Lernzirkel Buddhismus - 64. Mittelschule Dresden

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Lernzirkel Buddhismus
Lernzirkel Judentum
Andreas Oelzner, Juni 2006
Stephanie Weiß & Steffen Fischer, September 2009
Lernzirkel Buddhismus
Inhaltsverzeichnis
Arbeitspass Buddhismus
3
Das Leben Buddhas
4
Buddhas Predigt in Benares
6
Das Nirwana
8
Gott im Buddhismus
9
Verbreitung der Weltreligionen
10
Methode Kreisdiagramm
11
Die drei Fahrzeuge
12
Karte - Richtungen Buddhismus
14
Mönche und Nonnen
15
Der buddhistische Alltag
17
Buddhismus und Christentum
19
Tibet21
Die buddhistischen Nonnen
26
Die Ausfahrten Siddhartas
27
Der achtteilige Pfad
30
© Stephanie Weiß und Steffen Fischer, Dresden, Arbeitsblätter für den Ethikunterricht:
Thema - Buddhismus
2
00 Arbeitspass Buddhismus
ARBEITSPASS von:
Lernzirkel Buddhismus
Nr.
Postenbeschreibung
!
Zeit
BE
1
Das Leben Buddhas
x
35
3
2
Buddhas Predigt in Benares
x
30
3
3
Das Nirvana
x
20
2
4
Gott im Buddhismus
x
25
3
5
Verbreitung der Weltreligionen
x
25
1
6
Die drei Fahrzeuge
x
25
2
7
Mönche - Nonnen - Laien
x
20
3
8
Der buddhistische Alltag
x
15
1
9
Buddhismus und Christentum
x
20
1
10
Tibet
20
3
11
Die buddhistischen Nonnen
20
2
12
Die Ausfahrten Siddhartas
15
1
13
Der achtteilige Pfad
15
1

Mindestpunktzahl Note 1
= 21 BE Stationen+ 5 BE Arbeitsweise + 5 BE Sauberkeit
(9 Pflichtstationen + mindestens 1 Wahlstation)
Regeln:
1. Bei Fragen dürft ihr einfach aufstehen und zum Lehrertisch kommen. (immer nur 1 Schüler/in).
2. Bei kleineren Unklarheiten dürft ihr einen Mitschüler befragen.
3. Jede begonnene Station muss beendet werden.
4. Bei Beendigung einer Station holtst du dir einen Stempel.
© Stephanie Weiß und Steffen Fischer, Dresden, Arbeitsblätter für den Ethikunterricht:
Thema - Buddhismus
3
01 Das Leben Buddhas
Aufgabe 1: Lies den Lebenslauf! Stelle das Leben Siddhartas in einem tabellarischen Lebenslauf dar!
Aufgabe 2: Erläutere, in welchem Verhältnis die Namen »Siddharta« und
»Buddha« stehen? Beziehe in deine Ausführungen den Vergleich
der Namen »Jesus« und »Christus« ein!
Aufgabe 3: Welche Rolle spielt die Erfahrung des Leids im Leben Siddhartas?
Im Himalayagebiet des heutigen Nepal wurde um das Jahr 560 v. Chr. Siddharta
geboren, den seine Freunde auch Gautama nannten. Später gab man ihm den
Namen »Buddha« (d. h. der Erleuchtete). Nach der Überlieferung war sein Vater Shudhodana ein mächtiger König, Siddharta ein Königssohn. In Wirklichkeit
war Siddhartas Vater wohl eher ein adliger Großgrundbesitzer. Seine Mutter
Maya starb schon sieben Tage nach seiner Geburt.
Der junge Siddharta erhielt eine ausgezeichnete Erziehung. Er lernte alles, was
Adlige damals lernen durften: Sprachen und Mathematik, Reiten und Bogenschießen, Fechten und Ringen. Der Vater bemühte sich, alles Leiden aus dem
Leben seines Sohnes zu verbannen. Er überhäufte den jungen Mann mit Luxus,
um ihm damit Freude zu machen und ihn dadurch zu Hause zu halten. Denn
der Vater fürchtete, dass Siddharta nach der Art vieler Inder das Geburtshaus
verlassen und Mönch werden könnte.
Als Siddharta sich entschloss, die schöne Prinzessin Yasodara zu heiraten,
dachte sein Vater, nun könne ihn nichts mehr dazu bringen, den väterlichen
Palast zu verlassen. Doch er hatte sich getäuscht. Die Überlieferung berichtet,
dass Siddharta viermal aus dem Palast des Vaters in die Stadt ausfuhr. Dabei
machte er Erfahrungen, die ihn tief erschütterten und seinem Leben eine neue
Richtung gaben. Er traf bei diesen vier Ausfahrten einen Greis, einen Kranken,
einen Toten und einen Mönch (Station 12). Siddharta wurde sich bewusst,
dass auch er selbst von Krankheit, Tod und Leiden bedroht ist und dass nur
das Leben eines Mönchs innere Ruhe und Freiheit schenken könne.
Darum verließ er im Alter von 29 Jahren das väterliche Haus und ließ alles zurück, was ihm bisher Glück und Freude bereitet hatte. Selbst von seiner Frau
und seinem kleinen Sohn trennte er sich ohne von ihnen Abschied zu nehmen.
© Stephanie Weiß und Steffen Fischer, Dresden, Arbeitsblätter für den Ethikunterricht:
Thema - Buddhismus
4
01 Lernzirkel Buddhismus
Siddharta beschäftigte die Frage, woher das Leid komme und wie es überwunden werden kann. Zuerst ging er zu einem berühmten Brahmanen, doch die
Antworten dieses Priesters befriedigten ihn nicht. Dann ging er auf Wanderschaft und versuchte, in harter Selbstzucht (Askese) Antwort auf seine Fragen zu finden. Er aß und trank kaum, legte sich nachts auf Dornen und pflegte
seinen Körper nicht mehr. Aber alle noch so harten Übungen halfen ihm nicht.
Sie bewirkten nur das Gegenteil von dem, was er suchte. Denn diese Übungen
schwächten ihn so, dass er in Lebensgefahr geriet ohne die Erleuchtung zu
finden. So gab er das Fasten auf und nahm wieder regelmäßig Nahrung zu sich.
Schließlich versuchte er durch die Kunst der Meditation zum Heil zu kommen.
Durch ständige Übung machte er allmählich große Fortschritte. Damit wurde
ihm auf einmal plötzlich zuteil, worum er sich jahrelang vergeblich bemüht
hatte.
