Hans-Peter Raddatz - Honestly Concerned

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Hans-Peter Raddatz
Antisemitismus im (Gegenwarts-) Islam
Europa im Konflikt zwischen Toleranz und Ideologie
1. Bedingungen muslimischer Existenz
Der Islam ist nicht nur eine politische Religion, die Glaube und Staat zusammenfasst.
Unser Thema muß ebenso der Tatsache Rechnung tragen, daß diese Religion auch ein
zeitübergreifendes Phänomen ist, das sich aus weit zurückliegenden und zugleich
aktuell bewussten Ursprüngen speist. Koran und Tradition sind heute ähnlich lebendig
wie zu Zeiten ihres Stifters Muhammad und des frühen Islam, dessen überliefertes
Vorbild von den Theologen ständig aufgegriffen und als verbindliche Glaubenslinie
weiterentwickelt wurde. Indem die Religion Mensch, Familie, Gesellschaft und Staat
umgreift, liefert sie auch ein Erklärungsmodell für den Islamismus, in dem sich heute die
Vormoderne konserviert und die große Mehrheit der Muslime in zunehmende, politischrechtliche Konflikte mit der Gegenwart bringt.
Im Zeitalter der islamischen Migration und ihrer interkulturellen Konfrontation mit dem
Nichtislam wäre allerdings die Annahme fatal, der Westen könnte diese fundamentalen
Unterschiede negieren und sich die muslimische Diaspora in einer Spielart der "splendid
isolation" authentisch einverleiben. Weder läßt sich gegenwärtiger Islam ohne sein
prophetisches Urmodell denken, noch kann ein „Dialog“ seine teilweise, insbesondere
im rechtlich-politischen Bereich kontroversen Grundlagen außer Acht lassen. Die
universale und zeitlose Struktur dieser Politreligion verpflichtet ihre Anhänger, ihre
Traditionen und Verhaltensweisen unverändert zu bewahren und, wann immer möglich,
auch einer nichtislamischen Umgebung zu oktroyieren. Die Leser/Innen sollten also
nicht erstaunt sein, wenn ihnen nachfolgend Sachverhalte vorgetragen werden, die
nicht unmittelbar mit der islamischen Gegenwart verbunden zu sein scheinen.
Indem sie in ihrer Mehrheit nach wie vor Religion und Politik und damit auch ihre
gesamte Existenz mit der Wahrheit selbst gleichsetzen, gehört zu den wichtigsten
Dogmen der Muslime ihre Selbstdefinition aus dem Gegensatz zu den nichtislamischen
Religionen und Staatssystemen, die sie historisch überwunden haben. Wenn sich diese
Expansion heute in der modernen Migration fortsetzt, so bedeutet dies somit nicht, daß
sie auch die Methoden der liberalen Akkulturation übernommen hätten.
Geschichte und Gegenwart zeigen vielmehr, daß man sich in der interkulturellen
Begegnung von einem historisch gewachsenen, aggressiv abgrenzenden Regelwerk
leiten lässt, das den eigenen Bestand zur obersten Priorität macht. Unter dem Begriff
der Scharia (arab.: Weg) ist es seit nunmehr einem halben Jahrtausend offizieller und
1
zugleich unveränderbarer Inhalt der islamischen Theologie. Es ist integrale Basis der
muslimischen Existenz, Gläubigkeit und Politik und laut der Kairoer Kommission für eine
umfassende Edition der Muhammad-Tradition der „… von Allah gespendete Königsweg
… , der alle Angelegenheiten des Lebens einschließt“.1 Da man im westlichen
Pluralismus diesen ganzheitlichen Kontext oft nicht würdigt, entgeht ihm eine wichtige
Spezialität der islamischen Wahrnehmung: Hier ist es integraler Bestandteil der
Spiritualität, den Nichtislam politisch abzuwehren bzw. zu überwinden.
2. Djihad gegen Juden, Christen und Frauen
Da man die Juden und Christen als koranisch verankerte „Schriftverfälscher“ und heute
als wesentliche Urheber der Moderne betrachtet, spielen sie – zusammen mit den
Frauen – eine traditionelle Feindbildrolle in der islamischen Ideologie. Sie vertreten und
verkörpern Denkprinzipien, die den Bestand des Islam in Frage stellen können - die
Ethik der Juden und Christen auf geistiger, die Selbständigkeit der Frauen auf
biologischer Basis. Da es innerislamisch keinen freien Diskurs über die ethische
Selbstfindung der Juden im Dekalog, noch die – theoretische - Selbstbeschränkung der
Christen im Machtverzicht, noch die sexuelle bzw. geistige Selbstbestimmung der
Frauen gibt, wurden und werden sie strenger Kontrolle unterzogen.
Diese Kontrolle erfolgt unter den Regeln der Scharia, deren konformierende Wirkung
wiederum eine "charismatische Konkurrenz" um ihre beste Erfüllung erzeugt. Wie alle
Ideologien, die das Bewusstsein vereinnahmen, spendet sie Macht und hat daher auch
ihre Wirkung auf die westlichen Eliten nicht verfehlt. Hier ist die Neigung entstanden,
Islamismus vom Islam zu trennen, wodurch ihnen die Scharia zunehmend als Mittel der
Stellvertreterpolitik zuwächst. Zugleich lassen sich über den Hebel der „Toleranz“, ob
absichtlich oder nicht, die gewachsenen Rechte der Basisbevölkerung beschneiden.
