DIE ZEIT 15/2009

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Die Stellung der Attributsgruppe in der Dependenzstruktur
des deutschen Satzes
Inhaltsverzeichnis
Theoretischer Teil
Einleitung.....................................................................................................................6
2. Zur Geschichte der Valenztheorie und ihrer Stellung in der modernen
Syntaxforschung..........................................................................................................8
2.1
Die Entstehung der Valenztheorie. Das Valenzmodell von Lucien Tesnière...8
2.2
Grundgedanken der Dependenzgrammatik.....................................................10
2.2.1
Die stemmatische Darstellung........................................................................11
3. Allgemeines über Attribute..................................................................................14
3.1
Attribut und Wortklassen ...............................................................................16
3.2
Einzelne Attributsarten...................................................................................17
3.2.1
Adjektiv- und Adverbialattribut......................................................................17
3.2.2
Partizipiale Attribute.......................................................................................18
3.2.3
Genitivattribute...............................................................................................20
3.2.4
Präpositionalattribute......................................................................................22
3.2.5
Relativsätze.....................................................................................................24
3.2.6
Appositionen...................................................................................................28
Empirischer Teil
Allgemeines................................................................................................................29
4. Die valenzbezogene Untersuchung der Sätze mit Attributen in der deutschen
Gegenwartsprache....................................................................................................30
4.1
Die Valenzeigenschaften der Adjektiv- und Partizipialattribute.....................30
4.2
Attribute, die durch eine Substantivgruppe ausgedichtet sind.........................36
4.2.1 Genitivattribute................................................................................................36
4.2.2 Attribute als präpositionale Gruppe.................................................................39
4.3
Adverbiale Attribute........................................................................................42
4.4
Infinitivkonstruktionen und Relativsätze.........................................................45
4.5.
Apposition als Attribut.....................................................................................49
Zusammenfassung....................................................................................................52
Inhaltzverzeichnis.....................................................................................................54
2
Einleitung
In der vorliegenden Magisterarbeit werden ausgewählte Probleme der deutschen
Dependenzgrammatik behandelt. Eine besondere Berücksichtigung gilt dabei den
Attributen.
Das Ziel der Abhandlung besteht in einer komplexen Analyse der ausgewählten
lexikalisch-grammatischen Einheiten der deutschen Sprache unter dem Aspekt der
Valenztheorie.
Um dieses Ziel zu erreichen, sollen folgende Aufgaben gelöst werden:
-
Die Darstellung der theoretischen Grundlagen der Attributsgruppen sowie der
Valenztheorie
-
Die Herausarbeitung der wissenschaftlichen Methoden auf der Grundlage der
im ersten Punkt angestellten Untersuchungen
-
Die Aufstellung eines für meine Ziele brauchbaren Beschreibungsmodells der
Analyse des empirischen Materials
-
Valenzorientierte Untersuchung des empirischen Sprachmaterials
-
Klassifizierung und endgültige Zuordnung des Materials
Es soll auf folgende Fragen geantwortet werden:
-
Welche Stellung nehmen Attribute in der Dependenzstruktur des deutschen
Satzes ein?
-
Worin unterscheidet sich die Stellung der verschiedenen Wortklassen, die als
Attribute fungieren können?
-
Wie lässt sich diese Stellung umschreiben und graphisch darstellen?
-
Welche Möglichkeiten hat die Valenztheorie bei der Untersuchung der
Attributsgruppen?
3
Die Analyse wird auf der Basis von folgenden Methoden durchgeführt:
-
kategorial-grammatische Analyse im Bereich der Morphologie
-
kategorial-semantische Analyse
-
valenzorientierte syntaktische Analyse
Meine Magisterarbeit weist folgende Struktur auf. Sie besteht aus der vorliegenden
Einleitung, einem theoretischen und einem empirischen Kapitel, einem Schlusswort,
einem Literaturverzeichnis und dem Quellenverzeichnis.
Im theoretischen Teil werden zunächst die Forschungslage und die Fragestellung
dargestellt.
Aufgrund der Fachliteratur werden die wichtigsten Konzeptionen dargelegt und
miteinander verglichen. Ferner werden die Grundlagen der modernen Valenztheorien
behandelt, wobei die Valenzeigenschaften der Attribute im Vordergrund stehen.
Es wird überprüft, welche neuen Möglichkeiten die Dependenzgrammatik eröffnet,
dank denen die traditionelle Behandlung der zu untersuchenden sprachlichen
Einheiten erweitert, aber auch in anderen Punkten revidiert werden kann.
Verschiedene Herangehensweisen an die Stellung von Attributen in der Hierarchie
der deutschen Satzstruktur werden miteinander verglichen mit dem Ziel, ein
adäquates und optimales Modell auszuarbeiten.
Dieses Modell bildet nun die Grundlage für eine empirische Untersuchung, die im
zweiten Kapitel der Arbeit angestellt wird.
Auf der Basis eines empirischen Sprachkorpus werden die Valenzeigenschaften der
Attributsgruppen in der deutschen Gegenwartssprache behandelt. Sie werden sowohl
mit Hilfe der Dependenzschemata graphisch dargestellt als auch durch entsprechende
Kommentare zu den Schemata versehen.
Im Literaturverzeichnis wird die benutzte Fachliteratur und im Quellenverzeichnis
werden die Quellen des empirischen Materials aufgeführt.
4
2. Zur Geschichte der Valenztheorie und ihrer Stellung in der
modernen Syntaxforschung
2.1 Die Entstehung der Valenztheorie. Das Valenzmodell von Lucien Tesnière
„Valenz ist eine Zeitbombe, die im Lexikon deponiert ist und in der Grammatik
detoniert“
(V.Ágel)
Die Valenztheorie geht auf Lucien Tesnière (1893-1954) zurück, der die Grammatik
für die Syntax der französischen Sprache entwickelt hat. Tesnière war der erste, der
eine Grammatiktheorie auf dem Gedanken der Abhängigkeitstheorie gründete.
Seine Kenntnisse und Erfahrungen sammelte er schon beim Studium an den
Universitäten
Sorbonne,
Leipzig
und
Berlin.
In
der
dreijährigen
Kriegsgefangenschaft in Deutschland hielt er Vorlesungen über Sprachwissenschaft
