Zu Beginn jeder Cranio Sacralen Sitzung verbinde ich

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My object in living is to unite
My avocation and my vocation
As my two eyes make one in sight.
Only where love and need are one,
And the work is play for mortal stakes,
Is the deed ever really done
For Heaven and the future's sakes.
Poem of Robert Frost, Two Tramps in Mud Time
In an ideal world, work and play are actually the same feeling of
inquisitive engagement and meaningful service to society. In our early
working life, we are inclined to take whatever is available, just for the
compensation; later in life we may feel more flexibility and seek an
occupation that feels compatible with our personality and purpose.
Mag. Manuela Jordan-Sima
Cranio Sacrale Heilkunst – die visionäre Wahrnehmung
September 2014
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Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Visionärer Ansatz
3. Die meditative Komponente
4. Vertrag des Heilers mit sich selbst und dem Individuum
Übertragung und Gegenübertragung
5. Wahrnehmung und Schlussfolgerung
6. Prozessbegleitung
7. Yin Yang Konzept
8. Bedeutung von Yin und Yang in der Cranio Sacralen
Biodynamik und meine Schlussfolgerung
9. Fallbeispiele
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1. Einführung
Vor 10 Jahren, als ich begann mich dem Thema Energie Arbeit und dem
Thema therapeutisches Berühren zu beschäftigen und ich begann mich
diesem Aufgabengebiet hinzuwenden, wurde mir schnell bewusst, dass sich
mir mit dieser Arbeit eine Tür öffnet, hinter der sich etwas vollkommen
Neues offenbart.
Eine Welt die nur schwer zu begreifen ist, die schwer zu erklären oder gar
in Worte zu fassen ist. Diese Welt beruht auf Erspüren, Erfühlen, Erleben.
Eine Wahrnehmung in gänzlich neuer Dimension, eine Welt die jedenfalls
existiert, die da ist, aber auf Gegebenheiten beruht, an die man glauben
muss, damit ein tieferes Hineintauchen überhaupt erst möglich wird.
Jedes Wissen und jegliche Vorstellung über den Menschen wie die westliche
Medizin sie beschreibt ist nur ein Teil von einem Bild das einem widerfährt
wenn man sich diesem Thema bzw. dieser Aufgabe hinwendet. Mir wurde
bewusst wie klein und eingeschränkt die Betrachtungsweise der westlichen
Medizin doch tatsächlich ist.
Die westliche Medizin geht immer noch davon aus, dass ein Symptom wenn
es in Erscheinung tritt für sich allein zu betrachten ist; abgeschlossen vom
übrigen Körper bzw. von allem was auch unseren Körper umgibt. In meiner
Arbeit, insbesondere in der Cranio Sacralen Biodynamischen Heilkunst
wird besonders deutlich, dass die Beziehung des Symptoms zum gesamten
Körper inklusive Energiekörper die einzig sinnvolle ist. Dass die
Verbindung Mensch und die einer höheren Macht oder einer Energiequelle
eine Einheit bildet, sowie alles in einem Kontext zu sehen ist. Mit dieser
Betrachtungsweise entsteht ein besonderen Zugang im Bereich der
Energiearbeit, die für mich etwas Außergewöhnliche darstellt.
Der östliche Ansatz kommt dieser Betrachtungsweise schon sehr nahe. Hier
wird der Mensch in seiner Gesamtheit wahrgenommen, als Teil eines
Ganzen im Einklang stehend mit dem Körper, den Geist, der Seele und dem
Universum.
Für Menschen die dieser Betrachtungsweise folgen und daran glauben
erfreut sich gerade die Cranio Sacrale Heilarbeit sowie der gesamte östliche
Glaubensansatz was den Menschen betrifft immer größerer Beliebtheit und
auch mehr und mehr Anerkennung. Für viele Menschen ist diese Form der
Behandlung häufig letzte Zuflucht oder manchmal sogar eine erste
Alternative zur westlichen Medizin trotz ihrer Fremdartigkeit oder
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vielleicht gerade wegen seiner mystischen Aura. Viele Menschen sind
verblüfft bezüglich der Wahrnehmung in Cranio Sacralen Sitzungen; nicht
nur hinsichtlich der Wahrnehmungen des Therapeuten (nach Sitzungen
erfolgt wenn gewünscht ein mehr oder weniger intensiver Austausch mit
dem Klienten) sondern auch über ihre eigenen Wahrnehmungen in dieser
Sitzung. Menschen sprechen über Erlebnisse in diesen Sitzungen die oft nur
sehr schwer erklärbar sind und auch gar nicht so leicht in Worte zu fassen
sind; hier geht es in erster Linie um das Spüren und um das Erspüren.
Erspürt wird der Mensch in seiner Gesamtheit als System als Teil eines
Ganzen. Der Klient, wenn er eine ausgeprägte und sensible Wahrnehmung
besitzt erfährt in diesen Sitzungen einiges über sich selbst über die Themen
die er bereit ist zu lösen oder bereit ist sich anzuschauen und über den
Prozess der Themenlösung der oftmals schon während der Sitzung beginnt.
Viele erleben Situationen die darauf hindeuten, dass hier auch wesentlich
auf Seelenebene gearbeitet wird. Gespräche und Unterhaltungen, Hinweise
von sehr nahestehenden Personen die oftmals auch schon verstorben sind,
sind oft sehr eindrucksvoll für den Klienten und helfen in der Bewältigung
von Themen.
Ich möchte hier nur über meinen Zugang berichten und schreiben. Mir ist
sehr wohl bewusst, dass es viele andere Möglichkeiten gibt die Cranio
Sacrale Arbeit auszuüben. Sowie schon Rumi der persische Mystiker zu
verstehen gibt: es gibt hundert verschiedene Möglichkeiten sich hinzuknien
und den Boden zu küssen. So gibt es auch unterschiedlichste Möglichkeiten
an diese Arbeit heranzugehen. Ich berichte ausschließlich von meiner
Herangehensweise. Das einzig mechanische dabei ist, die Hände am
Klienten zu positionieren. Danach verlass ich mich auf meine Intuition,
meinen Spürsinn, meinen Wahrnehmungen und der Bewegung des Lebens,
die allesamt da sind sowie auch der Atem des Lebens. Diese Bewegung des
Lebens die uns alle durchdringt kann erfahren werden; oft gleichzeitig
spürbar sogar gemeinsam mit dem Klienten.
Die Sitzungen beginnen immer mit einer kurzen Einführung über die Cranio
Sacrale Arbeit. Wobei ich in meinen Erklärungen weitgehend versuch zu
beschreiben, an welchen Teilen des Körpers ich arbeite und was
gegebenenfalls dies beim Klienten auslösen könnte. Mir ist nicht so wichtig
zu erfahren, warum der Klient kommt; ich mach es mir zur Aufgabe dies
selbst herauszufinden. Falls ein Klient über Themen die akut sind berichten
möchte, ist dies natürlich möglich. Lieber ist es mir allerdings, wenn ich
ohne Vorinformation und ohne Wissen um die Person, mich der Person
nähern kann. So bleibt mein Spüren hinsichtlich der Person unbeeinflusst
von jeder Vorinformation und ohne jede Ablenkung.
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Auf welcher Ebene ich arbeite, überlass ich dem jeweiligen Umstand. Ich
vertraue darauf, dass wenn mir der Klient oder sein System was zeigen
oder offenbaren möchte, dann werde ich dies auch in meine Hände
bekommen. Ich bin mit dem System in Kontakt und im Dialog sowohl auf
geistiger Ebene manchmal aber auch über den Einsatz der Sprache an sich.
Ist ein Klient nicht bereit sich zu öffnen dann ist auch das zu respektieren.
Dann bleibt die Behandlung für den Klienten auf körperlicher Ebene und ist
aufgrund der Berührung schon eine heilsame Begegnung die Heilung
beinhalten kann.
Zuhören und Lauschen, nichts Wollen und nichts forcieren, vollkommene
Präsenz mit dem größtmöglichen Respekt, tief zu tauchen und dann
vollkommen still zu werden, ein sanfter Dialog mit dem System, mit dem
Leben an sich, mit der Bitte, dass sich das zeigt was bereit ist an die
Oberfläche zu treten, das ist im Wesentlichen mein Verständnis in dieser
Heilarbeit. Und dann während der Arbeit einen Raum zu schaffen, der an
etwas Heiliges erinnert. Ein heiliger Tempel den man ohne Schuhe und mit
höchstmöglichen Respekt betritt; ich verstehe es als meine Aufgabe den
Klienten diesen Tempel zu zeigen und ihn auch hineinzuführen; es dem
Klienten zu erlauben sich in der Mitte dieses Tempels zur Ruhe zu begeben
und still zu werden, vergleichbar mit einer Meditation mit innehalten, zur
Ruhe kommen und im vollkommenen Vertrauen auf das was kommt und was
sich zeigen möchte; gelingt dies beginnt Heilung auf allen Ebenen die sowohl
den Körper, den Geist und auch die Seele betrifft.
