1. Umsatzsteuer

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BWL III – Rechnungswesen
Finanzbuchhaltung
Ak. OR Dr. Ursel Müller
Übersicht
I.
Grundlagen zur Finanzbuchhaltung
1.
2.
3.
4.
II.
Was wird gebucht?
Wie wird gebucht?
Wie wird der Abschluss erstellt?
Wer ist zur doppelten Buchführung verpflichtet?
Besonderheiten
1.
2.
3.
4.
5.
6.
Die Umsatzsteuer
Personalkosten
Skonto
Planmäßige Jahresabschlussbuchungen
Außerplanmäßige Jahresabschlussbuchungen
Jahresabschluss - Analyse
2
II. Besonderheiten / 1. Die Umsatzsteuer
Ertragsteuern
Verkehrsteuern
Substanzsteuern
Einkommensteuer
Umsatzsteuer
Erbschaftsteuer
Körperschaftsteuer
Versicherungsteuer
Grundsteuer
Gewerbesteuer
.
.
.
3
1. Umsatzsteuer

Bedeutende Einnahmequelle

Gemeinschaftssteuer

Objektsteuer

Verkehrsteuer

Allphasensteuer mit Vorsteuerabzug


Zahllast für das UN: USt – VSt für bestimmten
Zeitraum
Steuersatz: 19%, ermäßigter Satz: 7%
4
1. Umsatzsteuer








Bis 31.12.1967: kumulative Allphasensteuer (Steuer auf die Steuer,
Kaskadeneffekt)
4 % auf den Bruttopreis
Kein Vorsteuerabzug, daher Kumulation
Vgl. Beispiel bei Rose, Umsatzsteuer, 16. Aufl. 2006, S. 19
Seit 1.1.1968: nicht kumulative Allphasensteuer
System gilt inzwischen im gesamten Bereich der EU
Vorsteuerabzug vermeidet Kaskadeneffekt , aber „Achillesferse“ des Systems
Beispiel 1 zum aktuellen System
Unternehmer A aus Trier liefert umsatzsteuerpflichtig Waren an Unternehmer B
aus Konz für netto 1.000€, A stellt eine Forderung über 1.000 + 19 % USt
(= 1.190€). Die 19 % USt muß A an das Finanzamt abführen.
B zahlt die Rechnung an A.
B hat eine Forderung gegenüber dem Finanzamt in Höhe der gezahlten
Umsatzsteuer, wenn er die Waren unternehmerisch verwendet (z.B. weiter
verkauft)
z.B. Verkauf an den Endverbraucher C für 1.500 + 19 % USt
5
1. Umsatzsteuer





