Diese Reportage handelt von Burnout in Deutschland. Dirk Schalle

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Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt
Karen Nabe Nielsen
Katrine Knudsen
Aalborg Universitet
International Virksomhedskommunikation
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ................................................................................................................................................... 3
2. Methode ...................................................................................................................................................... 5
2.1 Hermeneutik ....................................................................................................................................................... 7
2.2 Sozialkonstruktivismus .................................................................................................................................... 7
2.3 Analysemodell: Kritische Diskursanalyse ................................................................................................... 8
2.3.1 Soziale Praxis ............................................................................................................................................................ 10
2.3.2 Textuelle Praxis ........................................................................................................................................................ 10
2.4 Theoretische Grundlage ................................................................................................................................ 11
2.5 Empirie .............................................................................................................................................................. 12
2.5.1 Jana B. 2014: Erfahrungsbericht ......................................................................................................................... 12
2.5.2 SWR Landesschau 2013: Interview mit Jennifer Bentz .............................................................................. 12
2.5.3 Planet Wissen 2013: Interview mit Natascha Derbort ................................................................................. 12
2.5.4 Spiegel TV 2011: Massendiagnose Burnout ................................................................................................... 13
2.5.5 Das Erste 2014: Reise durch ein krankes Land .............................................................................................. 13
2.5.6 Audi 2014: Interview von Webseite ................................................................................................................. 14
2.5.7 Beiersdorf 2014: Webtext ..................................................................................................................................... 14
2.5.8 Deutsche Bank 2014: Webtext ............................................................................................................................ 14
2.5.9 Opel 2014: Webtext ................................................................................................................................................ 15
3. Theorie über die moderne Identität .................................................................................................. 16
3.1 Die enttraditionalisierte Gesellschaft.......................................................................................................... 16
3.2 Die kulturelle Freisetzung ............................................................................................................................. 17
3.3 Anpassungsfähigkeit ....................................................................................................................................... 17
3.4 Die hohe Geschwindigkeit der gesellschaftlichen Veränderungen ...................................................... 18
3.5 Trennung von Zeit und Raum ...................................................................................................................... 18
3.6 Die abstrakten Systeme .................................................................................................................................. 19
3.7 Selbstreflexion .................................................................................................................................................. 20
3.8 Konsumabhängig und Selbstdarstellung durch Konsumgüter ............................................................ 21
3.9 Angst und Unsicherheit.................................................................................................................................. 22
4. Analyse ..................................................................................................................................................... 23
4.1 Darstellung der Stressursachen durch Betroffene .................................................................................. 23
4.1.1 Identität - ein reflexives Projekt ......................................................................................................................... 23
4.1.2 Erweiterung von Erwartungen, Träumen und Sehnsucht im Leben ........................................................ 25
4.1.3 Selbstdarstellung durch Konsumgüter .............................................................................................................. 29
4.1.4 Angst und Unsicherheit ......................................................................................................................................... 30
4.1.5 Hohe Geschwindigkeit der gesellschaftlichen Veränderungen und Trennung von Zeit und Raum
.................................................................................................................................................................................................. 32
4.1.6 Aktives Handlungsmodell des Alltags .............................................................................................................. 33
4.1.7 Anpassungsfähigkeit ............................................................................................................................................... 36
4.2 Darstellung der Stressursachen durch Unternehmen ............................................................................ 39
4.2.1 Anpassungsfähigkeit ............................................................................................................................................... 39
4.2.2 Hohe Geschwindigkeit und Trennung von Zeit und Raum ........................................................................ 40
4.2.3 Aktives Handlungsmodell des Alltags .............................................................................................................. 41
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5. Präsentation und Bewertung von unternehmerischen Maßnahmen vor dem Hintergrund
der dargestellten Ursachen ...................................................................................................................... 41
5.1 Gesundheitliche Programme ........................................................................................................................ 41
5.2 Flexible Arbeitsmodelle ................................................................................................................................. 43
5.3 Wiedereingliederungsprogramme ............................................................................................................... 44
5.6 Sportliche Maßnahmen .................................................................................................................................. 45
6. Konklusion und Ausblick .................................................................................................................... 48
7. Literaturverzeichnis ............................................................................................................................. 50
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1. Einleitung
Gesundheit ist kein neuer Begriff. Aber was ist eigentlich Gesundheit, insbesondere mentale
Gesundheit. Gesundheit wurde 1946 von WHO folgendermaßen definiert: „Gesundheit ist ein
Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das
Fehlen von Krankheit und Gebrechen” (Niedersachsen 2014). Schon damals war Gesundheit auch
mit geistigem Wohlbefinden verbunden, und das ist es immer noch, vielleicht mehr als je zuvor.
Neue Begriffe sind entstanden, wie Zeitmanagement, Gesundheitsmanagement und Work-LifeBalance. In der gegenwärtigen Gesellschaft geht es darum, die geistige und körperliche Gesundheit
zu kombinieren. In diesem Zusammenhang hat der Arbeitsplatz eine große Bedeutung, und viele
Unternehmen
arbeiten
auch
zielgerechtet
damit.
Gesundheitsförderung
ist
eine
Managementaufgabe, und auch Teil der Unternehmensstrategie geworden (Bundesministerium
2014). Viele Unternehmen arbeiten mit Krankenkassen zusammen, wenn sie gesundheitliche
Maßnahmen implementieren möchten. Die steigende Interesse für Gesundheitsmanagement kann
auf dem demografischen Wandel beruhen. Trotzdem sind die psychischen Umstände in den
Unternehmen ein wichtiger Teil des Gesundheitsmanagements und der vorsorgenden Maßnahmen.
Im Mittelpunkt steht zum Beispiel das Burnout Syndrom. Ein Burnout entsteht wenn der Betroffene
über längere Zeit durch Überforderung psychisch erschöpft wird. Laut Professorin Isabelle Häuser
sind Burnout und Depression rein medizinisch dasselbe, aber der Begriff Depression hat ein “looser
Image” (Das Erste 2014, 04:52-05:33). Im Begriff Burnout liegt dagegen eine implizite Vorstellung
davon, dass der Betroffene vor dem Burnout wirklich “gebrannt” hat. Wenn man an Burnout leidet,
wird es also angenommen, dass man vor dem Burnout erfolgreich und arbeitsam war. Das Burnout
kommt dann vor, wenn der Betroffene sich selbst überfordert. Diese Vorstellung liegt nicht im
Begriff Depression. Der Begriff Depression hat negative Konnotationen, und wird häufiger als
Tabu, im Vergleich zu Burnout, betrachtet. Dies wird von Stressforscher Dr. Oettinger bestätigt. Er
freut sich über den Begriff Burnout, weil er meint, dass viele Personen nie einstehen würden, dass
sie unter Depression leiden - aber ein Burnout zu gestehen ist einfacher. Doch wissenschaftlich
verbirgt der Begriff Burnout je nach Person viele verschiedenen Symptome und Merkmale, weshalb
Burnout zwischen Fachleuten ein schwebender Begriff ist (Planet Wissen 2013, 14:33-15:22). Trotz
aller unternehmerischen Maßnahmen werden immer mehr Mitarbeiter von Stress und
stressbedingten Krankheiten getroffen. Laut einer Untersuchung von der TK Krankenkasse sind
heute mehr Personen als je zuvor gestresst (TK Studie 2013), und laut Spiegel TV leiden 9
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Millionen unter dem Burnout Syndrom (Spiegel TV 2011). Die TK Studie zeigt auch, dass 61% der
Deutschen finden, dass das Leben stressiger als vor 15-20 Jahren (TK Studie 2013, 27).
Bemerkenswert ist es, dass immer mehr Personen Stress und stressbedingte Krankheiten erleben, in
einer Zeit mit besseren Lebensbedingungen als vorher.
Wir leben in einer Gesellschaft, die Selbstrealisation ermöglicht, dass wir uns selbst realisieren
können, zum Beispiel durch Wahl von Ausbildung, Karriere oder Wohnort. Obwohl es
weitverbreitet ist, dass wir auf unsere Gesundheit achten müssen, und dass die Unternehmen im
hohem Maße auf Gesundheit fokussieren, und viele Maßnahmen gegen Stress anbieten, wie kann es
dann sein, dass immer mehr Menschen an stressbedingten Krankheiten leiden?
Infolge von der obenstehenden Frage und den Betrachtungen haben wir die folgende
Problemformulierung ausgearbeitet:
Warum erlebt heutzutage eine steigende Anzahl von deutschen erwerbstätigen Personen
stressbedingte gesundheitliche Probleme Und inwieweit spielt ‘die moderne Identität’ eine
Rolle für die steigende Anzahl von Betroffenen?

Welche Ursachen für Stress werden von den ausgewählten Betroffenen dargestellt?

Welche Ursachen für Stress werden von den ausgewählten Unternehmen dargestellt?

Welche gesundheitlichen Maßnahmen werden von ausgewählten Unternehmen
dargestellt?
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2. Methode
In diesem Abschnitt werden wir die Methode des Projekts beschreiben. Zuerst werden wir den
Zugang dieses Projekts, die hermeneutisch und sozialkonstruktivistisch ist, beschreiben. Darauf
folgt eine Erklärung unseres Analysemodells “Die kritische Diskursanalyse,” die von einer
Darstellung der Empirie gefolgt wird. Zuletzt im Methodenabschnitt werden die empirischen und
theoretischen Überlegungen darstellt und begründet. Der darauf folgende Abschnitt enthält die
Theorien. Hier werden Theorien von vier ausgewählten Theoretikern zusammengehalten, um
unsere Theorie ‘die moderne Identität’ eklektisch zu gestalten. Danach werden die Empirie und die
Theorie in der Analyse vereint. Die Analyse wird in zwei Teilen gegliedert. Erstens werden die
Erfahrungsberichte von den Betroffenen analysieret, und zweitens die Webtexte von den
Unternehmen. Die beiden Teile der Analyse werden in Untertitlen, die von der Theorie inspiriert
sind, gegliedert, weil dies den besten Überblick über den Einfluss der modernen Identität auf
Stressursachen ergibt. Nach der Analyse werden wir durch eine Bewertung die gesundheitlichen
Maßnahmen der Unternehmen anhand unseres von den Analysen erworbenen Wissens
unternehmen. Letztendlich werden wir die Ergebnisse des Projektes in der Konklusion darstellen.
Die oben erklärte Methode wird im folgenden Modell illustriert:
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Einleitung und Problemformulierung
Methode
Analysemethode: Kritische
Diskursanalyse
Theorie über die moderne Identität
Ertser Teil der Analyse: Darstellung der
Stressursachen durch Betroffene
Zweiter Teil der Analyse: Darstellung
der Stressursachen durch Unternehmen
Präsentation und Bewertung von
unternehmerischen Maßnahmen vor
dem Hintergrund der dargestellten
Ursachen
Konklusion und Ausblick
Modell 1. Projektstruktur. Darstellung d. d. Verf.
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2.1 Hermeneutik
In diesen Abschnitt werden wir die Methode des Projekts präsentieren, die hermeneutisch ist. Diese
Methode bewirkt, dass wir uns im Projekt hin und her zwischen einem Verständnis der einzelnen
Teile und der Gesamtheit des Projekts bewegen. Diese Vorgehensweise wird “der hermeneutischer
Zirkel“ genannt (Collin und Køppe 2001, 145). Unser Vorverständnis vom Projektthema wird durch
die Arbeit mit der Theorie und der Analyse entweder bestätigt oder abgelehnt, und damit wird unser
Vorverständnis geändert. Dieser Prozess wird in der Ausarbeitung des ganzen Projekts wiederholt.
In der Analyse wird jeder einzelne Empirieteil als ein Subelement von einem größeren Ganze
betrachtet. Unsere Interpretation der Empirie ist eine Kreisbewegung zwischen unserem
Verständnis der Empirie und unserem Verständnis von diesem größeren Ganze, zum Beispiel die
Gesellschaft in der die Empirie eingeht (Collin und Køppe 2001, 147).
Im nächsten Abschnitt wird der zweite Zugang des Projekts, der Sozialkonstruktivismus,
beleuchtet.
2.2 Sozialkonstruktivismus
Unser Projekt ist auf den Sozialkonstruktivismus ausgebaut. Laut des Sozialkonstruktivismus ist
unsere Weltanschauung sozial konstruiert, was auch unser Analysemodell berücksichtigt. Eine
sozialkonstruktivistische Auffassung bedeutet, dass unsere Weltanschauung nicht die Wirklichkeit
wiederspiegelt, aber dagegen ein Produkt der sozialen und menschlichen Prozesse ist (Collin und
Køppe 2011, 250). Zum Beispiel spielt die Sprache eine große Rolle in der Konstruktion der
Wirklichkeit. Die ungestaltete Wirklichkeit wird vom semiotischen Prozess der Sprache gestaltet
(Collin und Köppe 2011, 252). Durch die sozialen und menschlichen Prozesse wird ein
gemeinsames Wissen konstruiert. Dieses Wissen beeinflusst unsere Weltanschauung und damit
auch unsere soziale Handlungen, zum Beispiel wenn in einer Gesellschaft das Wissen “Frauen sind
schwach“ vorkommt, dann werden Frauen dementsprechend behandelt (Collin und Köppe 2011,
251). Das Wissen konnte beispielsweise auch sein, dass Depression Tabu ist, und Personen mit
Depression deshalb dementsprechend behandelt werden, in diesem Fall stigmatisiert. Deshalb kann
die sozialkonstruierte Weltanschauung soziale Konsequenzen ergeben. Darüber hinaus ist unsere
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Weltanschauung auch ein Produkt der Geschichte und der Kultur, in der wir leben (Collin und
Köppe 2011, 160, 165). Es gibt also keine objektive Wahrheit (Collin und Köppe 2011, 165).
Wir sind uns darüber bewusst, dass die Weltanschauung, die in unserem Projekt vorkommt, von
sozialen Prozessen, der Geschichte und der Kultur, geprägt ist. Deshalb können wir keine komplett
objektive Analyse und Interpretation erarbeiten. Wir versuchen aber, eine Kenntnis zu erreichen,
die uns damit helfen kann, unsere Problemformulierung zu beantworten.
Um Struktur in der Analyse zu erreichen, und den Zusammenhang zwischen verschiedenen Praxen
zu erklären, haben wir die kritische Diskursanalyse als Analysemodell gewählt. Dieses wird
genauer im folgenden Abschnitt erklärt.
2.3 Analysemodell: Kritische Diskursanalyse
Das dreidimensionale Modell Norman Faircloughs wird als Analysemodell dieses Projekts benutzt.
Wie die Sozialkonstruktivismus untersucht die kritische Diskursanalyse auch, wie die Wirklichkeit
durch Diskurse gestaltet wird. Die kritische Diskursanalyse ist kritisch, indem sie sich kritisch zur
bestehenden Gesellschaft verhält. Eine Diskursanalyse untersucht, wie die Sprache die Wirklichkeit
gestaltet. Wie oben erwähnt ist die Auffassung der Wirklichkeit von mehreren Faktoren beeinflusst,
wie zum Beispiel die Sprache, die Kultur usw. Deswegen ist es auch relevant mehreren Faktoren
bei der Projektarbeit, zu untersuchen, was auch für dieses Analysemodell spricht. Mit dem Nutzen
dieses Analysemodells werden wir uns mit zwei Dimensionen der Diskursen beschäftigen, und
damit werden wir eine mehrdimensionale Analyse gestalten. Wir werden keine endgültige Wahrheit
finden, aber nach möglichen Ursachen für die steigende Anzahl erwerbstätigen Betroffenen suchen.
Norman Fairclough ist emeritierter Professor in Linguistik der Lancaster Universität in
Großbritannien. Seit den 1980’er Jahren beschäftigt er sich mit Diskurs und der kritischen Analyse
davon (Acedemica 2013). Im Jahr 1992 gab er sein Buch ”Discourse and Social Change” aus,
indem er die Zusammenhänge zwischen Diskursen und der Gesellschaft erklärte (Fairclough 1992,
63). In diesem Buch wird auch die dreidimensionale Konzeption von Diskursen. Fairclough
definiert den Begriff Diskurs als den Gebrauch von geschriebenen oder gesprochenen Wörter
(Fariclough 1992, 62). Diskurse werden von sozialen Strukturen gestaltet, aber sie konstituieren
auch die sozialen Strukturen (Fairclough 1992, 64). Das heißt, dass die diskursiven Praxen dazu
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beitragen, die sozialen Praxen festzuhalten oder zu ändern. Beziehungsweise wie man über ein
Thema redet, trägt dazu bei, entweder die soziale Praxis festzuhalten, zu konstruieren oder
dekonstruieren. Es ist aber wichtig, vor Augen zu haben, dass die einzelnen Diskurse nur minimale
Auswirkung haben, aber mit der Zeit kann ein “Wissenskern” durch die Diskurse entstehen (Jäger
2007, 32-33). Die kritische Diskursanalyse kann, durch Analyse von Empirie, zu der Erklärung von
verschiedenen sozialen Praxen beitragen. Dies ist einer der Gründe, warum das Modell als Struktur
und Methode in diesem Projekt geeignet ist. Die kritische Diskursanalyse der textuellen Darstellung
kann dazu beitragen, die soziale Praxis zu verstehen. In der sozialen Praxisdimension trägt die
diskursive Praxis auch zur Konstruktion und Dekonstruktion von Machtverhältnissen, zum Beispiel
zwischen Männern und Frauen bei (Fairclough 1992, 87).
Wie erwähnt können alle Diskurse in drei Dimensionen aufgeteilt werden (Fairclough 1992, 72).
Die drei Dimensionen werden im untenstehenden Modell illustriert:
Modell 2. Fairclough 1992, 73. Darstellung d. d. Verf.
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Die drei Dimensionen sind:
Die soziale Praxis (Hier werden sowohl diskursive als auch nichtdiskursive Praxen analysiert. Die
Dimension umfasst die Gesellschaft, in der der Text sich befindet).
Die diskursive Praxis (Diese Dimension umfasst den Prozess der Produktion und Interpretation von
Texten) (Fairclough 1992, 78). Diese Praxis hat für die Beantwortung dieses Projekt kein relevanz,
weswegen wir sie nicht in unserer Analyse mit einbeziehen werden.
Die textuelle Praxis (Hier werden entweder geschriebene Texte, gesprochene Texte, Bilder oder
Illustrationen auf textueller Ebene analysiert).
Im Folgenden werden erklärt, wie wir die verschiedenen Dimensionen in unserem Projekt
anwenden werden.