2. Visionäre Betrachtung in der Cranio Sacralen Heilarbeit
Was bedeutet visionäres arbeiten in der Cranio Sacralen Heilkunst?
Visionäre, Cranio Sacrale Arbeit basiert auf das Werk von William
Sutherland. Im Jahr 1948 sprach Sutherland erstmals von der Tide eine
flüssige Kraft, die den Atem des Lebens (Breath of Life) trägt.
Visionäre Arbeit umfasst das Sehen, Hören, Fühlen mit den Händen, das
intuitive Herz, das innere Sehen des Selbst und des Anderen.
Die Wahrnehmung der gesamten Physiologie und Anatomie, die
Wahrnehmung der Teile der Physiologie und Anatomie und jener Bereiche,
die sich aus dem Gesamtkonzept ausgeklinkt haben und die Wahrnehmung
des Energielevels und emotionalen Zustandes ohne Bewertung.
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Die sichere und geborgene Atmosphäre unterstützt bei einer visionären
Cranio Sacralen Sitzung das hineingehen in innere, tiefe Prozesse. Das
Verbinden mit der eigenen Gesundheit ist Ziel der Arbeit und der Therapeut
ist Unterstützer bei diesem dynamischen Prozess.
Visionäre Cranio Sacrale Arbeit basiert auf sensibler und ehrfurchtsvoller
Berührung.
Keri Hulme schrieb: „Hände aber sind heilig, Berührung ist persönlich, Finger
der Liebe, Fühler blinder Augen, Zungen derer, die nicht sprechen können. Die
Sprache reicht nicht aus, den ganzen Weg im einzelnen zu erläutern mit
Intuition dagegen vermag man ihn zu fassen.“
Die Cranio Sacrale Welle ist eine intelligente Form der Kommunikation. Sie
ist eine der Möglichkeiten der Seele, ihre Bedürfnisse auszudrücke. Die
Herausforderung in der Praxis liegt darin, still und ruhig genug zu werden
um dem Informationsfluss zu lauschen und fähig zu sein, dem Klienten die
erlauschten Botschaften auf eine Art zu übermitteln, die für ihn von tiefer
Bedeutsamkeit sind.
Cranio Sacrale Arbeit sollte auf einer tieferen bedeutsameren und
interessanteren Ebene als der rein technischen Ebene wirken. Dies ist
Visionäre Cranio Sacrale Arbeit, bei der wir das bewusste Medium formen.
Hier geschehen Neugeburt und Heilung. In Visionärer Cranio Sacraler
Arbeit ist Präsenz wichtiger als Technik, doch genaue Technik ist jene
Disziplin, auf der Präsenz gründet und aufbaut. Visionäre Cranio Sacrale
Arbeit ehrt die heilige Natur und bietet einen Zugang zur Meisterschaft in
diesem Erfüllendsten aller Wege.
3. Die Meditative Komponente
Meditation ist in den Traditionen des Heilens seit Tausenden von Jahren
eine Grundübung. Die Fähigkeit, uns sowohl im Leben als auch vor der
Arbeit zu zentrieren erhöht unsere Wirksamkeit. Das Handeln aus der Mitte
aus einem Ort der tiefen Stille, ermöglicht es uns, mit komplexen cranialen
Fällen zu arbeiten. Wer aus der Tiefe heraus handelt, macht keine Fehler.
Meditation ist nicht Konzentration. Sie ist nicht Gebet, nicht Kontemplation,
nicht Hypnose, nicht das Lösen von Problemen. Meditation ist die feine Kunst,
da zu sein, präsent zu sein; einen leeren heiligen Raum zu halten, den
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Verstand auszuschalten, nicht zu denken, aber bewusst und wach zu sein.
Meditation ist die Kunst, mit dir selber, mit deiner Umgebung und der Welt im
Einklang zu sein, zumindest eine kurze Zeit während des Tages.
In der Meditation gehst du zurück zu deinem höheren Selbst; dies tritt in
Erscheinung; das höhere Selbst ist stellvertretend ein Name für Gott oder
jede andere Energie die für einen Menschen Ursprung allen Seins bedeutet.
Zu Beginn jeder Cranio Sacralen Sitzung verbinde ich mich mit dieser
Energiequelle die mich leitet und mir zusätzliche Information gibt, die ein
intuitives Handeln wie selbstverständlich zur Folge hat.
Der typische allseits bekannte Meditationssitz ist der Lotos Sitz. Dabei
werden am Boden sitzend die Beine gekreuzt entweder im Schneidersitz
oder im Lotos. Wichtiger als im Lotos sitzen zu können ist die aufrechte
Wirbelsäule wobei es kontraproduktiv ist sich in dieser Position gegen
einen Gegenstand oder gegen eine Wand zu lehnen. Die Wirbelsäule sollte
aufrecht und frei von Berührung sein. Ist das Sitzen in dieser Position zur
Routine geworden und hat man im wesentlichen Meditation erfahren dann
spielt es meiner Meinung nach keine Rolle ob man zeitweilig auch auf einen
Sessel sitzt oder steht oder liegt. Wichtiger ist es zu lernen, wie man die
Sinne zurückzieht und den Gedanken ihren Lauf lässt, ohne dabei jeden
einzelnen zu verfolgen oder hinterher zu hängen.
Da man als Therapeut in der Cranio Sacralen Behandlung meist sitzt, kann
man sich das Erlernte sofort und ohne große Anstrengung herholen und
sogar sitzend in tiefe Meditation gelangen.
Ein weiterer Bestandteil in der Meditation und auch in der Cranio ist die
Atmung. Mir fällt Meditation sehr leicht, wenn ich meinen Atem hörbar
mache und diesen Sound mit meinem persönlichen Mantra verknüpfe. Der
Atem ist lang, gleichmäßig und fließend und bis in den Unterbauch
spürbar. Der Unterbauch repräsentiert Stille und Kraft. Alle Kraft kommt
aus der Mitte (Unterbauch). Ein aufrechter Gang oder aufrechter Sitz ist
möglich mit einer starken Mitte. Die Arme entspannt und abgelegt und die
Augen entweder geschlossen oder halb offen. All diese Bestandteile aus der
Meditation nehme ich in die Cranio Arbeit mit. Wenn die Meditation so weit
beherrscht wird, dass man sich während dieser auf sein innerstes Selbst
zurückziehen kann und gleichzeitig eine Ausdehnung und Verbindung zu
allem und jedem erfährt, ist dies der Schlüssel für eine erfolgreiche, heilsame
und erlebnisreiche Begegnung mit Allem für den Therapeuten einerseits und
eine sehr hilfreiche und heilende Arbeit für den Klienten andrerseits.
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In der Cranio Sacralen Arbeit spielt Meditation eine zentrale Rolle. Das still
sitzen und ruhig zu werden sich auf das Spüren ohne Erwartungen
zurückziehen zu können, erlaubt es uns sich in einen Raum innerer Ruhe zu
begeben und die Cranio Sacralen Wellen, auch die feinsten und sanftestes,
aufzunehmen und wahrzunehmen. Wenn es an dieser Stille fehlt, und der
Verstand nicht ausgeschalten werden kann, werden nur die gröberen
cranialen Körperbewegungen wahrnehmbar sein. Das feine und gleichsam
beeindruckendste in dieser Arbeit wird uns verborgen bleiben. Das
bedeutet, dass meiner Meinung nach und gemäß dessen was ich bei dieser
Arbeit erlebe, dass das Kreieren eines Raumes einer tiefen und
ausgedehnten Stille für ein erfolgreiches Arbeiten unabkömmlich ist.
Wer die Kunst der Meditation beherrscht, dem wird es ein Leichtes sein,
sich in kurzer Zeit mit dem Klienten und dessen Energiefeld zu verbinden
und dieses auch zu halten; ein Feld zu halten bedeutet, dass der Raum der
Aufmerksamkeit, mit dem man etwas hält, so stabil ist, dass man den
Kontakt damit aufrechterhalten kann. Dadurch entsteht eine Gestalt oder
ein Bild, mit dem der Therapeut in Kontakt bleibt und auch arbeitet. Diese
Gestalt oder das Bild welches man erhält, wird respektvoll und ohne
Bewertung angenommen und liebevoll umarmt und für den Klienten mit
viel Präsenz gehalten.
Die Frage die sich ab diesem Zeitpunkt immer stellt ist die Frage nach Raum
und Nähe. Wie viel Raum gebe ich als Therapeut und wie viel Nähe braucht
es um dem Klienten ein gutes und sicheres Gefühl zu geben. Auch hier spielt
die Achtsamkeit und auch das Vertrauen in sich selbst eine große Rolle.
