1 Übernutzung von Grundwasser Allgemeines

Werbung
initiative for a balanced water resource management
initiative pour une gestion intégrée des ressources en eau
iniciativa para una gestión equilibrada de los recursos hídricos
Übernutzung von Grundwasser
Allgemeines
Von Übernutzung einer Ressource wird gesprochen, wenn über einen bestimmten Zeitraum mehr als der, in diesem Zeitraum erneuerbare Anteil der Ressource genutzt wird, wenn die Ressource also abgebaut wird. Übertragen auf den globalen Wasserkreislauf wäre demnach eine Übernutzung des weltweit vorhandenen Wassers gar
nicht möglich, da gemessen über die ganze Erde und über lange Zeiträume kein Wasser verloren geht, sondern
nur durch natürliche und menschliche Aktivitäten umgelagert wird. So wird Wasser zum Beispiel aus einem Fluss
durch künstliche Bewässerung auf einen Acker und von dort ins Grundwasser, respektive bei Verdunstung in die
Atmosphäre umgeleitet. Selbst jenes Wasser, das in den Nutzpflanzen eingebunden ist, wird wieder freigesetzt,
sobald die Pflanzen verrotten oder konsumiert werden.
Um Nutzung und Übernutzung zu untersuchen, muss deshalb von überschaubaren Systemen und Zeiträumen
ausgegangen werden, wie zum Beispiel von Seen oder einzelnen Grundwasservorkommen. Wie ein See hat
auch ein Grundwasservorkommen einen Zufluss, z.B. versickerndes Regenwasser, Fluss- oder Seewasser, und
einen Abfluss, meist ein Fluss oder das Meer. Wie ein See kann auch Grundwasser durch Verdunstung Wasser
an die Atmosphäre verlieren. Wird nun dieses Grundwasser durch den Menschen genutzt und kann der Zufluss
die entzogene Wassermenge nicht kompensieren, fällt der Wasserspiegel und man spricht von Übernutzung.
Ohne Nutzung
Pumpe
Pumpe
Nutzung
Übernutzung
Übernutzung am Beispiel eines Brunnens: Wenn nicht mehr Wasser abgepumpt wird, als in den Brunnen hinein fliesst, spricht
man von Nutzung. Sobald die Entnahmemenge jedoch den Zufluss übersteigt und der Wasserspiegel sinkt, spricht man von
Übernutzung oder Abbau (rot). Grafik M. Wyss.
Aufgrund erhöhter Jahresdurchschnittstemperaturen, die – bedingt durch den globalen Klimawandel – in Marokko
bereits in den vergangenen 150 Jahren um gesamthaft rund 1°C gestiegen sind, muss damit gerechnet werden,
dass die Verdunstung aus Oberflächen- und Grundwasser in Zukunft eine markant grössere Rolle spielen wird als
bisher. Wenn sich die Tendenz zu einer Abnahme der Niederschlagsmengen, die in den 1970-er Jahren einsetzte, fortsetzt – wovon aufgrund der gängigen Klimamodelle ausgegangen wird – muss in Zukunft auch mit
3
markant geringeren Niederschlagsmengen gerechnet werden. Dadurch wird die auf gesamthaft 20 Mia. m pro
Jahr geschätzte Menge nutzbaren Oberflächen- und Grundwassers in Marokko (siehe „Wasserressourcen und –
nutzung“) mit grosser Wahrscheinlichkeit nach unten korrigiert werden müssen.
1 Übernutzung von Grundwasser
Zurzeit werden alle bekannten erneuerbaren Grundwasservorkommen Marokkos genutzt. Die Mehrzahl davon
weist seit Jahren dramatisch absinkende Wasserspiegel auf. Dies macht deutlich, dass die Grundwasserressourcen Marokkos mit wenigen Ausnahmen schon heute massiv übernutzt werden. Eine aktuelle Abschätzung der
Grundwasserressourcen (Ministère de l’Energie, des Mines, de l’Eau et de l’Environnement, 2011) geht davon
3
3
aus, dass in der Zukunft statt der 4 Mia. m , welche bisher als Basis aller Planungen galten, nur noch 3.4 Mia. m
nachhaltig genutzt werden können. Sie skizziert aufgrund dessen mittel- und langfristig ein beängstigendes Szenario der Übernutzung für den überwiegenden Teil der Grundwasservorkommen Marokkos.
Tanger
Tetouan
Larache
Al Hoceima
$
+ .
Oujda
RABAT
3
Meknes
,#
Settat
Khénifra
,
5
Marrakech
Essaouira
2
"
!
Agadir
# $
Ouarzazate
1
Tafraoute
!
&
*
'+
(&
&'
)
Taza
Fès
4
)#
+
'&
-%
(
''
&
&
'(
0)
)
'(
Guercif
-%
1
!"
!#
2#
6
?