2.3.1 Soziale Praxis
In unserem Projekt fangen wir mit der sozialen Praxis an. Die sozialen Praxen bestehen von sowohl
diskursiven als auch nichtdiskursiven Praxen. Deswegen muss zusätzlich zum Modell Faircloughs
auch zum Mindesten noch einen Theoretiker benutzt werden. Wir haben uns für die Theoretiker
Thomas Ziehe, Ulrich Beck, Lasse Dencik und Anthony Giddens entschieden. Wir werden im
Abschnitt Theoretischen Grundlagen die Wahl dieser Theoretiker begründen und ihre Relevanz für
dieses Projekt erhellen
2.3.2 Textuelle Praxis
Das dreidimensionale Modell kann wie erwähnt dazu beitragen, die soziale Praxis zu verstehen, und
außerdem kann es erklären, wie die soziale Praxis von Diskursen konstruiert und dekonstruiert
wird. Das Modell einhält aber auch spezifische Werkzeuge, die in der textuellen Analyse benutzt
werden können. In der textuellen Analyse dieses Projekts werden wir auf Metaphern und
Wortbedeutung in der Empirie achten. Die Metaphern werden ausgewählt und analysiert. Im Bezug
auf Wortbedeutung, werden wir die Bedeutung der einzelnen Wörter analysieren. Bei der
Entscheidung von Wörtern gibt es fast unzählige Möglichkeiten, und die Entscheidung der Wörter
erzählt viel über die soziale Praxis des Absenders (Fairclough 1992, 195). Wir ergänzen die
Werkzeuge Faircloughs mit einigen stilistischen Besonderheiten der Diskursanalyse Siegfried
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Jägers. Wir achten deswegen auch auf stilistische Besonderheiten, wie Wiederholungen und
Rhythmus in der Sprache (Jäger 2007, 36), und wir werden die Bedeutung davon analysieren.
Nach dieser Erklärung, werden wir zunächst die theoretischen Grundlagen und danach die Theorie
‘der modernen Identität’ erläutern.
2.4 Theoretische Grundlage
Die deutsche Gesellschaft hat in den letzten 30 Jahren viele Veränderungen durchgelaufen. In
gleichem Maße mit den Änderungen gibt es immer mehr Fälle von stressbedingten Krankheiten.
Um zu untersuchen inwieweit die Änderungen in der Gesellschaft mit dieser Entwicklung
verbunden sind, haben wir uns für vier Theoretiker entschlossen, die sich alle mit den
Veränderungsprozessen der Gesellschaft beschäftigen. Darüber hinaus beschäftigen die Theoretiker
sich auch mit Identität und die Änderungen der Identitätsbildung, die in der gegenwärtigen
Gesellschaft dynamischer als je zuvor sind. Die Änderungen fordern gewisse Ansprüche an die
Individuen, was zur Beantwortung unserer Problemformulierung beitragen kann. Der erste
Theoretiker ist der Soziologe Ulrich Beck. Obwohl er sich besonders mit globalen Risiken und
Umweltsproblemen in seinem bekannten Buch ”Risikogesellschaft – Auf dem Weg in eine andere
Moderne” aus dem Jahr 1986 beschäftigte, gibt es bei ihm viele Theorien und Aussagen, die im
Bezug auf Stressursachen sehr interessant sind, wie zum Beispiel persönliche Risiken. Der zweite
Theoretiker ist Anthony Giddens (2000), auch Soziologe. Er beschäftigt sich mit den Themen
Modernität und Identität. Der dritte Theoretiker ist Thomas Ziehe, der Professor in Pädagogik ist.
Wir beschäftigen uns mit seinem Buch „Plädoyer für Gewöhnliches Lernen“ aus dem Jahr 1983, in
dem er von der kulturellen Freisetzung erzählt. Der vierte Theoretiker, der in diesem Projekt dazu
beitragen soll, die Problemformulierung zu beantworten, ist Lasse Dencik (2005). Er ist Professor
in Sozialpsychologie, und beschäftigt sich mit den Kindern der Postmodernisierung. Er erklärt zum
Beispiel, wie wir uns verschiedene “sozialen Arenen” anpassen müssen. Alle Theorien werden dazu
benutzt,
die
Empirie
zu
analysieren,
um
abschließend
zur
Beantwortung
von
der
Problemformulierung beizutragen. Die Empirie und die Wahl dafür werden im nächsten Abschnitt
präsentiert und begründet.
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2.5 Empirie
Um zu untersuchen warum immer mehr Menschen unter Stress leiden, haben wir
Erfahrungsberichte von Personen, die selbst Erfahrung mit Stress oder Burnout haben, gewählt.
Diese Berichte sind der erste Teil unserer Empirie. Wir nehmen an, dass genau die Personen, die
unter Stress oder Burnout erlitten haben, Ursachen für stressbedingte Krankheiten ausdrücken
können. Wir haben sowohl Männer als auch Frauen gewählt, um einen möglichst nuancierten
Eindruck von den Betroffenen zu gewinnen. Deswegen haben wir Erfahrungsberichte von Personen
mit verschiedenen Berufen und in unterschiedlichen Lebensphasen gewählt. Der erste Teil unserer
Empirie besteht aus den folgenden Beiträgen:
2.5.1 Jana B. 2014: Erfahrungsbericht
Die 32-jährige Frau, Jana B., erzählt von ihrem Weg zum Burnout in ihrem schriftlichen
Erfahrungsbericht von der Webseite www.hilfe-bei-burnout.de. (Anhang a)
2.5.2 SWR Landesschau 2013: Interview mit Jennifer Bentz
Im Interview erzählt Jennifer Bentz von ihrem Burnout. Sie hat Publizistik studiert, und in der
Medienbranche Praktika unternommen. Sie hat das Buch „Einmal doch klarkommen“, das von
ihrem Burnout handelt, geschrieben.
2.5.3 Planet Wissen 2013: Interview mit Natascha Derbort
In der Fernsehsendung “Planet Wissen“ wird die ehemalige PR-Beraterin, Natascha Derbort, über
ihr Burnout interviewt. Die Fernsehsendung wurde auf dem Fernsehkanal WDR, Westdeutscher
Rundfunk, gesendet und ist auch auf der Webseite www.planet-wissen.de zugänglich. Wir haben
folgende Teile der Sendung gewählt, da sie die Berichte der Betroffene enthalten:
01:23-02:52
08:59-11:45
19:20-23:22
32:18-35:54
44:50-45:30
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50:13-51:20
54:56-55:16
2.5.4 Spiegel TV 2011: Massendiagnose Burnout
Die Sendung handelt von Burnout und enthält Erfahrungsberichte von Personen, die alle
persönliche Erfahrungen mit dem Burnout Syndrom haben. Die Zuschauer treffen Dirk Behrend
(Designer und Szenenbildner), Monika Kneip (Geschäftsfrau und zweifache Mutter), Nicole F.
(ehemalige Unternehmensberaterin) und Eva Dubielzig (Angestellte bei der Ausländerbehörde).
Wir haben folgende Teile der Sendung, die die Aussagen der Betroffene enthalten, gewählt:
00:16-01:21
02:44-06:28
06:42-08:19
08:31-08:56
10:17-10:39
2.5.5 Das Erste 2014: Reise durch ein krankes Land
Diese Reportage handelt von Burnout in Deutschland. Dirk Schalle (arbeitete in Online-Marketing)
und Axel Allion (ehemaliger selbständiger Versicherungsfachman) erzählen beide von ihrem
Burnout, die Zeit vor und nach der Krankheit. Von dieser Sendung haben wir folgende Teile
gewählt, da sie die Berichte der Betroffenen enthalten:
00:18-00:43
01:31-02:59
03:11-03:37
13:00-14:12
14:21-15:28
15:44-16:32
18:39-20:40
26:07-26:32
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Die Aussagen in den Reportagen und Interviews sind von den Absendern gewählt, nach dem
Wunsch eine informative, aber auch unterhaltsame Sendung zu produzieren. Darüber hinaus sind
die Sendungen von einem gewissen Nachrichtenwert geprägt, worauf wir in unserer Analyse
aufmerksam werden müssen. Wir sind uns bewusst, dass die Erfahrungsberichte und Interviews mit
den Betroffenen nicht ausreichend sind, um davon einer Generalisierung zu gestalten. Trotzdem
finden wir, dass die Erfahrungsberichte uns damit helfen können, einen Einblick in den Ursachen
für Stress und Burnout zu geben, und damit zur Beantwortung unserer Problemformulierung
mitwirken können.
Darüber hinaus haben wir Empirie von deutschen Unternehmen gewählt. In der Empirie erzählen
die Unternehmen von die psychischen Gesundheit und den vorsorgenden Maßnahmen von
psychischen Krankheiten in ihrem Unternehmen. Der zweite Teil unserer Empirie besteht aus den
folgenden Texten:
2.5.6 Audi 2014: Interview von Webseite
Von Audi geschriebenen Interview mit Dr. Joachim Stork, Leiter des Audi Gesundheitswesens und
dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Audis, Peter Mosch. Audi hat dieses Interview als Teil von
ihrem Corporate Social Responsibility auf ihrer eigenen Webseite. (Anhang b)
2.5.7 Beiersdorf 2014: Webtext
Beiersdorf schreibt über die Sicherheitsmaßnahmen im Unternehmen. Sie erzählen, wie wichtig sie
die Prävention von psychischen Erkrankungen finden. (Anhang c)
2.5.8 Deutsche Bank 2014: Webtext
Im Webtext schreibt Deutsche Bank über Gesundheit, Work-Life-Balance und Stressmanagement
im Unternehmen. (Anhang d)
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2.5.9 Opel 2014: Webtext
Opel erzählt von ihren gesundheitlichen Maßnahmen. (Anhang e) Die Webtexte der Unternehmen
dienen u.a. als Employer Branding. Die Unternehmen versuchen, als einen attraktiven Arbeitsplatz
zu erscheinen, was einen ausgeprägt positiven Blickwinkel bewirkt. Wir sind uns bewusst, dass die
Webtexte und das Interview alle Teil von einer positiven Selbstdarstellung der Unternehmen sind,
und sie sind deswegen auch davon geprägt.
Wir unternehmen diese empirische Studie anhand von Einzelfällen wohlwissend, dass keine
Übereinstimmung zwischen den Arbeitsplätzen der Betroffenen und die Unternehmen der Empirie
gibt.
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3. Theorie über die moderne Identität
Unsere Identität verändert sich in gleichem Maße wie die gesellschaftlichen Änderungen, und wir
reden heute von einer modernen Identität. Um eine Überblick der Theorien zu geben, haben wir ein
Theoriemodell gemacht.
Theoriemodell - die moderne Identität, Darstellung d.d. Verf.
Die moderne Identität und die Dynamik der modernen Gesellschaft werden im folgenden Abschnitt
beschrieben. Wir fangen bei der enttraditionalisierten Gesellschaft an.
3.1 Die enttraditionalisierte Gesellschaft
Die gegenwärtige Gesellschaft ändert sich
ständig. Ulrich Beck bedeutet, dass die
Individualisierung und Freisetzung der Menschen in gleichem Maße mit der Modernisierung
steigen. Das bewirkt, dass eine Person selbst für das Leben verantwortlich ist (Beck 1986, 116).
Dadurch werden wir dazu gezwungen, unserem eigenen Leben zu planen, eine sogenannte
Enttraditionalisierung hat stattgefunden (Beck 1986, 118). Laut Thomas Ziehe leben wir auch heute
in einer enttraditionalisierten Gesellschaft (Ziehe kein Jahr, 1). Das heißt, dass unser Leben und
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unsere Identität nicht mehr von Traditionen vorausbestimmt sind. Wir sind an die gesellschaftlichen
Klasse, die Familie, das Ort oder das Geschlecht nicht mehr gebunden. Beispielsweise können wir
selbst unsere Ausbildung und unseren Karriereweg entscheiden. Unser Alltag ist heute
präferenzorientiert und nicht wie früher normreguliert. Die Traditionsaufstörung bedeutet, dass
unser Leben heute mehr Möglichkeiten bietet (Ziehe und Stubenrauch 1982, 26). Dies nennt Ziehe
die kulturelle Freisetzung (Ziehe und Stubenrauch 1982, 32).
3.2 Die kulturelle Freisetzung
Laut Ziehe hat die kulturelle Freisetzung nicht nur positive Folgen sondern auch negative. Wir
können selbst unsere eigene Identität entwickeln, ausprobieren und verändern. Doch ist die
Identitätsarbeit ein Lebensprojekt, oder wie Ziehe sagt: “Arbeit am eigenen Entwurf” (Ziehe und
Stubenrauch 1982, 33). Diese Arbeit am eigenen Entwurf ist oft mit Anstrengungen und Krisen
verbunden, weil wir nicht mehr auf die vorgefertigten traditionellen Angebote zurückgreifen
können (Ziehe und Stubenrauch 1982, 33). Beck erklärt, dass was vorher ein ”Schicksalsschlag”
benannt wurde, in der gegenwärtigen individualisierten Gesellschaft als ”persönliches Versagen” zu
betrachten sei (Beck 1986, 218). Wenn man zum Beispiel einen Job verliert, wird dies nicht als ein
Schicksalsschlag angesehen. Es wird dagegen von der Gesellschaft so aufgefasst, als trägt man
selbst dafür die Verantwortung. Neue Formen von persönlichen Risiken entstehen, zum Beispiel im
Bezug auf Ausbildung, Job oder Wohnort (Beck 1986, 216). Laut Beck ist ein “aktives
Handlungsmodell des Alltags” gefordert (Beck 1986, 217). Die vielen Möglichkeiten bewirken,
dass wir eine Entscheidung treffen müssen. Dies nennt Ziehe ein zwangsweiser Prozess (Ziehe und
Stubenrauch 1982, 33). Wenn wir eine Entscheidung treffen, müssen wir gleichzeitig etwas
abwählen und uns dadurch auch etwas versagen. Die kulturelle Freisetzung bedeutet nicht, dass wir
“freier” als vorher sind, aber sie bewirkt eine Erweiterung von Erwartungen, Träumen und
Sehnsucht im Leben, obwohl dies oft im tatsächlichen Leben unerreichbar ist (Ziehe und
Stubenrauch 1982, 32).
3.3 Anpassungsfähigkeit
Wegen der ständigen Veränderungen des postmodernen Alltagslebens und der ständigen
Veränderungen der sozialen Kontexte müssen wir heute selbst verschiedene Rollen entwickeln,
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meint Lasse Dencik. Um uns in der Gesellschaft zu bewegen, müssen wir uns schnell umstellen
können. Darüber hinaus müssen wir in der Lage sein, schnell aufzufassen, wann eine Umstellung
nötig ist (Dencik 2005, 46). Die Umstellungsfähigkeit ist notwendig, weil wir uns in
unterschiedlichen “sozialen Arenen” bewegen müssen, wie zum Beispiel in der Familie, am
Arbeitsplatz oder im Sportverein (Dencik 2005, 17). Die Postmodernität verschärft die Ansprüche
an Anpassung. Die Individuen müssen eine extreme soziale Sensibilität entwickeln, um diese
Anpassungsfähigkeit zu meistern. Schon in der Kindheit halten wir uns sehr oft mit anderen
Menschen auf, was bedeutet, dass es kaum oder nur wenig Raum für gefühlsmäßige Ausbrüche
gibt. Ausbrüche würden das Individuum marginalisieren (Dencik 2005, 47). Ziehe äußert, dass die
Anerkennung und das Akzept von anderen Menschen heute auch sehr wichtig seien. Früher kam die
Arbeit - sowohl gesellschaftlich als auch psychisch in erster Reihe - und danach die Beziehung zu
anderen Menschen. Heute hängt die Arbeitsfähigkeit bei den meisten Menschen davon ab, ob sie
sich wohl in ihrem Beziehungsgefüge fühlen (Ziehe und Stubenrauch 2008, 34).
3.4 Die hohe Geschwindigkeit der gesellschaftlichen Veränderungen
Laut Dencik sollen wir die Gesellschaft als ein innovatives System sehen, das ständig in einem
Zusammenspiel zwischen den zwei Faktoren, Globalisierung und Informationstechnologie,
fortwährend geändert und umgestaltet wird. Die Veränderungen bringen dann neue Veränderungen
mit sich usw. Dieser Veränderungsprozess führt dazu, dass die Geschwindigkeit, womit die
Veränderungen passieren, sich konstant beschleunigt. Die soziale Lebenszeit für fast alles von
Technologie bis Produktionsmethoden wird immer kürzer. Der Veränderungszustand wird der
natürliche Zustand (Dencik 2005, 118). In diesem Prozess wird das Individuum immer dazu
gezwungen, mit etwas im Rückstand zu sein. Man redet von einem „Time Lag“ (Dencik 2005, 119).
3.5 Trennung von Zeit und Raum
Wegen der heutigen Globalisierung sind wir nicht wie früher an ein bestimmtes geographisches Ort
oder eine bestimmte Zeitzone gebunden, so Anthony Giddens. Er redet von einer “Trennung von
Zeit und Raum” (Kaspersen 2001, 122). Mit den neuen Technologien können wir jetzt ganz einfach
in die Welt herumreisen. Die Globalisierung hat eine Entwicklung der Kommunikationsmittel
verursacht, wie die Erfindung des Internets und des Handys. Dies bewirkt, dass wir mit Freunden
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oder Kollegen, die sich in einer anderen Stadt oder sogar einem anderen Land befindet, sprechen
können. Zum Beispiel können wir auch unabhängig von unserem physischen Arbeitsplatzt, mit
Menschen in der ganzen Welt reden. Die Trennung von Zeit und Raum ermöglicht Effektivität in
den Unternehmen, weil Mitarbeiter Zeit- und Ortsunabhängig auf das gleiche Ziel arbeiten können
(Kapsersen 2001, 123). Dies stellt auch andere Ansprüche an die Individuen als vorher, wo Zeit und
Raum eine gewisse natürliche Abgrenzung machte (Kaspersen 2001, 122). Der größte Teil unserer
sozialen Interaktion findet nicht mehr zur selben Zeit und am selben Ort statt (Kaspersen 2001, 122123). Dies
bedeutet, dass heute unseren sozialen Relationen auf weniger Face-To-Face
Kommunikation basiert sind.