An einem Abend hatte er sich bei Uruvela unter einem Feigenbaum niedergesetzt. In der Nacht hatte er das große Erlebnis, das er selbst als »Erleuchtung«
bezeichnet hat. Sie war die wichtigste Erfahrung seines Lebens. Hier wurde
er zum »Buddha«. In vier Nachtwachen erhielt er Antwort auf seine quälenden Fragen. Hier erkannte er die »Vier edlen Wahrheiten«, die den Kern seiner
Lehre ausmachen. Ruhe und Glück erfüllte ihn nun in nie gekanntem Maß. Vier
Wochen blieb er an diesem Ort, bis er sich entschloss, seine Erfahrungen auch
anderen zugänglich zu machen.
Er zog nach Benares legte dort in einer berühmten Predigt (Station 2) zum
ersten Mal seine neuen Ansichten dar. Von nun an begann für ihn ein jahrzehntelanges Wanderleben, in dem er sich ständig an seine Zeitgenossen wandte,
ihnen den Ursprung des Leidens erklärte und den Weg zeigte, der zur Überwindung des Leidens führt. Viele tausend Menschen schlossen sich ihm an und
fanden bei ihm Glück und Heil.
In seinen letzten Lebenstagen ertrug Siddharta große Schmerzen. Er starb im
Alter von 80 Jahren. Bei seinem Tod in der kleinen Stadt Kusinara umgaben ihn
seine Mönche, die er auf den rechten Pfad gewiesen hatte. Siddharta fürchtete
den Tod nicht, denn er wusste, er würde ins Nirwana eingehen und kein Leid
mehr empfinden. Seine letzten Worte lauteten: »Alles Wesen ist der Vernichtung unterworfen. Unermüdlich sollt ihr euch bemühen.«
© Stephanie Weiß und Steffen Fischer, Dresden, Arbeitsblätter für den Ethikunterricht:
Thema - Buddhismus
5
02 Buddhas Predigt in
Benares
Aufgabe 1: Nenne die persönlichen Erfahrungen
des Buddha, auf denen seine Erkenntnis
beruht, dass »der Weg, der in der Mitte
liegt«?
Aufgabe 2: Das »Rad der Lehre« (oben rechts auf diesem
Blatt) symbolisiert die Stationen des »edlen achtteiligen Pfades«. Skizziere dir ein solches Rad mit acht
Speichen und schreibe daran (oben im Uhrzeigersinn beginnend)
die acht Stationen des »edlen achtteiligen Pfades«!
Aufgabe 3: In den vier »edlen Wahrheiten vom Leiden« stellt der Buddha wie
ein Arzt eine Diagnose und nennt dann eine Therapie (Heilung).
Fasse die Diagnose und die Heilung mit eigenen Worten zusammen!
In der Predigt von Benares hat der Buddha die Grundlage seiner Lehre dargelegt. Die hier verkündeten Einsichten wurden ihm bei seiner Erleuchtung in
Urvela zuteil:
Zwei Enden gibt es, ihr Mönche, denen muss, wer dem Weltlichen entsagt
hat, fern bleiben. Welche zwei sind das? Auf der einen Seite ist das Leben in
Lüsten, der Lust und dem Genuss ergeben: Das ist niedrig und gemein, ungeistlich, unedel, nicht zum Ziele führend. Auf der anderen Seite ist die Übung
der Selbstquälerei, die ist leidensreich, unedel, nicht zum Ziele führend. Von
diesen beiden Enden, ihr Mönche, sich fernhaltend, hat der Vollendete den
Weg entdeckt, der in der Mitte liegt, der Blick und Erkenntnis schafft, der zum
Frieden, zum Erkennen, zur Erleuchtung, zum Nirwana (Station 3) führt.
Und was, ihr Mönche, ist dieser vom Vollendeten entdeckte Weg, der in der
Mitte liegt, der Blick schafft und Erkenntnis schafft, der zum Frieden, zum Erkennen, zur Erleuchtung, zum Nirwana führt?
Es ist der edle achtteilige Pfad, der da heißt: rechtes Glauben, rechtes Entschließen, rechtes Wort, rechte Tat, rechtes Leben, rechtes Streben, rechtes
Gedenken, rechtes Sichversenken.
Dies, ihr Mönche, ist der vom Vollendeten entdeckte Weg, der in der Mitte liegt,
der Blick schafft und Erkenntnis schafft, der zum Frieden, zum Erkennen, zur
Erleuchtung, zum Nirwana führt.
© Stephanie Weiß und Steffen Fischer, Dresden, Arbeitsblätter für den Ethikunterricht:
Thema - Buddhismus
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02 Lernzirkel Buddhismus
Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit vom Leiden. Geburt ist Leiden, Alter ist
Leiden, Krankheit ist Leiden, Tod ist Leiden, mit Unlieben vereint sein ist Leiden; von Lieben getrennt sein ist Leiden, nicht erlangen, was man begehrt ist
Leiden; kurz die fünferlei Objekte des Ergreifens1 sind Leiden. Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit von der Entstehung des Leidens: Es ist der Durst, der
zur Wiedergeburt führt, samt Freude und Begier, hier und dort seine Freunde
findend; der Lüstedurst, der Werdedurst, der Vergänglichkeitsdurst.
Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit vom Wege zur Aufhebung des Leidens:
Die Aufhebung dieses Durstes durch restlose Vernichtung des Begehrens, ihn
fahren lassen, sich seiner entäußern, sich von ihm lösen, ihm keine Stätte gewähren.
Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit vom Wege zur Aufhebung des Leidens:
Es ist dieser edle achtteilige Pfad, der da heißt: rechtes Glauben, rechtes Entschließen, rechtes Wort, rechte Tat, rechtes Leben, rechtes Streben, rechtes
Gedenken, rechtes Sichversenken.
© Stephanie Weiß und Steffen Fischer, Dresden, Arbeitsblätter für den Ethikunterricht:
Thema - Buddhismus
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03 Das Nirwana
Aufgabe 1: Manche sehen im Nirwana ein absolutes Nichts. Ins Nirwana eingehen bedeutet dann: vergehen wie eine Flamme, vergehen wie
Wind. Stützt der Text diese Aussage? Formuliere eine These (Aussage) und begründe deine Meinung.
