Nr. 49 - Antwort an die Frau Abutsu

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Die Gosho-Vorlesung von Präsident Ikeda
Das Studium aus der Gosho, dem Lehrtext des Sieges
Nr. 49
„Antwort an die Frau Abutsu-bos, die Laiennonne
– die Festigkeit der Feldraine“
Unsere Lebenskraft hat eine grenzenlose Größe
– schöpfen Sie Ihre große Glaubenskraft mehr denn je!
Im Februar 1990, in dem der Himmel über Kalifornien aufklart, unterhielt ich mich mit Dr.
Norman Cousins1) (1915-1990), einem amerikanischen Denker.
„Was ist die größte Tragödie der Menschen? Das ist nicht der Tod an sich. Obwohl unser
Körper lebt, wird in unserem Innern etwas Wichtiges sterben – gerade dieser lebende Tod ist
die Tragödie.“
Die Worte von Dr. Cousins, der immer und immer wieder daran appellierte, das Gefühl
der Machtlosigkeit oder den Zynismus, welche im Herzen der Menschen nisten, zu
durchbrechen, kann ich auch jetzt nicht vergessen.
„Etwas Wichtiges in unserem Innern“, kann man wahrscheinlich sagen, ist die
Überzeugung von einer großartigen Kraft, mit der unser eigenes Leben ursprünglich
ausgestattet ist.
Dr. Cousins sagte weiter, als wollte er an junge Menschen appellieren, die die Zukunft
schultern:
„Da wir nun einmal als Mensch geboren wurden, haben wir eine edle Aufgabe, die uns
allen gemeinsam ist. Das ist meines Erachtens den Menschen zu glauben und gegenseitig zu
vertrauen. Selbst wenn jemand mit einer Tragödie unmittelbar konfrontiert ist, gegen die er
machtlos ist, und mitten in der Qual den Sinn des Lebens aus den Augen verloren haben sollte,
wünsche ich mir innig, dass er die ureigenste Seinsweise des Menschen, den Menschen zu
glauben, absolut nicht vergisst.
Ein unersetzbares Geschenk, das Leben genannt – dieses bis zum Ende bejahen und
schätzen. Das Leben anderer und ihr Gefühl absolut nicht verneinen. Dies als Unübertroffenes
gegenseitig anerkennen – allein dieses Herz des Vertrauens, das Edelste als Mensch, sollten
wir niemals aufgeben.“
Verehrung und Vertrauen zu Menschen
Die Essenz des Buddhismus Nichirens, kann man sagen, liegt sowohl in Verehrung und
Vertrauen zu Menschen als auch im Glauben an die grenzenlose Möglichkeit des Lebens und
dessen Würde. Gerade deswegen, weil wir diesen starken, glühenden Glauben besitzen,
können wir auf dem von Hoffnung erfüllten Weg zur menschlichen Revolution, die heißt:
„wenn ich mich verändere, wird sich auch die Welt ändern“ fröhlich und heiter voranschreiten.
Jeder einzelne Mensch ist eine Wesenheit des würdevollsten Buddhas und mit Kraft und
Weisheit ausgestattet, das Glück für sich selbst und für andere siegreich zu erschließen – in
1)
Dr. Norman Cousins (1915-1990), ein US-amerikanischer Journalist und Denker war als Gewissen Amerikas
bekannt. Neben seiner langjährigen Tätigkeit als Chefredakteur einer politischen Zeitschrift trug er zum
Weltfrieden und zum internationalen Kulturaustausch bei. Mit Präsident Ikeda traf er sich einige Male
zusammen und führte Dialoge. Aus diesen Dialogen und den mehrmaligen Schriftverkehren wurde das Buch
„Dialoge der Weltbürger“ herausgegeben.
1
der Einstellung der Menschen, vor dieser reichen Möglichkeit des Lebens ihre Augen zu
verschließen, daran zu zweifeln und sie zu verneinen, findet sich meines Erachtens der
Urquell des Misstrauens der Menschen und des Gefühls der Machtlosigkeit, welche diese
moderne Gesellschaft finster überdecken.
Der Grund, warum wir im Buddhismus Nichirens die Lehren, das [Wahre] Gesetz zu
verleumden, streng zur Rechenschaft ziehen, liegt darin, dass diese Handlung zwangsläufig zu
einem Kampf gegen das Grundübel, sprich Unglaube, wird, an die Möglichkeit der Menschen
nicht vollständig glauben zu können. Diesmal möchten wir aus der „Antwort an die Frau
Abutsu-bos, die Laiennonne – die Festigkeit der Feldraine“ die Praxis des Daishonin, an die
Würde der Menschen bis zum Ende zu glauben, respektvoll studieren.
1-alt) In Ihrem Brief fragen Sie, wie die negativen Wirkungen mit dem jeweiligen Grad
der Verleumdung der richtigen Lehre zusammenhängen.
Zunächst einmal wurde das Lotos-Sutra dargelegt, um alle Lebewesen auf den
Buddhaweg zu führen. Doch nur wer darauf vertraut, verwirklicht die Buddhaschaft. Wer es
verleumdet, fällt in die große Festung der Hölle des unaufhörlichen Leidens. (…)
Sogar unter denen, die das Lotos-Sutra bewahren, gibt es nur sehr wenige, die es
beständig in Gedanken und Taten umsetzen können oder überhaupt in der Lage sind, es
dauerhaft auszuüben. Aber wem dies gelingt, der wird keine schwerwiegenden Folgen
erleiden müssen, selbst wenn er leichte Verstöße gegen das Sutra begangen hat. Das starke
Vertrauen solcher Menschen bereinigt ihre Vergehen ebenso sicher wie eine Flut kleine Feuer
löscht.
neu) In Ihrem Brief fragten Sie: „Wie die negativen Vergeltungen je nachdem, wie seicht
oder tief, leicht oder schwerwiegend das [Wahre] Gesetz verleumdet wird, erscheinen?“
Eigentlich ist das Lotos-Sutra ein Sutra, in dem gepredigt wird, dass seine ursprüngliche
Absicht darin liegt, den Weg zu lehren, auf dem alle Lebewesen die Buddhaschaft
verwirklichen können. Nichtsdestotrotz wird ein Mensch, der daran glaubt, die Buddhaschaft
verwirklichen, während ein anderer, der es verleumdet, in die große Festung unaufhörlichen
Leidens fällt. (…)
Obwohl [viele Menschen] das Lotos-Sutra beibehalten und daran glauben, sind [sowohl]
die Gläubigen, die körperlich wie geistig seinem Sinne entsprechen, [als auch] die
Ausübenden, die dieses [Lotos]-Sutra felsenfest beibehalten, sehr selten. Diese Menschen
werden keine tiefen, schweren negativen Wirkungen erleiden, selbst wenn sie geringfügige
Verleumdungen des [Wahren] Gesetzes begangen haben. Das liegt daran, dass ihr Glaube
stark ist und ihre Verleumdung des [Wahren] Gesetzes schwach. Es ist damit vergleichbar,
dass eine große Menge Wasser kleines Feuer [unschwer] löscht.
(DG, Band 1, Seite 118; JG, Seite 1307)
„Alle Menschen können die Buddhaschaft verwirklichen“
– ist die ursprüngliche Absicht des Lotos-Sutra
Dieses Schriftstück ist ein Brief, den Nichiren Daishonin im September 1275 aus Minobu
an seine Schülerin Sen’nichi-ama, Ehefrau Abutsu-bos, in Sado adressierte. Etwa anderthalb
Jahre, nachdem der begnadigte Daishonin die Insel Sado verlassen hatte – damals scheint eine
der Fragen, mit denen die Schüler auf der Insel Sado beschäftigt waren, die gewesen zu sein,
wie man die Verleumdung des [Wahren] Gesetzes auffassen sollte.