Da es außerhalb des Islam kein Sein und damit auch keine Wahlfreiheit gibt, bildet die
Ablehnung des Nichtislam nicht nur Teil der muslimischen Existenz, sondern deren
unverzichtbaren Lebenskern. Besonders überzeugend bekunden also diejenigen ihren
Glauben, die sich Konzepten wie der jüdisch-christlichen Zivilisation und/oder der selbst
bestimmten Frau entgegenstellen. Im Rahmen der Stellvertreterpolitik hat sich diese
Sicht auch der westliche „Dialog mit dem Islam“ zueigen gemacht, dessen interkulturelle
Diskursführung sich zunehmend im Sinne islamischer Interessenwahrung gestaltet.
Die islamische Dynamik, der alternative Weltbilder nur sehr bedingt akzeptabel
erscheinen, ist auch einer breiteren Öffentlichkeit inzwischen als "Djihad" bekannt. Der
Begriff umfaßt Bedeutungsformen der "Anstrengung", die in einem breiten Spektrum die
"charismatische Konkurrenz" aktiviert und dem Einzelnen ermöglicht, sich als nützlicher
Teil der islamischen Gemeinschaft zu verwirklichen. Indem sie Islam und Islamismus
verbindet, spannt sich diese Anstrengung von der geistigen Bemühung um den Glauben
über die Kontrolle der Frau bis hin zur äußersten Anstrengung um die physische
Vernichtung des politischen Gegners, die den Selbstmord einschließt.
2
In dieser Seinsform erlangt die oft zitierte Formel, nach der es "keinen Zwang im
Glauben" gibt (2/256), ihre eigentliche Bedeutung. Sie umschreibt die islamische
Freiheit, die keine Beschränkungen kennt, wenn es um den Bestand und die
Ausdehnung der "Umma", der muslimischen Einheit und Gemeinschaft geht. Sie wird
als "beste aller jemals entstandenen Gemeinschaften" (3/106) verstanden und schließt
zu ihrem Schutz auch die Gewalt ein. In einem somit auf den Islam begrenzten Weltbild
muß auch das Tötungsverbot auf Muslime begrenzt sein. In bezug auf Nichtmuslime
oder ungehorsame Frauen ist dieses Verbot hingegen nicht nur aufgehoben, sondern
wandelt sich zu einem Tötungsgebot, das in Koran und Tradition vielfältig verankert ist.
Seine Verbindlichkeit unterliegt wiederum den jeweiligen Begleitumständen der
"charismatischen Konkurrenz" in der konkreten Praxis. In bezug auf den Unglauben
drückt sie sich in der Propaganda gegen Juden und im Kampf gegen Israel, in bezug
auf die Frauen in den Rechten auf Züchtigung, Vergewaltigung und "Ehrenmord" aus.
3. Euro-islamischer Kampf gegen die Juden
Daraus ergibt sich, daß je konkreter die praktischen Vorteile werden, die sich aus der
„charismatischen Konkurrenz“ um die übergeordneten, islamischen Verdienste ergeben,
desto näher auch die Legitimation der Gewalt rückt. Das muslimische Sein versteht sich
nicht nur als allen anderen Alternativen überlegen, sondern grenzt sich auch in
durchaus plastischer, darwinistisch abwertender Weise ab. So werden Juden mit Affen,
Christen mit Schweinen und Frauen mit Hunden verglichen und damit so abgewertet,
daß die Theologie die rigorose Beschränkung ihrer Lebensbedingungen, ihre
permanente Kontrolle und gelegentliche Vernichtung zu „natürlichen“ Pflichten machte.
Somit erscheint es jedem gläubigen Muslim, noch dazu den führenden Kräften des
Weltislam, als absurd, diese Lebensformen, die außerhalb des Islam stehen bzw.
seinen Bestand latent bedrohen, anzuerkennen, geschweige denn zu ihren Gunsten die
Leitsätze des eigenen Herrschaftsanspruchs außer Kraft zu setzen. Islamische Ethik
richtet sich daher zunächst auf die Wahrung dieses Anspruchs, dessen Lebensmitte
wiederum in der Dominanz des islamischen Rechts, der Scharia Allahs, besteht.
In diesem Rahmen bildet einen der formativen Bezugspunkte der Kampf gegen die
Juden, der noch vom Verkünder selbst auf den Weg gebracht worden war, indem er
einen der Judenstämme Medinas ausrotten ließ. Diese Maßnahme hat eine geradezu
metaphysische Bedeutung erlangt, die weit über die politische Ebene hinausragt. Nur so
läßt sich die über ein Jahrtausend währende Kontinuität des islamischen Drucks auf die
jüdische Diaspora erklären, der sich bis in unsere Tage im Kampf gegen Israel fortsetzt.