und veröffentlichte verschiedne Bücher und Aufsätze zum Thema Syntax. Doch
seine Publikationen weckten kaum Interesse bei Sprachwissenschaftlern. Erst als
Tesnière eine Dozentenstelle an der Universität Montpellier annahm, bekam er mehr
Beachtung. Ab diesem Zeitpunkt beschäftigte er sich überwiegend mit der
Dependenzgrammatik. Resultat seiner intensiven Forschung ist das Buch
„Grundzüge der strukturalen Syntax“, das schon 1939 abgeschlossen war. Die
endgültige Fertigstellung des Werkes zog sich aber länger hin, weil Tesnière 1947
schlimm erkrankte. Den Erscheinungstermin erlebte er selber nicht mehr, da er 1954
an seiner Krankheit starb. Die erste Auflage seines Buches war nach sechs Jahren
vergriffen, was die Bedeutung seines Hauptwerkes unterstreicht. Mit seinem Konzept
arbeiteten unter anderen Baum (1976), Heringer (1993) und Hudson (1993). Die
deutschen Sprachwissenschaftler wie Engel, Buscha, Ágel und Eroms berufen sich
auch stets auf das tesnièrerische Modell und haben es an deutschem Beispielmaterial
weiterentwickelt.
(vgl. Eroms 2000, 79)
Das Wort Valenz kommt aus der Chemie. Übersetzt ins Deutsche heißt Valenz
Wertigkeit und meint in der Chemie die Neigung zweier Elemente, sich zu einem
Molekül zu verbinden.
5
Eroms (2000, 80) schreibt dazu: „So wie ein spezifisches Atom Elektronen bindet, so
bindet das Verb, als atomarer Kern des Satzes, andere Einheiten an sich. […] Ohne
das Verb würden diese in Luft hängen.“
Tesnière interessierte sich vor allem für die hierarchische Struktur des Satzes und die
Abhängigkeiten zwischen Satzteilen. Oberstes Regens, das den Satz organisiert, ist
das Verb. Das Prädikat ist Valenzträger, der die Leerstellen eröffnet, die im Satz
durch andere Mitglieder (Dependentia) besetzt werden, damit der Satz vollständig
und sinnvoll wird. Die Satzbildung besteht in der Leerstellenbesetzung.
Die Anzahl von den Leerstellen, die das Verb eröffnet ist unterschiedlich und hängt
von der Wertigkeit des Prädikats ab. Es werden null-, ein-, zwei-, und dreiwertige
Valenzträger unterschieden.
1.sitzt
2. liest
Ania
Ula
3. gibt
das Buch
Ula das Buch Ania
(vgl. Engel 2000, 78 ff.)
Die Tesnièrerische Valenztheorie konzentriert sich vor allem auf Verben. Das
traditionelle satzbegründende Verhältnis zwischen dem Subjekt und dem Prädikat
wurde aufgelöst, und das Verb wird zum strukturellen Zentrum des Satzes. Aus
diesem
Grund
wurde
seine
Dependenzgrammatik
bei
Engel
(1996)
als
Verbgrammatik eingestuft (vgl. Engel 1996, 55 nach Ágel 2003, 90). Valenz ist
jedoch eher als „verbbezogener Teilbereich“ der konnexionellen Dependenz
(Koch/Krefeld 1991, 6 nach Ágel 2003, 90) zu verstehen. Ágel (2003) führt dazu
folgende Beispiele anderer Autoren an: „Valenztheorie ein […] Teilbereich der
Dependenz-Grammatik“ (Happ 1976, 314 nach Ágel 2003, 90) oder „Valenz als
Sonderfall der Dependenz“ (Lamberts 1982, 30 nach Ágel 2003, 90).
6
2.2 Grundgedanken der Dependenzgrammatik
Die Dependenzgrammatik, auch Abhängigkeitsgrammatik genannt, konstituierte sich
in den 50er und 60er Jahren als eine neue, noch aus dem strukturalistischen
Gedankengut schöpfende Strömung der europäischen Linguistik. Im Unterschied zu
anderen syntaktischen Theorien, die sich vorwiegend auf die Identifizierung
einzelner Satzglieder bzw. Produktion von Sätzen konzentrierten, war und ist Ziel
der Dependenzgrammatik die Beschreibung der hierarchischen Struktur von Sätzen
bzw. der hierarchischen Relationen im Satz. Der Semantik wurde vor allen Dingen in
den späteren Valenzkonzeptionen eine aktive und sogar determinierende Rolle beim
Aufbau von Sätzen zugesprochen. Der Satz als sprachliche kommunikative Einheit
und Organisationsform besteht aus kleineren sprachlichen Einheiten (Wörtern), die
selbst entscheidende Voraussetzungen für die Konstituierung von syntaktischen
Ausdrücken, also für ihre Kombination besitzen, die entsprechend den konkreten
kommunikativen Bedürfnissen (…) realisiert werden können.
( vgl. Bondzio,1967, 355)
Von L. Tesnière (1953, 1959) entwickeltes, am Strukturalismus orientiertes Modell
zur Beschreibung der Syntax natürlicher Sprachen. Wichtige Beiträge zu ihrer
Weiterentwicklung leisteten Gaifman, Hays und Heringer. Hauptanliegen der
Dependenzgrammatik ist die Beschreibung der Dependenz-Struktur eines Satzes, d.h.
des Gefüges von Abhängigkeitsrelationen zwischen den Elementen eines Satzes.
Dabei geht man davon aus, dass bei einer syntaktischen Verbindung zweier Elemente
eines das regierende und das andere das abhängige Element ist. Wenn ein
regierendes Element von einem anderen regierenden Element abhängig ist, dann
entsteht eine komplexe hierarchische Dependenzordnung. Als Darstellung solcher
Strukturen verwendet die Dependenzgrammatik Baumgraphen (Stemmata), deren
Zentralknoten der absolute »Regens« eines sprachlichen Gefüges ist (bei Sätzen das
Verb).
7
2.2.1 Die stemmatische Darstellung
Die Dependenzgrammatik geht, wie bereits oben erwähnt, von einer hierarchischen
Struktur innerhalb der syntaktischen Einheiten aus, weshalb Tesnière seine Werke
auch jeweils auf die so genannte „syntaxe structurale“ bezog. Das heißt, es gibt eine
Einheit im Satz, die einer anderen übergeordnet ist, oder umgekehrt. Die einzelnen
Einheiten hängen also voneinander ab, lateinisch „dependere“. Solche Einheiten sind
beispielsweise Prädikat, Subjekt oder Objekt, und sie können bekanntlich aus
einzelnen Worten wie Verben, Substantiven oder Adjektiven, aber auch aus ganzen
Relativsätzen und Ähnlichem, bestehen. Die abhängige Einheit wird „Dependens“,
die
übergeordnete
Einheit
hingegen
„Regens“
genannt.
Innerhalb
der
Dependenzgrammatik gilt das Prädikat immer als die höchste, den Satz regierende
Einheit, von der alle anderen abhängen und die somit die weitere syntaktische Form
des Satzes ausschlaggebend determiniert.
Wenn man die strukturale Ordnung des Satzes als eine graphische Darstellung
bezeichnet, was Stemma heißt und aus übergeordneten Knoten besteht, dann steht
das Verb als oberster Knoten da. Von diesem obersten Knoten hängen alle
notwendigen Satzteile ab. Die einzelnen Elemente eines Satzes werden als Kerne
oder lateinisch Nuclei bezeichnet. Das Fachwort für die innere Beziehung der
einzelnen Elemente heißt Konnexion.
Die Konnexion ist eine Dependenzrelation. Konnexion kann man auch als eine Art
Organisation des Satzes verstehen. Ohne die Organisation ist ein Satz eine schlichte
Verkettung von Wörtern.
( vgl. Heringer/Strecker/Wimmer 1980, 124)
Die Konnexion spielt auch eine große Rolle bei der Darstellung des Stemmas.
Bei dem Satz: „Du trinkst Milch“ würde das Stemma wie folgt aussehen:
trinkst (Nexus)
du (Aktant)
Milch (Aktant)
8
Tesnière hat einen Satz mit dem Theaterstück verglichen, in dem das Prädikat eine
Handlung ist. Die Wörter, die Dependentia sind und vom Verb abhängen, heißen
