1 1. AKT (Waldlichtung mit tiefschwarzen Bäumen und Blick in ein nebliges Tal.) (Von einer SENSEN-FRAU mit erhobener Sense angeführt keuchen 10 Männer stöhnend mit choreographiertem Schritt über die Bühne.) RENTNER (zusammen und durcheinander) Au, ah... SENSEN-FRAU Höher bitte. Die Beinchen? Ja. So. VON HENNEN (krümmt sich choreographiert) Au. Ah. SENSEN-FRAU Und noch etwas höher bitte. Die Arme und die Beinchen. Ja. So. (steckt ihre Sense auf ihren Rücken in Vorrichtung) RENTNER (zusammen und durcheinander) Au. Ah... VON HENNEN Ah! FÜCKSEN Also so `n Sportunterricht habe ich noch nie mitgemacht. BANDER Jetzt hör auf zu quaken. FÜCKSEN Was is` `n das für `ne Sportlehrerin? Buslov Ich glaube, es handelt sich hier mehr um eine Ballettlehrerin. FÜCKSEN Eine Ballettlehrerin? 2 Buslov Ja. Sie hat angedeutet, wir alle würden heute noch ein großes Ballett tanzen. FÜCHSEN Ein Ballett? Wie soll das denn gehen? Da kommen ein paar direkt aus der Intensiv? Die können doch die Leute nicht aus der Intensiv raus und Ballett tanzen lassen? Was ist denn das für ein Kurheim? SENSEN-FRAU Höher bitte! RENTNER (zusammen und durcheinander) Au. Ah... BANDER Endlich mal eine die uns richtig ran nimmt. VON HENNEN Au, ah, ah... FÜCHSEN (zu BANDER) Du, der Hennen kann nicht mehr? BANDER Der soll sich nicht immer so anstellen. FÜCHSEN Der ist frisch operiert? Das ist der nicht gewöhnt? BANDER Das sind wir alle nicht gewöhnt. SENSEN-FRAU Und mehr Koordination mit den Armen bitte! Und alles mehr dramatisch! Mehr wie ein Ballett! BECKBROT So wie beim Karneval? SENSEN-FRAU Nein. Nicht wie beim Karneval. Die Arme und die Beinchen. Gleichzeitig. Ja. So. (VON HENNEN fängt an zu Boden zu sinken.) SENSEN-FRAU Sie fühlen sich leicht wie eine Feder. Sie schweben... 3 BECKBROT (überschneidend und unterbrechend)) Sie? Frau ahm? (BECKBROT zeigt auf VON HENNEN. SENSEN-FRAU hält ein ohne sich umzudrehen.) BECKBROT Wie heißt sie noch mal? Hallo? (SENSEN-FRAU wendet sich und steht über VON HENNEN.) SENSEN-FRAU Herr...? BECKBROT Hennen. SENSEN-FRAU Herr Hennen, VON HENNEN (einwerfend) Au, von Hennen bitte, au, ah... SENSEN-FRAU Wie bitte? BECKBROT Von Hennen. SENSEN-FRAU Ah. Ich entschuldige mich. Beide Kniechen anwinkeln, Herr von Hennen, bitte. So wie ich das erklärt habe. BECKBROT Er kann dieses Knie nicht anwinkeln. Er sagt, er habe einen Nerv eingeklemmt. FÜCHSEN Und außerdem ist er frisch operiert. BANDER Der soll sich nicht so anstellen. SENSEN-FRAU Sie haben einen Nerv eingeklemmt. VON HENNEN Au. Ah... 4 SENSEN-FRAU Dann werden wir den kurz mal ausklemmen. Augenblick. (VON HENNEN bekommt von SENSEN-FRAU ein Knie angewinkelt.) VON HENNEN Ah! Buslov Sie müssen sich mehr entspannen während der Behandlung. (SENSEN-FRAU winkelt VON HENNENS Bein nochmals an.) VON HENNEN Ah! Buslov Entspannen. Das wird Ihnen auch jeder Arzt sagen. FÜCHSEN Entschuldigung. Wir sind Kurgäste. Wir sind hier zur Erholung. Das ist ja die reinste Tortur was Sie hier mit uns machen. Sie bringen uns ja alle noch um? (zu RENTNERN) Die war gerade richtig brutal mit dem. BANDER Den musst `e so ran nehmen. VON HENNEN (krümmt sich auf Boden) Au. Ah. FÜCHSEN Der hat Wahnsinns Schmerzen? BANDER Die weiß was sie tut. Die Frau ist top professionell. FÜCHSEN Wie bitte? BANDER Mir ist diese Frau sympathisch. FÜCHSEN Du, ich glaube bei dir kommt jede Hilfe zu spät. SENSEN-FRAU Die Kniechen! 5 FÜCHSEN Also das ist die letzte Kur die ich mitmache. SENSEN-FRAU Anwinkeln! FÜCHSEN Das kann ich schwören. SENSEN-FRAU Herr? FÜCHSEN Füchsen. SENSEN-FRAU Herr von Füchsen, FÜCHSEN (unterbrechend) Füchsen, bitte. Nur Füchsen. Das reicht. SENSEN-FRAU Herr Füchsen, ALBRECHT As at i? SENSEN-FRAU Herr Füchsen, FÜCHSEN (zu ALBRECHT) Wie bitte? ALBRECHT As at i? FÜCHSEN (zu BANDER) Du verstehst ihn besser. ALBRECHT O in ir? BANDER Wie bitte? ALBRECHT O in ir?! 6 FÜCHSEN Er will wissen wo wir hier sind?! SENSEN-FRAU Herr Albert, Buslov (einwerfend) Albrecht. SENSEN-FRAU (schließt kurz die Augen und holt Luft) Danke sehr. Herr Albrecht, ALBRECHT (einwerfend) Oktor. SENSEN-FRAU Wie bitte? ALBRECHT Oktor. SENSEN-FRAU Was meint er? FÜCHSEN Herr Dr. Albrecht!? SENSEN-FRAU (nach kurzer Pause) Herr Dr. Albrecht, FÜCHSEN (zu BANDER) Und schwerhörig is` se auch noch. (zu SENSEN-FRAU) Er will wissen wo wir hier sind?! SENSEN-FRAU Herr Dr. Albrecht und auch Herr von, und auch Herr Füchsen: ein kleiner Rat von mir: bitte sparen Sie Ihre Energie. Sie werden diese heute noch gebrauchen. BECKBROT Für wann `s dann richtig losgeht. 7 SENSEN-FRAU Ja. "Für wann `s dann richtig losgeht." Ich plane für heute nämlich noch ein großes Ballett. Sie dürfen heute alle noch tanzen. FÜCHSEN Ja aber das tun wir doch schon die ganze Zeit. BECKBROT Aber noch nicht richtig. SENSEN-FRAU Nein. "Noch nicht richtig." PRENZLAFF Sie plant was? SENSEN-FRAU Ein Ballett. PRENZLAFF Ein Ballett? Und was müssen wir da tun? SENSEN-FRAU Tanzen. BECKBROT So wie beim Karneval? SENSEN-FRAU Nein. Nicht wie beim Karneval. PRENZLAFF Habt ihr das mitbekommen? ALBRECHT As is os? SENSEN-FRAU Herr Dr. Albrecht? Können Sie mich hören? ALBRECHT A, a. Buslov Er meint ja. SENSEN-FRAU (schaut BUSLOV kurz und scharf an) Gut. Sie sind hier im Kurhaus Weiteau. Zur Kur. Ich plane für heute noch ein Ballett. Sie dürfen heute alle noch tanzen. 8 ALBRECHT Ahm? SENSEN-FRAU Ja. Im Kurhaus Weiteau. BANDER Beim Pflichtprogram. Sagen Sie das mal dem. SENSEN-FRAU Ja. Beim Pflichtprogram. Im Kurhaus Weiteau. Ah, warum muss ich immer alles hundert mal sagen? (herunterleiernd) Bitte sparen Sie ihre Energie. Ein kleiner Rat von mir. Sie werden diese heute noch gebrauchen. BECKBROT Für wann `s dann richtig losgeht. SENSEN-FRAU Ja. "Für wann `s dann richtig losgeht." Alle Fragen abgeklärt? Gut. Achtung: es geht weiter. Die Knie! Und auch das recht Kniechen: Herr Von Hennen, bitte. VON HENNEN (steht unter Schmerzen auf) Au. Ah... SENSEN-FRAU Gut. Sehr gut. Und nun die Arme weiter nach oben. Höher. (ALLE stehen auf einem Bein mit den Armen weit nach oben gestreckt.) FÜCHSEN Also ich gehe seit Jahren in die Kur. Aber so was habe ich noch nie mitgemacht. SENSEN-FRAU Und noch etwas höher bitte. BANDER Sei froh, dass dich jemand mal richtig ran nimmt. SENSEN-FRAU Es herrscht hier zu viel Unruhe. FÜCHSEN (zu VON HENNEN) Warum greifen Sie nicht mal hier ein? (zu BANDER) Der hat doch sonst immer so eine große Klappe. 9 BECKBROT Die hat den doch gerade fast schon mal umgebracht. FÜCHSEN Ja. Genau. (zu VON HENNEN) Das würde ich mir an Ihrer Stelle nicht bieten lassen. SENSEN-FRAU Und nun... VON HENNEN (unterbrechend) Entschuldigung. SENSEN-FRAU Und nun werden wir... VON HENNEN (unterbrechend) Entschuldigung. Ich habe eine Beschwerde. SENSEN-FRAU (nach kleiner Pause) Herr von Hennen, eventuelle Beschwerden sind bitte schriftlich bei der Kurverwaltung einzureichen. BUSLOV (freundlich erklärend) Beim Kuramt. Und nicht Kurhaus. Kurheim. SENSEN-FRAU Ja. Danke sehr. HEINRICHSEN Heinrichsen. Angenehm. SENSEN-FRAU Ja. Die Knie! FÜCHSEN Jetzt lassen Sie sich nicht so abfertigen. SENSEN-FRAU Anwinkeln! VON HENNEN Entschuldigung. SENSEN-FRAU Und alles mit viel mehr Stil. 10 VON HENNEN Entschuldigung. SENSEN-FRAU Mit viel mehr Allegrissimo! VON HENNEN Entschuldigung. SENSEN-FRAU Herr von Hennen, von nun an werde ich kein weiteres Wort mehr von Ihnen hören. Und auch ich werde von nun an kein weiteres Wort mehr von mir geben. FÜCHSEN Na das freut mich zu hören. Und auch ich habe eine Beschwerde. Und ich habe noch eine viel bessere Idee: ich werde mich direkt an meine Krankenkasse wenden. SENSEN-FRAU Herr von Füchsen, ich bin von Natur aus nicht dominant. Ich bin sehr tolerant. Ich bin voller Sensibilité. Und das ist auch der Grund warum ich den Tanz so liebe. Das Ballett. Die Kunst. Sie hatten großes Glück, dass sie mir anvertraut wurden. Ich bin geduldig. Sehr geduldig. Aber ich warne Sie: (nimmt ihre Sense vom Rücken) RENTNER (weichen zurück) Ah... SENSEN-FRAU Ich kann auch anders. (schwingt elegant ihre Sense) RENTNER (weichen nochmals zurück) Ah... SENSEN-FRAU So, und das war hoffentlich die letzte große Rede die ich hier heute zu halten habe. SCHNEIBER Ja, und das war auch so als wir mal, da haben wir alle das Gleiche getan. Was sie getan hat. Und er hat ihr das dann nachgemacht. Und dann haben wir ihr das alle nachgemacht. Was sie getan hat. Auch ich. Nicht nur er. 11 (BANDER packt SCHNEIBER am Kragen.) BANDER Schnauze. SCHNEIBER Ah. SENSEN-FRAU Herr? BANDER Bander. SENSEN-FRAU Von oder zu oder irgendwas? Nein? Gut. Herr Bander, ich erwarte, nein, ich bestehe auf Stil. Ich bestehe auf gutes Benehmen. Ich bestehe auf Niveau. Und hier mache ich keinen Kompromiss. Wir alle haben einen Mund und keine... Habe ich mich da deutlich ausgedrückt? BANDER Ja, Frau? SENSEN-FRAU Frau E. Sie dürfen mich Frau E nenne. So? Habe ich mich Ihnen gegenüber deutlich ausgedrückt? BANDER Ja, Frau E. SENSEN-FRAU Ich drücke mich Ihnen gegenüber gerne noch etwas deutlicher aus. Falls Sie so wünschen. Soll ich? BANDER Nein, Frau E. SENSEN-FRAU Nein, wissen Sie was: ich glaube, ich muss mich Ihnen gegenüber noch etwas deutlicher ausdrücken. (hält ihre Sense in die Höhe) VON HENNEN Sie sind dazu verpflichtet... SENSEN-FRAU (unterbrechend) Ja! (schwingt unbeabsichtigt ihre Sense) 12 RENTNER (weichen zurück) Ah. SENSEN-FRAU Und wie Recht Sie haben! Herr von Hennen! Ich bin dazu verpflichtet eine gewisse Disziplin hier aufrecht zu erhalten! Und da habe ich bisher versagt! Da haben Sie ganz Recht! Ich danke, dass Sie mich darauf aufmerksam gemacht haben! VON HENNEN Sie sind dazu verpflichtet mir mitzuteilen wo genau ich mich über Sie beschweren kann. BANDER Das hat Sie Ihnen bereits gesagt. SENSEN-FRAU Ja! (schwingt unbeabsichtigt ihre Sense) BUSLOV (zu BECKBROT) Vorsicht. BECKBROT Ah. (springt zur Seite) SENSEN-FRAU Das hat sie ihm bereits gesagt! ROBERTS May I? Darf ich? (ROBERTS nimmt SENSEN-FRAU Sense ab und arrangiert diese auf deren Rücken.) ROBERTS How do you do? BUSLOV Herr Roberts kommt aus England. SENSEN-FRAU Sie kommen aus England? ROBERTS Yes. 13 BUSLOV (zu SENSEN-FRAU) Der Kurort Weiteau bemüht sich zur Zeit gerade auch um den Britischen Markt. FÜCHSEN Hat se nicht mitbekommen. Das geht nicht mal hier rein. ROBERTS How do you do? SENSEN-FRAU I am very well, thank you. Mir geht es gut. Und wie geht es Ihnen? ROBERTS Absolutely spendid. BUSLOV Er sagt, es würde ihm ausgezeichnet gehen. SENSEN-FRAU Das freut mich zu hören. Ihr erster Besuch in Deutschland? Your first visit to Germany? ROBERTS Yes. And I am absolutely loving it. Splendid Country. BUSLOV Er sagt, das sei sein erstes Mal in Deutschland und es gefalle ihm hier bei uns sehr gut. SENSEN-FRAU Das freut mich zu hören. BUSLOV Ich meine aber eine gewisse Ironie entdeckt zu haben. In der Betonung. In seiner Betonung. Sie verstehen was ich meine? SENSEN-FRAU Ja. Natürlich. ROBERTS Darf ich? (ROBERTS nimmt SENSEN-FRAU Sense aus der Hand und will diese auf deren Rücken arrangieren.) SENSEN-FRAU Thank you. 14 VON HENNEN Entschuldigung. Sie haben mir noch nicht mitgeteilt wo genau ich mich über Sie beschweren kann. (SENSEN-FRAU nimmt ROBERTS Sense aus der Hand.) SENSEN-FRAU (wutentbrannt, mit erhobener Sense) Herr von Hennen! ROBERTS May I? (ROBERTS nimmt SENSEN-FRAU Sense aus der Hand und arrangiert diese auf deren Rücken.) SENSEN-FRAU Thank you. Herr von Hennen, dank Ihnen herrscht hier eine zu große Unruhe. Herr von Hennen, dank Ihnen herrscht hier eine zu große Disziplinlosigkeit. Ich mache Sie und ausschließlich Sie für diese Unruhe und Disziplinlosigkeit verantwortlich. FÜCHSEN Das einzige, das er wissen will... BANDER (unterbrechend) Jetzt lass sie mal ausreden. SENSEN-FRAU Danke sehr. Herr von Hennen, bitte glauben Sie mir: ich kenne meine Schwächen. Ich bin zu sensibel. Zu überschwänglich. Zu lebensfroh. Ja, zu lebensfroh. Das wirft mir sogar mein eigener Mann vor. Herr von Hennen, ich verspreche, ich werde mich zu bessern versuchen: Sie werden heute noch tanzen; Ekstatisch; Und ohne Unterbrechung; Bis Ihnen die Luft ausgehen wird und Sie keine Energie mehr haben werden sich beschweren zu wollen. (holt tief Luft) So, und das war nun endgültig meine letzte, nein, meine allerletzte große Rede die ich für heute hier halten werde. Die Knie anwinkeln. Achtung. Los. (RENTNER setzten sich Bewegung.) SENSEN-FRAU Nein. Stopp. 15 (RENTNER stoßen mit SENSEN-FRAU zusammen.) BANDEER (zu FÜCHSEN) Mensch, jetzt pass mal auf wo du hintrittst. (zu SENSEN-FRAU) Entschuldigung. SENSEN-FRAU Nein. Ich habe eine bessere Idee. Es wird nun gejoggt. Ohne Rast und ohne Pause. BANDER (zu FÜCHSEN) Siehst `e, das hast de jetzt davon. FÜCHSEN (zeigt auf VON HENNEN) Er hat sie auf die Palme gebracht. Nicht ich. SENSEN-FRAU Sie haben es nicht anders gewollt. Achtung. Es wird nun gejoggt. Achtung: Los! (SENSEN-FRAU joggt ab mit FUDU.) SCHNEIBER Und das war auch so als wir mal alle zusammen und da war auch ich dabei. Da waren wir wieder alle zusammen dabei. Nicht nur die. Auch er. Außer mir. (BANDER packt SCHNEIBER.) SCHNEIBER Ah. FÜCHSEN Schau mal. Das sieht so aus als ob die fliegt. Der Köder kommt kaum mit. (VITELA rennt von allen unbemerkt SENSENFRAU hinterher ab.) BROTBECK Du, die fliegt wirklich. Und der Köder auch. Das ist der erste fliegende Hund den ich je gesehen habe. FÜCHSEN Der ist vorher schon mal geflogen. 16 VON HENNEN Nein? FÜCHSEN Doch. VON HENNEN Wir müssen hinterher. SCHNEIBER Frau!? Hallo!? Halloo!? VON HENNEN Hallo! BECKBROT Halloo! Frau Ee! PRENZLAFF Die hat doch keine Ahnung was sie tut. Die hat das Ganze nicht richtig in der Hand. BANDER Aber sie bemüht sich. Und darauf kommt es an. FÜCHSEN So, und ich drehe jetzt um. (SENSEN-FRAU kommt von allen unbemerkt zurück mit FUDU. SCHNEIBER will etwas sagen. BANDER packt ihn.) SCHNEIBER Ah. FÜCHSEN Ich gehe zurück ins Kurhaus. Weil um elf habe ich heute Kurkonzert. Und da werde ich nicht noch einmal verpassen. Und dann habe ich meine Anwendungen und dann noch einen ganz wichtigen Termin. BANDER Mit dem Oberschlächter. FÜCHSEN Mit Chefarzt von Krausen. Ja. (zu ROBERTS dann zu allen) Bye, bye. Ihr könnt eure Kniechen anwinkeln so lange Ihr wollt. Aber ohne mich. Ich drehe um. 17 (FÜCHSEN will abgehen. Er läuft in SENSEN FRAU ´S - von ihr mit beiden Armen geöffnete Kutte.) SENSEN-FRAU Nicht so schnell, Herr Füchsen. (SENSEN-FRAU schließt ihre Kutte. Nur noch FÜCHSENS Kopf schaut aus Kutte hervor.) FÜCHSEN Entschuldigung: und nun hören Sie mir bitte gut zu. Punkt elf habe ich heute Kurkonzert. Und das werde ich dank Ihnen nicht noch einmal verpassen. Und dann haben ich meine Anwendungen. BUSLOV Und um elf hat Herr Füchsen einen wichtigen Termin; mit Chefarzt von Krausen. FÜCHSEN Nein! Um elf habe ich Kurkonzert? VON HENNEN Entschuldigung. Eine Frage möchte ich abgeklärt wissen. Ach, aber zuerst: meinem eingeklemmten Nerv geht es etwas besser. Vielen Dank. Ihre Behandlung hat genützt. Das haben Sie wunderbar gemacht. Ich fühle mich um so viel besser. Vielen, vielen Dank. Ich werde Sie weiterempfehlen. Seit Jahren habe ich mich so wohl gefühlt. Und falls möglich würde ich gerne ein paar private Behandlungen bei Ihnen buchen. Besteht diese Möglichkeit? SENSEN-FRAU Ja. Ich glaube, das lässt sich arrangieren. VON HENNEN Aber was ich fragen wollte: wann tanzen wir das Ballett? Dieses Ballett? Von dem Sie sprachen. BANDER (zu FÜCHSEN) Mensch, sag dem, er soll endlich mal die Klappe halten. SENSEN-FRAU (überschneidend und übertönend) Diskussion abgeschlossen. Die Kniechen anwinkeln. Achtung: Los. 18 FÜCHSEN Entschuldigung. Herr von Hennen hat Ihnen eine Frage gestellt. Da muss zuerst noch etwas abgeklärt werden. BUSLOV Sie sagten wir würden heute noch ein Ballet tanzen. SENSEN-FRAU Ja, ich weiß was ich gesagt habe. FÜCHSEN Ja aber anscheinend können Sie sich nicht mehr daran erinnern. PRENZLAFF Und wo tanzen wir das Ballett bitte? Gibt `s da `ne Bühne? Das muss doch alles organisiert werden? Prenzlaff, angenehm. Und proben wir vorher? Das muss doch alles vorher geprobt werden? Ich habe noch nie in meinem Leben Ballett getanzt? FÜCHSEN Und was tragen wir? Irgendein Kostüm? (FÜCHSEN öffnet und tritt aus SENSENFRAU ´S Kutte und haut ihr dabei mit Hand ausversehen ins Gesicht.) SENSEN-FRAU Ah. FÜCHSEN Weil in dem Aufzug trete ich nicht auf. BUSLOV Und an was für Musik haben Sie gedacht? Tanzen wir etwas Klassisch -oder etwas mehr Modernes? Ich persönlich neige mehr zum Klassischen und bin was die Musik betrifft sehr anspruchsvoll. Ich könnte Sie diesbezüglich beraten. Ich hatte schon immer sehr feines Gehör. Aber für mich nur eine etwas mehr kleinere Rolle. Ich bin angehalten mir meinen Energiehaushalt ökonomisch einzuteilen. Das wurde mit von meine Ärzten strengstens empfohlen. VON HENNEN Über welchen Energiehaushalt reden Sie? BUSLOV Über den bio-genetischen. VON HENNEN Über den bio-genetischen? 19 HEINRICHSEN Ja. PRENZLAFF Mensch, euch hamm se zu viel Quatsch erzählt im Kurheim. (SCHNEIBER will etwas sagen. BANDER packt ihn.) SCHNEIBER Ah. SENSEN-FRAU Ruhe! Es herrscht hier eine zu große Disziplinlosigkeit! (ironisch) Bitte denken Sie an Ihren Energiehaushalt. BUSLOV Meinen Sie den bio-genetischen Energiehaushalt? Oder den optimal-genetischen? Reden wir da über das Gleiche. SENSEN-FRAU Ja, den meine ich, den biogenetisch und den anderen. Und alle. So: und nun wird gejoggt. Ohne Rast und ohne Pause. FÜCHSEN Die hat doch keine Ahnung was sie tut. PRENZLAFF Das sage ich doch schon die ganze Zeit. BANDER Jetzt höre endlich mal auf herumzumeckern. FÜCHSEN Ich glaube, die kennt sich nicht mal aus wo wir hier sind. BECKBROT Und wo haben Sie den anderen gelassen? SENSEN-FRAU So, und von nun an herrscht hier Disziplin. BECKBROT Da fehlt doch einer. BANDER Der fehlt schon die ganze Zeit? SENSEN-FRAU Absolute Disziplin. 