Die übergeordnete Rolle dieses Ziels fordert die Autoritäten des Islam immer wieder zu
seiner öffentlichen Wiederholung und Bestätigung auf. Für Muhammad Tantawi,
Großmufti von Ägypten und Azhar-Scheich, besteht kein Zweifel daran, "daß man zu
den Lehren des Islam zurückkehren müsse, um den Feind Allahs zu bekämpfen und die
heilige Erde von den Juden zu reinigen".2 Er gab ein Rechtsgutachten (Fatwa) heraus,
dem zufolge Attentäter gerade dann auch als Märtyrer zu gelten haben, wenn bei ihren
Anschlägen jüdische Frauen und Kinder - und damit die Zukunft Israels - in den Tod
gerissen werden.3 Als seinen Vorläufer und Gewährsmann zitiert er keinen Geringeren
3
als Adolf Hitler, der sich seinerseits auf eine Gewalt vermittelnde Gottheit bezog: "Indem
ich mich der Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn".4
Dieser "Herr" bringt sich ganz ähnlich auch im Koran zu Wort. "Und weil sie ihre
Verpflichtung brachen, haben wir sie verflucht ... Und du bekommst immer wieder
Falschheit von ihnen zu sehen" (5/13) - "Und du wirst sicher finden, daß diejenigen
Menschen, die sich den Gläubigen am meisten feindlich zeigen, die Juden und Heiden
sind" (2/96) - "(Und dies ist zur Strafe dafür), daß sie nicht an die Zeichen Allahs
glaubten und ungerechterweise die Propheten töteten" (3/112) – O die ihr glaubt,
bewahrt euch selbst und eure Angehörigen vor einem Feuer, dessen Brennstoff
Menschen und Steine sind …(66/6)
So erstaunt die Fülle von Hinweisen in der arabischen Literatur nicht, die auf eine
repressive Praxis der Dhimma hindeuten, des "Schutzvertrages", der den Umgang mit
den "Schriftbesitzern" – Juden und Christen - regelt. Wenngleich ihnen koranisch eine
Sonderbehandlung zugesichert wird, so wurde indes der Bruch dieser Vorschrift zum
regelhaften Brauch. Es besteht kein Mangel an Berichten, aus denen die unterdrückte
Lebensweise der Juden, ob im Jemen oder in Ägypten, in Syrien, Irak oder Nordafrika,
gleichermaßen hervorgeht:5 „Auf lange Sicht hatte sie zur Konsequenz, daß die
ansässige bäuerliche Bevölkerung jüdischen und christlichen Glaubens verschwand“.6
Im Kolonialismus machte sich die säkularisierte Form des Antisemitismus geltend. Sie
setzte die Tradition der kirchlichen Judenfeindschaft fort, an der weder Reformation
noch Aufklärung wesentliche Veränderungen bewirkten. Indem sich die Juden ihrerseits
im Zionismus abgrenzten, trugen sie unfreiwillig dazu bei, daß europäische Antisemiten
und islamische Judenfeinde zusammenrückten. Muster der Diffamierung wie der
Ritualmord an Kindern und die "jüdische Weltverschwörung", die in den "Protokollen der
Weisen von Zion" herbeigeredet wurden und werden, halfen wesentlich dabei, die
Muslime in ihrer antijüdischen Tradition zu bestärken und die Juden zum universalen
Sündenbock für die Kränkungen der Kolonialbesatzung zu machen.
So scheint es kein Zufall, daß dieselben großen Geister, die als Vorreiter einer vom
Orient hergeleiteten Toleranz auftreten, teilweise auch große Antisemiten waren. Neben
Voltaire, der in den Juden eine "verkommene und minderwertige Rasse" sah, hielt Kant
sie für völlig unfähig, dem sozialen Zusammenleben zu nützen: "Es wird nichts daraus
kommen, solange sie Juden sind ...Jetzt sind sie Vampyre der Gesellschaft".7
Dieser Ansicht stand Johann Gottlieb Fichte nahe, der eine selektive Toleranz für
bestimmte Religionen vertrat. Er verhöhnte die Versuche Lessings zur Emanzipation der
Juden, deren Integration ihm als "Staat im Staate" unmöglich schien: "Aber ihnen
Bürgerrechte zu geben, dazu sehe ich wenigstens kein Mittel als das, in einer Nacht
ihnen allen die Köpfe abzuschneiden und andere aufzusetzen, in denen auch nicht eine
jüdische Idee sey. Um uns vor ihnen zu schützen, dazu sehe ich wieder kein anderes
Mittel, als ihnen ihr gelobtes Land zu erobern, und sie alle dahin zu schicken".8
Fichte schwebte ein gnostisches, sich selbst vergottendes Bewusstsein vor, ein
„deutsches Urvolk“ in einem einheitlichen Nationalstaat, das zu einem wichtigen
4
Grundstein für den modernen Antisemitismus deutscher Prägung wurde. Nach ihm
hatten Christen- und Judentum als letztlich "asiatische" und damit "blindgläubige"
Konzepte in Europa nichts zu suchen, es sei denn, sie ließen sich nach seiner Vision
durch den "Geist der germanischen Stämme" inspirieren.