Die Verleumdung des [Wahren] Gesetzes (jap. Hobo) heißt, dem „[Wahren] Gesetz
entgegenzuwirken.“ (EG, Band 2, Seite 262; JG, Seite 455) Praktisch bedeutet dies, das wahre
Gesetz, das Lotos-Sutra, das den ursprünglichen Wunsch des Buddhas, die Verwirklichung
2
der Buddhaschaft aller Menschen, offenbart, zu verleumden, geringzuschätzen und zu
verneinen, so kann sagen.
Viele seiner Schüler, angefangen mit den Eheleuten Abutsu-bo und Sen’nichi-ama,
scheinen viele Jahre lang den Glauben der Nembutsu-Schule praktiziert zu haben. Die
Nembutsu-Schule gründet auf der Lehre, die das Lotos-Sutra verleumdet. Aus diesem Grund
könnten sie sich innerlich unruhig gefühlt haben, dass es ihnen schließlich doch nicht
gelingen würde, die Buddhaschaft zu verwirklichen, obwohl sie den Daishonin trafen und sich
dem Lotos-Sutra widmeten.
Außerdem könnten vielleicht solche Probleme vorgekommen sein, dass sie sich von
damals stark vorherrschenden Gewohnheiten schwerlich befreiten konnten, oder dass ihre
Meinungen oft auseinander gingen, dass sie alle mit der Praxis des Glaubens an die Lehre des
Daishonin sehr jung waren, und dass sie darunter litten, wie man mit Menschen umgehen
sollte, die konkrete Probleme oder Schwierigkeiten hatten. „Wie sollten wir uns je nachdem,
wie seicht oder tief, leicht oder schwerwiegend man das [Wahre] Gesetz verleumdet, über die
Vergeltung dieser negativen Handlungen Gedanken machen?“ – Sen’nichi-ama wollte den
Daishonin meines Erachtens nicht nur für sich selbst, sondern auch die Gefühle aller
Gleichgesinnten auf der Insel Sado stellvertretend gefragt haben.
Daraufhin lehrt der Daishonin, dass als Grundvoraussetzung die ursprüngliche Absicht des
Lotos-Sutra darin liegt, „den Weg zu predigen, auf dem alle Lebewesen die Buddhaschaft
verwirklichen“2) können.
Alle Menschen können die Buddhaschaft ganz sicher verwirklichen, bedeutet, dass alle
Menschen in sich mit dem würdevollsten Leben, sprich Buddhanatur3), ausgestattet sind und
über grenzenlose Möglichkeiten verfügen. Noch leichtverständlicher gesagt, wohnt unserem
eigenen Leben die Kraft inne, mit der wir alle Drangsale durchbrechen und ganz sicher
glücklich werden können, ganz gleich, im Abgrund der Leiden, so schwer sie sind, wir uns
gegenwärtig befinden mögen.
Auch wenn man diese Voraussetzungen vergessend die Verleumdung des [Wahren]
Gesetzes erörtert, läuft man Gefahr, in eine einfach abstrakte Theorie zu geraten.
Allein im Lotos-Sutra wird eindeutig gelehrt, dass alle Menschen die Buddhaschaft
verwirklichen können. Wichtig ist, dunkle Wolken von Irrsal und Zweifel zu vertreiben und
an diese grundlegende Wahrheit aufrichtig und ehrlich zu glauben. Dann gibt es keinen
Zweifel daran, dass alle Menschen die Buddhaschaft verwirklichen können. Wenn man aber
im Gegensatz dazu an diesem einen Punkt zweifelt und diesen verleumdet, „fällt man in die
große Festung unaufhörlichen Leidens“, so der Daishonin.
Letztlich geht es darum, ob jeder einzelne Mensch an seine eigene Würde sowie an die
Würde anderer durch und durch glauben kann oder nicht. Alles geht von diesem wesentlichen
Punkt aus.
Das Mystische Gesetz ist ein scharfes Schwert,
das die eisernen Ketten des Karmas sprengt
Im zweiten Kapitel des Lotos-Sutra „Geeignetes Mittel“ steht: „Den Weg zu predigen, auf dem alle Lebewesen
die Buddhaschaft verwirklichen“: „Was ich mir vor langer Zeit wünschte, / Ist jetzt bereits erfüllt. / Ich bekehre
alle Lebewesen / Und lasse sie alle in den Buddhaweg eintreten.“ (DLS, Seite 58; JLS, Seite 131) Allen Lebewesen zu ermöglichen, die Buddhaschaft zu verwirklichen, ist der letztendliche Wunsch des Buddhas und der
Hauptpunkt des Lotos-Sutra liegt vor allen Dingen darin, den Weg zu zeigen, auf dem alle Lebewesen die
Buddhaschaft verwirklichen können.
3)
Die Buddhanatur: sie weist auf die Eigenschaft sowie die wahre Natur des Buddhas hin, mit der alle Lebewesen als die Ursache dafür ausgestattet sind, die Wirkung der Buddhaschaft zu erlangen.
2)
3
Es sind die Eheleute Abutsu-bo und Sen’nichi-ama, welche den Daishonin, der [das
Lotos-Sutra] so ausübte, wie es lehrt4), mit vollem Einsatz ihres Lebens bis zum Ende
beschützt haben. In den Augen des Ursprünglichen Buddhas erschienen gerade diese
Menschen als „Gläubige, die körperlich wie geistig seinem Sinne entsprechen“ sowie als
„Ausübende, die dieses [Lotos]-Sutra felsenfest beibehalten“, so kann ich mit Respekt ersehen.
Der Daishonin sagt entschieden, dass solche Ausübende, die auf diese Weise tapfer
kämpfen, niemals tiefe und schwerwiegende negative Wirkungen erleben, selbst wenn sie
früher geringe Vergehen, das [Wahre] Gesetz zu verleumden, begangen haben. Hierzu steht:
„Das liegt daran, dass ihr Glaube stark ist und ihre Verleumdung des [Wahren] Gesetzes
schwach.“
Wenn unsere grundlegende Entschlossenheit (jap. Ichinen), an den Gohonson bis zum
Ende konsequent zu glauben, nicht im Geringsten so felsenfest steht, wie ein
Meisterbogenschütze jedes Zielobjekt haargenau durchschießt, haben wir uns vor nichts zu
fürchten.
In dieser schlechten Welt im Späten Tag des Gesetzes, die mit Menschen erfüllt ist, die
das [Wahre] Gesetz verleumden, lassen wir uns von negativen Beziehungen weder
beeinflussen noch erschüttern. So wie man mit einer großen Menge Wasser ein kleines Feuer
löscht, kann man jedes Vergehen, sowohl tief als auch schwerwiegend, augenblicks
auslöschen.
Dieses Prinzip gilt auch für uns unverändert.
Sobald wir einmal damit angefangen haben, den Glauben an das Mystische Gesetz zu
praktizieren, ganz gleich, wie schwerwiegend unsere Vergehen waren, das [Wahre] Gesetz in
der Vergangenheit verleumdet zu haben, werden wir von diesem negativen Karma nicht
endlos mitgezogen. Denn das stärkste, schärfste Schwert, das die eisernen Ketten des Karmas
sprengt, ganz gleich, wie verhängnisvoll es auch immer sein mag, ist der Glaube an das
Mystische Gesetz, den wir praktizieren.
Es gab viele einfache Menschen, die an ihrem eigenen Leben verzweifelten, indem sie vor
Unglück stöhnten: „Es ist aus mit mir!“ Es sind Mitglieder der Soka Gakkai, die in den Kreis
solcher Menschen voller Leiden einsprangen und sie immer und immer wieder ermutigt haben:
„Jetzt brauchen Sie nicht mehr wegen des Karmas zu weinen!“ und mit ihnen zusammen
aufgestanden sind.
Wie viele einfache Menschen im Herzen Hoffnung und Zuversicht hervorbringen und in
ihrem Gesicht wieder ein Lächeln zurückgewinnen konnten! Das ist genau die Tat, die
Finsternis der fundamentalen Dunkelheit [des Lebens]5) zu durchbrechen, die einen am
stärksten daran hindert, an seine eigene grenzenlose Möglichkeit zu glauben, und den starken
Glauben an die Buddhaschaft im eigenen Herzen wieder beleben zu lassen.