Midelt
)
( &
' Er-Rachidia
&
%
Bouârfa
Béni-Mellal
Tineghir
/-
$
%)&
!$
*#
"
Erfoud
Zagora
Tata
Guelmim
Tan-Tan
Grundwasservorkommen Souss - Chtouka
-10
-10
1
-15
3
-12
-20
-35
5
-12
10 m in 32 Jahren
-18
24 m in 34 Jahren
Grundwasservorkommen Beni Moussa (Tadla)
-8
-16
-30
0
-4
-14
-25
20 m in 44 Jahren
-16
-20
-40
1960
-10
Grundwasservorkommen Mamora bei Rabat
1970
1980
1990
2000
Grundwasservorkommen Haouz bei Marrakech
-30
-35
1960
1980
1990
2000
-60
1970
1980
1990
2000
-70
1960
1980
1990
2000
Grundwasservorkommen Ain Beni Mathar
4
6
-9
-10
-40
-50
1970
-8
-30
18 m in 24 Jahren
-20
1960
Grundwasservorkommen Fès - Meknes
0
-20
-20
-25
1970
-10
2
-15
1960
-11
64 m in 25 Jahren
1970
1980
-12
1990
2000
-13
1960
4.5 m in 29 Jahren
1970
1980
1990
2000
Verläufe der Grundwasserspiegel von sechs Grundwasservorkommen (Lokalisierung siehe Karte oben). Grafiken M. Wyss unter Verwendung von Angaben aus Bzioui, M., 2004, Jellali, M. M., 1997, Makhokh, M., 2009 sowie aus diversen Berichten marokkanischer Staatssekretariate aus den Jahren 2008 bis 2011.
Saisonal und auch langfristig absinkende Grundwasserspiegel sind deshalb keine Seltenheit. Wird Grundwasser
punktuell mittels Brunnen oder Bohrungen entnommen, fällt der Grundwasserspiegel zunächst trichterförmig um
die Entnahmestelle. Bei anhaltender, den Zufluss übersteigender Entnahme muss mit einem generellen, grossflächigen Absinken des Grundwasserspiegels gerechnet werden, dies kann auch benachbarte Brunnen oder Bohrungen trockenlegen. Da die Grundwasservorkommen während längerer Trockenperioden oft auch der natürli-
2 chen Vegetation, vor allem Bäumen und Sträuchern mit tief greifenden Wurzeln, als Wasserressource dienen,
können absinkende Grundwasserspiegel auch zu grossflächigem Absterben der Vegetation und damit zu erhöhter Bodenerosion und zu Desertifikation führen.
1
2
3
Absenkung des Grundwasserspiegels bei permanent zu grosser Wasserentnahme an einer Bohrung (1). Der Grundwasserspiegel senkt sich
Absenkung
des Grundwasserspiegels
permanent
zu bis
grosser
Wasserentnahme
an zu
einer
Bohrung
(1).
Der Grundwasserspiezuerst
trichterförmig
rund um die Bohrung bei
ab, um
zum Schluss
auf das
Niveau des Bohrlochs
fallen.
Dadurch
trocknen
Brunnen (2, 3) aus,
gel weniger
senkt sich
zuerst
trichterförmig
rund2,um
die 3).
Bohrung
ab, um des
zum
Schluss bis auf das
Niveau auch
des Bohrlochs
Dadie
tief sind
als die
Bohrung (zuerst
später
Die Absenkung
Grundwasserspiegels
vergrössert
die Distanz zu
desfallen.
Grundwassers
zu trocknen
den Wurzeln
der Vegetation,
wodurch
diese austrocknen
kann
im schlimmsten
Fall
abstirbt
M. Wyss). des Grundwasserdurch
Brunnen
(2, 3) aus,
die weniger
tief sind als
dieund
Bohrung
(zuerst 2,
später
3).(Grafik
Die Absenkung
spiegels vergrössert auch die Distanz des Grundwassers zu den Wurzeln der Vegetation, wodurch diese austrocknen kann und
im schlimmsten Fall abstirbt (Grafik M. Wyss).
Mit zunehmender wirtschaftlicher Entwicklung und durch die steigenden Ansprüche eines sich schnell ausbreitenden, modernen Lebensstils wird der Wasserverbrauch weiterhin steigen und der Nutzungsdruck auf die Grundwasserressourcen wird sich weiter vergrössern. In den kommenden Jahrzehnten wird eine drastische Wasserverknappung auch für das, im Vergleich mit anderen nord- und westafrikanischen Ländern wasserreiche Marokko
voraus gesagt (Mokhtar Bzioui, 2004: Rapport National 2004 sur les Ressources en Eau au Maroc). Im Landesdurchschnitt wird sich die, pro Kopf und Jahr im Durchschnitt verfügbare Wassermenge von heute knapp 1’000
3
m für Haushalte, Landwirtschaft (Bewässerung, Tränkung von Vieh), Industrie und Dienstleistung, was bereits an
3
der Grenze zur Wasserknappheit liegt, auf 700 m im Jahr 2020 verringern. 35% der Bevölkerung wird sogar mit
3
weniger als 500 m auskommen müssen. Dies wird vor allem im wasserarmen Süden zu einer prekären Situation
3
3
führen, wo bereits heute pro Kopf und Jahr nur 180 m zur Verfügung stehen, dies im Vergleich zu 1’850 m pro
Kopf und Jahr in Nordwestmarokko.
3 
Herunterladen