Als Vorläufer der Ideologien des unkritischen Islamdialogs und New Age, die den Islam
authentisch, d.h. als homogene Rechtseinheit vertreten, wollte Friedrich Schleiermacher
den deutschen „Nationalorganismus“ vor der Integration des deutschen Judentums als
rassenhomogene Einheit verschonen. Es sollte sich mit ihm arrangieren, um nicht das
Risiko der Entmenschlichung zu laufen und, wie er meinte, "ausgeworfen" zu werden.
Es erschien ihm als eine defekte Hülle des Christentums, der auch ein Platz in der
deutschen Nation zuzubilligen sei, allerdings beschränkt auf seine Elite.
Hegel schließlich sah das Christentum als Aufforderung zur Weltabkehr, die nach den
Einflüssen durch jüdische Unmoral und römischen Synkretismus fast nur noch eine
Sklavenmentalität ohne Geschichtsbezug offen ließ. Dennoch wunderte er sich über
den mysteriösen Ausweg, den die Verbindung aus Lehre und Person Christi aus diesem
Dilemma zu öffnen schien. Widerwillig gab er zu, daß es trotz klerikaler Verfremdung
zu einer eigentümlichen Wahlfreiheit gekommen sei, die individuelle Emanzipation,
Wissenschaft und Säkularisierung ermöglicht habe. Um sie nachhaltig zu sichern,
forderte er jedoch die völlige Lösung vom Judentum, das ihm als Negativfolie für
mechanisiertes Verhalten und als Risiko in der aufgeklärten Gesellschaft erschien.
Diese Sicht eines Christentums, das sich jeder Macht unterwirft und dabei vom
Judentum distanziert, weist nicht nur auffällige Parallelen zur bis heute gültigen DhimmiIdeologie des orthodoxen Islam auf. Diese stimmt ihrerseits ebenso auffällig mit der
marxistischen Lehre überein, nach der jede menschliche Erlösung scheitern muß,
solange noch das Judentum existiert.9 Wer den weltlichen, insbesondere finanziellen
Fortschritt will, muß sich daher von der christlich-jüdischen Zivilisation lösen.
Hier entsteht eine wichtige Schnittstelle zur Politstrategie des Weltislam, besonders der
Islamic Conference, die eine „Miteignerschaft Europas“ anstrebt und zu einer Spaltung
der EU beiträgt. Immerhin besteht neben einem Büro zur Kontrolle antisemitischer
Aktivitäten in Europa die Parliamentary Association For European-Arab Cooperation
(PAFEAC), die sich immer offener gegen die Interessen Israels einsetzt.10
Indem sich europäische Verfassung und islamisches Scharia-Recht ganz allmählich
angleichen, können sich die Europäer auch dem islamistischen Gegenentwurf nähern
und zu Konkurrenten Amerikas machen. Historisch stehen sie in der Tradition ihrer
großen Vordenker wie Kant, Fichte, Hegel und Marx, deren Ideen auch die Mythen vom
islamischen Frieden und von Palästina als arabischer Heimat und, wie Schleiermacher
es nannte, das „Auswerfen“ der jüdisch-christlichen Zivilisation vorbereitet haben.
4. Bärendienst des „Dialogs“ am Judentum
Am Umgang mit der Judenfrage im Islam läßt sich die Vehemenz aufzeigen, mit der
man sich in Europa über alle ideologischen Bedenken und deren historische Belege
5
hinwegsetzt. Inzwischen machen sich fast alle Repräsentanten der wesentlichen
Institutionen eine ambivalente und unkritische Interpretation der muslimischen Weltsicht
zueigen. Stellvertretend für viele andere ist der Soziologe Bassam Tibi zu nennen, der
sich der historisch nicht belegbaren These des Historikers Bernard Lewis anschließt.
Danach haben "weder Judenhass noch Antisemitismus irgendwelche Wurzeln in der
islamischen Geschichte".11 Gleichzeitig offenbart Tibi das objektive Dilemma dieser
Auffassung, indem er einräumt, daß es diesen Judenhaß auch ohne die
Staatsgründung Israels dennoch gibt.12
Eine Weltsicht, die Gewalt, nicht nur muslimische, legitimieren will, wird sich zuverlässig
durchsetzen, wenn sie diese Fakten unterdrückt und durch Fiktionen ersetzt. Tibi liefert
Material, mit dem er den laufenden Strukturwandel anschaulich belegt. Einerseits
kritisiert er das islambezogene Wunschdenken der Europäer, andererseits vertritt er
eine islamische Friedensvision, die ein Gegengewicht zur Wahrheit des Islamismus
bilden soll. Immerhin erwähnt er beiläufig auch, daß die europäischen Eliten im Rahmen
dieses Wandels gegen demokratische Pflichten verstoßen.