20 VON HENNEN Ja? BECKBROT Herr Vitela ist weg. PRENZLAFF Das merkt ihr erst jetzt? Der ist doch sofort verschwunden. Der war doch kaum hier. SENSEN-FRAU Es geht weiter! Die Kniechen anwinkeln! ROBERTS (salutiert) Zu Befehl. PRENZLAFF Du das war jetzt aber gerade hart an der Grenze. Der regt mich jetzt bald noch mehr auf als die. ROBERTS Achtung: Los! (SENSEN-FRAU joggt ab mit FUDU, BECKBROT und SCHNEIBER.) BANDER (humpelt hinterher, zu FÜCHSEN) Es geht weiter. HENNEN (zu FÜCHSEN) Kommen Sie jetzt endlich? ALBRECHT As is os? FÜCHSEN Nein Danke. Ich gehe zurück ins Kurheim. Und ich Kurheim, das kann ich garantieren, da wird es Beschwerdebriefe hageln. VON HENNEN Wir müssen uns korrekt benehmen. Ich möchte keinen Ärger mit meiner Krankenkasse bekommen. (SENSEN-FRAU kommt zurück mit FUDU auf dem Arm.) 21 FÜCHSEN Da is` se wieder. So, und jetzt seht ihr mal wie das gemacht wird. (zu ROBERTS) Attention. (FÜCHSEN nimmt SENSEN-FRAU FUDU aus dem Arm und setzt ihn auf den Boden.) FÜCHSEN Sind Sie - nein, der sitzt da gut - Was für Qualifikationen haben Sie? Sitz! ALBRECHT it ollertlich. FÜCKSEN (zu BANDER) Du kannst ihn besser verstehen. ALBRECHT it ollertlich. FÜCKSEN Ja. Um im Kurheim Weiteau arbeiten zu können braucht man vollwertig -ärztliche Qualifikationen. Im Kurheim Weiteau ist sogar das Putzpersonal ärztlich qualifiziert oder wie man da sagt. Darauf haben wir Anspruch. Das ist Vorschrift. (BECKBROT und SCHNEIBER kommen zurück. SCHNEIBER will etwas sagen. BANDER packt ihn.) SCHNEIBER Ah. FÜCHSEN Für das haben wir bezahlt. BUSLOV Sind Sie ein Privatpatient? FÜCHSEN Das ist ganz egal was ich bin. BANDER Er ist halb halb. 22 SENSEN-FRAU So, und ich sage das nun zum allerletzten Mal: die Knie anwinkeln. Und das ist meine letzte, nein meine allerletzte Warnung. Es geht weiter. Achtung. Los! (rennt ab) PRENZLAFF Ja wie? Was jetzt? Wo rennt die schon wieder hin? VON HENNEN Sie will, dass wir hinterher rennen. FÜCHSEN Da hat sie nichts davon gesagt. BROTBECK Schau mal: wie die fliegt? (Überschall Knall, dann Knalle) BECKBROT Die fliegt Überschall. Die is` sauer mit uns und reagiert sich jetzt ab; das kenne ich von meiner Frau. (BERSTEIGERIN tritt auf - gefolgt von SENSEN-MANN - und seilt sich ab.) PRENZLAFF Und da sitzt ihr Köder. BECKBROT Den hat sie vergessen. BANDER Hat dich Frauchen sitzen lassen? FÜCHSEN Das ist doch die von Hannen. VON HENNEN Wie bitte? FÜCHSEN Nein, die van Hannen, die holländische Ärztin. Und da ist schon wieder so `ne Type? (SENSEN-MANN haut Seil mit Sense durch) BERGSTEIGERIN Ah...! 23 FÜCHSEN Nein. Oh Gott. Die ist die ganze Steilwand runter. Nein. Schaut nicht. BANDER Was muss die auch so `n Blödsinn machen. FÜCHSEN Er hat sie umgebracht. Hab ihr das nicht gesehen? BANDER Komm, du siehst Gespenster. Das ist alles. (FÜCHSEN betastet SENSEN-MANN) FÜCHSEN Das ist kein Gespenst. ALBRECHT As is os? As is os?! (ALBRECHT betastet SENSEN-MANNS Gesicht. SENSEN-MANN holt nach ALBRECHT aus. ROBERTS stellt sich zwischen die beiden.) ROBERTS How do you do? (SENSEN-MANN holt mit Sense nach ROBERTS aus.) ROBERTS (ohne mit der Wimper zu zucken) I am so pleased to meet. (SENSEN-MANN lässt Sense leicht sinken.) BUSLOV Darf ich vorstellen: Herr Roberts ist aus England. FÜCHSEN Was aus England? Der bekommt doch den ganz falschen Eindruck von unserem Land? BUSLOV (zu SENSEN-MANN) Heinrichsen, angenehm. Herr Roberts sagt, er freue sich Sie kennen zu lernen. BANDER Den haben die ganz schön wieder aufgepäppelt. Ihr hättet den sehen sollen als er hier ankam. 24 (SENSEN-MANN holt wieder mit Sense nach ROBERTS aus.) ROBERTS What a charming day we `r having; and what a splendid view. BUSLOV Er sagt, wir hätten heute sehr schönes Wetter. Und die Sicht sei sehr schön. (SENSEN-MANN lässt Sense leicht sinken.) ROBERTS We will become very good friends. I feel we are very good friends already. BUSLOV Er sagt, Sie seien ihm sehr sympathisch und er sei sicher, Sie würden schnell Freundschaft schließen und gute Freunde werden. Das war jetzt sehr frei übersetzt. FÜCHSEN Fragen Sie den mal wo wir hier sind. Please ask... BANDER (unterbrechend) Du bist hier zur Kur. Kapitschko? Dir soll das Saufen abgewöhnt werden. FÜCHSEN Musst du immer gleich so ausfällig werden. Ich leide unter emotionellen Problemen. (SENSEN-MANN holt wieder mit Sense aus.) BANDER Nein, du säufst zu viel. (SENSEN-FRAU kommt zurück.) SENSEN-FRAU Ottmar? (SENSEN-MANN schaut Richtung SENSEN-FRAU. ROBERTS rennt von SENSEN-FRAU ungesehen Kopf voraus auf SENSEN-MANN zu und stößt ihn über die Bergkuppe.) SENSEN-FRAU Otti? Wo ist mein Mann hin? 25 ROBERTS Ihr Mann? What is` passiert? (SENSEN-MANNS Kopf erscheint über Bergkuppe.) SENSEN-FRAU Otti? FÜCHSEN Entschuldigung. (SENSEN-FRAU und SENSEN-MANN schauen auf Füchsen.) FÜCHSEN Sie sind mir noch eine Antwort schuldig. Was für Qualifikationen haben Sie? (ROBERTS gibt SENSEN-MANN einen Fußtritt.) SENSEN-MANN Au! SENSEN-FRAU Otti. ROBERTS Goodness. Was ist passiert? Hier, nehmen Sie meine Hand. BECKBROT Ahm, do you speak English? BUSLOV Können Sie Englisch? SENSEN-FRAU Was soll ich denn sonst noch alles können?! (ROBERTS rennt zum zweiten Mal von SENSENFRAU ungesehen mit Kopf voraus auf SENSENMANN zu und stößt ihn über die Bergkuppe.) ROBERTS Help. Hilfe. Ihr Mann. SENSEN-FRAU Otti? 26 ROBERTS (ins Tal) Hello? (zu SENSEN-FRAU) Ich wollte nur helfen. PRENZLAFF Wo kommt der noch mal her? BECKBROT Hab ich nicht mitbekommen. FÜCHSEN Aus England!? Entschuldigung, so und nun sagen Sie mir bitte augenblicklich: was für Qualifikationen haben Sie? Entschuldigung. Hier geht `s weiter. So, und in genau 5 Minuten habe ich meine Anwendungen. Im Kurhaus. In Weiteau. (SCHNEIBER will etwas sagen. BANDER packt SCHNEIBER.) SCHNEIBER Ah. FÜCKSEN In genau 5 Minuten. Und ich warne Sie: wenn ich nicht in genau 5 Minuten im Kurhaus Weiteau bin, dann ist Ihre Karriere dort beendet. Fristlos. Das kann ich garantieren. BECKBROT Und wann dürfen wir das Ballett tanzen? BANDER Halt die Klappe. (SENSEN-MANNS Kopf erscheint über Bergkuppe.) ROBERTS Ihr Mann! SENSEN-FRAU Otti. ROBERTS Goodness. Du armer Junge. Hier nehmen Sie meine Hand. SENSEN-MANN Halte mir diese Type vom Hals. Was ist das für ein Köder? 27 SENSEN-FRAU Ottmar, dieser Köder heißt Fudu. Fudu hat symbolische Bedeutung. In der klassisch-griechischen Sagenwelt bewacht der Totenhund Ono oder Bono oder so ähnlich das Totenreich. SENSEN-MANN Dieser Köder könnte keine Kokosnuss bewachen. So, und diese Type knöpfe ich mir jetzt vor. (SENSEN-MANN packt ROBERTS.) SENSEN-FRAU Nein. Ich werde mich um Herrn Roberts kümmern. SENSEN-MANN (holt mit Sense aus) Kopf schön hoch halten. Head more up. SENSEN-FRAU Ottmar, ich warne dich. Herr Roberts ist ein Kurgast in Weiteau. Und darum bin ich zuständig für Herrn Roberts. Und zwar ausschließlich. - Wir machen hier eine kleine Pause! Aber nur eine kleine! - Sir Roberts ist aus England. Und wie gefällt es Ihnen in Germany? ROBERTS Absolutely splendid. Wonderful country. BUSLOV Er sagt, Deutschland sei ein wunderbares Land und es würde ihm hier bei uns sehr gut gefallen. ROBERTS Weiteau. Bavaria. BECKBROT Er meint wir sind in Bayern. SENSEN-FRAU Nein. Schwarzwald. Black Forest. ROBERTS Schwarzwälder Kirschtorte. SENSEN-FRAU Ja! (lacht) 28 (RENTNER lassen sich erschöpft zu Boden sinken. SENSEN-MANN stellt ROBERTS an den Abgrund.) SENSEN-MANN Wie lange arbeitest du schon an denen herum? (holt mit Sense aus) Good bye, Mr. Roberts. SENSEN-FRAU Ottmar, ich befehle dir... (SENSEN-MANN will zuschlagen. FÜCHSEN drängt sich zwischen SENSEN-MANN, SENSEN-FRAU und ROBERTS.) FÜCHSEN (zu SENSEN-MANN) Vorsicht. Jetzt passen Sie gefälligst mal `n bisschen auf. (zu SENSEN-FRAU) Entschuldigung. Und ich sage das jetzt zum letzten, nein, zum allerletzten Mal: in genau 5 Minuten habe ich meine Anwendungen. Im Kurhaus. In Weiteau. SENSEN-FRAU Nein, Herr Füchsen, auf Ihrem Program heute steht... FÜCHSEN (unterbrechend) Stopp. Ich bin noch nicht fertig. Und dann habe ich einen Vortrag. Und dann einen wichtigen Termin. Mit Chefarzt von Krausen persönlich. So, haben Sie das verstanden? Kapitschko? Sie nix sprechen Germany? Ja? Wenn die nicht richtig quaken kann, dann muss man ihr das beibringen. Dank Ihnen werde ich nicht noch einmal das Kurkonzert verpassen. Was Sie vielleicht nicht wissen ist, dass Musik ist so wichtig für die geistige und seelische und das wirkt sich auch auf... na, Sie sollten mal zu so `nem Vortrag im Kurhaus. Sie haben `s nötiger als ich. So, und dann habe ich heute noch mal Anwendungen. Die tun mir immer so gut. Nach diesen Anwendungen bin ich gestern ins Bett geschwebt. BECKBROT "Es herrscht hier eine furchtbare Disziplinlosigkeit." Jetzt kommt Se bestimmt gleich wieder damit raus. SENSEN-FRAU Es herrscht hier eine furchtbare Disziplinlosigkeit. 29 SNESEN-MANN Na das kannst de laut sagen. So: und jetzt werde ich dir mal vormachen wie man das macht. Good bye, Mr. Roberts. (holt mit Sense aus) SENSEN-FRAU Unterstehe dich! Es geht auch ohne rohe Gewalt. Ja, Ottmar, ich weiß: Flugzeugabstürze, Erdbeben, Bazillen, (schüttelt sich) ah, das kann ich alles nicht. Aber Niveau, Sensibilité, die Liebe für die Kunst, den Tanz, das Ballett, das kannst du alles von mir lernen. Attention. Alle aufstehen bitte. Sir Robert, please. ROBERTS Sie sind sehr freundlich. SENSEN-FRAU Danke sehr. RENTNER (stehen auf und helfen sich dabei gegenseitig, durcheinander) Au. Nein. Ah... SENSEN-FRAU Und es liegt in Ihrem Interesse sich von nun mir gegenüber kontinuierlich und ohne Unterbrechung um eine interaktive, positiv-konstruktive Einstellung zu bemühen. BECKBROT (unterbrechend) Und wann machen wir endlich mal eine richtige Pause? SENSEN-FRAU Wir hatten gerade eine Pause. BECKBROT Nein. Eine richtige Pause. Ich habe schon seit 2 Tagen nichts zu essen bekommen. VON HENNEN Und ich schon seit über zwei Wochen. Vor zwei Wochen habe ich 3 Teelöffel Tee eingeflößt bekommen. Und seither nichts mehr. BECKBROT Sie wurde doch bestimmt künstlich ernährt. VON HENNEN Ja aber das haben Sie auch abgestellt? 30 SENSEN-FRAU Es sind keine weiteren Pausen vorgesehen. BECKBROT / SENSEN-FRAU (gleichzeitig) Ich wäre dafür... / In Anbetracht der durch Sie verursachten... BECKBROT (übertönend) ... eine weitere Pause einzulegen! Ich weiß: wir stimmen ab. SENSEN-FRAU Achtung! (zu ROBERTS) Attention. (zu ALLEN) Es geht weiter. Und es werden keine weiteren Pausen eingelegt. Achtung. Es geht los. Nein. Wir werden nicht joggen. Wir werden nun fliegen. Ja, wir werden nun alle fliegen. Achtung. Los. (rennt mit erhobenen Armen) (Alle RENTNER rennen los mit erhobenen Armen.) SENSEN-MANN Nein. Der bleibt hier. (SENSEN-MANN packt ROBERTS.) SENSEN-FRAU Stopp! PRENZLAFF Stopp! Zurück! (Alle RENTNER außer VON HENNEN halten an. VON HENNEN schießt fliegend ab.) BANDER (zu FÜCHSEN) Mensch, jetzt pass mal auf. BECKBROT Was is` jetzt schon wieder. PRENZLAFF Wie soll ich das wissen? Die Frau ist das totale Chaos. Die hat das Ganze nicht richtig in der Hand. Aber so sind Frauen. Ich weiß, das darf man heute nicht mehr sagen: 31 PRENZLAFF (fortgesetzt) aber Frauen sind einfach inkompetenter als Männer. Die Frau ist doch das klassische Beispiel für Inkompetenz. SENSEN-FRAU Ottmar. SENSEN-MANN Ja, Elvira? SENSEN-FRAU Otti. (ROBERTS nimmt SENSEN-MANN Sense aus der Hand und schlägt ihm mit Sensenstil auf den Kopf. SENSEN-MANN wendet sich langsam Richtung ROBERTS.) ROBERTS Now look dear Chap... let `s all stay reasonable. BUSLOV Er meint, wir sollen alle vernünftig bleiben. (SENSEN-FRAU stellt sich zwischen SENSENMANN und ROBERTS.) SENSEN-FRAU Ottmar, Ich bin für Herr Roberts zuständig. Herr Roberts kommt daher mit mir. Herr Roberts wird wie alle mir anvertrauten Kurgäste seine Kur mit Stil und Niveau beenden. Herr Roberts wird heute noch die Hauptrolle in meinem Ballett tanzen. ROBERTS Excuse. (bringt Sense auf Sensen-Manns Rücken an.) BECKBROT Nein, die Hauptrolle tanze ich. PRENZLAFF Wer die Hauptrolle tanzt, das wurde noch nicht entschieden. BUSLOV Doch. Ich glaube, Sie sagte, dass Herr ROBERTS... PRENZLAFF (unterbrechend) Wer die Hauptrolle tanzt, da haben wir mitzureden. 32 SENSEN-MANN Elvira? Diese Tanzerei? Das ist doch der totale Blödsinn? SENSEN-FRAU Der Tanz, die Kunst, das Ballett, Ottmar, ist kein Blödsinn. SENSEN-MANN Ich habe heute bereits den dritten Bergsteiger... SENSEN-FRAU (unterbrechend) Musst du immer über deine Arbeit reden? SENSEN-MANN Zwei Bergsteiger... SENSEN-FRAU (einwerfend) Hast du mir sonst nichts zu sagen. SENSEN-MANN ... und eine Bergsteigerin. SENSEN-FRAU Gibt es kein anders Thema für dich? SENSEN-MANN Ich habe heute bereits drei... SENSEN-FRAU (unterbrechend) Ja gut. Alles Holländer. Das ist auch ein leichterer Job. SENSEN-MANN Das waren nicht alles Holländer. Die gerade war Holländerin. OK. Aber die anderen zwei... und, und da war sogar ein Steilwandchampion dabei. SENSEN-FRAU Na so was. Wie interessant. SENSEN-MANN Und was hast du fertig gebracht? (klopft BECKBROT auf die Schulter) Wir kennen uns. Nordwand. Seilriss. Mach ich immer so. BUSLOV Ich glaube, wir können uns wieder setzen. 33 SENSEN-MANN Elvira? Der Typ war bereits klinisch tot. Dank mir. Und das habe ich ganz nebenbei gemacht. SENSEN-FRAU Du bist in meinen Aufgabenbereich eingedrungen. SENSEN-MANN Er wollte die Nordwand rauf. Ohne das das Kurheim darüber was wusste. Und darum bin ich verantwortlich für... SENSEN-FRAU (einwerfend) Herrn Brotbeck. BUSLOV Beckbrot SENSEN-FRAU Ja. Danke sehr. Und da ich für Herrn Beckbrot verantwortlich bin wird Herr Beckbrot wie alle mir anvertrauten Kurgäste seine Kur mit Stil und Kultur beenden. SENSEN-MANN (zu BECKBROT während er auf Verband haut) Calvaria fractura duplicis. BROTBECK Au. (ALLE RENTNER außer ROBERTS lassen sich wieder auf Boden nieder. ROBERTS versucht "sich aus dem Staub zu machen".) SENSEN-MANN Du, die Kletterausrüstung hat ihm seine Frau zu Weihnachten geschenkt. (SENSEN-MANN Richtung nach ROBERTS.) SENSEN-FRAU Ich wiederhole: Herr Beckbrot ist Kurgast in Weiteau und darum... Ottmar! Ich rede mit dir! SENSEN-MANN Hier geblieben. Du falsche Krücke. (SENSEN-MANN packt ROBERTS und lässt ihn nicht mehr los.) 34 SENSEN-MANN Wie lange willst du die mal wieder tanzen lassen? SENSEN-FRAU Kannst du nicht mal was anderes abspielen? SENSEN-MANN Wie lange? SENSEN-FRAU Ich habe eben meinen eigenen Stil? SENSEN-MANN Ach? Ach was? Na, das ist jetzt mal was ganz anderes. Du hast Stil. Und wer hat dir diese Flause in den Kopf gesetzt? Du bist hier um zu arbeiten und nicht um um Stil, um um... SENSEN-FRAU (unterbrechend) Bitte stottere nicht vor mir herum. Das macht dich noch unattraktiver als du schon bist. SENSEN-MANN Elvira? Die Hälfte von denen sollte bereits beigesetzt sein? SENSEN-FRAU Nein, nicht die Hälfte. Höchstens ein oder zwei. SENSEN-FRAU Und dieser Engländer? Der sollte bereits überführt sein? Seine Beisetzung wurde bereits zum zweiten Mal verschoben? Familienmitglieder Herrn Roberts sind bereits zum zweiten Mal vergeblich zu seiner Beisetzung angereist? SENSEN-FRAU Ja und? Dann sollen sie eben zu dritten Mal anreisen? ROBERTS I am most frightfully sorry. Entschuldigung. It all has been the most frightful misunderstanding between friends. BUSLOV Er sagt, was da passiert soll sein zwischen Ihnen, das sei ein Missverständnis gewesen. Ein Missverständnis unter Freunden. (SENSEN-Mann stellt ROBERTS an den Abgrund und holt mit Sense nach ihm aus.) 35 SENSEN-FRAU Ah, warum habe ich mich nur mit so einem billigen, primitiven Mann eingelassen? Warum?! SENSEN-MANN (lässt Sense leicht sinken) Weiter. Komm Schon außer Atem? (SENSEN-MANN holt mit Sense aus) SENSEN-FRAU Wie konnte ich nur so dumm sein? SENSEN-MANN (lässt Sense leicht sinken) Weiter. Komm. (holt mit Sense aus) SENSEN-FRAU Weißt du was? Du solltest dir an ihm ein Vorbild nehmen. SENSEN-MANN Ich soll mir? Diese Type...? SENSEN-MANN Ja. Du solltest dir an Herrn Roberts ein Vorbild nehmen. Herr Roberts hat Humor. Er hat Stil. Er hat Charme. Etwas das ich an dir total vermisse. SENSEN-MANN Er hat mir einen Tritt verpasst? Und eine über die Rübe gezogen? SENSEN-FRAU Das war ein Missverständnis? SENSEN-MANN Ich flog zwei Mal den Abhang runter? SENSEN-FRAU Das war ein Missverständnis? Das hat Herr Roberts dir doch gerade zu erklären versucht? Ah, warum musst du dich immer herumstreiten mit mir? Das ist das einzige, dass du mit mir anzufangen weist. Und ich weiß auch warum. Du liebst mich nicht mehr. Ich bin dir gleichgültig. Aufstehen! Die Beine anwinkeln. Es wird nun gejoggt. Diese Krücke, die ist doch nur im Weg. (SENSEN-FRAU nimmt BANDER seine Krücke weg und wirft diese zur Seite.) 36 SENSEN-FRAU Höher, Herr von Hennen. Sie sind hier nicht im Kindergarten. VON HENNEN Au. Ah. SENSEN-FRAU Gut. Warum nicht gleich so? Wir haben nichts gemeinsames. Das war schon immer unser Problem. (BANDER hat seine Krücke erreicht. SENSENFRAU befördert Krücke mit Fußtritt weg von ihm.) SENSEN-FRAU Oder zu viel gemeinsames. Ah... SENSEN-MANN Elvira? Weiteau ist ein Kurort mit internationalem Ruf? SENSEN-FRAU Ich habe eben meinen eigenen Stil. SENSEN-MANN Elvira? SENSEN-FRAU Ottmar: SENSEN-MANN Elvira?! SENSEN-FRAU (sehr beherrscht) Ja, ich weiß. Du kannst lauter schreien als ich. SENSEN-MANN Elvira? Die Hälfte von denen war bereits klinisch tot? SENSEN-FRAU Nein. Nicht die Hälfte. Musst du immer gleich so übertreiben? SENSEN-MANN Und einen hast du mit, der sollte gar nicht hier sein. Du hast den falschen mit? (VON HENNEN fliegt sich drehend quer über die Bühne.) 37 SENSEN-FRAU Ich muss mich um Herrn von Hennen kümmern. SENSEN-MANN Elvira, Weiteau ist ein Kurort. Ein ganz exklusiver Kurort. Weiteau ist der exklusivste Kurort Deutschlands. Hast du das verstanden? Weiteau ist ein Kurort mit internationalem Ruf? SENSEN-FRAU Nur weil ein Engländer dort rumspringt heißt das lange noch nicht, dass sie international sind. Ich liebe einfach den Tanz. Ich liebe die Kunst. Ich bin sehr sensibel. Ich bin sehr überschwänglich. Ich bin sehr lebensfroh. Ja, ich bin lebensfroh. Ich bin einfach anders. Und ich bestehe darum auf etwas Freiraum. Auf etwas Freiraum zur persönlichen und künstlerischen Selbstentfaltung. Und gerade auch während der Arbeit. SENSEN-MANN Elvira? Das letzte Mal das in Deutschland jemand zu Tode getanzt wurde, das war vor über 480 Jahren? SENSEN-FRAU Ach, bist du aber intelligent. SENSEN-MANN Was du machst ist streng verboten. SENSEN-FRAU Seit wann hast du dich schon mal um ein Verbot gekümmert. Dieses "Skifahrer jagen". Dein neues Hobby. Höchstens ein Prozent aller Todesfälle in Weiteau sollten Skifahrer sein. Seit du in Weiteau bist sind es 2 Punkt 3 Prozent? Ich habe das nachgeschaut. SENSEN-MANN Und du? Du hast gestern in Weiteau 200tausend Euro Sachschaden verursacht und ein Verkehrschaos zur Hauptgeschäftszeit. SENSEN-FRAU Ja. Ich habe eine Rentnerin unter einen Linienbus. Das war alles. SENSEN-MANN Ja. Aber dann haben ses bis in die Intensiv geschafft. SENSEN-FRAU Ja. Die warten dort auf mich. Ich brauche eine Ballerina für mein Ballett. 