Das menschliche Leben ist Leid. Für Inder ist diese Erfahrung deshalb so bedrückend, weil er an die Wiedergeburt glaubt. Diesem ständigen Neubeginn
des Leidens zu entrinnen, bedeutet für sie Erlösung. Der Heilszustand, der das
Leiden beendet, da er die Wiedergeburt unmöglich macht, heißt beim Buddha »Nirwana«. Das Wort bedeutet »Verlöschen«, »Verwehen«. Sein Sinn ist
vieldeutig und schwer fassbar. Die klassische Lehre vom Nirwana findet sich
im folgenden Text aus dem Pali-Kanon, einer Sammlung von Verhaltensregeln,
Lehrgesprächen und der Lebensgeschichte Buddhas:
»Es gibt, ihr Mönche, einen Bereich, wo weder Erde, noch Wasser, noch Feuer,
noch Wind ist, wo die Sphäre der Unendlichkeit des Raumes und der Unendlichkeit des Bewusstseins nicht mehr besteht. Wo nicht irgend etwas
mehr ist, weder die Sphäre des Unterscheidens noch die des Nichtunterscheidens, nicht diese Welt, noch die jenseitige Welt, wo beide, Sonne und
Mond, nicht mehr sind.
Die erfahrt von uns, ihr Mönche:
Ich verkündige euch ein Nichtkommen und Gehen, ein Nichtfeststehen und
Vergehen, die Freiheit von der Wiedergeburt; ein Nichtstillstehen und ein
Nichtweitergehen. Keinen Grund gibt es mehr für das Sehnen nach dem Leben. Dies ist das Ende des Leides.«
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Thema - Buddhismus
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04 Gott im Buddhismus
Aufgabe 1: Fasse mit eigenen Worten zusammen, wie sich Buddha zum Gottesbegriff stellte.
Aufgabe 2: Im späteren Buddhismus hat die Gottesfrage wieder eine große
Bedeutung gefunden. In der Richtung, die man »Mahayana« (Hilfe
in Station 6) nennt, wird sogar der Buddha selbst als Gott verehrt.
Man errichtet hier zahlreichen Göttern Tempel und spricht – ähnlich wie in anderen Religionen – Gebete. Formuliere Vermutungen,
die diese Entwicklung erklären.
Der Buddha hat es abgelehnt, sich ausführlich zur Gottesfrage zu äußern. In
seinen zahlreichen Lehrreden, die seine Schüler im Pali-Kanon zusammengetragen haben, hat er kaum von Gott gesprochen. Wohl ist gelegentlich von den
indischen Göttern die Rede, aber sie kommen nur als Bestandteile des damaligen Weltbildes vor wie Blatt und Baum, Brahmanen und Krieger. Sie entsprechen nicht dem, was wir »Gott« nennen. Wenn der Buddha nach Gott gefragt
wurde, antwortete er ausweichend, wie z. B.: »Ich will darauf keine Antwort
geben, weil ich nichts sicheres darüber weiß und es auch für den Erlösungsweg der Menschen unbedeutend ist.«
Von einem Gott, der Person, Schöpfer, Vater, Ewiger, Liebe ist, ist beim Buddha
keine Rede. Der Buddhismus ist nicht – wie andere Religionen – ein System
von Glaubenswahrheiten, sondern vor allem ein zu betretender Pfad. Im Mittelpunkt steht nicht die philosophische Erhellung letzter Geheimnisse, sondern
die Frage nach Glück und Leid.
Der Buddha wurde deswegen auch als »Atheist« bezeichnet. Viele Buddhisten
weisen jedoch auf Folgendes hin:
• Das Schweigen über Gott bedeutet nicht notwendigerweise Atheismus.
• Erleuchtung und Erlösung, Heil und Leidüberwindung, die zentralen Themen des Buddha, meinen Ähnliches wie das, was andere Religionen »Gott«
nennen oder eng mit Gott in Zusammenhang bringen.
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Thema - Buddhismus
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05 Verbreitung der Weltreligionen
Aufgabe 1: Zeichne ein Kreisdiagramm, in das du die Anteile der Weltreligionen einträgst (Christentum bitte unterteilen)!
Alle Religionen zusammen:
3.764.695.000
100%
Christentum
1.548.592.000
41%
Katholiken
884.222.000
57%
Protestanten
360.782.000
27%
Orthodoxe
130.837.000
8%
Sonstige
172.751.000
11%
Islam
817.065.000
22%
Hinduismus
647.567.000
17%
Buddhismus
295.570.000
8%
17.838.000
0,5%
Judentum
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Thema - Buddhismus
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05 Methode Kreisdiagramm
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Thema - Buddhismus
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06 Die drei Fahrzeuge
Aufgabe 1: Stelle die drei »Fahrzeuge« des Buddhismus in Form eines Stammbaums dar! Schreibe zu jeder Richtung die wichtigsten Eigenschaften und die ungefähre Mitgliederzahl auf!
Aufgabe 2: Wähle für jedes »Fahrzeug« eine bestimmte Farbe (oder Schraffur)! Nimm dir die Kopie der Umrisskarte (Seite 14), beschrifte die
Länder Asiens und markiere mit der jeweiligen Farbe (oder Schraffur), welche Richtung des Buddhismus vorherrschend ist!
Der Buddhismus ist keine einheitliche Religion geblieben. Im Laufe der Entwicklung haben sich viele unterschiedliche Richtungen entwickelt, die sich jedoch
nicht gegenseitig bekämpfen.
Die älteste Form des Buddhismus ist Theravada (»Lehre der Älteren«), von den
Gegnern auch abwertend als Hinayana (»Kleines Fahrzeug«) bezeichnet. Diese
Richtung orientiert sich an der ursprünglichen Lehre des Buddhas, wie sie im
Pali-Kanon festgehalten ist. Das Theravada ist eine Religion für Mönche, die in
der Regel in Klöstern leben. Sie befolgen genaue Anweisungen für die Meditation und lehnen Spekulationen über die Gottesfrage (Station 4) ab. Etwa 109
Millionen Anhänger hat Theravada – besonders in Sri Lanka, Myanmar (Birma),
Thailand, Kambodscha, Laos und Vietnam. Deshalb wird diese Richtung auch
»südlicher Buddhismus« genannt.