Aktanten des Prädikats. Sie sind Schauspieler, die in dieser Handlung spielen und sie
erfüllen. Im Theater gibt es auch Kulissen. Im Satz werden sie durch die
Umstandsergänzungen gebildet, die Tesnière Cirkostanten genannt hat. Sie spielen
keine wichtige Rolle im Satz und sind nicht so stark vom Verb abhängig wie die
Aktanten. Sie sind Adverbialbestimmungen des Ortes, der Zeit und der Art und
Weise (aber, schnell…) und man kann sie in einem Satz weglassen, ohne dass er
dabei unverständlich wird.
(vgl. Götze 1979, 17)
Ein Beispiel für die Struktur des oben genannten Satzes mit Circostanten sähe so aus:
trinkst
du
Milch
und
Cola
gern
Circonstant
Das Wort „und“ spielt hierbei eine besondere Rolle. Die Konjunktion „und“ wird
als Junktiv bezeichnet. Eine Junktion charakterisiert die Nebenordnung zweier oder
mehrerer gleichartiger Wörter im Satz. Junktion ist ein Typ syntaktischer Relation,
die unabhängig von der Valenz der Zentralknoten besteht und keinen Einfluss auf sie
hat.
(vgl. Weber 1992, 55)
9
Die dritte Stemmazeichnung soll zeigen, dass ein Aktant gleichzeitig Dependens, das
heißt ein von einem Element abhängiges, und Regens, ein einem anderen Element
übergeordnetes Element sein kann.
Heute schenkt er seinem Sohn sehr teure Konzertkarten
schenkt
er
Sohn
Konzertk.
seinem
heute
teure
sehr
(vgl. Volmert 1999, 138-139)
10
3. Allgemeines über Attribute
Der Begriff „Attribut“ kommt vom lateinischen Wort „attributum“, welches ein
Substantiv ist und wiederum vom lateinischen Verb „attribuere“ stammt.
„Attribuere“ heißt „ein Merkmal hinzufügen“, „mit einem Attribut, einer Eigenschaft
versehen“, demzufolge ist Attribut eine einem Substantiv, Adjektiv oder Adverb
beigefügte nähere Bestimmung, es ist eine Beifügung (Duden 2003, 149). Ähnlich
wird das Attribut im Lexikon der Sprachwissenschaft definiert (Bußmann 1990,
108). Es ist eine Beifügung, nicht selbständige nähere Bestimmung von nominalen
Satzgliedern, daher wird es auch „Gliedteil“ genannt. Es ist die Bezeichnung für
Beifügungen zu jeder syntaktischen Kategorie im Satz, mit Ausnahme des Verbs,
und es charakterisiert Personen oder Sachverhalte hinsichtlich bestimmter Merkmale.
Seine semantische Funktion ist in der Regel die der Prädikation.
Der Gegenstandsbereich des Attributs umfasst eine Vielzahl von einzelnen
Strukturen, die die gemeinsame Eigenschaft haben, dass sie nur von einem Teil des
übergeordneten Satzes abhängig sind und sich nicht auf den Satz als Ganzes
beziehen. Die Attribute werden grundsätzlich nicht als Satzglieder, sondern als
Satzgliedteile behandelt.
Am häufigsten stehen Attribute als nähere Bestimmung eines Nomens:
-
der fleißige Student
-
das Haus meiner Eltern
Attribute können aber auch Wörter aus anderen Wortklassen (außer Verben)
erweitern. Zum Beispiel:
-die zehn Meter breite Straße
11
Das Stemma der valenzgrammatischen Ausrichtung sieht folgenderweise aus:
S.
standen
Häuser
neben
alte
Straβen
befahrenen
stark
→ alte Häuser:
Esub ( Subjektsergänzung)
→ standen:
Verb
→ neben stark befahrenen Straβen:
Esit ( Situativergänzung )
→ alte:
Attribut zu Häuser
→ befahrenen:
Attribut zu Straβen
→ stark:
Attribut zu befahrenen
(vgl. Barufke 1995, 4)
12
Engel (1988, 23) benutzt dabei den Terminus „Satellit“ und stellt fest, dass
„Verbglieder oder Satzglieder Satelliten des Verbs sind und Attribute Satelliten
anderer Wörter sind“. Die traditionell ausgerichtete Duden-Grammatik (Duden 2005,
591) definiert die Attribute als „syntaktische Stellen zweiten Grades“, die innerhalb
der Satzglieder, also der „syntaktischen Stellen ersten Grades“, zum Tragen kommen
und es ermöglichen, das im Gliedkern Genannte zu charakterisieren und genauer zu
bestimmen.
3.1 Attribut und Wortklassen
Attribute können durch Einzelwörter wie folgende repräsentiert werden:
- Adjektive oder adjektivisch gebrauchte Partizipien
der billige Stoff, die goldene Uhr, das rechte Gebäude
der schreibende Arbeiter, der eingefahrene Zug
- Adverbien und Adverbien mit Satzteilkonjunktionen
das Buch hier, das Wetter gestern, ein Spiel wie gestern
- Substantive
das Glück des Dozenten, die Flasche Sekt
- Numerale
die zwei Kinder, der zehnte Jahrestag
Die Stelle eines Attributs können auch Wortgruppen, ganze Nebensätze sowie
Infinitivkonstruktionen ausfüllen. Umstritten ist, ob Wortklassen wie Artikelwörter
und Partikeln zu den Attributen gehören. Die Entscheidung darüber, ob ein Attribut
vorliegt oder nicht, hängt von der Definition des Attributs ab.
(vgl. Duden 2005, 636 ; Helbig/Buscha 2001, 597)
13
3.2 Einzelne Attributsarten
3.2.1 Adjektiv- und Adverbialattribut
In Ausdrücken wie gutes Bier, die neue Idee und ein bemerkenswerter Vorschlag tritt
das Adjektiv in deklinierter Form zum Substantiv auf, es ist Attribut.
Alle syntaktischen Schulen sind sich in der Annahme einig, dass die attributiven
Adjektive Modifikatoren ihres Bezugssubstantivs sind.
(vgl. Eroms 2000, 266 nach Bhatt 1990, 67)
Prinzipiell gleiche prädikative Grundstruktur wie das attributive Adjektiv hat auch
das attributive Adverb - beide sind dem sein - Satz - abzuleiten:
der fleiβige Student
der Student dort
←Der Student ist fleiβig
← Der Student ist dort
Trotz der prinzipiell gleichen prädikativen Grundstruktur gibt es bestimmte
Unterschiede zwischen Adjektiv und Adverb im konkreten Satz:
Die Attribuierung ist beim Adjektiv ein allgemeines Merkmal. Nur wenige, zumeist
aus Substantiven gebildete Adjektive sind nicht attributfähig. Es sind vor allem:
- Adjektive ohne Ergänzung z.B. Die Hose des Jungen ist entzwei
-Adjektive mit Akkusativobjekt z.B. Ich bin das Warten leid
-Adjektive mit Dativobjekt z.B. Die Frau ist dem Mann gram
- Adjektive mit Dativobjekt und fakultativer Pronominalform es: z.B.
Dem Kind war(es)übel
-Adjektive mit Genitivobjekt z.B. Ich bin seiner Worte immer eingedenk
- Adjektive mit Präpositionalobjekt z.B. Der Autofahrer war an dem Unfall schuld
- Adjektive in Zwillingsformeln z.B. Sein Antwortbrief war kurz und bündig
(vgl. Helbig/Buscha 2001, 285-287,309, 494)
14
Das attributive Adjektiv erscheint gewöhnlich vorangestellt-flektiert, das Adverb
nachgestellt-unflektiert. Nachstellung des Adjektivs und Voranstellung des Adverbs
sind nur unter bestimmten Bedingungen möglich. Es ist z.B., wenn ein attributives
Lokaladverb bei einem Subjekt mit bestimmtem Artikel erscheint → Der Mann dort
wird dir helfen.
Das attributive Adjektiv kann durch notwendige (valenzbedingte) und freie
(valenzunabhängige) Glieder, wie z.B. Adverbialbestimmungen, Modalwörter und
Partikeln erweitert sein.
(vgl. Helbig/Buscha 2001, 503)
3.2.2 Partizipiale Attribute
Partizipiale Attribute sind formal Adjektive. Wenn sie unerweitert sind, sind sie in
ihrem Stellungsverhalten wie diese darzustellen. Das gilt für die Präsens- und die
Perfektpartizipien gleichermaßen:
- Ein überzeugendes neues Angebot
- Das geschriebene Wort