Genauer gesagt, ist es möglich, dass jeder Mensch, bevor er damit begann, den Glauben
an das Mystische Gesetz zu praktizieren, wohl unbemerkt negatives Karma angehäuft hat, das
Lotos-Sutra zu verleumden oder daran nicht glauben zu wollen und zu können. Aber jeder
Mensch, der das Mystische Gesetz angenommen hat, kann von diesem Augenblick an einen
solchen Bann durchbrechen und so frei sein, als ob man sich in die Luft schwingen würde.
Im 21. Kapitel des Lotos-Sutra „Die übernatürliche Kraft des Tathagatas“ wird gepredigt: „Aus diesem Grund
sollt Ihr es in der Zeit nach dem Erlöschen des Tathagatas recht eines Herzens annehmen, beibehalten, lesen,
rezitieren, darlegen, abschreiben und ausüben, so wie es lehrt.“ (DLS, Seite 285; JLS, Seite 572)
5)
Die fundamentale Dunkelheit des Lebens: Sie ist die dem Leben aller Lebewesen inhärente, grundlegende
Ignoranz sowie Dummheit. Insbesondere die grundlegende Unwissenheit darüber, dass alle Dinge die Wesenheit
des Mystischen Gesetzes darstellen, wird die „fundamentale Dunkelheit des Lebens“ genannt. Nichiren
Daishonin lehrt: „Das scharfe Schwert, die fundamentale Dunkelheit [des Lebens] zu besiegen, ist ein einziges
Wort ‚Glaube’.“ (EG, Seite 119f; JG, Seite 751)
4)
4
2-alt) Im Nirwana-Sutra steht: „Wenn ein ansonsten rechtschaffener Mönch sieht, wie
jemand die Lehre zerstört, aber darüber hinweggeht, ohne ihn für dieses Vergehen zu tadeln,
zu vertreiben oder zu bestrafen, dann verrät dieser Mönch eindeutig die Lehre des Buddha.
Tadelt, vertreibt oder bestraft er jedoch den Zerstörer des Gesetzes, dann ist er mein Schüler
und ein wahrer Hörer.“ Diese Mahnung war für mich ein Ansporn, meine Stimme gegen
Verleumdung zu erheben – ungeachtet der verschiedenen Verfolgungen, die ich deshalb
ertragen musste. Denn wenn ich es unterlassen hätte, wäre ich zum Feind der Lehre des
Buddha geworden.
neu) Im Nirwana-Sutra heißt es: „Wenn selbst ein guter Mönch jemanden, der das Gesetz
zerstört, sieht, dennoch dies außer acht lässt, ihn nicht streng zurechtweist, nicht vertreibt und
nicht unter Anführung von Vergehen maßregelt, dann sollten Sie zu Recht wissen, dass diese
Person unter den Ausübenden des Buddhismus ein Feind ist. Aber wenn er (der gute Mönch)
diejenigen, [die das Gesetz verleumden], von sich aus aktiv vertreibt, streng zurechtweist,
unter Anführung von Vergehen maßregelt, dann ist dieser mein Schüler, ein wahrer StimmenHörer.“ Von diesem Sutratext zur Verantwortung gezogen und aufgefordert, erhebe ich meine
Stimme, um mich von den ermahnenden Worten: „(…) dass diese Person unter den
Ausübenden des Buddhismus ein Feind ist“ zu befreien, obwohl ich mir dessen bewusst bin,
dass mir, Nichiren, verschiedene große Verfolgungen widerfahren.
(DG, Band 1, Seite 118f; JG, Seite 1307)
Der Geist, die Menschen streng zurechtzuweisen,
die das [Wahre] Gesetz verleumden
Hier ist ein Abschnitt aus dem Nirwana-Sutra, den der Daishonin in seinen verschiedenen
Schriften zitiert und somit den Geist lehrt, die Menschen streng zu rügen, die das [Wahre]
Gesetz verleumden. Hierbei geht es 1) darum, jene streng zurechtzuweisen, [die das Wahre
Gesetz verleumden], 2) darum, jene zu vertreiben, [die das Wahre Gesetz verleumden], und 3)
darum, jene, [die das Wahre Gesetz verleumden], unter Anführung von Vergehen zu
maßregeln.
Diesen Sutra-Text auf sein eigenes Leben genommen, kämpfte der Daishonin aufgrund
seiner tiefen Gefasstheit, massiv verfolgt zu werden, gegen alle üblen Menschen an, die das
[Wahre] Gesetz verleumdeten, und erhob sein Löwengebrüll: „Werdet niemals unter den
Ausübenden des Buddhismus zum Feind!“
Aufgrund des Kontexts vom Anfang dieses Schriftstückes gesagt, ist allein der Kampf
gegen die Verleumdung des [Wahren] Gesetzes, die grenzenlose Möglichkeiten des Lebens
verschließt und Menschen an das Gefühl der Ohnmacht fesselt, der Shakubuku-Geist.
Genau diesem ehrwürdigen Geist entsprechend setzte der Daishonin für die Erfüllung des
Glückes aller einfachen Menschen damit immer weiter fort, entschieden gegen die teuflische
Natur anzukämpfen, die alle Menschen zum Unglück führt. Gegen das Böse, das die gute
Natur jedes einzelnen Menschen zerstört, mit aller Entschiedenheit ankämpfen und seine
teuflische Natur besiegen – das ist der grundlegende Geist der Religionen für einfache
Menschen, der sich in jedem Zeitalter niemals verändern darf.
Darauf basierend darf unsere konkrete Praxis, jene zurechtzuweisen, die das [Wahre]
Gesetz verleumden, keinesfalls dogmatisch sein. In diesem Schriftstück lehrt der Daishonin
Sen’nichi-ama in Bezug auf die Einstellung, jene zurechtzuweisen, die das [Wahre] Gesetz
verleumden, einen sehr wichtigen Aspekt.
Zuerst macht er klar, dass es in der Verleumdung des [Wahren] Gesetzes einen Maßstab
gibt, nämlich seicht oder tief, und zeigt konkret, dass es im Gegensatz dazu auch für den Fall,
jene zurechtzuweisen, die das [Wahre] Gesetz verleumden, flexible, mannigfaltige
Maßnahmen gibt.
5
Zum Beispiel, weil die Shingon-Schule (wörtlich: Schule des wahren Wortes) und die
Tendai-Schule (wörtlich: Schule Tiantais), die von den esoterischen Lehren mit der Zeit
immer stärker beeinflusst wurde, verleumden, das Lotos-Sutra sei dem „Sutra der großen
Sonne“ (skt. Mahavairochana-Tantra; chi. Dapiluzhena chengfo shenbian jiachi jing, kurz:
Darijing) unterlegen, sollte man sie beide eigentlich streng zurechtweisen, trotzdem war zu
jener Zeit kaum jemand, ausgenommen einiger weniger Weisen, imstande, die Unterschiede
zwischen den Lehren des Daishonin und ihren Lehren klar auseinanderzuhalten. Aus diesem
Grund kam es vor, dass man die Praxis, die Verleumdung des [Wahren] Gesetzes direkt
zurechtzuweisen, für eine Weile hintanstellte, so wie der Daishonin in seiner Abhandlung
„Über die Befriedung des Landes durch die Errichtung des Wahren Gesetzes“, die in einer
sehr frühen Phase geschrieben wurde, diese beiden Schulen nicht widerlegte.
Auch wenn negative Wirkungen, die daraus erfolgen, das [Wahre] Gesetz verleumdet zu
haben, geringfügig sind, gibt es beide Fälle, zum einen zu rügen und zum anderen nicht zu
rügen. Es gibt auch Menschen, die auf natürliche Weise damit aufhören, das [Wahre] Gesetz
zu verleumden. Oder es gibt auch einen solchen Fall, dass man andere rügt, die das [Wahre]
Gesetz verleumden, und dadurch mit ihnen zusammen von negativen Wirkungen befreit wird
usw., es gibt also verschiedene Varianten.
