exponentiellen Wachstum

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Bernd Winkelmann
Akademie Solidarische Ökonomie
Stand 20.1. 2014
Exkurs Postwachstumsökonomie
Die hier vorgestellte Powerpointshow ist eine Kurzfassung längerer Arbeitspapiere und Aufsätze zu
„Wirtschaftswachstum“ und Möglichkeiten einer „Postwachstumsökonomie“ . Die grundlegenden Inhalte
sind in der Akademie Solidarische Ökonomie erarbeitet worden. Sie wurden hier von Bernd Winkelmann
in Varianten und Einzelaspekten weiterentwickelt bzw. konkretisiert.
Diese Kurzfassung kann mit PP-Shows ergänzt werden durch
a) drei Einzelbausteine: 1. Grundparadoxien unserer Zivilisation; 2. Menschenbild und
Lebensverständnis; 3. Markt und Unternehmertum;
b) durch eine Langfassung, in der die Einzelbausteine u.a. eingearbeitet wurden.
Zum Vortrag mit diesen Folien sind genauere Kenntnisse einer alternativen Ökonomie Voraussetzung.
Diese können in sonstigen erarbeiteten Arbeitspapieren ersehen werden, zu finden auf der Homepage
der Akademie Solidarische Ökonomie oder auf meiner eigenen Homepage, siehe:
www.akademie-solidarische-oekonomie.de
www.winkelmann-adelsborn.de
Achtung!
Diese Darstellung wird ständig überarbeitet,
darum immer auf den jüngsten Bearbeitungsstand achten.
Für inhaltliche Anregungen, Ergänzungen, kritische Anfragen, auch Schreibfehlerkorrekturen bin ich
sehr dankbar. Schicken an Mail: [email protected]
Wachstum und Wachstumsfelder
Quantitatives Wachstum ist nur möglich, wenn Wachstumsfelder offen sind.
Offene Wachstumsfelder
Ungesättigte Märkte
Bevölkerungswachstum
Wirtschaftswachstum
Neue Aufbauphasen
Unbegrenzte Ressourcen
Bei nahezu geschlossenen Wachstumsfelder führt weiteres erzwungenes Wachstum zum Druck
nach innen (Verdrängungskampf, Sozialabbau u.a.) – oder zur Expansion nach außen (neoliberale
Globalisierung).
Geschlossene Wachstumsfelder
Kein Bevölkerrungswachstum
Beendete
Aufbauphase
Gesättigte Markte
Krise
Wirtschaftswachstum,
Wachstumsfalle
Begrenzte
Ressourcen
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1. Denkfehler:
Das Bemessen des Wachstums in Prozenten führt zum exponentiellen Wachstum,
d.h. zu ständig steigenden Wachstumsgrößen (Stückzahl). Dieses kann es aber in der
Realwirtschaft auf Dauer nicht geben.
Drei Wachstumskurven:
a) lineares Wachstum:
gleichbleibender Zuwachs
(gleiche Wachstumsgröße)
b) exponentielles Wachstum:
jährl. prozentuelles Wachsen
(Wachstumsrate), d.h. Zuwächse
gehen ein in Sockelbetrag des
Folgejahres (Verdoppelungseffekt)
c) natürliches Wachstum:
hört bei einem Optimum auf zu
wachsen und stabilisiert sich.
Beispiel: Wenn heute in Deutschland in
einem Jahr 300.000 Autos produziert
werden, sind das bei 6% Wachstum in
12 Jahren 600.000 Autos in einem Jahr.
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Kenneth E. Boulding, USA:
„Jeder, der glaubt, dass exponentielles Wachstum für immer weitergehen kann in einer endlichen
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Welt, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom.“
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2. Denkfehler
Das Bemessen von Wirtschaftswachstum nach dem Bruttoinlandprodukt (BIP):
es misst rein quantitativ die wirtschaftlichen Umsätze in Geldwerten. Z.B.:
> Aufbau nach Zerstörungen als BIP-Wachstum;
> material- und energiesparende Effizienz als rückläufiges Mengen-Wachstum;
> die qualitative Entwicklungen der Gesellschaft wird nicht gemessen.
Die „Glücksforschung“ zeigt: BIP und
Lebenszufriedenheit laufen nicht zusammen
● Studie 2009: Die größte Lebenszufriedenheit in
Ländern mit mittlerem Durchschnittseinkommen:
- Costa Rica, Dänemark, Skandinavien, Island;
- Deutschland an 30.Stelle, Simbabwe an letzter.
● Ab 20.000 / 50.000 Dollar Jahreseinkommen steigt
der Glückspegel kaum noch.
● Seit 1990 fordert UNO die Bemessung der
Entwicklung mit ganzheitlichen Indizes
(z.B. „Neuer Wohlfahrtsindex“, Human Development Index).