38 SENSEN-MANN Für dein Ballet? Was ist das jetzt schon wieder für ´ne Flause? Du kannst doch nicht Rentner Ballett tanzen lassen? Tagelang? Das geht doch nicht? SENSEN-FRAU Doch. Natürlich geht das. Warum soll das nicht gehen? Rentner können auch Ballett tanzen. SENSEN-MANN Ja. Aber deine liebe Rentnerin wird nicht mittanzen können. Schon wieder außer Lebensgefahr. Kommt Morgen schon wieder aus der Intensiv. SENSEN-FRAU (nach kurzer Pause) Ah, nein. Das sind diese neuen GeschwindigkeitsBegrenzungen. SENSEN-MANN Du hättest den Krankenwagen verunglücken lassen sollen. SENSEN-FRAU Ich habe doch keine Kompetenz über den Verkehr? SENSEN-MANN Warum machst du dann den Blödsinn mit diesem Linienbus? SENSEN-FRAU Der kam gerade so praktisch. SENSEN-MANN Elvira? 200tausend Sachschaden. Und das Ergebnis? Eine Rentnerinnen eine Nacht in der Intensiv. Da stimmt die ganze Relation nicht? Fußgänger, Autofahrer; Skifahrer; überall haben sie dir die Kompetenz bereits entzogen. Das einzige an das Sie dich noch ranlassen sind Herzpatienten und missglückte Operationen. Und Alkoholiker. Und kleine Idioten. (SENSEN-MANN hat BECKBROT auf die Kopf.) BECKBROT Ah! SENSEN-MANN Und warum hast du die gestern auch noch vor dem Kurpark? Die Rentnerin? SENSEN-FRAU Vor dem Kurpark? 39 SENSEN-MANN Ja. Die Abgaswerte in Weiteau lagen - an einem Sonntagnachmittag - 3 Stunden lang 10% über den zulässigen Werten. Die Kurverwaltung hat eine Verwarnung aus dem Gesundheitsministerium erhalten? Aus dem Gesundheitsministerium in Berlin? SENSEN-FRAU Mein Gott, so ein Theater zu machen wegen ein paar Abgaswerten. Ja gut, ich bin nicht perfekt. Und ich bin auch froh, dass ich nicht perfekt bin. Und das mit dieser Rentnerin tut mir leid. Du hast auch schon Fehler gemacht. Du hast mal einen ganzen Reisebus aus Versehen. Einen ganzen Reisebus? SENSEN-MANN Du ich sag dir was: wenn du auch noch hier ausfliegst, dann gehst du allein. Ohne mich. Sag mal? Wer ist auf die Idee gekommen dich auf ´n Kurort loszulassen? Und auch noch auf den exklusivsten Kurort Deutschlands? Was ist hier schiefgelaufen? (nach kurzer Pause) Ohne dich könnte ich schon im schönsten Erdbebengebiet arbeiten. SENSEN-FRAU (nach kurzer Pause) Dann geh doch!! Aber du bist immer noch hier. Und ich weiß auch warum. Weil du mich immer noch liebst. Ja, ich habe meine Fehler. Ich weiß. Aber ich weiß, dass du mich gerade wegen meine sensiblen Seite liebst. (SENSEN-FRAU umarmt SENSEN-MANN. Nach kurzer Pause fängt SENSEN-MANN leidenschaftliche zu küssen an. Beide sinken zu Boden.) FÜCHSEN Das ist keine Sportlehrerin. BANDER Das hat sie auch nie gesagt. FÜCHSEN Das ist auch keine Ballettlehrerin. So benimmt sich keine professionell ausgebildete Lehrkraft. SENSEN-MANN Nicht hier. SENSEN-FRAU Doch. Hier. Vor allen. 40 (VON HENNEN fliegt sich drehend von Allen unbemerkt über die Bühne. SENSEN-MANN steht auf.) SENSEN-FRAU Was ist los? SENSEN-MANN Ich muss zuerst noch in ´nen Autotunnel. SENSEN-FRAU In einen Autotunnel? SENSEN-MANN Ja. Zwei Schwerlastwagen. 1500 Hühner. SENSEN-FRAU Hühner? SENSEN-MANN Ja. Aber dann bin ich zurück. SENSEN-FRAU Ja, ich weiß. Deine Arbeit ist dir wichtiger als ich. Ein paar Hühner sind dir wichtiger als ich. SENSEN-MANN 1500 Hühner. SENSEN-FRAU Ah, Entschuldigung. 1500. 1500 Hühner. SENSEN-MANN Elvira, jetzt bitte bleibe für ein Mal vernünftig. SENSEN-FRAU Ach? Soll das heißen, dass ich unvernünftig bin? SENSEN-MANN Du bist unvernünftig, inkompetent und uneinsichtig. SENSEN-FRAU Unvernünftig und inkompetent und uneinsichtig. Aber ansonsten hast du nichts an mir auszusetzen. So, und jetzt werde ich mal mit dir anfangen. Was ich an dir auszusetzen habe: du bist eindimensional. Eindimensional und phantasielos. Du bist ohne jeglichen Stil. Du hast keinen Humor, du... SENSEN-MANN (unterbrechend) Gott sei Dank, dass ich keine Humor habe! 41 (SENSEN-KIND kommt auf die Bühne gerannt.) SENSEN-KIND Ahm, Papi, die Skifahrer sind zu schnell. SENSEN-MANN Wie viele hast du geschafft? SENSEN-KIND Ahm, die sind zu schnell, Papi? SENSEN-FRAU Hans Theodor? SENSEN-KIND Hallo, Mami. SENSEN-MANN Wie viele, Hans Theodor? SENSEN-FRAU Entschuldigung, Hans Theodor begrüßt gerade seine Mutti. Hans Theodor! (SENSEN-FRAU küsst Hans Theodor.) SENSEN-FRAU Schau wie Fudu sich freit. Du musst auch Fudu ein Küsschen geben. SENSEN-KIND Ah. (wischt sich den Mund) SENSEN-FRAU Hans Theodor, warum hilfst du heute nicht mal deiner Mutti ein bisschen? SENSEN-MANN Nein, Hans Theodor darf heute seinem Vati helfen. Hans Theodor darf jetzt gleich seinem Vati helfen eine Lawine zu machen. So macht man das. SENSEN-FRAU Hans Theodor, du könntest ruhig auch einmal deiner Mutti etwas helfen. SENSEN-MANN Hans Theodor wird heute noch seiner Mutti helfen. Hans Theodor darf nachher ganz alleine auf die Intensiv. Da wartet eine schöne Rentnerin auf dich. Das `s ´ne gute Übung für den. 42 SENSEN-KIND Eine Rentnerin? Aber da ist nicht richtig schwierig? Das kann ich schon? SENSEN-MANN Dann darfst du nachher deinem Vati zeigen wie gut du das kannst. SENSEN-FRAU Ottmar, Hans Theodor geht nicht ganz alleine auf die Intensiv. Du wirst ihn begleiten. Das Kind ist hypersensibel und überaktiv. SENSEN-MANN Der is` weder über noch unter. Der is` stink normal. (VON HENNEN fliegt Kopf runter, sich drehend über die Bühne.) SENSEN-FRAU Oh, nein. Ich muss mich um Herrn von Hennen kümmern. SENSEN-KIND Und wann gehen wir in den Autotunnel? SENSEN-FRAU Du willst den Jungen mitnehmen? In diesen Autotunnel? SENSEN-KIND Ja. Zur Hauptverkehrszeit. SENSEN-FRAU Ottmar, Hans Theodor geht nicht alleine auf die Intensiv. Und er kommt mir in keinen Autotunnel. Schon gar nicht zur Hauptverkehrszeit. SENSEN-KIND Papi hat heute schon drei Bergsteiger und da war sogar ein Champion dabei. Ein Steilwand Champion. SENSEN-FRAU Du kannst stolz auf deinen Vati sein. Und ich hoffe, dass du auch ein bisschen stolz auf deine Mutti bist. Weißt du, die Menschen sind in vielem so wie wir. SENSEN-MANN Jetzt bring dem Kind kein so ´n Blödsinn bei. Deine Mutter redet manchmal viel Blödsinn raus. Komm, du darfst die Lawine ganz alleine machen. SENSEN-KIND Nein, ich will zuerst in den Autotunnel. 43 SENSEN-MANN Nein, Zuerst die Skifahrer, dann die Intensiv, und dann erst der Autotunnel. SENSEN-KIND Warum nicht anders rum? SENSEN-MANN Ich bestimme hier. SENSEN-FRAU Ja, dein Vater weiß immer alles besser. Daran musst du dich gewöhnen. SENSEN-MANN Du hast noch viel zu lernen, Hans Theodor. Und deine Mutti hat auch noch viel zu lernen. SENEN-KIND Mutti kann nicht alles? SENSEN-FRAU Nein, deine Mutti kann nicht alles. Sie kann deinem Vati nichts beibringen. Er lässt sie nicht. Dabei könnte er so viel lernen von deiner Mutti. Hans Theodor, Mutti hat ganz viele Kurgäste hier. Aus dem Kurheim. In Weitau. SENSEN-KIND Aber die sind ja alle schon halb tot? SENSEN-FRAU Das kommt daher da das heute alles Rentner sind. Und weißt du, einer hat die durchschnittliche Lebenserwartung schon seit vielen, vielen Jahren überschritten. Und heute tanzen wir alle zusammen noch ein Ballett. SENSEN-KIND Ist da ein Steilwand Champion dabei? SENSEN-FRAU Nein. Vielleicht möchtest du gerne mittanzen? In meinem Ballett. Das wär doch schön. Wir machen eine kleine Ballerina aus dir. Ja?! SENSEN-KIND Ich geh lieber in den Autotunnel. SENSEN-MANN Komm, verabschiede dich von deiner Mutti. SENSEN-KIND Tschüss, Mutti. 44 SENSEN-MANN Solange du nur Blödsinn machst bleibt der Junge bei mir. Komm, gib Mutti ´n Küsschen. SENSEN-KIND (küsst schnell) Papi, der neue Jumbo hat 780 Plätze plus Bordpersonal. Wenn wir diesen Jumbo auf das Kurheim abstürzen lassen oder wo die immer ihr Kurkonzert haben... SENSEN-FRAU (nachrufend und überschneidend) Das geht nicht, Hans Theodor. Und warum nicht? SENSEN-KIND Weil Weitau ein Kurort ist. SENSEN-KIND Mit? SENSEN-KIND Mit internationalem Ruf. SENSEN-FRAU Ja. SENSEN-MANN Und das muss von dir kommen. Das ist doch die reinste Tortur was du mit denen machst. SENSEN-FRAU Ach? Und diese Skifahrer? Dieses Skifahrerjagen? Und jetzt soll sogar der Junge da noch mitmachen? SENSEN-MANN Komm, Hans Theodor, wir gehen jetzt sofort in den Autotunnel. SENSEN-KIND Au ja, Vati! (im Abgehen) Ahm, Vati, hast du schon mal etwas von einer Atombombe gehört? (SENSEN-KIND und SENSEN-MANN gehen ab.) SENSEN-FRAU Die Knie! FÜCHSEN Kurheim Weitau, also nein... 45 BANDER (einfallend) Jetzt meckere nicht immer an allem herum. Ich habe soweit keine Beschwerdegründe. SENSEN-FRAU Achtung, Attention. Und von nun an dulde ich keine Widerrede. Von nun an bestehe ich auf absolute Disziplin. Was soll diese Krücke? Sie brauchen diese Krücke nicht. (wirft und kickt Krücke) FÜCHSEN Das is` ´ne richtige Giftziege. (nachäffend) Ich habe soweit keine Beschwerdegründe. BECKBROT Komm, das ist eben `ne Frau. So sind Frauen eben. Meine war noch viel schlimmer. SENSEN-FRAU Achtung. Los. ROBERTS Excuse. (hebt Sensen-Frau ´s Sense auf) SENSEN-FRAU Ah. Thank you. ROBERTS You ´r welcome. Mit Ihrer Erlaubnis. (ROBERTS arrangiert Sensen-Frau ´s Sense auf deren Rücken.) SENSEN-FRAU Your are very kind. Sie sind sehr freundlich. ROBERTS It is a pleasure. SENSEN-FRAU Was hat er gesagt? BUSLOV Es sei eine Freude Ihnen zu helfen. ROBERTS Let`s come on chaps. Achtung? Los? Wir fliegen! 46 SENSEN-FRAU Ja! (rennt mit erhobenen Armen los) (ROBERTS und SENSEN-FRAU rennen lachend nebeneinander. Alle RENTNER außer FÜCHSEN folgen mit erhobenen Armen.) FÜCHSEN (versperrt den Weg mit Armen) Stopp! Hier muss zuerst noch was abgeklärt werden. Jetzt bin ich noch mal an der Reihe. So, und jetzt habe ich schon wieder das Kurkonzert verpasst. Aber in genau einer Minute habe ich meine Anwendungen. Und die werde ich noch einmal verpassen. Und das ist Ihre letzte Warnung. Wenn ich nicht in einer Minute zurück im Kurhaus bin dann ist Ihre Karriere dort beendet. Fristlos. Das kann ich garantieren. Mit Quittung und Beleg. (SENSEN-FRAU geht nach kurzer Pause daran ihre Sense von Ihrem Rücken zu nehmen. Gleichzeitig tritt in formaler Aufstellung SENSEN-PRÄSIDENTIN auf angeführt von HERRN GERSTER auf gefolgt von 4 GEFOLGS-PERSONEN. HERR GERSTER führt HERRN VITELA an der Hand.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E. SENSEN-FRAU Herr Füchsen, SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E. BECKBROT Frau E, (zeigt auf Sensen-Präsidentin) SENSEN-FRAU Ruhe! Herr Füchsen, wir joggen nun los. FÜCKSEN Sie dürfen Ihre Kniechen anwinkeln solange Sie wollen. Aber ohne mich. SENSEN-FRAU Wir joggen nun los. Wir alle. 47 FÜCKSEN Nein. SENSEN-FRAU Gut. Dann bleiben Sie eben hier. Dann gehe ich alleine. FÜCKSEN Nein. Sie bleiben hier. Jetzt bestimme ich mal hier. SENSEN-FRAU Bitte treten Sie zur Seite. FÜCKSEN (mit ausgebreiteten Armen) Nein. Nur über meine Leiche. (SENSEN-FRAU holt mit Sense aus.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E. Herr Gerster, bitte. BECKBROT Da will jemand was von Ihnen. Und Herr Vitela ist wieder da. (HERR GERSTER gibt mit aufgeregten und meistens nicht zu definierenden Arm -und Handbewegungen Anweisungen.) SENSEN-FRAU Ruhe! (holt wieder mit Sense aus) HERR GERSTER Bitte bleiben Sie vernünftig. (SENSEN-FRAU sieht HERRN GERSTER, dann SENSEN-PRÄSIDENTIN. GEFOLGS-PERSONEN nehmen ihr ihre Sense ab. Sie geht auf die Knie mit tiefer Verbeugung - Kopf auf die Erde - vor SENSEN-PRÄSIDENTIN.) SENSEN-FRAU Frau Präsidentin. (bleibt kniend) HERR GERSTER (zu VITELA, sehr freundlich) Sie gehen da rüber. Sie gehören nicht zu uns. 48 SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E, ich mache mir Sorgen um Sie. SENSEN-FRAU Ich habe alles unter bester Kontrolle. SENSEN-PRÄSIDENTIN Herr Gerster. (zeigt auf Sensen-Frau ´s Sense.) HERR GERSTER (sieht Union Jack Socken) Ha. (HERR GERSTER entfernt Union Jack Socken, übergibt diesen einer GEFOLGS-PERSON und ist dann beschäftigt sich die Finger anzusehen und zu reiben und zu putzen. GEFOLGS-PERSON wirft Socken von der Bühne.) FÜCSHEN So und jetzt übernehme ich. Achtung. Los! Wir flüchten! (Alle RENTNER außer VITELA rennen ab. ROBERTS mit Herrn Gerster ´s Sense.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Ihnen nach! Herr Gerster! HERR GERSTER Ihnen nach. Schnell. (GEFOLGS-PERSONEN rennen ab.) HERR GERSTER (von der Bühne) Schneller! VITELA (zu Sensen-Frau) Ich habe nach Ihnen gesucht. (GEFOLGS-PERSONEN bringen alle RENTNER außer ROBERTS und VON HANNEN unsanft - Fußtritte, Hände auf den Rücken, Ohrfeigen - zurück.) FÜCHSEN Ich protestiere. (HERR GERSTER gibt RENTNERN Handzeichen.) 49 BUSLOV Ich glaube, wir sollen uns in einer Reihe aufstellen. HERR GERSTER (mit viel Hand -und Armbewegungen) Ja, so. Noch ein bisschen. Ja. PRENZLAFF Wir sollen mit dem Kopf auf den Boden? (ROBERTS schleicht sich mit Herrn Gersters Sense auf die Bühne stellt sich von HERRN GERSTER ungesehen hinter diesen.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Herr Gerster? ROBERTS How do you do? HERR GERSTER (sieht ROBERTS und erschrickt) Ah. BUSLOV Herr Roberts kommt aus England. SENSEN-PRÄSIDENTIN Sie haben keine Kompetenz für Engländer. Herr Gerster. (zeigt auf Sense) HERR GERSTER May I; meine Sense. Was heißt das auf Englisch? (ROBERTS holt im Spaß mit Sense aus.) HERR GERSTER Ah. ROBERTS Just joking. SENSEN-PRÄSIDENTIN Herr Gerster HERR GERSTER Ahm, please. (ROBERTS übergibt Sense) HERR GERSTER Thank you. 50 ROBERTS You `r welcome. (kniet zusammen mit anderen Rentnern) SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E, diese Sense hat rein symbolische Bedeutung heutzutage. Da bin ich auch nicht ganz einverstanden damit; aber es wurden nun eben mal neue, der heutigen Zeit entsprechende Richtlinien erlassen an die wir uns zu halten haben. BANDER Siehst de, das hat überhaupt nichts gebracht. FÜCHSEN Ich protestiere. (FÜCHSEN wird von GEFOLGS-PERSONEN unsanft auf Boden gepresst.) FÜCHSEN Au. Vorsicht. SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E, ich komme gerade aus der Intensivstation Weiteaue. BUSLOV Weiteau. SENSEN-PRÄSIDENTIN Danke sehr. Frau E, über den Verkehr haben Sie keine Kompetenz. Dieser Linienbus gestern... SENSEN-FRAU (einwerfend) Der kam gerade so praktisch. SENSEN-PRÄSIDENTIN Nicht praktisch genug. SENSEN-FRAU Au, meine Knie. (steht auf) SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E, ich halte nichts von diesen althergebrachten symbolischen Unterwürfigkeits-Gesten. Solche Gesten stören direkt mein Konzept von moderner Teamarbeit. Aber in Ihrem Fall muss ich leider eine Ausnahme machen. 51 (HERR GERSTER gibt Handzeichen. SENSEN-FRAU geht wieder auf die Knie.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E, Sie haben gestern in Weiteau 200tausend Euro Sachschaden verursacht und ein Verkehrschaos in Sichtweite des Kurparks. Die Abgaswerte lagen an einem Sonntagnachmittag, 3 Stunden lang 10% über den zulässigen Werten. Die Kurverwaltung hat eine Verwarnung aus dem Gesundheitsministerium erhalten. HERR GERSTER Aus dem Gesundheitsministerium in Berlin. SENSEN-PRÄSIDENTIN Danke sehr, Herr Gerster. Der Kurverwaltung liegen bereits verschiedene von Rechtsanwälten abgefasste Beschwerden vor. HERR GERSTER Von den renommiertesten internationalen Rechtsanwälten; abgefasst. SENSEN-PRÄSIDENTIN Danke sehr, Herr Gerster. HERR GERSTER Die Schadenersatzforderungen von Kurgästen werden sich auf hundertausende von Euros belaufen. SENSEN-PRÄSIDENTIN Ich sagte: "Danke sehr", Herr Gerster. Frau E, Weiteau ist der exklusivste Kurort Deutschlands. Weiteau ist ein Kurort mit internationalem Ruf. SENSEN-FRAU Ja, ich weiß. SENSEN-PRÄSIDENTIN Und Sie haben keine Kompetenz über den Verkehr. SENSEN-FRAU Ja, das weiß ich. SENSEN-PRÄSIDENTIN Ach? Das wissen Sie auch. Frau E, es handelt sich bei dieser Rentnerin um Privatpatienten aus Dänemark. HERR GERSTER Kurheim Weiteau bemüht sich zur Zeit gerade auch sehr um den dänischen Markt. 52 SENSEN-PRÄSIDENTIN Ja, Herr Gerster. Ich bin darüber informiert. SENSEN-FRAU Ich hätte besser aufpassen sollen. Gestern. Mit dieser Rentnerin. Das wird nicht wieder vorkommen. Das kann ich Ihnen versichern. SENSEN-PRÄSIDENTIN Und warum gerade diese Rentnerin? Diesen Kurgast aus Dänemark? SENSEN-FRAU Ich weiß nicht. SENSEN-PRÄSIDENTIN Ach das wissen Sie nicht. Sie verursachen 200hundertausend Euro Sachschaden und wissen nicht warum. Aber ich glaube ich kann Ihnen diesbezüglich (schaut auf Füchsen, geistesabwesend) weiterhelfen. Sie meinten, Sie bräuchten eine Ballerina für Ihr Ballett. Und darum kam diese Dame aus Dänemark unter diesen Linienbus. (zu FÜCHSEN) Name? FÜCHSEN Füchsen. SENSEN-PRÄSIDENTIN Sind Sie sicher? FÜCHSEN Sagen Sie mal? Wer ist hier senil? Sie oder ich? Ich werde doch noch meinen eigenen Namen wissen? SENSEN-PRÄSIDENTIN Wo ist Herr Faqua, Frau E? Herr Faqua, Zimmer 23. SENSEN-FRAU Zimmer 23. Das ist Herr Faqua. Nein, das ist... das verstehe ich nicht. SENSEN-PRÄSIDENTIN Aber ich verstehe es. Sie haben den falschen mit SENSEN-FRAU Nein. Ich war auf Zimmer 23. Ich bin sicher. FÜCHSEN Ja und da war ich ja auch. 53 SENSEN-FRAU Nein. Sie sind nach Ihren Anwendungen "ins Bett geschwebt". Zimmer...? FÜCHSEN 2B. SENSEN-FRAU Ja. FÜCHSEN Ja aber das war Mittags. Abends war ich bei Herrn Faqua. Zimmer 23. Nach dem Vortrag über den biogenetischen Energiehaushalt lud er mich zu einer Wodka-Kur ein. Ich wollte ja noch zurück auf mein Zimmer. Aber dann bin ich umgekippt. Wodka vertrage ich einfach nicht. BANDER Ja ´ne ganze Pulle davon würde ich auch nicht vertragen. FÜCKSEN Sie hat den falschen mit. Ich habe heute meine Anwendungen. Und dann noch mal `n Vortrag. Endlich klärt sich das auf. Gott sei Dank. SENSEN-PRÄSIDENTIN Gut. Das ist sehr einfach. Dann macht Herr Faqua heute eben Ihr und Sie sein Programm. Frau E, FÜCHSEN (unterbrechend) Nein? Stopp. Jetzt wart mal. Und mein Vortrag? Ich muss unbedingt zu diesem Vortrag heute. Ich muss am Ende der Kur ein Prüfung machen. Neue Vorschriften der Krankenkasse. Was glauben Sie was ich da noch büffeln muss? SENSEN-PRÄSIDENTIN Herr Gerster. (HERR GERSTER gibt Zeichen. FÜCHSEN wird unsanft zu anderen Rentnern geführt.) FÜCHSEN Wenn ich durch die Prüfung rassle, dann bekomme ich doch nie mehr `ne Kur verschrieben. (wird auf Boden gepresst) SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E, ich mache mir Sorgen um Sie. 54 SENSEN-FRAU Ich habe alles unter bester Kontrolle. (VON HENNEN fliegt bewusstlos über die Bühne.) SENSEN-FRAU Herr von Hennen. Ich wollte mich gerade um ihn kümmern. (HERR GERSTER gibt Anweisungen. Zwei GEFOLGS-PERSONEN gehen ab.