Die buddhistische Weisheit, die der Daishonin lehrt, ist keinesfalls fomalistisch und
doktrinär. Was hierbei wichtig ist, liegt darin, ob die Handlung desjenigen, der andere
zurechtweist, die das [Wahre] Gesetz verleumden, grundlegend aus tiefem Mitgefühl (jap. Jihi)
hervorgeht oder nicht.
„Obwohl man durch Sehen und Hören [genau] weiß, dass, wenn man anderen [aufrichtig
und vernünftig] sagt, sie [sich davon überzeugen und] sich von negativen Wirkungen befreien
können, lässt man es damit bewenden und warnt sie nicht davor, dadurch zerstört man [selbst]
die beiden [hervorragenden] Tugenden der Augen (Sehen) und Ohren (Hören) augenblicks,
und dieses [Versäumnis] gilt [für andere als Tat] aus großer Unbarmherzigkeit“ (DG, Band 1,
Seite 119; JG, Seite 1307), sagt der Daishonin streng.
Mit anderen Worten gesagt, geht unsere Handlung, jene zurechtzuweisen, die das [Wahre]
Gesetz verleumden, sicher nicht aus Ärger oder Feindseiligkeit, sondern aus tiefem Mitgefühl
hervor, unser Gegenüber niemals unglücklich werden lassen zu wollen.
Darauf folgend zitiert der Daishonin die Kommentare Zhang’ans6) (jap. Shoan, 561-632)
aus China: „Wer ohne Mitgefühl versucht, sich mit jemandem trügerisch zu befreunden, wird
für ihn ein Feind. (…) Wer um anderer willen das Böse entfernt, ist für sie in der Tat wie
Eltern.“ (DG, Band 1, Seite 119f; JG, Seite 1307)
Seit der Zeit des Gründungspräsidenten der Soka Gakkai, Tsunesaburo Makiguchi Sensei,
haben Meister und Schüler der Soka Gakkai stets mit diesem Geist gegen die Bösen
angekämpft, die das [Wahre] Gesetz verleumden und Menschen ins Unglück stürzen.
Und gerade deshalb haben wir gegen das Böse der Nikken-Schule, die einfache Menschen
geringschätzt, verachtet und unterdrückt, angekämpft und es besiegt.
Die wahre Tat, einen streng davor zu warnen, das [Wahre] Gesetz zu verleumden, ist die
Praxis, die teuflische Natur zu durchbrechen, die alle Menschen leiden lässt. Gerade weil wir
die Finsternis des großen Bösen durchbrechen, kann das Licht des großen Guten glänzend
erstrahlen.
Bis zum Ende einem „Menschen“ große Bedeutung beimessen
Zhang’an (jap. Shoan, 561-632), ein Schüler des Großmeisters Tiantai (538–597) aus China, schrieb die
Erläuterungen und Kommentare seines Meisters nieder und kompilierte sie. Unter vielen Werken sind „Die
verborgenen Bedeutungen des Nirwana-Sutra“ (chi. Niepan xuanyi) in zwei Rollen und „Kommentare zum
‚Nirwana-Sutra’“ (chi. Niepanjing shu) in zwanzig Rollen wohlbekannt.
6)
6
Auch wenn davon die Rede ist, jene zurechtzuweisen, die das [Wahre] Gesetz verleumden,
kommt es demzufolge gewiss nicht in Frage, starrsinnig von Formalitäten abzuhängen oder
eine in der Praxis anwendbare Theorie anzuwenden.
Aus dem Standpunkt, der Seinsart der inneren Seele große Bedeutung beizumessen,
kritisierte der französische Philosoph Blaise Pascal7) (1623-1662) scharf die durch die
Autorität der damaligen römisch-katholischen Kirche festgelegte Kasuistik. „Solange man
diesen Präzedenzen folgt, braucht man sich nicht mit dem Gedanken zu quälen, ob dies gut
oder schlecht ist, oder unter Gewissensnot zu leiden.“ Dieser Heuchelei des Formalismus
erteilte er eine Rüge. Was diesen Punkt angeht, ist eine wichtige Richtschnur der Religionen
für Menschen, so wie ich diesen auch bei meinem ersten Vortrag an der Universität Harvard
(im Sept. 1991) erwähnte.
In diesem Schriftstück macht der Daishonin zuerst klar, dass er auch unter seinen eigenen
Schülern und Gläubigen allein ihren äußeren Erscheinungen nach feststellen kann, ob dieser
oder jener einen starken Glauben besitzt oder nicht, und kommt besonders auf IchinosawaNyudo in Sado zu sprechen.
Ichinosawa-Nyudo schien sich innerlich dem Daishonin zu widmen, trotzdem verhielt er
sich seiner Umgebung gegenüber als Gläubiger der Nembutsu-Schule. Aus diesem Grund
machte sich der Daishonin um die Zukunft Ichinosawa-Nyudos große Sorgen.
Wenn man einen Brief (EG, Band 1, Seite 526; JG, Seite 1326) liest, den der Daishonin
im Mai, also kurz vor diesem Brief, an die Ehefrau Ichinosawa-Nyudos adressierte, kann man
feststellen, dass der Daishonin zu ihr extra in Form seines Geschenks an die Familie zehn
Bände des Lotos-Sutra schickte, damit sie ihrem Ehemann das Lotos-Sutra immer und immer
wieder vorlesen sollte, um ihn korrekt zum Mystischen Gesetz zu führen.
Der Daishonin unternahm niemals, förmlich oder äußerlich einfach zu bestimmen:
„Dieses oder jenes ist eine Verleumdung des [Wahren] Gesetzes“ oder einseitig zu beurteilen.
Wichtig ist festzustellen, ob die Gesinnung des jeweiligen Menschen gegen den Geist des
Lotos-Sutra, in dem auf die Würde des Lebens und auf den Respekt vor Menschen großer
Wert gelegt wird, verstößt oder nicht oder ob dieser oder jener Mensch an den Gohonson
korrekt glaubt oder nicht – dieser wahre Sachverhalt muss in Frage gestellt werden.
Die Entschlossenheit (jap. Ichinen) im tiefen Herzensgrund eines jeden Menschen ist auf
den ersten Blick nicht als klare Gestalt zu erkennen. Trotzdem ist es nicht zu übersehen, dass
die feine innere Einstellung (jap. Ichinen) eines jeden Menschen dessen lebenslangen Glauben
maßgeblich beeinflusst. Gerade deshalb ist die innere Grundeinstellung unseres bis zum Ende
rein und unbefleckt praktizierenden Glaubens von großer Bedeutung. Solange sie fest und
stabil bleibt, ist die Verwirklichung der Buddhaschaft zweifelsohne sicher.
3-alt) Vertiefen Sie Ihr Vertrauen mehr denn je, der andere die Grundsätze des
Buddhismus lehrt, zieht unweigerlich den Hass von Männern und Frauen, von Priestern und
Nonnen auf sich. Kümmern Sie sich nicht um deren Gerede. Vertrauen Sie sich den goldenen
Lehren des Lotos-Sutra an, den Lehren von Shakyamuni Buddha, Tiantai, Miaole, Dengyo
und Zhangan. Genau das bedeutet der Ausdruck „Ausüben, wie Buddha es lehrte“. Im Lotos7)
Blaise Pascal (1623-1662) war ein französischer Philosoph, Mathematiker und Physiker. Nebst seiner Entdeckung des Satzes von Pascal in Bezug auf den Druck der Flüssigkeit hinterließ er in der Grundlagenforschung
der Wahrscheinlichkeitstheorie, der Zahlentheorie u. a. große Leistungen. Obwohl er in seinen späten
Lebensjahren an die Atheisten zahlreiche Notizen schrieb, die die Wahrheit des Christentums lehrten, wurden sie
nicht vervollständigt. Aber nach seinem Tode wurden sie als Les Pensées (‚die Gedanken‘) zusammengefasst,
die einer der meistgelesenen philosophischen bzw. theologischen Texte der europäischen Geistesgeschichte ist.
