Lernen

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FGZ
LERNEN
EIN VERGLEICH MODERNER HIRNFORSCHUNG MIT
ALTBEWÄHRTEN WEISHEITEN
Alexander Kallay
23.08.2011
BETREUER
Herr A. Morell
INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort ...................................................................................................................................................... 3
Danksagungen ......................................................................................................................................... 3
Warum habe ich mich für das Thema „Lernen“ entschieden? .............................................. 3
Was will ich mit meiner Maturaarbeit erreichen? ..................................................................... 4
1.
Das menschliche Gehirn – ein Einblick ........................................................................................... 5
2.
Das menschliche Nervensystem ........................................................................................................ 6
2.1
Das Neuron .................................................................................................................................. 7
2.2
Gliazellen ...................................................................................................................................... 8
2.3
Synapsen....................................................................................................................................... 9
3.
Verknüpfung der Neuronen zu einem Nervensystem ........................................................... 10
4.
Informationsselektion ........................................................................................................................ 10
5.
Erregungsübertragung interneuronal ......................................................................................... 12
6.
7.
5.1
Ruhepotenzial.......................................................................................................................... 13
5.2
Aktionspotenzial .................................................................................................................... 14
5.3
Entstehung eines Aktionspotenzials .............................................................................. 15
5.4
Ausbreitung des Aktionspotenzials ................................................................................ 15
5.5
Weiterleitung des Signals an der Synapse.................................................................... 16
Material & Methoden .......................................................................................................................... 17
6.1
Testart ........................................................................................................................................ 17
6.2
Testpersonen ........................................................................................................................... 19
6.3
Bedingungen der Testpersonen ....................................................................................... 19
6.4
Grober Ablauf .......................................................................................................................... 19
6.5
Gruppen ..................................................................................................................................... 19
6.6
Genauer Ablauf........................................................................................................................ 20
6.7
Erwartung ................................................................................................................................. 21
Resultate .................................................................................................................................................. 22
7.1
Portraits ..................................................................................................................................... 22
7.1.1
Gruppe A&S ............................................................................................................. 22
7.1.2
Gruppe A&H ............................................................................................................ 23
7.1.3
Gruppe M&S ............................................................................................................ 24
7.1.4
Gruppe M&H ........................................................................................................... 25
7.2
Vergleiche ................................................................................................................................. 26
7.3
Gruppenfazit ............................................................................................................................ 31
1
8.
9.
Diskussion ............................................................................................................................................... 32
8.1
Der Einfluss der Logik auf Behalten und Vergessen ................................................ 32
8.2
Synaptische Plastizität ......................................................................................................... 34
8.3
Was ist mit Gedächtnis gemeint? ..................................................................................... 37
8.4
Gedächtnisarten...................................................................................................................... 39
8.5
Rückwirkende Hemmung bzw. Nachreifen ................................................................. 41
8.6
Satt versus hunger ................................................................................................................. 43
Zusammenfassung ............................................................................................................................... 44
10. Quellenverzeichnis .............................................................................................................................. 45
11. Abbildungsverzeichnis....................................................................................................................... 46
2
Vorwort
Es existieren bereits zahlreiche Arbeiten über die verschiedensten Lernprozesse im Gehirn.
Aufgrund der großen Komplexität variieren die Fokusse stark. Es gibt Dossiers, die sich zum
Beispiel mit dem Einfluss des Hormonsystems auf die menschliche Informationsverarbeitung
beschäftigen. Andere Studien geben Auskunft über die verschiedenen Gedächtnisarten und
ihre Wichtigkeit. Aber es hat meines Wissens noch niemand versucht, Sprichwörter über das
Thema „Lernen“ mit (m)einem Testverfahren zu überprüfen. Somit bereichert meine Arbeit
die schon zahlreich entstandenen Untersuchungen und der Leser hat mehrere Gründe, meine
Maturitätsarbeit zu lesen: Er kann sich die Lernprozesse vor Augen führen und wird über die
Zuverlässigkeit der drei selektionierten Redewendungen informiert, welche durch repräsentative Tests begründet werden. Zusätzlich erfährt er etwas über den aktuellen Forschungsstand
und kann die Meinung dazu von einem Spezialisten zur Kenntnis nehmen, der seinerseits
meine Interpretation noch aus einer anderen Perspektive begutachtet. Damit die Spannung im
Text aufrechterhalten bleibt, sind Extrainformationen eingebaut, die das ganze Teilgebiet abrunden und besser verständlich machen.
Danksagungen
Ich möchte mich zuallererst bei allen Beteiligten für die tatkräftige Unterstützung bedanken,
ohne die diese Maturaarbeit nicht in diesem Rahmen zustande gekommen wäre. Dabei wende
ich mich konkret an die Klassenlehrkräfte Frau B. Isler sowie Herrn H. R. Bühlmann, die mir
durch Ihr Vertrauen Ihre jeweiligen Klassen VK 2 und 1.2 des Schuljahres 2010 bis 2011 zur
Verfügung gestellt haben. Zusätzlich möchte ich mich ganz herzlich bei Frau Dr. Catherine
Alioth, tätig im Neuroscience Network Basel, bedanken, die mir bei der Erarbeitung des Tests
geholfen hat. Nicht zu vergessen ist der Einsatz der Schülerinnen und Schüler der erwähnten
Klassen, die ganze Arbeit für meinen Test geleistet haben, den sie mit Bravour meisterten.
Warum habe ich mich für das Thema „Lernen“ entschieden?
Das wichtigste Organ unseres Körpers ist das menschliche Gehirn. Es steuert alle unbewussten und bewussten Vorgänge. Grund genug, ihm große Beachtung zu schenken. Trotz intensivster Hirnforschung sind heute viele Teile unentdeckt. Motivation genug, die heutigen
Kenntnisse aufzuzeigen. Da der Aufgabenbereich unseres Gehirns unermesslich groß ist,
wollte ich mich auf einen Teil konzentrieren: das Gedächtnis; die menschliche Informationsspeicherung auf Basis neurobiologischer Grundlagen. Was passiert in unserem Gedächtnis,
3
wenn wir lernen? Welche Veränderungen laufen ab beim Wiederholen? Wann vergessen wir
den Inhalt nie oder nicht so schnell wieder? Was bedeutet „vergessen“?
Ein weiterer Grund für die Wahl dieses Themas war, dass ich meine Lernmethode perfektionieren und somit schauen wollte, was das „Lernen“ auch beeinflussen könnte, im positiven
wie im negativen Sinne; und schließlich: Wie könnte man, neurobiologische Kenntnisse vorausgesetzt, die Lernprozesse effizienter gestalten und somit das Kosten-Nutzen-Prinzip steigern?
Ebenso war es meine Absicht, den Begriff zusätzlich noch volkstümlich zu untersuchen. Ist
„Lernen“ ein Thema der Moderne oder hat man sich immer schon damit befasst? Was eignet
sich da besser, als drei altbekannten, jeweils an die nächste Generation weitergegebenen
Weisheiten in Form von Sprichwörtern auf den Grund zu gehen:
Sprichwörter
1.
Übung macht den Meister.
2.
Wer viel schläft, lernt wenig.
3.
Plenus venter, non studet libenter.
All diese Fragen gaben bei mir den Ausschlag, das Thema „Lernen“ genauer unter die Lupe
zu nehmen.
Was will ich mit meiner Maturaarbeit erreichen?
Das Ziel ist, die Gültigkeit dreier Sprichwörter zu beweisen oder zu widerlegen in Bezug auf
die von mir entwickelten Tests. Vorausgesetzt ist ein Basiswissen auf neurobiologischer
Grundlage, welches ab Kapitel 1 zu lesen ist. Es liegt mir erstens am Herzen, die Abläufe
beim Lernprozess sehr detailliert und mit Fachwörtern zu beschreiben, zweitens will ich die
bei den bekannten Redewendungen festgehaltenen Behauptungen genaustens untersuchen,
mit den erhaltenen Zahlen interpretieren und nachher mit Resultaten anderer Studien vergleichen, ebenso mit dem aktuellen Forschungsstand.
Zur Lektüre
In meiner Maturaarbeit habe ich Einfachheitshalber nur die männliche Form verwendet.
4
1.
Das menschliche Gehirn – ein Einblick
Das Gehirn – Zentrum aller Lernvorgänge – ist ein hoch komplexes Organ, welches knapp
anderthalb Kilogramm wiegt. Bei unterschiedlichen Reizen wird eine bestimmte Kombination
von Gehirnregionen aktiv, manchmal nur ein Wahrnehmungsfeld. Danach werden die verarbeiteten Reize zu den Assoziationsfeldern geleitet, die diese weiterverarbeiten.
Abbildung 1: Assoziationsfelder im Gehirn
Die graue Gehirnrinde1, ein
zusammengeschobener Lappen, ist ein im Menschen
sehr ausgeprägtes Organ. In
diesem halben Quadratmeter
pro Hirnhälfte spielen sich
Denken, Erkennen, Erinnern,
Kombinieren,
Lernen
und
Die
zwei
Gehirnrinden
sind
Vergessen
grauen
Abbildung 2: Bild der grauen Gehirnrinde der linken Gehirnhälfte eines
Menschen mit den verschiedenen Gebieten und deren Funktionen
ab.
durch den Balken, eine Brücke aus Nervenfasern, ver-
bunden. Spezifische Lernprozesse nisten sich mit zunehmendem Alter in einer bestimmten
Gehirnhälfte ein. Die beiden Hörzentren zum Beispiel unterscheiden sich dadurch, dass sich
in den späteren Jahren in 90 bis 95% aller Menschen das aktive Sprachzentrum in der linken
1
= Cortex
5
Hemisphäre (vom Menschen aus gesehen) befindet. Geräusche und Musik werden im rechten
Hörzentrum verarbeitet. Auch wissen wir, dass sich das Sehzentrum im Hinterkopf befindet.
Nun hat man den Eindruck, schon eine Menge über dieses Organ zu wissen. Jedoch hat die
Gehirnforschung noch lange nicht alle Bereiche des Großhirns erfasst.