Die Domäne der partizipialen Attribute ist aber nicht ihr einfacher Gebrauch,
sondern der mit Erweiterung:
- Das schon lange und zu unserer vollen Zufriedenheit erledigte Problem
Die Präsenspartizipien sind in Bezug auf das jeweilige Substantiv aktivisch, die
Perfektpartizipien passivisch (nur diejenigen, die von transitiven Verben stammen)
interpretierbar:
- Der weggefahrene Zug (aktivischer Partizip II)
- Das Publikum füllt den Saal
- Die Architekturschönheiten sind mir bis dahin verborgen gewesen
( vgl. Eroms 2000, 275
15
Die attributiven Partizipien I sind syntaktisch abzuleiten:
1. aus dem Präsens Aktiv transitiver und intransitiver Verben:
- das lesende Mädchen ← das Mädchen liest
2. aus dem Präsens Aktiv reflexiver Konstruktionen und reflexiver Verben im
engeren Sinne:
- das sich waschende Kind←Das Kind wäscht sich (reflexive Konstruktion)
- das sich schämende Kind←Das Kind schämt sich (reflexives Verb im engeren
Sinne)
3. aus der Verbindung Modalverb +Infinitiv Passiv über die Verbindung sein + zu +
Infinitiv bei transitiven Verben (im Präsens):
- die anzuerkennende Leistung ← Die Leistung ist anzuerkennen ← Die Leistung kann
(muss) anerkannt werden
Die attributiven Partizipien II sind syntaktisch abzuleiten:
1.aus dem Perfekt Vorgangspassiv bei transitiven Verben:
- der gelobte Schüler ←Der Schüler ist gelobt worden
2.aus dem Perfekt Vorgangspassiv über das Zustandspassiv bei transitiven Verben:
- das geöffnete Fenster ←Das Fenster ist geöffnet ←Das Fenster ist geöffnet worden
3. aus dem Perfekt Aktiv bei intransitiven Verben, die perfektiv sind und ihre
zusammengesetzten Vergangenheitsformen mit sein bilden (Verben der Zustandsund Ortsveränderungen):
-
die verblühte Blume ←Die Blume ist verblüht
-
der eingefahrene Zug ←Der Zug ist eingefahren
16
4. aus dem Perfekt Aktiv reflexiver Konstruktionen und reflexiver Verben im
engeren Sinne über das Zustandsreflexiv:
-
das gewaschene Kind ←Das Kind ist gewaschen ←Das Kind hat sich
gewaschen
-
das erkältete Kind ←Das Kind ist erkältet ←Das Kind hat sich erkältet
(vgl. Helbig/Buscha 2001, 494ff.)
3.2.3 Genitivattribute
Das Attribut ist die Domäne des Genitivs. Jedes Substantiv kann ein Genitivattribut
zu sich nehmen, es gehört zu den syntaktischen Eigenschaften der Substantive, dass
sie den Genitiv regieren. Genitivattribute bilden den Übergang zur Gruppe der
postnominalen Attribute, zu denen die meisten von ihnen gehören. Es lassen sich
aber auch vorangestellte finden:
-
Omas neuer Hut, Martins altes Horn, Babys frische Kost
Es handelt sich um Possessivverhältnisse bei Eigennamen und einigen äquivalenten
Formen. Der Ausdruck im Genitiv lässt sich semantisch gesehen als determinierend
auffassen, nur gibt er kein flexivisches Signal für die ganze Gruppe. Die Masse der
attributiven Genitive wird nachgestellt.
Formen wie:
-
Des Herrn Wille geschah, eines jeglichen Menschen Zeit, des Kaisers neue
Kleider
kommen auch in der Gegenwartssprache vor, sind aber stilistisch markiert.
Alle Genitivattribute sind determinierend, d.h. sie spezifizieren im oben angegebenen
Sinne ihr Kopfsubstantiv. Dies kann einfach, erweitert, oder durch Rekursion
geschehen:
-
das Haus der Geschichte
-
das neuerrichtete Haus der deutschen Geschichte
-
der Schlüssel des Schlosses der Tür des Hauses des hölzernen Mannes
17
Unten die Genitivattribute für die Abgrenzung der Typen:
1. Genitivus subjectivus: bezeichnet den tätigen Gegenstand:
die Annahme der Philosophen → die Philosophen nehmen an, dass…
2. Genitivus objectivus: ist auf das Objekt des zugehörigen Verbs bezogen:
die Belastbarkeit der Gewässer → jemand belastet die Gewässer
3. Genitivus possessivus: das ist der Genitiv des Erzeugers oder Besitzers einer
Sache:
das Auto meines Onkels → mein Onkel besitzt das Auto
4. Genitivus partitivus: der Partitivus nennt eine Menge oder Substanz, aus der das
Kernsubstantiv einen Teil ausgliedert: die Hälfte der Bewohner
5. Genitivus qualitatis: ein Mann der Tat → er ist ein tatkräftiger Mann
6. Genitivus auctoris: das ist der Genitiv des Erzeugers oder Besitzers einer Sache:
ein Frühwerk des Meisters → der Meister ist der Urheber dieses frühen Werkes
7. Genitivus explicativus: ein Strahl der Hoffnung → die Hoffnung ist wie ein Strahl
8. Genitivus definitivus: der Genitiv steht zum Bezugssubstantiv in einem ähnlichen
Verhältnis wie die Bezeichnung der Art zur Bezeichnung der Gattung:
die Tugend der Sparsamkeit → Sparsamkeit ist eine Tugend
( vgl. Eisenberg 2000, 246ff.)
18
3.2.4 Präpositionalattribute
Wie dem substantivischen Attribut im Genitiv, so liegen auch dem substantivischen
Attribut im Präpositionalkasus verschiedenartige inhaltliche Beziehungen zugrunde.
Im Einzelnen handelt es sich um solche Beziehungen, die sich durch
Objektsbeziehungen und durch adverbiale Beziehungen ausdrücken lassen. Die
Präpositionen spielen dabei eine unterschiedliche Rolle. Während bei den
Objektsbeziehungen die Präposition nichts über die Art der Beziehung aussagt, ist
bei den adverbialen Beziehungen die Art der Beziehung weitgehend aus der
Bedeutung der Präposition ablesbar:
die Teilnahme (des Sportlers) am Wettkampf
← Der Sportler nimmt am Wettkampf teil.
(Objekt)
das Haus in der letzten Reihe
← Das Haus ist (befindet sich) in der letzten Reihe.
(lokal)
die Ankunft (des Gastes) am Abend
← Der Gast kommt am Abend an.
(temporal)
die Antwort des Kollegen in der Erregung
← Der Kollege hat in der Erregung geantwortet.
(modal)
die Briefmarke für fünfzig Cent
← Die Briefmarke kostet fünfzig Cent
(Maβ- und Wertangabe)
Farben aus Teerprodukten
← Farben sind aus Teerprodukten hergestellt.
(stoffliche Herkunft)
die Ähnlichkeit (der Brüder) zum Verwechseln
←Die Brüder ähneln sich zum Verwechseln.
(konsekutiv)
( vgl. Helbig/Buscha 2001, 499)
19
Substantivische Attribute mit der Präposition durch können neben adverbialen
Beziehungen auch eine Subjektsbeziehung ausdrücken:
Der Spaziergang (der Freunde) durch die Stadt
← Die Freunde gingen durch die Stadt spazieren.
(lokal)
die Lösung (der Aufgabe) durch den Schüler
← Der Schüler löst die Aufgabe.
(Subjekt)
Die Präposition von nimmt unter den übrigen Präpositionen eine Sonderstellung ein,
da sie als Ersatzform des Genitivs auch verschiedene inhaltliche Beziehungen des
Genitivattributs ausdrücken kann:
das Bild Goethes,
← das Bild von Goethe
Den Kernbestand an Präpositionen bildet eine relativ kleine und in sich geschlossene
Gruppe von Ausdrücken mit meist lokaler Bedeutung (Blatz 1896, 605 ff.).
Historisch gehen diese Präpositionen auf Adverbien zurück. In den meisten Fällen
entwickelte sich aus dem Adverb sowohl eine Präposition als auch eine
gleichlautende Verbpartikel, so dass wir etwa haben Sie sitzt vor der Versammlung
(Präposition) und Sie sitzt der Versammlung vor (Verbpartikel).
(vgl. Eisenberg 2000, 263 ff.)
20
3.2.5 Relativsätze
Der Relativsatz wird eingeleitet durch ein:

Relativpronomen: wer und welcher in allen flektierten Formen
o
Das Auto, das ich gestern kaufte, ist heute schon kaputt.
o
Kennst du den Neuen, der erst seit gestern hier ist, schon?
o
Derjenige, welcher dieses T-Shirt trug, sieht schick darin aus.
o
Das, was sie sagt, leuchtet mir ein.
o
Unsere Nachbarn, deren Garten ein Rosenbeet hat, kommen aus
Pakistan.
o


Die Putzfrau, die mein Zimmer putzt, ist sehr alt.
Relativadverb wie z. B. wo, wann, da, so (meist literarisch gebraucht)
o
Dort, wo die Blumen blühen, lass ich mich nieder.
o
Der Tag, da wir verreisen werden, steht noch nicht fest.
o
Der Herrgott, so es ihm gefällt, wird gnädig sein.
pronominales Gefüge, das das eher entstandene und bis ins
Frühneuhochdeutsche häufiger benutzte Relativadverb ersetzt:
o
Länder, in denen Weizen wächst, findet man überall in Europa.
o
Der Tag, an dem wir verreisen werden, steht noch nicht fest.
o
Die Kirche, in der Herr Schmidt als Gemeindepfarrer arbeitet, hat
einen schönen Altar.
21
Das Relativadverb wird in der Hochsprache noch zur Einleitung eines Nebensatzes
gebraucht, wirkt durch seine seltene Verwendung aber heute manieristisch und
gestelzt: Dieser Mann, so ich vertraut habe, wollte nur mein Geld.
In einigen deutschen Mundarten, vor allem im Oberdeutschen, wird das
Relativadverb wo als unspezifische Relativpartikel verwendet: Das Buch, wo ich
gekauft habe, kann ich nur empfehlen.
Der Relativsatz bezieht sich im Regelfall auf ein einzelnes Satzglied. Beispiele zu
Sabine gibt dem Kind Kartoffeln mit Butter:

Sabine, die gerade kocht, gibt dem Kind Kartoffeln mit Butter. (Bezug auf
das Subjekt)

Sabine gibt dem Kind, das ständig schreit, Kartoffeln mit Butter. (Bezug auf
das Dativ-Objekt)

Sabine gibt dem Kind Kartoffeln, die sie vor dem Kochen schält, mit Butter.
(Bezug auf Akkusativ-Objekt)

Sabine gibt dem Kind Kartoffeln mit Butter, deren Qualität sie nicht
anzweifelt. (Bezug auf adverbiale Bestimmung)

Sabine gibt dem Kind Kartoffeln mit Butter, was sein Lieblingsgericht ist.
(Bezug auf Objektsatz)
Im Fall des weiterführenden Relativsatzes kann dieser auch auf den ganzen
Hauptsatz Bezug nehmen.
22
Stellung
Der Relativsatz steht in den meisten Fällen direkt hinter dem Bezugswort.
Ausnahmen gibt es:

Bei Nomengruppen (Beispiel: die Maler des Mittelalters) steht der
Relativsatz hinter der Nomengruppe:
o
Er kannte sogar die Maler des Mittelalters, die ansonsten fast völlig in
Vergessenheit geraten waren.

Wenn der Satz sonst unübersichtlich würde, insbesondere bei langen und
komplexen Relativsätzen:
o
Er hatte die Maler gekannt, die von allen anderen, egal ob tot oder
lebend, vergessen worden waren. (Statt: Er hatte die Maler, die ...,
gekannt)
Restriktiver Relativsatz
Der restriktive Relativsatz schränkt die Menge der möglichen Referenzen der
Bezugsgröße ein.

Das ist der Artikel, den ich lesen wollte (und kein anderer).
Restriktive Relativsätze sind meist Teil einer definiten Kennzeichnung; zur
Verstärkung kann die Bezugsgröße ein Demonstrativpronomen erhalten.

Das ist derjenige Artikel, den ich lesen wollte.
Es gibt aber auch restriktive Relativsätze, die auf eine indefinite Nominalgruppe
Bezug nehmen und diese identifizierbar machen:

Gestern habe ich eine Frau getroffen, die mit mir zusammen Abitur gemacht
hat.
23
Restriktive Relativsätze sind für die Satzkonstruktion obligatorisch, in der
gesprochenen Sprache wird dies durch verschiedene Arten der Intonation (Phonetik)
unterstützt.
Explikativer Relativsatz
Der explikative Relativsatz (auch appositiver, nicht-restriktiver Relativsatz) gibt eine
nähere Beschreibung der Bezugsgröße.

Jens, der in Schönkirchen geboren wurde, lebt nun in Mainz.
Explikative Relativsätze sind für die Satzkonstruktion fakultativ, die Beschreibung
der Bezugsgröße kann auch außerhalb des Satzes erfolgen.