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E, bitte legen Sie Ihren Umhang ab. (SENSEN-FRAU trägt buntes Kleid. GEFOLGSPERSONEN kommen mit VON HENNEN zurück und legen ihn ab.) SENSEN-FRAU Immer nur schwarz; schwarz steht mir einfach nicht. SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E, Sie haben es mir zu verdanken, dass die strengen Kleidungsvorschriften etwas gelockert wurden. Sie dürfen heutzutage auch dezente Grautöne tragen. Frau E, habe ich mich einmal beschwert über Sie? Sie verursachen 200tausend Sachschaden, ohne nennenswertes Resultat; diese Ihnen anvertrauten Kurgäste sollten alle alle ohne Ausnahme - ihre Kur bereits beendet haben; drei dieser Kurgäste sollten bereits beigesetzt sein; Herr Roberts bereits überführt. Familienmitglieder Herrn Roberts sind bereits zum zweiten Mal vergeblich zu seiner Beisetzung angereist? Die Unkosten für zwei stornierte Überführung -bezw. Beisetzungen belaufen sich bereits auf tausende von Pfund. HERR GERSTER Auf über 10tausend Fund. Plus 5tausend Euro für zwei stornierte Überführungen für die das Kurheim Weitau aufzukommen hat oder der deutsche staatliche Gesundheitsdienst. Das ist noch in der Schwebe. SENSEN-PRÄSIDENTIN Danke sehr, Herr Gerster. Unkosten die - da Herr Roberts 35tausend Schulden auf 3 Kreditkarten verteilt hinterlässt - von den Angehörigen Herrn Roberts getragen werden müssen. Sie sehen wie eine Vogelscheuche aus; und jetzt fangen Sie auch noch an dieses Tier mit sich herumzuschleppen? 55 SENSEN-FRAU Das ist Fudu. Er hat rein symbolische Bedeutung. Er symbolisiert Ono oder Bono oder so ähnlich. In der klassisch, griechischen Mythologie, vor dem Totenreich bewacht der Totenhund, zusammen mit... SENSEN-PRÄSIDENTIN (unterbrechend Ich bin darüber informiert. SENSEN-FRAU Ono oder Bono oder Fudu wie ich ihn nenne... SENSEN-PRÄSIDENTIN (unterbrechend) Das ist ein Hund aus dem Hundeheim Weiteau. SENSEN-FRAU Ja. Natürlich. Er, Fudu, er hat ja auch nur ahm symbolische Bedeutung. SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E, SENSEN-FRAU (einwerfend) Fudu, SENSEN-PRÄSIDENTIN (unterbrechend) Frau E! Frau E, bitte glauben Sie mir: ich kann Sie verstehen. Ich fühle oft genau wie Sie diese innere Leere. Diese Eintönigkeit. Diese Routine. Diese immerwährende, -endlos -erbarmungslose Routine. Mit meinem Verständnis, mit meiner Geduld, mit meinem Mitgefühl Ihnen gegenüber werde ich daher nie am Ende sein. Aber in meiner professionellen Kapazität werde ich bald eine Entscheidung treffen müssen. SENSEN-FRAU Und wo soll ich dieses Mal hin versetzt werden? In ein Krematorium? SENSEN-PRÄSIDENTIN Sie werden nicht mehr versetzt, Frau E. Alle diesbezüglichen Disziplinmaßnahmen sind in Ihrem Falle bereits voll ausgeschöpft. Da es sich in Weitau um den exklusivsten Kurort Deutschlands handelt lassen Sie mir keine andere Möglichkeit als eventuell entschieden handeln zu müssen: Die nächste Sie betreffende Disziplinmaßnahme wird Liquidation sein. Sterblich werden Sie noch ein paar 56 SENSEN-PRÄSIDENTIN (fortgesetzt) Jahre herumirren. Strafverschärfung in besonders extremen Fällen. SENSEN-FRAU Ich möchte einfach ein bisschen Spaß. SENSEN-PRÄSIDENTIN Spaß? SENSEN-FRAU Ja. Spaß und Freude. Und gerade auch während der Arbeit. SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E? Weiteau ist ein Kurort mit internationalem Ruf. Sie sind dazu verpflichtet ein gewisses Dekorum einzuhalten. SENSEN-FRAU Ja. Und das tue ich ja auch. SENSEN-PRÄSIDENTIN Nein! Das tun Sie nicht! Seit Monaten schon lassen Sie alle Ihnen anvertrauen Kurgäste sich tagelang, erbarmungslos zu Tode tanzen. Ich bin darüber informiert. Und - es wurde mir zugetragen... (schaut auf HERRN GERSTER) (HERR GERSTER verneigt sich leicht) SENSEN-PRÄSIDENTIN ... dass sie nun sogar planen bereits klinisch tote Kurgäste künstlerisch und physisch anspruchsvolle Ballette aufführen zu lassen. Frau E, Weiteau ist ein Kurort mit internationalem Ruf? Weiteau ist der exklusivste Kurort Deutschlands? SENSEN-FRAU Ja. Und darum bestehe ich ja auch immer auf Stil. Ich bemühe mich immer um höchstes Niveau und künstlerische Ausdruckskraft. SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E, Kurgäste aus Weiteau tagelang einen schwedischen Volkstanz aufführen zu lassen, was hat das mit Niveau zu tun? SENSEN-FRAU Nichts! Absolut nichts! Da stimme ich Ihnen zu. Auch ich musste eine Lernkurve durchgehen. Aber ich kann Ihnen 57 SENSEN-FRAU (fortgesetzt) versichern, - und ja, sie haben Recht - ich habe mir vorgenommen meine Kurgäste ab heute nur noch anspruchsvolle, niveauvolle Ballette aufzuführen zu lassen. SENSEN-PRÄSIDENTIN "Ab heute" werden keine weiteren Kurgäste mehr zu Tode getanzt. Ab heute werden Sie sich streng an die Vorschriften halten. Herr Gerster. HERR GERSTER Zu Befehl. Privatpatienten und Kassenpatienten bitte trennen. Privatpatienten hier bitte. (Zu Füchsen) Sind Sie Kassen -oder Privatpatient? FÜCHSEN Das sage ich nicht. BANDER Er ist halb halb. PRENZLAFF Dann brauchen wir für den eine extra Kategorie. Dann bleiben Sie hier stehen. (GEFOLGS-PERSON übergibt auf HERRRN GERSTERS Anweisung SENSEN-FRAU Pillendöschen.) HERR GERSTER Mit einem Schluck Wasser. Kann auch gelutscht werden. (hinter vorgehaltener Hand) Aber mit Wasser ist besser. 4 1/2 Minuten. Durchschnitt. SENSEN-PRÄSIDENTIN Für die Kassenpatienten werden Sie ihre Sense benützen. SENSEN-FRAU Das ist verboten. SENSEN-PRÄSIDENTIN Sie haben meine ausdrückliche Erlaubnis dazu. Frau E, Sie wissen was Sie zu tun haben. Herr Gerster. (SENSEN-PRÄSIDENTIN, GEFOLGS.PERSONEN und HERR GERSTER stellen sich formal auf und gehen ab. VON HENNEN kommt zu sich.) 58 VON HENNEN Wo bin ich? BECKBROT In Weiteau. In der Kur. Sind Sie Kassenpatient? VON HENNEN Ja. Aber ich habe eine Privatversicherung. PRENZLAFF Dann müssen hier da hin. Extra Kategorie. VON HENNEN Ja. PRENZLAFF So, jetzt organisiere ich das man ´n bisschen. FÜCHSEN Sagen Sie mal? Joggen, tanzen, tanzen, Joggen. Fliegen? Das sollten wir doch heute auch schon mal? Nein, ja, ja, nein. Was ist denn das für eine Arbeitsweise? So unorganisiert. Und unkoordiniert. Sie sind hier nicht in Griechenland. Oder Italien? Sie sind hier in Deutschland. Sagen Sie mal wo kommen Sie eigentlich her? Das sind wir hier nicht gewöhnt? VON HENNEN Ich hatte furchtbare Alpträume. (ROBERTS hilft SENSEN-FRAU ihre Sense von ihrem Rücken zu nehmen.) SENSEN-FRAU Thank you. Sie sind sehr freundlich. You are very kind. ROBERTS At your service. SENSEN-FRAU Thank you. ROBERTS Your `s welcome. VON HENNEN Ich bin aus einem Jumbo gesprungen. Weil er abgestürzt ist. Und dann bin ich mit einem Fallschirm geflogen. Aber anstatt runter immer weiter rauf. Bis auf den Mond. Und dort bin ich in einem Supermarkt. Aber die wollten mir nichts geben. Die haben keine Euros akzeptiert. Die wollten mich verhaften. Die sagten, das sei Falschgeld. 59 BECKBROT Er hatte ganz schlimme Alpträume. BANDER Über den Euro. Ja, das hatte ich auch schon. VON HENNEN Haben Sie zufällig ein paar organische Schmerztabletten? BUSLOV Ja. Und für mich auch bitte. Für mich, das muss aber nicht unbedingt organisch sein. SENSEN-FRAU Nein. Habe ich nicht. Weder noch. Tut mir leid. Dazu bin ich nicht zuständig. Aber für die Privatpatienten habe ich etwas anderes Gutes. Privatpatienten bitte. BECKBROT Bekommen wir nicht alle das Gleiche? SENSEN-FRAU Nein. HERR GERSTER Neue Vorschriften der Krankenkasse. BECKBROT Na das ist mal wieder typisch. Und wann tanzen wir da Ballett? SENSEN-FRAU Wir werden unser Ballett nicht tanzen. BROTBECK Nein? SENSEN-FRAU Nein. BROTBECK Oh, jetzt habe ich mich schon so gefreut. Sie haben es versprochen. SENSEN-FRAU Ja, das habe ich. Aber es tut mir leid, wir... ich... (steht mit erhobener Sense vor Kassenpatienten) SENSEN-PRÄSIDENTIN (von hinter der Bühne) Frau E! 60 (SENSEN-PRÄSIDENTIN,GEFOLOGS-PERSON und HERR GERSTER treten formal auf.) FÜCHSEN Ich glaube, ich gehe lieber dort rüber. (GEFOLGS-PERSON verstellt FÜCHSEN den Weg.) BANDER Siehst du, das ist jetzt zu spät. Das hättest du dir früher überlegen sollen. SENSEN-PRÄSIDENTIN (nach Pause) Frau E. SENSEN-FRAU Ja? SENSEN-PRÄSIDENTIN Was macht ihr Sohn unbeaufsichtigt auf der Intensivstation Weiteau? BUSLOV Ich glaube wir können uns wieder setzen. Es ist noch nicht ganz so weit. RENTNER (lassen sich nieder) Ah... SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E, SENSEN-FRAU (einwerfend) Das kann ich alles erklären! SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E, ihr Sohn, Hans Theodor, hat die gesamte Intensivstation Weiteau hingemetzelt einschließlich des Pflegepersonals. SENSEN-FRAU Das kann ich alles erklären. Mein Mann, Hans Theodor, dies Rentnerinnen, aus Dänemark, die die gestern unter diesen Linienbus... SENSEN-PRÄSIDENTIN (einfallend) Ich hatte mich um diesen Kurgast bereits persönlich gekümmert. Frau E, die Todesrate in Weiteau wurde auf 3 61 SENSEN-PRÄSIDENTIN (fortgesetzt) Punkt 6 festgelegt. Dank Ihres Sohnes, Hans Theodor, ist die Todesrate auf 3 Punkt 9 gestiegen. SENSEN-FRAU Ich sagte zu meinen Mann, er solle Hans Theodor... SENSEN-PRÄSIDENTIN (unterbrechend) Frau E? Weiteau ist ein Kurort mit internationalem Ruf? Frau E, ihr Sohn, Hans Theodor, würde es fertigbringen die gesamte Menschheit auszurotten. SENSEN-FRAU Hans Theodor würde nie so etwas tun! SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E, SENSEN-FRAU (einwerfend) Da nehme ich ihn in Schutz! Mein Mann... SENSEN-PRÄSIDENTIN (unterbrechend) Nein! Nicht Ihr Mann! Für das Benehmen Ihres Sohnes mache ich Sie und ausschließlich Sie verantwortlich. SENSEN-FRAU (steht auf) Das werden Sie zurück nehmen! (HERR GERSTER macht aufgeregt Zeichen zu SENSEN-FRAU die daraufhin wieder auf die Knie geht.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E, ihr Mann ist bekannt für seine Diskretion, seine Verlässlichkeit, für sein Pflichtbewusstsein; für seine Professionalität. SENSEN-FRAU Da kann man auch anderer Meinung sein. SENSEN-PRÄSIDENTIN Nein, das kann man nicht. Frau E, Sie wissen was Sie zu tun haben. (GEFOLGS-PERSONEN stellen sich auf HERRN GERSTER Anweisung formal auf. HERR GERSTER und SENSEN-PRÄSIDENTIN reihen sich ein.) 62 SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E, ich werde bald eine Entscheidung treffen müssen was Ihre Zukunft betrifft. SENSEN-FRAU Ich habe alles unter bester Kontrolle. (HERR GERSTER, GEFOLGS-PERSONEN und SENSENPRÄSIDENTIN wollen abgehen. VITELA will formal mit abgehen.) HERRR GERSTER Stopp. (zu VITELA, sehr freundlich) Nein, Sie müssen da rüber. Sie gehören nicht zu uns. (ROBERTS nimmt GERSTER Sense von seinem Rücken.) ROBERTS Hello! (HERR GERSTER wendet sich zu ROBERTS) ROBERTS holt mit Sense aus.) HERR GERSTER Ah! (weicht zurück) SENSEN-PRÄSIDENTIN Herr Gerster. HERR GERSTER (zu Roberts) Please. (ROBERTS übergibt Sense.) HERR GERSTER Thank you. (HERR GERSTER, GEFOLGS-PERSONEN und SensenPRÄSIDENTIN gehen ab.) SENSEN-FRAU Aufstehen bitte. Privatpatienten mit Wasser nehmen oder lutschen. Kassenpatienten... (holt mit Sense aus) ROBERTS Good bye. Ich habe mich gefreut Sie kennen zu lernen. 63 SENSEN-FRAU Ja. Ich mich auch. Me too. ROBERTS I hope we meet again. BUSLOV Er hofft, dass sie sich wieder einmal sehen. ROBERTS We had such fun together. BUSLOV Er meint, sie solch einen Spaß zusammen gehabt. SENSEN-FRAU (lachend) Ja. (nachdenklich) Ja. Nein. Doch. Nein. Nein. Ich muss. (holt mit Sense aus) Nein. (lässt Sense sinken) Nein. Sie werden Ihre Kur mit Stil und Niveau beenden. Die Beine anwinkeln. Es geht weiter. Die Pillen wegwerfen. ROBERTS Zu Befehl. PRENZLAFF Was is` los? ALBRECHT As is os? FÜCHSEN Ich glaube, wir tanzen heute doch noch. SENSEN-FRAU Höher, Herr von Hennen. Sie sind hier nicht im Kindergarten. Und bitte machen sie sich schon Gedanken über was sie zum Abschluss dann tanzen möchten. Ich bin offen für Vorschläge. VON HENNEN Au. Ah... BECKBROT Nicht nehmen. Wegwerfen. Die Pillen? 64 VON HENNEN Die habe ich schon geschluckt. BECKBROT Ausspuken. Helft mal. (Alle helfen VON HENNEN - hauen ihm auf den Rücken... - bis er die Pille aus spukt.) SENSEN-FRAU Achtung. Los! FÜCHSEN Ja. Aber in diese Richtung. Komm, wir flüchten! (Alle außer BANDER rennen ab mit Geschrei. ROBERTS mit Sensenfrau ´s Sense.) SENSEN-FRAU Nein. Stop. BANDER Wartet auf mich. (humpelt ab.) SENSEN-FRAU Nein. Sie bleiben hier. Alle hier her zurückkommen! Das ist ein Befehl! Wo ist meine Sense? Ah. (sinkt mit Nervenzusammenbruch zu Boden) (Vorhang) 65 2. AKT (Bühne: Nebelschwaden dann schwärzliche Beleuchtung. Vegetation.) (ROBERTS bahnt mit Sense einen Weg durchs Digicht. Alle folgen ihm.) PRENZLAFF Warum gehen wir dem hinterher? BANDER Weil er sich hier auskennt. PRENZLFAFF Der weiß genau so wenig wie wir? Und wir haben keine Ahnung wo wir sind. Ergo, also logischerweise... FÜCHSEN (unterbrechend) Nein. Ich weiß jetzt wo wir sind. PRENZLAFF Und wo sind wir bitte? FÜCHSEN Da kommt jetzt gleich der Kurpark. BANDER Der Kurpark? Bist du sicher? FÜCHSEN Ja, ganz sicher. Wir haben sie abgehängt. (Überschall Knalle) BECKBROT Nein. Die ist hinter uns her. (ALLE horchen). BECKBROT Die fliegt Überschall. FÜCHSEN Ruhe. PRENZLAFF Wir machen keinen Krach. Die macht den Krach. (Kleine Knalle. ALLE horchen) 66 BROTBECK Das ist der Hund. Der fliegt auch Überschall. (BUSLOV sinkt zu Boden.) FÜCHSEN Sie müssen durchhalten. BUSLOV Ja. FÜCHSEN Wir sind jetzt gleich zurück. Im Kurheim. BECKBROT Und was sagen wir wenn wir ankommen? FÜCHSEN Dann erzählen wir ganz genau was sich zugetragen hat? BANDEER Aber sage nichts von dem Hund. FÜCHSEN Warum nicht? BANDER Besser nicht. BUSLOV Sie gehen weiter. Ohne mich. (zieht sich Kleidung über seinen Kopf) BANDER Mensch, sagt dem, der soll den Blödsinn lassen. FÜCHSEN Herr Heinrichsen, wir haben es gleich geschafft. Nur noch um die Ecke und da kommt jetzt gleich der Kurpark. Und von da nehmen wir ein Taxi. (Musik: Coda, Herold "Zamba". Füchsen horcht auf. BUSLOV versucht etwas zu sagen.) BANDER Was meint er? Sagt dem mal er soll positiv denken. Mein Gott, jetzt rede ich auch schon so Blödsinn raus. (BROTBECK hält Ohr an BUSLOV ´S Mund.) 67 BECKBROT Herr Buslov möchte wissen wie weit es noch bis zum Kurpark ist. FÜCHSEN Ruhe. Da. Ich kann schon das Kurkonzert hören. BANDER (nach kurzer Pause) Kann irgendjemand was hören? PRENZLAFF Was ist los? BANDER Können Sie Musik hören. PRENZLAFF (nach kurzer Pause) Nein. Totenstille ALBRECHT As is os? FÜCHSEN Da. Ganz deutlich. ALBRECHT As is os?! BANDER (nach kurzer Pause) Was wird denn gespielt? FÜCHSEN Ah ich komme jetzt nicht drauf. Aber das liegt mir auf der Zunge. BANDER Aber sie spielen irgendwas? FÜCHSEN Ja! Das spielen sie oft morgens um elf. Beim Kurkonzert. BANDER Sing ´s doch mal. FÜCHSEN So: (lallt und tanzt) Lalalala, lalalala. 68 BANDER Und das kannst du hören? FÜCHSEN Ja. Ganz deutlich. (Musik stoppt) BANDER Du, wenn wir zurück sind im Kurheim nimmst du sofort deine Tabletten. FÜCHSEN Jetzt hat `s aufgehört. Es war himmlisch. SCHREIBER Nein, wir haben nämlich, ich weiß, das geht nämlich, so jetzt. (fängt an im Kreis zu gehen) PRENZLAFF Jetzt geht dem mal hinterher. Auf geht´s. So, ja. Jetzt bestimme ich mal. Ansonsten passiert überhaupt nichts mehr hier. (ALLE gehen SCHREIBER hinterher.) BANDER Wir drehen uns im Kreis. PRENZLAFF Jetzt lass den mal. (ALLE gehen nochmals in Kreis. BANDER packt Schneider. SCHNEIBER Ah. PRENZLAFF Jetzt lass den doch mal. BANDER Herr Roberts, Sie scheinen sich hier auszukennen. Could you... ahm, könnten Sie uns bitte führen. BUSLOV Could you please show us the way. ROBERTS Aber natürlich. It it ´s a pleasure. 69 PRENZLAFF Nein. Also dem liefen wir lange genug hinterher. (BUSLOV sinkt zu Boden.) BANDER Ja hat vielleicht jemand einen besseren Vorschlag? Herr BUSLOV: aufstehen. Keine Müdigkeit vortäuschen. BUSLOV Nein. Ah... (BANDER stellt BUSLOV auf die Beine.) BUSLOV Danke sehr. BANDER Und schon wieder auf den Beinen. So schnell geht das. BUSLOV Ja. BANDER Ihr nehmt ihn. (zeigt auf ALBRECHT) Herr Roberts, please. PRENZLAFF Und warum gehen wir jetzt plötzlich in diese Richtung? FÜCHSEN Weil von da die Musik kam. Es war himmlisch. BANDER Ja. Musik so wichtig für die geistige und seelische und das wirkt sich auch auf... wir haben das alle gelernt. Da hätten Sie eben besser aufpassen sollen. (RENTNER gehen langsam - ALBRECHT mit sich führend - mit Schmerzenstönen hinter ROBERTS her der mit Sense wieder und dieses Mal humorvoll und malerisch den Weg durchs Digicht bahnt. SENSEN-FRAU wartet sitzend, die Beine baumelnd mit FUDU auf RENTNER.) VON HENNEN Ah, diese Schmerzen. BECKBROT Mir tut plötzlich überhaupt nichts mehr weh. 70 VON HENNEN Und diese Schwindelanfälle die ich immer habe. BECKBROT Schwindelanfälle? (zu Bander) Das hört sich nicht gut an. Ich dachte, es geht Ihnen so gut. VON HENNEN Ja, das dachte ich ja auch? Und diese Seite, das ist alles ganz abgestorben. Und jetzt habe ich auch noch so Schüttelfrost. BECKBROT Schüttelfrost? VON HENNEN Ja. Ganz schlimm. BANDER Sagen Sie, sind Sie überhaupt noch am Leben? VON HENNEN Und ich habe auch immer noch diese Albträume. BROTBECK Albträume? Da ist der Hund. SENSEN-FRAU Nicht so schnell... ALLE RENTNER (erschrecken) Ah... SENSEN-FRAU ... meine Herren. Sie haben es zu eilig. Bitte denken Sie an Ihren Energiehaushalt. So und von nun an werde ich meine Taktik ändern. Sie haben meine gutmütige, meine kompromissbereite, meine sensible Seite kennen gelernt. Von nun an werden Sie meine andere Seite keinen lernen. Wo ist meine Sense? Was haben Sie mit meiner Sense getan? ROBERTS May I? Darf ich? (ROBERTS arrangiert Sense auf SENSEN-FRAUS Rücken während Albrecht bewusstlos zu Boden sinkt.) 