3.6 Die abstrakten Systeme
In den früheren Gesellschaften vor der Trennung von Zeit und Raum waren die sozialen Relationen
und Handlungen nur in den örtlichen Gesellschaften möglich (Kapsersen 2001, 123). Aufgrund der
Trennung von Zeit und Raum ist eine Entbettung sozialer Systeme notwendig. Die Entbettung kann
auch als eine “Heraushebung” erklärt werden (Fuchs 2001, 88), indem soziale Relationen von der
örtlichen Gemeinschaft herausgehoben werden. Giddens spricht hier von symbolischen Zeichen und
Expertensystemen als Entbettungsmechanismen, die diese “Heraushebung” möglich machen. Die
Entbettungsmechanismen nennt Giddens auch die abstrakten Systeme. Die symbolischen Zeichen
sind Austauschmittel, die einen standardisierten Wert haben und in vielen Zusammenhängen
getauscht werden können. Ein Beispiel der symbolischen Zeichen ist Geld. Das heutige
Zahlungssystem bewirkt zum Beispiel, dass wir uns nicht mehr persönlich treffen müssen, um eine
Transaktion durchzuführen. Das Zahlungssystem ist ein Expertensystem, das nur funktioniert, wenn
wir es vertrauen (Giddens 2000, 30). Die Vertrauensrelationen sind entscheidend für unsere
Entwicklung und unsere Handlungsmöglichkeiten, indem das Vertrauen ein Entscheidungskriterium
ist (Kaspersen 2001, 146). Andere Expertensysteme sind zum Beispiel das Verkehrssystem oder die
Konstruktion des Busses (Kaspersen 2001, 124). Gemeinsam für die Expertensysteme gilt es, dass
sie von Personen hergestellt sind, die ein besonderes Wissen und Können besitzen. Darüber hinaus
werden sie von vielen Personen benutzt (Hess 2013), welches bewirkt, dass wir heutzutage von
abstrakten Systemen, worüber wir wenig Wissen haben, abhängig sind. Die Expertensysteme und
die symbolischen Zeichen erhöhen den “Bewegungsradius”. Man kann zum Beispiel mit Geld
einfach eine Reise machen (Kaspersen 2001, 124).
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3.7 Selbstreflexion
Ziehe spricht von Subjektivierung, das heißt, unser Verhältnis zu dem Selbst durch
Selbstbeobachtung (Ziehe kein Jahr, 3). Laut Giddens hatten u.a. sozialer Status und Wohnort große
Bedeutung für die Identität in der prämodernen Gesellschaft. Viele von diesen Faktoren wurden
schon bei der Geburt festgestellt, und lässten sich nicht so einfach ändern. Heute ist die Identität ein
reflexives Projekt, die wir selbst in hohem Masse beeinflussen können, und wofür wir selbst die
volle Verantwortung haben (Kaspersen 2001, 149). Die ständigen Veränderungen in der
Gesellschaft haben die Identität freigelassen. Wegen der Freisetzung des Selbst müssen wir also
selbst eine zusammenhängende Selbsterzählung durch unsere Entscheidungen konstruieren
(Kaspersen 2001, 152). Damit gestalten wir selbst unsere Identität. Die Traditionen beeinflussen
nicht mehr unsere Selbstidentität. Wir müssen deswegen über Fragen reflektieren wie: „Wer bin
ich?“, „Was will ich?”, “Was soll ich mit meinem Leben machen?”, “Was soll ich werden?”, “Wie
soll ich mich benehmen?” usw., so Ziehe. Die Subjektivierung kann dazu führen, dass wir uns
selbst zu bewusst werden, und deswegen Schwierigkeiten haben, unsere Fähigkeiten einzuschätzen
(Ziehe kein Jahr, 3). Der Bedarf nach Kriterien, die wir für die Gestaltung der Selbstidentität
benutzen können ist groß. Die Medien präsentieren ein unrealistisches und perfektes Bild, und
deshalb entsteht eine Unverhältnismäßigkeit zwischen den Erwartungen und der Realität. Wir sehen
die Bilder der Medien, und bekommen unrealistische Erwartungen (Ziehe kein Jahr, 4).
Laut Ziehe bewirken die vielen Möglichkeiten im Leben, dass wir mehr erwarten können, mehr
wünschen können, mehr träumen können und uns besser mit anderen Menschen vergleichen
können. Wir vergleichen stetig diese Erwartungen, Wünschen und Träumen mit der Wirklichkeit.
Die stetigen Vergleichungen können zu Wiedersprüchen führen. Wir müssen uns dazu verhalten,
wie wir sein könnten aber nicht sind, was wir erwarten aber nicht erreichen können usw. Wenn wir
zum Beispiel entdecken, dass wir unsere Erwartungen nicht entgegen kommen können, entstehen
Gefühle der Unzufriedenheit. Außerdem haben wir nicht nur die Möglichkeit, etwas zu werden,
sondern wir haben eine sozial-konventionelle Pflicht aus uns “etwas zu machen” und die
Verantwortung dafür (Ziehe und Stubenrauch 1982, 40). Früher war der Verzicht auf tabuierte
Triebstrebungen - was man nicht dürfte - die Herausforderung. Heute ist die Herausforderung die
Folgen der Erwartungen – also was man erwartet, aber nicht erreichen kann (Ziehe und Stubenrauch
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1982, 54). Die Erwartungen zum Selbst und die Erfahrung damit, wie schwierig diese zu erreichen
sein können, können zum Beispiel zu Depression führen (Ziehe und Stubenrauch 1982, 35). Weil
die Lebensperspektive und die Entscheidungen nicht mehr von Traditionen bestimmt sind, sind die
Entscheidungskonflikte und das Bewusstsein des möglichen Versagens sehr bedeutungsvoll (Ziehe
und Stubenrauch 1982, 36).
Heute können wir auch selbst das Aussehen und das Lebensstil, die wir anstreben, gestalten. Laut
Ziehe entstehen deshalb Leistungsanforderungen, die zu Leistungsängsten führen können (Ziehe
und Stubenrauch 1982, 36). Viele Menschen gehen heute ins Fitnessstudio oder lassen sich in
extremen Fällen operieren, um sich selbst zu formen. Wie Ziehe meint Giddens auch, dass der
Körper in unsere reflexiven Überlegungen eingeht. Wir versuchen den Körper zu kontrollieren,
damit sie zu unserem reflexiven Projekt passen, zum Beispiel durch Essen und Kleidungen
(Kaspersen 2001, 149-150). Die Modernität konfrontiert uns jeden Tag mit unzähligen
Wahlmöglichkeiten, aber bietet keine Beratung an, was zum Beispiel bewirkt, dass das Individuum
selbst Lebensstil wählen muss. Giddens definiert Lebensstil als alle die Entscheidungen, die wir
jeden Tag treffen müssen, zum Beispiel Bekleidung, Essgewohnheiten usw. Die Möglichkeiten sind
aber von Ausbildung, Finanzlage und sozialen Status begrenzt (Kaspersen 2001, 151). Laut
Giddens ist die Wahl des Lebensstils u.a. auch von Medien geprägt (Kaspersen 2001, 152). Dies
wird von Ziehe untermauert, er sagt, dass die Medien eine große Rolle für die Ansprüche an unsere
eigene Entwicklung spielten und das Bewusstsein des möglichen Versagens verstärkten (Ziehe und
Stubenrauch 1982, 40).
3.8 Konsumabhängig und Selbstdarstellung durch Konsumgüter
Die freigesetzte Individuen werden Arbeitsmarktabhängig und damit auch von anderen Faktoren,
wie Ausbildung und Konsumangeboten, abhängig (Beck 1986, 119). Ziehe meint, dass die
Entwicklung materieller Bedürfnisse, der Traum von Glück und alle Wünsche, Ansprüche und
Erwartungen, die sich an die Entfaltung der Subjektivität richteten, umfassender und ambitiöser als
je zuvor seien (Ziehe und Stubenrauch 1982, 33-34). Es gilt nicht nur “zu haben,” sondern auch “zu
sein.” Konsumgüter waren früher eine materielle Absicherung und eine Demonstration des
Lebensstandards. Heute sind Konsumgüter auch Werkzeuge, womit wir Persönlichkeitsfortschritte
erreichen können. In der heutigen Gesellschaft gibt es ein Bedürfnis nach Selbstdarstellung,
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Selbstentfaltung und Selbstveränderungen. Dies deutet die Fortschritterwartungen in der
Gesellschaft an - was das Selbst betrifft (Ziehe und Stubenrauch 1982, 39).
3.9 Angst und Unsicherheit
Die moderne Gesellschaft zerstört die sicheren Rahmen der Traditionen. Wie oben erwähnt war die
Selbstidentität früher von Traditionen festgelegt, aber heute ist die Selbstidentität ausschließlich ein
reflexives Projekt, wofür das Individuum selbst die Verantwortung trägt. Laut Giddens bewirkt dies
ein Gefühl von Unsicherheit und Angst (Giddens 2000, 46-47). Wir müssen selbst unsere Identität
durch die Entscheidungen, die wir treffen, gestalten. Beck bezeichnet die Klassengesellschaft als
die prämoderne Gesellschaft und die Risikogesellschaft als
die Modernität.
In der
Klassengesellschaft war das Ideal Gleichheit, aber in der Risikogesellschaft ist es Sicherheit, sagt
Beck. Vorher wollten alle gleichberechtigt teilhaben, aber in der Risikogesellschaft sollen alle von
den Risiken verschont werden. Es gab eine Gemeinsamkeit der Not, aber in der Risikogesellschaft
ist es von einer Gemeinsamkeit der Angst ersetzt worden. (Beck 1986, 66).
Wir benutzen die moderne Identität und die Veränderungen der Gesellschaft um zu
erklären, warum eine steigende Anzahl von Menschen Stress oder Burnout erleben. Doch ist die
moderne Identität eine von vielen Ursachen der stressbedingten gesundheitlichen Probleme, und
deshalb werden unser Projekt nur einen Teil der Stressursachen beleuchten. Wir werden also in
unserem Projekt auf die moderne Identität fokussieren und damit andere Ursachen für
stressbedingte gesundheitliche Problemen auslassen. Darüber hinaus beeinflusst die moderne
Identität jeder Einzelne unterschiedlich, und deswegen ist die moderne Identität für jeden Mensch
nicht unbedingt eine Ursache der stressbedingten gesundheitlichen Problemen.
Die oben erwähnte Theorie wurde nicht als eine Ganzheit ursprünglich gebildet. Wir haben die
selbst zusammengesetzt. Durch die Zusammensetzung der Theorien haben wir selbst einen
Erklärungsrahmen gestaltet. Durch das Auswählen haben wir eine neue Theorie gebildet. Diese
eklektische Methode hat den Nachteil, dass einige der Theorien sich vielleicht entgegensprechen,
oder dass eine Überschneidung stattfinden kann.
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4. Analyse
Im folgenden Abschnitt werden wir unsere Empirie angesichts unseres Analysemodells analysieren.
Erstens werden sowohl schriftliche als auch mündliche Erfahrungsberichte von ausgewählten
Betroffenen analysiert und danach die Webtexte von verschiedenen Unternehmen. Wir benutzen
Unterstreichungen in den Zitaten, um zentrale Wörter hervorzuheben.
4.1 Darstellung der Stressursachen durch Betroffene
4.1.1 Identität - ein reflexives Projekt
Wie oben erwähnt können wir uns in der modernen Gesellschaft nicht mehr auf Traditionen
verlassen. Dies bedeutet auch, dass wir selbst die volle Verantwortung für unsere Identitätsbildung
und damit auch für unsere Selbsterzählung haben. Um die Selbsterzählung zu gestalten, ist eine
gewisse Menge Selbstreflexion notwendig. Die Selbstreflexion hat Einfluss auf unsere
Entscheidungen, die unsere Selbsterzählung gestaltet. Um die “richtige” Entscheidung zu treffen,
müssen wir viel über uns selbst reflektieren. Unsere Identität und unser Leben sind also heute ein
reflexives Projekt.
Natascha hatte Schwierigkeiten mit der Selbstreflexion. Sie konnte erst später einsehen, dass sie
wegen jahrelanger Überforderung Stress und letztendlich Burnout bekam (Planet Wissen 2013,
01:22-01:34). Sie reflektierte nach ihrem Burnout über ihr ganzes Leben: “Wie konnte es überhaupt
so weit kommen?” (Planet Wissen 2013, 32:30-33:40). In der Klinik und nach ihrer Entlassung
analysierte sie ihr Leben, um die Ursachen ihres Burnouts zu finden. Das Ergebnis war, dass sie vor
ihrem Burnout falsche Prioritäten hatte. Natascha berichtet: “...man macht sich grundlegenden
Gedanken, ob das Leben wie man das bisher geführt hat, ob das so ist, wie man das eigentlich
führen möchte, und eine Ursache von Burnout kann ja auch sein, wie es bei mir war, dass man
vielleicht auch das Leben nicht so führt, wie man das eigentlich führen möchte” (Planet Wissen
2013, 45:02-45:16). Dies zeigt, dass sie früher nicht ausreichend über ihr Leben reflektierte, und
dass sie nicht wusste, was sie wirklich wollte. Sie hatte also falsche Vorstellungen davon, was sie in
ihrem Leben wollte. Weil wir nicht mehr auf Traditionen zurückgreifen können, suchen wir nach
anderen Kriterien, die wir damit unsere Selbstidentität gestalten können. Deshalb ist unsere
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Selbstidentität viel von den Bildern durch die Medien geprägt. Wahrscheinlich ist dies auch den
Fall bei Natascha. Das Burnout und die damit verknüpfte Krise war also für Natascha eine
Notwendigkeit (Planet Wissen 2013, 55:05), um darüber reflektieren zu können, wie sie leben
mochte. Dies wird von dieser Aussage bestätigt: “Aus der Krise habe ich erst erkannt, wie ich
wirklich leben will.” (Planet Wissen 2013, 55:05). Natascha lernte nach ihrem Burnout zu
reflektieren, weswegen sie ihr ganzes Leben geändert hat. Sie hat eine neue Ausbildung als
Beraterin genommen, einen neuen Mann gefunden, und die beiden sind zusammen auf dem Land
gezogen.
Wie Natascha lernte Dirk S. auch erst nach seiner Depression, darüber zu reflektieren, was er in
seinem Leben wichtig fand. Laut ihm erwartete die Gesellschaft, dass er sein Leben führte, genau
wie er vor seiner Depression tat, mit viel Arbeit, ein großes Gehalt, ein Haus usw. Er hat die Dinge
im Leben verloren, die die Gesellschaft von ihm erwartete. Nach der Depression bekam er ganz
neuen Sichtweisen und Ideen vom Leben. Er hat gelernt, andere Dinge wertzuschätzen, die er
vorher nicht wichtig fand (Das Erste 2014, 20:39).
So ging es auch Jennifer. In der Klinik musste sie sehr viel über ihr Leben reflektieren und ihre
Sichtweise radikal verändern (SWR Landesschau 2013, 01:51-01:58). Sie hat ihre Auffassung
davon geändert, was in ihrem Leben wichtig ist. Jennifer berichtet: ”...heute ist mir einfach Erfolg
nicht mehr so wichtig, sondern eher das Sinn hinter dem was ich tue…” (SWR Landesschau 2013,
01:58-02:02). Ihre Auffassung war möglicherweise von den Medienbildern beeinflusst. Für Jennifer
ist jetzt “ein Ausgleichen, eine Balance aus allem” das Wichtigste in ihrem Leben (SWR
Landesschau 2013, 4:53-4:55). Sie war also früher zu fokussiert auf ihre Arbeit. Jennifer erzählt
weiter: “...ich habe einfach gemerkt, dass es sich sehr viel entspannter lebt, wenn man anerkannt,
dass man nicht alles in der Hand hat. ” (SWR Landesschau 2013, 02:12-02:14). Die Metapher
“etwas in der Hand haben” illustriert, dass Jennifer vor ihrem Burnout dachte, dass sie alles
komplett kontrollieren musste, um Erfolg zu bekommen. Nachher hat sie aber eingesehen, dass es
sich nicht so verhält. Die Selbstreflexion hat auf der einen Seite zum Burnout Jennifers mitgewirkt,
indem sie sich durch ihre Selbstdarstellung unrealistische Ziele vornahm. Auf der anderen Seite hat
die Reflexion auch Jennifer damit geholfen, ihre Prioritäten richtig einzuordnen.
Alle drei Betroffene hatten also Schwierigkeiten mit der Selbstreflexion. Sie hatten falsche
Prioritäten und lernten erst nach ihrem Burnout, was für sie am Wichtigsten im Leben war, und
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damit auch die Prioritäten richtig einzuordnen. Ihre falschen Prioritäten und Selbstidentität waren
möglicherweise von den unrealistischen Bildern der Medien geprägt, aber auch von der
Gesellschaft, worauf Dirk S. auch eingeht. Er hat nur die Dinge im Leben verloren, die die
Gesellschaft als wichtig sieht.
4.1.2 Erweiterung von Erwartungen, Träumen und Sehnsucht im Leben
Laut der Theorie die moderne Identität bewirkt die kulturelle Freisetzung eine Erweiterung von
Erwartungen, Träumen und Sehnsucht im Leben. Diese sind oft unrealistisch. Deswegen entsteht
ein Spannungsfeld zwischen Erwartungen und Realität. Falls die Erwartungen nicht erfüllt werden,
haben wir selbst die Verantwortung dafür und es wird von der modernen Gesellschaft als
persönliches Versagen gesehen.
Dies war auch bei Monika der Fall. Ihre Erwartungen an ihre eigenen Fähigkeiten waren zu groß.
Sie wollte sowohl Karriere als auch Familie bewältigen, aber es wurde ihr zu viel, was eine der
Ursachen sein konnte, warum sie Burnout bekam. Sie erzählt von ihrem Zustand: Sie sagt: “Die
Alltagssituationen, es war mir zu viel, zu laut, zu viel, zu viel Druck” (Spiegel TV 2011, 06:0106:20). Das Wort “Druck” deutet an, dass sie überfordert war, und dass sie nicht die alltäglichen
Pflichten nachkommen konnte. Monika konnte nicht ihren Alltag, was zu ihrem Burnout mitwirken
haben konnte. Sie erzählt von ihrer Situation: “Man dreht sich so in sich selbst, und immer wieder
die gleichen Gedanken, und Hoffnungslosigkeit, eigentlich, schlechte Gedanken, negativ, alles
schlecht, alles negativ” (Spiegel TV 2011, 00:34-00:48). Monika verglich ihre Erwartungen mit der
Wirklichkeit, und dadurch wurde sie sich ihres Versagens bewusst. Das Wort “Hoffnungslosigkeit”
deutet an, dass es keine Hoffnung mehr gibt, und auch nicht wieder kommen wird. Wenn man
Hoffnungslos ist glaubt man nicht daran, dass die Situation, in der man geraten ist, besser wird. Der
Ausdruck “dreht sich in sich selbst” bedeutet, dass man keine Hilfe von anderen Menschen
annimmt. Die Situation, in der man sich befindet, wird nur verringert, weil man nichts Positives von
außen zulässt. Man hat nur negative Gedanken wie Monika.