Jens lebt nun in Mainz. Er wurde in Schönkirchen geboren.
Explikative Relativsätze sind Attribute; um ihren attributiven Charakter zu
unterstreichen (und sie von den restriktiven Relativsätzen zu unterscheiden), kann
man dem Nebensatz ein Adverb beifügen.

Jens, der bekanntlich (offenbar, immerhin...) in Schönkirchen geboren wurde,
lebt nun in Mainz.
( vgl. Lehman1984, 112ff.)
24
3.2.6 Appositionen
Auch die Apposition ist eine Art Attribut. Sie zeichnet sich durch folgende
Merkmale aus:
-
Die Apposition und das Bezugswort beziehen sich auf den gleichen
Sachverhalt
-
Die Apposition ist immer weglassbar und kann zumeist auch an die Stelle
ihres Bezugswortes im Satz substituiert werden.
-
Die Apposition wird durch ein Substantiv repräsentiert
Es sind zwei Gruppen zu unterscheiden:
engere Appositionen wie:
1. Frau Maier, Tante Emma, Heinrich Mann
und weitere Appositionen wie:
2. Vizepräsident Fröhlich, dieser allzeit zu Scherzen aufgelegte Kollege
Bei der engeren Apposition handelt es sich im Vergleich mit der weiteren Apposition
um eine gänzlich anders zu beurteilende syntaktische Erscheinung. Sie ist ein
spezieller Attributstyp.
Einige engere Appositionen sind pränominal. Dies sind Vornamen und
Verwandschaftsnamen: Donald Duck, Onkel Dagobert.
In einigen Grammatiken wird auch Titel und Berufsbezeichnungen hierher
gerechnet:
Premierminister Blair, Hauptgeschäftsführer Oberhuber
Weitere Appositionen sind die eigentlichen Appositionen. Sie sind relativ
selbständige Hinzufügungen zum Substantiv oder zum Pronomen und immer
nachgestellt:
Venedig, die Traumstadt im Nordosten Italiens, zieht magisch die Besucher an.
(vgl. Eroms 2000, 300 ff. nach Valentin 1998)
25
Empirischer Teil
Allgemeines
Bei der Analyse der Attribute in der Dependenzstruktur der deutschen
Gegenwartsprache erscheint sinnvoll zu sein, ein authentisches Sprachmaterial zu
verwenden.
Das Korpusmaterial wird der valenzorientierten Analyse unterzogen.
Das Untersuchungsmaterial des empirischen Teils beruht auf Zeitschriften, Literatur
und Internet. Als Textgrundlage für die vorliegende Analyse dienen das Buch von
Czesław Miłosz „Hündchen am Wegesrand“, die Zeitschriften: „Der Spiegel“, „Die
Zeit“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Süddeutsche Zeitung“
sowie einige
Internetseiten.
Der empirische Teil besteht aus folgenden Kapiteln: Die Valenzeigenschaften der
Adjektiv- und Partizipialattribute, Genitivattribute, Attribute als präpositionale
Gruppe, Adverbiale Attribute, Infinitivkonstruktionen und Relativsätz, Apposition als
Attribut
In den erwähnten Kapiteln werden die theoretischen Grundlagen der
Dependenzgrammatik der Attribute anhand der authentischen Belegsätze analysiert.
Diese Belege werden in Bezug auf ihre Valenzeigenschaften behandelt und anhand
eines graphischen Stemmas dargestellt und beschrieben.
26
4. Die valenzbezogene Untersuchung der Sätze mit Attributen in der
deutschen Gegenwartsprache.
4.1 Die Valenzeigenschaften der Adjektiv- und Partizipialattribute
Attribute sind keine Satzglieder, sondern Teile von Satzgliedern, die jeweils auf ein
Nomen bezogen (Mann, Garten, Wetter, Buch, Kinder, Tür) und diesem
untergeordnet sind.
Ein Nomen kann durch ein Adjektiv und adjektivisch verwendetes Partizip näher
bestimmt werden. Das Adjektiv ist dann ein Attribut.
Das Adjektiv und das Partizip stehen in der Regel vor dem Nomen und werden
flektiert.
Adjektive und Partizipien als Attribute + Nomen
Der gute Mann
www.tagesspiegel.de
19.01.2009
Artikel der und Adjektiv gut sind abhängig von Nomen Mann (das Nomen gibt den
Kasus vor, Artikel und attributives Adjektiv werden angepasst).
Adjektiv gut ist abhängig von dem Artikel der (der Artikel gibt die Deklination vor,
das Adjektiv wird angepasst: der gut-e Mann, ein gut-er Mann).
27
Diese Relationen können in einem Dependenzstemma widergespiegelt werden:
Mann
der
gute
B. Barufke (1995, S.16 f.) schlägt vor, bei entsprechenden Dependenzstemmata
einen Spannungsbogen zwischen Artikel und Nomen anzusetzen, etwa bei:
Der schöne Garten
www.hausgarten.net
der
Garten
schöne
Durch den Spannungsbogen wird eine dependentiell-projektive Abbildung
ermöglicht, d.h., dass diese Art grafischer Darstellung praktisch und anschaulich ist.
(vgl. Kotin, 2007,169)
28
Die formale und konstruktionelle Abhängigkeit der Artikelwörter vom Nomen wird
durch deren Platzierung unterhalb des Nomens bezeichnet (wie dies Engel 1988, 630
tut), stellt zugleich aber deren hierarchisch höhere Stellung in Bezug auf sonstige
Attribute durch weitere senkrechte Pfeile dar:
Garten
der
schöne
in Zentrum
[dem]
Stadt
einer
großen
Der Satz:
Paul verkauft Adam sein altes Auto vor dem Autohaus
www.yahoo.de
wäre nach Tesniėre so darzustellen:
verkauft
Paul
Adam
Auto
sein altes
vor
Autohaus
dem
29
Seine ‚virtuelle’ Struktur (mit herkömmlichen Wortartsymbolen) sähe
folgendermaβen aus:
V
N1
N2
N3
Präp
Pronposs Adj N2
Art
N1 – Paul, Adam
N2 – Autohaus
N3 – Auto
Pronposs – sein
Adj- altes, sein
V-verkauft
Präp – vor
Art – der
Das Verb (V) ist das Startsymbol. Die Substantive (N für Nomina) werden in drei
Klassen eingeteilt:
N1:Personennamen, N2:Toponyme, N3:Appellativa,Präp:Präpositionen,
Adj:Adjektive, Pronposs: Possessivpronomen, Art: Artikel.
30
Folgender Beleg:
Frau Prinz schenkt ihrer hübschen Tochter ihre alte Goldkette
www.weltwoche.ch
wäre nach Tesniėre so auszusehen:
schenkt
Frau Prinz
Ihrer
Tochter
Goldkette
hübschen ihre alte
Seine ‚virtuelle’ Struktur (mit herkömmlichen Wortartsymbolen) sähe
folgendermaβen aus:
V
N1
N2
N3
Pronposs Adj Pronposs Adj
N1 – Frau Prinz
N2 – Tochter
N3 – Goldkette
Pronposs – Ihrer,ihre
Adj- hübschen, alte
V- schenkt
31
Die analogischen Stemmata scheinen auch für folgende Belege zu gelten:
Das kleine Kind will die heiße Suppe nicht essen
www.berlinonline.de
Es ist ein hohes Risiko
www.zeit.de
DIE ZEIT 15/2009
Singende Kinder sind klüger