71 SENSEN-FRAU Thank you. ROBERTS You ´r welcome. SENSEN-FRAU Achtung. Los. Ohne Pause. Ohne Rast. Ab sofort benehmen wir uns mit Disziplin und ohne Widerrede. Und das gilt auch für Herrn Roberts. Nein. Das gilt gerade auch für Herrn Roberts. Achtung. Los. BECKBROT Der Albrecht. FÜCHSEN Kurheim Weiteau. Du also nie wieder. BANDER Jetzt meckere nicht immer an allem herum. Man muss alles mal mitgemacht haben. Das erweitert den Horizont. SENSEN-FRAU Ich sagte: Achtung, los. BECKBROT Nein. Ohne den Albrecht gehen wir nicht. BANDER Genau. Das wollte ich gerade auch sagen. Und er auch. (packt Schneiber) SCHNEIBER Ah. BANDER Sehen Sie. Gut gesprochen, Herr Schneiber. (packt Schneiber nochmals) SCHNEIBER Ah. BECKBROT Oder es sollen die die mit ihr gehen möchten mit ihr gehen und die anderen bleiben hier bis es ihm wieder besser geht. VON HENNEN Ja. Das finde ich eine gute Idee. Dem stimme ich zu. Dann kann jeder für sich selber entscheiden. (stellt sich zu Sensen-Frau) Also ich gehe dann mit Ihnen. 72 (ROBERTS nimmt Sense von SENSEN-FRAU Sense Rücken und rennt mit Indianergeschrei ab. VITELA folgt.) PRENZLAFF Sagt mal, was ist mit dem los? Was ging da daneben? Das beobachte ich schon die ganze Zeit. BECKBROT Herr Roberts ist aus England. Und sie hat keine Qualifikationen für Engländer. Haben Sie das nicht mitbekommen? PRENZLAFF Nein. Aber wundern tut mich das nicht. So, jetzt kommen also schon die Engländer und nehmen uns die Kurplätze weg. BECKBROT Ich glaube, er ist ein Privatpatient. PRENZLAFF Das ist kein Privatpatient. Sieht der etwa nach einen Privatpatient aus? BANDER (aufgebracht) Und wie bitte schön soll ein Privatpatient aussehen? BECKBROT Den haben die ganz schön wieder aufgepäppelt. Ihr hättet den sehen sollen als er hier ankam. BANDER (zu BECKBROT) Schau mal was der dort macht. (BECKBROT geht ab.) SENSEN-FRAU Ja, mein Mann hat Recht. Ich habe immer nur versagt. Ich habe immer nur versagt. In meiner Ehe. Im beruflichen. Ja, mein Mann hat Recht. Ich bin unprofessionell. Ich bin durch und durch unprofessionell. Es ist einfach falsch Rentner tagelang tanzen zu lassen. Die haben es nicht verdient ihre Kur mit Stil noch Niveau zu beenden! Ah, Ich weiß nicht mehr was ich tun soll. (schluchzt) (ROBERTS und VITELA und BECKBROT bringen Äste. ROBERTS trägt kaputte Sense.) 73 ROBERTS (zu SENSEN-FRAU) Excuse. (ROBERTS nimmt SENSEN-FRAU ihren schwarzen Gürtel ab und macht Bahre.) BANDER (gibt Anweisungen) Jetzt helft mal mit. So, und jetzt den hier drauf. (ALBRECHT wird auf Bahre gelegt.) BANDER Sie können ja noch. BUSLOV Ja. Aber nicht mehr lange. BANDER Aber Sie können noch. Gut. Sehr schön. (mit Sense und abgebrochenen Sensenstil in der Hand) Sie, das tut uns furchtbar leid. Was da passiert ist. (BANDER arrangiert Sense auf SENSEN FRAU `S Rücken.) BANDER Das ist dann nur ein bisschen kürzer. Und das können Sie ja so in die Hand nehmen. Und ihr nehmt jetzt den Albrecht. Und es wird nicht gejoggt. Und auch nicht getanzt. Und schon gar nicht geflogen. Wir gehen, langsam, ruhig und gemächlich. Und zwar in diese Richtung. PRENZLAFF Und warum in diese Richtung. BANDER (hinter vorgehaltener Hand) Weil von da die Musik kam. Musik ist so wichtig für die geistige und seelische und das wirkt sich auch... hat man Ihnen das nicht beigebracht im Kurheim? Wir haben das alle gelernt. Achtung. Los. (Alle setzen sich in Bewegung.) ALBRECHT As is os? SENSEN-FRAU Nein. Stopp. Halt. 74 BANDER Wartet kurz. Sie will uns anführen. ALBRECHT As is os?! BANDER Herr Dr. Albrecht, es wird alles wieder gut. Wir haben alles unter Kontrolle. Achtung. Los. (Alle setzten sich in Bewegung.) BECKBROT Schaut mal. Der Albrecht. (Alle halten ein.) BECKBROT Er probiert ein Knie anzuwinkeln. PRENZLAFF Der Albrecht is` zäh. Das habe ich schon mitbekommen. BANDER Sehr schön, Herr Dr. Albrecht. Sehr schön. (Alle setzen sich in Bewegung. Nebelschwaden. RITTER und SCHNEWITTCHEN tauchen auf und verschwinden wieder im Nebel.) FÜCHSEN Schneewittchen. Das war mal mein Lieblingsmärchen. Und dann wollte ich ein Ritter werden. Ich habe mal eine richtige Burg gebaut und die habe ich dann verteidigt. Du, und gerade habe ich ganz viele Ritter gesehen. Und auch Schneewittchen. BANDER Und auch Schneewittchen? FÜCHSEN Ja. BANDER Und die sieben Zwerge? Waren die auch dabei? FÜCHSEN Da habe ich jetzt nicht richtig aufgepasst. 75 BANDER Du, sobald wir im Kurheim sind nimmst du sofort deine Tabletten. Und keine Wodka-Kuren mehr. Sonst siehst du auch noch die Witwe Bolte. (FÜCHSEN gefriert) BANDER Was is`? VON HENNEN Au. Ah. BUSLOV Sie müssen durchhalten. Wenn ich es kann dann können Sie es auch. BANDER Ruhe. FÜCHSEN Da ist wieder die Musik. BANDER (zu PRENZLAFF) Er hört wieder was. Spielen sie immer noch das Gleiche? FÜCHSEN Nein. Da singt jemand. Etwas aus einer Oper. BANDER Er hört Opernmusik. Und singen sie schön? (Nebelschwaden lichten sich: sonnige Landschaft mit griechischen Tempel.) ALBRECHT As is os? As is os?! VON HENNEN Ah, die Sonne kommt raus. Wenn die Sonne rauskommt bin ich immer ein ganz anderer Mensch. Ach und diese Sicht! BANDER Und alles tut schon viel weniger weh. Schön, sehr schön, Herr von Hennen. VON HENNEN Schaut mal dieses Naturschauspiel. Also das hat sich gelohnt. Das kann ich weiterempfehlen. 76 (Alle scharen sich um VON HENNEN) VON HENNEN Die Paläontologie gibt uns Auskunft über den FossilienInhalt dieses sedimantaren Gesteins. BANDER Er hat mal als Reiseleiter gearbeitet. VON HENNEN Die Paläontologie auch Oryktologie genannt... SENSEN-FRAU (unterbrechend) Wir schauen weder rechts noch links. Wir sind hier nicht um die Natur zu genießen. BECKBROT Also die muss immer ihren Senf dazugeben zu allem. (BACHUS mit Weinflasche in der Hand tritt singend auf.) BACHUS "Quanto é bella quanto é cara... (SENSEN-FRAU lallt mit) SENSEN-FRAU La la la la la... (BACHUS legt sich SENSEN-FRAU in den Weg und fängt deren Beine zu küssen.) FÜCHSEN Da ich hatte Recht. Das ist aus irgend einer Oper. Aus was ist das denn? BANDER Ja aber singen kann der überhaupt nicht. PRENZLAFF Und die noch weniger. ALBRECHT As is os? BECKBROT Und wer ist das? BANDER Das geht uns nichts an. 77 FÜCHSEN Also ihr Mann ist das auf keinen Fall. Weil den haben wir ja schon kennen gelernt. PRENZLAFF War das vorher ihr Mann? FÜCHSEN Ja. Haben Sie das nicht mitbekommen? PRENZLAFF Nein. Was, das war ihr Mann vorher? Mein Gott, der kann einem leidtun. BECKBROT Ich fand, die passten irgendwie zusammen. PRENZLAFF Wer? Die zwei vorher? BECKBROT Ja. PRENZLAFF Die passten überhaupt nicht zusammen. Es gab doch fast Mord -und Totschlag zwischen den beiden. SENSEN-FRAU Wir sind angekommen! BECKBROT Und da war doch noch dieses schreckliche Kind. Dieses kleine Monster. (BACHUS Kopf verschwindet unter Sensen-Frau ´s Kutte.) FÜCHSEN Das ist keine Ballettlehrerin. Und auch keine Sportlehrerin. So benimmt sich keine professionell ausgebildete Lehrkraft? BECKBROT Ja? Wir haben seit Tagen nichts zu essen bekommen? Ihm haben sie irgendwann mal 3 Teelöffel Tee eingeflößt und seither nichts mehr? VON HENNEN Die haben uns vielleicht auf eine neue Diät gesetzt. 78 PRENZLAFF Ja. "Immer mal was neues." So sind die. Das ist die Devise von denen. VON HENNEN Weitau ist führend bei der praktischen Anwendung neuer medizinischen Erkenntnisse. Ja? Wir sind vielleicht auf einer neuen Diät? BECKBROT Wir sind auf keiner neuen Diät. Wir sind auf einer NullDiät. Sie sehen doch schon wie ein Skelett aus. Und dieser Hund? Was ist mit dem Hund los? Hunde fliegen nicht? VON HENNEN Vielleicht haben wir uns auch versehen. FÜCHSEN Nein. Ich bin 100% sicher: der ist vorher geflogen. BANDER Fängt das Gemecker schon wieder an? BECKBROT Und sogar Überschall. SENSEN-FRAU Ah. Wir müssen vorsichtig sein. (BACHUS schaut von unter Kutte hervor.) SENSEN-FRAU Mein Mann, er ahnt von nichts. Aber Mondgesicht ist hinter mir her. (BACHUS überreicht Weinflasche.) SENSEN-FRAU Ich trinke aber nur ein Schlückchen heute. Ich muss nüchtern bleiben. Es muss heute ganz schnell gehen. (trinkt aus Flasche und gibt diese zurück) Ich kann sie heute nur ganz kurz tanzen lassen. Wir machen eine kleine Pause; vor dem Ballett! Aber nur eine kleine! (RENTNER lassen sich erschöpft nieder. HEINRICHSEN zieht sich wieder Kleidung über sein Gesicht. BACHUS küsst sich an Sensen-Frau `s Bein hinauf.) 79 SENSEN-FRAU Ah. Mondgesicht lässt mich nicht aus dem Auge. Sie sagt, sie weiß Bescheid über meine Ballette. Sie sei darüber informiert. Sie wisse das schon seit Monaten. Sagt sie. Warum dann jetzt dieses Theater plötzlich? Sie hat mir verboten weiterhin Kurgäste sich zu Tode tanzen zu lassen. Da werde ich mich natürlich nicht daran halten. Und einmal hat sie mir sogar mit Liquidation gedroht. Liquidation mit Strafverschärfung. Aber dann ist sie wieder sehr freundlich zu mir. Sie sagt, sie habe Verständnis für meine Situation. Ich versuche einfach meine Arbeit etwas künstlerisch zu gestalten. Ja mein Gott, man kann doch auch mal `n Auge zudrücken und mir etwas Freiraum geben. Mein Mann, er hat mal - aus Versehen - einen ganzen Reisebus; einen ganzen Reisebus? Irgend so ´n berühmten Chor. Fahrer, Beifahrer, Reiseleitung, peng: alle weg. Und sie weiß das. Er hat das Nummernschild nicht richtig gelesen. Aber das wird einfach so still schweigend übergangen. Er kann tun und lassen was er will. Sie vergöttert ihn. FÜCHSEN Entschuldigung. Darf ich kurz unterbrechen? SENSEN-FRAU Einen Augenblick bitte, Herr Füchsen. (Bar kommt hereingefahren. ROBERTS fängt an sich zu bedienen.) SENSEN-FRAU Ah, wenn du wüsstest was ich mitgemacht habe. Das ist Ono oder Bono oder so ähnlich. Ich sage Fudu zu ihm. (BACHUS gibt auf und kommt von unter Kutte hervor und überreicht Weinflache.) SENSEN-FRAU Er symbolisiert... ich muss nüchtern bleiben heute. (trinkt aus Flasche) Komm, gib dem Onkel ein Küsschen. (SENSEN-FRAU drückt BACHUS FUDU ins Gesicht.) SENSEN-FRAU Sie haben nun Gelegenheit sich kurz zu entspannen! Vor dem Ballett! Ah, wenn nur mein Mann etwas von dir hätte. ALBRECHT As is os? 80 BUSLOV Entspannen, Herr Dr. Albrecht. Wir sollen uns entspannen. FÜCHSEN Und dann? Was dann? BANDER Jetzt einfach mal alles auf sich zukommen lassen. FÜCHSEN Ja und dann sollen wir einfach zu tanzen anfangen? SENSEN-FRAU Ja, Herr Füchsen. FÜCHSEN Aber das sage ich Ihnen: wenn was wir da nachher tanzen, wenn das unter meinem Niveau ist, dann tanze ich da nicht mir. Das kann ich Ihnen garantieren. ROBERTS Cheers! (ROBERTS krakölt Melodie: "In München steht ein Hofbräuhaus...") SENSEN-FRAU Cheers! Auf Ihr Wohl! (trinkt Das ist Herr Roberts. Adel. So was sehe ich hätte keine Kompetenz aus Weinflasche) Sir Robert ist ganz alter sofort. Sie sagt natürlich, ich für Engländer. BANDER Schau dir diese versoffene Type an. Und gegen so was verlieren wir den Krieg. (BACHUS fängt zu küssen an.) BECKBROT Im Kurheim war er zu keinem einzigen Vortrag. PRENZLAFF Der kann den Blödsinn doch gar nicht verstehen. Der quakt doch nur Englisch. ROBERTS Cheers! 81 FÜCHSEN Das wird doch heutzutage alles übersetzt, Herr Intelligent. Jeder Vortrag im Kurheim wird übersetzt. Im alle europäischen Sprachen. Das ist Vorschrift. BUSLOV Ein paar Worte Deutsch kann er. VON HENNEN Als ausländischer Kurgast muss er keine Prüfung machen am Ende seiner Kur. PRENZLAFF Ja. Und darum ist das ganz egal ob der den Blödsinn versteht oder nicht. FÜCHSEN Was? Nur weil er Privatpatient ist muss er keine Prüfung machen am Ende der Kur? VON HENNEN Ausländische Kurgäste und Privatpatienten sind von dem neuen Prüfungsgesetzt ausgenommen. Und haben daher auch keine Anwesenheitspflicht bei den Vorträgen. FÜCHSEN Na also das ist wieder mal typisch. Da sollten A: die gleichen Gesetze europaweit gelten. Und B: auch für Kassenpatienten sollten die gleichen Gesetzte gelten. Jeder Kurgast sollte gleich behandelt werden. Da bin ich dafür. Warum sollen wir büffeln müssen und die nicht? Das unsere Regierung so etwas zulässt. (BACHUS Kopf verschwindet unter Sensen-Frau ´s Kutte.) BECKBROT Das haben die doch ausgeheckt? Da steckt der... dahinter. SENSEN-FRAU Ah. Alles aufstehen bitte! Ah... SENSEN-FRAU Wir werden nun mit unserem Ballett beginnen! Herr Albrecht, bitte. FÜCHSEN Herr Albrecht braucht jetzt strikte Ruhe. Er kann jetzt kein Ballet tanzen. SENSEN-FRAU Bitte treten Sie zur Seite. 82 FÜCHSEN Herr Albrecht bleibt liegen. ALBRERCHT As is os? SENSEN-FRAU Bitte treten Sie zur Seite. FÜCHSEN Nur über meine Leiche. (SENSEN-FRAU bewegt sich abrupt um entfernt ihren Stoffgürtel von der Bahre zu entfernen. BACHUS kommt zum Vorschein. ) ALBRECHT As is os?! SENSEN-FRAU (zu BACHUS) Entschuldigung. Ich habe nur Probleme mit denen. Herr Füchsen, einen Augenblick bitte. (nimmt Füchsen unter ihre Kutte) FÜCHSEN Aber nur einen Augenblick. SENSEN-FRAU Ich kann Ihnen versichern: ein Augenblick wird genug sein. Es tut mir leid, ich werde nun wie mein Mann handeln müssen. Auch Sie hätten Ihre Kur mit Stil und Niveau beenden können. Aber Sie haben anders entschieden. (SENSEN-FRAU geht mit FÜCHSEN ab.) FÜCHSEN (zurückrufend) Ich bin gleich zurück! ALBRECHT Ier. Ier. BANDER Jetzt gebt dem Albrecht mal was? VON HENNEN Entschuldigung, haben Sie Lemonade. Ich trinke keinen Alkohol. (ALBRECHT bekommt von BECKBROT aus Flasche etwas eigeflößt.) 83 ALBRECHT Ier. Ier. BECKBROT Was will er? BANDER Er will keinen Sekt. Er will Bier. (BACHUS pinkelt vor und nur von ROBERTS bemerkt in eine Flasche und schenkt ein.) ROBERTS Oh? (BACHUS überreicht HENNEN Glas und schenkt ein.) VON HENNEN Danke sehr. ROBERTS (riecht) Oh? VON HENNEN It `s a health drink. It is very healty. Sehr gesund. ROBERTS Ich bin sicher, Sie haben Recht. Zum Wohl. (VON HENNEN trinkt ohne Reaktion. SENSENFRAU kommt zurück ohne Gürtel, atmet tief ein und aus und fängt sich. BACHUS geht ihr entgegen und überreicht Weinflasche.) SENSEN-FRAU (trinkt ausgiebig) Ah, ich würde so gerne etwas anders machen. Etwas ganz, ganz anderes. (BACHUS flüstert SENSEN-FRAU ins Ohr.) SENSEN-FRAU Als Ärztin? Ob ich als Ärztin arbeiten möchte. Ja? Ja?! Nein. Das wäre doch etwas zu ganz anderes. Nein. Ich möchte auf einen ganz anderen Planeten. In ein ganz anders Universum. In eine ganz andere Galaxie. Du ich weiß gar nicht was eine Galaxie ist. Das habe ich jetzt nur so gesagt. (lacht) 84 SENSEN-FRAU (fortgesetzt) Ich habe einen Witz gemacht. Du musst jetzt lachen, (lacht) Ah, es ist so viel passiert seit ich hier war das letzte Mal. Ich habe gestern 200tausend Sachschaden verursacht. Und ein Verkehrschaos. Die Abgaswerte, ah, sehr wichtig. Die Abgaswerte. Das Theater das die immer machen. Nur weil das ein Kurort ist. Und weist du wie lange man Privatpatienten jetzt noch lässt? 4 1/2 Minuten. Die bekommen anscheinend jetzt alle irgend so `ne neue Wunderpille. Die habe ich doch irgendwo? Ah, nein! Doch. Nein. Doch! Hier. Und stell dir vor, das Gesundheitsministerium hat eine Verwarnung geschickt oder eine Beschwerde. Nach Weiteau. Es kam anscheinend irgendwas offizielles aus Berlin. Und das hätte ich ausgefressen. (SENSEN-FRAU legt Pillen auf Boden. BACHUS legt sich die Pille auf die Zunge.) SENSEN-FRAU Vorsicht Darling. (streichelt) Ich werde dich ab jetzt immer Darling nennen. (SENSEN-FRAU nimmt BACHUS die Pille von der Zunge und liest während dieser neue Flasche holt.) SENSEN-FRAU "Zehn Minuten" steht hier? Wie komme ich dann auf 4 1/2? Nein. "Bis zu... Im Augenblick des Todes Euphorie-Zustände und während des Lebens erarbeitete religiöse Visionen." Verstehe ich nicht; das muss ich mir mal in Ruhe durchlesen. SENSEN-FRAU Merci. (trinkt) Jetzt erzähl mir doch mal was über dich! BACHUS Du, ich habe n paar ganz... SENSEN-FRAU (unterbrechend) Nein, es sind nicht diese Kurgäste. Nein. Es ist meine Arbeit. Nein. Es ist nicht meine Arbeit. (BACHUS küsst sich an SENSEN-FRAU `S Bein hinauf.) 85 SENSEN-FRAU Es ist meine ganze Existenz. Ich fühle mich oft so eingeengt. Privat. Und beruflich. Warum sich nicht mehr auf da Pflegepersonal konzentrieren? Auf die Verwaltung? (BACHUS Kopf verschwindet unter SENSEN-FRAU `S Kutte.) SENSEN-FRAU Aber nein, die da oben wissen immer alles besser. Und sagt man was macht man sich nur unbeliebt. Du und jetzt pass mal auf. Ich habe eine Neuigkeit für dich: Weiteau ist ein Kurort mit internationalem Ruf. Mein Gott, wie oft ich das heute schon wieder gehört habe. Nur weil da ein Engländer rumspringt - und vielleicht noch jemand aus Dänemark schimpfen sie sich international und meinen sie seine Wunder was. Hans Theodor. Nein! Was hat er schon wieder angestellt. Das muss ich dir erzählen. (BACHUS gibt auf und kommt von unter Kutte hervor.) BANDER Wo ist der Füchsen? SENSEN-FRAU Da, es geht schon wieder los. BANDER Was haben Sie mit dem Füchsen angestellt? SENSEN-FRAU Ich habe keine Minute Ruhe mit denen. Und gestern, was mir da passiert ist? Ich habe doch keine Kompetenz für den Verkehr. Jetzt habe ich da eine vor dem Kurpark für die ich auch keine und die war auch noch aus Dänemark. Eine Privatpatientinnen. Verstehst du? Weiteau bemüht sich anscheinend zur Zeit auch sehr um den dänischen Markt. Jetzt sagt mein Mann, er kümmere sich um die. Aber meine Vorgesetzte hatte sich um die bereits gekümmert. Und jetzt lässt mein Mann unseren Hans Theodor auf die Intensiv. Unbeaufsichtigt. In Weiteau. Die ganze Intensivstation einschließlich des Pflegepersonals hätte er "hingemetzelt"; wie sie sich ausgedrückt hat. Mein Gott, es handelt sich um Null Komma irgendwas Prozent? (nachdenklich) Hans Theodor; er geht ganz nach seinem Vater. Ah, warum erzähle ich dir das alles? Jetzt erzähle mir doch mal ein bisschen über dich! BACHUS Du, ich habe ein paar ganz... 86 SENSEN-FRAU (überschneidend und unterbrechend) Ah, du bist so romantisch. Und danke, dass du mir immer zuhörst. Das findet man so selten: ein Mann der zuhören kann. Ja, ein Mann der die Kunst liebt; und den Tanz, so wie du, das findet man so selten. Ja eigentlich überhaupt nie. (BACHUS fängt an sich an SENSEN FRAU `S Bein hinauf zu küssen.) SENSEN-FRAU Du, das habe ich dir noch überhaupt nicht gesagt. (springt zur Seite und dreht sich) (BACHUS fällt zur Seite auf den Rücken.) SENSEN-FRAU Ich werde meine Kurgäste ab heute nur noch anspruchsvolles klassisches Ballett tanzen lassen. Was hälst du davon? Kannst du dich erinnern? Meine Vorgesetzte, sie hat beanstandet, diesen schwedischen Volkstanz? die, die da drei Tage lang? Sie finde das geschmacklos, und ohne Stil. Und da muss ich ihr auch etwas Recht geben. Ah, ich bin schon so gespannt auf die heute? Komm Schnuckiputzi, sag du auch mal Hallo. Gib dem Onkel noch Mal `n Küsschen. (SENSEN-FRAU drückt BACHUS FUDU ins Gesicht.) SENSEN-FRAU Ah, und dann ist mir noch mal ein ganz schlimmer Fehler unterlaufen. Ich habe den falschen mit. Einmal kurz nicht aufgepasst und peng. Und das musste ich büßen. Das kann ich dir sagen. Dieser Füchsen; und die merkt das natürlich sofort. Mein Mann, er hat mal den total falschen Reisebus; einen ganzen Reisebus? Fahrer, Beifahrer, Reiseleitung, peng, alle weg. Das war irgendein berühmter Chor. Die wollten einen anderen Chor treffen. So ein gemeinsames Konzert. In einer ganz historischen Kirche. Das kam sogar im Fernsehen. Arte oder irgend wo was. (BACHUS fängt an sich an SENSEN-FRAU `S Bein hinauf zu küssen.) SENSEN-FRAU Er hat sich versehen. Er hat das Nummernschild nicht richtig gelesen. Und kam was raus? Nein. Mondgesicht merkt nichts. Oder sie tut so als ob sie nichts merkt. Aber passiert mir mal das kleinste Fehlerchen... mein Gott, was sind schon 200tausend Euro heutzutage. Ja, ich bin nicht 87 SENSEN-FRAU (fortgesetzt) perfekt. Und ich bin auch froh, dass ich nicht perfekt bin. Du was hältst du davon? Ich wurde strafversetzt. Von Ihr. Von Mondgesicht. Aber strafversetzt in den exklusivsten Kurort Deutschlands? Das passt doch irgendwie nicht zusammen? (BACHUS Kopf verschwindet unter Sensen-Frau ´s Kutte.) SENSEN-FRAU Ah, ich komme mir manchmal so einsam vor. So unverstanden. (BACHUS gibt auf.) SENSEN-FRAU Ah, Entschuldigung. Das muss doch so langweilig sein für dich. Ich rede immer nur über meine Arbeit und über mich. Entschuldigung. Jetzt erzähle mir doch mal irgendwas über dich. Wie war deine letzte Woche? Was hast du getan? BACHUS Du ich hab ein paar ganz... SENSEN-FRAU (unterbrechend) Hast du an mich gedacht? BANDER Was haben Sie mit dem Füchsen angestellt? SENSEN-FRAU Bitte keine Aggressivität. (BANDER geht ab. ROBERTS steht auf der Bar und krakölt. RENTNER stellen sich auf und winkeln ein Bein an wollen losgehen.) SENSEN-FRAU Nein. Stopp! Jetzt schau dir das mal an. Zuerst bekomme ich sie nicht vom Fleck und dann... du, ich habe sogar einen Engländer. Sir Robert. Wie ich zu ihm sage. Sir Robert ist ganz alter englischer Adel. So was sehe ich sofort. Sie sagt natürlich, ich hätte keine Kompetenz für Engländer. (kurz in sich kehrend) Die Kompetenz für den Verkehr haben sie mir entzogen einschließlich für Fußgänger. Zu so Hinrichtungen wollten sie mich abkommandieren. 