Mutter Kind Zentrum Luxemburg

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Mutter Kind Zentrum
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Mutter Kind Zentrum
Luxemburg
Jim Clemes
Atelier d’Architecture et de Design
Valentiny hvp architects
Mutter Kind Zentrum
Luxemburg
Jim Clemes
Atelier d’Architecture et de Design
Valentiny hvp architects
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Das neue Mutter Kind Zentrum
in Luxemburg
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Ein Meilenstein der modernen Perinatologie und
Gynäkologie in Luxemburg
An kaum einen anderen Ort werden so viele freudige Erwartungen gestellt, als
an eine Entbindungsklinik. Zwischen drängendem Kinderwunsch, hoffnungsvoller
Geburtsvorbereitung und Früherkennung von Frauenleiden steht das neue Mutter
Kind Zentrum des Centre hospitalier de Luxembourg für einen neuen, zeitgemäßen
Ansatz im Klinikwesen. Die neuartige Vision, die Menschen und ihren Träumen Raum
gibt, ohne Zugeständnisse an Hygiene und medizinischen Fortschritt zu machen,
zieht sich durch jeden Aspekt des Gebäudes.
Ein heller Vorplatz führt zum Haupteingang des goldschimmernden Mutter
Kind Zentrum. Die Außenhaut glänzt prächtig im Sonnenschein, ihr Licht- und
Schattenmuster, das durch die vor- und zurückgesetzten Kästen der Fassade
entsteht, hebt sich eindrucksvoll von dem Grün der Bepflanzung ab. Ein rotgoldener
Film auf den schmaleren Fenstern belebt die Fassade nach außen und wirft ein
rosé schimmerndes Licht nach innen. Vor dem Haupteingang bietet ein keckes,
dreieckiges Vordach Schutz, bevor der Besucher die Eingangshalle betritt. Wenn
nach außen hin das neue Gebäude fast monumental erscheint, so herrscht innen
eine andere Sprache vor.
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Ein ganzheitliches
Innenkonzept
Wurde über die Außenansicht die Höhe
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des Gebäudes betont und der Haupteingang
geradezu zelebriert, so steht der Besucher nun
in einem Raum mit menschlichen Dimensionen.
Eine Treppe in organischer Form führt in das
erste Geschoss. Dezentes Weiß, Holz und
gedeckte Rottöne führen ihrerseits die Sinne
auf das Wesentliche zurück. Vier Lichtkreise
hängen spielerisch von der Decke herab und
geben der ruhigen, gedämpften Atmosphäre
einen spielerischen Anhauch. Zur Rezeption
sind es nur wenige Schritte, eine Warteinsel aus
mehreren Bänken mit hohen Rückenlehnen
und braunen Stühlen lädt ein, sich auszuruhen,
oder mit Familie und Freunden zu plaudern.
Glas ist ein weiteres Gestaltungselement, das in
die Inneneinrichtung übernommen wurde, und
stellt mit seiner Transparenz und Leichtigkeit
einen idealen Gegenpart zu den Holz- und
Kunstlederelementen dar. In der Eingangshalle
zieht insbesondere die Anmeldung und ihre
Glasabtrennung den Blick auf sich und hilft so
dem Besucher, sich mühelos zu orientieren.
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Nicole Daubach, Baukoordinatorin des CHL,
erläutert zufrieden: „In den Planungsgruppen
haben wir uns ziemlich schnell für eine
Farbpalette in Rot- und erdigen Brauntönen
entschieden. Diese Farben wurden im
ganzen Haus umgesetzt. Drei verschiedene
Rotabstufungen geben den nötigen Kontrast
zu den Braun-Ekrü-Tönen. Auch Glas spielt eine
große Rolle. Wir haben es zum Teil transparent,
und, zum Teil, mit einem Dekorationselement
versehen, welches sich an das neue Logo des
CHL anlehnt.“
Das Atrium wirkt durch diese Wahl und
die verglaste Eingangsfront sehr hell, ja
lichtdurchflutet. Der erste, freundliche Eindruck
wird nur verstärkt bei einem Rundgang durch
das Gebäude. Viel Licht, breite, weiß gestrichene
Flure und rote Akzente, die, mit leichter Hand
aufgetragen, dem Haus eine zurückhaltende
Eleganz verleihen.