Tibis widersprüchliche Wunschversion beruht wesentlich auf drei Fiktionen. Zum einen
bedeute, wie er meint, die islamische Expansion der Spätantike einen Segen für
Europa, weil sie den Kontinent vom Orient abgeschnitten und zur Konzentration auf das
eigene Gebiet und geistige Potential gezwungen habe.13 Worin diese Aktivität konkret
bestand, bleibt unerklärt, während der Orient zum Passepartout wird, das - verbunden
oder getrennt – eine universale Quelle der Kultur bildet. Seine schlichte Existenz – z.B.
im bekannten Mythos von Cordoba – wird zur Bedingung für ein kultiviertes Abendland.
Daraus folgt zum zweiten, daß muslimische Migranten die Rolle des europäischen
Citoyen, des Idealbürgers der Französischen Revolution, übernehmen und zu
sogenannten „Euro-Muslimen“ werden. Anders als Islamisten sollen Muslime dies
bewerkstelligen können, obwohl sie das islamische Kollektiv bilden und eine individuelle
Akkulturation nicht kennen. Tibi verhehlt nicht, daß ihm auch dieses Dilemma geläufig
ist, indem er vor der Einbürgerung in Deutschland warnt. Aus seiner Sicht fußt man hier
auf einem "rassistischen, vormodernen, ethnisch fundierten Recht", dessen Annahme
durch Muslime "äußerst problematisch" wäre.14
Das Orient-Passepartout bedingt einen strikten Positiv-Filter, der vor gegenläufigen
Analysen schützt. So sind die Kreuzzüge vor der Folie abendländischer Gewalt und die
Anti-Kreuzzüge Saladins, des Toleranzidols Lessings, vor der islamischen Friedensfolie
als "Ansätze heutiger, völkerrechtlicher Vorschriften" zu sehen.15 Für unser Thema
erschließt sich daraus als dritte Fiktion, daß es eine universale, wie Tibi von Lewis
übernimmt, "jüdisch-islamische Symbiose" gegeben haben soll, die erst durch den
Islamismus der Muslimbruderschaft und den von ihr importierten Antisemitismus des
Westens beendet wurde.16
Uns wird eine andere Auffassung seines Gewährsmannes Lewis vorenthalten, der dies
Geschehen alternativ auch als „historische, vielleicht irrationale Reaktion eines alten
Rivalen auf unser jüdisch-christliches Erbe, unsere laizistische Gegenwart und die
weltweite Expansion von beidem“ sieht. Lewis baut ethische Hemmschwellen ab und
macht sich die elitäre Strategie zueigen, in der Gewalt eine skrupelfreie Rationalität und
6
Legitimität erlangen kann. Danach provozierte der jüdische Anspruch auf Lebensrecht
seine Vernichtung selbst, indem „Unterdrückung durch einen muslimischen Mob oder
Staat der Preis für illoyales Verhalten unterworfener Gruppen ist“.17
4. Islamischer Antisemitismus und Palästina-Mythos
Ebenso wie Tibi zitieren zahlreiche ambivalente Gratwanderer des „Dialogs“ als
Autorität für die angebliche, interkulturelle Harmonie ausgerechnet Maimonides, den
größten Juden des islamischen Mittelalters. Gerade er kommt jedoch dafür als harter
Kritiker der islamischen Zwangsherrschaft kaum in Frage: "Kein Volk hat jemals Israel
mehr Leid zugefügt. Keines hat es ihm je gleichgetan, uns zu erniedrigen und zu
demütigen. Keines hat es je vermocht uns zu unterjochen, wie sie es getan haben".18
Diesem und anderen Zeitzeugnissen zum Trotz sollen die Muslime den universalen
Orientfrieden begründet und über viele Jahrhunderte mit den Juden eine Symbiose
gepflegt haben, die erst durch die Gewalt des europäischen Antisemitismus beendet
wurde. Die Vertreter dieser These stehen vor einem doppelten Dilemma: Zum einen ist
ihnen jeder Kommentar zum Koran als antijüdischer Ideologiequelle verwehrt, zum
anderen beschwören sie einen fiktiven Friedensislam, für dessen Realisierung sie die
Konzepte schuldig bleiben. Denn historische Daten, die ihrer Sicht nicht entsprechen,
lassen sie nicht zu. Als Konsequenz ergibt sich ein quasi-islamisches Verhalten, das
westliche Konzepte ablehnt und auch wieder den Antisemitismus hoffähig macht.
Ob bewusst oder nicht, werden sie zu Helfern der radikalen Islampropaganda, welche
den Judenstaat als Speerspitze einer doppelten Herausforderung darstellt. In den
Zumutungen, denen die islamische Kultur mit westlicher Wirtschaftsmacht, Liberalität,
Bilderwelt, Frauenrolle, Musik, Pornographie etc. ausgesetzt ist, bilden das
„Weltjudentum“ und Israel die ultimativen Kränkungen. Während die Christen der
Region seit Jahren nahezu geräuschlos dezimiert werden und dem Anspruch Allahs
nicht entgegenstehen, wird dessen Einheit von einem Israel gespalten, das seinerseits
einen historisch gewachsenen Anspruch auf die Existenz im Lande seiner Väter erhebt.