Man stellt sich deshalb in den Neurowissenschaften schon lange die Frage, wo die „Information“ in unserem Gehirn gespeichert ist. Ein paar Antworten sind bereits gefunden worden.
(siehe 8.4.3.1 Deklaratives Gedächtnis & 8.4.3.2 Prozedurales Gedächtnis) Man weiß, dass
Informationen von so hoher Bedeutung sind, weil man sie, im Gegensatz zu Energie und Materie, nach der Weitergabe immer noch besitzt. Man kann sogar Nachrichten vervielfältigen,
ohne dabei noch mehr davon aufnehmen zu müssen. Information ist also ein abstrakter Begriff, der weder auf Raum noch auf Zeit angewiesen ist.
Auf der Suche nach dem Speicher- und Verarbeitungsort unserer Informationen sind wir gezwungen, in das noch weitaus unbekannte, aber geheimnisvolle Gewebe, die graue Gehirnrinde, einzudringen. Dieses faustgroße „Ding“ besteht alleine schon aus zehn Milliarden Nervenzellen. (Vester, 2006, S. 26 – 30) Wie man später erfährt, sind Nervenzellen in verschiedenen Kreisen miteinander verknüpft, welche ebenfalls wieder untereinander zusammenhängen. Doch wie ist nun die Rolle einer einzigen Nervenzelle in diesem komplizierten System
zu gewichten und wie sieht sie aus? Dazu betrachten wir zuerst unser Nervensystem.
2.
Das menschliche Nervensystem
Ohne die Existenz des gesamten menschlichen Nervensystems wären wir nicht nur unfähig, uns koordiniert zu bewegen und äußerliche Reize wahrzunehmen.
Dieses Organ ist unabdingbar, denn es ist in der Lage,
Reize der Sinnesorgane in elektrische Impulse umzuwandeln und in wenigen Bruchteilen einer Sekunde
weiterzuleiten. Die Hauptaufgabe des Gehirns ist die
Speicherung von Informationen, die zuerst von verschiedenen Körperteilen im peripheren Nervensystem aufgenommen, dann durchs Zentralnervensystem ans Gehirn übermittelt und schließlich im Ge-
Abbildung 3: Das Zentralnervensystem des
Menschen; bestehend aus dem Gehirn und
dem Rückenmark
dächtnis verarbeitet und gespeichert werden. Ohne
diese beiden Systeme wäre man nicht in der Lage, sich
6
einen gewissen Inhalt für eine längere Zeit zu merken.
Für diese Informationsverarbeitung, die entweder bewusst im vegetativen Nervensystem2 oder unbewusst
im somatischen Nervensystem3 ablaufen kann, gibt es
aber nur zwei wichtige Bestandteile, die dafür notwendig sind. Erstens die Neuronen, von denen um die 15
Milliarden allein schon in unserem Gehirn Platz finden.
Dazu kommen aber noch andere Zellen, die sogenannten Gliazellen. (siehe 2.2 Gliazellen) Allein schon im
Gehirn beträgt die Gesamtlänge aller Neuronen etwa
500'0004 Kilometer.
Abbildung 4: Das Zentralnervensystem
mit dem peripheren Nervensystem
Da aber auch die Funktionsweise der Gliazellen sehr
komplex und detailliert ist, beschränke ich mich hauptsächlich
auf
die
Neuronen.
(Neurobiologische
Grundlagen, S. 1 – 2)
2.1
Das Neuron
Mit einem nur 5 – 10 μm grossen Zellkern, der sich im Zellkörper Soma befindet, sind die Neuronen die bedeutungsvollsten und kompliziertesten Zellen. (Formüller, 1991, S. 6) Das Soma
bildet auch ein Protein- oder Peptidmolekül5, das bestimmt, sobald es durch das
Abbildung 5: Vereinfachte Darstellung eines Neuron
Axon gewandert ist, mit welchen Neuronen
Kontakt
aufgenommen
werden
muss. Schätzungsweise besitzt ein Mensch rund 15 Milliarden davon. Sie haben die Aufgabe,
einerseits Mitteilungen von anderen Neuronen zu empfangen und weiterzuleiten. Auch in
ihren Kompetenzbereich fällt der Energiegewinn von Nährstoffen durch Oxidation; ebenso
können sie sich selber am Leben erhalten, weil sie molekulare Schäden selbst reparieren könNicht willentlich beeinflussbar
Bewusste Aufnahme von Kontakten zur Umwelt über die Sinnesorgane und die dem Willen unterworfene Motorik (Willkürmotorik) (Somatisches Nervensystem, 2011)
4 Distanz Erde-Mond = 384‘000 km
5 Sogenannte „Erkennungsmoleküle“
2
3
7
nen. Andererseits müssen sie in der Lage sein, auf Einflüsse von einem Sensoneuron 6 zu reagieren. Es leitet nicht nur Impulse weiter, sondern kann sie auch verstärken oder hemmen.
(siehe 2.3 Synapsen)
Das Neuron besteht aus vielen Fortsätzen auf der Zellwand, was bei einer anderen Zelle, zum
Beispiel einer Hautzelle, so nicht anzutreffen ist. Der größte von diesen nennt sich Axon. Er
gibt die Impulse, welche von nochmals anderen Fortsätzen, den Dendriten, erkannt werden,
weiter. Am Ende des Axons, also an der präsynaptischen Membran, befinden sich die Synapsen7, welche mit den Dendriten anderer Neuronen Kontakt aufbauen können. Ebenso kann
sich eine Verästelung eines Axons mit dem Zellkörper einer anderen Nervenzelle verbinden;
seltener hat man auch schon Verbindungen zwischen zwei Dendriten beziehungsweise Nervenfasern beobachten können. Die vielen Synapsen sind eine unserer Lebensgrundlage. Sie
sind für die chemische Übermittlung von den Impulsen, die vom Axon kommen, zwischen
der prä- und der postsynaptischen Membran via dem synaptischen Spalt verantwortlich. Der
synaptische Spalt ist ein sehr schmaler Freiraum zwischen den Endkolben und den Dendriten.
Darin befindet sich eine Flüssigkeit. Somit kann nur durch die Synapsen ein großes Geflecht
von Neuronen entstehen. Da ein einzelnes Neuron nichts zur Förderung unserer Intelligenz
leisten kann, sind die Synapsen von zentraler Bedeutung. Da jedes Neuron bis zu 10'000 Verbindungen mit anderen Nervenzellen eingehen kann, ist die Synapse also die Grundeinheit der
menschlichen Fähigkeit, Dinge zu erkennen und zu begreifen.
2.2
Gliazellen
Die Gliazellen, von denen zirka zehn Mal so viele vorhanden sind wie Neuronen, bieten den Neuronen Schutz, versorgen sie mit Nahrung, entsorgen deren „Abfall“ und beschleunigen ihre Impulsweitergabe.
Abbildung 6: Gliazellen in der Hirnrinde
6
7
= Neuron welches die Informationen der Sinnesorgane aufnimmt
Synapse = Endknöpfchen des Axons
8
2.3
Synapsen
Synapsen sind kleine Endknöpfchen an den
Enden der verzweigten Nervenfasern.
Zwi-
schen den Synapsen und den Dendriten der
nächsten Nervenzelle besteht ein kleiner
Spalt8, der wie ein Schalter funktioniert. Er
kann entweder ein- oder ausgeschaltet werden.
Die Synapse gibt die Impulse vom einen an
das andere Neuron weiter, und zwar nur in
Abbildung 7: Darstellung einer Synapse
eine Richtung. Ebenso ist sie ein Teil, der für
die Informationsspeicherung verantwortlich
ist. Gemäß heutigem Forschungsstand führen alle Synapsenverknüpfungen zu den Lernprozessen. Es sind schätzungsweise 500 Billionen.
Es gibt aber zwei Arten von Synapsen, aktivierende und hemmende. Erstere9 beschleunigen,
letztere10 verlangsamen die chemische Übermittlung des Impulses am synaptischen Spalt.
(Vester, 2006, S. 30ff.)
Abbildung 8: Vergleich hemmender und aktivierender Synapsen. Mehr
dazu unter 5.2 Aktionspotenzial
= synaptischer Spalt
z. B.: Acetylcholin
10 z. B.: Noradrenalin
8
9
9
3.
Verknüpfung der Neuronen zu einem Nervensystem
Ein einzelnes Neuron kann zwar Impulse von bis zu tausenden anderer Neuronen aufnehmen,
jedoch ermöglichen erst unzählige Verbindungen komplexe Lernprozesse. Auf molarer Ebene
betrachtet, erfolgt die Impulsweitergabe nur in eine Richtung. Zuerst werden sensorische Rezeptoren gereizt, elektrische Impulse über „zwischengeschaltete“ Nervenzellen ins Gehirn
geleitet und bestimmte motorische Nervenzellen über Nervenzellen im Rückenmark aktiviert.
Diese aktivieren oder hemmen Muskelzellen, um zielgerichtete Bewegungen zu ermöglichen.
Doch für spezifische Leistungen sind exzitatorische11 und inhibitorische12 Neuronen sowie
Rückkopplungsschleifen notwendig. Die Bedeutung ist entscheidend für die Strukturierung
der neuronalen Aktivität. Die Rückkopplungsschleife ermöglicht eine gezieltere und differenziertere Impulsweitergabe. Es ist also ein formgebender Prozess, welcher den aktivierenden
Neuronen eine spezifische Form verleiht. Durch Rückkopplungsschleifen können sich Neuronen auch selber hemmen oder zusätzlich aktivieren. Damit eine „Daueraktivierung oder –
hemmung“ verhindert wird, sind die Schleifen mit anderen Neuronenverbänden gekoppelt.
Das Nervensystem bewältigt vielschichtige Aktivitätsmuster. Man ist sich heute zwar immer
noch im Unklaren darüber, welches davon welche Leistung hervorruft, aber es ist unbestritten, dass ein solches System alle Voraussetzungen für die „Informationsverarbeitung“ enthält.