Auch Dirk B. hatte hohe Erwartungen, die er nicht einlösen konnte. Diese Erwartungen können
seinen Burnout bewirkt haben. Er wollte immer wieder “höher, schneller, weiter” machen. Er spürte
auch eine große Aggression, als er herausfand, dass er seine eigene Erwartungen nicht erfüllen
konnte: “Die Reizschwelle war irre niedrig” (Spiegel TV 2011, 06:42-06:46). Das Spannungsfeld
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zwischen seiner Erwartungen und der Realität war groß, und dies kann zu Frustration führen. Er
sagt, dass seine “Reizschwelle” niedrig sei, was bedeutet, dass er nichts ertragen konnte. Seine
Frustration bewirkte, dass sogar Kleinigkeiten ihn aufregte, wie er sagt: “Ein falsches Wort und
grrrr ” (Spiegel TV 2011, 06:58-07:03). Das Bewusstsein des persönlichen Versagens kann Dirk
B.’s Unzufriedenheit mit seiner eigenen Leistungen und dadurch auch seine Aggression verursacht
haben.
Wie die übrigen Personen hatte Nicole lange Arbeitstage. Für sie war der Mittelpunkt immer die
Arbeit, und eine Arbeitswoche mit 70 Stunden war normal (Spiegel TV 2011, 02:47-02:54). “Der
Mittelpunkt in meinem Leben war immer immer immer die Arbeit, und am Anfang ging das
persönliches Drumherum noch, weil man voller Energie war, weil man neben der großen Arbeit
immer noch so einen kleinen persönlichen Teil geschafft hat, aber am Ende schafft man das eben
nicht mehr, und dann, dann wird es schlimm...”(Spiegel TV 2011, 02:50-03:11), so Nicole. Später
wurde die Arbeit doch zu viel. Nicole versuchte ihr Arbeitsleben mit ihrem Privatleben zu
kombinieren, aber dies funktionierte nicht. Sie konnte die Work-Life-Balance nicht finden. Das
Bewusstsein ihres Versagens und ihre große Erwartungen an sich selbst trugen zu ihrem Burnout
bei. Nicole benutzt das Wort “Mittelpunkt”, was die Wichtigkeit der Arbeit betont, und zeigt, dass
ihre Arbeit einen sehr großen Teil von ihrem Leben war. Dies wird von der Wiederholung des
Worts “immer” untermauert. Darüber hinaus deutet das Wort “immer” darauf hin, dass sie
unersättlich arbeitete und deshalb keine Freizeit hatte. Sie identifizierte sich in zu hohem Maße mit
ihrer Arbeit, weshalb sie ohne ihre Arbeit fühlte, dass sie nichts Wert war.
Natascha hatte auch an ihren eigenen Möglichkeiten sehr hohe und zum Teil unrealistische
Erwartungen. Sie erklärt: “Wenn die Messlatte immer so hoch hängt, dass man überhaupt nicht dran
kommt, muss man sich fragen: Warum hänge ich die so hoch?” (Planet Wissen 2013, 33:20). Sie
strebte also während der Zeit, in der sie viel arbeitete, immer ein unerreichbares Ziel an. Dies
bestätigt, dass ihre Erwartungen unrealistisch waren. Sie fügt hinzu, dass sie Perfektionistin war,
und nicht “nein” sagen konnte. Das Wort “Perfektionistin” zeigt, dass sie alles perfekt machen
wollte. Es war sie egal, wie viel Zeit oder Energie sie dafür benutzte, sie wollte ihre Arbeit einfach
perfekt erledigen. Perfektionismus kann also ein Stressauslöser sein. Sie gestaltete eine
Selbsterzählung, in der sie alles perfekt erledigen musste und hatte deshalb zu hohe Erwartungen an
ihre Leistungsfähigkeit. Deshalb machte sie alles selbst, was sehr stressig sein kann.
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Die hohen Erwartungen waren für Axel auch ein Problem. Er arbeitete oft 14-16 Stunden pro Tag,
und auch er wollte nicht einsehen, dass er zu viel arbeitete: “Ich hätte mir das niemals eingestanden,
dass ich nicht mehr kann” (Das Erste 2014, 02:29-02:30). Nach seinem Zusammenbruch fühlte er
sich auch überflüssig und nichts mehr Wert. Er fand also, dass er um wertwoll zu sein, arbeiten
müsse (Das Erste, 03:39). Er hatte hohe Erwartungen an sich selbst und dachte, dass er nur die
durch Arbeit einfreien konnte, weshalb er so viel arbeitete.
Sowohl Axel als auch Dirk S. versuchten, als sie einsahen, dass sie ihre Erwartungen nicht erfüllen
konnten, Selbstmord zu begehen. Dies illustriert die Wichtigkeit der Erwartungserfüllung. Sie
empfanden, dass das Versagen so groß sei, dass das Leben nicht länger Wert zu leben sei.
Dirk S. meinte, dass es die Erwartungen der Gesellschaft waren, die zu seiner Depression geführt
hatten. Doch hatte er vor seiner Depression auch diese Erwartungen an seine eigenen Ressourcen.
Er hat das Gefühl von Versagen, indem er nicht seine Erwartungen erreichte. Deswegen versucht er
dieses Gefühl zu mildern, indem er sagt, dass er nur das verloren hat, was die Gesellschaft von ihm
erwartete.
Jennifer geriet auf ihre Suche nach dem perfekten Job unter Druck. Sie war früher verkrampft und
verbissen und “wollte (...) alles immer steuern und kontrollieren” (SWR Landesshau 2013, 02:0702:10). Weil Jennifer ihr eigenes Leben, wegen der Enttraditionalisierung, gestalten konnte, hatte
sie unerfüllbare Ansprüche und Erwartungen an sich selbst. Sie konnte nicht ihre Sehnsucht im
Leben, eine erfolgreiche Karriere, erreichen. Dies bewirkte, dass sie verkrampft und verbissen war,
was darauf hindeutet, dass sie übergefordert war. Weil wir in unserer heutigen Gesellschaft die
Auffassung davon haben, dass wir selbst die Verantwortung für unser Leben haben, wollte Jennifer
selbst alles kontrollierten, weil sie nicht von der Gesellschaft als ein Misserfolg betrachtet werden
mochte.
Jennifer spricht von einem “Lebenslaufdruck,” und dass sie keine Lücken in ihrem Lebenslauf
haben wollte. Dies bedeutete, dass sie Zeitdruck bekam und musste die Stelle, die da war, nehmen
(SWR Landesschau 2013, 02:58-03:01). Jennifer hatte einen Praktikumsplatz mit Aussicht auf
einen Festvertrag. Ihre Sehnsucht nach einer Festanstellung, um Erfolg zu erreichen, bewirkte, dass
sie Überstunden machte (SWR Landesschau 2013, 03:03-03:08). Sie beschreibt sich selbst zu
diesem Zeitpunkt als ein “Workaholic” (SWR Landesschau 2013, 05:23-05:24). Das Wort
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Workaholic ist eine Zusammenziehung von Work und Alcoholic. Es beschreibt eine Person, die
einen übertriebenen Drang zum Arbeiten hat. Im Wort liegt auch implizit, dass das Workaholic
süchtig nach Arbeit ist. Wie ein Alkoholiker süchtig nach Alkohol ist, ist ein Workaholic nach
Arbeit süchtig. Das Wort Workaholic hat positive Konnotationen. Es ist zum Beispiel eng mit der
Bewältigung von einem aktiven Alltag verknüpft. Wenn man sagt, dass man ein Workaholic ist,
verbirgt man gleichzeitig zum Teil die eigene Verantwortung für die Situation. Wenn man süchtig
ist, kann man eben nichts dafür tun, dass man vielleicht zu viel arbeitet. Jennifer beschreibt sich
selbst als ein Workaholic um zu erklären, warum sie so handelte, wie sie tat, und gleichzeitig
schiebt sie ihre eigene Verantwortung für die damalige Situation weg. Jennifer beschreibt den
Druck, den sie fühlte, mit dem Wort “Lebenslaufdruck”. Sie hat ihr eigenes Wort für genau den
Druck, den sie spürte, gemacht. Der Druck war eng damit verknüpft, dass sie unbedingt ihr
Lebenslauf perfekt machen wollte. Die vielen Überstunden können ein Zeichen von Jennifers
Gefühle der Unzufriedenheit sein, weil ihre Erwartungen sich nicht mit der Wirklichkeit messen
konnten. Jennifer nennt sich selbst “Kind der Generation Praktikum” (SWR Landesschau 2013,
03:08-03:19). Wegen der kulturellen Freisetzung haben wir selbst die Verantwortung für unsere
Karriere, und wenn wir verfehlen, wird es, laut Beck, als persönliches Versagen angesehen.
Deshalb machen viele Studenten Praktika, um Lücken in ihrem Lebenslauf zu vermeiden (SWR
Landesschau 2013, 03:13-03:22). Sie versuchen sogar Praktika in den Sommerferien zu
unternehmen (SWR Landesschau 2013, 03:20-03.30). Dies zeigt, die Angst vor der Arbeitslosigkeit
und damit auch die Angst, nicht erfolgreich zu werden.
Um Janas vorgenommene Ziele zu erreichen, und die Anerkennung von den übrigen Mitarbeitern
zu bekommen, arbeitete sie viel. Sie erzählt: “Dadurch verspürte ich unaufhörlich den Drang viel
erledigen, viel arbeiten zu WOLLEN, sehnte mich nach dem Gefühl, all die To Dos von der Liste
zu streichen, der Lage wieder Herr zu werden.” (Jana B. 2014). Die kulturelle Freisetzung bewirkte
für Jana eine Erweiterung von ihren Erwartungen und Sehnsucht im Leben, die unerreichbar waren.
Sie wollte alles auf der To-Do-Liste schaffen, um damit die Kontrolle zu bekommen, wie sie sagt:
”Der Lage wieder Herr zu werden”. Das Wort “Herr” bestätigt, dass sie Kontrolle haben wollte und
ihr eigenes Leben beherrschen wollte. Darüber hinaus bedeutet das Wort “Herr” auch Gott. Jana
wollte also ihr eigener Gott sein und die souveräne Macht über ihr Leben haben. Wie Jennifer
wollte Jana auch alles kontrollieren, weil sie in unserer heutigen Gesellschaft selbst verantwortlich
für ihr Leben und ihre Identität ist. Janas Wunsch danach, alles in den Griff zu bekommen,
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bewirkte, dass sie die Arbeit mit nach Hause nahm und in der Wochenende arbeitete (Jana B. 2014).
Die vielen Arbeitsaufgaben wollte sie effizient machen, und Pausen war für sie Zeitverschwendung
(Jana B. 2014). Sie dachte nicht darüber nach, dass sie die Pausen auch brauchte, um nicht
erschöpft zu werden. Durch ihre Selbstbeobachtung bewertete Jana ihre Fähigkeiten zu hoch, und
deshalb hatte sie unerreichbare Erwartungen. Für Jana war die Arbeit ihre erste Priorität, und
deswegen hatte sie weniger Zeit für Familie und Freunde. Sie berichtet: “Private Verpflichtungen in
der Freizeit empfand ich plötzlich als Stress und Belastung, weil mir damit Zeit fehlte, um die
Arbeit einzuholen” (Jana B. 2014). Jana war so fokussiert darauf ihre arbeitsmäßigen Ziele zu
erreichen, was ihr Arbeitsleben betraf und sah deshalb ihre Familie und Freunde als eine Belastung,
die ihre Erfüllung von ihren Erwartungen verhinderte.
Alle Betroffene hatten Schwierigkeiten ihre Ziele zu erreichen. Sie konnten nicht beurteilen, was sie
imstande waren erreichen zu können. Deswegen entstand eine Verzweiflung, und sie glaubten, dass
wenn sie noch mehr arbeiteten, wurden sie die vorgenommenen Ziele erreichen. Aber die Ziele
waren unrealistisch und für niemanden machbar. Trotzdem glaubten sie, dass wenn sie einfach
genug Stunden arbeiteten, wurden sie die erreichen. Die Arbeit bekam die erste Priorität, und sie
glaubten, dass nur durch die Arbeit konnte sie Zufriedenheit finden. Übrige Tätigkeiten in ihren
Privatleben wurden als unnötig angesehen, und Familie und Freunde als Zeitverschwendung. Auf
diesem Weg wurde die Balance zwischen Arbeit und Privatleben verschoben, und der zunehmende
Druck endete für alle Personen außer Jana in einer Krankheit.
4.1.3 Selbstdarstellung durch Konsumgüter
Beck sagt, dass die freigesetzten Individuen Arbeitsmarktabhängig seien. Die Arbeitsmarkts
Abhängigkeit führt dazu, dass die Individuen auch zum Beispiel Ausbildungs- und
Konsumabhängig werden. Um sich in der gegenwärtigen Gesellschaft entfalten zu können, braucht
man materielle Güter, die dazu beitragen können, die Identität zu gestalten. Die Konsumgüter sind
Werkzeuge, womit man eigene Persönlichkeitsfortschritte zeigen kann.
Dirk B. ist ein Beispiel dafür. Dirk B. sagt: “Das Geld allein macht ja nicht glücklich, man weiß es
so im Kopf, aber man muss es auch mal so mitkriegen, das es so ist“ (Spiegel TV 2011, 07:2707:46). Er war sich teilweise bewusst, dass das Geld nicht glücklich machte, aber gleichzeitig
konnte er es nicht wirklich begreifen, bis er selbst bis zu seinem Burnout versucht hatte, mit Geld
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sein Glück zu erreichen. Er versuchte wahrscheinlich seine Identität durch Konsumgüter und Geld
zu konstruieren.
Dirk B.’s Aussage weist auf die Arbeitsmarktabhängigkeit in der heutigen Gesellschaft hin. Dirk B.
dachte, dass Geld ihm Glücklich machte und machte möglicherweise Gebrauch von Konsumgütern
in seiner Selbstdarstellung.
4.1.4 Angst und Unsicherheit
Weil unsere Selbstidentität ausschließlich ein reflexives Projekt ist, müssen wir, laut Giddens, selbst
unsere Identität gestalten. Dies kann zu Angst und Unsicherheit führen, weil wir, wie oben erwähnt,
die volle Verantwortung für unsere Identität und unser Leben tragen.
Für Jennifer ist der heutige Arbeitsmarkt mit großer Unsicherheit verbunden. Laut ihr ist es sehr
schwer, einen Berufseinstieg zu finden. Sie erklärt: “...das ist einfach nicht mehr so wie früher, wo
man studiert hat und hat dann direkt eine Festanstellung bekommen, konnte 40 Jahren im gleichen
Job bleiben” (SWR Landesschau 2013, 02:33-02:40). Jennifer bezieht sich in ihrer Aussage auf die
enttraditionalisierte Gesellschaft, in der unser Leben und unsere Identität nicht mehr von
Traditionen vorausbestimmt sind. Wie oben erwähnt wird das Versagen in der enttraditionalisierten
Gesellschaft als selbstverschuldet angesehen, weswegen Jennifer versucht ihr Versagen
gesellschaftlich zu erklären. Laut Ziehe ist die Identitätsbildung oft mit Anstrengungen und Krisen
verbunden. Jennifer erzählt: ”...es ist heute einfach so, dass es viel mehr über befristete Verträge,
über Teilzeitverträge geht oder auch über freie Mitarbeit, das heißt, es ist einer Zeit schwer Fuß zu
fassen und auf der anderen Zeiten ist es auch so gewesen bei mir zu Mindesten, dass ich so eine Art
Lebenslaufdruck hatte…” (SWR Landesschau 2013, 02:40-02:56). Heute gibt es also nicht die
gleiche Sicherheit am Arbeitsmarkt wie früher, wegen der Änderungen der Traditionen und damit
auch des Vertrages. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass man im ganzen Leben die gleiche
Arbeit hat. Diese Unsicherheit am Arbeitsmarkt bewirkt, dass Jennifers Traum von Erfolg
anstrengend und kompliziert zu verwirklichen war.
Mit den oben erwähnten befristeten Verträgen können wir nicht mehr mit einer langfristigen
Stellung rechnen. Dies kann Komplikationen für den Einzelne geben, wie Jennifer berichtet: “...man
weiß nie, in welcher Stadt bin ich vielleicht nächstes Jahr, es ist schwer Beziehungen einzugehen,
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man weiß nicht, wann man eine Familie gründen kann usw., und das alles führt dann viel mehr zum
Burnout letztendlich als die Arbeit an sich. Also es sind mehr die Umstände” (SWR Landesschau
2013, 03:38-03:50). Die sicheren Rahmen der Tradition sind gestört, und dies bedeutet, dass unser
Leben mehr Möglichkeiten bietet, aber auch dass wir dazu gezwungen sind, eine Entscheidung zu
treffen und gleichzeitig uns etwas abzuwählen und damit uns etwas versagen. Laut Beck entsteht
neue Formen von persönlichen Risiken wegen der vielen Möglichkeiten u.a. im Verhältnis zur
Ausbildung, Arbeit und Wohnort. Dies bewirkt, dass es schwierig und verwirrend ist, eine
Entscheidung zu treffen, wie Jennifer auch erzählt. Weil sie nicht ihre Zukunft im Voraus planen
konnte, fühlte sie sich unsicher. Die Unsicherheit mitwirkte vermutlich zum Stress Jennifers.
Auch Natascha hatte Angst. Sie hatte vor ihrem Burnout Probleme mit dem Vertrauen. Sie meinte,
dass sie selbst alles tun musste, und sie hatte Angst die Kontrolle zu verlieren. Sie fand, dass diese
Angst vor Kontrollverlust mit Vertrauen zu anderen Menschen zu tun hatte, was auch mit der
Theorie von Giddens und Beck passt. Sie sagen, dass das Individuum selbst die volle
Verantwortung für sein Leben hat. Natascha ist also zum Beispiel selbst für ihre Karriere
verantwortlich, und deshalb wollte sie alles selbst kontrollieren und vertraute ihre Kollegen nicht.
Sie unternahm selbst alle Aufgaben, und dies ist ein potenzieller Stressauslöser. Sie hatte also Angst
vor persönlichen Versagen.
Für Jana war ihr neuer Job mit Leistungsangst verbunden, wie sie erzählt: “Es war eine Mischung
aus Angst den neuen Anforderungen nicht gerecht werden zu können, nicht versagen zu wollen...”
