24. Oktober 2005

Werbung
Gliederung der Vorlesung
Aerosol- und Wolkenphysik
ƒ
Entstehung, Transport und Lebensdauer von Aerosolen
ƒ
Größenverteilung des Aerosols
ƒ
Wolkenbildung
- Krümmungseffekt
- Lösungseffekt
ƒ
Wachstum von Wolkentropfen
- Diffusionswachstum
- Wachstum durch Kollision/Koagulation
- Eiskristalle
ƒ
Niederschlagsbildung
- warmer Regen
- kalter Regen
Lerninhalte 1. Vorlesung
ƒ Mit welchen Größen wird das Aerosol
charakterisiert?
Aitken große Riesen
ƒ Was ist der Unterschied zwischen
Primär- und Sekundärpartikeln?
Was sind die häufigsten?
ƒ Wie unterscheiden sich maritimes,
kontinentales und urbanes Aerosol?
ƒ Was sind Aitken-Kerne?
ƒ Welche verschiedenen Moden in der
Aerosol-Verteilung gibt es?
ƒ Wie wird Aerosol gemessen?
Kerne
104
dN/d(log D) [cm-3]
ƒ Wie werden Aerosole aus der Atmosphäre
entfernt?
106
102
100
10-2
10-4
10-6
maritimes Aerosol
kontinent. Aerosol
städtisches Aerosol
10-2
100
Durchmesser [μm]
102
Nukleations
-mode
Akkumulationsmode
Dispersions
-mode
Aufgabe: Skizzieren Sie für eine Junge-Verteilung (C=2) Und
eine Log-Normalverteilung (σ=1.5,rm=0.8 µm, Nm=1000cm-3)
die Verteilung von Größe, Oberfläche und Volumen mit
logarithmischer und linearer Anzahlachse
n* ( r ) =
dN (r )
−3.5
≈
C
⋅
r
d log r *
Aufgabe: Skizzieren Sie für eine Junge-Verteilung (C=2) Und
eine Log-Normalverteilung (σ=1.5,rm=0.8 µm, Nm=1000cm-3)
die Verteilung von Größe, Oberfläche und Volumen mit
logarithmischer und linearer Anzahlachse
⎛ (ln r / rm )2 ⎞
Nm
dN (r )
⎟
=
⋅ exp⎜⎜
n (r ) =
2 ⎟
d log r
2π ln σ
⎝ 2(ln σ ) ⎠
*
Momente der Lognormal-Verteilung
⎡ n2 2 ⎤
M n = N 0 ln r exp ⎢ ln σ ⎥
⎣2
⎦
n
ns (ln r ) = πDg nN ( Dg )
2
nv ( Dg ) =
π
6
3
Dg n N ( D g )
Wirkung von Aerosol - Strahlung
Absorbierendes Aerosol
Erwärmung durch Absorption
solarer Strahlung
z.B. schwarzer Kohlenstoff, Mineralstaub
Streuendes Aerosol
Abkühlung durch Rückstreuung
solarer Strahlung
z.B. Sulfate, Nitrate, org. Verbindungen
insgesamt Abkühlung von
ca.- 0.4 Wm-2 (-0.2 to -0.8 Wm-2)
Vulkan-Aerosol
Die Aschewolke des Pinatubo erreichen im
Verlauf der langen Eruptionsphase im
Jahre 1991 beträchtliche Höhen max. 40
km und veränderten die Stratosphäre.
Große Vulkanausbrüche in der Vergangenheit?
Bildung von Sekundärpartikeln
aus
Schwefeldioxid
SO2+OH
→ HSO3
HSO3 + O2
→ HO2+SO3
SO3 + H2O
→ H2SO4
Nach großen Vulkaneruptionen wie El
Chichon (1982) oder Pinatubo (1991)
ist ein deutlicher Anstieg der globalen
stratosphärischen optischen Dicke,
d. h. der stratosphärischen
Aerosolmenge, zu beobachten.
Dadurch wird der Strahlungshaushalt
beeinflußt und andererseits die
chemische Zusammensetzung der
Stratosphäre verändert.
Mögliche Auswirkungen auf das Klima durch:
ƒ Treibhauseffekt → globale Erwärmung.
