Skript zum Praktikum

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Zentrum für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie
Universitätsklinikum Gießen und Marburg Standort Marburg
Praktikum der Medizinischen Mikrobiologie
für Studierende der Zahnmedizin
Altes Hygieneinstitut am Pilgrimstein
Wintersemester 2016-17
Kursleitung: Dr. Claudia Nonnenmacher
Kursorganisation: Ingrid Nau ([email protected])
2
Inhaltsverzeichnis
Seite Kurstag
Kursplan
Verhaltensregeln
Händedesinfektion
3
4
5
1
Abschnitt I: Bakteriologie
A. Mikroskopieren, Kultivieren Färben und Identifizieren von Bakterien
Übung 1:
Mikroskopie (Lebendbeobachtung) von Bakterien
Übung 2:
Kultivierung von Bakterien
Übung 3:
Färben und Identifizierung von Bakterien
6
9
10
1
1
2/3
B. Bakterienflora der Umwelt
Übung 4:
Anzucht von Bakterien aus dem direkten Umfeld
Übung 5:
Anzucht von Bakterien des Erdbodens
16
18
2/3
2/3
C. Normale Bakterienflora des Menschen
Übung 6:
Keimzahlbestimmung im Speichel
Übung 7:
Anzucht von Bakterien aus dentaler Plaque
Übung 8:
Anzucht von Bakterien aus dem Rachen
Übung 9:
Abgrenzung von S.aureus geg. anderen Mikrokokken
Übung 10:
Optochin-Test zur Identifizierung von S.pneumoniae
Übung 11:
Technik der Neisserfärbung
Übung 12:
Technik der Kinyoun-Färbung
20
22
24
26
28
29
30
4/5
4/5
4/5/6
5
5/6
6
6
D. Temperaturresistenz und Austestung von Antibiotika
Übung 13:
Sterilitätskontrolle
Übung 14:
Antibiotika-Resistenzbestimmung I (Agardiffusionstest)
Übung 15:
Antibiotika-Resistenzbestimmung II (MHK)
31
32
34
6/7
7/8
7/8
35
8
9
Abschnitt III Parasitologie
Übung 17:
Parasitologie
43
10
Anhang
44
Abschnitt II: Hygiene
Übung 16:
Wasserhygiene
Wasserhygiene
Sicherheitsbelehrung nach UVV Biotechnologie, Arbeitssicherheit, Unfallverhütung
und Hygieneunterweisung
Der/die Beschäftigte bestätigt mit seiner/ihrer Unterschrift auf der Anwesenheitsliste die
Teilnahme an der Unterweisung
3
Kurstag →
1
2
3
4
5
3
X
X
4
X
X
5
X
X
6
X
X
7
X
X
8
X
X
6
7
8
9
10
Übung ↓
1
X
2
X
9
X
10
X
X
X
11
X
12
X
13
X
X
14
X
X
15
X
X
16
17
X
X
X
4
Verhaltensregeln zum Schutz vor Infektionen



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

Während des Kurses besteht eine nicht vollständig vermeidbare, geringe Infektionsgefahr. Um ein unnötiges Risiko zu vermeiden ist deshalb jeder zu peinlichster Sauberkeit
und Ordnung am Arbeitsplatz verpflichtet. (Es bestehen gesetzliche Vorschriften über
das Arbeiten mit Krankheitserregern; siehe Infektionsschutzgesetz vom Juli 2000).
Während der Kursstunde ist ein Kittel zu tragen. Für die Oberkleidung stehen Spinde
zur Verfügung. Hautwunden an den Fingern sind durch einen Verband (Pflaster) zu
schützen.
Essen, Trinken und Rauchen sind im Kurssaal zu unterlassen. Lebensmittel sollen
nicht mit in den Kurssaal genommen werden.
Vor und unmittelbar nach Gebrauch ist die Öse abzuflammen. Verunreinigte und infizierte Objektträger, Pipetten und sonstige Materialien sind ohne Verzug in die Glasbehälter mit Desinfektionsmittel zu legen.
Verunreinigungen der Hände, Kleidung oder des Arbeitsplatzes mit Erregern müssen
sofort einem(r) Kursassistenten(in) zur Einleitung der Desinfektion gemeldet werden.
Besondere Desinfektionsmaßnahmen sind unverzüglich einzuleiten, wenn Erreger in
Hautwunden, den Mund oder das Auge eingebracht wurden.
Vor Verlassen des Kurssaales muss eine sorgfältige Händedesinfektion erfolgen:
Die Hände sind 2-3 min mit 5-8 ml Schnelldesinfektionsmittel aus den Wandspendern
bis zur Trocknung einzureiben (Nagelspalte nicht vergessen), danach unter steter Zufuhr von warmen Wasser einzuschäumen und abzuspülen.
Die Teilnahme am Mikrobiologischen Praktikum, zu dem auch die theoretische
Einführung gehört, wird durch Anwesenheitskontrolle überprüft. Bei unentschuldigtem Fehlen ist die Scheinvergabe in Frage gestellt.
Das Bestehen der Abschlussklausur ist Voraussetzung für die Scheinvergabe!
Technische Hinweise
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
Die Grundausstattung jedes Arbeitsplatzes umfasst ein Mikroskop mit Okular (8-10x)
und mehreren Objektiven, darunter ein schwächeres (10x) und ein stärkeres (45x) Trockensystem sowie ein Immersionsobjektiv (90-100x), ferner eine Flasche mit Immersionsöl, einen Halter mit Platinöse, Platinnadel und Pinzette, plane und Hohlgeschliffene
Objektträger sowie Deckgläser (18 x 18mm2), einen Bunsenbrenner, ein Glasgefäß mit
Desinfektionslösung, ein Färbegestell über dem Abguss sowie Farblösungen, einem
Reagenzglasständer und einem Filzstift. Für besondere Übungen werden die jeweils erforderlichen Geräte und Materialien ausgegeben.
Jeder Kursteilnehmer ist für das ihm an seinem Arbeitsplatz überlassene Arbeitsgerät
verantwortlich; dessen Verlust oder Beschädigung ist sofort der Kursleitung zu melden.
Präparate und Kulturen dürfen auf keinen Fall aus dem Kurssaal entfernt werden.
Die Kittel sind für die Kursdauer im BMFZ zu belassen; Wertgegenstände sind herauszunehmen. Im Erdgeschoß stehen zu diesem Zweck Spinde zur Verfügung, diese werden am Ende des Semesters geöffnet und der Inhalt nicht länger als 3 Monate aufbewahrt.
Es ist darauf zu achten, dass die Bunsenflamme zum Gebrauch entleuchtet wird. Nach
Gebrauch ist sofort auf Sparflamme umzustellen. Der Hahn muss rasch geschlossen
werden, da sonst ein Rückschlag der Flamme eintritt. Achte auf die offene Flamme (Labormäntel, offenes Haar)!
Ein Verschütten von Farblösungen ist tunlichst zu vermeiden. Farbflecke an den Händen lassen sich mit Desinfektionslösung entfernen.
Nach Beendigung der Kursstunde sind die Arbeitsplätze wieder aufzuräumen. Das
Immersionsobjektiv ist mit einem Leinenläppchen vom Immersionsöl zu säubern, Farbstoff-Flaschen und Schalen sind zu schließen. Abfälle, wie Streichhölzer, Papierschnipsel, Glasscherben usw. gehören nicht in die Färbebecken, sondern in die Abfalleimer. Vor Verlassen der Arbeitsplätze müssen Bunsenbrenner, Mikroskoplampen und
Wasserhähne ausgestellt werden.
5
Händedesinfektion
Begriffserklärung:
Ziel der Klinikhygiene ist die Verhinderung nosokomialer Infektionen. Dies sind Infektionen,
die im Rahmen der stationären oder auch ambulanten Behandlung im Krankenhaus selbst erworben werden.
Unter Desinfektion versteht man die Abtötung bzw. irreversible Inaktivierung von Krankheitserregenden Mikroorganismen (DIN 58 949) an und in kontaminierten Objekten. Erfasst werden
vegetative Keime einschließlich Mykobakterien sowie Pilze (Wirkbereich A), Viren (Wirkbereich
B) und Milzbrandsporen (Wirkbereich C). In der Regel wird eine Keimreduktion um 3-5 LogStufen (99,9 – 99,999%) erreicht.
Zur Abtötung von Sporen der Erreger von Gasbrand oder Wundstarrkrampf (Wirkbereich D)
müssen Sterilisationsverfahren angewandt werden.
Sterilisation bedeutet das Abtöten bzw. das irreversible Inaktivieren aller vermehrungsfähigen
Mikroorganismen (DIN 58 900). Bei der Sterilisation werden auch Bakteriensporen erfasst.
Dies ist nicht gleichbedeutend mit Keimfreiheit, da tote Keime bzw. Bestandteile von Keimen
vorhanden sein können:
 Toxine
 Polysaccharide
 Lipopolysaccharide (LPS)
 Bakterielle DNA
Die hygienische Händedesinfektion dient der Keimverminderung und soll das Personal vor
Infektionen schützen, sowie eine Weiterverbreitung von Krankheitserregern entgegenwirken.
Erfasst wird die transiente Flora.
Um die Keimverbreitung kontaminierter Hände zu verhindern, wird vor dem Waschen desinfiziert.
Vorschrift Händedesinfektion:
Entnahme des Desinfektionsmittels aus dem Spender durch Betätigung des Hebels mit dem
Ellbogen, um Kontamination des Spenders zu vermeiden.
- Nur trockene Hände desinfizieren! (Verdünnungseffekt)
- Mindestens 3 ml (1-2 Hübe) Desinfektionsmittel bis zur Antrocknung in die Hände einreiben.
- Hände waschen, abtrocknen (Einmalhandtuch), eincremen (Hautschutz)
Die chirurgische Händedesinfektion soll Keime der Hautoberfläche und solche, die in der
Haut angesiedelt sind, abtöten. Nicht kontaminierte Hände werden nach dem Waschen desinfiziert.
Nicht selten kommt es bei Handschuhen zu Mikroperforationen, deshalb ist nach dem Tragen
der Handschuhe eine Händedesinfektion sinnvoll.
Händedesinfektion muss im mikrobiologischen Labor immer durchgeführt werden!
Aufgabe:
Kontrolle der hygienischen Händedesinfektion
- Durchführung der hygienischen Händedesinfektion mit einem speziell präparierten Mittel
- Betrachtung und Beurteilung der Verbreitung des Desinfektionsmittel unter einer
Fluoreszenzlampe
- Abwaschen der Farbstoffreste mit Seife und Wasser
- Eincremen der Hände
6
Abschnitt I: Bakteriologie
A. Mikroskopie, Kultivierung, Färben und Identifizierung von Bakterien
Kurstag 1
Übung 1: Mikroskopieren von Bakterien im ungefärbten Präparat
Die lichtmikroskopische Untersuchung steht am Anfang jeder bakteriologischen Untersuchung,
sie ist, auch für Reinheitskontrollen, unentbehrlich. Form und Größe sowie Eigenbeweglichkeit
der Bakterien können einfach beurteilt werden. Die Größe der Bakterien bewegt sich im Bereich
des Auflösungsvermögens eines Lichtmikroskops, deshalb ist immer zur exakten Beurteilung
die Ölimmersionstechnik notwendig.
Die direkte Mikroskopie lebender, unfixierter Keime hat vor allem die Kontrastarmut der Objekte
(Bakterien) zu überwinden. Dies kann durch spezielle Beleuchtungstechniken (Phasenkontrast,
Dunkelfeldmikroskopie) erreicht werden. Aber auch im normalen Durchlichtmikroskop können
ungefärbte Objekte beurteilt werden.
Dazu stehen zwei Methoden zur Verfügung:
 Deckglaspräparat
 „Hängender Tropfen“.
Ungefärbte Lebendpräparate werden bei gesenktem Kondensor und geschlossener Kondensorblende beobachtet. Zuerst wird mit einer schwachen Vergrößerung (10er Objektiv) der Tropfenrand gesucht und scharf eingestellt. Danach schwenkt man das 40er Objektiv ein.
Den hängenden Tropfen betrachtet man mit dem 100er Ölimmersionsobjektiv und mit geschlossener Blende.
Form und Größe
Kokken
Erythrozyt
Diplokokken
in Haufen
in Ketten
Keulen
Hefezellen
Stäbchen
5 µm
Schrauben
Stäbchen mit
zentraler Endospore
Beweglichkeit
Flüssigkeitsstrom
(eine Richtung)
Brown'sche
Molekularbewegung
aktive
Eigenbewegung
7
Technische Durchführung
Sterile Materialentnahme aus einem Kulturröhrchen
Durchführung:
Vor Entnahme der Probe das Kulturröhrchen aufschütteln!
 Öse schräg halten, in der Gasflamme ausglühen, erkalten lassen
 Verschluss des Röhrchens mit dem kleinen Finger der rechten Hand
abnehmen, nicht in offenes Röhrchen atmen!
