Evaluation

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Methoden der Wirkungsanalyse
Eine Konzeption zur Evaluation von
Programmwirkungen
Prof. Dr. Reinhard Stockmann
BiBB-AK “Evaluation”
12. Juni 2003
Aufbau des Vortrags
1. Mangel an Wirkungsanalysen
2. Funktionen von Evaluationen
3. Zielproblematik in der Entwicklungsforschung
4. Methodologische Paradigmen
5. Untersuchungsdesigns für die Evaluation von Wirkungen
6. Evaluationskonzeption: theoretisches Grundmodell
7. Methodische Konzeption
8. Erfahrungen mit der Evaluationskonzeption
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Funktionen von Evaluationen
Erkenntnisfunktion
Kontrollfunktion
Evaluation
Dialogfunktion
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Legitimitätsfunktion
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Zielmodell der Evaluationsforschung
Vorgehen:
1. Programmziele ermitteln
2. Ziele in messbare Indikatoren der Zielerreichung
übersetzen
3. Daten sammeln
4. Daten mit Zielkriterien vergleichen
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Probleme des Zielmodells
1. Verschwommene Formulierungen
2. Kluft zwischen offiziellen und tatsächlichen Zielen
3. Veränderungen im Zeitverlauf
4. Unterschiedliche Ziele der Akteure
5. Vernachlässigung nicht-intendierter Effekte
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Dualität der Evaluationsforschung
Teil des politischen Prozesses und
Teil der empirischen Sozialforschung
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Methodologisches Kontinuum
Methodologischer
Rigorismus
Handlungs- und
Aktionsforschung
Experimentelle
Designs
Emanzipatorisches
Paradigma
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Konsequenzen aus dem handlungstheoretischen Paradigma
 Nicht Falsifikation – sondern Ermittlung von Handlungsalternativen zur
Lösung von Problemen
 Trennung zwischen Evaluatoren und Evaluierten wird aufgehoben
 Nicht Forschungsfragen – sondern Informationsbedarfe der Zielgruppen
im Vordergrund
 Nicht Wertneutralität – sondern Wertungen
 Gütekriterien nicht primär Validität, Reliabilität und Objektivität –
sondern Kommunikation, Intervention, Relevanz.
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Zwei Hauptprobleme von Wirkungsevaluationen
1.Entdeckung und Messung von Wirkungen
2.Identifikation von Kausalzusammenhängen
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Typische Forschungsdesigns für Wirkungsanalysen
Design
Auswahl der
Untersuchungseinheit
Art der
Kontrollgruppe
Daten-erhebungszeitpunkt
I. Experimente und
Feldexperimente
Randomisierung
durch Forscher
Randomisierte und
stat. Kontrollen
Zumeist vorher /
nachher od. mehrere
Messungen
II.Quasi-Experimente
Unkontrollierte
Auswahl
Konstruierte u/o stat.
Kontrollen
Zumeist vorher /
nachher od. mehrere
Messungen
III. Pretest-Posttest
Unters.
Unkontrollierte
Auswahl
Reflexive Kontrollen
Vorher/Nachher
Messung
IV. Retrospektive Vor/Nachher Unt.
Unkontrollierte
Auswahl
Retrospektive
reflexive Kontrollen
Nachher Mess. mit
retrospektven Mess.
V. Panel
Untersuchungen
Unkontrollierte
Auswahl
Reflexive Kontrollen
Mehr als zwei Mess.
während Intervention
VI. Zeitreihenanalysen
Unkontrollierte
Auswahl
Reflexive Kontrollen
Viele Mess. vor und
nach der Intervention
VII. Querschnittsanalysen
Unkontrollierte
Auswahl
Statistische
Kontrollen
Nachher Messungen
VIII. Gutachtenmodell
Unkontrollierte
Auswahl
Generische u/o
Schattenkontrollen
Nachher Messungen
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Probleme experimenteller Designs
1. Zahl einzubeziehender, erklärender Faktoren
unvollständig
2. Forschereinfluß (Interaktion)
3. Selbstselektion
4. Verzerrungen bei Messwiederholungen
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Prinzipielle Bedenken gegen experimentelle Designs
1. Analyse komplexer Phänomene nicht angemessen
2. Für die Erfassung von Wandel und Entwicklung
nicht geeignet: ahistorisch
3. Dominante Orientierung an interner Validität
4. Professionelle Ethik und geltendes Recht
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Lebensverlaufsmodell
Zeitachse
Phasen
t1
t2
t3
Projekt- ProjektAngebot
antrag prüfung
t4
t5a - t5n
Auftrag
t6
ProjektPhasen der
Projektdurchführung überleitung
Planung
Implementation
Förderphase
tF
Förderende
tNF
Nachbetreuung
Projektstand nach
3-5 J.
