Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung ................................................................................................................................................... 3 2. Methode ...................................................................................................................................................... 5 2.1 Hermeneutik ....................................................................................................................................................... 7 2.2 Sozialkonstruktivismus .................................................................................................................................... 7 2.3 Analysemodell: Kritische Diskursanalyse ................................................................................................... 8 2.3.1 Soziale Praxis ............................................................................................................................................................ 10 2.3.2 Textuelle Praxis ........................................................................................................................................................ 10 2.4 Theoretische Grundlage ................................................................................................................................ 11 2.5 Empirie .............................................................................................................................................................. 12 2.5.1 Jana B. 2014: Erfahrungsbericht ......................................................................................................................... 12 2.5.2 SWR Landesschau 2013: Interview mit Jennifer Bentz .............................................................................. 12 2.5.3 Planet Wissen 2013: Interview mit Natascha Derbort ................................................................................. 12 2.5.4 Spiegel TV 2011: Massendiagnose Burnout ................................................................................................... 13 2.5.5 Das Erste 2014: Reise durch ein krankes Land .............................................................................................. 13 2.5.6 Audi 2014: Interview von Webseite ................................................................................................................. 14 2.5.7 Beiersdorf 2014: Webtext ..................................................................................................................................... 14 2.5.8 Deutsche Bank 2014: Webtext ............................................................................................................................ 14 2.5.9 Opel 2014: Webtext ................................................................................................................................................ 15 3. Theorie über die moderne Identität .................................................................................................. 16 3.1 Die enttraditionalisierte Gesellschaft.......................................................................................................... 16 3.2 Die kulturelle Freisetzung ............................................................................................................................. 17 3.3 Anpassungsfähigkeit ....................................................................................................................................... 17 3.4 Die hohe Geschwindigkeit der gesellschaftlichen Veränderungen ...................................................... 18 3.5 Trennung von Zeit und Raum ...................................................................................................................... 18 3.6 Die abstrakten Systeme .................................................................................................................................. 19 3.7 Selbstreflexion .................................................................................................................................................. 20 3.8 Konsumabhängig und Selbstdarstellung durch Konsumgüter ............................................................ 21 3.9 Angst und Unsicherheit.................................................................................................................................. 22 4. Analyse ..................................................................................................................................................... 23 4.1 Darstellung der Stressursachen durch Betroffene .................................................................................. 23 4.1.1 Identität - ein reflexives Projekt ......................................................................................................................... 23 4.1.2 Erweiterung von Erwartungen, Träumen und Sehnsucht im Leben ........................................................ 25 4.1.3 Selbstdarstellung durch Konsumgüter .............................................................................................................. 29 4.1.4 Angst und Unsicherheit ......................................................................................................................................... 30 4.1.5 Hohe Geschwindigkeit der gesellschaftlichen Veränderungen und Trennung von Zeit und Raum .................................................................................................................................................................................................. 32 4.1.6 Aktives Handlungsmodell des Alltags .............................................................................................................. 33 4.1.7 Anpassungsfähigkeit ............................................................................................................................................... 36 4.2 Darstellung der Stressursachen durch Unternehmen ............................................................................ 39 4.2.1 Anpassungsfähigkeit ............................................................................................................................................... 39 4.2.2 Hohe Geschwindigkeit und Trennung von Zeit und Raum ........................................................................ 40 4.2.3 Aktives Handlungsmodell des Alltags .............................................................................................................. 41 1 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation 5. Präsentation und Bewertung von unternehmerischen Maßnahmen vor dem Hintergrund der dargestellten Ursachen ...................................................................................................................... 41 5.1 Gesundheitliche Programme ........................................................................................................................ 41 5.2 Flexible Arbeitsmodelle ................................................................................................................................. 43 5.3 Wiedereingliederungsprogramme ............................................................................................................... 44 5.6 Sportliche Maßnahmen .................................................................................................................................. 45 6. Konklusion und Ausblick .................................................................................................................... 48 7. Literaturverzeichnis ............................................................................................................................. 50 2 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation 1. Einleitung Gesundheit ist kein neuer Begriff. Aber was ist eigentlich Gesundheit, insbesondere mentale Gesundheit. Gesundheit wurde 1946 von WHO folgendermaßen definiert: „Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen” (Niedersachsen 2014). Schon damals war Gesundheit auch mit geistigem Wohlbefinden verbunden, und das ist es immer noch, vielleicht mehr als je zuvor. Neue Begriffe sind entstanden, wie Zeitmanagement, Gesundheitsmanagement und Work-LifeBalance. In der gegenwärtigen Gesellschaft geht es darum, die geistige und körperliche Gesundheit zu kombinieren. In diesem Zusammenhang hat der Arbeitsplatz eine große Bedeutung, und viele Unternehmen arbeiten auch zielgerechtet damit. Gesundheitsförderung ist eine Managementaufgabe, und auch Teil der Unternehmensstrategie geworden (Bundesministerium 2014). Viele Unternehmen arbeiten mit Krankenkassen zusammen, wenn sie gesundheitliche Maßnahmen implementieren möchten. Die steigende Interesse für Gesundheitsmanagement kann auf dem demografischen Wandel beruhen. Trotzdem sind die psychischen Umstände in den Unternehmen ein wichtiger Teil des Gesundheitsmanagements und der vorsorgenden Maßnahmen. Im Mittelpunkt steht zum Beispiel das Burnout Syndrom. Ein Burnout entsteht wenn der Betroffene über längere Zeit durch Überforderung psychisch erschöpft wird. Laut Professorin Isabelle Häuser sind Burnout und Depression rein medizinisch dasselbe, aber der Begriff Depression hat ein “looser Image” (Das Erste 2014, 04:52-05:33). Im Begriff Burnout liegt dagegen eine implizite Vorstellung davon, dass der Betroffene vor dem Burnout wirklich “gebrannt” hat. Wenn man an Burnout leidet, wird es also angenommen, dass man vor dem Burnout erfolgreich und arbeitsam war. Das Burnout kommt dann vor, wenn der Betroffene sich selbst überfordert. Diese Vorstellung liegt nicht im Begriff Depression. Der Begriff Depression hat negative Konnotationen, und wird häufiger als Tabu, im Vergleich zu Burnout, betrachtet. Dies wird von Stressforscher Dr. Oettinger bestätigt. Er freut sich über den Begriff Burnout, weil er meint, dass viele Personen nie einstehen würden, dass sie unter Depression leiden - aber ein Burnout zu gestehen ist einfacher. Doch wissenschaftlich verbirgt der Begriff Burnout je nach Person viele verschiedenen Symptome und Merkmale, weshalb Burnout zwischen Fachleuten ein schwebender Begriff ist (Planet Wissen 2013, 14:33-15:22). Trotz aller unternehmerischen Maßnahmen werden immer mehr Mitarbeiter von Stress und stressbedingten Krankheiten getroffen. Laut einer Untersuchung von der TK Krankenkasse sind heute mehr Personen als je zuvor gestresst (TK Studie 2013), und laut Spiegel TV leiden 9 3 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Millionen unter dem Burnout Syndrom (Spiegel TV 2011). Die TK Studie zeigt auch, dass 61% der Deutschen finden, dass das Leben stressiger als vor 15-20 Jahren (TK Studie 2013, 27). Bemerkenswert ist es, dass immer mehr Personen Stress und stressbedingte Krankheiten erleben, in einer Zeit mit besseren Lebensbedingungen als vorher. Wir leben in einer Gesellschaft, die Selbstrealisation ermöglicht, dass wir uns selbst realisieren können, zum Beispiel durch Wahl von Ausbildung, Karriere oder Wohnort. Obwohl es weitverbreitet ist, dass wir auf unsere Gesundheit achten müssen, und dass die Unternehmen im hohem Maße auf Gesundheit fokussieren, und viele Maßnahmen gegen Stress anbieten, wie kann es dann sein, dass immer mehr Menschen an stressbedingten Krankheiten leiden? Infolge von der obenstehenden Frage und den Betrachtungen haben wir die folgende Problemformulierung ausgearbeitet: Warum erlebt heutzutage eine steigende Anzahl von deutschen erwerbstätigen Personen stressbedingte gesundheitliche Probleme Und inwieweit spielt ‘die moderne Identität’ eine Rolle für die steigende Anzahl von Betroffenen? Welche Ursachen für Stress werden von den ausgewählten Betroffenen dargestellt? Welche Ursachen für Stress werden von den ausgewählten Unternehmen dargestellt? Welche gesundheitlichen Maßnahmen werden von ausgewählten Unternehmen dargestellt? 4 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation 2. Methode In diesem Abschnitt werden wir die Methode des Projekts beschreiben. Zuerst werden wir den Zugang dieses Projekts, die hermeneutisch und sozialkonstruktivistisch ist, beschreiben. Darauf folgt eine Erklärung unseres Analysemodells “Die kritische Diskursanalyse,” die von einer Darstellung der Empirie gefolgt wird. Zuletzt im Methodenabschnitt werden die empirischen und theoretischen Überlegungen darstellt und begründet. Der darauf folgende Abschnitt enthält die Theorien. Hier werden Theorien von vier ausgewählten Theoretikern zusammengehalten, um unsere Theorie ‘die moderne Identität’ eklektisch zu gestalten. Danach werden die Empirie und die Theorie in der Analyse vereint. Die Analyse wird in zwei Teilen gegliedert. Erstens werden die Erfahrungsberichte von den Betroffenen analysieret, und zweitens die Webtexte von den Unternehmen. Die beiden Teile der Analyse werden in Untertitlen, die von der Theorie inspiriert sind, gegliedert, weil dies den besten Überblick über den Einfluss der modernen Identität auf Stressursachen ergibt. Nach der Analyse werden wir durch eine Bewertung die gesundheitlichen Maßnahmen der Unternehmen anhand unseres von den Analysen erworbenen Wissens unternehmen. Letztendlich werden wir die Ergebnisse des Projektes in der Konklusion darstellen. Die oben erklärte Methode wird im folgenden Modell illustriert: 5 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Einleitung und Problemformulierung Methode Analysemethode: Kritische Diskursanalyse Theorie über die moderne Identität Ertser Teil der Analyse: Darstellung der Stressursachen durch Betroffene Zweiter Teil der Analyse: Darstellung der Stressursachen durch Unternehmen Präsentation und Bewertung von unternehmerischen Maßnahmen vor dem Hintergrund der dargestellten Ursachen Konklusion und Ausblick Modell 1. Projektstruktur. Darstellung d. d. Verf. 6 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation 2.1 Hermeneutik In diesen Abschnitt werden wir die Methode des Projekts präsentieren, die hermeneutisch ist. Diese Methode bewirkt, dass wir uns im Projekt hin und her zwischen einem Verständnis der einzelnen Teile und der Gesamtheit des Projekts bewegen. Diese Vorgehensweise wird “der hermeneutischer Zirkel“ genannt (Collin und Køppe 2001, 145). Unser Vorverständnis vom Projektthema wird durch die Arbeit mit der Theorie und der Analyse entweder bestätigt oder abgelehnt, und damit wird unser Vorverständnis geändert. Dieser Prozess wird in der Ausarbeitung des ganzen Projekts wiederholt. In der Analyse wird jeder einzelne Empirieteil als ein Subelement von einem größeren Ganze betrachtet. Unsere Interpretation der Empirie ist eine Kreisbewegung zwischen unserem Verständnis der Empirie und unserem Verständnis von diesem größeren Ganze, zum Beispiel die Gesellschaft in der die Empirie eingeht (Collin und Køppe 2001, 147). Im nächsten Abschnitt wird der zweite Zugang des Projekts, der Sozialkonstruktivismus, beleuchtet. 2.2 Sozialkonstruktivismus Unser Projekt ist auf den Sozialkonstruktivismus ausgebaut. Laut des Sozialkonstruktivismus ist unsere Weltanschauung sozial konstruiert, was auch unser Analysemodell berücksichtigt. Eine sozialkonstruktivistische Auffassung bedeutet, dass unsere Weltanschauung nicht die Wirklichkeit wiederspiegelt, aber dagegen ein Produkt der sozialen und menschlichen Prozesse ist (Collin und Køppe 2011, 250). Zum Beispiel spielt die Sprache eine große Rolle in der Konstruktion der Wirklichkeit. Die ungestaltete Wirklichkeit wird vom semiotischen Prozess der Sprache gestaltet (Collin und Köppe 2011, 252). Durch die sozialen und menschlichen Prozesse wird ein gemeinsames Wissen konstruiert. Dieses Wissen beeinflusst unsere Weltanschauung und damit auch unsere soziale Handlungen, zum Beispiel wenn in einer Gesellschaft das Wissen “Frauen sind schwach“ vorkommt, dann werden Frauen dementsprechend behandelt (Collin und Köppe 2011, 251). Das Wissen konnte beispielsweise auch sein, dass Depression Tabu ist, und Personen mit Depression deshalb dementsprechend behandelt werden, in diesem Fall stigmatisiert. Deshalb kann die sozialkonstruierte Weltanschauung soziale Konsequenzen ergeben. Darüber hinaus ist unsere 7 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Weltanschauung auch ein Produkt der Geschichte und der Kultur, in der wir leben (Collin und Köppe 2011, 160, 165). Es gibt also keine objektive Wahrheit (Collin und Köppe 2011, 165). Wir sind uns darüber bewusst, dass die Weltanschauung, die in unserem Projekt vorkommt, von sozialen Prozessen, der Geschichte und der Kultur, geprägt ist. Deshalb können wir keine komplett objektive Analyse und Interpretation erarbeiten. Wir versuchen aber, eine Kenntnis zu erreichen, die uns damit helfen kann, unsere Problemformulierung zu beantworten. Um Struktur in der Analyse zu erreichen, und den Zusammenhang zwischen verschiedenen Praxen zu erklären, haben wir die kritische Diskursanalyse als Analysemodell gewählt. Dieses wird genauer im folgenden Abschnitt erklärt. 