Was wird besteuert?
Wer ist der Steuerpflichtige?
Was bedeutet Vorsteuerabzug?
In welchem Rahmen entsteht die
Steuerpflicht?
Welche Auswirkungen ergeben sich in der
Buchführung?
6
1. Umsatzsteuer
Was wird besteuert?
1.
2.
3.
4.
5.
§ 1 Abs.1 UStG – steuerbare Umsätze
Der Umsatzsteuer unterliegen die folgenden Umsätze:
Die Lieferungen und sonstige Leistungen, die ein
Unternehmen im Inland gegen Entgelt im Rahmen seines
Unternehmens ausführt.
(weggefallen)
(weggefallen)
Die Einfuhr von Gegenständen im Inland oder in den
österreichischen Gebieten Jungholz und Mittelberg
(Einfuhrumstzsteuer)
Der innergemeinschaftliche Erwerb im Inland gegen Entgelt
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1. Umsatzsteuer
Wer ist der Steuerpflichtige?
§ 2 Abs.1 UStG – Unternehmer, Unternehmen
Unternehmer ist, wer eine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit
selbstständig ausübt. Das Unternehmen umfasst die gesamte
gewerbliche oder berufliche Tätigkeit des Unternehmers.
Gewerblich oder beruflich ist jede nachhaltige Tätigkeit zur
Erzielung von Einnahmen, auch wenn die Absicht, Gewinn zu
erzielen, fehlt oder eine Personenvereinigung gegenüber ihren
Mitgliedern tätig wird.
8
1. Umsatzsteuer
Was bedeutet Vorsteuerabzug?
§ 15 Abs.1 UStG Vorsteuerabzug
Der Unternehmer kann die folgenden VSt- Beträge abziehen:
1. Die
gesetzlich geschuldete Steuer für Lieferungen und sonstige Leistungen,
die von einem anderen UN für sein UN ausgeführt worden sind. Die
Ausübung des VSt- Abzugs setzt voraus, dass der UN eine nach den §§ 14,
14a ausgestellt Rechnung besitzt. Soweit der gesondert ausgewiesene
Steuerbetrag auf eine Zahlung vor Ausführung dieser Umsätze entfällt, ist er
bereits abziehbar, wenn die Rechnung vorliegt und die Zahlung geleistet
worden ist.
2. Die entrichtete Einfuhrumsatzsteuer für Gegenstände, die für sein UN nach
§ 1 Abs.1 Nr.4 eingeführt worden sind;
3. Die Steuer für den innergemeinschaftlichen Erwerb von Gegenständen für
sein UN;
4. Die Steuer für Leistungen i.S.d. § 13b Abs.1 die für sein UN ausgeführt
worden sind;
5. Die nach § 13a Abs.1 Nr.6 geschuldete Steuer für Umsätze die für sein UN
ausgeführt worden sind.
9
1. Umsatzsteuer
In welchem Rahmen besteht die Umsatzsteuerpflicht?
Inland
EU- Gebiet
Ausland
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1. Umsatzsteuer

Ursprungslandprinzip vs. Bestimmungslandprinzip
Welcher Staat bekommt die Umsatzsteuer beim
grenzüberschreitenden Waren- bzw. Dienstleistungsverkehr?


Der Abgangsstaat der wirtschaftlichen Leistung
Ursprungsland – Prinzip
Der Bestimmungsstaat der wirtschaftlichen Leistung
Bestimmungsland – Prinzip
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1. Umsatzsteuer





Beispiel 2:
Einzelunternehmer A mit Firmensitz im Inland liefert an
Einzelunternehmer B (Inland) Waren für 1.000 + 19% USt –
Standardfall 1
Beispiel 3:
Die AB – OHG mit Sitz im Inland liefert an den Privatkunden X Waren
für 2.000 + 19% USt - Standardfall 2
Beispiel 4:
Die AB – OHG (Inland) kauft Vorprodukte von der Z-SA in Paris für
5.000 – innergemeinschaftlicher Erwerb
Beispiel 5:
Die AB – OHG ( Inland) verkauft Handelswaren an die
niederländische XXL AG für 60.000 – innergemeinschaftliche
Lieferung
Beispiel 6:
Die AB – OHG ( Inland) kauft Rohstoffe von der in Basel ansässigen
Handels – AG – Import/Einfuhr
12
1. Umsatzsteuer
Beispiel 7:
Die AB – OHG (Inland) verkauft Betriebsleistungen nach China für
80.000 – Export/Ausfuhr
Beispiel 8:
Der Student Thomas kauft Waren im benachbarten Luxemburg
(Benzin, Kaffee, Schokolade) für 80 € - Ausnahme vom
Bestimmungslandprinzip
Beispiel 9:
Der Einzelunternehmer A (Inland) kauft für sein UN einen
Gebrauchtwagen von einem Nichtunternehmer für 20.000 € keine Rechnung mit USt erlaubt, Erwerb brutto
Beispiel 10:
Der Facharzt B kauft sich ein neues Ultraschallgerät für seine Praxis
für 30.000 + 5.700 USt - Erwerb brutto, USt sind Kosten
Beispiel 11:
Die Gemeinde Temmels veranstaltet ein mal pro Jahr ein Weinfest.
Umsatz im Durchschnitt 60.000 €. USt-Pflicht? Nachhaltigkeit?
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1. Umsatzsteuer

