Kommunikation und Körpersprache

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2- 15. Kommunikation und Körpersprache
Jedes Präsentieren, Moderieren, Diskutieren, Entscheiden, Informieren und Motivieren beinhaltet immer
Kommunikation.
Ein „Grundgesetz“ der Kommunikation nach Watzlawick, Beavon & Jackson (2007) besagt: „Man kann nicht
nicht kommunizieren.“. Man muss also gar nichts sagen, um zu kommunizieren; selbst wenn man schweigt,
drückt man damit etwas aus. Also hat jedes in einem zwischenmenschlichen Kontext gezeigte Verhalten
Mitteilungscharakter.
1. Der Prozess der Kommunikation
Im Prozess der Kommunikation möchte ein „Sender“ (Schulz von Thun, 2008, S. 25), d.h. der Redner oder
Moderator, etwas mitteilen und verschlüsselt sein Anliegen in erkennbare Zeichen - in einer Nachricht. Die
Aufgabe des „Empfänger“ (Schulz von Thun, 2008, S. 25) oder Zuhörers besteht nun darin, diese Nachricht
zu entschlüsseln.
Stimmen gesendete und empfange Nachricht überein, findet eine Verständigung statt.
2. Die vier Seiten einer Nachricht – ein psychologisches Modell der
zwischenmenschlichen Kommunikation (Schulz von Thun, 2008)
Schulz von Thun postuliert in seinem Modell der zwischenmenschlichen Kommunikation, dass eine
Nachricht stets viele Botschaften gleichzeitig enthält und dass dies den Vorgang der zwischenmenschlichen
Kommunikation kompliziert und störanfällig mache.
Der Autor unterscheidet vier bedeutsame Seiten (oder Aspekte) einer Nachricht, die ebenso für ein
Einzelgespräch als auch z.B. für Präsentations- oder Moderationssituationen entscheidend sind:
1) Sachinhalt (oder: Worüber ich dich informiere)
• Der Sender einer Nachricht äußert sich zur Sache bzw. zu dem inhaltlichen Streitpunkt.
• Je nach Zuhörer werden unterschiedliche Sachinformationen gegeben, um Inhalte zu vermitteln.
2) Selbstoffenbarung (oder: Was ich von mir selbst kundgebe)
• In jeder Nachricht vermittelt der Sender nicht nur Sachinformationen, sondern auch
Informationen über die eigene Person (Ich-Aussagen, z.B. über Fähigkeiten, innere
Befindlichkeit, Interessen).
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Dem Sender ist dieser Umstand, dass er auch Selbstoffenbarungsbotschaften, von sich gibt,
bewusst und bringt ihn in der Regel in „Unruhe und Bewegung“ (Schulz von Thun, 2008, S.27),
da er einen guten Eindruck beim Empfänger (bzw. den Empfängern) erzeugen möchte.
• Mit dem Nachdruck, mit dem der Sender eine Botschaft vermittelt, signalisiert er mit Stimme,
Gestik und Mimik, ob ihm etwas wichtig ist oder ob er sich z.B. ärgert.
3) Beziehung (oder: Was ich von dir halte und wie wir zueinander stehen)
• Aus einer Nachricht geht auch immer hervor, wie der Sender zum Empfänger steht und was er
von ihm hält (Du- Botschaften) und wie er die Beziehung zwischen sich und dem Empfänger
bewertet (Wir- Botschaften) (z.B. Gleichheit vs. Ungleichheit, Wertschätzung vs.
Geringschätzung).
• Dies zeigt sich in Formulierungen, Tonfall und anderen nonverbalen Signalen.
• Der Empfänger ist besonders sensibel für diesen Nachrichtenaspekt.
4) Appell (oder: Wozu ich dich veranlassen möchte)
• Fast alle Nachrichten haben die Funktion, auf den Empfänger Einfluss zu nehmen; d.h. ihn z.B.
dazu zu veranlassen, Dinge zu tun oder zu unterlassen.
• Eine verbale Forderung z.B. in einer Präsentation, kann durch Tonfall, Mimik und Gestik
aussagekräftig verstärkt werden.
• Die Intention, Einfluss zu nehmen, kann vom Sender offen oder versteckt (Manipulation)
umgesetzt werden.
3. Nonverbale Kommunikation
Botschaften werden nicht nur verbal, sondern auch nonverbal übermittelt. Begleitende nonverbale
Botschaften wie z.B. Körperhaltung, Tonfall, Gestik oder Mimik, können die
verbalen Inhalte einer Nachricht abschwächen, verstärken oder sie sogar aufheben.
Stimmen verbale und nonverbale Inhalte einer Nachricht nicht überein, wirkt die nonverbale Botschaft
grundsätzlich glaubwürdiger als die verbale.
.
Der gleiche Inhalt einer Botschaft (z.B. „Ich freue mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind!“) kann durch
einen kaum merklich veränderten Tonfall, durch eine Geste oder das Heben der Augenbrauen eine andere
Bedeutung erhalten (z.B. Wertschätzung vs. Ablehnung).
4. Körpersprache
Zu Kommunikationsstörungen kann es kommen, wenn die Inhalte der Nachricht vom Empfänger falsch
verstanden werden. Dem zugrunde liegt in der Regel die individuelle Deutung der begleitenden Botschaften
auf den Kommunikationsebenen; z.B. wenn ein Empfänger nicht auf den Inhalt einer Botschaft, sondern auf
den Beziehungsaspekt reagiert.
Die Beziehung wiederum wird dadurch beeinflusst, wie der Empfänger nonverbale Signale interpretiert (z.B.
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wenn der Sender bei einer Präsentation mit zittrigen Fingern die Folien auflegt).
Nach Watzlawick, Beavon & Jackson (2007) ist Kommunikation „nicht das, was Frau/Herr A sagt, sondern,
was Frau/Herr B darunter versteht“. In diesem Kontext ist die Körpersprache eines Senders von großer
Bedeutung.
Häufig kommen Kommunikationsstörungen dadurch zustande, dass ein Empfänger auf der
Beziehungsebene reagiert und z.B. aus der Mimik und Gestik des Senders Geringschätzung interpretiert.
Entscheidend für die nonverbale Informationsübermittlung in Rede- oder Moderationssituationen sind u.a.:
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Körperliche Merkmale (z.B. Kleidung, Mundform, Schmuck)
Dynamik des Verhaltens (z.B. Mimik, Gestik)
Zielgerichtetheit des Verhaltens (z.B. absichtvolles Zeigen, reflektorische Informationen wie Erröten,
unkontrollierte Gesten und unsteter Blickkontakt)
Verstärkung oder Modifikation (Abschwächen) der Sachinformation durch Gesten oder Mimik
Stimme (z.B. Stimmlage, Lautstärke, Klangfarbe, Sprechmelodie, Artikulation, Akzentuierungen,
Räuspern, Stottern, Lachen)
Körperorientierungen (z.B. vermehrter oder abgebrochener Blickkontakt, Zu- oder Abwendung von Kopf
und Oberkörper)
Bearbeiter: Vera Onckels, Siegfried Preiser
Literaturhinweise:
Schulz von Thun, F. (2008). Miteinander reden: 1. Störungen und Klärungen (Sonderauflage). Reinbeck:
Rowolth.
Watzlawick, Beavon & Jackson (2007). Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien (11.
Aufl.). Bern: Huber.
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