ƒ Staubemissionen und Bildung von
Aerosolen → „vulkanische Winter“
ƒ Ozonverlust
ƒ Saurer Regen
ƒ Atmosphärische opt. Dichteschwankungen
Wirkung von Aerosol – Wasser
ƒ hydrophob
Partikel stößt Wasser ab
→ höhere Übersättigung für Tropfenbildung nötig
ƒ neutral
→ Übersättigung wie bei homogener Nukleation
ƒ hydroskopisch
Partikel zieht Wasser an, stark affine Partikel
quellen bei niedrigen relativen Feuchten (Dunst)
→ niedrigere Übersättigung für Tropfenbildung
Einige Wassermoleküle werden durch Lösungsmittel
ersetzt → Dampfdruck wird im Verhältnis zur Anzahl des Lösungsmittels reduziert
in der Atmosphäre sind meist genügend Kondensationskerne verfügbar,
so daß kaum Übersättigungen von mehr als 1 % (f=101 %) auftreten
Gequollenes Aerosol
Einfluss des Aerosols auf das Klima
Heterogene Kondensation und Wolkenwachstum
mehr Aerosole werden zu Wolkentröpfchen aktiviert
viele Tropfen kämpfen um verfügbaren Wasserdampf
kleinere Tropfen→ höhere Reflektivität → hellere Wolken
http://terra.nasa.gov/FactSheets/Aerosols/
Einfluss des Aerosols auf das Klima
International Panel on Climate Change (IPCC) http://www.grida.no/climate/ipcc_tar/wg1/231.htm#67
Wie ist der aktuelle Kenntnisstand?
Was bewirken Aerosole in der Atmosphäre?
ƒ Streuung/Reflektion? elektromagnetischer Strahlung (Rayleigh/Mie)
Himmelsblau, Morgen- Abendrot
Extinktion (UV/solar / Infrarot (Wärmestrahlung?)
ƒ Kondensationskerne für Wolkenbildung
keine Antwort: 4 von 19
ƒ Luftqualität (Sichtweite, Gesundheit (Feinstaub)
ƒ Heterogene Chemie (strat. Ozonchemie, trop. Chemie und Verschmutzung)
ƒ Einfluss auf Fernerkundung
ƒ Direkter Strahlungseffekte (Sulfate, Nitrate, Kohlenstoffe, verbr. Biomasse, ..)
ƒ Indirekte Klimaeffekte über Wolkenbildung
Änderung der Wolkenreflektivität
Änderung der Niederschlagseffizienz
ƒ Semidirekter Effekt
Wolkenauflösung durch absorbierendes Aerosol
in Wolkentropfen und um Wolke herum
Wolkenphysik
Definition nach WMO:
Keine quantitative
Definition !
Eine Wolke ist eine Anhäufung kleiner, schwebender
Partikel aus Wasser und/oder Eis, die über der
Erdoberfläche in genügend hoher Konzentration
auftreten, um sichtbar zu sein.
Der moderne Gebrauch des Begriffs Wolke schließt mitunter auch Anhäufungen von
Wolkenpartikeln ein, die dem menschlichen Auge ohne technische Hilfsmittel
verschlossen bleiben und daher als subvisuell bezeichnet werden.
Basis über:
7 bis 16 km
3 bis 7 km
0 bis 3 km
stratiform
konvektiv
Wolkenparameter
Wolken sind sichtbare, in der Luft schwebende Ansammlung von
Kondensationsprodukten des Wasserdampfs, d. h. von kleinen
Wassertropfen ( ~10 μm), Eiskristallen oder beiden gemeinsam
ƒ Größe der Hydrometeore
Ensemble der Partikel wird mit der Tropfengrößenverteilung N(D) [m-4]
beschrieben
ƒ Form
- Flüssigwasserwolken haben kugelförmige Tropfen (Radius)
- Niederschlagsteilchen näherungsweise Ellipsoide (Radius,
Aspektverhältnis)
- Eisteilchen können als Platten, Säulen, Dendriten, .. auftreten
- Partikel in Mischphase können sehr komplexe Form annehmen
ƒ Phase
- flüssiges Wasser, Eis, Mischphasen)
ƒ Chemische Zusammensetzung
Tropfengrößen
D - Durchmesser
n - Tropfenkonzentration
Fragen: - Wieviele Wolkentropfen machen einen Regentropfen?
- Welche Radius- bzw. Massenwachstumsgeschwindigkeit muss herrschen,
damit aus einem Wolkentropfen in 20 min ein Regentropfen entsteht?