 Röhrchenrand abflammen
 Mit der Öse Material entnehmen
 Röhrchenrand abflammen
 Röhrchen verschließen
 Das in der Öse enthaltene Material auf Objektträger aufbringen
 Öse ausglühen
Ausglühen der
Impföse
Herstellung eines "Deckglaspräparates" für Nativ- oder Lebendpräparate:
Durchführung:
 Mit der Öse aus dem Kulturröhrchen die Probe entnehmen und auf den Objektträger
bringen
 Tropfen mit einem Deckglas bedecken
Mikroskopie: 40er Objektiv, Blende schließen
Herstellung eines "Hängenden Tropfens" unter Verwendung eines Hohlschliffobjektträgers
Durchführung:
 Höhlung eines Hohlschliffobjektträgers dünn mit Vaseline umranden
 Mit der Öse auf die Mitte eines Deckglases einen kleinen Tropfen der Probe bringen
 Den vorbereiteten Hohlschliffobjektträger mit der Höhlung nach oben, Vaselinerand
nach unten, auf das materialbeschickte Deckglas auflegen
 Umdrehen des Objektträgers, so dass das Deckglas oben liegt und das zu untersuchende Tröpfchen frei in der durch den Hohlschliff gebildeten und luftdicht abgeschlossenen feuchten Kammer hängt
Hängender Tropfen
Deckglas
Vaseline
Hohlschliffobjektträger
Mikroskopie: 100er Objektiv, Ölimmersion
8
Aufgabe Übung 1:
Mikroskopieren (Lebendbeobachtung) von Bakterien
1. Herstellen eines Deckglaspräparates aus den Bouillonkulturen:
Röhrchen a = Hefezellen
Röhrchen b = Erythrozyten
Röhrchen c = Pseudomonas fluorescens (gramneg. Stäbchen)
Röhrchen d = Staphylococcus epidermidis (grampos. Kokken)
Mikroskopie: 10er und 40er Objektiv
2. Herstellen eines „Hängenden Tropfens“ aus den Röhrchen c und d
Mikroskopie: 100er Objektiv, Ölimmersion
Protokollieren der Ergebnisse
Protokoll Übung 1: Lebendbeobachtung von Bakterien
Form, Größe
Deckglaspräparat von a
Deckglaspräparat von b
Deckglaspräparat von c
Deckglaspräparat von d
Deckglaspräparat vom Testkeim
Hängender Tropfen von c
Hängender Tropfen von d
Hängender Tropfen vom Testkeim
Beweglichkeit
9
Übung 2: Kultivieren von Bakterien
Bakterien können in Flüssigkulturen und in semisoliden Agarnährmedien kultiviert werden. Die
Anzüchtung auf Agarnährmedien bietet den Vorteil, einzelne Kolonien zu erhalten. Damit kann
eine Keimisolierung aus einem Keimgemisch erreicht werden. Man unterscheidet Optimal-, Selektiv- und Differentialnährmedien. Ein Optimalnährboden bietet für sehr viele unterschiedliche
Bakterien gute Wachstumsbedingungen (Beispiel: Blutagar). Ein Selektivnährboden lässt aufgrund von Zusätzen nur das Wachstum einiger Bakterienspezies zu (z.B. McConkey Agar zum
selektiven Wachstum von gram-negativen Enterobacteriaceae). Ein Differentialnährboden
macht bestimmte Stoffwechselleistungen oder Produkte von Bakterien sichtbar (z.B. Hämolyse
auf Blutagar, Laktoseverstoffwechslung auf McConkey Agar). Darüber hinaus sind viele Bakterien durch ihre typische Koloniemorphologie erkennbar (z.B. schleimiges Wachstum von Klebsiella, schwärmendes Wachstum von Proteus, raues Wachstum von Bazillus).
Technische Durchführung
Beimpfung von Flüssigkulturen
führung:
 Mit ausgeglühter und wieder erkalteter Öse die Bakterien
aufnehmen
 Durch Schräghalten der Flüssigkulturen werden die Bakterien
in den oberen
Bereich der Flüssigkeit gebracht und dort verteilt
 Öse wieder ausglühen.
DurchA
Beimpfen flüssiger
Medien
an der Wand
einreiben
Fraktionierte Beimpfung der Nährbodenoberfläche mit der Öse
Durchführung:
Nach dem Ausglühen und Abkühlen der Öse wird ein Tropfen aus einem flüssigen Nährmedium, bzw. eine Kolonie von einer Bakterienkultur entnommen und auf der Hälfte der
Agaroberfläche in engen, serpentinenartigen Impfstrichen verteilt. Anschließend wird die Öse
wieder ausgeglüht. Mit der ausgeglühten und wieder abgekühlten Öse berührt man das
bereits vorher beimpfte Feld und streicht dann ein Viertel der Agaroberfläche aus. Das
gleiche wird noch ein zweites Mal durchgeführt.
Beim Beimpfen der Agaroberfläche ist zu beachten, dass die Öse nur ganz leicht und locker
auf dem geleeartigen Nährboden gleiten und die Agaroberfläche nicht verletzen wird. Die beimpften Agarplatten sind mit dem Deckel nach unten auf den Arbeitsplatz abzulegen.
Durch diese sog. „fraktionierte Aussaat“ erreicht man verschiedene Bakterienkonzentrationen
auf der Agaroberfläche und damit auch unterschiedlich dichtes Bakterienwachstum, was die
Voraussetzung für das Anlegen von Reinkulturen ist.
3 Ö s e n a u s s tric h
1 . A u ss tric h Ö s e w e c h se ln
2 . A u ss tric h Ö s e w e c h se ln
3 . A u ss tric h
S ch rä g h a lte n d e r A g a rp la tte
B e sc h riftu n g a u f d e r
N ä h rb o d e n se ite !
Aufgabe Übung 2:
Kultivieren von Bakterien
Ausstreichen des Testkeims auf:
- Blutagar
- MacConkey-Agar
- Peptonagar
Kulturen mit der Platznummer beschriften!
Kulturen werden 16 - 24 h bei 37°C bebrütet, am nächsten Kurstag weiter bearbeitet.
10
Kurstag 2
Übung 3: Färben und Identifizieren von Bakterien
Färben von Bakterien
Die Anfertigung und Beurteilung gefärbter Präparate gehört zu den wichtigsten Fertigkeiten, die
in diesem Kurs vermittelt werden sollen. Ein Präparat ist die schnellste und kostengünstigste
Methode eines Keimnachweises. Die Unterscheidung von grampositiv und gramnegativ hat
nicht nur systematische Bedeutung, sondern ist auch ganz entscheidend für die Auswahl von
Antibiotika für eine initiale Therapie.
Bakteriologische Färbungen:
Für Färbungen stehen unterschiedliche Methoden zur Verfügung. Man unterscheidet Einfachfärbungen, die zur Kontrastverstärkung dienen, von Differentialfärbungen, die besondere Eigenschaften von Bakterien nachweisen.
Beispiel von Einfachfärbungen ist die Methylenblaufärbung, für Differentialfärbungen die GramFärbung, die Kinyoun-Färbung (Ziehl-Neelsen-Färbung) und die Neisserfärbung.
Beim Mikroskopieren von gefärbtem Untersuchungsmaterial sind ggf. weitere Punkte zu berücksichtigen wie z. B.: sonstige Gebilde (Zellkerne, Epithelien, Leukozyten, Zelldetritus), die
Lagerung von Bakterien und Körperzellen zueinander, die ungefähre Menge der Bakterien pro
Blickfeld (vereinzelt, mäßig viel, reichlich, massenhaft).
Technische Durchführung
Herstellen eines Färbepräparates
Durchführung:
 Von Bakterienkolonien auf der Agarplatte:
Auf einem sauberen Objektträger mit der ausgeglühten und wieder abgekühlten Öse ein
Wassertröpfchen bringen.
Mit einer in gleicher Weise sterilisierten Öse sehr wenig Bakterienmasse aus einer
Kolonie aufnehmen. Die Bakterienmasse an den Rand des Wassertröpfchens
aufbringen und von dort in dieses homogen einreiben und das Tröpfchen ausbreiten.
 Von Suspensionskultur (Flüssigkultur):
Flüssigkultur aufschütteln, auf einen sauberen Objektträger mit der ausgeglühten und
wieder abgekühlten Öse einen Tropfen Kulturmaterial bringen und verteilen.
Präparat lufttrocknen lassen (Keine Trocknung in der Flamme!)
Hitzefixierung:
Objektträger (Schichtseite nach oben) 3x durch die blaue Flamme des Brenners ziehen
Gramfärbung (Differenzialfärbung)
Durchführung:
 Präparat Hitzefixieren
 Karbol-Gentianaviolett-Lösung
 Lugolsche Lösung
 Entfärben mit 96%igem Alkohol
 Abspülen mit Leitungswasser
 Gegenfärbung Safraninlösung
 Abspülen mit Leitungswasser
 Trocknen zwischen Filterpapier
Mikrokopie: 100er Objektiv, Ölimmersion
3 Minuten
2 Minuten
einige Sekunden
1 - 2 Minuten
Beurteilung: Grampositive Bakterien = blauschwarz, Gramnegative Bakterien = rot
11
Identifizieren von Bakterien
Identifizierung von Bakterien durch Bestimmung biochemischer Merkmale
Biochemische Leistungen von Enzymen des Kohlehydrat- (Zuckerspaltung) und Aminosäurestoffwechsels (z.B. Decarboxylasen, Desaminasen) können durch Farbumschläge spezieller
Indikatoren in sichtbar gemacht werden. Indikatoren sind entweder bereits in den Wachstumsmedien enthalten oder werden nachträglich zugegeben. Einige Teste können auch direkt mit
isolierten Bakterienkolonien durchgeführt werden:
Technische Durchführungen und Beurteilung der Reaktionen
Beurteilung der Primärkulturen:
Beschreibung des Wachstums auf den Kulturen von Pepton-, Blut-, MacConkey-Agar
(Vorschläge dazu im Protokoll „Ergebnisse der kulturellen und biochemischen Prüfung“).
Oxidase-Reaktion (Nadi-Oxidase):
Die Chromoxidase ist ein Enzym der Atmungskette. Die positive Oxidase-Reaktion korreliert mit
einem relativ hohen Gehalt an c-typischen Cytochromen.
Durchführung:
Eine Kolonie wird mit der Öse auf einem farblosen Oxidase-Testfeld verrieben.
Positiv: Intensive Blaufärbung nach wenigen Sekunden.
Katalase-Reaktion:
Katalasebildende Bakterien spalten Wasserstoff, wobei der freiwerdende Sauerstoff zu einer
Bläschenbildung führt. Katalase-positive Keime besitzen stets auch andere Hämenzyme, insbesondere ein Cytochrom-System, katalase-negative Keime sind meist cytochromlos.
Durchführung:
Einige Kolonien werden auf einen Objektträger übertragen, anschl. 2-3 Tropfen KatalaseReagenz (3%ige H2O2) dazugeben.
Positiv: Sofortige Bläschenbildung
Glucose-Medium: Säurebildung nach Kohlehydratabbau
Es wird geprüft, ob Glucose unter aeroben Bedingungen, wie sie im flüssigen Glucosemedium
herrschen (oxydativ), abgebaut werden kann. Der Indikator Bromthymolblau zeigt im positiven
Fall einen Farbumschlag an. Das Glucosemedium enthält ferner ein DURHAM-Röhrchen zum
Auffangen von Gas, das während des fermentativen Kohlenhydratabbaues entstehen kann.
Durchführung:
Glucose-Medium beimpfen und für 16-24h bei 37°C bebrüten.
Beurteilung:
Säurebildung positiv: Umschlagen des Indikators von blau nach gelb
Gasbildung positiv: Gasblase im Durhamröhrchen
Zitratverwertung:
Das Substrat enthält als alleinige Kohlenstoffquelle Zitrat und als alleinige Stickstoffquelle ein
Ammoniumsalz. Keime, die mit beiden Substanzen ihren Stoffwechsel bestreiten können, wachsen in diesem Medium. Die entstehende Alkalisierung führt zur Trübung des Mediums.
Durchführung:
Zitrat-Medium beimpfen und für 16-24h bei 37°C bebrüten.
Positiv: Wachstum und Indikatorfarbumschlag nach blau
12
Nitratreduktionstest:
Bei Vorhandensein des Enzyms Nitratreduktase wird Nitrat zu Nitrit und ggf. weiter zu Ammoniak oder molekularem Stickstoff reduziert. Entstandenes Nitrit kann durch das Griess-Reagenz
(Sulfanilsäure + Alpha-Naphthalin) nachgewiesen werden.
Wird Nitrat nur bis Nitrit reduziert, wird die Reaktion mit dem Griess-Reagenz positiv (Rotfärbung). Erfolgt eine weitergehende Reduktion, wird Nitrit vollständig zu Ammoniak und N2 reduziert, als Folge wird die Griess-Reaktion negativ. Eine negative Griess-Reaktion kann daher
durch ein Fehlen der Nitratreduktase (keine Nitratreduktion) oder durch eine vollständige Reduktion von Nitrat zu Ammoniak oder elementaren Stickstoff verursacht werden. Um zwischen diesen Möglichkeiten zu unterscheiden, wird Zinkstaub zu der Reaktion hinzu gegeben. Zinkstaub
reduziert Nitrat ebenfalls zu Nitrit. Tritt nach Zugabe von Zinkstaub eine Rotfärbung auf heißt
dies, dass Nitrat noch vorhanden war, als keine bakterielle Nitratreduktase vorlag (Negative
Reaktion). Erfolgt nach Zinkstaubzugabe keine Rotverfärbung, bedeutet dies, dass das Nitrat
vollständig reduziert wurde (Positive Reaktion).
