Giovanni Firrito, Italien

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Gestaltpädagogik
als Brücke zum Fremden
Förderung der
Lehrerkompetenzen und der
Lernkultur in Europa
Gedanken zu einem Vorwort
Der Mensch steht im Mittelpunkt
„Zum Aufbau einer menschlicheren Gesellschaft
braucht man nicht nur wissenschaftliche und
ethische Kräfte, sondern Menschen, die geistig
gesund, liebevoll, zufrieden und im Kontakt mit
sich selbst sind, und dadurch auch mit anderen im
Kontakt stehen, die sich ihrer eigenen Gefühle und
derer ihrer Mitmenschen bewusst sind.
Die Schule soll nicht nur Ideen und Begriffe
vermitteln, sondern auch die Fähigkeit Kontakte
und Beziehungen zu knüpfen sowie Verständnis,
Toleranz und Freude schaffen.“
Giovanni Firrito, Italien
Einige Eckdaten zum Projekt
Die Ziele der Fortbildung

Ziel dieses Fortbildungsprojekts ist es, im Comeniusprojekt die
persönlichen, didaktischen und sozialen Lehrerkompetenzen in Europa
nach den Prinzipien und Erfahrungen der Gestaltpädagogik
weiterzuentwickeln. Es möchte auf diesem Weg sowohl die
individuellen Lernvoraussetzungen als auch das Lernklima in kulturell,
sprachlich, leistungsmäßig oder gesellschaftlich heterogen
zusammengesetzten Schulklassen fördern.

Es richtet sich an Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten und
Schulstufen in Europa, die eine Unterrichtssituation vorfinden, in der
Lernen durch die wachsende Häufigkeit individueller Lernstörungen,
kollektiver Lernverweigerung, Konflikten und Unterrichtsstörungen
verschiedenster Art zunehmend erschwert wird.

