Grundlagen Schmerzverständnis

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Definition
Grundlagen Schmerzverständnis,
Schmerzbehandlung, Analgetika
• Schmerz ist eine mit emotionalen Erfahrungen
assoziierte unangenehme Sinneswahrnehmung,
die mit einem aktuellen oder möglichen
Gewebeschaden einhergeht.
• Schmerz ist das, was die betroffene Person als
Schmerz beschreibt.
27.09.2015
Dr. Cristian Camartin MSc
•
•
International Association of Pain. Pain 1986 (Suppl 3): S1 – 226
McCaffery M. Nursing the patient in pain. London: Harper & Row; 1983
Pathophysiologie
Schmerzverarbeitung
Definition II.
• Durchbruchschmerz:
– Ein Schmerz von moderater oder starker Intensität,
der im Rahmen eines kontrollierten chronischen
Schmerzes empfunden wird. Dieser Schmerz kann
spontan unerwartet oder voraussehbar erwartet sein.
• „Total Pain“
– Einfluss der Schmerzen auf alle vier Dimensionen
(körperlich, psychisch, sozial und spirituell)
4
Schmerzentstehung:
mechanisch, chemisch,
thermisch
1
5
Noxe
Tractus
spinothalamicus
2
Nozizeptor
3
Afferenzen
4
Schmerzverteilung
Verschaltung noxischer
Signale im Rückenmark
5
Schmerzwahrnehmung
Schmerzverarbeitung, Schmerzäusserung
6
Motorische Reaktion
Muskelansprannung, Schutzreflex,
Schonhaltung
7
Vegetative Reaktion
Durchblutung, Schweissdrüsen
1
2
3
6
4
7
• Lehmann, K. A.: Vom ersten Reiz zum Schmerzgedächtnis. Univ. Köln, 2000
Anamnese
1. Lokalisation
2. Zeitlicher Verlauf
3. Intensität
4. Charakter
5. Beeinflussende Faktoren.
Verstärkung oder Linderung
6. Ausstrahlung
7. Auswirkungen im Alltag
8. Bisherige Therapie und Effekte
Schmerzerfassung
1. VAS
2. ECPA
1
Schmerzqualität
Zeitlicher Ablauf
- Nozizeptiv-somatisch:
lokal, umschrieben, stechend, pulsierend, dumpf
→ Haut, Weichteile, Bewegungsapparat
- Nozizeptiv-viszeral:
dumpf, krampfartig, wellenartig
→ Gesicht, Innere Organe, Gefässe
- Neuropathisch:
brennend,einschiessend,schneidend, elektrisierend
→ Thalamus, Hirnnerven, Periphere Nerven
Anforderungen an Analgetika
Gute Analgesie bei guter Verträglichkeit
Möglichst lange Wirkdauer
Patientenfreundliche Darreichungsform
Möglichst wenig Sedierung
Erhaltung bzw. Verbesserung der Vigilanz
Wiederherstellung bzw. Aufrechterhaltung der
Alltagstauglichkeit
• Gute Internalisierung des Rezeptors
Schutz vor
Toleranzentwicklung
WHO Stufenleiter
•
•
•
•
•
•
z.B. Tramadol, Codein …..
Arbeitskreis A.M.A.D.E.U.S. Grundkurs Therapie chronischer Schmerzen. Köln 2003
WHO Klasse I.
• Nicht Opioide können jederzeit eingesetzt
werden
• Paracetamol und NSAR wirken bei
Tumorschmerzen
• Kombination NSAR und Metamizol nicht
empfohlen
• McNicol E. NSAIDS or Paracetamol, alone or combined with opioids, for cancer pain. Cochrane Review 2011
WHO Klasse II.
• Einsatz kontrovers:
– geringe analgetische Wirkung → längere
Schmerzepisoden
– Zeit eine genügende Schmerzkontrolle zu erreichen
wird länger
– Nebenwirkungsprofil unwesentlich anders
– Datenlage jedoch schwach
• Tassarini D. The second step of the analgetic ladder and oral tramadol in the treatment of mild to moderate
cancer pain: A systemativ review. Palliat Med 2011 25: 410 - 23
2
Co-Analgetika
•
•
•
•
•
•
Kortikosteroide
Antidepressiva
Antiepileptika
Muskelrelaxantien
Spasmolytika
Biphosphonate
Kortikosteroide
• bei Nervenkompression
• Spinalkanalkompression
• zur Abschwellung z.B. Leberkapselschmerzen
Antidepressiva
Opioide
• bei chronischen Schmerzzuständen
• diabetischer Neuropathie
• Postherpetische Neuropathie
Beispielsweise:
Amitriptylin abends, Beginn 25mg
Steigerung wöchentlich bis zur Zieldosis von 50 – 75mg
z.B. Saroten retard 25mg Kps.
Mirtazapin abends, Beginn mit 30mg
z.B. Remeron 30mg Tbl.
Mythen
1.
2.
3.
4.
Opioide sind gefährlich, weil atemdepressiv
Opioide führen zur Sucht
Es kommt schnell zur Toleranzentwicklung
Opioide führen zu unkontrollierbarer
Obstipation
5. Opioide sedieren stark und führen zur
Verwirrung
6. Opioide werden nur bei terminalen Patienten
eingesetzt
7. Opioide sind GIFT !
Geschichtliches I.
• Opiumkonsum seit Jahrhunderten
bekannt
• Summerer, Assyrer und Griechen
brauchten Opium für medizinische
Zwecke.
Opos = der Saft (griechisch)
• Hippokrates verschrieb es zum
Schlafen und gegen Diarrhoe
• Galen beschrieb 140 v.Chr. eine
Überdosierung
3
Geschichtliches II.
• 1803 wurde Morphin vom
deutschen Pharmazeuten
Friedrich Sertürner isoliert.
Benannt nach „Morpheus“
dem Gott der Träume
• Behandlung von
Schmerzen, Opiat- und
Alkohol- Abhängigkeit
• Später Synthetisierung
weiterer diverser Opioide.
Wirkungen und Nebenwirkungen
Geschichtliches IV.
• In den 20er Jahren
zunehmend Opiatabhängigkeit (10%
der Ärzte in den USA)
• In den 1930er Jahren Plan
den Zugang zu Opioiden
zu limitieren
• In den 1950er Jahren
Restriktiver Einsatz
• Ende des 20. Jahrhunderts
Verbreitung im
medizinischen Alltag
Welches Opioid wann ?