(Jana B. 2014). Laut der modernen Identität, ist die Selbstidentität nicht mehr von Traditionen
festgelegt. Weil wir selbst verantwortlich für unsere Selbstidentität sind, bewirkt dies ein Gefühl
von Angst, wie Jana erzählt. Sie hatte zu großen Erwartungen an ihre Leistungen und hatte deshalb
Angst davor, dass sie die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Trotzt Jana neu in ihrem Job war und
zuerst alles lernen musste, erwartete sie, dass sie alles perfekt von Anfang an machen konnte. Dies
konnte auch eine Verbindung mit dem persönlichen Versagen haben. Jana hatte also Angst davor,
dass die Gesellschaft ihre Handlungen als persönliches Versagen betrachtet, falls sie nicht ihre
Erwartungen erfüllen.
Alle drei Betroffene hatte Angst vor persönlichen Versagen. Für Jennifer war der Arbeitsmarkt mit
großer Unsicherheit verbunden, weil man nicht wie früher auf die Traditionen zurückgreifen kann.
Deshalb hatte sie Angst davor, dass sie nicht ihren Traum von Erfolg erfüllen konnte. Natascha
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hatte Angst vor Kontrollverlust und vertraute deshalb niemand. Für Jana führte ihre hohe
Erwartungen an ihre Fähigkeiten zu Leistungsangst.
4.1.5 Hohe Geschwindigkeit der gesellschaftlichen Veränderungen und Trennung von Zeit
und Raum
Laut Giddens ist unsere heutige Gesellschaft wegen der Globalisierung u.a. von der Trennung von
Zeit
und
Raum
und
Entbettung
sozialer
Systeme
geprägt.
Die
Globalisierung und
Informationstechnologie bewirken ständige gesellschaftliche Änderungen, und deshalb müssen wir
umstellungsfähig sein. Dies bewirkt, dass wir ein Gefühl von Time Lag bekommen, also dass wir
das Gefühl bekommen, mit etwas in Rückstand geraten zu sein.
Die gesellschaftlichen Änderungen und die Geschwindigkeit, womit diese passieren waren für Dirk
B. ein Stressauslöser. Er beschreibt die Beschleunigung der Änderungen: “Schneller, höher, weiter,
immer machen, machen, machen, den Job, den Job, den Job” (Spiegel TV 2011, 07:29-07:38).
Sprachlich benutzt er Wiederholungen, die die Geschwindigkeit illustrieren, und die das Gefühl von
Überforderung widerspiegeln. Er musste sich immer auf neue Aufgaben vorbereiten und sich
ständig entwickeln und umstellen. Die Situation beschreibt er als “schneller, höher, weiter” - es
dreht sich also um drei Dimensionen. Er hatte das Gefühl sich auf mehrere Dimensionen entwickeln
zu müssen, was untermauert, dass der Druck groß war und von mehreren Seiten kam. Dies machte
die Ansprüche an ihn untragbar, und ist vermutlich eine Ursache für sein Stress werden.
Die Trennung von Zeit und Raum erlebte Natascha in ihrem Job. Sie beschreibt wie sie jeden Tag
vom frühen Morgen bis zum späten Abend arbeiten konnte, weil sie ständig E-Mails von
verschiedenen Ländern mit verschiedenen Zeitzonen bekam (Planet Wissen 2013, 02:37-02:53).
Dies erweiterte jeden Tag ihre Arbeitszeit, und sie konnte immer arbeiten, weil ihre
Geschäftspartner wegen der internationalen Zeitverschiebung immer irgendwo auf der Welt aktiv
waren. Darüber hinaus reiste sie auch viel in ihrem Job national aber auch international, um
Aufträge zu schließen (Planet Wissen 2013, 02:03-02:37). Nataschas Job forderte also viel
Flexibilität, und dies war nur möglich, wegen der heutigen Technologien und der abstrakten
Systeme. Natascha erlebte auch die Entwicklung der Kommunikationsmittel, indem sie jeden Tag
via Computer und Telefon mit Kollegen und Kunden weltweit kommunizierte (Planet Wissen
2013, 02:37-02:53). Diese Kombination von Trennung von Zeit und Raum in Kombination mit den
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abstrakten Systemen resultierte für Natascha in einer dauerhaften Überforderung, und dies lässt sie
mit einem Gefühl von Time Lag zurück. Ihr Alltag war hektisch.
Auch Eva spürte Druck an ihrem Arbeitsplatz u.a. auf Grund von den Expertensystemen. Sie hatte
bis zu 17 Gespräche am Tag, und sie wurde ständig in ihrem Büro gestört. Dies war für sie ein
Stressauslöser. Sie erzählt über einen normalen Arbeitstag: “Menschenmassen draußen zu sehen,
wo man, wo ich immer schon dachte so, boah, die Hälfte von den Leuten ist bei uns im Flur und
das geht wieder den ganzen Tag los. Türen die aufgerissen werden, nachgefragt wird, wo ist der und
der und der Raum, wo ist die Kasse, ihr Wartemarkenspender ist kaputt” (Spiegel TV 2011, 07:5608:19). Die Menschenmassen sind ein Ergebnis von den abstrakten Systemen. Mit der Einführung
von zum Beispiel das Expertensystem, hat die Bewegungsradius von Menschen sich erweitert. Dies
bewirkt u.a. eine Zentralisierung, die Eva deutlich beeinflusst, indem sie jeden Tag Klienten von
vielen Orten bedienen musste. Dies bewirkte, dass sie wie erwähnt unter einem Druck stand, den sie
nicht ertragen konnte. Darüber hinaus fühlte sie sich ständig überfordert, wegen des fortwährenden
Zuflusses von unterschiedlichen Aufgaben. Sie fühlte, dass sie mit ihrer Arbeit in Rückstand war,
und erlebte ein Time Lag.
Die hohe Geschwindigkeit der gesellschaftlichen Änderungen und die Trennung von Zeit und
Raum bewirkten für alle drei Betroffenen, dass sie ständig unter Leistungsdruck standen und
überfordert waren. Der Alltag wird potenziell anstrengender, länger und hektischer. Dirk B. hatte
ständig neue Aufgaben und musste sich deshalb immer entwickeln und umstellen. Nataschas
Arbeitstag wurde erweitert wegen der Zeitverschiebung. Die natürliche Abgrenzung der Arbeitszeit
ist verschwunden, was die Möglichkeit ergibt, dass man immer arbeiten kann. Nataschas Job
forderte viel Flexibilität auf Grund der abstrakten Systeme. Ihr Alltag war hektisch, und sie hatte
das Gefühl von Time Lag. Im Fall Evas beruhten der Druck und die Überforderungen auch auf die
abstrakten Systemen und dem fortwährenden Zuflusses von neuen und unterschiedlichen
Aufgaben.
4.1.6 Aktives Handlungsmodell des Alltags
Laut Ulrik Beck ist in der gegenwärtigen Gesellschaft ein aktives Handlungsmodell des Alltags
notwendig.
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Dies wird von Natascha bestätigt. Sie musste in der Stressklinik eine Struktur in ihrem Alltag
wiederfinden. Als sie gestresst war, achtete sie nicht auf sie selbst, und sie bekam zum Beispiel
keinen regelmäßigen Schlaf oder regelmäßige Mahlzeiten. Natascha sagt: “Die Leute brauchen
Struktur, das haben sie verlernt” (Planet Wissen 2013, 19:10-19:35). In der Klinik gab es einen
“geregelten Tagesablauf” mit Vollprogramm, und erst da lernte sie, dass es wichtig war, auf die
basalen Notwendigkeiten des Alltags zu achten. Sie sagt auch, dass sie ihren Rhythmus
wiederfinden müsse, und neu lerne (Planet Wissen 2013, 42:32). Sie hatte also vergessen, auf sich
selbst zu achten, und die fehlende Struktur machte sie stressig.
Auch Monika konnte nicht ihr eigenes Leben planen. Sie arbeitete 15 Stunden pro Tag, und wollte
sowohl Kinder als auch ihre Vollzeitarbeit schaffen. Monika hatte nicht ein Handlungsmodell ihres
Alltags und deshalb keinen Überblick über ihren Alltag. Sie konnte also nicht die Zeit und
Prioritäten in ihrem Alltag kontrollieren. Monika sagt, dass keine Entspannung möglich sei. Dies
zeigt, dass sie die Kontrolle mit ihrem Lebensprojekt verliert hatte. Sie erzählt über Entspannung:
“Man hat es sich nicht gegönnt” (Spiegel TV 2011, 05:19-05:21). Sie nahm sich keine Zeit für
Entspannung und wurde dadurch erschöpft und gestresst. Sie benutzt das Wort “gönnen”. Das
deutet darauf hin, dass sie Entspannung als ein seltenes Gut versteht, und nicht als eine
Notwendigkeit in ihrem Alltag. Wenn man sich keine Auszeit nimmt, dann wird man früher oder
später erschöpft. Dies kann ein Teil der Erklärung von ihrem Burnout sein. Wie oben erwähnt
beschreibt Monika auch, wie sie mittendrin stehe, und wie sie nichts mehr könne. Sie war so
gestresst, dass sie ihr Leben nicht länger kontrollieren konnte, oder ihre Zeit zweckmäßig planen
konnte.
Wie Natascha bekam Dirk S. auch erst Struktur in seinem Leben nach seiner Therapie. Vorher
arbeitete er 70 Stunden die Woche, und hatte entweder am Arbeitsplatz oder zu Hause keine
Energie (Das Erste 2014, 13:00). Er beschreibt seinen Zustand: “Für mich ist einfach dieses Bild ein
tiefes schwarzes Loch, wo man zwar irgendwie sieht, da ist ein Ausgang, aber du kommst nicht
raus, du kannst das eigene Kraft einfach gar nicht mehr bewegen” (Das Erste 2014 13:51-14:02).
Dirk S. benutzt den Ausdruck “schwarzes Loch”, was andeutet, dass er in diesem “Stress-Loch”
immer tiefer geriet und deshalb nicht rauskommen konnte. Er beschreibt auch, dass er den Ausgang
sehe, aber dass er trotzdem nicht rauskommen könne. Dies illustriert seine Frustration, er sieht den
Ausgang, aber konnte nicht rauskommen. Alles verschwindet in ein schwarzes Loch - auch die
positiven Gedanken. Für Dirk S. war alles negativ. Als er nach Hause kam, konnte er nur auf dem
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Sofa liegen und nichts machen. Er fang an die Unruhe in seinem Kopf mit Alkohol zu besänftigen,
und am Ende konnte er nur im betrunkenen Zustand einschlafen. Letztendlich versuchte er
Selbstmord zu begehen, aber das wurde von einem Freund verhindert (Das Erste 2014, 14:57). Er
begann bei einem betreuten Wohnort für junge Erwachsene und Mütter freiwillig zu arbeiten, um
Struktur in seinem Leben zu bekommen: “Das war so der Grund warum ich angefangen habe, um
mich den Tag zu strukturieren, um auch den Gefühl zu haben gebraucht zu werden, und was
sinnvolles zu machen” (Das Erste 2013, 18:59). Wie die übrigen Betroffenen brauchte er also auch
wieder Struktur, was er nicht vorher hatte.
Für Jana wurde das Modell ihres Alltags ihr auch zu viel. Jana dachte, dass sie mit den vielen
Arbeitsstunden alle ihre Aufgaben erledigen konnte und danach wieder Zeit für Familie und
Freunde hatte (Jana B. 2014). Doch wuchs die Arbeit, und sie war in einer Teufelskreis geraten, wie
sie erzählt: “Das würde sich auch nicht ändern, der naive Gedanke, nur mit stetigem Fleiß und viel
Arbeit schon bald wieder den Kopf für Privates und Zeit für Entspannung zu finden aber blieb und
so entsteht dieser Teufelskreis.” (Jana B. 2013). Wegen der hohen Erwartungen an sich selbst,
verlor Jana die Struktur in ihrem Alltag. Sie verlor den Überblick über ihren Alltag und die
Prioritäten und endete deswegen in einem Teufelskreis. Ein Teufelskreis ist ein selbstverstärkendes
geschlossenes System, die laufende schwieriger wird zu brechen (Duden 2013). Sie war in einer
Situation geraten, in der sie nicht einfach rauskommen konnte. Dies bewirkte, dass sie auf den Weg
zu einem Burnout war.
Axel konnte auch nicht seinen Alltag strukturieren. Er arbeitete zu viel, und wurde erschöpft (Das
Erste 2014, 02:30). Seine fehlende Struktur im Alltag bewirkte, dass er am Ende total kollabierte
und physisch nichts machen konnte, wie zum Beispiel seine Arme zu bewegen.
Die Betroffene verloren die Struktur ihres Alltags. Sie nahmen sich entweder Zeit für Entspannung
oder Freizeit, aber arbeiteten den ganzen Tag. Basale Bedürfnisse wie Essen, Trinken und Schlafen
wurden zurückgestellt. Sie verloren ihre Energie und konnten ihr schlechtes alltägliches
Rhythmus nicht loswerden, welches bewirkt, dass es noch schlimmer wurde. Dirk S. versuchte
seine Unruhe mit Alkohol entgegenzukommen, was die Situation noch verschlechterte. Dies
bewirkte eine Erschöpfung und wahrscheinlich auch im Endeffekt die Krankheit.
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4.1.7 Anpassungsfähigkeit
In der modernen Gesellschaft muss man, laut Dencik, sich eine extreme soziale Sensibilität
zueignen. Das bedeutet, dass gefühlsmäßige Ausbrücke zu Marginalisation führen, und dass man
deshalb lernt, die eigenen Gefühle zu unterdrücken.
Dies war auch bei Nicole den Fall. Nicole erklärt, wie schlimm ihre Situation sei, ehe sie nicht mehr
ertragen könne. Sie wurde tatsächlich Taub, erlebte Schwindeligkeit, hatte Schlafstörungen und
Herzrhythmusstörungen. Sie erzählt: “Am ende war mein ganzer Körper, da war alles
durcheinander” (Spiegel TV 2011, 00:59-01:03). Der Gebrauch vom Wort “durcheinander”
untermauert wie kritisch ihre Situation war. Sie hatte nicht nur einige körperlichen Symptome,
sondern ihr ganzer Körper war komplett beeinträchtigt. Sie hatte also viele physischen Symptome,
aber setzte fort zu arbeiten, bis sie eines Morgens dachte, dass sie tot umfallen wurde (Spiegel 2011,
01:19). Nicole hörte erst ihre eigenen Gefühle auf, wenn ihr Freundeskreis sich verringerte, die
Familie wackelte (Spiegel TV 2011, 03:13-03:16), und ihr Bruder ihr dazu zwang, etwas in ihrem
Leben zu ändern und einen Arzt zu suchen (Spiegel TV 2011, 03:37-03:54). Sie erzählt von der
Situation: “...ab dann ging es richtig bergab, wo ich dann, so zu sagen, meine Kontenance fallen
lassen habe” (Spiegel TV, 03:54-04:02). Sie reagierte nicht selbst auf ihre Symptome, bevor ihr
Bruder ihr zum Arzt zwang. Sie unterdrückte ihre Gefühle, was wir laut Dencik schon seit der
Kindheit gezwungen sind, weil wir in verschiedenen sozialen Arenen uns anpassen müssen. Die
Metapher “ging es bergab” zeigt, dass sie eine wirklich schlimme Zeit entgegen kam. Sie erzählt
auch, wie sie von den folgenden drei Monaten nichts erinnern könne. Das zeigt, dass ihren Zustand
äußerst kritisch war, bevor sie es selbst empfand und etwas dagegen tat. Erst nach physischen
Symptomen und dem Gespräch mit ihrem Bruder ließ sie ihre Kontenance fallen, was bedeutet,
dass sie bis diesen Punkt immer ihre Gefühle kontrolliert hatte. Hätte sie früher auf ihre Gefühle
und Bedürfnisse gehört und darauf reagiert, hätte sie vielleicht ihr Burnout vermeiden können.
Wie Nicole sah Natascha auch nicht mal ein, dass sie gestresst war, als sie einen Tag nach Hause
kam und nicht dazu imstande war, ihre Einkaufstüten zu ihrer Wohnung hoch zu tragen. Da hat sie
festgestellt, dass etwas los war, aber sie sah nicht ein, dass es ein Burnout war. Sie dachte, sie hatte
eine physische Krankheit und besuchte sieben verschiedene Ärzte. Sie sah erst ein, dass sie ein
Burnout hatte, als sie eine Klinik besuchte (Planet Wissen 2013, 04:02-04.32). Sie bekam physische
Symptome, und erst danach empfand sie ihre Gefühle, die sie vorher unterdrückte.
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Axel unterdrückte auch seine Gefühle. Er spürte nicht, dass er auf den Weg in Stress sei, vor dem
Tag, wo er nichts mehr könne: “Ich hatte mir das niemals eingestanden, dass ich nicht mehr konnte”
(Das Erste 2014, 02:30). Er hatte Schlafstörungen, aber er wollte damals nicht weniger arbeiten.
Erst am Tag wo er nicht mehr physisch konnte, fand er heraus, dass er krank war.
Dirk B. kommt auch zur Konklusion, dass er zu viel arbeitete: “Man merkt doch einfach, dass man
es übertrieben hat” (Spiegel TV 2011, 07:24-07:26). Erst nach seiner Diagnose reflektierte er über
seine Situation und spürte da, dass er übertrieb.
Auch Monika unterdrückte ihre Gefühle, was negative Konsequenzen für sie gab. Sie berichtet:
“Am Leben keine Lust mehr” (Spiegel TV 2011, 05:55-05:57). Monika spürte keine Freude in
ihrem Leben, und ihre Lebenslust war verschwunden. Sie setzt vor: “Das Leben war anstrengend,
egal was es war, was gekommen ist, die Alltagssituation” (Spiegel TV 2011, 06:00-6:12). Hätte sie
vorher ihr Leben geändert, wäre es vielleicht nicht so kritisch geworden. Ein Teil ihrer Therapie ist
Tai Chi, und dort lernt sie wieder sich zu Entspannen, und dadurch ihre Gefühle und Bedürfnisse
wieder ernst zu nehmen.