In einer geschützten Situation werden die Lehrerinnen und Lehrer aus
den verschiedenen europäischen Ländern die Heterogenität der Gruppe
genauso hautnah erleben können wie sonst ihre Schülerinnen und
Schüler.
Einige Eckdaten zum Projekt
Aufbau der Kurse:
Gestaltpädagogik als Brücke zum Fremden
Aufbaukurs III: Module 7 und 8:
Schule als Institution, Umgang mit
Krisensituationen in Organisationen
Themen: u.a. Konfliktpotentiale in Schulen
und zwischen Menschen verschiedener Kulturen
Biographische Selbstreflexion:
Erwachsenenalter, erste Berufsjahre
Aufbaukurs IV: Module 9 und 10:
Gestaltpädagogische Beratungskompetenz,
Aspekte entwicklungspsychologischer
Zusammenhänge
Themen: u.a. Reflexion der Auswirkungen
zeitgeschichtlicher Zusammenhänge,
Bezogenheit zum gesellschaftlichen und
politischen Kontext
Biographische Selbstreflexion:
reifes Erwachsenenalter, Wandlungsprozesse
im Lebenslauf
Aufbaukurs II: Module 5 und 6:
Gestaltpädagogische Gruppenleitung,
Umgang mit Krisen und Konflikten
in Arbeitsgruppen.
Themen: u.a. Auswirkungen der sozialen
und materielle Hintergründe
Biographische Selbstreflexion:
junges Erwachsenenalter; Ausbildungszeit
Grundkurs: Module 1 und 2:
Einführung in die Gestaltpädagogik,
Übung in differenzierter Selbstwahrnehmung
und Reflexionsfähigkeit.
Themen: u.a. Familie, Schule, Traditionen
Biographische Selbstreflexion:
Grundschulzeit
Aufbaukurs I: Module 3 und 4:
Didaktische Vertiefung der Gestaltpädagogik,
Vorurteile, Ausgrenzung Einzelner in der Klasse
Themen: u.a. Lernmotivation, Werte,
Wirklichkeitskonstruktionen,
ethnozentrische Blickwinkel,
Biographische Selbstreflexion:
Jugendalter
Einige Eckdaten zum Projekt
Partner & Projektgruppe
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Pädagogische Hochschule Steiermark in Graz (AT) – Koordinierende
Einrichtung
Gestaltpädagogische Vereinigung (GPV) e.V. Berlin (DE)
Johannes Gutenberg - Universität Mainz (DE)
Institut für schulische Fortbildung und schulpsychologische Beratung (DE)
Associazione Pedagogica Italiana, Ragusa (IT))
Universita Mateja Bela V Banskej Bystrici (SK)
Mag. Ute Kienzl, Österreich (Projektkoordination)
AHS -Lehrerin, Weiterbildung in Gestaltpädagogik und Supervision, Gestaltpädagogiktrainerin,
tätig in der Lehrerfortbildung
Prof. Dr. Jörg Bürmann, Deutschland (Wissenschaftliche Leitung des Projekts)
Dekan i. R. des Fachbereichs Philosophie/ Pädagogik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz,
Mitbegründer der Gestaltpädagogik in Deutschland – Wissenschaftliche Leitung des Projekts
Dipl. Päd. Ursula Forster, Deutschland
Lehrerin in der Erzieherausbildung und Referentin a. D. in der Lehrerfortbildung im
Institut für schulische Fortbildung und Schulpsychologische Beratung in Rheinland-Pfalz,
Weiterbildung in Gestaltpädagogik
Dott. Giovanni Firrito, Italien
Präsident der Associazione Pedagogica Italiana, Sez. Di Ragusa
tätig in der Lehrerfortbildung
Dr. Ivica Lencova, Slowakei
Lehrende an der Universität Banskà Bystrica, tätig in der Lehrerausbildung und in der methodischen
Lehrerfortbildung
Die Geschichte des Projekts
Ein Überblick
Auf der Basis unserer 20jährigen berufsbegleitenden Gestaltpädagogischen
Weiterbildung sind wir den Weg gegangen, berufserfahrene Lehrer aus
unterschiedlichen Ländern Europas in 14-tägigen geschlossenen Gruppen in
einem fremden Land unter kundiger Leitung, ihre Verschiedenheit in Fühlen,
Denken und in ihren Bildern von Schule und Welt hautnah erleben zu lassen.
Das Pilotprojekt wurde in drei Phasen durchgeführt mit dem Ziel, Inhalte
und Materialien zu erarbeiten und zu erproben, die in Folgeangeboten
genutzt werden können.
1.
2.
3.
In nationalen Gruppen in Österreich, in der Tschechischen und der
Slowakischen Republik in Italien und Deutschland wurde das Konzept
umgesetzt und evaluiert.
Im transnationalen Seminar im Sommer 2000 in der Solwakei konnten die
beteiligten Lehrkräfte ihre erworbenen gestaltpädagogischen Kompetenzen
erweitern und vertiefen, um sowohl die individuellen Voraussetzungen als auch
das Lernklima in kulturell, sprachlich, leistungsmäßig und sozial heterogenen
Klassen besser fördern zu können.
In einem Folgeworkshop in den nationalen Gruppen wurden die
Erfahrungen ausgewertet.
Zwischen den Phasen des Pilotprojekts trafen sich die Projektpartner
regelmäßig zum Erfahrungsaustausch, zur weiteren Planung und zur Evaluation.
Die Weiterführung des Projekts
Seit 2001 finden zweiwöchigen transnationale Seminare statt und sind für
Lehrpersonen in allen Ländern Europas offen.
Die Geschichte des Projekts
Eindrücke des Teams
Das transnationale Leitungsteam
(AT, DE; CH, IT, SK) arbeitet seit dem Pilotprojekt im
Jahr 2000 in der europäischen Lehrerfortbildung
unter der wissenschaftlichen Leitung und Supervision
von Prof. Dr. Jörg Bürmann und entwickelt
gemeinsam die Kurse weiter.
Es erscheint mir wichtig, ….
Die Prinzipien der Gestaltpädagogik
Pädagogischer Ansatz
Die wachsende Heterogenität der Schülerschaft
in allen Ländern Europas, bedingt u. a. durch
die zunehmende Zahl von Kindern mit
Migrationshintergrund, erfordert von den
Lehrpersonen aller Schularten und Schulstufen
heute interkulturelle sowie psycho-soziale
Kompetenzen.
Die Evaluation
Ein Einblick in die Wirksamkeit

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der zweiwöchigen
Fortbildungsseminare finden die Zusammensetzung der Gruppen
in Bezug auf unterschiedliche Kompetenzen, Verschiedenartigkeit, Fremdheit in
der Gruppe generell als Bereicherung. Die sprachliche Verständigung fiel
allerdings zum Teil schwer..

Wahrnehmungsübungen, Kreatives Gestalten, Szenische Übungen,
selbständige Auseinandersetzung mit Themen und die
kontinuierliche Reflexion wurden besonders positiv eingeschätzt.
Sprachübungen und theoretische Inputs wurden geringer bewertet.

Die Bereitschaft, in heterogen zusammengesetzten Schulklassen zu
unterrichten hat nach der Teilnahme an den Seminaren signifikant
zugenommen.