(Formüller, 1991, S. 11ff.)
4.
Informationsselektion
Nicht alle Informationen unserer Sinnesorgane werden in unserem Gehirn aufgenommen.
Zuerst werden sie sortiert und nur die wichtigsten gespeichert. Ohne diese Selektion würde
man in einer Informationsflut „ersticken“; die mentale Kontrolle über sich verlieren. Ordnung
dabei schafft nicht, wie man annehmen würde, die Grosshirnrinde, sondern das limbische
System, welches sehr eng mit den Sinnesorganen kooperiert; sie sind grundlegend für unser
Gedächtnis.
11
12
aktivierende
hemmende
10
Pro
Sekunde
werden
109 Bits13 Informationen
aufgenommen.
Davon
werden aber nur 102
Bits wirklich im Gehirn
weiterverarbeitet.
Ne-
ben unbewussten Auslesevorgängen
kommt
auch der Mensch ins
Spiel, indem er bewusst
viele Informationen mit
bereits im Gehirn gespeicherten
Abbildung 9: Der „Flaschenhals“ der Informationsverarbeitung
vergleicht
Inhalten
und
Assoziationen
nach
sucht.
Dies geschieht, wenn man bewusst Zusammenhänge herzustellen versucht; Verstehen heisst
dieser Vorgang. Dabei werden die ausgewählten Informationen wieder auf 107 Bits pro Sekunde angereichert. Sie werden an das Individuum angepasst. Somit kann erklärt werden,
warum die Realität unterschiedlich wahrgenommen wird. Denn Denken und Handeln jedes
Einzelnen basiert auf diesen wenigen und ans Individuum angepassten Informationen.
(Vester, 2006, S. 90f.)
13
109 Bits = 19 Milliarden Bits
11
5.
Erregungsübertragung interneuronal
Hier ist nun eine ganze Nervenzelle
auf
molekularer
Ebene sichtbar.
Die Dendriten empfangen
die elektrischen Signale von
anderen Nervenzellen oder
Sinneszellen, das Axon leitet
sie weiter, falls ein Aktionspotenzial im Soma entstanden ist. Durch Schnürringe
zwischen Hüllzellen wird
das Signal enorm schneller
weitergeleitet. Am Ende des
Abbildung 10: Das Neuron
Axons wählt der ankommende Impuls eine Endver-
zweigung. Dann gelangt er zu der Synapse. Durch die Stärke des elektrischen Potentials werden chemische Stoffe, sogenannte Transmitter, in den synaptischen Spalt freigesetzt. Entweder kann das Signal hemmen oder aktivieren. (siehe 2.3 Synapsen)
Nervenzellen geben Informationen weiter, indem sie das Membranpotential (mehr dazu unter
5.1 Ruhepotenzial) eindeutig und in regelmäßigen Abständen verändern.
12
5.1
Ruhepotenzial
Wie entsteht ein elektrisches Potenzial überhaupt? Es gibt verschiedene Potenziale, wobei ich
auf hier nur auf das Ruhepotenzial, das Aktionspotenzial, das Membranpotenzial und das
Gleichgewichtspotenzial eingehen werde.
Wenn das Neuron keine Information weiterleitet, befindet es sich im Ruhezustand (Ruhepotenzial). Das Membranpotenzial, das durch die gemessene Spannung zwischen der Innen- und
Außenseite der Axonmembran bestimmt wird, entspricht gerade dem Ruhepotenzial, welches
zwischen –75 und –80 Millivolt14 beträgt.
Für Kaliumkationen durchlässige
Poren
Extrazellulär
Intrazellulär
(im Axon)
Axonmembran
= positive Kaliumionen (K+)
Konzentrationen (intra-/extrazellulär) in mmol/l
= positive Natriumionen (Na+)
Na+:
12/145
A–:
155/5
= Chloridionen (Cl–)
Cl–:
4/120
K+:
155/4
= Organische Anionen (A–)
(siehe Informationsverarbeitung – Neuron)
Abbildung 11: Zustand eines Ruhepotenzials auf molekularer Ebene (vereinfachte Darstellung)
Wie kommen eigentlich die Kaliumionen ins Aussenmedium? Dies geschieht durch Diffusion, die in beiden „Kammern“ jeweils einen Konzentrationsausgleich anstrebt. Während des
Ruhepotenzials gelangen zuerst einige, mit der Zeit aber immer wenigere K+-Ionen durch die
14
Später mV
13
Kalium-Sickerkanäle nach außen, weil mit jedem zusätzlich ausgetretenen K+-Ion die negative Ladung im Axon steigt. Die restlichen werden folglich immer stärker angezogen. Wenn
die „Ionen-Diffusionskraft“ gleich groß wie die „elektrostatische“ Anziehungskraft ist, nennt
man dies ein Gleichgewichtspotenzial, dies ist immer auch das Ruhepotenzial.
Alle positiven Kalium- und nur wenige Natrium- sowie Chloridionen befinden sich im Axon.
Genau das umgekehrte Verhältnis stellt man außerhalb der Nervenfasermembran fest. Die
Ladung innerhalb des Neurons ist negativ und extrazellulär positiv.
Damit dies auch so bleibt, ist die Natrium-Kalium-Pumpe verantwortlich. Sie transferiert
unter ATP-Verbrauch immer 3 Natriumionen aus dem Axon und 2 Kaliumionen ins Axon.
Somit wird automatisch die Innenseite immer negativer. Sie ist zu 100% für die Aufrechterhaltung des Ruhepotenzials verantwortlich, weil ja die Diffusion durch den Kaliumgradienten
möglich ist, der ja ausschließlich durch die Natrium-Kalium-Pumpe hervorgerufen wird.
5.2
Aktionspotenzial
Der Antagonist des Ruhepotenzials ist das Aktionspotenzial. Doch was ist an dem anders?
Durch Veränderung des Membranpotenzials entsteht aus dem Ruhe- ein Aktionspotenzial.
Theoretisch gibt es zwei Möglichkeiten: Die während der Ruhepotenzialphase negative intrazelluläre Ladung (A––Ionen) kann entweder verringert oder erhöht werden. Beim Ersteren
redet man von Hyperpolarisation. Diese Erscheinung tritt ein, wenn entweder Chloridionen
ins Axon oder K+–Ionen aus dem Axon wandern. Schließlich ist, wenn auch nur für kurze
Zeit, eine negative Ladung im Axon messbar. Bei einer Erhöhung des Membranpotenzials,
wenn dabei die negative intrazelluläre Ladung durch die extrazellulären Na+–Ionen vergrößert
wird; verwendet man den Ausdruck Depolarisation. Dabei wandern zusätzlich die organischen Anionen im Axon ins Aussenmedium.
Organische Anionen sind für die Entstehung nicht relevant, weil sie zu groß für jegliche
Ionenkanäle15 sind, ebenso wie die Chloridionen, die nicht genügend große Kanäle zur Verfügung haben, damit sie auch ein Aktionspotenzial herbeiführen könnten. Die Kaliumionen führen zu einer Hyperpolarisation, jedoch nicht zu einer so starken wie bei den Natriumionen.
Wenn letztere einströmen, kann das Membranpotenzial von -70 mV auf +55 mV ansteigen.
15
= Proteinstrukturen in der Zellmembran; Transportweg für Ionen durch Membran (vgl. Ionenkanal)
14
5.3
Entstehung eines Aktionspotenzials
Da
ein
Aktionspotenzial
nur
von
Na+–Ionen ausgelöst werden kann, handelt es sich auch immer um eine Depolarisation, bei der die positive Ladung im
Axon immer grösser wird. Diese Na+–
Ionen gelangen durch Na+–Ionenkanäle
ins Axon; von denen gibt es aber verschiedene Arten. Da ständig durch Diffusion Natriumionen ins Axon wandern,
müsste es eigentlich andauernd ein Aktionspotenzial geben. Nur ein Teil der
dicht aneinander gedrängten NatriumkaAbbildung 12: Ablauf eines Aktionspotenzials
näle entlang der Axonmembran sind vor
allem mechanische oder temperaturge-
steuerte Kanäle. Diese beiden kommen in den Sinneszellen vor, weil diese den einzigen Zugang zur Außenwelt und somit zur „Informationsaufnahme“ ermöglichen. Der Vorteil bei
ersteren ist, dass sie Na+–Ionen schon im ungereizten Zustand durchlassen. Durch eine mechanische Einwirkung kann man diesen Einstrom noch erhöhen, aber kein Aktionspotenzial
auslösen. Dies gilt auch bei den temperaturgesteuerten, die sich erst ab einer gewissen Temperatur öffnen. Ab einem Schwellenwert (– 40 mV) werden auch die spannungsgesteuerten
Na+-Kanäle geöffnet, was den Einstrom massiv beschleunigt und fähig sind, Aktionspotenziale auszulösen.
Was passiert mit den eingeströmten Natriumionen?
5.4
Ausbreitung des Aktionspotenzials
Die eingeströmten Natriumionen diffundieren im Axon nach links und rechts. Doch dies
reicht noch nicht, um das Membranpotenzial bis unter den Schwellenwert von – 40 mV zu
bringen. Um das zu erreichen, spielt die elektrotonische Ausbreitung eine entscheidende
Rolle: Die eingedrungenen Natriumionen stoßen auf andere positive Ionen. Durch diesen
Druck pflanzt sich jetzt das Aktionspotenzial mit hoher Geschwindigkeit in beide Richtungen
im Axon weiter. Die große Na+–Konzentration verändert rechts das Membranpotenzial so
15
stark, dass die spannungsgesteuerten Natriumkanäle geöffnet werden. Links geht das nicht,
weil letztere während der Hyperpolarisation für kurze Zeit, die sogenannte Refraktärzeit16,
geschlossen bleiben. Ein Aktionspotenzial wandert nicht, sondern löst einfach ein anderes
aus, indem durch die Natriumionen entlang des Axons jeweils nacheinander der Schwellenwert überschritten wird. Dies geschieht so lange, bis das Aktionspotenzial zu einem synaptischen Endknöpfchen gelangt.