● Bisher hat nur der Himalaja-Staat Bhutan an Stelle
des BIP das „Brutto-Sozialglück“ gesetzt: Ökologie,
Kultur, Gesundheit, Bildung, Lebensstandart, Gemeinschaft,
Zeitnutzung...
Grafik aus „Zukunftsfähiges Deutschland“ S. 122
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3. Denkfehler
 Man könnte mit weiterem BIP-Wachstum die ökonomischen und sozialen Probleme lösen
(z.B. Arbeitslosigkeit)
 Man könne durch grüne Technologien („Green New Deal“) Umweltverbrauch vom Wachstum
entkoppeln.
Tatsächlich überwindet dies nicht die ökologische, die soziale, ökonomische Crash-Tendenzen der
Wachstumsökonomie.
1. Ökologischer Crashtendenz: „Grüner Technologien“ bringen kurzzeitig neues Wirtschaftswachstum:
je Stück geringere Umweltbelastung, aber in der Summe Rebount-Effekt“ (Rückschlageffekt): Zunahme
der Menge wiegt den Einspareffekt wieder auf (z.B. Autos, Flugzeuge, Elektrogeräte u.ä.).
2. Soziale und ökonomische Crashentwicklung:
In den hochindustrialisierten Ländern mit
annähernd gesättigten Märkten und Überangebot
ist weiteres Wachstum nur noch mit weiterer
Rationalisierung, Arbeitsplatzabbau, Lohnsenkung,
Arbeitsplatzverlagerung zu erreichen.
Das treibt die untere Hälfte in Armut und
Präkarisierung, somit in eine wachsende Schere
zwischen Überangebot und Unterkonsum
= eine sich verstärkende Wachstumsfalle.
(Radermacher: „Kannibalisierung“ der Wirtschaft,
„Brasilianisierung“ der Gesellschaft)
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Ökologische Crashentwicklung
2011 bei 1,5
● Ökologischer Fußabdruck in Deutschland bei dem 3-4 Fachen des verträglichen Maßes
● Ökologischer Fußabdruck in den USA bei dem 10 Fachen
● Das 2 Grad-Ziel erreichbar, wenn in 10-20 Jahren der CO2-pro-Kopf-Ausstoß in D von 11 t auf 2 t ,
in den USA von 19 t auf 2t abgesenkt wird.
● Herrmann Scheer, Al Gore: Wissen und Technologie dafür sind vorhanden.
Doch bisher weiterer Anstieg CO2 Ausstoß (entgegen dem Kiotoprotokoll und Folgebeschlüsse).
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3 – 6 Erden
Wiedergewinnen einer Gleichgewichtsökonomie
Natürliches Wachstum
- Vorbild auch für die Wirtschaft?
Reifezeit
Abnehmendes Wachstum
Exponentielle Wachstumsphase
Langsame Keimzeit
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Funktion einer Gleichgewichtsökonomie
Gleichgewichtsökonomie anstelle einer Wachstumsökonomie heißt:
• Die Wirtschaft wächst quantitativ nur in bes. Aufbauphasen.
• Bei Erreichen eines Sättigungsgrades geht das Wachsen zunehmend in qualitative
Entwicklung über: Qualitätsprodukte; Wachsen kultureller, Lebensqualitäten, des ökonomisch
sozialen Gleichgewichts – dabei Schrumpfen des materiellen Verbrauchs.
• Dies geschieht in einer ständigen dynamisch sich einpendelnden Sinusbewegung
- sowohl für einzelne Güter wie für die gesamtökonomische Entwicklung.
Diese Entwicklung bleibt unter dem maximal ökologisch-sozial verträglichen Maß von
Faktor 1
(auch ökologischer Fußabdruck)
• Damit wird die ökonomische und soziale Crashentwicklung der Wachstumsökonomie
überwunden und eine Postwachstumsökonomie wird möglich.
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Voraussetzungen einer Postwachstums- und Gleichgewichtsökonomie
1. Überwindung des materialistischen Grundirrtums und kapitalistischer Leitvorstellung.
2. Herausnehmen der wachstumstreibenden Abschöpfungs- und Bereicherungsmechanismen kapitalistischer Wirtschaftsweise;
Installation kooperativer, partizipatorischer, demokratischer Wirtschaftsstrukturen
3. Drastisches Zurückfahren des gegenwärtigen Material- und Energiedurchsatzes
(Schrumpfungsökonomie, Regionalisierung der Wirtschaft...)
4. Entwicklung einer modernen regionalen Subsistenzwirtschaft
5. Zusammenwirken von:
a) Konsistenzstrategie (ökologische Anpassung),
b) Effizienzstrategie (ökologische Technologien),
c) Suffizienzstrategie („Mit weniger besser leben“)
These:
Eine Postwachstumsökonomie kann nur
eine postkapitalistische Ökonomie sein.
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