2.3 Analysemodell: Kritische Diskursanalyse Das dreidimensionale Modell Norman Faircloughs wird als Analysemodell dieses Projekts benutzt. Wie die Sozialkonstruktivismus untersucht die kritische Diskursanalyse auch, wie die Wirklichkeit durch Diskurse gestaltet wird. Die kritische Diskursanalyse ist kritisch, indem sie sich kritisch zur bestehenden Gesellschaft verhält. Eine Diskursanalyse untersucht, wie die Sprache die Wirklichkeit gestaltet. Wie oben erwähnt ist die Auffassung der Wirklichkeit von mehreren Faktoren beeinflusst, wie zum Beispiel die Sprache, die Kultur usw. Deswegen ist es auch relevant mehreren Faktoren bei der Projektarbeit, zu untersuchen, was auch für dieses Analysemodell spricht. Mit dem Nutzen dieses Analysemodells werden wir uns mit zwei Dimensionen der Diskursen beschäftigen, und damit werden wir eine mehrdimensionale Analyse gestalten. Wir werden keine endgültige Wahrheit finden, aber nach möglichen Ursachen für die steigende Anzahl erwerbstätigen Betroffenen suchen. Norman Fairclough ist emeritierter Professor in Linguistik der Lancaster Universität in Großbritannien. Seit den 1980’er Jahren beschäftigt er sich mit Diskurs und der kritischen Analyse davon (Acedemica 2013). Im Jahr 1992 gab er sein Buch ”Discourse and Social Change” aus, indem er die Zusammenhänge zwischen Diskursen und der Gesellschaft erklärte (Fairclough 1992, 63). In diesem Buch wird auch die dreidimensionale Konzeption von Diskursen. Fairclough definiert den Begriff Diskurs als den Gebrauch von geschriebenen oder gesprochenen Wörter (Fariclough 1992, 62). Diskurse werden von sozialen Strukturen gestaltet, aber sie konstituieren auch die sozialen Strukturen (Fairclough 1992, 64). Das heißt, dass die diskursiven Praxen dazu 8 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation beitragen, die sozialen Praxen festzuhalten oder zu ändern. Beziehungsweise wie man über ein Thema redet, trägt dazu bei, entweder die soziale Praxis festzuhalten, zu konstruieren oder dekonstruieren. Es ist aber wichtig, vor Augen zu haben, dass die einzelnen Diskurse nur minimale Auswirkung haben, aber mit der Zeit kann ein “Wissenskern” durch die Diskurse entstehen (Jäger 2007, 32-33). Die kritische Diskursanalyse kann, durch Analyse von Empirie, zu der Erklärung von verschiedenen sozialen Praxen beitragen. Dies ist einer der Gründe, warum das Modell als Struktur und Methode in diesem Projekt geeignet ist. Die kritische Diskursanalyse der textuellen Darstellung kann dazu beitragen, die soziale Praxis zu verstehen. In der sozialen Praxisdimension trägt die diskursive Praxis auch zur Konstruktion und Dekonstruktion von Machtverhältnissen, zum Beispiel zwischen Männern und Frauen bei (Fairclough 1992, 87). Wie erwähnt können alle Diskurse in drei Dimensionen aufgeteilt werden (Fairclough 1992, 72). Die drei Dimensionen werden im untenstehenden Modell illustriert: Modell 2. Fairclough 1992, 73. Darstellung d. d. Verf. 9 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Die drei Dimensionen sind: Die soziale Praxis (Hier werden sowohl diskursive als auch nichtdiskursive Praxen analysiert. Die Dimension umfasst die Gesellschaft, in der der Text sich befindet). Die diskursive Praxis (Diese Dimension umfasst den Prozess der Produktion und Interpretation von Texten) (Fairclough 1992, 78). Diese Praxis hat für die Beantwortung dieses Projekt kein relevanz, weswegen wir sie nicht in unserer Analyse mit einbeziehen werden. Die textuelle Praxis (Hier werden entweder geschriebene Texte, gesprochene Texte, Bilder oder Illustrationen auf textueller Ebene analysiert). Im Folgenden werden erklärt, wie wir die verschiedenen Dimensionen in unserem Projekt anwenden werden. 2.3.1 Soziale Praxis In unserem Projekt fangen wir mit der sozialen Praxis an. Die sozialen Praxen bestehen von sowohl diskursiven als auch nichtdiskursiven Praxen. Deswegen muss zusätzlich zum Modell Faircloughs auch zum Mindesten noch einen Theoretiker benutzt werden. Wir haben uns für die Theoretiker Thomas Ziehe, Ulrich Beck, Lasse Dencik und Anthony Giddens entschieden. Wir werden im Abschnitt Theoretischen Grundlagen die Wahl dieser Theoretiker begründen und ihre Relevanz für dieses Projekt erhellen 2.3.2 Textuelle Praxis Das dreidimensionale Modell kann wie erwähnt dazu beitragen, die soziale Praxis zu verstehen, und außerdem kann es erklären, wie die soziale Praxis von Diskursen konstruiert und dekonstruiert wird. Das Modell einhält aber auch spezifische Werkzeuge, die in der textuellen Analyse benutzt werden können. In der textuellen Analyse dieses Projekts werden wir auf Metaphern und Wortbedeutung in der Empirie achten. Die Metaphern werden ausgewählt und analysiert. Im Bezug auf Wortbedeutung, werden wir die Bedeutung der einzelnen Wörter analysieren. Bei der Entscheidung von Wörtern gibt es fast unzählige Möglichkeiten, und die Entscheidung der Wörter erzählt viel über die soziale Praxis des Absenders (Fairclough 1992, 195). Wir ergänzen die Werkzeuge Faircloughs mit einigen stilistischen Besonderheiten der Diskursanalyse Siegfried 10 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Jägers. Wir achten deswegen auch auf stilistische Besonderheiten, wie Wiederholungen und Rhythmus in der Sprache (Jäger 2007, 36), und wir werden die Bedeutung davon analysieren. Nach dieser Erklärung, werden wir zunächst die theoretischen Grundlagen und danach die Theorie ‘der modernen Identität’ erläutern. 2.4 Theoretische Grundlage Die deutsche Gesellschaft hat in den letzten 30 Jahren viele Veränderungen durchgelaufen. In gleichem Maße mit den Änderungen gibt es immer mehr Fälle von stressbedingten Krankheiten. Um zu untersuchen inwieweit die Änderungen in der Gesellschaft mit dieser Entwicklung verbunden sind, haben wir uns für vier Theoretiker entschlossen, die sich alle mit den Veränderungsprozessen der Gesellschaft beschäftigen. Darüber hinaus beschäftigen die Theoretiker sich auch mit Identität und die Änderungen der Identitätsbildung, die in der gegenwärtigen Gesellschaft dynamischer als je zuvor sind. Die Änderungen fordern gewisse Ansprüche an die Individuen, was zur Beantwortung unserer Problemformulierung beitragen kann. Der erste Theoretiker ist der Soziologe Ulrich Beck. Obwohl er sich besonders mit globalen Risiken und Umweltsproblemen in seinem bekannten Buch ”Risikogesellschaft – Auf dem Weg in eine andere Moderne” aus dem Jahr 1986 beschäftigte, gibt es bei ihm viele Theorien und Aussagen, die im Bezug auf Stressursachen sehr interessant sind, wie zum Beispiel persönliche Risiken. Der zweite Theoretiker ist Anthony Giddens (2000), auch Soziologe. Er beschäftigt sich mit den Themen Modernität und Identität. Der dritte Theoretiker ist Thomas Ziehe, der Professor in Pädagogik ist. Wir beschäftigen uns mit seinem Buch „Plädoyer für Gewöhnliches Lernen“ aus dem Jahr 1983, in dem er von der kulturellen Freisetzung erzählt. Der vierte Theoretiker, der in diesem Projekt dazu beitragen soll, die Problemformulierung zu beantworten, ist Lasse Dencik (2005). Er ist Professor in Sozialpsychologie, und beschäftigt sich mit den Kindern der Postmodernisierung. Er erklärt zum Beispiel, wie wir uns verschiedene “sozialen Arenen” anpassen müssen. Alle Theorien werden dazu benutzt, die Empirie zu analysieren, um abschließend zur Beantwortung von der Problemformulierung beizutragen. Die Empirie und die Wahl dafür werden im nächsten Abschnitt präsentiert und begründet. 11 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation 2.5 Empirie Um zu untersuchen warum immer mehr Menschen unter Stress leiden, haben wir Erfahrungsberichte von Personen, die selbst Erfahrung mit Stress oder Burnout haben, gewählt. Diese Berichte sind der erste Teil unserer Empirie. Wir nehmen an, dass genau die Personen, die unter Stress oder Burnout erlitten haben, Ursachen für stressbedingte Krankheiten ausdrücken können. Wir haben sowohl Männer als auch Frauen gewählt, um einen möglichst nuancierten Eindruck von den Betroffenen zu gewinnen. Deswegen haben wir Erfahrungsberichte von Personen mit verschiedenen Berufen und in unterschiedlichen Lebensphasen gewählt. Der erste Teil unserer Empirie besteht aus den folgenden Beiträgen: 2.5.1 Jana B. 2014: Erfahrungsbericht Die 32-jährige Frau, Jana B., erzählt von ihrem Weg zum Burnout in ihrem schriftlichen Erfahrungsbericht von der Webseite www.hilfe-bei-burnout.de. (Anhang a) 2.5.2 SWR Landesschau 2013: Interview mit Jennifer Bentz Im Interview erzählt Jennifer Bentz von ihrem Burnout. Sie hat Publizistik studiert, und in der Medienbranche Praktika unternommen. Sie hat das Buch „Einmal doch klarkommen“, das von ihrem Burnout handelt, geschrieben. 2.5.3 Planet Wissen 2013: Interview mit Natascha Derbort In der Fernsehsendung “Planet Wissen“ wird die ehemalige PR-Beraterin, Natascha Derbort, über ihr Burnout interviewt. Die Fernsehsendung wurde auf dem Fernsehkanal WDR, Westdeutscher Rundfunk, gesendet und ist auch auf der Webseite www.planet-wissen.de zugänglich. Wir haben folgende Teile der Sendung gewählt, da sie die Berichte der Betroffene enthalten: 01:23-02:52 08:59-11:45 19:20-23:22 32:18-35:54 44:50-45:30 12 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation 50:13-51:20 54:56-55:16 2.5.4 Spiegel TV 2011: Massendiagnose Burnout Die Sendung handelt von Burnout und enthält Erfahrungsberichte von Personen, die alle persönliche Erfahrungen mit dem Burnout Syndrom haben. Die Zuschauer treffen Dirk Behrend (Designer und Szenenbildner), Monika Kneip (Geschäftsfrau und zweifache Mutter), Nicole F. (ehemalige Unternehmensberaterin) und Eva Dubielzig (Angestellte bei der Ausländerbehörde). Wir haben folgende Teile der Sendung, die die Aussagen der Betroffene enthalten, gewählt: 00:16-01:21 02:44-06:28 06:42-08:19 08:31-08:56 10:17-10:39 2.5.5 Das Erste 2014: Reise durch ein krankes Land Diese Reportage handelt von Burnout in Deutschland. Dirk Schalle (arbeitete in Online-Marketing) und Axel Allion (ehemaliger selbständiger Versicherungsfachman) erzählen beide von ihrem Burnout, die Zeit vor und nach der Krankheit. Von dieser Sendung haben wir folgende Teile gewählt, da sie die Berichte der Betroffenen enthalten: 00:18-00:43 01:31-02:59 03:11-03:37 13:00-14:12 14:21-15:28 15:44-16:32 18:39-20:40 26:07-26:32 13 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Die Aussagen in den Reportagen und Interviews sind von den Absendern gewählt, nach dem Wunsch eine informative, aber auch unterhaltsame Sendung zu produzieren. Darüber hinaus sind die Sendungen von einem gewissen Nachrichtenwert geprägt, worauf wir in unserer Analyse aufmerksam werden müssen. Wir sind uns bewusst, dass die Erfahrungsberichte und Interviews mit den Betroffenen nicht ausreichend sind, um davon einer Generalisierung zu gestalten. Trotzdem finden wir, dass die Erfahrungsberichte uns damit helfen können, einen Einblick in den Ursachen für Stress und Burnout zu geben, und damit zur Beantwortung unserer Problemformulierung mitwirken können. Darüber hinaus haben wir Empirie von deutschen Unternehmen gewählt. In der Empirie erzählen die Unternehmen von die psychischen Gesundheit und den vorsorgenden Maßnahmen von psychischen Krankheiten in ihrem Unternehmen. Der zweite Teil unserer Empirie besteht aus den folgenden Texten: 2.5.6 Audi 2014: Interview von Webseite Von Audi geschriebenen Interview mit Dr. Joachim Stork, Leiter des Audi Gesundheitswesens und dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Audis, Peter Mosch. Audi hat dieses Interview als Teil von ihrem Corporate Social Responsibility auf ihrer eigenen Webseite. (Anhang b) 2.5.7 Beiersdorf 2014: Webtext Beiersdorf schreibt über die Sicherheitsmaßnahmen im Unternehmen. Sie erzählen, wie wichtig sie die Prävention von psychischen Erkrankungen finden. (Anhang c) 2.5.8 Deutsche Bank 2014: Webtext Im Webtext schreibt Deutsche Bank über Gesundheit, Work-Life-Balance und Stressmanagement im Unternehmen. (Anhang d) 14 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation 2.5.9 Opel 2014: Webtext Opel erzählt von ihren gesundheitlichen Maßnahmen. (Anhang e) Die Webtexte der Unternehmen dienen u.a. als Employer Branding. Die Unternehmen versuchen, als einen attraktiven Arbeitsplatz zu erscheinen, was einen ausgeprägt positiven Blickwinkel bewirkt. Wir sind uns bewusst, dass die Webtexte und das Interview alle Teil von einer positiven Selbstdarstellung der Unternehmen sind, und sie sind deswegen auch davon geprägt. Wir unternehmen diese empirische Studie anhand von Einzelfällen wohlwissend, dass keine Übereinstimmung zwischen den Arbeitsplätzen der Betroffenen und die Unternehmen der Empirie gibt. 15 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation 3. Theorie über die moderne Identität Unsere Identität verändert sich in gleichem Maße wie die gesellschaftlichen Änderungen, und wir reden heute von einer modernen Identität. Um eine Überblick der Theorien zu geben, haben wir ein Theoriemodell gemacht. Theoriemodell - die moderne Identität, Darstellung d.d. Verf. Die moderne Identität und die Dynamik der modernen Gesellschaft werden im folgenden Abschnitt beschrieben. Wir fangen bei der enttraditionalisierten Gesellschaft an. 3.1 Die enttraditionalisierte Gesellschaft Die gegenwärtige Gesellschaft ändert sich ständig. Ulrich Beck bedeutet, dass die Individualisierung und Freisetzung der Menschen in gleichem Maße mit der Modernisierung steigen. Das bewirkt, dass eine Person selbst für das Leben verantwortlich ist (Beck 1986, 116). Dadurch werden wir dazu gezwungen, unserem eigenen Leben zu planen, eine sogenannte Enttraditionalisierung hat stattgefunden (Beck 1986, 118). Laut Thomas Ziehe leben wir auch heute in einer enttraditionalisierten Gesellschaft (Ziehe kein Jahr, 1). Das heißt, dass unser Leben und 16 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation unsere Identität nicht mehr von Traditionen vorausbestimmt sind. Wir sind an die gesellschaftlichen Klasse, die Familie, das Ort oder das Geschlecht nicht mehr gebunden. Beispielsweise können wir selbst unsere Ausbildung und unseren Karriereweg entscheiden. Unser Alltag ist heute präferenzorientiert und nicht wie früher normreguliert. Die Traditionsaufstörung bedeutet, dass unser Leben heute mehr Möglichkeiten bietet (Ziehe und Stubenrauch 1982, 26). Dies nennt Ziehe die kulturelle Freisetzung (Ziehe und Stubenrauch 1982, 32). 3.2 Die kulturelle Freisetzung Laut Ziehe hat die kulturelle Freisetzung nicht nur positive Folgen sondern auch negative. Wir können selbst unsere eigene Identität entwickeln, ausprobieren und verändern. Doch ist die Identitätsarbeit ein Lebensprojekt, oder wie Ziehe sagt: “Arbeit am eigenen Entwurf” (Ziehe und Stubenrauch 1982, 33). Diese Arbeit am eigenen Entwurf ist oft mit Anstrengungen und Krisen verbunden, weil wir nicht mehr auf die vorgefertigten traditionellen Angebote zurückgreifen können (Ziehe und Stubenrauch 1982, 33). Beck erklärt, dass was vorher ein ”Schicksalsschlag” benannt wurde, in der gegenwärtigen individualisierten Gesellschaft als ”persönliches Versagen” zu betrachten sei (Beck 1986, 218). Wenn man zum Beispiel einen Job verliert, wird dies nicht als ein Schicksalsschlag angesehen. Es wird dagegen von der Gesellschaft so aufgefasst, als trägt man selbst dafür die Verantwortung. Neue Formen von persönlichen Risiken entstehen, zum Beispiel im Bezug auf Ausbildung, Job oder Wohnort (Beck 1986, 216). Laut Beck ist ein “aktives Handlungsmodell des Alltags” gefordert (Beck 1986, 217). Die vielen Möglichkeiten bewirken, dass wir eine Entscheidung treffen müssen. Dies nennt Ziehe ein zwangsweiser Prozess (Ziehe und Stubenrauch 1982, 33). Wenn wir eine Entscheidung treffen, müssen wir gleichzeitig etwas abwählen und uns dadurch auch etwas versagen. Die kulturelle Freisetzung bedeutet nicht, dass wir “freier” als vorher sind, aber sie bewirkt eine Erweiterung von Erwartungen, Träumen und Sehnsucht im Leben, obwohl dies oft im tatsächlichen Leben unerreichbar ist (Ziehe und Stubenrauch 1982, 32). 3.3 Anpassungsfähigkeit Wegen der ständigen Veränderungen des postmodernen Alltagslebens und der ständigen Veränderungen der sozialen Kontexte müssen wir heute selbst verschiedene Rollen entwickeln, 17 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation meint Lasse Dencik. Um uns in der Gesellschaft zu bewegen, müssen wir uns schnell umstellen können. Darüber hinaus müssen wir in der Lage sein, schnell aufzufassen, wann eine Umstellung nötig ist (Dencik 2005, 46). Die Umstellungsfähigkeit ist notwendig, weil wir uns in unterschiedlichen “sozialen Arenen” bewegen müssen, wie zum Beispiel in der Familie, am Arbeitsplatz oder im Sportverein (Dencik 2005, 17). Die Postmodernität verschärft die Ansprüche an Anpassung. Die Individuen müssen eine extreme soziale Sensibilität entwickeln, um diese Anpassungsfähigkeit zu meistern. Schon in der Kindheit halten wir uns sehr oft mit anderen Menschen auf, was bedeutet, dass es kaum oder nur wenig Raum für gefühlsmäßige Ausbrüche gibt. Ausbrüche würden das Individuum marginalisieren (Dencik 2005, 47). Ziehe äußert, dass die Anerkennung und das Akzept von anderen Menschen heute auch sehr wichtig seien. Früher kam die Arbeit - sowohl gesellschaftlich als auch psychisch in erster Reihe - und danach die Beziehung zu anderen Menschen. Heute hängt die Arbeitsfähigkeit bei den meisten Menschen davon ab, ob sie sich wohl in ihrem Beziehungsgefüge fühlen (Ziehe und Stubenrauch 2008, 34). 