Plasmakonzentration
• Morphin, Oxycodon und Hydromorphon sind
gleichwertige Opioide
• Keine Evidenz, dass ein Opioid dem anderen
überlegen ist
• Einsatz weitgehend problemlos, wenn
Grundregeln beachtet und respektiert werden.
• Lieber zwei oder drei Opioide gut kennen als
viele ein bisschen
• Caraceni A. Use of opioid analgesics in the treatment of cancer pain: evidence-based recommendations from the EAPC.
Lancet Oncol. 2012; 13: e58-68
Beginn einer Morphin
Behandlung
• Häufigster Fehler und ablehnende Haltung der
Patienten und „Unverträglichkeit“ ist zu hohe
Einstiegsdosis und zu schnelle Steigerung
• Start: Morphin 2% 3 – 5 Tropfen (= 3 – 5mg)
alle 4h oder
MST 10mg Tbl 1-0-1
• Caraceni A. Use of opioid analgesics in the treatment of cancer pain: evidence-based recommendations from the EAPC.
Lancet Oncol. 2012; 13: e58-68
Berechnung der Reservedosis
• Kurzwirksames Opioid:
10% – 16% der Tagesdosis (1/10 – 1/6)
Stündliche Gabe möglich
Anpassung bei Steigerung der Basisdosis
z.B.: MST 100mg 2x/d → 20 Tropfen Morphin 2%
Berechnung der gebrauchten Reservedosen und
Addierung zur Basisdosis alle 24 – 48h
Falls weniger als 4 Reservedosen/d, ist keine
Anpassung der Basisdosis nötig
• Zeppetella G. Opioids for the management of breakthrough cancer pain in adults: A systematic review undertaken as part of an
EPCRC opioid guidelines project. Palliat Med 2011. 25: 516 – 24
4
Obstipation
• Beginn mit Stimulans
- z.B. Laxoberon Trpf. 0 – 0 – 8 bis 20 (abends)
→ Wirkung nach 12 Stunden
• Zusätzlich Weichmacher
- z.B. Movicol 1 bis 2 – 0 – 0 (morgens)
→ Wirkung nach 24 Stunden
Übelkeit
• 40% der behandelten Patienten entwickeln
Nausea
• Prophylaktischer Einsatz umstritten
• Antiemetika
– Metoclopramid 10mg Tbl. 3 – 4x täglich oder
Haloperidol 3 bis 5 Tropfen bei jeder Morphin Gabe
– Einsatz in den ersten 5 bis 10 Tagen
• Zusätzlich Gleitmittel
- z.B. Paragar
• Caraceni A. Use of opioid analgesics in the treatment of cancer pain: evidence-based recommendations from the EAPC.
Lancet Oncol. 2012; 13: e58-68
Opioidrotation wann?
•
•
•
•
•
•
Schlechte Analgesie trotz Steigerung
Intolerable Nebenwirkung bei guter Analgesie
Schlechte Analgesie und intolerable NW
Praktikabilität / Compliance
Umrechnung auf Morphinäquivalent pro Tag
Dosisreduktion um mindestens 30%
• Caraceni A. Use of opioid analgesics in the treatment of cancer pain: evidence-based recommendations from the EAPC.
Lancet Oncol. 2012; 13: e58-68
Maximaldosis
• Adäquate Dosis ist interindividuell sehr
unterschiedlich
• Keine maximale Dosis
• Behandlungen mit mehreren Gramm (!) sind
möglich
• Beispiel MST 2x 80mg = 160mg -30% 110mg
• Umrechnung Oxycodon :2 → 55mg → 25mg 2x/d
• Mercadante S. Conversion ratios for opioid switching in the treatment of cancer pain: s systematic review.
Palliat Med 2011. 25 : 504 - 15
• Dale O. European Palliative Care Research Collaborative pain guidelines: Opioid switching to improve analgesia or reduce side
effects. Palliat Med 2011. 25: 494 - 503
Targin
Wirkmechanismus
Fentanyl Pflaster TTS
• Pflaster kleben ist nicht schwer, richtig dosieren
dafür sehr !
• Merksatz:
Die Zahl auf dem Fentanylpflaster (Mikrogramm
pro Stunde) entspricht ungefähr der Tagesdosis
Morphin in mg intravenös
• z.B.: Durogesic 50µg/h ≈ 50mg Morphin i.v./24h
und somit ca. 150mg Morphin p.o./24h
Opioid Rezeptor
Oxycodon
Naloxon
5
Transdermale Opioide
Cave:
• Gesteigerte Durchblutung:
Resorption
• Fieber: Resorption
• Kachexie: Resorption
•
Transdermale Opioide
• Teilbarkeit
Tassinari D. Adverse effects of transdermal opiates treating moderate-severe cancer pain in comparison to long-acting
morphine: a meta-analysis and systematic review of the literature. J Palliat Med 2008 11; 492 - 501
Methadon
• Wirkt am µ-Rezeptor (Agonist) und am NMDA
Rezeptor (Antagonist): additive Analgesie
• Monoamin-Reuptake-Hemmer:
aktiviert absteigende, schmerzhemmende
Bahnen (wie TCA)
• HWZ: Biphasisch: 2-3h, terminal 17 – 190h (!)
• Metabolismus: hepatisch, keine aktiven
Metaboliten bekannt
• Keine Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz
Kombinationen
• Die Kombination von einem WHO Klasse I.
Analgetikum (z.B. Paracetamol, Metamizol,
NSAR) und einem Opioid ist möglich
• Ab einer Morphin-Äquivalent Dosis über 300mg
pro Tag ist der Benefit nicht mehr gegeben.
• Kombination von Methadon mit einem anderen
Opioid ist möglich
• Israel et al. J Pain Symptom Manage 2010; 39: 548 – 554
• McNicol E. NSAIDS or Paracetamol, alone or combined with opioids, for cancer pain. Cochrane Review 2011
Zusammenfassung
Häufigste Fehler der Schmerztherapie
•
•
•
•
•
•
Medikation nach Bedarf (Ausnahme: Reserven)
„Aufsparen“ der Opioidanalgetika
Verweigerung der Opioidanalgetika
Irrationale Angst vor „Sucht“ und Toleranz
Opioid-Kombination
Fehlende Co-Medikation
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
Schmerzen werden unterbewertet
Adäquate Schmerzbehandlungen meist möglich
Morphin ist das Opioid der ersten Wahl
Langsame Eintitrierung und Steigerung
Richtige Wahl der Reservemedikation
Einsatz von Co-Analgetika
Behandlung von Nebenwirkungen
Es gibt keine maximale Dosierung von Opioiden
Jungck, 1990
6
Notfälle
29.09.2015
Dr. C. Camartin MSc
Einleitung
• Jeder Mensch wird irgendeinmal sterben.