Tropfengrößenverteilung
Flugzeugmessungen mittels FSSP
Forward scattering spectrometer probe
ECAV, 02.04.03, flight section 7, 954 m
1E+5
1E+4
1E+2
dN/dD [l-1 μm-1]
N (r ) = a ⋅ r α ⋅ exp(−b ⋅ r γ )
FSSP-ER
2D-C
2D-P
1E+3
a = 83.1 cm-3 μm
b = 2.43 μm-1
α = 6.1
γ=1
1E+1
1E+0
1E-1
1E-2
1E-3
1E-4
1E-5
1E-6
idealisierte Verteilungen
(hier für Stratus)
1
10
100
1000
diameter [μm]
10000
Momente des Tropfenspektrums
N
0. Moment
LWC
3. Moment
LWC =
R
ρ wπ
6
Flüssigwassergehalt
ρ wπ
6
∞
m(n) = ∫ D n N ( D ) dD
0
∞
3
D
∫ N ( D)dD
0
~3.5 Moment
RM =
z
Tropfenkonzentration
Niederschlagsrate (Massenfluss)
∞
3
(
)
v
(
D
)
−
w
(
D
)
D
N ( D )dD
∫
0
6. Moment
Radarreflektivitätsfaktor
∞
Z = ∫ D 6 N ( D )dD
0
Frage: Welche Werte haben N, LWC und z für das idealisierte Tropfenspektrum
für Stratus?
Wolkenbildung
Wir basteln eine Wolke
man nehme etwas
Wasserdampf, füge Aerosole
und etwas Aufwind hinzu ...
... fast ...
aber es ist nicht ganz so
einfach!
Sättigung
In einem abgeschlossenen, themisch isoliertem System,
das teilweise mit Wasser gefüllt ist, treten auf der einen Seite
ständig Moleküle vom Wasser (F↑) in die Gasphase über und
umgekehrt (F↓).
Bei gleicher Temperatur haben Gasmoleküle eine höhere
kinetische Energie als die Moleküle der flüssigen Phase.
Haben Flüssigkeit und Dampf die gleiche Temperatur, tritt
irgendwann eine Gleichgewichtsituation (F↑= F↓) ein, bei der die
Rate der in die Oberfläche eintretenden Moleküle und der pro
Zeit- und Flächeneinheit verdampfenden Moleküle besteht.
Raum oberhalb der Flüssigkeit ist gesättigt mit Wasserdampf
Partialdruck des Wasserdampfs = Sättigungsdampfdruck
ebene Oberfläche
reines Wasser
Erzeugung von Übersättigung
Abkühlung
Erreichen von Td bei p,m = konst.
Dampfdruck / hPa
25
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Wasser
Eis
20
15
thermische Ausstrahlung
Advektion über kühlen Grund
Verdunstung von Wasserdampf*
Mischung von warmer mit kalter Luft
Aufsteigen
(e,T)
10
Erhöhung der Feuchte
6.1
0
Erreichen von es
-10
0
10
Temperatur / °C
20
30
Abkühlung durch Verdunstung
Erreichen von Tf bei p= konst.
und sich änderndem m
Erzeugen von Übersättigung
ƒ Mischung zweier Luftpakete verschiedener Eigenschaften
- durch nichtlineare Sättigungsdampfdruckkurve
ƒ Abkühlung eines Luftpakets
- adiabatische Abkühlung durch Anheben der Luftmasse
instabile Schichtung → konvektive Wolken
stabile Schichtung → geschichte (stratiforme) Wolken
- Anhebung beim Überstromen von Hindernissen (orografische Wolken)
- durch Strahlungsemission im Langwelligen (Nebel)
- Advektion warmer Luftmasse über kalte Oberfläche und nachfolgende
Wärmeleitung
ƒ Anfeuchtung (d.h. Hinzufügen vom Dampf zum Luftpaket)
- Kontakt der Luftmasse mit warmer Wasseroberfläche
- Regen- oder Schneefall aus höherer feuchter Schicht in
tieferliegende trockenere, aber wärmer Schicht
Tropfenbildung
Homogene Nukleation:
ƒ Tröpfchenbildung durch zufällige Kollision von Wassermolekülen
ƒ Wachstum der Tropfen hängt vom Dampfdruck ab. Ein höherer Dampfdruck heißt,
mehr Wassermoleküle prallen auf das Tröpfchen.