3.4 Die hohe Geschwindigkeit der gesellschaftlichen Veränderungen Laut Dencik sollen wir die Gesellschaft als ein innovatives System sehen, das ständig in einem Zusammenspiel zwischen den zwei Faktoren, Globalisierung und Informationstechnologie, fortwährend geändert und umgestaltet wird. Die Veränderungen bringen dann neue Veränderungen mit sich usw. Dieser Veränderungsprozess führt dazu, dass die Geschwindigkeit, womit die Veränderungen passieren, sich konstant beschleunigt. Die soziale Lebenszeit für fast alles von Technologie bis Produktionsmethoden wird immer kürzer. Der Veränderungszustand wird der natürliche Zustand (Dencik 2005, 118). In diesem Prozess wird das Individuum immer dazu gezwungen, mit etwas im Rückstand zu sein. Man redet von einem „Time Lag“ (Dencik 2005, 119). 3.5 Trennung von Zeit und Raum Wegen der heutigen Globalisierung sind wir nicht wie früher an ein bestimmtes geographisches Ort oder eine bestimmte Zeitzone gebunden, so Anthony Giddens. Er redet von einer “Trennung von Zeit und Raum” (Kaspersen 2001, 122). Mit den neuen Technologien können wir jetzt ganz einfach in die Welt herumreisen. Die Globalisierung hat eine Entwicklung der Kommunikationsmittel verursacht, wie die Erfindung des Internets und des Handys. Dies bewirkt, dass wir mit Freunden 18 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation oder Kollegen, die sich in einer anderen Stadt oder sogar einem anderen Land befindet, sprechen können. Zum Beispiel können wir auch unabhängig von unserem physischen Arbeitsplatzt, mit Menschen in der ganzen Welt reden. Die Trennung von Zeit und Raum ermöglicht Effektivität in den Unternehmen, weil Mitarbeiter Zeit- und Ortsunabhängig auf das gleiche Ziel arbeiten können (Kapsersen 2001, 123). Dies stellt auch andere Ansprüche an die Individuen als vorher, wo Zeit und Raum eine gewisse natürliche Abgrenzung machte (Kaspersen 2001, 122). Der größte Teil unserer sozialen Interaktion findet nicht mehr zur selben Zeit und am selben Ort statt (Kaspersen 2001, 122123). Dies bedeutet, dass heute unseren sozialen Relationen auf weniger Face-To-Face Kommunikation basiert sind. 3.6 Die abstrakten Systeme In den früheren Gesellschaften vor der Trennung von Zeit und Raum waren die sozialen Relationen und Handlungen nur in den örtlichen Gesellschaften möglich (Kapsersen 2001, 123). Aufgrund der Trennung von Zeit und Raum ist eine Entbettung sozialer Systeme notwendig. Die Entbettung kann auch als eine “Heraushebung” erklärt werden (Fuchs 2001, 88), indem soziale Relationen von der örtlichen Gemeinschaft herausgehoben werden. Giddens spricht hier von symbolischen Zeichen und Expertensystemen als Entbettungsmechanismen, die diese “Heraushebung” möglich machen. Die Entbettungsmechanismen nennt Giddens auch die abstrakten Systeme. Die symbolischen Zeichen sind Austauschmittel, die einen standardisierten Wert haben und in vielen Zusammenhängen getauscht werden können. Ein Beispiel der symbolischen Zeichen ist Geld. Das heutige Zahlungssystem bewirkt zum Beispiel, dass wir uns nicht mehr persönlich treffen müssen, um eine Transaktion durchzuführen. Das Zahlungssystem ist ein Expertensystem, das nur funktioniert, wenn wir es vertrauen (Giddens 2000, 30). Die Vertrauensrelationen sind entscheidend für unsere Entwicklung und unsere Handlungsmöglichkeiten, indem das Vertrauen ein Entscheidungskriterium ist (Kaspersen 2001, 146). Andere Expertensysteme sind zum Beispiel das Verkehrssystem oder die Konstruktion des Busses (Kaspersen 2001, 124). Gemeinsam für die Expertensysteme gilt es, dass sie von Personen hergestellt sind, die ein besonderes Wissen und Können besitzen. Darüber hinaus werden sie von vielen Personen benutzt (Hess 2013), welches bewirkt, dass wir heutzutage von abstrakten Systemen, worüber wir wenig Wissen haben, abhängig sind. Die Expertensysteme und die symbolischen Zeichen erhöhen den “Bewegungsradius”. Man kann zum Beispiel mit Geld einfach eine Reise machen (Kaspersen 2001, 124). 19 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation 3.7 Selbstreflexion Ziehe spricht von Subjektivierung, das heißt, unser Verhältnis zu dem Selbst durch Selbstbeobachtung (Ziehe kein Jahr, 3). Laut Giddens hatten u.a. sozialer Status und Wohnort große Bedeutung für die Identität in der prämodernen Gesellschaft. Viele von diesen Faktoren wurden schon bei der Geburt festgestellt, und lässten sich nicht so einfach ändern. Heute ist die Identität ein reflexives Projekt, die wir selbst in hohem Masse beeinflussen können, und wofür wir selbst die volle Verantwortung haben (Kaspersen 2001, 149). Die ständigen Veränderungen in der Gesellschaft haben die Identität freigelassen. Wegen der Freisetzung des Selbst müssen wir also selbst eine zusammenhängende Selbsterzählung durch unsere Entscheidungen konstruieren (Kaspersen 2001, 152). Damit gestalten wir selbst unsere Identität. Die Traditionen beeinflussen nicht mehr unsere Selbstidentität. Wir müssen deswegen über Fragen reflektieren wie: „Wer bin ich?“, „Was will ich?”, “Was soll ich mit meinem Leben machen?”, “Was soll ich werden?”, “Wie soll ich mich benehmen?” usw., so Ziehe. Die Subjektivierung kann dazu führen, dass wir uns selbst zu bewusst werden, und deswegen Schwierigkeiten haben, unsere Fähigkeiten einzuschätzen (Ziehe kein Jahr, 3). Der Bedarf nach Kriterien, die wir für die Gestaltung der Selbstidentität benutzen können ist groß. Die Medien präsentieren ein unrealistisches und perfektes Bild, und deshalb entsteht eine Unverhältnismäßigkeit zwischen den Erwartungen und der Realität. Wir sehen die Bilder der Medien, und bekommen unrealistische Erwartungen (Ziehe kein Jahr, 4). Laut Ziehe bewirken die vielen Möglichkeiten im Leben, dass wir mehr erwarten können, mehr wünschen können, mehr träumen können und uns besser mit anderen Menschen vergleichen können. Wir vergleichen stetig diese Erwartungen, Wünschen und Träumen mit der Wirklichkeit. Die stetigen Vergleichungen können zu Wiedersprüchen führen. Wir müssen uns dazu verhalten, wie wir sein könnten aber nicht sind, was wir erwarten aber nicht erreichen können usw. Wenn wir zum Beispiel entdecken, dass wir unsere Erwartungen nicht entgegen kommen können, entstehen Gefühle der Unzufriedenheit. Außerdem haben wir nicht nur die Möglichkeit, etwas zu werden, sondern wir haben eine sozial-konventionelle Pflicht aus uns “etwas zu machen” und die Verantwortung dafür (Ziehe und Stubenrauch 1982, 40). Früher war der Verzicht auf tabuierte Triebstrebungen - was man nicht dürfte - die Herausforderung. Heute ist die Herausforderung die Folgen der Erwartungen – also was man erwartet, aber nicht erreichen kann (Ziehe und Stubenrauch 20 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation 1982, 54). Die Erwartungen zum Selbst und die Erfahrung damit, wie schwierig diese zu erreichen sein können, können zum Beispiel zu Depression führen (Ziehe und Stubenrauch 1982, 35). Weil die Lebensperspektive und die Entscheidungen nicht mehr von Traditionen bestimmt sind, sind die Entscheidungskonflikte und das Bewusstsein des möglichen Versagens sehr bedeutungsvoll (Ziehe und Stubenrauch 1982, 36). Heute können wir auch selbst das Aussehen und das Lebensstil, die wir anstreben, gestalten. Laut Ziehe entstehen deshalb Leistungsanforderungen, die zu Leistungsängsten führen können (Ziehe und Stubenrauch 1982, 36). Viele Menschen gehen heute ins Fitnessstudio oder lassen sich in extremen Fällen operieren, um sich selbst zu formen. Wie Ziehe meint Giddens auch, dass der Körper in unsere reflexiven Überlegungen eingeht. Wir versuchen den Körper zu kontrollieren, damit sie zu unserem reflexiven Projekt passen, zum Beispiel durch Essen und Kleidungen (Kaspersen 2001, 149-150). Die Modernität konfrontiert uns jeden Tag mit unzähligen Wahlmöglichkeiten, aber bietet keine Beratung an, was zum Beispiel bewirkt, dass das Individuum selbst Lebensstil wählen muss. Giddens definiert Lebensstil als alle die Entscheidungen, die wir jeden Tag treffen müssen, zum Beispiel Bekleidung, Essgewohnheiten usw. Die Möglichkeiten sind aber von Ausbildung, Finanzlage und sozialen Status begrenzt (Kaspersen 2001, 151). Laut Giddens ist die Wahl des Lebensstils u.a. auch von Medien geprägt (Kaspersen 2001, 152). Dies wird von Ziehe untermauert, er sagt, dass die Medien eine große Rolle für die Ansprüche an unsere eigene Entwicklung spielten und das Bewusstsein des möglichen Versagens verstärkten (Ziehe und Stubenrauch 1982, 40). 3.8 Konsumabhängig und Selbstdarstellung durch Konsumgüter Die freigesetzte Individuen werden Arbeitsmarktabhängig und damit auch von anderen Faktoren, wie Ausbildung und Konsumangeboten, abhängig (Beck 1986, 119). Ziehe meint, dass die Entwicklung materieller Bedürfnisse, der Traum von Glück und alle Wünsche, Ansprüche und Erwartungen, die sich an die Entfaltung der Subjektivität richteten, umfassender und ambitiöser als je zuvor seien (Ziehe und Stubenrauch 1982, 33-34). Es gilt nicht nur “zu haben,” sondern auch “zu sein.” Konsumgüter waren früher eine materielle Absicherung und eine Demonstration des Lebensstandards. Heute sind Konsumgüter auch Werkzeuge, womit wir Persönlichkeitsfortschritte erreichen können. In der heutigen Gesellschaft gibt es ein Bedürfnis nach Selbstdarstellung, 21 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Selbstentfaltung und Selbstveränderungen. Dies deutet die Fortschritterwartungen in der Gesellschaft an - was das Selbst betrifft (Ziehe und Stubenrauch 1982, 39). 3.9 Angst und Unsicherheit Die moderne Gesellschaft zerstört die sicheren Rahmen der Traditionen. Wie oben erwähnt war die Selbstidentität früher von Traditionen festgelegt, aber heute ist die Selbstidentität ausschließlich ein reflexives Projekt, wofür das Individuum selbst die Verantwortung trägt. Laut Giddens bewirkt dies ein Gefühl von Unsicherheit und Angst (Giddens 2000, 46-47). Wir müssen selbst unsere Identität durch die Entscheidungen, die wir treffen, gestalten. Beck bezeichnet die Klassengesellschaft als die prämoderne Gesellschaft und die Risikogesellschaft als die Modernität. In der Klassengesellschaft war das Ideal Gleichheit, aber in der Risikogesellschaft ist es Sicherheit, sagt Beck. Vorher wollten alle gleichberechtigt teilhaben, aber in der Risikogesellschaft sollen alle von den Risiken verschont werden. Es gab eine Gemeinsamkeit der Not, aber in der Risikogesellschaft ist es von einer Gemeinsamkeit der Angst ersetzt worden. (Beck 1986, 66). Wir benutzen die moderne Identität und die Veränderungen der Gesellschaft um zu erklären, warum eine steigende Anzahl von Menschen Stress oder Burnout erleben. Doch ist die moderne Identität eine von vielen Ursachen der stressbedingten gesundheitlichen Probleme, und deshalb werden unser Projekt nur einen Teil der Stressursachen beleuchten. Wir werden also in unserem Projekt auf die moderne Identität fokussieren und damit andere Ursachen für stressbedingte gesundheitliche Problemen auslassen. Darüber hinaus beeinflusst die moderne Identität jeder Einzelne unterschiedlich, und deswegen ist die moderne Identität für jeden Mensch nicht unbedingt eine Ursache der stressbedingten gesundheitlichen Problemen. Die oben erwähnte Theorie wurde nicht als eine Ganzheit ursprünglich gebildet. Wir haben die selbst zusammengesetzt. Durch die Zusammensetzung der Theorien haben wir selbst einen Erklärungsrahmen gestaltet. Durch das Auswählen haben wir eine neue Theorie gebildet. Diese eklektische Methode hat den Nachteil, dass einige der Theorien sich vielleicht entgegensprechen, oder dass eine Überschneidung stattfinden kann. 22 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation 4. Analyse Im folgenden Abschnitt werden wir unsere Empirie angesichts unseres Analysemodells analysieren. Erstens werden sowohl schriftliche als auch mündliche Erfahrungsberichte von ausgewählten Betroffenen analysiert und danach die Webtexte von verschiedenen Unternehmen. Wir benutzen Unterstreichungen in den Zitaten, um zentrale Wörter hervorzuheben. 4.1 Darstellung der Stressursachen durch Betroffene 4.1.1 Identität - ein reflexives Projekt Wie oben erwähnt können wir uns in der modernen Gesellschaft nicht mehr auf Traditionen verlassen. Dies bedeutet auch, dass wir selbst die volle Verantwortung für unsere Identitätsbildung und damit auch für unsere Selbsterzählung haben. Um die Selbsterzählung zu gestalten, ist eine gewisse Menge Selbstreflexion notwendig. Die Selbstreflexion hat Einfluss auf unsere Entscheidungen, die unsere Selbsterzählung gestaltet. Um die “richtige” Entscheidung zu treffen, müssen wir viel über uns selbst reflektieren. Unsere Identität und unser Leben sind also heute ein reflexives Projekt. Natascha hatte Schwierigkeiten mit der Selbstreflexion. Sie konnte erst später einsehen, dass sie wegen jahrelanger Überforderung Stress und letztendlich Burnout bekam (Planet Wissen 2013, 01:22-01:34). Sie reflektierte nach ihrem Burnout über ihr ganzes Leben: “Wie konnte es überhaupt so weit kommen?” (Planet Wissen 2013, 32:30-33:40). In der Klinik und nach ihrer Entlassung analysierte sie ihr Leben, um die Ursachen ihres Burnouts zu finden. Das Ergebnis war, dass sie vor ihrem Burnout falsche Prioritäten hatte. Natascha berichtet: “...man macht sich grundlegenden Gedanken, ob das Leben wie man das bisher geführt hat, ob das so ist, wie man das eigentlich führen möchte, und eine Ursache von Burnout kann ja auch sein, wie es bei mir war, dass man vielleicht auch das Leben nicht so führt, wie man das eigentlich führen möchte” (Planet Wissen 2013, 45:02-45:16). Dies zeigt, dass sie früher nicht ausreichend über ihr Leben reflektierte, und dass sie nicht wusste, was sie wirklich wollte. Sie hatte also falsche Vorstellungen davon, was sie in ihrem Leben wollte. Weil wir nicht mehr auf Traditionen zurückgreifen können, suchen wir nach anderen Kriterien, die wir damit unsere Selbstidentität gestalten können. Deshalb ist unsere 23 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Selbstidentität viel von den Bildern durch die Medien geprägt. Wahrscheinlich ist dies auch den Fall bei Natascha. Das Burnout und die damit verknüpfte Krise war also für Natascha eine Notwendigkeit (Planet Wissen 2013, 55:05), um darüber reflektieren zu können, wie sie leben mochte. Dies wird von dieser Aussage bestätigt: “Aus der Krise habe ich erst erkannt, wie ich wirklich leben will.” (Planet Wissen 2013, 55:05). Natascha lernte nach ihrem Burnout zu reflektieren, weswegen sie ihr ganzes Leben geändert hat. Sie hat eine neue Ausbildung als Beraterin genommen, einen neuen Mann gefunden, und die beiden sind zusammen auf dem Land gezogen. Wie Natascha lernte Dirk S. auch erst nach seiner Depression, darüber zu reflektieren, was er in seinem Leben wichtig fand. Laut ihm erwartete die Gesellschaft, dass er sein Leben führte, genau wie er vor seiner Depression tat, mit viel Arbeit, ein großes Gehalt, ein Haus usw. Er hat die Dinge im Leben verloren, die die Gesellschaft von ihm erwartete. Nach der Depression bekam er ganz neuen Sichtweisen und Ideen vom Leben. Er hat gelernt, andere Dinge wertzuschätzen, die er vorher nicht wichtig fand (Das Erste 2014, 20:39). So ging es auch Jennifer. In der Klinik musste sie sehr viel über ihr Leben reflektieren und ihre Sichtweise radikal verändern (SWR Landesschau 2013, 01:51-01:58). Sie hat ihre Auffassung davon geändert, was in ihrem Leben wichtig ist. Jennifer berichtet: ”...heute ist mir einfach Erfolg nicht mehr so wichtig, sondern eher das Sinn hinter dem was ich tue…” (SWR Landesschau 2013, 01:58-02:02). Ihre Auffassung war möglicherweise von den Medienbildern beeinflusst. Für Jennifer ist jetzt “ein Ausgleichen, eine Balance aus allem” das Wichtigste in ihrem Leben (SWR Landesschau 2013, 4:53-4:55). Sie war also früher zu fokussiert auf ihre Arbeit. Jennifer erzählt weiter: “...ich habe einfach gemerkt, dass es sich sehr viel entspannter lebt, wenn man anerkannt, dass man nicht alles in der Hand hat. ” (SWR Landesschau 2013, 02:12-02:14). Die Metapher “etwas in der Hand haben” illustriert, dass Jennifer vor ihrem Burnout dachte, dass sie alles komplett kontrollieren musste, um Erfolg zu bekommen. Nachher hat sie aber eingesehen, dass es sich nicht so verhält. Die Selbstreflexion hat auf der einen Seite zum Burnout Jennifers mitgewirkt, indem sie sich durch ihre Selbstdarstellung unrealistische Ziele vornahm. Auf der anderen Seite hat die Reflexion auch Jennifer damit geholfen, ihre Prioritäten richtig einzuordnen. Alle drei Betroffene hatten also Schwierigkeiten mit der Selbstreflexion. Sie hatten falsche Prioritäten und lernten erst nach ihrem Burnout, was für sie am Wichtigsten im Leben war, und 24 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation damit auch die Prioritäten richtig einzuordnen. Ihre falschen Prioritäten und Selbstidentität waren möglicherweise von den unrealistischen Bildern der Medien geprägt, aber auch von der Gesellschaft, worauf Dirk S. auch eingeht. Er hat nur die Dinge im Leben verloren, die die Gesellschaft als wichtig sieht. 