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Uwe Welschbillig, leitender Architekt in der Planungsphase, die von 2003-2011
andauerte, weist darauf hin, dass das Mutter Kind Zentrum zwar von Anfang an auf
Spitzentechnik setzte, aber die hoch spezialisierte und technisierte Ausrichtung sich
nicht in der Inneneinrichtung niederschlagen sollte: „Die Technik, die unbestreitbar
vorhanden ist, wie zum Beispiel in dem Entbindungszimmer oder der nationalen
Abteilung für künstliche Befruchtung, sollte nicht vorrangig sein. Wir wollten eine
intime, vertraute Atmosphäre schaffen und die technischen Einrichtungen nicht in
den Vordergrund setzen.“
Gaby Krump, die die Ausführung des Projektes übernommen hat, fügt hinzu:
„Die Farbakzente wollten wir nicht unbeschwert verteilen, sonder bewusst ganz
bestimmte Elemente des Hauses in Szene setzen. So kann man in der Empfangshalle
alle Zugänge erkennen. Da wir Fluchttüren einbauen müssen, sind die Türflügel nicht
sofort zu sehen. Trotzdem weiß jeder auf den ersten Blick, wo sich eine Tür befindet,
denn das dazugehörige Wandelement wurde rot gestrichen. Wir haben auch den
Beschilderungsprozess begleitet. Der Besucher sollte immer die notwendigen
Informationen zur Verfügung haben, ohne dass er von der Fülle an Infos überwältigt
wird. Sehr wichtig war, sich im Klaren zu sein, wo der Patient oder Besucher selbst
hinfinden muss und wohin er vom Personal begleitet wird. In jedem Falle aber sollte
er sich so autonom wie nur möglich durch das Gebäude bewegen können.“
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Der Patient als Dreh- und Angelpunkt
des Konzeptes
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Auffallend im ganzen Hause ist die ruhige gedämpfte Atmosphäre. „Wir haben
vielerorts akustische Decken eingebaut wie beispielsweise in dem Eingangsbereich
und in den Patientenzimmern. Es lag uns viel daran, dass die Atmosphäre in dem
Neubau eine gelassene sein soll, “ erläutert Nicole Daubach.
Uwe Welschbillig verdeutlicht diesen Ansatzpunkt: „Diese Atmosphäre der
‚heiteren Ruhe‘ integriert sich in ein ganzheitliches Konzept: Von Anfang an
stellten wir uns die Frage, welche Erwartungen die Patienten an ihr Krankenhaus
stellen. Zusammen mit der Spitalleitung wurde ein Konzept entwickelt, in dem
es mehrheitlich Einbettzimmer gibt. Die Familie soll in Ruhe zusammenwachsen
können. Dementsprechend wurden sämtliche Vorkehrungen getroffen, dass der
Vater nach Wunsch bei der Mutter und dem Neugeborenen übernachten kann.“
„Der breite Stillsessel wurde genauestens geprüft, ob es bequem ist, ein Kind darin
zu stillen. Er kann aber auch als Schlafliege umfunktioniert werden. Gemeinsam mit
den Hebammen haben wir viel Zeit in das ideale Still- und Schlafmöbel investiert.
Die gesamte Ausstattung sollte den Bedürfnissen der Frauen entsprechen, “ ergänzt
Gaby Krump.
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Was das Gesamtkonzept angeht, legten die
Verantwortlichen Wert darauf, dass – genau
wie dies in der Maternité Grande-Duchesse
Charlotte der Fall war – die Mutter und das
Kind, beziehungsweise die Familie Mittelpunkt
des Geschehens sind. „Wir haben auf kleine
Dinge Wert gelegt, die das Wohlempfinden der
Patientin steigern. So können die Frauen zum
Beispiel anhand einer Warnleuchte vor dem
Patientenzimmereingang mitteilen, dass sie nicht
gestört werden möchte. Auf diese Weise finden
sie Ruhe, um zu stillen oder zu schlafen. Weiterhin
wurde auf jeder Ebene das Badezimmer eines
Patientenzimmers mit einer höhenverstellbaren
Babywanne ausgestattet. Dies ermöglicht
einer im Rollstuhl sitzenden Frau, ihr Kind zu
baden, “ führt Nicole Daubach aus. „Das speziell
konzipierte Modell wurde auf seine Sicherheit
überprüft und vom hiesigen Kontrollbüro
abgenommen. Wir haben des Weiteren pro
Stationsebene ein Komfort-Zimmer mit einem
dem Zimmer vorgeschalteten Wohnbereich.“
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Eine weitere Erleichterung für junge
Mütter ist der Kinderhort im Erdgeschoss.
Kleinkinder können hier für die Dauer eines
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Sprechstundentermins oder einer Untersuchung
bei geschultem Personal abgegeben werden.
„Auch dies stellt eine Innovation für unser
Klinikum dar, “ erklärt Nicole Daubach.