<10% plötzlich; >90% nach längerer Krankheit
• Notfälle sind medizinische Situationen in
welchen ein lebensbedrohlicher Zustand eintritt.
• In der Palliative Care handelt es sich bei
Notfällen oft um Situationen in welchen die
Lebensqualität beeinträchtigt wird.
• Diese müssen in Anbetracht folgender Punkte
betrachtet werden:
- Wille des Patienten
- Allgemeinzustand des Patienten
- Stadium der Erkrankung und Prognose
- Wirksamkeit einer möglichen Behandlung
Pathologische Fraktur
• Wichtig ist, dass nicht nur die Prognose in
Betracht gezogen wird, z.B. Fraktur bei
einem Patienten mit stark eingeschränkter
Lebenserwartung
• Notfallsituationen in der Palliative Care
treten selten unerwartet auf und können
deshalb oft im Voraus diskutiert werden
• Die meisten Notfälle in den letzten
48 Lebensstunden sind irreversibel
• Besonders bei Mamma-,
Bronchuskarzinom und Multiplem Myelom
• Lytische (d.h. destruktive) Metastasen
• Gewichttragende Knochen
• ≥ ⅓ Verlust der Corticalis
• Typisch inadäquates bis kein Trauma
• Sofortiger Schmerz
• Fehlstellung, Schwellung
Therapie
Obere Einflussstauung
• Operative Versorung
•Vorkommen:
- kleinzellige Bronchuskarzinome (65 – 80%)
- Lymphome und mediastinale Prozesse
(10 – 15%)
- Zentrale Thrombosen
1
Klinik
• Atemnot, Husten
• Gesichts- und
Oberkörperschwellung
• Kopfschmerzen
• Gestaute Venen
• Zyanose am Oberkörper
Therapie
• Dexamethason
• Bestrahlung
• ev. Stenteinlage
Hyperkalzämie
• Häufigste lebensbedrohliche
Elektrolytstörung bei Patienten mit einem
Malignom
• Häufiges Auftreten bei Mamma-, Prostataund Bronchuskarzinom, Multiples Myelom
• Bei Knochenmetastasen
• Inzidenz 20 – 30% bei Malignompatienten
Therapie
• Keine Therapie in den letzten Lebenstagen
• Rehydrierung (bis 5l NaCl 0.9% /Tag)
• Biphosphonat (z.B. Aredia, Zometa)
→
Klinik
• Symptomatik ab Calcium Wert von
3.0mmol/l
• Nausea und Erbrechen
• Verwirrtheit bis Koma
• Polyurie, Polydipsie
• Obstipation
• Müdigkeit
• Muskelschwäche
• Allgemeines Unwohlsein
Akute Blutung
• Risikogruppe:
– HNO Tumoren
– Hämatologische Erkrankungen
– Tumoren im Bereiche von grossen
Gefässen
Erfolgsaussicht von 80%
Symptome und nicht der Laborwert
sind entscheidend !
2
Vorgehen
Ileus bis Subileus
•
•
•
•
Ruhe bewahren
Beim Patienten bleiben
Blut verbergen (z.B. dunkle grüne Tücher)
Ev. medikamentöse Unterstützung
(Dormicum®, Morphin®)
• Debriefing des Behandlungsteams und der
Angehörigen
• Definition: Passagebehinderung des
Magen-Darm Traktes durch partiellen
oder kompletten Verschluss des
Darmlumens (mechanischer Ileus).
• Inzidenz:
- Bei allen Tumorerkrankungen 3%
- Bei kolorektalen Tumoren bis 25%
- Bei Ovarialkarzinomen bis 40%
(Haupttodesursache)
Klinik
•
•
•
•
•
•
•
•
•
Obstruktion
Nausea
Erbrechen
Obstipation
Diarrhoe
Abdominalschmerzen (ungenügend wenn dies
das einzige Symptom ist)
Abwehrspannung
Palpable Tumormasse
Hochgestellte Darmgeräusche
Spiegelbildung im Röntgenbild
Vorgehensweise
- Alter (biologisch)
- Performance state
- Tumorstadium
- Vorausgehende Therapie
- Therapieoptionen
- Kachexie
- Aszites
- Ursache
- Intervention
- Wahl der Therapie mit
den grössten
Erfolgsaussichten
Schmerz
Peristaltikrückgang
und Stop
Darmdistension
↓
Darminhalt
↓
Sekretion
Epithelverletzungen im Darm
↓
Entzündung und Ödem
Nausea
Erbrechen
•
Oxford Textbook of Palliative Medicine. Editor Hanks et al. 2010
Sonden
Patient mit
Darmobstruktion
Patientenfaktoren
Darmkontraktion
↓
Kolikartige
Schmerzen
Technische Faktoren
- Ausmass des Eingriffs
- Narkoserisiko
- Risiko postoperativer
Komplikationen
Entscheidungsfindung mit Patient und Familie
- Informationsstand des Patienten ?
- Ziel der Intervention ?
- Beurteilung von Risiko und Benefit
•
Ripamonti C. Management of malignant bowel obstruction. European Journal of Cancer. 2008
3
Therapie
• Operation oder konservative Behandlung ?
• Operation
• Konservativ
Morphin, Buscopan, Primperan, Sandostatin
Empfehlungen
• Symptomatische Behandlung
– Schmerzen !
– Nausea und Erbrechen !
•
•
•
•
Krampfanfälle
• Hirnmetastasen
• Primärer Hirntumor
• Meningeosis carcinomatosa
• Metabolische Störungen
• Infekte
• Medikamentenentzug
Therapie
• Nur wenn Anfall sehr lange dauert
(>15 min.)
• Dormicum® 5mg s.c.
• Ev. Einleitung einer Prophylaxe
Dormicum® s.c. 10 – 20mg/24h
Keine unnötigen Medikamente p.o.
Keine stimulierenden Laxantien
Mundpflege
Steroide
Vorgehen
•
•
•
•
•
Patienten vor Verletzung schützen
Patienten nicht festhalten, keine Gewalt
Nichts in den Mund schieben
Nach dem Anfall auf die Seite drehen
Information der Angehörigen
Spinale Kompression
• Inzidenz von bis zu 5% bei Tumorpatienten
• Üblicherweise Kompression von aussen
• In 85% Wirbelmetastasen, die in den
Epiduralraum drängen
• Lokalisation
– 10% HWS
– 70% BWS
– 20% LWS - SWS
• Mehrere Lokalisationen können betroffen sein
4
Wichtig
• 95% der Patienten haben Schmerzen
• Zunehmende Schmerzen gehen
Lähmungserscheinungen voraus
• Neuropathische / radikuläre Schmerzen
• Gefühlsausfälle bzw. Harnverhalt
• Parästhesien (ca. 50%)
• Selten: Schmerzlose Lähmungen
Notfallsituation weil ….