Nach Evas Diagnose hat sie gelernt, auf ihre Gefühle zu achten. Sie berichtet, wie sie sich jetzt in
ihrem Alltag, ob sie sich wohl fühlt oder nicht, bewusst ist. Als ein Beispiel für ihr Unwohlsein
benutzt sie das Wort “Aggressionsspirale” (Spiegel TV 2011, 10:37). Ehe ihr Burnout wusste sie
nicht, dass die Aggressionsspirale ein Zeichen für Stress war. Sie nahm sich nicht Zeit für
Entspannung, als sie die Aggression spürte. Jetzt denkt sie immer darüber nach. Sie hat also gelernt,
dass wenn sie ihre Gefühle unterdrückt, kann es zu Stress führen. Eva reflektierte erst nach ihrer
Diagnose über ihre Gefühle und Bedürfnisse. Sie sah ein, dass sie auf sich selbst achten musste. Sie
musste Pausen machen, weil sie sonst keine Energie hatte. Sie entdeckte wie wichtig die
Selbstbeobachtung ist, und dass man auf sich selbst achten muss: “...dass ich einfach bewusst auch
mit mir umgehe, dass ich wieder auf mich achte, also eigentlich das was ich während der ganzen
Zeit, oder ich sag mal, während der letzte eineinhalb Jahre mehr oder weniger völlig vergessen
habe, dass es um mich geht, dass ich gucken muss, dass es mir gut geht und gucken muss, dass ich
regelmäßig esse, dass ich regelmäßig trinke, und dass ich auch Pausen mache, weil wenn ich keine
Pausen mache, habe ich keine Energie“ (Spiegel TV 2011, 08:33-08:57). Sie unterdrückte ihre
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Gefühle, was zu einem Alltag ohne Pausen und Entspannung führte. Durch eine gewisse Zeitspanne
führt so ein Leben zum Stress und psychischen Erschöpfung und im schlimmsten Fall Burnout.
Wie oben erwähnt machte Jennifer viele Überstunden um eine Festanstellung zu bekommen, und
dies hatte zuletzt zu Schlafstörungen und letztendlich einem Zusammenbruch in einem Meeting
geführt (SWR Landesschau 2013, 03:54-04:07). Jennifer sagt indirekt, dass sie über ihre Grenzen
gegangen sei: “...ich habe sehr viele Symptome ignoriert, wie das auch typisch ist für Burnout
Patienten, die gehen einfach über ihre Grenzen” (SWR Landesschau 2013, 04:08-04:14). Jennifer
versuchte die Anpassungsfähigkeit zu meistern durch eine Unterdrückung ihrer Gefühle. Obwohl
Jennifer jetzt wieder gesund ist, müssen ihre Familie und Freunde sie immer noch daran erinnern,
dass sie sich beruhigen muss (SWR Landesschau 05:45-05:55). Obwohl sie ein Burnout hatte, hat
sie doch nicht ihre persönliche Grenze gefunden. Dies untermauert, wie schwierig es ist, auf eigene
Gefühle zu reagieren.
Jana ignorierte die Sorgen von ihren Verwandten und die Wahrsignale, um alle ihre To-Dos zu
schaffen. Sie sagt, dass sie nicht die Stressspirale, in der sie sich befand, erkannt habe (Jana B.
2014). Laut Dencik, hatte sie also ihre eigenen Gefühle marginalisiert. Sie war auf den Weg zum
Burnout, ohne es selbst zu erkennen, und deshalb nahm sie keine Rücksicht an sich selbst. Der
Gebrauch vom Wort “Stressspirale” zeigt, dass der Umfang ihrer Probleme ständig grösser wurde.
Sie hatte Schwierigkeiten ihre Situation wieder im Griff zu bekommen.
Laut Ziehe, sind die Anerkennung und das Akzept von anderen Menschen heute sehr wichtig, weil
die Arbeitsfähigkeit bei den meisten Menschen davon abhängt, ob sie sich wohl in ihrem
Beziehungsgefüge fühlen. In Janas neuen Job versuchte sie Anerkennung und Bestätigung über ihre
Arbeit von den anderen Mitarbeitern zu finden (Jana B. 2014). Die Anerkennung und Bestätigung
hatten also eine große Bedeutung, was Janas Arbeitsfähigkeit betraf, und damit auch was die
Erfüllung der Erwartungen an sich selbst betraf.
Um die Anpassungsfähigkeit zu meistern, müssen wir zwischen verschiedenen Rollen wechseln
können, weil wir uns in unterschiedlichen sozialen Arenen immer bewegen. Dirk S. hatte Probleme
mit dieser Umstellung. Das Ergebnis war, dass er seine Frau verlor. Auch Monika musste
wenigstens zwei Rollen täglich erfüllen - die Rolle als Mutter und die Rolle als Angestellte. Diese
Anpassungsfähigkeit hat hier in den beiden Fällen zu Unzulänglichkeit geführt.
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Die Betroffene hörten die Wahrsignale nicht an. Sie reagierte nicht bis die psychischen Symptome
sich in physische Symptome umwandelten. Dies bewirkte, dass sie in einer sehr kritischen Situation
gerieten, ehe sie etwas dagegen tan. Ihr bisheriges Leben wurde fast total zerstört. Dies bewirkte
einen negativen Zirkeleffekt, in dem sie ständig tiefer im Stress steckten. Sowohl Eva als auch Jana
beschrieben eine negative Spirale, und sie hatte Schwierigkeiten die Situation umzukehren. Erst
nach der Krankschreibung oder Behandlung fanden sie heraus, dass sie ihre Arbeit übertrieben
hatten. Sie lernten danach die Wichtigkeit der eigenen Bedürfnisse, zu kennen und auf ihre eigenen
Gefühle zu hören.
Die Bedeutung der modernen Identität und die gesellschaftliche Änderungen im Bezug auf
Stressursachen sind jetzt durch Erfahrungsberichte beleuchtet worden. Im folgenden Abschnitt
werden wir auf die Darstellung der Stressursachen in unternehmerischen Webtexten eingehen.
4.2 Darstellung der Stressursachen durch Unternehmen
Im folgenden Abschnitt wird der zweite Teil der Empirie analysiert, um zu Stressursachen wie
Stressursachen durch unternehmerische Webtexte von den Unternehmen Audi, Deutsche Bank,
Opel und Beiersdorf Stressursachen dargestellt werden. Die Ursachen teilen sich hauptsachlich in
drei Kategorien auf: Anpassungsfähigkeit, hohe Geschwindigkeit/Trennung von Raum und Zeit und
aktives Handlungsmodell des Alltags.
4.2.1 Anpassungsfähigkeit
In dem Webtext Beiersdorfs gehen sie auf die notwendige Anpassungsfähigkeit ein: “der
permanente Anpassungsdruck” mit dessen alle Menschen unterschiedlich umgehen, und “die zu
einem normalen Bestandteil der gegenwärtigen Arbeitswelt geworden ist” (Beiersdorf 2014). Laut
Dencik sind die Ansprüche an Anpassungsfähigkeit geschärft worden, weil wir uns in
verschiedenen sozialen Arenen gebärden müssen, was Beiersdorf durch den Gebrauch vom Wort
“Anpassungsdruck” untermauert. Das Wort “permanent” deutet auf einen ständigen Druck hin, der
immer und überall da ist. Man hat also nicht die Möglichkeit vom Druck weg zu kommen,
beziehungsweise man muss sich anpassen. Diese erforderliche Anpassung kann anstrengend sein,
und vermutlich kann sie eine Stressursache sein.
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4.2.2 Hohe Geschwindigkeit und Trennung von Zeit und Raum
Beiersdorf bezeichnet die “Veränderungsprozesse der Gesellschaft” als einen normalen Bestandteil
der gegenwärtigen Arbeitswelt (Beiersdorf 2014). Dencik geht auch auf die Veränderung in seiner
Theorie ein. Die neuen Technologien und die Globalisierung bewirken ständige und rasche
Veränderungen. Die Veränderungen fordern eine schnelle Umstellungsfähigkeit und viele
Ressourcen von den Mitarbeitern. Sie erleben einen Leistungsdruck, wovon auch Audi erzählt:
“Der zunehmende Leistungsdruck ist so ein Problem” (Audi 2014). Dieser Druck ist vermutlich
auch von den Veränderungen verursacht. Die Technologien und die Globalisierung bewirken bei
Audi nicht nur Geschwindigkeit sondern auch Effektivität: “Das Volumen und die Komplexität von
Tätigkeiten steigen hier stetig”. Die Komplexität ist eine bleibende Herausforderung. Die
Mitarbeiter können in Time Lage geraten, weil alle Prozesse so effektiv sein müssen und die
Veränderungen schnell geschehen.
Laut Deutsche Bank bewirken die Veränderungen der Gesellschaft einen dynamischen
Arbeitsumfeld: “Unsere Mitarbeiter bewegen sich in einem herausfordernden und dynamischen
Arbeitsumfeld” (Deutsche Bank 2014). Sowohl das Wort “herausfordernden” als auch das Wort
“dynamisch” haben positive Konnotationen. Herausforderungen sind gleich Spannung im Alltag,
und dies ist eine Voraussetzung für das Erreichen von Erwartungen, die wir in der modernen
Gesellschaft erfüllen möchten. Dynamik ist mit Bewegung verbunden. Gemeinsam für die beiden
Wörter gilt es aber, dass sie auch Ansprüche an die Mitarbeiter setzen. Die Veränderungen der
Gesellschaft und ein herausforderndes Arbeitsumfeld sind insofern positiv für die Mitarbeiter, aber
nur solange es nicht übertriebt wird, und die Mitarbeiter nicht länger folgen können. In dem Fall
dann können diese Faktoren Stress auslösen. Deutsche Bank hat an ihre Angestellte auch
Erwartungen was die Geschwindigkeit der Änderungen betrifft: “Sie die Mitarbeiter müssen bei
ihrer Arbeit rasch reagieren und Anspruchsvolle aufgaben bewältigen” (Deutsche Bank 2014). Dies
zeigt einerseits, dass die Mitarbeiter Verantwortung haben, und dass Deutsche Bank sich auf ihre
Mitarbeiter verlassen. Anderseits stellt es auch hohe Ansprüche an die Mitarbeiter, indem sie auch
die Raschheit und die Ansprüche entgegen kommen sollen. Deutsche Bank schreibt auch, dass die
Lebensqualität sich in den Leistungen der Mitarbeiter spiegelt (Deutsche Bank 2014). In dieser
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Aussage liegt auch einen gewissen Anspruch an die Mitarbeiter. Wenn die Mitarbeiter diese
Ansprüche nicht entgegen kommen können, entsteht möglicherweise eine stressende Situation.
4.2.3 Aktives Handlungsmodell des Alltags
Laut Beck ist ein aktives Handlungsmodell des Alltags in der Modernität notwendig. Das behauptet
sich, wenn es darum geht, eine angemessene Work-Life-Balance zu erreichen. Opel bezeichnet die
Work-Life-Balance als wichtig: “Freuen sie sich, Leben und Arbeit in eine für Sie angemessene
Balance zu bringen - denn nur ein zufriedener Mitarbeiter kann seine Ideen und seine Kompetenzen
optimal ausschöpfen” (Opel 2014). Opel signalisiert mit dieser Aussage, dass sie von ihren
Mitarbeitern erwarten, dass sie Balance in ihrem Leben haben sollen, damit sie Leistungen am
Arbeitsplatz bringen können. Opel setzt die Mitarbeiter unter Druck. Eine verschobene Work-LifeBalance ergibt also laut Opel geringere Leistungen. Dies kann zu Stress führen.
Die Unternehmen bezeichnen die Geschwindigkeit und den darauf folgenden Bedarf an Effektivität
als einen stressauslösenden Faktor. Darüber hinaus heben sie die Wichtigkeit der Work-LifeBalance hervor.
Wir werden im folgenden Abschnitt die vorsorgenden Maßnahmen der Unternehmen benennen und
bewerten.
5. Präsentation und Bewertung von unternehmerischen Maßnahmen
vor dem Hintergrund der dargestellten Ursachen
Im folgenden Abschnitt werden gesundheitlichen Maßnahmen der Unternehmen in Kategorien
gesammelt, analysiert und danach diskutiert mit Einbeziehung vom zugeeigneten Wissen über
Stressursachen von den beiden Analyseteilen.
5.1 Gesundheitliche Programme
Alle von uns ausgewählten Unternehmen haben gesundheitliche Programme.
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Beiersdorf hat ein Angebot für ihre Mitarbeiter, das “GO kompakt” genannt wird. Die Mitarbeiter,
die freiwillig teilnehmen wollen, erhalten einen Tag frei, wo sie an Vorsorgeuntersuchungen und
interaktiven Gesundheitsschulungen teilnehmen. Da können sie über Entspannung und gesunde
Ernährung lernen (Beiersdorf 2014). Hierdurch erkennen die Mitarbeiter die Wesentlichkeit von
Entspannung und gesunden Ernährung, und dass sie auf Ernährung und Entspannung achten
müssen, wenn sie ihr Handlungsmodell des Alltag konstruieren. Sowohl Eva als auch Natascha
gönnten sich keine Pausen und vergaßen zu Essen.
Eine Gesundheitsschulung konnte
möglicherweise bewirken, dass Eva oder Natascha die Wichtigkeit von Ernährung und
Entspannung im Alltag gelernt hatten und dadurch auf dies im ihrem Handlungsmodell des Alltags
geachtet hatten. Für Jennifer und Dirk B. konnten eine Gesundheitsschulung wahrscheinlich auch
positive Einfluss gehabt haben. Sie konnten nicht ihre Prioritäten richtig einordnen und konnten
auch nicht einsehen, was für sie am wichtigsten war. Die gesundheitlichen Programme könnten
möglicherweise Jennifer und Dirk B. mit ihrer Prioritätseinordnung geholfen haben.
Der Audi-Konzern unternimmt individuelle Prävention in der Form von einem Checkup-Programm.
Das Programm wird die Mitarbeiter über Gesundheit informieren und dies könnte vielleicht
Nataschas Burnout verhindert haben. Wie oben erwähnt unterdrückte Natascha ihre Gefühle, was
möglicherweise zu ihrem Burnout gewirkt hat. Dieses Programm könnte sie über Gesundheit
hierunter auch Burnout informieren und damit verbeugend geholfen haben. Außerdem hätte sie
vielleicht früher die Wahrsignale wahrgenommen. Das Checkup-Programm könnte also zum
Beispiel im Fall von Natascha geholfen haben, indem sie vielleicht früher die Krankheit entdeckt
hätte. Durch das Programm würden die Symptome der Personen in der Analyse vielleicht
rechtzeitig entdeckt werden, und könnte stressbedingten Krankheiten der Betroffene vermeiden
haben.
Deutsche Bank hat ein “Employee Assistance Programme”. Durch dieses Programm können die
Mitarbeiter Hilfe zur Klärung von persönlichen Angelegenheiten im Beruf und im Privatleben
bekommen (Deutsche Bank 2014). Das Programm kann möglicherweise dazu beitragen kollegialen
Streitigkeiten vermeiden, und dadurch zu einer guten Work-Life-Balance beitragen, weil man zum
Beispiel nicht die Arbeit mit nach Hause nehmen. Das Programm trägt vermutlich zu einem guten
psychischen Arbeitsklima bei, weil die Mitarbeiter sich wohl in ihrem Beziehungsgefüge fühlen.
Keiner von den Betroffenen erzählt direkt, dass ein schlechtes Beziehungsgefüge am Arbeitsplatzt
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auf ihr Burnout einwirkten. Trotzdem war der Beziehungsgefüge sehr wichtig für Jana, und er spielt
laut der Theorie auch eine wesentliche Rolle.
Deutsche Bank bietet auch Stressmanagement Kurse an, sowohl online als auch offline. Deutsche
Bank ist sich bewusst, dass Stress die Leistungen der Mitarbeiter verringert, und sie arbeiten
strategisch damit, den Stress ihrer Mitarbeiter zu vermeiden. Dies fungiert aber nur, wenn die
Mitarbeiter von den Techniken, die sie im Kurs gelernt haben, Gebrauch machen. Solche Techniken
sind für einige Personen sinnvoll, wie zum Beispiel Eva. Für sie war der Stressauslöser die Hektik
des Alltags. Sie wurde ständig in ihrem Büro gestört, weswegen Entspannungstechniken für sie im
Büro benutzt werden könnten.
Der Zweck der Programme gelingt nur, wenn die obengenannten Programme obligatorisch sind,
sonst wurden die Mitarbeiter sich vielleicht nicht die Zeit dafür nehmen. Wie in der Theorie
erwähnt ist die Vertrauensrelation, laut Giddens, zum Beispiel zwischen Expertensystemen und
Individuen,
entscheidend
für
unsere
Handlungsmöglichkeiten
und
damit
auch
unsere
Entscheidungen. Deshalb ist das Vertrauen zu den Programmen eine grundliegende Voraussetzung
für den Gebrauch davon. Ist diese grundliegende Vorrausetzung erfüllt, können die Programme
folgende positive Wirkungen haben: Sie können einen vorsorgenden Effekt haben, indem die
Mitarbeiter Symptome auf eine frühere Entwicklungsstufe entdecken können, und damit früher
eingreifen können als sonst, und dadurch Burnout vermeiden. Darüber hinaus können zum Beispiel
Stressmanagement Werkzeuge damit helfen, die Prioritäten des Alltags zweckmäßig einzuordnen.
Die Programme können auch bei sozialen Problemen am Arbeitsplatz helfen und dadurch die
Beziehungen der Mitarbeitern bauen und verstärken. Dies kann bewirken, dass die Mitarbeiter nicht
ihre Arbeit mit nach Hause nehmen, und es macht die Abschaltung nach der Arbeit im Alltag
einfacher.
5.2 Flexible Arbeitsmodelle
Sowohl Deutsche Bank als auch der Opel Konzern bieten flexible Arbeitsmodelle an. Die flexiblen
Arbeitsmodelle trägen auf der eine Seite dazu bei, dass die Mitarbeiter Work-Life-Balance
erreichen können und ihre Arbeitszeit mit ihrem Lebenssituation und ihren Bedürfnissen abstimmen
können. Das flexible Arbeitsmodell wurde zum Beispiel in der Fall Monikas Sinn gemacht haben.
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Zum Beispiel könnte Arbeit von zu Hause aus ihr damit geholfen haben, ihr Alltag zu strukturieren
und dadurch könnte sie auch einfacher die alltäglichen Pflichten schaffen. Auf der anderen Seite
können die flexiblen Arbeitszeiten und die Arbeit von zu Hause auch dazu führen, dass die
Mitarbeiter mehr arbeiten, als wäre sie im Büro, und auch keine Pausen machen. Die Mitarbeiter
arbeiten vielleicht immer noch am Abend, wenn sie eigentlich Feierabend haben sollten, oder sie
machen Hausarbeit, statt eine Pause zu machen. Flexible Arbeitszeiten können dazu mitwirken,
dass man mehr arbeitet als sonst. Dies kann letztendlich zu Stress und damit Burnout führen. Für
die Mitarbeiter mit hochgesetzte Ziele ist ein flexibles Arbeitsmodell nicht eine vorsorgende
Maßnahme, weil sie konsequent viel arbeiten um ihre Ziele zu erreichen wie zum Beispiel mit
Jennifer oder Natascha. Für sie war Erfolg das Wichtigste, und deshalb würde ein flexibles
Arbeitsmodell ihr nicht damit geholfen haben, ihr Alltag besser zu strukturieren, und damit das
Burnout zu vermeiden.