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Ein Zentrum für Peri- und Neonatologie
Das Herzstück des Mutter Kind Zentrums befindet sich im zweiten Obergeschoss:
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Das oberste, fünfte Stockwerk wurde für die Lüftungstechnik reserviert. Das
Hier ist die Geburtshilfe- und Entbindungsabteilung untergebracht, die über
Krankenhausinnere wird, wenn nötig, durch die Technik der adiabatischen Kühlung
eine überdachte Fußgängerbrücke mit der Früh- und Neugeborenenabteilung
auf drei bis fünf Grad unter die Außentemperatur gebracht. Im Zusammenspiel mit
(Neonatologie) der Kinderklinik verbunden ist. Operationssäle und eine Mother
anderen Hilfsmitteln wie Raffstores oder Dreifachverglasung sowie mechanische
Intensive Care grenzen an die Entbindungsabteilung an. „Die Kreißsäle wurden in
Belüftung genügt dies, um auch im Sommer die Innentemperatur auf angenehme
hellem Gelb, Orange oder Grün gehalten. Das farbige Wandmotiv setzt sich an der
Grade zu kühlen. Der Patientenaufenthaltsraum der zwei Pflegestationen ist indes
Decke fort und bleibt doch zurückhaltend, “ erklärt Gaby Krump. „Die Instrumente
klimatisiert, sodass die Patienten bei großer Hitze einen gekühlten Rückzugsort zur
und Überwachungsmonitore, kurz alles, was hoch technisiert ist, wurde so weit
Verfügung haben.
wie möglich hinter Schranktüren versteckt und kommt erst wenn notwendig zum
Einsatz, “ führt Nicole Daubach weiter aus.
Auf den beiden darüberliegenden Ebenen sind die Pflegestationen mit jeweils
vier Zweibett- und 18 Einbettzimmern, davon ein Komfortzimmer, angesiedelt.
„Die ersten Patienten und Besucher zeigen sich hellauf begeistert von der neuen
Im ersten Geschoss, zu dem die breite Eichentreppe führt, sind die Hebammensprechstunden sowie verschiedene Untersuchungsräume untergebracht. „Sämtliche
Sprechstundenzimmer und Behandlungsräume der Klinik haben wir in neutralem
Weiß gehalten. Patienten haben ihre Vorstellungen vom klinischen Umfeld eines
Behandlungszimmers. Knallige Farben im Sprechzimmer der Klinik würde der
Infrastruktur, welche sich eher mit einem Hotel als einem Krankenhaus vergleichen
Kompetenzperzeption des Arztes nicht zuträglich sein, “ erklärt Gaby Krump. Auch
lässt, “ sagt Nicole Daubach. „Die warmen, roten Akzente und Holzelemente, aber
dieses Stockwerk ist über dieselbe Fußgängerbrücke mit der Kinderklinik verbunden.
auch die Leselampe über dem kleinen Klapptisch, verleihen den Zimmern trotz
Im Erdgeschoss sind, neben dem Atrium und der Cafeteria, unter anderem die
Krankenbett ein Wohnzimmerflair.“ Die breiten, hellen Flure werden durch gekonnt
Sprechstunden der Gynäkologen mit den dazugehörigen Räumen der Fruchtwasser-
angelegte Akzente, wie Wände in rot oder Warteräume, in denen das Eichenholz auf
und Ultraschalluntersuchungen sowie die Abteilung der Senologie, die die Technik
vertikalen Flächen zur Geltung kommt, aufgelockert. Auf den Stationsfluren wurden
der Mammographie, des Brust-Ultraschalls sowie der Brustbiopsie umfasst,
Versorgungsnischen eingeplant, die Wagen und Betten aufnehmen können, um die
untergebracht. Im Untergeschoss befindet sich die Anbindung des Mutter Kind
Bewegungsmöglichkeit auf den Gängen nicht zu behindern.
Zentrum an alle Gebäude des Centre hospitalier de Luxembourg.
Über diese unterirdische Tunnelverbindung erfolgt die gesamte
logistische Versorgung der Klinik.