Prinzip:
Nitrat
Nitratreduktase
→
Nitrit
Zinkstaub
→
Ammoniak, Stickstoff
↑
Nachweis durch Griess-Reagenz
Durchführung:
Nitrat-Medium beimpfen und für 16-24h bei 37°C bebrüten.
Beurteilung Nitratreduktionstest:
Gasbildung: (Gasblase im Durham-Röhrchen)
Alkalisierung: (Messung mit pH-Indikatorstäbchen)
Anschl. einige Tropfen des Griess-Reagenz hinzufügen und ca. 5 Minuten warten.
Rotfärbung: Positiv
Tritt Keine Verfärbung auf: wird eine kleine Spatelspitze Zinkstaub in das
Röhrchen gegeben.
Tritt jetzt eine Rotverfärbung auf: negatives Ergebnis.
Farblosigkeit bleibt: positives Ergebnis
Kligler-Agar (Zwei-Zucker-Eisen-Agar):
Durch den Gehalt an Glukose (0,1%), Laktose (1%), Phenolrot und Eisen-II-Sulfat ermöglicht
der Kligler-Agar die gleichzeitige Erkennung mehrerer biochemischer Leistungen. Bei alleinigem
Abbau der in limitierten Mengen vorhandenen Glukose kommt es nach 6 Stunden zur Säuerung
(fermantativ) und zum Indikatorfarbumschlag (von rot nach gelb) der Agarschrägfläche und der
Hochschicht. Durch aeroben Abbau von Proteinen wird bei weiterer Bebrütung im Schräganteil
eine Realkalisierung bewirkt, in deren Folge der Indikator wieder umschlägt (von gelb nach rot).
Bei Abbau der in großen Mengen vorhandenen Laktose findet die Realkalisierung nicht statt.
Durchführung:
- Impfnadel ausglühen und erkalten lassen
C
Beimpfen Schräg- Mit Impfnadel Bakterienkolonie aufnehmen
Stichagarmedien
(Kligler)
- Impfnadel tief in den Agar einstechen
- Impfnadel aus der tiefen Agarschicht ziehen und dabei
zickzackförmig auf der Agarschrägfläche ausstreichen
1.
- Impfnadel ausglühen
3.
16-24h bei 37°C bebrüten.
2.
Beurteilung:
Schrägfläche rot, Hochschicht gelb:
Schrägfläche gelb, Hochschicht gelb:
Schrägfläche rot, Hochschicht rot:
Schwarzfärbung der Hochschicht:
Blasen- und Rissbildung:
Abbau von Glukose
Abbau von Glukose und Laktose
kein Abbau von Glukose und Laktose
Bildung von H2S
Gasbildung beim Glukoseabbau
13
SIM-Agar (Schwefelwasserstoffbildung-Indol-Motilität):
Beim SIM-Agar handelt sich es um einen komplexen Agar, der mehrere Leistungen überprüft.
Die Agarkonzentration ist so gewählt, dass gerade keine Verflüssigung eintritt.
Bewegliche Bakterien beschwärmen diesen Leicht-Agar vollständig, während unbewegliche
Bakterien nur am Impfstrich wachsen.
B
Außerdem wird Bildung von H2S und Indol nachgewiesen.
Beimpfen
Durchführung:
Stichagarmedium
- Impfnadel ausglühen und erkalten lassen
- Mit Impfnadel eine Bakterienkolonie aufnehmen
1.
- Impfnadel tief in den Agar einstechen
- Impfnadel rausziehen und ausglühen
16-24h bei 37°C bebrüten
2.
Beurteilung:
Schwefelwasserstoffbildung (H2S):
Positiv: Schwarzfärbung
Indol-Bildung: Einige Tropfen Indol-Reagenz (Kovacs Reagenz) zusetzen
Positiv: Roter Ring
Motilität:
Positiv: Homogenes Wachstum = beweglich
Negativ: Wachstum nur am Impfstrich = unbeweglich
Aufgabe Übung 3:
Färben und Identifizieren von Bakterien
Färben:
1. Von der Bakterienkultur 1 Färbepräparate herstellen, lufttrocknen, hitzefixieren
2. Präparat nach Gram färben
3. Protokollieren im Protokollblatt Übungen 1-3
Mikroskopie: Objektiv 100er, Blende geöffnet, ohne Deckglas, mit Immersionsöl
Identifizieren:
1. Beurteilung der Kulturen und Durchführung der biochemischen Tests (siehe Protokoll)
2. Protokollieren im Protokollblatt Übungen 1-3:
3. Beimpfen einer „Bunten Reihe“
Die Kulturen werden 16-24 h bei 37°C bebrütet, am nächsten Kurstag ausgewertet und der
Keim identifiziert.
14
Protokoll Übungen 1-3:
Ergebnisse der mikroskopischen, kulturellen und biochemischen Prüfungen
Gramverhalten:
positiv / negativ
Morphologie:
Kokken / Stäbchen
Kolonieform: (auf Blutagar)
Größe:
mm im Durchmesser……….
Kontur:
rund / unregelmäßig / gekerbt / rhizoid /….
Profil:
flach / erhaben / konvex / hochkonvex /….
Oberfläche:
glatt / glänzend / matt / rau / gestreift/….
Konsistenz (Prüfung mit der Öse):
salbenartig / membranös / schleimig
Pigmentierung (auf Peptonagar):
positiv / negativ
Bildung löslicher Farbstoffe:
positiv / negativ
Katalase (auf Objektträger):
positiv / negativ
Oxidase (auf Oxidase Testfeld):
positiv / negativ
Hämolyse (auf Blutagar):
positiv / negativ
Wachstum auf MacConkey-Agar:
positiv / negativ
Laktosespaltung (auf MacConkey-Agar)
positiv / negativ
Kligler-Medium: (Anaerobe Säurebildung)
Glukose:
Gasbildung:
positiv / negativ
positiv / negativ
Dextrose-Medium: (Aerobe Säurebildung)
Glukose:
Gasbildung:
positiv / negativ
positiv / negativ
Nitrat-Medium: (Nitrit aus Nitrat)
Gasbildung:
Alkalisierung:
Nitritreduktion:
positiv / negativ
positiv / negativ
positiv / negativ
SIM-Agar:
Schwefelwasserstoffbildung: (H2S)
Indol-Bildung:
Motilität:
positiv / negativ
positiv / negativ
positiv / negativ
Zitrat-Medium:
positiv / negativ
15
Identifizierungsschlüssel für grampositive und gramnegative Bakterien:
Klebsiella pneumoniae
-
-
-
-
-
-
-
Morphologie
1
1
1
1
2
2,4,5
2
2
2
2
2
1
1,2,3,
4
Sporenbildung
-
-
-
-
+
-
-
-
-
-
-
-
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
-
-
-
-
-
-
-
+
+
+
+
+
+
(+)
-
-
-
-
(+)
+
-
+
-
+
-
-
gelb
weiß
-
-
-
-
-
-
rot
-
-
gelb
schw
arz
Oxidase
v
-
-
-
v
+
+
-
-
-
-
+
v
Katalase
+
+
-
-
+
+
+
+
+
+
+
v
Kligler/Säure
-
-
-
+
V
+
-
+
+
+
+
-
+
Kligler/Gas
-
-
-
-
-
-
+
-
+
-
Dextrose/Säure
V
-
+
+
V
+
V
+
+
+
+
V
-
Dextrose/Gas
-
-
-
-
-
V
-
+
V
+
-
Nitrat-Medium
V
-
+
-
V
-
+
+
+
+
+
V
-
SIM-Agar/H2S
-
-
-
-
V
-
-
V
V
V
+
-
V
SIM-Agar/Indol
-
-
-
V
-
-
-
V
V
V
+
-
V
SIM-Agar/ Motilität
-
-
-
-
-
V
+
V
V
V
+
-
V
Zitrat-Medium
-
-
-
-
V
V
+
-
+
+
V
Aerobes
Wachstum
Wachstum auf
MacConkey
Laktosespaltung
(auf MacConkey)
Pigmentierung
Zeichenerklärung:
+ = positiv
- = negativ
v = variabel
1 = Kokken
2 = Stäbchen
3 = Keulenform
4 = Fadenform
5 = Schraubenform
Schlussfolgerung aus den Ergebnissen der Übungen 1 und 2:
Welcher der in der Tabelle aufgeführten taxonomischen Gruppe ist der untersuchte Keim
zuzuordnen? .................................................................................
Bacteroidaceae
Serratia
marcescens
-
Neisseria
Escherichia coli
+
Proteus vulgaris
Pseudomonas
+
Bacillus sp.
+
Enterococcus
+
Streptococcus
+
Staphylococcus
Gramverhalten
Biochemische
Leistungen
Micrococcus
Vibrio, Aeromonas
Wahrscheinlichste taxonomische Gruppe
16
Kurstag 3
B. Bakterienflora der Umwelt
Übung 4: Anzucht von Bakterien aus dem direkten Umfeld
Die atmosphärische Luft hat im Gegensatz zum Erdboden und Wasser keine endogene Bakterienflora. Bakterielle Luftkontaminanten sind an schwebende Staubpartikel oder Flüssigkeitströpfchen gebundene Keime des Erdbodens oder stammen aus der endogenen physiologischen oder pathologischen tierischen Flora (Raumluft). Entsprechendes gilt für die meisten Gebrauchsgegenstände und mit Einschränkung für die äußere Haut des Menschen. Von primären
Reservoirs über das Vehikel Luft (aerogene Infektion) oder durch kontaminierte Gegenstände
(Schmierinfektion) übertragene Krankheitserreger spielen in der medizinischen Praxis eine erhebliche Rolle. Die Anzahl der übertragenen Keime steht dabei in der Regel in einem direkten
Verhältnis zu der Wahrscheinlichkeit einer Infektion.
Es gibt eine große Anzahl von Verfahren zur Luftkeimzahlbestimmung nebst unzähligen Modifikationen, die insbesondere von Krankenhaushygienikern verwendet werden (Operationssäle).
Eine 100%ige Keimerfassung gibt es nicht. Dagegen lässt sich natürlich eine praktisch 100%ige
Entfernung von Luftkeimen z.B. durch Luftfilter erreichen.
Bei Luftkeimbestimmungen müssen theoretisch folgende 2 Vorraussetzungen gegeben sein:
 Schonender und umfassender Keimeinfang
 Optimale Kulturbedingungen
Einige der gebräuchlichsten Verfahren sind:
A: Keimeinfang (über Druck- oder Saugluft)
B: Kultivierung
1. Wasserlöslicher Filter
(Algen-, Gelatinetrockenfilter u.a.)
2. Membran-Filter(Cellulose-Acetat)
nach Auflösung der Filter in Nährflüssigkeit
→ Membranfiltrierung wie A-2
nach Auflegen der Filter auf Agarplatten
3. Schlitzsammler auf Agarplatten
der Keimeinfangagarplatten
4. Porensammler
(z.B. 6-Stufensammler auf Agarplatten)
wie A-3
5. Waschflaschen (mit Phosphatpuffer)
a) als Luftdurchperler (geringer Durchfluss)
b) als sog. Impinger (Flüssigkeitszerstäuber;
to impinge = aufprallen)
6. Als grobquantitativer Sedimentationsverfahren
siehe unter A-1
siehe unter A-1
auf Agarplatten
17
Aufgabe Übung 4 am Kurstag 2:
Anzucht von Bakterien aus dem direkten Umfeld
A = äußere Haut (vor Händedesinfektion)
B = äußere Haut (nach Händedesinfektion)
1 = Raumluft
2 = Fußboden
3 = Arbeitstisch
4 = Gegenstand nach Wahl
5 = Gegenstand nach Wahl
6 = Gegenstand nach Wahl
7 = Gegenstand nach Wahl
- Die Untersuchungen A und B werden von jeder Person durchgeführt
für die Untersuchung die Fingerspitzen in direkten Kontakt mit der sterilen Agaroberfläche
bringen
- für die Raumluftuntersuchung wird die Agarplatte für die Dauer von 1 Stunde
offen auf dem Arbeitstisch gelegt und anschließend mit dem Deckel verschlossen
- zur Untersuchung des Fußbodens und des Arbeitstisches (2 und 3) wird mit einem angefeuchteten Watteträger ein Abstrich genommen und das Material auf Agarplatte
ausgestrichen
- Platten mit der Platz-Nr. und zusätzlich mit dem Buchstaben oder der Zahl des gewählten
Untersuchungsmaterials beschriften
- Die Kulturen werden eingesammelt und 16 – 24 h bei 37°C bebrütet
Aufgabe Übung 4 am Kurstag 3:
Auswertung der Kulturen „Bakterien aus dem direkten Umfeld“
- Makroskopische Beschreibung von je 3 unterschiedlichen Kolonien auf den Agarplatten
(Morphologie, Nährbodenveränderung)
- Präparate herstellen
- Präparate nach Gram färben
- Protokollieren in nachfolgender Tabelle
Protokoll Übung 4: Anzucht von Bakterien aus dem direkten Umfeld:
Keim
Nr.