In den semi-totalitären Systemen des Islamgebiets hat man in den Moscheen und
Medien ein untrennbares Kartell der antijüdischen Indoktrination aufgebaut. Unentwegt
fordert Al-Akhbar, die größte Zeitung Ägyptens, die Ausrottung des „Fluchs der Juden“,
der auf dieser Welt lastet. „Ich will dich tot, das nenne ich Frieden“, fügt Al-Ahram hinzu,
Sprachrohr der ägyptischen Regierung, in das auch „Akil“, Organ der türkischen
Islamistenpartei, ähnlich tönte. „Wenn jeder Araber einen Juden tötet, bleibt kein Jude
übrig“, ist ein zentrales Leitmotiv für Druck- und Bildmedien. Ebenso ziehen sich durch
zahllose Blätter, insbesondere in Saudi-Arabien, die Greuelmuster vom jüdischen
Ritualmord, die den Judenmord der Nazis rechtfertigen sollen. Deren Verbindungen zur
Muslimbruderschaft gelten als Beweis, und Hitlers Aussage, „als Mohammedaner den
Krieg gewinnen zu können“, suggeriert den Arabern seither den Holocaust als Pflicht,
nunmehr spektakulär erneuert durch den iranischen Präsidenten.
Längst haben sich der vermeintliche „Friedensprozeß“ in Israel und islamischer
Antisemitismus zu einem Katalog der Gewaltpropaganda verbunden. Journalisten, die
7
zur Mäßigung gegenüber den Juden aufrufen, werden zu „westlichen Agenten“, die mit
Foltergefängnis oder dem Verlust des Lebens bedroht sind. Ungebrochen beherrscht
der radikale Mainstream den Kreislauf der Subversion, Gewalt und Selbstmordattentate.
Da man dies auch in den – teilweise westlich finanzierten – Schulbüchern rechtfertigt,
ist kaum erkennbar, ob überhaupt eine seriöse Friedensbereitschaft besteht und wo sie
ansetzen soll, wenn nicht bei der Jugend.
Seit dem 11. September lernen Attentatsanwärter, daß ihre Detonation den Zugang
zum „Paradies“ garantiert. Moscheen, Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen betreiben
endlose Intensiv-Werbung mit „Rechtsgutachten“ für den verdienstvollen Selbstmord:
„Selbst in vollständig zerrissenem Zustand, als Ansammlungen über und über
verstreuter Organteile“, so ist zu lesen und zu hören, „werden die Märtyrer und ihre
Loyalität von Allah in Ehren angenommen. Denn es ist Allah selbst, der sie für den Krieg
gegen die Juden auswählt, und aus ihrem Opfer unseren Sieg macht.“
Unschwer erkennbar hat dieser Typus von Judenfeindschaft wenig mit dem des
europäischen Antisemitismus zu tun. Die arabische, eher metaphysische Variante ist
ebenso frei von säkularen Elementen, wie der Islam selbst sich der Modernisierung
widersetzt. Und sie macht etwas anderes deutlich, das im pluralistischen Westen oft auf
Unverständnis stößt: die islamische Gewalt als Funktion des Opfers. Da die islamische
Theologie die Prinzipien der freien Willensentscheidung und damit auch der Schuld
nicht kennt, gibt es auch keine gedanklichen Grundlagen, auf denen eine Sublimierung
von Gewalt, geschweige denn eine „Erlösung“ entwickelt werden könnte.
So wird die Ablehnung der westlichen Freiheit und die Begeisterung palästinensischer
Mädchen verständlich, die sich lieber heute als morgen in die Luft sprengen, während
solche Todessehnsucht der jüdisch-christlichen Zivilisation eher fremd ist 19 Das Opfer
bleibt somit zunächst das nichtislamische Andere, auf das man alles Negative projiziert
- ein feindbildbelasteter Kreislauf, der dem Islam erschwert, eine „abrahamitische“
Religion zu werden, weil der Gott der Juden das Menschenopfer beendete. Solange
man auch die Modernisierung ablehnt, bleiben Privatisierung des Glaubens und
Sublimierung des Opfers eher Theorie, die der blutigen Praxis Vorschub leistet. .
Da auch die doppelte Kränkung durch Israel fortdauert, noch dazu von den USA
gestützt, haben inzwischen die Islamisten den metaphysischen Machtanspruch des
Islam politisch besetzt. Von Muslimbruderschaft bis Djihad Islami, von Hamas bis
Hizbollah erstreckt sich die innerislamische Deutungshoheit über die antiwestliche
Strategie, die nicht nur Druck auf den liberalen Teil der islamischen Eliten ausübt,
sondern auch Europa erfaßt hat. Wie radikal sich diese Organisationen allerdings auch
geben mögen, den europäischen Eliten erscheinen sie so "gemäßigt", daß man sie seit
geraumer Zeit sowohl propagandistisch als auch finanziell fördert. Arafat war nicht nur
Terrorist und Friedensnobelpreisträger, sondern auch ein langjähriger Nutznießer
dieser Kollaboration, in der Europa allmähliche Konturen als "charismatischer
Konkurrent" Amerikas im Kampf um islamisches Wohlwollen annimmt.