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Ein Ort für Abschied und Trauer
Im Untergeschoss wurde auch ein
konfessionsloser, jedoch nicht hoffnungsloser
Bereich eingerichtet, der Raum für Tränen und
Schmerz bietet und einen Ort zur Einkehr für
Trauernde darstellt. Über ein Wartezimmer
kommen Familie und Angehörige in einen
kobaltblauen Raum, dessen Weiß-Blau-Kontrast
durch ein sich farblich veränderndes Licht
gebrochen wird. An den Wänden sind von
Nico Thurm entworfene Alminiumelemente
angebracht, die als Sehanstoß und als
Fokussierpunkt der Gedanken fungieren
können. Dieser Raum ist ein gelungenes Beispiel
für ein fein abgestimmtes Gleichgewicht
zwischen der Unmöglichkeit, die Trauer eines
Menschen in einem auf ihn abgestimmten
Raum zu personifizieren und dem Willen, ihn
trotzdem so mitempfindend zu gestalten, dass
er nicht unsäglich gleichmachend wirkt.
Ein vielversprechender Start
Nach dem ersten Besuchertag war die positive Resonanz überwältigend. „Unser
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Tag der offenen Tür war ein voller Erfolg“, bestätigt Nicole Daubach, „Die Besucher
waren beeindruckt von der Atmosphäre, den verschiedenen Raumgestaltungen
und der Palette der angebotenen Betreuungskonzepte.“ Uwe Welschbillig begrüßt,
„dass trotz der vielen Kompromisse, die bei einem anspruchsvollen Projekt mit vielen
Interessensgruppen üblich sind, ein stimmiges Gebäude entstanden ist.
Die weiblichen, organischen Formen sind angenehm, und mich überrascht
selbst immer wieder die ruhige, gedämpfte Atmosphäre, die hier vorherrscht.
Wir haben sehr gut mit den Klinikverantwortlichen und allen Nutzergruppen
zusammengearbeitet. Sie alle haben wesentlich zum Gelingen dieses
Projekts beigetragen. Mich persönlich hat der Austausch mit den völlig
unvoreingenommenen Grafikern und Innenarchitekten bereichert, deren Kreativität
nicht von vornherein durch Normen und Sicherheitsbedenken eingeschränkt wird.“
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„Die ruhige Atmosphäre wird verstärkt durch
Seit seiner Inbetriebnahme im August
die gelungene, intuitive Führung der Besucher
2015, zeigt sich, dass das neue Mutter Kind
und Patienten durch das Gebäude. Befriedigend
Zentrum den Ansprüchen der Bevölkerung
würde ich vor allem bezeichnen, dass wir uns
gerecht wird. Es trägt dem gesellschaftlichen
konsequent auf das Wesentliche konzentriert
Auffassungswandel der Bedeutung der
haben und ein überzeugendes Projekt realisiert
Geburt sowie dem damit einhergehenden
haben, “ fügt Gaby Krump hinzu.
Wunsch einer Enttechnisierung der ersten
„Wenn man bedenkt, dass unser Budget
Kontaktaufnahme des neuen Menschenwesens
mehrmals zusammengestrichen wurde
mit der Welt Rechnung und stellt so ein
und wir unsere Visionen dem letztendlich
zukunftsweisendes Konzept dar, das Besucher,
genehmigten Budget anpassen mussten,
Patienten und Personal allesamt überzeugt.
bin ich froh, dass es uns gelungen ist, nie an
den Inhalten gekürzt zu haben. Die Rolle des
Bauherrn ist sehr wichtig, er muss wissen, in
welche Richtung sein Bauvorhaben gehen soll
und muss die Philosophie seines Hauses in die
Planungen einbringen. Das Schöne an der engen
Zusammenarbeit mit den Architekten, die uns
durch ihr Know-how überzeugt haben, ist für
mich aber auch, dass wir in unserem Kosten- und
Zeitrahmen geblieben sind. Das zeugt von hoher
Professionalität seitens unserer Partner!“ sagt
Nicole Daubach abschließend.
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Impressum
Éditeur
Atelier d’Architecture et de Design Jim Clemes S. A .
68, rue de Luxembourg
L- 4221 Esch - sur - Alzette
Tél. : (+352) 55 32 19 -1
Fax : (+352) 55 32 19 900
[email protected]
www.jimclemes.com
Valentiny hvp architects
19, rue des Prés
L-5441 Remerschen
Tél. : (+352) 23 60 70 1
Fax : (+352) 23 66 45 43
[email protected]
www.valentinyarchitects.com
Textes
Mirjam Oesch, Nicole Daubach
Réalisation graphique
Atelier d’Architecture et de Design Jim Clemes S. A ., Fern’ Rollinger
Impression
Imprimerie REKA
imprimé sur papier couché demi mat sans bois Satimat 150 gr/m2,
couverture : couché demi mat Heaven Matt FSC 400 gr/m2
Photos
Lukas Huneke
Tous droits réservés
ISBN 978-99959-742-8-2
neutral
Imprimé
01-14-561533
myclimate.org
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