Koloniemorphologie
a. d. Nährboden
Nährbodenveränderung
Gramreaktion/
Morphologie
Vermutete
Gattung
1
2
3
Welche Bakteriengattungen bzw. -spezies werden typischerweise nachgewiesen?
auf der Haut vor Desinfektion:..........................................................................................................
auf der Haut nach Desinfektion:.......................................................................................................
in der Raumluft:................................................................................................................................
auf dem Fußboden:..........................................................................................................................
auf dem Arbeitstisch:........................................................................................................................
auf dem Gegenstand nach Wahl:…………………………………………………………………………
18
Übung 5: Anzucht von Bakterien des Erdbodens
Abbildung und Tabelle geben einige Hinweise auf die ökologische Bedeutung und die Gattungen
der im Erdboden vorkommenden Bakterien. Einige Vertreter mit medizinischer Bedeutung sind
in der Tabelle unterstrichen.
Ungefähre Zusammensetzung der
Biomasse des Erdbodens
Mikroorganismen im Erdboden
(Bakterien-Gattungen mit med. Bedeutung sind fett gedruckt)
Symbiotische
Frei lebende
Bakterien
Rhizobium sp.
Klebsiella sp.
Actinomyceten
und
Pilze
Azotobacter sp.
Azotomonas sp.
Spirillum sp.
Bacillus sp.
Enterobacter sp.
Nocardia sp.
Pseudomonas sp.
Clostridium sp.
etc.
Algen
Anabaena
Calothrix
Nostoc
Stigonema
Chlorogloea
etc.
Hefen
Pullularia
Rhodotorula
19
Aufgabe Übung 5:
Anzucht von Bakterien des Erdbodens
- Eine Suspension von Gartenerde wird auf einem Blutagar fraktioniert ausgestrichen
- Platten mit ungeraden Platznummern werden 16 – 24 h bei 37°C aerob bebrütet
- Platten mit geraden Platznummern werden 16 – 24 h bei 37°C anaerob bebrütet
Auswertung der Kulturen „Bakterien des Erdbodens“ am Kurstag 3:
Aerobe Platte: Beschreibung von Morphologie und Nährbodenveränderung (Hämolyse)
3 verschiedener Kolonien
Präparate herstellen und nach Gram färben
Anaerobe Platte: Beschreibung von Morphologie und Nährbodenveränderung (Hämolyse)
3 verschiedener Kolonien
Präparate herstellen und nach Gram färben
Protokollieren in nachfolgender Tabelle
Aerobe
Keime
Wachstum a. d. Nährboden:
(Form, Größe, Hämolyse)
Gramfärbung:
(Morphologie, Gramverhalten)
Wachstum a. d. Nährboden:
(Form, Größe, Hämolyse)
Gramfärbung:
(Morphologie, Gramverhalten)
Vermutete
Gattung
1.
2.
3.
Anaerobe
Keime
1.
2.
3.
Vermutete
Gattung
20
Kurstag 4
C. Normale Bakterienflora des Menschen
Übung 6: Keimzahlbestimmung im Speichel
Die Mundhöhle des Erwachsenen beherbergt im Vergleich zu anderen Körperarealen eine große Zahl und Vielfalt an aeroben und anaeroben Mikroorganismen (ca. 30-50% sind Anaerobier).
Die folgenden Tabellen geben Aufschluss über Zahl, Verteilung und Art der Mikroorganismen.
Aufgabe Übung 6:
Keimzahlbestimmung im Speichel
1. Verdünnungsreihe nach Pipettierschema herstellen:
- 10,0ml Glucosebouillon in die Reagenzgläser 1 - 3 pipettieren
- 4,5ml Glucosebouillon in die Reagenzgläser 4 - 7 pipettieren (s. Schema)
- 0,1ml eigener Speichel mit der Glucosebouillon in Reagenzglas 1 vermischen
Kulturen werden 16 - 24 h bei 37°C bebrütet
Auswertung: es wird beurteilt bis zu welcher Verdünnungsstufe Wachstum vorhanden ist
Protokoll: siehe Kurstag 5
2. Bestimmung der Anzahl aerober Keime pro ml:
- aus Reagenzglas 5, 6, 7 je 1,0 ml auf je einen Peptonagar geben, mit einem Spatel verteilen
- Platten mit Platznummer und Verdünnungsstufe beschriften
Kulturen werden 16 - 24 h bei 37°C bebrütet
Auswertung: es werden auf jeder Agarplatte alle Kolonien gezählt
Protokoll: siehe Kurstag 5
21
Pipettierschema:
Protokoll Übung 6: Keimzahlbestimmung des Speichels
1. Verdünnungsreihe:
Verdünnungsstufen:
10-2
10-4
10-5
10-6
10-7
10-8
10-9
10-10
Wachstum:
(=Trübung)
Protokoll Übung 6: Keimzahlbestimmung des Speichels
2. Bestimmung der Anzahl aerober Keime pro ml Speichel mit Hilfe des arithmetischen
Mittels:
Beispiel:
Anzahl gezählter Kolonien:
Bei einer Verdünnung von 10-8 ml: 150 Kolonien →150 Kolonien
Bei einer Verdünnung von 10-9 ml: 10 Kolonien →100 Kolonien
Bei einer Verdünnung von 10-10 ml: 5 Kolonien → 500 Kolonien
Summe =750 Kolonien
750 : 3 = 250 Kolonien pro 10-8 ml Speichel (oder pro 1 ml Speichel: 2,5 x 10-10)
Errechnen der ungefähren Keimzahl des eigenen Speichels:
Anzahl gezählter Kolonien:
Bei einer Verdünnung von 10-8 ml: ……. Kolonien → ……. Kolonien
Bei einer Verdünnung von 10-9 ml: ……. Kolonien → ……. Kolonien
Bei einer Verdünnung von 10-10 ml: ……. Kolonien →……. Kolonien
Summe =
Kolonien
……. : 3 = ……. Kolonien pro 10-8 ml Speichel (oder pro 1 ml Speichel: 2,5 x 10-10)
22
Übung 7: Anzucht von Bakterien aus dentaler Plaque
Der als "Plaque" bezeichnete Zahnbelag, der eine Vielzahl aerober und anaerober Bakterien
enthält (s. Tabelle), soll in dieser Übung mikrobiologisch untersucht werden.
(Tabelle aus: Sauerwein, Kariologie)
Aufgabe Übung 7:
Anzucht von Bakterien aus dentaler Plaque
1. Herstellen eines Direktpräparates von Plaque
- Mit einem Wattetupfer wird auf die Außenseite der Backenzähne Färbelösung aufgetragen
- Mit Hilfe eines sterilen Zahnstochers wird von dem rot gefärbten Zahnbelag vorsichtig
Material abgeschabt und in einem winzigenTropfen Wasser auf einem Objektträger
suspendiert
- lufttrocknen, nach Gram färben
2. Aerobe und anaerobe Kultivierung von Plaque
- Identisch entnommene Proben des Plaquematerials werden zur Anzucht auf zwei
getrennte Blutplatten geimpft und fraktioniert ausgestrichen
- eine Kultur wird aerob, die andere wird anaerob 16 – 24 h bei 37°C bebrütet
Kurstag 5:
- von je 3 unterschiedlichen Kolonien auf den Agarplatten (aerobe und anaerobe Platte)
die Morphologie und Nährbodenveränderung (Hämolyse) beschrieben
- Von diesen Kolonien Präparate herstellen und nach Gram färben
Protokollieren in nachfolgender Tabelle
Protokoll Übung 7: Skizze vom Direktpräparat „dentale Plaque“ (Gramfärbung)
23
Protokoll Übung 7: Zahnbelag, aerobe und anaerobe Kultivierung
Aerobe
Keime
Wachstum a. d. Nährboden:
(Form, Größe, Hämolyse)
Gramfärbung:
(Morphologie, Gramverhalten)
Vermutete
Gattung
Wachstum a. d. Nährboden:
(Form, Größe, Hämolyse)
Gramfärbung:
(Morphologie, Gramverhalten
Vermutete
Gattung
1.
2.
3.
Anaerobe
Keime
1.
2.
3.
24
Übung 8: Anzucht von Bakterien aus dem Rachen
Identifizierung des Trägerstatus für potentielle pathogene Keime:
Die nachfolgenden Tabellen geben einige Hinweise auf die Beteiligung der Gattung Streptococcus an zahnmedizinisch relevanten Krankheitsprozessen in der Mundhöhle.
Normale Rachenflora
(durchschnittliche Häufigkeit in der aufgeführten Reihenfolge
abnehmend)
Vergrünende Streptokokken
Anhämolysierende Streptokokken
Neisseria spp.
Koagulase-neg. Mikrokokken
Laktobakterien
Corynebacterium sp.
Candida sp.
Borrelia sp.
Fusobacterium sp.
(~80%)
(~5%)
(~5%)
(~5%)
(~1%)
(~1%)
(~1%)
(~1%)
(~1%)
Pathologische Rachenflora
(im Erkrankungsfall und bei sog. Gesunden Trägern)
Staphylococcus aureus (Koagulase positiv)
Streptococcus pyogenes
Streptococcus pneumoniae
Neisseria meningitidis
Haemophilus influenzae (Kapseltyp b)
Opportunistische Enterobacteriaceae
Candida albicans
Aufgabe Übung 8:
Anzucht von Bakterien aus dem Rachen
Herstellen eines Grampräparates und einer Kultur von der eigenen Rachenflora
- Jeder Kursteilnehmer entnimmt bei seinem Nachbarn mit den Wattetupfern 2 Rachenabstriche
- Mit dem 1. Wattetupfer ein Objektträger-Präparat herstellen, dabei den Tupfer kräftig
auf dem Objektträger ausdrücken (kein Wasser zufügen!)
- Objektträger lufttrocknen, Hitzefixieren und nach Gram färben
- der 2. Rachenabstrich auf dem ersten Drittel einer Blutplatte ausstreichen,
die beiden anderen Drittel mit der Öse ausstreichen
- Kultur 16 – 24 h bei 37°C bebrüten
Mikroskopie:
- Zeichnen der verschiedenartig aussehenden Keime des Direktpräparates
(Neben Plattenepithelien, Schleimfäden, gelegentlich Nahrungsresten sieht man in der
Regel eine Vielzahl, z. T. sehr unterschiedlicher Bakterienformen)
25
Nächster Kurstag:
Beurteilung der Kultur von der eigenen Rachenflora
Ziel der Übung ist, in der Gruppe der Kursteilnehmerinnen die gesunden und kranken "Träger"
dieser Infektionserreger zu identifizieren (Trägerstatus, Durchseuchung)
- mit dem Filzstift verdächtige Kolonien markieren (auf dem Plattenboden) und deren Eigenart
protokollieren
- anlegen von Reinkulturen potentiell pathogener Erreger, insbesondere:
S. aureus, S. pyogene, S. pneumoniae, gramnegative Stäbchen = "Opportunisten"
- Kultur 16 – 24 h bei 37°C bebrüten
Übernächster Kurstag:
- Die Kultur wird beurteilt und falls erforderlich, eine weitere Keimdifferenzierung vorgenommen
(z. B. Plasmakoagulase, Streptex-Test Bacitracin-, Optochin-Test)
- herstellen von Grampräparat(en)
Protokoll Übung 8 : Grampräparat vom Rachenabstrich
Protokoll Übung 8: Kultur der eigenen Rachenflora
Keim
Wachstum a. d. Nährboden:
(Form, Größe, Hämolyse)
Gramfärbung
(Morphologie, Gramverhalten)
Vermutete Gattung
1
2
3
Protokoll Übung 8: Trägerstatus bei Kursteilnehmern
Keime
Positiv für S.aureus
Positiv für S.pyogenes
Positiv für S.pneumoniae
Sonstiges
Anzahl potenziell
pathogener Keime
im Kurs
Gesamtzahl der
Rachenabstriche
Trägerstatus
(% positiv)
26
Kurstag 5
Übung 9: Abgrenzung von S.aureus gegenüber anderen Micrococcaceae
Grampositive Haufenkokken gehören zur Familie der Micrococcaceae mit den beiden wichtigsten Genera Staphylococcus und Micrococcus. Bei letzteren handelt es sich meist um so genannte Luftkokken.
Staphylococcus aureus ist einer der häufigsten Eiter- und Entzündungserreger beim Menschen.
Er bildet invitro u.a. Plasmakoagulase, deren Nachweis neben dem einer DNase seine sichere
Identifizierung ermöglicht. Dieses Enzym vermag Menschen- oder Kaninchenplasma (Citrat-,
Oxalat- oder Heparinplasma) auf nicht ganz geklärte Weise zu koagulieren (Ausfällung von Fibrin). (Herstellung von Citratplasma: Mischen von Vollblut mit 3,8% Na-Citrat (4 Teile + 1 Teil)
zentrifugieren, Überstand = Plasma). S. aureus-Stämme bilden meist gelbes oder gelbweißliches Pigment und auf Blutagar meist beta-Hämolyse.