Meinen Erfahrungen zu Folge ist jeder gut beraten den Mut aufzubringen
und seiner Intuition zu folgen; das bedeutet, dass solange ich in der Lage
bin in diesem Meditationszustand zu bleiben, weil ich die Kunst der
Meditation auch beherrsche, wird sich der Verstand nicht oder nur sehr
leise zu Wort melden können und das Geplapper des Verstandes wird mich
in meiner Arbeit nicht beeinflussen, so dass meine Entscheidungen
jedenfalls nicht falsch sein werden.
Ist man nun mit diesem Bild oder dieser Gestalt im liebevollen Kontakt
beginnt meines Erachtens schon in dieser Phase Heilung für den Klienten.
Ein weiteres Ziel ist es nun dieses erhaltene Bild dem Klienten so zurück zu
spiegeln, dass die Selbstheilungskräfte an dieser Stelle beginnen können zu
wirken. Wenn die eigene Vorstellungskraft nun schon soweit entwickelt ist,
dass man sich beispielsweise auf die Mittellinie oder einer ausgeprägten
Midtide einstellt oder ein Fulkrum vor Augen hat und dies visualisiert bzw.
ausgeprägt erfährt, wird der Selbstheilungseffekt nochmals multipliziert, da
auch dies dem Klienten widergespiegelt werden kann.
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Mit der Berührung des Klienten, sich dem meditativen Zustand als
Therapeut zu nähern, und das Bereitstellen des sicheren und des
vertrauensvollen Raumes der in dieser Situation gut ist, erhält man alle
Informationen über den Zustand des Klienten. Meiner Meinung nach ist die
Art und Weise wie die Berührung ausfällt eher nachrangig zu sehen.
Hingegen alles andere von größerer Wichtigkeit.
4. Vertrag des Heilers mit sich selbst und dem
Individuum
Jeder Mensch trägt das Potenzial in sich zu heilen. Sich selbst zu heilen in
erster Linie aber auch dazu beizutragen, dass anderen Menschen mit
verschiedenen Praktiken geholfen wird. Wobei es immer darum geht die
Selbstheilungskräfte des einzelnen so zu stärken bzw. so zu mobilisieren,
dass diese aktiv werden können und der Mensch in seiner Gesamtheit Heil
wird.
Immer davon ausgehend, dass man in der guten Absicht handelt ist die
absichtslose Herangehensweise diejenige die sich jeder Heiler einprägen
sollte. Ich weiß nicht ob es tatsächlich Menschen gibt, die andere Menschen
konkret an Ort und Stelle von einem Leiden befreien können indem sie die
Hand an einer bestimmten Stelle des Körpers auflegen oder Rituale
durchführen oder durch die Anwendung verschiedener anderer Praktiken.
Aus eigenen schon erlebten Erfahrungen hinsichtlich schweren Erkrankungen, wie beispielsweise Krebs oder jedes sonst noch existierende
lebensbedrohliche Krankheitsbild, ist es selbstverständlich immer ratsam
und notwendig zusätzlich Ärzte aufzusuchen, die abgestimmt mit einem
Selbst die Vorgehensweise einer Behandlung besprechen. Sehr oft gibt es
keine andere Möglichkeit als den eines operativen Eingriffes um die
Gesundheit zu erhalten. Trotzdem weiß ich, auch aus eigener Erfahrung
und meinem Erlebten, dass es immer auch notwendig und hilfreich ist ein
System daran zu erinnern dass es göttlich ist, und somit alles in sich trägt,
um Heilung auch für sich selbst herbeiführen zu können.
Eine Cranio Sacrale Behandlung ist helfend und unterstützend bei der
Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Begibt sich ein Mensch auf diesen
Weg einer solchen Behandlungsform wird vieles geschehen und der Klient
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wird verschiedenste Situationen durchleben. Der Klient bewirkt bereits mit
der Entscheidung sich auf Cranio Sacrale Behandlungen einzulassen eine
Aktivierung seiner Selbstheilungskräfte. Ab diesem Zeitpunkt begibt er sich
bereits auf die Reise der Erkundung seines inneren Selbst, seiner Fähigkeit
sich selbst zu heilen in dem ein Loslassen und ein Auflösen verschiedenster
Themen stattfinden kann. Den Klienten auf dieser Reise zu begleiten, dass
ist die Herausforderung eines Heilers in meinem Verständnis.
Wie begleite ich, wie halte ich, welche Voraussetzungen habe ich um jeder
Situation so zu begegnen, dass diese eine weitere Genesung bewirken kann?
Was ist das psychologische Rüstzeug eines Heilers?
Diese Fragen sind von gleicher Wichtigkeit für den Heiler wie auch das
nötige Verständnis und Wissen und die Schulung in dem jeweiligen Bereich
in dem der Heiler tätig ist.
Grundsätzlich geht es im Heiler Vertrag um einige Punkte die zu beachten
sind. Von großer Wichtigkeit ist, den Klienten als Mensch und das jeweilige
Umfeld zu respektieren in dem sich der Klient befindet. Des Weiteren ist es
wichtig, dass der Heiler sich seiner eigenen Bedürfnisse und Wünsche
bewusst ist und auch diejenigen Bedürfnisse des Klienten wahrnimmt und
versteht, ohne sich dabei in die Irre führen zu lassen oder gar blenden zu
lassen.
Übertragung und Gegenübertragung
Eine Übertragung findet statt, wenn der Klient bestimmte Gefühle,
Erwartungen oder Wünsche auf seinen Therapeuten richtet, die gar nicht so
sehr dem Therapeuten als Person gelten, sondern vielmehr Gefühle oder
Muster aus früheren Beziehungserfahrungen des Klienten herrühren.
Umgekehrt kann auch der Therapeut Gefühle auf seinen Klienten
übertragen. Dieser Vorgang wird dann als Gegenübertragung bezeichnet.
Prinzipiell ist jede Form der Übertragung nichts Schlechtes; der Therapeut
muss nur wissen wie er damit umzugehen hat. Hat der Therapeut keine
oder nur wenig Erfahrung bzw. fehlt ihm die nötige Grundschulung mit
solchen Phänomen umzugehen, wird sich das auf die ganze Behandlung
wahrscheinlich nicht positiv auswirken. Abgesehen davon, dass der Heiler
erschrickt und den Vorgang vielleicht nicht richtig einzuordnen weiß
könnte es schlimmsten Fall zum Abbruch der Klienten/Therapeuten
Beziehung kommen. Wird dieses Phänomen erkannt und auch vom
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Therapeuten verstanden bzw. wie er damit umzugehen hat kann die
gesamte Behandlung einen wichtigen Durchbruch erfahren.
Welche Übertragungsgefühle können auftreten: Um einige wenige zu
nennen, der Klient fällt unbewusst in die Rolle des Sohnes und sieht in der
Heilerin die eigene Mutter, in dem er anfängt ihr diese Rolle auch
zuzuweisen; oder eine Klientin interpretiert einen liebevollen Umgang des
Therapeuten mit ihr selbst als mögliche Annährung; damit wird ein Wunsch
nach Intimität und das erfahren von LIEBE offenkundig. Welche Art auch
immer von Übertragung auftreten kann und mag, immer ist es wichtig, dass
die Heilerin sich selbst und über sich selbst, bzw. ihre eigenen Muster,
genauestens Bescheid weiß. Gepaart mit dem tiefen Verständnis und der
Wertschätzung für die Übertragung und einem geschickten Umgang mit
diesem Phänomen entwickelt hat. Dann kann selbst beim Auftreten solcher
Dinge sich jede Klienten und Therapeuten Beziehung gesund entwickeln
und jeder kann sogar daran wachsen. Erfolgreich auf diesem Gebiet zu
arbeiten bedeutet, die Aufgabe von Grund auf zu verstehen und zu
beherrschen.
Gegenübertragung
Gegenübertragung findet statt wenn die Heilerin Gefühle von Liebe, Zorn,
Aggression auf den Klienten richtet. Auch das ist nichts Verwerfliches; es
gilt nur auch hierfür, dass auch da genauestens auf den Grund zu gehen ist.
Die Heilerin in sich geht und sich sofort ihrer Muster bewusst wird. Dieser
Mechanismus kann natürlich bei der Heilerin nur dann in Gang gebracht
werden, wenn schon viel Arbeit in das Erkunden des eigenen Selbst
stattgefunden hat. Das eine Berührung jedenfalls was auslöst steht ohne
Zweifel und die Abgrenzung zwischen einer therapeutischen und
liebevollen sinnlichen Berührung ist oft gar nicht so leicht.
Mir hilft es ungemein, wenn nur der geringste Anschein einer
Gegenübertragung fühlbar wird, mir den Klienten nicht mehr als Klienten
an sich vorzustellen, sondern dem Klienten auf Seelenebene zu begegnen;
sich vorzustellen, das sich eine Seele auf dem Therapiebett eingefunden hat
und sich nun Heilung wünscht.
