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Kirchengemeinderäte im Portrait
Eva Arnold-Schaller, Kirchengemeinderätin, Evangelische Stiftskirchengemeinde Tübingen
„Spaß an der Begegnung“
Eva Arnold-Schaller ist eine Frau, die gut zuhören kann. Eine Frau, mit der es leicht fällt, ins Gespräch zu
kommen. Und eine Frau, die Spaß an der Begegnung mit anderen Menschen hat und Interesse an deren
Geschichten und Erlebnissen. Vielleicht ist das alles ein Grund dafür, warum sich die zierliche kleine Frau mit den
blonden Locken vor 23 Jahren entschied, sich um das Amt der Kirchengemeinderätin an der evangelischen
Stiftskirche in Tübingen zu bewerben. Eine Entscheidung, die die 58-Jährige bis heute nicht bereut hat: „Es
macht mir Spaß, mit unterschiedlichen Menschen zu tun zu haben.“
Sich auf andere einstellen und im Team arbeiten zu können, darin liege vermutlich eine ihrer größten Stärken.
„Das kann ich bei der Arbeit im Kirchengemeinderat gut einbringen“, sagt sie und lacht. Überhaupt lacht Eva
Arnold-Schaller gerne und oft. Und lässt sich auch von den „schwierigen“ Themen, mit denen das ehrenamtliche
Gremium an der Stiftskirche immer wieder zu tun hat, nicht die gute Laune verderben. Auch wenn sie zugibt,
dass nicht alles, was zu ihren Aufgaben als Kirchengemeinderatsvorsitzende gehört, gleich viel Spaß mache. So
muss sie sich immer wieder mit finanziellen Themen und Fragen auseinandersetzen, „das kann manchmal recht
mühsam sein“, räumt sie ein. Aber Eva Arnold-Schaller kann auch dieser Tatsache noch etwas Positives
abgewinnen: „Auf diese Weise lerne ich Bereiche kennen, die mir sonst verschlossen geblieben wären“. So kann
die Tübingerin mittlerweile nicht nur Haushalts-, sondern auch Baupläne lesen. Denn die Stiftskirche, die in ihrer
heutigen Form in den Jahren von 1470 bis 1483 erbaut wurde, muss immer wieder saniert und renoviert werden.
Um diese Arbeiten dauerhaft finanzieren zu können, hat die Gemeinde die „Stiftung Stiftskirche“ gegründet, zu
deren Stiftungsrat Eva Arnold-Schaller als Kirchengemeinderatsvorsitzende qua Amt dazu gehört. Und auch das
kirchliche Leitungsgremium selbst befasst sich immer wieder mit den Renovierungsarbeiten und unterstützt
Stiftung und Stiftskirchenpfarrer zum Beispiel bei diversen Spendenaktionen. Die jüngste ist gerade zu Ende
gegangen: 100.000 Euro haben Gemeindeglieder und Bürgerinnen und Bürger gespendet. Und für jeden
Spenden-Euro hat die Stadt Tübingen noch einen weiteren Euro dazu gegeben. „Ein erfolgreiches Projekt“, meint
Arnold-Schaller und erklärt, der Großteil der 200.000 sei für die Außenrenovierung der Kirche gedacht. Karl
Theodor Kleinknecht, einer von insgesamt vier Pfarrern, die die Innenstadtgemeinde betreuen, ist froh über die
Unterstützung seines Kirchengemeinderates: „Bei einer so großen Sanierung ist es entscheidend, dass der KGR
hinter dem Projekt steht und in Gemeinde und Kirchengemeinde um Unterstützung wirbt. Wir Pfarrer alleine
können das nicht stemmen“, erklärt der evangelische Theologe. Für Eva Arnold-Schaller ist es wichtig, dass die
Stiftskirche auch für künftige Generationen erhalten bleibt, denn der riesige Kirchenraum mit seinen historischen
bunten Fenster, dem riesigen Chorraum und dem alten Chorgestühl hat für sie große Bedeutung. „Ich war schon
so oft hier“, sagt sie und hebt den Blick zur Decke des Altarraums, „aber ich finde diese Kirche immer wieder
wunderschön und faszinierend.“
Eva Arnold-Schaller engagiert sich nicht nur ehrenamtlich, sondern auch nebenberuflich in der Kirche: Sie ist eine
von zwei Mitarbeiterinnen der Tübinger „Kirche am Markt“, der Anlauf-Beratungs- und Informationsstelle der
evangelischen Gesamtkirchengemeinde, direkt am Tübinger Marktplatz, gegenüber des Rathauses gelegen. In
den kleinen Raum mit der großen Schaufensterscheibe kommen Tübinger und Touristen mit ganz
unterschiedlichen Fragen. „Manche wollen nur einen Stadtplan oder anderes Infomaterial“, erzählt Eva ArnoldSchaller und deutet dabei auf die zwei Ständer, die vollgepackt mit Broschüren und Infoblätter sind. Andere
interessieren sich für kirchliche Angebote oder brauchen Informationen, zum Beispiel zum Thema
„Patientenverfügung“ oder ambulante Pflege. Die Mitarbeitenden verteilen Infomaterial und stellen Kontakte zu
anderen Beratungseinrichtungen her. Auch „Seelsorge im Vorrübergehen“ gehört zu Eva Arnold-Schallers
Aufgaben bei „Kirche am Markt“. Immer wieder kommen Menschen hierher, die reden wollen und auf der Suche
nach jemandem sind, der zuhört. Traurige, erstaunliche und interessante Geschichten hat die 58-Jährige sich auf
dem kleinen Sofa in einer Ecke des Raumes schon erzählen lassen. Und hier verbinden sich Haupt- und
Ehrenamt im Leben von Eva Arnold-Schaller: In beiden Bereichen geht es vor allem um Menschen, um ihre
Sorgen, Anliegen und Nöte. Und darum, dass es jemanden gibt, der diese Anliegen ernst nimmt und der sich
einsetzt: Für das Wohl anderer, für das Wohl einer Kirchengemeinde und einer Gemeinde.
Die Tübingerin will bei der Kirchenwahl im Dezember auf jeden Fall wieder kandidieren. Warum? Eva ArnoldSchaller überlegt nur kurz: „Weil wir im Kirchengemeinderat miteinander Christ sein heute gestalten können, was
ich sehr sinnvoll finde.“
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