S.epidermidis und S.saprophyticus sind normale Haut- und Schleimhautkeime, kommen aber
auch als opportunistische Infektions-Erreger (bei Abwehrschwäche, z.B. bei Immunsuppression
u. postoperativ) vor. Sie sind wie alle Micrococcaceae (mit Ausnahme von S. aureus) Plasmakoagulase negativ.
Koagulase-Reaktion:
Durch das Enzym Koagulase wird das Fibrinogen im Zitratplasma von Menschen und Kaninchen
in Fibrin überführt. Die Koagulase ist ein Pathogenitätsfaktor von Staphylococcus aureus. Suspendiert man Staphylococcus aureus in einen auf einem Objektträger befindlichen Zitratplasmatropfen, so kommt es zur Ausfällung von Fibrin, in dessen Netzwerk die Staphylokokken eingebettet sind. Makroskopisch erkennt man die Bildung kleiner Klümpchen in klarer Flüssigkeit
(positives Ergebnis), die eine Agglutination erkennen lassen. Im Gegensatz zu anderen Staphylokokken besitzen fast alle Staphylococcus aureus-Stämme diesen "Clumping factor" an ihrer
Zelloberfläche.
Durchführung:
Das verdächtige Keimmaterial wird mit einem sehr kleinen Wassertropfen auf einem Objektträger bis zur Homogenität verrieben. Dann wird mit der Pasteurpipette ein Tropfen Zitratplasma
mit dem Keimmaterial vermischt.
Positiv: Plasma koaguliert (Flockenbildung)
Aufgabe Übung 9:
Abgrenzung von S. aureus gegenüber sonstigen Mikrokokken
- Betrachtung der Blutagarkulturen (bei Auflicht sowie gegen das Licht) auf erkennbare
Unterschiede, z.B. Hämolyse etc.
- Herstellen von Gram-Präparaten (von allen 3 Kulturen auf einem Objektträger)
- Nachweis des Clumping-Faktors (Koagulase-Reaktion) im Objektträgertest
- Protokolliere die in der nachfolgenden Tabelle aufgeführten Kriterien für die
Keime A, B und C zur Identifizierung von S.aureus.
27
Protokoll Übung 9: Abgrenzung von S. aureus gegenüber sonstigen Mikrokokken
Kriterien:
Koloniefarbe
Hämolyse (Blutagar)
Gramfärbung
Kokkenform
(Zeichnung)
Clumping-Faktor
Mutmaßliche
Beweglichkeit
Mutmaßliches
Wachstum auf
MacConkey-Agar
Diagnose:
Keim A
Keim B
Keim C
28
Übung 10: Optochin-Test zur Identifizierung von S. pneumoniae
Im Gegensatz zu sonstigen vergrünenden Streptokokken, die auf der Blutplatte ebenfalls mit
Vergrünung und oft auch als Diplokokken wachsen ist S. pneumoniae sensibel gegenüber
Optochin. Nach der Kultur bildet sich um das Testplättchen ein Hemmhof.
Mit gruppenspezifischen Agglutinationstesten steht außerdem eine modernere immunologische
Methode zur Streptokokken-Differenzierung zur Verfügung.
Ein anderer Differenzierungstest ist der Nachweis der Gallelöslichkeit von Pneumokokken; aufgrund dieser Eigenschaft können Pneumokokken - im Gegensatz zu sonstigen vergrünenden
Streptokokken - nicht als Erreger einer Cholangitis oder Cholecystitis vorkommen.
Aufgabe Übung 10:
Optochin-Test
- Blutagarplatte mit der Platznummer und einer Halbierungslinie versehen,
die obere Hälfte der Platte wird mit I, die untere Hälfte mit II beschriftet
- Feld I wird mit Kultur I, Feld II mit Kultur II im dichten Ausstrich beimpft,
in die Mitte beider Impffelder wird mittels abgeflammter / abgekühlter Pinzette je
1 Optochin-Testplättchen aufgelegt und leicht angedrückt
Kulturen werden 16 – 24 h bei 37oC bebrütet
Protokoll Übung 10: Optochin-Test
Bei welchem Streptokokkenstamm handelt es sich um S. pneumoniae?
………………………………………………………………………………….
29
Kurstag 6
Übung 11: Neisser-Färbung zum Nachweis von Corynebacterium
Energiereiche Phosphatbindungen werden von zahlreichen Bakterienarten in Form von hauptsächlich aus Polyphosphat bestehenden Plasmaeinschlüssen als Reservestoffe gespeichert,
z.B. von Spirillum volutans ("Volutin"), Lactobacillus- u. Corynebacterium-Arten. Die Darstellung
von Polyphosphat (dunkelbraun bis schwarz bei gelbem Cytoplasma) mit Hilfe der NeisserFärbung ist keineswegs für Diphtheriebakterien spezifisch, aber als positives Merkmal zur Charakterisierung von Diphtheriebakterien unerlässlich als frühester und schnellster diagnostischer
Hinweis bei der Untersuchung von Rachen- bzw. Wundsekret in Diphtherie-Verdachtsfällen.
(Endgültige Diagnose: Nachweis der Toxinbildung (z.B. Agardiffusionstest nach ELEK bei verdächtigen Reinkulturen).
Neisser-Färbung (Differenzialfärbung)
- Präparat hitzefixieren
- Lösung "Neisser I", 30 Sekunden, abgießen, nicht mit Wasser abspülen!
- Lösung "Neisser II", 15 Sekunden, abgießen, nicht mit Wasser abspülen!
- zwischen Filterpapier trocknen
Mikroskopie: 100er Objektiv, Immersionsöl
Aufgabe Übung 11:
Neisser- und Gram-Färbung
- Präparate von den ausliegenden Kulturen herstellen
Für die Gram-Färbung: je ein Präparat von C. diphtheriae und C. pseudodiphtheriae
Für die Neisser-Färbung: je ein Präparat von C. diphtheriae und C. pseudodiphtheriae
Mikroskopie: 100er Objektiv, Immersionsöl
Protokollieren
Protokoll Übung 11: (Farbskizzen!)
Neisserfärbung
Gramfärbung
Gram-Färbung:
[Reaktion von C. diphtheriae oben und von
C. pseudodiphthericum unten einzeichnen]
Neisser-Färbung:
[Reaktion von C. diphtheriae oben und von
C. pseudodiphthericum unten einzeichnen]
30
Übung 12: Kinyoun-Färbung zum Nachweis von Mykobakterien
Die Kinyoun-Färbung ist eine modifizierte Ziehl-Neelsen-Färbung.
Die Mykobakterien sind „säurefest“. Freie Mykolsäuren in der Zellwand gehen mit Karbolfuchsin
(Fuchsin + Phenol) eine Komplexbildung ein, die einer Entfärbung mit HCL-Alkohol standhält,
während die nicht-säurefesten Bakterienarten dadurch entfärbt werden.
Kinyoun-Färbung: (Differenzialfärbung)
- Präparat hitzefixieren (ist bereits geschehen)
- Karbolfuchsin
→ 4 Min.
- kurz mit Leitungswasser abspülen
- Salzsäurealkohol
→ 3-5 Sekunden
- kurz mit Leitungswasser abspülen
- Methylenblau
→ 30 Sekunden
- kurz mit Leitungswasser abspülen
- trocknen zwischen Filterpapier
Mikroskopie: 100er Objektiv, Immersionsöl
Aufgabe:
Übung 12: Kinyoun-Färbung
Sputum-Präparat nach Kinyoun färben
Mikroskopie: 100er Objektiv, Immersionsöl
Da Mykobakterien in klinischen Materialien in geringer Konzentration vorhanden sein können,
müssen zahlreiche Gesichtsfelder durchmustert werden, wobei das Objektiv die Ausstrichfläche auf mäanderförmiger Bahn durchläuft.
Protokollieren
Protokoll Übung 12: Säurefeste Stäbchen (farbige Skizze!)
31
D.Temperaturresistenz
Übung 13: Sterilitätskontrolle
Aufgabe Übung 13:
Testen der Temperaturempfindlichkeit verschiedener Bakterien
Um zu beurteilen wie sich Hitze auf das Wachstum von Bakterien auswirkt, werden 2
verschiedene Bakteriensuspensionen und 3 unterschiedlich vorbehandelte Sporenstreifen
bearbeitet.
Untersuchungsmaterial:
1. A = S. aureus
2. B = E. coli
3. C = Sporenstreifen
4. D = Sporenstreifen
5. E = Sporenstreifen
30 Min. bei 60°C vorbehandelt
30 Min. bei 60°C vorbehandelt
unbehandelt
bei 120°C, 1,2 atü Wasserdampf sterilisiert
bei 160°C 2, Stunden im Heißluftsterilisator sterilisiert
Reagenzien und Werkzeug:
6 sterile Glukosebouillons
Sterile Pipetten (in den Metalldosen)
Holzklammern
Pipettierschema:
Die Suspensionen A + B gut aufschütteln! (Achtung: Deckel sind nicht dicht)
1. Suspension A
→ 1Tropfen in ein steriles Bouillonröhrchen, beschriften mit A1
2. Suspension A, aufkochen → 1Tropfen in ein steriles Bouillonröhrchen, beschriften mit A2
3. Suspension B
→ 1Tropfen in ein steriles Bouillonröhrchen, beschriften mit B
4. Sporenstreifen C
→ ca. 2ml Leitungswasser zugeben, aufkochen,
anschl. den Inhalt eines sterilen Bouillonröhrchens zugeben
5. Sporenstreifen D
→ den Inhalt eines sterilen Bouillonröhrchens zugeben
6. Sporenstreifen E
→ den Inhalt eines sterilen Bouillonröhrchens zugeben
Die 6 Bouillonkulturen werden 16-24 h bei 37°C bebrütet und am nächsten Kurstag
ausgewertet und protokolliert.
Protokoll Übung 13: Temperaturempfindlichkeit verschiedener Bakterien
Untersuchungsmaterial
Behandlung
A1 = Staphylokokken-Bouillon
bereits 30 Min. bei 60°C vorbehandelt
A2 = Staphylokokken-Bouillon
bereits 30 Min. bei 60°C vorbehandelt
und anschl. aufgekocht
bereits 30 Min. bei 60°C vorbehandelt
B = E. coli-Bouillon
C = Sporenstreifen
D = Sporenstreifen
E = Sporenstreifen
Schlussfolgerung:
Aufgekocht mit Leitungswasser
(ca. 100°C)
bei 120°C, 1,2 atü Wasserdampf
autoklaviert
2 Stunden bei 160°C
im Heißluftsterilisator sterilisiert
Wachstum (+/-)
32
Kurstag 7
Übung 14: Antibiotika-Resistenzbestimmung I (Agardiffusionstest)
Die Resistenztestung von Bakterien gegenüber Antibiotika wird entweder mit dem Agardiffusionstest auf festen Nährböden oder mit dem Reihenverdünnungstest in flüssigen Medien durchgeführt. Mit dem Diffusionstest werden Hemmhöfe, mit dem Reihenverdünnungstest minimale
Hemmstoffkonzentrationen ermittelt.
Aufgabe Übung 14:
Antibiotika-Resistenzbestimmung I (Agardiffusionstest)
- Auf den Boden der beiden Müller-Hinton-Agarplatte wird die Platz-Nr.und der Name des zu
prüfenden Stammes geschrieben. (S .aureus, E. coli oder häm.Streptokokken)
- Mit der Öse wird von der zu testenden Kultur Material entnommen und in der Mineralbasis
zu einer deutlich trüben Suspension aufgeschwemmt.
- Die gesamte Oberfläche der beiden Müller-Hinton-Agarplatte wird unter Verwendung eines
Wattetupfers mit der Bakteriensuspension bestrichen.
- Anschließend werden mit den beiden Dispenser die Antibiotika-Plättchen auf den Agar
aufgebracht. Getestet werden 12 verschiedene Antibiotika (6 pro Platte)
- Kulturen (mit der Agarschicht nach oben) 16 - 24 h bei 37oC bebrüten
Am nächsten Kurstag:
Auswertung und Protokollierung nach folgendem Bewertungsmaßstab:
Hofdurchmesser von 14 mm und größer = empfindlich
= ++
Hofdurchmesser von <11-13 mm
= schwach empfindlich = +
kein Hemmhof <11 mm
= resistent
= Zur Therapie im Erkrankungsfall werden nur doppelt-wirksame (++) Antibiotika verwendet.
Protokoll Übung 14: Agardiffusionstest
Wirkstoffe
S. aureus
Isolat
 in
mm
E. coli
Isolat
 in
mm
Code
Wildtyp
 in mm
Penicillin
P
14
14
14
Ampicillin
AM
14
14
14
Ampicillin/Sulbactam
SAM
14
14
14
Piperacillin
PIP
14
14
14
Cefazolin
CZ
14
14
14
Cefotaxim
CTX
14
14
14
Dispenser II
Code
Wildtyp
 in mm
IPM
14
14
14
Erythromycin
E
14
Wird nicht
beurteilt
14
Ciprofloxacin
CIP
14
14
14
Gentamicin
GM
14
14
14
Co-Trimoxazol
SXT
14
14
< 11
TE
14
14
14
Dispenser
Imipenem
Tetracyclin
Isolat
 in
mm
Wildtyp
 in mm
Häm. Streptokokken
Wildtyp
 in mm
Isolat
 in
mm
Wildtyp
 in mm
Wildtyp
 in mm
Isolat
 in
mm
Isolat
 in
mm
33
Protokoll Übung 14: Der Vergleich aller im Kurs untersuchten Kulturen ergibt:
Stämme
Anzahl untersuchter
Stämme
Anzahl sekundärresistenter Stämme
Anzahl mehrfachresistenter Stämme
S.aureus
E. coli
Häm. Streptokokken
Hinweis auf Sekundärresistenz durch chromosomale Mutation oder plasmidgebundene
Resistenzfaktoren:
Streptococcus pyogenes (Gruppe A), Streptococcus pneumoniae, Neisseria gonorrhoeae,
Treponema pallidum neigen nicht oder selten zur Ausbildung einer Resistenz gegen Penicillin.