In diesem Werk wollte Pascal ein einziges Ziel erreichen, nämlich die Menschen zu bekehren. Dafür wird er
einerseits das Elend des Menschen und insbesondere des Menschen ohne Gott schildern. Er wird andererseits die
berühmte Theorie des „pari“ (Pascalsche Wette) entwickeln. Selbst wenn man die Existenz Gottes nicht
beweisen kann, argumentiert Pascal, so ist es doch vorteilhaft zu „wetten“, dass er existiert. Falls man sich irrt,
hat man nichts verloren und falls man recht hat, kann man dadurch das Heil seiner Seele gewährleisten.
7
Sutra steht: „Wer in der schrecklichen Zeit dieses Sutra auch nur einen Moment lang darlegen
kann, der verdient es, Spenden zu erhalten von allen Göttern und Menschen.“ In den üblen
Endzeit des Gesetzes, wenn böse, von den drei Giften durchdrungene Menschen die Oberhand
gewinnen, erhält Spenden von Göttern und Menschen, wer der richtigen Lehre auch nur für
kurze Zeit vertraut und sie hochhält. Das erklärt diese Textstelle.
neu) Bemühen Sie sich um [die Praxis des] Glaubens mehr denn je! Jeder Mensch, der
anderen die Grundsätze des Buddhismus erklärt, wird unweigerlich von Männern, Frauen,
Priestern und Nonnen gehasst. Aber, wenn sie Sie unbedingt hassen wollen, dann sollen sie
Sie hassen! Überlassen Sie sich den goldenen Worten des Lotos-Sutra, des Buddhas
Shakyamuni, Tiantais, Miaoles, Dengyos und Zhangans. Die Menschen, die [das Lotos-Sutra]
so ausüben, wie [der Buddha] predigt, sind genau wie diese. Im [elften Kapitel des] LotosSutra heißt es: „Wer in der furchtbaren Welt / [Dieses Sutra] auch nur für einen einzigen
Augenblick predigt, /“ (DLS, Seite 195; JLS, Seite 394) Das ist ein Sutratext, der darauf
hinweist, dass wer zu der Zeit im Späten Tag des Gesetzes, in der die bösen von den drei
Giften stark, glühend durchdrungenen Menschen versammelt sind, das Wahre Gesetz auch
nur für einen einzigen Augenblick beibehält, von himmlischen Gottheiten sowie von
Menschen gewürdigt und beschützt werden wird. (DG, Band 1, Seite 120; JG, Seite 1308)
Sich zu einem Menschen entwickeln, der auf Basis der untrennbaren Einheit
von Meister und Schüler den Glauben so ausübt, wie der Buddha lehrt
Hier sagt der Daishonin: „Bemühen Sie sich um [die Praxis des] Glaubens mehr denn
je!“ – an Sen’nichi-ama, die den Daishonin mit vollem Einsatz ihres Lebens beschützte,
appelliert er, trotzdem mit fester Entschlossenheit „mehr denn je“ ihren Glauben unermüdlich
zu vertiefen und voranzuschreiten.
Mir scheinen sich viele verehrungswürdige Mitglieder der Gruppen für Senioren „Tahokai“, „Hoju-kai“ und „Kinpo-kai“, die für die Verwirklichung von Kosen-rufu unzählige
Kämpfe selbstlos durchführten, mit der Gestalt Sen’nichi-amas zu überlappen, die hier vom
Daishonin herzlich gewürdigt wird.
Andererseits lehrt sie der Daishonin, in der Praxis des Glaubens niemals nachzulassen,
weil die buddhistische Lehre einen beständigen Kampf gegen die teuflischen Funktionen
bedeutet, so kann ich mit Respekt ersehen. Die Eheleute Abutsu-bo und Sen’nichi-ama
behielten auch in der Zeit, nachdem der Daishonin nach Kamakura zurückgekehrt war, auf der
Insel Sado ihren Glauben bei und hissten mutig und tapfer das Banner von Kosen-rufu. Es ist
unschwer vorstellbar, dass zu diesem Zeitpunkt die drei Arten von starken Feinden8)
erschienen und viele Schüler des Daishonin mit Kritiken und Schmähungen überschüttet
wurden.
Die drei Arten von starken Feinden: Im 20-zeiligen Vers im 13. Kapitel des Lotos-Sutra „Aufforderung zum
Beibehalten“ wird erläutert, in welcher Art und Weise all diejenigen verfolgt werden, die in der Zeit nach dem
Erlöschen des Buddhas das Lotos-Sutra verbreiten. Diese Beschreibungen ordnete der Großmeister Miaole (711782) aus China in seinem Werk „Kommentar zu ‚Worte und Sätze des Lotos-Sutra’“ (chi. Fahua Wenchü-chi;
jap. Hokke-Mongu-ki) systematisch in die drei Gruppen ein: 1) „Unwissende Laiengläubige mit der sich
aufbauschenden Arroganz“: sie sind männliche wie weibliche Laien, die nichts über den Buddhismus wissen,
aber Ausübende des Lotos-Sutra mit bösen Worten schmähen und oft sogar Gewalt einsetzen. 2) „Verschlagene
Priester mit der sich aufbauschenden Arroganz“: Das sind Menschen, die dem weltlichen Leben entsagt haben,
aber durch „verdrehte Ansichten” und „Herz aus Argwohn gekrümmt” gekennzeichnet sind. 3) „Falschheilige
mit der sich aufbauschenden Arroganz“: Sie sind Menschen, die den Buddhismus dazu verwenden, um sich
selbst Profit zu verschaffen. Trotzdem werden sie von der Welt verehrt, als ob sie Heilige wären. Aber sie
verachten die Menschen und blicken auf sie herab. Das ist das Hauptmerkmal der Falschheiligen – ihre
herablassende Einstellung gegenüber anderen. Eine solche Einstellung richtet sich direkt gegen den Geist des
Lotos-Sutra, weil es lehrt, dass alle Lebewesen unendlich verehrungswürdig sind. Daher werden solche
Menschen unweigerlich zu „Feinden des Ausübenden des Lotos-Sutra“.
8)
8
All diese Tränen des Ärgers kannte der Daishonin. „Aber, wenn sie Sie unbedingt hassen
wollen, dann sollen sie Sie hassen!“ – hier sagt er: „Kommen Sie unbefangen zu einer klaren
Lösung, ohne sich darüber zu grämen!“ Makiguchi Sensei unterstrich auch diese Textstelle
kraftvoll.
Im Sutratext, den der Daishonin selbst auf sein eigenes Leben bezogen las, steht: „Dass
sie weitere, verschiedene leidvolle Vergeltungen in dieser gegenwärtigen Existenz verringert
erfahren, ist auf die Kraft der aus dem Schutz des [Wahren] Gesetzes herrührenden
verdienstvollen Tugenden zurückzuführen.“ (aus dem „Parinirwana-Sutra“, DG, Band 1, Seite
276; JG, Seite 959) Daraus ist das Prinzip „Das schwere [Karma] abzuändern und [es] leicht
anzunehmen“9) eindeutig zu erkennen. Und mehr noch, es ist der Buddhismus, der über die
Kraft des grenzenlos weit und breit großen Mitgefühls verfügt, die sogar jene, die uns mit
bösem Munde geschmäht haben, schließlich nach dem Prinzip „Beziehung der giftigen
Trommel“10) retten kann.
Wir brauchen uns um nichts Sorgen zu machen. Wir brauchen uns vor nichts zu fürchten.
Genauso, wie der Daishonin sagt: „Wenn Eisen im Feuer erhitzt und geschlagen wird, entsteht
ein Schwert“ (DG, Band 1, Seite 273; JG, Seite 958), werden alle Drangsale, die wir erleben,
zur treiben Kraft, unser eigenes Leben so unzerstörbar wie ein Diamant zu stählen und die
Fähigkeit zu entwickeln, mit der wir die eisernen Ketten des Karmas sprengen und unser
Leben völlig frei führen können.