Bei durch eine Myelinscheide isolierten Axonen ist der Vorteil, dass nur an den Schnürringen
Aktionspotenziale entstehen können, wo überdurchschnittlich viele spannungsgesteuerte Ionenkanäle sitzen. Diese beiden Faktoren beschleunigen den Vorgang um ein Vielfaches. Ein
Signal wird in einem dünnen Axon mit zirka 10 ms-1 und in einem dicken, „myelisiertem“
Axon mit 120 ms-1 weitergeleitet.
5.5
Weiterleitung des Signals an der Synapse
Durch den elektrischen
Puls wird ein Bläschen,
ein sogenanntes synaptisches Vesikel mit den
Überträgerstoffen
da-
rin, angestoßen und zur
präsynaptischen Membran katapultiert, mit der
es nachher verschmilzt
und platzt. Diese Fusion
ist
nur
möglich
durch die in das Endknöpfchen eingeströmAbbildung 13: Chemische Weiterleitung des elektrischen Impulses an der Synapse
ten Ca2+-Ionen, ausgelöst durch das ankom-
mende Signal vom Axon. Dabei werden die Transmitter freigesetzt. Bekannte sind Acetylcholin, Noradrenalin und einige Aminosäuren. Danach wandern diese durch den synaptischen
Spalt zu den Rezeptoren, die eine ähnliche Zusammensetzung wie der extrazelluläre Raum
bei Axonen aufweisen. Beim Andocken wird der Ionenkanal geöffnet und Ionen strömen ein.
16
= Zeit, bei der die spannungsgesteuerten Natriumkanäle sich nicht öffnen lassen
16
Beim Transmitter „Acetylcholin“ strömen Natriumionen ein und Kaliumionen heraus,
wodurch wieder an der postsynaptischen Membran der nächsten Nervenzelle eine Depolarisation ausgelöst wird. Na+–Ionen würden herausströmen und K– einströmen, wenn es sich um
eine hemmende Synapse handelte. Wenn diese Informationen von den Sinnesorganen kommen, nennt man die Nervenbahn eine afferente Bahn, wenn sie schon verarbeitet wurden und
auf dem Weg zu den Effektoren (Muskeln etc.) sind, nennt man dies eine efferente Bahn.
(vgl. Edelmann, 1994, S. 19f.)
Gewisse Überträgermoleküle gelangen nicht bis zu ihrem Rezeptor. Diese werden im synaptischen Spalt aufgefangen und von der Acetylcholinesterase abgebaut. (Knabe & Förstl, 2008,
S. 51) Ebenso müssen überschüssige Transmitter wieder ins Endknöpfchen befördert werden;
ebenso ist es zwingend notwendig, dass die Ca2+–Ionen aus dem Endknöpfchen herausbefördert werden.
Das bisher Behandelte ist Voraussetzung für das Verständnis meines Tests und dessen anschließende Diskussion. Doch zuerst zu den Materialien und den Methoden, die meinen Test
genauer beschreiben. (Helmich, 2011) & (Formüller, 1991, S. 7 – 10 (oben))
6.
Material & Methoden
6.1
Testart
Mein entwickelter Test ist visuell. Darin werden 20 Alltagsgegenstände als schwarzweiß Bilder gezeigt, wobei der Hintergrund weiß ist.
Gegenstände:
17
Auto, Ente, Fußball, Schere, Teller, Baum, Herz, Maßstab/Lineal, Schrank/Kasten, Fenster,
Lampe, Velo (= Fahrrad), Geldbeutel, Taschenrechner, Flugzeug, Mond, Vogel, Fisch, Schiff
und Telefon
18
6.2
Testpersonen
Die Testpersonen sind zwischen 11 und 14 Jahren alt sein. Von den mindestens 7 Personen
müssen mindestens 3 weiblich sein.
6.3
Bedingungen der Testpersonen
Ausgeschlafen (= A) =
mindestens 9 Stunden Schlaf oder spätestens um 21:00 Uhr ins
Bett!
Müde (= M)
=
weniger als 8 Stunden Schlaf; kein Schlaf mehr seit dem
Morgen!
Satt (= S)
=
40 Minuten vor dem Test keine Nahrungs- sowie Flüssigkeitsaufnahme mehr!
Hungrig (= H)
=
mindestens 5 Stunden vor dem Test keine Nahrungs- sowie
Flüssigkeitsaufnahme mehr!
6.4
Grober Ablauf
Es gibt insgesamt 2 Testtage: Die beiden Tage umfassen insgesamt 12 Tests. Es gibt 4 verschiedene Testgruppen.
6.5
Gruppen
Gruppe M&S:
8 Schüler (davon 3 weibliche) aus der VK 1.2 des FGZ (siehe Liste
M&S)
Bedingungen:
- In der Nacht auf den Testtag höchstens 8 Stunden geschlafen haben;
das heisst konkret, frühestens um 23:00 Uhr schlafen gehen! (In der
Schule wird nicht geschlafen!)
- Am Testtag selber darf gefrühstückt werden und das Mittagessen
muss bis spätestens 12:50 Uhr gegessen sein. Es soll so viel wie man
kann und will gegessen werden!
19
Gruppe M&H:
10 Schüler (davon 4 weibliche) aus der VK 1.2 des FGZ (siehe Liste
M&H)
Bedingungen:
- In der Nacht auf den Testtag höchstens 8 Stunden geschlafen haben;
das heisst konkret, frühestens um 23:00 Uhr schlafen gehen! (In der
Schule wird nicht geschlafen!)
- Am Testtag selber darf ab 10:10 Uhr nichts mehr gegessen oder getrunken werden!  Es empfiehlt sich, z. B. 2 Butterbrezel und ein Getränk etc. in der Mensa zu besorgen
Gruppe A&S:
9 Schüler (davon 5 weibliche) aus der VK 2 des FGZ (siehe Liste A&S)
Bedingungen:
- In der Nacht auf den Testtag mindestens 9 Stunden geschlafen haben;
das heisst für dich konkret, spätestens um 21:00 Uhr schlafen gehen!
- Am Testtag selber frühstücken und in der 11-Uhrpause einen kleinen
Snack essen!
Gruppe A&H:
10 Schüler (davon 4 weibliche) aus der VK 2 des FGZ (siehe Liste
A&H)
Bedingungen:
- In der Nacht auf den Testtag mindestens 9 Stunden geschlafen haben;
das heisst für dich konkret, spätestens um 21:00 Uhr schlafen gehen!
- Am Testtag selber bis zum Testbeginn nichts trinken und nichts essen!
6.6
Detaillierter Ablauf
Testtag 1; Tagesablauf der Gruppe M&S am Montag, dem 4. Juli 2011
1.
3. Juli 2011: Frühestens um 23:00 Uhr ins Bett
2.
4. Juli 2011: Normal aufstehen
3.
Frühstücken obligatorisch!
4.
10-Uhr-Pause-Snack freiwillig, aber erlaubt!
5.
Nach dem Turnunterricht so viel essen wie man kann und will; aber bis spätestens 12:50 Uhr in der
Mensa das Mittagessen eingenommen haben!
6.
13:30 bis 14:10 Uhr: Test im Zimmer 602 des FGZ (6. Stock)
20
Testtag 1; Tagesablauf der Gruppe M&H am Montag, dem 4. Juli 2011
1.
3. Juli 2011: Frühestens um 23:00 Uhr ins Bett
2.
4. Juli 2011: Normal aufstehen
3.
Frühstück freiwillig, aber erlaubt…
4.
10-Uhr-Pause- Snack freiwillig, aber erlaubt!
5.
Nach 10:10 Uhr bis vor Testbeginn ist eine Nahrungs- sowie Flüssigkeitsaufnahme verboten!
15:10 bis 15:50 Uhr: Test im Zimmer 607 des FGZ (6. Stock)
Testtag 2; Tagesablauf der Gruppe A&S am Mittwoch, dem 29. Juni 2011
1.
27. Juni 2011: Spätestens um 21:00 Uhr ins Bett
2.
28. Juni 2011: Normal aufstehen
3.
Frühstücken obligatorisch!
4.
10-Uhr-Pause-Snack freiwillig, aber empfehlenswert!
5.
Zwischen 11:00 und 11:10 Uhr MUSS ein Snack (Mars, Snickers, etc.) zu sich genommen werden!
11:50 bis 12:30 Uhr: Test im Zimmer 601 des FGZ (6. Stock)
Testtag 2; Tagesablauf der Gruppe A&H am Mittwoch, dem 29. Juni 2011
1.
27. Juni 2011: Spätestens um 21:00 Uhr ins Bett
2.
28. Juni 2011: Normal aufstehen
3.
Frühstücken UND 10-Uhr-Pause-Snack ebenso verboten!
4.
11:50 bis 12:30 Uhr: Test im Zimmer 601 des FGZ (6. Stock)
6.7
Erwartung
Die Erwartung ist, dass die Testpersonen
durch die Wiederholung des Tests die Gegenstände sich immer schneller und besser
merken können. (siehe Abbildung links)
Ebenso erwarte ich, dass müde und hungrige
Testkandidaten weniger aufmerksam und
konzentriert sind; somit können sie sich die
Gegenstände weniger schnell einprägen. Die
Abbildung 14: Lern- und Vergessenskurve von Ebbinghaus
Ersparnisse bei der Lernzeit durch Wiederholung werden bei Ihnen deutlich geringer
ausfallen.
21
7.
Resultate
7.1
Portraits
7.1.1 Gruppe A&S
In der Gruppe A&S stellt man fest, dass sich 8 von 9 Schülern jeweils mit jedem zusätzlichen
Durchgang mehr Gegenstände haben merken können. Ein Kandidat hat beim dritten Mal 3
Gegenstände weniger als zuvor gewusst. Es ist aber festzuhalten, dass die durchschnittliche
Behaltensleistung ständig zunimmt.
Der prozentuale Anstieg zwischen den ersten beiden Durchgängen beträgt 17.7%, zwischen
den letzten 9%.
