20160124-predigt

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Predigt Septuagesimä (3. Sonntag vor der Passionszeit) 1 Kor 9, 24-27
Thema: Nachfolge
1. Glockengeläut
2. Orgelvorspiel
3. Eingangslied
4. Begrüßung & Votum
(mit einem Boxhandschuh)
Komm, lass uns kämpfen. Ja, ich meine dich. Ganz genau: dich! Hast
du dafür auch richtig gut trainiert? Ich habe jede freie Sekunde mit
Üben verbracht. Kannst du dir das vorstellen? Kannst du?
Schaut euch doch mal die Trophäe an...wie sie glänzt. Ja, am Ende des
Tages wird sie mir gehören. Ich werde nämlich als Siegerin nach dem
Wettkampf nach Hause gehen.
Also frage ich dich noch mal: Bist du für den Wettkampf bereit?
Ja, liebe Gemeinde: das ist das Thema dieses Gottesdienstes erraten:
einen Wettkampf gewinnen.
So wollen wir nun diesen Gottesdienst beginnen, im Namen des Vaters
und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
5. Psalm: Im Psalm 32 Vers 20 steht geschrieben: Wie groß ist deine
Güte, die du bewahrt hast denen, die dich fürchten und erweisest denen,
die auf dich trauen. (Ps 31,20)
Kommt lasst uns ihn anbeten. (Ehre sei dem Vater......)
6. Kollektengebet
7. Lesung: Ich bitte Edith Lutz/ Eric Klau für die Schriftlesung nach
vorne. (Halleluja...)
8. Glaubensbekenntnis: Zusammen mit der ganzen Christenheit auf
Erden wollen wir unseren Glauben bekennen und ich bitte Sie nach
Möglichkeit dazu aufzustehen.
9. Lied vor der Predigt:
10. Predigt:
Noch ein paar Meter .... und dann...dann ist das Ziel erreicht und die
Trophäe gehört mir!... "Halte durch, Simone! Du hast es gleich
geschafft!", höre ich meine Freunde vom Rande der Laufbahn rufen. In
diesem Augenblick erinnerte ich mich an das viele und lange Training,
an die Energie, an die Zeit und das Opfer, die ich für diesen Wettkampf
investiert habe. Jede Minute war durchgeplant. (Die Zeit musste für)
Schule, Training und Lernen reichen. Für Freunde war nicht mehr viel
übrig. Und jetzt waren sie da und unterstützten mich. Mit diesen
Gedanken überschritt ich die Ziellinie ohne es zu merken und rannte
einfach weiter. Das fühlte sich so super an. Können Sie sich das
vorstellen?
Wenn man sportlich aktiv ist und an Wettkämpfen teilnimmt, ist man
sich schon bewusst, dass man nicht jedes Mal als Gewinner nach Hause
gehen kann, aber man hofft trotzdem, nicht der Verlierer zu sein. Am
Anfang meiner "Karriere“ als Läuferin hatte ich ab und zu mal ein
Wettrennen verloren. Mit der Zeit wurde ich schlauer: Wenn ich mich
für einen Wettkampf nicht genug vorbereitet fühlte, meldete ich mich
gar nicht mehr an. So konnte ich auch nicht verlieren.
Aber dann kam dieser wichtige Wettkampf. Ich wollte auch dieses Mal
wieder gewinnen. Ich habe sehr hart und viel trainiert und wurde von
einer Woche zur anderen immer besser. Ich war mir sicher, als erste die
Ziellinie zu erreichen. Na ja, und dann wurde ich doch nur zweite. Ich
hatte die Wette mit mir verloren. Das war bitter. Ich war enttäuscht.
Oh, ich hätte fast vergessen! Sie haben bestimmt die Turnschuhe
bemerkt. Den Boxhandschuh sowieso. Und jetzt fragen Sie sich
bestimmt, was diese im heutigen Gottesdienst zu suchen haben?
Als Antwort lese ich Ihnen den heutigen Predigttext, aus dem ersten
Brief des Paulus an die Christen in Korinth (Kapitel 9, Verse 24-27):
"Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle,
aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt.
Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie
einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen.
Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust,
nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich bezwinge meinen
Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst
verwerflich werde."
Paulus möchte den Korinthern klar machen, was Christsein bedeutet.
Und er vergleicht es mit einem Läufer und einem Boxkämpfer.
Wettrennen und Wettbewerbe waren in Korinth sehr bekannt, da 14 km
von Korinth entfernt, alle 2 Jahre die Isthmischen Spiele stattfanden.
Christsein bedeutet den Siegeskranz Gottes gewinnen zu wollen. Beim
Erlangen der Goldmedaille Gottes braucht man nicht mit anderen
Menschen zu kämpfen, man tritt nicht gegen andere Christen an. Unser
einziger Gegner ist der alte Adam, der alte Mensch in uns, der Teil in
unserem Herzen, der mit Gott nichts zu tun haben will.
Es stellt sich nun die Frage: Wie kann ich nun den Siegeskranz Gottes
gewinnen?
1. Wer gewinnen will, braucht das Ziel klar vor Augen.
a) Was ist das Ziel? Was ist die Trophäe? Unser Ziel und unsere
Trophäe ist nicht der vergängliche Lorbeerkranz, sondern die Krone der
Gerechtigkeit wie Paulus sie in 2.Tim. 4,7-8 beschreibt: „Ich habe den
guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben
gehalten; 8 hinfort liegt für mich bereit die Krone der Gerechtigkeit, die
mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, nicht aber
mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebhaben.“
Was bedeutet das? Es bedeutet: Der gerechte Richter, der die
Dornenkrone trug, Jesus, macht mich dann vollständig gerecht, nimmt
mich vollständig auf in seine himmlische Herrlichkeit. Das ist der
unvergängliche Siegeskranz. Das Ziel und die Trophäe ist, bei Christus
anzukommen!
b) Dabei ist es jedoch nicht möglich anzukommen, ohne dass du dich
selbst auf die Spur der Nachfolge machst. Du kannst nicht jemand
anderen für dich „laufen lassen“. Das „im Glauben kaufen“ kannst du
nicht delegieren. Du musst das Ziel kennen, du kannst nicht einfach
„mal sehen“ und ein „bisschen drauflos“ mitlaufen. Viele Mitläufer
geben irgendwann auf, weil es sie langweilt, weil sie kein Ziel haben.
Sei kein Mitläufer.
c) Das Ziel im Blick behalten ist von zentraler Bedeutung.
Ein Biathlon-Läufer beispielsweise, der sein Ziel nicht mit Kimme und
Korn im Visier hält, schießt daneben. Er muss dann Zusatzrunden
laufen. Wir müssen zielstrebig laufen, wenn wir keine Zusatzrunden
laufen wollen. Das kostet viel Kraft. Um das Ziel im Blick zu behalten
braucht der Biathlet aber auch eine ruhige Hand. Er muss zur Ruhe
kommen können, Atmung und Puls im Griff behalten, weil es sonst
unmöglich ist, das Ziel zu treffen. Wenn du gewinnen willst, brauchst
du das Ziel klar vor Augen. Visiere das Ziel, den Lauf so zu vollenden,
dass du bei Christus ankommst, immer wieder neu an. Dafür brauchst
du das „Innehalten“, das zur Ruhe kommen, das Durchatmen. Das
erspart dir Zusatzrunden. Auch wer beim Boxen den Gegner aus dem
Blick verliert und wild herumfuchtelt, vergeudet seine Kraft. Deshalb:
nicht danebenschlagen, nicht in Randgebieten verlaufen. Zur
Ruhekommen, das Ziel anvisieren. Und dann erst los!
2. Wer gewinnen will, muß trainiert sein.
Ich weiß, das ist nicht so einfach. Aber die Mühe lohnt sich allemal.
Man braucht aber dafür mindestens 3 Sachen: Konditionstraining,
gesunde Ernährung und Motivation.
a) Konditionstraining
Ohne Ausdauer, ohne Durchhaltevermögen auf Durststrecken schafft
man es nicht bis zum Ende auszuhalten.