Genau deshalb ist es für uns wichtig, „uns den goldenen Worten zu überlassen“. Auch
diese Stelle unterstrich Makiguchi Sensei. Wichtig ist, dem Lotos-Sutra entsprechend und den
Schriften des Daishonin entsprechend an den Gohonson mit fester Entschlossenheit zu
glauben und bis zum Ende zu leben. Jedes Mal, wenn er die Gosho respektvoll las, sagte Toda
Sensei: „Das stimmt. Das stimmt ganz genau. Dafür ist wirklich zu danken.“
Wer sein Leben von ganzem Herzen den goldenen Worten überlässt, ist jemand, der die
Lehren so ausübt, wie sie [der Buddha] lehrt. Kein anderer Mensch, sondern der Daishonin
selbst zeigte uns ein Musterbeispiel. Aufgrund dessen lehrt der Daishonin Sen’nichi-ama,
genauso wie ihr Meister als jemand bis zum Ende zu leben, der die Lehren so ausübt, wie sie
[der Buddha] lehrt.
Es geht um die untrennbare Einheit von Meister und Schüler. Und es geht um den
gemeinsamen Kampf von Meister und Schüler.
Am Ende des elften Kapitels des Lotos-Sutra „Den Schatzturm sehen“ steht: „Wer in der
furchtbaren Welt / [Dieses Sutra] auch nur für einen einzigen Augenblick predigt, / Diesem
sollen alle Götter und Menschen / Insgesamt gebührend Verehrung darbringen.“ (DLS. 195;
JLS. 394)
Wenn von der Zeit die Rede ist, ist es der „Späte Tag des Gesetzes in der schlechten
Welt“, und wenn von der Gesellschaft die Rede ist, ist es eine Welt, die mit bösen von den
„drei Giften11) stark, glühend durchdrungenen Menschen“ erfüllt ist. In solch einer Zeit und in
solch einer Gesellschaft setzen wir uns dafür ein, das Wahre Gesetz beizubehalten und
anderen mutig darüber zu sprechen. Dabei bemühen wir uns darum, als Offenbarung des
Glaubens von uns aus anderen Menschen darüber zu sprechen, auch nur ein Wort oder einen
Das „schwere [Karma] abzuändern und [es] leicht anzunehmen“: dieses Prinzip steht im einunddreißigsten
Band des Nirwana-Sutra erläutert. Es bedeutet, dass wir durch die verdienstvolle Tugend, die wir durch den
Schutz des wahren Gesetzes erlangen, schwere in vergangenen Existenzen begangene Vergehen abändern und in
dieser Lebensexistenz die Vergeltung davon leicht ertragen können.
10)
Ein anderer Ausdruck für inverse Beziehung, das heißt eine Beziehung zum Lotos-Sutra, die dadurch gebildet
wird, dass man sich ihm entgegenstellt oder es verleumdet. Der Ausdruck „giftige Trommel” stammt aus dem 9.
Band des Nirwana-Sutra, wo es heißt: „Sobald die giftige Trommel geschlagen wird, werden alle Menschen, die
sie hören, sterben, egal ob sie ihr zuhören wollen.” Wenn das Lotos-Sutra gepredigt wird, werden gleichermaßen
sowohl jene, die es annehmen als auch jene, die dagegen sind, den Samen der Erleuchtung erhalten
11)
Die drei Gifte: Sie weisen innerhalb der irdischen Begierden auf die grundlegenden Begierden Habgier, Ärger
und Dummheit hin, die jedem Leben innewohnen.
9)
9
Satz. Wie edel und erhaben die Handlungen eines jeden Bodhisattwas sind! Es ist ein
Versprechen, dass alle himmlischen Götter diese Menschen ganz sicher beschützen und ihnen
Verehrung darbringen.
„Aber, wenn sie Sie unbedingt hassen wollen, dann sollen sie Sie hassen!“ – indem wir
diesen einen Abschnitt respektvoll lesen, schreiten wir bis zum Ende mit weitem, breitem
Herzen gleich einem herrlich strahlenden brauen Himmel stattlich voran.
In meinen jungen Tagen, unmittelbar nachdem ich Toda Sensei getroffen hatte, dichtete
ich:
„Von Hoffnung entbrannt den tosenden Wogen entgegen / Auch wenn eine ärmliche
Erscheinung / Gleich, ob andere lachen oder spotten / Halte still aus und schaue in die
Zukunft /
Arbeite zuerst, solange Du jung / Unter ihnen kann es welche geben, die verachten /
Jedoch ein Lächeln, [Dein] Herz entbrannt / Stark und richtig gehe Deinen Weg! /
[Wenn ich] Auf dem Weg der Drangsale ruhig und gelassen / Fröhlich lächele und zum
großen Himmel aufblicke / Sehe ich in Zukunft den Gipfel Hoffnung / Ich schreite voran auch
heute“
Es ist meine Freude, dass viele junge Menschen diesem Herzen nachfolgen.
4-alt) Jetzt sollten Sie einen großen Eid ablegen und für Ihr nächstes Leben beten. Wenn
Sie auch nur im Geringsten an der richtigen Lehre zweifeln oder sie herabsetzen, werden Sie
sicherlich in die große Höllenfestung des unaufhörlichen Leidens fallen. Stellen Sie sich ein
Schiff vor, das über das offene Meer segelt. Auch wenn es solide gebaut ist – sollte Wasser
durch ein Leck eindringen, werden die Menschen an Bord unweigerlich zusammen ertrinken.
Und auch wenn die Dämme zwischen Reisfeldern stabil sind – sollte nur ein ameisengroßes
Loch darin sein, wird das Wasser langsam aber sicher ablaufen. Schöpfen Sie also das
Meerwasser der Verleumdung und des Misstrauens aus Ihrem Lebensschiff und verstärken
Sie die Grundfesten Ihres Glaubens.
Bei leichten Vergehen seien Sie nachsichtig mit einem Glaubensgefährten und helfen Sie
ihm, Nutzen zu erhalten. Bei ernsthaften Vergehen ermutigen Sie die Person, stärker zu
vertrauen – so kann sie ihre Verfehlungen auslöschen.
neu) Richten Sie dieses Mal einen großen Wunsch auf und beten Sie für Ihr [glückliches]
Leben in der nächsten Existenz! Sollten Sie auch nur im Geringsten Vergehen der
Verleumdung des [Wahren] Gesetzes und des Unglaubens begangen haben, gibt es keinen
Zweifel daran, dass Sie in die große Festung unaufhörlichen Leidens fallen. Zum Beispiel
fährt man mit einem Schiff über das offene Meer. Falls Wasser ins Schiff eindringt, auch
wenn es nicht unbedingt von schlechter Qualität sein sollte, werden die Menschen an Bord
ganz sicher augenblicks sterben. Und es ist auch damit vergleichbar, dass, falls es ein
Ameisenloch gibt, das [einmal] gefüllte Wasser ganz sicher am Ende auf dem [Reis]-Feld
nicht stagniert, auch wenn die Feldraine fest sind. [Demzufolge] sollten Sie das [Meer]Wasser der Verleumdung des [Wahren] Gesetzes und des Unglaubens beseitigen und die
Feldraine Ihres Glaubens befestigen.
Geht es um ein seichtes Vergehen, dann sollten Sie von sich aus [der Person] nachsehen
und bewirken, dass sie verdienstvolle Tugenden erlangt. Wenn es aber um ein
schwerwiegendes Vergehen geht, dann sollten Sie [diese Person] ermutigen, damit sie ihren
Glauben [verstärken kann], um ihr schweres Vergehen auszulöschen.
(DG, Band 1, Seite 120f; JG, Seite 1308)
„Feldraine des Glaubens“ befestigen
10
„Richten Sie einen großen Wunsch auf!“ – für die ganze Schülerschaft des Daishonin
damals ging es vor allem um den großen Wunsch, in diesem Leben die Buddhaschaft zu
verwirklichen. Der Daishonin forderte sie alle dazu auf, ihren Glauben in dieser Existenz bis
zum Ende vollständig zu praktizieren und somit den Buddhaweg zu vollbringen.
