Einführung in die Geologie Übersicht

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Einführung in die Geologie
Teil 9: Sedimente und Sedimentgesteine
Prof. Dr. Rolf Bracke
Hochschule Bochum
International Geothermal Centre
Lennershofstraße 140
44801 Bochum
Übersicht
• Sedimente und Sedimentgesteine im
Kreislauf der Gesteine
Kreislauf der Gesteine
Quelle: Allgemeine Geologie; Verlag: Spektrum
Sedimentäre Stadien des
Gesteinskreislaufes
• Verwitterung und
Erosion
• Transport und
Sedimentation
• Versenkung und
Diagenese
Quelle: Allgemeine Geologie; Verlag: Spektrum
Verwitterung und Erosion
• Physikalische Verwitterung führt zur
Zerkleinerung der Gesteine
• Chemische Verwitterung wandelt Minerale und
Gesteine in veränderte Festkörper
• Entstehende Bruchstücke, Abbauprodukte und
Neubildungen werden durch Erosion
abtransportiert
Klastische Sedimente
• Mechanisch transportierte
feste Gesteinsbruchstücke
• Entstehen durch
physikalische
Verwitterung bereits
vorhandener Gesteine
Quelle: Physical Geology; Verlag: Plummer / Mc Geary
Quelle: Physical Geology; Verlag: Plummer / Mc Geary
Chemische und chemisch-biogene
Sedimente
• In Lösung gegangene Verwitterungsprodukte
sind als Ionen oder Moleküle im Wasser der
Böden, Flüsse und Seen oder Meere gelöst
• Chemische und biochemische Reaktionen
führen zu Ausfällungen und bilden chemische
und chemisch-biogene Sedimente
Sedimenttransport und Ablagerung
• Strömendes Wasser, Wind und Gletscher
transportieren die Sedimentbestandteile abwärts
• Wenn Sedimentbestandteile den Ozean
erreichen und auf den Meeresboden absinken
ist das Ende des Transportes erreicht
Quelle: Physical Geology; Verlag: Plummer / Mc Geary
Strömungsgeschwindigkeiten, Korngröße
und Sortierung
• Starke Strömung ( > 50 cm/s)
– Geröll und große Mengen Detritus werden
transportiert
• Mäßig starke Strömung (20-50 cm/s)
– Transportieren im Wesentlichen Sand und feine Kiese
• Schwache Strömung ( < 20 cm/s)
– Verfrachten lediglich Silt und Ton
Sortierung
• Änderungen der Geschwindigkeit führen zur
Sortierung der unterschiedlichen Körnungen
gute Sortierung
schlechte Sortierung
Quelle: Allgemeine Geologie; Verlag: Spektrum
Sedimentationsräume
• Klassifikation von Sedimentationsvorgängen
• Ablagerungsraum ist in bestimmte
geographische Bereiche eingeteilt, der durch
umweltbedingte und geologische Prozesse
gekennzeichnet ist
– z.B.: Art und Menge des beteiligten Wassers
– Topographie
– biologische Aktivität
Beispiel Sedimentationsraum: Strand
Quelle: Allgemeine Geologie; Verlag: Spektrum
Sedimentationsbildungsräume
Quelle: Allgemeine Geologie; Verlag: Spektrum
Bildungsräume klastischer Sedimente
Quelle: Allgemeine Geologie; Verlag: Spektrum
Bildungsräume chemischer und
chemisch-biogener Sedimente
Quelle: Allgemeine Geologie; Verlag: Spektrum
Sedimentstrukturen
• Alle Schichtungsformen die zum Zeitpunkt der
Sedimentation entstanden sind, werden unter dem
Begriff Sedimentstrukturen zusammengefasst
• Dazu zählen:
– Schichtung z.B. Schrägschichtung, Gradierte Schichtung,
Rippelmarken
– Lagerung
Schrägschichtung
Quelle: Allgemeine Geologie; Verlag: Spektrum
Rippelmarken
Quelle: Allgemeine Geologie; Verlag: Spektrum
Sedimentation und Versenkung
• Verlangsamt sich die Strömung, kommt es zur
Ablagerung der mitgeführten Komponenten
• In Ozeanen kommt es zusätzlich zur
Sedimentation von chemischen oder biogenen
Fällungsprodukten
• Sedimentationsschichten lagern sich
übereinander ab
• Ältere Schichten werden zusammengepresst
und gelangen innerhalb der Erdkruste in größere
Tiefe
Quelle: Physical Geology; Verlag: Plummer / Mc Geary
Diagenese
Quelle: Allgemeine Geologie; Verlag: Spektrum
Diagenese
Quelle: Allgemeine Geologie; Verlag: Spektrum
Klassifikation der klastischen Sedimente
• Klastische Sedimente bilden 3/4 aller Sedimente der Erdkruste
• vorwiegend mechanisch sedimentierte detritische Körner bzw.
Klasten silikatischer Zusammensetzung einschl. Quarz.