Besteuerungsform




Sollbesteuerung als Regelfall
Ist- Besteuerung als Ausnahmefall
Betrugsanfälligkeit der Sollbesteuerung
Reformüberlegungen: Reverse Charge
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1. Umsatzsteuer

Sollbesteuerung als Regelfall
Unternehmer A verkauft am 20.4. Waren an den Großhändler B für
20.000 + 19 USt, Forderung gegenüber B über 23.800€.
Am 30.4. liefert A an B die Waren
B bezahlt 4 Wochen später
Wann muß A die USt an das Finanzamt abführen?
Finanzierungsprobleme für wen?
15
1. Umsatzsteuer

Ist-Besteuerung als Ausnahmefall
gilt für
- Freiberufler
- von der Buchführung befreite Unternehmer und
- für andere Unternehmer, deren Jahresumsatz
höchstens 250.000€ beträgt (in den neuen
Bundesländern bis Ende 2009 noch 500.000)
auf Antrag Besteuerung nach „vereinnahmten Entgelten“
16
1. Umsatzsteuer

Betrugsanfälligkeit der Sollbesteuerung!
Wann kann der Unternehmer die Vorsteuer aus dem
Erwerb der Waren geltend machen?
Rechnung nach § 14 UStG reicht!
unabhängig davon, ob der Verkäufer die USt
ordnungsgemäß an das Finanzamt abführt!
17
1. Umsatzsteuer

Reverse-Charge – Reformvorschlag der Bundesregierung
bedeutet Übergang der Steuerschuldnerschaft auf den
Leistungsempfänger
bei allen Leistungen von Unternehmern an andere Unternehmer bei einem
Entgelt über 10.000€
bei Lieferungen an den selben Unternehmer über 40.000€ innerhalb eines
VZR

http://www.zdh.de/steuern-und-finanzen/europa/europa-strategien-zur-bekaempfung-desumsatzsteuerbetrugs.html
http://www.zdh.de/fileadmin/user_upload/themen/Steuerinfo/Umsatzsteuer__Oesterreich_Reverse-Charge.pdf
18
1. Umsatzsteuer

Welche Auswirkungen ergeben sich in der Buchführung?
beim Beschaffungsgeschäft
Bruttorechnungsbetrag 119€
Aktivisches BK „Waren“ 100
Aktivisches BK „Vorsteuer“ 19 an Verbindlichkeiten 119
Forderung geg. FA
19
1. Umsatzsteuer
Welche Auswirkungen ergeben sich in der Buchführung?
beim Absatzgeschäft
Bruttorechnungsbetrag 238€
aBK Forderung 238 an Umsatzertrag 200
an Umsatzsteuerverbindlichkeit 38
20
Übungsaufgaben zur USt:
1.
2.
Warum bezeichnet man unser USt- System als nicht kummulativ
bzw. als Allphasensteuersystem?
Verbuchen Sie folgende Vorgänge für den Einzelunternehmer A
(Inland):
a)
A kauft bei der X- AG (Inland) Waren für 10.000 + USt
b)
A verkauft an den Großhändler XXL (Inland) Handelswaren für
5.000 + USt
c)
A kauft von der Y- SA in Marseille Handelswaren für 2.000
d)
A verkauft an den Einzelunternehmer B in Belgien Rohstoffe für
4.500
e)
A kauft von der Z- AG in Basel Waren für 3.000; A übernimmt
die Einfuhrumsatzsteuer
f)
A verkauft Handelswaren an die GP- AG in Moskau für 6.000
21
2. Personalkosten







Arbeit, Betriebsmittel, Werkstoffe
(Produktionsfaktoren nach Gutenberg)
Potentialfaktor Arbeit
Arbeits- oder Dienstverträge
Dauerschuldverhältnisse (§§ 611-630 BGB)
Monatliche Abrechnung
Bruttoentgelt – Nettoentgelt
Sozialversicherungsbeiträge
22
2. Personalkosten