www.schule-und-familie.de
Die geschlossene Tür
www.lr-online.de
Wen kann man für das schlechte Wetter verantwortlich machen?
www.gutefrage.de
32
4.2 Attribute, die durch eine Substantivgruppe ausgedichtet sind.
4.2.1 Genitivattribute
Die Genitivattribute stellen eine besondere Erscheinung dar, und der Kasus Genitiv
nimmt schlechthin als „prototypischer Attributsfall“ (vgl. Kotin 2007; 174 nach
Ogawa 1998; 2006) im Deklinationsparadigma des Substantivs eine spezifische
Stellung ein.
Das Genitivattribut wird in der Regel nachgestellt. Ausnahmen sind ohne Artikel
verwendete Eigennamen und als Eigenname verwendete Verwandschaftsnamen.
Im Satz:
Annas Auto muss in die Werkstatt
www.welt.de
04.06.07
ist Annas von Auto abhängig, weil das Vorkommen von Annas ohne Auto eine
agrammatische Konstruktion zur Folge hat:
- Annas muss in die Werkstatt
Andererseits ist Auto von Annas unabhängig, weil die Existenz von Annas auf das
Vorkommen von Auto keinen Einfluss nimmt (der Satz bleibt auch nach Entfernen
von Annas grammatisch):
- Auto muss in die Werkstatt
33
Die Dependenz zwischen diesen zwei Elementen lässt sich grafisch mit Hilfe einer
vertikalen Dependenzkante darstellen:
Auto
Annas
Die Dependenzrelation im folgenden Beispiel kann analogisch dargestellt warden:
Goethes Roman ist interessant.
www.zeit.de
DIE ZEIT 21/2004
Goethes ist von Roman abhängig, weil das Vorkommen von Goethes ohne Roman
eine agrammatische Konstruktion zur Folge hat:
Goethes ist interessant
Andererseits ist Roman von Goethes unabhängig, weil die Existenz von Goethes auf
das Vorkommen von Roman keinen Einfluss nimmt (der Satz bleibt auch nach
Entfernen von Goethes grammatisch):
Roman ist interessant
Roman
Goethes
34
Die analogischen Relationen gelten auch für folgende Beispiele:
Die Höhle des Löwen ist groß
www.wirtschaftsblatt.at
02.04.08
Das Land der Träume ist da
Czesław Milosz
„Hündchen
am Wegesrand“, Kalendergeschichten, Hanser, 2000)
Jedes Substantiv kann ein Genitivattribut zu sich nehmen. Es gehört zu den
syntaktischen Eigenschaften der Substantive, dass sie den Genitiv regieren. Das
Attribut ist daher dem regierenden Substantiv, dem Kern der Attributkonstruktion,
nebengeordnet.
Das Haus des Vaters
www.spiegel.de
02.02.2004
NGr
N
genattr
N
N
N
N
Das
Haus
des
Vaters
(Gen…)
(Gen…)
(SUBST…)
35
4.2.2 Attribute als präpositionale Gruppe
Ein Nomen kann durch eine Präpositionalgruppe näher bestimmt werden.
Die Präpositionalgruppe steht hinter dem Nomen.
Als Attribut ist die Präpositionalgruppe einem Substantiv oder Pronomen, dem Kern
der Attributkonstruktion, nebengeordnet. Das Präpositionalattribut folgt fast immer
dem Kern.
Blumen günstig um die Ecke in der Susannenstrasse
www.sueddeutschezeitung.de
40 Prozent der Bäume im Wald sind demnach gesund
www.spiegel.de
Die Katze auf dem Sofa heißt Mimi
www.wz.de
NGr
prattr
PrGr
N
36
N
N
Pr
N
N
Die
Katze
auf
dem
Sofa
Substantive sind stets von Verben abhängig. Der Artikel bildet nun keine direkte
dependentielle Zwischeninstanz zwischen Verb und Substantiv, daher bietet es sich
an, zwischen Artikel und Substantiv Gleichstufigkeit anzusetzen:
Art
Substantiv
Dies wird durch die Halbklammer zum Ausdruck gebracht.
Damit werden sowohl die Regensqualitäten des Artikels erfassbar, als auch die
unbestreitbaren Kopf-Eigenschaften des Substantivs in der Nominalphrase.
( vgl. Eroms 2000, 252ff.)
Ein Beispiel dafür:
Das Recht auf Unterstützung
www.tagesspiegel.de
das
Recht
37
auf Unterstützung
Analogisch wird es auch in den folgenden Belegen dargestellt:
Der große Hund unter dem Tisch mag die beiden Katzen nicht
www.gype.com
der
Hund
große
Die Fahrt nach Dresden
www.spiegel.de
die
Fahrt
nach Dresden
38
unter dem Tisch
4.3 Adverbiale Attribute
Ein Nomen kann durch ein Adverb näher bestimmt werden. Das Adverb steht in der
Regel nach dem Nomen. Nur wenige Adverbien können als Attribut zu einem
Nomen verwendet werden. Es handelt sich hier um Lokaladverbien wie z.B. dort
hinten, da drüben, links daneben, dort, sowie um einige zeitliche Adverbien
(Temporaladverbien) wie z.B. heute, morgen, gestern.
Im Satz:
Der Mann dort ist gut angezogen
DIE ZEIT 08/2009
ist dort von der Mann abhängig, weil das Vorkommen von dort ohne der Mann
ungrammatisch wäre:
dort ist gut angezogen
Andererseits ist der Mann von dort unabhängig, weil die Existenz von dort auf das
Vorkommen von der Mann keinen Einfluss nimmt:
Der Mann ist gut angezogen
Die Dependenz zwischen diesen zwei Elementen lässt sich grafisch mit Hilfe einer
vertikalen Dependenzkante darstellen:
der Mann
39
dort
Die analogischen Relationen scheinen auch für folgende Beispiele zu gelten:
Freundliches Wetter heute erwartet
www.bild.de
09.05.09
Freundliches Wetter
heute
Der Mann dort hinten soll ein Verhältnis mit Frau Koch haben
www.derwesten.de
05.09.09
der Mann
dort hinten
40
Die junge Frau da drüben hat unserem Chef den Kopf verdreht.
www.faz.de
11.05.09
die
Frau
junge
da drüben
Die Frau links daneben hat vorigen Monat die Scheidung eingereicht
www.jungewelt.de
25.02.2009 Nr.109
die
Frau
links daneben
41
4.4 Infinitivkonstruktionen und Relativsätze
Ein Nomen kann durch eine Infinitivkonstruktion oder durch einen Nebensatz näher
bestimmt werden. Erweiterte Infinitive als Attribut zu einem Nomen stehen immer
mit zu.
Die Idee, nach München zu fahren
www.derwesten.de
24.10.08
Die Hoffnung, ihn wieder zu sehen
www.von-dalberg-schule.de
Ihr Wunsch, einen reichen Mann zu heiraten, ging leider nicht in Erfüllung.
www.zeit.de
Die Zeit 17/2006
Unserer Bitte, schnell geholfen zu werden, wurde nicht nachgekommen
www.dooyoo.de
Das Risiko, enttarnt zu werden, musste der Spion auf sich nehmen
www.spiegel.de
42
12.03.06
Relativsätze sind zum Verständnis eines Satzes notwendig.
Der Relativsatz leistet eine für das Verständnis wichtige Unterscheidung und somit
eine Einschränkung.
Siehe folgende Beispiele:
Der Hund, der den Rentner gebissen hat, gehört eingesperrt.
