korrespondenz von mark kuster und samuel wanitsch an die ta

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Mail von Mark Kuster an TA-Online Redaktor Samuel Steiner,
gesendet am 19. Oktober 2012
Sehr geehrter Herr Steiner
Mein Name ist Mark Kuster. Ich bin der Gründer der politisch und konfessionell
unabhängigen Kinderhilfsorganisation Camaquito, die seit 2001 Kinder und Jugendliche in
Kuba in den Bereichen Bildung, Sport, Kultur und Gesundheit unterstützt.
Vor meiner Aktivität in Kuba war ich Präsident der Jungen SVP Schweiz. Ich bin sicherlich
nicht mit „verschlossenen“ Augen nach Kuba gegangen. Kann heute aber nach über 11
Jahren (davon 9 Jahre lebend vor Ort) sagen, dass Kuba in vieler Hinsicht ein Vorbild für
Lateinamerika sein kann.
Ich bin ab dem 1. November wieder für 6 Wochen in der Schweiz. Für ein Interview stehe ich
gerne zur Verfügung.
Herzlichst,
Mark Kuster
Mail von Samuel Wanitsch, Vereinigung Schweiz-Cuba
an TA-Online Redaktor Samuel Steiner,
gesendet am 17. Oktober 2012
Betreff: Cuba und der berufsethische Kodex von Journalisten in der Schweiz
Sehr geehrter Herr Sebastian Steiner, Mitglied der Tages-Anzeiger Online Redaktion
ich erlaube mir, Sie an Ihre beruflichen Sorgfaltspflichten zu erinnern. In Ihrem gestrigen
"Interview" mit dem Thema "Das ist eine kleine Revolution" haben Sie sich grobe
Unterlassungen zu Schulden kommen lassen.
Ich erinnere Sie an die "Erklärung der Pflichten der Journalistinnen und Journalisten" des
Schweizer Presserates und insbesondere an die Artikel 1,3 und 4 - nachstehend zitiert:
1) Sie halten sich an die Wahrheit ohne Rücksicht auf die sich daraus für sie ergebenden
Folgen und lassen sich vom Recht der Öffentlichkeit leiten, die Wahrheit zu erfahren.
3) Sie veröffentlichen nur Informationen, Dokumente, Bilder, und Töne deren Quellen ihnen
bekannt sind. Sie unterschlagen keine wichtigen Elemente von Informationen und entstellen
weder Tatsachen, Dokumente, Bilder und Töne noch von anderen geäusserte Meinungen. Sie
bezeichnen unbestätigte Meldungen, Bild -und Tonmontagen ausdrücklich als solche.
4) Sie bedienen sich bei der Beschaffung von Informationen, Tönen, Bildern und Dokumenten
keiner unlauteren Methoden. Sie bearbeiten nicht oder lassen nicht Bilder bearbeiten zum
Zweck der irreführenden Verfälschung des Originals. Sie begehen kein Plagiat.
(„Die Zahl der Journalisten, die den berufsethischen Kodex nie gesehen haben, steigt
offenbar“- Roger Blum, ex-Präsident CH-Presserat am 2. Dezember 2000 im Tages Anzeiger)
Sie schreiben im Lead: Der in Kuba lebende Journalist Oscar Alba erklärt, wie die
Bevölkerung auf die Reform reagiert.
Sie wissen das Folgende und gleichwohl unterschlagen Sie es der Leserschaft:
- Mit dem Namen Oscar Alba machen Sie glauben, es handle sich um einen kubanischen
Journalisten
- Sie wissen, dass es sich um das Pseudonym eines Schweizers namens Niels Walter
handelt
- Sie wissen, dass sich dieser frühere Mitarbeiter des TagesAnzeiger nicht als Journalist,
sondern jeweils mit dem Touristenvisum eine gewisse Zeit in Kuba aufhält
- Sie unterschlagen auch den Ort, wo das Interview zustande kam (wohl eher in
Winterthur oder Zürich als in Havanna...)
Abgesehen von obiger Kritik verhilft auch die Fragestellung im Interview in keiner Weise,
eine faire und objektive Darstellung der getroffenen Massnahmen zu erreichen; was dann
logischerweise und gewünscht zur immergleichen einseitigen Schuldzuweisung führt. Gerne
füge ich deshalb nachstehend noch einige ergänzende Informationen an - nicht ohne
nachzufragen, wieso Sie sich so opportunistisch diesem billigen Cuba-Bashing unterwerfen?
(....) Kurz nach Veröffentlichung der neuen Regelungen hatten sich im Internetportal Cubadebate (www.cubadebate.cu) bereits Dutzende Teilnehmer zu Wort gemeldet. Neben vielen
Fragen zu Details gab es vor allem Zustimmung, wie einige Beispiele zeigen. »Wenn die Kubaner mehr reisen, wissen sie, was sie zu Hause haben«, meint Felicia Padron. Und Ana freut
sich: »Jetzt ist den Menschenhändlern in Miami das Geschäft verdorben.« Ericka unterstützt
Maßnahmen gegen ausländische Abwerbungen: »Kein Kubaner will ein Land ohne Ärzte,
Lehrer und Fachkräfte.« Edy Alberto schreibt: »Wir Kubaner haben unsere Politik verändert.
Wann bewegen sich die USA?« Und Ramón stellt eine Frage, die viele bewegt: »Werden die
ausländischen Botschaften in Kuba uns jetzt die zum Reisen notwendigen Visa ausstellen?«
Im Gegensatz zu den meist positiven Reaktionen kritisierte die »Bloggerin« Yoani Sánchez die
Beschlüsse unter anderem deswegen, weil auch künftig keine Auslandskubaner einreisen dürfen, »die an feindlichen Aktionen gegen die politischen Grundsätze des Staates« teilnehmen
wollen. Paradox ist, daß von den Neuerungen vermutlich vor allem die vom Ausland alimentierten »Oppositionellen« profitieren werden, die weder finanzielle noch Visa-Probleme
haben.
Für normale kubanische Bürger ist dagegen die Verweigerung von Visa durch die Botschaften
europäischer Länder, Kanadas und der USA schon jetzt das Haupthindernis für Auslandsreisen. Während Kuba ein deutliches Zeichen zur Normalisierung gesetzt hat, bleiben diese Länder bei ihren restriktiven Regelungen zur Visaerteilung für Kubaner. In den USA gilt außerdem
seit Februar 1963 ein Gesetz, das US-Bürgern bei Strafe verbietet, nach Kuba zu reisen."
aus junge welt: http://www.jungewelt.de/2012/10-18/028.php
Die Hoffnung (auf faire Berichterstattung) stirbt zuletzt...
Mit freundlichen Grüssen
Samuel Wanitsch
Vereinigung Schweiz-Cuba
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