• die Symptomatik reversibel ist, wenn die
Behandlung innerhalb von 24 – 48h
beginnt
• Signifikante Beeinträchtigung der
Lebensqualität
• 30% mit Lebenserwartung >1 Jahr
• 70% können ihre Gehfähigkeit behalten
Klinik
• Rückenschmerzen
– häufigstes Symptom
– Wochen bis Monate im Voraus
– Schwierig zu behandelnde Schmerzen
• Schwäche und Spastik
– Spastik meistens vor der Schwäche
• Kribbeln und Taubheitsgefühl
– Meist rasch aufsteigend
• Harnblasensymtome
Therapie
•
•
•
•
•
•
•
Daran denken
Rasche Diagnosestellung
Kortikosteroide: Dexamethason 8 → 16 → 40mg
Bestrahlung: häufigste Therapie
Operation und Bestrahlung: bei Instabilität
Operation: nach durchgeführter Bestrahlung
Nur Steroide: in terminaler Situation
– Späte Symptome
• Perianale Dysästhesie und Sphinktertonusreduktion
Zusammenfassung
Vielen Dank für die
Aufmerksamkeit
• Notfälle gibt es auch in der Palliative Care
• Die Behandlung ist abhängig vom Stadium
der Erkrankung und vom Wunsch des
Patienten
• Eine multiprofessionelle Entscheidung ist
zu empfehlen
5
Symptomkontrolle – Palliative Sedation
Definition
Medizinisch indizierte Therapieoption am
Lebensende, die darauf abzielt, das
Bewusstsein des unheilbar kranken
Patienten so zu dämpfen, dass er keine
Schmerzen oder andere belastende
Symptome mehr wahrnimmt.“
27.09.2015
Dr. Cristian Camartin MSc
Bigorio
Indikation:
1. Kurzfristige Sedation für belastende Behandlungen
2. Sedation zur Behandlung anderweitig refraktärer
Symptome in der Finalphase
3. Sedation in Notfallsituationen
4. Zwischenzeitliche Sedation zur Erholung von
belastenden Zuständen
5. Sedation in der Entwöhnung von Beatmung am
Lebensende
6. Sedation bei psychischen und existentiellen Krisen
7. Sedation zur Behandlung von Brandverletzten
Die Sedation kann indiziert sein in
Situationen unerträglicher Belastung durch
physische Symptome, wenn keine andere
Methode der Palliation innerhalb eines
akzeptablen Zeitrahmens und ohne
unzumutbare Nebenwirkungen zur
Verfügung steht (Therapierefraktärität).
• Die spezifischen belastenden Symptome
müssen identifiziert werden. Dazu zählen
agitierte Verwirrtheit, Dyspnoe, Schmerz
und Krampfleiden. Notfallsituationen
umfassen massive Blutungen, Asphyxie,
schwere terminale Atemnot oder
Schmerzkrisen.
1
Die Kontroversen
• Wann ist ein Symptom refraktär ?
• Zeitpunkt und Zeitdauer des Einsatzes
palliativer Sedierung
• Abbruch parenteraler Flüssigkeits/Ernährungstherapie?
• Inkonsistente Terminologie
• 13 verschiedene Definitionen
• Inkonsistente Methodik
• Ziel, Kriterien, Medikamente, Monitoring, etc.
• Wo ist der Weg?
• Klare klinische Indikationen u Kriterien für
eine Palliative Sedierung
• Transparente Einwilligungsverfahren
• Absprache im multidisziplinären Team
• Sorgfältige Dokumentation
Voraussetzungen:
Der Patient muss informiert sein, dass die
Symptome nur auf diese Weise zuverlässig
reduziert oder beherrscht werden können das
Bewusstsein reduziert, ev. ganz ausgeschaltet
wird die Möglichkeiten der Kommunikation
stark reduziert oder ausgeschaltet sind daraus
keine Lebensverkürzung resultieren soll, eine
solche aber ev. in Kauf genommen wird
• Die passagere Sedation wird bei
schweren und belastenden Symptomen
eingesetzt um Patienten und Angehörigen
eine „Ruhephase“ zu ermöglichen. Sie
wird zeitlich begrenzt durchgeführt.
Die terminale Sedation hat die Ausschaltung von
unerträglichen Symptomen bis zum Eintritt des Todes
zum Ziel.
Eine terminale Sedierung sollte angestrebt werden,
1. wenn das Leiden des Patienten sehr ausgeprägt ist
2. wenn die Beschwerden eindeutig refraktär auf andere
Vorgehensweisen sind
3. wenn das Versterben innerhalb Stunden oder wenigen
Tagen angenommen werden muss
4. wenn der Patient dieses Vorgehen explizit wünscht
5. in einer Extremsituation am Lebensende.
Palliative Sedation
Euthanasie
Absicht
Lindern von
unerträglichem Leid
Töten des Patienten
Vorgehen
Sedierendes
Medikament
Tödliches Medikament
Erfolg
Linderung der
Symptome
Sofortiger Tod
2
Flüssigkeit
Anorexie - Kachexie
29.09.2015
Dr. C. Camartin MSc
• Die meisten sterbenden Patienten haben eine
Infusion.
• "Trinken" und "Durst" haben einen hohen
symbolischen und emotionalen Inhalt
• Es handelt sich dabei sowohl um ein
medizinisches als auch um ein ethisches
Problem.
•
Einleitung
• Dehydratation ist ein häufiges Ereignis
• Die meisten Patienten am Lebensende sind
dehydriert
• Ob eine Rehydratation durchgeführt werden soll
oder nicht wird häufig diskutiert.
• Folgen können belastende Symptome
verursachen
• Korrektur kann belastende Symptome
verursachen
• Dev S. Is there a role for parenteral nutrition or hydration at the end of life. Curr Opin Support Palliat Care.
2012, 6: 365 - 70
• Aktuell gibt es keine allgemeingültige
Empfehlungen
• Bandbreite der Vorstellungen über die
Rehydrierung sind sehr breit
• Die nicht medizinische Bevölkerung favorisiert
die aktive Behandlung
Dicks B. Rehydratation or dehydratation? Support Care Cancer 1994; 2: 88-90
Medizinische Argumentation
• Keine Standards oder Anleitung
• Ziel der Hydratation ist nicht die Dehydratation
zu behandeln sondern die durch sie
hervorgerufenen Symptome zu behandeln
• Extremvarianten: Maximale Hydrierung bis keine
Flüssigkeitsgabe
Vorstellung
Durst in der Terminalphase
• Dehydratation ist schmerzhaft.
