www.eathink2015.org Material 3 Was essen wir? Die Menschen in Österreich lieben Essen. Schnitzel, Pommes, Burger, Pizza und Döner gibt es fast überall zu jeder Zeit zu kaufen. Dabei gibt es schon längst nicht mehr nur „österreichisches“ Essen, sondern internationale Küche, wie die Aufzählung am Anfang zeigt. Aber nicht nur die Gerichte kommen aus anderen Ländern, sondern auch viele der Zutaten. In den Supermärkten finden sich Nahrungsmittel, die aus ganzen Welt stammen: Bananen aus Costa Rica, Weintrauben aus Südafrika, Äpfel aus Argentinien, Tomaten aus Spanien, Gummibären aus China. Nehmen wir zum Beispiel das Lieblingsobst von Frau und Herr Österreicher: Äpfel. Zwar wachsen hier in Österreich viele Äpfel, doch im Supermarkt kann man trotzdem Äpfel aus andern Ländern finden! Das zweitliebste Obst sind Bananen. Sie wachsen nicht bei uns und müssen aus Südamerika hertransportiert werden, zum Beispiel aus Costa Rica. Also ganz schön weit weg. Aber auch das Fleisch, was wir essen, kommt zum Teil aus anderen Ländern. Das Obst, Gemüse, Fleisch und auch Getreide, wie Reis müssen in großen Kühlschiffen, LKWs oder mit dem Flugzeug zu uns gebracht werden, damit sie nicht verderben. Das ist teuer und schädlich für die Umwelt. Warum macht man das dann? Dafür gibt es mehrere Erklärungen: Auf der einen Seite ist das Klima in Österreich so, dass nur im Sommer frische Zutaten gut wachsen können. In Ländern wie Spanien oder Brasilien ist es viel wärmer und es lassen sich dort fast das ganze Jahr über gut Gemüse und Getreidesorten anbauen. Auf der anderen Seite sind die Löhne der Arbeiterinnen und Arbeiter in Österreich viel höher, als zum Beispiel in Costa Rica. Für Firmen (auch Supermärkte) ist es also günstiger dort die Lebensmittel einzukaufen und nach Österreich transportieren zu lassen. Für die Bäuerinnen und Bauern in Österreich ist es nicht leicht genug zu verdienen, weil die Konkurrenz aus dem Ausland groß und billig ist. 1 www.eathink2015.org Lebensmittel für den Müll? Die Supermarktregale in Österreich sind voll mit den verschiedensten Waren. Selbst am Samstag kurz vor Ladenschluss sind die Brot- und Gemüseregale noch voll. Am Samstagabend wandern die verderblichen Lebensmittel dann in den Müll. Täglich werden viele Lebensmittel bei uns in den Müll geworfen, obwohl sie da noch gar nicht hingehören würden. Eines von drei essbaren Lebensmitteln landet derzeit im Mistkübel. Auf ein Jahr hochgerechnet werfen wir zwei volle Einkaufswagen an Essen weg, dass noch genießbar wäre. Dazu kommen noch die Berge von Lebensmitteln, die die Geschäfte wegwerfen. Wir schmeißen vor allem Lebensmittel weg, die uns nicht mehr gut und appetitlich genug erscheinen. Das ist vor allem Obst und Gemüse. Welker Salat, schrumpelige Karotten oder Äpfel mit Druckstellen – all das, was für eine gesunde Ernährung besonders wichtig ist, aber leider auch bei falscher Lagerung schnell unansehnlich wird, landet am häufigsten in der Tonne. Aber warum schmeißen wir so viel weg? Grund dafür ist vor allem unser Einkaufsverhalten. Viele Lebensmittel werden weggeworfen, weil sie nicht mehr schön aussehen oder das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Außerdem kaufen wir oft