Nach dreimaliger Hib Impfung im ersten Lebenshalbjahr besteht

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Nach dreimaliger Hib Impfung im ersten Lebenshalbjahr besteht
ausreichender Impfschutz auch ohne Auffrisch-Impfung mit 24 Monaten
Frage:
Ist nach dreimaliger Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ B (Hib) im ersten Lebenshalbjahr
eine Auffrisch-Impfung im Alter von 24 Monaten erforderlich?
Epidemiologischer Hintergrund:
In Grossbritannien wird die Hib-Impfung im Alter von 2, 3 und 4 Monaten durchgeführt. Wegen
abnehmender Antikörperspiegel wird in vielen anderen Ländern zusätzlich eine Auffrisch -Impfung
im zweiten Lebensjahr durchgeführt. Die Notwendigkeit dieser Auffrisch-Impfung wurde bislang
nicht untersucht.
Einschlusskriterien:
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Geburt zwischen 1.8.1992 und 1.2.1999
Impfung gegen Hib
Ausschlusskriterien:
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Kongenitaler Immundefekt, Trisomie 21 und andere Fehlbildungen
Studiendesign:
Survey (landesweit, über 4 Millionen Kinder) sowie 2 Kohortenstudien (n = 153 und n = 107)
Studienort:
Grossbritannien
Intervention:
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Kohortenstudie: Abnahme von Antikörperspiegeln gegen Hib im Alter von 2, 5, 12, 43 und 72
Monaten
Outcome:
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Impfversager, definiert als Hib – Infektion mit positivem Erregernachweis bei Kindern, die alle
drei Impfungen erhalten hatten.
Möglicher Impfversager, definiert als Hib – Infektion nach der ersten oder zweiten
Immunisierung.
Impfschutz, errechnet aus der Anzahl der landesweit beobachteten Impfversager in Relation zu
den erwarteten Fällen aus der Zeit vor Einführung der Impfung
Abfall der Antikörperspiegel gegen Hib im Verlauf der ersten Lebensjahre
Resultat:
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Während der 6.5 Jahre Beobachtungszeit wurden 112 Impfversager und 58 mögliche
Impfversager gemeldet.
Die Impfversager-Rate nach drei Impfungen betrug 2.2 auf 100'000 Geimpfte.
Die Hib-Inzidenz ohne Impfung betrug 30.0 (95% CI: 26.9-33.3) je 100'000 Kinder und Jahr.
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Gegenüber zu erwartenden 5546 Fällen ohne Impfung wurden tatsächlich 96 bei Kindern älter
als 4 Monate beobachtet, dies entspricht einem effektiven Impfschutz von 97.6% (95% CI:
96.9-98.1).
Vor Einführen der Impfung wurden mehr als drei Viertel aller Erkrankungsfälle an HaemophilusInfektionen vor dem Ende des zweiten Lebensjahres beobachtet – daher hat der Impfschutz
während der ersten zwei Lebensjahre besondere Bedeutung. Im ersten Lebensjahr betrug die
errechnete Effektivität der Impfung 99.4%, im zweiten Jahr 98.0%. Nach dem zweiten Jahr
sank die Effektivität des Impfschutzes geringfügig (bis auf 95% bei Kindern über 4 Jahre Alter).
Im Gegensatz zum nahezu unveränderten klinischen Impfschutz nahmen die messbaren
Antikörperspiegel innerhalb der ersten 12 Monate nach der Impfung rasch ab. Wird als
Indikator für den Impfschutz ein Antikörperspiegel von weniger als 0.15 mg/L gewählt, wäre
der Impfschutz bei einem Drittel der Geimpften im Alter von 72 Monaten unzureichend.
Die Inzidenz von Hib lag bei Ungeimpften im ersten Lebensjahr zwischen 10.2 und 15.3
Erkrankungsfällen je 100'000 Säuglinge, bei Geimpften zwischen 0.4 und 0.7.
Kommentar:
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Die Studie dokumentiert die hervorragende Wirksamkeit der Hib Impfung mit einer Abnahme
der Erkrankungsrate auf etwa 1/50 der früheren Häufigkeit.
Nach drei Immunisierungen gegen Hib im ersten Lebensjahr besteht auch ohne Auffrisch Impfung nach 24 Monaten ein klinisch effektiver Impfschutz von 95% oder höher.
Bestimmung der Plasma-Antikörperspiegel gegen Hib hat möglicherweise nur sehr begrenzten
Aussagewert für den klinischen Impfschutz.
Eine routinemässige Auffrisch -Impfung im zweiten Lebensjahr erscheint nicht zwingend
notwendig.
Literatur:
Antibody concentration and clinical protection after hib conjugate vaccination in the united
kingdom. Heath PT et. al. JAMA (2000) 284:2334-40.
Verfasser:
Joachim Fischer, 5.1.2001
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