4.1.2 Erweiterung von Erwartungen, Träumen und Sehnsucht im Leben Laut der Theorie die moderne Identität bewirkt die kulturelle Freisetzung eine Erweiterung von Erwartungen, Träumen und Sehnsucht im Leben. Diese sind oft unrealistisch. Deswegen entsteht ein Spannungsfeld zwischen Erwartungen und Realität. Falls die Erwartungen nicht erfüllt werden, haben wir selbst die Verantwortung dafür und es wird von der modernen Gesellschaft als persönliches Versagen gesehen. Dies war auch bei Monika der Fall. Ihre Erwartungen an ihre eigenen Fähigkeiten waren zu groß. Sie wollte sowohl Karriere als auch Familie bewältigen, aber es wurde ihr zu viel, was eine der Ursachen sein konnte, warum sie Burnout bekam. Sie erzählt von ihrem Zustand: Sie sagt: “Die Alltagssituationen, es war mir zu viel, zu laut, zu viel, zu viel Druck” (Spiegel TV 2011, 06:0106:20). Das Wort “Druck” deutet an, dass sie überfordert war, und dass sie nicht die alltäglichen Pflichten nachkommen konnte. Monika konnte nicht ihren Alltag, was zu ihrem Burnout mitwirken haben konnte. Sie erzählt von ihrer Situation: “Man dreht sich so in sich selbst, und immer wieder die gleichen Gedanken, und Hoffnungslosigkeit, eigentlich, schlechte Gedanken, negativ, alles schlecht, alles negativ” (Spiegel TV 2011, 00:34-00:48). Monika verglich ihre Erwartungen mit der Wirklichkeit, und dadurch wurde sie sich ihres Versagens bewusst. Das Wort “Hoffnungslosigkeit” deutet an, dass es keine Hoffnung mehr gibt, und auch nicht wieder kommen wird. Wenn man Hoffnungslos ist glaubt man nicht daran, dass die Situation, in der man geraten ist, besser wird. Der Ausdruck “dreht sich in sich selbst” bedeutet, dass man keine Hilfe von anderen Menschen annimmt. Die Situation, in der man sich befindet, wird nur verringert, weil man nichts Positives von außen zulässt. Man hat nur negative Gedanken wie Monika. Auch Dirk B. hatte hohe Erwartungen, die er nicht einlösen konnte. Diese Erwartungen können seinen Burnout bewirkt haben. Er wollte immer wieder “höher, schneller, weiter” machen. Er spürte auch eine große Aggression, als er herausfand, dass er seine eigene Erwartungen nicht erfüllen konnte: “Die Reizschwelle war irre niedrig” (Spiegel TV 2011, 06:42-06:46). Das Spannungsfeld 25 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation zwischen seiner Erwartungen und der Realität war groß, und dies kann zu Frustration führen. Er sagt, dass seine “Reizschwelle” niedrig sei, was bedeutet, dass er nichts ertragen konnte. Seine Frustration bewirkte, dass sogar Kleinigkeiten ihn aufregte, wie er sagt: “Ein falsches Wort und grrrr ” (Spiegel TV 2011, 06:58-07:03). Das Bewusstsein des persönlichen Versagens kann Dirk B.’s Unzufriedenheit mit seiner eigenen Leistungen und dadurch auch seine Aggression verursacht haben. Wie die übrigen Personen hatte Nicole lange Arbeitstage. Für sie war der Mittelpunkt immer die Arbeit, und eine Arbeitswoche mit 70 Stunden war normal (Spiegel TV 2011, 02:47-02:54). “Der Mittelpunkt in meinem Leben war immer immer immer die Arbeit, und am Anfang ging das persönliches Drumherum noch, weil man voller Energie war, weil man neben der großen Arbeit immer noch so einen kleinen persönlichen Teil geschafft hat, aber am Ende schafft man das eben nicht mehr, und dann, dann wird es schlimm...”(Spiegel TV 2011, 02:50-03:11), so Nicole. Später wurde die Arbeit doch zu viel. Nicole versuchte ihr Arbeitsleben mit ihrem Privatleben zu kombinieren, aber dies funktionierte nicht. Sie konnte die Work-Life-Balance nicht finden. Das Bewusstsein ihres Versagens und ihre große Erwartungen an sich selbst trugen zu ihrem Burnout bei. Nicole benutzt das Wort “Mittelpunkt”, was die Wichtigkeit der Arbeit betont, und zeigt, dass ihre Arbeit einen sehr großen Teil von ihrem Leben war. Dies wird von der Wiederholung des Worts “immer” untermauert. Darüber hinaus deutet das Wort “immer” darauf hin, dass sie unersättlich arbeitete und deshalb keine Freizeit hatte. Sie identifizierte sich in zu hohem Maße mit ihrer Arbeit, weshalb sie ohne ihre Arbeit fühlte, dass sie nichts Wert war. Natascha hatte auch an ihren eigenen Möglichkeiten sehr hohe und zum Teil unrealistische Erwartungen. Sie erklärt: “Wenn die Messlatte immer so hoch hängt, dass man überhaupt nicht dran kommt, muss man sich fragen: Warum hänge ich die so hoch?” (Planet Wissen 2013, 33:20). Sie strebte also während der Zeit, in der sie viel arbeitete, immer ein unerreichbares Ziel an. Dies bestätigt, dass ihre Erwartungen unrealistisch waren. Sie fügt hinzu, dass sie Perfektionistin war, und nicht “nein” sagen konnte. Das Wort “Perfektionistin” zeigt, dass sie alles perfekt machen wollte. Es war sie egal, wie viel Zeit oder Energie sie dafür benutzte, sie wollte ihre Arbeit einfach perfekt erledigen. Perfektionismus kann also ein Stressauslöser sein. Sie gestaltete eine Selbsterzählung, in der sie alles perfekt erledigen musste und hatte deshalb zu hohe Erwartungen an ihre Leistungsfähigkeit. Deshalb machte sie alles selbst, was sehr stressig sein kann. 26 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Die hohen Erwartungen waren für Axel auch ein Problem. Er arbeitete oft 14-16 Stunden pro Tag, und auch er wollte nicht einsehen, dass er zu viel arbeitete: “Ich hätte mir das niemals eingestanden, dass ich nicht mehr kann” (Das Erste 2014, 02:29-02:30). Nach seinem Zusammenbruch fühlte er sich auch überflüssig und nichts mehr Wert. Er fand also, dass er um wertwoll zu sein, arbeiten müsse (Das Erste, 03:39). Er hatte hohe Erwartungen an sich selbst und dachte, dass er nur die durch Arbeit einfreien konnte, weshalb er so viel arbeitete. Sowohl Axel als auch Dirk S. versuchten, als sie einsahen, dass sie ihre Erwartungen nicht erfüllen konnten, Selbstmord zu begehen. Dies illustriert die Wichtigkeit der Erwartungserfüllung. Sie empfanden, dass das Versagen so groß sei, dass das Leben nicht länger Wert zu leben sei. Dirk S. meinte, dass es die Erwartungen der Gesellschaft waren, die zu seiner Depression geführt hatten. Doch hatte er vor seiner Depression auch diese Erwartungen an seine eigenen Ressourcen. Er hat das Gefühl von Versagen, indem er nicht seine Erwartungen erreichte. Deswegen versucht er dieses Gefühl zu mildern, indem er sagt, dass er nur das verloren hat, was die Gesellschaft von ihm erwartete. Jennifer geriet auf ihre Suche nach dem perfekten Job unter Druck. Sie war früher verkrampft und verbissen und “wollte (...) alles immer steuern und kontrollieren” (SWR Landesshau 2013, 02:0702:10). Weil Jennifer ihr eigenes Leben, wegen der Enttraditionalisierung, gestalten konnte, hatte sie unerfüllbare Ansprüche und Erwartungen an sich selbst. Sie konnte nicht ihre Sehnsucht im Leben, eine erfolgreiche Karriere, erreichen. Dies bewirkte, dass sie verkrampft und verbissen war, was darauf hindeutet, dass sie übergefordert war. Weil wir in unserer heutigen Gesellschaft die Auffassung davon haben, dass wir selbst die Verantwortung für unser Leben haben, wollte Jennifer selbst alles kontrollierten, weil sie nicht von der Gesellschaft als ein Misserfolg betrachtet werden mochte. Jennifer spricht von einem “Lebenslaufdruck,” und dass sie keine Lücken in ihrem Lebenslauf haben wollte. Dies bedeutete, dass sie Zeitdruck bekam und musste die Stelle, die da war, nehmen (SWR Landesschau 2013, 02:58-03:01). Jennifer hatte einen Praktikumsplatz mit Aussicht auf einen Festvertrag. Ihre Sehnsucht nach einer Festanstellung, um Erfolg zu erreichen, bewirkte, dass sie Überstunden machte (SWR Landesschau 2013, 03:03-03:08). Sie beschreibt sich selbst zu diesem Zeitpunkt als ein “Workaholic” (SWR Landesschau 2013, 05:23-05:24). Das Wort 27 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Workaholic ist eine Zusammenziehung von Work und Alcoholic. Es beschreibt eine Person, die einen übertriebenen Drang zum Arbeiten hat. Im Wort liegt auch implizit, dass das Workaholic süchtig nach Arbeit ist. Wie ein Alkoholiker süchtig nach Alkohol ist, ist ein Workaholic nach Arbeit süchtig. Das Wort Workaholic hat positive Konnotationen. Es ist zum Beispiel eng mit der Bewältigung von einem aktiven Alltag verknüpft. Wenn man sagt, dass man ein Workaholic ist, verbirgt man gleichzeitig zum Teil die eigene Verantwortung für die Situation. Wenn man süchtig ist, kann man eben nichts dafür tun, dass man vielleicht zu viel arbeitet. Jennifer beschreibt sich selbst als ein Workaholic um zu erklären, warum sie so handelte, wie sie tat, und gleichzeitig schiebt sie ihre eigene Verantwortung für die damalige Situation weg. Jennifer beschreibt den Druck, den sie fühlte, mit dem Wort “Lebenslaufdruck”. Sie hat ihr eigenes Wort für genau den Druck, den sie spürte, gemacht. Der Druck war eng damit verknüpft, dass sie unbedingt ihr Lebenslauf perfekt machen wollte. Die vielen Überstunden können ein Zeichen von Jennifers Gefühle der Unzufriedenheit sein, weil ihre Erwartungen sich nicht mit der Wirklichkeit messen konnten. Jennifer nennt sich selbst “Kind der Generation Praktikum” (SWR Landesschau 2013, 03:08-03:19). Wegen der kulturellen Freisetzung haben wir selbst die Verantwortung für unsere Karriere, und wenn wir verfehlen, wird es, laut Beck, als persönliches Versagen angesehen. Deshalb machen viele Studenten Praktika, um Lücken in ihrem Lebenslauf zu vermeiden (SWR Landesschau 2013, 03:13-03:22). Sie versuchen sogar Praktika in den Sommerferien zu unternehmen (SWR Landesschau 2013, 03:20-03.30). Dies zeigt, die Angst vor der Arbeitslosigkeit und damit auch die Angst, nicht erfolgreich zu werden. Um Janas vorgenommene Ziele zu erreichen, und die Anerkennung von den übrigen Mitarbeitern zu bekommen, arbeitete sie viel. Sie erzählt: “Dadurch verspürte ich unaufhörlich den Drang viel erledigen, viel arbeiten zu WOLLEN, sehnte mich nach dem Gefühl, all die To Dos von der Liste zu streichen, der Lage wieder Herr zu werden.” (Jana B. 2014). Die kulturelle Freisetzung bewirkte für Jana eine Erweiterung von ihren Erwartungen und Sehnsucht im Leben, die unerreichbar waren. Sie wollte alles auf der To-Do-Liste schaffen, um damit die Kontrolle zu bekommen, wie sie sagt: ”Der Lage wieder Herr zu werden”. Das Wort “Herr” bestätigt, dass sie Kontrolle haben wollte und ihr eigenes Leben beherrschen wollte. Darüber hinaus bedeutet das Wort “Herr” auch Gott. Jana wollte also ihr eigener Gott sein und die souveräne Macht über ihr Leben haben. Wie Jennifer wollte Jana auch alles kontrollieren, weil sie in unserer heutigen Gesellschaft selbst verantwortlich für ihr Leben und ihre Identität ist. Janas Wunsch danach, alles in den Griff zu bekommen, 28 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation bewirkte, dass sie die Arbeit mit nach Hause nahm und in der Wochenende arbeitete (Jana B. 2014). Die vielen Arbeitsaufgaben wollte sie effizient machen, und Pausen war für sie Zeitverschwendung (Jana B. 2014). Sie dachte nicht darüber nach, dass sie die Pausen auch brauchte, um nicht erschöpft zu werden. Durch ihre Selbstbeobachtung bewertete Jana ihre Fähigkeiten zu hoch, und deshalb hatte sie unerreichbare Erwartungen. Für Jana war die Arbeit ihre erste Priorität, und deswegen hatte sie weniger Zeit für Familie und Freunde. Sie berichtet: “Private Verpflichtungen in der Freizeit empfand ich plötzlich als Stress und Belastung, weil mir damit Zeit fehlte, um die Arbeit einzuholen” (Jana B. 2014). Jana war so fokussiert darauf ihre arbeitsmäßigen Ziele zu erreichen, was ihr Arbeitsleben betraf und sah deshalb ihre Familie und Freunde als eine Belastung, die ihre Erfüllung von ihren Erwartungen verhinderte. Alle Betroffene hatten Schwierigkeiten ihre Ziele zu erreichen. Sie konnten nicht beurteilen, was sie imstande waren erreichen zu können. Deswegen entstand eine Verzweiflung, und sie glaubten, dass wenn sie noch mehr arbeiteten, wurden sie die vorgenommenen Ziele erreichen. Aber die Ziele waren unrealistisch und für niemanden machbar. Trotzdem glaubten sie, dass wenn sie einfach genug Stunden arbeiteten, wurden sie die erreichen. Die Arbeit bekam die erste Priorität, und sie glaubten, dass nur durch die Arbeit konnte sie Zufriedenheit finden. Übrige Tätigkeiten in ihren Privatleben wurden als unnötig angesehen, und Familie und Freunde als Zeitverschwendung. Auf diesem Weg wurde die Balance zwischen Arbeit und Privatleben verschoben, und der zunehmende Druck endete für alle Personen außer Jana in einer Krankheit. 4.1.3 Selbstdarstellung durch Konsumgüter Beck sagt, dass die freigesetzten Individuen Arbeitsmarktabhängig seien. Die Arbeitsmarkts Abhängigkeit führt dazu, dass die Individuen auch zum Beispiel Ausbildungs- und Konsumabhängig werden. Um sich in der gegenwärtigen Gesellschaft entfalten zu können, braucht man materielle Güter, die dazu beitragen können, die Identität zu gestalten. Die Konsumgüter sind Werkzeuge, womit man eigene Persönlichkeitsfortschritte zeigen kann. Dirk B. ist ein Beispiel dafür. Dirk B. sagt: “Das Geld allein macht ja nicht glücklich, man weiß es so im Kopf, aber man muss es auch mal so mitkriegen, das es so ist“ (Spiegel TV 2011, 07:2707:46). Er war sich teilweise bewusst, dass das Geld nicht glücklich machte, aber gleichzeitig konnte er es nicht wirklich begreifen, bis er selbst bis zu seinem Burnout versucht hatte, mit Geld 29 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation sein Glück zu erreichen. Er versuchte wahrscheinlich seine Identität durch Konsumgüter und Geld zu konstruieren. Dirk B.’s Aussage weist auf die Arbeitsmarktabhängigkeit in der heutigen Gesellschaft hin. Dirk B. dachte, dass Geld ihm Glücklich machte und machte möglicherweise Gebrauch von Konsumgütern in seiner Selbstdarstellung. 4.1.4 Angst und Unsicherheit Weil unsere Selbstidentität ausschließlich ein reflexives Projekt ist, müssen wir, laut Giddens, selbst unsere Identität gestalten. Dies kann zu Angst und Unsicherheit führen, weil wir, wie oben erwähnt, die volle Verantwortung für unsere Identität und unser Leben tragen. Für Jennifer ist der heutige Arbeitsmarkt mit großer Unsicherheit verbunden. Laut ihr ist es sehr schwer, einen Berufseinstieg zu finden. Sie erklärt: “...das ist einfach nicht mehr so wie früher, wo man studiert hat und hat dann direkt eine Festanstellung bekommen, konnte 40 Jahren im gleichen Job bleiben” (SWR Landesschau 2013, 02:33-02:40). Jennifer bezieht sich in ihrer Aussage auf die enttraditionalisierte Gesellschaft, in der unser Leben und unsere Identität nicht mehr von Traditionen vorausbestimmt sind. Wie oben erwähnt wird das Versagen in der enttraditionalisierten Gesellschaft als selbstverschuldet angesehen, weswegen Jennifer versucht ihr Versagen gesellschaftlich zu erklären. Laut Ziehe ist die Identitätsbildung oft mit Anstrengungen und Krisen verbunden. Jennifer erzählt: ”...es ist heute einfach so, dass es viel mehr über befristete Verträge, über Teilzeitverträge geht oder auch über freie Mitarbeit, das heißt, es ist einer Zeit schwer Fuß zu fassen und auf der anderen Zeiten ist es auch so gewesen bei mir zu Mindesten, dass ich so eine Art Lebenslaufdruck hatte…” (SWR Landesschau 2013, 02:40-02:56). Heute gibt es also nicht die gleiche Sicherheit am Arbeitsmarkt wie früher, wegen der Änderungen der Traditionen und damit auch des Vertrages. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass man im ganzen Leben die gleiche Arbeit hat. Diese Unsicherheit am Arbeitsmarkt bewirkt, dass Jennifers Traum von Erfolg anstrengend und kompliziert zu verwirklichen war. Mit den oben erwähnten befristeten Verträgen können wir nicht mehr mit einer langfristigen Stellung rechnen. Dies kann Komplikationen für den Einzelne geben, wie Jennifer berichtet: “...man weiß nie, in welcher Stadt bin ich vielleicht nächstes Jahr, es ist schwer Beziehungen einzugehen, 30 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation man weiß nicht, wann man eine Familie gründen kann usw., und das alles führt dann viel mehr zum Burnout letztendlich als die Arbeit an sich. Also es sind mehr die Umstände” (SWR Landesschau 2013, 03:38-03:50). Die sicheren Rahmen der Tradition sind gestört, und dies bedeutet, dass unser Leben mehr Möglichkeiten bietet, aber auch dass wir dazu gezwungen sind, eine Entscheidung zu treffen und gleichzeitig uns etwas abzuwählen und damit uns etwas versagen. Laut Beck entsteht neue Formen von persönlichen Risiken wegen der vielen Möglichkeiten u.a. im Verhältnis zur Ausbildung, Arbeit und Wohnort. Dies bewirkt, dass es schwierig und verwirrend ist, eine Entscheidung zu treffen, wie Jennifer auch erzählt. Weil sie nicht ihre Zukunft im Voraus planen konnte, fühlte sie sich unsicher. Die Unsicherheit mitwirkte vermutlich zum Stress Jennifers. Auch Natascha hatte Angst. Sie hatte vor ihrem Burnout Probleme mit dem Vertrauen. Sie meinte, dass sie selbst alles tun musste, und sie hatte Angst die Kontrolle zu verlieren. Sie fand, dass diese Angst vor Kontrollverlust mit Vertrauen zu anderen Menschen zu tun hatte, was auch mit der Theorie von Giddens und Beck passt. Sie sagen, dass das Individuum selbst die volle Verantwortung für sein Leben hat. Natascha ist also zum Beispiel selbst für ihre Karriere verantwortlich, und deshalb wollte sie alles selbst kontrollieren und vertraute ihre Kollegen nicht. Sie unternahm selbst alle Aufgaben, und dies ist ein potenzieller Stressauslöser. Sie hatte also Angst vor persönlichen Versagen. Für Jana war ihr neuer Job mit Leistungsangst verbunden, wie sie erzählt: “Es war eine Mischung aus Angst den neuen Anforderungen nicht gerecht werden zu können, nicht versagen zu wollen...” (Jana B. 2014). Laut der modernen Identität, ist die Selbstidentität nicht mehr von Traditionen festgelegt. Weil wir selbst verantwortlich für unsere Selbstidentität sind, bewirkt dies ein Gefühl von Angst, wie Jana erzählt. Sie hatte zu großen Erwartungen an ihre Leistungen und hatte deshalb Angst davor, dass sie die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Trotzt Jana neu in ihrem Job war und zuerst alles lernen musste, erwartete sie, dass sie alles perfekt von Anfang an machen konnte. Dies konnte auch eine Verbindung mit dem persönlichen Versagen haben. Jana hatte also Angst davor, dass die Gesellschaft ihre Handlungen als persönliches Versagen betrachtet, falls sie nicht ihre Erwartungen erfüllen. Alle drei Betroffene hatte Angst vor persönlichen Versagen. Für Jennifer war der Arbeitsmarkt mit großer Unsicherheit verbunden, weil man nicht wie früher auf die Traditionen zurückgreifen kann. Deshalb hatte sie Angst davor, dass sie nicht ihren Traum von Erfolg erfüllen konnte. Natascha 31 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation hatte Angst vor Kontrollverlust und vertraute deshalb niemand. Für Jana führte ihre hohe Erwartungen an ihre Fähigkeiten zu Leistungsangst. 4.1.5 Hohe Geschwindigkeit der gesellschaftlichen Veränderungen und Trennung von Zeit und Raum Laut Giddens ist unsere heutige Gesellschaft wegen der Globalisierung u.a. von der Trennung von Zeit und Raum und Entbettung sozialer Systeme geprägt. Die Globalisierung und Informationstechnologie bewirken ständige gesellschaftliche Änderungen, und deshalb müssen wir umstellungsfähig sein. Dies bewirkt, dass wir ein Gefühl von Time Lag bekommen, also dass wir das Gefühl bekommen, mit etwas in Rückstand geraten zu sein. Die gesellschaftlichen Änderungen und die Geschwindigkeit, womit diese passieren waren für Dirk B. ein Stressauslöser. Er beschreibt die Beschleunigung der Änderungen: “Schneller, höher, weiter, immer machen, machen, machen, den Job, den Job, den Job” (Spiegel TV 2011, 07:29-07:38). Sprachlich benutzt er Wiederholungen, die die Geschwindigkeit illustrieren, und die das Gefühl von Überforderung widerspiegeln. Er musste sich immer auf neue Aufgaben vorbereiten und sich ständig entwickeln und umstellen. Die Situation beschreibt er als “schneller, höher, weiter” - es dreht sich also um drei Dimensionen. Er hatte das Gefühl sich auf mehrere Dimensionen entwickeln zu müssen, was untermauert, dass der Druck groß war und von mehreren Seiten kam. Dies machte die Ansprüche an ihn untragbar, und ist vermutlich eine Ursache für sein Stress werden. Die Trennung von Zeit und Raum erlebte Natascha in ihrem Job. Sie beschreibt wie sie jeden Tag vom frühen Morgen bis zum späten Abend arbeiten konnte, weil sie ständig E-Mails von verschiedenen Ländern mit verschiedenen Zeitzonen bekam (Planet Wissen 2013, 02:37-02:53). Dies erweiterte jeden Tag ihre Arbeitszeit, und sie konnte immer arbeiten, weil ihre Geschäftspartner wegen der internationalen Zeitverschiebung immer irgendwo auf der Welt aktiv waren. Darüber hinaus reiste sie auch viel in ihrem Job national aber auch international, um Aufträge zu schließen (Planet Wissen 2013, 02:03-02:37). Nataschas Job forderte also viel Flexibilität, und dies war nur möglich, wegen der heutigen Technologien und der abstrakten Systeme. Natascha erlebte auch die Entwicklung der Kommunikationsmittel, indem sie jeden Tag via Computer und Telefon mit Kollegen und Kunden weltweit kommunizierte (Planet Wissen 2013, 02:37-02:53). Diese Kombination von Trennung von Zeit und Raum in Kombination mit den 32 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation abstrakten Systemen resultierte für Natascha in einer dauerhaften Überforderung, und dies lässt sie mit einem Gefühl von Time Lag zurück. Ihr Alltag war hektisch. Auch Eva spürte Druck an ihrem Arbeitsplatz u.a. auf Grund von den Expertensystemen. Sie hatte bis zu 17 Gespräche am Tag, und sie wurde ständig in ihrem Büro gestört. Dies war für sie ein Stressauslöser. Sie erzählt über einen normalen Arbeitstag: “Menschenmassen draußen zu sehen, wo man, wo ich immer schon dachte so, boah, die Hälfte von den Leuten ist bei uns im Flur und das geht wieder den ganzen Tag los. Türen die aufgerissen werden, nachgefragt wird, wo ist der und der und der Raum, wo ist die Kasse, ihr Wartemarkenspender ist kaputt” (Spiegel TV 2011, 07:5608:19). Die Menschenmassen sind ein Ergebnis von den abstrakten Systemen. Mit der Einführung von zum Beispiel das Expertensystem, hat die Bewegungsradius von Menschen sich erweitert. Dies bewirkt u.a. eine Zentralisierung, die Eva deutlich beeinflusst, indem sie jeden Tag Klienten von vielen Orten bedienen musste. Dies bewirkte, dass sie wie erwähnt unter einem Druck stand, den sie nicht ertragen konnte. Darüber hinaus fühlte sie sich ständig überfordert, wegen des fortwährenden Zuflusses von unterschiedlichen Aufgaben. Sie fühlte, dass sie mit ihrer Arbeit in Rückstand war, und erlebte ein Time Lag. Die hohe Geschwindigkeit der gesellschaftlichen Änderungen und die Trennung von Zeit und Raum bewirkten für alle drei Betroffenen, dass sie ständig unter Leistungsdruck standen und überfordert waren. Der Alltag wird potenziell anstrengender, länger und hektischer. Dirk B. hatte ständig neue Aufgaben und musste sich deshalb immer entwickeln und umstellen. Nataschas Arbeitstag wurde erweitert wegen der Zeitverschiebung. Die natürliche Abgrenzung der Arbeitszeit ist verschwunden, was die Möglichkeit ergibt, dass man immer arbeiten kann. Nataschas Job forderte viel Flexibilität auf Grund der abstrakten Systeme. Ihr Alltag war hektisch, und sie hatte das Gefühl von Time Lag. Im Fall Evas beruhten der Druck und die Überforderungen auch auf die abstrakten Systemen und dem fortwährenden Zuflusses von neuen und unterschiedlichen Aufgaben. 4.1.6 Aktives Handlungsmodell des Alltags Laut Ulrik Beck ist in der gegenwärtigen Gesellschaft ein aktives Handlungsmodell des Alltags notwendig. 33 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Dies wird von Natascha bestätigt. Sie musste in der Stressklinik eine Struktur in ihrem Alltag wiederfinden. Als sie gestresst war, achtete sie nicht auf sie selbst, und sie bekam zum Beispiel keinen regelmäßigen Schlaf oder regelmäßige Mahlzeiten. Natascha sagt: “Die Leute brauchen Struktur, das haben sie verlernt” (Planet Wissen 2013, 19:10-19:35). In der Klinik gab es einen “geregelten Tagesablauf” mit Vollprogramm, und erst da lernte sie, dass es wichtig war, auf die basalen Notwendigkeiten des Alltags zu achten. Sie sagt auch, dass sie ihren Rhythmus wiederfinden müsse, und neu lerne (Planet Wissen 2013, 42:32). Sie hatte also vergessen, auf sich selbst zu achten, und die fehlende Struktur machte sie stressig. Auch Monika konnte nicht ihr eigenes Leben planen. Sie arbeitete 15 Stunden pro Tag, und wollte sowohl Kinder als auch ihre Vollzeitarbeit schaffen. Monika hatte nicht ein Handlungsmodell ihres Alltags und deshalb keinen Überblick über ihren Alltag. Sie konnte also nicht die Zeit und Prioritäten in ihrem Alltag kontrollieren. Monika sagt, dass keine Entspannung möglich sei. Dies zeigt, dass sie die Kontrolle mit ihrem Lebensprojekt verliert hatte. Sie erzählt über Entspannung: “Man hat es sich nicht gegönnt” (Spiegel TV 2011, 05:19-05:21). Sie nahm sich keine Zeit für Entspannung und wurde dadurch erschöpft und gestresst. Sie benutzt das Wort “gönnen”. Das deutet darauf hin, dass sie Entspannung als ein seltenes Gut versteht, und nicht als eine Notwendigkeit in ihrem Alltag. Wenn man sich keine Auszeit nimmt, dann wird man früher oder später erschöpft. Dies kann ein Teil der Erklärung von ihrem Burnout sein. Wie oben erwähnt beschreibt Monika auch, wie sie mittendrin stehe, und wie sie nichts mehr könne. Sie war so gestresst, dass sie ihr Leben nicht länger kontrollieren konnte, oder ihre Zeit zweckmäßig planen konnte. Wie Natascha bekam Dirk S. auch erst Struktur in seinem Leben nach seiner Therapie. Vorher arbeitete er 70 Stunden die Woche, und hatte entweder am Arbeitsplatz oder zu Hause keine Energie (Das Erste 2014, 13:00). Er beschreibt seinen Zustand: “Für mich ist einfach dieses Bild ein tiefes schwarzes Loch, wo man zwar irgendwie sieht, da ist ein Ausgang, aber du kommst nicht raus, du kannst das eigene Kraft einfach gar nicht mehr bewegen” (Das Erste 2014 13:51-14:02). Dirk S. benutzt den Ausdruck “schwarzes Loch”, was andeutet, dass er in diesem “Stress-Loch” immer tiefer geriet und deshalb nicht rauskommen konnte. Er beschreibt auch, dass er den Ausgang sehe, aber dass er trotzdem nicht rauskommen könne. Dies illustriert seine Frustration, er sieht den Ausgang, aber konnte nicht rauskommen. Alles verschwindet in ein schwarzes Loch - auch die positiven Gedanken. Für Dirk S. war alles negativ. Als er nach Hause kam, konnte er nur auf dem 34 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Sofa liegen und nichts machen. Er fang an die Unruhe in seinem Kopf mit Alkohol zu besänftigen, und am Ende konnte er nur im betrunkenen Zustand einschlafen. Letztendlich versuchte er Selbstmord zu begehen, aber das wurde von einem Freund verhindert (Das Erste 2014, 14:57). Er begann bei einem betreuten Wohnort für junge Erwachsene und Mütter freiwillig zu arbeiten, um Struktur in seinem Leben zu bekommen: “Das war so der Grund warum ich angefangen habe, um mich den Tag zu strukturieren, um auch den Gefühl zu haben gebraucht zu werden, und was sinnvolles zu machen” (Das Erste 2013, 18:59). Wie die übrigen Betroffenen brauchte er also auch wieder Struktur, was er nicht vorher hatte. Für Jana wurde das Modell ihres Alltags ihr auch zu viel. Jana dachte, dass sie mit den vielen Arbeitsstunden alle ihre Aufgaben erledigen konnte und danach wieder Zeit für Familie und Freunde hatte (Jana B. 2014). Doch wuchs die Arbeit, und sie war in einer Teufelskreis geraten, wie sie erzählt: “Das würde sich auch nicht ändern, der naive Gedanke, nur mit stetigem Fleiß und viel Arbeit schon bald wieder den Kopf für Privates und Zeit für Entspannung zu finden aber blieb und so entsteht dieser Teufelskreis.” (Jana B. 2013). Wegen der hohen Erwartungen an sich selbst, verlor Jana die Struktur in ihrem Alltag. Sie verlor den Überblick über ihren Alltag und die Prioritäten und endete deswegen in einem Teufelskreis. Ein Teufelskreis ist ein selbstverstärkendes geschlossenes System, die laufende schwieriger wird zu brechen (Duden 2013). Sie war in einer Situation geraten, in der sie nicht einfach rauskommen konnte. Dies bewirkte, dass sie auf den Weg zu einem Burnout war. Axel konnte auch nicht seinen Alltag strukturieren. Er arbeitete zu viel, und wurde erschöpft (Das Erste 2014, 02:30). Seine fehlende Struktur im Alltag bewirkte, dass er am Ende total kollabierte und physisch nichts machen konnte, wie zum Beispiel seine Arme zu bewegen. Die Betroffene verloren die Struktur ihres Alltags. Sie nahmen sich entweder Zeit für Entspannung oder Freizeit, aber arbeiteten den ganzen Tag. Basale Bedürfnisse wie Essen, Trinken und Schlafen wurden zurückgestellt. Sie verloren ihre Energie und konnten ihr schlechtes alltägliches Rhythmus nicht loswerden, welches bewirkt, dass es noch schlimmer wurde. Dirk S. versuchte seine Unruhe mit Alkohol entgegenzukommen, was die Situation noch verschlechterte. Dies bewirkte eine Erschöpfung und wahrscheinlich auch im Endeffekt die Krankheit. 35 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation 4.1.7 Anpassungsfähigkeit In der modernen Gesellschaft muss man, laut Dencik, sich eine extreme soziale Sensibilität zueignen. Das bedeutet, dass gefühlsmäßige Ausbrücke zu Marginalisation führen, und dass man deshalb lernt, die eigenen Gefühle zu unterdrücken. Dies war auch bei Nicole den Fall. Nicole erklärt, wie schlimm ihre Situation sei, ehe sie nicht mehr ertragen könne. Sie wurde tatsächlich Taub, erlebte Schwindeligkeit, hatte Schlafstörungen und Herzrhythmusstörungen. Sie erzählt: “Am ende war mein ganzer Körper, da war alles durcheinander” (Spiegel TV 2011, 00:59-01:03). Der Gebrauch vom Wort “durcheinander” untermauert wie kritisch ihre Situation war. Sie hatte nicht nur einige körperlichen Symptome, sondern ihr ganzer Körper war komplett beeinträchtigt. Sie hatte also viele physischen Symptome, aber setzte fort zu arbeiten, bis sie eines Morgens dachte, dass sie tot umfallen wurde (Spiegel 2011, 01:19). Nicole hörte erst ihre eigenen Gefühle auf, wenn ihr Freundeskreis sich verringerte, die Familie wackelte (Spiegel TV 2011, 03:13-03:16), und ihr Bruder ihr dazu zwang, etwas in ihrem Leben zu ändern und einen Arzt zu suchen (Spiegel TV 2011, 03:37-03:54). Sie erzählt von der Situation: “...ab dann ging es richtig bergab, wo ich dann, so zu sagen, meine Kontenance fallen lassen habe” (Spiegel TV, 03:54-04:02). Sie reagierte nicht selbst auf ihre Symptome, bevor ihr Bruder ihr zum Arzt zwang. Sie unterdrückte ihre Gefühle, was wir laut Dencik schon seit der Kindheit gezwungen sind, weil wir in verschiedenen sozialen Arenen uns anpassen müssen. Die Metapher “ging es bergab” zeigt, dass sie eine wirklich schlimme Zeit entgegen kam. Sie erzählt auch, wie sie von den folgenden drei Monaten nichts erinnern könne. Das zeigt, dass ihren Zustand äußerst kritisch war, bevor sie es selbst empfand und etwas dagegen tat. Erst nach physischen Symptomen und dem Gespräch mit ihrem Bruder ließ sie ihre Kontenance fallen, was bedeutet, dass sie bis diesen Punkt immer ihre Gefühle kontrolliert hatte. Hätte sie früher auf ihre Gefühle und Bedürfnisse gehört und darauf reagiert, hätte sie vielleicht ihr Burnout vermeiden können. Wie Nicole sah Natascha auch nicht mal ein, dass sie gestresst war, als sie einen Tag nach Hause kam und nicht dazu imstande war, ihre Einkaufstüten zu ihrer Wohnung hoch zu tragen. Da hat sie festgestellt, dass etwas los war, aber sie sah nicht ein, dass es ein Burnout war. Sie dachte, sie hatte eine physische Krankheit und besuchte sieben verschiedene Ärzte. Sie sah erst ein, dass sie ein Burnout hatte, als sie eine Klinik besuchte (Planet Wissen 2013, 04:02-04.32). Sie bekam physische Symptome, und erst danach empfand sie ihre Gefühle, die sie vorher unterdrückte. 