viel zu viel ein, als wir brauchen. Dazu verleitet auch der Supermarkt, wenn zum Beispiel die große Packung Äpfel billiger ist als eine kleine. Dabei ist es so leicht, Lebensmittelmüll zu vermeiden: Einfach kleinere Packungen und Portionen kaufen, übrig gebliebenes einfrieren und vor dem Wegschmeißen des Joghurts einfach mal dran riechen. Bei uns gibt es Essen im Überfluss. In anderen Teilen der Welt gibt es viele Millionen Menschen, 805.000.000, die täglich nicht genug zu essen haben. Einfacher gesagt: Einer von neun Menschen weltweit muss jeden Abend hungrig schlafen gehen. Die Teller bleiben leer. Die große Mehrheit der Hungernden lebt in Entwicklungsländern, die meisten leben in Asien und der Pazifikregion. Quellen: www.wien.gv.at/umweltschutz/abfall/lebensmittel/fakten.html http://de.wfp.org/hunger/hunger-statistik 2 www.eathink2015.org Wie wir und andere Menschen essen Die Esskultur in Österreich sieht meist so aus: man setzt sich zum Essen gemeinsam mit der Familie an einen Tisch. Jede/r sitzt auf einem Sessel und man isst mit Messer und Gabel von Tellern. In anderen Ländern, wie zum Beispiel Japan, sitzen die Familien traditioneller Weise um einen niedrigen Tisch und sitzen am Boden. Gegessen wird mit Stäbchen aus einer kleinen Schüssel. So wie in diesen beiden Ländern gibt es noch viele weitere Formen, wie Menschen gemeinsam essen. Aber gibt es nicht auch bei uns Formen anders zu essen? Viele Menschen essen bei uns heutzutage im Stehen! Schnell noch einen Döner zum Mitnehmen, eine Semmel unterwegs. Hauptsache es geht schnell. Es hat sich sogar eine ganze Industrie auf die „neue“ Art des Essens eingestellt: das Fast Food. Bekannte Fast Food-Ketten sind McDonald’s, Burger King oder Pizza Hut. Aber auch jeder Würstelstand in Wien zählt dazu. Was bei uns auf den Teller kommt hat früher unser Wetter und die Jahreszeiten bestimmt. Erdbeeren gab es nur im Mai und Juni, Brokkoli nur im Sommer. Heute können wir im Supermarkt fast das ganze Jahr über Erdbeeren und Brokkoli kaufen. Das Obst und Gemüse wird aus anderen Teilen der Welt hergebracht. Aber nicht nur das Wetter bestimmt was auf dem Speiseplan von uns Menschen steht, sondern auch Traditionen und Religionen. So essen Muslime zum Beispiel kein Schweinefleisch und Hindus kein Rindfleisch, weil Kühe in Indien heilig sind. Im Christentum gibt es regelmäßige Fastenzeiten, wo ursprünglich gar nichts gegessen wurde für eine kurze Zeit. Heutzutage verzichten einige Menschen während der Fastenzeit zum Beispiel auf Fleisch. Am Karfreitag ist man traditioneller Weise Fisch. 3 www.eathink2015.org Wo kaufen wir unser Essen? In Österreich kaufen die meisten Menschen ihre Lebensmittel im Supermarkt. Fast in jedem Dorf gibt es zumindest ein Geschäft. In der Stadt hat man im Umkreis von 1 Kilometer meistens sogar mehrere Supermärkte zur Auswahl. Obwohl es viele verschiedene sind, gehören die meisten Supermärkte ein und derselben Firma: Zum Beispiel gehören Billa, Merkur, Penny und ADEG alle zu einer Firma, nämlich REWE. Zu SPAR gehören auch die Geschäfte Hervis, Maximarkt, dm und Metro. Das heißt: es wird uns eine Vielfalt an Geschäften vorgegaukelt, eigentlich gehören viele zusammen und Konkurrenz gibt