Die Mädchen und Knaben erreichen beide im ersten Durchgang einen Durchschnitt von 13.25
Gegenständen. Im zweiten schließen die Mädchen um 0.75 Gegenstände besser ab als die
Anzahl behaltener Gegenstände
Knaben; im dritten haben die Knaben die Nase um 0.5 vorne.
Gruppe (ausgeschlafen & satt) Knaben und
Mädchen
25.00
20.00
15.00
16.00
13.22
10.00
10.00
20.00
15.56
19.00
17.11
15.00
11.00
5.00
0.00
1. Durchgang
2. Durchgang
3. Durchgang
Durchschnitt
13.22
15.56
17.11
Höchstwert
16.00
20.00
19.00
Tiefstwert
10.00
11.00
15.00
Durchschnitt - Höchstwert - Tiefstwert
22
7.1.2 Gruppe A&H
In der Gruppe A&H erkennt man, dass die Gegenstandsanzahl von 2 Schülern zwischen den
ersten beiden Durchgängen sank, jedoch im dritten höher war als im ersten. Ein Schüler erreichte im dritten Durchgang das Maximum von 20 Gegenständen. Der restlichen Schüler
haben sich kontinuierlich gesteigert.
Zwischen den ersten beiden Durchgängen beträgt der prozentuale Anstieg 31.25%, zwischen
den letzten 11.11%.
Diese Gruppe wurde dominiert von den Knaben. Sie haben sich pro Durchgang immer mehr
Gegenstände merken können. Während sich mit 6.74% und 14.78% prozentualen Anstiegen
ein exponentieller Lernprozess abzeichnet, ist bei den Mädchen mit 31.25% und 11.11% eine
Anzahl behaltener Gegenstände
allmählich sich einstellende Stagnation zu beobachten.
Gruppe (ausgeschlafen & hungrig) Knaben
und Mädchen
25.00
20.00
15.00
10.00
18.00
13.70
18.00
15.80
14.00
17.90
20.00
16.00
10.00
5.00
0.00
1. Durchgang
2. Durchgang
3. Durchgang
Durchschnitt
13.70
15.80
17.90
Höchstwert
18.00
18.00
20.00
Tiefstwert
10.00
14.00
16.00
Durchschnitt - Höchstwert - Tiefstwert
23
7.1.3 Gruppe M&S
Die Gruppe M&S zeichnet dadurch aus, dass jeder Schüler mit jedem weiteren Male mehr
Gegenstände hat behalten können; außer einem, der in den ersten beiden Durchgängen die
gleiche Leistung erbracht hat.
Man erkennt zusätzlich, dass sich die Testkandidaten im dritten Durchgang durchschnittlich
doppelt so viele Gegenstände eingeprägt haben als im Startdurchgang. Der prozentuale Anstieg zwischen der ersten und letzten Runde beläuft sich auf 110%; die Fähigkeit der Informationsspeicherung hat sich mehr als verdoppelt.
Bezüglich des Geschlechterunterschiedes ist anzumerken, dass bei der Ausgangsposition der
Schnitt der Knaben bei 7.8 und bei den Mädchen bei 8 liegt. Die Mädchen legen in den nächsten Runden zu. Mit 14 zu 11.6 und 17.7 zu 16 liegt das weibliche Geschlecht vorne.
Ein exponentieller Speicherungsprozess findet sich bei beiden Geschlechtern wieder; grösser
Anzahl behaltener Gegenstände
ist er aber bei dem männlichen; er beträgt 105.1%.
Gruppe (müde & satt) Knaben und
Mädchen
20.00
18.00
16.00
14.00
12.00
10.00
8.00
6.00
4.00
2.00
0.00
19.00
16.63
16.00
12.50
12.00
7.8810.00
6.00
6.00
1. Durchgang
2. Durchgang
3. Durchgang
Durchschnitt
7.88
12.50
16.63
Höchstwert
10.00
16.00
19.00
Tiefstwert
6.00
6.00
12.00
Durchschnitt - Höchstwert - Tieftswert
24
7.1.4 Gruppe M&H
3 Schüler haben im dritten Durchlauf alle Gegenstände gewusst. Einer davon sogar schon in
der zweiten Runde. Der prozentuale Zuwachs des Gegenstandsdurchschnittes nimmt mit jedem Lauf weiter ab; von 36% auf 17.3%.
In dieser Gruppe haben die Knaben die Oberhand. Sie verzeichnen in allen Läufen stets eine
bessere Leistung. Der prozentuale Unterschied der Lernprozesse zwischen den Geschlechtern
Anzahl behaltener Gegenstände
liegt bei 3.2%.
Gruppe (müde & hungrig) Knaben und
Mädchen
25.00
20.00
20.00
15.00
10.00
15.00
11.40
15.50
12.00
17.60
20.00
12.00
8.00
5.00
0.00
1. Durchgang
2. Durchgang
3. Durchgang
Durchschnitt
11.40
15.50
17.60
Höchstwert
15.00
20.00
12.00
Tiefstwert
8.00
12.00
20.00
Durchschnitt - Höchstwert - Tiefstwert
25
7.2
Vergleiche
7.2.1 Vergleich Gruppe A&S und A&H
Gruppe (ausgeschlafen und satt)
Knaben und Mädchen
17.11
Anzahl behaltener Gegenstände
18.00
15.56
16.00
13.22
14.00
12.00
10.00
1. Durchgang
8.00
2. Durchgang
6.00
3. Durchgang
4.00
2.00
0.00
Durchschnitt
Gruppe (ausgeschlafen & hungrig) Knaben
und Mädchen
Anzahl behaltener Gegenstände
20.00
17.90
18.00
15.80
16.00
14.00
13.70
12.00
1. Durchgang
10.00
2. Durchgang
8.00
3. Durchgang
6.00
4.00
2.00
0.00
Durchschnitt
Vergleicht man die beiden Bedingungen hungrig und satt, so stellt man fest, dass letztere
Kandidaten in allen Durchgängen höhere Behaltensleistungen erzielt haben. Der Unterschied
der prozentualen Anstiege zugunsten der Gruppe A&H beträgt zwischen den ersten Runden
26
2.73% und den letzten 4.29%. Bei Hungergefühlen hat die Leistungssteigerung gesamthaft
um 250% zugenommen.
7.2.2 Vergleich Gruppe M&S und M&H
Gruppe (müde & satt) Knaben und
Mädchen
Anzahl behaltener Gegenstände
18.00
16.63
16.00
14.00
12.50
12.00
1. Durchgang
10.00
8.00
7.88
2. Durchgang
3. Durchgang
6.00
4.00
2.00
0.00
Durchschnitt
Gruppe (müde & hungrig) Knaben und
Mädchen
Anzahl behaltener Gegenstände
20.00
17.60
18.00
15.50
16.00
14.00
12.00
11.40
1. Durchgang
10.00
2. Durchgang
8.00
3. Durchgang
6.00
4.00
2.00
0.00
Durchschnitt
27
Dieser Vergleich bestätigt, dass der durchschnittliche Behaltenswert der Gruppe M&H in allen Durchgängen höher ist als in der M&S–Gruppe. Dieser Vergleich bestätigt die Fakten in
7.2.1. Die Differenzen sind hier aber deutlicher sichtbar. Der Behaltensdurchschnitt ist in der
Gruppe M&S im ersten Durchgang um 3.5 Gegenstände kleiner. Doch der Vorsprung verringert sich bis auf einen Gegenstand.
28
7.2.3 Vergleich Gruppe A&S und M&S
Gruppe (ausgeschlafen und satt)
Knaben und Mädchen
17.11
Anzahl behaltener Gegenstände
18.00
15.56
16.00
14.00
13.22
12.00
10.00
1. Durchgang
8.00
2. Durchgang
6.00
3. Durchgang
4.00
2.00
0.00
Durchschnitt
Gruppe (müde & satt) Knaben und
Mädchen
Anzahl behaltener Gegenstände
18.00
16.63
16.00
14.00
12.50
12.00
1. Durchgang
10.00
8.00
7.88
2. Durchgang
3. Durchgang
6.00
4.00
2.00
0.00
Durchschnitt
Die Gruppe A&S erzielt in jedem Durchgang eine höhere Leistung als die Gruppe M&S. Jedoch kommt letztere immer mehr in Schwung und kann ersterer um 0.5 fast das Wasser reichen; der prozentuale Gesamtanstieg während des Tests der beiden Gruppen ist klar: 45.87%
zugunsten der Gruppe M&S im Gegensatz zu 13.82% bei A&S.
29
7.2.4 Vergleich Gruppe A&H und M&H
Gruppe (ausgeschlafen & hungrig) Knaben
und Mädchen
Anzahl behaltener Gegenstände
20.00
17.90
18.00
15.80
16.00
14.00
13.70
12.00
1. Durchgang
10.00
2. Durchgang
8.00
3. Durchgang
6.00
4.00
2.00
0.00
Durchschnitt
Gruppe (müde & hungrig) Knaben und
Mädchen
Anzahl behaltener Gegenstände
20.00
17.60
18.00
15.50
16.00
14.00
12.00
11.40
1. Durchgang
10.00
2. Durchgang
8.00
3. Durchgang
6.00
4.00
2.00
0.00
Durchschnitt
Dieser Vergleich bestätigt die in 3.3 aufgestellten Behauptungen.
30
7.3
Gruppenfazit
Die Zunahme der Behaltensleistung reduziert sich vom 2. zum 3. Durchgang geringfügig im
Vergleich zum vorausgehenden Übergang.
Am besten hat die Gruppe A&H abgeschnitten; es sind auch jeweils die leistungsfördernden
Vorrausetzungen der Gegensatzpaare: ausgeschlafen versus müde und satt versus hungrig.
Folglich ist die Gruppe M&S diejenige mit den schlechtesten Resultaten. Jedoch ist bei ihr
das exponentielle Wachstum am größten.
31
8.