Konditionstraining im geistlichen Sinne ist die Gemeinschaft mit
anderen Christen; Disziplin halten im Gebet und Bibellesen, auch wenn
es oft schwer fällt. Vielleicht denken einige von euch: na toll, dann bin
ich schon bei diesem Punkt raus. Ich würde vielleicht gerne, habe aber
nicht die Zeit dafür, täglich Bibel zu lesen; um zu beten, usw. Ich sage
euch aber: Dafür braucht man aber kein Hokuspokus. Man kann z.B.
sonntags den Gottesdienst besuchen, da hat man schon die drei Punkte
auf einem Schlag zusammen: Gemeinschaft mit anderen Christen; das
Wort Gottes und das Beten. Aber nicht nur den sonntäglichen
Gottesdienst gehört dazu: vielmehr unser ganzer Alltag soll dieses
Konditionstraining sein. Das kann schon bei den ganz einfachen,
banalen Dingen anfangen: für die Schwachen eintreten; das zu viel
erhaltene Geld bei der Kasse im Supermarkt zurückgeben; seine
Stimme gegen Ungerechtigkeit und Pauschalisierungen erheben, auch
wenn es gegen den Strom ist; den Mitmenschen in der Not helfen; den
Anderen annehmen und respektieren, so wie er ist. Das alles -und noch
viel mehr- ist Konditionstraining im Alltag. (Im Grunde nichts anderes,
als das tun, was Gott von uns will/erwartet. Die praktische Umsetzung
seines Wortes.)
b) Gesunde Ernährung
Beginnen wir vielleicht erstmal bei uns, mit einer Ego-Diät. Sich auch
mal enthalten; zurücknehmen; nicht immer im Mittelpunkt stehen...
Enthaltsamkeit üben, in Dingen, die bremsen; die ablenken; die Ballast
sind: Haltet euch fern vom negativen Reden, vom Tratschen. Stärkt
nicht euer Selbstwertgefühl auf Kosten anderer.
Bleibt glaubwürdig; seid ein Beispiel für andere: Der Sportler, der frisst
und raucht, Alkohol, Drogen und Doping nutzt, verliert seine
Glaubwürdigkeit. Er ist kein Beispiel mehr.
Ernährt euch gesund (mit Ballaststoffen, Vitaminen, Obst und Gemüse,
Vollkornbrot). Das brauchen wir. Gottes Wort ist voller
lebenswichtiger Ballaststoffe und Vitamine. Es lohnt sich, sich da
durchzubeißen. Ihr wisst doch, wie es geschrieben steht: "Der Mensch
lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das
durch den Mund Gottes geht." (Mt.4,4)
c) Motivation
Ja, das ist der Siegespreis natürlich. Den unvergänglichen Kranz, so wie
ihn Paulus nennt. Und das schönste an dieser Sache ist, dass jede und
jeder ihn bekommen kann. Jeder läuft zwar für sich, aber nicht alleine.
Wir sind ein Team. Wie im Staffellauf. Und auch wenn unsere
Rennbahnen manchmal nebeneinander sind, wir können die, die auch
im Rennen sind ermutigen und uns von ihnen ermutigen lassen. Alleine
schaffen wir es nicht, gemeinsam schon. Wir alle brauchen aber dafür
andere Menschen die uns bestätigen, die uns motivieren, die uns
trösten, die für uns da sind.
3. Wer gewinnen will, muss kämpfen.
a) Laufen ist anstrengend. Da kannst du schon mal ins Schwitzen
kommen. Wer läuft, hat immer irgendwann den „toten Punkt“. Dann
fragt dich der „innere Schweinehund“: „Wollen wir nicht mal anhalten?
Jetzt lass es aber mal gut sein mit Gott. Übertreib es nicht. Du musst
dich ja auch um dich kümmern. Sollen doch jetzt andere Mal laufen.“
Der „innere Schweinehund“ im Glauben, der alte Adam, das, was sich
in dir gegen Gott auflehnt und unabhängig sein will. verwickelt dich in
Kämpfe, Zweifel, Anfechtungen, Angriffe, Ängste, will das Vertrauen
auf Gott kaputt machen.
b) Es gibt einen Kampf! Dein Herz ist der Schauplatz des Kampfes
zwischen altem und dem durch den Glauben erneuerten Menschen.
