Was ist ein Bild?

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Ästhetische Rezeption und Produktion
Vorlesung 1 – Was ist ein Bild?
„Sehen kommt vor Sprechen. Kinder sehen und erkennen, bevor sie sprechen können.“
(John Berger)
Das Zitat von Berger gibt wieder wie wichtig eigentlich das Sehen ist. Kleinkinder können noch nicht
sprechen, jedoch können sie ihre Umwelt, die Dinge, die um sie herum passieren, aufnehmen.
Wie wir etwas wahrnehmen wird beeinflusst durch unser Wissen.
„Man sieht nur das was man weiß.“ (Goethe)
Wir sehen immer nur das was wir auch betrachten. Wir nehmen nie eine Sache an sich wahr, wir
machen die Betrachtung immer an uns aus.
Nicht nur derjenige, der ein Bild erschafft (Fotograf, Künstler), hat dabei bestimmte Reflexionen und
Emotionen, sondern auch wir als Betrachter. Nicht nur ihre Sichtweise ist relevant, sondern auch
unsere eigene Art des Sehens.
Wir sollten in dieser Vorlesung ein kleines Experiment durchführen. Jeder von uns bekam vier Fragen,
so dass der Banknachbar jeweils zwei unterschiedliche Fragen hatte. Diese mussten wir kurz
schriftlich festhalten. Wir sollten diese Fragen bei acht unterschiedlichen Bildern beantworten.
1.
2.
3a.
3b.
4a.
4b.
Was ist auf dem Bild dargestellt?
Was geschieht auf dem Bild?
An was denken Sie, wenn Sie dieses Bild sehen?
Was soll mit dem Bild ausgesagt werden?
Warum denken Sie daran?
Woraus schließen Sie das?
Die Fragen 3a. und 4a. zielen auf die subjektiven Assoziationen und die Fragen 3b. und 4b. auf die
sozialen und kulturellen Assoziationen.
Anschließend sollten wir uns mit unserem Nachbarn, über unsere gesammelten Eindrücke
austauschen, um dabei mögliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede festzuhalten.
Wenn es darum geht zu beantworten, was auf den Bildern abgebildet ist, gibt es meist nur leichte
Abweichungen in den Antworten. Da wir meist dasselbe auf den Bildern sehen können. Geht es
hingegen um den Inhalt der Bilder, die Assoziationen die sie zulassen – was will das Bild oder der
Autor/Künstler mit seinem Bild ausdrücken, gibt es oft Unterschiede in der Interpretation.
Bei Bildern sind oft verschiedene Interpretationen möglich, denn nicht jeder hat die gleichen Gefühle
und Eindrücke beim Betrachten eines Bildes. Auch hat nicht jeder dasselbe Wissen oder die gleichen
Erfahrungen. Was wir in den Bildern sehen oder in sie hineininterpretieren hat oft etwas mit unseren
religiösen, sozialen und kulturellen Erfahrungen und Erlebnissen zu tun.
Bei dieser Vorlesung haben mich vor allem die Bilder von Robin Rhode und Thomas Demand
angesprochen, deshalb habe ich noch weitere Bilder und nähere Informationen im Internet gesucht.
Robin Rhode ist ein südafrikanischer Streetart-Aktionskünstler. Er befasst sich mit Happening,
Fotografie und Videokunst, und dies immer im Zusammenhang mit zeichnerischen Versatzstücken.
Er setzt sich sowohl mit sozialkritischen, als auch mit Betrachtung und Beobachtung der Jugendszene
und des Lebens in einer Großstadt auseinander.
Er integriert Merkmale von Graffiti, Wandmalerei und Straßenkunst in seinen Arbeiten.
Dies finde ich sehr interessant, da er seine Arbeiten nicht bloß auf ein Element reduziert, sondern
dass sie sehr facettenreich sind.
Außerdem findet man autobiografische Bezüge zu seinem Leben. Seine Kindheit und Jugend war
geprägt von Apartheid, Gewalt, Diskriminierung und Rassismus, und diese Elemente findet man auch
in seinen Arbeiten wieder.
Er inszeniert immer gewisse Szenarien, bei denen er Dinge an die Wand oder auf den Boden
aufzeichnet. Diese Vorlage wird dann entweder auf eine eher lustige oder fröhliche, oder aber auf
eine eher ernsthafte Weise mittels Requisiten erweitert. Dieses wird dann auf Videos dokumentiert
und in Bildern festgehalten.
Durch die Verbindung von Zeichnung und Performance kann sich ein mitunter etwas grotesker Effekt
ergeben. Für einige Betrachter könnte dies etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen. Ich finde es
jedoch faszinierend wie er seine Bilder inszeniert.1
2
3
4
1
http://de.wikipedia.org/wiki/Robin_Rhode
http://kunstschau.netsamurai.de/2007/09/14/robin-rhode-walk-off/
2
http://www.rebelart.net/diary/wp-database/uploads/2007/robin1.jpg
3
http://static.blogo.it/designerblog/robin-rhode/001.jpg
4
http://www.wdw.nl/persfoto/Street/2_Robin%20Rhode.jpg
Thomas Demand dagegen ist ein Künstler, der seine Bilder auf eine völlig andere Weise inszeniert.
Er ist ein Künstler der Tatort- und Pressefotografien bis ins kleinste Detail mit Pappe und Papier
nachbaut.
Es ist schon faszinierend wie er diese Dinge anhand bloßer fotografischer Vorlagen so detailgetreu
nachbauen kann.
Diese Szenen werden dann fotografisch festgehalten, nachdem er das Modell vollständig
fertiggestellt hat. Diese Fotografien sind meist lebensgroß.
Die Themen die er in seinen Bildern darstellt sind meist gesellschaftlich relevante Ereignisse, die auch
persönliche Bezüge enthalten können.5
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5
http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Demand
http://www.todayandtomorrow.net/wp-content/uploads/2009/10/thomasdemand_4.jpg
7
http://4.bp.blogspot.com/_lY1uektO4pg/S97N0RNe3I/AAAAAAAAAUM/n0L2dO0714k/s1600/thomas_
demandPresidencyII.jpg
6
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