• Primäre Klassifikation: Unterteilung nach ihrer Korngröße
– unverfestigt: Kies, Sand, Schluff, Ton
– verfestigt: Konglomerate, Sandstein, Schluffstein, Tonstein
• Weitere Unterteilung Innerhalb der einzelnen
Korngefügeeinheiten nach mineralogischer Zusammensetzung
bzw. dem die Körner verkittenden Bindemittel
– z.B. quarzreiche, feldspatreiche, kieselige oder mergelige
Sandsteine bzw. kalkige oder bituminöse Schiefertone.
Klassifikation der klastischen Sedimente
Klassifikation entsprechend der Korngröße
Quelle: Gesteinsbestimmung im Gelände; Verlag Spektrum
Grobklastische Sedimente
Konglomerat, Brekzie, Kies, Steine, Blöcke
Unverfestigte Grobklastika
• Kiesfraktion (2 - 63 mm): nicht bindige Kiese, Gerölle, Schotter
• Steine und Blöcke (> 63 mm): Vollständige gerundete oder
kantige Gesteinsfragmente
Diagenetisch verfestigte Grobklastika (> 2 mm)
• Konglomerate
– bestehen aus mehr als 50% gut gerundeten bis
kantengerundeten Mineral- oder Gesteinsbruchstücken
– monomikt oder polymikt (eine oder mehrere Gesteins- oder
Mineralarten)
• Brekzien
– aus vorwiegend scharfkantigen-eckigen Gesteinsbruchstücken
– entstehen i.d.R. nicht weit entfernt vom Liefergebiet
Grobklastische Sedimente
Beispiele
Grobkies (Strandgeröll)
Konglomerat
Brekzie
Quelle: Allgemeine Geologie; Verlag: Spektrum;
Gesteinsbestimmung im Gelände; Verlag Spektrum
Mittelkörnige klastische Sedimente
Sand und Sandsteine
• Sand: unverfestigte, nicht bindige Sedimente (0,063 – 2 mm)
• Sandstein: diagenetisch mit Bindemittel oder Zement (häufig
Quarz oder Calcit) verfestigte Sande
• Korngröße: spiegelt Stärke der Transportströmung und Größe der
im Ausgangsgestein erodierten Kristalle wider.
• Kornformen
– gerundet durch Abrieb bei z.B. langen Transportwegen.
– wenig und nicht gerundet bei kurzen Transportwegen
• Mineralische Zusammensetzung: abhängig vom
Ausgangsgestein, chemische Verwitterung im Zielgebiet und
Umlagerungs-/Transportvorgänge (Abtrennung, Sortierung)
• Hohe Porositäten: Grundwasservorkommen, Erdöl-/ Erdgaslagerstätten und Einsatz (hydrothermaler) Geothermie
Mittelkörnige klastische Sedimente
Sandsteintypen
Unterscheidung nach
Mineralogischer
Zusammensetzung
Mittelkörnige klastische Sedimente
Beispiele
Rotsandstein (geschichtet)
Rotsandstein (mit Hämatitüberzug)
Grünsandstein (mit Glaukonitpellets)
Grauwacke
Quelle: Gesteinsbestimmung im Gelände; Verlag Spektrum
Feinklastische Sedimente (Schluff, Ton,
Schluffstein, Tonstein, Schieferton)
Unverfestigte Feinklastika
• Schluffe (0,002 – 0,063 mm) oder Tone (0,002 – 0,063 mm)
• bindige Sedimente mit geringer Porosität
• Transport erfolgt bereits durch sehr schwache Strömungen
• Ablagerung, wo ein langsames Absinken möglich ist
Diagenetisch verfestigte Feinklastika
• Schluffstein (auch Siltstein genannt)
• Tonstein (mit oder ohne schichtparallelen Ablösungsflächen)
– Schieferton: stärker verfestigter, schichtiger Tonstein,
– Schwarzschiefer: reich an feinverteilten organischen
Komponenten und Pyrit
– Ölschiefer: Schwarzschiefer mit bituminösen Komponenten
Feinklastische Sedimente
Beispiele
Schluffstein (Rotliegend)
Schieferton
Massiger Tonstein
Quelle: Allgemeine Geologie; Verlag: Spektrum;
Gesteinsbestimmung im Gelände; Verlag Spektrum
Klassifikation der chemischen und
chemisch-biogenen Sedimente
• Vorwiegend marine Sedimente aus Küstenbereich,
Kontinentalschelf und Tiefsee
• Klassifikation nach chemischer Zusammensetzung
– abhängig von den chemischen Elementen, die im
Meerwasser (im Falle von marinen Sedimenten) in
ionischer Form gelöst waren
• Überwiegend karbonatische Sedimente wie Kalkstein und
Dolomit, die durch Akkumulation von biogen oder anorganisch
gefällten Carbonat-Mineralen entstanden sind.
Klassifikation der chemischen und
chemisch-biogenen Sedimente
Carbonatsedimente
Kalksteine
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Gesteinsbildendes Mineral ist i.W. aus Calcit (CaCO3)
Anorganische Bildung aus Ca(HCO3)2-Lösungen, in denen das Lösungsgleichgewicht durch Entzug des Lösungsmittels (Wasser), Entzug von CO2 oder
Temperaturerhöhung verändert wird.