Für die entsprechenden Krankheiten stellt Penicillin das Antibiotikum der Wahl dar. Bei bestehender Penicillin-Allergie muss allerdings ein anderes Antibiotikum genommen werden (Erythromycin).
34
Übung 15: Antibiotika-Resistenzbestimmung II
(Minimale Hemmkonzentration)
Aufgabe Übung 15:
Antibiotika-Resistenzbestimmung II (Minimale Hemmkonzentration, MHK)
Je 3 Kursteilnehmer bearbeiten einen Testkeim (Keim A, B oder C, auf Peptonagar)
1. Herstellen eines Grampräparates vom Testkeim auf der Peptonagarkultur
2. Herstellen einer Testkeim-Suspension:
3-5 Kolonien des Testkeims in ein Röhrchen mit Mineralbasis suspendieren (leichte Trübung)
3. Beschriften der sterilen Glukosebouillonröhrchen mit:
Platznummer, 100 I.E., 10 I.E., 1 I.E., Kontrolle (I.E. = Internationale Einheiten Penicillin/ml)
In dem Glukosebouillonröhrchen das bereits 1000 I.E. beschriftet ist, befinden sich schon
1000 I.E. Penicillin
4. Herstellen einer Penicillin-Verdünnungsreihe nach unterem Schema
Verdünnungsreihe 16-24h bei 37°C bebrüten
Pipettierschema für die MHK
Beschriftung der Röhrchen
1000 I.E.
100 I.E.
10 I.E.
1 I.E.
Kontrolle
Volumen im Röhrchen (ml)
Penicillinkonzentration I.E./ml
5,0
1000
4,5
0
4,5
0
4,5
0
4,5
0
0,5
4,5
1000
1 Öse
0,5
4,5
100
1 Öse
0,5
4,5
10
1 Öse
0,5
4,5
1
1 Öse
Überpipettieren
Überpipettiertes Volumen (ml)
Endvolumen im Röhrchen (ml)
Endpenicillinkonzentration I.E./ml
Beimpfung mit der Testkeim-Suspension
verwerfen
0
4,5
0
1 Öse
Protokoll Übung 15: MHK
Internationale Einheiten Penicillin / ml (I.E. Pen.)
(Trübung = Bakterienwachstum)
Gattung od. Gruppe
1000 IE/ml
100 IE/ml
10 IE/ml
1 IE/ml
Kontrolle
A = Bacillus sp.
B = E. coli
C = S. aureus
Schlussfolgerung:
Hinsichtlich der wildtypischen Empfindlichkeit gegenüber Penicillin unterscheiden sich die untersuchten Spezies wie folgt:
………………………………………………………………………………………………………………
35
Abschnitt II: Hygiene
Kurstag 8 + 9
Übung 16: Wasserhygiene
Nachweis von Keimen im Trinkwasser
Theoretischer Hintergrund:
Trinkwasser ist das wichtigste Lebensmittel, da es durch nichts anderes ersetzt werden kann.
Daher sind der Schutz des Wassers und der sparsame Umgang mit Trinkwasser eine der wichtigsten Aufgaben des Menschen.
Eine wichtige Grundlage zur Sicherung der Ressource Wasser ist die hygienische Überwachung
des Trinkwassers, gesichert im Infektionsschutzgesetz und darauf basierend, der Trinkwasserverordnung (TrinkwV oder auch TVO) in ihrer letztmalig 2001 geänderten Fassung (Novellierung), die am 1. Januar 2003 in Kraft trat. Mit der Trinkwasserverordnung wurde die Richtlinie
des Rates der Europäischen Gemeinschaft in deutsches Recht umgesetzt. Ziel dieser Verordnungen ist die Sicherstellung von sauberem und hygienisch kontrolliertem Trinkwasser, das eine
Gefährdung der menschlichen Gesundheit ausschließt. Dieses wird vor allem durch die Einführung von Grenzwerten für gesundheitsschädliche biologische und chemische Parameter erreicht.
Von zentraler Bedeutung ist dabei die mikrobiologische Überwachung des Wassers (Anlage
1 der TrinkwV) sind die sicherstellen soll, dass keine potenziell gesundheitsschädlichen Darmkeime wie z.B. Escherichia coli und andere Enterobakterien im Wasser nachweisbar sind. Die
Liste der in der Anlage 2 der TrinkwV aufgenommenen toxikologisch relevanten chemischen
Schadstoffe enthält erstmalig auch solche Substanzen, deren Konzentration oder Giftigkeit
durch das Leitungsnetz oder die Wasseraufbereitung verändert wird.
Die Anlage 3 der Verordnung enthält Grenzwerte für weniger gefährliche Inhaltsstoffe oder Stoffe, deren Giftigkeit nicht genau bekannt ist, die aber als wichtige als Indikatorparameter den
Zustand des Trinkwassers beschreiben und vor allem der Vorsorge dienen. In der Anlage 3 sind
auch mikrobielle Indikatoren gelistet.
Außerdem sind in der Verordnung die Abstände, in denen das Wasser untersucht werden muss
und auch die, für die Überwachung zuständige Behörde (Gesundheitsamt) sowie weitere Anforderungen festgelegt
Die Liste der zu untersuchenden chemischen Inhaltsstoffe ist sehr lang, daneben nehmen sich
die mikrobiologischen Anforderungen, zumindest was den Umfang der Parameter betrifft, eher
bescheiden aus: Neben der Koloniezahl (KBE bei 22°C und 37°C) sind es vor allem der Darmkeim Escherichia coli, die coliformen Keime und Enterokokken, die als Indikatoren für mögliche
fäkale Verunreinigungen des Wassers dienen und somit ein Hinweis auf Krankheitserreger im
Wasser sein können. Zusätzlich kann das Gesundheitsamt Untersuchungen auf weitere Keime
anordnen, wenn ein Kontaminationsverdacht es erfordert.
Krankheitserreger im Trinkwasser
Grundwasser aus ausreichender Tiefe enthält normalerweise nur wenige, unproblematische
Keime.
Mikrobielle Verunreinigungen entstehen durch:

Unzureichende Filterwirkung des Bodens, v. a. bei Flachbrunnen

Undichtigkeiten des Brunnens (Regenwasser, Hochwasser)

Sekundärverkeimungen durch die Versorgungssysteme
36

Unzureichende Aufbereitung (Desinfektion)
Infektionen durch Trinkwasser:
Bakterien:
- Salmonellen (S. typhi, S. paratyphi, S. dysenteriae, S. montevideo: Typhus, Paratyphus, Enteritis)
- Kolibakterien: (E. coli: meist Enteritis)
- Shigellen (Sh. dysenteriae, Sh. sonnei, Sh. flexneri, Ruhr)
- Vibrionen (V. cholerae, V. fluvialis, V. mimicus, V. parahaemolyticus, V. vulnificus u.a.:
Cholera, Enteritis, and Wundinfektionen),
- Campylobacter (C. jejuni, C. coli: Enteritis)
- Chromobacterium violaceum (Enteritis)
- Aeromonaden (A. hydrophilia, A. sobria, A. caviae: Enteritis, Wundinfektionen)
- Mykobakterien (M. tuberculosis, M. marinum, M. chelone u.a.: TBC, Granulome)
- Yersinia entorocolitica (Enteritis)
- Chlamydien (C. trachomatis: Trachom, evtl. Erblindung)
- Fusobakterium necroforum (Leberabszess)
- Staphylokokken (S. aureus: Wundinfektionen, Lebensmittelvergiftung)
- Clostridium perfringens (Lebensmittelvergifter)
- Pseudomonaden (P. aeruginosa: über Kontakt: Wundinfektionen, Ohrinfektionen, Pneumonie)
- Legionellen (L. pneumophila u.a.: indirekt über Aerosole: Pneumonie, Pontiac-Fieber),
Viren:
- Poliovirus (Polio: Kinderlähmung)
- Coxsackievirus A und B (grippaler Infekt, Meningitis)
- Echovirus (Enteritis, "Sommergrippe", Meningitis)
- Astrovirus (Enteritis, harmlose Durchfälle)
- Adenovirus (Enteritis, "Sommergrippe", Pharyngitis)
- Hepatitisvirus A und E (Hepatitis)
- Rotavirus (Gastroenteritis v .a. bei Kleinkindern),
- Reovirus (Enteritis)
- Norwalkvirus (Enteritis),
- Calicivirus (Enteritis bei Kleinkindern)
- SRV: "small round virus": (Durchfälle)
- Coronavirus (grippale Infekte)
- Parvoviren ("atypische Röteln", nicht gesichert)
Protozoen:
- Cryptosporidium parvum (Enteritis)
- Entamoeba histolytica (Amöbenruhr)
- Giardia lamblia (Lambliasis: Enteritis)
Wurmkrankheiten:
- V. a. in den Tropen und häufig indirekte Infektionen über das Wasser
(z.B. Eindringen der Würmer oder Larven über die Haut: Schistosoma, Necator, Ancylostoma,
Dracunculus, Strongyloides u.a.)
- Ascaris lumbricoides (Spulwurm: Aufnahme der Eier aus Abwasserkontaminationen)
- Enterobius vermicularis (Madenwurm v. a. bei Kindern. Infektion durch Wasser ist eine Ausnahme)
Pilze:
- Candida (Soor, Candidamykose: Infektion durch Wasser unwahrscheinlich)
Algentoxine:
evtl. bei Oberflächenwasser wie Badeseen
37
Der Infektionsweg ist normalerweise fäkal-oral, aber auch aerogene Infektionen (z.B. Legionellen über Aerosole) sowie Infektionen der Haut (Wunden, äußerer Gehörgang: Pseudomonas
aeruginosa) oder der Augen (Konjunktiva: Chlamydia trachomatis) sind möglich.
Einige Erreger verursachen Explosivepidemien (z.B. Cholera).
Die kritische Infektionsdosis ist äußerst unterschiedlich:
Vibrio cholerae
108 KBE
E. coli, Salmonella enteritidis
106 KBE
Salmonella typhi, Shigella dysenteriae
103 KBE
Legionella pneumophila, Yersinia enterocolitica
10 KBE
Enteroviren
1 - 10 PFU (plaque forming unit)
Giardia
1 Oozyste
Probleme der mikrobiologischen Überwachung des Trink- und Badewassers mittels bakterieller Indikatoren:
Einige Mikroorganismen erreichen im Wasser und im Boden lange Überlebenszeiten (Tenazität),
die weit über 50 Tage („50-Tages-Linie“: Grundlage von Schutzmaßnahmen gegen mikrobielle
Beeinträchtigung der Wassers) hinausreichen können.
Der Indikator für mögliche fäkale Infektionserreger im Trinkwasser Escherichia coli und
Coliforme Keime nach der Trinkwasserverordnung (TVO) ist nicht für alle Erreger anwendbar.
Auch im gechlorten Wasser ist der Indikatorwert von E. coli nur eingeschränkt anwendbar,
da E. coli im Vergleich zu einigen Krankheitserregern sehr chlorempfindlich ist.
Für Mikroorganismen, die nicht fäkal-oral übertragen werden (Pseudomonas aeruginosa,
Legionella pneumophila u.a.) sind die enterobakteriellen Indikatoren ebenfalls nicht sinnvoll.
Die bakteriellen Indikatoren gelten auch für Viren und Protozoen, die teilweise auch gegen
Desinfektionsmaßnahmen völlig anders reagieren.
Im Trinkwasser werden regelmäßig Bakterien mit unterschiedlicher Signifikanz nachgewiesen:
Potentielle Pathogene, d.h. Keime, die vor allem opportunistische Infektionen
z.B. im Krankenhaus oder bei Immungeschwächten verursachen können.
Weiterhin Bakterien, die Korrosionen, Färbungen oder Gerüche verursachen aber meist
unproblematisch sind (Umweltkeime).
Wasservermittelte Epidemien wurden meist verursacht durch:
Kurzschlüsse in der Wasserversorgung mit dem Abwassersystem (Hamburg u.a.), heute
besonders bei Kleinversorgungen (Ismaning) oder Campingplätzen (Worchester) und noch
häufig in sog. Entwicklungsländern.
Verschneiden mit kontaminiertem Wasser aus „krimineller Geldgier“ (Gelsenkirchen)
Einschwemmen von Fäkaldünger in das Trinkwasserreservoir (Pforzheim, Milwaukee).