Wie gesehen, ist diese Entwicklung ihrerseits nicht vom Himmel gefallen, sondern hat
ihre Wurzeln in der Tat zwar nicht nur, aber auch in der jüngeren europäischen
Geschichte. Entsprechend der „doppelten Kränkung“ des Islam leistet Europa seinen
8
Tribut in Form eines Doppelmythos. Als eine Seite der Medaille pflegte man den Mythos
vom Islam als Modell des Friedens, dem man im 20. Jahrhundert die andere Seite
hinzufügte: den Mythos von Palästina als verlorener Heimat. Ihm zufolge waren die
Araber aus blühenden Landschaften vertrieben worden, als Opfer eines perfiden, vor
allem amerikanischen Neokolonialismus.
Wer in die Quellen schaut, die man verständlicherweise weder im Islam noch im
„Dialog“ mit ihm schätzt, wird in bezug auf das palästinensische Ideal ebenso leicht
fündig wie im Falle der "jüdisch-islamischen Symbiose". Palästina spielt weder im Alten,
noch im Neuen Testament, geschweige denn im Islam irgendeine Rolle. Der Name ist
eine römische Wortschöpfung, die im Zuge des Judenaufstands, der Tempelzerstörung
von 70 n. Chr. sowie der folgenden "Befriedung" die alte Bezeichnung "Judäa" ersetzte.
Weder war dieses Gebiet eine territoriale Einheit, noch haben die Araber in ihrer
Geschichte jemals einen Anspruch darauf erhoben. Entgegen dem heute so unentwegt
wie belegfrei wiederholten Mythos handelt es sich um eine Region, die weit über ein
Jahrtausend lang von wechselnden Klanfürsten, oft auch türkischer Herkunft,
beherrscht, ausgebeutet und verwüstet wurde. Die unerträglichen Lebensbedingungen
vertrieben die Menschen und machten Palästina zu einem nahezu leeren, ruinierten
Land als konsequentem Ergebnis des islamischen Systems.
Denn dieses Land konnte von Arabern, zumindest muslimischen Arabern, letztlich nicht
kultiviert worden sein, weil nicht die Landwirtschaft selbst, sondern nur ihre steuerliche
Nutzung zu den Prioritäten des Islam gehört. So schildern denn auch die zahlreichen
Reiseberichte der Neuzeit über Palästina die Umstände der Dhimmi-Existenz, d.h. die
Bestellung des kargen Landes sowie die Ausübung kleiner Gewerbe durch Juden und
Christen und ihre Ausbeutung durch lokale Potentaten.20
Oft genug wiederholt, ist der Mythos zu akzeptierter Geschichte geworden, nach der
man "Millionen von Arabern" aus Palästina vertrieben hat, jenem Land, das seit
Jahrtausenden, wie es offiziell heißt, "seit unvordenklicher Zeit" ihre Heimat war. Diese
Sicht fand ihre konsequente Fortsetzung in der anschließenden Flüchtlingspolitik.
Gestützt von England, entfaltete sich schon während des Zweiten Weltkriegs eine
iilegale, allerdings offiziell geduldete Einwanderung von Arabern, während man mit allen
Mitteln die Immigration von Juden zu verhindern suchte, die man oft an den Grenzen
aufhielt und teilweise sogar nach Europa zurückschickte, wo sie in den Gaskammern
der Nazis umkamen.
5. Westlich-islamische Antisemiten-Allianz
Nach Gründung Israels und dem verlorenen Krieg der Araber 1948 konservierte man
die Flüchtlingslager zu Mahnmalen des Menschenrechts, die den arabischen Anspruch
auf Palästina festschrieben, indem man sich jeder konstruktiven Lösung verweigerte.
Die Begründung des seinerzeitigen, britischen Außenministers E. Bevin, warum man
daran von Anbeginn nicht interessiert war, gilt im Grunde noch heute: "Der Preis für die
Freundschaft Israels wäre zu hoch, nämlich die Gefährdung des Verhältnisses zu den
Arabern, sei es die Basis in Agypten oder das nahöstliche Öl".21
9
Im Rahmen der heutigen Konstellationen mit neuen Mitspielern im Balkan, Kaukasus
und Iran sowie mit den Terrorgruppen der Hamas, Al Qa'ida und anderen wird auch
eine Friedenslösung unwahrscheinlicher denn je. Sie würde schlicht den Einfluß der
alten "Schutzmächte", vor allem Amerikas und Großbritanniens, schwächen, und dem
stetig erstarkenden Machtanspruch des Islam zuwiderlaufen, mit dessen Erfüllung die
Europäer glauben, eine eigenständige Position gegenüber Amerika zu entwickeln.
Damit erscheint der Antisemitismus der islamischen Region nicht nur als originäres
Eigengewächs, sondern auch als Funktion einer europäischen Radikalisierung. Seit
vielen Jahren unterstützt die EU einen massiven Moscheebau und erschwert zugleich
die Integration der zuwandernden Muslime. Parallel zu einer wachsenden Ameriko- und
Judophobie setzt sich bei den Eurokraten die Auffassung durch, daß der Islam „Teil des
westlichen Wertesystems“ ist und somit, wie es heißt, "Anspruch auf die Miteignerschaft
Europas" hat.22 Wie erwähnt, tritt sie ebenso als Finanzier der Islamisten auf, die der
Motor der judenfeindlichen Propaganda im Islam sind. Über diesen Hebel hat sich in
Europa ein neuer, islaminduzierter Antisemitismus entwickelt, der beide Seiten, die
extreme Linke inklusive, verbindet und auf dem Wege scheint, sich dem „alten“
Judenhaß der faschistischen Art anzuschließen.