Etwa seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. hat sich eine jüngere Richtung unter
der Bezeichnung Mahayana (»Großes Fahrzeug«) entwickelt. Die Anhänger
meinen, dass das strenge »Kleine Fahrzeug« mit seinem mühsamen Weg
zur Meditation nur sehr wenige Menschen zum Heil führen kann. Das »Große
Fahrzeug« habe aber für viele Platz, denn seine Lehren und Gebote seien menschenfreundlicher. In dieser Richtung wird Buddha als Gott verehrt. Prachtvolle
Gottesdienste und reiche Tempel geben dem Mahayana Anschaulichkeit und
Leben. An die Stelle der Meditation als Weg zur Erlösung tritt das große Gebot
des Mitleids mit allen Lebewesen. Niemandem wehe zu tun gehört hier zum
großen Lebensprogramm. Die weitaus meisten Buddhisten – etwa 166 Millionen – gehören dem Mahayana an. Die¬se Richtung ist vor allem in der Mongolei,
in Korea, China, Nordindien und Japan ver¬breitet. Deswegen wird diese Rich-
© Stephanie Weiß und Steffen Fischer, Dresden, Arbeitsblätter für den Ethikunterricht:
Thema - Buddhismus
12
06 Lernzirkel Buddhismus
tung auch »nördlicher Buddhismus« genannt.
Vajrayana (»Diamantenes Fahrzeug«) ist eine Form des Buddhismus, die sich
seit dem 7. Jahrhundert n. Chr. in Tibet (Station 10) und Nepal aus dem Mahayana entwickelt hat (auch »tibetischer Buddhismus« oder »Lamaismus«).
Diese hierarchisch geordnete Religion, deren Lamas (Gurus) große Macht haben, steht in vieler Hinsicht im Gegensatz zum ursprünglichen Buddhismus.
Der Glaube an Dämonen und viele Götter ist für das Vajrayana typisch. An der
Spitze steht der Dalai Lama (Station 11*), den die Gläubigen als göttlich verehren. Dieser Richtung gehören etwa 21 Millionen Menschen an.
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Thema - Buddhismus
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06 Karte - Richtungen Buddhismus
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Thema - Buddhismus
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07 Mönche und Nonnen und Laien
Aufgabe 1: In der Triatna werden drei wichtige Grundbegriffe des Buddhismus
genannt. Nenne sie!
Aufgabe 2: Lege eine dreispaltige Tabelle an, in der du die Pflichten der Mönche, Nonnen und Laien innerhalb der buddhistischen Religion einträgst!
Aufgabe 3: Vergleiche die Verhaltensregeln mit den »Zehn Geboten« im Alten
Testament (Ex 20,1-17) und nenne die Gemeinsamkeiten?
Um Buddhist zu werden genügt die dreifache Wiederholung der folgenden Formel, die auch Triatna (»dreifaches Kleinod«) genannt wird. Bei jeder Versammlung von Laien, Mönchen und Nonnen werden diese drei Führer in der Formel
des Triatna angerufen:
Ich nehme Zuflucht zum Buddha als meinem Führer;
ich nehme Zuflucht zum Dharma (Buddhas Lehre) als meinem Führer;
ich nehme Zuflucht zum Sangha (Gemeinde) als meinem Führer.
Die Mönche die sich dem Buddha zuerst anschlossen, verließen wie er (Station
1) seine Heimat, ließen sich die Haare scheren, nahmen das gelbe Mönchsgewand, erbettelten sich ihre tägliche Mahlzeit, lebten ehelos und suchten ihr
Heil in der Meditation. Bis zum Tode des Buddha (um 480 v. Chr.) wuchs die Gemeinde auf einige Tausend Mönche an. Bis heute bilden die Mönche den inneren
Kern der Gemeinde.
Nur ungern nahm der Buddha auch Frauen auf. Gegen einen Orden für Frauen
wehrte er sich lange. Schließlich aber konnte er eine Aufnahme von Frauen in
seinen Orden nicht verhindern. Doch räumte er den Nonnen (Station 11) nur
eine untergeordnete Stellung ein.
Von Anfang an gab es auch Laien, die sich dem Buddha zuwandten. Sie verließen zwar nicht ihr Zuhause und lebten nicht nach der Art der Mönche, doch
unterstützten sie den Buddha und seine Mönche durch Geschenke und Gastfreundschaft. Sie sorgten dafür, dass die Gemeinde lebensfähig blieb. Der Buddha war ihnen dankbar, wenn er ihnen dafür auch nicht den Eingang ins Nirwana (Station 3) versprechen konnte. Dieser blieb den Mönchen vorbehalten.
© Stephanie Weiß und Steffen Fischer, Dresden, Arbeitsblätter für den Ethikunterricht:
Thema - Buddhismus
15
07 Lernzirkel Buddhismus
Aber die hilfsbereiten Laien dürften auf eine gut Wiedergeburt hoffen.
Schon früh wurden die wichtigsten Verhaltensregeln für Mönche festgelegt:
Kein lebendes Wesen töten.
Nicht stehlen.
Keine Sexualität.
Nicht lügen.
Keine berauschenden Getränke trinken.
Nach Mittag nichts mehr essen.
Sich fernhalten von Tanz, Gesang, Musik und Schauspielen.
Vermeidung von Blumenschmuck.
Vermeidung von hohen üppigen Betten.
Abstehen von der Annahme von Gold und Silber.
Die ersten vier Gebote gelten auch für Laien, wobei hier das Verbot jeglicher
Sexualität in ein Verbot des Ehebruchs abgeschwächt wird.
© Stephanie Weiß und Steffen Fischer, Dresden, Arbeitsblätter für den Ethikunterricht:
Thema - Buddhismus
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08 Der buddhistische Alltag
Aufgabe 1: In dieser Station erfährst du etwas über buddhistische Bräuche im
Alltag. Notiere dir zu jedem der unterstrichenen Begriffe die wichtigsten Besonderheiten in Stichpunkten!
In jedem buddhistischen Haus findet sich ein Hausaltar. Es gibt keine vorgeschriebenen Formen dafür. Jede Familie richtet sich einen solchen Winkel nach
ihren Vorstellungen ein. Oft gehören eine Buddha-Statue und Räucherstäbchen
dazu. Der Buddhismus durchzieht das tägliche Leben so sehr, dass sogar in den
meisten Geschäften, die Buddhistinnen und Buddhisten gehören, ein kleiner
Hausaltar mit Buddha-Statue und Räucher¬stäbchen steht.
Vor dem Hausaltar sprechen Buddhistinnen und Buddhisten in der Regel morgens und abends, nachdem sie sich gewaschen haben, ein »Gebet«. Solche
»Gebete« entsprechen nicht dem, was man im Christentum unter einem Gebet
verstehen würde, sondern stellen ein Anrufen der in einem wohnenden Kräfte
1
dar. Wer Zeit hat, sitzt für eine kürzere oder längere Zeit vor dem Hausaltar
um zu meditieren.