36 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Axel unterdrückte auch seine Gefühle. Er spürte nicht, dass er auf den Weg in Stress sei, vor dem Tag, wo er nichts mehr könne: “Ich hatte mir das niemals eingestanden, dass ich nicht mehr konnte” (Das Erste 2014, 02:30). Er hatte Schlafstörungen, aber er wollte damals nicht weniger arbeiten. Erst am Tag wo er nicht mehr physisch konnte, fand er heraus, dass er krank war. Dirk B. kommt auch zur Konklusion, dass er zu viel arbeitete: “Man merkt doch einfach, dass man es übertrieben hat” (Spiegel TV 2011, 07:24-07:26). Erst nach seiner Diagnose reflektierte er über seine Situation und spürte da, dass er übertrieb. Auch Monika unterdrückte ihre Gefühle, was negative Konsequenzen für sie gab. Sie berichtet: “Am Leben keine Lust mehr” (Spiegel TV 2011, 05:55-05:57). Monika spürte keine Freude in ihrem Leben, und ihre Lebenslust war verschwunden. Sie setzt vor: “Das Leben war anstrengend, egal was es war, was gekommen ist, die Alltagssituation” (Spiegel TV 2011, 06:00-6:12). Hätte sie vorher ihr Leben geändert, wäre es vielleicht nicht so kritisch geworden. Ein Teil ihrer Therapie ist Tai Chi, und dort lernt sie wieder sich zu Entspannen, und dadurch ihre Gefühle und Bedürfnisse wieder ernst zu nehmen. Nach Evas Diagnose hat sie gelernt, auf ihre Gefühle zu achten. Sie berichtet, wie sie sich jetzt in ihrem Alltag, ob sie sich wohl fühlt oder nicht, bewusst ist. Als ein Beispiel für ihr Unwohlsein benutzt sie das Wort “Aggressionsspirale” (Spiegel TV 2011, 10:37). Ehe ihr Burnout wusste sie nicht, dass die Aggressionsspirale ein Zeichen für Stress war. Sie nahm sich nicht Zeit für Entspannung, als sie die Aggression spürte. Jetzt denkt sie immer darüber nach. Sie hat also gelernt, dass wenn sie ihre Gefühle unterdrückt, kann es zu Stress führen. Eva reflektierte erst nach ihrer Diagnose über ihre Gefühle und Bedürfnisse. Sie sah ein, dass sie auf sich selbst achten musste. Sie musste Pausen machen, weil sie sonst keine Energie hatte. Sie entdeckte wie wichtig die Selbstbeobachtung ist, und dass man auf sich selbst achten muss: “...dass ich einfach bewusst auch mit mir umgehe, dass ich wieder auf mich achte, also eigentlich das was ich während der ganzen Zeit, oder ich sag mal, während der letzte eineinhalb Jahre mehr oder weniger völlig vergessen habe, dass es um mich geht, dass ich gucken muss, dass es mir gut geht und gucken muss, dass ich regelmäßig esse, dass ich regelmäßig trinke, und dass ich auch Pausen mache, weil wenn ich keine Pausen mache, habe ich keine Energie“ (Spiegel TV 2011, 08:33-08:57). Sie unterdrückte ihre 37 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Gefühle, was zu einem Alltag ohne Pausen und Entspannung führte. Durch eine gewisse Zeitspanne führt so ein Leben zum Stress und psychischen Erschöpfung und im schlimmsten Fall Burnout. Wie oben erwähnt machte Jennifer viele Überstunden um eine Festanstellung zu bekommen, und dies hatte zuletzt zu Schlafstörungen und letztendlich einem Zusammenbruch in einem Meeting geführt (SWR Landesschau 2013, 03:54-04:07). Jennifer sagt indirekt, dass sie über ihre Grenzen gegangen sei: “...ich habe sehr viele Symptome ignoriert, wie das auch typisch ist für Burnout Patienten, die gehen einfach über ihre Grenzen” (SWR Landesschau 2013, 04:08-04:14). Jennifer versuchte die Anpassungsfähigkeit zu meistern durch eine Unterdrückung ihrer Gefühle. Obwohl Jennifer jetzt wieder gesund ist, müssen ihre Familie und Freunde sie immer noch daran erinnern, dass sie sich beruhigen muss (SWR Landesschau 05:45-05:55). Obwohl sie ein Burnout hatte, hat sie doch nicht ihre persönliche Grenze gefunden. Dies untermauert, wie schwierig es ist, auf eigene Gefühle zu reagieren. Jana ignorierte die Sorgen von ihren Verwandten und die Wahrsignale, um alle ihre To-Dos zu schaffen. Sie sagt, dass sie nicht die Stressspirale, in der sie sich befand, erkannt habe (Jana B. 2014). Laut Dencik, hatte sie also ihre eigenen Gefühle marginalisiert. Sie war auf den Weg zum Burnout, ohne es selbst zu erkennen, und deshalb nahm sie keine Rücksicht an sich selbst. Der Gebrauch vom Wort “Stressspirale” zeigt, dass der Umfang ihrer Probleme ständig grösser wurde. Sie hatte Schwierigkeiten ihre Situation wieder im Griff zu bekommen. Laut Ziehe, sind die Anerkennung und das Akzept von anderen Menschen heute sehr wichtig, weil die Arbeitsfähigkeit bei den meisten Menschen davon abhängt, ob sie sich wohl in ihrem Beziehungsgefüge fühlen. In Janas neuen Job versuchte sie Anerkennung und Bestätigung über ihre Arbeit von den anderen Mitarbeitern zu finden (Jana B. 2014). Die Anerkennung und Bestätigung hatten also eine große Bedeutung, was Janas Arbeitsfähigkeit betraf, und damit auch was die Erfüllung der Erwartungen an sich selbst betraf. Um die Anpassungsfähigkeit zu meistern, müssen wir zwischen verschiedenen Rollen wechseln können, weil wir uns in unterschiedlichen sozialen Arenen immer bewegen. Dirk S. hatte Probleme mit dieser Umstellung. Das Ergebnis war, dass er seine Frau verlor. Auch Monika musste wenigstens zwei Rollen täglich erfüllen - die Rolle als Mutter und die Rolle als Angestellte. Diese Anpassungsfähigkeit hat hier in den beiden Fällen zu Unzulänglichkeit geführt. 38 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Die Betroffene hörten die Wahrsignale nicht an. Sie reagierte nicht bis die psychischen Symptome sich in physische Symptome umwandelten. Dies bewirkte, dass sie in einer sehr kritischen Situation gerieten, ehe sie etwas dagegen tan. Ihr bisheriges Leben wurde fast total zerstört. Dies bewirkte einen negativen Zirkeleffekt, in dem sie ständig tiefer im Stress steckten. Sowohl Eva als auch Jana beschrieben eine negative Spirale, und sie hatte Schwierigkeiten die Situation umzukehren. Erst nach der Krankschreibung oder Behandlung fanden sie heraus, dass sie ihre Arbeit übertrieben hatten. Sie lernten danach die Wichtigkeit der eigenen Bedürfnisse, zu kennen und auf ihre eigenen Gefühle zu hören. Die Bedeutung der modernen Identität und die gesellschaftliche Änderungen im Bezug auf Stressursachen sind jetzt durch Erfahrungsberichte beleuchtet worden. Im folgenden Abschnitt werden wir auf die Darstellung der Stressursachen in unternehmerischen Webtexten eingehen. 4.2 Darstellung der Stressursachen durch Unternehmen Im folgenden Abschnitt wird der zweite Teil der Empirie analysiert, um zu Stressursachen wie Stressursachen durch unternehmerische Webtexte von den Unternehmen Audi, Deutsche Bank, Opel und Beiersdorf Stressursachen dargestellt werden. Die Ursachen teilen sich hauptsachlich in drei Kategorien auf: Anpassungsfähigkeit, hohe Geschwindigkeit/Trennung von Raum und Zeit und aktives Handlungsmodell des Alltags. 4.2.1 Anpassungsfähigkeit In dem Webtext Beiersdorfs gehen sie auf die notwendige Anpassungsfähigkeit ein: “der permanente Anpassungsdruck” mit dessen alle Menschen unterschiedlich umgehen, und “die zu einem normalen Bestandteil der gegenwärtigen Arbeitswelt geworden ist” (Beiersdorf 2014). Laut Dencik sind die Ansprüche an Anpassungsfähigkeit geschärft worden, weil wir uns in verschiedenen sozialen Arenen gebärden müssen, was Beiersdorf durch den Gebrauch vom Wort “Anpassungsdruck” untermauert. Das Wort “permanent” deutet auf einen ständigen Druck hin, der immer und überall da ist. Man hat also nicht die Möglichkeit vom Druck weg zu kommen, beziehungsweise man muss sich anpassen. Diese erforderliche Anpassung kann anstrengend sein, und vermutlich kann sie eine Stressursache sein. 39 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation 4.2.2 Hohe Geschwindigkeit und Trennung von Zeit und Raum Beiersdorf bezeichnet die “Veränderungsprozesse der Gesellschaft” als einen normalen Bestandteil der gegenwärtigen Arbeitswelt (Beiersdorf 2014). Dencik geht auch auf die Veränderung in seiner Theorie ein. Die neuen Technologien und die Globalisierung bewirken ständige und rasche Veränderungen. Die Veränderungen fordern eine schnelle Umstellungsfähigkeit und viele Ressourcen von den Mitarbeitern. Sie erleben einen Leistungsdruck, wovon auch Audi erzählt: “Der zunehmende Leistungsdruck ist so ein Problem” (Audi 2014). Dieser Druck ist vermutlich auch von den Veränderungen verursacht. Die Technologien und die Globalisierung bewirken bei Audi nicht nur Geschwindigkeit sondern auch Effektivität: “Das Volumen und die Komplexität von Tätigkeiten steigen hier stetig”. Die Komplexität ist eine bleibende Herausforderung. Die Mitarbeiter können in Time Lage geraten, weil alle Prozesse so effektiv sein müssen und die Veränderungen schnell geschehen. Laut Deutsche Bank bewirken die Veränderungen der Gesellschaft einen dynamischen Arbeitsumfeld: “Unsere Mitarbeiter bewegen sich in einem herausfordernden und dynamischen Arbeitsumfeld” (Deutsche Bank 2014). Sowohl das Wort “herausfordernden” als auch das Wort “dynamisch” haben positive Konnotationen. Herausforderungen sind gleich Spannung im Alltag, und dies ist eine Voraussetzung für das Erreichen von Erwartungen, die wir in der modernen Gesellschaft erfüllen möchten. Dynamik ist mit Bewegung verbunden. Gemeinsam für die beiden Wörter gilt es aber, dass sie auch Ansprüche an die Mitarbeiter setzen. Die Veränderungen der Gesellschaft und ein herausforderndes Arbeitsumfeld sind insofern positiv für die Mitarbeiter, aber nur solange es nicht übertriebt wird, und die Mitarbeiter nicht länger folgen können. In dem Fall dann können diese Faktoren Stress auslösen. Deutsche Bank hat an ihre Angestellte auch Erwartungen was die Geschwindigkeit der Änderungen betrifft: “Sie die Mitarbeiter müssen bei ihrer Arbeit rasch reagieren und Anspruchsvolle aufgaben bewältigen” (Deutsche Bank 2014). Dies zeigt einerseits, dass die Mitarbeiter Verantwortung haben, und dass Deutsche Bank sich auf ihre Mitarbeiter verlassen. Anderseits stellt es auch hohe Ansprüche an die Mitarbeiter, indem sie auch die Raschheit und die Ansprüche entgegen kommen sollen. Deutsche Bank schreibt auch, dass die Lebensqualität sich in den Leistungen der Mitarbeiter spiegelt (Deutsche Bank 2014). In dieser 40 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Aussage liegt auch einen gewissen Anspruch an die Mitarbeiter. Wenn die Mitarbeiter diese Ansprüche nicht entgegen kommen können, entsteht möglicherweise eine stressende Situation. 4.2.3 Aktives Handlungsmodell des Alltags Laut Beck ist ein aktives Handlungsmodell des Alltags in der Modernität notwendig. Das behauptet sich, wenn es darum geht, eine angemessene Work-Life-Balance zu erreichen. Opel bezeichnet die Work-Life-Balance als wichtig: “Freuen sie sich, Leben und Arbeit in eine für Sie angemessene Balance zu bringen - denn nur ein zufriedener Mitarbeiter kann seine Ideen und seine Kompetenzen optimal ausschöpfen” (Opel 2014). Opel signalisiert mit dieser Aussage, dass sie von ihren Mitarbeitern erwarten, dass sie Balance in ihrem Leben haben sollen, damit sie Leistungen am Arbeitsplatz bringen können. Opel setzt die Mitarbeiter unter Druck. Eine verschobene Work-LifeBalance ergibt also laut Opel geringere Leistungen. Dies kann zu Stress führen. Die Unternehmen bezeichnen die Geschwindigkeit und den darauf folgenden Bedarf an Effektivität als einen stressauslösenden Faktor. Darüber hinaus heben sie die Wichtigkeit der Work-LifeBalance hervor. Wir werden im folgenden Abschnitt die vorsorgenden Maßnahmen der Unternehmen benennen und bewerten. 5. Präsentation und Bewertung von unternehmerischen Maßnahmen vor dem Hintergrund der dargestellten Ursachen Im folgenden Abschnitt werden gesundheitlichen Maßnahmen der Unternehmen in Kategorien gesammelt, analysiert und danach diskutiert mit Einbeziehung vom zugeeigneten Wissen über Stressursachen von den beiden Analyseteilen. 5.1 Gesundheitliche Programme Alle von uns ausgewählten Unternehmen haben gesundheitliche Programme. 41 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Beiersdorf hat ein Angebot für ihre Mitarbeiter, das “GO kompakt” genannt wird. Die Mitarbeiter, die freiwillig teilnehmen wollen, erhalten einen Tag frei, wo sie an Vorsorgeuntersuchungen und interaktiven Gesundheitsschulungen teilnehmen. Da können sie über Entspannung und gesunde Ernährung lernen (Beiersdorf 2014). Hierdurch erkennen die Mitarbeiter die Wesentlichkeit von Entspannung und gesunden Ernährung, und dass sie auf Ernährung und Entspannung achten müssen, wenn sie ihr Handlungsmodell des Alltag konstruieren. Sowohl Eva als auch Natascha gönnten sich keine Pausen und vergaßen zu Essen. Eine Gesundheitsschulung konnte möglicherweise bewirken, dass Eva oder Natascha die Wichtigkeit von Ernährung und Entspannung im Alltag gelernt hatten und dadurch auf dies im ihrem Handlungsmodell des Alltags geachtet hatten. Für Jennifer und Dirk B. konnten eine Gesundheitsschulung wahrscheinlich auch positive Einfluss gehabt haben. Sie konnten nicht ihre Prioritäten richtig einordnen und konnten auch nicht einsehen, was für sie am wichtigsten war. Die gesundheitlichen Programme könnten möglicherweise Jennifer und Dirk B. mit ihrer Prioritätseinordnung geholfen haben. Der Audi-Konzern unternimmt individuelle Prävention in der Form von einem Checkup-Programm. Das Programm wird die Mitarbeiter über Gesundheit informieren und dies könnte vielleicht Nataschas Burnout verhindert haben. Wie oben erwähnt unterdrückte Natascha ihre Gefühle, was möglicherweise zu ihrem Burnout gewirkt hat. Dieses Programm könnte sie über Gesundheit hierunter auch Burnout informieren und damit verbeugend geholfen haben. Außerdem hätte sie vielleicht früher die Wahrsignale wahrgenommen. Das Checkup-Programm könnte also zum Beispiel im Fall von Natascha geholfen haben, indem sie vielleicht früher die Krankheit entdeckt hätte. Durch das Programm würden die Symptome der Personen in der Analyse vielleicht rechtzeitig entdeckt werden, und könnte stressbedingten Krankheiten der Betroffene vermeiden haben. Deutsche Bank hat ein “Employee Assistance Programme”. Durch dieses Programm können die Mitarbeiter Hilfe zur Klärung von persönlichen Angelegenheiten im Beruf und im Privatleben bekommen (Deutsche Bank 2014). Das Programm kann möglicherweise dazu beitragen kollegialen Streitigkeiten vermeiden, und dadurch zu einer guten Work-Life-Balance beitragen, weil man zum Beispiel nicht die Arbeit mit nach Hause nehmen. Das Programm trägt vermutlich zu einem guten psychischen Arbeitsklima bei, weil die Mitarbeiter sich wohl in ihrem Beziehungsgefüge fühlen. Keiner von den Betroffenen erzählt direkt, dass ein schlechtes Beziehungsgefüge am Arbeitsplatzt 42 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation auf ihr Burnout einwirkten. Trotzdem war der Beziehungsgefüge sehr wichtig für Jana, und er spielt laut der Theorie auch eine wesentliche Rolle. Deutsche Bank bietet auch Stressmanagement Kurse an, sowohl online als auch offline. Deutsche Bank ist sich bewusst, dass Stress die Leistungen der Mitarbeiter verringert, und sie arbeiten strategisch damit, den Stress ihrer Mitarbeiter zu vermeiden. Dies fungiert aber nur, wenn die Mitarbeiter von den Techniken, die sie im Kurs gelernt haben, Gebrauch machen. Solche Techniken sind für einige Personen sinnvoll, wie zum Beispiel Eva. Für sie war der Stressauslöser die Hektik des Alltags. Sie wurde ständig in ihrem Büro gestört, weswegen Entspannungstechniken für sie im Büro benutzt werden könnten. Der Zweck der Programme gelingt nur, wenn die obengenannten Programme obligatorisch sind, sonst wurden die Mitarbeiter sich vielleicht nicht die Zeit dafür nehmen. Wie in der Theorie erwähnt ist die Vertrauensrelation, laut Giddens, zum Beispiel zwischen Expertensystemen und Individuen, entscheidend für unsere Handlungsmöglichkeiten und damit auch unsere Entscheidungen. Deshalb ist das Vertrauen zu den Programmen eine grundliegende Voraussetzung für den Gebrauch davon. Ist diese grundliegende Vorrausetzung erfüllt, können die Programme folgende positive Wirkungen haben: Sie können einen vorsorgenden Effekt haben, indem die Mitarbeiter Symptome auf eine frühere Entwicklungsstufe entdecken können, und damit früher eingreifen können als sonst, und dadurch Burnout vermeiden. Darüber hinaus können zum Beispiel Stressmanagement Werkzeuge damit helfen, die Prioritäten des Alltags zweckmäßig einzuordnen. Die Programme können auch bei sozialen Problemen am Arbeitsplatz helfen und dadurch die Beziehungen der Mitarbeitern bauen und verstärken. Dies kann bewirken, dass die Mitarbeiter nicht ihre Arbeit mit nach Hause nehmen, und es macht die Abschaltung nach der Arbeit im Alltag einfacher. 5.2 Flexible Arbeitsmodelle Sowohl Deutsche Bank als auch der Opel Konzern bieten flexible Arbeitsmodelle an. Die flexiblen Arbeitsmodelle trägen auf der eine Seite dazu bei, dass die Mitarbeiter Work-Life-Balance erreichen können und ihre Arbeitszeit mit ihrem Lebenssituation und ihren Bedürfnissen abstimmen können. Das flexible Arbeitsmodell wurde zum Beispiel in der Fall Monikas Sinn gemacht haben. 43 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Zum Beispiel könnte Arbeit von zu Hause aus ihr damit geholfen haben, ihr Alltag zu strukturieren und dadurch könnte sie auch einfacher die alltäglichen Pflichten schaffen. Auf der anderen Seite können die flexiblen Arbeitszeiten und die Arbeit von zu Hause auch dazu führen, dass die Mitarbeiter mehr arbeiten, als wäre sie im Büro, und auch keine Pausen machen. Die Mitarbeiter arbeiten vielleicht immer noch am Abend, wenn sie eigentlich Feierabend haben sollten, oder sie machen Hausarbeit, statt eine Pause zu machen. Flexible Arbeitszeiten können dazu mitwirken, dass man mehr arbeitet als sonst. Dies kann letztendlich zu Stress und damit Burnout führen. Für die Mitarbeiter mit hochgesetzte Ziele ist ein flexibles Arbeitsmodell nicht eine vorsorgende Maßnahme, weil sie konsequent viel arbeiten um ihre Ziele zu erreichen wie zum Beispiel mit Jennifer oder Natascha. Für sie war Erfolg das Wichtigste, und deshalb würde ein flexibles Arbeitsmodell ihr nicht damit geholfen haben, ihr Alltag besser zu strukturieren, und damit das Burnout zu vermeiden. Die Führungskräften Opels können vollkommen selbst bestimmen, wann sie arbeiten wollen. Für einige Personen erleichtern diese Maßnahmen den Alltag, in dem sie selbst die Zeit steuern dürfen, aber für andere konnte dies in Überarbeit resultieren. Führungskraft zu sein ist eine anspruchsvolle Stellung, und fordert oft lange Arbeitstage. Für eine Person, die an sich selbst hohe Ansprüche hat, kann diese Zeitsouveränität in übertriebenen Arbeitstagen und am Ende vielleicht in Überforderung, Stress oder Burnout resultieren. Die flexiblen Arbeitsmodelle können einerseits die Mitarbeiter dabei helfen, eine angemessene Work-Life-Balance zu erreichen, indem sie flexibel sind. Anderseits die flexiblen Arbeitsmodelle aber auch bewirken, dass die Mitarbeiter mehr, oder so viel wie sonst arbeiten, weil sie keinen bestimmten Zeitrahmen haben, und tendenziell dazu neigen, viel arbeiten zu wollen. 