Die Führungskräften Opels können vollkommen selbst bestimmen, wann sie arbeiten wollen. Für
einige Personen erleichtern diese Maßnahmen den Alltag, in dem sie selbst die Zeit steuern dürfen,
aber für andere konnte dies in Überarbeit resultieren. Führungskraft zu sein ist eine anspruchsvolle
Stellung, und fordert oft lange Arbeitstage. Für eine Person, die an sich selbst hohe Ansprüche hat,
kann diese Zeitsouveränität in übertriebenen Arbeitstagen und am Ende vielleicht in Überforderung,
Stress oder Burnout resultieren.
Die flexiblen Arbeitsmodelle können einerseits die Mitarbeiter dabei helfen, eine angemessene
Work-Life-Balance zu erreichen, indem sie flexibel sind. Anderseits die flexiblen Arbeitsmodelle
aber auch bewirken, dass die Mitarbeiter mehr, oder so viel wie sonst arbeiten, weil sie keinen
bestimmten Zeitrahmen haben, und tendenziell dazu neigen, viel arbeiten zu wollen.
5.3 Wiedereingliederungsprogramme
Die beiden Unternehmen, Beiersdorf und Audi, haben Wiedereingliederungsprogramme eingeführt.
Die Wiedereingliederungsprogramme helfen den Mitarbeitern, die aus längerer Krankheit
zurückgekommen sind, in eine angemessene Geschwindigkeit wieder in den Job zurückzukehren.
Dies verhindert, dass die Mitarbeiter, die früher zum Beispiel eine stressbedingte Krankheit hatten,
nicht einen Rückfall bekommen. Deswegen gibt das Wiedereingliederungsprogramm eine
Sicherheit und vorsorgende Effekt für die Mitarbeiter, die nach einem Burnout in den Job
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zurückkehren.. Die Wiedereingliederungsprogramme können also stressbedingte Krankheiten
vermeiden, indem früher Betroffene durch diese Programme eventuelle Rückfalle vielleicht
entgehen können. Für Natascha war das Programm ein Erfolg, sie kehrte Stufenweise in ihren alten
Job zurück. Dirk S. erlebte einen Rückfall, und begann wieder zu trinken. Mit einem
Wiedereingliederungsprogramm, wäre für ihn vielleicht die Situation ganz anders aufgefallen.
Außerdem haben die Wiedereingliederungsprogramme einen positiven Nebeneffekt. Sie können
stressbedingte Krankheiten vielleicht enttabuisieren, indem die Personen, die zurückgekommen sind
offen über ihren Verlauf erzählen können. So war es zum Beispiel bei Natascha. Als sie in ihren
alten Job zurückkehrte, waren die Kollegen sehr neugierig, und fragten sehr viel nach Nataschas
Krankheit. Sie war offen, und erlebte sehr positive Reaktionen von den Kollegen, die sie
anscheinend sogar sympathischer, als vor ihrem Burnout, fanden. Entsteht eine soziale Praxis, in
der man offen über stressbedingte Krankheiten und deren Symptome reden kann, egal in welcher
Phase der Krankheit oder psychische Erschöpfung man sich befindet, kann es vielleicht dazu
führen, dass mehr Personen eventuelle Wahrsignale entdecken. Dadurch kann Burnout oder
ähnliches vermeidet werden.
Wenn die Wiedereingliederungsprogramme richtig gestaltet sind, tragen sie dazu bei der Anzahl
von Rückfällen und dadurch der Anzahl von Betroffenen zu senken. Im besten Fall haben sie die
Nebenwirkung, dass sie durch die wiedereingliederten Mitarbeitern mit Stress und Burnout als Tabu
brechen können.
5.6 Sportliche Maßnahmen
Beiersdorf hat alle ihre Programme in einer “good4me”- Plattform gesammelt. Diese Plattform gibt
die Mitarbeiter Information über medizinische, soziale oder sportliche Programme. Die Programme
können gegen Stress und Burnout für einige Mitarbeiter wirken, indem sie dazu beitragen können,
das Beziehungsgefüge zwischen Kollegen zu entwickeln und damit auch Vertrauen zu den anderen
Kollegen zu bilden. Diese Beziehung kann bewirken, dass Vertrauen unter den Mitarbeitern sich
entwickelt, was ergeben kann, dass die Mitarbeiter einander mit den alltäglichen Arbeitsaufgaben
helfen. Dies bewirkt, dass die Mitarbeiter nicht alles selbst machen und das Gefühl haben, alles
selbst kontrollieren zu müssen, was Überforderung verursachen kann.
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Beiersdorf hat “aktive Pausen” eingeführt, in der die Mitarbeiter in einem Fitnessstudio Beratung
für Fitness bekommen können. Die “aktive Pausen” helfen den Mitarbeitern dabei, ihr Aussehen
und Lebensstil zu gestalten. Wie Beiersdorf bietet der Opel Konzern auch ihre Mitarbeiter Zutritt zu
einem Gesundheitsstudio an. Im Gesundheitsstudio gibt es Fitnessgeräte und Trainingskurse. Dies
soll bewirken, dass die Mitarbeiter sowohl eine angemessene Work-Life-Balance erreichen als auch
durch gemeinsames Sporttreiben soziale Kontakte bekommen (Opel 2014). In dem Fall Nataschas
half es, Sport zu treiben, und dies gab ihr Energie im Alltag. Die sportlichen Maßnahmen können
auch unter den Kollegen einen Freiraum kreieren, in der sie vielleicht offener als bei den
Schreibtischen reden können - auch über gesundheitliche Verhältnisse, und dies kann einen
vorsorgenden Effekt schaffen. Die sozialen Relationen beim Sport helfen auch dabei die
Beziehungen am Arbeitsplatz zu stärken, und dies baut vertrauen. Sowohl Jennifer als auch
Natascha waren beide Perfektionisten, und sie waren nicht imstande, ihre Kollegen mit Aufgaben
zu vertrauen, in solchen Fällen könnte soziale Events vielleicht eine positive Wirkung gehabt
haben.
In Verbindung mit den physischen Aktivitäten können die Mitarbeiter auch
Entspannungstechniken lernen. Die Entspannungstechniken bewirken, dass die Mitarbeiter sich von
einem
Alltag
mit
vielem
Druck
und
vielen
Ansprüchen
abschalten
können.
Die
Entspannungstechniken fordern, dass sie sich Zeit nehmen, die Entspannungstechniken zu lernen,
und nicht wenigstens, dass sie die auch im Alltag benutzen. Für sowohl Eva als auch Monika war
das Problem nicht, dass sie nicht wussten, wie sie sich entspannen konnten, aber dass sie sich keine
Zeit für die Entspannung gegönnten. Insofern würden Entspannungstecknicken den beiden nicht
sonderlich helfen.
Opel veranstaltet für ihren Mitarbeiter verschiedene Events, wie zum Beispiel Formenläufe oder
Fußballmeisterschaften oder Abendveranstaltungen, um zielgerichtet die sozialen Kontakte zu
fordern. Die Freizeit-Events können auch dabei helfen, Vertrauen unter den Mitarbeitern zu
entwickeln, was zu einer guten Zusammenarbeit und Entlassung im Alltag führen kann.
Die sportlichen Maßnahmen fordern die Beziehungen zwischen Kollegen. Zusammen Sport zu
treiben bildet Vertrauensrelationen unter den Mitarbeitern, die sie vermutlich sonst nicht bilden
würden.
Gemeinsam für alle die vorsorgenden Maßnahmen gilt es, dass sie nur bis einem gewissen Punkt
eine Einwirkung haben können. In Fällen wo der Personen schon psychisch erschöpft oder stressig
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sind, würden die Maßnahmen vermutlich nicht helfen, indem sie vermeidet oder übergesehen
würden wegen zum Beispiel Zeitdruck oder psychischer Erschöpfung.
Durch das Projekt sind die Ursachen für Stress und Burnout anhand der modernen Identität durch
Erfahrungsberichte und unternehmerische Webtexte analysiert geworden. Danach sind die
vorsorgenden Maßnahmen der Unternehmen präsentiert, und wir haben den Effekt der Maßnahmen
bewertet. Die Ergebnisse werden zunächst in der Konklusion und Ausblick zusammengefasst und
beleuchtet.
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6. Konklusion und Ausblick
Das
Ziel
dieses
Projekts
war
zu
untersuchen,
warum
immer
mehr
erwerbstätige
Personen stressbedingte gesundheitliche Probleme erleben. Die moderne Identität und die folgen
davon spielen dabei eine signifikante Rolle.
Die Änderungen der Gesellschaft bedeuten, dass wir selbst unsere eigene Selbsterzählung bilden
müssen, weil wir nicht mehr auf Traditionen zurückgreifen können. Deshalb ist eine gewisse Menge
Selbstreflexion nötig, um u.a. herauszufinden, was wir im Leben wirklich wollen. Die
Selbstreflexion war für die Betroffene schwierig zum Teil wegen der vielen Möglichkeiten aber
auch wegen fehlender Kriterien. Es kann schwierig sein, die Prioritäten im Leben richtig
einzuordnen. Wenn die Entscheidungen, die wir treffen müssen, nicht richtig getroffen werden,
kann es zu Stress führen. Auf Grund der Zerstörung von Traditionen suchen wir nach anderen
Kriterien, wie die von der Tradition gegebene, die wir für die Gestaltung unserer Selbsterzählung
benutzen können. Die Medien bieten solche Kriterien an. Das bedeutet, dass unsere Selbsterzählung
von den Bildern der Medien geprägt ist. Die Medien und die vielen Möglichkeiten bewirken eine
Erweiterung von Erwartungen im Leben. Durch die ständig gezwungene Selbstreflexion, werden
wir außerstande unsere eigenen Fähigkeiten zu bewerten. Deswegen sind die Erwartungen, die wir
haben, oft unerreichbar und unrealistisch. Dies bewirkt eine Unverhältnismäßigkeit zwischen den
Erwartungen und der Realität. Dieses Spannungsfeld führt dazu, dass wir oft nicht unsere
Erwartungen erfüllen können. Wenn wir versuchen die Ziele zu erreichen, arbeiten wir viel und
erreichen trotzdem nie die Ziele, weil sie unrealistisch sind, und deswegen kann es zu
Überforderung und letztendlich Burnout führen.
In der modernen Gesellschaft haben wir selbst Verantwortung für unsere Identitätsbildung und
unser Leben, und deshalb haben wir Angst vor dem persönlichen Versagen. Wenn wir uns
verfehlen, tragen wir selbst die Schuld dafür, was zu weiteren Anstrengungen und Überforderungen
führen kann. Die Angst für persönliches Versagen können auch dazu fuhren, dass wir alles selbst
kontrollieren wollen. Für die Betroffene bewirkte dies, dass sie nicht vertrauen an den Kollegen
hatten und deshalb alle Aufgaben selbst machten. Das Ergebnis sind viele Aufgaben und viel
Arbeit, was auch zum Stress führen kann.
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Die gesellschaftlichen Änderungen hierunter die Globalisierung und die neuen Technologien
bewirken, dass die vorher natürlichen Abgrenzungen aufgelöst sind, und dass wir deshalb überall
arbeiten können und jederzeit arbeiten können. Diese Entwicklung bewirkt auch eine
Beschleunigung der gesellschaftlichen Änderungen, was eine ständige Umstellungsfähigkeit und
einen Leistungsdruck gestaltet. Dieser Druck kann in sich selbst Stress bewirken. Die
Beschleunigung hat im Bezug auf die Work-Life-Balance auch eine große Bedeutung, indem sie
sich auf Grund der vielen Arbeit leichter verschieben kann. Die fehlende Struktur im Alltag kann
über Zeit zu Erschöpfung und Stress führen.
Auf der Jagd nach Erfolg vergessen wir Rücksicht an uns selbst zu nehmen, und wir vergessen auf
unsere basalen Bedürfnisse und Begrenzungen zu achten. Wir haben gelernt, dass Gefühlsausbrücke
uns marginalisieren, und wir müssen uns ständig anpassen, und imstande sein, verschiedene Rollen
in verschiedenen sozialen Arenen zu spielen. Deswegen werden die Wahrsignale ignoriert, und wir
setzen ungestört vor, bis wir im schlimmsten Fall das Burnout erreichen. Die moderne Identität und
die gesellschaftlichen Änderungen gestalten kreuz und Quer eine Mischung aus verschiedenen
Stressauslösern, die sowohl alleine als auch zusammen zu Stress oder Burnout führen können.
Die Unternehmen sind auf diesen obengenannten steigenden Leistungsdruck aufmerksam, und sie
wissen, dass gesunde Mitarbeiter bessere Leistungen bringen. Sie unternehmen Maßnahmen, um
die stressbedingten Krankheiten zu vorsorgen. In der Analyse der Betroffenen und der Analyse der
unternehmerischen Webtexte gibt es eine Übereinstimmung zwischen den Stressursachen. Die
vorsorgenden Maßnahmen funktionieren weitgehend nach der Absicht. Die Maßnahmen können
allerdings nicht alle Stressfälle vorsorgen, weil sie zum Beispiel nicht den steigenden Druck, der
mit der Globalisierung verknüpft ist, nicht entfernen. Darüber hinaus kann die steigende Anzahl von
Betroffenen auch durch andere Faktoren erklärt werden, die nicht von der modernen Identität
abhängen. Sicher ist es aber, dass Stress, Burnout und andere stressbedingte Krankheiten durch Zeit
aufgebaut werden, und wenn man die vermeiden möchte, muss man so früh wie möglich eingreifen.
Deswegen sind Offenheit und Ehrlichkeit gegen uns selbst und am Arbeitsplatz eine Notwendigkeit
um die Kurve zu knicken.
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Anhang a – Jana B. 2014
“Ich habe das Risiko des Burnout unterschätzt”
“Bei mir fing alles mit meinem neuen Job an. Es war eine Mischung aus Angst den neuen
Anforderungen nicht gerecht werden zu können, nicht versagen zu wollen und gleichzeitig
Anerkennung und Bestätigung über meine Arbeit zu finden. Dadurch verspürte ich unaufhörlich
den Drang viel erledigen, viel arbeiten zu WOLLEN, sehnte mich nach dem Gefühl, all die To Dos
von der Liste zu streichen, der Lage wieder Herr zu werden. Ich wollte tatsächlich effizient sein,
nichts zu tun war für mich reine Zeitverschwendung.
Ich nahm mir Arbeit mit nach Hause, freute mich auf das Wochenende wegen dem Gefühl damit
Arbeit erledigen zu können, das Pensum wieder in den Griff zu bekommen. Private Verpflichtungen
in der Freizeit empfand ich plötzlich als Stress und Belastung, weil mir damit Zeit fehlte, um die
Arbeit einzuholen. Ich nahm mir immer weniger Zeit für Familie und Freunde.
Mit der Zeit aufkommende Sorgen von meinen Angehörigen habe ich gar nicht ernst genommen
und es als vorübergehende Phase abgetan, weil ich eben geglaubt habe je fleißiger und effizienter
ich jetzt bin, desto eher kann ich meine To Dos wieder überblicken und habe wieder den Kopf für
Privates. Nur wuchs der Berg an Aufgaben mit dem gleichen Tempo, wie ich sie abhaken konnte.
Das würde sich auch nicht ändern, der naive Gedanke, nur mit stetigem Fleiß und viel Arbeit schon
bald wieder den Kopf für Privates und Zeit für Entspannung zu finden aber blieb und so entsteht
dieser Teufelskreis.
In dem Glauben die Ursachen für Burnout liegen in Arbeit, die einem keinen Spaß macht, dass nur
die, die morgens aufwachen und nicht zur Arbeit wollen Gefahr laufen an Burnout zu erkranken,
sah ich mich gar nicht gefährdet und erkannte die Stressspirale gar nicht, in der ich mich befand.
Jetzt weiß ich, dass gerade die, die To Dos abarbeiten wollen und effizient sein wollen gefährdet
sind und wie ich viel zu spät erkennen, dass man auf dem direkten Weg zum Burnout ist.
Ich will gar nicht sagen, dass ich ausgebrannt bin oder war oder gar an Burnout litt, nur, dass ich
ohne es zu merken darauf zugesteuert bin und froh darüber bin, die Gefahr erkannt zu haben und
nun zu wissen, dass es jeden treffen kann – und das schneller, als man glaubt. Nur auf Drängen
meiner besorgten Familie beschäftigte ich mich mit dem Thema. Nur dadurch wurden mir die
Warnsignale erst als solche bewusst und mir klar, dass ich besser auf mich aufpassen muss.”
Jana B. (32)
http://www.hilfe-bei-burnout.de/austausch/erfahrungsberichte/
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Anhang b – Audi 2014
Gesund leben und arbeiten
Gesundheit ist einerseits etwas Persönliches, das jeder Mensch gern mit sich selbst oder mit seinem
Arzt ausmacht. Auf der anderen Seite ist die Gesundheit der Belegschaft ein wichtiger
betriebswirtschaftlicher Faktor. Dr. Joachim Stork, Leiter des Audi Gesundheitswesens, und Peter
Mosch, Gesamtbetriebsratsvorsitzender, haben über das betriebliche Gesundheitsmanagement
diskutiert.
Herr Mosch, Sie sind gut 25 Jahre im Unternehmen. Wie haben Sie bei Ihrem Einstieg das
Thema Gesundheit wahrgenommen und wie sehen Sie es heute?
Peter Mosch: In meiner Jugend habe ich das Thema Gesundheit kaum wahrgenommen. Es hat sich
in dieser Zeit sehr viel getan, zum Beispiel im gewerblichen Bereich mit den vielen
Ergonomieverbesserungen. Oder bei den Themen Stress und psychische Belastungen, denen wir
heute ganz bewusst begegnen. Das Thema Gesundheitsschutz war und ist eine zentrale Aufgabe des
Betriebsrats und ist mir natürlich heute wesentlich bewusster.
Herr Dr. Stork, Sie haben rund 30 Jahre Berufserfahrung als Arbeitsmediziner. Wenn Sie die
großen Themen Ihres Fachs betrachten – was hat sich verändert?
Dr. Joachim Stork: Die Schwerpunkte in den 80er Jahren lagen ganz klar beim Arbeitsschutz. Der
Schutz der Mitarbeiter vor Gefahrstoffen oder vor schwerer Belastung. Wir haben aber heute
zusätzliche Themen: Wie steht es um die subjektiven Faktoren? Es geht heute um das Thema
Wiedereingliederung, um die Beschäftigungsfähigkeit älterer Mitarbeiter und die psychische
Gesundheit in Bezug auf die Arbeit.