Bald nach der Geburt werden einem Baby zu Hause oder im Tempel die ersten
Haare (oder ein Teil davon) abgeschnitten. Dann wird das Baby von einem Mönch
oder der ältesten Respektperson in der Familie gesegnet. Dazu wird die engste
Familie zu einem Fest eingeladen und das Kind offiziell der Familie vorgestellt.
Die Eltern gehen zu einem Mönch oder einem Astrologen um den Namen bestimmen zu lassen. Erst dann wird das Kind bei den Behörden angemeldet.
Der Buddhismus erstreckt sich über ein großes Gebiet, so dass es unterschiedliche Bräuche für die Heirat gibt. Viele beachten schon bei der Partnerwahl, erst
recht aber beim Hochzeitstermin das Horoskop. Am frühen Morgen beginnt die
Feier mit dem Rezitieren von Pali-Texten. Die Zeremonie wird von (oft neun)
Mönchen geleitet. Am Abend gießen die engsten Verwandten dem Brautpaar
Wasser über die gefalteten Hände und sprechen dazu ihre Segenswünsche.
Nach dem Tod verbrennen Buddhistinnen und Buddhisten die Körper der Ver1 Es würde ohnehin keinen Sinn machen Buddha anzubeten, da dieser nach buddhistischer Auffassung
ins Nirwana eingegangen ist und damit aufgehört hat zu existieren.
© Stephanie Weiß und Steffen Fischer, Dresden, Arbeitsblätter für den Ethikunterricht:
Thema - Buddhismus
17
08 Lernzirkel Buddhismus
storbenen. Normalerweise wird kein Grabmal errichtet. Meist wird die Asche
in einen Fluss oder ins Meer gestreut. Manche verteilen die Asche aber auch
unter den Verwandten und bewahren sie im Hausaltar auf. Manchmal wird von
den Kindern ein wenig Asche der Eltern in einem kleinem Behälter am Hals getragen. Auf jeden Fall wird 100 Tage nach der Bestattung eine Feier mit Mönchen abgehalten.
© Stephanie Weiß und Steffen Fischer, Dresden, Arbeitsblätter für den Ethikunterricht:
Thema - Buddhismus
18
09 Buddhismus und Christentum
Aufgabe 1: Wenn du (fast) alle anderen Station bearbeitet hast, kannst du
dir hier eine Zusammenfassung anlegen, in der wichtige Merkmale
des Buddhismus mit dem Christentum gegenübergestellt werden.
Lege dir dazu auf einer ganzen A4-Seite eine Tabelle (wie unten)
an! Trage dort die entsprechenden Begriffe bzw. Symbole ein!
Bereich
Buddhismus
Christentum
Symbol
Entstehungszeit
Gründer
Heilige Schriften
Gottesvorstellungen
Weg zur Erlösung
Jenseitsvorstellung
Anzahl der Anhänger
Verbreitung
© Stephanie Weiß und Steffen Fischer, Dresden, Arbeitsblätter für den Ethikunterricht:
Thema - Buddhismus
19
09 Lernzirkel Buddhismus
…… Buddha
…… Auferstehung und Gericht
…… Ostasien
…… um 500 v. Chr.
…… Gott als Schöpfer und Retter
…… Pali-Kanon
…… Die Erlösung kommt von Gott. Weg: Im Glauben an Gottes Gnade das Liebesgebot Jesu erfüllen.
…… ca. 300 Millionen
…… um 30 n. Chr.
…… 1,6 Milliarden
…… Selbsterlösung durch Vernichtung aller Wünsche. Weg: Achtfacher Pfad
bzw. Einhaltung der Gebote
…… ganze Welt
…… Eingehen ins Nirwana (= Verlöschen, Vergehen), sonst Wiedergeburt
…… Altes und Neues Testament
…… Jesus
…… Selbsterlösungslehre ohne Gott (Theravada) bzw. viele Gottheiten, gute
und böse Geister (Mahayana)
© Stephanie Weiß und Steffen Fischer, Dresden, Arbeitsblätter für den Ethikunterricht:
Thema - Buddhismus
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10 Tibet
Aufgabe 1: Bei dieser Station erhältst du Informationen über die Geschichte
Tibets. Tibet existiert heute nicht als eigenständiger Staat, sondern ist ein Teil Chinas. Eine in London ansässige tibetische Exilregierung fordert die Autonomie (Selbstbestimmung) Tibets unter
der weltlichen und geistlichen Herrschaft des im indischen Exil lebenden Dalai Lama. Notiere dir, was du im Text über die Geschichte
der tibetisch-chinesischen Beziehungen erfährst.
Tibet bestand vom 7. bis zum 11. Jahrhundert als eigenständiger Staat. Die
vorherrschende Religion ist der Buddhismus. Ab 1240 war Tibet von mongolischen Truppen besetzt. Nach dem Fall der mongolischen Yüan-Dynastie 1368
erlangte Tibet seine Unabhängigkeit wieder. Zur selben Zeit wurde der tibetische Buddhismus von dem strengen Reformer Tsong-kha-pa erneuert. Dieser
gründete die Dge-lugs-pa-Sekte, die auch als „Gelbmützensekte“ oder „Gelbe
Kirche“ bekannt ist. 1578 erhielt das damals dritte Oberhaupt der Sekte vom
Mongolenfürsten Altan Khan den Titel Dalai („ozean-weit“)-Lama. Altan unterstellte außerdem praktisch alle Mongolen der religiösen Autorität des DalaiLama, der dann praktisch auch weltliches Oberhaupt der Tibets wurde.
Chinesische Herrschaft
1720 vertrieben chinesische Truppen die Mongolen und wurden in Lhasa willkommen geheißen. Die Qing-Kaiser erhielten nominal die Herrschaft über
Tibet: Sie ließen eine Vertretung und eine kleine Garnison in Lhasa zurück,
beließen jedoch die Regierung in den Händen der Dalai-Lamas. Mit Ausnahme
der Chinesen wurden nach 1792 alle fremden Mächte aus Tibet fern gehalten.
1904 wurde Tibet, das inzwischen praktisch unabhängig von China war, von
den Briten besetzt, die über Anzeichen eines wachsenden russischen Einflusses in Tibet beunruhigt waren. Diese Militärexpedition schuf die Grundlage
für ein bilaterales Abkommen, das 1906 zwischen Großbritannien und China
geschlossen wurde. Darin erhielt das chinesische Kaiserreich die Oberhoheit
über Tibet. Tibet selbst wurde an der Beschlussfassung nicht beteiligt. 1907
trafen die Regierungen von Großbritannien und Russland ein Abkommen, in
© Stephanie Weiß und Steffen Fischer, Dresden, Arbeitsblätter für den Ethikunterricht:
Thema - Buddhismus
21
10 Lernzirkel Buddhismus
dem sie sich gegenseitig zusicherten, nicht in tibetische Staatsangelegenheiten einzugreifen.