www.tagesblatt.de
04.03.09
S
gehört
eingesperrt
der Hund
hat
gebissen
den Rentner
43
Das Wochenendhaus, das wir über die Feiertage mieten wollten, ist belegt.
www.sueddeutsche.de
14.03.09
Die Betten, in denen wir geschlafen haben, waren unbequem.
www.welt.de
27.06.08
Er ist einer, dem man vertrauen kann.
www.sueddeutschezeitung.de
S.
ist
er
einer
vertrauen
man
44
dem
kann
Alles, was teuer ist, muss nicht unbedingt gut sein.
www.spiegel.de
24.07.07
Das Brot, das du heute Morgen gekauft hast, war von gestern.
www.tagesblatt.de
Er erbte eine Firma, die er später verkaufte.
www.faz.de
S.
erbte
er
eine Firma
verkaufte
er
45
die
später
4.5. Apposition als Attribut
Bei der Apposition liegt eine Art von Attribut vor […]. Aber näheres Zusehen zeigt
doch, dass die Unterschiede überwiegen. Die Appositionen sind dependente
Konstituenten, deren Zugehörigkeit zu einem Kern umstritten ist
( vgl. Engel 1994, 280 nach Ágel 2000, 269).
Apposition ist auch eine Art Attribut, die zusätzliche, für das Verständnis nicht
unbedingt notwendige Erläuterungen liefert.
Ein Beispiel für die enge Apposition mit Eigenname:
Bundeskanzler Adenauer
www.faz.de
10.04.09
NGr
N ……………appos…………… N
Bundeskanzler
Adenauer
(Nom, Sg) (SUBST)
46
(PRP)
Das Appositionsverhältnis beruht auf einer Rektionsbeziehung. Das Kernsubstantiv
regiert den Titel in Hinsicht auf Kasus (Nom.) und Numerus (Sg). Das grammatische
Verhalten der NGr nach auβen wird bestimmt vom Kern, d.h. der Titel behält die
Form des Nom. Sg. bei, auch wenn der Kern flektiert wird.
In dem oberen Beispiel ist die Apposition im Vorfeld, also vor dem Bezugswort,
angesiedelt.
Die Apposition kann aber auch im Nachfeld, also hinter dem Bezugswort, stehen.
Siehe folgende Beispiele:
Er bat Paul, seinen Bruder, das Auto zu reparieren
www.yahoo.de
S
bat
Er
Er
S
Paul
bat
Paul,
seinen
seinen
Bruder
Bruder,
.
47
das
Auto
das
Auto
zu
reparieren
zu
reparieren .
Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks
www.andreas-venzke.de
Der November, nass und kalt
www.spiegel.de
20.11.2000
Herr Holz hilft oft dem Fräulein Hinterhalt, seiner sehr hübschen Nachbarin
www.critic.de
Petra liebt ihr Pferd, eine 4-jährige Stute
www.pferde.de
Grundsätzlich stimmt die Apposition im Kasus mit ihrem Bezugswort überein. Dies
gilt dann, wenn das Nomen der Apposition von einem Artikel (oder Artikelwort)
begleitet wird:
Der Matrose, ein wirklich netter junger Mann, fährt schon seit drei Jahren zur See
www.derwesten.de
21.04.09
48
Zusammenfassung
In der vorliegenden Magisterarbeit werden ausgewählte Probleme der deutschen
Dependenzgrammatik behandelt. Als Basis gelten die modernen Auffassungen der
Syntaxtheorie mit besonderer Berücksichtigung des Valenzkonzepts (von Tesniėre,
Engel, Ágel, Eroms, Kotin u.a. ).
Eine besondere Berücksichtigung gilt dabei der Stellung der Attributsgruppen in der
Dependenzstruktur des deutschen Satzes.
Die Abhandlung stellt eine komplexe Analyse einer ausgewählten lexikalischgrammatischen Klasse der sprachlichen Einheiten der deutschen Sprache unter dem
Aspekt der Valenztheorie dar.
Erstens wurde allgemein die Geschichte der Valenztheorie dargestellt. Die moderne
Valenztheorie stützt sich auf die Idee des französischen Sprachwissenschaftlers
Lucien Tesniėre (1893-1954).
Sein Valenzbegriff ist im Rahmen seiner Dependenzgrammatik entstanden. Sein
Hauptwerk „Elements de syntaxe structurale“ (1959) gehört schon zur Geschichte,
aber die Forschungsarbeiten, die als Valenzsätze gelten, setzen das Erbe von Lucien
Tesniėre fort.
Tesniėre hat in den Mittelpunkt des Satzes das Verb gestellt.
Seine Nachfolger dagegen haben sich nicht nur mit der syntaktischen, sondern auch
mit der semantischen Ebene des Valenzbegriffs befasst. Mit der Zeit wurde die
Valenz vom Verb auch auf die anderen Wortarten übertragen.
49
Der zweite Punkt der Abhandlung beschäftigt sich strikt mit Attributen.
Erstens werden die theoretischen Grundlagen der Attribute sowie der Valenztheorie
dargestellt.
In diesem Punkt werden ausführlich einzelne Attributsarten beschrieben.
Die Attribute sind in folgende Arten klassifiziert worden: Adjektiv- und
Adverbialattribute, Partizipiale Attribute, Genitivattribute, Präpositionalattribute
Relativsätze, Appositionen.
Es wird analysiert,welche Möglichkeiten die Valenztheorie bei der Untersuchung der
Attribute hat.
Im praktischen Teil wird die Theorie in Praxis umgesetzt. Das Kapitel hat eine
valenzorientierte Untersuchung des empirischen Sprachmaterials zum Ziel.
Das Korpus besteht aus den Belegsätzen mit Attributen aus verschiedenen Quellen
wie Prosa, Zeitschriften und Internet. Die Belegsätze werden mit Hilfe von
verschiedenen Dependenzstemmata graphisch dargestellt und mit entsprechendem
Kommentar versehen.
Die Kommentare betreffen hauptsächlich die Dependenzrelationen zwischen den
Attributen und ihnen übergeordneten Nomina.
Es wird bestätigt, dass die Erfragbarkeit der Attribute erst „sekundär“ ist und die
„attributive Dependenz“ in einer tieferen hierarchischen Ebene als die subjektale,
objektale oder adverbiale liegt. Dies findet den Ausdruck darin, dass Attribute
grundsätzlich nicht als Satzglieder, sondern als Satzgliedteile behandelt werden.
Attribute können als erfragbare Komplemente zu erfragbaren Gliedern definiert
werden. Dadurch unterscheiden sie sich von Subjekten, Objekten und Adverbialen,
die erfragbare Komplemente zu nicht erfragbaren Gliedern (Verben) sind. Die
Verben sind ihrerseits nicht erfragbare Glieder (und somit Valenzträger), denen keine
(Einzel) Glieder übergeordnet sein können.
50
Die Analyse der Belege im praktischen Teil bestätigt, dass der Vorschlag von Eroms
in Bezug auf die Stellung der Attributsgruppen in der Dependenzstruktur des
deutschen Satzes gut geeignet ist.
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56
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