Stagnationen und Verkeimungen in Installationen und dem Netz (Biofilm).
38
Exemplarische Trinkwasserepidemien (Explosivepidemien) in Europa und
USA nach dem Institut für Wasser-Boden-Luft-Hygiene (WaBoLu) 1997:
Cholera
Hamburg 1892. 16.000 Erkrankte, fast 9.000 Tote: Eines der letzten großen Ausbrüche in Mitteleuropa. Vorher wurden fast alle großen europäischen Städte regelmäßig von der Cholera
heimgesucht, wie z.B. Mitte des 19. Jahrhunderts: Paris, München, Berlin, London, New York
u.a.
Typhus, Salmonellose (Auswahl)
Gelsenkirchen 1901: 3.200 Erkr./ 350 Tote,
Detmold 1904: 780 Erkr./ 54 Tote
Pforzheim 1919: 4.000 Erkr./ 400Tote)
Neu-Ötting 1946: 600 Erkr./ 96 Tote
Waldbröl 1949: 127 Erkr./ 11 Tote
Thereker Mühle 1953: 51 Erkr. (Paratyphus)
Hagen 1956: 500 Erkr.
Zermatt 1963: 437 Erkr. 3 Tote
Riverside 1965 (USA, Salmonellose): 16.000 Erkr. 3 Tote
Baden Württemberg 1974: 423 Erkr.
Missouri (USA) 1993: 625 Erkr.
Ruhr, EHEC
Worbis (Thüringen) 1972: 1.400 Erkr.
Ismaning/München 1980: 2.450 Erkr.
Cabool (USA) 1889: 243 Erkr. 4 Tote
New York (Staat, USA) 1994: 230 Erkr. (EHEC?).
Hepatitis A
Philadelphia 1944: 344 Erkrankten in einem Jugendlager.
Worchester 1969-71: über 1.200 Erkr.
Dingelstedt (Thüringen) 1972: 40 Erkr.
Rotavirus
Schweden 1977: 3.172 Erkr.
Georgetown (USA) 1980: 8.000 Erkr.
Eagle-Vail-Avon (USA) 1981: 1.500 Erkr.
Halle/Saale 1981: 11.600 Erkr.
Cryptosporidien
Carrolton (USA) 1987: 13.000 Erkr.
Milwaukee (USA) 1993: 403.000 Erkr.
Las Vegas (USA) 1993/94: 103 Erkr. 20 Tote
39
Legionellen: Infektionen durch „technische Vektoren“ (seit 1998)
Fälle
1998
1999
2000
2001
2001
2001
2001
2002
2002
2002
2003
2003
2003
2003
Tote
Schweiz, verschiedene Orte und Ursachen
Amsterdam: (Blumenschau, Springbrunnen)
Melbourne (Kühltürme)
Valencia: (Kühltürme vermutet)
Ohio (Ford Motor Comp., Ursache unbekannt)
Paris (Hospital)
Pamplona, Sp (Hospital)
Japan (heiße Quellen)
Cumbria, UK (Klimaanlage)
Matara, Sp (Klimaanlage)
Valencia (Heißwassersystem)
Deutschland, Frankfurt/ Oder (Altenheime, Wasser)
Frankreich (Chemiefabrik bei Lens, Kühlsystem)
Kreuzfahrtschiff „Ocean Monarch“ (Warmwassersystem)
78
192
101
98
4
12
18
252
131
124
25
?
68
4
8
21
21
4
2
2
3
6
4
2
1
6
8
1
Grenzwerte nach der Trinkwasserverordnung
Parameter (Anl.1)
Grenzwert
E. coli
0/100ml
Enterokokken
0/100ml
Coliforme
0/100ml
Indikatorparameter (Anl. 3)
Clostridium perfringens:
Koloniezahl bei 22°C
Koloniezahl bei 36°C
Pseudomonas aeruginosa:
0/100ml
100/ml am Zapfhahn
20/ml nach Abschluss der Aufbereitung
1000/ml bei Anlagen bis 1000m 3/Jahr
100/ml Bei Koloniezahl „Grenzwert“:
Keine wesentlichen Änderungen
0/100ml
Nachweis von Mikroorganismen nach der Trinkwasserverordnung:
Koloniezahl:
Als Koloniezahl (KBE: Koloniebildende Einheiten) wird die Zahl sichtbaren Kolonien definiert, die
aus 1ml Wasser auf nährstoffreichen Agarnährböden bei einer Bebrütungstemperatur von 20°C
+ 2°C und 36°C + 1°C nach 44 + 4 Stunden gewachsen sind.
Nach der neuen TrinkwV von 2001 wird die Koloniezahl nach Membranfiltration bestimmt. Über
den Indikatorparameter KBE wird nur ein geringer Teil der tatsächlichen bakteriellen Belastung
des Wassers erfasst.
Der Nachweis von Escherichia coli und coliformen Keimen gilt als Indikator einer fäkalen
Verunreinigung des Wassers.
Die Definition von Escherichia coli nach der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) von 1990: „Laktosefermentation zu Säure und Gas, negative Oxidase-Reaktion, positive Indol-Bildung, negative
Citratreaktion und Glukose- und Mannitfermentation zu Säure und Gas bei 44° C“ wurde in der
neuen TrinkwV von 2001 durch die Referenznorm ISO 9308-1: „Säurebildung durch Laktosefermentation (Besitz des Enzyms  - Galaktosidase), negative Oxidase-Reaktion und positive
Indol-Bildung“ ersetzt.
Nur wenige Promille der Mikroflora im menschlichen Stuhl sind E. coli, pro Tag werden dennoch von einer Person jedoch bis 1 Trillionen E. coli ausgeschieden.
Neuere Untersuchungen lassen aber an der Verlässlichkeit dieses Indikators zweifeln. Vor allem
einige im Trinkwasser vorkommende Viren (Hepatitis, Polio, Coxsackie, Gastroenteritis Viren)
40
und auch Protozoen (Cryptosporidium) überleben länger als E. coli im Wasser oder verhalten
sich gegenüber Aufbereitungswirkungen anders. So konnten Viren Desinfektion Schritte die
Wasseraufbereitung passieren, ohne inaktiviert zu werden, obwohl die bakteriologischen Anforderungen erfüllt wurden.
Coliforme Bakterien sind häufig „Umweltkeime“ und nur teilweise fäkalen Ursprungs. Neben der
Gattung Escherichia sind dies z.B. Citrobacter, Enterobacter, Serratia, Klebsiella u.a.
Coliforme Bakterien wurden nach der alten TrinkwV von 1990 als eine physiologische Gruppe
innerhalb der Enterobakterien bezeichnet, die durch „Laktosefermentation mit Säure und Gasbildung innerhalb von 48 Stunden bei 36°C“ definiert ist. Die Referenznorm der neuen TrinkwV
von 2001 definiert sie durch die Merkmale: „Säurebildung durch Laktosefermentation und Besitz
des Enzyms  - Galaktosidase sowie negative Oxidase-Reaktion“.
Die Gasbildung als diagnostisches Merkmal wurde in der neuen TrinkwV von 2001 sowohl bei E.
coli wie auch bei den coliformen Keimen weg gelassen.
Nach der EG- Badegewässerverordnung werden Fäkalcoliforme (thermotolerante Coliforme
keime wie E. coli) von den Gesamtcoliformen unterschieden. Diese werden zum Teil auch als
Umweltcoliforme oder als nicht fäkale Coliforme (engl. Non-faecal coliforms) bezeichnet, obwohl
sie auch über den Darm von Mensch und Tier ausgeschieden werden können.
Als weiterer Indikator für Darmkeime wurden in die TrinkwV die so genannten Enterokokken
eingeführt: „Grampositive, katalase-negative Kokken, die resistent gegen Natriumchlorid und
Rindergalle sind und in einem Temperaturbereich von 10°C bis 45°C bis zu einem pH-Wert von
9,6 wachsen“ und außerdem Aesculin hydrolysieren.
In der alten TrinkwV von 1990 wurden sie als Fäkal-Streptokokken (D-Streptokokken) bezeichnet. Der Parameter „Enterokokken“ zielt im Wesentlichen auf humane Fäkalindikatoren wie
Enterococcus faecalis, E. durans, E. faecium), aber auch Umweltkeime, die z.B. auf pflanzlichen
Rückständen leben, werden erfasst.
Enterokokken sind wesentlich resistenter als coliforme Keime gegen chemische Desinfektionsmittel wie Chlor.
Die TrinkwV lässt die Anwendung anderer Nachweisverfahren zu, sofern sie im Vergleich zur
Referenzmethode mindestens gleichwertige Ergebnisse liefert.
Der Nachweis von Clostridium perfringens (früher nach der alten TrinkwV von 1990: Sulfitreduzierende, sporenbildende Anaerobier) erfolgt über Membranfiltration (aus 100ml). Es ist ein
Indikatorparameter, der die möglich Beeinträchtigung des Trinkwassers durch Oberflächenwasser anzeigen soll. Wegen der hohen Stabilität dieser Keime gegen Desinfektionsmaßnahmen
(Sporenbildner!) gilt Clostridium perfringens auch als Indikator für Chlor-resistente Organismen
wie beispielsweise Oozysten von Cryptosporidium parvum.
Die TrinkwV schreibt für spezielle Wasserversorgungssysteme und Anwendungen weitere bakterielle Untersuchungen vor wie zum Beispiel Legionellen (L. pneumophila) in Warmwassersystemen und aerosolbildenden Einheiten) und Pseudomonas aeruginosa im Badewasser und in
Behälter abgefülltem Wasser.
Im Verdachtsfall kann das Gesundheitsamt zusätzliche Untersuchungen fordern, so zum Beispiel: Darmpathogene Keime wie Salmonellen, Shigellen, Campylobacter, Yersinien, Parasiten
wie Cryptosporidien oder Lamblien oder Viren.
Nachweis und Differenzierung von E. coli, coliformen Keimen und Pseudomonaden
(nach TrinkwV u.a.)
„Einfache“ Differenzierungsmöglichkeiten:
1. Blutagar:
Optimalnährboden, Hämolysenachweis
2. MacConkey-Agar:
Selektivnährboden für gramnegative Bakterien.
Laktoseverwertung-positiv: Bakterien bilden rötlich bis rötlich-violette Kolonien.
Laktoseverwertung-negativ: Bakterien bilden helle Kolonien.
3. Cytochromoxidase-Reaktion:
Cytochromoxidase ist ein Enzym der Atmungskette.
Oxidase-Reagenz wird im Bereich verdächtiger Kolonien aufgetropft.
Positive Reaktion: blauviolette Färbung der Kolonien nach 10-15 Sekunden
41
4. Laktose-Pepton-Bouillon (Vergärung von Laktose):
a) enthält einen Indikator zum Nachweis von Säurebildung.
Positiv: Farbumschlag von purpur nach gelb nach 24-44 h bei 36°C und 44°C
b) enthält ein Durham-Röhrchen zum Nachweis von Gasbildung:
Positiv: Deutlich sichtbare Gasblase im Durham-Röhrchen nach 24-44 h bei 36°C und 44°C
5. Weitere Differenzierungen:
„Bunte Reihe“, standardisierte Mikromethoden
Einige Merkmale von E. coli, coliformen Keimen und Pseudomonaden
+/-
Coliforme
Keime
+/-
Pseudomonaden
+/-
auf MacConkey-Agar
+
+
-
Gas- und Säurebildung
bei 36°C:
in Laktose-PeptonBouillon
+
+
-
Gas- und Säurebildung
bei 44°C:
CytochromoxidaseReaktion
in Laktose-PeptonBouillon
Test
+
-
-
-
-
+
Nachweis:
Wie:
Hämolyse:
auf Blutagar
Laktoseverwertung:
E. coli
Aufgabe: (3er Gruppe pro Tisch)
Nachweis und Differenzierung von Keimen im Wasser nach TrinkwV u.a.
Es werden folgende Wasserproben aus Wassersystemen untersucht:
- Trinkwasser aus Wasserhahn
- Wasser aus dem Duschschlauch einer Patientendusche
- Wasser aus einer lange nicht benutzten Augendusche
1. Von jeder Wasserprobe werden jeweils 0,5ml Wasser mit einer Pipette auf 2 Agarplatten
getropft und mit einem Wattetupfer ausgestrichen:
- Blutagar = Optimalnährboden (hämolysierende Mikroorganismen)
- MacConkey-Agar = Selektivnährboden für gramnegative, insbesondere coliforme Keime in
Wasser und Lebensmittel
2. Von jeder Wasserprobe werden jeweils 1ml Wasser in eine 1,5-fach konzentrierter
Laktose-Pepton – Bouillon zum Nachweis Laktose-Abbauender Bakterien überführt
Platten und Reagenzgläser mit Platznummer und Ort der Entnahmestelle beschriften, sie
werden am Ende des Kurstages eingesammelt und über Nacht bei 36°C inkubiert
Auswertung und Protokollierung am nächsten Kurstag.