• Gründe für Durst:
– Schlechter AZ, Stomatitis, Mundatmung, Opioide,
Hyperosmolarität
• Labor: Kreatinin, Harnstoff, Hämatokrit, Natrium
•
Dehydration in Dying Patients: Study with Physicians in French-Speaking Switzerland. Collaud T. J Pain
Symptom Manage 1991; 6: 230- 40
1
Kontroverse
•
•
•
•
•
•
Flüssigkeit ist überlebenswichtig
Physiologisch wichtig
Psychologisch wichtig
Lebensverlängernd
Stressig
Nicht trinken = Zeichen von bevorstehendem
Tod
•
Ursachen
Verminderte Zufuhr
Erhöhter Verlust
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
Pathologie der Mundhöhle
Odynophagie
Dysphagie
Anorexie
Übelkeit, Erbrechen
Frühes Sättigungsgefühl
Kongnitive Veränderungen
Depression
Flüssigkeitseinschränkung
Diuretika
Harnwegsinfekt
Infekt, Fieber
Tachypnoe
Erbrechen
Diarrhoe
"Dritter Raum" (Aszites,
Pleuraerguss)
• Hitze
• Schwitzen
Variation in attitudes towards artificial hydration at the end of life: a systematic literature review. Natasja JH.
Current Opinion in Supportive and Palliative Care. 2011, 5: 265 - 72
Wert der Dehydratation
Flüssigkeitsgabe
• Dehydratation scheint ein natürlicher Prozess in
den letzten Lebenstagen zu sein. Ein Prozess,
der belastende Symptome vermindert.
• Das Vorenthalten von Flüssigkeit ist für viele
unvorstellbar.
• „Flüssigkeitsgabe ist die letztmögliche
Therapiemassnahme“
• „Man kann den Patienten doch nicht einfach
verdursten lassen“
• Infusion ist ein Zeichen, dass „etwas getan wird“.
Kein sicherer Zusammenhang
Aber
• Keine Evidenz, dass Durst bei Sterbenden durch
parenterale Flüssigkeit gelindert wird.
• Die Gabe von Flüssigkeit kann Lebensqualität
verschlechtern (Terminales Rasseln, Dyspnoe,
Einlagerungen, Delir)
• Zwischen
–
–
–
–
Durstgefühl und Hydratationszustand
Nierenfunktion und Durst
Flüssigkeitsrestriktion und Lebensverkürzung
Parenterale Flüssigkeit vermindert Xerostomie kaum
• Kein sicherer Zusammenhang zwischen
verschlechterter Nierenfunktion und Durst oder
Schwäche
• Keine Hinweise dass Flüssigkeitsrestriktion das
Leben verkürzt oder das Leiden vergrössert
• Kein Einfluss auf die Lebensdauer
2
Ethische Aspekte
• Grundpflege umfasst
– Hygiene, Komfort für den Patienten, Achtsamkeit auf
Essen und Trinken
– Patienten die schlucken und sich ausdrücken können,
sollen unterstützt werden zu essen und zu trinken
– Will der Patient nicht genügend schlucken, hängt die
Gabe von Flüssigkeit davon ab, was das Ziel der
Behandlung ist
• Eine "künstliche" Flüssigkeitsgabe, z.B. ist eine
medizinische Therapie und gehört nicht zur
Grundpflege
Wo ?
Ethische Aspekte (2)
• Die Autonomie des Patienten muss
gewährleistet sein
• Dem Patienten soll kein Schaden zugefügt
werden
• Eine Patientenverfügung ist hilfreich
• subsclaviculär
• suprascapulär
• Bauchwand
• Oberarm
• Oberschenkel
•
Beauchamp TL, Childress JG. Principles of biomedical ethics, Oxford University Press, New York
Entscheidungsfindung
• Lebensverlängerung oder Komfort?
• Für Komfort braucht es keine Flüssigkeitszufuhr
Liegt eine Willenserklärung vor ?
Wie ist der bisherige Verlauf ?
Welche Behandlungsintention liegt vor ?
Gibt es reversible Dehydratationsgründe ?
Gibt es eine Hyperkalzämie ? Behandeln ?
Gibt es Angehörige ?
Besprechung des Vorgehens im Team
• Der Patient stirbt nicht, weil er nicht trinkt sondern
er trinkt nicht, weil er sterbend ist !
•
Eychmüller S. Flüssigkeitssubstitution in der Terminalphase – eine kontroverse Diskussion. Schmerz 2001;
15: 357 - 61
3
Hilfreiche Erfahrungen
• Enterale Zufuhr so lange wie möglich
• Sorgfältige Mundpflege wichtig
• Die parenterale Flüssigkeitszufuhr bedeutet
immer einen Eingriff
•
Zusammenfassung
• Es gibt Pros und Contras
• Durst ist ein sehr belastendes Symptom, die
Behandlung erfolgt aber nicht durch eine Infusion
• Ein Behandlungsversuch sollte eingeleitet werden
• Falls eine parenterale Substitution erfolgt, dann
mittels subkutaner Infusion
• Wichtig ist eine Information der Angehörigen
• Flüssigkeitszufuhr sollte nicht routinemässig bei
terminal Kranken erfolgen sondern als individuelle
Behandlung abhängig der Beschwerden.
Parenteral Hydration in Patients with Advanced Cancer; A multicenter, Double blind, Placebo Controlled
Randomized Trial. J Clin Oncol 2013; 31: 111 - 8
Anorexie und Kachexie
Einleitung
• Die meisten Patienten mit einer
fortgeschrittenen, unheilbaren Erkrankung
entwickeln einen ungewollten Gewichtsverlust
• Zusätzlich besteht meistens auch ein
Appetitverlust, Fatigue, Muskelschwäche und
psychologischer Stress.
• Viele Patienten werden dabei aber nicht erkannt
→ Anorexie – Kachexie Syndrom
Allgemeines
• Mehr als die Hälfte der Tumorpatienten sind
betroffen
• In der Endphase leiden über 80% daran
• Hoher Leidensdruck, da eine Veränderung des
Aussehens auch auftritt
• Psychologischer Druck des Essens.