Herr Mosch, wie geht der Betriebsrat diese Themen an?
Peter Mosch: Im Zuge des demografischen Wandels haben wir als Betriebsrat die Herausforderung,
die Gesundheit der Mitarbeiter besser zu schützen. So haben wir zum Beispiel unsere „Runden
Tische“ installiert, mit denen Betriebsrat und Unternehmen gemeinsam versuchen, Menschen
wieder in die Arbeit einzugliedern, die aus längerer Krankheit zurückkommen. Permanent arbeiten
wir an der Optimierung und Schaffung von Arbeitsplätzen für ältere Mitarbeiter und dem Thema
psychische Gesundheit. Der Betriebsrat fordert, dazu auch eine Betriebsvereinbarung
abzuschließen.
Wie erleben Sie die Reaktionen der Menschen auf die Angebote des Gesundheitswesens –
kann es sein, dass manche das als „zuviel“ sehen, als einen zu starken Eingriff in die
Persönlichkeit?
Dr. Joachim Stork: Es gibt ein großes Vertrauen zum Gesundheitsschutz. Die Menschen kommen
mit allen Themen zu uns, die sie vielleicht früher für sich behalten hätten. Für dieses Vertrauen bin
ich der Belegschaft dankbar. Die individuelle Prävention, das Checkup-Programm, wird
hervorragend angenommen, die Akzeptanzrate liegt bei 90 Prozent. Das hat damit zu tun, dass wir
die Mitarbeiter zu einem passenden Termin einladen. Dann kann man Ja oder Nein sagen.
Peter Mosch: Ich denke, dass das Thema Gesundheit in der Bevölkerung eine immer größere Rolle
spielt und unsere Belegschaft die Gesundheitsberatung im Checkup sehr schätzt. Ich habe die
Erfahrung gemacht, dass das Prinzip der Freiwilligkeit eine große Rolle für die hohe Akzeptanz
spielt. Ich gehe selbst regelmäßig zu diesen Untersuchungen, weil ich hier wertvolle Ratschläge
bekomme.
Wie ist das mit dem Datenschutz und der Verschwiegenheitspflicht?
Peter Mosch: Ich kann Ihnen versichern, dass die ärztlichen Daten sehr sicher aufbewahrt werden.
Wir haben mehrfach geprüft, dass keine Daten das Gesundheitswesen verlassen können. Aus
unserer Sicht ist somit der Datenschutz gewährleistet.
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Dr. Joachim Stork: Wir können aus den vielen Gesundheitsdaten, die wir erheben, anonymisiert die
richtigen Schlüsse ziehen. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur Arbeit in vergangenen
Jahrzehnten. Also: Nicht nur Schutz der Gesundheit vor Gefährdung, sondern auch Schutz der
Gesundheit durch vorbeugendes Management.
Gibt es Entwicklungen bei der Mitarbeitergesundheit, die nicht kurzfristig zu beheben sind?
Peter Mosch: Der zunehmende Leistungsdruck ist so ein Problem. Zum Beispiel in der Fertigung:
Es besteht die Gefahr, dass wir wieder eine stärkere Arbeitsteilung mit weniger Arbeitsinhalten pro
Takt und mit kürzeren Taktzeiten bekommen. Ich sehe diese Entwicklung mit Sorge. Ähnliche
Tendenzen sind im indirekten Bereich erkennbar. Das Volumen und die Komplexität von
Tätigkeiten steigen hier stetig.
Dr. Joachim Stork: Mein Fachgebiet hat sich bereits vor Jahren mit Monotonie oder der
Vermeidung von schweren Belastungen befasst. Heute geht es aber auch um die Frage: Wie
bewältigen die Mitarbeiter die Komplexität, wenn auf einer Montagelinie verschiedene Modelle für
verschiedene Länder mit verschiedenen Ausstattungen produziert werden? Hier unterstützen
Ergonomie und das Audi Produktionssystem, aber es sind sicher noch nicht alle Antworten
gefunden.
Wo wollen Sie das Audi Gesundheitsmanagement in zehn oder 20 Jahren sehen?
Dr. Joachim Stork: Ich würde mir wünschen, dass wir nicht immer nur fragen, was bei der Arbeit
schadet, sondern auch beachten, wie Arbeit für unser Wohlbefinden, für Lebenssinn, sorgen kann.
Denn es gibt trotz aller Krankheitswahrscheinlichkeit im fortschreitenden Alter immer mehr
Menschen, die sehr lange arbeiten können und wollen. Mein zweiter Wunsch sind konsequentere
Regelkreise in unserer Arbeit, von der Notfallmedizin bis zur Prävention.
Peter Mosch: Es wäre wünschenswert, dass Gesundheitsschutz in einigen Jahren als ein
gleichrangiges Unternehmensziel wie zum Beispiel Wirtschaftlichkeit gesehen wird.
Leben, um zu arbeiten oder arbeiten, um zu leben?
Peter Mosch: Im Idealfall ein ausgewogenes, gesundes Verhältnis von beidem. Dazu müssen wir
sicher die Präventionsmaßnahmen stärken. Und wir sollten auch die Art der Führung im
Unternehmen näher betrachten: Welche Werte bestimmen unser Miteinander im Unternehmen?
Wie gehen wir miteinander um? Die Führungskräfte können zum Thema Gesundheit einen
wesentlichen Beitrag leisten.
http://www.audi.com/corporate/de/corporate-responsibility/wir-lebenverantwortung/mitarbeiter/gesund-leben-und-arbeiten.html
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Anhang c –Beiersdorf 2014
Gesundheit & Sicherheit unserer Mitarbeiter
Nachhaltiges Management für Sicherheit
Wir haben ein ‚Zero Accident‘ Programm entwickelt, bei dem neben der Senkung von Unfallzahlen
auch die Beseitigung unsicherer Arbeitsbedingungen in allen Unternehmensbereichen im Fokus
steht. Das Programm besteht aus verschiedenen Modulen, die von der Kommunikation bis zur
Sicherheit von Einzelpersonen in verschiedenen Situationen reichen. Eines der Schlüsselelemente
ist die Definition von verhaltensbasierten Sicherheitsprinzipien (BBS-Prinzipien) durch Schaffung
eindeutiger ‚Ich werde‘- und ‚Ich werde nicht‘-Verpflichtungen für unterschiedliche Funktionen
und Zuständigkeiten. Das Konzept wurde in Europa bereits teilweise umgesetzt und weitere
Regionen werden 2014 folgen.
Im Frühjahr 2013 wurde Beiersdorf Hamburg erneut vom Amt für Arbeitsschutz als ‚Betrieb mit
einem vorbildlichen Arbeitsschutzsystem‘ ausgezeichnet. Dieser Preis würdigt unser Engagement
für die kontinuierliche Verbesserung von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Im Dezember
2013 erhielt Beiersdorf Chile eine Zertifizierung durch die Berufsgenossenschaft ‚Mutual de
Seguridad‘, der mehr als 60.000 Unternehmen angehören. Beiersdorf war eins von 20
Unternehmen, die diese Zertifizierung durch die ‚Mutual de Seguridad’ erhalten haben. Die
Tochtergesellschaft P.T. Beiersdorf Indonesia wurde 2011 von der Regierung der Region Ost-Java
für vorbildliche Arbeitssicherheit ausgezeichnet und erhielt den ‚Zero Accident Award‘. Der Preis
honoriert die vorbildliche Sicherheitskultur im Werk, die von allen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern getragen wird.
Im Jahr 2012 organisierte Beiersdorf Brasilien eine interne Unfallverhütungskampagne, die sichere
Verhaltensweisen förderte. Im Rahmen unterschiedlicher Aktivitäten wurden Themen wie
Belastbarkeit und Teamwork erörtert. Dabei konzentrierte sich die Kampagne nicht allein auf die
Sicherheit am Arbeitsplatz, sondern sie umfasste auch andere wichtige Gesundheitsthemen wie
HIV/AIDS.
Im Jahr 2013 wurde das Environmental Protection and Safety Management Audit Scheme
(ESMAS) mit dem Qualitätsmanagement-Audit kombiniert. Weitere Informationen zu dem
ESMAS-Auditierungsplan erhalten Sie hier.
Betriebliche Gesundheitsförderung
Vorbeugen, um Krankheiten erst gar nicht entstehen zu lassen – das ist das Ziel der gesamten
betrieblichen Gesundheitsförderung von Beiersdorf. Wir ermuntern unsere Mitarbeiter,
Verantwortung für ihre eigene Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu übernehmen. 2013 wurde die
‚good4me‘-Plattform entwickelt, um die bestehenden Gesundheitsaktivitäten an unserem
Hamburger Standort zu bündeln. Über diese Plattform haben die Mitarbeiter jetzt Zugriff auf nähere
Informationen zu allen medizinischen, sozialen oder sportlichen Programmen.
Der Betriebsärztliche Dienst in Hamburg setzt jedes Jahr ein anderes Schwerpunktthema – wie
beispielsweise ‚Gesunde Ernährung‘, ‚Darmkrebsfrüherkennung‘ oder ‚Gesunder Rücken‘.
2012 standen Resilienztrainings und Maßnahmen zur Brustkrebsfrüherkennung im Mittelpunkt der
Gesundheitsförderung. Im Jahr 2013 lag der Schwerpunkt auf ‚Back in balance‘. Das
Gesundheitsförderungsteam führte etwa 500 individuelle Beratungen zu Schreibtischeinrichtung,
Körperhaltung und Ergonomie durch und ermunterte die Mitarbeiter zu ‚bewegten Pausen‘ in einem
nahegelegenen Fitnessstudio, wo sie eine Beratung zur richtigen Durchführung der Übungen und zu
Entspannungstechniken erhielten.
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Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt
Karen Nabe Nielsen
Katrine Knudsen
Aalborg Universitet
International Virksomhedskommunikation
Im Jahr 2012 startete an unserem größten Produktionsstandort, Beiersdorf Manufacturing Hamburg
(BMH) in Deutschland, ‚GO kompakt‘, ein Angebot der Gesundheitsoffensive BMH.
Teilnehmende Mitarbeiter erhalten einen Tag frei, um an betriebsärztlichen
Vorsorgeuntersuchungen und interaktiven Gesundheitsschulungen teilzunehmen. Unter anderem
können sich die Teilnehmer über gesunde Ernährung bei Schichtarbeit informieren und
Entspannungstechniken erlernen. In einem ‚Gesundheitsfahrplan‘ sind die Resultate der
Untersuchungen sowie entsprechende Empfehlungen festgehalten. Zur Überwachung des
Gesundheitszustands erfolgen weitere Vorsorgeuntersuchungen nach sechs bzw. zwölf Monaten.
Wir sehen das psychische Wohlbefinden unserer Mitarbeiter als genauso wichtig an wie ihre
körperliche Gesundheit. Alle Menschen gehen unterschiedlich mit Veränderungsprozessen und dem
permanenten Anpassungsdruck um, die zu einem normalen Bestandteil der gegenwärtigen
Arbeitswelt geworden sind. Neben Veränderungen im Unternehmen können auch private
Belastungen zu Stress, psychischer Erschöpfung oder Burnout führen. Um der psychischen
Belastung entgegenzuwirken, hat das Unternehmen Maßnahmen entwickelt, darunter die
Kooperation mit einer medizinischen Einrichtung sowie die Entwicklung eines
Managementprogramms für die berufliche Wiedereingliederung.
http://www.beiersdorf.de/nachhaltigkeit/people/gesundheit-sicherheit-mitarbeiter
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Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt
Karen Nabe Nielsen
Katrine Knudsen
Aalborg Universitet
International Virksomhedskommunikation
Anhang d – Deutsche Bank 20014
Work-Life-Balance und Gesundheit
Unsere Mitarbeiter bewegen sich in einem herausfordernden und dynamischen Arbeitsumfeld. Sie
müssen bei ihrer Arbeit rasch reagieren und anspruchsvolle Aufgaben bewältigen. Das körperliche
und seelische Wohlbefinden unserer Mitarbeiter ist wichtig für ihre Lebensqualität und wirkt sich
auch darauf aus, welche Leistungen sie an ihrem Arbeitsplatz erbringen. Daher bieten wir ein
gesundheitsorientiertes Arbeitsumfeld, das neben medizinischer Betreuung auch Stressmanagement
umfasst.
Gesundheit und Sicherheit
Die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter, unserer Geschäftspartner, Lieferanten und
Besucher sind uns wichtig. Wir wollen sichere und gesundheitsunterstützende Arbeitsplätze
schaffen und legen besonderen Wert auf Unfallprävention. Ein effektives Gesundheits- und
Arbeitssicherheitsmanagement trägt dazu bei, die Arbeitsqualität und Arbeitsproduktivität zu
verbessern sowie die Mitarbeiterzufriedenheit zu fördern. In Deutschland ist unser Gesundheitsund Arbeitssicherheits-Managementsystem durch die Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG)
nach dem Standard NLF/ILO-OSH 2001 zertifiziert.
Gesundheit und Wohlbefinden
Wir widmen Gesundheit und Wohlbefinden großes Augenmerk. In vielen Ländern bietet die
Deutsche Bank eine betriebliche medizinische Versorgung oder direkten Zugang zu renommierten
Krankenhäusern und ärztlichen Einrichtungen an. Auf Geschäftsreisen haben unsere Mitarbeiter
Zugang zu einem umfassenden Angebot an medizinischen Leistungen und Notfallversorgung des
weltweit führenden Anbieters. In allen Regionen stehen als Ergänzung zu einer soliden
medizinischen Versorgung so genannte Employee Assistance Programme zur Verfügung, auf die
unsere Mitarbeiter bei der Klärung persönlicher Angelegenheiten im Beruf wie im Privatleben
zugreifen können. Denn eine schnelle und direkte Lösung trägt mittelbar zur einer verbesserten
Work-Life-Balance bei.
Work-Life-Balance: Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine entscheidende Voraussetzung für die
Leistungsbereitschaft und das Engagement von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Damit
arbeitsplatzspezifische Anforderungen mit privaten und insbesondere familiären Bedürfnissen in
Einklang gebracht werden können, bietet die Deutsche Bank eine breite Palette an Angeboten in
diesem Bereich.
Die Work-Life-Balance unserer Mitarbeiter fördern wir etwa durch über 400 betriebsnahe
Betreuungsplätze für Kinder weltweit. Ein Familienservice in Deutschland, Großbritannien und den
USA hilft im Bedarfsfall, Betreuungslücken zu überbrücken. Auch an unseren asiatischen
Standorten bieten wir eine Reihe familienbezogener Zusatzleistungen an. Außerdem bietet die
Deutsche Bank umfassende Beratungsprogramme während der Elternzeit sowie Workshops und
andere Beratungsleistungen, die den Wiedereinstieg erleichtern.
Stressmanagement und Work-Life-Balance
Zum Schutz ihrer psychischen Gesundheit bieten wir unseren Mitarbeitern in OnlineSchulungsmodulen und Präsenzkursen eine Einführung in Techniken des Stressmanagements. Wir
unterstützen flexible Arbeitsregelungen, die es unseren Mitarbeitern erlauben, ihre Zeit
selbstbestimmt einzuteilen. Dazu zählen Teilzeit- und mobile Arbeit genauso wie die Möglichkeit,
von zu Hause aus zu arbeiten – damit unterstützen diese Modelle eine ausgewogene Work-LifeBalance.
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Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt
Karen Nabe Nielsen
Katrine Knudsen
Aalborg Universitet
International Virksomhedskommunikation
https://www.db.com/cr/de/konkret-gesundheit-work-life-balance.htm
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Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt
Karen Nabe Nielsen
Katrine Knudsen
Aalborg Universitet
International Virksomhedskommunikation
Anhang e – Opel 2014
WORK-LIFE-BALANCE
Das Wohl unserer Mitarbeiter liegt uns sehr am Herzen. Darum ist es uns wichtig, Ihnen ein
ausgeglichenes Berufs- und Privatleben zu ermöglichen und Ihnen die dafür nötigen Freiräume zu
schaffen. Freuen Sie sich, Leben und Arbeit in eine für Sie angemessene Balance zu bringen – denn
nur ein zufriedener Mitarbeiter kann seine Ideen und seine Kompetenzen optimal ausschöpfen.
Flexible Arbeitszeitmodelle.
Damit Sie Ihr Berufs- und Privatleben in Einklang bringen und Sie Ihre Arbeitszeit je nach
Lebenssituation und nach Ihren Bedürfnissen gestalten können, verfügt Opel über zahlreiche und
flexible Arbeitszeitmodelle. Neben dem Gleitzeitmodell, den unterschiedlichen Arbeitszeiten, den
Teilzeitvarianten bis hin zur Telearbeit ist bei Opel alles vertreten. Führungskräften wird bei uns
Arbeitszeitsouveränität gewährt.
Adams-Fit – das Opel-Gesundheitscenter.
In unserem betriebseigenen Gesundheitsstudio bieten wir Ihnen neben modernen Fitnessgeräten ein
umfangreiches Programm mit zahlreichen Trainingskursen (wie z. B. Yoga, Rückenkurse etc.). Ziel
ist es, nicht nur einen Ausgleich zur Arbeit und dem Privatleben zu schaffen, sondern auch durch
gemeinsames Sporttreiben Spaß an Bewegung zu entwickeln und soziale Kontakte zu fördern.
Kooperation mit einer Kindertagesstätte.
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist heute wichtiger denn je. Darum besteht am Standort
Rüsselsheim eine Kooperation mit der Kindertagesstätte „KIKU KINDERLAND“. Ziel ist es, Sie
beim beruflichen Wiedereinstieg nach der Geburt eines Kindes zu unterstützen und Ihnen die
Sicherheit zu geben, Ihr Kind in guten Händen zu wissen.
Opel Freizeit-Events.
Um gute Leistungen im Berufsleben erbringen zu können, ist es wichtig, ein erfülltes Privat- und
ausgeglichenes Berufsleben zu haben und beides auch miteinander verbinden zu können. Darum
organisiert Opel für seine Mitarbeiter Jahr für Jahr unterschiedliche Freizeit-Events, wie z.B. den
jährlichen Opel-Firmenlauf, Fußball-Werksmeisterschaften, Abendveranstaltungen, diverse
Gewinnspiel-Aktionen und vieles mehr. Mit dem Angebot möchten wir uns für das tägliche
Engagement, das Verantwortungsbewusstsein, die Liebe zum Detail und die Unterstützung zur
Erfüllung der Unternehmensziele bei allen unseren Mitarbeitern bedanken.
http://www.opel.de/opel-erleben/karriere/karriere_bei_opel/work_life_balance.html
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