Auf individueller Ebene besteht die Herausforderung für den Heiler darin,
zu erkennen, worunter die Klienten wirklich leiden und was sie brauchen.
Wenn es dem Heiler gelingt dem Klienten seiner Rolle in der jeweiligen
Gesellschaft verständlicher zu machen, dann passiert Heilung auf einer
transpersonalen Ebene.
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Wichtigstes Thema in der Behandlung ist die Berührung an sich.
Mehrheitlich ist das Berühren in den meisten Psychotherapeutischen
Ansätzen verpönt und wird vehement als absolutes Tabu angesehen.
Tatsache ist aber, dass der Mensch sich nach Berührung sehnt. Berührung auf
körperlicher Ebene, auf Herzebene und auf Seelenebene. Berührungen lösen
immer was aus; vor allem bei demjenigen der die Berührung empfängt, aber
auch bei demjenigen der die Berührung schenkt. Die gute Absicht im
Berühren ist Voraussetzung so auch die Bereitschaft die Berührung
annehmen zu können. Beides resoniert ineinander in einem Ausmaß, dass
an einem Punkt höchster Stille und Ruhe, Heilung auf allen Ebenen als
Krönung dieser Berührung hervorgehen kann.
Während einer Behandlung wird ein Raum erzeugt der vom Therapeuten
während der gesamten Behandlung zu halten ist. Diesen Raum halten
umschließt alles – all das was während der Behandlung passiert ist
stimmig, kann und darf geschehen und wird vom Therapeuten auch als
solches respektiert und akzeptiert.
5. Wahrnehmung und Schlussfolgerung
Wahrnehmung – mit dem Inneren Auge schauen. Dies ist eine Fähigkeit mit
der wir alle ausgestattet sind von Geburt auf, aber aufgrund des
Nichtgebrauchs aber leider wieder viel zu schnell in Vergessenheit gerät.
Der Lärm der Zeit in der wir uns heute befinden begünstigt dies zusätzlich.
Jeder Mensch hat die Möglichkeit wenn er will sein inneres Auge wieder zu
aktivieren. Eine Möglichkeit dafür wäre, sich in die Stille zu begeben. Die
Stille, die wahrscheinlich jeder Mensch für sich anders definiert macht es
möglich sich solcher Fähigkeiten wieder zu erinnern. Durch oftmaliges und
vermehrtes Üben öffnet sich das innere Auge erneut und lässt uns das
erblicken was mit dem „normalen Augenpaar“ nicht sichtbar ist.
Ist die Wahrnehmung mit dem inneren Auge aktiviert folgt regelmäßig ein
höchst natürlicher Prozess. Das innere Auge erblickt ein Gefühl, ein Bild,
ein Wort oder eine Information und meist schaltet sich hier dann gleich der
Verstand ein. Der Verstand, als die Stimme im Kopf, die ständig alles
hinterfragt bzw. anzweifelt was das dritte oder innere Auge erblickt.
Die Kunst liegt darin soviel Übung und Vertrauen in das innere Schauen zu
entwickeln, dass es belanglos wird, was der Verstand hinsichtlich dieser
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Wahrnehmungen zu sagen hat. Die Meisterübung besteht darin, diese
Stimme im Kopf wohlwollend wahrzunehmen zu respektieren ihr aber kein
Gehör zu schenken und sich vertrauensvoll dem hinzuwenden was gefühlt
wird. Mit zunehmender Übung wächst die Sicherheit sich auf die
Wahrnehmung zu verlassen und die Stimme des Verstandes im Kopf wird
leiser und leiser.
Ein erfolgreiches Arbeiten in der Cranio Sacralen Biodynamik erfordert
meiner Meinung nach ein entwickeltes Wahrnehmungsorgan, dass des dritten
oder des inneren Auges. Dieses dann so zu schärfen, dass man ohne Zweifel
dem folgen und vertrauen kann, was mit diesem Auge gesehen wird.
Wie kann ich nun dieses dritte Auge während einer Behandlung aktivieren:
Manche Therapeuten arbeiten mit geschlossenen Augen, manche mit
offenen, manche haben die Augen in einem halboffenen Zustand. Dies ist
Geschmacksache und hier gibt es kein richtig oder falsch. Der Therapeut
findet für sich den besten Weg um sich der Stille hinzuwenden und nach
innen zu gehen um diese Art des Schauens zu schärfen. Für mich persönlich
gibt es hier ebenfalls keine Regel; ich lass mich leiten und mach was mir
mein Gefühl zu verstehen gibt.
In manchen Büchern wird empfohlen dass der Therapeut bei sich bleiben
soll, dass er immer wieder zu sich selbst zurückkommen soll, dass er um die
Midtide beispielsweise beim Klienten besser spüren zu können sich zuerst
mal auf seine eigenen Midtide konzentrieren soll. Das kann gut sein, dass
das ein hilfreiches Mittel ist; für mich und in meiner Arbeit war dieser
Vorschlag nicht zielführend. Das zu Beginn jeder Behandlung ein Ritual der
Erdung und Verbindung und Zentrierung des Therapeuten wichtig ist, steht
außer Zweifel. Ist dies aber geschehen, überlass ich das Steuer meiner
intuitiven Führung. Die besten Wahrnehmungsergebnisse hatte ich in meiner
Arbeit, wenn ich mich als Einheit mit Klient und allem erlebt habe, Grenzen
sich aufgelöst haben und es kein ich und du mehr gegeben hat, sondern nur
mehr ein wir. Diese Art zu arbeiten war auch für meinen Klienten die
heilsamste, da wir ab dem Zeitpunkt die selbe Sprache sprachen. Nicht ich in
meiner und der Klient in seiner Welt, getrennt voneinander, sondern es gab
Einheit in Sprache im Fühlen im Ausbalancieren auf allen Ebenen. Dies hat
sich für mich immer wieder auch im Gespräch mit meinem Klienten danach
als wahr und richtig herausgestellt.
Beispielhaft möchte ich von einer Behandlung berichten:
Ein 18 jähriges Mädchen mit Skoliose kam zur Behandlung weil sie
aufgrund dieser Skoliose mächtig an Verspannungen im Bereich des
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gesamten Rückens und des Nackens litt. Während der Behandlung
versuchte ich vor meinem inneren Auge die Mittellinie zu erblicken. Gerade
bei Klienten mit Skoliose ist diese Mittellinie oft ziemlich verschoben. Meine
innere Stimme fragt nach der Mittellinie mit der Bitte sich dem inneren
Auge zu zeigen. Die Mittellinie zeigte sich hell leuchtend wie ein breiter
Kanal; durch das Gewahrsein Eins mit dem Klienten zu sein, hat sich diese
Mittellinie auch dem Klienten gezeigt. Intuitiv hat der Klient diese
verschobene Mittellinie vor seinem inneren Auge gesehen und ebenfalls aus
der gleichen Intuition beschlossen, dass diese eigentlich doch mehr in die
Mitte des Körpers gehört. So haben der Klient und ich als sein Therapeut
zur selben Zeit am gleichen Thema gearbeitet. Der Klient war nach der
Sitzung über seine Wahrnehmung sehr erstaunt, da er so ein Phänomen
noch nicht in seinem Körper erblickt hat.
Die Intelligenz des Körpers findet seine eigene Heilung sehr schnell wenn man
ihn auf sein Thema hinführt und das Thema dann selber lösen lässt.
Eine Wahrnehmung beim Klienten sollte sich also wirklich nur auf diese
Tätigkeit nämlich „der Wahrnehmung“ beschränken. Etwas Wahrzunehmen
ohne etwas zu Wollen oder etwas Erreichen zu müssen, Entwicklungen
ihren Lauf zu lassen. Das äußerste was passieren kann ist, eine Frage zu
stellen oder zu bitten. Wohl bemerkt, dass dies auch bereits ein Eingriff von
außen ist, den man überdenken könnte oder sogar weglassen könnte. Alles
andere ist meiner Meinung nach kontraproduktiv.
Hat sich das System eines Klienten mal geöffnet und sich der Einladung
eines Kooperation in der Behandlung mit einem daraus resultierenden
heilenden Ergebnis bereit erklärt mitzutun wird das innere Auge des
Therapeuten vieles erblicken und erstaunliches wahrnehmen. Ab dem
Zeitpunkt wo das System den geringsten Druck oder ein Wollen des
Therapeuten spürt, verschließt sich das System des Klienten sofort. Druck
oder Wollen erzeugt Angst und Unsicherheit. Ich vergleiche das mit einem
Hund der sich vertrauensvoll vor seinem Besitzer auf den Rücken legt und
ihm den Bauch zeigt. Diese Geste beinhaltet vollstes Vertrauen an den
Besitzer. Wittert der Hund nur den geringsten Argwohn oder eine
Nervosität des Besitzers dreht er sich sofort wieder um und will auf seine
Beine; er verschließt sich und geht.