88 SENSEN-FRAU (fortgesetzt) Aber da habe ich nein gesagt. Ah, ich würde so gerne in Hollywood arbeiten. Oder in der Politik. Houses of Parliament. Ah, ich wäre schon mit dem Reichstag zufrieden. Und weißt du was sie gesagt hat? Ich sehe wie eine Vogelscheuche aus. Dieses Walross! Ah, du hast auf mich gewartet. Und ich habe auch oft an dich gedacht. Nein. Immer. Jeden Tag. Jede Stunde. Jede Minute. Jetzt erzähl mir doch mal was von dir! (RENTNER fangen an zu rauchen.) BACHUS Du ich habe ein paar ganz tolle... SENSEN-FRAU (unterbrechend) Was? Was hast du? BACHUS Ich habe ein paar ganz... SENSEN-FRAU (unterbrechend) Du, das Gesicht von der solltest du mal sehen. Wie so ´ne Wassermelone. Ah, wenn nur mein Mann etwas von dir hätte. Mein Mann, unsere Ehe... wir haben einfach nichts Gemeinsames. Und über was hat sie mit mir geredet? Neue Richtlinien. Und weist du was sie zu mir gesagt hat? Mitten ins Gesicht? Ich sehe wie eine Vogelscheuche aus. (BACHUS übergibt Weinflasche.) SENSEN-FRAU Ah, nur noch mal ein kleines Schlückchen. Dir zuliebe. (trinkt ausgiebig) Du weißt, du kannst alles mit mir tun. Alles. (BACHUS küsst sich an SENSEN-FRAU `S Bein hinauf.) SENSEN-FRAU Und das sollte ich besser für mich behalten. Ich weiß. Ja, so dumm bin ich. Aber so bin ich nun mal. Ich bin emotionell. Voller Überschwank. Das ist meine Schwäche. Und auch meine Stärke. Dieses Walross. Ja, wie so ´ne Wassermelone mit ´nr Dalle drin. In 5 Monaten, weißt du wie oft ich beim Kurkonzert war: ein Mal. Alleine. Mein Mann, wo will er mich hinschleppen? Zum Autorennen. Und Autorennen hat für mich nichts mit Kultur zu tun. Ach, warum haben wir uns nicht viel früher getroffen. Warum? 89 (BACHUS Kopf verschwindet unter SENSEN-FRAU ´S Kutte.) SENSEN-FRAU Aber das Universum hat anders entschieden. Die undurchdringlichen Gesetze des Universums. (BACHUS gibt auf.) SENSEN-FRAU Warum haben wir uns nicht viel früher getroffen? Aber es ist nie zu spät. Nie. Ah, jetzt spritze mich doch nicht mit dem Wein an. BACHUS Das war kein Wein. SENSEN-FRAU Kein...? Ah, nein! Nein! Nicht noch mal. (lacht) BROTBECK Was ist das hier? Der von Hennen will das wissen. SENSEN-FRAU Ist das? Ja. Das ist Kokain. BROTBECK Und das hier? SENSEN-FRAU LSD? Ja? Ach, ich finde das so toll, dass du so mit der Zeit gehst. Aber das hast du mir zu verdanken. Das musst du zugeben. BROTBECK Was? Kokain? Und LSD? Das nimmt der bestimmt nicht. SENSEN-FRAU Sagen Sie ihm, das sei alles organisch. (BACHUS Kopf verschwindet unter SSENSEN-FRAU ´s Kutte.) SENSEN-FRAU Hans Theodor, er wird schon wie sein Vater. (BACHUS gibt auf.) 90 SENSEN-FRAU Mein Mann entfremdet mir mein eigenes Kind. In ein paar Jahren... und ich werde Hans Theodor für immer verloren haben. Er wird auf seine Mutter herabschauen. BANDER (kommt keuchend zurück) Schnell. Der Füchsen. (BANDER eilt ab gefolgt von ROBERTS und PRENZLAFF und BECKBROT) VON HENNEN (nachrufend) Gehen Sie nicht zu weit! Wir sollten alle zusammen bleiben! ALBRECHT Ier. Ier. VON HENNEN Herr Dr. Albrecht möchte gerne ein Bier. (BANDER kommt keuchend zurück.) SENSEN-FRAU Irgend eine bestimmte Marke bitte, Herr Dr. Albrecht? Nein, jetzt gibt es kein Bier. Jetzt gibt es etwas anderes Gutes. Zunge raus. Ja, so. BANDER Entschuldigung, wir brauchen Ihre Bahre. ALBRECHT As is os? (ROBERTS kommt angerannt.) ROBERTS I am frightfully sorry. I am sure you don ´t mind. (ALBRECHT wird von BANDER und ROBERTS von der Bahre gerollt.) ALBRECHT As is os? As is os?! (BANDER und ROBERTS eilen mit Ästen und Stangen ab. VITELA folgt. BACHUS eilt ein paar Schritte hinter ihnen her und schaut dann fragend zurück auf Sensen-Frau.) 91 SENSEN-FRAU Lass sie. Komm. Die wollen den retten. Jetzt lass sie halt. Komm, setz dich zu mir. Es tut mir so gut mich mal mit jemandem unterhalten zu können. (BACHUS küsst sich an SENSEN-FRAU `S Bein hinauf.) SENSEN-FRAU Auf gleicher Wellenlänge mit jemandem zu sein. Nach England, das würde mich reizen. Ah, jetzt rede ich schon wieder über meine Arbeit. (BACHUS Kopf verschwindet unter Sensen-Frau ´s Kutte.) SENSEN-FRAU Ah, weißt du was? Ich möchte mich so gerne selber kennen lernen. (BACHUS gibt auf.) SENSEN-FRAU Ich, ah, das habe ich noch niemandem erzählt. Ich bin sogar schon selber zu Vorträgen. Im Kurheim. (lacht, schüttelt den Kopf) Eine ganze Woche lang. Ich habe kein Wort verstanden. Das war alles Bio-Chinesisch für mich. Bio-Chinesisch! (lacht) Du musst jetzt lachen. Ich habe einen Witz gemacht. Ach, mit dir kann man wenigstens reden. (FÜCHSEN wird von BANDER und ROBERTS auf Bahre zurück gebracht.) VON HENNEN Wie geht es ihm? FÜCHSEN Wo bin ich? BECKBROT In der Kur. In Weiteau. FÜCHSEN Ja. Musik ist so wichtig für die geistige und seelische und das wirkt sich auch auf... (lallt Auber Coda/Ouvertüre/Auber: "Zamba") 92 SENSEN-FRAU Ach jetzt schau dir das mal an. Sie haben ihn gerettet. Die versuchen sich immer zu retten gegenseitig. Das ist nicht überall so. Aber in Weitau ist es ganz extrem. (BANDER reißt sich einen Streifen Kleidung ab und betupft damit FÜCHSEN.) VON HENNEN Haben Sie eine Erste Hilfe? So ein kleines Kästchen. SENSEN-FRAU Ob ich eine Erste Hilfe habe. Jetzt höre dir das an. Und auch noch so ein kleines Kästchen? Ist das nicht zum todlachen? (BACHUS hält SENSEN-FRAU einen Joint hin.) SENSEN-FRAU Zu einem kleinen Joint sage ich nie nein. (riecht) Mh, was brasilianisches. Achtung. Attention, es wird nun getanzt! Ah, früher, da würden regelmäßig riesige Ballette aufgeführt. Früher hatte alles viel mehr Stil. Früher nahm man sich zu allem viel mehr Zeit. Früher war die Welt viel bunter. BECKBROT Nehmen sie das. Das ist ganz toll. Einfach so auf die Zunge. (BECKBROT tut FÜCHSEN etwas in den Mund.) BANDER Gib ihm zwei davon. Der verträgt das. SENSEN-FRAU Wer von Ihnen hat professionelle Tanzerfahrung? Wie? Niemand? BANDER Tanzen kann von den keiner. ALBRECHT As is os? SENSEN-FRAU Wie? Niemand von Ihnen hat irgendwelch professionelle Tanzerfahrung? Wer von Ihnen hatte regelmäßigen Ballettunterricht? Niemand? 93 SENSEN-FRAU Tanzstunde? Aerobic? Pilates? Schuhplattler? (BECKBROT hebt Hand mit ausgestreckten Finger) SENSEN-FRAU Ja bitte. BROTBECK Wir haben alle Krankengymnastik gemacht. SENSEN-FRAU Krankengymnastik. BECKBROT Ja. Ich habe eine Idee. SENSEN-FRAU Aber nur etwas mit Stil bitte. Auf Stil und Niveau bestehe ich. Und hier mache ich keinen Kompromiss. BECKBROT Wir ziehen uns alle aus und springen nackt herum. Aber mit Musik! (zieht sich aus) SENSEN-FRAU Nein. Stopp. Halt! Stopp! (SENSEN-FRAU verbirgt BECKBROT hinter ihrer Kutte.) SENSEN-FRAU Sie ziehen sich sofort an. Sofort. PRENZLAFF Ich war mal in der Kur. Und da haben wir ein Ballett aufgeführt. SENSEN-FRAU Sie haben ein Ballett aufgeführt? PRENZLAFF Ja. Wir waren alles tanzende Nonnen. BUSLOV Wir müssen aber vorher proben. Ansonsten erreichen wir nicht künstlerisch professionelle Niveau. 94 PRENZLAFF Ja. Alle raus. Und dann kommen wir wieder rein. Jetzt wart mal. Jetzt weiß ich nicht mehr wann wir reingekommen sind. ALBRECHT As is os? BECKBROT Wir kommen rein wenn die Musik anfängt. Ihr nehmt ihn. (ALLE RENTNER rennen ALBECHT stützend und FÜCHSEN auf der Bahre tragend.) ALBRECHT As is os?! SENSEN-FRAU Nein. Nein! Stopp! Keine tanzenden Nonnen bitte. Und keine schwedischen Volkstänze. Auf ein Minimum von Niveau bestehe ich. BANDER Ich habe auch mal im Ballett getanzt. SENSEN-FRAU Im Staatsballett? BANDER Nein. Beim Karneval. Wir müssen aber vorher proben. Sie müssen die Augen zumachen. Sie dürfen uns nicht beim Proben zuschauen. SENSEN-FRAU Ich habe die Augen ganz fest zu. FÜCHSEN (steht von Bahre auf, tanzend) La la la la, la la la la. BANDER Nein nicht so. (zu SENSEN-FRAU) Entschuldigung. Ich werde dafür sorgen, dass das alles Stil und Niveau hat. FÜCKSEN Ich tanze aber nur wenn ich die Hauptrolle tanzen darf. BECKBROT Nein, die Hauptrolle tanze ich. 95 FÜCHSEN Sie sagten, Sie könnten überhaupt nicht tanzen? BECKBROT Und Sie sollten überhaupt nicht hier sein? Ah, sie hat gespickt. SENSEN-FRAU Nein, ich habe nicht... BECKBROT (unterbrechend) Doch! BANDER Alle mit mir mit! Ich werde dieses Ballett choreographieren. Und das wird alles Stil und Niveau haben. Das kann ich garantieren. Da können unbesorgt sein. Alle raus! (BANDER nimmt SENSEN-FRAU ihre Sense ab.) BANDER Raus! Alle raus? (scheucht mit Sense) (SENSEN-FRAU lacht. Alle RENTNER rennen ab. ROBERTS gibt dabei eine kleine Show.) BECKBROT (hereinschauend, zu ROBERTS) Kommen Sie jetzt endlich? (BROTBECK geht ab gefolgt von ROBERTS.) SENSEN-FRAU Ich hatte immer einen Traum. Nur einmal in einem großen Ballett mitzutanzen. Das ist mein größter Wunsch. Ich hätte selbst solch Talent zum Tanz. (BACHUS flüstert SENSEN-FRAU ins Ohr.) SENSEN-FRAU Ich soll mittanzen? Nein. Nein. Da ist es zu spät. Nein. (Geschrei von hinter den Kulissen. SENSENFRAU will nachschauen.) BECKBROT (schaut auf die Bühne) Nein. Nicht schauen. Das soll eine Überraschung werden. 96 SENSEN-FRAU Bitte schau du nach was die da anstellen? Nein? Doch. Nein. Doch. Vielleicht? Ja. Du, die versuchen vielleicht zu flüchten? (Musik: Karnevalsmarsch) SENSEN-FRAU Schau mal was die anstellen. (BACHUS will abgehen.) SENSEN-FRAU Augenblick. Wo hast du...? (BACHUS zeigt.) SENSEN-FRAU Ah. (riecht) Viel besser als das holländische Zeug. Schau mal was die machen. Nicht das die doch schon wieder flüchten wollen. (lacht) (BACHUS geht ab. SENSEN-FRAU raucht Joint, zieht ihre Kutte als Stola an und dreht sich ein wenig im Kreis. Karnevalsmarsch. SENSENFRAU hält ein und horcht.) BACHUS (rennt auf die Bühne) Sie kommen! SENSEN-FRAU Als tanzende Nonnen? Sie alle angezogen? Du, wenn die jetzt alle gleich splitternackt hier reinkommen, dann... (hält ein) (Musik: "Pas de trois Walzer, La Bayadere, 3. Akt." 2 1/2 minütiges Ballet. Alle RENTNER außer PRENZLAFF treten auf. Sie tragen romantisch, langes weises Ballerina Kostüm. PRENZLAFF tritt als Ballerino auf. BANDER tanzt die Hauptrolle.) SENSEN-FRAU Ah, so romantisch. BACHUS (unterbrechend, mit Zeigefinger) Psst. 97 (Ende Ballett) SENSEN-FRAU Ah, ein bisschen Kultur, das tut einem so gut. (RENTNER trinken und rauchen.) BUSLOV Ich würde nun gerne die Hauptrolle tanzen. Ich bin sicher, es gibt diesbezüglich keine Einwände. BANDER (wieder an Krücken) Herr Buslov, bitte denken Sie an Ihren Energiehaushalt. BUSLOV Soll das ein Einwand gewesen sein? ROBERTS I ´m born for the stage. VON HENNEN Ich glaube, er sagt, er möchte nun... BANDER (unterbrechend) Nein, das ist mein Ballett, und darum... VITELA (unterbrechend) Wie bitte? Das ist nicht Ihr Ballett. Das ist unser Ballett. Ich werde hier wie Luft behandelt. BANDER Ich habe dieses Ballett choreographiert. Und darum ist das mein Ballett. SENSEN-FRAU Ruhe. Meine Herren. Bitte. Sie dürfen heute alle noch die Hauptrolle tanzen. (Musik/Ballett beginnt von Neuem mit HEINRICHSEN in der Hauptrolle.) BANDER Schnell. BUSLOV Lasst mich noch mal kurz ziehen. (VITELA übergibt BUSLOV Joint.) 98 SENSEN-FRAU Du machst mich so glücklich. Du wärst der perfekte Mann für mich. BECKBROT Nein! Hier her, Herr Dr. Albrecht! (SENSEN-FRAU und BACHUS küssen sich leidenschaftlich.) SENSEN-FRAU Ah, warum kann ich nicht immer so glücklich sein. FÜCHSEN Hier her, Herr Dr. Albrecht. (BACHUS flüstert SENSEN.FRAU ins Ohr.) SENSEN-FRAU Eine Orgie? (ROBERTS kommt angetanzt und macht Verbeugung vor BACHUS und SENSEN-FRAU. BACHUS zeigt auf ihn.) SENSEN-FRAU Den? Nein. Um Gottes Willen. (BACHUS gibt ROBERTS einen Fußtritt und zeigt auf BECKBROT.) SENSEN-FRAU Den? Nein! (lacht) Ich finde diesen Füchsen mehr und mehr interessant. BECKBROT Vorsicht, Herr Dr. Albrecht! (ALBRECHT tanzt ab. BACHUS wirft FÜCHSEN unsanft in den Tempel. SENSEN-FRAU, BACHUS und FUDU gehen ab in den Tempel.) BECKBROT Stopp! (Musik stoppt) BECKBROT Schnell! Der Albrecht tanzt den Abhang hinunter. Herr Albrecht! Nein! Stopp! Nicht weiter! 99 (BECKBROT und ROBERTS rennen ab.) BUSLOV Ich werden nun die Hauptrolle tanzen. BANDER Herr BUSLOV... BUSLOV (unterbrechend) Keine Widerrede. BANDER (nach kurzer Pause) Herr Buslov, aber bitte merken Sie sich: mein Ballett zu ruinieren ist verboten. (Musik/Ballett beginnt.) PRENZLAFF Was? Schon wieder? BECKBROT (hereinschauend) Ihr könnt schon anfangen. Wir kommen gleich nach. Wir haben ihn. (SENSEN-MANN und SENSEN-KIND treten auf.) SENSEN-KIND Papi, was machen die? SENSEN-MANN Die tanzen. (SENSEN-FRAU und BACHUS lachen lallen zusammen: "Quanto é bello...") SENSEN-KIND Tanzt Mutti auch mit? SENSEN-MANN Das würde ihr gleich sehen. SENSEN-KIND Papi... SENSEN-MANN (unterbrechend) Ruhe. (horcht) 100 SENSEN-KIND Und warum tanzen die? SENSEN-MANN Deine Mutter. Sie ist sehr sensibel. Und kunstliebend. Und lebensfroh. BUSLOV Entschuldigung. Ich muss zählen. (BACHUS und SENSEN-FRAU lachen von hinter den Kulissen. BUSLOV verpasst seinen Auftritt.) BANDER Stopp! (Musik stoppt) BANDER Herr Buslov. Ihr Auftritt. Aufwachen bitte. (zu PRENZLAFF) Ich habe mir doch gleich gedacht, dass das nicht klappt mit dem. BUSLOV Natürlich. Ich sollte dort sein. Warum bin ich dann hier? Er hat mich ganz durcheinander gebracht. (zu SENSEN-MANN) Runter von der Bühne! (SENSEN-KIND hebt seine Sense.) SENSEN-MANN Lass ihn. VON HENNEN Herr Füchsen fehlt. Er fehlt schon die ganze Zeit. Er hat gar nicht mitgetanzt. BROTBECK Er hat Schneewittchen gesehen? Und noch anderen Blödsinn geredet? Und Musik hat er auch gehört? BANDER Ja. Ich habe immer gesagt, er solle mit der Sauferei aufhören. Die haben sogar schon während der Vorträge gesoffen. Im Kurheim. Wodka. VON HENNEN Nein? 101 BANDER Ja. Während dem Vortrag über den Biogenetischen Energiehaushalt war der Füchsen total besoffen. Und darum jetzt ja auch die Panik; das er durch die Prüfung rasselt. Und nie mehr eine Kur verschrieben bekommt. Ich weiß wo der Füchsen ist. (BANDER flüster VON HENNEN ins Ohr) VON HENNEN Auf dem Weg zurück ins Kurheim? Nein. Das schafft er doch nie alleine. BANDER Doch. Der schafft das. Wenn es jemand schafft dann der. Und mir geht es dem Ende zu. Das spüre ich. VON HENNEN Sie müssen versuchen positiv zu bleiben. Sie müssen positiv denken. Nicht negativ. Ausschließlich positiv. Ich versuche nie das negative sondern immer nur ausschließlich das positive von allem zu sehen. BUSLOV Herr Bander, darf ich bitte versuchen mein Talent noch einmal unter Beweis zu stellen. Ich bitte Sie. Das bedeutet sehr viel für mich. BANDER (nach kurzer Pause) Herr Buslov, aber wenn Sie mein Ballett noch einmal ruinieren, dann kann ich sehr unfreundlich werden. BUSLOV Ich werde Sie nicht enttäuschen. Das verspreche ich. BANDER (scheucht mit Sense) Raus. Alle Raus! (RENTNER werden ab gescheucht.) SENSEN-KIND Bist du auch sehr sensibel, Vati? Mutti ist sehr sensibel. Und lebensfroh. SENSEN-MANN (überschneidend) Hans Theodor, da macht eine Jugendgruppe eine Wanderung. Mindestens einen. Besser zwei. 102 SENSEN-KIND Ich bin ein bisschen müde, Vati. SENSEN-MANN Du arbeitest heute die Nacht durch. Das muss dein Vati auch oft. (Ballett-Musik) SENSEN-MANN Und da trainiert eine Spezialeinheit der Bundeswehr. Bundesgrenzschutz. Mindestens einen. SENSEN-KIND (Mitleid erregend)) Ja, Papi. SENSEN-MANN Und getraue dich nicht früher zurück. SENSEN-KIND Ja, Papi. (geht ab) (Gelächter aus Tempel. SENSEN-MANN geht ab in den Tempel. Stimmen der RENTNER von hinter den Kulissen. Musik stoppt. SENSENMANN kommt aus Tempel gestürmt, gefolgt von SENSEN-FRAU gefolgt von BACHUS.) SENSEN-FRAU (trägt Höschen von Bachus) Und was erwartest du. Wenn dir jeder Skifahrer wichtiger ist als ich? BUSLOV (kommt auf die Bühne gerannt) Mein Schleier. (rennt mit Schleier ab) (BACHUS kommt mit Sektglas aus Tempel.) SENSEN-FRAU Hier steht der perfekte Gastgeber. SENSEN-MANN Gastgeber. SENSEN-FRAU Ja. Und in jeder Hinsicht. Komm, du bist auch eingeladen. Wir wollten schon lange mal etwas mehr mit unserer Sexualität experimentieren. 