Bioklastische Bildung aus Anhäufungen organischer Reste auf dem Meeresboden (u.a. Schreibkreide sowie Fossilkalke wie Muschel-, Crinoiden- und
Korallenkalk mit Fossilfragmenten > 50%)
Kalkoolithe bestehen aus kalkigen kugelförmigen Partikel, die im bewegten
Wasser durch allseitig gleich starke Karbonatanlagerung entstehen
Mikrokristalline Kalksteine (feinstkörnig) durch diagenetisch verfestigte Kalkschlämme (Ausfall winziger nadelige CaCO3 –Kristalle im ruhigen Meerwasser)
Massenkalk ist frei von erkennbarer Schichtung
Plattenkalk ist geschichtet mit dünnen mergeligen oder tonigen Zwischenlagen
Süßwasserkalke: Travertin (Thermalwasserquellen), Sinterkalk (Quell- und
Bachwasser, Tropfsteinhöhlen), Seekreide (Süßwasserseen)
Kalksteine
Beispiele
Massenkalk
Wettersteingebirge
Plattenkalk
Sinterkalk
Crinoidenkalk
Kalkoolith
Travertin
Quelle: Gesteinsbestimmung im Gelände; Verlag Spektrum
Carbonatsedimente
Dolomite, Mergel
Dolomit, CaMg(CO3)2
• i.A. sekundäre diagenetische Bildungen, wo das primäre Fällungsprodukt Calcit nach Ablagerung durch Zufuhr und Einbau von Mg2+
aus dem Meerwasser in Dolomit umgewandelt wird (Metasomatose).
• Volumenverminderung bis ca. 10 % durch Dolomitisierung (Verdrängung von Calcit), wobei zusätzliche Hohlräume entstehen können.
• direkt aus Meerwasser ausgefällte Dolomite sind sehr selten.
• bei spätdiagenetischen Dolomit z.T. zuckerkörniger Glanz
Mergel
• karbonatisch-klastische Mischgesteine, deren klastischer Anteil sich
auf die Tonfraktion beschränkt.
• Bezeichung entsprechend Carbonat-Anteil (Mergeliger Kalkstein, Mergelkalk, Kalkmergel, Mergel, Tonmergel, Mergelton, Mergeliger Ton)
Dolomite, Mergel
Abbildungen
Spätdiagenetischer Dolomit (Alpen)
Wechsellagerung Kalk-Mergel
Quelle: Gesteinsbestimmung im Gelände; Verlag Spektrum
Evaporite: Steinsalz und Gips
•
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Evaporite entstehen, wenn bei zunehmender Verdunstung von
Meerwasser oder Wasser abflussloser Seen in ariden Gebieten die
gelösten Substanzen (Salzminerale) anorganisch gefällt werden.
Erst rund 70% des Meerwassers müssen verdunstet sein, bis sich
gesteinsbildende Sulfate (wie Gips oder Anhydrit) und Chloride, (z.B.
Steinsalz und Kalisalz) entsprechend ihres Löslichkeitsproduktes
auskristallisieren.
Quelle: Allgemeine Geologie; Verlag Spektrum
Evaporite: Steinsalz und Gips
Steinsalz (Flanke eines
Beispiele
Salzstockes am Toten Meer)
Anhydrit (links) und Gips (rechts)
Kalkoolith
Kalkoolith
Mit Gips
durchsetzter
Salzton
Salzkristall
Quelle: Gesteinsbestimmung im Gelände; Verlag Spektrum
Kieselsedimente
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Anorganisch ausgefällte Kieselsäure findet sich z.B. in Feuersteinen /
Hornsteinen. Es handelt sich um schichtweise konzentrierte linsige
und/oder knollige Kieseleinlagerungen diagenetischer Entstehung.
Die meisten kieseligen Sedimentite wie Kieselgur bzw. Radiolarite
bilden sich organogen, d.h. amorph in den Schalen von Kieselsäure
abscheidenden Kieselalgen (Diatomeen) bzw. in den Stützskeletten
von Einzellern (Radiolarien).
Hornstein
Quelle: Allgemeine Geologie; Verlag Spektrum
Weitere chemische und chemisch-biogene
Sedimente
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Eisenverbindungen: Fe2+ ist nur in reduzierendem Milieu stabil. Es kann als
Eisenkarbonat (FeCO3), Eisensulfid (FeS2) und als Eisensilikat gefällt werden.
Wird es zu Fe3+ oxydiert, entsteht Limonit (FeOOH). Als Limonit - oder nach
Hydroxydentzug als Hämatit liefert es die braune bzw. rote Farbe vieler Sedimentite. In größerer Konzentration können die genannten Eisenverbindungen
gesteinsbildend auftreten (z.B. in Eisenoolithen).
Phosphorite: Ausfällungen aus phosphatreichen Meerwasser
Kohle (aus Pflanzenresten)
diagenetische Inkohlungsreihe: Torf - Braunkohle - Steinkohle - Anthrazit
Weichbraunkohle
Steinkohle
Quelle: Gesteinsbestimmung im Gelände; Verlag Spektrum
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