Der eifrige Therapeut wird in seinen Behandlungen oftmals vielleicht zu
viel wollen und dann auch gleichzeitig schnell bemerken, dass dies nun ein
Zuviel war und das System des Klienten sich verschließt. Ist so etwas
eingetreten, helfe ich mir immer wieder damit, dass ich meine Behandlung
von vorne beginne. Das heißt, zurück an den Start, alles Loslassen was an
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Wollen und Möchten noch da ist, sich selbst wieder zu erden, die eigene
Mitte finden, Verbindung nach oben und sich dem gewohnten Ablauf
wieder hinwenden, indem man einfach nur wartet und präsent ist. Das wird
für gewöhnlich reichen, dass man erneut Vertrauen aufbaut und zumindest
nach einiger Zeit wieder was in die Hände oder vor das innere Auge
bekommt.
Bei allen Wahrnehmungen um welcher Art auch immer es sich handelt, sind
es Bilder, Emotionen oder Schmerzen oder Gefühle ist es sehr wichtig, dass
der Therapeut diese Wahrnehmungen nicht mit sich selbst in Beziehung
setzt. Diese Wahrnehmung als die Gefühls- und Erlebniswelt des Klienten
akzeptiert und diese nicht mit den eigenen vermischt oder diese
Wahrnehmungen vielleicht sogar zu seinen eigenen macht. Um das zu
vermeiden, bzw. um eine klare Abgrenzung zu ermöglichen, ist Übung
erforderlich aber auch, dass man sich selber als Therapeut gut kennt. Eine
vertiefende Form in der Arbeit der Psychoanalyse hilft hier sehr, einerseits
zu erkennen was ist und andererseits zu erkennen was nicht ist.
Wahrnehmung bedeutet, unter die Oberfläche der Dinge zu schauen – unter
die Haut der Dinge zu schauen, zu sehen, wie ein Mensch wirklich ist.
Visualisieren bedeutet die Fähigkeit, vor dem geistigen Auge ein Bild
entstehen zu lassen und mit diesem Bild dann zu arbeiten. Visualisieren ist
in Bezug aufs Heilen eine grundlegende Fertigkeit. Je besser ein Therapeut
sein geistiges Auge dafür einsetzten kann, innere Strukturen in all ihrer
Komplexität zu visualisieren, desto besser kann der Therapeut sie angehen.
In der Praxis bedeutet dies ein Bild, das man wahrgenommen hat,
auszumalen, ihm Zusammenhang und Bezug zu geben. Dieses Ausmalen
erfordert ein sich leiten lassen und ein unaufhörliches Weiterschauen. Ich
benutze auch dazu meine visuelle Sprache. Ich kommuniziere mit den
Organen mit den Körperteilen während einer Behandlung. Ich stelle Fragen
und bitte um Antworten. Für mich ist das ein besonders wirksames Mittel
und ein sehr behutsames dazu. Da das System, jeder Körperteil, jedes Organ
immer die Wahl hat zu antworten oder aber auch nicht. So frag ich mich
durch die Behandlung und hab immer das Gefühl nur das zu tun was das
Klienten System in dem jeweiligen Moment auch braucht.
Wenn jemand mit Wahrnehmung noch nicht so gute Erfahrungen hat gibt
es im Bereich des Yoga ein besonders gutes Mittel dies zu üben. Diese
Methode fällt unter die besonderen Reinigungstechniken in yogischer
Sichtweise und nennt sich Trataka.
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Trataka ist eine Reinigung für die Augen und funktioniert wie folgt:
Man stellt sich eine Kerze in einem dunklen Raum mitten auf einen Tisch
auf Höhe des Kopfes. Das heißt wenn ich am Boden sitz sollte man die
Kerze nicht am Esstisch positionieren sondern ein Tischchen finden das die
Kerze ungefähr auf Augenhöhe erblicken lässt. Hat man den guten Sitz für
sich gefunden (Knie vielleicht mit Kissen unterstützen) zündet man die
Kerze an. Im Raum ist es komplett dunkel nur die Flamme der Kerze ist zu
sehen. Der Abstand zur Kerze hin sollte mindestens zwei Meter sein. Nun
setzt man sich hin und blickt ohne zu blinzeln in die Kerze. Solange wie es
geht; die Augen fangen meist an zu tränen; das ist normal. Nach einer
gewissen Zeit schließt man die Augen und legt sich auf dem Boden.
Wichtig ist, dass die Kontaktlinsen aus den Augen vor der Übung entfernt
werden. Brillenträger benötigen auch für diese Übung keine Brille, da sie
nur das Kerzenlicht sprich die Flamme sehen müssen.
Bei Trataka erlernt man eine gewisse Art des Schauens die bei vermehrter
Übung auf das Schauen mit dem inneren Auge hinausläuft. Wer es probiert,
wird merken dass es funktioniert.
6. Prozessbegleitung
Prozessbegleitung findet sowohl verbal als auch non verbal statt. So wie in
jeder Arbeit gibt es ungefähr genauso viele Situationen, in denen der
Einsatz von Sprache hilfreich oder sogar unbedingt notwendig ist, damit
Heilung geschehen kann, wie es Situationen gibt, in denen sie genau das
behindert und stört.
Um hier die richtigen Entscheidungen zu treffen, ist darauf zu achten einen
Raum von Verbundenheit und Einstimmung zu schaffen und dem inneren
Behandlungsplan zu folgen, so wie dieser zum Vorschein kommt. Viel Praxis
und Routine, gepaart mit Erfahrungen erleichtern dieses Vorhaben und der
Weg der zu beschreiten ist, wird deutlicher sichtbar.
Während einer Cranio Arbeit ist man auch mit den persönlichen,
psychischen Prozessen des Klienten konfrontiert bzw. werden Gefühle vom
Klienten nicht nur mitgebracht sondern auch durch die Cranio Arbeit oft
erst ausgelöst oder sogar verstärkt.
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Es gibt Situationen bei denen der Einsatz der Sprache durch keine andere
Handlung ersetzbar ist.
Das beginnt schon beim Eingangsgespräch und beim Kennenlernen. Hier ist
ein kompetentes aber einfühlsames, vertrauenserweckendes Gespräch
unerlässlich. Der Klient beginnt in diesem Erstkontakt das gewünschte
Vertrauen aufzubauen, dass für Klient aber auch für den Therapeuten
wichtig ist. In der Cranio wird ressourcenorientiert gearbeitet; das bedeutet
auch, dass der Klient auf seine eigenen Ressourcen hingeführt werden muss
um diese für ihn letztendlich auch nutzbar zu machen.
Bei jeder emotionalen Regung kann vieles über die Sprache dahingehend
beeinflusst werden, so dass jede emotionale Regung dem Klienten als
absolut richtig weil notwendig in dem Moment erscheint.
Wenn der Klient verschiedenste körperliche Reaktionen zeigt, wie
Zuckungen jeder Art und Entladungen über die Muskeln, kann auch ein
sanftes Wort seitens des Therapeuten diesen Prozess tragen und so zum
bestmöglichen Heilungserfolg auch beitragen.
Wenn immer der sensible Therapeut das Gefühl hat, dass jetzt mehr
Kontakt notwendig ist als nur der Kontakt über die Hände zum Klienten
dann sollte er die Sprache einsetzen.
Die natürliche Voraussetzung für den Einsatz von Sprache ist, dass der
Therapeut das richtige Maß findet und den Bedarf einer adäquaten
Wortwahl für die jeweilige Situation erkennt. Nicht nur die Stimmlage ist
ein wesentlicher Faktor wie auch die Einschätzung dessen wie viel der
Klient jetzt an verbaler Begleitung nun benötigt um den Prozess aufrecht zu
erhalten und um letztendlich Heilung zu erwirken.
Ich möchte hier anmerken, dass die verbale Prozessbegleitung keine eigene
Wissenschaft ist, aber durchaus eine Sache, der man sich als Therapeut
ausgiebig widmen sollte. Es empfiehlt sich jedenfalls eine Ausbildung bzw.
eine Beschäftigung mit dem Thema über einen längeren Zeitraum.
Nach dem Eingangsgespräch wird der Klient gebeten sich auf das
Behandlungsbett zu legen. Ab diesem Zeitpunkt kann das erste Mal beim
Klienten ein Unwohlsein entstehen. Sich auf den Rücken zu legen setzt
bereits in der Tierwelt ein besonderes Vertrauensverhältnis vor dem
jeweiligen Anwesenden voraus. Der Therapeut sollte zumindest bereits ein
Mindestmaß an Vertrauen als Basis für die Arbeit aufgebaut haben. In
weiterer Folge wird der Klient langsam in seinen Körper geführt. Hier ist
ratsam damit zu beginnen, dass man den Klienten zuerst mal die Auflage
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spüren lässt auf der er liegt; wie ist die Konsistenz etc. Anschließend kann
man dann weiter in den Körper gehen und ihm Ressourcen zeigen. Für viele
Menschen ist es nicht leicht einen Ort im Körper zu bestimmen der ein
gewisses Wohlbehagen auslöst. Immer gilt darauf zu achten, dass der Klient
jedenfalls das Gefühl hat, dass alles was er fühlt oder nicht fühlt auf volle
Akzeptanz und Respekt seitens des Therapeuten stößt.