Nominale Unabhängigkeit
Die britisch-chinesische Konvention ermutigte die Qing-Dynastie 1910 zum
Einmarsch in Tibet. Die Qing wurden jedoch 1912 durch eine Revolution gestürzt, und so erhielt Tibet bald darauf offiziell die Unabhängigkeit von China. Sämtliche chinesische Beamte und Truppen wurden 1913 aus dem Land
vertrieben. 1914 fand in Simla eine Konferenz mit Vertretern der Regierungen
von Großbritannien, China und Tibet statt, in der man sich ansatzweise über
eine Konvention zur Regelung der gegenseitigen Beziehungen und vor allem
zu Fragen der Grenzziehung einigen konnte. Das Abkommen sah u. a. ein autonomes Tibet vor, wobei jedoch die Chinesen die Oberhoheit über die Region
Inneres Tibet, die direkt an China grenzt, erhielten. Großbritannien unterzeichnete die Konvention im Juli 1914, China hingegen lehnte sie in der Folgezeit ab.
1918 entluden sich die angespannten Beziehungen zwischen Tibet und China
in einer kriegerischen Auseinandersetzung. Im September desselben Jahres
wurde mit britischer Hilfe ein Waffenstillstand geschlossen. Nachfolgende
Bemühungen, den Konflikt beizulegen, scheiterten, und so kam es im Verlauf
des Jahres 1931 immer wieder zu aufflammenden Gefechten. Währenddessen
wurde Tibet weiterhin als unabhängiger Staat von den Dalai-Lamas regiert.
Erneuter Anschluss an China
Im Oktober 1950, kaum ein Jahr nachdem die Kommunisten das chinesische
Festland vollständig unter ihre Kontrolle gebracht hatten, marschierten kommunistische Truppen in Tibet ein. Um das Volk gegen die vorrückenden Invasionstruppen zu rüsten, stattete die Regentschaft im November den damals erst
15-jährigen 14. Dalai-Lama mit den vollen Machtbefugnissen aus. Dennoch war
der Widerstand bald gebrochen. Auch Großbritannien und Indien boten keine
Unterstützung an. Im Mai 1951 kapitulierte die tibetische Regierung und unterzeichnete einen diktierten Vertrag. Danach sollte die Regierungsgewalt des
Dalai-Lama in inneren
© Stephanie Weiß und Steffen Fischer, Dresden, Arbeitsblätter für den Ethikunterricht:
Thema - Buddhismus
22
10 Lernzirkel Buddhismus
Angelegenheiten erhalten bleiben, tibetische Außen- und Militärpolitik sollte
chinesischer Kontrolle unterstellt werden, und der Pantschen-Lama, der spirituelle Führer des Lamaismus, der als Anhänger des kommunistischen Regimes
galt, sollte aus China nach Tibet zurückkehren. Kommunistische Militäreinheiten erreichten Lhasa im Oktober. Der Pantschen-Lama traf dort im April 1952
ein.
Maßnahmen Chinas
Im Lauf des Jahres 1952 führten die Chinesen forciert Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur in Tibet durch. In verschiedenen Landesteilen wurden
Flugplätze fertig gestellt und der Bau von Straßen für militärische Zwecke vorangetrieben. Anfang 1953 wurden Säuberungsaktionen gegen antikommunistische Kräfte durchgeführt. Im folgenden Jahr erkannte Indien Tibet als Teil
Chinas an und löste die Garnisonen auf, die an zwei Handelsposten entlang der
tibetischen Grenze errichtet worden waren. In der Folgezeit wurde der DalaiLama zum Vizepräsidenten der chinesischen gesetzgebenden Versammlung,
dem Nationalen Volkskongress, gewählt. Gemäß den Bedingungen eines im
April 1955 unterzeichneten Vertrags übergab Indien die Kontrolle über das
tibetische Telefon-, Telegraphen- und Postverkehrsnetz an China. 1956 wurde ein Komitee gegründet, das eine Verfassung für Tibet ausarbeiten sollte.
Der Dalai-Lama wurde zum Vorsitzenden und der Pantschen-Lama zum ersten
stellvertretenden Vorsitzenden ernannt.
Tibetische Aufstände
1956 kam es zu Aufständen und Guerillaaktivitäten der Tibeter gegen das
chinesische Regime. Mao Tse-tung gab einige Monate später bekannt, dass
Tibet für die Errichtung eines kommunistischen Regimes noch nicht bereit
sei. In der zweiten Hälfte des Jahres 1958 wurden verbreitete Aktivitäten der
antikommunistischen Guerilla im Osten Tibets gemeldet. Die Unruhen waren
vermutlich Reaktionen auf Bestrebungen, Volkskommunen nach chinesischem
Vorbild zu errichten, in denen die Bevölkerung mit quasimilitärischer Disziplin
arbeiten sollte, um die Produktionsleistung zu steigern. Obwohl die Chinesen
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ankündigten, dass die Einführung der Kommunen in Tibet aufgeschoben werde, ließen sich die Unruhen nicht mehr eindämmen. Im März 1959 weiteten
sie sich in Lhasa zu einer umfassenden Rebellion aus. Gegen Ende des Monats
floh der Dalai-Lama nach Indien und gründete dort später eine tibetische Gemeinde. Die Chinesen schlugen schließlich die Rebellion nieder und setzten
den Pantschen-Lama als Staatsoberhaupt ein. Schätzungen zufolge wurden
etwa 87 000 Tibeter bei den Aufständen getötet. Am 21. Oktober stimmte
die Generalversammlung der Vereinten Nationen einer Resolution zu, in der die
Unterdrückung der Menschenrechte in Tibet verurteilt wurde. Eine zweite Resolution mit ähnlichem Inhalt wurde am 9. März 1961 verabschiedet.
Kommunistische Oberherrschaft
Zehntausende von Tibetern flohen nach der chinesischen Invasion ins Ausland,
die meisten nach Indien, einige in die Himalaya-Königreiche Nepal und Bhutan.