42
Protokoll: Nachweis von coliformen Keimen und von Pseudomonaden
Entnahmestellen
Nachweis:
Wie:
Hämolyse:
auf Blutagar
Laktoseverwertung:
auf MacConkey-Agar
Augendusche
(Labor)
Gas- und Säurebildung in Laktose-PeptonGas:
bei 36°C:
Bouillon
Säure:
CytochromoxidaseSiehe Anleitung Seite 11
Reaktion
Beurteilung:
Duschschlauch
(Patientenzimmer)
Gas:
Säure:
Trinkwasser
(Wasserhahn)
Gas:
Säure:
43
Abschnitt III Parasitologie
Kurstag 10
Übung 18: Übersicht über die wichtigsten humanpathogenen Parasiten
A. PROTOZOEN
B. VERMES
1. Apicomplexa:
Toxoplasma gondii
Plasmodium sp.
Isospora
Pneumocystis carinii
1. Plathelminthes (Plattwürmer)
a) Trematoda (Saugwürmer)
Fasciolopsis
Faciola hepatica
Opistorchis
Schistosoma mansoni
2. Mastigophora:
Trichomonas vaginalis
Giardia lamblia
Trypanosoma cruzi
T. gambiense
Leishmania donovani
3. Rhizopoda:
Entamöba histolytica
4. Ciliaten:
Balantidium coli
C. ARTHROPODEN
Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei)
Insekten als Überträger und Zwischenwirte.
b) Cestoda: (Bandwürmer)
Taenia solium, saginata
Echinococcus multilocularis
Diphyllobothrium latum
Hymenolepsis nana
2. Nemathelminthes (Fadenwürmer)
Nematoda:
Trichuris trichiura
Ascaris lumbricoides
Wuchereria bancrofti
Trichinella spiralis
44
Aufgabe Übung 18:
Mikroskopie von parasitologischen Fertigpräparaten
1. Malaria
Die Diagnose einer akuten Malaria beruht auf dem mikroskopischen Nachweis der Plasmodien
(vivax, malariae, falciparum) und Gameten im Blut (Ausstrich und Dicker Tropen), am besten
kurz vor dem Schüttelfrost, gestellt. Die Entwicklungsformen liegen in Erythrozyten. Der Nachweis erfolgt meist nach Giemsa-Färbung (Plasma blau, Chromatin rot) der Präparate.
Mikroskopieren Sie die bereits gefärbten Malariapräparate vom Menschen, fertigen Sie Zeichnungen verschiedener Parasitenformen an und stellen Sie eine Verdachtsdiagnose.
Die Präparate bitte auf dem Tisch liegen lassen, nicht in die Desinfektionslösung geben!
2. Trypanosoma brucei
Anstelle des Erregers der Schlafkrankheit Tr. gambiense bzw. rhodesiense (15 - 30m) verteilen wir Tr. brucei, den für den Menschen ungefährlichen Erreger der Nagana (Tierseuche), der
in Form und Bewegungsmodus dem Erreger der menschlichen Schlafkrankheit gleicht und
ebenfalls durch den Stich der Glossinen übertragen wird.
Mikroskopieren Sie die bereits gefärbten Präparate von Trypanosoma brucei und fertigen Sie
Zeichnungen an.
Präparate auf dem Tisch liegen lassen, nicht in die Desinfektionslösung geben!
45
Vermes:
Wichtig: Wurmeier-Präparate mit den Trockensystemen (10er und 40er Objektiv) und ohne Öl
mikroskopieren, Blende schließen.
Fertigen Sie Zeichnungen von Ascaris-, Trichuris- und Taenia-Eiern (Spul-, Peitschen- und
Bandwurm) an.
Präparate auf dem Tisch liegen lassen, nicht in die Desinfektionslösung!
Ascaris (Nematoda)
Taenia (Cestoda)
Trichuris (Nematoda)
46
Anhang:
Zusammensetzung von Kulturmedien, Reagenzien und Farblösungen
Kulturmedien:
1. Flüssiges Thioglykolatmedium:
Universelles Anzüchtungsmedium für aerobe und anaerobe Bakterien
Tryptisch verdautes Casein 15,0 (g/l)
1-Cystin
0,5
Dextrose
5,0
Hefeextrakt
5,0
NaCl
2,5
Natrium-Thioglycolat
0,5
Resazurin (Redoxindikator)
0,001
Agar
0,75
End-pH 7,1
in 8 ml-Mengen in Kulturröhrchen abfüllen, 15 min bei 120 oC sterilisieren, bei Zimmertemperatur lagern (Haltbarkeit etwa 6 Wochen, danach muss durch Erhitzen auf 100oC
erneut entgast werden).
2. Trypticase Soy Agar (Peptonagar für Anzüchtung und Stammhaltung):
Trypticase (Casein-Digest)
15,0 (g/l)
Phytone (Soja-Pepton)
5,0
NaCl
5,0
Agar
15,0
In 200 ml-Portionen 20 min bei 120oC sterilisieren, auf 50oC abkühlen,
in Petrischalen gießen.
3. Blutagar:
Universelles Anzüchtungsmedium und Medium zum Nachweis von Veränderungen des
Erythrozytenstroma bzw. des Hämoglobins durch den bakteriellen Stoffwechsel.
Herstellung: durch Zusatz von 6 Vol% sterilen, defibrinierten Hammelbluts zu
dem sterilisierten und auf 50oC abgekühlten Peptonagar.
4. Kochblutagar:
Hochwertiges Anzüchtungsmedium, insbesondere für Neisseria und Haemophilus.
Herstellung: durch Zusatz von 5-10% sterilen defibrinierten Hammelbluts zu
dem sterilisierten und auf 80oC abgekühlten Peptonagar, Inkubation des
Gemisches für 15 min bei 80oC, Abkühlung auf 50oC und gießen.
5. Endo-Agar (Fuchsin-Laktoseagar):
Selektivmedium für gramnegative Bakterien und Indikatormedium für Laktosefermentation
Herstellung:
Pepton "Witte"
10,0 (g/l)
Na2HPO4
2,0
NaCl
6,0
Hefeextrakt
1,0
Fleischextrakt
3,0
Agar
20,0
NaOH q.s. pH 7,4-7,6
Für 15 min bei 120oC sterilisieren, auf 100oC abkühlen.
Hitzeempfindliche Komponenten zusetzen:
Lactose
10,0 (g/l)
gesättigte alkohol. Fuchsinlösung (filtriert)
5 ml Natriumsulfitlösung, 10%ig, so viel, dass der in heißem Zustand rosa gefärbte Nährboden nach dem Erkalten farblos wird (Probeplatte gießen!).
Da die grampositiven Kontaminanten aus der Luft durch Fuchsin gehemmt werden, erfordert
die Herstellung des Endoagars nicht die strengsten Sterilitätskautelen.
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6. Polytropes Medium nach KLIGLER:
Indikatormedium für Glucose- und Laktosefermentation einschl. Gasbildung, H2SBildung sowie oxydativen Aminosäureabbau.
Herstellung:
Pepton
15,0 (g/l)
Fleischextrakt
3,0
Hefeextrakt
3,0
Proteose-Pepton
5,0
Lactose
10,0
Dextrose
1,0
FeSO4
0,2
NaCl
5,0
Na-Thiosulfat
0,3
Agar
12,0
Phenolrot, atoxische Charge
0,024
pH = 7,0
In 5 ml-Portionen in Kulturröhrchen abfüllen, 15 min bei 120oC sterilisieren, in Schräglage
erstarren lassen (Schrägfläche und Stichteil sollen etwa gleich groß sein).
7. Medium z. Nachweis der Säurebildung aus Kohlenhydraten, Zuckeralkoholen
und Glykosiden :
Herstellung:
Peptonwasser-Basis:
Liebigs Fleischextrakt
5,0 (g/l)
Pepton "Witte"
10,0
NaCl
3,0
Na2HPO4 x 12 H2O
2,0
Indikator-Stammlösung:
Bromthymolblau
1,0 g
0,1 N NaOH
25,0 ml
A. dest. Ad
500,0 ml
12 ml der Bromthymolblau-Stammlösung/Liter Peptonwasserbasis zusetzen, 100 ml Portionen
abfüllen und mit 0,5 Gew. % der Substrate versetzen. Die zu 5 ml Portionen in entsprechend
gekennzeichnete Kulturröhrchen abgefüllten Medien werden fraktioniert sterilisiert, indem man
sie an drei aufeinander folgenden Tagen für jeweils 15 min im Kochschen Dampftopf auf 90100°C erhitzt. Alternativ: Sterilisation durch Filtration.
8. Medium zum Nachweis der Nitratreduktion
Herstellung:
KNO3(nitritfrei!)
0,2 (g/l)
Pepton "Witte"
5,0
pH 7,4
DURHAM-Röhrchen zum Nachweis von Gas sind vor der Sterilisation blasenfrei
einzulegen.
5 ml Portionen in Kulturröhrchen abfüllen und 15 min auf 120°C erhitzen.
9. Trypsinbouillon, Medium zum Nachweis der Indolbildung
Herstellung:
Pepton "Witte"
10,0 (g/l)
Liebigs Fleischextrakt
5,0
Na2HPO4
2,0
NaCl
5,0
NaOH, qs., pH
7,2
Trypsin
0,2
Chloroform
10,0 ml
Gut durchschütteln, 24 Std. bei 37°C bebrüten, filtrieren, mit 2 Volumina physiologischer
Kochsalzlösung verdünnen, in Röhrchen abfüllen, im Koch'schen Dampftopf sterilisieren.
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10. Medium zum Nachweis von Urease
Herstellung:
Pepton "Witte"
1,0 (g/l)
NaCl
5,0
KH2PO4
2,0
Phenolrot, 1:500
6,0 ml/l
pH: 6,8-6,9
Für 15 min bei 120oC sterilisieren
Glucose
1,0
Harnstoff
20,0
Durch Filtration sterilisieren und dem auf 60°C abgekühltem Medium zusetzen.
Steril in 5 ml Portionen abfüllen und bei 4oC lagern.
11. Definiertes Medium zum Nachweis der Utilisation einer einzigen organischen
Energie- und Kohlenstoffquelle
Herstellung:
Mineralbasis
NaCl
5,0 (g/l)
MgSO4 x 7 H2O
0,2
(NH4)H2PO4
K2HPO4
1,0
pH 6,9
15min bei 120oC sterilisieren.
Substrate (z.B. Monosaccaride, Natriumsalze, organischer Säuren) steril filtriert
zu einer Endkonzentration von 0,5Gew. % zusetzen. Steril in 0,5 ml Portionen abfüllen.
Als pH-Indikator kann Bromphenolblau (12 ml/l der oben unter Nr. 7angegebenen
Stammlösung) vor der Hitzesterilisation zugesetzt werden.
Farblösungen
1. Alkalische Methylenblaulösung nach LÖFFLER:
Gesättigte alkohol. Lösung von Methylenblau 30 ml
KOH 0,01 % in Wasser
100 ml
2. Reagenzien für die Gram-Färbung:
a) Karbol-Gentianaviolettlösung:
Gesättigte alkohol. Lösung von Gentianaviolett
Phenol 2,5 Gew.% in Wasser (frisch bereitet)
Vor Gebrauch filtrieren!
10 ml
90 ml
b) Verdünnte LUGOLsche Lösung:
Jod
1g
Kaliumjodid 2 g
im Mörser mit wenig Wasser lösen, mit Wasser auf 300 ml auffüllen
c) Safraninlösung:
5 Gew.% Safranin in 96% Äthanol
H2O
10 ml
90 ml
3. Reagenzien für die ZIEHL-NEELSEN-Färbung:
a) Karbol-Fuchsinlösung:
gesättigte alkohol. Fuchsinlösung
10,0 ml
Phenol 5,0 Gew. % in Wasser
90,0 ml
b) Salzsäure-Alkohol:
HCl 25%
3,0 ml
Ethylalkohol
100,0 ml
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6. Reagenzien für die Polkörperchenfärbung nach NEISSER:
a) Lösung A:
Methylenblau
1,0 g
Äthanol 96%
20,0 ml
Lösen
Eisessig
50,0 ml
H2O
1000,0 ml
b) Lösung B:
Kristallviolett
Äthanol
1,0 g
10,0 ml
Lösen
200,0 ml
H2O
Gebrauchslösung:
2 Teile Lösung A + 1 Teil Lösung B = NEISSER I
(Die Gebrauchslösung ist nur wenige Tage haltbar)
c) Lösung C: (für die Gegenfärbung):
Chrysoidin
1,0 g
Lösen in:
300,0 ml heißem Wasser = NEISSER II
Reagenzien
1. TMPD-Oxydase Reagenz
N,N,N',N'-Tetramethyl-1,4-phenylen-diamin-dihydrochlorid,
1 Gew. %, wässrig, mit Ascorbinsäure partiell reduziert,
wöchentlich frisch hergestellt.
2. Indolreagenz (Mod. KOVACS-HOFFMANN)
p-Dimethyl-aminobenzaldehyd
5,0 g
n-Butanol
75,0 ml
HCl spez. Gew. 1,19
25,0 ml
3. Nitritreagenz (GRIESS-ILOSVAY)
Lösung A: Sulfanilsäure 0,8 Gew.% in 5 N Essigsäure
Lösung B: alpha-Naphthylamin, 0,5 Gew.% in 5 N Essigsäure
Gebrauchslösung: Lösung A und B unmittelbar vor Gebrauch zu gleichen Teilen mischen.
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