103 SENSEN-MANN Du wolltest. SENSEN-FRAU Und du auch. Das haben wir ausdiskutiert. Bachus. Mein Mann: Ottmar. Und ihr zwei benehmt euch jetzt. (BACHUS übergibt SENSEN-MANN Sektglas. MUSIK/BALLETT) SENSEN-FRAU Zum Wohl. Warum immer gleich so eine Szene machen? SENSEN-MANN (trinkt, spukt aus) Ah! Das ist das letzte Drecksschwein. SENSEN-FRAU Musst du immer gleich so intolerant sein? SENSEN-MANN Ich gehe und du kommst mit? SENSEN-FRAU Nein. Jetzt bestimme ich mal. Ich habe heute mit meinem Mann eine Orgie zusammen. SENSEN-MANN Und die? Was machen die? SENSEN-FRAU Die tanzen. Und nachher tanzen wir beide vielleicht sogar noch ein bisschen mit. SENSEN-MANN Elvira? (SENSEN-MANN, SENSEN-FRAU und BACHUS gehen ab in den Tempel.) BANDER Stopp! (Musik stoppt.) BANDER Herr Buslov. BUSLOV (schaut auf die Bühne) Ja. 104 BANDER Sie tanzen die Hauptrolle. Und das Ballet ist fast vorbei. Dürften wir Sie bitten wenigstens kurz mal vorbeizuschauen. Das wäre sehr freundlich. BUSLOV Natürlich. Ich sollte dort sein. Warum bin ich dann hier? BANDER Herr Buslov, Sie haben ihr Talent nicht nur ausführlich, Sie haben es auch endgültig unter Beweis gestellt und werden sich ab nun in das Corps de Ballet einreichen. Ihre Karriere als Solotänzer ist beendet. Raus. Alle raus! (scheucht mit Sense) RENTNER Ah... BROTBECK Sie sind viel zu undiplomatisch. (ALLE RENTNER gehen ab. ROBERTS singend und tanzend durch die in formaler Formation auftretenden GEFOLGS-PERSONEN, HERRN GERSTER und SENSEN-PRÄSIDENTIN die SENSENKIND an der Hand führt.) SENSEN-KIND 20tausend Hühner waren das. SENSEN-PRÄSIDENTIN 20tausend? SENSEN-KIND Ahm, vielleicht waren es auch ein paar weniger. Die waren alle für ´s Kurheim. Das waren alles Bio-Hühner. Die sind alle ganz gesund. Aber jetzt sind se tot und gesund. (lacht) Ich habe einen Witz gemacht. Du musst jetzt lachen. Vati meint, ein paar Bio-Hühner würden es vielleicht aus dem Tunnel schaffen und sich hier ansiedeln und dann hier wild leben. SENSEN-PRÄSIDENTIN (geistesabwesend) Und diese zwei Schwerlastwagen? Das hast du ganz alleine fertiggebracht? (SCHNEIBER tritt tanzend auf.) 105 SENSEN-KIND Vati hat mir ein bisschen dabei geholfen. Aber nicht viel. Einen Fahrer kann man nur noch am Gebiss identifizieren. (BANDER tritt auf und packt SCHNEIBER) SCHNEIBER Ah. (BANDER führt SCHNEIBER ab. HERR GERSTER schaut um sich.) SENSEN-KIND Das kann man heute. Das hat mir Vati erklärt. SENSEN-PRÄSIDENTIN Was geht hier vor? HERR GERSTER Das Ballett. SENSEN-PRÄSIDENTIN Ah ja, das Ballett. SENSEN-KIND Aber die zwei Schüler habe ich ganz alleine geschafft. SENSEN-PRÄSIDENTIN Schüler? SENSEN-KIND Ja, das waren so Sonderschüler. So straffällige Jugendliche. Die sind auf einem Ausflug hier; aus dem Knast. Und ich habe zwei davon. Und einen ganz toll. SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E? Wo ist Frau E, Herr Gerster. HERR GERSTER Sie muss irgendwo hier sein. SENSEN-PRÄSIDENTIN Irgendwo. Ja. SENSEN-KIND Aber die vom Bundesgrenzschutz habe ich noch nicht geschafft. SENSEN-PRÄSIDENTIN Bundesgrenzschutz? 106 SENSEN-KIND Ja. Ich darf einen vom Bundesgrenzschutz, sagt Vati. Einen oder zwei. Aber nicht mehr. SENSEN-PRÄSIDENTIN Hans Theodor, in deinem Alter darf man höchstens einen Fußgänger... (SENSEN-PRÄSIDENTIN hält ein da SENSEN-FRAU von hinter den Kulissen lacht.) SENSEN-KIND Fußgänger sind so langweilig! (HERR GERSTER flüstert SENSEN-PRÄSIDENTIN ins Ohr.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Speed? LSD? Kokain? (HERR GERSTER nickt und schaut dann in den Tempel.) SENSEN-KIND Hast du schon mal von einer Atombombe gehört? SENSEN-MANN (von hinter den Kulissen) Nein, Elvira, das mache ich nicht. SENSEN-FRAU (von hinter den Kulissen) Jetzt stelle dich nicht immer so an. SENSEN-MANN (von hinter den Kulissen) Nein. Au. Elvira? Au! SENSEN-FRAU (von hinter den Kulissen) Nein. Jetzt experimentierst du einmal ein bisschen. SENSEN-MANN (von hinter den Kulissen) Au! SENSEN-KIND Vati hat heute schon drei Bergsteiger. Und da war sogar ein Steilwand Champion dabei. Und ich habe heute sogar eine Nonne. Auf der Intensiv. Eine Pflegerin. Die war 97. (Musik) 107 HERR GERSTER Da spielt Musik. SENSEN-PRÄSIDENTIN Ja, Herr Gerster. Das Ballett. (Musik stoppt) SENSEN-KIND Die ist ausgerutscht. So richtig peng. Sie hatte ein Tablett, das is´ so rückwärts und sie ist so bum! nach vorne. Die ganze Treppe runter. Und dann hat sie noch eine halbe Stunde lang geschrien. SENSEN-MANN (von hinter den Kulissen) Au! SENSEN-KIND Aber nicht so laut. Nur so ganz leise. So: "Hilfe, Hilfe". Und darum hat man sie nicht gehört. Weil sie konnte ja nicht mehr laut schreien. Weil sie war ja schon halb tot. SENSEN-MANN (von hinter den Kulissen) Au! Ah. Nein Elvira! Das mache ich nicht! (HERR GERSTER flüstert SENSEN-PRÄSIDENTIN ins Ohr.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Eine Orgie? SENSEN-KIND Ich bin schon sehr weit für mein Alter. Das hat Papi gesagt. (HERR GERSTER flüstert SENSEN-PRÄSIDENTIN nochmals ins Ohr.) SENSEN-PRÄSIDENTIN (geschockt) Eine Orgie? Mit einem Kurgast? Aus Weiteau? (HERR GERSTER nickt. MUSIK/BALLETT beginnt mit ROBERTS in der Hauptrolle.) SENSEN-KIND Ich möchte einmal im interplanetaren Flugverkehr arbeiten. Vati hat gesagt, da sei eine Wachstumsbranche. 108 HERR GERSTER Die tanzen? SENSEN-PRÄSIDENTIN Ja. Das Ballett. SENSEN-KIND Und Mutti tanzt gleich mit. SENSEN-PRÄSIDENTIN Sie tanzt gleich mit? Gut. Dann werden wir hier auf Frau E warten. Auf ihren letzten großen Auftritt. HERR GERSTER (übergibt Sektglas) Hier. Das tut immer gut. Ein ganz edles Tröpfchen. (ROBERTS tritt auf.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Danke sehr. (trinkt, spukt aus) Ah, schnell. Ein Glass Wasser. Nein. Einen Whisky. HERR GERSTER Einen Whisky. Schnell. Vorhang. (ROBERTS entblößt seinen Popo.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Nein. SENSEN-KIND (hebt seine Sense) Soll ich ihn? SENSEN-PRÄSIDENTIN Nein. Herr Gerster! (HERR GERSTER macht aufgeregt Arm -und Handzeichen und übergibt SENSEN-PRÄSIDENTIN Glas.) SENSEN-PRÄSIDENTIN (gurgelt und spukt aus) Danke sehr. (ROBERTS übergibt sich über SensenPräsidentin ´s Kutte.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Ah. 109 (Vorhang schließt sich langsam. HERR GERSTER versucht ROBERTS hinter seiner Kutte zu verbergen.) SENSEN-FRAU (von hinter den Kulissen) Ah, nein! (lacht) SENSEN-PRÄSIDENTIN (drohend mit Faust) Frau E. (Vorhang) 110 3. AKT (Bühnenbild wie im 2. Akt) (Musik. Vorhang. Gleiches Ballett wird getanzt mit ROBERTS in der Hauptrolle. RENTNER sind leichenblas, ihre Kostüme sind zerrissen und zerfetzt. SENSEN-PRÄSIDENTIN schläft. HERR GERSTER und GEFLOGS-PERSONEN schauen sich sitzend das Ballett an. ROBERTS tritt auf.) HERR GERSTER Bravo. (HERR GERSTER applaudiert. GEFLOGS-PERSONEN machen es ihn nach. ROBERTS entblößt seinen Popo.) HERR GERSTER Bravo! (HERR GERSTER lacht. GEGOLGS-PERSONEN machen es ihm nach. SENSEN-PRÄSIDENTIN wacht auf.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Nein. Stopp! (HERR GERSTER springt auf und gibt Anweisungen.) HERR GERSTER Festhalten. BANDER Weitertanzen! HERR GERSTER Festhalten. (GEFOLGS-PERSONEN versuchen als Teil des Balletts ROBERTS festzuhalten.) HERR GERSTER Stopp. (Musik/Ballett stoppt.) BANDER Weitertanzen. 111 BUSLOV Nein. Ohne Musik tanze ich nicht. BANDER Herr Buslov, können Sie überhaupt hören? Haben Sie vielleicht 100% Hörschaden? HEINRICHSEN Ich habe das feinste Gehör der Welt. BANDER Und ich sage: Musik ist an Ihnen verschwendet. HERR GERSTER (zu GEFLOGS-PERSONEN) Sie nehmen ihn an den Beinen. Vorsicht. BUSLOV Das werden Sie zurücknehmen! (ROBERTS schlägt in Windeseile alle GEFOLGSPERSONEN außer einer KO und wird von dieser von hinten gepackt.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Herr Gerster! HERR GERSTER Ahm, please. (ROBERTS holt kurz mit Sense aus.) HERR GERSTER (duckt sich) Ah. (ängstlich und sehr vorsichtig) Please. (ROBERTS übergibt nach ausgiebiger Pause HERRN GERSTER Sense.) HERR GERSTER Thank you. ROBERTS You ´r welcome. (GEFOLGS-PERSONEN stehen auf Anweisung HERRN GERSTERS auf und stellen sich formal auf.) 112 BANDER Wir fangen noch mal an. (zu SENSEN-PRÄSIDENTIN) Bitte entschuldigen Sie. Herr Roberts ist aus England. Herr Heinrichsen, Sie werden in meinem Ballett nur noch als Statue auftreten. Als bewegungslose Statue im Hintergrund. BECKBROT Was Herr Bander meint: Sie sollten vielleicht etwas mehr an Ihren Energiehaushalt achten. BUSLOV Ich habe so viel Energie wie nie. BANDER Herr Buslov, wir spielen hier nicht Shakespeare. Wir tanzen Ballett. Da haben Sie etwas missverstanden. Raus! Alle raus! (scheucht mit Sense) BECKBROT Sie sind viel zu undiplomatisch. BANDER Raus! SENSEN-FRAU Herr Gerster, ich hatte Ihrem Nachsuchen gemäß eine weitere Aufführungen dieses Ballettes gestattet. Aber nur eine weitere Aufführung. Wie oft wurde dieses Ballett nochmals aufgeführt? BANDER Ein oder zwei - oder drei Mal; vielleicht. SENSEN-PRÄSIDENTIN Wie oft, Herr Gerster? HERR GERSTER Zwischen ein -und zweihundert Mal. SENSEN-PRÄSIDENTIN Kontinuierlich. Und Sie finden das unterhaltsam. HERR GERSTER (drucksend) Mit Einschränkungen. 113 SENSEN-PRÄSIDENTIN Des Weiteren hatte ich strikte Anweisung gegeben: Sir Robert hat Auftritts-Verbot. Herr Gerster, warum werden meine Anweisungen nicht befolgt? HERR GERSTER Ahm, wir haben ihn von der Bühne entfernt. Das hier ist die Bühne. Bis hier her. So haben sie entschieden. Das war aber eine lange Diskussion. Und in der Tiefe... SENSEN-PRÄSIDENTIN (unterbrechend) Herr Gerster, Sie haben sich meinen Anordnungen wissentlich widersetzt. (SENSEN-PRÄSIDENTIN beschaut sich im Spiegel, erschrickt und versucht sich ein schmäleres Gesicht zu ziehen.) HERR GERSTER Ich, ahm, nein, nicht wissentlich. SENSEN-PRÄSIDENTIN Sie meinen, ich hätte nicht die Autorität mich Ihnen gegenüber durchzusetzen. HERR GERSTER Nein. Ich, ahm, ich meine, Sie sind viel intelligenter als ich. Und sehen viel besser aus. Sie sind eine große Inspiration. SENSEN-PRÄSIDENTIN Danke sehr. HERR GERSTER Für uns alle. SENSEN-PRÄSIDENTIN (überschneidend) Ich sagte: "Danke sehr", Herr Gerster. Wo ist das Kind? HERR GERSTER Ahm, Sie meinen den Kleinen? Er sagte, ihm gefalle kein Ballett. SENSEN-PRÄSIDENTIN Wo ist das Kind, Herr Gerster? HERR GERSTER Ahm; wir haben ihn aus den Augen verloren. 114 (HERR GERSTER schaut Richtung Tempel und erschrickt.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Ist er dort rein. HERR GERSTER Nein. Ahm, er sagte, sein Onkel sei immer sehr lieb zu ihm. SENSEN-PRÄSIDENTIN Sein Onkel? Um Gottes Willen. Das Kind. Hans Theodor. (SENSEN-KIND kommt mit zwei Mützen in der Hand auf die Bühne.) HERR GERSTER (unterbrechend) Da ist der Kleine! SENSEN-PRÄSIDENTIN Hans Theodor? Wo warst du? (HERR GERSTER nimmt SENSEN-PRÄSIDENTIN seine Sense aus der Hand.) SENSEN-KIND Die haben getanzt und du bist eingepennt. Da, das ist für dich. (übergibt Mützen) Bundeswehr. Bundesgrenzschutz. Ich hab die einen Wasserfall runter. Da ist ein Fluss, da unten. Das hat mir Vati gezeigt. Aber auf den Wasserfall bin ich ganz von selber gekommen. (HERR GERSTER und GEFLOGS-PERSONEN schauen lächelnd und liebevoll auf SENSEN-KIND.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Bundeswehr? SENSEN-KIND Ja, Bundesgrenzschutz. Da war ganz schwierig. SENSEN-PRÄSIDENTIN Und auch noch gleich zwei. SENSEN-KIND Ja. Aber einer hat überlebt. Er ist immer noch in Lebensgefahr. Aber es wurde schon ein bisschen besser. 115 SENSEN-PRÄSIDENTIN Hans Theodor, in deinem Alter... SENSEN-KIND (unterbrechend) Ich bin schon sehr weit für mein Alter. SENSEN-PRÄSIDENTIN Hans Theodor? Möchtest du das nicht lieber deiner Mutti schenken? SENSEN-KIND Nein. SENSEN-PRÄSIDENTIN Nein? SENSEN-KIND Das gefällt Mutti nicht. SENSEN-PRÄSIDENTIN Oh, das ist aber nicht schön von deiner Mutti. Das ihr das nicht gefällt. Wenn du ihr so etwas Schönes schenken möchtest. Du hast bestimmt eine ganz liebe Mutti? SENSEN KIND (nach kurzer Pause) Mutti will mich ins Ballett schicken. SENSEN-PRÄSIDENTIN Nein. Das möchte deine Mutti bestimmt nicht. Das hast du ganz falsch verstanden. Weißt du, deine Mutti meint es nur gut mit dir. SENSEN-KIND (nach kurzer Pause) Ja; ich hab auch noch mal eine von der Jugendgruppe. So ´ne straffällige Jugendliche aus ´em Knast. Ich hab die in so ´ne Tierfalle. Die lebt aber noch. Aber nicht mehr lange. (Musik/Ballett mit ROBERTS in der Hauptrolle.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Hans Theodor, hat dir deine Mutti nicht beigebracht, dass man sich immer streng an die Vorschriften zu halten hat. SENSEN-KIND Ja. Und Vati auch. Aber ich tu ´s einfach nicht. 116 SENSEN-PRÄSIDENTIN Hans Theodor, du hast heute die gesamte Intensiv in Weiteau hingemetzelt. Du hast eine 97 Jahre alte Nonne die Treppe runter... und dann auch noch eine halbe Stunde lang schreien lassen. SENSEN-KIND Hätt ich die nicht schreien lassen sollen? SENSEN-PRÄSIDENTN Hans Theodor, du hättest diese Nonne, mit 106 oder 107... SENSEN-KIND (einwerfend) Die Treppe runter. SENSEN-PRÄSIDENTIN Nein. Das Fenster leicht geöffnet, ein kleiner Luftzug, eine kurze schwere Erkältung... SENSEN-KIND Und erst mit 107? SENSEN-PRÄSIDENTIN Ja, Hans Theodor. Du hast alle auf der Intensiv erwürgt. SENSEN-KIND Ja. Denen blieb die Luft weg. (lacht) Ich habe einen Witz gemacht. Du musst jetzt lachen. SENSEN-PRÄSIDENTIN Hans Theodor, Weitau ist ein Kurort mit internationalem Ruf. Hat dir das deine Mutti nie beizubringen versucht? Hans Theodor, du wirst vielleicht bald eine andere Mutti bekommen. Mutti wird weit weggehen. Sehr weit. SENSEN-KIND Und wir gehen nicht mit? SENSEN-PRÄSIDENTIN Nein. SENSEN-KIND Und auch einen anderen Vati? SENSEN-PRÄSIDENTIN Einen anderen...? SENSEN-KIND (einfallend) Bekomme ich auch einen anderen Vati? 117 SENSEN-PRÄSIDENTIN Nein. nein, nein. (Auftritt ROBERTS. Er entblößt sich von Neuem.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Herr Gerster! HERR GERSTER Halten sie ihn. SENSEN-KIND (zu GEFLOGS-PERSONEN) Haltet ihn! Stopp! (Musik/Ballett stoppt. ROBERTS wird von GEFOLGS-PERSONEN festgehalten und präsentabel gemacht. SENSEN-KIND steht mir erhobener Sense vor ROBERTS.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Nein, Hans Theodor. Nicht mit deiner Sense. Und warum nicht? SENSEN-KIND Weil Weiteau ein Kurort ist. SENSEN-PRÄSIDENTIN Mit? SENSEN-KIND Mit internationalem Ruf. SENSEN-PRÄSIDENTIN Ja, Hans Theodor. Herr Gerster, bitte. HERR GERSTER Soll ich...? (zeigt auf Roberts, Handbewegung: "Kopf ab") SENSEN-PRÄSIDENTIN Ja bitte. Herr Roberts wird seine Kur augenblicklich beendet und überführt werden auf das seine Angehörigen endgültig und ohne weitere Unkosten ihm ihren letzten Respekt erweisen können. HERR GERSTER Zu Befehl, Frau Präsidentin. (gibt Anweisungen) 118 (Eine GEFOLGS-PESONE hält ROBERTS fest, eine andere übergibt HERR GERSTER Flasche.) HERR GERSTER Danke sehr. Ich werde diese Flasche benützen. (Pause) SENSEN-PRÄSIDENTINB Herr Gerster, bitte. HERR GERSTER Ja. Als Kranz nehme wir nur ganz schlichte weise und rote Rosen. Nein, nur eine weise und eine rote. Das ist schlicht aber effektvoll. (zu Roberts) Just one white and one red rose. BECKBROT Schaut mal. Für den Roberts wird ´s ernst. PRENZLAFF Ja. So muss de mit Engländern umspringen. Alles andere hat überhaupt keinen Wert. SENSEN-PRÄSIDENTIN Herr Gerster, bitte. BANDER Zu Befehl. (holt mit Flasche aus) Sir Roberts, I am terrible sorry. SENSEN-PRÄSIDENTIN Nein. Stopp. Sie werden Ihre Sense benützen. HERR GERSTER Das ist verboten. SENSEN-PRÄSIDENTIN Sie haben meine ausdrückliche Erlaubnis dazu. (HERR GERSTER bekommt von GEFOLGS-PERSONEN seine Sense überreicht und hält diese in die Höhe vor ROBERTS.) HERR GERSTER I am terrible sorry. Einen Augenblick bitte. 119 (HERRR GERSTER übergibt Sense einer GefolgsPerson und krempelt sich die Ärmel rauf und arrangiert seine Kutte) BANDER Stopp. Alle herhören. Wir werden nun ein anderes Ballett tanzen. VON HENNEN Das finde ich keine gute Idee. BECKBROT Ich wäre auch dafür nichts neues einzustudieren. BANDER Was wir hier machen, das passt jetzt nicht mehr. VON HENNEN Ich meine, was wir hier machen das reicht. BANDER Herr Heinrichsen, in meinem neuen Ballett gibt es vielleicht eine wunderschöne Rolle für Sie. BUSLOV (leicht begeistert) Ja? BANDER Gut. Also wenn mein Talent so gefragt ist, dann werde ich eben klein beigeben und ein weiteres Ballett choreographieren. Raus! Alle Raus! (scheucht mit Sense) BUSLOV Und an welche Musik haben Sie gedacht? BANDER Da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. BUSLOV Haben Sie schon irgend eine Idee für Ihr Ballett?` BANDER Nein. Keine Ahnung. Raus! SENSEN-PRÄSIDENTIN Herr Gerster? Wir warten? (HERR GERSTER bekommt von GEFLOGS-PERSON SENSE überreicht.) 120 HERR GERSTER Danke sehr. I am terrible sorry. Ich führe nur Befehle aus. I am only obeying orders. ROBERTS (Rückenschmerzen) Ah. HERR GERSTER Sie werden sich gleich viel besser fühlen. (holt mit Sense aus) ROBERTS No. Germany gut! (HERR GERSTER dreht Sense um und schlägt ROBERTS mit Sensenstil KO.) HERR GERSTER Befehl erfolgreich ausgeführt. (ROBERTS kommt zu sich befreit sich, gibt SENSEN-KIND Kinnhaken. SENSEN-KIND fliegt über Bühne und bleibt bewusstlos liegen.) HERR GERTER Oh Gott. Er lebt noch. (ROBERTS steht mit Sensen-Kind ´s erhobener Sense vor SENSEN-PRÄSIDENTIN.) HERR GERSTER (zu Gefolgs-Personen mit Handgestik) Halt. Stopp. Sir Robert, ich appelliere an Ihre Vernunft. (steht auf) Und Ihre Einsicht. Sie können diesen Kampf nicht gewinnen. (hält Hand aus) Please. (ROBERTS übergibt HERRN GERSTER SENSE.) HERR GERSTER Thank you. Ihr letzter Tanz, bitte. Your last dance. ROBERTS Thank you. (geht ab) 121 HERR GERSTER (nachrufend) Hals -und Beinbruch! (HERR GERSTER gibt GEFOLGS-PERSONEN Anweisungen sich wieder formal aufzustellen. SENSEN-KIND kommt zu sich.