Essen = Leben
• Erklärung Gewichtsverlust + Appetitverlust
ungenügend
Definition
• Tumorkachexie ist ein multifaktorielles Syndrom
definiert durch einen negativen Protein- und
Energiehaushalt, verursacht durch eine
Kombination von verminderter
Nahrungsaufnahme und eines abnormalen
Metabolismus. Entscheidend sind ein
progredienter Skelettmuskelverlust, der durch
eine vermehrte Nahrungsaufnahme nicht
korrigiert werden kann und zu einer
zunehmenden Funktionseinbusse führt.
4
Diagnose
• Gewichtsverlust von mehr als 5% in den letzten
6 Monaten oder mehr als 2% in den letzten 2
Monaten
• Reduzierte orale Nahrungsaufnahme (<75% der
normalen Menge oder <20kcal/kg KG)
• Bei Patienten mit Flüssigkeitseinlagerung,
grossen Tumormassen oder Übergewicht (BMI
>30kg/m2) kann ein signifikanter Muskelverlust
trotz fehlender Gewichtsabnahme vorliegen.
Klassifikation
• Primäre Kachexie = direkt durch Tumor oder
Tumorprodukte
• Sekundäre Kachexie = nicht direkt durch den
Tumor verursacht
Sekundäre Kachexie
• Reduktion der Nahrungsaufnahme aufgrund von
Komplikationen der Erkrankung
• Ko-Morbiditäten
• Beeinflussung des Appetits oder der Fähigkeit
Nahrung aufzunehmen
• Fasten im Unterschied zum metabolischen
Anorexie – Kachexie Syndrom
• 3 Gruppen können unterschieden werden
Mechanismen der primären Kachexie
3 grosse Mechanismen werden unterschieden
A:
B:
C:
Anorexie: Darm – Hirn Achse
Nahrungsaufnahme reduziert, bedingt durch
die neurohumerale Dysregulation
Katabolismus: Muskel – Leber Achse
Systemische Entzündungsreaktion
Anabole Dysbalance: Gehirn – Muskel Achse
Muskelverlust
•
•
•
•
•
•
5 häufige sekundäre Ursachen:
Stomatitis/Mucositis
Obstipation
Schmerz, Dyspnoe
Depression
Übelkeit/Erbrechen
Zusammenfassung
• Anorexie und Kachexie sind ein häufiges
Problem
• Man muss daran denken
• Man unterscheidet eine primäre und eine
sekundäre Kachexie
• Eine Therapie ist schwierig und in den meisten
Fällen nicht erfolgsversprechend
5
Deliriumbeobachtungscreening Skala DOS
Name:
Vorname:
Geburtsdatum:
Erfassungsdatum:
Erstellt von:
Dr. Cristian Camartin
Erstelldatum:
01.11.2010
Thema: DOS
Freigabe durch:
Dr. C. Camartin
Freigabe am:
01.11.2010
Gültigkeitsbereich:
KSGR Palliative Care
Gültig ab:
01.11.2010
Ablageort: Palliative Care Ordner
Version: 1.0
Seite(n): 1/1
Unruhe am Lebensende
Delirium
Ursachen, Assessment und Behandlung
• Einleitung
• Pathophysiologie
• Therapeutische Empfehlungen
– Pharmakologische Behandlung
– Nicht pharmakologische Behandlung
• Behandlung am Lebensende
• Beispiele
02.09.2015
Cristian Camartin
Wortursprung
• Bereits von Hippocrates
beschrieben.
• Delirium (lat):
lira = die Furche,
de-lirare = aus der Furche
geraten, Irrsein
Definition
• Ätiologisch verschiedenes, aber klinisch
einheitliches Bild mit meist akut einsetzender
Verwirrtheit mit Störung von Bewusstsein,
Auffassung, Gedächtnis, Affekt und Antrieb.
• Vielschichtiges und sehr häufiges Bild in der
Palliativmedizin. In der Hälfte der Fälle ist es
potentiell reversibel und medikamentös gut
behandelbar.
DSM-IV Kriterien
A. Bewusstseinsstörung (d. h. reduzierte Klarheit der
Umgebungswahrnehmung) mit eingeschränkter
Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu richten, aufrecht zu
erhalten oder zu verlagern
B. Veränderung kognitiver Funktionen (Störungen des
Gedächtnisses, der Orientierung und Sprache) oder
Entwicklung einer Wahrnehmungsstörung, die nicht
besser durch eine bereits bestehende oder sich
entwickelnde Demenz erklärt werden kann.
C. Entwicklung des Störungsbildes innerhalb einer kurzen
Zeitspanne (Stunden oder Tage) und Fluktuation der
Symptomatik im Tagesverlauf.
D. Verursachung des Störungsbildes durch einen
medizinischen Krankheitsfaktor.
Prävalenz
• Häufig wird ein Delir nicht erkannt
• Annahme eines depressiven Zustandes oder
Demenz
• Häufigkeit:
–
–
–
–
–
Hospitalisierte Tumorpatienten 25 – 50%
Orthopädische Patienten 5 – 61%
Palliativstation 28 – 42%
IPS 80%
am Lebensende bis 88%
1
Prädisponierende Faktoren
•
•
•
•
•
•
•
Polymedikation
Infekte
Dehydratation
Malnutrition
Kognitive Beeinträchtigungen
Schlechte Nieren- oder Leberfunktion
Fortgeschrittene Krankheiten
Morbidität und Mortalität
• Negativer Outcome
– Mortalität
– längere Hospitalisation und mehr Komplikationen
– Unterstützungsbedürftigkeit
• Morbidität : Patienten, die ein Delir
überstanden haben, berichten von einer
Stresssituation
DD
Demenz
Depression
Delirium
Demenz
Depression
Delirium
Beginn
Schleichend
Schleichend bis
akut (Wochen bis
Monate)
Akut
(Stunden bis
Tage)
Konzentration
Intakt, mit
Ausnahme
Spätstadien
Kann reduziert
sein
Beeinträchtigt
Dauer
Monate bis Jahre
Monate bis Jahre
Stunden bis
Wochen
Sprache
Kohärent bis ins
Spätstadium
Kohärent
Beeinträchtigt
Verlauf
Chronisch
progressiv
Ev. chronisch
Fluktuierend
Gedanken
Limitiert
Organisiert
Dysorganisiert
Wahrnehmung
Ev.