Wem gibst du in deinem Herzen mehr Raum?

Ich habe in den letzten Wochen den Eindruck gewonnen, dass
bei sehr vielen Menschen um uns herum die Angst zunehmend die
Regie im Fühlen, Denken, Reden und Handeln übernommen hat.

Gibst du in deinem Herzen denen Raum, die in den aktuellen
Krisensituationen rund um Flüchtlinge, Terrorismus, Links- und
Rechtsradikalismus in ein billiges Schwarz-Weiß-Denken mit scheinbar
einfachen Lösungen Angst und Stimmung machen? Wenn du in der
Lage bist, differenzierter zu denken, dann ist doch klar,
-dass dieses Thema so komplex ist, dass die Lösung weder im
Verschließen von Grenzen und Herzen bestehen kann noch in der
unüberlegten Öffnung für alle und jeden.
-dass nicht alle Engel sind, aber auch nicht alle Frauenvergewaltiger
oder IS-Terroristen.
-dass nicht jeder, der sich wirklich Sorgen macht und Angst hat, ein
Nazi ist.
Gib denen keinen Raum, die alle über einen Kamm scheren wollen.
Denn: Niemand kann einem anderen Menschen in den Kopf oder ins
Herz schauen. In 1.Sam.16,7 steht: „Der Mensch sieht, was vor Augen
ist, der Herr aber sieht das Herz an.“ Und weil du niemand in Kopf oder
Herz blicken kannst, darfst du dich nicht am Schwarz-Weiß-Denken
beteiligen.

Gibst du denen Raum, die die Justiz selbst in die Hand nehmen
wollen? Oder vertraust du darauf, dass Gott auch unsere Regierung und
Polizei trotz aller Planlosigkeit, Zerrissenheit und aller Fehlerhaftigkeit
gebrauchen kann, um Ruhe, Ordnung und den Frieden wieder
herzustellen?

Gibst du der Angst Raum oder vertraust du auf die Macht des
Herrn, der regiert, auch wenn es vielleicht nicht immer auf den ersten
Blick so aussieht? Wem gibst du Raum in deinem Herzen?
Wir Christen sind umkämpft. In Eph.6,12 schreibt Paulus dass wir
„nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen“ haben. Deshalb:
Lass dich nicht vom alten Adam, der dir das Gottvertrauen rauben will,
vom Weg drängen. Bleib auf dem Weg des Vertrauens auf Gott, auch
wenn du Angst hast. Bleib auf dem Weg des Vertrauens auf Gott auch
wenn du dich bedroht fühlst.
Beim Boxen ist ein Ziel, den anderen k.o. zu schlagen. Wir müssen den
alten Adam k.o. schlagen. Das geht aber nicht aus eigener Kraft,
sondern nur mit der Kraft des Herrn, mit der Kraft des Glaubens, mit
Gottvertrauen. Jesus sagt: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid
getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Joh.16,33).
Lassen Sie sich nicht überwältigen. Lassen Sie sich nicht betören durch
Ihre Gefühle der Angst, der Sorgen, des Zweifels. Der Sieg im Kampf
erfordert keine übernatürlichen Kräfte, sondern nur das Vertrauen auf
die übernatürliche Kraft Gottes in Jesus Christus.
Zum Schluss:
1. Wer gewinnen will, braucht das Ziel klar vor Augen.
2. Wer gewinnen will, muss trainiert sein.
3. Wer gewinnen will, muss kämpfen.
Holen Sie sich die Goldmedaille Gottes im guten Kampf des Glaubens,
indem Sie den alten Adam k.o. schlagen, indem sie im Ziel bei Christus
ankommen.
Lieder: 324,1+8+12; Mappe Nr.26 Mighty to save;
373,1+3+4; 190.2; 295,1-4
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