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Hans Theodor. SENSEN-KIND Au, ah, da tut alles weh. (zeigt) SENSEN-PRÄSIDENTIN Du hättest vorsichtiger sein sollen. Sir Roberts ist aus England. Herr Gerster, Sie waren unfähig meinen Befehl auszuführen. Des weiteren hat Sir Roberts hat Auftrittsverbot. Sie haben Ihr Kompetenz gerade gleichzeitig über -und unterschritten. Ich werde auch was Sie betrifft in Kürze eine Entscheidung treffen müssen. (SENSEN-FRAU kommt aus Tempel. Sie trägt das Höschen von Bachus. SENSEN-PRÄSIDENTIN hält ihren Umhang vor SENSEN-KIND. Musik: Mozart Adagio.) SENSEN-FRAU Tanzen! Hallo? Ich sagte: Tanzen! SENSEN-MANN (kommt aus Tempel mit Frauenslip bekleidet) Elvira? Der soll mir meine Klamotten geben. SENSEN-FRAU Nein. Das steht dir. Ich möchte dass du etwas mit deiner femininen Seite in Kontakt kommst. (SENSEN-FRAU umarmt SENSEN-MANN und küsst ihn.) SENSEN-MANN Elvira? (befreit sich, eilt ab in den Tempel) SENSEN-FRAU Ottmar? Jetzt sei nicht immer so prüde. (eilt ab in den Tempel) (Musik stoppt) 122 SENSEN-PRÄSIDENTIN Hans Theodor, HERR GERSTER (unterbrechend) Einen Augenblick. Ich regle das. (List: Klavierkonzert Nr. 1. Alle halten ein und horchen.) HERR GERSTER Hans Theodor, da kommt gleich jemand mit einem Privatflugzeug an. In Weitau. SENSEN-KIND Zur Kur? HERR GERSTER Ja, Hans Theodor. Aus Russland. SENSEN-KIND Aus Russland? Von so weit her? HERR GERSTER (während er Sensen-Kind ´s Kutte zurecht zupft) Ja. Weitau bemüht sich zur Zeit gerade auch sehr um den russischen Markt. (VITELA kommt mit Hupferchen auf die Bühne und bleibt mit beiden Armen und Gesicht nach oben streckend regungslos stehen. Er trägt knappen, schwarzen Sportslip.) HERR GERSTER Meinst du, du schaffst das? Diese Privatmaschine? Es darf aber über Weitau keine Explosion geben. SENSEN-KIND Weil es ein Kurort is´. HERR GERSTER Ja, Hans Theodor. SENSEN-KIND Wir könnten die Benzinzufuhr unterbrechend. Ich weiß wie das geht. Dann gibt ´s keine Explosion. Ich habe das mit Vati schon mal gemacht. HERR GERSTER Dann schnell, Hand Theodor. 123 SENSEN-KIND Die Benzinzufuhr. HERR GERSTER Ja. (SENSEN-KIND geht ab.) SENSEN-PTÄSIDENTIN Danke sehr, Herr Gerster. (Herr Gerster macht leichte Verbeugung.) BANDER (schaut auf die Bühne) Herr Vitela? Um Gottes Willen. Wir sind noch am Proben. Ich habe Ihre Rolle doch noch gar nicht choreographiert? Stopp. (Klavierkonzert stoppt.) BANDER Und wir hatten uns gegen dieses Kostüm ausgesprochen. (BANDER führt VITELA ab. SENSEN-FRAU kommt einen Joint rauchend aus dem Tempel gefolgt von SENSEN-MANN.) SENSEN-MANN Elvira, komm hier rein. SENSEN-FRAU Relax. SENSEN-MANN Dann zieh dir wenigstens was über. SENSEN-FRAU Relax. No problem. SENSEN-MANN Und wo sind jetzt die anderen? SENSEN-FRAU Wer? SENSEN-MANN Deine Kurgäste?! SENSEN-FRAU Relax. 124 (Klavierkonzert) SENSEN-FRAU Da. Die tanzen. No problem. SENSEN-MANN Und sage nicht immer: "No problem". (HERR GERSTER räuspert sich. SENSEN-MANN sieht SENSEN-PRÄSIDENTIN und kniet sofort.) SENSEN-FRAU Ottmar. (lacht) (SENSEN-FRAU wirft sich über knienden SENSEN-MANN, stürzt ihn um und liegt dann neben ihm auf dem Rücken.) SENSEN-MANN Elvira? SENSEN-FRAU Otti. SENSEN-PRÄSIDENTIN (über Sensen-Frau stehend) Frau E. SENSEN-FRAU Frau Präsidentin. (SENSEN-FRAU und SENSEN-MANN knien. HERR GERSTER macht aufgeregt Arm, -und Handzeichen. EINE GEFOLGS-PERSON geht ab in den Tempel. RENTNER kommen aus verschiedenen Richtungen mit Sprüngchen auf die Bühne und bleiben in Pose - mit Armen und Gesicht nach unten - regungslos stehen.) BANDER Nein. Das sieht unmöglich aus. Stopp! (Musik stoppt) BANDER Alle raus. (zu Sensen-Präsidentin) Entschuldigung. Das taug noch überhaupt nichts. (Alle RENTNER gehen ab.) 125 SENSEN-PRÄSIDENTIN Speed, LSD, Kokain... SENSEN-FRAU (einwerfend) Ich habe nur einen kleinen Joint... und ein bisschen was getrunken. SENSEN-PRÄSIDENTIN Ich rede über die Ihnen anvertrauten Kurgäste. Frau E, Weiteau ist ein Kurort mit internationalem Ruf? SENSEN-FRAU Das sind alles schon wandelnde Apotheken. Das ist was ich immer sage. (Klavierkonzert. RENTNER kommen mit Sprüngchen auf die Bühne und bleiben in bewegungsloser Pose - mit einem Arm und mit Gesicht nach oben streckend - stehen.) BANDER Nein. Unmöglich. Stopp! (Musik stoppt) BANDER Alle raus. Das taugt immer noch nichts. (zu Sensen-Präsidentin) Entschuldigung. Wir sind noch nicht ganz so weit. Aber gleich geht ´s los. HERR GERSTER Soll ich...? SENSEN-PRÄSIDENTIN Nein. Weiter tanzen lassen. HERR GERSTER (leicht salutierend) Zu Befehl. (BANDER gefriert) BROTBECK Herr Bander? PRENZLAFF Herr Bander? (berührt BANDER) 126 BECKBROT Er hat sich schon vorher einmal nicht besonders wohl gefühlt. Er sagte, es gehe dem Ende zu mit ihm. Herr Bander? (berührt) BANDER Raus! BROTBECK Ah. (weicht zurück) BANDER Alle raus. Schnell. Ich habe eine Inspiration. (RENTNER gehen ab. FÜCHSEN wird von GEFOLGSPERSON auf Bare auf aus Tempel getragen.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Herr Füchsen. FÜCHSEN Musik ist so wichtig für die geistige und seelische und das wirkt sich auch auf ahm der bio-geo-logoogelste (hält ein) SENSEN-PRÄSIDENTIN Über was redet er? HERR GERSTER Über den biogenetisch -beziehungsweis optimal-genetischen Energiehaushalt, so nehme ich an. SENSEN-PRÄSIDENTIN Ja. Natürlich. (Klavierkonzert. RENTNER außer VITELA kommen auf die Bühne gerannt und werfen sich mit ausgestreckten Armen flach auf den Boden.) BANDER Nein. Stopp. (Musik stoppt) BANDER Eine Blamage. (zu Füchsen) Und wo warst du bitte? 127 FÜCHSEN Ich war auf eine Orgie. BANDER Wir tanzen hier schon stundenlang? Du hast uns gefehlt? Wo warst du? FÜCHSEN Ich war auf einer Orgie. BANDER Ah ja. Und Schneewittchen war auch da. Jetzt aber Schluss damit. Ich choreographiere gerade ein neues Ballett. PRENZLAFF Herr Oberkünstler, war die Blamage gerade diese Inspiration? Oder kommt sie erst noch? Oder ist sie vielleicht hängen geblieben irgendwo? Unterwegs? Die Inspiration. BECKBROT Oder will sie heute nicht so richtig? BANDER Noch einen Ton von irgendjemandem und ich werfe ich den ganzen Bettel hin. Ich rackere mich hier ab. Was hilft mir die größte Inspiration (zu Sensen-Präsidentin) wenn ich es mit Trampeltieren zu tun habe. Raus. Alle raus! (ALLE RENTNER sind stöhnend und sich stützend im Abgehen begriffen wenn VITELA auf die Bühne gerannt kommt und sich mit ausgestreckten Armen flach auf den Boden wirft.) BANDER Herr Vitela!! BUSLOV An Ihrer Stelle würde ich mir meinen Energiehaushalt ökonomischer einteilen. Und das wird Ihnen auch jeder Arzt sagen. Positiv denken das macht einen Unterschied. Einen gewaltigen Unterschied. Ich spreche da aus Erfahrung. BANDER Alle raus! (Alle RENTNER gehen ab; ROBERTS tanzend) 128 SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E, diese, alle diese, jeder einzelne Ihnen anvertraute Kurgast sollte seine Kur bereits beenden haben. Drei dieser Kurgäste sollten bereits beigesetzt, Herr Roberts bereits überführt sein. Angehörige Herrn Roberts sind bereits zum zweiten Mal vergeblich zu seiner Beisetzung angereist. Die Unkosten für zwei stornierte Beisetzungen belaufen sich auf über 10tausend Pfund. Teile dieser Unkosten müssen wie es scheint sogar vom Deutschen Steuerzahler beglichen werden. Ich hatte Ihnen streng verboten weiterhin Kurgäste aus Weiteau sich zu Tode tanzen zu lassen. SENSEN-FRAU Ich bestehe einfach auf etwas Freiraum. Freiraum... SENSEN-PRÄSIDENTIN (einfallend) Zur künstlerischen Selbstentfaltung. SENSEN-FRAU Ja! SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E, und heute begingen heute mit einem Kurgast flagrante delicto. Nein, dieser Kurgast nahm sogar an einer Ihrer Orgien teil. SENSEN-FRAU (einwerfend) Vier sind noch keine Orgie. Das war keine richtige Orgie. Es war mehr... SENSEN-PRÄSIDENTIN (weiterhelfend) Ein pas de Quatre. Ja. Und diese Orgien, nein, Entschuldigung, sagen wir lieber: ihr phantasievolles Sexualleben - ist dieses ihr phantasievolles Sexualleben auch Teil Ihrer künstlerischen Selbstentfaltung? Und ich glaube es ist hier angebracht Sie auch noch einmal an den von Ihnen in Weiteau verursachten Sachschaden plus Verkehrschaos zu erinnern. SENSEN-FRAU Die Abgaswerte. Ja. Sehr wichtig. SENSEN-PRÄSIDENTIN Frau E, Weiteau ist ein Kurort mit internationalem Ruf. SENSEN-FRAU (schnippisch/ironisch) Ach wirklich? Zum ersten Mal das ich das höre. 129 SENSEN-FRAU (fortgesetzt, leidenschaftlich) Ich liebe einfach den Tanz! Und die Kunst. Und darum versuche ich meine Arbeit... SENSEN-PRÄSIDENTIN (einfallend) Künstlerisch zu gestalten. Ja. Natürlich. (HERR GERSTER gibt Anweisungen. EINE GEFLOGS-PERSON geht ab in den Tempel.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Ich verstehe. Bitte übergeben Sie mir Ihre Sense. SENSEN-FRAU Ahm? HERR GERSTER Einen Augenblick. Ich regle das gerade. (GEGOLGS-PERSON kommt zurück mit Sensenstücken und FUDU. SENSEN-PRÄSIDENTIN schaut scharf auf SENEN-MANN. SENSEN-MANN schaut scharf zurück.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Ah, Ihre Sense. Und alle Teile davon. Oder fast alle. (HERR GERSTER gibt Anweisungen. Sensen-Teile werden vor SENSEN-FRAU abgelegt außer einem Teil den SENSEN-PRÄSIDENTIN in die Hand nimmt.) SENSEN-RÄSIDENTIN Mit dieser symbolischen Handlung... (SENSEN-FRAU nimmt SENSEN-PRÄSIDENTIN das Stück Sense aus der Hand, wirft dieses zur Seite und befördert mit Fuß die restlichen Sensenstücke seitwärts und nimmt FUDU zu sich.) SENSEN-MANN Elvira. (Klavierkonzert. SCHNEIBER läuft auf die Bühne und wird von BANDER sofort von der Bühne gezogen.) SCHNEIBER Ah. 130 (Musik stoppt) SENSEN-FRAU Ich kenne mein Schicksal. Und du kennst es auch. Sie weiß wirkliches Talent nicht zu schätzen. Wirkliches Talent ist heutzutage nicht mehr gefragt. Aber es wird eine Zeit kommen wenn man sich an mich erinnern wird. Ich werde über sie triumphieren. Gibt mir deine Hand. (SENSEN-FRAU nimmt SENSEN-MANN `S Hand. SENSEN-MANN schaut auf HERRN GERSTER der Anweisung gibt: aufstehen. SENSEN-MANN steht auf.) SENSEN-FRAU Zusammen in den Tod gehen. Der Tod, der raison d´etre unserer Existenz. Ja, zusammen werden wir in den Tod gehen. Für immer werden wir ab heute zusammen sein. Für immer... (Klavierkonzert. Ballett beginnt: Alle RENTNER kommen von verschiedenen Richtungen mit Sprüngchen auf die Bühne mit beiden Armen nach unten und Gesicht nach oben.) SENSEN-FRAU ... Bis in alle Ewigkeit. Du und ich. Zusammen werden wir in den Tod... SENSEN-MANN (unterbrechend) Jetzt wart mal. Nicht ganz so schnell. Sie hat nichts von mir gesagt. SENSEN-FRAU Du willst deine eigene Frau alleine in den Tod schicken? Ohne ihr zu folgen. SENSEN-MANN Ich muss mich um Hans Theodor kümmern. (Beginn erster Tanzszene) SENSEN-FRAU Du dich um den Jungen kümmern? Er hat unter deiner Aufsicht die ganze Intensiv in Weiteau hingemetzelt?! SENSEN-MANN Du hast hier eine Orgie arrangiert ... 131 SENSEN-FRAU (einwerfend) Vier sind noch keine Orgie! SENSEN-MANN (übertönend) ... anstatt dich um eine dir anvertrauten Kurgäste angemessen zu kümmern! Und der Hund war auch immer dabei! SENSEN-FRAU Ach? Ich habe? Bla bla bla. Du hast dich ganz schön amüsiert mit Bachus zusammen. SENSEN-MANN Ach nein? Das ist wieder mal typisch. Zuerst arrangierst du eine Orgie und dann habe ich mich daneben benommen. SENSEN-FRAU Das habe ich nicht gesagt. SENSEN-MANN Und was hast du dann gesagt? VITELA Runter von der Bühne! (SENSEN-MANN und SENSEN-FRAU gehen streitend an den Rand der Bühne. HERR GERSTER und GEFOLGS-PERSONEN folgen Ihnen tanzend als Teil des Balletts.) SENSEN-FRAU Ich habe nur festgestellt, dass du dich mit Bachus oft mehr abgegeben hast als mit mir. (GEFLOGS-PERSONEN werden von HERRN GERSTER tanzend in formale Aufstellungen dirigiert.) SENSEN-MANN Ja und? Ich soll doch "etwas mit meiner femininen Seite in Kontakt kommen." SENSEN-FRAU Aber mit Niveau bitte. SENSEN-MANN Ach? Ich habe mich auf deiner Orgie daneben benommen? Na so was? Und wie bitte schön benimmt man sich auf einer Orgie? Er hat sich mit mir abgegeben. Und an dich bin ich ja kaum mal rangekommen. Wegen deinem Kurgast. 132 SENSEN-FRAU Musst du immer mit mir herumstreiten? Hast du mir sonst nichts zu sagen? Ich warte? (HERR GERSTER reiht sich solo in das Ballett ein.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Herr Gerster. Herr Gerster! HERR GERSTER Ah. Entschuldigung. (HERR GERSTER geht weniger und weniger tanzend zur Seite und bleit dort mit GEFOLGS-PERSONEN in malerischer Pose stehen.) SENSEN-FRAU Und? Hast du mir sonst nichts zu sagen. Ich warte immer noch, Ottmar. (Flugzeuglärm) SENSEN-MANN Du hast dir die Suppe eingebrockt, jetzt löffelst du sie auch aus. (Explosion) SENSEN-FRAU Hans Theodor. HERR GERSTER Vielleicht ein Feuerwerk? Ein Kurkonzert mit anschließendem Feuerwerk? SENSEN-MANN Das war kein Feuerwerk. (SENSEN-KIND kommt angeflogen.) SENSEN-KIND Hallo Papi. SENSEN-MANN Das war gerade so ´ne Privatmaschine. SENSEN-KIND Aus Russland. Ja. 133 SENSEN-MANN So ´ne Privatmaschine von ´nem Kurgast. Und du hast versucht die Benzinzuführ abzudrehen. Warum hat das nicht geklappt? SENSEN-KIND Ahm... (hält ein) SENSEN-MANN Du musst mehr aufpassen, Hans Theodor, wenn ich dir was erkläre. SENSEN-KIND Nein, du musst mehr aufpassen, Vati. Schau mal. Da. Ich mach mit der Privatmaschine gerade eine Lawine. Und mit der Lawine krieg ich ´n Skifahrer. Da. Jetzt. Bum! SENSEN-MANN (zu Sensen-Präsidentin) Er ist schon sehr reif für sein Alter. SENSEN-PRÄSIDENTIN Ja. Sehr reif. Herr Ottmar, ich glaube es wird Zeit, dass jemand einen mäßigenden Einfluss auf Ihren Sohn ausübt. SENSEN-KIND Hände hoch! (Beginn Sterbeszene der RENTNER mit jeweiligem Solo.) SENSEN-MANN Wo hast du die Knarre her? SENSEN-KIND Das sage ich nicht. SENSEN-MANN Von wo? Von wo, Hans Theodor? SENSEN-KIND Das is ´n Geheimnis. SENSEN-MANN Von der Spezialeinheit. Bundeswehr. Mh? SENSEN-KIND Ja. (zeigt) 134 SENSEN-MANN Und was willst du mit dem Ding tun? SENSEN-KIND Das sage ich nicht. SENSEN-PRÄSIDENTIN Hans Theodor. Dein Vater möchte gerne wissen was du mit dieser Schusswaffe vorhast. Und ich auch. SENSEN-KIND Den Revolver will ich so ´nem ganz frustrierten Pfleger im Kurheim geben. SENSEN-PRÄSIDENTIN (unterbrechend) Hans Theodor! Das darf man nicht. Und warum nicht? SENSEN-KIND Weil Weiteau ein Kurort ist. SENSEN-PRÄSIDENTIN Mit? SENSEN-KIND Mit internationalem Ruf. SENSEN-PRÄSIDENTIN Ja. Weiteau ist der exklusivste Kurort Deutschlands. SENSEN-KIND Und wo darf man das dann tun? SENSEN-PRÄSIDENTIN Das wirst du noch alles lernen. SENSEN-KIND Und wann? SENSEN-PRÄSIDENTIN In ein paar Jahren. SENSEN-KIND In ein paar Jahren?! Warum nicht jetzt gleich?! SENSEN-PRÄSIDENTIN Herr Ottmar, Sie haben Führungs -und andere Qualitäten. Sie sind ein Mann wie es ihn selten gibt. Sie sind ein Mann der schnell versteht. Und schnell handelt. SENSEN-MANN Da haben Sie Recht. 135 SENSEN-PRÄSIDENTIN Ich habe immer Recht. (RENTNER bleiben einer nach dem anderen, das Gesicht mit schwarzem Tuch bedeckt auf der Bühne liegen; FÜCHSEN auf Bahre.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Ah, Ihre Augen: wie ein Tiger. Bevor er einem die Kehle durchbeißt. Und meine Augen? SENSEN-MANN Wie eine Schlange bevor sie einen... (hält ein) SENSEN-PRÄSIDENTIN Erwürgt? SENSEN-MANN Ja. SENSEN-PRÄSIDENTIN Ah, Ottmar. SENSEN-KIND Aber so richtig international sind die gar nicht. Da war nur ein Engländer. SENSEN-MANN (überschneidend) Das darfst du uns ein anderes Mal erzählen. SENSEN-KIND Warum nicht jetzt? SENSEN-FRAU Hans Theodor. SENSEN-KIND (sieht Sensen-Frau) Mutti? (SENSEN-PRÄSIDENTIN hält SENSEN-KIND zurück.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Hans Theodor, deine andere Mutti hat jetzt keine Zeit. Deine andere Mutti geht jetzt gleich weit weg. SENSEN-FRU Sie Walross! Mit Ihrer Zuckerrüben-Visage! 136 (Tanzszene ALBRECHT) SENSEN-MANN Hans Theodor das ist deine neue Mutti. Komm, gib Mutti ein Küsschen. SENSEN-PRÄSIDENTIN Hans Theodor. (SENSEN-PRÄSIDENTIN umarmt und küsst Hans Theodor.) SENSEN-MANN (bückt sich) Und warum hat das vorher nicht geklappt? Mit dem Flugzeug? Die Explosion? (HERR GERSTER schaut scharf von hinten auf den sich bückenden SENSEN-MANN.) SENSEN-PRÄSIDENTIN Das hat alles wunderbar geklappt. Da haben die wahrscheinlich in der Maschine irgendwas probiert. Komm zu mir, Hans Theodor. Dein Vati darf nicht mit dir böse sein. Das erlauben wir ihm nicht. HERRR GERSTER Mein neuer Master. (verbeugt sich leicht mit Kopf vor Sensen Mann, zu Sensen-Kind) Ich werde gut auf deinen Vati aufpassen. SENSEN-PRÄSIDENTIN Kein Kurgast wird ab heute noch in einem Deutschen Kurort zu Tode getanzt werden. (HERR GERSTER gibt Anweisungen und reiht sich dann hinter GEFOLGS-PERSONEN und hinter SENSEN-RÄSIDENTIN; SENSEN-MANN und SENSENKIND formal ein. SENSEN-FRAU flüstert SENSEN-MANN ins OHR. SENSEN-MANN will daraufhin SENSEN-FRAU FUDU wegnehmen.) SENSEN-FRAU Nein. SENSEN-MANN Gibt den Köder her. (FUDU wird etwas hin -und hergezogen.) 137 SENSEN-PRÄSIDENTIN Den wird mein kleiner Hans Theodor als Kampfhund abrichten. SENSEN-KIND Aus dem wird nie ein Kampfhund. SENSEN-MANN (überschneidend) Das is ´ne tolle Idee. SENSEN-KIND Aus dem wird nie ein... SENSEN-MANN (unterbrechend) Hans Theodor. SENSEN-KIND Ja? SENSEN-MANN Ja, Mutti. SENSEN-KIND Ja, Mutti. SENSEN-MANN Man widerspricht seiner Mutti nicht. SENSEN-KIND Nein, Vati. Vati mir hat jemand meine Knarre geklaut. SENSEN-PRÄSIDENTIN Ich muss sie liquidieren. Sie hat den Kurort Weitau in Verruf gebracht. SENSEN-KIND Vati? SENSEN-PRÄSIDENTIN Sie hätte es fertig gebracht die gesamten deutsche zu Kurindustrie ruinieren. (GEFOLGS-PERSONEN, HERR GERSTER, SENSENPRÄSIDENTIN, SENSEN-MANN und SENSEN-KIND und FUDU gehen ab.) SENSEN-KIND Vati, mir hat... 138 SENSEN-MANN (unterbrechend) Ruhe. Deine neue Mutti möchte nicht, dass du so viel redest. (Ende Klavierkonzert. Beginn: konstante Klaviernote.) SENSEN-FRAU Hans Theodor. (SENSEN-FRAU hebt Schleier auf unter dem FÜCHSEN auf Bahre liegt. Schuss. RENTNER richten sich alle zusammen auf. Letzte Tanzszene.) SENSEN-FRAU Sir Robert. BROTBECK Der Roberts hat sich eine Kugel durch den Kopf gejagt. BANDER Also irgend was ham se, die Engländer. Das musst ´n lassen. SENSEN-FRAU Sir Robert. (SENSEN-FRAU beugt sich über ROBERTS.) SENSEN-FRAU Weg. Ah. Sie Robert. Ja, ich habe mich verliebt in ihn. Er wäre der perfekte Mann für mich gewesen. Er hatte solch Stil, solchen Humor, ein so perfektes Benehmen. (SENSEN-FRAU rollt Füchsen von unter großer Anstrengung von der Bahre und legt Roberts darauf. Sie zieht ROBERTS auf Bahre mit choreographierten Schritt hinter sich her. RENTNER bleiben auf Bühne liegend zurück. BACHUS kommt aus Tempel. Er lacht und geht mit letzter Klaviernote in Pose.) (Vorhang) 139 140 141 142 143 144 145