Diskussion
8.1
Der Einfluss der Logik auf Behalten und Vergessen
Vier Gruppen, 2 Unterscheidungsmerkmale, 1 Oberbegriff: Lernen. Nehmen wir weitere Faktoren dazu, stellen wir schnell einmal fest, dass es eine Vielzahl an lernfördernden oder lernhemmenden Kriterien gibt.
krank

gesund
jung

alt
wütend

ausgeglichen
glücklich

traurig
ehrgeizig

minimalistisch
weiblich

männlich
…
Diese Aufzählung ließe sich beinahe beliebig fortsetzen. Eines wird jedoch klar: DAS generelle Lernen existiert NICHT! Es gibt verschiedene Lernarten und –formen; ein Beispiel dafür ist das schulische Lernen. Obwohl ich mich nachher weitgehend auf diesen Aspekt des
Lernens beziehen werde, möchte ich auch noch veranschaulichen, wie komplex der Oberbegriff „Lernen“ tatsächlich ist. In der Psychologie spricht man unter anderem auch vom Lernen
von Angst oder der Ausbildung von Gewohnheiten.
Lernen ist somit Mittel zum Zweck; es ist die Grundlage für die Erfahrungsbildung. Ausgeschlossen sind logischerweise die durch Vererbung und im Verlauf der Reifung entstandenen
Strukturen. Allerdings ist nicht garantiert, ob man das Gelernte später auch wirklich anwenden wird. Somit ist Lernen nur eine Möglichkeit, die Chance auf eine bessere Zukunft zu erhöhen, was wiederum sehr subjektiv ist. (Guyer, 1967, S. 15ff.)
Schon ab Geburt beginnt das Kind zu lernen. Lernen ist persönlich, umweltbedingt und nicht
begrenzt, sondern das ganze Leben lang möglich. Somit bilden sich automatisch Erfahrungen.
Zusätzliches Lernen wird die bereits bestehenden Erfahrungen umändern oder neue bilden.
Man besinnt sich durch Lernen auf bisherige Strategien, also auf die Erfahrung, und korrigiert
sie wenn nötig. Erwerben und Bereitstellen von Erfahrungen, die in Zukunft neue Aktivitäten
beeinflussen, sind die wesentlichsten Merkmale des Lernens. (Edelmann, 1994, S. 5f.)
Wie man bereits gelesen hat, verfügt jeder Mensch über ein Gedächtnis, worin sich das Lernen bei jedem Menschen abspielt. Logik, Einsicht und Verständnis fördern das Lernen; als
sinnlos Erachtetes, auf Unlogik basierendes und unter Zwang Gelerntes gelten als lernhem32
mende Voraussetzungen. Betrachtet man den Vorgang des Einprägens, fällt zusätzlich auf,
dass sinnlose Wörter in einer sinnlosen Reihenfolge viel mehr Wiederholungen benötigen als
zusammenhängende Sätze, um sie zu lernen. Der Fortschritt ist bei beiden Lernprozessen anfangs gross, flacht mit der Zeit aber ab. Foucault (französischer Psychologe) brachte dies auf
den Punkt: „Die Lernzeit wächst proportional dem Quadrat der Silbenzahl.“ (Vester, 2006,
S. 108) Diese Behauptung ist jedoch generell, normabhängig und lässt sich aufgrund verschiedener Lernformen nicht personalisieren; keine Beachtung würde die unterschiedliche
Motivation eines Individuums finden, welche den Lernfortschritt positiv oder negativ beeinflussen könnte. Bartlett (Chiropraktiker in Seattle, USA) fand heraus, dass man nur die wichtigsten Handlungen lernt und Details, die spannend und interessant wirken; dieser Vorgang
wird hauptsächlich von den Gefühlen gesteuert. Die Wiedergabe des Behaltenen basiert auf
diesen Einzelheiten und der individuellen Gemütslage.
Das Prinzip ist jedoch offensichtlich, dass sich mit zunehmender Zahl die Wiederholungen
häufen; bei sinnlosen mehr als bei sinnvollen Begebenheiten. Solche Zustände herrschen nur
vor dem ersten Lernvorgang. Was geschieht da genau? Es muss dabei zwischen mechanischem und inhaltlichem Lernen unterschieden werden:
Sinnlose Silbenabfolgen wie Mei, Lut, Oar wirken auf den ersten Blick unecht und tendieren
zu keinem repräsentativen Ergebnis, weil die Lerntechnik jedes einzelnen unterschiedlich
ausfallen würde und man somit keine Vergleiche ziehen könnte. Was bringt uns die berühmte
Teststudie von Ebbinghaus (deutsche r Psychologe) mit irgendwelchen zusammenhangslosen
Silben eigentlich? Sie stellt durch diese Versuchsanordnung sicher, dass sich der Leser nicht
vorbereiten und ebenso wenig irgendwelche Assoziationen herstellen kann. (Edelmann, 1994,
S. 254ff.)
Die erwähnte Studie und deren Vergessenskurve zeigen, dass rein auswendig gelernte Silben
ohne häufige Wiederholungen rasch vergessen werden. Diese Feststellung war nur aufgrund
der Unlogik möglich. Allerdings lernt heute kaum jemand mehr freiwillig sinnlosen Stoff.
Deshalb habe ich meinen Testkandidaten statt unzusammenhängenden Silben einzelne, voneinander unabhängige Objekte ohne logische Verknüpfung gezeigt. (siehe 6.1 Testart). Einzelne Silben lassen sich ebenso wie einzelne Bilder assoziieren; allerdings sind die Silben
abstrakter als konkrete Gegenstände und deshalb schwieriger einprägsam. Somit bestätigt sich
die Versuchsanordnung von Ebbinghaus, die nur die Gedächtnisleistung misst, auch bei meinem Test, weil ja der grundlegende Faktor die unlogische Verknüpfung zwischen den Bildern
bzw. Silben darstellt. Dabei habe ich nicht die „Vergessensrate“, sondern den Lernprozess mit
jedem zusätzlichen Durchgang getestet. Meine Erwartung, dass sich jede Gruppe mit jedem
33
zusätzlichen Durchgang mehr Gegenstände hat merken können, hat sich bestätigt. (Guyer,
1967, S. 107ff.)
Der Test dauerte 25 Minuten; dies verdeutlicht, dass die Gegenstände bei den Probanden ins
LZG (siehe 8.4.2 Langzeitgedächtnis) überführt worden sind; zumindest waren diese dort
unmittelbar gesichert. „[…] Inhalte des Langzeitspeichers bleiben ‚lange‘ erhalten, wobei
über die zeitliche Beschränkung der Informationsspeicherung noch keine exakten Ergebnisse
bekannt sind.“ (Neurobiologische Grundlagen, S. 7) Gemäss heutigem Wissensstand ist für
die Gedächtnisbildung die synaptische Plastizität verantwortlich. (vgl. synapsen.pdf) Doch
was versteht man konkret unter dem Begriff „synaptische Plastizität“?
8.2
Synaptische Plastizität
Darunter versteht man die (schwache oder starke) Veränderung der synaptischen Aktivität.
Kurze,
sich
derholende
1.
Proteinkinase A:
Produktion von
MEHR katalytischen
und regulatorischen
Untereinheiten
wieAk-
tionspotenziale können eine Langzeitpotenzierung auslösen,
bei der das erregte
Neuron noch nach
2.
Ab gewisser Anzahl
katalytischer
Untereinheiten:
Prtoteinkinase A
kann in Zellkern
gelangen
4.
Erstes Protein hemmt
Produktion
regulatorischer
Untereinheiten der
Proteinkinase A
3.
Nach Transkirption
und Translation der
mRNA ins Zellplasma:
Produktion von
Proteasen durch
Ribosomen
Tagen
erregende
Potenziale
hervor-
ruft. So muss es also
zwei
(Unter-)Arten
von
synaptischer
Plastizität
geben,
eine für das Ultrakurz- und Kurzzeitgedächtnis, die andere für das Langzeit-
Abbildung 15: Kreislauf der Protease
gedächtnis. Bei der
letzteren müssen die Veränderungen gefestigt werden. Doch wie passiert das? Zum besseren
Verständnis rollt man den Vorgang von hinten auf:
34
Bei einer Langzeitpotenzierung werden erstens Proteasen17 produziert, die schlussendlich
wieder ihren Erhalt sicherstellen. (siehe Error! Reference source not found.) Zweitens werden Proteine hergestellt, die in den Neuronen gelegene Membranproteine aktivieren, die zum
Auswachsen neuer Nervenzellfortsätze führen. Doch wie hängt diese Produktion mit der synaptischen Aktivität zusammen? Diese findet am häufigsten im Hippocampus (siehe 8.4.3.1
Deklaratives Gedächtnis) statt.
Man muss sich vor Augen führen, dass die ausgetretenen Transmitter nicht nur Rezeptoren an
der postsynaptischen Membran aktivieren. Der synaptische Spalt ist nicht abgeschlossen. Die
Transmitter reagieren nämlich auch mit dem Neuron, von dem sie stammen.
Man stellt sich also vor, die Transmitter kommen in Kontakt mit der Zellmembran ihres
Neurons und docken ebenfalls an Rezeptoren an. Dabei wird ein G-Protein aktiviert. Dieses
aktiviert als Nächstes ein Verstärkermolekül18, welches seinerseits wiederum aus einem ATP
ein cAMP synthetisiert. Dieses spaltet die sogenannte Proteinkinase19 in katalytische und regulatorische Einheiten, welche schlussendlich Moleküle phosphoryliert, die unter anderem an
der Ausschüttung der Neurotransmitter beteiligt sind. Gemäss heutigem Forschungsstand ist
das die molekulare Grundlage bei der Konsolidierung für das Kurzeitgedächtnis.
Dem gegenüber wird bei der Informationsverarbeitung für das Langzeitgedächtnis die Proteinsynthese via Zellkern in Gang gesetzt; denn dort aktiviert die Proteinkinase A sogenannte
CREB-Moleküle, die das Gen zu den ganz am Anfang genannten Proteinen zur Transkription,
also zur Kopie, freigibt. Die Proteinkinase A kann aber nur in die Zellkernmembran des Soma
hindurchdringen, wenn genug katalytische Einheiten vorhanden sind; dies hängt nun von der
Anzahl ausgeschütteter Transmitter ab. Dafür braucht es mehr Aktionspotenziale und somit
mehr Reize von den Sinnesorganen.