Wichtigste Lernerfahrung (ein Beispiel): Erhöhung meiner Sensibilität für
meine Schüler u. a. durch Reflexion meiner eigenen Kindheit/Grundschulzeit,
indem ich (Verhaltens)-Muster und Strukturen des Umgangs erkenne.
Die Evaluation
Exkurs: Sprache
„Für Sprachlehrerinnen, Sprachlehrer ist die Sprache zugleich Ziel und
Mittel. Selbst die Sprache aber reicht nicht, um den anderen zu verstehen
oder verstanden zu werden. Mir ist bewusst geworden, dass ich als
Sprachlehrerin die Sprache manchmal überschätze, es
gibt noch andere Möglichkeiten, wie man sich äußern kann:
zum Beispiel durch Bilder.“ (Marika)
Die Seminarteilnehmerin wird in ihrer Erfahrung bestätigt, als sie eine
Unterrichtseinheit mit Hochschulstudenten (Fach Deutsch für das Lehramt)
durchführt, in der sie eine Fotoserie über historisch, kulturell, konzeptionell,
bildungspolitisch bedingte, sehr verschiedenartige Schulsituationen einsetzt.
„Am Ende der Unterrichtseinheit sind Begriffe, wie Motivation, Interaktion,
schülerorientiert, Medien, Atmosphäre, Stress keine leeren Worte geblieben.
Die Studenten haben selbst Faktoren herausgearbeitet, die den modernen
Fremdsprachenunterricht ausmachen.“ (Marika)
Weitere Aussagen…
Und zum Abschluss
Kognitive Lernangebote sind einzubetten in befriedigende Situationen
sozialen Lernens in einer Schutz und Sicherheit gewährenden Gruppe sowie
in Prozesse einer „ganzheitlich“ orientierten Persönlichkeitsentwicklung.
Kompetenzen, die für den Umgang mit Heterogenität zu entwickeln sind:
 die Fähigkeit zu differenzierter Wahrnehmung nach innen und außen
(awareness);
 die Entwicklung der Fähigkeit zu Empathie und Selbstdistanz;
 die Fähigkeit, mit anderen in einer Gruppe zu lernen und gemeinsam
Arbeitsaufgaben zu lösen, d.h. die soziale Kompetenz, die von Anfang an als
interkulturelle Kompetenz begriffen und geübt werden kann;
 Die biographische Selbstreflexion wird verstanden als Basiskompetenz für
die Entwicklung und zur Stabilisierung des Gefühls der inneren Einheit der
Persönlichkeit, gerade im Zeitalter einer in allen Teilen Europas
wachsenden Individualisierung.
Kontakt:
email: [email protected] oder [email protected]
Vertiefende Informationen finden Sie:
1. Gestaltpädagogik-europa.com
2. gpv-ev.de
3. Zeitschrift für Gestaltpädagogik (ZfGp). Hg.: Gestaltpädagogische
Vereinigung (GPV e.V.).
EHP-Verlag. Bergisch Gladbach. Erscheint zweimal jährlich
Wir danken Ihnen für die Aufmerksamkeit
freuen uns auf Ihre Fragen


„Der erste Eindruck von einem Menschen täuscht meistens. Erst beim näheren Hinsehen entwickelt
sich ein Gefühl dafür, welche Personlichkeit man vor sich hat, und das ist wunderbar
Für mich war die Motivation für dieses Projekt, meinen eigenen Vorurteilen zu Leibe zu rücken. Das
ist mir und allen, die mir dabei absichtlich oder unabsichtlich geholfen haben, wahrhaftig
gelungen.“
Eindrücke des Teams
Ute Kienzle

„ Wir brauchen eine menschliche Globalisierung …“


dass Lehrpersonen die Möglichkeit erhalten, das „Fremd-Sein“ am eigenen Leibe zu erleben,
zu erfahren, dass im gegenseitigen Zeigen des „So – Gewordenseins“ Nähe und Beziehung wachsen
können,
zu merken, wann Sprache nicht mehr ausreicht und andere Kommunikationsmittel eingesetzt
werden müssen und aufmerksam zu sein, wann eine Klärung in der eigenen Sprache nötig ist,
zu beachten, dass Menschen aus (vormals) totalitären politischen Systemen tiefe Verunsicherungen
in Bezug auf Individualität und Identität in sich tragen und
zu wissen, dass der Ausdruck von Emotionen kulturell sehr unterschiedlich bewertet wird.“
Dana Wittlin
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