Halluzinationen
Halluzinationen in
schweren
Situationen
Häufig
Halluzinationen
Aktivität
Variabel
Ev. reduziert
Variabel
Schlaf
Variabel
Häufig gesteigert
Variabel, TagNacht Umkehr
Bewusstsein
Meistens klar
Klar
Beeinträchtigt
Orientierung
Beeinträchtigt
Klar
Beeinträchtigt
Aufmerksamkeit
Intakt, mit
Ausnahme
Spätstadien
Kann reduziert
sein
Variabel
Ursachen
Ursachen
Kategorie
Beispiel
Kategorie
Beispiel
Direkter Effekt des Tumors
Primärer Hirntumor oder Metastasen
Meningeosis carcinomatosa
Metabolisch
Glukose, Exsikkose, Natrium, Kalium,
Calcium
Therapiebedingte Nebenwirkungen
Chemotherapie (MTX, Cisplatin,
Bleomycin etc.)
Radiotherapie des ZNS
Organversagen
Urämie, hepatische Enzephalopathie,
Hypoxämie, Schilddrüse, Nebenniere,
zerebrovaskulärer Insult
Medikamente
Steroide, Opioide, Neuroleptika,
Anticholinergika (Amitriptylin), Aciclovir
Infektion
ZNS, Urosepsis, Lunge, Sepsis
Entzug
Medikamente, Alkohol, Nikotin etc.
Mangelerscheinungen
Thiamin (Wernicke-Korsakow)
Folsäure, Vitamint B12
Unbeherrschte Symptome
Schmerzen, Überlaufblase, Obstipation
Paraneoplastische Syndrome
2
Nicht medikamentöse Therapie
• Orientierung des Patienten (Gewohnte Bilder
z.B. Fotos, Orientierungshilfen wie Uhr,
Kalender)
• Orientierungsübungen
• Orale Rehydratation (Getränke erreichbar)
• Beleuchtung beachten (natürliches Licht,
gedimmtes Licht in der Nacht)
• Hilfen (Brille, Hörgerät)
• Konstante Betreuung – bekannte Gesichter
• Reize mindern
Therapie
Ursachenbehandlung
• Hydrierung (oral, iv, sc)
• Elektrolyte korrigieren
Cave
• Musik
• Unruhe
• Handlungen ohne Information des Patienten
Therapie
Medikamente
• Haloperidol (Haldol):
0.5-5mg 2-4 stündlich po/sc (5 Tropfen ≙ 0.5mg)
• Levomepromazin (Nozinan):
12.5-50mg 2-4 stündlich po/sc
• Midazolam (Dormicum):
1-5mg 2 stündlich sc;
10-100 mg/24 h CSCI or CIVI
Keine alleinige Gabe von Benzodiazepinen !
Prävention
• Es gibt keine Evidenz für eine medikamentöse
Prävention
Zusammenfassung
• Delirium ist mit einer hohen Morbidität und
Mortalität assoziiert
• Regelmässiges Screening ist empfohlen
• Bei Patienten mit einem Delir sollen Ursachen
gesucht und behandelt werden
• Angehörige sollen über das Krankheitsbild
aufgeklärt werden
• Belastende Symptome müssen symptomatisch
behandelt werden.
3
Flüssigkeit
Anorexie - Kachexie
29.09.2015
Dr. C. Camartin MSc
• Die meisten sterbenden Patienten haben eine
Infusion.
• "Trinken" und "Durst" haben einen hohen
symbolischen und emotionalen Inhalt
• Es handelt sich dabei sowohl um ein
medizinisches als auch um ein ethisches
Problem.
•
Einleitung
• Dehydratation ist ein häufiges Ereignis
• Die meisten Patienten am Lebensende sind
dehydriert
• Ob eine Rehydratation durchgeführt werden soll
oder nicht wird häufig diskutiert.
• Folgen können belastende Symptome
verursachen
• Korrektur kann belastende Symptome
verursachen
• Dev S. Is there a role for parenteral nutrition or hydration at the end of life. Curr Opin Support Palliat Care.
2012, 6: 365 - 70
• Aktuell gibt es keine allgemeingültige
Empfehlungen
• Bandbreite der Vorstellungen über die
Rehydrierung sind sehr breit
• Die nicht medizinische Bevölkerung favorisiert
die aktive Behandlung
Dicks B. Rehydratation or dehydratation? Support Care Cancer 1994; 2: 88-90
Medizinische Argumentation
• Keine Standards oder Anleitung
• Ziel der Hydratation ist nicht die Dehydratation
zu behandeln sondern die durch sie
hervorgerufenen Symptome zu behandeln
• Extremvarianten: Maximale Hydrierung bis keine
Flüssigkeitsgabe
Vorstellung
Durst in der Terminalphase
• Dehydratation ist schmerzhaft.
• Gründe für Durst:
– Schlechter AZ, Stomatitis, Mundatmung, Opioide,
Hyperosmolarität
• Labor: Kreatinin, Harnstoff, Hämatokrit, Natrium
•
Dehydration in Dying Patients: Study with Physicians in French-Speaking Switzerland. Collaud T. J Pain
Symptom Manage 1991; 6: 230- 40
1
Kontroverse
•
•
•
•
•
•
Flüssigkeit ist überlebenswichtig
Physiologisch wichtig
Psychologisch wichtig
Lebensverlängernd
Stressig
Nicht trinken = Zeichen von bevorstehendem
Tod
•
Ursachen
Verminderte Zufuhr
Erhöhter Verlust
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
Pathologie der Mundhöhle
Odynophagie
Dysphagie
Anorexie
Übelkeit, Erbrechen
Frühes Sättigungsgefühl
Kongnitive Veränderungen
Depression
Flüssigkeitseinschränkung
Diuretika
Harnwegsinfekt
Infekt, Fieber
Tachypnoe
Erbrechen
Diarrhoe
"Dritter Raum" (Aszites,
Pleuraerguss)
• Hitze
• Schwitzen
Variation in attitudes towards artificial hydration at the end of life: a systematic literature review. Natasja JH.
Current Opinion in Supportive and Palliative Care. 2011, 5: 265 - 72
Wert der Dehydratation
Flüssigkeitsgabe
• Dehydratation scheint ein natürlicher Prozess in
den letzten Lebenstagen zu sein. Ein Prozess,
der belastende Symptome vermindert.
• Das Vorenthalten von Flüssigkeit ist für viele
unvorstellbar.
• „Flüssigkeitsgabe ist die letztmögliche
Therapiemassnahme“
• „Man kann den Patienten doch nicht einfach
verdursten lassen“
• Infusion ist ein Zeichen, dass „etwas getan wird“.
Kein sicherer Zusammenhang
Aber
• Keine Evidenz, dass Durst bei Sterbenden durch
parenterale Flüssigkeit gelindert wird.