Also ist bewiesen: Wenn man sich bewusst und gezielt für längere Zeit (über 20 Minuten oder
durch regelmässiges Wiederholen) auf etwas im Alltag konzentriert, wird dessen Inhalt ins
Langzeitgedächtnis übergehen.
= eiweissspaltendes Enzym (gemäss Duden Band 5, 9. Auflage)
= Enzym Adenylatcyclase
19 = Enzym, welches für die Spaltung ATP benötigt.
17
18
35
Vermehrte
Transmitterausschüttung
Andocken der Transmitter
an postsynaptischen
Membran UND an
Zellmembran des eigenen
Neurons
Letzteres Andocken an
Rezeptoren löst G-ProteinAktivierung aus
cAMP aktiviert
Proteinkinase A
Verstärkermolekül wandelt
ATP in cAMP um
G-Protein aktiviert
Verstärkermolekül
Proteinkinase A spaltet sich
in katalytische und
regulatorische
Untereinheiten auf
Ab gewisser Anzahl
katalytischer
Untereinheiten:
Proteinkinase A dringt in
Zellkern ein und aktiviert
CREP-Moleküle
CREP-Moleküle geben Gen
für spätere Proteinsynthese
zur Transkription (Kopie)
frei
2. Proteine:
•Erstes hemmt Bildung von
regulatorischen Untereinheiten
•Zweites bildet
Membranproteine zur
Ausbildung neuer
Endverzweigungen mit
Synapsen
Proteinsynthese im
Zellplasma durch
Ribosomen
Somit ist „Übung macht den Meister“ bewiesen. Diese Weisheit ist immer gültig.
Effizientes und schnelles Lernen von sinnvollen Sachverhalten beruht zusätzlich auch auf
Verständnis; der Unterschied zum reinen Aneignen von Lernmaterial, wie das in meinem
Testverfahren der Fall war, ist Begreifen der Essenz und Verknüpfen mit Vorwissen. Beim
ersten Einprägen wird versucht, die existierenden Grafiken zu ordnen und sie unter Oberbegriffen zusammenzufassen. Ausserdem kann man sie inhaltlich in Zusammenhang bringen.
Auch das Erkennen der Hauptthemen ist von Vorteil. Dies sind aber nur Bruchteile vieler
Techniken. Die Anpassung an die Gesamtsituation und –überblick ist ausschlaggebend.
36
Bower (tätig in der molekularbiologischen Forschung in Freiburg, Deutschland) baute die
Erkenntnis von Ebbinghaus noch aus. Er fand heraus, dass sich sinnvolle Wortpaare leichter
lernen lassen, wenn man sich diese in Abhängigkeit vorstellt. Das Herstellen von Beziehungen unter den Wörtern zu logischen Begriffspaaren, eine Hierarchie also, erleichtert den
Lernvorgang massgebend. Das Ordnen des zu lernenden Stoffes in Ober- und Untergruppen
erhöht zudem die Erinnerungsfähigkeit.
Damit man aber nicht vergisst, was man gelernt hat, muss man es rasch möglichst wiederholen; Meumann (deutscher Experimentalpsychologe) beschreibt die erste Repetition als die
wichtigste und die folgenden nur noch zu deren Fixierung. Diese Vergessensart nennt sich
Interferenztheorie. Bei reell scheinenden Geschichten ist es einfacher, die Spreu vom Weizen
zu trennen. Nach Ebbinghaus ist ein Gedicht nach 24 Stunden noch zu 50% wortwörtlich abrufbar. Begrifflich geordnete und gelernte Wörter können besser abgerufen werden als zufällig zusammengestellte. Parallel zu der ersten Art der Vergessensmethode steht die physiologische Spurenzerfalltheorie. Dort werden Nervenbahnen wortwörtlich aufgelöst.
Während meiner drei Durchgänge passierten die Bilder verschiedene Gedächtnisstufen. Welche das sind, folgt später. Zuerst muss man verstehen, was unter „Gedächtnis“ verstanden
wird. (Guyer, 1967, S. 115)
8.3
Was ist mit Gedächtnis gemeint?
Das Gedächtnis ist Teil unseres Gehirns und immer aktiv. Es erhält die Informationen unserer
Sinnesorgane über die Nervenzellen und verarbeitet diese. Somit ist das Gedächtnis der Ort
für die Lernprozesse sowie deren Speicherung. Darin ist nicht nur theoretisches Wissen vorhanden, sondern auch Handlungswissen. Dieses beinhaltet Verfahren bzw. „Anleitungen“ zur
Lösung von Problemen. Es ist also ein System, das die Grundlage für die Lernprozesse bildet.
Es hat die Fähigkeit, Informationen für eine bestimmte Dauer zu speichern und abzurufen.
Gedächtnis und Lernen sind voneinander abhängig und werden unter dem Begriff der
menschlichen Informationsverarbeitung zusammengefasst. (Edelmann, 1994, S. 7f.) Man unterscheidet zusätzlich zwischen explizitem und implizitem Gedächtnis. Ersteres ist gefüllt von
Inhalten, die man sich bewusst gemerkt hat; z. B. das altbekannte Schulwissen. Doch wenn
man es nicht regelmäßig repetiert, droht der Verlust. Letzteres betrifft die angewöhnten Fertigkeiten, die man auch nach einer langen Pause wieder schnell beherrscht. (Knabe & Förstl,
2008, S. 15) Man weiß bis anhin, dass nicht jede Information gespeichert wird. Warum das
37
von Vorteil ist und wieso deshalb auch unterschiedliche Speicherstufen existieren müssen,
erfährt man im Anschluss an diesen Abschnitt. (Fuchs, 1980, S. 60ff.)
38
8.4
Gedächtnisarten
8.4.1 Ultra- und Kurzzeitgedächtnis
Nachdem die Informationen über das sensorische Gedächtnis weitergeleitet worden sind, gelangen sie in das Ultrakurzzeitgedächtnis und sind für zirka 1 Sekunde festgehalten. Nachher
erfolgt un– wie auch bewusst eine Selektion (siehe 4 Informationsselektion) dieses Realitätsabbildes. Nach dieser Verarbeitung werden die übrig bleibenden Nachrichten im KZG
abgelegt. Dort können zirka 7 Einheiten20 für ungefähr 15 Sekunden gespeichert werden. Dabei spielt aber deren Komplexität eine Rolle. UKZG sowie KZG sind beide nur temporäre
Speicher, die ständig durch Konzentration auf andere Inhalte vollständig durch diese überschrieben werden. Im Kurzzeitgedächtnis findet daher ein Denkprozess statt; die Neuronen
sind aktiv und erzeugen oder leiten Impulse weiter. Jedoch wird keine Veränderung der Synapsen festgestellt.
Gibt es Unterschiede zwischen dem Ultrakurzzeit- und dem Kurzeitgedächtnis21? Für den
Informationsübergang von UKZG zu KZG ist dringend Zeit für die Verinnerlichung notwendig; und zwar möglichst in den nächsten Sekunden. Gehemmt werden kann diese Festigung
durch fehlendes Interesse und mangelnder Assoziationsmöglichkeiten, verhindert durch Störungen wie Schmerz; letzterer lässt die elektrisch kreisenden Ströme und Schwingungen der
Sinnesinformationen im Gehirn stoppen und das bisher Gespeicherte vollständig löschen.
(Vester, 2006, S. 59ff. & 67ff.)
8.4.2 Langzeitgedächtnis
Für längere Zeit Informationen speichern zu können, ist eine Fähigkeit, die unter dem Begriff
„Langzeitgedächtnis“ zusammengefasst wird. Merkmale des Langzeitgedächtnisses22 sind die
grosse Speicherkapazität und die Möglichkeit, Informationen nach langen Zeitperioden wieder abrufen zu können. Gründe für eine erfolgreiche Informationsspeicherung im Langzeitgedächtnis sind das Verstehen und das Interesse. Dabei gehen diese im Unterschied zum Kurzzeitgedächtnis nicht verloren. Jedoch muss man zwischen einem „täglichen“ und einem „echten Langzeitgedächtnis“ unterscheiden, weil ja nicht alle Informationen in diesem Gedächtnis
das ganze Leben lang behalten werden. Hier spricht man von der Verknüpfung von Neuronen,
weil das Langzeitgedächtnis auf der Veränderung der Synapsen beruht. Dauerhaftes Wissen
Silben, Wörter, Zahlen, Buchstaben
Später UKZG bzw. KZG
22 Später LZG
20
21
39
ist also verschlüsselt im Gehirn gespeichert. Die Anordnung der Neuronen und deren Verbindungen zu anderen sind sinnbildlich für die Fähigkeiten und Fertigkeiten. Ebenso werden
Nervenverbindungen
nicht verändert oder neu
gebildet, sondern man
stellt eine Wandlung der
prä- und/oder der postsynaptischen Membran
in der Synapse fest. Es
ändert die Empfindlichkeit
der
Membranen
und/oder die Ausschüttung der Neurotransmitter wird erhöht oder verringert. Jedoch kann die
Abbildung 16: Gedächtnismodell
Information
auch
im
Langzeitgedächtnis verloren gehen. Um dem vorzubeugen, muss man das Gelernte repetieren; es also mehrmals vor
Augen führen. Wenn man sich emotional mit dem Gelernten identifizieren kann, ist der Vergessensgrad kleiner als bei Ereignissen mit gefühlsneutraler Wirkung.
Was man noch nicht weiß, ist, welche Verknüpfungsmuster welchen Denkfähigkeiten entsprechen. Ebenso unklar ist, welche Ablaufmuster mit welchen Denkprozessen korrespondieren. Jedoch weiß man, dass Lernen auf der Veränderung neuronaler Verbindungen beruht.
(siehe ) Aber nicht jede Aktivierung ruft eine Veränderung hervor. (Formüller, 1991, S. 18ff.)