Jedoch zeigt der Daishonin gleichzeitig in seinen verschiedenen Schriften, dass dieser
große Wunsch nicht nur darauf beschränkt gilt, dass jeder Einzelne seine eigene Buddhaschaft
verwirklicht, sondern auch dafür da sein sollte, das Lotos-Sutra weithin zu verbreiten, um
andere Mitmenschen zu erretten. Es ist genau so, wie in der „Aufzeichnung der Vorlesungen
[des Daishonin] über die Bedeutungen [des Lotos-Sutra]“ (jap. Ongi-kuden) steht: „Der große
Wunsch bedeutet, das wahre Gesetz [des Lotos-Sutras] zu verbreiten.“ (EG, Seite 82; JG,
Seite 736)
Damit sie in ihrer nächsten Lebensexistenz an einem guten Ort geboren werden kann,
warnt sie der Daishonin davor, „Vergehen der Verleumdung des [Wahren] Gesetzes und des
Unglaubens zu begehen“. Denn diese Vergehen stellen nichts anderes als Finsternis des
Lebens dar, das mit der fundamentalen Dunkelheit des Lebens verhüllt wurde.
Die ursprüngliche Kraft, diese Finsternis zu erhellen und im eigenen Herzen jedes
einzelnen Menschen eine Sonne in der Welt der Buddhaschaft aufgehen zu lassen, ist nichts
anderes als der Glaube an den Gohonson.
Auch ein Schiff, das auf offener See fährt, wird versinken, falls es irgendwo ein Leck
bekommt und das Wasser an dieser Stelle hineinfließt. Und die nächste Allegorie der
Feldraine ist ein Abschnitt, aus dem ein anderer Name dieses Schriftstückes herrührt. Obwohl
die Feldraine, die die Reisfelder abteilen, fest und stabil sind, wenn es aber darin ein
Armeisenloch gibt, wird das Wasser aussickern, die Felder trocknen aus und auch der Reis
wird welken. Ein Leck im Schiff sowie ein Loch der Feldraine – wegen eines minimalen
Lecks wird das scheinbar stabil gebaute Schiff sinken und aus einem geringfügigen Loch der
auf den ersten Blick befestigten Feldraine werden Reisfelder schließlich vertrocknen.
Auch ein Loch, sprich der Unglaube, kann mit den bloßen Augen nicht gesehen werden.
Deshalb ist das fürchterlich. Genau aus diesem Grund ist Unachtsamkeit verboten. Ganz
gleich, was auch immer geschehen mag, ist es für uns wichtig, diesen Glauben an den
Gohonson zeitlebens beizubehalten und konsequent zu praktizieren. Gerade deshalb sollten
wir uns nicht von der Soka Gakkai entfernen und nicht vom Weg der untrennbaren Einheit
von Meister und Schüler abkommen. Es ist genauso wichtig, die Eintracht dieser wichtigen
harmonischen Glaubensgemeinschaft zu beschützen.
Hier sagt der Daishonin: „[Demzufolge] sollten Sie das [Meer]-Wasser der Verleumdung
des [Wahren] Gesetzes und des Unglaubens beseitigen und die Feldraine Ihres Glaubens
befestigen.“
Nicht voranzugehen bedeutet, [im Glauben] zurückzufallen, sagt man.
Genau aus diesem Grund ist es für uns wichtig, Stagnation und Trägheit zu durchbrechen
genau dem Text der Gosho entsprechend: „Verstärken Sie Ihren Glauben Tag für Tag und
Monat für Monat. Sollten Sie auch nur ein wenig in Ihrem Glauben nachlassen, werden
Dämonen die Gelegenheit ausnutzen“ (DG, Band 1, Seite 288; JG, Seite 1190) von heute an
unaufhörlich immer weiter voranzuschreiten.
Den Buddhismus des Daishonin auszuüben bedeutet, gegen die fundamentale Dunkelheit,
das grundlegendste Irrsal des Lebens, das die grenzenlosen Möglichkeiten des Lebens
verschließt, ununterbrochen anzukämpfen. In dem Augenblick, in dem wir vergessen, diesen
inneren Kampf fortzuführen, werden wir in die Finsternis der Leiden stürzen, so wie ein
Gosho-Abschnitt besagt: „Sie (die Lebewesen in den neun Welten) (…) wandern von
Finsternis zu Finsternis.“ (EG, Band 2, Seite 838; JG, Seite 560)
Der wesentliche Grund, warum wir andere davor warnen, das [Wahre] Gesetzes zu
verleumden und die Praxis des aufrichtigen Glaubens an den Gohonson zu vergessen, liegt
genau in diesem Punkt.
11
5-alt) Sie sind eine wirklich außergewöhnliche Frau, da Sie mich gebeten haben, die
Auswirkungen der unterschiedlichen Grade von Verleumdung zu erklären. Sie sind in jeder
Hinsicht so lobenswert wie die Tochter des Naga-Königs, als sie erklärte: „Ich eröffne die
Lehre des großen Fahrzeugs und errette die Lebewesen aus dem Leiden.“ Im Lotos-Sutra
heißt es: „Wenn einer (…) nach seinem tieferen Sinn fragt – dies ist in der Tat schwierig.“ Es
gibt nur sehr wenige Menschen, die nach der Bedeutung des Lotos-Sutra fragen. Seien Sie
entschlossen, Verleumdungen gegen die richtige Lehre immer nach besten Kräften zu
verurteilen. Es ist in der Tat wunderbar, dass Sie mir dabei helfen, meine lehren darzulegen.
neu) Meine verehrte Frau, Sie haben mich in Ihrer Position danach gefragt, wie seicht
oder tief, leicht oder schwerwiegend die negativen Wirkungen durch die Verleumdung des
[Wahren] Gesetzes sind, das stellt heraus, dass Sie eine wirklich ungewöhnliche Frau sind.
Wie können Sie dem Drachenmädchen unterlegen sein! [Die Textstelle aus dem zwölften
Kapitel des Lotos-Sutra „Devadatta“]: „Ich erschließe die Lehre des Großen Fahrzeugs, / Um
die leidenden Lebewesen zu befreien!“ (DLS, Seite 201; JLS, Seite 407) trifft genau hierauf
zu. [Im elften Kapitel des Lotos-Sutra „Den Schatzturm sehen“ steht:] „Wenn er (…) / Und
nach seinen tiefen Bedeutungen fragt, / Dies wird nämlich als schwierig bezeichnet.“ (DLS,
Seite 194; JLS, Seite 392) Hier wird gepredigt, dass Menschen, die nach Bedeutungen der
Lehren und Prinzipien im Lotos-Sutra fragen, schwerlich erscheinen. Seien Sie entschlossen,
seien Sie entschlossen! Solange Sie über die Kraft verfügen, sollten Sie [all diejenigen, die]
das [Wahre] Gesetz verleumden, streng anprangern. Dass Sie meine, Nichirens, Gerechtigkeit
unterstützen, empfinde ich wunderbar und nehme dies wunderbar wahr.
(DG, Band 1, Seite 121; JG, Seite 1308)
Der suchende Geist einer Person verursacht einen Fortschritt vieler Menschen
Zum Schluss lobt der Daishonin erneut, dass ihn Sen’nichi-ama danach fragte, „wie seicht
oder tief, leicht oder schwerwiegend die negativen Wirkungen durch die Verleumdung des
[Wahren] Gesetzes sind“, und sagt, dass sie jenem Drachenmädchen12), das den Weg zur
Erlangung der Erleuchtung der Frauen gebahnt hatte, sicher nicht unterlegen ist.
Daraus, dass der Daishonin gerade diesen Abschnitt des zwölften Kapitels des Lotos-Sutra
„Devadatta“ anführte, kann ich wohl ersehen, dass Sen’nichi-ama diese Frage nicht einfach
aus ihrem persönlichen Interesse, sondern vielmehr aus ihrem tiefen Wunsch heraus stellte, all
ihre Gleichgesinnten in Sado mögen ihren Glauben bis zum Ende praktizieren.