5.3 Wiedereingliederungsprogramme Die beiden Unternehmen, Beiersdorf und Audi, haben Wiedereingliederungsprogramme eingeführt. Die Wiedereingliederungsprogramme helfen den Mitarbeitern, die aus längerer Krankheit zurückgekommen sind, in eine angemessene Geschwindigkeit wieder in den Job zurückzukehren. Dies verhindert, dass die Mitarbeiter, die früher zum Beispiel eine stressbedingte Krankheit hatten, nicht einen Rückfall bekommen. Deswegen gibt das Wiedereingliederungsprogramm eine Sicherheit und vorsorgende Effekt für die Mitarbeiter, die nach einem Burnout in den Job 44 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation zurückkehren.. Die Wiedereingliederungsprogramme können also stressbedingte Krankheiten vermeiden, indem früher Betroffene durch diese Programme eventuelle Rückfalle vielleicht entgehen können. Für Natascha war das Programm ein Erfolg, sie kehrte Stufenweise in ihren alten Job zurück. Dirk S. erlebte einen Rückfall, und begann wieder zu trinken. Mit einem Wiedereingliederungsprogramm, wäre für ihn vielleicht die Situation ganz anders aufgefallen. Außerdem haben die Wiedereingliederungsprogramme einen positiven Nebeneffekt. Sie können stressbedingte Krankheiten vielleicht enttabuisieren, indem die Personen, die zurückgekommen sind offen über ihren Verlauf erzählen können. So war es zum Beispiel bei Natascha. Als sie in ihren alten Job zurückkehrte, waren die Kollegen sehr neugierig, und fragten sehr viel nach Nataschas Krankheit. Sie war offen, und erlebte sehr positive Reaktionen von den Kollegen, die sie anscheinend sogar sympathischer, als vor ihrem Burnout, fanden. Entsteht eine soziale Praxis, in der man offen über stressbedingte Krankheiten und deren Symptome reden kann, egal in welcher Phase der Krankheit oder psychische Erschöpfung man sich befindet, kann es vielleicht dazu führen, dass mehr Personen eventuelle Wahrsignale entdecken. Dadurch kann Burnout oder ähnliches vermeidet werden. Wenn die Wiedereingliederungsprogramme richtig gestaltet sind, tragen sie dazu bei der Anzahl von Rückfällen und dadurch der Anzahl von Betroffenen zu senken. Im besten Fall haben sie die Nebenwirkung, dass sie durch die wiedereingliederten Mitarbeitern mit Stress und Burnout als Tabu brechen können. 5.6 Sportliche Maßnahmen Beiersdorf hat alle ihre Programme in einer “good4me”- Plattform gesammelt. Diese Plattform gibt die Mitarbeiter Information über medizinische, soziale oder sportliche Programme. Die Programme können gegen Stress und Burnout für einige Mitarbeiter wirken, indem sie dazu beitragen können, das Beziehungsgefüge zwischen Kollegen zu entwickeln und damit auch Vertrauen zu den anderen Kollegen zu bilden. Diese Beziehung kann bewirken, dass Vertrauen unter den Mitarbeitern sich entwickelt, was ergeben kann, dass die Mitarbeiter einander mit den alltäglichen Arbeitsaufgaben helfen. Dies bewirkt, dass die Mitarbeiter nicht alles selbst machen und das Gefühl haben, alles selbst kontrollieren zu müssen, was Überforderung verursachen kann. 45 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Beiersdorf hat “aktive Pausen” eingeführt, in der die Mitarbeiter in einem Fitnessstudio Beratung für Fitness bekommen können. Die “aktive Pausen” helfen den Mitarbeitern dabei, ihr Aussehen und Lebensstil zu gestalten. Wie Beiersdorf bietet der Opel Konzern auch ihre Mitarbeiter Zutritt zu einem Gesundheitsstudio an. Im Gesundheitsstudio gibt es Fitnessgeräte und Trainingskurse. Dies soll bewirken, dass die Mitarbeiter sowohl eine angemessene Work-Life-Balance erreichen als auch durch gemeinsames Sporttreiben soziale Kontakte bekommen (Opel 2014). In dem Fall Nataschas half es, Sport zu treiben, und dies gab ihr Energie im Alltag. Die sportlichen Maßnahmen können auch unter den Kollegen einen Freiraum kreieren, in der sie vielleicht offener als bei den Schreibtischen reden können - auch über gesundheitliche Verhältnisse, und dies kann einen vorsorgenden Effekt schaffen. Die sozialen Relationen beim Sport helfen auch dabei die Beziehungen am Arbeitsplatz zu stärken, und dies baut vertrauen. Sowohl Jennifer als auch Natascha waren beide Perfektionisten, und sie waren nicht imstande, ihre Kollegen mit Aufgaben zu vertrauen, in solchen Fällen könnte soziale Events vielleicht eine positive Wirkung gehabt haben. In Verbindung mit den physischen Aktivitäten können die Mitarbeiter auch Entspannungstechniken lernen. Die Entspannungstechniken bewirken, dass die Mitarbeiter sich von einem Alltag mit vielem Druck und vielen Ansprüchen abschalten können. Die Entspannungstechniken fordern, dass sie sich Zeit nehmen, die Entspannungstechniken zu lernen, und nicht wenigstens, dass sie die auch im Alltag benutzen. Für sowohl Eva als auch Monika war das Problem nicht, dass sie nicht wussten, wie sie sich entspannen konnten, aber dass sie sich keine Zeit für die Entspannung gegönnten. Insofern würden Entspannungstecknicken den beiden nicht sonderlich helfen. Opel veranstaltet für ihren Mitarbeiter verschiedene Events, wie zum Beispiel Formenläufe oder Fußballmeisterschaften oder Abendveranstaltungen, um zielgerichtet die sozialen Kontakte zu fordern. Die Freizeit-Events können auch dabei helfen, Vertrauen unter den Mitarbeitern zu entwickeln, was zu einer guten Zusammenarbeit und Entlassung im Alltag führen kann. Die sportlichen Maßnahmen fordern die Beziehungen zwischen Kollegen. Zusammen Sport zu treiben bildet Vertrauensrelationen unter den Mitarbeitern, die sie vermutlich sonst nicht bilden würden. Gemeinsam für alle die vorsorgenden Maßnahmen gilt es, dass sie nur bis einem gewissen Punkt eine Einwirkung haben können. In Fällen wo der Personen schon psychisch erschöpft oder stressig 46 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation sind, würden die Maßnahmen vermutlich nicht helfen, indem sie vermeidet oder übergesehen würden wegen zum Beispiel Zeitdruck oder psychischer Erschöpfung. Durch das Projekt sind die Ursachen für Stress und Burnout anhand der modernen Identität durch Erfahrungsberichte und unternehmerische Webtexte analysiert geworden. Danach sind die vorsorgenden Maßnahmen der Unternehmen präsentiert, und wir haben den Effekt der Maßnahmen bewertet. Die Ergebnisse werden zunächst in der Konklusion und Ausblick zusammengefasst und beleuchtet. 47 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation 6. Konklusion und Ausblick Das Ziel dieses Projekts war zu untersuchen, warum immer mehr erwerbstätige Personen stressbedingte gesundheitliche Probleme erleben. Die moderne Identität und die folgen davon spielen dabei eine signifikante Rolle. Die Änderungen der Gesellschaft bedeuten, dass wir selbst unsere eigene Selbsterzählung bilden müssen, weil wir nicht mehr auf Traditionen zurückgreifen können. Deshalb ist eine gewisse Menge Selbstreflexion nötig, um u.a. herauszufinden, was wir im Leben wirklich wollen. Die Selbstreflexion war für die Betroffene schwierig zum Teil wegen der vielen Möglichkeiten aber auch wegen fehlender Kriterien. Es kann schwierig sein, die Prioritäten im Leben richtig einzuordnen. Wenn die Entscheidungen, die wir treffen müssen, nicht richtig getroffen werden, kann es zu Stress führen. Auf Grund der Zerstörung von Traditionen suchen wir nach anderen Kriterien, wie die von der Tradition gegebene, die wir für die Gestaltung unserer Selbsterzählung benutzen können. Die Medien bieten solche Kriterien an. Das bedeutet, dass unsere Selbsterzählung von den Bildern der Medien geprägt ist. Die Medien und die vielen Möglichkeiten bewirken eine Erweiterung von Erwartungen im Leben. Durch die ständig gezwungene Selbstreflexion, werden wir außerstande unsere eigenen Fähigkeiten zu bewerten. Deswegen sind die Erwartungen, die wir haben, oft unerreichbar und unrealistisch. Dies bewirkt eine Unverhältnismäßigkeit zwischen den Erwartungen und der Realität. Dieses Spannungsfeld führt dazu, dass wir oft nicht unsere Erwartungen erfüllen können. Wenn wir versuchen die Ziele zu erreichen, arbeiten wir viel und erreichen trotzdem nie die Ziele, weil sie unrealistisch sind, und deswegen kann es zu Überforderung und letztendlich Burnout führen. In der modernen Gesellschaft haben wir selbst Verantwortung für unsere Identitätsbildung und unser Leben, und deshalb haben wir Angst vor dem persönlichen Versagen. Wenn wir uns verfehlen, tragen wir selbst die Schuld dafür, was zu weiteren Anstrengungen und Überforderungen führen kann. Die Angst für persönliches Versagen können auch dazu fuhren, dass wir alles selbst kontrollieren wollen. Für die Betroffene bewirkte dies, dass sie nicht vertrauen an den Kollegen hatten und deshalb alle Aufgaben selbst machten. Das Ergebnis sind viele Aufgaben und viel Arbeit, was auch zum Stress führen kann. 48 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Die gesellschaftlichen Änderungen hierunter die Globalisierung und die neuen Technologien bewirken, dass die vorher natürlichen Abgrenzungen aufgelöst sind, und dass wir deshalb überall arbeiten können und jederzeit arbeiten können. Diese Entwicklung bewirkt auch eine Beschleunigung der gesellschaftlichen Änderungen, was eine ständige Umstellungsfähigkeit und einen Leistungsdruck gestaltet. Dieser Druck kann in sich selbst Stress bewirken. Die Beschleunigung hat im Bezug auf die Work-Life-Balance auch eine große Bedeutung, indem sie sich auf Grund der vielen Arbeit leichter verschieben kann. Die fehlende Struktur im Alltag kann über Zeit zu Erschöpfung und Stress führen. Auf der Jagd nach Erfolg vergessen wir Rücksicht an uns selbst zu nehmen, und wir vergessen auf unsere basalen Bedürfnisse und Begrenzungen zu achten. Wir haben gelernt, dass Gefühlsausbrücke uns marginalisieren, und wir müssen uns ständig anpassen, und imstande sein, verschiedene Rollen in verschiedenen sozialen Arenen zu spielen. Deswegen werden die Wahrsignale ignoriert, und wir setzen ungestört vor, bis wir im schlimmsten Fall das Burnout erreichen. Die moderne Identität und die gesellschaftlichen Änderungen gestalten kreuz und Quer eine Mischung aus verschiedenen Stressauslösern, die sowohl alleine als auch zusammen zu Stress oder Burnout führen können. Die Unternehmen sind auf diesen obengenannten steigenden Leistungsdruck aufmerksam, und sie wissen, dass gesunde Mitarbeiter bessere Leistungen bringen. Sie unternehmen Maßnahmen, um die stressbedingten Krankheiten zu vorsorgen. In der Analyse der Betroffenen und der Analyse der unternehmerischen Webtexte gibt es eine Übereinstimmung zwischen den Stressursachen. Die vorsorgenden Maßnahmen funktionieren weitgehend nach der Absicht. Die Maßnahmen können allerdings nicht alle Stressfälle vorsorgen, weil sie zum Beispiel nicht den steigenden Druck, der mit der Globalisierung verknüpft ist, nicht entfernen. Darüber hinaus kann die steigende Anzahl von Betroffenen auch durch andere Faktoren erklärt werden, die nicht von der modernen Identität abhängen. Sicher ist es aber, dass Stress, Burnout und andere stressbedingte Krankheiten durch Zeit aufgebaut werden, und wenn man die vermeiden möchte, muss man so früh wie möglich eingreifen. Deswegen sind Offenheit und Ehrlichkeit gegen uns selbst und am Arbeitsplatz eine Notwendigkeit um die Kurve zu knicken. 49 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation 7. Literaturverzeichnis Academica. 2013. “Norman Fairclough.” Zuletzt besucht d. 3. Mai, 2014. http://lancaster.academia.edu/NormanFairclough Audi. 2014. “Gesund leben und arbeiten“. Zuletzt besucht d. 19. Mai, 2014. http://www.audi.com/corporate/de/corporate-responsibility/wir-lebenverantwortung/mitarbeiter/gesund-leben-und-arbeiten.html Beck, Ulrich. 1986. Risikogesellschaft: Auf dem Weg in eine andere Moderne. Ulm: Ebner & Spiegel. Beiersdorf . 2014. “Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter“. Zuletzt besucht d. 19. 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Mai, 2014. 50 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation http://www.soziologiker.info/oarb/a_giglo.htm Hilfe bei Burnout. 2014. “Volkskrankheit Burnout- verschiendende Phasen der weitverbreiteten Krankheit“. Zuletzt besucht d. 7. Mai, 2014. http://www.hilfe-bei-burnout.de/volkskrankheit-burnout-verschiedene-phasen-der-weitverbreiteten-krankheit/ Jana B. 2014. “Ich habe das Risiko des Burnout unterschätzt”. Zuletzt besucht d. 19 Mai, 2014. http://www.hilfe-bei-burnout.de/austausch/erfahrungsberichte/ Jäger, Siegfried und Jäger Margarete. 2007. Deutungskämpfe – Theorie und Praxis Kritischer Diskursanalyse. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH. Kaspersen, Lars Bo. 2001. Anthony Giddens – introduktion til en samfundsteoretiker. København: Hans Reitzels Forlag. Niedersächisches Ministerium für Inneres und Sport. 2014. “Was ist Gesundheit?” Zuletzt besucht d. 30. April, 2014. http://www.mi.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=25498&article_id=87003&_psmand =33 Opel. 2014. “Work-Life-Balance“. Zuletzt besucht d. 19. Mai, 2014. http://www.opel.de/opelerleben/karriere/karriere_bei_opel/work_life_balance.html Planet Wissen. 2013. “Raus aus der Stressfalle“. Zuletzt besucht d. 19. Mai, 2014. http://www.planet-wissen.de/sendungen/2013/02/videos/04_stress_komplett.jsp Spiegel TV. 2011. “Arbeitswelt: Massendiagnose Burnout - SPIEGEL TV Magazin“. Zuletzt besucht d. 19. Mai, 2014. https://www.youtube.com/watch?v=RbvPhHVZXBY SWR Landesschau. 2013. “SWR Landesschau - Jennifer Bentz zum Thema Burn-Out und Generation Praktikum“. Zuletzt besucht d. 19. Mai, 2014. https://www.youtube.com/watch?v=nG78fAgrD1k TK Studie. 2013. Bleib Locker Deutschland- TK Studie zur Stresslage der Nation. Zuletzt besucht d. 26. Mai 2014. http://www.tk.de/centaurus/servlet/contentblob/590188/Datei/115476/TK_Studienband_zur_Stressu mfrage.pdf Ziehe, Thomas. 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Ich wollte tatsächlich effizient sein, nichts zu tun war für mich reine Zeitverschwendung. Ich nahm mir Arbeit mit nach Hause, freute mich auf das Wochenende wegen dem Gefühl damit Arbeit erledigen zu können, das Pensum wieder in den Griff zu bekommen. Private Verpflichtungen in der Freizeit empfand ich plötzlich als Stress und Belastung, weil mir damit Zeit fehlte, um die Arbeit einzuholen. Ich nahm mir immer weniger Zeit für Familie und Freunde. Mit der Zeit aufkommende Sorgen von meinen Angehörigen habe ich gar nicht ernst genommen und es als vorübergehende Phase abgetan, weil ich eben geglaubt habe je fleißiger und effizienter ich jetzt bin, desto eher kann ich meine To Dos wieder überblicken und habe wieder den Kopf für Privates. Nur wuchs der Berg an Aufgaben mit dem gleichen Tempo, wie ich sie abhaken konnte. Das würde sich auch nicht ändern, der naive Gedanke, nur mit stetigem Fleiß und viel Arbeit schon bald wieder den Kopf für Privates und Zeit für Entspannung zu finden aber blieb und so entsteht dieser Teufelskreis. In dem Glauben die Ursachen für Burnout liegen in Arbeit, die einem keinen Spaß macht, dass nur die, die morgens aufwachen und nicht zur Arbeit wollen Gefahr laufen an Burnout zu erkranken, sah ich mich gar nicht gefährdet und erkannte die Stressspirale gar nicht, in der ich mich befand. Jetzt weiß ich, dass gerade die, die To Dos abarbeiten wollen und effizient sein wollen gefährdet sind und wie ich viel zu spät erkennen, dass man auf dem direkten Weg zum Burnout ist. Ich will gar nicht sagen, dass ich ausgebrannt bin oder war oder gar an Burnout litt, nur, dass ich ohne es zu merken darauf zugesteuert bin und froh darüber bin, die Gefahr erkannt zu haben und nun zu wissen, dass es jeden treffen kann – und das schneller, als man glaubt. Nur auf Drängen meiner besorgten Familie beschäftigte ich mich mit dem Thema. Nur dadurch wurden mir die Warnsignale erst als solche bewusst und mir klar, dass ich besser auf mich aufpassen muss.” Jana B. (32) http://www.hilfe-bei-burnout.de/austausch/erfahrungsberichte/ 52 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Anhang b – Audi 2014 Gesund leben und arbeiten Gesundheit ist einerseits etwas Persönliches, das jeder Mensch gern mit sich selbst oder mit seinem Arzt ausmacht. Auf der anderen Seite ist die Gesundheit der Belegschaft ein wichtiger betriebswirtschaftlicher Faktor. Dr. Joachim Stork, Leiter des Audi Gesundheitswesens, und Peter Mosch, Gesamtbetriebsratsvorsitzender, haben über das