Afterraupen erkennen und bekämpfen (DEGA 37/2005)

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PFLANZEN + SORTIMENTE
Blattfraß an Polygonatum vulgaris durch die Afterraupen der Blattwespe Phymatocera aterrima
Fraßschäden an Lysimachia punctata durch Monostegia nigra
Krankheiten und Schädlinge an Stauden (9)
Afterraupen erkennen
und bekämpfen
Gelegentlich tritt an Polygonatum oder Lysimachia stark
zerfressenes Laub auf, sodass man dahinter eine Armee von
Nacktschnecken vermuten könnte. Bei genauem Hinsehen
werden vor allem bei Sonnenschein auf der Blattunterseite
die wahren Schädlinge sichtbar – die Afterraupen.
D
ies sind keine normalen
Schmetterlingsraupen,
sondern Larven der eng
mit Bienen und Wespen verwandten Blattwespe. Die Afterraupe ist am einfachsten an
ihren sechs bis acht Bauchfußpaaren plus Nachschieber
zu erkennen, während Schmetterlingsraupen nur zwei bis vier
Beinpaare und einen Nachschieber besitzen.
Die erwachsene Blattwespe
sieht wespenähnlich aus, mit
vier durchsichtigen Flügeln.
Brust und Hinterleib sind aber
nicht durch eine „Wespentaille“, wie bei echten Wespen,
sondern breit verbunden.
Lebenszyklus
Bei vielen Blattwespen überdauert die Larve den Winter in
37/20055
Die Larve von Pseudodineura
enslinii in einer geöffneten Platzmine
von Trollius chinensis
einem Kokon im Boden. Im
April verpuppt sie sich dort und
die erwachsenen Tiere schlüpfen im Mai/Juni. Der Flug der
unscheinbaren Insekten, die etwa die Größe einer Fliege besitzen, wird meist nicht wahrgenommen. Nach der Eiablage
entwickeln sich die sehr gefräßigen Afterraupen. Ende Juni
bis Juli verkriechen sich die
ausgewachsenen Larven im Boden. Pro Jahr tritt nur eine Generation auf.
Larven bekämpfen
Da das Auftreten der erwachsenen Blattwespen nur schwer zu
beobachten ist, muss sich die
Bekämpfung auf die Larven
konzentrieren. Die gefräßigen
Tiere treten oft in Gruppen auf
und verursachen schnell große
Platzminen an Trollius chinensis verursacht durch die Larven der
Blattwespe Pseudodineura enslinii
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PFLANZEN + SORTIMENTE
Die circa 3 mm
große NatterkopfNetzwanze
Dictyla echii
Fraßschäden an Geranium sp., verursacht durch Larven der
Blattwespen der Gattung Macrophya
Massive Blattverbrennungen an Symphytum
durch Saugschäden der
Natterkopf-Netzwanze
Dictyla echii
Schäden. Es ist wichtig, den
Pflanzenbestand im Frühjahr
im Abstand von einigen Tagen
zu überprüfen, um einen beginnenden Befall rechtzeitig zu
störte Hosta. Verursacht wird
der Fraß von blaugrau bepuderten Afterraupen, die sieben
Bauchfußpaare und einen
schwarzen Kopf besitzen. Sie
Pflanzenbestände
im Frühjahr
GRÜNDLICH auf Befall
KONTROLLIEREN
erkennen und Gegenmaßnahmen schnell einleiten zu können.
Die meisten Insektizide, die
zur Bekämpfung von Schmetterlingsraupen empfohlen werden (zum Beispiel Conserve,
Dimilin, Karate Zeon, Spruzit
Neu, Tamaron/Arvestor) sind
auch gegen Afterraupen geeignet. Allerdings muss beachtet
werden, dass Bacillus-thuringiensis-Präparate wie Bactospeine, Dipel oder Turex hier
nicht wirksam sind.
Schäden verschiedener Blattwespenarten
➜ Am häufigsten tritt Phymatocera aterrima an Polygonatum vulgaris auf. Aus einiger
Entfernung erinnern befallene
Pflanzen an von Schnecken zer-
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treten häufig gruppenweise auf
und befinden sich bei sonnigem Wetter meist auf der schattigen Blattunterseite.
➜ Vor rund 100 Jahren kam Lysimachia punctata aus dem
Kaukasus in die Bauerngärten –
unbewusst wurde auch Monostegia nigra im Substrat eingeschleppt. Die Afterraupen von
M. nigra sind graugrün bepudert, besitzen sieben Fußpaare
und einen helloliv farbenen
Kopf mit schwarzen Augen.
Der sehr starke Blattfraß verwundert zunächst, da bei Sonnenschein keine Schädlinge
sichtbar sind – die Larven sitzen bei Sonne auf der Blattunterseite an der Pflanzenbasis.
➜ Ein völlig anderes Befallssymptom, verursacht durch
Blattwespenlarven von Pseudodineura enslini, findet sich an
Trollius europaeus. Mitte Mai
traten im Sichtungsgarten Weihenstephan sehr deutliche, aufgeblasene Platzminen an den
Blatträndern auf. Bei Sonne
scheinen die Larven durch die
großen, mit dünner, weißer
Epidermis bedeckten Minen
hindurch. Nach deren Öffnung
werden die Schädlinge sichtbar: Afterraupen mit weißlich
durchsichtigem Körper, sieben
Bauchbeinpaaren, schwarzem
Kopf und dunklem Verdauungssystem. Nach ihrer Entwicklung verlassen die Larven die
Minen und verstecken sich im
Boden, um dort zu überwintern. Die leeren Minen vertrocknen rasch. Nachdem die
Pflanzen zahlreiche neue Blätter gebildet haben, ist der ur-
sprünglich deutlich sichtbare
Schaden im Juli kaum noch zu
erkennen.
➜ Bei Geranium treten ab und
zu größere Fraßschäden auf.
Auffällig ist, dass zwar große
Blattflächen zerstört sind, sie
aber deutlich von den Blattadern begrenzt sind. Auf den ersten Blick könnten Schnecken
die Ursache sein, aber weder
Schleimspuren noch Kotreste
deuten darauf hin. Bei den
Schädlingen handelt es sich um
Arten von Macrophya, zum Beispiel M. carinthiaca, M. albipunctata oder M. tenella.
Prof. Dr. Wolfgang W. P. Gerlach,
Institut für Gartenbau an der Forschungsanstalt für Gartenbau FH-Weihenstephan, Freising
Bilder: Gerlach
■ S C H Ä D E N D U R C H N E T Z WA N Z E N
Blattverbrennungen
Im Sichtungsgarten Weihenstephan wurden vor einigen Jahren im
Sommer massive Blattschäden (Verbrennungen) an Symphytum
beobachtet. Erst nach genauen Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass diese Schäden nicht durch Mikroorganismen,
sondern durch die Natterkopf-Netzwanze Dactyla echii verursacht
wurden. Wanzenschäden werden meist durch die Abscheidung
von phytotoxischem Speichel während des Anstechens verursacht.
Die erwachsenen Tiere überwintern in der Laubstreu. Im Mai/Juni
werden die stiftförmigen Eier in der Unterseite der Blattrippen
eingesenkt. Spritzungen mit Rogor konnten den Schaden erfolgreich verhindern. Insektizide wie Confidor (Imidacloprid), Karate
Zeon (lambda-Cyhalothrin) oder Tamaron = Arvestor (Methamiodphos) sind ebenfalls wirksam.
37/2005
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