Wirkung/
Nachhaltigkeit
Nach-Förderphase
Legende: t = Zeitpunkt
tF = Förderende
tNF = Nach-Förderende
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Wirkungsmodell
Umwelt
Bildungs-/
Ausbildungssystem
Beschäftigungssystem
Träger
Organisationsstruktur
Politisches
System
Projekt
Ziele
Technologie
Mitarbeiter
Rechtssystem
Finanzielle
Ressourcen
Soziokulturelles
System
Untersuchungsgegenstand
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Diffusionsmodell
Spezifische
Eigenschaften
der Innovation
- Relative Vorteilhaftigkeit
- Vereinbarkeit
- Komplexität
- Erprobbarkeit
- Beobachtbarkeit
- Ausreifungsgrad
Externe Variablen:
Umweltfaktoren
- Politisches System
- Normen u. Werte
- Arbeitsmarkt (Nachfrage)
- Bildungs- u. Ausbildungssystem (Anbieter)
- u.a.
Diffusion:
Verbreitung
einer
Innovation
Interne Variablen
Organisationselemente
- Ziele
- Mitarbeiter
- Formelle Struktur
- Technologie
- Finanzielle Ressourcen
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Nachhaltigkeitdefinition
Interne Nachhaltigkeit
ist dann gegeben, wenn problemadäquate Strukturen
aufgebaut wurden und die eigenständige
Problemlösungskapazität so gesteigert werden konnte, daß
eine permanente Anpassung an sich verändernde
Umweltbedingungen stattfindet
Externe Nachhaltigkeit
ist dann gegeben, wenn über die unmittelbar betroffene
Zielgruppe bzw. Partnerorganisation hinaus
Diffusionswirkungen auch in anderen (externen)
Umweltbereichen entstanden sind, die insgesamt zu
verbesserten Problemlösungen geführt haben.
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Maßnahmen, um die Validität und Reliabilität
der Ergebnisse zu erhöhen
1. Entwickelte theoretische Konzeption erleichtert die
Überprüfung von Zusammenhängen und das Ausschließen
von Störvariablen.
2. Verwendung mehrerer Datenerhebungsmethoden sichert
die Befunde ab.
3. Kontrollgruppen erlauben Vergleiche zu
Interventionsgruppen.
4. Komparative Analyse ermöglicht das Auffinden ähnlicher
Entwicklungsmuster und UrsacheWirkungszuschreibungen.
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Indikatoren
I.
1.
2.
3.
4.
Indikatoren zur Bewertung der Qualität des
Interventionsprozesses
Qualität
Qualität
Qualität
Qualität
der
der
der
der
Planung des Interventionsprozesses
Steuerung des Implementationsprozesses
Projektüberleitung (Vorbereitung des Förderendes)
Nachbetreuung
II. Indikatoren zur Bewertung der internen Nachhaltigkeit
1.
2.
3.
4.
5.
6.
Zielakzeptanz beim Führungspersonal des Projektträgers
Qualifikationsniveau des Trägerpersonals
Leistungsfähigkeit der Organisationsstruktur des Projektträgers
Finanzielle Leistungsfähigkeit des Projektträgers
Technische Ausstattungsqualität
Angepaßtheit der Förderkonzeption an Zielgruppen
III. Indikatoren zur Bewertung der externen Nachhaltigkeit
1. Grad der Diffusion innerhalb der Zielgruppe
2. Grad der Diffusion innerhalb des Zielsystems
3. Grad der Diffusion außerhalb des Zielsystems
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Design und Erhebungsmethoden
Lebenszyklusphasen
Planungs- und
Implementationsphase
Wirkungsphase
Design
Retrospektive
Zeitreihenanalyse
Querschnittsanalyse
vor Ort
Datenerhebungsmethoden
• Dokumenten- und
Aktenanalyse
• Dokumentenanalyse
• Retrospektive
Intensivinterviews mit
ehemaligen
Projektbeteiligten
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• Beobachtungen
• Intensivinterviews
mit Experten
• Standardisierte
Interviews mit den
Ziel- und
Kontrollgruppen
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Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit
Prof. Dr. Stockmann
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