In der Prozessbegleitung wird der Klient dort verbal abgeholt wenn der
geschulte Therapeut dies für notwendig erachtet.
Am Ende der Behandlung erhält der Klient eine harmonisierende
Ausstreichmassage. Danach kann man den Klienten vorschlagen sich
entweder auf die rechte oder linke Körperseite zu drehen. Unterstützt mit
einem Kopfkissen, genießen die Klienten in dieser Position noch ein
Nachruhen nach der Behandlung solange wie es dem Klienten guttut.
Das Hinlegen auf die linke Körperseite ist aus Sicht der Polarity Therapie
diejenige die empfohlen wird. Die Linkslage unterstützt die Integration des
Erlebten. In dieser Position ist das Schaukeln der Dualröhre eine
Möglichkeit einer integrativen Berührung; eine andere besteht darin, eine
Hand auf den Bauch und die andere auf den Rücken zwischen die
Schulterblätter zu legen. Dieser Griff hilft der Energie, sich auszugleichen;
dieser Ausgleich findet sowohl zwischen oben und unten als auch zwischen
vorne und hinten statt.
Es gibt noch eine andere Sichtweise betreffend der Wahl der Seitenlage, ob
nun links oder rechts. Nämlich die aus der Sicht des Yoga. Ich empfehle den
Yoga Schülern und auch den Cranio Sacral Klienten sich auf die Seite zu
drehen die einem intuitiv in den Sinn kommt. Das kann die linke oder auch
die rechte sein. Manchmal ist es sogar das Beste wenn der Klient einfach am
Rücken liegen bleibt.
Im Yoga gilt folgendes: Bekommst du am Rücken liegend durch beide
Nasenlöcher gut Luft, das heißt keines der beiden Nasenlöcher ist verlegt
oder verstopft, dann dreh dich auf die rechte Seite. Der Energielehre zufolge
beruhigt es, auf der rechten Seite zu liegen, weil sich dabei das linke
Nasenloch, welches dem Mond zugeordnet ist, stärker weitet. Die
Mondenergie steht für weibliche Energie, für Intuition und Verstehen, wirkt
also harmonisierend.
Ist ein Nasenloch verstopft dann dreh dich auf die Seite, sodass das
verstopfte Nasenloch oben ist, dies kann sich dann leicht öffnen und
bewirkt eine Harmonisierung im Körper.
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Eine lange und ausführlicher verbaler Austausch nach einer Cranio Sitzung
versuche ich zu vermeiden. Ich frage dennoch wie es dem Klienten gerade
geht und empfehle einen längeren Spaziergang in Stille. Einige Information
über eine mögliche Erstverschlechterung des Zustandes gebe ich jedenfalls;
dies wird aber so kurz wie möglich gehalten. Immer empfehle viel
lauwarmes Wasser über den Tag verteilt zu trinken. Ein Anruf des Klienten
nach ein oder zwei Tagen um nach der Befindlichkeit zu fragen, gehört für
mich wie selbstverständlich dazu und ist auch Teil der Behandlung.
7. Yin Yang Konzept
Die Theorie von Yin und Yang
Die Yin Yang Theorie beruht auf dem philosophischen Konzept von zwei
polaren Gegensätzen Yin und Yang genannt. Diese Rationalität
transzendiert. Vielmehr müssen sie als nützliche Bezeichnungen betrachtet
werden, die der Beschreibung der Beziehungen der Dinge zueinander und
zum Universum dienen. Sie werden benutzt, um den immerwährenden
Prozess natürlicher Veränderungen zu erklären. Die Begriffe Yin und Yang
drücken aber nicht nur universale Zusammenhänge aus. Sie repräsentieren
ebenso eine Weise des Denkens. Innerhalb des Gedankensystems werden
alle Dinge als Teile des Ganzen gesehen. Das einzelne Phänomen kann
niemals von seiner Beziehung zu anderen Phänomenen getrennt werden.
Kein Ding kann an und für sich selbst existieren. Es gibt nichts Absolutes.
Yin und Yang beinhalten notwendigerweise in sich selbst die Möglichkeit
des Gegensatzes und der Veränderung. Das Schriftzeichen Yin bedeutet
ursprünglich die schattige Seite eines Hügels, womit solche Qualitäten mit
Kälte, Ruhe, Empfänglichkeit, Passivität, Dunkelheit, Abnahme, das Innere
und als Richtung das nach unten einwärts gehende verbunden werden. Die
ursprüngliche Bedeutung Yang war die sonnige Seite des Hügels. Der
Begriff impliziert Helligkeit und bildet den Teil eines gebräuchlichen
chinesischen Wortes für die Sonne. Yang wird mit folgenden Qualitäten
assoziiert: Hitze, Anregung, Bewegung, Aktivität, Erregung, Vitalität, Licht,
Zunahme, das Äußere und als Richtung nach oben und auswärts gehende.
Das Prinzip von Yin und Yang wirkt beim Menschen in seinen Organen,
seiner Ernährung, seinen Aktivitäten und seiner Beziehung zum Umfeld.
Körper, Geist und Anatomie des Menschen werden dementsprechend den
jeweiligen Charakteristika von Yin und Yang zugeteilt. So sind zum Beispiel
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der Magen, die Einsamkeit und das Körperinnere Yin und der Rücken,
soziale Kontakte und das Körperäußere Yang.
In der Ernährung gilt dasselbe Prinzip. Es gibt Yin und Yang haltige
Nahrungsmittel. Werden zu viele Nahrungsmittel aus der einen Kategorie
verzehrt, dann wird in den Organen des Körpers ein Ungleichgewicht
hervorgerufen, das sich wiederum negativ auf die Gesundheit auswirkt.
Ziel ist es letztendlich, Yin und Yang in einem Gleichgewicht zu gehalten,
dadurch Blockaden innerhalb der Energiebahnen zu verhindern und den
Energiefluss der sogenannten Energie Qi zu gewährleisten, den Qi heilt die
Organe und reinigt den Körper.
Aus Yin und Yang gehen Jing die Feinessenz, Qi die Lebensenergie und Shen
die geistige Energie hervor und gemeinsam kreieren sie die Welt.
In der Natur zeichnet sich das weibliche Yin zum Beispiel durch den Mond,
Dunkelheit, Stille und Erde und das männliche Yang durch Sonne, Licht,
Bewegung und Himmel aus. Beide Elemente formen in ihrer
Gegensätzlichkeit eine Einheit. Wenn in der Natur Yin und Yang
zusammenkommen, wird Leben kreiert. Trennen sie sich wird Leben
zerstört. Der Mensch erlangt und bewahrt Gesundheit durch ein Leben im
Gleichgewicht.
Yin Yang ist gut eingeführt in der allgemeinen Terminologie und in
jedermanns Sprachschatz. Man könnte auch jede andere Terminologie
verwenden wie zum Beispiel Tamas/Rajas oder Kapha/Pitta gemäß
korrespondierender Wörter aus dem Indischen Sprachgebrauch. Diese sind
aber bei weitem nicht so bekannt wie Yin und Yang. Ein anderes Wort
könnte man auch verwenden wie beispielsweise Energie. Dies ist ein
anderes Vokabel ist aber in der Bedeutung gleich. Um was geht es im
Wesentlichen. Um Energie die der Aufmerksamkeit folgt. Vieles davon ist
bekannt.
Östliche und westliche Medizin: zwei Arten zu sehen, zwei Arten zu denken.
Die chinesische Medizin ist eine holistische (ganzheitliche) Methode –
begründet auf der Idee, dass jedes einzelne Element nur in seiner Relation
zum Ganzen verstanden werden kann. Ein Symptom wird daher nicht auf
seine Ursache zurückverfolgt, sondern als Teil einer Gesamtheit betrachtet.
Die chinesische Medizin will wissen, wie sich dieses Symptom in das
gesamte körperliche Muster des Patienten einfügt. Die gesunde oder
harmonische Person weist keine Symptome von Unwohlsein auf und drückt
geistiges, physisches und spirituelles Gleichgewicht aus. Ist die Person
21
unwohl, so weisen die Krankheitszeichen lediglich auf ein körperliches
Ungleichgewicht hin, das auch in anderen Aspekten des Lebens und
Verhaltens zum Ausdruck kommt. Das Verständnis des übergreifenden
Musters, zu dem die Symptome gehören, stellt die Herausforderung in der
chinesischen Medizin dar. Diese Medizin ist nicht weniger logisch als die
westliche, sondern weniger analytisch. Aus westlicher Sicht erfasst der
chinesische Arzt die spezifischen und allgemeinen physiologischen und
psychischen Reaktionen des Patienten auf eine spezifische Krankheit.