ƒ Verdunstung hängt von der Oberflächenspannung ab. Moleküle müssen die
Oberflächenspannung (hängt von Temperatur ab) überwinden, um zu entweichen.
ƒ Der Sättigungsdampfdruck über einem Tropfen hängt von dessen Krümmung ab.
Moleküle müssen zur Verdunstung
Bindungskraft überwinden
nach Seinfeld und Pandis, 1998
Sättigung über gekrümmter Oberfläche
reinen Wassers
zufälliges Zusammentreffen von mehreren Wassermolekülen durch ständige Molekülbewegungen
→ winziger Wassertropfen
ΔE
Änderung der Gesamtenergie [ΔE] beim Übergang
vom System Dampf auf System Dampf + Tropfen
ΔE*
ΔE = Aσ − nVkT ln (e / es )
Arbeit um Ober- Energieänderung verbunden
fläche zu kreieren mit dem Phasenwechsel
von Molekülen
4 3
ΔE = 4 π r σ − π r nkT ln (e / es )
3
2
A
e
es
k
n
σ
T
V
e<es
e>es
Radius
Oberfläche [m2]
Dampfdruck [hPa]
Sättigungsdampfdruck [hPa]
Boltzmann-Konstante
Anzahl der Wassermoleküle [m-3]
Oberflächenspannung 7.5·10-2 N/m
Temperatur
Volumen [m3]
Kritischer Radius
System strebt Gleichgewichtszustand an, in dem die Energie immer wieder
minimiert wird.
ΔE
e<es
Wachstum von Tropfen in nicht gesättigter
Luft gestoppt.
ab Überschreiten eines kritischen Radius
ist es für den Tropfen energetisch
günstiger größer zu werden
spontanes Wachstum durch Kondensation
4
ΔE = 4 π r σ − π r 3 nkT ln (e / es )
3
2
winzige Tropfen mit dem
Radius r < rc verdunsten
wieder, weil dabei die
Energieänderung im System
Dampf + Tropfen kleiner wird.
rc =
ΔE*
e>es
Radius
rc
dΔE !
=0
dr
2σ
n k T ln(e / es )
rc =
2σ
Rw ρ w T ln(S )
Zeige, das beide Formulierungen äquivalent sind!
Sättigung über gekrümmter Oberfläche
⎛ 2σ
⎞
⎜
⎟⎟
es (r ) = es (r = ∞) exp⎜
⎝ Rw ρ w T r ⎠
rc =
2σ
Rw ρ w T ln(S )
Für stabilen 1µm
Tropfen genügen
100.12 % rel. Feuchte
⎛a⎞
es (r )
= exp⎜⎜ ⎟⎟
es (r = ∞)
⎝ r⎠
es(r)
eS(r=∞)
σ
RW
ρW
Gleichgewichtsdampfdruck über der gekrümmten Oberfläche
Sättigungsdampfdruck in der Umgebung
Oberflächenspannung des Wassers (ca. 7.5·10-2 N/m)
Gaskonstante des Wasserdampfes
Dichte des Wassers
100·(S-1)
Für einen gegebenen Radius r kann das Verhältnis
e/es (Sättigungsverhältnis S) bestimmt werden, d.h.
die Abhängigkeit des Sättigungsdampfdruck vom
Tropfenradius (Kelvin-Formel)
Sättigung über gekrümmter Oberfläche
Selbst ein 0.01 µm Tropfen, der durch zufällige Kollisionen von Wassermolekülen
gebildet wurde benötigt mehr als 10% Übersättigung um stabil zu bleiben!
Beobachtung: Übersättigung in natürlichen Wolken selten über wenige Prozent
(Ausnahme einige Cirruswolken)
Wolkentropfen in natürlichen Wolken bilden sich nicht durch homogene Nukleation
von Wassermolekülen
Bildung an bestimmten atmosphärischen Aerosolen
Heterogene Nukleation
Sättigungsverhältnis S
(esr / es∞)
Übersättigung
100·(S -1)
kritischer
Radius rcrit
Anzahl der
Moleküle
1.01
1%
0.121 μm
2.5 x 108
1.1
10 %
0.0126 μm
2.8 x 105
2
100 %
1.734 nm
730
10
900 %
0.5221 nm
20
Herunterladen