es nicht. In größeren Städten gibt es auch Märkte, wo man an Ständen Obst, Gemüse und manchmal auch Dinge wie Brot und Saft kaufen kann. In Wien gibt es neben dem Naschmarkt auch den Brunnenmarkt, die sehr bekannt sind. Aber es gibt in vielen Bezirken regelmäßige Markttage. Wer einen Garten hat kann Obst und Gemüse auch selbst anbauen. Sogar auf einem Balkon lassen sich schon Tomaten ziehen und Kräuter anpflanzen. Wer keinen Garten hat aber trotzdem Gemüse und Obst von heimischen Bauern essen möchte, kann sich ein Biokistl bestellen, das bis nach Hause geliefert wird. Wer noch genauer wissen will, wo ihr/sein Essen herkommt, kann einer CSA (Community Supported Agriculture = Gemeinschaftlich unterstützte Landwirtschaft) oder einer Foodcoop beitreten. Hierbei vergibt ein Bauer/Bäuerin, Ernteanteile an Menschen die in der Nähe wohnen. Den Anteil hat man dann als Käufer/in für ein ganzes Jahr. So weiß der Bauer, was er an Geld zur Verfügung hat und macht damit das was er am besten kann: Gemüse, Obst und Kräuter anbauen. Je nach Saison gibt es „Erntekörbe“ für die Käufer/innen. Jede Woche bekommt man so frisches Gemüse der Saison vom Bauern/Bäuerin aus der Nähe. 4 www.eathink2015.org Was steckt in unserem Essen? Wasser verbrauchen wir nicht nur direkt durch Trinken oder Duschen, sondern auch indirekt über die Dinge, die wir essen oder am Körper Tragen. So braucht man z.B. 16.000 Liter Wasser, um ein 1Kg Rindfleisch herzustellen (Pflanzen für das Futter…). Dieses unsichtbare Wasser in unserem Essen nennt man „virtuelles Wasser“. Das heißt, unser Wasserverbrauch ist viel größer als wir glauben! In Österreich brauchen wir durchschnittlich 135 Liter pro Person und Tag. Rechnen wir das virtuelle Wasser mit ein, sind es mehr als 4.000 Liter Wasser pro Tag und Person – in Indien sind es gerade ein mal 25 Liter. Kaum zu glauben, aber in vielen unserer Lebensmittel steckt auch Erdöl! Vanillearoma ist unter anderem etwas, das aus Erdöl gewonnen wird. Bedenkt man Anbau, Ernte, Verarbeitung, Transport, Verkauf und Aufbewahrung, dann kostet 1 Kalorie Nahrung in der modernen Landwirtschaft etwa 10 Kalorien Erdöl. Besonders viel Öl steckt in Kunstdünger, Pestiziden und den Treibstoffen, die man braucht um die Lebensmittel zu transportieren, mit dem LKW zum Beispiel. Neben Wasser und Erdöl ist auch noch CO2, Kohlendioxid, ein Treibhausgas, das nicht sichtbar ist, aber durch unsere Lebensmittel entsteht. Der Stoff entsteht als Abfallstoff, zum Beispiel wenn Gewächshäuser geheizt werden. Durch das Anbauen unserer Nahrungsmittel entsteht aufs Jahr gesehen gleich viel Treibhausgas wie durch den Verkehr. Zuviel CO2 bewirkt, dass sich unser Planet schneller aufheizt. Vielleicht habt ihr schon mal etwas vom Klimawandel gehört? Das hat damit zu tun. Dabei ist es relativ einfach, sich „klimafreundlich“ zu ernähren: Wenig Fleisch, biologische und saisonale Sorten einkaufen und auch beim Bauern oder der Bäuerin in der Nähe zu kaufen spart CO2. Quellen: http://www.generationblue.at/WasserWissen/Element_Wasser/Virtuelles_Wasser.html http://fm4.orf.at/stories/1711950/ http://www.bmub.bund.de/themen/wirtschaft-produkte-ressourcen/produkte-undumwelt/produktbereiche/lebensmittel/ 5