Das Langzeitgedächtnis differenziert zwischen zwei Unterarten; das deklarative und das
prozedurale Gedächtnis. Ersteres ist in unserem Falle von zentralerer Bedeutung, weil es von
den Testkandidaten regelrecht gefordert wurde.
8.4.3.1 Deklaratives Gedächtnis
Darunter versteht man das faktische Wissen, zusammengesetzt aus dem Wissen über sich
selbst, das sogenannte episodische Gedächtnis, und dem, was um einen herum passiert, das so
genannte semantische Gedächtnis.
40
Im gesamten Neocortex, der jüngste Teil des Cortex bzw. der Grosshirnrinde, werden die deklarativen Informationen abgespeichert. Doch wie kommt die Information dorthin? Wie (siehe 8.2 Synaptische Plastizität) ist schon geklärt; Jetzt betrachten wir noch, wo dies geschieht.
Ein wichtiger Teil ist der so genannte Hippocampus. Über die sensomotorischen Neuronen
gelangen die Informationen zu ihm und von dort zu den entsprechenden Gebieten im Cortex.
Warum werden dort die Informationen vom KZG ins LZG und nicht vom UKZG ins KZG
überführt? Denn dort die Assoziationen entstehen; es wird die Gesamtsituation ermittelt. Der
„A-HA“-Effekt ist Sinnbild für eine erfolgreiche Assoziation, also eine Überführung von einer bestimmten Informationsmenge vom KZG in LZG. Dieser Vorgang heisst Gedächtniskonsolidierung oder Lerneffekt.
8.4.3.2 Prozedurales Gedächtnis
Dies ist das Gedächtnis, welches körperliche Abläufe steuert, ohne dass wir auf diese bewusst
Einfluss nehmen können. Jene meist komplizierten Vorgänge werden vorwiegend im Kleinhirn gespeichert.
8.5
Rückwirkende Hemmung bzw. Nachreifen
Nach Ebbinghaus und G. E. Müller (deutscher Psychologe) wird das vorher Gelernte durch
anschliessende Ablenkungen in seiner Fixierung beeinträchtigt. Je weniger anstrengende Aktivitäten nach dem Lernen folgen, desto positiver wirkt sich das auf das Behalten aus. Der
Fixierungsvorgang des Gelernten im Ruhezustand läuft schneller als im Wachzustand ab.
In meinem Test ging es um das Lernvermögen nach kurzem und langem Schlaf. Gemäss meinen Erwartungen ist ein Ausgeschlafener lernfähiger als ein Müder.
Giulio Tononi und Chiara Cirelli der Universität Wisconsin haben festgestellt, der Schlaf diene dazu, dass sich die Synapsen von der Anstrengung des Tages erholen müssten. Die Probleme einer Dauerbelastung wären, dass sie viel Energie benötigen (siehe synaptische Plastizität) und zu viel Platz beanspruchen würden. Das Gehirn könnte somit am folgenden Tag Eindrücke und Erfahrungen nicht mehr verarbeiten; es käme zu einer schlechteren Behaltensleistung. (Schalf und Gedächtnis, S. 3)
Somit ist das zweite Sprichwort „Wer viel schläft, lernt wenig.“ nur ein Mythos. Somit entspricht meine Erwartung der Wahrheit.
41
Bei Multitasking, wie etwa paralleles Musikhören, setzt die notwendige Nachreifung nicht
ein. (Guyer, 1967, S. 111ff.)
42
(Schalf und Gedächtnis)
8.6
Satt versus hunger
Wie in den Resultaten festgestellt, sind hungrige Personen weniger leistungsfähiger als satte.
Warum? „Das Gehirn macht nur etwa 20% unseres Körpergewichtes aus – aber es verbraucht
ca. 20% der Kalorien. Es lebt von Wasser, Zucker und Sauerstoff. Fehlt der Zucker im Blut,
so sterben nach drei Minuten Gedächtniszellen ab.“ (vgl. Ernährung und Lernen – Brainfood)
Wenn dieser nicht vorher durch Nahrungszufuhr aufgenommen wird, ist „Lernen“ massiv
schwieriger, weil man sich nicht gut konzentrieren kann.
Doch der Unterschied ist nicht markant. Der Grund dafür liegt darin, dass die Kandidaten nur
40 Minuten Zeit hatten, zu verdauen. Dies ist wesentlich kürzer als eine normale Verdauungszeit, die sich bei 30 und 120 Stunden einpendelt. (vgl. Animation zur Verdauungsdauer) Somit ist ein großer Teil der Energie in Form von ATP für die Verdauung aktueller und älterer
Nahrung und nicht für die Spaltung der Proteinkinase A in ihre Untereinheiten benötigt worden.
Somit ist „Plenus venter, nonstudet libenter.“ Ein voller Bauch studiert nicht gern, aber ein
leerer auch nicht.
43
9.
Zusammenfassung
Es kann zusammenfassend festgehalten werden, dass zwei Sprichwörter der Wahrheit entsprechen und eines einen Mythos darstellt.
Übung macht den Meister spricht die Langzeitpotenzierung an, die der synaptischen Plastizität zugrunde liegt. Dieser Vorgang im Gehirn ist unsere Lebensgrundlage. Ohne diese Fähigkeit wäre ein Mensch unfähig zu denken. Mit der Plastizität verändert sich unsere Gehirnstruktur, indem Synapsen entweder verstärkt oder sogar neu gebildet oder abgebaut werden.
Dies geschieht das ganze Leben lang, jedoch nimmt die Geschwindigkeit der Veränderungen
mit zunehmendem Alter immer mehr Zeit in Anspruch. Ein Kind benötigt mehr Zeit für die
gleiche Stoffmenge, die zu lernen ist, als ein Erwachsener. Jedoch kann es die erworbenen
Kenntnisse länger speichern. Für den Erwachsenen gilt genau das Umgekehrte. (Guyer, 1967,
S. 116) Mit zunehmendem Alter nimmt die Proteinsynthese mehr und mehr ab, was aber nicht
heisst, dass nicht mehr gelernt wird. Daraus folgt, dass sich die Synapsenanzahl immer mehr
verringert und die Zellkörper kleiner werden. Es sterben nicht, wie früher gedacht, Neuronen
ab, sondern die Hirnrinde verdichtet sich. Für die Aufnahme von Informationen sind die
Dendriten verantwortlich. Je mehr intakte Dendriten, desto grösser die Informationsübertragung pro Zeit. Je mehr Verknüpfungen zwischen aktiven Zellen, desto leistungsfähiger ist der
Mensch. Dieses biologische Phänomen ist sinnbildlich für das Lernen.
Ausgeschlafen zu sein bedeutet größere Leistungsfähigkeit am Tag danach. Im Schlaf wird
das Gehirn von ständig neuen Informationen entlastet und kann Ordnung schaffen. Dazu gehört auch das Lockern von Synapsen, das eine Dauerbelastung verhindert. Somit ist am
nächsten Tag wieder eine volle Leistungsfähigkeit garantiert.
Zuletzt hat der Test gezeigt, dass hungrige Personen wesentlich im Nachteil gegenüber satten
sind, wenn es ums Lernen geht. Dies ist darauf zurückzuführen, dass das Gehirn auf viele
Nährstoffe angewiesen ist. Dabei Spielt der Zucker die Hauptrolle und ist somit unabdingbar.
Wenn dieser fehlt, sterben Nervenzellen ab. Lernen wird extrem erschwert.
44
10. Quellenverzeichnis
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Abbildung 12. (kein Datum). Abgerufen am 8. August 2011 von
http://dernotizblog.files.wordpress.com/2010/04/das-aktionspotential.jpg
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Wissensmagazin mit Science-News aus Wissenschaft und Forschung:
http://www.g-o.de/diaschau-no-60-7.html
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Knabe, D.-P., & Förstl, P. (2008). 99 Tatsachen über Ihr Gedächtnis. Stuttgart: TRIAS
Verlag.
Vester, F. (2006). Denken, Lernen, Vergessen. München: Deutscher Taschenbuch Verlag
GmbH.
11. Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Assoziationsfelder im Gehirn........................................................................................... 5
Abbildung 2: Bild der grauen Gehirnrinde der linken Gehirnhälfte eines Menschen mit
den verschiedenen Gebieten und deren Funktionen ........................................................................ 5
Abbildung 3: Das Zentralnervensystem des Menschen; bestehend aus dem Gehirn und
dem Rückenmark............................................................................................................................................. 6
Abbildung 4: Das Zentralnervensystem mit dem peripheren Nervensystem ......................... 7
Abbildung 5: Vereinfachte Darstellung eines Neuron ....................................................................... 7
Abbildung 6: Gliazellen in der Hirnrinde ............................................................................................... 8
Abbildung 7: Darstellung einer Synapse ................................................................................................ 9
Abbildung 8: Vergleich hemmender und aktivierender Synapsen .............................................. 9
Abbildung 9: Der „Flaschenhals“ der Informationsverarbeitung .............................................. 11
Abbildung 10: Das Neuron ........................................................................................................................ 12
Abbildung 11: Zustand eines Ruhepotenzials auf molekularer Ebene (vereinfachte
Darstellung) .................................................................................................................................................... 13
Abbildung 12: Ablauf eines Aktionspotenzials ................................................................................. 15
Abbildung 13: Chemische Weiterleitung des elektrischen Impulses an der Synapse ....... 16
Abbildung 14: Lern- und Vergessenskurve von Ebbinghaus ...................................................... 21
Abbildung 15: Kreislauf der Protease................................................................................................... 34
Abbildung 16: Gedächtnismodell ........................................................................................................... 40
Die Abbildungsquellen befinden sich im Quellenverzeichnis.
Abbildungsquellen des Titelblattes:
1.
Neuron:
(Neuron)
2.
Mann mit Geige auf Fahrrad:
(Mann auf Fahrrad)
3.
Knabe vor vielen (Schul-)büchern: (Knabe vor vielen (Schul)büchern)
4.
Schlafende Frau:
(Schlafende Frau)
46
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