8. Bedeutung von Yin und Yang in der Cranio Sacralen
Heilarbeit aus meine Sicht und Schlussfolgerung
Mit zunehmender Praxis und mehr Klienten wird auch die Wahrnehmung
in der Cranio Sacralen Arbeit mit Klienten immer feiner und subtiler. Mit
zunehmender Sicherheit und mehr Routine hab ich dann auch begonnen
das Wahrgenommene nicht mehr einzeln zu betrachten sondern in
Beziehung zu setzen; das heißt in Beziehung zu setzen zum jeweiligen
Umfeld bzw. zur jeweiligen Lebenssituationen in der sich die Klient gerade
befinden. Das beginnt eigentlich schon während der Behandlung in dem
man beispielsweise ein Thema im Bereich Lendenwirbel erkennt aber mit
den Menschen in seiner Gesamtheit bis hin zu seinem Energiefeld arbeitet.
Das ist anfangs gar nicht so leicht, weil man über die Wahrnehmung oft
sehr erstaunt ist, und diese Wahrnehmung und den dahinter liegenden
Prozess oft gar nicht mehr loslassen möchte.
Meine Erfahrung hat gezeigt, dass ich seit dem ich mich von der
Wahrnehmung des Einzelnen lösen kann und auf die Gesamtheit des
Menschen gehe, man in der Cranio Sacralen Behandlung unglaubliches
erfahren kann. Es ist zu vergleichen mit einem Buch; starrt man immer nur
auf ein und dieselbe Seite und liest diese Seite und kann man sich von
dieser spannenden Seite nicht mehr losreißen, wird man den Inhalt des
gesamten Buches nie erfahren.
Da ich seit Beginn jede Cranio Sitzung schriftlich protokolliere sind mir im
Laufe dieser Jahre einige Phänomene aufgefallen. Diese Phänomene sind
natürlich sehr subjektiv und von mir wahrgenommene Phänomene, aber
das Erscheinungsbild und die dazu gehörigen Lebensumstände sowie
Schilderungen der Einzelpersonen aus ihrem Leben, lassen auf eine
Regelmäßigkeit in meinen Aufzeichnungen hinsichtlich Erscheinungsbild
schließen.
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Das Nachforschen in verschiedensten Büchern und Studien hat mich
vielleicht da und dort ein wenig bestätigt, aber so richtig einen Beweis für
das was ich erforschen durfte, habe ich nicht gefunden. Trotzdem möchte
ich darüber berichten und schreiben und diese besonderen
Wahrnehmungen während meiner Cranio Sacralen Arbeit am menschlichen
Körper weiterverfolgen.
Das Yin und Yang Konzept ist natürlich viel breiter und tiefer gefächert und
ist mittlerweile eine richtige Wissenschaft geworden. So kann der ganze
Körper, die Organe die Körperflüssigkeiten entweder dem Yin oder dem
Yang zugeordnet werden. Es ist mir ein Anliegen, mich dieser Wissenschaft
in Zukunft im Rahmen meiner Arbeit mehr und mehr zu widmen.
In diesem Rahmen möchte ich gerne über meine Wahrnehmung berichten,
die Teil des Yin Yang Konzeptes sind;
vielleicht mögen diese
Wahrnehmungen dem einen oder anderen Leser oder Cranio kundigen
interessierten Beobachter eher sehr grob und oberflächlich erscheinen. Ich
erhebe keinen allgemein gültigen Wahrheitsanspruch noch einen Anspruch
auf Vollständigkeit hinsichtlich meiner Wahrnehmungen. Vielmehr bewege
ich mich hier auf einem Terrain das es für mich zu erforschen lohnt und
dieses Erforschen und Lernen hat gerade erst begonnen.
Die rechte und linke Seite des Gehirns, wie alles im menschlichen Körper ist
ebenfalls der Yin Yang Perspektive zugeordnet. Die linke Seite des Gehirns
ist Yang und die rechte Seite ist Yin. In der rechten Seite des Gehirns sind
Emotionen, Gefühle usw.
Aus der Yin Yang Perspektive ist ein Zusammenhang zwischen physischer,
emotionaler und geistiger Ebene im menschlichen Dasein unumstritten.
Wir wissen, das Geist und Körper wie ein Parallel Universum in Interaktion
zueinander stehen. Alles was auf geistiger Ebene passiert hinterlässt
Spuren auf der körperlichen Ebene. Eine andere Beschreibung wäre: dein
Körper ist das Physische Abbild in 3 D Form, dessen was du denkst.
Die linke Gehirnhälfte (männlich dominierte) korrespondiert mit der
rechten Körperseite und die rechte Gehirnhälfte (weiblich dominierte)
korrespondiert mit der linken Körperseite. Die linke Körperseite ist die
Seite auf der wir Dinge aufnehmen und einlassen, entsprechend dem Yin.
Die rechte Körperseite ist die Seite über die wir uns ausdrücken und
agieren, nach außen orientiert sind, eben entsprechend dem Yang. Die linke
Körperseite ist verknüpft mit Gefühlen, Emotionen und der Beziehung zur
Mutter. Die rechte Seite steht in enger Verbindung mit dem Vater,
logischem Grundverständnis und dem Denken.
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Das Äußere ist ein Spiegel des Inneren und der Körper reflektiert den
„Mind“. Gemäß vielen Forschungen und Studien die bereits belegen, dass
alle physische Anzeichen oder Beschwerden nicht von ungefähr kommen
sondern alle einen tieferen Ursprung haben. Alles Erlebte und Erfahrene in
einem menschlichen Dasein tritt früher oder später über den Körper nach
außen und manifestiert sich dort. Themen die sich auf körperlicher Ebene
manifestieren beruhen auf inneren Erfahrungen. Und jede Erfahrung hat
tiefere Gründe und dient zur Weiterentwicklung desjenigen Menschen der
gerade diese Erfahrungen gemacht hat.
Ich nehme Abstand von jeglicher Bewertung im Sinne von gut oder schlecht.
Tatsache ist, dass es im Laufe eines Lebens zu unterschiedlichsten
Erfahrungen und Erlebnissen kommt und es stellt sich die Frage nach dem
jeweiligen Umgang damit bzw. wie wird die Erfahrung auf körperlicher
Ebene verarbeitet.
Fallbeispiele zum Yin Yang Konzept
Ein männlicher Klient kam zu einer Cranio Sacralen Sitzung. Er klagte über
Beschwerden im rechten Handgelenk im rechten Knie und auch im
Schulterbereich rechts. In der Behandlung waren die Schmerzpunkte
spürbar. Auch hat sich seine gesamte rechte Seite extrem schwach
angefühlt. Ich beschreibe solche Wahrnehmungen gerne als Bilder, da sich
diese Bilder sehr schön vor meinem geistigen Auge aufbauen und ich mich
auch noch lange daran erinnern kann. So ein Bild wäre beispielsweise in
Zusammenhang mit diesem Klienten: Ich sehe
eine aufblasbare
Puppenkörper bestehend aus zwei Luftkammern (links und rechts jeweils
eine Luftkammer durch die Mittellinie getrennt). Die rechte Seite der Puppe
ist ohne Luft und liegt lasch auf der Liege. Die linke Seite ist schön prall mit
Luft gefüllt. Dadurch wird der Unterschied, links – rechts, noch eindeutiger.
Ebenfalls ist die Mittellinie stark nach links verschoben.
Nach der Sitzung erfolgte ein Gespräch mit dem Klienten, und ich fragte ihn
ab wann er diese Beschwerden hat. Er erzählt, dass diese Beschwerden auf
der rechten Seite latent immer schon vorhanden waren, aber seit dem es
akute Probleme mit seinem Vater gibt, hat er diese Probleme akut auf
körperlicher Ebene verspürt. Sein Verhältnis zum Vater ist extrem getrübt.
Für mich besteht ein Zusammenhang zwischen den körperlichen
Beschwerden des Klienten und seiner mentalen und geistigen Einstellung
zu seinem Vater und den Problemen die daraus resultieren.
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Klientin 11 Jahre alt, wird von ihrer Mutter zur Cranio Behandlung
gebracht. Das Mädchen klagt über extreme Beschwerden auf der rechten
Körperseite. Die Schulter, der Halsbereich und der Rücken sind davon
betroffen. Es fühlt sich an wie starke Verspannungen vergleichbar auch mit
starken Muskelkrämpfen.