Der Dalai-Lama gründete in Indien eine tibetische Exilregierung. 1965 wurde
Tibet formal zur autonomen Region der Volksrepublik China erklärt, und die
chinesische Regierung verkündete, dass die Region einer kontinuierlichen Umwandlung zum Sozialismus unterzogen werde. Während der Kulturrevolution
nahm die Verfolgung der Religion durch die maoistischen Roten Garden weiter
zu. Hunderte von Klöstern und buddhistischen Denkmälern wurden gesprengt.
Man schätzt, dass seit 1950 bis zu einem Sechstel der Bevölkerung Tibets
durch die kommunistische Gewaltherrschaft ums Leben kam.
Seit dem Ende der Kulturrevolution in den späten siebziger Jahren hat China
seine Politik gegenüber Tibet etwas gelockert. Der Pantschen-Lama, der 1964
seines Amtes enthoben worden war, wurde 1978 vom Regime wieder zugelassen. Er forderte den Dalai-Lama mehrmals zur Rückkehr auf. China gab 1980
zu, in Tibet Fehler gemacht zu haben, und kündigte Reformen an. So wurde
etwa die Religionsausübung gestattet; von den Roten Garden zerstörte Klöster wurden wieder aufgebaut mit dem Ziel, das Verhältnis zur Bevölkerung
zu verbessern. Im Oktober 1987 und im Mai 1993 kam es zu gewalttätigen
Demonstrationen gegen die chinesische Herrschaft. Die Führung Chinas reagierte darauf mit einer Reihe von Maßnahmen, wie gewaltsamer Unterdrü-
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ckung abweichender Haltungen, rigoroser Überwachung, strengster Kontrolle
religiöser Aktivitäten sowie systematischer Ansiedlung von Han-Chinesen. Im
August 1993 fanden erstmals seit zehn Jahren Gespräche zwischen China und
Vertretern des Dalai-Lama statt, die jedoch keine grundlegenden Veränderungen in der Haltung Chinas bewirken konnten. In den folgenden Jahren hielt die
politische und religiöse Unterdrückung Tibets durch chinesische Behörden an.
Im April 1996 wurde verfügt, dass in den buddhistischen Versammlungsstätten keine Bilder des Dalai Lama gezeigt werden dürfen.
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11 Die buddhistischen Nonnen
Aufgabe 1: Fasse kurz die Rolle der Nonnen im Buddhismus zusammen!
Aufgabe 2: Nimm Stellung zu folgenden Aussagen des Textes und begründe
deine Meinung.
Von den Frauen hatte der Buddha keine besonders gute Meinung. Er bezeichnet
sie als das größte Übel und als Gefahr für den geistigen Fortschritt der Mönche. Nicht nur der Umgang mit einer Frau, sondern schon ihr Anblick könne den
Mönch von seinem Weg abbringen. Deshalb warnte der Buddha seine Jünger
immer wieder, achtsam zu sein und Kontakte zum anderen Geschlecht sorgsam zu vermeiden.
Vom Buddha selbst jedoch wurden die Frauen zwar respektiert, aber nicht als
vollwertige Mitglieder seiner Gemeinschaft anerkannt. In den Berichten über
die Bekehrung der ersten Jünger tauchen keine Frauen auf. Er hat ihnen auch
niemals persönlich gepredigt, sondern diese Aufgabe stets seinen Schülern
überlassen, unter Auflage strenger Verhaltensnormen. Dazu gehörte die Einhaltung eines ausreichenden Abstands und die Vermeidung von Blickkontakten. Außerdem mussten mindestens zwei Mönche bei der Belehrung anwesend sein. Dass es dennoch zur Bildung einer Nonnengemeinschaft kam, ist
den Bemühungen der weiblichen Verwandten des Buddha zu verdanken, in erster Linie denjenigen seiner Stiefmutter. Den Nonnen wurden nicht die gleichen
Rechte wie den Mönchen eingeräumt. Es galten auch wesentlich strengere
Ordensregeln. So musste eine Nonne, selbst wenn sie schon lange der Gemeinschaft angehörte, jedem Mönch Ehrerbietung zeigen, auch einem, der gerade
erst ordiniert wurde. Während der Regenzeit hatte sie den Bezirk zu meiden, in
dem sich die Mönche aufhielten. Um die Erlaubnis zur Teilnahme an den Beichtfeiern musste sie ausdrücklich nachsuchen. Vor der Ordination hatte sie eine
längere Vorbereitungsphase zu durchlaufen als die männlichen Aspiranten. Sie
durfte auch von sich aus keinen Mönch ansprechen. Heute verweigern nur noch
die Theravada-Mönche den Frauen die gleichen Rechte. Für sie gelten Nonnen
als besonders eifrige Laien, die trotz der Befolgung der Regeln keinen echten
Ordensstatus haben. In den Ländern, in denen die Mahayana-Buddhisten die
Mehrheit bilden, sind Mönche und Nonnen mittlerweile gleichgestellt.
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12 Die Ausfahrten Siddhartas
Aufgabe 1: Hier kannst du noch einmal ausführlich den Bericht über die vier
Ausfahrten Siddhartas aus dem väterlichen Palast nachlesen. Formuliere jetzt genauer, welche Rolle die Begegnung mit dem Leid en
für den jungen Siddharta Gautama gespielt hat.