Beitragssätze in der gesetzlichen Sozialversicherung (Stand
01.01.09)
Versicherung
Beitragssatz
Rentenversicherung
(RV)
19,9%
Arbeitslosenversicherung (AV)
2,8%
Krankenversicherung (KV)
Pflegeversicherung
(PV)
14,6%
1,95%
Bemerkung
Zusätzlicher Beitrag
der Versicherten
0,9%
Für kinderlose
Beitragszuschlag
0,25%
23
2. Personalkosten

Die Lohnsteuer als Vorauszahlung auf die ESt
Monatlicher Abzug der LSt
durch den AG (800 € x 12
Monate)
01.01.01
Summe: 9.600 € LSt
31.12.01
ESt Erklärung für 01:
Einkünfte:
Nichtselbständige Tätigkeit:
40.000 €
Einkunft aus KapV:
2.000 €
Einkunft aus V+V:
12.000 €
54.000 €
24
2. Personalkosten
∑ Einnahmen:
- Werbungskosten
Typische WK = Fahrtkosten 0,30 € pro
Entfernungs-Km
WK- Pauschalen bei den Zinseinnahmen
Tatsächliche Ausgaben / Kosten bei V+V
Annahme: hier in der Summe
Zu versteuerndes Einkommen:
a) Bei Zusammenveranlagung: Steuer nach der
Splittingtabelle
b) Bei getrennter Veranlagung
Bereits für 01 gezahlte LSt
Abrechnung bei a): Steuererstattung
Abrechnung bei b): Steuernachzahlung
54.000 €
- 3.500 €
50.500 €
8.690 €
13.301 €
9.600 €
+ 910 €
- 3.701 €
25
2. Personalkosten


Die Abrechnung und die Verbuchung
Beispiel 1:
Bruttogehalt:
LSt:
AN- Anteil SV:
AG-Anteil SV:
4.000 €
20% (Annahme)
20,525%
19,625%
26
2. Personalkosten

§ 19 Abs.1 Nr.1 EStG:
Zu den Einkünften aus nichtselbsständiger
Arbeit gehören
1.
2.
Gehälter, Löhne, Gratifikationen, Tantiemen und
andere Bezüge und Vorteile... aus
gegenwärtiger Beschäftigung
Wartegelder, Ruhegelder, Witwen- und
Waisengelder und andere Bezüge und Vorteile
aus früheren DL
27
2. Personalkosten

Beispiel 2:
Die Nutzung eines betrieblich PKW durch den
Arbeitnehmer




Inländischer Listenpreis einschl.
Sonderausstattung und USt: 22.900 €
Nutzung des PKW für Fahrten zw. Wohnung und
Arbeitstätte, einfache Entfernung: 22 km
Nutzung im Rahmen der doppelten
Haushaltsführung: 40 Tage im Jahr; einfache
Entfernung: 200 km
Die Nutzung in der Umsatzsteuer
28
Beispiel 3

Sachzuwendungen an Arbeitnehmer (über 44 € und bis
10.000 €) können mit 30 % pauschal vom Arbeitgeber
besteuert werden (§ 37b EStG). Damit ist die
Zuwendung abschließend beim Zuwendungsempfänger
besteuert!
29
Übungsaufgaben / Personalkosten
1.
2.
3.
Für den Monat April sind die Personalkosten noch zu buchen: Die
Bruttolöhne betragen 30.000 €. Gehen sie bei der LSt
vereinfachend von 20% aus. AG-Anteil SV: 19,625%, AN-Anteil
SV: 20,525%
Gegeben sind folgende Daten: AG- Anteil zur SV = 19,625%; ANAnteil zur SV = 20,525%; LSt- Satz = 20%
Nettolöhne = 59.475 €
Wie hoch sind die Bruttolöhne?
Der Angestellte Klaus erhält zusätzlich zu seinem Gehalt eine
Firmenwohnung ohne Entgelt. Die am Ort erzielbare Miete beträgt
300 €. Die Nebenkosten trägt Klaus selbst. Gehen sie bei der LSt
vereinfachend von a) 18%, b)35 % aus und buchen Sie den
Sachbezug. Die Vermietung ist umsatzsteuerfrei.
30
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