betriebliche Gesundheitsmanagement diskutiert. Herr Mosch, Sie sind gut 25 Jahre im Unternehmen. Wie haben Sie bei Ihrem Einstieg das Thema Gesundheit wahrgenommen und wie sehen Sie es heute? Peter Mosch: In meiner Jugend habe ich das Thema Gesundheit kaum wahrgenommen. Es hat sich in dieser Zeit sehr viel getan, zum Beispiel im gewerblichen Bereich mit den vielen Ergonomieverbesserungen. Oder bei den Themen Stress und psychische Belastungen, denen wir heute ganz bewusst begegnen. Das Thema Gesundheitsschutz war und ist eine zentrale Aufgabe des Betriebsrats und ist mir natürlich heute wesentlich bewusster. Herr Dr. Stork, Sie haben rund 30 Jahre Berufserfahrung als Arbeitsmediziner. Wenn Sie die großen Themen Ihres Fachs betrachten – was hat sich verändert? Dr. Joachim Stork: Die Schwerpunkte in den 80er Jahren lagen ganz klar beim Arbeitsschutz. Der Schutz der Mitarbeiter vor Gefahrstoffen oder vor schwerer Belastung. Wir haben aber heute zusätzliche Themen: Wie steht es um die subjektiven Faktoren? Es geht heute um das Thema Wiedereingliederung, um die Beschäftigungsfähigkeit älterer Mitarbeiter und die psychische Gesundheit in Bezug auf die Arbeit. Herr Mosch, wie geht der Betriebsrat diese Themen an? Peter Mosch: Im Zuge des demografischen Wandels haben wir als Betriebsrat die Herausforderung, die Gesundheit der Mitarbeiter besser zu schützen. So haben wir zum Beispiel unsere „Runden Tische“ installiert, mit denen Betriebsrat und Unternehmen gemeinsam versuchen, Menschen wieder in die Arbeit einzugliedern, die aus längerer Krankheit zurückkommen. Permanent arbeiten wir an der Optimierung und Schaffung von Arbeitsplätzen für ältere Mitarbeiter und dem Thema psychische Gesundheit. Der Betriebsrat fordert, dazu auch eine Betriebsvereinbarung abzuschließen. Wie erleben Sie die Reaktionen der Menschen auf die Angebote des Gesundheitswesens – kann es sein, dass manche das als „zuviel“ sehen, als einen zu starken Eingriff in die Persönlichkeit? Dr. Joachim Stork: Es gibt ein großes Vertrauen zum Gesundheitsschutz. Die Menschen kommen mit allen Themen zu uns, die sie vielleicht früher für sich behalten hätten. Für dieses Vertrauen bin ich der Belegschaft dankbar. Die individuelle Prävention, das Checkup-Programm, wird hervorragend angenommen, die Akzeptanzrate liegt bei 90 Prozent. Das hat damit zu tun, dass wir die Mitarbeiter zu einem passenden Termin einladen. Dann kann man Ja oder Nein sagen. Peter Mosch: Ich denke, dass das Thema Gesundheit in der Bevölkerung eine immer größere Rolle spielt und unsere Belegschaft die Gesundheitsberatung im Checkup sehr schätzt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Prinzip der Freiwilligkeit eine große Rolle für die hohe Akzeptanz spielt. Ich gehe selbst regelmäßig zu diesen Untersuchungen, weil ich hier wertvolle Ratschläge bekomme. Wie ist das mit dem Datenschutz und der Verschwiegenheitspflicht? Peter Mosch: Ich kann Ihnen versichern, dass die ärztlichen Daten sehr sicher aufbewahrt werden. Wir haben mehrfach geprüft, dass keine Daten das Gesundheitswesen verlassen können. Aus unserer Sicht ist somit der Datenschutz gewährleistet. 53 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Dr. Joachim Stork: Wir können aus den vielen Gesundheitsdaten, die wir erheben, anonymisiert die richtigen Schlüsse ziehen. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur Arbeit in vergangenen Jahrzehnten. Also: Nicht nur Schutz der Gesundheit vor Gefährdung, sondern auch Schutz der Gesundheit durch vorbeugendes Management. Gibt es Entwicklungen bei der Mitarbeitergesundheit, die nicht kurzfristig zu beheben sind? Peter Mosch: Der zunehmende Leistungsdruck ist so ein Problem. Zum Beispiel in der Fertigung: Es besteht die Gefahr, dass wir wieder eine stärkere Arbeitsteilung mit weniger Arbeitsinhalten pro Takt und mit kürzeren Taktzeiten bekommen. Ich sehe diese Entwicklung mit Sorge. Ähnliche Tendenzen sind im indirekten Bereich erkennbar. Das Volumen und die Komplexität von Tätigkeiten steigen hier stetig. Dr. Joachim Stork: Mein Fachgebiet hat sich bereits vor Jahren mit Monotonie oder der Vermeidung von schweren Belastungen befasst. Heute geht es aber auch um die Frage: Wie bewältigen die Mitarbeiter die Komplexität, wenn auf einer Montagelinie verschiedene Modelle für verschiedene Länder mit verschiedenen Ausstattungen produziert werden? Hier unterstützen Ergonomie und das Audi Produktionssystem, aber es sind sicher noch nicht alle Antworten gefunden. Wo wollen Sie das Audi Gesundheitsmanagement in zehn oder 20 Jahren sehen? Dr. Joachim Stork: Ich würde mir wünschen, dass wir nicht immer nur fragen, was bei der Arbeit schadet, sondern auch beachten, wie Arbeit für unser Wohlbefinden, für Lebenssinn, sorgen kann. Denn es gibt trotz aller Krankheitswahrscheinlichkeit im fortschreitenden Alter immer mehr Menschen, die sehr lange arbeiten können und wollen. Mein zweiter Wunsch sind konsequentere Regelkreise in unserer Arbeit, von der Notfallmedizin bis zur Prävention. Peter Mosch: Es wäre wünschenswert, dass Gesundheitsschutz in einigen Jahren als ein gleichrangiges Unternehmensziel wie zum Beispiel Wirtschaftlichkeit gesehen wird. Leben, um zu arbeiten oder arbeiten, um zu leben? Peter Mosch: Im Idealfall ein ausgewogenes, gesundes Verhältnis von beidem. Dazu müssen wir sicher die Präventionsmaßnahmen stärken. Und wir sollten auch die Art der Führung im Unternehmen näher betrachten: Welche Werte bestimmen unser Miteinander im Unternehmen? Wie gehen wir miteinander um? Die Führungskräfte können zum Thema Gesundheit einen wesentlichen Beitrag leisten. http://www.audi.com/corporate/de/corporate-responsibility/wir-lebenverantwortung/mitarbeiter/gesund-leben-und-arbeiten.html 54 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Anhang c –Beiersdorf 2014 Gesundheit & Sicherheit unserer Mitarbeiter Nachhaltiges Management für Sicherheit Wir haben ein ‚Zero Accident‘ Programm entwickelt, bei dem neben der Senkung von Unfallzahlen auch die Beseitigung unsicherer Arbeitsbedingungen in allen Unternehmensbereichen im Fokus steht. Das Programm besteht aus verschiedenen Modulen, die von der Kommunikation bis zur Sicherheit von Einzelpersonen in verschiedenen Situationen reichen. Eines der Schlüsselelemente ist die Definition von verhaltensbasierten Sicherheitsprinzipien (BBS-Prinzipien) durch Schaffung eindeutiger ‚Ich werde‘- und ‚Ich werde nicht‘-Verpflichtungen für unterschiedliche Funktionen und Zuständigkeiten. Das Konzept wurde in Europa bereits teilweise umgesetzt und weitere Regionen werden 2014 folgen. Im Frühjahr 2013 wurde Beiersdorf Hamburg erneut vom Amt für Arbeitsschutz als ‚Betrieb mit einem vorbildlichen Arbeitsschutzsystem‘ ausgezeichnet. Dieser Preis würdigt unser Engagement für die kontinuierliche Verbesserung von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Im Dezember 2013 erhielt Beiersdorf Chile eine Zertifizierung durch die Berufsgenossenschaft ‚Mutual de Seguridad‘, der mehr als 60.000 Unternehmen angehören. Beiersdorf war eins von 20 Unternehmen, die diese Zertifizierung durch die ‚Mutual de Seguridad’ erhalten haben. Die Tochtergesellschaft P.T. Beiersdorf Indonesia wurde 2011 von der Regierung der Region Ost-Java für vorbildliche Arbeitssicherheit ausgezeichnet und erhielt den ‚Zero Accident Award‘. Der Preis honoriert die vorbildliche Sicherheitskultur im Werk, die von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern getragen wird. Im Jahr 2012 organisierte Beiersdorf Brasilien eine interne Unfallverhütungskampagne, die sichere Verhaltensweisen förderte. Im Rahmen unterschiedlicher Aktivitäten wurden Themen wie Belastbarkeit und Teamwork erörtert. Dabei konzentrierte sich die Kampagne nicht allein auf die Sicherheit am Arbeitsplatz, sondern sie umfasste auch andere wichtige Gesundheitsthemen wie HIV/AIDS. Im Jahr 2013 wurde das Environmental Protection and Safety Management Audit Scheme (ESMAS) mit dem Qualitätsmanagement-Audit kombiniert. Weitere Informationen zu dem ESMAS-Auditierungsplan erhalten Sie hier. Betriebliche Gesundheitsförderung Vorbeugen, um Krankheiten erst gar nicht entstehen zu lassen – das ist das Ziel der gesamten betrieblichen Gesundheitsförderung von Beiersdorf. Wir ermuntern unsere Mitarbeiter, Verantwortung für ihre eigene Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu übernehmen. 2013 wurde die ‚good4me‘-Plattform entwickelt, um die bestehenden Gesundheitsaktivitäten an unserem Hamburger Standort zu bündeln. Über diese Plattform haben die Mitarbeiter jetzt Zugriff auf nähere Informationen zu allen medizinischen, sozialen oder sportlichen Programmen. Der Betriebsärztliche Dienst in Hamburg setzt jedes Jahr ein anderes Schwerpunktthema – wie beispielsweise ‚Gesunde Ernährung‘, ‚Darmkrebsfrüherkennung‘ oder ‚Gesunder Rücken‘. 2012 standen Resilienztrainings und Maßnahmen zur Brustkrebsfrüherkennung im Mittelpunkt der Gesundheitsförderung. Im Jahr 2013 lag der Schwerpunkt auf ‚Back in balance‘. Das Gesundheitsförderungsteam führte etwa 500 individuelle Beratungen zu Schreibtischeinrichtung, Körperhaltung und Ergonomie durch und ermunterte die Mitarbeiter zu ‚bewegten Pausen‘ in einem nahegelegenen Fitnessstudio, wo sie eine Beratung zur richtigen Durchführung der Übungen und zu Entspannungstechniken erhielten. 55 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Im Jahr 2012 startete an unserem größten Produktionsstandort, Beiersdorf Manufacturing Hamburg (BMH) in Deutschland, ‚GO kompakt‘, ein Angebot der Gesundheitsoffensive BMH. Teilnehmende Mitarbeiter erhalten einen Tag frei, um an betriebsärztlichen Vorsorgeuntersuchungen und interaktiven Gesundheitsschulungen teilzunehmen. Unter anderem können sich die Teilnehmer über gesunde Ernährung bei Schichtarbeit informieren und Entspannungstechniken erlernen. In einem ‚Gesundheitsfahrplan‘ sind die Resultate der Untersuchungen sowie entsprechende Empfehlungen festgehalten. Zur Überwachung des Gesundheitszustands erfolgen weitere Vorsorgeuntersuchungen nach sechs bzw. zwölf Monaten. Wir sehen das psychische Wohlbefinden unserer Mitarbeiter als genauso wichtig an wie ihre körperliche Gesundheit. Alle Menschen gehen unterschiedlich mit Veränderungsprozessen und dem permanenten Anpassungsdruck um, die zu einem normalen Bestandteil der gegenwärtigen Arbeitswelt geworden sind. Neben Veränderungen im Unternehmen können auch private Belastungen zu Stress, psychischer Erschöpfung oder Burnout führen. Um der psychischen Belastung entgegenzuwirken, hat das Unternehmen Maßnahmen entwickelt, darunter die Kooperation mit einer medizinischen Einrichtung sowie die Entwicklung eines Managementprogramms für die berufliche Wiedereingliederung. http://www.beiersdorf.de/nachhaltigkeit/people/gesundheit-sicherheit-mitarbeiter 56 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Anhang d – Deutsche Bank 20014 Work-Life-Balance und Gesundheit Unsere Mitarbeiter bewegen sich in einem herausfordernden und dynamischen Arbeitsumfeld. Sie müssen bei ihrer Arbeit rasch reagieren und anspruchsvolle Aufgaben bewältigen. Das körperliche und seelische Wohlbefinden unserer Mitarbeiter ist wichtig für ihre Lebensqualität und wirkt sich auch darauf aus, welche Leistungen sie an ihrem Arbeitsplatz erbringen. Daher bieten wir ein gesundheitsorientiertes Arbeitsumfeld, das neben medizinischer Betreuung auch Stressmanagement umfasst. Gesundheit und Sicherheit Die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter, unserer Geschäftspartner, Lieferanten und Besucher sind uns wichtig. Wir wollen sichere und gesundheitsunterstützende Arbeitsplätze schaffen und legen besonderen Wert auf Unfallprävention. Ein effektives Gesundheits- und Arbeitssicherheitsmanagement trägt dazu bei, die Arbeitsqualität und Arbeitsproduktivität zu verbessern sowie die Mitarbeiterzufriedenheit zu fördern. In Deutschland ist unser Gesundheitsund Arbeitssicherheits-Managementsystem durch die Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) nach dem Standard NLF/ILO-OSH 2001 zertifiziert. Gesundheit und Wohlbefinden Wir widmen Gesundheit und Wohlbefinden großes Augenmerk. In vielen Ländern bietet die Deutsche Bank eine betriebliche medizinische Versorgung oder direkten Zugang zu renommierten Krankenhäusern und ärztlichen Einrichtungen an. Auf Geschäftsreisen haben unsere Mitarbeiter Zugang zu einem umfassenden Angebot an medizinischen Leistungen und Notfallversorgung des weltweit führenden Anbieters. In allen Regionen stehen als Ergänzung zu einer soliden medizinischen Versorgung so genannte Employee Assistance Programme zur Verfügung, auf die unsere Mitarbeiter bei der Klärung persönlicher Angelegenheiten im Beruf wie im Privatleben zugreifen können. Denn eine schnelle und direkte Lösung trägt mittelbar zur einer verbesserten Work-Life-Balance bei. Work-Life-Balance: Vereinbarkeit von Beruf und Familie Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine entscheidende Voraussetzung für die Leistungsbereitschaft und das Engagement von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Damit arbeitsplatzspezifische Anforderungen mit privaten und insbesondere familiären Bedürfnissen in Einklang gebracht werden können, bietet die Deutsche Bank eine breite Palette an Angeboten in diesem Bereich. Die Work-Life-Balance unserer Mitarbeiter fördern wir etwa durch über 400 betriebsnahe Betreuungsplätze für Kinder weltweit. Ein Familienservice in Deutschland, Großbritannien und den USA hilft im Bedarfsfall, Betreuungslücken zu überbrücken. Auch an unseren asiatischen Standorten bieten wir eine Reihe familienbezogener Zusatzleistungen an. Außerdem bietet die Deutsche Bank umfassende Beratungsprogramme während der Elternzeit sowie Workshops und andere Beratungsleistungen, die den Wiedereinstieg erleichtern. Stressmanagement und Work-Life-Balance Zum Schutz ihrer psychischen Gesundheit bieten wir unseren Mitarbeitern in OnlineSchulungsmodulen und Präsenzkursen eine Einführung in Techniken des Stressmanagements. Wir unterstützen flexible Arbeitsregelungen, die es unseren Mitarbeitern erlauben, ihre Zeit selbstbestimmt einzuteilen. Dazu zählen Teilzeit- und mobile Arbeit genauso wie die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten – damit unterstützen diese Modelle eine ausgewogene Work-LifeBalance. 57 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation https://www.db.com/cr/de/konkret-gesundheit-work-life-balance.htm 58 Burnout in Deutschland - Bachelorprojekt Karen Nabe Nielsen Katrine Knudsen Aalborg Universitet International Virksomhedskommunikation Anhang e – Opel 2014 WORK-LIFE-BALANCE Das Wohl unserer Mitarbeiter liegt uns sehr am Herzen. Darum ist es uns wichtig, Ihnen ein ausgeglichenes Berufs- und Privatleben zu ermöglichen und Ihnen die dafür nötigen Freiräume zu schaffen. Freuen Sie sich, Leben und Arbeit in eine für Sie angemessene Balance zu bringen – denn nur ein zufriedener Mitarbeiter kann seine Ideen und seine Kompetenzen optimal ausschöpfen. Flexible Arbeitszeitmodelle. Damit Sie Ihr Berufs- und Privatleben in Einklang bringen und Sie Ihre Arbeitszeit je nach Lebenssituation und nach Ihren Bedürfnissen gestalten können, verfügt Opel über zahlreiche und flexible Arbeitszeitmodelle. Neben dem Gleitzeitmodell, den unterschiedlichen Arbeitszeiten, den Teilzeitvarianten bis hin zur Telearbeit ist bei Opel alles vertreten. Führungskräften wird bei uns Arbeitszeitsouveränität gewährt. Adams-Fit – das Opel-Gesundheitscenter. In unserem betriebseigenen Gesundheitsstudio bieten wir Ihnen neben modernen Fitnessgeräten ein umfangreiches Programm mit zahlreichen Trainingskursen (wie z. B. Yoga, Rückenkurse etc.). Ziel ist es, nicht nur einen Ausgleich zur Arbeit und dem Privatleben zu schaffen, sondern auch durch gemeinsames Sporttreiben Spaß an Bewegung zu entwickeln und soziale Kontakte zu fördern. Kooperation mit einer Kindertagesstätte. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist heute wichtiger denn je. Darum besteht am Standort Rüsselsheim eine Kooperation mit der Kindertagesstätte „KIKU KINDERLAND“. Ziel ist es, Sie beim beruflichen Wiedereinstieg nach der Geburt eines Kindes zu unterstützen und Ihnen die Sicherheit zu geben, Ihr Kind in guten Händen zu wissen. Opel Freizeit-Events. Um gute Leistungen im Berufsleben erbringen zu können, ist es wichtig, ein erfülltes Privat- und ausgeglichenes Berufsleben zu haben und beides auch miteinander verbinden zu können. Darum organisiert Opel für seine Mitarbeiter Jahr für Jahr unterschiedliche Freizeit-Events, wie z.B. den jährlichen Opel-Firmenlauf, Fußball-Werksmeisterschaften, Abendveranstaltungen, diverse Gewinnspiel-Aktionen und vieles mehr. Mit dem Angebot möchten wir uns für das tägliche Engagement, das Verantwortungsbewusstsein, die Liebe zum Detail und die Unterstützung zur Erfüllung der Unternehmensziele bei allen unseren Mitarbeitern bedanken. http://www.opel.de/opel-erleben/karriere/karriere_bei_opel/work_life_balance.html 59