Ich beginne mit der Behandlung und während dieser nehme ich auch eine
Skoliose rechts wahr. Auf emotionaler Ebene ist wahrnehmbar, dass das
Mädchen viel Verantwortung trägt. Die rechte Seite fühlt sich keineswegs
schwach an, sogar sehr fest und stark aber steif, und bemerkenswert für
mich in der Wahrnehmung ist, dass sich die gesamte rechte Körperseite wie
taub anfühlt. Ein weiteres Merkmal ist, dass die Mittellinie sich wie
abgedrängt in Richtung linke Körperhälfte anfühlt. So als wüsste die
Mittellinie, dass sie dort nicht hingehört weil sie sich selbst eher mittig
ausgerichtet sieht, diesen Zustand der Linksverschiebung aber in Kauf
nimmt.
Nach der Behandlung habe ich ein Gespräch mit der Mutter geführt. Und sie
gefragt, ob ihre Tochter Verantwortung übernimmt die ihr vielleicht gar
nicht gehört.
Die Mutter hat mir dann ihre Geschichte erzählt. Hier nur eine Kurzfassung:
Alleinerziehend, immer wieder mehr oder weniger schwere depressive
Phasen, und dass sie selbst weiß dass die Tochter versucht soviel wie
möglich von der Mutter fernzuhalten oder zu tragen, damit die Mutter es
leichter hat.
Die rechte Körperseite entspricht dem Yang, und ist dem männlichen Teil
zugeordnet. Yang repräsentiert den Vater, Durchsetzung und Wille. Die
Tochter, sprich die 11 jährige Klientin versucht die Rolle des Mannes im
Haushalt zu übernehmen. Eine Rolle der sie natürlich nicht gewachsen ist
und die ihr auch gar nicht zusteht. Das Mädchen hat schon zu lange sich
diese Rolle zu Eigen gemacht und daraus resultierend sind auch diese
Beschwerden entstanden.
Gespräche mit der Mutter und weiterfolgend auch Gespräche zwischen
Mutter und Tochter haben dazu geführt, dass das Mädchen beschwerdefrei
geworden ist (und das ganze in relativ kurzer Zeit).
Eine weitere Klientin kommt zur Cranio Behandlung und hat keinerlei
nennenswerte Probleme. Sie fühlt sich zwar unrund kann den Grund dieses
Unwohlseins seit Jahren aber nicht finden.
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Bei der Sitzung erspüre ich eine links Schwächung der gesamten
Körperhälfte. Und die Mittellinie ist extrem in Richtung rechte Seite des
Körpers verschoben.
Im Gespräch danach berichtet die Frau, dass ihre Mutter eine extrem
sensible und neurotische Frau war die im ganzen Ort für ihr Verhalten
ausgelacht wurde. Sie als Tochter hat extrem unter diesem Umstand
gelitten; ihre Mutter wurde als Heulsuse bezeichnet. Diese Eigenschaft
wollte die Tochter nie haben und deshalb hat sie sämtliche weibliche
Gefühle und alles was Frauen so zu Frauen macht, aus ihrem Leben
verbannt bzw. nicht mehr zugelassen. Das Bewusstsein eine Frau zu sein,
würde diese Klientin am liebsten auf ein Mindestmaß reduzieren oder laut
ihren eigenen Worten sogar am liebsten vergessen.
Klient männlich Mitte 40, optisch ist schon wahrnehmbar, dass die rechte
Schulter fast 5 cm nach unten gesunken ist. Rechtes Handgelenk und
Beschwerden auf der rechten Seite im Allgemeinen.
Der Klient berichtet, dass er ein massives Problem mit seinem Vater hat; er
glaubt sogar, dass der Vater in als Junge sexuell belästigt und in gewisser
Weise auch missbraucht hat, kann sich aber im Detail nicht daran erinnern.
Jetzt noch hat er das Gefühl, dass der Vater ihn nicht wie einen Sohn
betrachtet und anschaut sondern eher wie ein Lustobjekt. Wieder rechts
das Problem.
Diese Beschreibungen könnten noch zahlreich so weitergehen. Für mich
wird im Laufe meiner 2 jährigen Betrachtung mit diesen Phänomenen
immer klarer, dass hier zweifelfrei ein Zusammenhang besteht.
Was ich auch bemerkt habe, dass das Gespräch danach, und wenn die
Klienten sich über das ausreden können was sie anscheinend sehr
beschäftigt, dass hier schon Heilung stattfindet.
Abschließend möchte ich noch zwei eindrucksvolle allgemeine Fallbeispiele
schildern. Beispiele die mir zeigen, dass Cranio Sacrale Behandlungen weit
mehr bewirken als nur ein wenig Harmonisierung. Hier passiert sowohl auf
Körperebene, Zellebene, geistiger und Seelenebene etwas. „Etwas“ was
wohl schwer zu beschreiben ist und vom Verstand schwer zu fassen ist.
„Verstehen kann man wenn der Glaube für das Unglaubliche vorhanden ist.“
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9. Fallbeispiele
Fallbeispiel 1
Eine männliche Person kommt zur Behandlung. Der Klient fühlt sich matt,
abgeschlagen, kraftlos und antriebslos. Erwähnt nur am Rande, dass er
auch Raucher ist, möchte sich jetzt das Rauchen aber nicht abgewöhnen
sondern eher seinen Energielevel wieder erhöhen und all diese körperliche
Beschwerden des Unwohlseins loswerden. Nach der ersten Cranio Sacralen
Behandlung fühlt sich der Klient extrem schwindelig und klagt noch in der
Praxis über massive Kreislaufbeschwerden. Der Klient wird nach Hause
gebracht und legt sich gleich hin. Sein Schlaf ist tief und fest und er wacht
morgens auf, und hat extremen Rauch Geschmack im Mund. Obwohl der
Klient nach der Behandlung am Vormittag am Vortag keine Zigaretten mehr
geraucht hat verspürte er diesen Geschmack im Mund der für ihn extrem
ekelerregend war und er beschreibt diesen Geschmack als hätte er einen
kalten Aschenbecher verschluckt. In Erinnerung dieses Geschmackes kann
der betreffende in den nächsten Tagen keine Zigaretten rauchen, da allein
der Gedanke ans Rauchen ein Ekelgefühl hervorruft. Der Klient möchte in
zwei Wochen Abschnitten zur Cranio kommen und hat seit der ersten
Sitzung sein Rauchverhalten geändert. Nur mehr wenige Zigaretten am Tag.
Vor der zweiten Behandlung hat der Klient schon Tage nicht mehr geraucht.
Nach der zweiten Sitzung widerfährt dem Klienten dasselbe. Wieder dieser
extreme Rauchgeschmack in der Kehle im Hals und auf der Zunge. Sein
Rauchverhalten verändert sich in den Wochen danach noch einmal. Am
Ende der 5. Sitzung hat der Klient das Rauchen aufgegeben. Es graut ihm
bereits vor dem Gedanken eine Zigarette rauchen zu müssen.
In diesem Fall haben die Selbstheilungskräfte so gewirkt, dass der Körper
eine Entgiftung vorgenommen hat, und dass nach der 5. Behandlung sich
die Zellen an den Zustand eines Nichtrauchers erinnert haben und nun der
Körper normal auf Zigarettenrauch oder Zigarettengeruch reagiert.
Fallbeispiel 2
Ein Klient möchte eine Cranio Sacrale Behandlung; er ist beschwerdefrei,
hat lediglich Interesse an einer Behandlung um auch diese Art der
Energiearbeit mal kennenzulernen. Die Behandlung ist sehr harmonisch
und es ist viel Stille wahrnehmbar. Der Klient erzählt, dass er vor Jahren
einen Autounfall hatte, an dem er fast verstorben wäre. Er erinnert sich an
diesem Unfallhergang, hat aber eine Lücke und wollte immer schon wissen,
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was in dieser Zeit in der er das Bewusstsein verloren hatte, was da passiert
ist und wie lange diese Bewusstlosigkeit gedauert hat.
Der Klient hat eine Stahlplatte im Fuß bei der Ferse die Ferse wurde beim
Unfall zertrümmert. Jede Cranio Behandlung beschließe ich mit einer
langen Behandlung bei den Füßen indem ich die Fersen halte. Als ich mit
meinen Händen die Fersen halte erlebt der Klienten der Unfall Hergang wie
in einem Traum noch einmal. Alle Details zeigten sich wie im Film vor
seinem geistigen Auge. Nach dieser Sitzung wusste der Klient was in der
Zeit mit seinem Körper passierte als er das Bewusstsein verloren hatte. So
wurde ihm dieses verlorene Zeitfenster wieder zurückgebracht und die
Suche nach dem fehlenden Puzzleteil konnte damit beendet werden.
Der Körper, die Zelle speichert Erinnerungen. Eine fantastische Welt.
Quellenverzeichnis:
Aus der Mitte des Herzens lauschen von Hugh Milne
Craniosacrale Heilkunst von Ramraj Löwe
Das große Buch der chinesischen Medizin von Ted J. Kaptchuk
Dancing with Yin & Yang von John Chitty
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