Und von diesem Abschnitt haben wir das Gefühl, das Herz ihres Meisters, der ihr tief
vertraut und ihre Taten würdigt, nachvollziehen zu können: „Vielen herzlichen Dank, dass Sie
die Probleme, die tief im Herzen aller Gleichgestinnten stecken blieben, auf sich genommen
und mich nach ihren Bedeutungen gefragt haben!“
Wenn ich daran denke, war mein verehrter Meister Toda Sensei gütig und hielt oft Frageund Antwort-Versammlungen.
Dabei lobte er die Mitglieder, die Fragen stellten: „Das ist eine gute Frage“ oder „Ich
freue mich sehr, dass Du eine wichtige Frage gestellt hast.“
12)
Das Drachenmädchen: Es weist auf die acht Jahre alte Tochter des Drachenkönigs Sagara hin, der im Palast
auf dem Meeresgrund wohnte. Im zwölften Kapitel des Lotos-Sutra „Devadatta“ wird dargelegt, dass sie sich
dazu entschloss, das Lotos-Sutra anzunehmen, als Bodhisattwa Manjushri es predigte, und einen Schwur leistete:
„Ich erschließe die Lehre des Großen Fahrzeugs, / Um die leidenden Lebewesen zu befreien!“ (DLS, Seite 201;
JLS. 407) Dann brachte das Mädchen dem Buddha ein kostbares Juwel dar und offenbarte den erleuchteten
Lebenszustand. Die Tatsache, dass das Drachenmädchen die Buddhaschaft erlangte, wird als Beispiel für die
„Verwirklichung der Buddhaschaft aller Frauen“ sowie die „Verwirklichung der Buddhaschaft unmittelbar mit
dem eigenen Körper“ bezeichnet.
12
Den Leitern und Verantwortlichen gab er hin und wieder Führung: „Komm zu mir und
frag mich, ganz egal, wonach!“ Auf die ernsthaften Fragen antwortete er auch zu der Zeit, in
der er so beschäftig war, sehr freudvoll und sorgfältig.
Fragt man, so beginnt ganz sicher ein Fortschritt. Wird Zweifel erhellt, so wird dort eine
frische, erquickende Zuversicht geboren. Eine Überzeugung von ganzem Herzen bringt
Freude und Selbstvertrauen hervor. Unsere harmonische Glaubensgemeinschaft von Soka
wird auch von jetzt an mit Dialogen, basierend auf dem suchenden Geist und der
Überzeugung, voller Schneid voranschreiten.
Glaube Deinem eigenen Leben!
Zum Abschluss dieses Schriftstückes sagt der Daishonin: „Seien Sie entschlossen, seien
Sie entschlossen! Solange Sie über die Kraft verfügen, sollten Sie [all diejenigen, die] das
[Wahre] Gesetz verleumden, streng anprangern. Dass Sie meine, Nichirens, Gerechtigkeit
unterstützen, empfinde ich wunderbar und nehme dies wunderbar wahr.“
Das ist ein von tiefem Mitgefühl erfüllter Ausdruck des Daishonin gegenüber seiner
Schülerin: „Vielen Dank, dass Du mit mir zusammen kämpfst!“
Meister und Schüler gehen gemeinsam voran, um die Finsternis der Gesellschaft, die von
Menschen erfüllt ist, die das [Wahre] Gesetz verleumden, mit dem Lichtstrahl der
Gerechtigkeit zu beleuchten. Nichts ist größer als solch eine Freude. Und nichts ist wertvoller
als solch ein Wunder.
Ein bekannter Abschnitt aus der „Aufzeichnung der Vorlesungen [des Daishonin] über die
Bedeutungen [des Lotos-Sutra]“ (jap. Ongi-kuden) besagt: „Dieser Satz bedeutet: Erstmals zu
erkennen, dass unser Leben ursprünglich Buddha ist, wird als große Freude bezeichnet.
Sozusagen: Nam-Myoho-Renge-Kyo ist die größte Freude aller Freuden.“ (OTT, Seite 212;
JG, Seite 788)
In dem Augenblick, in dem wir die Finsternis unseres Lebens, das [Wahre] Gesetz zu
verleumden und nicht daran glauben zu wollen, vertrieben und die Wahrheit unseres eigenen
Lebens erkannt haben, geht in unserem Herzen eine purpurrot strahlende Sonne der Hoffnung
auf. Genau das scheint mir die größte Freude aller Freuden zu sein.
Allein das Leben, das jedem einzelnen Menschen innewohnt, ist der größte Schatz
schlechthin.
Nichtsdestotrotz sind die meisten Menschen darauf erpicht, diesen Schatz nur außerhalb
ihrer selbst zu suchen. Warum? Das liegt daran, dass die Kraft, Menschen zu glauben,
schwächer geworden ist. Denn sie können sich selbst nicht glauben. Daraus resultiert meines
Erachtens die Verwirrung dieser modernen Zeit.
Glaub an Dein eigenes Leben! Denn es ist mit der größten Kraft ausgestattet.
In den Analekten des Konfuzius (chi. Lunyu, „Diskussion über die Worte“) ist ein sehr
eindruckvoller Dialog von Meister und Schüler aufgezeichnet.
– Ein Schüler freute sich innerlich darüber, den Weg lernen zu können, der sein Meister
Konfuzius (551 v. Chr.-479 v. Chr.) lehrt, dennoch führte er im Mund: „Mir fehlt es aber an
Kapazität.“
Gewiss, wenn seine Kapazität nicht ausreichend ist, ist es vielleicht möglich, dass er nur
soweit geht und auf dem halben Weg aufhört. Das größte Problem liegt jedoch nicht darin.
Konfuzius sagte zu seinem Schüler mit Nachdruck:
„Jetzt gibst Du von Dir selbst aus auf.“ Damit wollte er wahrscheinlich sagen: Obwohl Du
noch nicht angefangen hast, wie kannst Du schon sehen, dass Du es nicht schaffen kannst,
und warum willst Du deshalb schon jetzt aufgeben?! Eine solche Einstellung ist nicht gut.“
Toda Sensei rief junge Menschen an: „Glaubt an Euch selbst!“ Alle Menschen besitzen in
ihrem eigenen Leben grenzenlose Möglichkeiten. Die Wesenheit des Mystischen Gesetzes für
absoluten Sieg ist nichts anderes als das eigene Leben eines jeden Menschen selbst. Gerade
13
aus diesem Grund wünsche ich mir innig, dass die jungen Menschen von Soka eine starke,
glühende große Glaubenskraft aufrütteln, die grenzenlose Kraft eines Buddhas, die Kraft eines
Löwenkönigs, mit der jede und jede Einzelne von Euch ausgestattet ist, aus sich
hervorbringen und freudig und fröhlich bis zum Ende leben.
Im Februar vor 55 Jahren (1958) wurde mir von Toda Sensei ein Ziel der Verbreitung,
drei Millionen Familienhaushalte zum Gohonson zu führen, wie sein letzter Wille anvertraut.
Und da ich eine dynamische Pulsierung junger Kräfte spürte, die dazu entschlossen waren,
mit mir zusammen aufzustehen, schrieb ich die Worte aus den Analekten des Konfuzius, die
mein verehrter Meister zu sagen pflegte, in mein Tagebuch ein: „Die Jüngeren sind mit
Ehrfurcht zu beachten.“
Jetzt beobachte ich einen großen Fortschritt aller viel versprechenden Mitglieder der
Jugend-Abteilung abermals mit dem Gedanken: „Die Jüngeren sind mit Ehrfurcht zu
beachten.“
All meine lieben Mitglieder der Jugend-Abteilung, indem jede und jeder Einzelne von
Euch eine großartige Leidenschaft und Kapazität der Jugend voll entfaltet und das
ursprüngliche Licht des Lebens ausstrahlt, möchtet Ihr bitte auf der Bühne Eurer eigenen
Aufgabe in Richtung Glück und Sieg völlig uneingeschränkt und voller Dynamik tanzen!
(aus der „Daibyakurenge“, Februar 2013)
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