• Die Gabe von Flüssigkeit kann Lebensqualität
verschlechtern (Terminales Rasseln, Dyspnoe,
Einlagerungen, Delir)
• Zwischen
–
–
–
–
Durstgefühl und Hydratationszustand
Nierenfunktion und Durst
Flüssigkeitsrestriktion und Lebensverkürzung
Parenterale Flüssigkeit vermindert Xerostomie kaum
• Kein sicherer Zusammenhang zwischen
verschlechterter Nierenfunktion und Durst oder
Schwäche
• Keine Hinweise dass Flüssigkeitsrestriktion das
Leben verkürzt oder das Leiden vergrössert
• Kein Einfluss auf die Lebensdauer
2
Ethische Aspekte
• Grundpflege umfasst
– Hygiene, Komfort für den Patienten, Achtsamkeit auf
Essen und Trinken
– Patienten die schlucken und sich ausdrücken können,
sollen unterstützt werden zu essen und zu trinken
– Will der Patient nicht genügend schlucken, hängt die
Gabe von Flüssigkeit davon ab, was das Ziel der
Behandlung ist
• Eine "künstliche" Flüssigkeitsgabe, z.B. ist eine
medizinische Therapie und gehört nicht zur
Grundpflege
Wo ?
Ethische Aspekte (2)
• Die Autonomie des Patienten muss
gewährleistet sein
• Dem Patienten soll kein Schaden zugefügt
werden
• Eine Patientenverfügung ist hilfreich
• subsclaviculär
• suprascapulär
• Bauchwand
• Oberarm
• Oberschenkel
•
Beauchamp TL, Childress JG. Principles of biomedical ethics, Oxford University Press, New York
Entscheidungsfindung
• Lebensverlängerung oder Komfort?
• Für Komfort braucht es keine Flüssigkeitszufuhr
Liegt eine Willenserklärung vor ?
Wie ist der bisherige Verlauf ?
Welche Behandlungsintention liegt vor ?
Gibt es reversible Dehydratationsgründe ?
Gibt es eine Hyperkalzämie ? Behandeln ?
Gibt es Angehörige ?
Besprechung des Vorgehens im Team
• Der Patient stirbt nicht, weil er nicht trinkt sondern
er trinkt nicht, weil er sterbend ist !
•
Eychmüller S. Flüssigkeitssubstitution in der Terminalphase – eine kontroverse Diskussion. Schmerz 2001;
15: 357 - 61
3
Hilfreiche Erfahrungen
• Enterale Zufuhr so lange wie möglich
• Sorgfältige Mundpflege wichtig
• Die parenterale Flüssigkeitszufuhr bedeutet
immer einen Eingriff
•
Zusammenfassung
• Es gibt Pros und Contras
• Durst ist ein sehr belastendes Symptom, die
Behandlung erfolgt aber nicht durch eine Infusion
• Ein Behandlungsversuch sollte eingeleitet werden
• Falls eine parenterale Substitution erfolgt, dann
mittels subkutaner Infusion
• Wichtig ist eine Information der Angehörigen
• Flüssigkeitszufuhr sollte nicht routinemässig bei
terminal Kranken erfolgen sondern als individuelle
Behandlung abhängig der Beschwerden.
Parenteral Hydration in Patients with Advanced Cancer; A multicenter, Double blind, Placebo Controlled
Randomized Trial. J Clin Oncol 2013; 31: 111 - 8
Anorexie und Kachexie
Einleitung
• Die meisten Patienten mit einer
fortgeschrittenen, unheilbaren Erkrankung
entwickeln einen ungewollten Gewichtsverlust
• Zusätzlich besteht meistens auch ein
Appetitverlust, Fatigue, Muskelschwäche und
psychologischer Stress.
• Viele Patienten werden dabei aber nicht erkannt
→ Anorexie – Kachexie Syndrom
Allgemeines
• Mehr als die Hälfte der Tumorpatienten sind
betroffen
• In der Endphase leiden über 80% daran
• Hoher Leidensdruck, da eine Veränderung des
Aussehens auch auftritt
• Psychologischer Druck des Essens.
Essen = Leben
• Erklärung Gewichtsverlust + Appetitverlust
ungenügend
Definition
• Tumorkachexie ist ein multifaktorielles Syndrom
definiert durch einen negativen Protein- und
Energiehaushalt, verursacht durch eine
Kombination von verminderter
Nahrungsaufnahme und eines abnormalen
Metabolismus. Entscheidend sind ein
progredienter Skelettmuskelverlust, der durch
eine vermehrte Nahrungsaufnahme nicht
korrigiert werden kann und zu einer
zunehmenden Funktionseinbusse führt.
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Diagnose
• Gewichtsverlust von mehr als 5% in den letzten
6 Monaten oder mehr als 2% in den letzten 2
Monaten
• Reduzierte orale Nahrungsaufnahme (<75% der
normalen Menge oder <20kcal/kg KG)
• Bei Patienten mit Flüssigkeitseinlagerung,
grossen Tumormassen oder Übergewicht (BMI
>30kg/m2) kann ein signifikanter Muskelverlust
trotz fehlender Gewichtsabnahme vorliegen.
Klassifikation
• Primäre Kachexie = direkt durch Tumor oder
Tumorprodukte
• Sekundäre Kachexie = nicht direkt durch den
Tumor verursacht
Sekundäre Kachexie
• Reduktion der Nahrungsaufnahme aufgrund von
Komplikationen der Erkrankung
• Ko-Morbiditäten
• Beeinflussung des Appetits oder der Fähigkeit
Nahrung aufzunehmen
• Fasten im Unterschied zum metabolischen
Anorexie – Kachexie Syndrom
• 3 Gruppen können unterschieden werden
Mechanismen der primären Kachexie
3 grosse Mechanismen werden unterschieden
A:
B:
C:
Anorexie: Darm – Hirn Achse
Nahrungsaufnahme reduziert, bedingt durch
die neurohumerale Dysregulation
Katabolismus: Muskel – Leber Achse
Systemische Entzündungsreaktion
Anabole Dysbalance: Gehirn – Muskel Achse
Muskelverlust
•
•
•
•
•
•
5 häufige sekundäre Ursachen:
Stomatitis/Mucositis
Obstipation
Schmerz, Dyspnoe
Depression
Übelkeit/Erbrechen
Zusammenfassung
• Anorexie und Kachexie sind ein häufiges
Problem
• Man muss daran denken
• Man unterscheidet eine primäre und eine
sekundäre Kachexie
• Eine Therapie ist schwierig und in den meisten
Fällen nicht erfolgsversprechend
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