Ingrid Schweiger
In der Zusammenarbeit mit den Teilnehmerinnen, Teilnehmern aus allen Ländern Europas in den
Seminaren, in denen wir alle keine gemeinsame Sprache zur Verfügung haben, gewinne ich neue
Erkenntnisse für das Erlernen einer Fremdsprache. Verständnis - auch fremdsprachliches Verstehen –
wächst mit zunehmender Nähe und gegenseitiger Sympathie.
Ursula Forster
Lernkulturen:
1. Einsatz vielfältiger kreativer und nonverbaler Medien und Übungen, gemeinsames Ausprobieren von
Kinderspielen, Liedern, Tänzen und Bewegungssequenzen wie die Arbeit mit Märchen, Symbolen,
gemeinsames Malen oder paarweiser Spaziergang in der Natur helfen Kennenlern- und
Verstehensprozesse auch dort einzuleiten, wo die Vielsprachigkeit den Einzelnen sprachlos macht.
2. Gelingende Prozesse nichtsprachlicher Verständigung vermögen die tiefe Verunsicherung aufzulösen, die
auch bei uns Erwachsenen spürbar wird bei der Erfahrung „niemand versteht mich“ und „ich verstehe
nicht, was da gesprochen wird“. Angst und Einsamkeit wandelt sich in Verbundenheit und Neugier auf
das Fremde.
3. Die darauf aufbauenden kreativen Zugänge zu den biographischen Erfahrungen der Teilnehmer in
Kindheit, Familie und Schule lassen in allen kulturellen Verschiedenheiten das allgemein Menschliche –
die Stärkungen und die Wunden – verstehen lernen und in ihren Auswirkungen auf pädagogisches Sehen
und Handeln reflektieren.
4. Durch biographische Selbstreflexion verstandene und versöhnte Erfahrungen ermöglichen neue
Perspektiven zur Wahrnehmung von Schülern und auf das eigene Rollenverständnis. Sie eröffnen neue
Handlungsmöglichkeiten, für sich selbst gut zu sorgen und sich – wo nötig – zu schützen oder sich Hilfe
zu holen. Zugleich fördern sie neue Einfälle, Geduld und Zuversicht im Umgang mit schwierigen
Situationen wie mit störenden oder sich selbst blockierenden Schülern.
5. Es ist notwendig, dass Lehrende, die an solchen komplexen Lernaufgaben, mitarbeiten wollen, sich darauf
einlassen, einmal oder sogar öfters, in einer möglichst multikulturellen Gruppe von Lehrenden in einem
längeren Seminar, quasi in einer Laborsituation, die Verfahren gemeinsam zu erproben und die Chancen
und Missverständnisse, die Verletzlichkeiten und Zuwendungen sowie die komplexen und tiefgreifenden
Lernerfahrungen eines solchen Umgangs mit fremden Menschen zu erleben.
Ivica Lenková beschreibt Unterricht mit Schülern unterschiedlicher Sprachniveaus. Sie orientiert sich an
Grundwerten der Gestaltpädagogik:
Der Mensch wird gefördert als
 ganzheitliches Wesen, d.h. Einheit von Körper, Seele, Geist
 als lernendes Wesen in seinen vielfältigen Beziehungen
Persönlich bedeutsames Lernen
 geschieht im Hier und Jetzt
 im Zusammenhang mit der jeweils einmaligen Situation
 von persönlicher und gemeinsamer Geschichte
Das Selbstbewusstsein wird gefördert durch
 Wahrnehmung
 Begegnungs- und Beziehungsfähigkeit
Im gestaltpädagogischen Unterricht wird insbesondere ermöglicht und angeregt
 Ausdrucksvermögen
 Kreative Vielfalt
 Experimentierfreude
 Selbständiges und eigenverantwortliches Lernen
 Individualisierte Lehr- und Lernformen
„Die Möglichkeiten, den Deutschunterricht ( gilt allgemein für Fremdsprachen) unter gestaltpädagogischen
Gesichtspunkten zu planen und zu realisieren, sehen wir in der Unterstützung des Schülers, seinen Weg des
Selbstausdrucks und der Identität zu finden. Dadurch werden allen Schülern die gleichen Chancen gegeben.
Der Erwerb fachlicher Kompetenzen und persönlichen Wachstums sind miteinander verknüpft.“
Sprachvermittlung und Erwerb von Sprachkompetenz:
ausgewählte Texte, Gedichte bieten Stoff für Handlungseinheiten, in denen die Schüler aktiv sind und sich in
sinnhaften Zusammenhängen miteinander verständigen.
„Aus der Sicht der Schüler werden Aktivitäten positiv angenommen, die ihnen Raum für
Phantasieentwicklung und Kreativität bieten. Sprachlich schwächere Schüler werden nicht diskriminiert,
dabei steigt ihr Interesse in der FS zu kommunizieren.“
Exkurs: Sprache
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