Wenn wir also über Antisemitismus im (Gegenwarts-) Islam sprechen, ist es im globalen
Kontext schwierig, die Wirtschaftsinteressen Europas von den ideologischen Blockaden
im "Dialog mit dem Islam" zu trennen, ebenso wie sich die Weltmachtkonkurrenz
innerhalb des Westens mit den expansiven Interessen der Muslime verbindet. Erneut
greift hier die "charismatische Konkurrenz", die allerdings im Kampf um wirtschaftliche
und ideologische Marktanteile zu Lasten Israels gehen muß. Denn wenn es zutrifft, daß
die Geschichte von Siegern geschrieben wird, und dabei die Eliten, wie M. Foucault
einst formulierte, „neue Wahrheiten gegen die alten durchsetzen“, dann kann man dem
Doppelmythos vom Frieden des Islam und seinem Anspruch auf Palästina auch
weiterhin eine günstige Prognose stellen.
Somit lassen nicht nur wirtschaftliche Motive der Rohstoff- und Exportpolitik, sondern
insbesondere auch Ideologien, die in gemeinsamer, historischer Judenfeindschaft
gewachsen sind, die westlichen und islamischen Partner noch enger zusammenrücken.
Gerade im globalen Kontext wird sich das uralte Problem des Antisemitismus kaum
isolieren lassen, weil es nicht zuletzt auch ein Phänomen totaler Macht ist.23 . Nicht
wenige Vertreter des "Dialogs mit dem Islam" haben bereits begonnen, die Skrupel des
Shoah-Gedächtnisses abzuschwächen und die Judenfeindschaft der Muslime in Europa
hoffähig zu machen, indem sie deren „Provokation durch Israel“ unterstellen.
Schon 1974 sprach die UNO vom Führer der PLO als „Oberhaupt der palästinensischen
Nation“, und Papst Johannes Paul II. empfing ihn öfter als jedes andere weltliche
„Oberhaupt“. Seit der UN-Konferenz in Durban redet man vom „Terrorstaat Israel“ und
rückt dessen Existenzkampf in die Nähe des Holocaust. Unter den Eindruck des in
Frankreich besonders ausgeprägten Antisemitismus sah der frühere Ministerpräsident
Rocard die Gründung des Judenstaats als „historischen Fehler“.
10
Unverkennbar ziehen Islamisten und westliche Sympathisanten am gleichen Strang.
Unter der alten Rubrik des „Dialogs“ und der neueren der PAFEAC firmiert eine EUweite Lobby, die proislamische Meinungen nicht nur bildet, sondern zunehmend
erzwingt. Die Soziologen nennen solche postdemokratischen Strukturen „NeoInstitutionen“, weil sie die alten Institutionen in Staat und Gesellschaft übergreifend,
vorliegend proislamisch, konformieren. Als Konsequenz ergibt sich, daß wichtige
Zukunftsfragen in Politik und Recht immer offener zuungunsten der Mehrheit ausgelegt
werden, die sich ihrerseits immer weniger demokratisch artikulieren kann. Manche der
Vertreter in Ministerien, Parteien, Justiz, Stiftungen etc. halten es daher für legitim, mit
Terroristen der Hamas und Hizbollah zu konferieren und ihren antisemitischen
Demonstrationen Nachdruck zu verleihen.
Den Islamisten erteilt diese Lobby früher oder später die Gütesiegel der „gemäßigten
Islamisten“ bzw. „werdenden Demokraten“. Daß die Verfassungsschützer sie zugleich
als staatsfeindliche Sicherheitsrisiken einstufen, verdeutlicht die Umbruchsituationen, in
denen sich die Verfassungen der EU-Staaten und das Weltbild ihrer Gesellschaften
befinden. Der sicherste Indikator für die Fortsetzung der Entdemokratisierung Europas
ist jedoch das Ausmaß, in dem es zukünftig auch seine Tendenz zum Antisemitismus
verstärken könnte. Dem scheint wiederum Papst Benedikt XVI. entgegenwirken zu
wollen. Nicht nur im Gegensatz zu seinem Vorgänger, sondern auch mit Blick auf Polen,
das katholischste und zugleich antisemitischste Land der EU, plädiert er für die
Integration der Juden in den Dialog der Zukunft.
Nagel, Islamisches Recht, 3
Tantawi, Das Volk Israels in Koran und Sunna, Kairo 1966.
Hannoversche Allgemeine 18.4.2002
Jochmann, Adolf Hitler - Monologe im Hauptquartier, 301f.
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Lewis, Die Juden, 97
Israel heute 6/2006
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Grunberger/Dessuant, Narzissmus, Christentum, Antisemitismus, 360f.
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