Die vier Ausfahrten
Sodann, nachdem zahlreiche Tage verflossen waren, befahl der junge Gautama seinem Wagenlenker die Prunkwagen reisefertig zu machen. Als der junge
Fürst so zum Park fuhr, begegnete er einem Greis, gebeugt, wie der Giebel eines Hauses, vom Alter geschwächt, auf einen Stock gestützt, erschöpft, der
seine Jugend schon seit langem hinter sich hatte. Als Gautama ihn sah, sagte
er: »Was hat dieser Mann getan, guter Wagenlenker, dass seine Haare und sein
Körper nicht wie bei anderen Menschen aus sehen?«
»Er ist, was man einen Greis nennt, mein Gebieter!«
»Und warum nennt man ihn einen Greis?«
»Man nennt ihn einen Greis, mein Gebieter, weil er nicht mehr lange zu leben
hat.«
»So bin ich also auch dem Altern ausgesetzt, guter Wagen-lenker? Bin auch
ich vom Altern bedroht?«
»Du, mein Gebieter, und ich, wir sind beide vom Alter be-droht. Wir sind beide dem Altern ausgesetzt.«
»Dann, guter Wagenlenker, habe ich heute vom Park genug. Bringe mich zurück in meine Gemächer!«
Einige Zeit darauf befahl der junge Gebieter seinem Wa-genlenker wieder, die
Wagen zur Ausfahrt vorzubereiten, und er fuhr erneut hinaus. Und auf dem
Wege zum Park begegnete Gautama einem kranken Mann: leidend und abgezehrt lag er am Boden und wälzte sich in seinen Exkrementen, er nährte sich
von dem, was ihm diese, und kleidete sich mit dem, was ihm jene gaben. Als er
ihn sah, fragte Gautama:
»Was hat dieser Mann getan, guter Wagenlenker, dass seine Augen nicht
wie die anderer Menschen aussehen, dass seine Stimme nicht wie die ande-
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rer Menschen klingt?«
»Er ist, was man einen Kranken nennt, mein Gebieter!«
»Was versteht man unter einem Kranken?«
»Einen Mann, mein Gebieter, der nur schwer die Gesund-heit wiedererlangt.«
»Aber ich, guter Wagenlenker, bin auch ich der Krankheit ausgesetzt? Bin
auch ich davon bedroht, krank zu werden?«
»Du, mein Gebieter, und ich, wir sind beide von der Krank¬heit bedroht. Wir
sind beide der Krankheit ausgesetzt.«
»Dann, guter Wagenlenker, habe ich für heute vom Park genug. Bringe mich
zurück in meine Gemächer!«
Einige Zeit darauf fuhr der junge Gautama wieder im Wagen aus. Und auf dem
Wege zum Park erblickte er eine mit bunten Gewändern bekleidete Menge, die
einen Scheiterhaufen aufrichtete. Da fragte er den Wagenlenker:
»Warum haben sich diese in bunte Kleider gehüllte Menschen hier versammelt, um einen Scheiterhaufen aufzurichten?«
»Weil jemand seine Lebensbahn abgeschlossen hat.«
»So fahre mich zu dem, der seine Lebensbahn abge-schlossen hat!«
»Ja, mein Gebieter«, erwiderte der Wagenlenker, und er tat, wie ihm aufgetragen worden war. Und Gautama sah die Leiche dessen, der seine Lebensbahn beendet hatte, und fragte: »Was bedeutet, guter Wagenlenker, der
seine Lebensbahn beendet hat?«
»Das bedeutet, mein Gebieter, dass ihn weder sein Vater, noch seine Mutter,
noch andere Verwandte jemals wieder-sehen werden!«
»Bin auch ich dem Tode ausgesetzt, bin auch ich vom Tode bedroht?«
»Ja, mein Gebieter, du und ich, wir sind beide dem Tode ausgesetzt, wir sind
beide vom Tode bedroht. Weder der König noch seine Gemahlin werden dich
wiedersehen, und du wirst sie niemals wiedersehen!«
»Dann, guter Wagenlenker, habe ich für heute genug vom Park. Bringe mich
zurück in meine Gemächer.«
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12 Lernzirkel Buddhismus
Einige Zeit danach fuhr Gautama wieder im Wagen aus. Auf dem Wege zum
Park begegnete er einem Mann mit ge-schorenem Haupt, einem ›Einsamen‹,
der ein gelbes Ge-wand trug. Da fragte er den Wagenlenker:
»Was hat dieser Mann getan, guter Wagenlenker? Sein Kopf gleich nicht
dem der anderen Männer, und seine Kleider sind anders!«
»Man nennt ihn einen ›Einsamen‹, mein Gebieter, denn er hat sein Haus verlassen. Wer sein Haus verlässt, will sich dem religiösen Leben widmen, will
ein ruhiges Dasein fristen, Gutes tun, Verdienste erwerben, den andern kein
Leid zufügen, jeglicher Kreatur Wohlwollen erweisen.«
»Wahrlich, mein Freund und Wagenlenker, ein ›Einsamer‹ ist ein Mann, der
sich Höherem hingegeben hat, denn sein Lebenswandel ist in allem vollkommen; führe mich zu dem Mann, der sein Haus verlassen hat!«
»Ja, mein Gebieter«, sagt der Wagenlenker und führte ihn zu dem ›Einsamen‹. Gautama wandte sich an den Mann und sagte zu ihm:
»Warum, Meister, gleicht dein Kopf nicht denen anderer Männer, warum
trägst du andere Kleider?«
»Herr, ich bin ein Mann, der sein Haus verlassen hat.«
»Was bedeutet das?«
»Das bedeutet, Herr, dass ich mein Leben der Frömmigkeit, dem friedlichen
Dasein, den guten Taten geweiht habe; dass ich verdienstvoll leben, niemandem Unrecht zufügen, allen Geschöpfen Wohlwollen entgegenbringen
will.«
»Wahrlich, Meister, du hast dich Höherem hingegeben, denn dein Lebenswandel ist in allem vollkommen.«
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13 Der achtteilige Pfad
Aufgabe 1: Hier kannst du noch einmal genau nachlesen, was die einzelnen
Stationen des achtfachen Pfades in der Predigt des Buddha in
Benares (Station 2) bedeuten. Erläutere, wie die Stationen des
achtteiligen Pfades zur Befreiung von Leiden und zur Erleuchtung
führen können?
1. Rechte Anschauung ist das Wissen um das Leid, um seine Entstehung und
um den Weg zu seiner Aufhebung.
2. Rechte Gesinnung ist ein solche, die frei ist von Begierde, Übelwollen und
Gewalttätigkeit.
3. Rechtes Reden ist das Abstehen von Lüge, Verleumdung, Schimpfen und
Schwatzen.
4. Rechtes Handeln ist das Unterlassen von Töten, Stehlen und Unkeuschheit.
5. Rechtes Leben ist es, wenn man einen schlechten Lebenserwerb (durch
Schwindel, Wahrsagerei, gieriges Zusammenraffen, Handel mit Waffen,
Lebewesen, Fleisch, berauschenden Getränken, als Schlächter, Vogel-steller, Jäger, Fischer, Räuber, Henker, Gefangenenwärter) aufgibt und seinen
Unterhalt in der richtigen Weise gewinnt.
6. Rechtes Streben richtet sich darauf, erstens die schlechten, unheilvollen
»Dinge« (Dharma, Gemütsregungen), welche noch nicht entstanden sind,
nicht entstehen zu lassen, und die, welche schon entstanden sind, von sich
zu tun, und zweitens die noch nicht entstandenen heilvollen »Dinge« zum
Entstehen zu bringen und die, welche schon entstanden sind, zu mehren
und zur Vollendung zu bringen.
7. Rechtes Überdenken ist die besonnene Betrachtung des Körpers, der Empfindungen, des Denkens und der »Dinge« (Dharma).
8. Rechtes Sich-versenken ist das Verweilen in den Versenkungsstufen.
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